Politiker-Dienstwagen emittieren zu viel CO2

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Umwelt sind Du und ich
Öko-Logisch?

Phaeton-Logo Sind Volker Bouffier und Boris Rhein (beide CDU) bekannter und staatsmännischer als Katrin Lompscher (Linke) und Simone Peter (Grüne)? Und wenn ja, liegt das an ihren Dienstwagen? Zum fünften Mal hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zusammengetragen, welcher Politiker welchen Dienstwagen fährt – und gegebenenfalls das Klima unangemessen stark belastet. Die beiden Hessen waren negative Spitze, die beiden Frauen unterschritten sogar den ab 2012 geltenden EU-Grenzwert von 120 Gramm CO2 je Kilometer.

Ich möchte keinem Minister absprechen, dass er einen Anspruch auf ein technisch gehobenes und äußerlich repräsentatives Auto hat. Notwendig mag das nicht sein, aber Frau Merkel in einem New Beetle würde vermutlich ähnliche Reaktionen hervorrufen, wie damals Joschka Fischer in Turnschuhen. Aber müssen 353 Gramm CO2/km wirklich sein, die der Audi A8 6.0 von Hessens Innenminister Boris Rhein ausstößt? Oder der „12 Zylinder VW Phaeton mit 450 PS, 21,4 Litern Verbrauch im Stadtverkehr und satten 348 Gramm CO2/km Emissionen“, die Hessens Ministerpräsident Bouffier laut DUH zu verantworten hat?

Schließlich geht es auch anders, wie Lompscher (Umweltsenatorin von Berlin), Peter (Umweltministerin des Saarlands), aber auch Johannes Remmel (Umweltminister NRW, Grüne) beweisen. Und weder Toyota Prius, noch VW Passat oder BMW 520d erscheinen mir einem Minister unwürdig. Letzterer liegt zwar mit 137 Gramm CO2 je Kilometer oberhalb des EU-Ziels für 2012, aber die Zielvorgaben aus 2008 erfüllt er. Damit gelingt ihm immerhin etwas, das kein einziger Bundesminister schafft.

Auffällig ist zweierlei: Wenig überraschend sind es Umweltminister, die mit gutem Beispiel voran gehen. Und ganz offensichtlich ist die Frage, ob Umweltschutz vor der eigenen Haustür beginnt oder nur leeres Geschwafel ist, auch eine Frage der Parteizugehörigkeit: Die Landesminister von Bayern und die eben abgewählten Minister Baden-Württembergs überschreiten den EU-Grenzwert, der seit 2008 gilt, um durchschnittlich 60 Prozent. Am besten schneiden hingegen Bremen und Berlin ab.

Und während die neue NRW-Regierung das Thema ernst nimmt und intern Grenzwerte festsetzt – 140 Gramm CO2/km für Staatssekretäre, 170 für Minister – machte Bouffier zunächst Fehlangaben, Rhein ficht erfolglos die Zahlen der DUH an, und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat gar die Herausgabe der Daten verweigert. Die wird nun ein Gericht erzwingen.

Vermutlich würde das Bild noch dramatischer, wenn die DUH ihre Recherche auf Firmenwagen ausdehnte – nur dass dort keine Auskunftspflicht herrscht. Ich glaube allerdings, dass auf Deutschlands Straßen eine ganze Reihe weniger Geländewagen und 300-PS-Brummer unterwegs wären, wenn solche Fahrzeuge für Firmen nicht steuerlich abzusetzen wären. Weniger repräsentativ müsste deswegen trotzdem keine Firma auftreten – und könnte beim Image sogar gewinnen.

Veröffentlicht von

www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

11 Kommentare

  1. Naja

    Ich finde es schade, wenn solche Texte wie dieser hier so offenkundig einseitig polemisch sind. Das widerspricht irgendwie einem Verständnis von Wissenschaft, das ich habe.

    Konkret: In welchen Autos Spitzenpolitiker unterwegs sind, ist nicht alleine eine Frage der Repräsentation, sondern vielmehr eine der Funktionalität und der Sicherheit. Gerade für Bundeskanzler schreibt das BKA entsprechende Anforderungen vor, die erfüllt sein müssen. So unterliegen Bundeskanzler, Verteidigungs- und Innenminister entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen, die bei Fahrzeugen eine Panzerung besonderer Stärke erfordern. Dass diese schwer gepanzerten Fahrzeuge nicht mit einem 55 PS Dieselmotor gefahren werden können, dürfte auf der Hand liegen, oder? Zumal, wenn diese gepanzerten Fahrzeuge auch schnell aus Gefahrensituationen bewegt werden müssen. Da ist es dann eben ein 3-4 Liter Hubraum der notwendig ist, um einen 2-3 Tonnen schweren, gepanzerten Phaeton zu bewegen.

