Fukushima und das Versagen

Wer hätte das gedacht: Menschliches Versagen hat zu verantworten, dass es im AKW Fukushima nach dem heftigen Beben und dem anschließenden Tsunami zu einer Kernschmelze kam. Das ist jedenfalls jetzt das Fazit des Untersuchungsberichts des japanischen Parlaments – und fast schon tragikomisch.

Nennen Sie mir doch mal ein einziges Unglück, das nicht auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. Am Ende ist es doch immer entweder ein Designfehler, Bedienungsfehler, mangelnde Kontrolle o.ä. „Menschliches Versagen“ ist vielleicht der dümmste Pleonasmus, der sich als Redewendung etablieren konnte.

Besonders blöd ist aber die Idee, „menschliches Versagen“ zu nutzen, um den Weiterbetrieb der Kernenergie in Japan zu rechtfertigen, denn darum geht es bei dem Fazit des Berichts ja im wesentlichen. Dieses Urteil heißt doch nichts anderes, als dass der Betreiber Tepco nicht hinreichend auf das Unglücksereignis vorbereitet war – ein Ereignis, dass praktisch niemand antizipiert hat.

Ist das nicht genau die Kritik, die Gegner der Kernkraft immer und immer wieder anbringen? Dass es unmöglich ist, sich auf Ereignisse vorzubereiten, die niemand erwartet? Dass die Technik noch so gut abgesichert sein kann – der Faktor Mensch aber unkalkulierbar ist? Irren ist menschlich.

Hinterher ist man immer schlauer – aber bei einem Super-GAU ist das ein bisschen spät. Es ist plausibel, dass Japan als stromgierige Nation mit hohem Anteil Strom aus Kernenergie nicht von jetzt auf gleich komplett aus der Kernenergie aussteigen kann. Die Begründung, das Unglück sei vermeidbar, weil menschliches Versagen gewesen, ist aber ein Eigentor. Nichts macht den nächsten Super-GAU wahrscheinlicher als menschliches Versagen – oder gar Vorsatz.

Veröffentlicht von

www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

148 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Tja

    , es gibt traditionell nur zwei Erklräungsansätze Unglücke dieser Art betreffend: 1.) menschliches Versagen 2.) höhere Gewalt.

    Bei 2 wären Sie sicherlich erst recht im Dreieck gesprungen, d.h. Sie wären in jedem Fall im Dreieck gesprungen.

    Empört lebt sich’s leichter.

    MFG
    Dr. Webbaer

  2. Menschliches Versagen

    Es gibt nur menschliches Versagen:

    Menschliches Versagen beim Bedienen von Maschinen.

    Menschliches Versagen beim Konstruieren von Maschinen.

    Menschliches Versagen beim Beurteilen von physikalischen Zusammenhängen.

    Menschliches Versagen beim Voraussehen von Naturkatastrophen.

    Auf der anderen Seite von Japan (links oder westlich), wo gerade zufällig kein Erdbeben und kein Tsunami war, befindet sich der Brutreaktor Monju.

    Dort sind im Jahre 1995 ganz ohne Erdbeben und Tsunami versehentlich drei Tonnen flüssiges Natrium-Metall ausgelaufen.

    http://de.wikipedia.org/…um-Unfall_im_Monju_1995

    Das ist natürlich kein Grund zur Besorgnis, denn der Brutreaktor Monju enthält ja nur rund 200 Tonnen fast siedendes Natrium-Metall.

    Wenn Natrium-Metall mit Wasser in Kontakt kommt, dann gibt es ein hübsches Feuerwerk, und Uran, Plutonium, und die Spaltprodukte werden in die Atmosphäre geblasen.

    Na + H2O = NaOH + 1/2 H2

    H2 + 1/2 O2 = H2O

    2 Na + 1/2 O2 = Na2O

    und in allen Fällen sehr viel Wärme und schönes, gelbes Licht.

  3. Fukushima: Mehrfaches Versagen

    Wer bekannte Gefahren ignoriert, macht in jedem Fall etwas falsch. Ob das nun menschliches Versagen ist oder nicht sei dahingestellt.
    Selbst Japanische Wissenschaftler haben davor gewarnt, dass japanische AKW’s nicht vor Tsunamis geschützt seien. Das zu ignorieren war ein schweres Versäumnis. Andererseits ist eine Technologie grundsätzlich problematisch, wenn der größte anzunehmende Unfall allzuviele Menschen in Mitleidenschaft ziehen kann. Um Fukushima herum mussten ganze Ortschaften evakuiert werden. So etwas sollte nicht nötig sein bei Technologie von der der Alltag abhängt.

  4. Fukushima Daiichi

    bzw. das dort stehende Kraftwerk scheint ein gutes Beispiel für menschliches Versagen zu sein. Die Tsunami-Gefahr war bekannt, das AKW steht in einem Tsunami-Gebiet und dass im Tsunami-Fall die Elektrizitätsversorgung ausfällt und die Backup-Diesel-Aggregatoren Probleme bekommen könnten ebenfalls.

    Man ist hier sehenden Auges und auf das Beste hoffend in den GAU geraten. Die “bekannten Gefahren” waren nicht marginal und nicht ignorierbar.

    Angeblich will man jetzt durch Anpassungen bei der Reaktortechnik sicherstellen, dass die Systeme auch im Falle des Komplett-Ausfalls der Energieversorgung heruntergefahren werden können.

    MFG
    Dr. Webbaer

  5. Super-Gau ?

    http://www.sueddeutsche.de/…-krebsrate-1.1366422
    http://www.rp-online.de/…-als-erwartet-1.2844199

    Zitate:
    “Viel schlimmer sind laut dem aktuellen Zwischenbericht der UNSCEAR gesellschaftliche Auswirkungen wie Depressionen und Ausgrenzungen von Menschen aus dem Gebiet um Fukushima.
    “Nach solchen Katastrophen werden mehr Menschen depressiv oder begehen Selbstmord. Das sehen wir auch in Japan”, sagte Weiss. “Junge Frauen aus der Gegend glauben, sie können keine Kinder mehr bekommen.” Deswegen würden sie nicht geheiratet. “Andere Frauen sagen, sie müssen jetzt abtreiben. Der Reis aus Fukushima wird nicht gegessen. Viele Menschen sind deswegen in ihrer Existenz gefährdet.”

    Fazit: Keine Toten durch Strahlung, keine messbaren Gesundheitsfolgen durch Strahlung, aber erwartete Tote durch Depression infolge Evakuierung und Ausgrenzung.

    Liegt das vielleicht an der (geschürten und gefühlten) Angst vor Strahlung ?

  6. Unkalkulierbar?

    Hm. Recherchetiefe oder Informationsgehalt sehe ich hier aber nicht?

    Dass es unmöglich gewesen sein soll, sich auf so das vorgefallene Ereignis vorzubereiten, ist eine Behauptung, die ironischerweise sogar den Betreibern Recht sein muss. Denn in gewisser Wiese entbindet sie das von der Verantwortung.

    Den Gefallen sollte man Tepco und der Aufsichtsbehörde aber nicht tun.

    Dass die Anlage nicht ausreichend gegen die Eventualität eines Tsunamis gesichert war, ist offensichtlich. Dass dies jedoch unmöglich sein soll, folgt daraus keineswegs – das behaupten Sie nur, bringen dafür – wie üblich – aber keinerlei Beleg.

    Die vier Nuklearkomplexe in der Umgebung – Fukushima Dai-ichi, Fukushima Dai-ni, Onagawa und Tokai sind in ganz unterschiedlicher Weise von der Naturkatastrophe am 11.3.2011 betroffen worden. Lediglich Fukushima in Dai-ichi ist es zur Kernschmelze gekommen, im ebenso an der Küste gelegenen und vom Epizentrum des Erdbebens ungefährt ebenso weit entfernten Fukushima Dai-ni hat es keine schweren Schäden und keine Freisetzung von Radioaktivität und eben keinen Ausfall der Notstromversorgung mit nachfolgendem Versagen der Nachkühlung gegeben.

    Zunächst einmal widerlegen die Tatsachen die Behauptungen der Kernenergiegegner, dass ein Kernkraftwerk einem schweren Erdbeben schutzlos ausgeliefert ist. Das ist ganz offensichtlich nicht zutreffend. Bei alle Kraftwerkskomplexen erfolgte die Reaktorschnellabschaltung wie vorgesehen und die Anlagen waren auch nach dem Ereignis noch zu bedienen.

    In Fukushima Dai-ichi war es allerdings so, dass der danach eintreffende Tsunami, anders als in Fukushima Dai-ni, das Kraftwerksgelände bis zu zehn Meter hoch überflutete.

    Die Diesel-Notstromaggregate befanden sich in Rämen im Untergeschoss, deren Türen geradezu sträflich nicht gegen das Eindringen von Wasser im Fall einer Überflutung gesichert waren. Deswegen fielen die dieselbetriebenen Generatoren komplett aus. Die ebenfalls vorhandenen Batterien waren nicht dafür ausgelegt, über längere Zeit hinweg den Ausfall der Notstromgeneratoren auszugleichen. Sie lieferten schlicht nicht genug Strom, um die Umwälzpumpen der Kühlanlage hinreichend zu betreiben. Damit war der Eintritt der Kernschmelze unausweichlich.

    In der Folge kam es sicher zu weiteren Fehlern, der Grundfehler lag aber in der nicht ausreichenden – oder vielmehr überhaupt nicht vorhandenen – Sicherung der Notstromaggregate gegen den an den betreffenden Lokationen hoch wahrscheinlichen Fall einer Überflutung durch einen Tsunami.

    Die Anlage hätte in dieser Form überhaupt nicht genehmigt und betrieben werden dürfen. Aber was soll denn daran unmöglich daran sein, einen so offensichtlichen Mangel in der Konzeption zu erkennen und zu benennen. Da haben, schlicht gesagt, das Betreiberunternehmen, aber auch die Aufsichtsbehörde, und im Endeffekt die japanische Regierung, in sträflicher Weise ihre Aufgaben vernachlässigt. In einem so korrupten Land wie Japan vielleicht nicht verwundelich, aber trotzdem alles Andere als hinnehmbar.

    Das im Nachhinein so hinzustellen wie das menschliche Versagen Einzelner, also etwas, wogegen man selbst bei bester Vorsorge nie gefeit ist, ist nichts als eine Ausrede. Eine verständliche Ausrede, aber keine, die man einfach so hinnehmen sollte.

    Mehr dazu u.a. hier. Das ist Information, die auch Ihnen offengestamden hätte, wenn Sie sich wirklich für den Hintergrund der Ereignisse interessieren würden. Aber wozu? Ihr Artikel, obwohl da eigentlich nichts drin steht – man liest irgendwo den Bericht und hackt dann schnell seine Meinung in den Rechner – wird ja ohnehin Zustimmung finden, denn Sie sagen den Leuten, was die hören wollen.

    So geht Journalismus. So geht auch Politik. Aber Wissenschaft geht anders.

  7. Zustimmung

    Ihr Artikel, obwohl da eigentlich nichts drin steht – man liest irgendwo den Bericht und hackt dann schnell seine Meinung in den Rechner – wird ja ohnehin Zustimmung finden, denn Sie sagen den Leuten, was die hören wollen.

    Die Zustimmung hielt sich bisher kommentarisch in Grenzen. – Scheint ohnehin eher eine Gesinnungstankstelle zu sein statt wissenschaftsnah.

    MFG
    Dr. Webbaer

  8. Alos,
    und jetzt abschalten???
    Diese Thematik mit der man eine Technologie verdammt.
    Es wäre schön vielleicht mal an dieser Stelle einen kleine Idee einbringen zu dürfen,
    wäre es nicht sinnvoll anstatt ungeheuere Mengen an Geld an die Regenerativen zu verfeuern lieber eine ständige Atomkomission in Europa einzurichten?
    Die durchaus mit weitgreifenden Möglichkeiten ausgestattet werden sollte.
    So könnte ein gleich hoher Standard in Sicehrheit und Betrieb bei den Kernkraftwerken gesetzt werden. Falls diese nicht eingehalten werden durchaus mit der Möglichkeit die einzelnen Kernkraftwerke abschalten zu lassen.
    Um dies aber zu Bewerkstelligen wäre es nötig endlich einmal mit dieser Ideologie der Pösen Kernkraft aufzuräumen und natürlich auch die Komission mit Experten auf diesem Gebiet auszustatten, wobei ich hier eher weniger an Politiker und Theologen denke.
    Ach ja, bezüglich des Textes, war es nicht auch der behrzte Eingriff von Menschen der diesen menschlichen Fehler, der seine Ursprünge in der Politik und der laxen Ausstattung der Notversorgung hatte, verhindert hat?
    Es wäre wünschenswert das dies hier auch noch geäußert werden würde!
    Aber was anderes als Bashing dieser Technologie ist hier sowieso nicht zu erwarten.

  9. Fehlende Moral

    Es ist nicht alles menschliches Versagen, sondern es gibt sehr wohl einen Unterschied zwischen menschlichem Versagen und Übersteigen der menschlichen Fähigkeiten. Hier kommt beides zusammen. Es übersteigt die menschlichen Fähigkeiten AKW gegen Naturkastastrophen 100% zu sichern. Zusätzlich war ich entsetzt über das Verhalten der Veranwortlichen nach der Katastrophe und den vorhandenen Sicherheitsmängel. Hier muss man wirklich von menschlichen Versagen sprechen. Diese Leute müssten zukünftig von verantwortlichen Posten ausgeschlossen werden, um ähnliches zu vermeiden. Als Physiker halte ich die Technik für beherrschbar, der Schwachpunkt ist der Mensch. Er hat nicht die nötige Moral und das notwendige Verantwortungsbewußtsein. Selbst bei einer Sache mit so hohem Vernichtungspotential geht noch Kostensparen vor Sicherheit.

  10. Was obliegt dem Blogger?

    @Jochen

    Worüber ein Blogger schreibt und welche Themen er wählt, etscheidet ganz allein er selbst. Das lasse ich mir ein meinem Blog auch nicht vorschreiben.

    Allerdings darf man schon von einem Blogger erwarten, dass er recherchiert – zuallermindest, dass er von ihm selbst verlinkte Artikel, auf die er sich vorgeblich bezieht, gelesen hat, und zwar über die Überschrift hinaus.

    Unterbleibt das, kriegt das ein Blogger angekreidet. Ist halt so. Geht mir auch so. Zumindest kann niemand Lohmann es vorwerfen, wenn er sich mal verrechnet, so wie as mir in meinem Blog unlängst erging, denn in diesem Blog wird nicht gerechnet, zumindest nicht vom Autor selbst. Damit ist er auf der sicheren Seite.

    @Sören

    Empörung ist auch angebracht. Aber damit meine ich die Art von Empörung, die zumindest so ernst gemeint ist, dass der Empörte das Thema wenigstens wichtig genug findet, um sich darüber zu informieren. Oder, wie gesagt, um den Artikel, den er selbst verlinkt, auch zu lesen.

    Dann würde er solche Wischiwaschi-Formulierungen wie “ein Ereignis, dass praktisch niemand antizipiert hat.” nicht brauchen und auch nicht das ominöse “Dass es unmöglich ist, sich auf Ereignisse vorzubereiten, die niemand erwartet?”

    Hätte Lohmann wenigstens den Artikel aus “Der Westen” gelesen, den er selbst zu zitieren vorgibt, wäre ihm aufgefallen, dass es dort recht konkret zugeht:

    – Seit 2006 wussten die Aufsichtsbehörden und Tepco, dass es zu einem totalen Stromausfall in Fukushima-Daiichi kommen könnte, wenn Tsunami-Wellen die Anlage treffen. Sie wussten, dass der Reaktorkern beschädigt werden könnte, wenn die Seewasser-Pumpen nach einem Tsunami ausfielen.

    Eben.

    Nix mit “nicht vorhersehbar”. Nix mit dem unkalkulierbaren Faktor Mensch. Nix mit einer beherrschbar erscheinenden Technik, die sich plötzlich und unvorhergesehen gegen ihre Lenker erhebt.

    Fukushima war eine Katastrophe mit Ansage. Das ist überhaupt kein Geheimnis, auch Lohmann wüsste es, hätte er erst gelesen und dann gepostet. Allemal ein Grund zu Empörung, aber doch bitteschön zu informierter, produktiver Empörung.

  11. Warum die Metadiskussion?

    Es übersteigt die menschlichen Fähigkeiten keinesfalls, eine kerntechnische Anlage ausreichend gegen Naturgewalten zu sichern. (100% sicher ist gar nichts und wird es auch nie sein)

    Die Erdbebensicherheit war offenbar ausreichend. Wer das anders sieht, möge bitte darlegen, wieso die Anlagen in Fukushima 1, Fukushima 2, Onagawa un Tokai das Erdbeben der Stärke 9 weitgehend intakt überstanden.

    Es übersteigt die menschlichen Fähigkeiten auch nicht, sämtliche Notstromaggregate anderswo als in gegen Überflutung ungesicherten Kellerräumen unterzubringen. Es übersteigt die menschlichen Fähigkeiten keinesfalls, mobile Notstromaggregate als Backup vorzusehen und sie dort zu lagern, wo sie geschützt sind.

    Es übersteigt auch nicht die menschlichen Fähigkeiten, solche offenkundigen Mängel zuvor zu diagnostizieren. Wer das anders sieht, möge erklären, wieso genau die Schwachpunkte der Anlage, die zum Eintritt des Unglücks führten, bereits Jahre vor dem Unglück exakt benannt wurden.

    Eine Wischiwaschi-Metadiskussion hilft nicht weiter. Was technische Anlagen ausreichend sicher macht, ist eine realistische technische Bewertung, die zu den geeigneten Maßnahmen führt. Im gegebenen Fall fand die technische Bewertung sogar rechtzeitig statt, aber die geeigneten Maßnahmen, die allesamt einfach und finanziell tragbar gewesen wären, unterblieben. Hätten sie stattgefunden, wäre die Kernschmelze vermeidbar gewesen. Es ist ganz einfach so. Das ist ja das Empörende.

  12. Bestätigung

    Herr Khan betätigt meinen Beitrag völlig. Gleich im ersten Satz stimmt er zu, dass AKWs nicht völlig gegen Naturkatastrophen gesichert werden können. Es tut nichts zu Sache dass es für andere Dinge genauso gilt. Wir stimmen auch überein, dass viele Dinge, die schief gelaufen sind, die menschliche Fähigkeit nicht übersteigen. Während er lediglich empört ist, nenne ich die Ursache, weshalb das so gelaufen ist und auch in Zukunft wieder so laufen wird. Ein AKW ist nicht einfach eine Maschine, sondern eine Mensch-Maschinenkombination. Das hat nichts mit Meta (was soll dieser Ausdruck?) zu tun, sondern mit Realismus und Menschenkenntnis.

  13. @ kahn

    Es war auch nicht so gemeint als ob ich hier jemand vorschreiben wollte was er zu schreiben hat!
    Sondern es wäre durchaus wünschenswert, dass man sich einmal unvoreingenommen mit der Kernkraft die mit Sicherheit ein tragender Pfeiler der Energieproduktion in der Zukunft sein wird, auseinandersetzt. Wie es in manchen Blogs schon passiert. Aber so lange man die Gegenseite nicht dazu bringt auch unvoreingenommen sich mit dieser Sachlage auseinander zu setzen, braucht man nicht über Für und Wider zu diskutieren.
    @Reinhard
    Natürlich kann man nichts zu 100% sichern, woraus ziehen sie jetzt ihre Zustimmung aus Kahns kommentar?
    Wenn sie mal diese oder

  14. Energiewende

    Zitat Michael Kahn
    “Es übersteigt die menschlichen Fähigkeiten keinesfalls, eine kerntechnische Anlage ausreichend gegen Naturgewalten zu sichern. (100% sicher ist gar nichts und wird es auch nie sein)”

    Das ist die eine Seite. Was aber in Japan der Schlendrian in Fukushima und in Deutschland die Vorgänge um das Endlager Asse gezeigt haben, ist, dass es auch in Ländern, die auf dem Transparency Korruptionsranking nicht vorne stehen, verantwortungslose Politiker, Behörden, Unternehmer, Ingenieure, Wissenschaftler…. gibt, welche aufgrund kurzfristiger Vorteile jedwede Vernunft ausblenden. Weniger dramatisch und kriminell kann das auch passieren, wenn aus Feigheit bestimmte Fakten zurückgehalten werden, weil man den Kostenrahmen total falsch eingeschätzt hatte oder ähnliches. Leider nur allzu menschlich.

    Der Ausstieg aus der Kernkraft ist in Deutschland beschlossen.
    Will man gleichzeitig den CO2 Verbrauch in Deutschland reduzieren, so ist das nur möglich, wenn man energieintensive Produkte importiert. (Schon klar, dass man sich damit in die Tasche lügt, aber so wird es laufen) Der Hauptlieferant wird China sein. Erwähnen sollte man auch noch Brasilien, Indien und Russland. China (und die erwähnten Länder) setzen auch auf Kernkraft. China scheint sich jedenfalls der CO2 Problematik bewusst zu sein. Darum kann man nur hoffen, dass Herrn Kahns Aussage auf zukünftige Kernkraftwerke nicht nur zutrifft, sondern dass das Wissen um den Bau hinreichend sicherer Kernkraftwerke (einschließlich der Abfallentsorgung) auch gewissenhaft umgesetzt werden kann.
    Optimistisch betrachte, schaffen wir in Deutschland also die Energiewende mit Hilfe der Chinesen, welche in 20-30 Jahren hoffentlich die nach Deutschland importierten Produkte nicht hauptsächlich mit der Energie aus Kohlekraftwerken sondern mit Hilfe einigermaßen sicherer Kernkraftwerke oder anderer CO2 neutraler Kraftwerke gewinnen.

  15. AKW-GAU’s: ein Wahrnehmungsproblem

    AKW-Unfälle mit Austreten größerer Mengen an Radioaktivität scheinen gar nicht so selten zu sein. Unter den heutigen Betriebsbedingungen, wo nationale Aufsichtsbehörden den Ton angeben und nicht selten unter einer Decke mit den AKW – Betreibern stecken, darf man sich über solche GAUs im Rhythmus von 10 bis 20 Jahren nicht wundern.
    Jeder Unfall diskreditiert die Technik in der Öffentlichkeit. Vor allem deshalb, weil ein solcher Unfall als ultimative Beeinträchtigung von betroffenen Menschen und Regionen angesehen wird. Nicht wenige schätzen die direkten Folgen des Tsunami in Japan – Tausende von Toten – als kleiner ein als die Folgen von Fukushima. Doch das ist eine völlige Fehleinschätzung. Unscear geht von 20 bis maximal 30 Personen aus, die an den Folgen des Atomunfalls – also der freigesetzten Radioaktivität – sterben werden. Viel schlimmer sind die psychologischen Folgen – vor allem für die Evakuierten. Gesamthaft gesehen, wäre es für die Bevölkerung in Fukushima und sogar für ganz Japan viel besser gewesen, wenn nur eine kleine Zone evakuiert worden wäre und wenn es nicht diese Strahlenhysterie gegeben hätte, die wahrscheinlich Hunderttausende von Japanern in ihrem Leben beeintächtigt hat.

