Ohne Durban geht es auch

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Umwelt sind Du und ich
Öko-Logisch?

Weggeschnipste Erde (Foto: Gerd Altmann/Pixelio) Die nächste Weltklimakonferenz ist – wie zu erwarten – kolossal gescheitert. 17 Jahre nach dem Beginn der Klimaverhandlungen ist der CO2-Ausstoß höher als je zuvor. Das ist peinlich für die Spitzenpolitiker dieser Welt. Das gefährdet das erklärte 2-Grad-Ziel. Aber es ist kein Grund zu glauben, jetzt sei die Klimakatastrophe programmiert.

Ich habe neulich mal darüber nachgedacht, welche meiner persönlichen Beiträge zum Klimaschutz mich am meisten Geld gekostet haben. Energiesparlampen statt Glühbirnen? Das rechnet sich nach wenigen Jahren. Wäscheleine statt Trockner? Spart täglich bares Geld, von den gesparten Anschaffungskosten gar nicht zu reden. Öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad statt Pkw? Hat mir über ein Jahrzehnt eine Menge Geld gespart, und auch jetzt, wo wir ein Auto nutzen, ist das sparsamere Modell letztlich auch ein günstiges gewesen.

Andere Energiesparmaßnahmen wie unnötiges Licht ausschalten, richtiges Lüften, reduzierter Fleischkonsum, intelligente Verwendung von Herd, Backofen und Kühlschrank sparen Energie und Geld ohne jede Investition. Groß angelegte Maßnahmen, beispielsweise bei Bau und Sanierung von Häusern amortisieren sich immerhin in 20 bis 40 Jahren. Auf die Lebensdauer eines Hauses gerechnet, lohnen sich diese Maßnahmen allemal.

Spannender wird es bei der Energiewende. Doch auch hier prognostizieren seriöse Studien wie die Roadmap 2050, dass heute getätigte Investitionen in den Umbau der Energieversorgung sich langfristig rechnen. Das ist auch logisch, weil Sonne, Wind und Erdwärme nun einmal weniger kosten als sich stetig verknappendes Gas, Öl oder Kohle. Das fühlt sich nur anders an, weil man nicht schon bei der jährlichen Stromrechnung den Gewinn sieht, sondern weil die heutigen Generationen erst einmal investieren – und erst die Kinder und Enkel meiner Generation spürbar profitieren werden (finanziell; gesundheitlich und ökologisch gewinnen wir schon heute).

Was das mit Durban zu tun hat? Auf Staatenebene verhält es sich nicht anders. Wer heute ähnlich massiv in die Energiewende und den Klimaschutz investiert wie Deutschland, spart auch als Erster beim Verbrauch; verfügt über das größte technische Knowhow; verdient sich eine goldene Nase, wenn andere Staaten plötzlich in kurzfristigen Handlungszwang geraten, weil immer massivere Auswirkungen des Klimawandels eine andere Haltung nicht mehr erlauben.

Naiv? Ganz und gar nicht. Nein, China lässt sich nicht auf die Forderungen ein, die an das Land gestellt werden. Aber China will es in den nächsten fünf Jahren schaffen, mehr als 11 Prozent des Energieverbrauchs regenerativ zu decken. Von den 20 Prozent mancher europäischer Ziele bis 2020 ist das gar nicht so weit weg. Und wer China kennt, weiß, dass dieses Land, wenn es erst einmal über eine Technologie verfügt, rasant aufholen kann. Das Land hat allein zwei Billionen Dollar in Devisen auf der hohen Kante. China wird auch ohne Verpflichtungen aus Durban rasant in die Energiewende investieren, selbst wenn es heute noch zahlreiche Kohlekraftwerke plant. Wenn die Gletscher der Hochgebirge fehlen, bekommt China enorme Probleme – es fehlt Bewässerung für Äcker, es fehlt Kühlwasser für Industrie und Kraftwerke, es fehlt Trinkwasser, es fehlen Wasserstraßen. Ähnliche hart wird das Land von gehäuften Wetterextremen getroffen. Der Temperaturanstieg führt schon heute im Sommer zu gesundheits-, ja lebensgefährdenden Situationen in den Metropolen des Landes, die sich besonders aufheizen. (Köln ist übrigens aufgrund der Lage und Stadtarchitektur im Sommer acht Grad heißer als das Umland.) Heute glaubt China, die billige Kohle noch zu benötigen. In 20 Jahren wird dort überall CO2 abgeschieden. In 50 Jahren ist China ganz sicher ganz vorne bei der CO2-armen Stromerzeugung.