    Dazu kommt, dass diese Fahrzeuge schlicht auch Arbeitsfahrzeuge sind, die als rollendes Büro benutzt werden. Auch diese Ausstattung führt zu einem entsprechenden Verbrauch, der durch die Nutzung zu erklären ist.

    Es ist mitnichten nur eine Frage der Repräsentation, die zum Einsatz dieser Fahrzeuge führt, sondern ebenfalls eine von Sicherheit und Nutzen. Aber das ergibt natürlich keine knackige Pressemitteilung, die man so schön verbreiten kann.

  2. @Kai: Panzerung

    Die DUH hat nur Standardfahrzeuge betrachtet, die Bundeskanzlerin und andere, die mit speziell gesicherten Fahrzeugen unterwegs sind, wurden außen vor gelassen. In den angekreideten Fällen ist Sicherheit daher kein Argument – sonst hättest Du natürlich recht. Das nicht im Eintrag zu erwähnen, ist natürlich ein Versäumnis meinerseits.

    Vermutlich erledigt sich damit Dein erster Absatz, falls nicht, auch dazu eine kurze Antwort: Den schlichten Vergleich, welcher Politiker mit welchem Fahrzeug bei durchweg erfüllten beruflichen Anforderungen (moderne Technik und Fahrsicherheit, repräsentatives Aussehen) ökologischer unterwegs ist, finde ich übrigens nicht unwissenschaftlich. Im Gegenteil, der rein technische Vergleich der CO2-Emissionen der Fahrzeuge wäre sogar sehr wissenschaftlich, und durch den Blick darauf, wer welchen Fahrzeugtyp nutzt, kommt eine gesellschaftliche/politische Komponente halt noch hinzu.

  3. Einen Audi A8 gibts auch mit 3.0 TDI

    @Kai: Arbeitstier schön und gut – aber inwiefern kann ein Minister in einem Auto mit 12-Zylinder besser arbeiten als in einem mit 6-Zylinder?

    Warum werden BMW 750i mit 8-Zylinder Benziner gefahren, wenns die S-Klasse auch mit 4-Zylinder Diesel gibt?
    Der 5er GT bietet die gleiche Beinfreiheit wie ein 7er, dabei aber mehr Kopffreiheit. Es gibt das Auto mit den gleichen Einzelsitzen wie den 7er. Der 5er kostet und verbraucht aber weniger.

  4. Dienstwagen

    @Björn Die DUH stellt explizit Ministerpräsidenten an den Pranger und erwähnt mit keinem Wort, dass diese oft mit entsprechend gepanzerten Fahrzeugen unterwegs sind. Und Du erwähnst explizit die Bundeskanzlerin und den hessischen Innenminister. Beides Posten, die eine erhöhte Sicherheitsanforderung haben.

    Darüber hinaus ist der ökologische Aspekt eben nur einer von vielen, die man in Betracht ziehen muss. Will man den Einsatz der Fahrzeuge wirklich vergleichen, muss man zwangsläufig die Schutzbedürftigkeit der jeweiligen Politiker berücksichtigen. Diese wird übrigens nicht von der Politik sondern von den entsprechenden Behörden (BKA, LKA) festgelegt. Und dann ist man bei einigen Ämtern eben wieder beim gepanzerten Fahrzeug, das entsprechende Motorisierung benötigt.

    Ebenso wenig tauchen in Deinem Artikel (und auch nicht bei der DUH) Arbeitsaspekte auf. Die Dienstwagen sind nicht dafür da, um aus einem schicken Auto aussteigen zu können. Sie dienen bei längeren Fahrten auch schlicht dem Arbeiten und als Büroersatz. Und diese Büroausstattung gibt es bei den Herstellern nun mal erst ab einer bestimmten Kategorie. Dazu kommt dann noch entsprechende Panzerung und eine dafür notwendige Motorisierung. Wenn man all diese Aspekte betrachtet, kann man sich ein Urteil erlauben. Aber einfach nur auf den CO2 Ausstoß zu starren, ist erheblich zu wenig.