  16. Berichtigung

    Optimistisch betrachte, schaffen wir in Deutschland also die Energiewende mit Hilfe der Chinesen, welche in 20-30 Jahren hoffentlich die nach Deutschland exportierten Produkte nicht hauptsächlich mit der Energie aus Kohlekraftwerken, sondern mit Hilfe einigermaßen sicherer Kernkraftwerke oder anderer CO2 neutraler Kraftwerke gewinnen.

  17. Warnehmungsproblem

    Obwohl ich es genau so sehe wie Martin Holzherr, ist es nach meiner persönlichen Erfahrung in Deutschland sehr mühsam hier sachlich zu argumentieren, ganz ähnlich wie bei grüner Gentechnik. Man sollte es dennoch versuchen. Es wäre toll, wenn sich auch Journalisten daran beteiligen würden. Wie sollen Politiker sonst auch eine ‘vernünftige’, rational begründete Politik machen können? Das brauchen wir aber dringend.

  18. Bericht einer vorhersehbaren Katastrophe

    @Reinhard

    “Ein AKW ist nicht einfach eine Maschine, sondern eine Mensch-Maschinenkombination. Das hat nichts mit Meta (was soll dieser Ausdruck?) zu tun, sondern mit Realismus und Menschenkenntnis.”

    Ja, und deshalb versteht man unter einem “menschlichen Versagen” in der Regel auch, dass beispielsweise ein Techniker aus Versehen den falschen Knopf gedrückt hat oder ähnliches. Herr Lohmann schreibt: “Dass es unmöglich ist, sich auf Ereignisse vorzubereiten, die niemand erwartet? Dass die Technik noch so gut abgesichert sein kann – der Faktor Mensch aber unkalkulierbar ist? Irren ist menschlich.”

    In diesem Fall hat sich aber kein Mensch “geirrt”, sondern man wusste von den Mängeln und hätte sie abstellen können. Die Untersuchungskommission stellte ja auch fest, dass die Katastrophe das Ergebnis von Kungeleien zwischen der Regierung und der Atomaufsicht, sowie der Betreiberfirma Tepco gewesen sei.

    Die Atomkraftindustrie lies auch Mitgliedern der der japanischen Atomaufsicht jahrelang Gelder zukommen. Wahrscheinlich zu dem Zweck, dass von der Aufsichtsbehörde nicht “unnötige” Forderungen nach mehr Sicherheit verlangt werden.
    http://derstandard.at/…rie-bezahlte-Kontrolleure

    Nennt man das neuerdings “menschliches Versagen”? Einige Zeitungen nennen das Unglück von Fukushima ein “Desaster von Menschenhand”, das schließt zumindest vorsätzliche Versäumnisse nicht aus.
    http://www.spiegel.de/…n-scharf-an-a-842713.html

    Man könnte in diesem Zusammenhand vielleicht einmal diskutieren, ob man eine so hochriskante Technik überhaupt betreiben kann, wenn nicht einmal die Sicherheitsvorschritten eingehalten werden und auch sonst kein vernünftiger Plan, z.B. für eine Evakuierung, vorliegt. Aber das wäre auch wieder eine “Meta-Diskussion”: http://heise.forenwiki.de/…title=Meta-Diskussion

  19. Folgen

    Unscear geht von 20 bis maximal 30 Personen aus, die an den Folgen des Atomunfalls – also der freigesetzten Radioaktivität – sterben werden.

    Zum einen dies, andere Quellen erwarten noch wesentlich geringere Personenschäden, zum anderen werden die Folgen des TMhoku-Erdbeben (das in D weitgehend unbekannte Fachwort zu dieser Katastrophe, mit mehr als 15.000 Toten und mehr als 26.000 Verletzten) in der regional deutschen Debatte (also auch in dieser kleinen kommentarischen) weitgehend ausgeklammert – was einen schlechten Eindruck hinterlässt und politische Ausnutzung zumindest nahelegt.

    MFG
    Dr. Webbaer

  20. @Empörung

    Man kann und muss sich gelegentlich auch über die Empörung anderer empören, die politische Sicht ist ja immer personengebunden [1] und erfordert das “Meta” oder gelegentlich auch die Polemik. Böse gemeint war hier nichts, danke auch für Ihre Erläuterungen und Ergänzungen.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] allgemein gilt: ‘Für den Systematiker ist die Theoretisierung in Form einer Sache oder eines Sachverhalts immer zuerst die Sicht oder Theoretisierung einer Person(enmenge) einer Sache oder eines diesbezüglichen Verhalts.’

  21. Hallo Herr Khan,

    natürlich haben Sie mit Ihren Ergänzungen zur Empörung völlig recht. Genau das wollte ich mit meinem Kommentar auch eigentlich andeuten. Empörung ohne inhaltlichen Tiefgang ist für fachliche Laien wie mich völlig sinnlos. Eingehender wollte ich mich dann doch nicht damit beschäftigen.

  22. Empörung und Vorhersehbarkeit

    In der Tat war mein Beitrag mehr sprach- als naturwissenschaftlich, was die Empörung betrifft. Mich regt auf, dass jedes Unglück mit “menschlichem Versagen” entschuldigt wird, denn streng genommen gibt es keine andere Erklärung (auch höhere Gewalt ist letztlich menschliches Versagen in dem Sinne, dass sich auf die Eventualität nicht hinreichend vorbereitet wurde). Damit wird gerne überspielt, dass der Mensch eben nicht perfekt ist und dass manche Risiken deswegen einfach zu groß sind (und Risiko ist ungleich Eintrittswahrscheinlichkeit).

    Davon ab muss ich ja nicht vollständig mit einem Artikel übereinstimmen, nur weil ich mich auf die darin enthaltene Nachricht beziehe. Auch in Deutschland haben Geologen darauf hingewiesen, dass Erdbeben mit einer Stärke größer 6 historisch nachzuweisen sind, dass Erdbeben, die massiv die Infrastruktur schädigen können (und theoretisch auch dort stehende AKW) mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit jederzeit möglich sind. Trotzdem sind wir uns wohl einig, dass ein solches Ereignis als unvorhersehbar zu bezeichnen wäre. Nach meinem Kenntnisstand ist die Lage in Japan ähnlich. Der verbreitete Wissens-(bzw. Glaubens-)Stand war, dass die Region Fukushima nicht einer hohen Erdbebengefährdung ausgesetzt ist. Wohl aber gibt es jüngere Untersuchungen, die eine mögliche, starke Aktivität des Untergrunds nahelegen. Die Mehrheit der Beteiligten in Japan wird die Kombination aus Beben und Tsunami in der erlebten Größenordnung für schlicht so unwahrscheinlich gehalten haben, wie wir es in Deutschland mit Extrembeben tun.

    Ein anderes Beispiel ist der neue Kernreaktor in Sydney. Dort war der Reaktormantel mit Löchern für Leitungen an den falschen Positionen hergestellt worden. Weil ein neuer Mantel teuer und zeitaufwendig gewesen wäre, wurden die Löcher “gestopft” und neue gebohrt. Ich nehme an, wenn das nicht mehrheitlich als sichere Methode erachtet worden wäre, hätte niemand es genehmigt. Sollte aber jemals dieser Umstand zur Katastrophe führen, würde vermutlich jeder sagen, das war ja vorhersehbar.

    Zum Schluss noch ein paar Sätze zur Wissenschaftlichkeit: Zur Wissenschaft gehört auch die Metadiskussion darüber, wie bestimmte Forschung oder Technik gesellschaftlich zu bewerten ist. Ob ein Wissenschaftlicher des jeweiligen Feldes da eher geeignet, weil Fachmann, oder ungeeignet, weil voreingenommen ist, kann man lange diskutieren. Als Journalist stelle ich fest, dass auch die Ereignisse am Rand der Gauss-Verteilung jederzeit eintreten können, und dass in einer von unperfekten Menschen bestimmten Welt ein unwahrscheinliches Ereignis, das zu einer großen Katastrophe führt, komplett ausgeschlossen werden sollte, wenn die Möglichkeit besteht. Bei der Kernenergie besteht sie (mit Übergangsfrist). Der Kernphysiker mag sagen, nach menschlichem Ermessen ist ein Unglück extrem unwahrscheinlich – und hat damit vermutlich genauso recht (da kennt er sich besser aus als ich). Aber wenn Versicherungen trotzdem den Schadensfall nicht versichern wollen, sollte das zu denken geben. Das aber ist eine Debatte, bei der tief recherchierte Fakten unnötig sind, denn die stehen nicht im Zentrum der Frage.
    Als Journalist beschäftigt mich viel mehr, die Debatte zu führen, ob wir als Gesellschaft das Risiko tragen wollen (das die Experten errechnet haben). Und da muss ich mit “empören”, wenn jemand den Vorfall in Fukushima mit “menschlichem Versagen” erklärt und damit gleichzeitig implizieren will, die Technik sei sicher und so ein Vorfall werde sich daher nicht wiederholen. Die Technik ist eben nicht sicher – sondern nur sehr, sehr sicher, das Risiko aber, das Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit und möglichem Schaden, ist eben wegen dieses Schadens noch immer zu groß.

  23. @BjörnLohmann:Verzerrte Risikowahrnehung

    Schwere Kernkraftunfälle wird es immer wieder geben, doch selbst Unfälle wie Fukushima töten insgesamt weniger Menschen als weltweit jeden Tag an den direkten oder indirekten Folgen der Kohleverstromung sterben.
    In der Öffentlichkeit werden die Folgen von Fukushima und ähnlichen Atomunfällen und die Gefahren der Atomenergie überhaupt ins Groteske verzerrt – und das Schlimme daran ist, dass sie genau zu den Journalisten gehören, die das mit Genuss machen. Sie gehören zu denen, die von der falschen Empörung leben.

    Um das Risiko plausibel zu machen sprechen sie davon, AKW’s seien nicht versicherbar. Doch Staudämme sind genauso wenig versicherbar. Sie können sicher sein, dass keiner der grossen Staudämme in Norwegen, der Schweiz, China oder Brasilien versichert ist.
    (In Zentralchina brach 1975 der Banqiao-Staudamm (25’000 Tote direkt, 145,000 Tote in Folge von Epidemien und Hungersnöten)

    Tendenziell werden in der Bevölkerung alteingeführte Technologien in ihrere Gefährlichkeit unterschätzt. Die Tatsache dass jährlich weltweit mehr als 8000 Kohlemineure an Unfällen sterben und viele Mineuere in schlecht geführten Minen an Staublunge erkranken wird nicht mit der Kohleenergie in Verbindung gebracht. Auch tödliche Unfälle mit Erdgas werden schnell wieder vergessen.
    Die folgende Tabelle listet die Todesfälle pro erzeugte Terawattstunde Energie für verschiedene Technologien:
    =============
    Coal – world average 161 (26% of world energy, 50% of electricity)
    Coal – China 278
    Coal – USA 15
    Oil 36 (36% of world energy)
    Natural Gas 4 (21% of world energy)
    Biofuel/Biomass 12
    Peat 12
    Solar (rooftop) 0.44 (less than 0.1% of world energy)
    Wind 0.15 (less than 1% of world energy)
    Hydro 0.10 (europe death rate, 2.2% of world energy)
    Hydro – world including Banqiao) 1.4 (about 2500 TWh/yr and 171,000 Banqiao dead)
    Nuclear 0.04 (5.9% of world energy)

    Diese Tabelle macht deutlich, dass fossile Energien am meisten Todesfälle verursachen (Kohle allein weltweit pro Jahr mehrere 100’000 Tote bei Hochrechnen auf den Weltenergieverbrauch) während Sonne, Wind, Hydro (ohne Banqiao) und Nuklearenergien zusammen weltweit weniger als 10’000 Menschen pro Jahr das Leben kosten.

  24. @Martin

    Aha, Sie kommen mit Daten, eigentlich eine gute Idee, Daten bzw. deren Darstellung sind nicht untypisch für wissenschaftsnahe Blogs oder sollten nicht untypisch sein.

    Ganz interessant, man könnte hier und da noch ein wenig nagen und die Aussagekraft in Einzelpunkten in Frage stellen, aber grundsätzlich ist die Atomenergie, rein empirisch, eine sichere Sache – und das trotz der gelegentlich sehr tölpelhaften Betreiber.

    BTW, haben Sie den Eindruck, dass es den Gegnern der friedlichen Nutzung der Atomenergie um das Risiko geht, dass sie tatsächlich unter einer verzerrten Wahrnehmung der Risiken leiden?

    Der Schreiber dieser Zeilen wittert eigentlich nur unscharfe gefühlsbedingte, vielleicht sogar postreligiöse Ablehnung.

    MFG
    Dr. Webbaer

  25. Fair bleiben

    Ich finde, dass die persönlichen Angriffe auf Herr Lohmann zu weit gehen und die persönliche Unterstellungen nichts bringen. Sachlich kann ich Herrn Lohmann nicht zustimmen, wenn er schreibt ‘Und da muss ich mich “empören”, wenn jemand den Vorfall in Fukushima mit “menschlichem Versagen” erklärt und damit gleichzeitig implizieren will, die Technik sei sicher und so ein Vorfall werde sich daher nicht wiederholen’. Der Vorfall war tatsächlich viel ‘menschliches Versagen’ (Entschuldigung Mona, besser falsches Verhalten) und wie Herr Khan richtig zeigt ist die Technik sehr viel sicherer. Ich finde es aber auch reichlich dreist, wenn impliziert wird, das sich dadurch der Vorfall nicht wiederholt. Ganz im Gegenteil, es sind die gleichen Leute und ich glaube keine Sekunde, dass sich an der Einstellung und dem Verhalten etwas geändert hat. Ich meine auch, dass das Verhalten grundsätzlich typisches menschliches Verhalten ist. Kostenersparnis geht vor Sicherheit. Das kann man auch für die Zukunft nicht ausschließen. Deshalb ist der Mensch ein zu grosser Risikofaktor um Kernkraftwerke zu betreiben, auch wenn sie technisch beherrschbar sind.

  26. der Mensch als Risikofaktor

    Deshalb ist der Mensch ein zu grosser Risikofaktor um Kernkraftwerke zu betreiben, auch wenn sie technisch beherrschbar sind.

    Die Datenlage bestätigt diese Aussage nicht. Überhaupt, was bedeutet Beherrschbarkeit, wenn nicht durch den Menschen?

    Sie werden vielleicht verstehen, dass mittlerweile 35jährige Argumentationen oder “Argumentationen” gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie den einen oder anderen ein wenig zynisch werden lassen, einfach weil nie herauskommt was WIRKLICH gegen die o.g. Nutzung vorgebracht wird.

    MFG
    Dr. Webbaer

  27. An Dr. Webbaer

    Frage von Dr. Webbaer: Überhaupt, was bedeutet Beherrschbarkeit, wenn nicht durch den Menschen? Ein Gewehr ist von der Technik her absolut sicher, es macht genau das was der Mensch will. Trotzdem gibt es ein Waffengesetz, weil der Gesetzgeber den Menschen für einen zu großen Risikofaktor hält. Es kann durchaus etwas von der Technik her beherrschbar sein und von der Moral her nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem KKW etwas passiert ist sehr gering, aber wenn etwas passiert dann ist das mit nichts anderem vergleichbar. Aber schon Franz Josef Strauss meinte, dass ein Kernkraftwerk weniger gefährlich ist als ein Kohlekraftwerk. Darüber kann ich nicht diskutieren.

  28. Argumentationen / “Argumentationen”

    Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem KKW etwas passiert ist sehr gering, aber wenn etwas passiert dann ist das mit nichts anderem vergleichbar. Aber schon Franz Josef Strauss meinte, dass ein Kernkraftwerk weniger gefährlich ist als ein Kohlekraftwerk. Darüber kann ich nicht diskutieren.

    Yup, so geht’s Dr. Webbaer seit 35 Jahren, irgendwann kommen bei Diskussionen mit Gegnern der friedlichen Nutzung der Kernkraft IMMER Setzungen dieser Art.

    @Martin: Was ist da los in der deutschen Seele?

    MFG
    Dr. Webbaer

  29. @Reinhard,Webbär: Keine AKW’s in D

    Ein AKW-Unfall kann auch in Deutschland vorkommen, vielleicht alle 100 Jahre einmal, was also gar nicht unwahrscheinlich ist.

    Würde man in so einem Fall ebenso grosszügig evakuieren wie um Fukushima herum, wären grosse Regionen für lange Zeit unbewohnbar. Doch nach heutigen Erkenntnissen genügten viel kleinere Evakuierungszonen. Man müsste in so einem Fall die erlaubte Strahlendosis pro Jahr für die betroffene Zone auf den gleichen Wert setzen wie für medizinisches Personal gemäss den Grenzwerte[n] zur Strahlendosis in Deutschland für strahlenexponierte Personen:

    “Für beruflich strahlenexponierte Personen darf die Strahlendosis 20 mSv pro Jahr nicht überschreiten. Im Einzelfall darf die zuständige Behörde eine Dosis von 50 mSv pro Jahr zulassen, wobei für fünf aufeinander folgende Jahre die Dosis insgesamt nicht über 100 mSv liegen darf. Zusätzlich gilt, dass die Dosis im gesamten Berufsleben maximal 400 mSv betragen darf”

    Gesundheitsschäden konnten nämlich bei diesen Strahlendosen nicht nachgewiesen werden.

    Unsachlich argumentiert hier
    @Reinhard: “Aber schon Franz Josef Strauss meinte, dass ein Kernkraftwerk weniger gefährlich ist als ein Kohlekraftwerk. Darüber kann ich nicht diskutieren.”
    indem er politsch fragwürdige Personen mit unhaltbaren und unsinnigen Aussagen ins Spiel bringt und damit andeuten will, wer AKW’s für vertretbar halte sei politisch falsch orientiert. Ein Kohlekraftwerk kann ja gar keine grösseren Unfälle verursachen, deshalb ist der Vergleich unsinnig. Dennoch sterben durch die Kohlekraft, wozu eben auch das Fördern der Kohle und die Luftverschmutzung mit Folgen wie chronisch obstruktiver Lungenerkrankung dazugehören, jedes Jahr weltweit tausende von Menschen.
    Im übrigen emittiert ein einzelnes 1 Gigawatt Kohlekraftwerk pro Jahr 5 Tonnen Uran, darin 34 kg Uran-235 (Kernbrennstoff) und 12.8 Tonnen Thorium, wie man in

    Radioactive trace elements
    nachlesen kann:
    “A 1,000 MW coal-burning power plant could have an uncontrolled release of as much as 5.2 metric tons per year of uranium (containing 74 pounds (34 kg) of uranium-235) and 12.8 metric tons per year of thorium”
    Dies ergibt eine Exposition von 490 person-rem/year für Kohlekraftwerke gegenüber einer von 4.8 person-rem/year für Kernkraftwerke. Man liest unter
    Radioactive waste
    “According to U.S. NCRP reports, population exposure from 1000-MWe power plants amounts to 490 person-rem/year for coal power plants and 4.8 person-rem/year for nuclear plants during normal operation, the latter being 136 person-rem/year for the complete nuclear fuel cycle”

  30. a manmade disaster

    Das Mindeste wäre doch wohl gewesen, den im Presseartikel verlinkten Abschlussbericht der japanischen Parlamentskommission zu lesen, anstatt die ganze Argumentation an dem Begriff “menschliches Versagen” in einem deutschen Presseartikel festzumachen. Da schaut man doch wohl erst mal nach, was im Original stand – oder zumindest in dessen offizieller englischen Übersetzung, wenn schon der Link dazu angeboten ist. Vorausgesetzt natürlich, man hat den Presseartikel überhaupt bis zu diesem Link gelesen. Offenbar war das nicht der Fall.

    Jetzt ist es ja eigentlich zu spät – Hier wurde ja schon über das angebliche Fazit des Untersuchungsberichts des japanischen Parlaments gebloggt. Wenn aber jemand den Bericht vielleicht jetzt lesen will, die Executive Summary auf Englisch ist hier.

    Für die eiligen Leser, inklusive derer, denen das Thema trotz aller vorgeblicher Empörung nicht gar so wichtig ist, dass sie sich durch 88 Seiten Englisch arbeiten wollen:

    Das Kapitel “Schlussfolgerungen” (Conclusions) beginnt auf Seite 16 des Dokuments. Das Kapitel “Recommendations” (Empfehlungen) beginnt auf Seite 22. Auf Seite 25 beginnt ein Abschnitt unter der der Überschrift “Was the Accident Preventable?” Diejenigen unter uns, die nicht bereits meinen, schon alles zu wissen, werden auch diesen informativ finden.

    Vorausgeschickt sei dies: Von “menschlichem Versagen” steht im Bericht nichts. Das haben die Redakteure von “Der Westen” sich so zurecht gelegt oder hinübersetzt. Der Bericht der Untersuchungskommission des japanischen Parlaments bezeichnet das Unglück, das am 11.3.2011 im Kraftwerkskomplex Fukushima 1 seinen Ausgang nahm, als “manmade disaster”, also als “von Menschen verursachte Katastrophe”. Es bleibt nicht bei dieser Kategorisierung, der Bericht listet detailliert und konkret auf, was damit gemeint ist. Insbesondere, wie bereits mehrfach angemerkt, die Tatsache, dass der Kraftwerkskomplex bereits mehrfach, lange vor dem 11.3.2011 als ungesichert gegenüber einem Tsunami erkannt wurde, dass diese Information sehr wohl weitergegeben wurde, dass TEPCO die Warnungen ignorierte und auch nicht von der Regulierungsbehörde gezwungen wurde, zu handeln. Der Regulierungsbehörde NISA war sogar, so der Bericht, bekannt, dass die Betreiberfirma TEPCO Nachrüstungen verschleppte. Die zog aber keine Konsequenzen nach sich.

    Ich bitte an dieser Stelle darum, auf die übliche Sophisterei zu verzichten, derart, dass trotz fehlender Recherche die These ja doch stimmt, weil [usw. usf.]. Bitte nicht schon wieder. Ich diskutiere hier nicht darüber, ob Quellen gelesen werden sollten, bevor man sie kommentiert.

    Wir können natürlich hier grundsätzlich Metadiskussionen führen und uns gegenseitig Thesen präsentieren, die so vage und allgem,ein sind, dass sie immer stimmen. Natürlich ist nichts 100% sicher, natürlich ist ein komplexes System wie ein Kernkraftwerk immer eine Kombination aus technischen und menschlichen Faktoren.

    Das “Gute” an solchen Diskussionen ist, dass man sie sogar dann führen und lang und breit kann, wenn man gar nichts zum Thema weiß und sich auch nichts zum Hintergrund des konkreten Anlasses informiert hat. Das sagt eigentlich auch schon alles über die Qualität einer solchen Diskussion aus.

    Eigentlich könnte mir das Ganze egal sein. Na und? Da ist eben noch ein Journalist mehr, der sich nicht informiert und dessen Meinung von vorneherein feststeht – die Argumente denkt er sich dann aus, wie’s passt. Ob einer mehr oder weniger, was macht das schon aus?

    Die Berichterstattung in der Presse zum Thema nukleare Sicherheit im Allgemeinen und Fukushima im Besonderen unterscheidet sich in Informationsgehalt, Recherchetiefe und Voreingenommenheit nicht wesentlich von dem Artikel in diesem Blog.