China ist nur ein Beispiel unter vielen. Auch Australien, einer der weltgrößten Pro-Kopf-Emittenten von Kohlendioxid, hat jetzt eine CO2-Steuer in Kraft gesetzt, die die Tonne fast dreimal so teuer macht, wie der europäische Zertifikatehandel es gegenwärtig tut. Ähnlich wie China beginnt das Kohle-reiche Land, die Auswirkungen der globalen Erwärmung zu spüren.

Es letzte Woche hat wieder eine Studie gezeigt, dass drei Viertel des Klimawandels vom Menschen verursacht sind. Bis auf mehr Extremwetter und damit verbundene höhere Nahrungspreise und einige Todesfälle spüren viele Menschen in vielen Ländern davon noch wenig. Die Länder, die es schon spüren, und die, die besonders betroffen sein werden, tun alles gegen den Klimawandel, was sie können. Das ist leider meist wenig, weil vor allem Entwicklungsländer leiden. Wer heute als Regierung in den Klimaschutz investiert, wird damit seiner Nation keine Last auferlegen, sondern zu einer besseren Zukunft verhelfen. Wer handeln könnte, aber noch zögert, wird später um so heftiger ins Portemonnaie greifen müssen und alle technischen Register ziehen. Den Klimawandel werden wir so begrenzen, dass wir damit klar kommen. Dazu ist der Kampf gegen ihn zu sehr auch ökonomische Vernunft. Aber je später jeder einzelne Staat handelt, der es heute schon könnte, desto mehr Menschen werden auf dem Weg zum Ziel leiden und sogar sterben.

Foto: Gert Altmann/Pixelio

Veröffentlicht von

www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

5 Kommentare

  1. Irrsinn

    Ich gehe in ein paar Stunden zum Einkaufen – und dann begegnet mir ökologischer Irrsinn gleich am Eingang: Jeder Bio-Apfel hat einen Plastikaufkleber mit dem Wort ´Bio´. Und das ist symtomatisch für unser Verhalten – um ein gutes Gewissen zu haben, vernichten wir Rohstoffe.

    Demnächst beginnt die Urlaubsplanung für das nächste Jahr. Obwohl fast jede Stadt ein Hallen- oder Freibad hat – müssen viele Menschen nach Mittelamerika, Asien oder Australien zum Baden fliegen. Man macht das mit gutem Gewissen, weil man doch das ganze Jahr über die Herdplatte eine Stufe herunter gedreht hat, eine Minute bevor der Kochvorgang beendet war.

  2. Fliegen

    Wenn jemand alle seine Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt, und dann mit dem Flugzeug in den Urlaub reist, dann ist das schlicht absurd.

    Rechenbeispiel:

    5.000 Kilometer hin und zurück sind zusammen 10.000 Kilometer.

    4,5 Liter oder 4 Kilogramm Kerosin pro 100 Kilometer und Fluggast.

    400 Kilogramm Kerosin pro 10.000 Kilometer und Fluggast.

    45.000.000 Joule pro Kilogramm Kerosin.

    18.000.000.000 Joule pro 400 Kilogramm Kerosin.

    31.557.600 Sekunden hat ein Jahr.

    570 Watt oder Joule pro Sekunde kontinuierliche Energieverschwendung ein ganzes Jahr lang.

    Wirkungsgrad:

    Wenn man die 18.000.000.000 Joule thermischer Energie aus 400 Kilogramm Kerosin mit einem realistischen Wirkungsgrad von 50 Prozent in elektrische Energie umwandeln würde, dann würde man 9.000.000.000 Joule erhalten.

    Das wären dann nur noch 285 Watt oder Joule pro Sekunde kontinuierliche Energieverschwendung ein ganzes Jahr lang, ausser man reist zu zweit und verbraucht dann wieder 570 Watt ein Jahr lang.

  3. @Bednarik

    Sie vergaßen die Energieaufwendung und Umweltzerstörung zur Gewinnung des Kerosins: Bohren, Ölgewinnung mit abfackeln von Methan, Transport, Cracken in der Raffinerie.

    Aber ich möchte nochmals auf den Irrsinn von Bio-Auklebern am Beispiel der Bio-Äpfel hinweisen.
    Bei der Ökobilanz von Bio-Obst tauchen sie nie(!) auf => solche Öko-rechnungen sind unsinnig.

