Ölteppich der „Deepwater Horizon“ abfackeln – ja oder nein?

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Ölteppich der Deepwater Horizon (Foto: NASA)Der Ölteppich, der nach der Explosion der Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko größer und größer wird, bedroht schon heute Nacht die ersten, ökologisch sensiblen Küstengebiete; in der Nacht auf Samstag wird es auch für das Mississippi-Delta ernst. Zum Schutz der Küsten soll der Ölteppich stellenweise abgefackelt werden – doch ist das die beste Lösung?

Ölkatastrophen auf dem Meer ereignen sich zwar zu häufig, aber immerhin so selten, dass sich nur wenige Experten damit auskennen, wie man Ölteppiche am besten bekämpft. So ziemlich alle dürften inzwischen in den Medien zu Wort gekommen sein, und der Tenor ist deutlich: Das Öl abzubrennen ist weder eine besonders praktikable noch eine ökologische Lösung.

Zum einen ist der Ölteppich zwar groß – Lars Fischer hat in den Scilogs schon gestern über die austretende Ölmenge spekuliert –, aber die Ölschicht ist auch nach BP-Angaben zu 97 Prozent sehr dünn. Damit ist fraglich, ob sie sich überhaupt an den entscheidenden Stellen entzünden lässt, denn das erfordert mindestens eine Dicke von drei Millimeter. Selbst wenn das gelingt, bleibt ein anderes Problem: Erst ab einer Dicke von etwa fünf Zentimetern verbrennt ein Ölteppich weitgehend vollständig. Bei fünf Millimetern hingegen bleibt knapp ein Drittel des Öls zurück. Für die Küsten wäre damit wenig gewonnen.

Überhaupt stellt sich die Frage: Wenn man mit Barrieren das Öl so dick aufstaut, dass es effektiv verbrennt, warum kann man es dann nicht auch gleich abpumpen? Denn – und damit wäre ich beim „zum anderen“ – das Abfackeln bläst in jedem Fall eine Menge Dreck in die Luft, und – was viel wichtiger ist – lässt biologisch schwer abbaubare Rückstände im Meer zurück. Bedenkt man, dass das Öl möglicherweise noch Monate nachströmen wird, kommt da einiges zusammen.

Schon jetzt gilt als sicher, dass es kaum gelingen wird, den Ölteppich durchs Abfackeln zu stoppen, bevor er das Mississippi-Delta erreicht. Doch dieses Naturparadies ist extrem unzugänglich. Reinigungsmaßnahmen sind hier schwer möglich.

Das führt zu der Frage, weshalb überhaupt dort nach Öl gebohrt werden darf, wo ein Unfall sensible Ökosysteme zerstören kann. Oder weshalb nicht zumindest funktionierende Notfallpläne und entsprechendes Gerät vorhanden sein müssen, um im Unglücksfall die ökologische Katastrophe zu verhindern. An Geld sollte es BP und Co. nicht mangeln. Aber vielleicht liegt ja auch genau da der Grund, weshalb kaum eine Regierung der Umwelt den Vorzug gibt vor Ölbohrungen…

Foto: NASA

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Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

3 Kommentare

  1. “Das führt zu der Frage, weshalb überhaupt dort nach Öl gebohrt werden darf, wo ein Unfall sensible Ökosysteme zerstören kann.”

    Weil das letzte Unglück dieser Art auf dem Territorium der USA (d.h., eins, das die US-Medien auch nenneswert zur Kenntnis nehmen und das deswegen von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird), nämlich die Havarie der Exxon Valdez im Prince-William-Sund in Alaska, schon wieder mehr als 20 Jahre her und damit weitgehend vergessen ist, sodass die Interessen der Ölindustrie sich wieder Stück für Stück durchsetzen konnten.

    Falls es jetzt gelingt, die Verseuchung der Küste abzuwenden, wird die ganze Sache sehr schnell in Vergessenheit geraten und nur noch eine Sache der Gerichte und Anwälte werden. Weitere Konsequenzen oder Verhaltensänderungen wird es nicht geben.

    Kommt es dagegen zu einer Ölpest an der Küste der USA, wird es ein großes Trara geben, wie schon im Fall Exxon Valdez. Der eine oder andere Politiker wird sich mit einem Verschlag für einen Maßnahmenkatalog profilieren. Mit Glück wird etwas davon umgesetzt, wenn auch sicher eher deutlich halbherziger als im ersten Eifer gefordert. In den darauffolgenden Jahren werden aber sicher auch die emsigen Lobbyisten und Anwaltsheere der Industrie ganze Arbeit leisten und die lästigen neuen Vorschriften beseitigen.

    Was die Sofortmaßnahmen angeht: Soweit mir bekannt, haben gerade manche der Maßnahmen, die zur Bekämpfung des Ölteppichs eingesetzt werden, viel nachhaltigere schädliche Auswirkungen als das Öl selbst – seien es Chemikalien oder die massive Abtragung des Schlicks.

    Dies hat sich beispielsweise in der Bretagne gezeigt, wo sich nach dem Unfall der Amoco Cadiz gerade dort die Regenerierung der Küstenregion dort am langsamsten war und die Narben in der Landschaft am tiefsten, wo nach dem Unglück am aggressivsten versucht wurde, der Pest Herr zu werden.

    Das soll nicht heißen, dass man gar nichts tun soll, aber weniger ist manchmal mehr, wie das Sprichwort sagt. Allerdings ist es wohl auch so, dass besonnenes Handeln in solchen Fällen allemal politisch weniger opportun ist als Aktionismus.

  2. Das zeigt mal wieder wie der Mensch mit der Natur umgeht wenn Geld im Spiel ist.

    In 20 – 30 Jahren werden wir die letzten Paradise der Erde zerstört haben… leider

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