    Problematisch ist nur, dass wir mittlerweile an dem Punkt angekommen sind, wo Information bereits gar nicht interessiert, sondern nur noch Meinung. Der überstürzte Einstieg in das unkalkulierte Risiko Energiewende mit unvorhersehbaren Kosten, negativen Folgen für die Wirtschaft, aber auch für die Umwelt, erfolgte doch genau auf der basis dieser Art von “Information”, nicht etwa auf solider Recherche.

    Das ist es, was mich wirklich stört. Wenn ich die lautstärksten Befürworter dieser Wende als informiert und kompetent erleben würde, würde das helfen, meine Bedenken zu zerstreuen. Leider kann ich genau das aber beim besten Willen nicht behaupten.

  31. @Khan

    Dr. Webbaer inhaltlich ganz bei Ihnen, danke auch für die Ergänzungen und die von Ihnen bekannte “orthogonale” Argumentationsführung, aber da noch eine gewisse Schuld i.p. Beratung besteht:
    Die Absätze 6-9 Ihrer letzten Nachricht können Sie so nicht bringen.

    MFG
    Dr. Webbaer

  32. @Webbär

    Wahrscheinlich haben Sie Recht mit Ihrem Ratschlag, aber das Herumhacken auf einem noch nicht einmal gelesenen Kommissionsbericht kann (oder sollte) man auch nicht bringen. Würde ich sowas machen, dann würde mir ein aufmerksamer Leser schnell die Leviten lesen, und zwar zu Recht.

  33. Menschlich

    Hallo Herr Khan, ich finde es in Ihren Beiträgen immer wieder amüsant, wie jemand so von sich und von der Minderwertigkeit seiner Gesprächspartner überzeugt sein kann. Zur Sache finde ich es kontraproduktiv sich über sprachliche Definitionen aufzuregen. Ob nun menschliches Versagen, Irrtum, Vorsatz, Verbrechen oder das Motto ‘Geld geht vor Sicherheit’, wichtig ist doch die Frage ob man dies ändern kann und wenn ja wie? Dazu tragen Sie mit Ihrer reinen Technikbezogenheit absolut nichts bei. So, jetzt können Sie wieder schimpfen und alle anderen für dumm erklären. Ich habe zwar Physik studiert und mir auch die technischen Vorgänge in einem Atomkraftwerk angeschaut, aber das braucht für Sie kein Hinderungsgrund zu sein. Bezüglich der Wendebefürworter bin ich Ihrer Meinung.

  34. @Martin Holzherr

    Vielen Dank für den Link zu der Statistik auf nextbigfuture. Wahrscheinlich werden Sie jetzt zu hören bekommen, dass langfristige Folgen eines nicht beherrschten nuklearen Unglücks nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

    In Erwartung dieses Vorwurfs: 1.) Fukushima kommt mit einer Kernschmelze in gleich drei Kraftwerksblöcken dem schlimmsten prognostizierten Fall schon recht nahe. Nun sollte man eigentlich die zuvor erstellten Katastrophenszenarien an diesem Ereignis messen können.

    2.) Es würde mich wundern, wenn die langfristigen negativen ökologischen Auswirkungen und die resultierenden Todesfälle konventioneller fossiler Brennstoffe wie auch der erneuerbaren Energien bereits in der Statistik aufgenommen sind. Siehe hier, hier und hier.

    Man verstehe mich bitte nicht falsch. Jede Technik birgt Risiken. Ein Risiko ist zunächst einmal eine technische Herausforderung, die bewertet werden muss und Gegenmaßnahmen erfordert. Nur die verbreitete Einstellung, nach der es gerade die Kernenergie ist, die in ihrem gefährdungspotenzial einzigartig sein soll, finde ich hochgradig naiv und sogar gefährlich.

    Unter anderem auch aus diesem Grund mag ich diese Metadiskussionen nicht, bei denen es nie konkret wird.

  35. @Reinhard

    Zunächst einmal freut es mich, dass ich Sie amüsieren konnte, auch wenn Sie dazu offenbar die Taktik benötigten, das Geschriebene zu ingorieren und stattdessen eine Unterstellung anzubringen. Vielleicht geschah das unabsichtlich, falls ja: Die Feststellung, dass jemand einen Kommissionsbericht, den er kommentiert, offenbar nicht gelesen hat, ist etwas Anderes als ein Sich-Aufregen über sprachliche Definitionen.

    Zum Ad-hominem-Angriff: das habe ich schon besser gesehen als bei Ihnen, beispielsweise indem mir jemand einen konkreten Fehler nachweist. Nun ja, jeder tut, was er kann.

    Ein Physiker ist übrigens nicht unbedingt die Person, die man zum Thema Reaktorsicherheit befragen sollte, da handelt es sich zum absolut überwiegenden Teil um Ingenieursarbeit. das wusste Herr Lohmann auch nicht, der bezog sich sogar auf Kernphysiker.

    Zu Ihrer tatsächlichen individuellen Kompetenz kann ich mich gar nicht äußern – und das habe ich auch nicht getan – denn ich kenne Sie gar nicht. Ich kann mein Urteil nur auf Basis des Eindrucks bilden, den Ihre Argumentation hinterlässt. Wenn dieser Eindruck dann nicht der ist, den Sie erwecken möchten … dann liegt das sicher ganz allein an mir.

    Die folgende Aussage Ihrerseits ist allerdings nachweislich falsch und kann nicht unkommentiert bleiben:

    Ob nun menschliches Versagen, Irrtum, Vorsatz, Verbrechen oder das Motto ‘Geld geht vor Sicherheit’, wichtig ist doch die Frage ob man dies ändern kann und wenn ja wie? Dazu tragen Sie mit Ihrer reinen Technikbezogenheit absolut nichts bei.

    Dazu zweierlei:

    Erstens ist es, wenn man ein konkretes Problem beheben will, von eminenter Wichtigkeit, dass man das Problem genau einkreist und aufzeigt. Wenn das Problem nun darin liegt, dass Notstromaggregate in einem Kraftwerkskomplex direkt an einer Tsunami-gefährdeten Küste nicht gegen Überflutung geschützt sind, dann leistet genau der, der diesen Umstand benennt, einen Beitrag zur Behebung. Der, der sich in sicher richtigen, aber nicht unbedingt sachbezogenen allgemeinen Floskeln zur Erlangung absoluter Sicherheit oder zum generellen Problem der Interaktion zwischen Mensch und Maschine ergeht, eher nicht. Zumindest ist das in meinem Zweig der Realität so.

    Zweitens habe ich den Link zur Executive Summary des Abschlussberichts der Untersuchungskommission des japanischen Parlaments zum Fukushima-Unglück angegeben. Falls Ihnen das entgangen sein sollte, der Link ist hier und, wie auch bereits von mir geschrieben, das Kapitel “Recommendations”, in dem sieben Maßnahmen vorgeschlagen werden, um die identifizierten und mit erstaunlicher Offenheit benannten Mißstände zu beseitigen, beginnt dort auf Seite 22.

    Insofern ist mir nicht klar, wohin Ihr Vorwurf zielt. Was soll ich denn noch tun? Sollte es sich um eine Äußerung des allgemeinen Unmuts gehandelt haben, so bin ich natürlich bereit, ihn zu vergessen.

  36. Michael Khan vs Björn Lohmann

    Michael Khans Kommentar a manmade disaster ist aus dem Unmut über die fehlende Auseinadersetzung des Beitrag-Autors Björn Lohmann entstanden.

    Im Hintergrund geht es natürlich beiden um eine Message. Björn Lohmanns empört sich über die Wiederinbetriebnahme der japanischen AKW und sieht den Bericht der Untersuchungskommission mit ihrem Fazit eines Manmade disaster (wobei Björn Lohmann dieses Fazit im Original wohl gar nicht kennt) als irreführende Rechtfertigung für den Weiterbetrieb – irreführend, weil “menschliches Versagen” nicht für, sondern gegen die ganze AKW-Technologie spricht.

    Michael Khan’s Botschaft besteht aus 2 explizit erwähnten Teilen (die bei Björn Lohmann nur implizit vorkommen):
    1) empört sich Michael Khan über das fehlende Quellenstudium Lohmann’s und das mangelnde journalistische Handwerk. Etwas was offensichtlich zutrifft, denn der Satz von Björn Lohmann:
    “Dass es unmöglich ist, sich auf Ereignisse vorzubereiten, die niemand erwartet? “
    offenbart in einem Streich sowohl a) fehlende Lektüre als auch b) widersprüchliches Denken.
    zu a): Die fehlenden Tsunami-Festigkeit der versagenden AKW’s war ja aktenkundundig und das wird im Bericht genau herausgestellt.
    zu b): Falls das Ereignis nicht voraussehbar war, läge kein menschliches Versagen vor

    2) Michael Khan erkennt, dass es Björn Lohman vor allem darum geht, gegen AKW’s Stimmung zu machen. Er selbst sieht im AKW-Ausstieg – im Gegensatz zu Björn Lohmann – viele Probleme, was in folgendem Zitat zum Ausdruck kommt: “Der überstürzte Einstieg in das unkalkulierte Risiko Energiewende mit unvorhersehbaren Kosten, negativen Folgen für die Wirtschaft, aber auch für die Umwelt”

    Wer alle Beiträge von Björn Lohmann gelesen hat – wie ich das getan haben – der weiss, dass Björn Lohmann meist sehr emotional gefärbte (auch mit Empörung getränkte) Beiträge schreibt, er nicht vor Vereinfachungen und täuschenden Angaben zurückschreckt (wie z.B. dass 120 Gigawatt Windleistung der Leistung von 120 AKW’s entspricht), dass er aber andererseits auch einige Dinge genauer studiert hat, wie z.B. das Projekt roadmap 2050. Seine Grundüberzeugung ist, dass die Erneuerbaren Energien schon lange die Lösung sind und es nur noch darum geht, sie gegen die etablierten fossilen und nuklearen Energieversorger durchzusetzen.

    Wie Michael Khan richtig bemerkt, sind viele EE- und Energiewende-Befürworter – und Björn Lohmann ist da keine Ausnahme – von den erneuerbaren Energien so überzeugt, dass sie sich mit technologischen Problemen eher wenig auseinandersetzen und sich eher als Evangelisten präsentieren als als Analysten.

    Irgendwie scheint das aber auch am Thema Energie zu liegen. Auch bei der Atomtechnologie gab es zuerst Evangelisten, die von der neuen Energieform schwärmten.
    Das Thema Energie wird eben von vielen als so wichtig wie die Ernährung betrachtet.

    Mehr Nüchternheit bei diesem Thema wäre wahrscheinlich nicht unklug.

  37. Kann man

    den Webbären mal abschalten? Mehr als Diffamierungen und Bild-Meinungsmache hat der doch nicht drauf und trollt sich durch alle Foren.

    Einfach auf ignore, den Troll…..

  38. Zukunft der Kernenergie

    Nicht nur Deutschland und Japan steigen schrittweise aus, sondern auch eine ganze Reihe anderer Länder. Details hier.

    Weltweit ist der Rückzug der Kernenergier unausweichlich, allein schon deshalb, weil KKWs gegenüber anderen Stromerzeugungstechniken wirtschaftlich nicht mehr konkurrenzfähig sind.

    Ich schätze, in den nächsten 15 Jahren werden wir den größten Teil des Ausstiegs weltweit hinter uns bringen.

    Die paar Neubauten, die es gibt – und es werden laufend weniger – können nicht einmal den Schwund durch Abschaltung algter Anlagen ausgleichen.

  39. Umgangsformen

    @ Kahn ‘offenbar die Taktik benötigten’,’das Geschriebene zu ingorieren’,’eine Unterstellung anzubringen’,’habe ich schon besser gesehen’,’Nun ja, jeder tut, was er kann’,’Wenn dieser Eindruck dann nicht der ist, den Sie erwecken möchten … dann liegt das sicher ganz allein an mir’,’Falls Ihnen das entgangen sein sollte’.’Sollte es sich um eine Äußerung des allgemeinen Unmuts gehandelt haben, so bin ich natürlich bereit, ihn zu vergessen.’ Frage meinerseits: Können Sie auch sachlich argumentieren? Ich habe Ihnen bezüglich der Technik, auch der Energiewende, von Beginn an immer zugestimmt, der ganze Unterschied liegt darin, dass ich den Mensch für den größten Risikofaktor halte. Das macht meine Argumentation nicht weniger qualifiziert.

  40. @Bäumer: saftey makes nuclear expensive

    Nuklearenergie könnte Strom sehr kostengünstig liefern, allein die explodierenden Kosten für die ganze Sicherheitstechnik machen sie immer teurer.
    Sie schreiben:
    “Weltweit ist der Rückzug der Kernenergier unausweichlich, allein schon deshalb, weil KKWs gegenüber anderen Stromerzeugungstechniken wirtschaftlich nicht mehr konkurrenzfähig sind.”

    In China mit ihren AKW’s der Generation II+, aber auch in Südkorea liefern Atomkraftwerke billigeren Strom als Kohlekraftwerke. Die Kostenspirale begann erst mit der immer komplexeren Sicherheitstechnik zu steigen. Der EPR von Areva ist ein gutes Beispiel für die Kostenexplosion, die durch immer Sicherheitsmerkmale zustande kam.

    Der Grundfehler in der Entwicklung der Kernkraft war meiner Ansicht nach, dass man sich sehr früh auf die heutigen Druckwasserreaktoren mit ihrem Nachwärmeproblem festgelegt hat.

    Zudem müsste man um die Kerntechnik zukunftsfähig zu machen, zur Brutreaktortechnologie übergehen. Hier wäre der Liquid Fluorid Thorium Reactor die vielversprechenste und auch sehr sichere Technologie, die zudem 100 bis 1000 Mal weniger radioaktive Abfälle erzeugt.

    Allerdings haben sie recht, dass es eher danach aussieht, dass es für eine nukleare Renaissance schon zu spät ist.

  41. Renaissance der Kernenergie

    Allerdings haben sie recht, dass es eher danach aussieht, dass es für eine nukleare Renaissance schon zu spät ist.

    Nö. International führt man andere Diskussionen als in D.

    Von Interesse vielleicht auch dieses Prognose-Datenblatt:
    http://www.eia.gov/…p;cases=Reference-0504a_1630

    … und diese Visualisierung zum prognostizierten Weltenergieverbrauch:
    http://www.eia.gov/…s/ieo/images/figure_1-sm.jpg

    Man geht davon aus, dass der Weltenergiedarf stark ansteigt:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Weltenergiebedarf (Verdreifachung bis 2060)

    Und das ist auch gut so, es ist nicht der Energieverbrauch, der der Umwelt oder dem Klima schadet.

    Ökologisten mit ihrem “Energiesparen um Energie zu sparen” ist entgegenzutreten. Man muss diese Herausforderung unideologisch und intelligent bearbeiten. – Dass der Weltenergiebedarf steigt, heißt ja auch, dass die Zivilisation allgemein vorankommt.

    MFG
    Dr. Webbaer

  42. @Reinhard: Es reicht.

    Frage meinerseits: Können Sie auch sachlich argumentieren?

    Es reicht mir jetz langsam mit Ihnen.

    Objektiv gesehen werden Sie zugeben müssen, dass ich wirklich einer derjenigen bin, der hier Fakten und Daten bringt. Wenn Sie diese zur Kenntnis nehmen wollen, gut. Wenn nicht, auch gut. Aber stellen Sie die Fakten nicht einfach in Abrede.

    Meinen Sie mit “sachlicher Argumentation” etwa so etwas wie […] wie jemand so von sich und von der Minderwertigkeit seiner Gesprächspartner überzeugt sein kann, oder Dazu tragen Sie mit Ihrer reinen Technikbezogenheit absolut nichts bei oder So, jetzt können Sie wieder schimpfen und alle anderen für dumm erklären?

    Bitte akzeptieren Sie eines: Ich bin an einer persönlichen Diskussion nicht interessiert. Tut mir Leid, wenn Sie das enttäuscht.

  43. @Martik Holzheerr

    Der Grundfehler in der Entwicklung der Kernkraft war meiner Ansicht nach, dass man sich sehr früh auf die heutigen Druckwasserreaktoren mit ihrem Nachwärmeproblem festgelegt hat.

    Ist das so? Soweit ich weiß, setzt man in Japan vorwiegend (oder fast ausschließlich?) auf Siedewasserreaktoren. Mittlerweile, mit dem ABWR, solchen der dritten Generation, auch für den Export.

    Der Schritt in die dritte generation wurde in Deutschland ja schon nicht mehr vollzogen.

    Allerdings haben sie recht, dass es eher danach aussieht, dass es für eine nukleare Renaissance schon zu spät ist.

    Ja, in Deutschland. Und vielleicht noch ein paar anderen europäischen Nationen.

    Wie die aufstrebenden Nationen, die in Zukunft in der Welt den Ton angeben werden, sich zur Deckung Ihres Energiebedarfs entscheiden, werden wir abwarten müssen.

    Man kann davon ausgehen, dass die erneuerbaren Energien in Zukunft realistischer Betrachtet werden. Spätestens dann, wenn die Defizite bei Sicherheit und Ökologie nicht mehr ignoriert werden können.

    Bei Energiepflanzen die endlosen Monokulturen, die Speisepflanzen den knappen Ackerboden streitig machen und derentwegen Wälder abgeholzt werden müssen.

    Bei Stauseen reicht ein einziges schweres Unglück, um ein erhebliches Umdenken in Gang zu setzen. Ein Unfall beim Drei-Schluchten-Staudamm in China würde so viele Todesopfer fordern, dass die gesamte Technologie ein schweres Durchsetzungsproblem bekommt – nicht nur in China.

    Dann wird man sich eiligst nach Alternativen umschauen. Alternativen, die verfügbar, zuverlässig und sicher sind und hohe installierte Leistung garantieren. Langfristig wird hier die Fusionstechnik das Mitte der Wahl sein. Bis die aber verfügbar ist, bieten sich fortschrittliche Kernkraftwerke an.

    Vielleicht bedarf es noch nicht einmal eines Unglücks. Die erneuerbaren Energien werden ja heute bereits nicht mehr so naiv-positiv gesehen wie früher einmal. Nehmen wir das Argument der Dezentralität. Das kam früher immer gleich als erstes, so als sei das per se eine Tugend. Seit aber nicht mehr ignoriert werden kann, dass die angeblich dezentralen EE einen massiven Ausbau des Stromfernnetzes brauchen, ist das Schlagwort in der Versenkung verschwunden.

    Wenn sich die unumgängliche Ansicht durchsetzt, dass Großtechnik immer Großtechnik ist und von großen Unternehmen gemacht wird, die damit viel Geld verdienen – egal ob EE, fossil oder nuklear, dann wird das auch einen Wandel in der Einschätzung bedingen. Wenn es stimmt, das die Welt auf Deutschland und seinen Energiewandel schaut, dann stimmt es auch, dass die Welt es registrieren wird, wenn das nicht so läuft wie angepriesen.

  44. Nachtrag @Martin Holzherr

    Zunachst einmal bitte ich die Tippfehler in Ihrem Namen in meinem vorherigen Kommentar zu entschuldigen. Diesmal habe ich besser aufgepasst.

    Mein Nachtrag bezieht sich auf zwei Punkte:

    1.) Der erhebliche Ausstoß an Radionukliden im Rauchgas bzw. in der Schlacke des gereinigten Rauchgases bei Kohlekraftwerken war meines Wissens bereits in den 80ern ein Thema. Es ist erstaunlich, wie dieser Punkt seitdem erfolgreich in der Diskussion ignoriert wird, trotz hoher Sensibilisierung der Öffentlichkeit zum Thema Radioaktivität.

    2.) Reaktion hierzulande auf ein Staudammunglück anderswo. Mehrfach angesprochen wurde die zentrale bedeutung der Energiespeicherung für den großtechnischen Einsatz der ansonsten nicht grundlastfähigen erneuerbaren Energien. Eine solche Speichermöglichkeit sind Pumpspeicherkraftwerke.

    Ein Pumpspeicherkraftwerk ist nun aber nichst Anderes als ein Stausee auf einem Berg. Also etwas mit einem hohen Gefährdungspotenzial für die, die darunter wohnen. Realistischerweise sollte man davon ausgehen, dass die Akzeptanz für neue Pumpspeicherwerke in Deutschland kaum noch gegeben sein wird (sie erscheint mir schon jetzt nicht hoch), wenn es irgendwo in der Welt zu einem Staudammunglück kommt.

    Sollte es gar zu einem solchen Unglück in Deutschland kommen, wird die Akzeptanz wohl gegen Null gehen. Die Wahrscheinlichkeit für ein unglück steigt, je mehr solcher Speicherwerke betrieben werden, denn mit steigender Zahl ist man gezwungen, mehr und mehr exponierte Standorte auszuwählen.

  45. @Michael Khan: EE+Umweltbeeinträchtigung

    Sie schreiben zu Recht und nun schon in einem zweiten Kommentar an mich, dass die Umweltbeeinträchtigungen durch verschiedene Formen der Erneuerbaren Energien beträchtlich sind und die sozialen und ökonomischen Folgen für Menschen, deren frühere Nahrung nun als Treibstoff verwendet wird, geradezu beängstigend sind.

    Eigentlich ist es doch klar wie die ideale Energiequelle aussehen sollte: Nach aussen sollte sie als kleines Fabrikgebäude in Erscheinung treten, welches wenig Input braucht und wenig Output liefert ausser dem Strom, den man gewinnen will.
    Die heutigen Kernkraftwerke wären schon nahe an diesem Ideal, wenn sie nicht so gefährlich wären, bezüglich als so gefährlich eingeschätzt würden.

    Nun zu den Umweltbeeinträchtigungen durch EE-Quellen:
    – Biotreibstoffe und Verwertung von Biomasse im grossen Stil nur für das Verfeuern in einem Kraftwerk ist für mich etwas geradezu perverses. Die nächste Generation wird nur noch den Kopf schütteln über das, was wir da sogar mit Subventionen gefördert haben – ausser es würde gelingen Biotreibstoffe der 4. Generation zu entwickeln, die nur noch wenig Land benötigen (Joules Unlimited behauptet solche Prozesse bereits zu beherrschen).

    Sie schreiben nichts negatives über die Umweltbeeinträchtigungen durch Windturbinen (und Solarpanel), wohl weil sie als Deutscher und in Deutschland lebender über sehr viel Leidensfähigkeit verfügen. Denn hier in der Schweiz haben schon mehrere Umweltgruppen und Landschaftsschützer klar zum Verständnis gegeben, dass es für sie in der Schweiz vielleicht Platz für 100 Windräder hat und dass dann Schluss ist, weil die Landschaft mehr zählt als ein paar Kilowattstunden Strom durch ratternde und die Landschaft verändernde Windräder (Zitat: “Für die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz sind die Pläne des Bundes unrealistisch: «Wir haben schlichtweg die Gegenden nicht, wo wir die Anlagen erstellen könnten, und auch zu wenig Wind», sagt Geschäftsführer Raimund Rodewald im «10vor10»-Interview. «Wir haben auch zu viele geschützte Gebiete. Eine realistische Zahl ist etwa 100 Anlagen.»”)