    Dabei sind sie ein Meisterwerk der Chemie und Technik:
    Silikon-Trennmittel muss mit hohem Energieaufwand hergestellt werden um damit Silikonpapier herzustellen. Darauf klebt man mit Klebstoff(Chemieprodukt) eine aus Erdölprodukten hergestellte Folie, welche dann noch mit Farben (Chemieprodukt) die Aufschrift BIO erhält und ausgestanzt (Energiekosten für Druck und Stanze) werden muss, bevor sie auf den Apfel kommt. Das Silikonpapier mit Restfolie (Stanzreste) muss dann auch noch entsorgt werden.

  4. Ohne Durban geht es nicht

    CO2-Emissionen wirken sich global aus: nicht nur in Australien steigt die atmosphärische CO2-Konzentration, wenn dort alle Kohlekraftwerke laufen, sondern sie steigt global, also anders als folgendes Zitat aus obigem Text es nahe legt:

    Auch Australien, einer der weltgrößten Pro-Kopf-Emittenten von Kohlendioxid, hat jetzt eine CO2-Steuer in Kraft gesetzt, die die Tonne fast dreimal so teuer macht, wie der europäische Zertifikatehandel es gegenwärtig tut. Ähnlich wie China beginnt das Kohle-reiche Land, die Auswirkungen der globalen Erwärmung zu spüren.

    Australien kann die zunehmende Austrocknung und Erwärmung Australiens nicht selber aufhalten sondern nur zusammen mit allen anderen CO2-Emittenten. Zunehmend entscheiden ein paar wenige Grossemittenten, nämlich die USA, China und zunehmend auch Indien wie stark die CO2-Emissionen steigen. Entwickeln sich die CO2-Emissionen in China so weiter wie in den letzten 10 Jahren wird China im Jahr 2035 50% aller weltweiten CO2-Emissionen verursachen. Ein paar Windräder, die sich dann auch noch drehen, änderen daran wenig. Trifft das ein könnte China in Zukunft Klimakonferenzen mit sich selbst abhalten, denn alle anderen Ländern wären dann im Vergleich zu China nur noch CO2-Mäuse.

    In Durban wurde nun beschlossen, dass Entwicklungsländer, zu denen sich China bei Bedarf auch gerne dazuzählt, in Zukunft genau so bindende Verpflichtungen betreffend Emissionen eingehen müssen wie die 37 Industrieländer, die das im Kyoto-Prozess getan haben. Das war sicher nötig, auch wenn vorerst vieles in der Schwebe bleibt und die CO2-Emissionen in der Zwischenzeit weitergehen.

    Die CO2-Emissionen sind ja in den letzten 10 Jahren jährlich um 3% gestiegen, in den 1990ern jedoch waren es nur 1% jährlich. Der Grund dafür liegt in der schnellen Entwicklung der Schwellenländer, die auf die billigste Energiequelle setzen – eben Kohle. Auch der Anteil der Kohle an allen Primärenergiequellen ist von 25% in den 1990ern auf 29.9% heute gestiegen.

    Der wichtigste Faktor für eine Reduktion der CO2-Emissionen sind – dies ergeben die Schlussfolgerungen aus obigen Überlegungen – nicht etwa Lifestylemodifikationen wie vom Autor empfohlen, sondern die Kosten für alternative, nichtfossile Energiequellen. Sobald es eine massenhaft auch in Schwellenländern einsetzbare Energiequelle gibt, die deutlich günstiger ist als Kohle, ändern sich die Zukunftsperspektiven.
    Doch Sonne und Wind als Energiequellen haben es bis jetzt nicht geschafft diese Rolle einzunehmen, sie sind sehr viel teuerer als Kohle, vor allem weil sie ein grossräumiges, gut ausgebautes und reguliertes (in Enwicklungsländern nicht selbstverständlich) Starkstromnetz voraussetzen, damit der Strom dorthin kommt wo er gebraucht wird und Produktionsschwankungen ausgeglichen werden.

    Man kommt nicht um eine Problemanalyse herum, wenn man etwas bewirken will. Das richtige Produkt zu kaufen genügt nicht.

  5. Minimalwerte

    Ohne jetzt übertreiben zu wollen, enthält bereits 1 Kilogramm des einfachsten Kunststoffes mindestens 45.000.000 Joule.

    Natürlich kann es auch noch schlimmer kommen.

    Vor allem dann, wenn die Chemie es nicht mehr ermöglicht, diese 45.000.000 Joule wieder zurück zu bekommen.

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