Im Abgang schmeckt der Wein nach… Pestiziden

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Weinrebe (Foto: Pixelio)

Viele Medien haben gestern und heute über eine Studie des Aktionsnetzwerks gegen Pestizide PAN berichtet. Demnach sind europäische Weine stark mit Pestiziden belastet, darunter fünf als Krebs erregend oder Erbgut verändernd eingestufte Substanzen. Na dann: Prosit!

Die „gute“ Nachricht: In keinem Wein wurden gesetzliche Grenzwerte überschritten. Dafür fand das Aktionsbündnis in einem Spätburgunder aus Baden sogar Rückstände von zehn verschiedenen Pflanzenschutzmitteln.

Über die gesundheitliche Relevanz streiten die Gelehrten. Sicher ist aber, dass das Ergebnis bedeutet, dass die Weinberge und damit Ökosysteme und Grundwasser massiv mit Pestiziden belastet sind. Bleibt also auch hier wieder nur der Griff zu Bio-Produkten. Aber gibt es Bio-Weine, die richtig gut schmecken? Haben Sie schon Erfahrungen mit Bio-Weinen gemacht?

P.S.: Was Weine mit dem Klimawandel zu tun haben, können Sie übrigens in einem älteren Eintrag nachlesen.

Foto: Pixelio

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Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

9 Kommentare

  1. Background-Kontamination

    Moin Björn.

    Ich habe inzwischen den Verdacht, dass man auch in Bio-Weinen Pestizide findet, einfach deswegen, weil Pestizide heutzutage bereits nahezu ubiquitär vorkommen.

    Vor zwei Monaten gab es eine Studie in spanischen Krankenhäusern, die ergab, dass alle untersuchten Patienten mindestens ein Pestizid in nachweisbarer Menge im Blut hatte.

    Es scheint bereits eine gewisse Mindestkonzentration an bestimmten Industriechemikalien zu geben, der man nicht entkommen kann.

  2. @Lars: Pestizide in Biowein

    Hallo Lars, danke für die Information. Auch die hier genannte Studie hat in einem Biowein ein Pestizid gefunden. Das Aktionsbündnis vermutet eine Kontamination durch intensiven Pestizideinsatz in konventionellen Nachbarrebstöcken. Aber auch wenn uns damit praktisch nicht mehr zu helfen ist, schonen Bioweine zumindest die Umwelt. 😉

  3. @ Björn Lohmann

    Lieber Björn,

    was war das eine schöne Weinprobe in Deidesheim und nun das!
    Ich hätte gerne Aufklärung, vielleicht kannst du helfen.

    Du machst mehrere mengenmäßige Angaben:
    1.„stark” mit Pestiziden belastet
    2.„fünf” als Krebs erregend oder Erbgut verändernd
    3.Rückstände von “zehn” verschiedenen Pflanzenschutzmitteln
    4.„massiv” mit Pestiziden belastet
    5. In “keinem” Wein wurden gesetzliche Grenzwerte überschritten.“

    Nun meine Frage, bevor ich dem Wein ganz abschwöre: Spinnt der Gesetzgeber, wenn “stark” und “massiv” bei ihm nicht wertübersteigend sind? Oder sind die Urteile “stark” und “massiv” übertrieben? Sind “fünf” oder “zehn” Substanzen schlimmer als beispielsweise zwei oder zwanzig?

  4. Tja Werner,
    jetzt wissen wir also endlich, warum wir uns in Deidesheim am nächsten Tag alle so komisch gefühlt haben: Das waren die bösen Pestizide im Wein. 😉

    Die Wertungen sind natürlich immer problematisch. Die Mengen alle irgendwo zwischen der Nachweisgrenze und dem gesetzlichen Grenzwert. Wenn man das an der akuten Toxizität misst, ist das nicht viel.