    Auch im Artikel Erneuerbare Energien und Landschaftsschutz wird mit guten Worten deutlich gemacht, dass Landschaft auch über den wirtschaftlichen Nutzen hinaus eine Eigenbedeutung hat: “Mit dieser Sicht macht es sich die Elektrizitätswirtschaft allzu einfach. Erstens erwähnt sie mit keinem Wort, dass auch Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energie in einem scharfen Konflikt zum Landschaftsschutz und zur Ökologie stehen können. Und zweitens verkennt sie, dass das öffentliche Interesse an der Erhaltung der längst knapp gewordenen und deshalb kostbaren Güter «unversehrte Landschaften» und «unversehrte Natur » gleichrangig mit dem Interesse an der Energieversorgung ist.”

    Unabhängig von allfälligen Unfällen wird sich die Einschätzung der EE nur schon darum ändern, weil die Euphorie und die überzogenene Vorstellungen, die viele von den erneuerbaren Energien haben, von alleine verfliegen werden, wenn die Menschen mit der Realität konfrontiert werden – z.B. in der Form von Hochspannungsmasten, die die Landschaft durchziehen.

  46. Kann

    .. so nicht bestätigt werden, beim letzten Besuch in D ca. in 2007 und bei einer Bahnfahrt kam gerade das bei mitreisenden Kollegen –

    Unabhängig von allfälligen Unfällen wird sich die Einschätzung der EE nur schon darum ändern, weil die Euphorie und die überzogenene Vorstellungen, die viele von den erneuerbaren Energien haben, von alleine verfliegen werden, wenn die Menschen mit der Realität konfrontiert werden – z.B. in der Form von Hochspannungsmasten, die die Landschaft durchziehen.

    – sehr gut an. Es waren aber Windkraftanlagen kombiniert mit entsprechenden Leitsystemen.

    Zudem wurde mittlerweile wohl noch kräftig ausgebaut.

    MFG
    Dr. Webbaer (der diese Konsequenzen der ca. 1977 in D beginnenden ökologistischen Bemühungen extra-arm findet)

  47. Kernfusion?

    @Michael Khan

    “Langfristig wird hier die Fusionstechnik das Mitte der Wahl sein. Bis die aber verfügbar ist, bieten sich fortschrittliche Kernkraftwerke an.”

    Glaubst du wirklich, dass die Kernfusion noch eine Chance hat?

    Da bastelt man doch schon seit Jahrzehnten dran herum, ohne nennenswerte Fortschritte zu machen.

    Unabhängig davon, OB man je einen funktionierenden Fusionsrfeaktor wird abuen können, was äußerst fraglich ist, wäre Fusionsstrom dann so teuer, dass er sowieso keine Chance hätte.

    Was die “fortschrittlichen” KKWs betrifft, so stellöt sich unmittelbar die Frage: Ja, wo sind sie denn?

    Reaktoren der IV. Generation sind doch ungedeckte Wechsel, sie befinden sich allesamt noch im Versuchsstadium und es würde gewaltige Summen verschlingen, so viele davon in 20 oder 30 Jahren zu bauen (FALLS sie bis dahin über das reine Versuchsstadium hinaus gekommen sein sollten, was ebenfalls äußerst fraglich ist), dass sie einen merklichen Beitrag zur Energieversorgung leisten könnten.

    Meiner Meinung nach wird es in Zukunft immer weniger Strom aus KKWs geben und nicht mehr.

  48. Traue keiner Statistik, die du nicht …

    @Webbaer,

    “Von Interesse vielleicht auch dieses Prognose-Datenblatt:
    http://www.eia.gov/…cases=Reference-0504a_1630\”

    Toller Link und SOOOO falsch.

    Dir hätte selber auffallen müssen, dass die Zahlen nicht nur ein reines Fantasieprodukt sind, sondern großenteils einfach erlogen oder wie willst du dir erklären, dass z. B. für Japan 2011 und 2012 sowie den Folgejahren eine höhere nukleare Stromerzeugung behauptet wird als 2010?

    Jeder weiß doch, dass der Löwenanteil der japanischen Nuklearkapazität den größten Teil des Jahres 2011 stillgelegen hat und dies nicht nur für dieses Jahr sondern höchstwahrscheinlich auch für die Folgejahre auftreten wird.

    Jeder weiß außerdem, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren die nukleare Stromerzeugung ebenfalls weltweit rückläufig sein wird, weil die wenigen Neubauten nicht einmal die altersbedingten Abschaltungen kompensieren können.

    Ich würde dir doch raten wollen, ein wenig kritischer mit solchen offensichtlich gefälschten Statistiken umzugehen.

    Dass der Weltenergiebedarf auch in Zukunft weiter wachsen wird, ist nahezu unvermeidlich. Aus welchen Quellen er gedeckt werden wird, muss sich zeigen. Der nukleare Anteil wird jedenfalls ebenso unvermeidlich weiter schrumpfen.

  49. @Jochen Bäumer

    Es handelt sich um einen sog. Outlook.

    Warum soll der gefälscht sein?

    Nehmen Sie’s einfach als Hinweis darauf, dass zumindest die EIA nicht davon ausgeht, dass die Energiegewinnung per Atomkraft abnehmen wird. – Sie ist ja auch günstig, wenn die Gesellschaft mitmacht.

    “Jeder weiß doch”, “jeder weiß außerdem”, “gefälscht” – hmm, sind Sie Ökologist?, geben Sie mal dbzgl. ein Zeichen; klar, sollten Sie glaubensmäßig gebunden sein, wird das demnächst von dem Schreiber dieser Zeilen bestmöglich berücksichtigt.

    MFG
    Dr. Webbaer

  50. @Jochen Bäumer

    Erstens ist mit nicht bekannt, dass wir uns duzen … sollte ich Sie irgendwoher kennen?

    Zweitens – und das passt leider ziemlich gut in den Kontext dieses Blogs, scheinen Sie sich Ihrer Sache gleich von vorneherein ziemlich sicher zu sein. So sicher, dass jedwede Recherche oder Suche nach Belegen komplett entfällt.

    Da bastelt man doch schon seit Jahrzehnten dran herum, ohne nennenswerte Fortschritte zu machen.
    Unabhängig davon, OB man je einen funktionierenden Fusionsrfeaktor wird abuen können, was äußerst fraglich ist, wäre Fusionsstrom dann so teuer, dass er sowieso keine Chance hätte.

    Na, das sind ja mal qualifizierte Aussagen. Dann wird es Ihnen ja sicherlich leicht fallen, die hier genannten Daten zu widerlegen, die den Fortschritt inder Fusionsforschuung dokumentieren und eher darauf hindeuten, dass die Forschung kurz vor dem Durchbruch steht.

    Wie sich die Nutzung der Kernenergie entwickelt, wird sich zeigen, aber das hat weniger mit Ihrer oder meiner Meinung zu tun als Verfügbarkeit und Kosten fossiler Brennstoffe und den zu erwartenden Risiken und Nebenwirkungen bei der Nutzung erneuerbarer Energien.

    Vielleicht wird es langfristig weniger installierte Leistung in Form von Fissionskraftwerken geben, vielleicht aber auch nur kurzfristig. Das wird sich zeigen.

    Dass die Menschheit mit den Alternativen sicherer und zuverlässiger versorgt ist, bezweifele ich. Die schiere Anzahl an Talsperrenunglücken und die resultierenden Opferzahlen allein in den vergangenen 100 Jahren lässt nicht Gutes ahnen, zumal Bevölkerungsdichte und Anzahl an Staudämmen weiter zunehmen, siehe u.a. hier und hier.

  51. Mir reichts auch

    @ Khan ‘Nun ja, jeder tut, was er kann’ ist herabwürdigend und beleidigend. Offensichtlich ist es Ihr Stil, meiner ist es nicht. Deshalb reicht es mir auch.

  52. Fusion am St. Nimmerleinstag

    @Michael Khan,

    ich denke, dieses Zitat aus Ihrer Quelle spricht für sich selbst uns sagt alles aus, was man heute als nichtbeteiligter Forscher oder interessierter Laie über Fusionsforschung wissen muss:

    “This is of course very ambitious. It is humbling to think that DEMO is not expected to be operating until at least the year 2033.”

    Bleiben wir also bescheiden und warten in Ruhe ab, ob endlich eines der Versprechen der Fusionsforscher wahr wird, wenn es auch mindesten noch 20 Jahre dauert. ;-(

    … oder 40, 60, 80, 100 Jahre

    Sie sehen, ich habe die FAKTEN auf meiner Seite, Sie haben nur leere Versprechen.

  53. Fukushima+das Versagen dieses Beitrags

    Björn Lohmann zieht über etwas her, mit dem er sich nicht befasst hat, und stützt sich auf Sekunärinformationen, die er ebenfalls falsch interpretiert. Trotzdem wird klar was er sagen will und diese Ausssage bedarf offensichtlich keiner grösserer Recherche und lässt sich so zusammenfassen: “AKW-GAU’s sind zu erwarten und menschliches Versagen ebenso”.

    Nun wollen wir Björn Lohmann’s Beitrag Satz für Satz wiederkäuen und durch die Mangel drehen . Er schreibt:

    Der Weiterbetrieb der Japan-AKW’s wird durch den Unfallbericht nicht gerechtfertigt

    Björn Lohmann: “Besonders blöd ist aber die Idee, „menschliches Versagen“ zu nutzen, um den Weiterbetrieb der Kernenergie in Japan zu rechtfertigen, denn darum geht es bei dem Fazit des Berichts ja im wesentlichen.”
    Die Wirklichkeit: Diese Aussage, also die Schlussfolgerung, der Bericht wolle die Wiederaufnahme des AKW-Betriebs in Japan rechtfertigen, lässt sich weder aus dem Originalbericht, noch aus dem zitierten Sekundärbericht ableiten. Im Gegenteil, sogar der Sekundärbericht, der im “Der Westen” erschien, folgert schon in der Überschrift:
    “Ein Bericht des japanischen Parlaments erklärt die Reaktorkatastrophe von Fukushima als Folge menschlichen Versagens. Wer baut schon Notfallaggregate, die vor den Hauptaggregaten zu Bruch gehen? Und trotzdem macht das Land jetzt einfach weiter.”
    Japan macht trotzdem weiter, schreibt “Der Westen”.

    Tepco kannte das Szenario, das dem Unglücksereignis zugrunde lag
    Björn Lohmann: “Dieses Urteil heißt doch nichts anderes, als dass der Betreiber Tepco nicht hinreichend auf das Unglücksereignis vorbereitet war – ein Ereignis, dass praktisch niemand antizipiert hat.”
    Die Wirklichkeit: Laut Bericht war Tepco nicht hinreichend auf das Unglücksereignis vorbereitet. Doch dieses Unglücksereignis – also der Tsunami – war ein Ereignis, dass praktisch alle Experten antizipiert haben . Stärkere Tsunamis gibt es fast jährlich in Japan, verheerende in Abständen kürzer als 100 Jahre und Warnungen davor haben Japaner in Stein gemeisselt.. Nach Wikipedia ist dies die Liste der verheerensten Tsunamis der letzen 150 Jahre:
    – 15. Juni 1896: Der durch das Meiji-Sanriku-Erdbeben ausgelöste Tsunami, eine Wasserwand von 23 m Höhe, überraschte Japan während religiöser Feierlichkeiten, 26.000 Menschen ertranken.
    – 2. März 1933: Der auf das Showa-Sanriku-Erdbeben vor Japan folgende Tsunami mit einer Wellenhöhe bis 28,7 m forderte über 1500 Tote und 1500 Vermisste.
    – 26. Mai 1983: Ein Erdbeben der Stärke 7,7 löste im Norden von Japan in den Präfekturen Akita und Aomori einen 14 m hohen Tsunami aus, welcher 104 Todesopfer forderte. Das Epizentrum lag in der Sea of Japan vor Oga Peninsula / Akita.

    Menschliches Versagen oder Unvorhersehbarkeit
    Björn Lohmann: “Ist das nicht genau die Kritik, die Gegner der Kernkraft immer und immer wieder anbringen? Dass es unmöglich ist, sich auf Ereignisse vorzubereiten, die niemand erwartet? Dass die Technik noch so gut abgesichert sein kann – der Faktor Mensch aber unkalkulierbar ist? Irren ist menschlich.”
    Die Wirklichkeit:” Menschliches Versagen setzt voraus, dass man sich mit einem Schadensszenarion prinzipiell auseinandergesetzt hat. Der Faktor Mensch kommt erst dann hinein, wenn Menschen auch anders hätten handeln können. Obige Lohmann-Sätze sind darum in sich unlogisch, denn sie vermischen Unvorhersehbarkeit und den unkalkulierbaren Faktor Mensch.
    Im Artikel Fukushima nuclear accident down to human factors , in dem über den “Fukushima-Bericht” berichtet wird, wird klar unterschieden zwischen Schaden durch unvorherbares Naturereignis und dem Schaden durch ein vorhersehbares Naturereignis, gegen das man sich wappnen kann: “While many would blame nature for last year’s Fukushima nuclear accident, a Japanese parliamentary committee report has concluded that culpability really lies with Homo sapiens.”
    In diesem Artikel wird auch deutlich gesagt, dass der Bericht über die Ursachen von Fukushima einen Wiederbetrieb überhaupt nicht rechtfertigen, eher im Gegenteil: “They restarted Oi without addressing any of the real issues.” “We could have another Fukushima-scale nuclear accident tomorrow and 18 months down the line we’d be right back to where we are now,” he adds.
    Damit können wir auch die letzten Sätze von Björn Lohmann noch einbeziehen. Björn Lohmann: “Die Begründung, das Unglück sei vermeidbar, weil menschliches Versagen gewesen, ist aber ein Eigentor. Nichts macht den nächsten Super-GAU wahrscheinlicher als menschliches Versagen – oder gar Vorsatz.”
    Dass menschliches Versagen Grund für das Unglück ist, rechtfertigt die Wiederaufnahme des Reaktorbetriebs in der Tat nicht. Aber der Bericht hat sowieso nichts mit der Wiederaufnahme zu tun, nicht einmal der Sekundärbericht in “Der Westerner” behauptet, der Bericht rechtfertige die Wiederaufnahme.

    Offensichtlich hat Björn Lohmamn mit der Behauptung der Fukushima-Bericht rechtfertige die Wiederaufnahme des Reaktorbetriebs in Japan eine Verschwörungstheorie geschaffen.

  54. @Jochen Bäumer

    Fakten habe ich bei Ihnen noch nicht gesehen. Ihre gänzlich unbelegte Behauptung, in den vergangenen Jahrzehnten seien keinen nenneswerten Fortschritte in der Fusionsforschung gemacht worden, ist nachweislich falsch.

    Weitere unbelegte Behauptungen von Ihrer Seite interessieren mich nicht besonders. Ich freue mich aber, dass Sie zumindest die von mir genannte Quelle zur Kenntnis genommen haben.

    Nochmals: Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Wenn die Fusionsforschung erst ein paar Jahre später verfügbar wird, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass zum Überbrücken der Wartezeit auf Fissionstechnik zurückgegriffen wird. Vielleicht versucht man es auch gänzlich mit EE, aber die damit verbundenen Risiken, Nachteile und ökologischen Nachteile sind so gravierend, dass dies mich schon sehr wundern würde. Wie auch immer, das müssen die Beteiligten selbst entscheiden.

  55. Japan’s Energiezukunft

    Japan hat das Abschalten seiner AKW’s mit Stromrationierungen und Hochfahren der fossilen Stromproduktion kompensiert.
    In UPDATED: Fossil Fuel Imports, Use Soar as Japan’s Nuclear Fleet Sits Idle findet man folgende Zahlen:
    “In January 2012, consumption of fuel oil, crude oil, and LNG were up 118%, 115%, and 27% respectively compared to January 2011 figures. To meet surging demand for these fossil fuels, Japanese utilities increased imports of fuel oil by 165%, crude oil by 174%, LNG by 39%, and coal by 12%. It appears that much of this fuel was used for thermal power generation, which rose 29% in January 2012 compared to January 2011 levels. “

    Japans Energiesituation
    Bis dem Unfall in Fukushima plante Japan einen weiteren Ausbau seiner nuklearen Kapazität. Dies vor allem weil Japan über keine eigenen fossilen Rohstoffe verfügt, die Wasserkraft schon weitgehend ausgebaut ist und der Ausbau der Windenerige in Japan wegen Platzmangel und nur wenigen Standorten mit konstant starkem Wind, nie recht voran kam. Japan hatte schon lange einen im internationalen Vergleich hohen Photovoltaik-Anteil, aber PV kann wohl in nächster Zukunft keine zweistelligen Prozent-Anteil an der Stromversorgung Japans einnehmen, weil nicht kompetitiv.
    Es gibt in Japan auch relativ viel geothermische Kraftwerke, eben weil Japan alle denkbaren heimischen Energiequellen in Betracht zieht um seinen Importbedarf zu verkleinern.

    Japan ist ziemlich ratlos, was seine zukünftige Energieversorgung angeht, hat allerdings die Einspeisetarife für PV stark erhöht, so dass sie nun die höchsten weltweit sind.
    Immerhin wächst die Bevölkerung Japans nicht mehr – sie nimmt sogar ab – so dass in Zukunft immerhin nicht mehr Energie benötigt wird.

    Wahrscheinlich ist Zuwarten das beste Verhalten für Japan. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es für Photovoltaik-Anlagen einen weiteren starken Preissturz gibt. Dann wäre PV ein Teil der Lösung des japanischen Energieproblems. Der andere Teil müssten günstige Speichermöglichkeiten für Strom sein, denn PV-Anlagen allein nützen wenig, produzieren sie doch unzuverlässig. Wer weiss, vielleicht gibt es ja bald auch schon einen Preissturz bei Batterien für die Speicherung von Grid-Strom.

    Japan’s Situation ist gar nicht so unähnlich zur Gesamtsituation was erneuerbare Energien angeht: Ohne Innovation auf mehreren Gebieten und stetige Preissenkungen kann man noch nicht auf 100% EE setzen. Europa steht noch ein bisschen besser da, weil es auf Grund seiner Grösse Produktionsschwankungen durch Stromtransport ausgleichen kann.

  56. Fälschung?

    @Webbaer,

    “Es handelt sich um einen sog. Outlook.
    Warum soll der gefälscht sein?”

    Über das Warum kann sich jder seine eigenen Gedanken machen, Tatsache ist doch zuerst einmal, DASS der Outlook Zahlenangaben enthält, die überprüfbar falsch sind, weil sie längst von der Wirklichkeit überholt wurden.

    Japan hat 2011 und 2012 beim Atomstrom nicht zugelegt und wird das in den nächsten Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht tun.

  57. Michael Khan

    “Weitere unbelegte Behauptungen von Ihrer Seite interessieren mich nicht besonders. Ich freue mich aber, dass Sie zumindest die von mir genannte Quelle zur Kenntnis genommen haben.

    Nochmals: Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Wenn die Fusionsforschung erst ein paar Jahre später verfügbar wird, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass zum Überbrücken der Wartezeit auf Fissionstechnik zurückgegriffen wird.”

    Offensichtlich hoffen Sie trotz bisher gegenteiliger Belege immer noch auf einen Durchbruch bei der Fusionsforschung. Ich sehe einen solchen auch in den nächsten 50 bis 100 Jahren nicht.

    Sie wollen sich doch wohl nicht dem unsagbar dummen Spruch von dem damaligen Kanzler Kohl anschließen, der kurz nach Tschernobyl sinngemäß verlauten ließ:

    “Herkömmliche Kernkraftwerke nutzen, bis dann Mitte des nächsten Jahrhunderts die Kernfusion zur Verfügung steht.”

    Mich erstaunt immer wieder, wie Atomfreaks überhaupt nichts dabei finden, der Atomkraft (ob Fission oder Fusion) alle möglichen wundersamen Entwicklungen und technologischen Durchbrüche zu prophezeien, bei den EE aber größtmögliche Skepsis an den Tag legen. Irgendwie eine schräge Wahrnehmung der Realität.

    Aber wozu sich ereifern? Warten wir einfach ab, wer Recht behält.

  58. Jochen Bäumer

    “Mich erstaunt immer wieder, wie Atomfreaks überhaupt nichts dabei finden, der Atomkraft (ob Fission oder Fusion) alle möglichen wundersamen Entwicklungen und technologischen Durchbrüche zu prophezeien, bei den EE aber größtmögliche Skepsis an den Tag legen. Irgendwie eine schräge Wahrnehmung der Realität.”

    Das gilt umgekehrt aber auch. Oder wo sind die großtechnischen Möglichkeiten der notwendigen Speicherung von Energie bei mehr EE ? Mal ganz zu schweigen von den anderen Herausforderungen, die auf dem Papier machbar scheinen, aber bereits jetzt auf große ökonomische, sozioökonomische und demokratische Hindernisse stoßen: Netzausbau, back up – Kraftwerke, smart grids etc.

  59. Antworten

    Jetzt erkläre mir doch bitte mal jemand, was an der Übersetzung von “man-made disaster” mit “menschliches Versagen” falsch ist.

    Ebenso ist mir unklar, was an meiner Formulierung “ein Ereignis, das praktisch niemand antizipiert hat” im Widerspruch zum Untersuchungsbericht steht. (Auch der Umstand, dass es in Japan Tsunamis gab und gibt, ändert daran nichts – die Region Fukushima galt den meisten Experten bis letztes Jahr als sicher vor Extremereignissen der erlebten Größenordnung.)
    Ich streite nicht ab, dass es Unzulänglichkeiten gegeben hat. Aber es ist doch Muster bei Katastrophen, dass Unzulänglichkeiten erst rückblickend erkannt und/oder ernst genommen werden. Genau darum geht es mir ja: Unzulänglichkeit, menschliches Versagen, sind Normalität.

    Um manch anderen hier in den Kommentaren eingebrachten Aspekt pro/kontra Kernenergie sollte es ausnahmsweise mal nicht gehen. Nur auf einen möchte ich eingehen: die Letalität eines Super-GAUs. Na klar, die Emissionen aus der Verbrennung kohlenstoffbasierter Energieträger sind ein Gesundheitsfiasko (wenn auch mit modernen Filtern dramatisch zu verringern; anders als bei AKW gibt es also eine “sichere” Variante). Na klar, die Zahl der Krebs- oder Verkehrstoten ist hoch. Aber eine schlimme Sache dadurch zu rechtfertigen, dass es auch andere schlimme Sachen gibt, ist ein steinalter rhetorischer Trick, der auch heute noch nicht greift.

    Zum Schluss noch einen Satz an Martin Holzherr: Das Kernanliegen meines Beitrags haben Sie nicht begriffen – das Konzept menschlichen Versagens. Wenn sich die Verantwortlichen *nicht* mit möglichen Problemszenarien auseinander setzen, ist bereits *das* menschliches Versagen – nicht erst, wenn sie unzulängliche Maßnahmen treffen. Jede Panne, jede Katastrophe lässt sich, wenn man will, auf menschliches Versagen zurückführen, weil zwangsläufig Menschen betroffen sind und im Zweifel jemand hätte anders handeln können/müssen/sollen.

    Davon ab wünsche ich mir, dass alle Kommentarschreiber untereinander die übliche Nettiquette einhalten und vielleicht mal genauer hinlesen, bevor sie sich äußern, danke!

