Nur deutsche Autohersteller wollen Agrosprit

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Zapfhahn (Foto: Pixelio)

Jetzt hat Sigmar Gabriel es offiziell verkündet: Es bleibt dabei, dass dem Benzin nur fünf statt zehn Prozent Agrosprit beigemischt werden sollen – zu viele Autos hätten das sauberere, aber teurere Super-Plus tanken müssen. Die Umweltverbände freuen sich, weil der ökologische Wahnsinn sich so in Grenzen hält. Nur einer hat noch gestern an den Umweltminister appelliert, an den zehn Prozent festzuhalten: der Verband der Automobilindustrie (VDA). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Vielleicht liegt die Begeisterung des VDA für zehn Prozent Agrosprit-Beimischung darin begründet, dass es die Kunden ausländischer Hersteller härter träfe als die Fahrer deutscher Fabrikate. Immerhin rechnet der Verband nur mit 189.000 Fahrzeugen, die mit dem neuen Mix nicht klar kämen, während der Verband der Importeure ausländischer Fahrzeuge von einer siebenstelligen Zahl ausgeht.

Wahrscheinlicher ist aber etwas anderes: Die EU verlangt, dass der CO2-Ausstoß je Kilometer bis 2012 im Schnitt auf 120 Gramm gesenkt werden muss. Der fälschlicherweise nach wie vor als CO2-neutral gerechnete Agrosprit würde darauf angerechnet werden – und da kommen zehn Prozent den deutschen Automobilherstellern natürlich mehr entgegen als die heutigen fünf Prozent. Schließlich liegen sie im internationalen Vergleich weit hinten, was Umweltfreundlichkeit betrifft: 170 Gramm pro Kilometer haben deutsche Neufahrzeuge im Schnitt – weit entfernt von den Zielen für 2012. Der BUND-Verkehrsexperte Werner Reh kommentierte dann auch:

Wir dürfen der Autoindustrie keinen einzigen Versuch durchgehen lassen, ihr Versagen bei der Senkung des Verbrauchs ihrer Fahrzeuge zu vertuschen. Schließlich hat die Industrie selbst versprochen, bei neuen Pkw bis 2012 im Durchschnitt aller Hersteller 120 Gramm CO2 pro Kilometer zu erreichen. Insbesondere die deutschen Autohersteller, aber auch manche politisch Verantwortliche zeichnen sich dadurch aus, dass sie jedes noch so irrwitzige Argument bemühen, um die Umweltziele zu unterlaufen. Das war beim Bleiverbot im Benzin so, bei der Einführung des Katalysators, beim Dieselrußfilter und das zeigt sich jetzt wieder bei den auf EU-Ebene geplanten Verbrauchslimits für Neuwagen.

Sinnvoll könnte Agrosprit nur in stationären Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen genutzt werden. Ein gutes Beispiel dafür habe ich vor einigen Wochen hier im Blog geschildert.

Erst gestern hat übrigens Greenpeace bekannt gegeben, dass Analysen des deutschen Dieselangebots an Tankstellen ergeben hätten, dass rund ein Fünftel der Biodiesel-Beimischungen aus Soja stammen – und damit höchstwahrscheinlich aus südamerikanischen Plantagen, für die Regenwälder niedergebrannt worden sind; denn die einheimische Produktionskapazität von Raps hat längst ihre Grenzen erreicht. Die Umweltschützer fordern deshalb, auf Beimischungen in Benzin und Diesel komplett zu verzichten.

Foto: Pixelio

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Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

3 Kommentare

  1. Ein anderer Gedanke:

    Könnte es nicht auch einfach sein, dass die Autohersteller deswegen so am Biosprit hängen, weil das die einzige Lösung ist, mit der sich die Kraftstoffpreise in Zukunft einigermaßen niedrig halten lassen?

    Das andere Szenario ist doch, dass mit zunehmender Rohölverknappung und entsprechend steigenden Preisen schlicht weniger Auto gefahren wird. Und das kann denen ja nicht wirklich sympathisch sein.

  2. Agrosprit-Beimischung

    Beschämend für Gabriel und die gesamte derzeitige Politik ist – abgesehen davon, dass er der deutschen Automobilindustrie auf den Leim gegangen ist – die Beobachtung, dass er offensichtlich die mittlerweile breit diskutierte Fragwürdigkeit der Verwendung von ‘Biosprit’ in vielen Bereichen nicht gesehen und berücksichtigt hat. Allmählich sollte es auch dem intensivsten Verfechter der Verwendung nachwachsender Rohstoffe klar geworden sein, dass die Umwandlung von Lebensmitteln in Treibstoff nicht der Königsweg aus der Energiefalle sein kann, da sie den Hunger in der Welt verstärkt, die Entwicklungsländer weiterhin ausbeutet und eine ökologische Landwirtschaft hier in Europa behindert. Aber die geistige Anstrengung, in sinnvoll abgestimmter Weise alle möglichen Einsparpotenziale zu propagieren und zu fördern, scheint im Politikbetrieb mit all seinen Abhängigkeiten zu verkümmern.

  3. Agrosprit – warum wir?

    Man könnte ihn wohl mehr als Aggrosprit bezeichnen.. mich macht das aggressiv, wenn ich solche “schlauen” Ideen von Merkelchen usw. höre…

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