Rettet das Klima, esst mehr Walfleisch!

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Stahlwal in Duisburg (Foto: Pixelio)

Weltweit gibt es noch drei Nationen, die unter dem Deckmantel der Wissenschaft kommerziellen Walfang betreiben: Japan, Island und Norwegen. Letzteres ist jetzt erstmalig mit einem Ergebnis an die Öffentlichkeit getreten. Die High North Alliance (HNA), die die Interessen der norwegischen Walfänger vertritt, fand heraus, dass der Konsum von Walfleisch das Klima schützt.

Die HNA hat dazu gemessen, wieviel CO2 die norwegische Fangflotte pro Kilo Walfleisch produziert und festgestellt, dass das weniger ist, als bei der Produktion von anderem Fleisch – weniger als die Hälfte von Hähnchen und etwas mehr als ein Zehntel von Rind und Lamm. Nun bin ich durchaus bereit, weniger Fleisch zu essen, um Urwälder zu erhalten, den Klimawandel zu verlangsamen und die globale Ernährungslage zu bessern. Dafür jedoch auf Walfleisch umzusteigen, dürfte ein eher mäßig gelungenes Konzept sein.

Zunächst ist es wenig überraschend, dass ein kleiner Dieselkutter weniger CO2 produziert als die Mastviehwirtschaft über das Leben eines Rinds. Ein Rind, das sein Leben einfach auf einer saftigen Weide verbringt, dürfte mit dem Wal durchaus konkurrieren können, nur diese Form der Nutztierhaltung bei uns selten geworden. Aber nicht nur die angegebene CO2-Bilanz der Landtiere ist fraglich, auch die der Wale stimmt so nicht. Wale müssen ebenfalls fressen um zu wachsen, und sie fressen Krill, der sich seinerseits von pflanzlichem Plankton ernährt, welches viel CO2 bindet. Fehlt der Wal, entsteht mehr Krill, bleibt weniger pflanzliches Plankton, wird weniger CO2 gebunden. Hinzu kommt der Transport, denn während ein Rind in jedem Garten gehalten werden könnte, passen in die wenigsten Gartenteiche ausgewachsene Wale.

300 000 bis 500 000 Zwergwale soll es weltweit noch geben. Sicher eine Zahl, die nachhaltig bejagt werden kann – was indigene Völker in Grönland und Russland daher meinetwegen gerne tun mögen. Als klimafreundliche Nahrungsbereicherung taugen Wale aber ganz sicher nicht. Vor allem, da heute schon Walfleisch als Tiefkühlkost endet, weil nicht einmal mehr in Japan die Nachfrage groß genug ist. Bei mir gibt es heute Spargel, klimafreundlich gefangen.

Foto: Pixelio

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Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

4 Kommentare

  1. Diese “Erkenntnis” von Norwegen ist schon ein dickes Ding. Klar das die das sagen, die brauchen doch nur eine weitere Begründung, dass sie weitere Wale töten können. Irgendwie verstehe ich die Regierung dieses Landes nicht. Norwegen ist nicht verschuldet, hat ein gutes Staatsvermögen, genug Arbeitsplätze fürs Volk, aber trotzdem machen sie noch solchen Stuss. Was hat denn der norwegische Walfang mit wissenschaftlicher Forschung zu tun? Denen ihre Forschung sieht bestimmt so aus, dass sie erst einen Wal fangen, töten, und dann eine wissenschaftliche Studie rausbringen, dass es wieder einen Wal weniger auf dem Planeten gibt.

    Unverständlich, sowas…

  2. Um Ausreden nicht verlegen

    Um Argumentationen scheinen die Norweger wohl nicht verlegen zu sein. Jetzt wird der Klimaschutz vor das Artenaussterben geschoben. Wenn man schon den CO2-Ausstoß der Lebewesen erfasst und diese gegen den Schadstoff-Ausstoß der Dieselkutter gegenhält, dann ist das schon ein sehr eigenartiger Vergleich.

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