  60. @Jochen Bäumer

    Offensichtlich hoffen Sie trotz bisher gegenteiliger Belege immer noch auf einen Durchbruch bei der Fusionsforschung. Ich sehe einen solchen auch in den nächsten 50 bis 100 Jahren nicht.

    Wo sind denn die “gegenteiligen Belege”?
    Sie haben doch nichts dergleichen gebracht. Belege kamen ausschließlich von mir. Von Ihnen kommen nur Behauptungen.
    Behauptungen können richtig sein, oder auch nicht. Da Sie sie nicht belegen, sondern meinen, mit der Behauptung sei es getan, kann man das aber nicht bewerten.

    Ihre Aussage, es habe sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts getan, war zumindest nachweislich falsch. Was Sie sonst noch so sagen, mag ja dennoch stimmen. Bloß warum sollte jemand davon ausgehen?

    Mich erstaunt immer wieder, wie Atomfreaks überhaupt nichts dabei finden, der Atomkraft (ob Fission oder Fusion) alle möglichen wundersamen Entwicklungen und technologischen Durchbrüche zu prophezeien,

    Das hat hier wer gemacht? Wo? Zitat? OK, schon klar. Belege sind nicht Ihr Ding.

    bei den EE aber größtmögliche Skepsis an den Tag legen.

    Einfach behaupten und glauben ist besser? Na, wenn Sie meinen …

    Die Feststellung, dass Wasserkraftwerke gefährlich sind und ein erhebliches Risiko darstellen und zudem auch erhebliche andere Schäden verursachen – beispielsweise die Umsiedlung ganzer Städte, selbst ohne Unfall, ist ebenso wie die Feststellung, dass ein Großstaudamm einem erheblichen Risiko bei einem schweren Erdbeben ausgesetzt ist, keinesfalls Skepsis oder Zweckpessimismus. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich auch Dookumente genannt, in denen solche Befürchtungen geäußert werden. Nicht von mir, sondern u.a. von Geologen und Seismologen. Das nicht wahrhaben zu wollen oder gar zu legnen, ist bemerkenswert leichtsinnig.

    Haben Sie eigentlich überhaupt eine einzige belastbare Quelle für Ihre vielfältigen Behauptungen? Haben Sie eigentlich überhaupt was zum Thema gelesen?

    Aber wozu sich ereifern?

    Sie müssen sich nicht ereifern. Bleiben Sie einfach ganz ruhig, atmen Sie tief durch, informieren Sie sich ein wenig, schauen Sie sich an, ob das, was Sie behaupten, plausibel ist. Das ist zwar ein Haufen Arbeit. Aber es lohnt sich, denn immerhin geht es um unsere Zukunft.

    Warten wir einfach ab, wer Recht behält.

    Das ist doch genau, was ich in meinem vorherigen Kommentar gesagt habe. Es wird sich zeigen, welche Entscheidung die diversen Nationen treffen, wenn es um ihre Energieversorgung geht.

    Meine Vermutung ist, dass es in Zukunft, wie schon jetzt, immer einen Mix aus verschiedenen Energieträgern geben wird.
    Der Ausbau der Wasserkraft wird jetzt stark forciert, aber er wird auf mehr und mehr Widerstand stoßen. Auf jeden Fall nach dem ersten schweren Unfall, aber wahrscheinlich schon vorher.

    Man kann nicht beliebig Großstädte umsiedeln, jahrtausendealte Kulturgüter überschwemmen und einmalige Landschaften unter Stauseen verschwinden lassen. Das machen die Leute irgendwann nicht mehr mit.

    Also wird es Wasserkraftwerke geben, dann aber auch Energiepflanzenanbau, aber auch fossile Energieträger werden weiter genutzt werden. Windkraft und Solarthermie sowie Photovoltaik werden – das ist sicher keine gewagte Prognose – zunehmend stark genutzt werden, bis zu dem Punkt, wo ihre Nachteile nicht mehr hinnehmbar sind, denn JEDE Technik hat Nachteile.

    Kernkraftwerke werden auch weiterhin gebaut und genutzt werden. In welchem Umfang, das wird sich zeigen und hängt davon ab, wie sich die Alternativen entwickeln.

    Was die Fusionsenergie angeht, ist, wenn man die Daten der bisherigen Forschung anschaut, davon auszugehen, dass in einigen Jahrzehnten der großtechnische Einsatz möglich sein wird. Vielleicht 2, vielleicht auch 3 Jahrzehnte. Im Moment ist diese technik noch ein großenteils physikalisches problem, aber in den kommenden Jahrzehnten wird es mehr um die ingenieurstechnische Umsetzung gehen. daten zur bisherigen Historie wurden in einem Vorkommentar von mir explizit verlinkt, man kann es dort nachlesen.

    Wer der meinung ist, dass diese daten Humbug oder gefälscht sind, möge seine Behauptung beweisen.
    Gut, Sie müssen jetzt leider alleine spielen. Es bringt mir nichts, zum wiederholten Male zu lesen, wie jemand belegfrei Behauptungen in den Raum stellt. Viel Spaß noch.

  61. Björn Lohmann

    Haben Sie inzwischen den Abschlussbericht der Untersuchungskommission des japanischen Parlaments gelesen, bzw. das Executive Summary?

    Falls nein, warum nicht, wenn Sie sich doch vorgeblich explizit darauf beziehen?

    Falls ja, warum ignorieren Sie nach wie vor hartnäckig, was darin steht und bestehen stattdessen weiterhin auf den Behauptungen in Ihrem Artikel, die ganz offenkundig ohne Kenntnis des betreffenden Dokuments entstanden?

  62. @Björn Lohmann: Es gibt höhere Gewalt

    Ihr Begriff von “menschlichem Fehler” – sinngemäss: jeder Fehler geht letztlich auf menschliches Versagen zurück – entspricht nicht der gängigen Denkweise und Interpretation und würde den Titel der Untersuchung “manmade disaster” zur Tautologie machen.

    Sie schreiben: “Jede Panne, jede Katastrophe lässt sich, wenn man will, auf menschliches Versagen zurückführen, weil zwangsläufig Menschen betroffen sind und im Zweifel jemand hätte anders handeln können/müssen/sollen.”

    Das ist schlicht Unfug – und nicht nur für einen Juristen, sondern wohl für jeden klar denkenden Zeitgenossen.

    1) Wenn Menschen von einem Unfall betroffen sind, heisst das nicht, dass menschliches Versagen vorliegt. So kann eine externe Ursache vorliegen gegen die man sich nicht mit vertretbarem Aufwand wappnen kann (z.B: Blitzschlag als Todesursache)
    2) Üblicherweise unterscheidet man zwischen menschlichem/technischen Versagen und einem Unfall wegen höherer Gewalt.

    Ein technisches Versagen muss nicht zwangsläufig ein menschliches Versagen bedingen, denn die Technik könnte in unvorhersebarer Weise versagt haben. Allerdings ist das tatsächlich die Ausnahme.

    Höhere Gewalt dagegen liegt vor, :
    (Zitat):“wenn das schadenverursachende Ereignis von außen einwirkt, also seinen Grund nicht in der Natur der gefährdeten Sache hat (objektive Voraussetzung) und das Ereignis auch durch die äußerst zumutbare Sorgfalt weder abgewendet noch unschädlich gemacht werden kann (subjektive Voraussetzung).”

    wichtig ist die Unvorhersehbarkeit:
    (Zitat)“Höhere Gewalt erfordert regelmäßig einen völlig unerwarteten Eintritt eines dieser Ereignisse. Wenn jedoch mit dem Eintritt eines Ereignisses durchaus gerechnet werden kann wie etwa bei Überschwemmungen, die immer wieder in denselben Regionen auftreten, liegt keine höhere Gewalt vor.”

    Es gab übrigens sehr viele Zeitungsberichte und detaillierte Analysen über den von ihnen besprochenen Report. Keiner der von mir gelesenen Analysen hatte Schwierigkeiten mit der korrekten Interpretation von manmade disaster als Unglück aufgrund von vermeidbarem Fehlverhalten.

    Hier ein Zitat: “Damit widerspricht die Kommission direkt der Darstellung der Betreibergesellschaft Tepco. Sie bezeichnete den beinahe 15 Meter hohen Tsunami wiederholt als «unvorhersehbar». Dies wirke wie eine «Entschuldigung», um «der Verantwortung zu entgehen», kritisierten die Parlamentarier. Denn das Atomkraftwerk von Fukushima sei «verwundbar» gewesen – und das Risiko allen bekannt.”

    Auch als Rechtfertigung für die Wiederinbetriebnahme der japanischen Kernkraftwerke hat diesen Bericht keiner der von mir gelesenen Artikel aufgefasst. Das haben nur sie getan, weil es ihnen gerade so in den Kram passte.

  63. LESEN SIE DEN UNTERSUCHUNGSBERICHT

    Frage (Zitat): Ebenso ist mir unklar, was an meiner Formulierung “ein Ereignis, das praktisch niemand antizipiert hat” im Widerspruch zum Untersuchungsbericht steht.
    Antwort: Lesen sie den Untersuchungsbericht

    Frage (Zitat): Ebenso ist mir unklar, was an meiner Formulierung “ein Ereignis, das praktisch niemand antizipiert hat” im Widerspruch zum Untersuchungsbericht steht.
    Antwort: LESEN SIE DEN UNTERSUCHUNGSBERICHT

    Frage (Zitat): Ebenso ist mir unklar, was an meiner Formulierung “ein Ereignis, das praktisch niemand antizipiert hat” im Widerspruch zum Untersuchungsbericht steht.
    Antwort: LESEN SIE DEN UNTERSUCHUNGSBERICHT!!!

    Frage …
    JETZT REICHTS: LESEN SIE DEN UNTERSUCHUNGSBERICHT

  64. Herrn Lohmanns Thesen …

    Ebenso ist mir unklar, was an meiner Formulierung “ein Ereignis, das praktisch niemand antizipiert hat” im Widerspruch zum Untersuchungsbericht steht. (Auch der Umstand, dass es in Japan Tsunamis gab und gibt, ändert daran nichts – die Region Fukushima galt den meisten Experten bis letztes Jahr als sicher vor Extremereignissen der erlebten Größenordnung.)

    Ich verstehe schon, dass Ihnen das unklar ist. Das liegt daran, dass Sie offenbar den Bericht bis heute nicht gelesen haben. Das ist ja auch in Ordnung … viele Menschen haben ihn nicht gelesen. Aber die machen auch keine unzutreffenden Behauptungen darüber, was angeblich drinsteht.

    Noch einmal: Die Executive Summary des Abschlussberichts der vom japanischen Parlament einberufenen Untersuchungskommission findet man hier auf Englisch als PDF zum Herunterladen.

    Zum Ihren zwei Behauptungen: “Ein Ereignis, das praktisch niemand vorhergesehen hat” und “die Region Fukushima galt den meisten Experten bis letztes Jahr als sicher vor Extremereignissen der erlebten Größenordnung.”

    Das steht im Untersuchungsbericht anders:

    Gleich im Vorwort, der Message des Kommissionsvorsitzenden Kurokawa, Seite 9, steht schwarz auf weiß:

    Although triggered by these cataclysmic events, the subsequent
    accident at the Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant cannot be regarded as a natural disaster. It was a profoundly manmade disaster – that could and should have been foreseen and prevented.

    Nicht vorhersehbar? Da steht das Gegenteil.

    Kapitel 1: Was the Accident Preventable?

    Dort auf Seite 27, dass zwar in den späten 60er Jahren, als die Baugenehmigung für die ersten Reaktorblöcke des Kraftwerkskomplexes erteilt wurde, in der Tat von einem geringen seismischen Risiko ausgegangen wurde. In späteren Jahren wurden die Richtlinien aber verschärft. Die Aufsichtsbehörde NISA wies die Betreiberfirma TEPCO 2006 an, den Nachweis zu liefern, dass die Anlage den schärferen Richtlinien genügte. TEPCO kam dieser Anweisung jedoch schleppend, unvollständig und teilweise gar nicht nach. NISA ergriff keine Zwangsmaßnahmen, um durchzusetzen, dass ihren Anweisungen Folge geleistet wurde.

    Weiter unten auf Seite 27 geht es um die Sicherung gegen die Überflutung durch Tsunamis. 1967 bestand in der Tat noch die Annahme, dass die Tsunamigefahr in der Region gering genug war, dass die beim Bau des Komplexes vorgenommenen Schutzmaßnahmen ausreichend waren. Dann aber sagt der Bericht:

    As research continued over the years, researchers repeatedly pointed out the high possibility of tsunami levels reaching beyond the assumptions made at the time of construction, as well as the possibility of core damage in the case of such a tsunami. TEPCO overlooked these warnings, and the small margins of safety that existed were far from adequate for such an emergency situation.

    Da wird also explizit der Ansicht Herrn Lohmanns widersprochen, nach der die meisten Experten die Gegend bis zu seinem Eintritt als sicher vor einem solchen Ereignis hielten. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade die Experten wiesen mehrfach und explizit darauf hin, dass die Annahme aus den 60ern falsch war und dass das Risiko einer Überflutung mit schwersten Konsequenzen für die Reaktorsicherheit bestand. TEPCO pfiff allerdings auf diese Warnungen.

    Weiter im Text steht explizit, dass die Regulierungsbehörde TEPCO darüber informiert hat, dass es im Fall einer Überflutung durch einen Tsunami zu einem Totalausfall der elektrischen Versorgung im Kraftwerkskomplex kommen könnte. Zusätzlich wurde explizit der Auswall der Speisepumpen infolge einer Überflutung genannt, was die Beschädigung des Reaktorkerns nach sich ziehen könnte.

    TEPCO reagierte laut dem Bericht mit der üblichen Verzögerungstaktik und dem üblichen Nichtstun, was wiederum, wie üblich, von NISA nicht geahndet wurde. Dabei hätten die fünf Jahre sicher gereicht, um die erkannten Schwachpunkte zu beseitigen.

    Fazit: Die nunmehr mehrfach wiederholte Behauptung, es habe sich um ein “Ereignis handele, dass praktisch niemand antizipiert habe”, ist unzutreffend. Das Gegenteil ist richtig – ich wiederhole mich hier, und der Untersuchungsbericht gibt mir Recht: Die Katastrophe im Komplex Fukushima 1 war eine Katastrophe mit Ansage.

    Genau die explizit schon 2006 genannten zwei Punkte im Zusammenhang mit einer Überflutung sind genau so eingetreten. Der komplette Ausfall der elektrischen Versorgung und der Ausfall der Speisepumpen waren die zentralen Ausfälle im System, die den Ausfall der Nachkühlung der Reaktorbehälter und der Abklingbecken und die sich daraus ergebenden Konsequenzen zur Folge hatten. Genau das Szenario, wovor schon 2006 gewarnt wurde, ist fünf Jahre später eingetreten.

    Ich sehe, dass meine frühere Anmerkung bezüglich der zu erwartenden Sophistereien sich bewahrheitet. Semantische Spitzfindigkeiten helfen aber jetzt auch nicht weiter. Was im Blog-Artikel steht, stimmt einfach nicht. Gut, wenn man großzügig ist, dann ist die Formulierung “menschliches Versagen” so weit gefasst, dass sie überall passt und immer stimmt. Aber jedes Mal, wenn er konkret wird, macht sich störend bemerkbar, dass Herr Lohmann den Untersuchungsbericht einfach nicht gelesen haben kann.

    Ich denke, ich muss mich in meinem Blog mal des Themas annehmen. Es stört mich doch, dass diese wichtigen Fragen in den scilogs nicht sachgerechter behandelt werden.

  65. Tsunami praktisch niemand antizipiert?

    Der Bericht über das Man Made Disaster enthält den Begriff Tsunami 76 Mal und sehr viele der Stellen wo er auftaucht widerlegen die Behauptung von Björn Lohmann, der Tsunami sei (Zitat)“ein Ereignis, das praktisch niemand antizipiert hat”.
    Am besten belegt diese Fehleinschätzung wohl folgende Stelle (Zitat):
    “Through our investigation, we have verified that the people involved were aware of the riskfrom both earthquakes and tsunami.”

    Im Gegenteil: Nicht nur wurde Tepco immer wieder mit dem Tsunami-Risiko von japanischer Seite her konfrontiert, sondern Tepco wurde auch immer wieder damit konfrontiert, dass es in seinen Massnahmen hinter den internationalen Empfehlungen betreffend Erdbeben und Tsunamis zurückfiel: (Zitat)” failed to keep pace with evolving international laws, standards and practices, and which disregarded pertinent technological advice and improvements from abroad”

    Im folgenden möchte ich einige wichtige Zitate aus dem obigen Bericht wiedergeben, die das bekannte Tsunami-Risiko betreffen

    “The investigation should take place with the understanding that earthquakes and tsunami are still unpredictable but unavoidable events in Japan.”

    “But the Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant was incapable of withstanding the earthquake and tsunami that hit on that day. The operator (TEPCO), the regulatory bodies (NISA and NSC) and the government body promoting the nuclear power industry (METI), all failed to cor- rectly develop the most basic safety requirements—such as assessing the probability of damage, preparing for containing collateral damage from such a disaster, and developing evacuation plans for the public in the case of a serious radiation release.”

    “although NISA and the operators were aware of the risk of core damage from tsunami, no regulations were created, nor did TEPCO take any protective steps against such an occurrence. Since 2006, the regulators and TEPCO were aware of the risk that a total outage of elec- tricity at the Fukushima Daiichi plant might occur if a tsunami were to reach the level of the site. They were also aware of the risk of reactor core damage from the loss of seawater pumps in the case of a tsunami larger than assumed in the Japan Society of Civil Engineers estimation. NISA knew that TEPCO had not prepared any measures to lessen or eliminate the risk, but failed to provide specific instructions to remedy the situation.”

    “Through our investigation, we have verified that the people involved were aware of the riskfrom both earthquakes and tsunami.”

    “The risk management practices of TEPCO illustrate this. If the risk factors of tsunami are raised, for example, TEPCO would only look at the risk to their own operations, and whether it would result in a suspension of existing reactors or weaken their stance in potential law- suits. They ignored the potential risk to the public health and welfare”

    “The reason why TEPCO overlooked the significant risk of a tsunami lies within its risk management mindset—in which the interpretation of issues was often stretched to suit its own agenda. In a sound risk management structure, the management considers and imple- ments countermeasures for risk events that have an undeniable probability, even if details have yet to be scientifically confirmed.”

    “Both TEPCO and NISA were aware that if tsunami levels rose beyond the assumptionsmade by the Society of Civil Engineers, there was a risk of core damage from a malfunctionof the seawater pumps. They were also aware that a tsunami with water levels above theground level of the power plant was a possibility, and would result in a total loss of power.”

    “Japan’s electric power operators have repeatedly andstubbornly refused to evaluate and update existing regulations, including backchecks and backfitting. The Japanese nuclear industry has fallen behind the global standard of earth-quake and tsunami preparedness, and failed to reduce the risk of severe accidents by adher-ing to the five layers of the defense-in-depth strategy.”

    Mir ist bewusst, dass für Björn Lohmann’s Message, die er mit dem Artikel transportieren wollte, die Tatsache ob der Tsunami als mögliches Ereignis antizipiert wurde oder nicht, keine grosse Rolle spielt.

    Nur geht es nicht an, einen Artikel zu verlinken, der genau das Gegenteil von dem enthält, was der Beitrags-Autor über den Inhalt behauptet.
    Für Björn Lohmann war der verlinkte Bericht nur Anlass für eine Empörung, die auch ohne diesen Bericht ausgekommen wäre. Doch warum einen Bericht verlinken, den man weder gelesen hat noch für den man sich überhaupt interessiert.

  66. Fukushima + unser Umgang mit Risiko

    Björn Lohmann’ These das festgestellte “Menschliches Versagen”, welches zum AKW-GAU von Fukushima geführt habe, diene der Rechtfertigung der Wiederaufnahme des AKW-Betriebs in Japan wird praktisch von keinem der dutzenden Presseberichte geteilt.

    Im Gegenteil, der allgemeine Tenor in der Presse ist der, dass die Wiederaufnahme des Kernreaktorbetriebs unter diesen Umständen dem Geist des Berichts widerspricht, denn der Filz zwischen den Reaktorbetreibern (Tepco) und der Aufsichtsbehörde (NISA), sowie das in Japan bestehende fehlende Hinterfragen von Autoritäten bestehe immer noch.
    In der gedruckten Ausgabe der NZZ vom 11.07.2012 liest man:
    “Dies scheint in Japans Gesellschaft etwas ausgelöst zu haben, das dem Wunsch der Untersuchungskommission entsprechen könnte. Seit Ende März versammeln sich jeden Feitagabend Bürger vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten in der Tokioter Innenstadt. Sie stehen artig auf dem Trotttoir und lassen bisweilen Lücken für Fussgänger und Autos frei – aber sie halten Transparente in die Höhe, sie trommeln und rufen laut: “Keine Atomkraft! Keine Wiederinbetriebnahme”

    Damit komme ich zur Gesamtbeurteilung dieses
    Beitrages von Björn Lohmann Fukushima und das Versagen: Es ist nicht nur ein Meinungsstück, sondern ein Konstrukt, das mit einer Definition von “Menschlichem Versagen” aufwartet – nämlich alles Versagen sei menschliches Versagen” – die weder der juristischen noch der gängigen Definition entspricht.

    Nach Björn Lohmann wäre also der Unfall von Fukushima auch dann “menschliches Versagen” gewesen, wenn es von einem Tsunami getroffen wurde, obwohl es in den letzten 1000 Jahren keine solchen in Japan gab. Um diese Definition dann zu stützen behauptet er der Tsunami sei (Zitat)“ein Ereignis, das praktisch niemand antizipiert hat”

    Falls das so wäre – was Michael Khan in seinem Kommentar aber überzeugend widerlegt hat -, dann läge nach gängiger Definition kein menschliches Versagen vor.

    Nun zum eigentlichen Thema meines Beitrags

    Externe Faktoren bestimten oft das Gesamt-Risiko

    Für die erste AKW-Generation berechnte man ein Risiko von einem GAU auf 25’000 Betriebsjahre. Dieses Risiko wurde berechnet aufgrund nur von denkbaren Materialfehlern und Fehlern der Bedienung, also ohne externe Ereignisse wie Erdbeben, Tsunamis etc. einzubeziehen und natürlich nur für AKW’s westlicher Bauart. Ein GAU in 25’000 Betriebsjahren hätte aber bei 1000 AKW’s einen GAU alle 25 Jahre bedeutet. In der Folge wurde deshalb die “interne Sicherheit” stark verbessert, so dass heutige AKW’s aufgrund interner Störungen nur alle 100’000 bis 1 Million Jahre einen GAU produzieren sollten.

    Doch diese Berechnung berücksichtigt keine externen Ereignisse und genau diese externen Ereignisse sind wohl viel bedeutender als das mögliche rein interne Versagen. Zu den externen Ereignissen können wir folgendes zählen:
    – terroristische und kriegerische Eingriffe, die die Reaktorsicherheit gefährden
    – Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis, Überschwemmungen und Extremwetter.

