Insekten machen Klimawandel macht Insekten

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Kiefer mit Schädlingsbefall (Foto: Pixelio)

Der Schutz unserer Wälder gilt als billigstes und effektivstes Mittel der Klimaschutzes. Deshalb haben sich Umweltschützer jahrelang dafür eingesetzt, dass die kanadischen Urwälder nicht weiter abgeholzt werden. Jetzt kommen aus Kanada dramatische Neuigkeiten: Die jüngste Bedrohung sind nicht etwa Holzkonzerne, sondern der Bergkiefernkäfer. Er tötet den Wald in rasantem Tempo, weil er sich in den letzten Jahren ungewöhnlich vermehren konnte – dank des Klimawandels.

Die größte Sorge der Klimamodellierer waren schon immer Effekte, die durch den Klimawandel verstärkt werden und ihrerseits den Klimawandel verstärken. Viele von ihnen sind schwer zu quantifizieren, aber jeder einzelne könnte dazu führen, dass das Klimaproblem noch schneller und heftiger kommt als bisher erwartet. Mit dem Bergkiefernkäfer haben die Klimaforscher nun ein Problem mehr, das kaum zu erfassen ist.

Gemeinsam mit dem Bläuepilz bringt der Bergkiefernkäfer den Stoffwechsel der Bäume zum Erliegen. 1000 bis 2000 Käfer genügend, um den Baum zu töten. Eine Fläche doppelt so groß wie Bayern wurde in Kanada bereits auf diesem Weg vernichtet. Wissenschaftler haben sich das Problem vorgeknöpft und festgestellt, dass die kanadischen Wälder inzwischen von einer CO2-Senke zu einer CO2-Quelle geworden sind.

So weit kommen konnte es nur, weil die vielen milden Winter in Folge verhindert haben, dass der Bergkiefernkäfer auf natürliche Weise dezimiert wird. Im Fachmagazin Nature schätzen die Forscher, dass das Problem mindestens bis 2020 bestehen bleiben wird. Zudem könnte es passieren, dass der Käfer seinen Speiseplan erweitert und auch andere Baumarten befällt.

Nachdem George W. Bush letzte Woche gesagt hat, es sei ausreichend, ab 2025 mit CO2-sparenden Maßnahmen zu beginnen, warte ich jetzt nur noch auf den Vorschlag der kanadischen Holzindustrie, doch einfach prophylaktisch alle Wälder zu fällen. Spiegel Online meldete heute, dass die US-Amerikaner bereits Reis bunkern, weil Nahrungsmittel knapp werden (durch Klimawandel und Biosprit). Ich würde gerne etwas Klima bunkern – haben Sie einen Tipp für mich?

Foto: Pixelio

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Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

3 Kommentare

  1. Nun ja, zum Beispiel die Prinzipien des Denkmalschutzes auf den Klimaschutz anwenden. Zuerst also eine Schutzbehörde installieren, die die besonders seltenen (z.B. death valley) und wertvollen Klimata identifiziert, katalogisiert und unter Schutzgas (CO2) konserviert und gegen Korrosion schützt.

  2. Klimaanlage?

    Ernsthaft, wenn es sich bei den Wäldern um gesunde Urwälder mit Mischbestand handelt, sollten die doch eigentlich einigermaßen resistent gegenüber einzelnen Schädlingen sein. Dann füllen einfach andere Arten die Lücken auf. Oder sehe ich das falsch?

  3. @Fischer: Mischbestand

    Ich bin kein Kanada-Experte, aber die dominanten Art in weiten Teilen gerade Westkanadas ist meines Wissens die Kiefer. Hinzu kommt, dass die Wälder durch die Insekten in einem enormen Tempo absterben, so dass auch “immune” Arten nicht so schnell so groß werden können, dass sie die gleiche CO2-Bindungsfunktion haben.

    Was natürlich richtig ist: Bisher haben sich Nützlinge und Schädlinge immer selbst kontrolliert. Ein Schädling, der seine Wirte zu schnell zerstört, hat keine Nahrung und stirbt selbst. Nur in Hinblick auf die Klimasituation ist der Zeitpunkt aus menschlicher Sicht ziemlich ungünstig. Denn bis dem Käfer die Nahrung ausgeht, ist ganz schön viel Wald verschwunden – und nach ersten Recherchen ist Kanada kein Einzelfall.

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