    Betrachtet man dagegen den Umstand, dass sich diese Stoffe im Körper anreichern (deswegen heißen sie POPs: persistent organic pollutants) und über Wechselwirkungen untereinander oder generell Langzeitfolgen der Kontamination mit geringen Mengen noch praktisch überhaupt nichts bekannt ist…

    So ganz unproblematisch ist das nicht, auch wenn die Grenzwerte eingehalten werden.

  5. @ Lars Fischer

    Lieber Lars,
    womit ich noch eine Frage habe. Berücksichtigt denn der Gesetzgeber bei den Grenzwerten nur die akute Toxizität und nicht auch die POPs?
    Muss ich also wirklich Biowein trinken?

  6. @Werner: Pestizidgrenzwerte und Co.

    Lieber Werner,

    soweit ich weiß, beziehen sich die Grenzwerte immer nur auf die akute Toxizität. Hinzu kommt, dass die deutschen Grenzwerte teilweise deutlich toleranter sind als beispielsweise WHO-Empfehlung. Richtig lustig wird es dadurch, dass die Grenzwerte sich meist auf die Behandlung konkreter Früchte (z.B. Weintrauben) beziehen, und dadurch für Pestizide, die üblicherweise nicht für Weintrauben eingesetzt werden, gar keine Grenzwerte existieren.

    Im letzten Herbst hat Greenpeace zudem gezeigt, dass für viele Pestizide gar keine Nachweise existieren (bzw. durchgeführt werden), weil man diese Pestizide schlicht nicht erwartet.

    Und wie Lars schon schrieb: Die Wechselwirkungen durch den gleichzeitigen Einsatz verschiedener Pestizide sind weder erforscht noch reguliert. Theoretisch könnte Obst also 20 Pestizide an der zulässigen Höchstdosis enthalten, und der Gesetzgeber fände das unproblematisch.

  7. Wenn ich mich recht erinnere (Ohgottogott, das müsste ich eigentlich genau wissen, ich hab da mal ne Prüfung drüber abgelegt) basieren die Grenzwerte auf dem ADI (acceptable daily intake), der wiederum aus Tierversuchen abgeleitet wird.

    Bei diesen Versuchen bekommen Ratten über mehrere Generationen den entsprechenden Stoff zu futtern. Die Konzentration, bei der sich keine Veränderungen mehr zeigen, ist der sogenannte No adverse effect level (NOAEL). Der wird dann noch mal durch hundert oder tausend geteilt, um eine Sicherheitsspanne zu bekommen, und das ist dann der ADI.

    Der ADI ist also ein Bruchteil der Stoffmenge, die man Versuchstieren gerade noch über mehrere Generationen geben kann, ohne dass sie was davon merken. Das sind winzigste Mengen.

    Im Grunde ist der Umstand, dass man Pestizide inzwischen überall findet, mehr ein Triumph der modernen Analytik denn eine wirkliche Gesundheitsgefährdung. Ein Restrisiko bleibt natürlich.

  8. Schmecken Bioweine ?

    Wie überall gibt es auch Bioweine, die (mir!) nicht schmecken. Aber zu bezweifeln, dass es überhaupt welche gibt, die schmecken ist ja lächerlich (der deutsche Riesling Preis ging 2007 an ein Bio-Weingut)…
    Wir arbeiten seit 20 Jahren bio-dynamisch und unsere Kunden sind wohl kaum Exoten, die keinen Geschmack haben.
    Gruß an den Zweifler.

  9. @Volker Feth: Qualität der Bioweine

    Lieber Herr Feth,

    ich bin sicher kein Weinexperte, habe aber doch so einige Erfahrungen gesammelt. Und dazu gehört zunächst einmal, dass die “großen” Weine, die mir so begegnet sind, keine Bioweine waren. Ob das nun am noch geringen Marktanteil der Bioweine oder an deren Qualität liegt, kann ich nicht beurteilen und freue mich daher über Ihren Hinweis zum Riesling.

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