    Naturkatastrophen können durchaus unvorhersehbar sein. In Fukushima dagegen wurde wie in ganz Japan mit Erdbeben und Tsunamis gerechnet, nur wurden eben die Konsequenzen nicht gezogen, sondern es wurde auf gut Glück operiert. Es wäre ebenso gut möglich gewesen, dass ein Tsunami, wie er Fukushima traf, in den nächsten 50 Jahren nicht eingetregen wäre.

    Die Frage ist also, darf man seltene Ereignisse, mit denen nur 1 bis 2 Mal in einem Menschenleben zu rechnen ist, ignorieren?

    Meiner Ansicht hängt das stark von den Folgen eines solchen Ereignisses ab. Und diese Überlegung gilt nicht nur für AKW-Unfälle.

    Ein gutes Beispiel für potentiell verheerende Folgen durch seltene Ereignisse sind Vulkanausbrüche wie diejenigen des Vesuvs. Am Fuss des Vesuvs leben 3 Millionen Menschen, von denen viele sterben könnten durch einen Ausbruch des Vesuvs wie es die Pompeji-Eruption war. Der Ausbruch im Frühjahr 1944 kostete immer noch 26 Menschen das Leben trotz Evakuierung von 12.000 Personen.

    Mein Fazit: Risiken durch Ereignisse, die nur alle 50 bis 500 Jahre oder vielleicht nur einmal in 10’000 Jahren auftreten, sollten berücksichtigt werden, wenn adäquate Massnahmen, die auch kostenmässig vertretbar sind, das Risiko für Fataliäten stark reduzieren können.

    In Japan das Tsunami-Risiko zu ignorieren ist hochgradig fahrlässig, auch wenn Tsunamis mit Fluthöhen über 20 Metern vielleicht nur einmal in 200 Jahren zu erwarten sind.
    In Italien das Vulkanrisiko des Aetna oder das Risiko eines Aufbrechens der phlägräischen Felder zu ignorieren ist wohl ebenfalls fahrlässig, auch wenn dort ein grosses Ereignis wohl seltener als alle 1000 Jahre vorkommt.

  67. @Martin Holzherr

    Mir ist bewusst, dass für Björn Lohmann’s Message, die er mit dem Artikel transportieren wollte, die Tatsache ob der Tsunami als mögliches Ereignis antizipiert wurde oder nicht, keine grosse Rolle spielt.

    Das sehe ich etwas anders. Es ist immer eine zentrale Argumentationstaktik, die Kernspaltungstechnik als Primärenergieträger als eine Technologie darzustellen, die kaum beherrschbar ist und die sich jederzeit und völlig unerwartet gegen ihre Lenker aufbämt, wobei die gänzlich unbeherrschbar wird. So wie ein Ritt auf einem Tiger.

    Bei einer solchen Argumentation passt es nun gar nicht ins Konzept, wenn in der Realität vorhersehbare und vorhergesagte Fehlerszenarien benannt – dann aber ignoriert werden. Das Fukushima-Unglück war, so sieht es selbst der sehr kritische Bericht des japanischen Parlaments, der Japan-untypisch keinerlei Blatt vor den Mund nimmt, war, vermeidbar, der dazu erforderliche Aufwand war durchaus nicht exorbitant.

    Viele Techniken haben ein hohes Schadenspotenzial und erfordern strenge Kontrolle durch unabhängige Aufsichtsbegörden und strenge Disziplin seitens der Betreiber sowie von beiden Seiten die Bereitschaft, Sicherheit jederzeit höher als Kosten zu bewerten.

    Damit steht die Kernenergie allerdings nicht allein. Erneuerbare Energien, die von ihren Propagandisten gern als Windräder und Sonnenkollektoren verkauft werden, weil davor keiner Angst hat, stehen bei großtechnischer Nutzung in genau demselben Dilemma.

    Wasserkraftwerke stellen weltweit deutlich mehr als 50% der installierten Leistung aller regenerativen Energieträger. Wenn man die generierte elektrische Energie betrachtet, ist es noch mehr, denn bei anderen regenerativen Quellen kann die Differenz zwischen installierter Leistung und tatsächlicher mittlerer Leistung erheblich sein. Gerade bei PV und Windkraft ist das so.

    Man kann sogar fast schon EE mit Wasserkraft gleichsetzen, allemal in absehbarer Zukunft und weltweit betrachtet, besonders wenn man die jetzt im Bau befindlichen Großstaudämme in China, Brasilien und Indien einbezieht.

    Realistischerweis muss man akzeptieren, dass das, was man an seismischen Risiken für Kernkraftwerke nennt, genau so – wahrscheinlich sogar noch mehr, weil es bei Staudämmen noch mehr seismisch bedingte Versagensszenarien gibt – für Staudämme gelten. Man muss auch bedenken, dass Wasserkraft und Windkraft oft Hand in Hand gehen. Pumpspeicherwerke sind auch nur Stauseen, sie sind ein zentraler Punkt der Energiespeicherung bei Windkraftanlagen.

    Das heißt: Die Risiken, die man bei Kernkraftwerken eingeht, wenn man schlampt, kungelt, mauschelt oder sonstwelche Fehler macht, die man nicht machen sollte, wenn man mit einer potenziell gefährlichen Technik hantiert, handelt man sich mit Wasserkraft ganz genau so ein.

    Fazit: das Problem Korruption muss effektiv bekämpft werden, sonst kann die zunehmend von Großtechnik abhängige Welt nicht funktionieren. Die eine Technik zu verteufeln und stattdessen auf eien andere, genauso gefährlich zu setzen, ist nicht die Lösung.

    Am Kernproblem kommt die Weltgemeinschaft nicht vorbei. Mit mittlerweile 7 Milliarden Menschen können wir nun einmal nicht mehr in einen vorindustriellen Zustand zurück, selbst wenn wir das wollten.

  68. Menschliches Versagen

    Es war mir fast von Anfang an klar, dass es nur so sein kann. Leider kann man nur spekulieren, da kein detailierter öffentlich zugänglicher Bericht zum Unfall existiert. Jedes Zugunglück wird anscheinend gründlicher untersucht.

    Als ich die Nachrichten damals gesehen hatte und man sagte man hätte noch für 9 Stunden Strom, aber Überdruck, dachte ich naja hatten sie ja nochmal Glück gehabt. Der beste Beweis, dass Kernenergie sogar solche Katastrophen ohne Austritt von Radioaktivität überstehen kann.

    Alle wichtigen Kühlsysteme werden mit Dampf betrieben, daher sind die Dieselgeneratoren nur zweitrangig. Man hätte also noch 9 Stunden weiterkühlen können müssen. Jeder noch so alte Reaktor hat mehrere Notventile, die den Druck im Intervall der Turbopumpen sicherstellen. Bei Überdruck wird sofort Druck abgelassen. Außerdem hätte bei niedrigerem Druck überhaupt kein Wasserstoff (zumindest nicht in größeren Mengen, als im Normalbetrieb)entstehen können, der zu den Explosionen hätte führen können. Ich beschäftige mich seit mehreren Jahren mit der Technik, es gab kein Leck im Primärkühlkreislauf und auch nicht im Dampfkreislauf, was für die Sicherheit der Kernkraftwerke auch bei solchen Katastrophen spricht.

    Alles was nach dem Unfall passierte ist absolut unverständlich. Jedem der sich auskennt, kommen dabei sofort 1000 Fragen. In Berichten steht, steht dass der Druck im Reaktorkern zeitweise über dem Doppelten des Auslegungsdrucks lag, da muss ja jemand die Sicherheitsventile abgeschaltet haben, vielleicht weil man dachte die Lage unter Kontrolle zu haben und um zu verhindern dass leicht radioaktiver Wasserdampf schlechte Presse bedeuten könnte? Die Folgen sind in jedem Fall dramatisch, ohne die Turbopumpen kann keine Batterie der Welt einen Reaktor mit ca. 3000 MW thermischer Leistung kühlen. Wie gesagt ohne den extremen Druck hätten die mit dampfbetriebenen Turbopumpen ganz normal weitergekühlt und der Batteriestrom wäre nur für die Regelung verantwortlich gewesen. Bei exponentieller Leistungsabnahme, wäre nach 9 Stunden die Gefahr höchstwahrscheinlich gebannt gewesen. Ohne genauen Bericht kann man aber garnichts sagen. Den wird es aber solange nicht geben bis alle Verantwortlichen außer Reichweite sind.

    Man hat aus keiner einzigen der bisherigen Reaktorkatastrophen etwas gelernt. Schon von diesem Gesichtspunkt her dürfte man keine Kernkraftwerke mehr betreiben. Aber was ist mit Unfällen in Chemiewerken? Flugzeugabstürzen? Autounfällen?

    Wenn ich sie kurz zitieren darf: “Besonders blöd ist aber die Idee, „menschliches Versagen“ zu nutzen, um den Weiterbetrieb der Kernenergie in Japan zu rechtfertigen…”. Wenn es danach geht kann man ja gleich jeden Fortschritt aufgeben und gar keine Maschinen mehr bedienen, da menschliches Versagen überall auftreten kann.

    Der Punkt ist folgender: Es darf dem Bedienpersonal einfach nicht möglich sein wichtige Sicherheitseinrichtungen außer Kraft zu setzen, sonst läuft jede noch so moderne Sicherheitseinrichtung ins Leere. Ich behaupte sogar, wenn man nach dem Erdbeben/Tsunami einfach nur still gesessen hätte und keinen einzigen Knopf mehr gedrückt hätte, wäre es nicht so schlecht ausgegangen. Man hätte 9 Stunden Zeit gehabt Notstromaggregate zu den Reaktoren zu bringen, sollte ja auch mit Tranporthubschraubern möglich sein (beschädigte Infrastruktur). Und nach 9 Studen regulärer Kühlung, hätte man sich wahrscheinlich noch jede Menge zusätzlicher Zeit erkauft. Alles Spekulation ohne Bericht.

    Aber Herr Lohmann, ich habe bisher alle ihre Beiträge zum Thema verfolgt, wie sehen denn ihre Alternativen aus? Sie stehlen sich aus der Verantwortung indem sie einfach abschalten sagen. Bisher ist es doch so, dass für die abgeschalteten Kernkraftwerke teils neue Kohle- und Gaskraftwerke gebaut werden sollen. Das ist nun mal die politische Realität, da kann man dann nicht sagen: “Ja auch 100% erneuerbare Energie wären möglich gewesen, ich kann ja nichts dafür, wenn für die Abschaltung neue Kohlekraftwerke gebaut werden.” Wenn man aktuell der Meinung ist, dass Kernkraftwerke abgeschaltet werden müssen, impliziert man den Bau von neuen CO2 Schleudern also subventioniert Kohlekraftwerke.

    Die Auswirkungen sind sogar noch gravierender: Wie will man anderen Ländern vorschreiben weniger C02 zu emittieren wenn man selbst (Deutschland) anfängt wieder Kohlekraftwerke zu bauen (wohlgemerkt ohne Alte abzuschalten, ich wäre ja noch dabei, wenn es nur darum ginge alte Ineffiziente vom Netz zu nehmen). Die Auswirkungen von einem Supergau, so schlimm diese auch sind, sind hinreichend bekannt. Deswegen ist es hinreichend einfach den Leuten Angst zu machen. Die Auswirkungen einer Klimakatastrophe kann man noch nicht mal berechnen, deswegen ist für viele unbekanntes Risiko = kein Risiko… .

    Eine mögliche Gefahr durch den Treibhauseffekt kann man den Leuten einfach nicht vermitteln, deswegen tritt die Politik hier auf der Stelle. Vor fast 10 Jahren habe ich einen Bericht bei Spektrum der Wissenschaft gelesen, wie es mit mehreren Maßnahmen, die insgesamt alle weniger gekostet hätten als die Finanzkrise, möglich gewesen wäre den CO2-Gehalt der Atmosphäre auf einem gesunden Niveau bis 2050 zu stabilisieren. Bisher wurde keine einzige umgesetzt.

    Schon allein deshalb ist es illusorisch zu glauben die Abschaltung der Kernkraft ist umweltverträglich, da einfach neue konventionelle Kraftwerke gebaut werden. Ich bin auch für die Abschaltung (siehe menschliches Versagen), aber erst nachdem das letzte Kohlekraftwerk vom Netz ist. Alles andere ist ein Witz und auch ein Rückschritt sowohl technologisch als auch klimapolitisch.

    Jeder hat Angst vor Kernkraft, gerade weil wir alle die Risiken gut kennen. Vor dem unbekannten Risiko der globalen Erwärmung hat keiner Angst, fragen sie doch in ihren Familien nach, da kommen sogar eher Verschwörungstheorien zum Vorschein. Da hat man eher Angst vor den hohen Kosten, so sieht die Realität leider aus. Deswegen tut sich in diese Richtung wenig. Daher muss man auch mit den Konsequenzen der Abschaltung leben, wenn man sie hier so propagiert.

    Was ist mit den Permafrostböden, wo jede Menge Methanhydrat gespeichert ist? Was passiert, wenn dies aufgrund der Erwärmung in die Atmosphäre entweicht, genauso die untermeerischen Lager? Methan ist ein viel stärkeres Treibhausgas als CO2.

    Wenn sie wie die Welt wirklich retten wollen, wäre es nicht dringlicher zuerst Kohlekraftwerke und andere CO2-Quellen zu bekämpfen?
    Momentan macht die Abschaltung die Welt eben nicht besser, ein verantwortungsbewussterer Umgang würde es machen. Abschaltung ja aber nicht unter den aktuellen Vorrausetzungen. Der wunde Punkt ist die Ausbildung und die Kontrolle der Sicherheitstandarts.

    Jedes Land, das Kernenergie betreibt müsste einen Expertenrat haben, wo auch Kontrukteure der Anlagen drinsitzen, die in einem Störfall sofort die Kontrolle vor Ort übernehmen können oder im Mindesten beratende Funktion haben. Ich würde mal behaupten, dass Manager die vielleicht etwas zu vertuschen versuchen, nicht die beste Vorrausetzung dafür sind derartige Unfälle zu vermeiden. Bei Verstößen müsste härter vorgegangen werden, Kernkraftwerke dürfen eben nicht wie normale Industieanlagen behandelt werden. Verstöße müssen den Betreibern wirklich wehtun, es kann nicht sein, dass nur mal eben jemand zurücktritt.

    Es sollte vor allem endlich transparente Berichte über den genauen Unfallhergang geben.

    Und noch was zum Nachdenken: Bei Kernenergie geht es immer um ein begrenztes Gebiet, beim CO2 geht es um die Erde. Ich finde einfach Kernenergie, ist ein Problem was man später lösen kann, wenn es aktuell um mehr geht.
    Selbst wenn man nicht an globale Erwärmung glaubt: Wenn die Atmosphäre ein See wäre und man diesen ständig verdreckt, ist es so schwer zu verstehen, dass man irgedwann nicht mehr darin baden kann?

    Wenn man nur mit dem Eifer, den man an den Tag legt den Euro zu retten, versuchen würde die Welt zu retten …

    Das war meine Meinung zum Thema.

  69. AKW-GAU’s sind Unfälle wie andere

    Millionen von Japanern sind verunsichert durch Fukushima, Schwangere Frauen treiben aus Furcht vor Strahlenschäden ihr Kind ab und Japaner aus Fukushima vermeiden es ihre Herkunft mitzuteilen, wenn sie woandershin innerhalb Japan reisen, weil man sie dann möglicherweise als Strahlenexponierte oder gar “Strahlende” meidet.

    Dabei hat die UNO-Organisation Unscear errechnet, dass die durchschnittlich aufgenommene Dosis der in Fukushima residierenden sich nur wenig von der Dosis unterscheidet, die natürlicherweise aufgenommen wird. Im schlimmsten Fall sind über die nächsten Jahrzehnten mit 20 bis 30 Toten infolge von Fukushima zu rechnen, wobei diese an genau denselben Krankheiten erkranken, an denen sowieso mehr als 1/3 der Bevölkerung stirbt, nämlich irgendeine Form Krebs.

    Als Gesundheitsrisiko war Fukushima kein GAU, sondern nur in seinen Auswirkungen auf die evakuierten Zonen und seinen Auswirkungen auf die Psychen der betroffenen Menschen.

    Meine Behauptung deshalb: Mit GAU’s wie denjenigen von Fukushima kann die Menschheit durchaus leben, wenn sie nur alle 20 Jahre vorkommen. Es ist sogar vielmehr so, dass es jeden Tag irgendwo auf der Erde einen Unfall gibt mit Konsequenzen, die vergleichbar sind mit Fukushima, würde man denn die Gefahren von austretender Radioaktivität realistisch einschätzen.

    Dazu muss man auch Gebiete berücksichtigen, in denen die natürliche Radioaktivität um ein Vielfaches höher ist als in Deutschland oder Japan und wo die Menschen ohne erkennbare Nachteile oder Gesundheitsgefahren bestens damit zurechtkommen. In Background radiation liest man: “In Europe, average natural background exposure by country ranges from under 2 mSv annually in the United Kingdom to more than 7 mSv annually in Finland.[8] Some areas have greater dosage than the country-wide averages.[11] In the world in general, exceptionally high natural background locales include Ramsar in Iran, Guarapari in Brazil, Kerala in India,[12] the northern Flinders Ranges in Australia[13] and Yangjiang in China.[14]”

    Über Ramsar (im Iran) mit seiner im Vergleich zu D 200 Mal so grossen Hintergrundsradioaktivität liest man:
    “The highest levels of background radiation recorded in the world to date is from areas around Ramsar, particularly at Talesh-Mahalleh which is a very high background radiation area (VHBRA) having an effective dose equivalent several times in excess of ICRP-recommended radiation dose limits for radiation workers and up to 200 times greater than normal background levels. Most of the radiation in the area is due to dissolved radium-226 in water of hot springs along with smaller amounts of uranium and thorium due to travertine deposits. There are more than nine hot springs in the area with different concentrations of radioisotopes, and these are used as spas by locals and tourists.[5] This high level of radiation does not seem to have caused ill effects on the residents of the area and even possibly has made them slightly more radioresistant, which is puzzling and has been called “radiation paradox”.”

  70. @F. Ulbricht

    Alle wichtigen Kühlsysteme werden mit Dampf betrieben, daher sind die Dieselgeneratoren nur zweitrangig.

    Gilt das wirklich für alle Raktorblöcke des Komplexes Fukushima 1? Ich nehme an, Sie beziehen sich auf hier das RCIC (Reactor Core Isolation Cooling – eine mit Dampf aus dem Druckbehäter gespeiste Turbopumpe zur Notkühlung und Abfuhr der Nachzerfallswärme).

    Soweit mir bekannt, hatte zumindest der Block 1 kein RCIC, sondern nur ein IC (Isolation Condenser).

  71. @Martin Holzherr

    Millionen von Japanern sind verunsichert durch Fukushima, Schwangere Frauen treiben aus Furcht vor Strahlenschäden ihr Kind ab und Japaner aus Fukushima vermeiden es ihre Herkunft mitzuteilen, wenn sie woandershin innerhalb Japan reisen, weil man sie dann möglicherweise als Strahlenexponierte oder gar “Strahlende” meidet.

    Wir sehen hier ein Problem, das besonders im japanischen Kontext zu verstehen ist. Es hat sich bereits früher in der durch starken Konformismus und einen hohen Grad von Konformität geprägten japanischen Gesellschaft in solchen Fällen die Tendenz zur Entsolidarisierung und zur Stigmatisierung von Opfern gegeben. Ein bekanntes Beispiel sind die “hibakusha”, die Überlebenden des ungeheuerlichen Verbrechens gegen die Menschlichkeit, das die Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki darstellen. Die Befürchtung, ausgegrenzt zu werden, ist sehr wahrscheinlich gar nicht unberechtigt.

    Mit der Bezeichung GAU im Kontext des Fukushima-Unglücks habe ich allerdings ein wirkliches Problem. Der GAU (Größter Anzunehmender Unfall) ist der Auslegungsstörfall, der vom System noch beherrscht werden muss, ohne dass es zu einer signifinanten Beeinträchtigung der Umgebung kommt. Was in Fukushima dai-ichi geschah, hat aber ganz offensichtlich mit so einem Auslegungsstörfall nichts mehr zu tun. Deswegen sollte man hier auch nicht von einem GAU sprechen, auch wenn die Presse das dauernd tut.

  72. Super-GAU’s und wie man damit umgeht

    @Michael Khan: Der Begriff GAU mag falsch sein und Super-GAU richtig, doch für den durchschnittlichen Zeitungsleser tönt GAU schon genügend gefährlich und abschreckend.

    Grossunfälle wie Austreten grosser Menge von Radioaktivität, Öllecks durch Tiefsebohrungen oder havarierte Tanker kommen immer wieder vor – und werden auch in Zukunft vorkommen, welche Vorsichtsmassnahmen man auch ergreift.

    Man sollte darum bereits heute Regime erstellen, wie man in solchen Fällen vorgeht.
    Interessant ist, dass viele heute das Austreten grösserer Mengen von Öl schon gelassen hinnehmen, während Austreten von Radioaktivität viele mit der ultimativen Gefahr verbinden – obwohl das gar nicht gerechtfertigt ist und man auch damit sinnvollerweise umgehen könnte als das heute getan wird.

    Man müsste vorneweg schon festlegen, ab welchen Strahlungsmengen welche Zonen in welchem Umkreis evakuiert werden. Diese zu tolerierenden Dosen müssten in der Umgebung von AKW’s – also dort wo die potentiellen Evakuierungszonen liegen – im Bereich der Strahlendosen liegen, die für beruflich exponierte gelten. Das heisst in einem Bereich in dem keine negativen Auswirkungen bekannt sind – ausser denen die man aufgrund der Linear no Treshold-Annahme berechnet.

    Das schlimmste an Fukushima war nämlich die Dislozierung so vieler Leute. Diese war in diesem Umfang kaum nötig, das zeigt auch eine neue MIT-Studie mit Lanzeitexposition von Radioaktivität an Mäusen.

  73. Metabetrachtungen @all

    Offenbar erinnert sich keiner der Befürworter der Kernenergie, die sich hier zu Wort melden, dass ja die leidige Endlagerfrage immer noch nicht geklärt werden konnte, insofern ist Nostalgie fehl am Platz.

    Der Ausbau des Stromnetzes wäre im Übrigen auch so fällig gewesen, da das seit Jahren versäumt wurde, man kann die Schuld jetzt nicht allein auf die alternativen Energien schieben.

    Natürlich haben die erneuerbaren Energien auch Nachteile, kein halbwegs vernünftiger Mensch wird das bestreiten. Der Drei-Schluchten-Staudamm in China ist so ein Negativbeispiel, ein solches Projekt ist für Deutschland jedoch nicht relevant. Pumpspeicherwerke kann man damit nicht vergleichen, da sie anders dimensioniert sind. Abgesehen davon, dass viele Naturschützer diese sowieso nicht haben wollen, weil der Strom ja immer noch aus der Steckdose kommt.

    Sei es wie es ist, von irgendwoher müssen wir die Energie ja bekommen, da hilft alles nichts. Auch wenn wir im Begriff sind die Kernenergie hinter uns zu lassen, weil sie hohe Risiken birgt und die Endlagerfrage bis heute nicht geklärt werden konnte, so dürfen wir nicht ins Gegenteil verfallen und alles bejubeln was den Zusatz “alternativ” hat. In diesem Zusammenhang gilt natürlich auch, dass man bei der Wahrheit bleiben muss, was das Untersuchungsergebnis von Fukushima betrifft.

