Strafbare Wahrheit

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Öko-Logisch?

Gefängnisfenster (Foto: Pixelio)

Über Wochen waren Junichi Sato und Toru Suzuki in Untersuchungshaft, heute wurden sie in Japan offiziell angeklagt. Ihr Vergehen? Die beiden Greenpeace-Mitarbeiter lieferten der Polizei Beweise für Korruption beim japanischen Walfang. Die stürmte daraufhin das Greenpeace-Büro und verhaftete die beiden Mitarbeiter. Das Verfahren gegen die Walfänger stellte die Staatsanwaltschaft umgehend ein.

Es ist immer schwierig, aus der Ferne solche Fälle zu beurteilen. Aber was sagen Sie zu den Beweisen, die die beiden Greenpeace-Mitarbeiter präsentiert haben? Als das Waleverarbeitungsschiff Nisshin Maru am Ende der Fangzeit wieder in Japan anlegte, wurden vier Boxen mit je 23,5 Kilo hochwertigem Walfleisch (Unesu) statt wie üblich eingefroren in Salz gelagert – und als „persönliches Gepäck“ von Crew-Mitgliedern und Angestellten der Firma Kyodo Senpaku gekennzeichnet. Mindestens 93 solcher Pakete sollen laut Greenpeace verschickt worden sein. Eines davon stellten die Greenpeace-Mitarbeiter sicher und übergaben es samt Beweisfotos und Zeugenaussagen der Polizei – mit den schon genannten Konsequenzen.

Die japanische Fischereibehörde hingegen behauptet gegenüber Greenpeace, nur offiziell sanktioniertes Walfleisch sei entladen worden. Greenpeace vermutet daher, dass die Firma Kyodo Senpaku, das Institut für Walforschung und die Fischereibehörde in die Unterschlagungen verwickelt sein müssen oder sie zumindest tolerieren. Besonders brisant sei, so Greenpeace, dass der Walfang mit Steuergeldern gefördert werde.

Selbst wenn es irgendwelche abwegigen Erklärungen für die 93 „privaten“ Pakete gäbe – mir erscheint es reichlich abwegig die Übergabe einer solchen Kiste an die Polizei als Diebstahl zu bezeichnen. Wie definieren Sie Diebstahl? „Fremden Besitz, bei dem ich eine Straftat vermute, der Polizei übergeben“? Und selbst wenn man eine Straftat formell als begangen betrachtete: Rechtfertigt das, die beiden Mitarbeiter für die gesetzlich mögliche Höchstdauer von 23 Tagen ohne Anklage in Untersuchungshaft zu halten? Wir reden von einem Marktwert von 3 000 US-Dollar und zwei Menschen, bei denen sicher keine Fluchtgefahr besteht. Bleibt zu hoffen, dass zumindest die Gerichte in Japan noch über einen Rest gesunden Menschenverstand verfügen, und dass sich Greenpeace in Japan auch weiterhin nicht einschüchtern lässt.

Bisher haben weltweit 200 000 Menschen bei der japanischen Botschaft protestiert und die Freilassung von Junichi Sato und Toru Suzuki gefordert. Hier können Sie sich per E-Mail anschließen.

Foto: Pixelio

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Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

1 Kommentar

  1. Email-Aktion

    Immer wenn ich solche Nachrichten lese, dann hoffe ich, dass unsere Gesellschaft ihre demokratischen Prinzipien im Auge behält……
    Die Email-Aktion habe ich unterstützt – ist ja so einfach 🙂

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