  5. Rollendes Büro

    @Michael Nun, neben der schon erwähnten Panzerung bieten die Hersteller die Büroausstattung eben erst ab einer bestimmten Klasse an.

  6. Argumentation nicht stichhaltig

    Tut mir leid, der Argumentation kann ich nicht folgen.

    1. Ist in der ganzen Liste der Umwelthilfe nur ein gepanzertes Fahrzeug verzeichnet. Das fährt Baden Württembergs Innenminister.

    2. Die Büroausstattung gibts in allen Fahrzeugen eines Modells, nicht nur mit bestimmten Motor. Man muss keinen 12-Zylinder Benziner kaufen, um das Faxgerät zu bekommen. Das gibts auch im 4-Zylinder Diesel.

    3. Offensichtlich kommen manche Minister sehr gut mit kleinen Fahrzeugen aus. Die Bundesjustizministerin fährt im Audi A6 2.0 TDI. Der sicher sehr viel beschäftigtere Landesumweltminister Mecklenburg-Vorpommerns benötigt hingegen den A8 4.2 TDI. Thürigens Umweltminister braucht gar die Langversion besagten Fahrzeugs. Seltsam auch, dass die Bedürfnisse bei ein und dem selben Minister mit der Zeit variieren. Thürigens Umweltminister fuhr 2008 den A8 3.0 TDI. Ein Jahr später den A6 3.0 TDI. Ein weiteres Jahr später wieder den A8 und in diesem Jahr, weil er es besonders eilig hat, den A8 4.2 in der Langversion.

    4. Viele der gefahrenen Fahrzeuge gäbe es nicht einmal als Sonderschutzfahrzeug. Den A8 gibts nur als Zwölfzylinder mit Panzerung, gefahren werden aber auch diverse Sechs- und Achtzylinder. Dito bei der S-Klasse. Die zahlreichen BMW gibts in den meisten Fällen auch nicht mit Panzerung.

    Wenn man sich die Liste ansieht, dann fallen vor allem zwei Dinge auf. Das sind zum einen Länder, in der alle Minister das gleiche Fahrzeug fahren. Da entscheidet offenbar der Fuhrparkmanager, was genommen wird. Und es gibt Länder, in denen es eine kunterbunte Mischung von Fahrzeugen gibt. Und da entscheidet offenbar jeder Minister selbst, was er will. Da fährt dann ein Verkehrsminister einen Mittelklassekombi und der Kultusminister die Luxuslimousine.

