Malariainfizierte ziehen Moskitos an

Immer werde ich gestochen! Dass dieses Phänomen nicht subjektiv ist, wurde bereits durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Warum jedoch manche Menschen Mücken stärker anziehen als andere ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Bei der Atmung entstandenes CO2 führt zum Beispiel dazu, dass die Mücken ihr Opfer überhaupt erst finden. Der Körpergeruch und die Zusammensetzung der Bakterien auf der Haut, das Hautmikrobiom, entscheiden darüber wie attraktiv ein Mensch auf die Mücke wirkt, ob sie ihn also stechen wird. Dabei spielt auch die Ernährung eine Rolle – unter anderem führt der Genuss von alkoholischen Getränken dazu, dass Mücken stärker angezogen werden.

Malaria wird von Anophelesmücken übertragen

Malaria wird von der weiblichen Anophelesmücke übertragen, welche den Malariaparasiten Plasmodium während ihrer Blutmahlzeit auf den Menschen weitergibt. Plasmodium hat einen komplizierten Lebenszyklus, der sich sowohl in der Mücke als auch im Menschen abspielt. Dieser verbreitet sich, indem er durch einen weiteren Stich wieder von der nächsten Mücke aufgenommen wird.

Auch die Anophelesmücke scheint manche Menschen lieber zu stechen als andere. Unter anderem spielt dabei eine Rolle, ob der Betroffene bereits mit Malaria infiziert ist oder war. Offenbar wirken nämlich aufgrund ihres veränderten Körpergeruchs Malariapatienten anziehender auf die Mücken als uninfizierte Individuen.

Ein Molekül zieht Moskitos an

Der Aufklärung dieses Phänomens sind nun Ingrid Faye und ihre Arbeitsgruppe vom Wenner- Gren Institute in Stockholm einen großen Schritt näher gekommen: Der Parasit Plasmodium produziert im Menschen das Molekül (E)-1-Hydroxy-2-methyl-but-2-enyl 4-diphosphat (HMBPP), das zu vermehrter Freisetzung von CO2, Aldehyden und Monoterpenen durch menschliche Körperzellen führt. Diese Substanzen wiederum verändern den Körpergeruch welcher somit attraktiver auf die Anophelesmücke wirkt.

Ingrid Faye und ihre Gruppe haben die Vorlieben der Mücken in einem Dual-choice Attraction Assay getestet. Die Mücken wurden dazu in ein Y-förmiges Röhrensystem entlassen. An einem Röhrenausgang befanden sich rote Blutzellen, welche mit HMBPP versetzt waren, während der andere Ausgang auf unveränderte rote Blutzellen zuführte. 95% der Mücken flogen in die Richtung der mit HMBPP modifizierten Blutzellen. Zudem reichten in ihren Experimenten schon Spuren von HMBPP im Blut aus, damit die Anophelesmücken dieses Blut mit doppelter Wahrscheinlichkeit zu sich nahmen. Dazu haben die Forscher Blutproben mit HMBPP versetzt, welches sie den Mücken alternativ zu unverändertem Kontrollblut serviert haben. Des Weiteren konnten sie zeigen, dass die Größe der Blutmahlzeit in Anwesenheit von HMBPP anstieg, was zwar keinen negativen Einfluss auf die Anophelesmücken hat, jedoch die Chancen des Parasiten von der Mücke wieder aufgenommen zu werden steigert.

Wie sich der Parasit sein Überleben sichert

Der Malariaparasit Plasmodium hilft seinem Schicksal durch die Freisetzung von HMBPP also gleich dreifach auf die Sprünge – es erleichtert der Anophelesmücke durch die sekundär im Menschen entstandenen Duftstoffe sein Opfer zu finden, es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Mücke ihre Blutmahlzeit auch von diesem Opfer zu sich nimmt und es steigert das Volumen der Blutmahlzeit. Durch diese Strategie ist Plasmodium nicht auf den Zufall angewiesen, dass die Mücken die „Richtigen“ stechen und steigert seine Chancen auf eine Wiederaufnahme in die Mücke. Damit sichert sich der Parasit sein Überleben und seine Verbreitung.

Literaturquellen

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Veröffentlicht von

Dr. Anja Rüther testet an der Monash University in Melbourne spektroskopische Methoden zur Diagnose von Infektionskrankheiten, insbesondere Malaria. Ihre Forschung bringt sie in die entlegensten Ecken Südostasiens, wo sie Proben von Malariapatienten mit Infrarotspektroskopie untersucht. Nach dem Pharmaziestudium in Berlin und Innsbruck hat sie in pharmazeutischer Chemie in Freiburg promoviert. Während ihrer Promotion hat sie chiroptische Spektroskopiemethoden zur Untersuchung dynamischer Systeme verwendet.

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