Pst! Flugzeuge schaden dem Klima!

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Umwelt sind Du und ich
Öko-Logisch?

Flugzeugflügel (Foto: Pixelio)

Billigflieger und Kurzstreckenflüge boomen. Manch einer, der nicht als Flugplatznachbar schon mit Demonstrationen gegen weitere Startbahnen oder Nachtflüge ausgelastet ist, mag sich gefragt haben, ob sich das nicht auch aufs Klima auswirkt. Über den Straßenverkehr wird schließlich immer kräftig geschimpft (auch hier und von mir). Experten haben daher die Klimawirkung des Flugverkehrs ausgerechnet und Überraschendes festgestellt – das unverzüglich in der Schublade verschwand.

Zehn Wissenschaftler und Luftfahrtexperten hatten im letzten Jahr Daten gesammelt und vier Modelle entwickelt, wie sich die Emissionen der Luftfahrt auf Menschen und das Klima auswirken. Vorgestellt werden sollte das Ergebnis auf einer Konferenz in Barcelona – bis es fest stand. Die Konferenz bekam das Papier nie zu Gesicht, erst jetzt hat die britische Environment Federation es in die Hände bekommen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

1,2 bis 1,5 Milliarden Tonnen CO2 wird die Luftfahrt demnach im Jahr 2025 produzieren, mehr als doppelt so viel wie heute. Darin berücksichtigt ist durchaus schon die zu erwartende technische Modernisierung der Flotten. Der viel zitierte Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) hatte in seinen Szenarien noch weit niedrigere Zahlen genannt. Und CO2 ist nur der Gipfel des schmelzenden Eisbergs. Durch ihre Flughöhe wirkt selbst der Wasserdampfausstoß von Flugzeugen klimaschädlich, von anderen Gasen ganz zu schweigen.

Jetzt ist es leicht, die Schuld bei Flugzeugherstellern oder Fluggesellschaften zu suchen. Leicht, weil man dort sicher fündig wird. Aber auch die Politik verschläft es seit Jahren, wirkungsvolle Steuerungsmaßnahmen zu ergreifen. Flugbenzin ist noch immer steuerfrei, etwas, das man sich für den Straßenverkehr gar nicht vorstellen könnte. Der Handel mit Verschmutzungszertifikaten schließt die Luftfahrt bisher aus. Die letztendliche Schuld trägt jedoch – wie übrigens oft – der Verbraucher. Wir entscheiden nach wie vor nach dem Prinzip „Geiz ist geil“ anstatt nach der Vernunft. Auf vielen Inlandsstrecken ist der ICE eine gute Alternative zum Flugzeug, zeitlich wie finanziell. Und für (Kurz-)Urlaube gibt es wunderschöne Ziele in Deutschland, die die meisten Deutschen noch gar nicht kennen. Solange sich aber manche Zeitgenossen freuen, dass der Klimawandel uns in Deutschland ein Mittelmeerklima bescheren wird, ist der Appell an die Vernunft wohl kein probates Mittel des Klimaschutzes. Über den Wolken ist die Freiheit jedenfalls längst nicht mehr grenzenlos.

Foto: Pixelio

Veröffentlicht von

www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

6 Kommentare

  1. Ich sehe es nicht so, dass die Urlaubsplanung unter Klimaschutzgesichtpunkten betrieben werden sollte. Alle wirtschaftlich förderbaren fossilen Träger werden eh verbrannt. CO2-Politik beeinflusst nur die Art des Verbrennens (wer, wofür) und das sollte besser ein freier Markt entsprechend den Bedürfnissen der Menschen entscheiden. Richtig ist jedoch der Gesichtspunkt, dass es unsinnig ist, die Verbrennung im Flugzeug staatlich zu begünstigen, da die km-Leistung bezogen auf das Öl dort doch deutlich geringer ist als bei Bahn und KFZ, es führt dort zur Verschwendung. Das beweist aber gerade, dass staatliche Reglementierungen kontraproduktiv sind und eher an Bedürfnissen von Lobbyisten orientiert sind als an den Bedürfnissen der Bürger (siehe auch Solarstrom).