  7. Dienstwagen und CO2-Wahn

    Die Welt der Grünen und Linken kann ja so schön einfach sein – hier böse, übermäßig spritschluckende Autos fahrende CDU- Politiker und auf der anderen Seite die vorbildlichen Grünen und Linken mit ihren supersparsamen Dienstwagen.
    Die wirkliche Welt sieht allerdings etwas komplizierter aus. Vor einigen Jahren wurde mit einer Umfrage das Reiseverhalten der Bundesbürger in Korrelation zu ihrer politischen Einstellung untersucht. Das Ergebnis (nur auf den ersten Blick überraschend): die Anhänger der Grünen machen prozentual gesehen die meisten Fernreisen, d. h. kräftig CO2 produzierende Fernflüge! Bei genauem Hinsehen ist das nicht verwunderlich, denn viele gutverdienende Mittelklasse-BürgerInnen – Lehrer, Ärzte, Beamte, „Kreative“ Wissenschaftler, sicher auch die meisten Klimaforscher und viele andere wählen in immer stärkerem Maße „grün“. Und viele dieser grünen Besserverdienenden denken doch nicht daran, einen Bahn- oder Fahrradurlaub im spießigen Deutschland zu verbringen – da muß es schon richtig in die Ferne gehen, um sich von der Weltenrettungsarbeit in Deutschland zu erholen! Wenn es um das eigene Vergnügen, um den eigenen Vorteil geht, gelten all´ die hehren Vorsätze zur Klimarettung und zum Umweltschutz natürlich nicht mehr.
    Ein sehr schönes Beispiel grüner Heuchelei wurde in der „Bonusmeilen“-Affäre sichtbar – vielfliegende Politiker hatten die dienstlich erflogenen Bonusmeilen privat genutzt. Allen voran Cem Özdemir und Rezzo Schlauch, beide Grüne! Natürlich fliegen diese Leute mindestens Business Class, immer munter auf Steuerzahler-Kosten.
    Ein besonderes Kabinettstückchen für grünes Umweltbewußtsein lieferten im Jahr 2003 die damaligen grünen Minister Trittin und Künast. Sie hatten eine natürlich ungemein wichtige und unverzichtbare Reise nach Brasilien unternommen und wollten in dem schönen großen Land auch noch ein wenig herumfliegen. Zu diesem Zweck wurde eine „Challenger“- Maschine der Bundeswehr geordert, die dafür leer nach Brasilien und wieder zurück fliegen sollte. Diese kleine Maschine kann nicht non stop über den Atlantik fliegen, sie braucht zwei Zwischenstops, der erste auf den Kanaren. Als sie dort ankam, berichtete „spiegel online“ unter dem Titel „Agenda Amazonas“ darüber. Da wurde die Maschine zurückbeordert, weil die beiden grünen Politiker eine negative Publicity befürchteten. Hier der Link zu dieser köstlichen Geschichte: http://www.spiegel.de/…gel/0,1518,271375,00.html
    Und wenn hier eine Politikerin der Linken als besonders umweltbewußt hervorgehoben wird, sollte an die Zeit erinnert werden, als die „Linke“ noch SED hieß und in der „DDR“ die allmächtige Staatspartei war. Dank der überragenden wirtschaftlichen Leistungen der SED war die „DDR“ in 40 Jahren ökologisch völlig ruiniert und die Industrie ein heruntergekommener sozialistischer Schrotthaufen. Pro Kopf lagen die CO2-Emissionen in der „DDR“ bei über 20 t pro Jahr und in der bösen kapitalistischen Bundesrepublik bei 10 t, also weniger als der Hälfte. Und wenn solche Spitzenkräfte hier mal wieder das Ruder übernehmen, haben wir nach wenigen Jahren diese paradiesischen Zustände wieder!

  8. @Armin Quentmeier

    Das war ein interessanter Versuch, die einfache Welt “der Grünen und Linken” durch die einfache Welt der Konservativen zu ersetzen. Es gilt also nicht CDU-böse, Grüne-gut, sondern einfach das Gegenteil.

    Ich frage mich, ob diese Sichtweise tatsächlich ausgeglichener ist

  9. Eine öffentliche Wahrnehmungslücke

    Das ist ja nur einer von vielen Punkten in einer langen Kette von Schwachsinnsausgaben.
    In der Politik fehlt halt ganz klar ein funktionierendes – und das meine ich wörtlich – Kontrollorgan.
    Man sollte annehmen, dass es der Opposition gelegen ist, die Koalition zu kontrollieren, aber das geht auch nur soweit, als dass man sich nicht selbst ans Bein pisst.
    Dann gibts da noch die alljährlichen Berichte über Steuerverschwendungen, aber sieht man da irgendwie jemanden groß aufschreien? Nein. Das wird erwähnt und dann schnell wieder aus der Wahrnehmung genommen. Warum wird da nicht mehr mit dem Finger drauf gezeigt?

    Man nehme E10. Damals im Zuge des Klimaschutzes erfunden und mittlerweile ein großes Debakel.
    Erst Kosten zur Einführung, jetzt Kosten, es wieder los zu werden.
    Gäbe es in der Politik Kontrollorgane, welche den Sinn einer Aktion vorab prüfen würden, könnte man sich viel Geld sparen.
    Einfacher wäre ´natürlich, wenn alle vertrauenswürdig wären, aber so ist es nun mal in der heutigen Zeit nicht.
    Leider.

  10. dienstwagen

    Komisch, dass in Ihrer Studie nur “rechte” Umweltsünder vorkommen.

    Herr Buindeskanzler Schröder hat SEINEN Phaeton sicher immer zuhause gelassen und ist ins Büro geradelt!

    Frau Ullas Schmdt hat ihren bescheidenen Dienstwagen sicher auch durch ihren Chauffeur nach Spanien ROLLEN haben lassen, um nicht Sprit zu verbrauchen – was der arme Mann dabei wohl an CO2 ausgestoßen hat?

    Aber das wird ja jetzt mit Herrn Fischer als BMW Berater alles anders!

    Wie heißt’s so schön: “Man merkt die Absicht und man ist verstimmt!”

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