    In Zukunft wird es, wie es aussieht, einen Mix aus verschiedenen Energieträgern geben, daran sehe ich aber nichts Falsches. Die einzig ideale Energieform wird es sowieso nicht geben, weil jede einen Eingriff in die Natur darstellt. “Mit mittlerweile 7 Milliarden Menschen können wir nun einmal nicht mehr in einen vorindustriellen Zustand zurück, selbst wenn wir das wollten.” (Michael Khan)

    So, nun habe ich mich wahrscheinlich zwischen alle Stühle gesetzt, aber ich bin nun mal keine Anhängerin von bestimmten Ideologien. Denn wenn ich sowas lese: “Mit GAU’s wie denjenigen von Fukushima kann die Menschheit durchaus leben, wenn sie nur alle 20 Jahre vorkommen.” (Martin Holzherr), dann dreht sich mir der Magen um. Und ich finde es auch nicht gut, sich über die Angst der Japaner in einer so schulmeisterlichen Art und Weise zu echauvieren. Denn wenn eine Japanerin aus Angst vor Strahlenschäden ihr Kind abtreibt, dann wird sie sehr verzweifelt gewesen sein. Man sollte bei der ganzen Rechthaberei die Menschlichkeit nicht aus dem Blick verlieren. Letztendlich soll uns die Energie ja ein besseres Leben ermöglichen und kein schlechteres, oder?

  74. Nostalgie

    … scheint begrifflich fehl am Platze.

    Offenbar erinnert sich keiner der Befürworter der Kernenergie, die sich hier zu Wort melden, dass ja die leidige Endlagerfrage immer noch nicht geklärt werden konnte, insofern ist Nostalgie fehl am Platz.

    Diese Diskussion behandelt nicht vorrangig die Verhältnisse in D, woanders werden entsprechende Lagerstätten gesucht und gefunden.

    Die spannende Frage bleibt mit welcher Wahrscheinlichkeit Kernschmelzen eintreten, welche Schäden pro Betriebsjahr zu erwarten sind und inwieweit diese gesellschaftlich ausgehalten werden können.
    Wenn man nur auf die direkten Schäden schaut, wir vergleichen hier mit der weiter oben verlinkten Statistik Herrn Holzherrs, scheint Kernenergie eine sichere Sache.

    MFG
    Dr. Webbaer

  75. @Mona: Menschen stehen an 1. Stelle

    Sie gehören – aufgrund meines Eindrucks was frühere Kommentare angeht – zu denen, die wahrscheinlich der Japanerin aus Fukushima die Abtreibung wegen möglichen Strahlenschäden durch den Nuklearunfall empfohlen hätten.

    Die Gefahren von Radioaktivität werden von vielen hier – und vor allem in D – geradezu ins Monströse vergrössert/verzerrt und das schadet Menschen, die Radioaktivität ausgesetzt waren allein über die Ängste, denen sie ausgeliefert sind. Die Unscear-Kommission, die den Unfall in Fukushima untersucht hat, ist zum Schluss gekommen, dass die Hauptauswirkungen des Unfalls psychischer Natur sind und sein werden. Sie erwarten sogar schlimmere Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden der Japaner/Fukushianer als in Tschernobyl. Diese psyschischen Auswirkungen stehen in keinem Verhältnis zu den gesundheitlichen Gefahren durch die zusätzlichen Strahlendosen, die die Fukushianer im Durchschnitt aufgenommen haben.
    Viele Menschen, die emotional reagieren, sind nicht mehr zu akkuraten Wahrnehmungen und zu logischem Denken in der Lage. Dazu gehört nicht nur Björn Lohmann, sondern scheinbar auch sie, wenn sie Täter und Opfer was die Verunsicherung und Verängstigung der japansichen Bevölkerung angeht, praktisch verwechseln. Täter sind die, die den Japanern eine übersteigerte Angst vor den zusätzlichen Strahlendosen, denen sie ausgesetzt waren, einjagen und sie damit in die Verzweiflung treiben.Möglicherweise gehören auch sie zu den Tätern.
    Sie schreiben: “Und ich finde es auch nicht gut, sich über die Angst der Japaner in einer so schulmeisterlichen Art und Weise zu echauvieren. Denn wenn eine Japanerin aus Angst vor Strahlenschäden ihr Kind abtreibt, dann wird sie sehr verzweifelt gewesen sein.”
    Dazu folgende Antwort:
    Ich echauffiere mich überhaupt nicht wegen der Angst der Japaner, sondern wegen den Leuten, die ihnen diese unbegründete Angst einjagen. Das sind für mich die Kriminellen.

    Besonders grotesk sind die Gefahren, die sich viele ausmalen angesichts der Tatsache, dass bis zu 1/5 aller Leute in Deutschland in ihrem Leben einmal bestrahlt werden aufgrund einer Krebserkrankung. Dabei erhält nicht nur der Krebsherd, sondern auch der übrigen Körper beträchtliche Strahlendosen. Trotzdem sind Sekundärtumore aufgrund dieser Strahlendosen viel seltener als die meisten erwarten würden.

    Mein Fazit: AKW’s sind gefährlich, aber nicht x-Mal gefährlicher als andere Grosstechnik, die versagen kann.

    Es war unverantwortlich von den Betreibern der japanischen AKW’s – also von Tepco – bekannte Schwächen des Kraftwerks zu ignorieren. Es war Tepco z.B. bekannt, dass ein Tsunami, der nur schon bis auf Parterre-Ebene ansteigt, die gesamte Stromversorung des hauptbetroffenen AKW’s lahmlegen würde.

    Fukushima ist ein Unfall auf der höchsten INES-Stufe, auf der gleichen wie Tschernobyl: Sehr viel Radioaktivität ist ausgetreten. Und trotzdem sind kaum Menschen dauernd zu Schaden gekommen – ausser in ihrem psychischen Wohlbefinden.

    Fazit:
    1) Bei nüchterner Betrachtung kann man Fukushima durchaus auf gleiche Stufe wie andere schwere Unfälle stellen.
    2) Wenn man AKW’s weiter irgendwo in der Welt betreibt, muss man mit schweren Unfällen im Abstand von einigen Jahrzehnten rechnen
    3) Eine Technik, die Unfälle verursacht, welche das Leben von Tausenden, Zehntausenden oder mehr gefährden, kann keine Zukunft haben
    4) AKW’s gefährden selbst bei schweren Unfällen nicht das Leben von Tausenden vorausgesetzt man reagiert richtig auf den Unfall.

  76. @Martin Holzherr

    Ich habe auf den SciLogs ja schon viele unterirdische Angriffe gelesen, aber dieser schlägt dem Fass den Boden aus. Damit haben Sie für mich jegliche Seriosität eingebüßt. Bevor Sie hier weiter mit solch ungeheuerlichen Unterstellungen operieren, empfehle ich Ihnen mal diese Regeln, die man vielleicht auch hier berücksichtigen sollte.
    http://de.wikipedia.org/…s%C3%B6nlichen_Angriffe

  77. @Mona

    Eigentlich haben Sie die Situation bereits gut resümiert. Ich stimme Ihnen sogar weitgehend zu.

    Die Endlagerfrage ist allerdings ein Thema, bei dem ich keinen Zusammenhang mit der Frage sehe, ob das Reaktorunglück in Fukushima vorhersehbar war oder nicht.

    Dass Pumpspeicherwerke mit den Monsterstauwerken in China und Brasilien nicht zu vergleichen sind, steht außer Frage, aber es geht von ihnen nun einmal ein Gefährdungspotenzial aus, wenn man darunter wohnt. Wie hoch das Potenzial ist, hängt vom Einzelfall ab, aber die Pumpspeicherwerke haben jetzt schon ein Akzeptanzproblem. Ohne sie geht aber die Energiewende nicht, also müssen sie gebaut werden. Die Frage ist schon angebracht, wie ein Unfall anderswo in der Welt das Akzeptanzproblem verschärft, egal, ob die Vergleichbarkeit objektiv gegeben ist oder nicht. Ich denke nicht, dass wir davon ausgehen können, dass wir dieses Risiko zukünftig komplett nach Norwegen exportieren – wir haben den Strom, die haben, wenn’s kracht, die Flutwelle.

    Was den von Ihnen wahrgenommenen Zynismus im Zusammenhang mit den Reaktionen der direkt betroffenen, umgesiedelten Personen angeht, so muss ich sagen, dass ich Herrn Holzherrs Aussage anders aufgefasst habe. Die Menschen in der Katastrophenregion, die alles Hab und Gut verloren und deren Leben auf den Kopf gestellt wurde, und die vielleicht auch noch Angehörige verloren haben oder mit der Ungewissheit über deren Verbleib leben mussten, waren in einer psychischen Ausnahmesituation. Ich glaube, das kann man vollkommen nachvollziehen.

    Wenn zu dieser psychischen Ausnahmesituation jetzt auch noch die chaotische, desorganisierte Umsiedlungsaktion kommt, bei der viele Menschen in ungeheizten lagerhallen untergebracht wurde, ohne Hygiene, ohne Komfort, ohne Trost und vor allem ohne Information, wie es weiter gehen wird, dann macht man die Leute im wahrsten Sinne des Wortes verrückt. Auch darauf geht der Untersuchungsbericht ein.

    Ob eine Schädigung eine Fötus wirklich vorliegt oder nicht, dafür gibt es diverse Verfahren der pränatalen Diagnostik. Es gibt aber aufgrund der vorliegenden Daten keinen Anlass zu der Annahme, dass von vorneherein mit einer solchen Schädigung zu rechnen ist. Fukushima ist eben nicht Hiroshima. Wenn der damaligen Situation, wo alles drunter und drüber ging und wo es die Menschen ohnehin schon schwer genug hatten, vo Leuten, die überhaupt nicht qualifiziert sind, sich darüber ein Urteil zu erlauben (Die Leute, die in einer Krisensituation am Weitesten das Maul aufreißen, sind nicht immer die, von denen brauchbare Information zu erwarten ist), Horrorszenarien an die Wand gemalt werden, dann kann ich mir problemlos vorstellen einem Betroffenen den Rest gibt.

    Sowas ist nie hilfreich, aber in der Situation ist es ganz besonders wenig hilfreich.

  78. Mona

    „Und ich finde es auch nicht gut, sich über die Angst der Japaner in einer so schulmeisterlichen Art und Weise zu echauvieren. Denn wenn eine Japanerin aus Angst vor Strahlenschäden ihr Kind abtreibt, dann wird sie sehr verzweifelt gewesen sein. Man sollte bei der ganzen Rechthaberei die Menschlichkeit nicht aus dem Blick verlieren.“
    Die Fakten rechtfertigen eine solche Verhaltensweise jedenfalls nicht, siehe UNSCEAR-Bericht. Wenn Sie mit „Menschlichkeit nicht aus dem Blick verlieren“ allerdings auch irrationale Verhaltensweisen wie diffuse und geschürte Ängste oder Ausgrenzung Betroffener meinen, dann haben Sie recht. Leider wird durch die nicht gerade der Aufklärung verschriebenen Medien viel dazu beigetragen, dass solche menschlichen Verhaltensweisen eher noch verstärkt werden.
    Ich stimme Ihnen zu, dass die Zukunft der Energie in einem Mix, auch aus Kernkraft bestehen wird. Eine solch vernünftige Handlungsweise ist aber, wie sie richtig feststellen, nur durch nichtideologisierte Betrachtung möglich und davon ist Deutschland weit entfernt. Davon zeugt auch der Beitrag von Herrn Lohmann, wo eben nicht vorhersehbare Ereignisse und in seinem Fall die fälschlicherweise propagierte Nichtvorhersehbarkeit des Tsunamis und seiner Auswirkungen auf das Atomkraftwerk zum Dogma erklärt werden, um den Atomausstieg ein für alle mal zu zementieren. Dazu dienen auch die anderen Dogmen wie Super-Gau (tausendfach benutzt, aber für Fukushima nicht zutreffend) oder die in Deutschland politisch ungelöste Endlagerfrage.

  79. Menschlichkeit

    Wenn Sie mit „Menschlichkeit nicht aus dem Blick verlieren“ allerdings auch irrationale Verhaltensweisen wie diffuse und geschürte Ängste oder Ausgrenzung Betroffener meinen, dann haben Sie recht.

    Eine auf irrationalen Verhaltensweisen basierende “Menschlichkeit” ist strikt abzulehnen, die Menschlichkeit muss immer in einem Rahmen gesehen, negativ formuliert: ideologisiert, werden.

    So wie die Esoterik abzulehnen ist, ist auch die unreflektierte “Bauchsicht” abzulehnen. [1]

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] das gilt natürlich nur für die Teilnahme und Teilnehmer in den Systemen der Europäischen Aufklärung – Esoterik und normative Standards sind dort stabil

  80. @Mona, @Martin Holzherr

    Langsam, langsam, Leute, ich glaube, Sie vermuten da gegenseitig böse Intentionen, die ich so eigentlich bei keinem von Ihnen erwarten würde. Also: Peace, bitte.

    Der böse Bube hier auf den Scilogs bin doch ich, das habe ich jetzt sogar schriftlich. Als Technokrat bin ich sowieso schon verschrien, das schon seit mehr als einem Jahr. Stalinist hat man mich auch schon genannt. Dagegen kann niemand von Ihnen anstinken.

  81. @Mona

    Ich habe auf den SciLogs ja schon viele unterirdische Angriffe gelesen, aber dieser schlägt dem Fass den Boden aus.

    Gehen Sie mal davon aus, dass Dr. Webbaer am meisten Unterirdisches entgegen zu nehmen hatte, Herr Holzherr war ein wenig aufgeregt, aber das Thema ist ja auch “Emo”, denken Sie bitte nicht, dass “Rationalisten” [1] nicht auch das Wohl des Gesamten im Auge haben.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] der Rationalismus ist natürlich auch abzulehnen – 😉

  82. @Mona: Menschen stehen an 1. Stelle

    Tut mir leid, wenn ich zuviel gefolgert habe.
    Ich möchte nur festhalten, dass das Wohl von Menschen an 1. Stelle steht.
    Das denken wohl die meisten.

    Indem man aber behauptet, eine Technologie gefährde prinzipiell tausende von Menschen und gar ihre Nachkommenschaft macht man sie tatsächlich unmöglich und nicht mehr zukunftsfähig.

    Und ich behaupte, genau das wollen viele z.B. im Kampf gegen die Kernkraft. Sie projiziren die grössten denkbaren Gefahren in die unerwünschte Technologie und blenden dann typischerweise die Gefahren anderer Technologien aus.

  83. @torben hoffmeister,Mona

    Mona, sie wollten ja wahrscheinlich mit ihrem Hinweis auf einen Energiemix die Diskussion etwas entspannen, was sicher gut und nötig ist. Ich möchte mich für die gemachte, völlig überspannte Unterstellung hiermit entschuldigen.

    Zurück zur Energiefrage:
    Für mich kommt jede Energieform in Frage, die funktioniert und “zumutbar” ist.

    Das Problem ist wohl, dass im Moment keine Energieform funktioniert, keine wirklich zukunftsfähig ist.

    Mit zukunftsfähig meine ich, dass die Energieform nicht nur ihren Beitrag zu irgend einem Energiemix leistet, sondern dass sie in der Lage ist die fossilen Energien zu ersetzen, denn fossile Energien sind nicht nur endlich, sondern ihr Einsatz verändert unser Klima mit grosser Wahrscheinlichkeit und zwar auf eine Weise, deren Gefährlichkeit erst teilweise bekannt ist.

    Die fossilen Energien zu ersetzen ist aber tatsächlich extrem schwierig, denn heute wird mehr als 80% der Energie fossil erzeugt.

    Kernenergie ist heute kein Ersatz für die fossilen Energien, einfach schon darum, weil diese Energieform seit Jahrzehnten kaum weiterentwickelt wurde und die heutige Form der Urannutzung mit once-through-Reaktoren Uran sehr schnell erschöpfen würde.

    Erneuerbare Energien haben ebenfalls eine offene, unbekannte Zukunft, weil sie mit heutiger Technologie nicht geeignet sind, den Traum von der Selbstversorgung zu erfüllen. Am besten würde EE noch funktionieren, wenn wir ein weltumspannendes Netz von Hochspannungstrasses hoher Kapazität aufbauen um damit Produktionsschwankungen auszugleichen.
    Das Problem ist nur, dass eine solche ganze Kontinente umspannende Lösung die Zusammenarbeit vieler Länder nötig machen würde und dass bis jetzt viele Länder im Energiebereich autark sein wollten. Doch genau das – eine autarke Energieversorgung – ist weder mit fossilen, noch mit erneuerbaren, ja auch nicht mit nuklearen Energiequellen realisierbar.

    Damit wird die Frage der “richtigen” Energiequellen wohl noch längere Zeit offen bleiben.

  84. “Richtige Energiequellen”

    “Damit wird die Frage der “richtigen” Energiequellen wohl noch längere Zeit offen bleiben.”

    Die Skepsis hinsichtlich der Großwasserkraft teile ich, die Thesen zu der angeblichen ökologischen “Belastung” der übrigen EE kann ich so allerdings nicht vertreten. Da wird viel Unsinn behauptet.

    Windkraftanlagen töten nur einen winzigen Bruchteil der Vögel, die z. B. auf Straßen und an den Fenstern und Fassaden von Gebäuden umkommen.

    Die ökologische Auswirkung von Solarmodulen ist nicht nur annhähernd Null, sondern sie schlagen ökologisch gesehen sogar positiv zu Buche, da sie andere, umweltschädliche Energieerzeugung ersetzen.

    Flächen verbrauchende Energiepflanzen sind eher ein vorrübergehendes Phänomen, da Fotovoltaik auf der gleichen Fläche 10 bis 20 Mal so viel Energie ensammeln kann, wie die Pflanzen. Mit fortschreitender Entwicklung der Speichertechnik wird sich also dieses Problem entschärfen.

    Es hängt überhaupt so ziemlich alles an den Speichern. Denn wir sollten nicht vergessen, dass die Erde rund 10.000 Mal so viel Sonnenenergie empfängt, wie die gesamte Menschheit je benötigen wird. Wenn wir also 0,1% (mit nur 10% Wirkungsgrad gerechnet) davon nutzen, haben wir für alle Zeiten energetisch ausgesorgt.

    Und da Solarenergie laufend preisgünstiger wird (Japan wird voraussichtlich den nächsten größeren Schub in der Verbilligung bringen), ist es nur noch eine Frage von wenigen Jahren, bis Solarenergie die preisgünstigste Energie überhaupt ist.

    Einziger Nachteil dabei ist, dass dann die sonnenreichen Länder des Südens uns gegenüber wirtschaftlich die Nase vorn haben werden, denn preisgünstige Energie ist nun einmal das Lebenselixier jeder modernen Gesellschaft.

    Aus letzterem Grund haben auch weder die Kernfission noch die Kernfusion eine Chance in der Zukunft, da sie diese preisgünstige Energie auf keinen Fall werden liefern können.

    Michael Khan wird jetzt wieder sagen, ich hätte nur eine Reihe von Behauptungen aufgestellt, ohne diese zu belegen. Die Belege sind aber da und überall zu finden und es hängt einzig und allein vom eigenen Informationsgrad ab, ob man noch direkt mit der Nasedrauf gestoßen werden muss oder meine Thesen durch die eigenen Kenntnisse nachvollziehen kann.

    Er war ja nicht einmal in der Lage, in seinem eigenen Link zur Kernfusion den Pferd zu finden, nämlich die Tatsache, dass in den nächsten 20 Jahren in punkto Fusion das bloße Experimentierstadium nicht verlassen werden wird. Und auf so etwas setzt er seine Hoffnungen?

  85. @Jochen Bäumler: Die Sonne im Bottich ??

    “Es hängt überhaupt so ziemlich alles an den Speichern. Denn wir sollten nicht vergessen, dass die Erde rund 10.000 Mal so viel Sonnenenergie empfängt, wie die gesamte Menschheit je benötigen wird.”

    Diese Aussage galt auch schon vor 10’000 Jahren und wird möglicherweise auch in 100 Jahren noch gültig sein.

    Da bin sogar ich optimistischer was das Potential der erneuerbaren Energien angeht als sie, der auf Speicher wartet ( und das möglicherweise bis zum Sankt-Nimmerleinstag), denn ich glaube nicht nur, sondern ich weiss sogar, dass folgendes nicht stimmt“Es hängt überhaupt so ziemlich alles an den Speichern”

    Es geht auch ohne Speicher, indem man ganz Europa und noch ein bisschen mehr (am besten die ganze Welt) mit Hochspannungsgleichstromübertragungskabeln überzieht. Verbindet man mit so einem Supergrid die kostengünstigsten Energiequellen, kommt man zu einem tiefen Stromgestehungspreis. Gregor Czisch kommt für Europa auf 4.6 EuroCent Stromgestehungspreis

    Das Projekt roadmap 2050 basiert ebenfalls auf einer Vernetzung ganz Europas und zudem auf Backupkraftwerken, Biomassenkraftwerken und grossen Wasserkraftwerken als Speicher- und Ausgleichsenergie.

    Meine Erfahrung aus verschiedenen Foren ist allerdings, dass praktisch alle EE-Fans die Vernetzungslösung ablehnen. Sie wollen nicht nur den Strom per Sonne sondern auch noch den erzeugten Strom lokal nutzen. Heute funktioniert das nicht.

    Wer sich allerdings überlegt, was ein solches grossräumig vernetztes System mit tausenden von kleinen Stromquellen alles für Infrastruktur benötigt, wer sich bewusst wird, wie die Landschaft durch die vielen Windräder verändert wird, der muss es nur als Notnagel, als 2.beste Lösung erkennen.

    Fusionskraftwerke wären viel eleganter, flexibler und würden auch autarke Lösungen ermöglichen.
    Es gibt viel mehr Ansätze in der Fursionsforschung als sie sich wahrscheinlich vorstellen können:
    1) Magneteinschluss des Plasmas im Tokomak (ITER
    2) Laserfusion mit indirekter Zündung über Laser=>XRays (NIF)
    3) Laserfusion mit fast ignition, wo ein Heiz- und ein Zündlaser verwendet wird (Hiper)
    4) Z-Pinch, wo ein Plasma mit dem Magnetfeld eines starken Stroms eingeschlossen wird (Z-Pinch)
    5) Plasma-Jet Magneto-Inertial Fusion, wo das Fusionstarget in ein Magnetfeld eingeschlossen ist und mit einem Plasmajet beschossen wird (PJMIF)
    6) Fusion im schwebenden Dipol (LDX)

    Laserfusion, plasmajet magnetoinertiale Fusion und Z-Pinch haben alle wichtige Erfolge in den letzten 5 Jahren erreicht. Es könnte schneller gehen bis zu einem Demo-Kraftwerke als man denkt.

  86. Pferdefuß

    Flächen verbrauchende Energiepflanzen sind eher ein vorrübergehendes Phänomen, da Fotovoltaik auf der gleichen Fläche 10 bis 20 Mal so viel Energie ensammeln kann, wie die Pflanzen. Mit fortschreitender Entwicklung der Speichertechnik wird sich also dieses Problem entschärfen. Es hängt überhaupt so ziemlich alles an den Speichern.