  2. Da kann ich nur zustimmen!

    Die Steuerfreiheit für Flugbenzin ist in der Tat geradezu ein Hohn, vor allem wenn man bedenkt, dass sowohl die Bahn- als auch die Busgesellschaften für jeden verbrauchten Liter Benzin oder Diesel kräftig “Öko”steuer bezahlen müssen, während auf der anderen Seite ausgerechnet die Airlines steuerfrei davonkommen. Dazu kommt noch, dass natürlich auch der “Bio”sprit steuerlich ganz enorm begünstigt wird, der sich bei näherem Hinsehen allerdings als alles andere als umweltverträglich entpuppt:

    http://www.scienceblogs.de/…ie-das-essen-weg.php

    Insbesondere durch den Urlaubs-Flugverkehr sowie den Massentourismus ins Ausland werden ganz enorme Umweltschäden verursacht, deren Kosten weder von den Urlaubern noch von den Unternehmern getragen werden. Dazu gehört nicht nur der Beitrag des Flugverkehrs zum Klimawandel, sondern auch die Schäden, die von der Tourismusindustrie in den Reiseländern angerichtet werden, sowohl die ökologischen als auch die sozio-ökonomischen. Hier ist ein Umdenken dringend erforderlich – und gerade die Aussage von den schönen Reisezielen in und um Deutschland, die noch bequem mit der Bahn erreicht werden können, kann man deshalb nur untersteichen.

  3. Ethische Verantwortung

    …ist manchmal unbequem, aber notwendig. Nur ist zu fragen, wenn ich hier noch den Beitrag von Christian mit einbeziehe, wie viel “Moral” braucht “Mensch”, dass er überlegt und verantwortlich mit unserer Natur umgeht?

    @ anonymes Kommentar von “adenosine”:
    Wie man sieht, interessieren sich Konsumenten zunächst für ihr Vergnügen. Den Umweltschutz will man nicht geregelt wissen. Es lebe die freie Marktwirtschaft? auf Kosten der Natur und der nachfolgenden Generationen??

  4. @Monika Armand: Sie machen es sich ein wenig zu einfach, wenn sie Kritik an staatlicher und moralischer Reglementierung gleich als Ethikdefizit identifizieren. Sie sollten sich klar machen, dass staatliche Reglementierungen (Steuern, Abgaben Subventionen) stark von Interessengruppen (Lobby) gesteuert werden. Diese werden nur selten primär durch Moral motiviert, sondern benutzen Moral auch als Deckmantel um eine Nutzenanalyse von Subventionen und Steuern, die im Namen von Moral und Umwelt generiert werden, zu verhindern. Genau deswegen ist der freie Markt zur Steuerung von knappen Ressourcen oft vernünftiger und besser an den Bedürfnissen der Bürger orientiert, als staatliche Regelungen.
    Wenn es also die Vernunft fordert, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, ist es viel sinnvoller und transparenter Kohle und Öl einmalig direkt zu besteuern, als bestimmte Endprodukte wie Strom, Heizung, Tourismus oder Autotypen moralisch zu kategorisieren und zu belasten und gleichzeitig die Kohleproduktion zu subventionieren

  5. Flugzeuge schaden dem Klima

    Ja Flieger sind so unglaubliche Luftverschmutzer, doch niemand redet darüber. Ein paar Zahlen:
    Ein Flug von Frankfurt nach L.A. verursacht eine Klimawirkung von
    6740 kg.

    Ein Bundesbürger verursacht durch sein Handeln(Auto, Strom,
    Heizen ect.) ca 10.000 kg Klimawirkung im Jahr.

    Das heißt ein einziger Flug in die USA kostet zwei Drittel
    der Emissionen des ganzen Jahres.
    Die Politik kümmert sich nur -wenn überhaupt- wenn wir motzen.
    Vorschlag also:
    Sich an seine eigene Nase fassen
    und
    nicht mehr fliegen
    und
    weitersagen!

    Friede über alle Grenzen
    raumbruder

  6. “Darin berücksichtigt ist durchaus schon die zu erwartende technische Modernisierung der Flotten.” Diese Aussage widerspricht den Angaben im der Studie, hier würde ich mir zukünftig mehr Genauigkeit wünschen. Ansonsten unterstütze ich Ihre ökologischen Bestrebungen. Bleiben Sie dran!

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