    So ist es. Da haben Sie sehr schon den Finger auf den wirklichen “Pferdefuß” gelegt und gezeigt, wo es bei der PV und der Windkraft hakt: Die Kosten der Solarmodule sind schon lange nicht mehr der zentrale Punkt und werden es umso weniger sein, wenn di EE grundlastfähig gemacht werden sollen, was im Moment nicht einmal ansatzweise gegeben ist. Man muss die EE schon als Gesamtsystem sehen, das heißt, in Zusammenhang mit ausrechend großer und preiswerter Speichertechnik.

    Diese Speicher werden doch gleich welche Technik nutzen? Und wie wird sie sich weiter entwickeln? Das haben Sie vergessen zu erwähnen.

    Ich kann es Ihnen sagen: Die Speicher sind bis auf weiteres fast ausschließlich Pumpspeicherwerke. Also Wasserkraftwerke. Wenn nicht hier, weil hier die Kapazität nicht reicht, dann in Norwegen. So sieht “dezentrale Energie” offenbar aus – man pflastert die Meergebiete mit Windkraftanlagen zu, leitet die Energie in andere Länder, pumpt dort Wasser nach oben, lässt das Wasser wieder runterlaufen und dabei Strom erzeugen, leitet den Strom wieder zurück … Sehr effizient, preiswert und umweltschonend, fürwahr.

    Solange man da nicht auf etwas Anderes kommt (aber was wäre das denn?), gilt der augenblickliche Zustand, nach dem nämlich erneuerbare Energien weltweit gesehen mehr oder weniger deckungsgleich sind mit Wasserkraft (zu etwa 2/3) und einem großen Stück Biomasse.

    Beide sind grundlastfähig, was schon einmal gut ist. Beide bergen aber große Risiken und Gefahren und haben auch jetzt schon große Nachteile. Das heißt wohlgemerkt nicht, dass man sie von vorneherein ablehnen soll, aber man muss sich der Nachteile auch bewusst sein.

    Beide, Wasserkraft und Energiepflanzenanbau, werden jetzt und in den kommenden Jahren massiv ausgebaut und keineswegs ersetzt. Das Problem, dass der Energiepflanzenanbau zum Abholzen von Wäldern beiträgt, teilweise auch mit Brandrodung mit erheblichen unmittelbaren und dann auch langfristigen Auswirkungen auf Umwelt und Klima, und dass dieser Energiepflanzenanbau mit der Nahrungsmittelproduktion um den knappen Ackerboden konkurriert, wird sich also, entgegen Ihrer Behauptung, es sei nur ein vorübergehendes Phänomen, sogar noch verschärfen.

    Das ist jetzt einfach mal so, es nutzt doch nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass das Problem dann weg geht.

    Wenn alles, woran Sie glauben, wirklich so einfach zu belegen ist – und damit meine ich Daten, nicht nur Behauptungen – dann belegen Sie es doch einfach einmal. Ich bin wirklich lernbereit.

    […] die Tatsache, dass in den nächsten 20 Jahren in punkto Fusion das bloße Experimentierstadium nicht verlassen werden wird.

    Mittlerweile wissen Sie ja immerhin, dass Ihre Behauptung, seit Jahrzehnten kein Fortschritt in der Fusionsforschung gemacht worden, schlicht falsch ist. Sollten Sie da nicht vielleicht etwas vorsichtiger behaupten?

    Jetzt steht man an dem Punkt, dass der ITER gebaut wird, wo der Fusionsprozess mindestens 500 Sekunden lang aufrecht erhalten werden soll. Das ist das Projektziel.

    Danach soll mit dem Demonstrationskraftwerk DEMO der Prototyp eines einsatzfähigen Fusionsreaktors gebaut werden. dazu braucht man aber die Ergebnisse und Erfahrungen, die mit dem Projekt ITER gewonnen werden.

    Beides ist kein Geheimnis und auch kein Pferdefuß. Das sind die Projektziele, und so sieht deren langfristige Planung nun einmal aus.

  87. Wind und Sonne

    @Martin Holzherr,

    vielen Dank für den Link zu Czisch. Interessanter Ansatz, der zeigt, dass nicht nur vieles denkbar, sondern auch möglich ist:


    Mit der heutigen Windtechnologie kann ich heute an den besten Standorten, etwa in Ägypten, Strom für unter drei Cent produzieren. Solarkraftwerke in Spanien liegen bei 27 Cent die Kilowattstunde. Das ist ein Faktor von 10. In Afrika schaffen wir mit der Solarthermie vielleicht an sehr guten Standorten 15 Cent, das ist immer noch mehr als fünf Mal so teuer.”

    Allerdings sind seine Zahlen was die PV angeht, inzwischen durchaus veraltet, so dass eine Neubewertung durchaus sinnvoll wäre.

    Ich werde mich in den nächsten Tagen etwas eingehender mit den Konzepten befassen.

    Ihren Optimismus bezüglich Fusion teile ich immer noch nicht, aber da können wir getrost abwarten, ob die Fusion – so sie überhaupt jemals technisch realisiert werden sollte – dann auch ökonomisch mit den immer preiswerter werdenden EE konkurrieren könnte.

    P.S.: Da man Stromkabel – wenn auch mit erheblichen Mehrkosten verbunden – unter irdisch verlegen kann, muss der Widerstand gegen ein solches Netz nicht notwendigerweise bestehen bleiben.

    Was die Kosten insgesamt anbetrifft, gebe ich zu bedenken, dass heute immer noch jedes Jahr mehrere hundert Milliarden Euro für die Subventionierung der fossil-atomaren Energieträger ausgegeben werden, Geld, das bei einer vernünftigen und zukunftsfähigen Energiepolitik dann frei würde, ganz abgesehen von den dabei noch nicht eingerechneten Rüstungsausgaben für die Sicherung des Zugangs zu Öl und Gas.

  88. Subventionen Kernkraft

    @Jochen

    Sie schreiben, “dass heute immer noch jedes Jahr mehrere hundert Milliarden Euro für die Subventionierung der fossil-atomaren Energieträger ausgegeben werden”.

    Mich tät interessieren, welche Subventionen Sie in der Sparte Kernkraft konkret meinen.

    Besten Dank,
    JanG

  89. Die Behauptung, dass heute Mrd. an Subventionen für fossile Energiegewinnung und Kernkraft ausgegeben werden, stimmt einfach nicht. Wie Herr Khan schon anmerkte: nur lauter Behauptungen. Die Braunkohleverstromung kommt gänzlich ohne Subventionen aus und ist dabei so ertragreich, dass die Firmen auch noch für die Milderung der starken Eingriffe und die Renaturierung einstehen können – in der Lausitz zu beobachten. Die Profitverluste der großen Stromkonzerne nach Abschaltung der KKW resulieren nicht aus dem Verlust von Subventionen, sondern aus dem Ausfall von Goldeseln. Auch die Kernkraft ist heute so ertragreich, dass Rückstellungen für den Rückbau in Mrd.-höhe durch die Stromkonzerne selbst geleistet werden.

  90. @hoffmeister, JanG, Bäumer: Subventionen

    Subventioniert wird vor allem Benzin/Öl, welches in vielen Ländern verbilligt abgegeben wird. Die Aussage
    (Zitat)“mehrere hundert Milliarden Euro für die Subventionierung der fossil-atomaren Energieträger ausgegeben werden” ist in ihrer Allgemeinheit tatsächlich irreführend.
    Die internationale Energie-Agentur ist dem Problem in mehreren detaillierten Studien nachgegangen.

    Wer von Subvention der Nuklearenergie spricht meint meistens die verbleibende Reaktor-Forschung, was aber recht wenig ist. Oft wird auch von versteckter Subvention durch wegfallende Versicherungsgebühren gesprochen oder davon, der Staat zahle die Endlagerung.
    Das überzeugt nicht wirklich.

  91. Subventionen

    Eigentlichen weiß ich das ja: ich arbeite als Physiker in der Endlagerforschung und habe mir ja zum Beispiel mal das Subventionsgutachten von Greenpeace angeschaut. Resultat:

    http://www.kerngedanken.de/…rom-wirklich-teil-i/

    Oder die Tatsache, dass eben nicht der Staat für die Entsorgung aufzukommen hat:

    http://www.kerngedanken.de/…zahlt-fur-den-muell/

    So gesehen ist mein Kommentar ziemlich mies gewesen: statt gleich zu schreiben, dass es Unfug ist was Jochen da schrub, hab ich den Dummen gespielt. Aber dieses beleglose Quatschen bei diesem Thema regt mich manchmal etwas auf.

  92. Subventionen für Kernkraft

    @JanG,

    “Mich tät interessieren, welche Subventionen Sie in der Sparte Kernkraft konkret meinen. …

    Aber dieses beleglose Quatschen bei diesem Thema regt mich manchmal etwas auf.”

    Jeder kann meine Thesen überprüfen und wird feststellen, dass sie nicht aus der Luft gegriffen sind. Bevor Sie sich aber künstlich aufregen, sollten Sie Ihre wahrheitswidrigen Behauptungen zurücknehmen.

    Zwei nicht unerhebliche Subventionen der Kernkraft liegen in der Tatsache, dass die EVUs ihre Milliarden schweren Rückstellungen untkontrolliert zur Binnenfinanzierung einsetzne können (auch mit dem Risiko des Totalverlustes) und der Staat dabei großzügig auf eine Versteuerung verzichtet.

    Der andere große Brocken ist der Verzicht des Gesetzgebers auf eine angemessene Versicherungspflicht für die KKW-Betreiber. Auch hier werden die Bürger wieder zu Geiseln genommen, die für den Fall eines Falles alles ausbaden müssen.

    Was die Subventionierung der anderen fossilen Energieträger betrifft, kann man hier alles nachlesen (einer von vielen Links zu diesem Thema):

    http://www.bloomberg.com/…-clean-energy-iea.html

    Mich regt übrigens auf, dass die Befürworter der Kernenergie oft entweder keine Ahnung haben, wovon sie reden oder aber bewusst die Wahrheit verzerren.

  93. Etwas verspätete Antwort

    @torben hoffmeister @Michael Khan

    Es freut mich, dass mein relativ ausgewogener Kommentar nicht bei jedem einen gedanklichen Super-GAU ausgelöst hat. Manchmal hilft es eben schon, wenn man einen Kommentar liest, bevor man ihn beantwortet. Mir hier zu unterstellen, ich würde “der Japanerin aus Fukushima” eine Abtreibung empfehlen, ist schon mehr als eine “böse Intention”. Na ja, Herr Holzherr hat sich für seinen Ausraster inzwischen entschuldigt.

    Wenn ich hier Menschlichkeit anmahnte, dann meinte ich auch mitfühlende Hilfe für Leute, die sich in einer psychischen Ausnahmesituation befinden, die haben sie doch am nötigsten, da ist es egal, ob diese nun einer wirklichen oder vermeintlichen Bedrohung entspringt. Außerdem war das in Japan ja lange Zeit völlig unklar, weil man nicht wusste welche Gebiete wirklich verstrahlt wurden, da sich die Radioaktivität in der Regel nicht gleichmäßig verteilt. Die Helfer in Japan waren anfangs z.T. selbst überfordert, weil sie keine verwertbaren Informationen hatten. Wie sich später herausstellte hatte man manche Leute sogar in stärker verstrahlte Gebiete evakuiert. Ich weiß nicht, wer wo in Japan Horrorszenarien an die Wand gemalt hat, das kann ich als Außenstehende nicht beurteilen und ich habe mich deswegen dazu auch nicht geäußert. Unqualifizierte Meinungsmache kann man per se nicht gutheißen, das muss wohl nicht extra betont werden. Wenn das jedoch jemand anprangert und dann gleichzeitig “Lösungen” propagiert und schreibt: “Super-GAU’s und wie man damit umgeht”, dann erstaunt mich das schon. Vor allem wenn es auch noch heißt. “Das schlimmste an Fukushima war nämlich die Dislozierung so vieler Leute. Diese war in diesem Umfang kaum nötig, das zeigt auch eine neue MIT-Studie mit Lanzeitexposition von Radioaktivität an Mäusen.” Das wird die Mäuse sicher freuen!

    Zu den Pumpspeicherwerken: Herr Khan, da muss ich Ihnen weitgehend zustimmen, ich schrieb ja ähnliches schon in meinem Kommentar. Allerdings sehen die Leute da oft eher den Naturschutz oder touristische Belange in Gefahr und nicht sosehr das “darunter wohnen”, weil dieses oftmals gar nicht gegeben ist. Hier ein Beispiel: http://regiowiki.pnp.de/…p/Energiespeicher_Riedl

  94. @Mona

    Wenn ich hier Menschlichkeit anmahnte, dann meinte ich auch mitfühlende Hilfe für Leute, die sich in einer psychischen Ausnahmesituation befinden, die haben sie doch am nötigsten, da ist es egal, ob diese nun einer wirklichen oder vermeintlichen Bedrohung entspringt.

    Wobei das “Mitgefühl” für Leute, die sich in einer ‘vermeintlichen’ Bedrohungslage sehen, darin bestehen muss, die Lage zu erklären.

    Dass es hierzu, wie auch Herr Hoffmeister erläutert, in Japan wie in D massive Probleme gab und gibt, dürfen Sie gerne annehmen. – Ganz ärgerlich natürlich das Ausschlachten des Unglücks durch ökologistische Kreise.

    Ob und wie man Kernschmelzen (“GAU”) gesellschaftlich aushalten kann, bleibt eine spannende Frage. Vermutlich muss man hier bereits in den Bildungssystemen ran, allerdings scheinen gerade dort Ökologisten stark.

    MFG
    Dr. Webbaer

  95. @Mona : Psychische Faktoren sind wichtig

    Ich möchte mich noch einmal für die Unterstellungen in meinen vorgängigen Kommentar entschuldigen.

    Doch ihr Kommentar “Eine verspätete Antwort” geht weiterhin davon aus, dass der Atomunfall in Fukushima das Leben und die Gesundheit der betroffenen Anwohner schwer gefährdet und genau das trifft nicht zu, mindestens wenn man von den Auswirkungen auf die physische Gesundheit ausgeht. Das trifft einfach darum schon nicht zu, weil nur wenige Fukushianer überhaupt höhere Strahlendosen ausgesetzt waren als es jede beruflich mit Strahlen und radioaktiven Stoffen hantierende Person ist (z.B. ein Nukleramediziner).

    Man muss einen deutlichen Unterschied machen zwischen physischer Gefährdung und psychischer Gefährdung.

    Unscear hat in einem vorläufigen Bericht über die Auswirkungen der zusätzlichen radioaktiven Expoisition der Bevölkerung
    minimal health risks from radiation in the aftermath of Japan… festgestellt. Es wird kaum zusätzliche Krebserkrankungen irgendwann im weiteren Leben der betroffenen Bevölkerung geben und zudem lassen sich diese Erkrankungen nur errechnen, sie werden nie in irgend einer Statistik erscheinen.

    Doch die psychischen Auswirkungen auf die evakuierten Personen sind teilweise äusserst gravierend. Nur schon die Evakuation ist eine schwere Belastung, zusätzlich haben aber viele Betroffene falsche Vorstellungen, was die Auswirkungen der zusätzlichen Strahlung auf ihr eigenes Leben und das ihrer Angehörigen angeht. Weil eben eine eigentliche Hysterie einsetzte.

    Somit haben wir das Paradox, dass die rein physischen Gesundheitsschäden von Fukushima-Anwohner weniger Leute betreffen als von einem grössern Verkerhsunfall (z.B. Bus, ÖV) jeden Tag irgendwo Leute betroffen sind.

    Wer also um die Gesundheit der Anwohner von Fukushima bekümmert ist, der muss sich um ihre Lebenssituation, die Folgen der Evakuierung, Dislozierung und so weiter kümmern, nicht aber um die erhöhten Strahlendosen.

    Viele Leute wissen das nicht und man muss sich fragen warum.

  96. Jochen Bäumer

    Aua, da hat sich aber jemand selbst ins Knie geschossen:
    Aus der verlinkten Quelle:
    Fossil-fuel consumers worldwide received about six times more government subsidies than were given to the renewable-energy industry, according to the chief adviser to oil-importing nations.
    Hier werden also die weltweiten Ausgaben der Staaten für Konsumenten zum Erwerb fossiler Kraftstoffe, also Sozialausgaben zur Vermeidung von Energiearmut verglichen mit den direkten Subventionen für die EE-Industrie. Mal abgesehen davon, dass das für Deutschland aufgrund der Besteuerung für Mineralöle ganz sicher nicht zutrifft und es einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen Ausgaben infolge von Sozialprogrammen und direkter Subvention lassen die Zahlen auch nicht gerade eine Benachteiligung der EE-Förderung erkennen: 409 Mrd. Konsumentenunterstützung für fossile, 66 Mrd. für EE, bei einem Beitrag der EE von ca. 13 % am weltweiten Energiebedarf (2,3 Wasserkraft, 10 % Biomasse und Abfall, 0,8 % andere) entsprechen die 66 Mrd. fast exakt diesem Anteil.
    Bevor man solches hier schreibt
    „Bevor Sie sich aber künstlich aufregen, sollten Sie Ihre wahrheitswidrigen Behauptungen zurücknehmen…Mich regt übrigens auf, dass die Befürworter der Kernenergie oft entweder keine Ahnung haben, wovon sie reden oder aber bewusst die Wahrheit verzerren.“
    sollte man Aussagen und Zahlen auch interpretieren können.

    Und dann kommen Sie als Beleg für Subventionen für deutsche Kernkraftbetreiber mit dem hier bereits ausgiebig abgehandelten “Argument” der nicht angemessenen Versicherungspflicht. Wie ist das bitte noch mal bei großen Industrieanlagen
    http://www.focus.de/…et-sich-aus_aid_560024.html
    oder Wasserkraftbetreibern mit Staumauern ?

  97. Jochen Bäumer

    Aua, da hat sich aber jemand selbst ins Knie geschossen:
    Aus der verlinkten Quelle:
    Fossil-fuel consumers worldwide received about six times more government subsidies than were given to the renewable-energy industry, according to the chief adviser to oil-importing nations.
    Hier werden also die weltweiten Ausgaben der Staaten für Konsumenten zum Erwerb fossiler Kraftstoffe, also Sozialausgaben zur Vermeidung von Energiearmut verglichen mit den direkten Subventionen für die EE-Industrie. Mal abgesehen davon, dass das für Deutschland aufgrund der Besteuerung für Mineralöle ganz sicher nicht zutrifft und es einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen Ausgaben infolge von Sozialprogrammen und direkter Subvention lassen die Zahlen auch nicht gerade eine Benachteiligung der EE-Förderung erkennen: 409 Mrd. Konsumentenunterstützung für fossile, 66 Mrd. für EE, bei einem Beitrag der EE von ca. 13 % am weltweiten Energiebedarf (2,3 Wasserkraft, 10 % Biomasse und Abfall, 0,8 % andere) entsprechen die 66 Mrd. fast exakt diesem Anteil.
    Bevor man solches hier schreibt
    „Bevor Sie sich aber künstlich aufregen, sollten Sie Ihre wahrheitswidrigen Behauptungen zurücknehmen…Mich regt übrigens auf, dass die Befürworter der Kernenergie oft entweder keine Ahnung haben, wovon sie reden oder aber bewusst die Wahrheit verzerren.“
    sollte man Zahlen auch interpretieren können.

    Und dann kommen Sie als Beleg für Subventionen für deutsche Kernkraftbetreiber mit dem hier bereits ausgiebig abgehandelten „Argument“ der nicht angemessenen Versicherungspflicht. Wie ist das bitte noch mal bei großen Industrieanlagen
    http://www.focus.de/…et-sich-aus_aid_560024.html
    oder Wasserkraftbetreibern mit Staumauern ?

  98. @Mona

    Was Sie zur Durchführung der Evakuiierung anmerken, trifft zu. Auch der Bericht der Untersuchungskommissoin des japanischen Parlaments geht auf diese Evakuierung ein (Seite 19 ff):

    Die Bewohner wurden weder informiert noch vorbereitet. Die bekamen keine klaren Instruktionen und hatten keoine Zeit, Sachen zu packen. Viele wurden in Gebiete erhöhter Strahlenbelastung gebracht oder mehrfach hin- und hertransportiert, ohne dass ihnen gesagt wurde, warum und für wie lange. Manche wurden in einem geboiet höherer Belastung abgesetzt und dann dort wochenlang sich selbst überlassen. Allein durch diese Vorgehensweise kam es zu Todesfällen.

    Die Regierung legte offenbar einseitig igendwelche Grenzwerte fest, erklärte die Enstcheidung aber niemandem und half auch den Betroffenen nicht weiter. Auf individuelle Risikofaktoren oder besondere Umstände wie Schwangere, Kinder, Jugendliche oder aus anderen Gründen besonders Gefährdete wurde nicht eingegangen.

    Das steht da so drin. Die Betroffenen hatten gerade eine der schwersten Naturkatastrophen des Landes seit Kriegsende mit mehr als 25,000 Todesopfern hautnah miterlebt. Dann kommt da noch diese Behandlung obendrauf. Irgednwann ist der Punkt erreicht, wo die Psyche überfordert ist.

    Zusätzlich zur Studie des UNSCEAR (United Nations Scientific Council on the Effects of Radiation), der bereits angesprochen wurde, hat auch die Weltgesunheitsorganisatoin im März 2012 eine Studie zu den radiologischen Folgen des Unglücks in Fukushima veröffentlicht, den man hier herunterladen kann.

  99. Belegbare Aussagen

    @Jochen

    Sie sind ja wirklich putzig. Vielleicht sollte ich in meinem nächsten paper auch mal reinschreiben: “Diese Behauptung muss ich hier jetzt nicht belegen, denn jeder den es interessiert, kann sich ja dazu belesen”.

    In diesem Sinne werd ich das jetzt mal einfach machen und darauf hinweisen, dass Sie ja nur lesen müssen (nämlich den vorigen Kommentar von Herrn Hoffmeister) um zu sehen, dass Ihre Argumente Unsinn sind.

    Eine Frage: Sie schreiben, dass die “Befürworter der Kernenergie oft entweder keine Ahnung haben, wovon sie reden oder aber bewusst die Wahrheit verzerren.”

    Ich bin durchaus recht positiv auf Kernkraft eingestellt (also ein Kernkraftbefürworter) da ich in dieser Branche seit mehr als 14 Jahren arbeite und hier, nicht nur durch mein Studium, eine gewisse Fachkenntniss habe. Aber, wie Sie völlig richtig schreiben, von vielen Dingen habe ich wirklich keine Ahnung: Zinsentwicklungen, Benzinherstellung, Herz-OP’s uvm. Aber dazu äußere ich mich denn auch nicht oder nur sehr verhalten.

    Wozu ich mich aber äußere, das ist die Kerntechnik und die zugehörigen Themengebiete – eben weil ich hier Ahnung habe. Meine Frage an Sie: inwiefern sind Sie befähigt, hier derart den Mund aufzumachen und solche Anschuldigungen vorzubringen? Nicht falsch verstehen, aber ich würde mich hüten, einem Arzt zu erklären, dass er Unsinn macht wenn er grad einen Patienten auf dem Tisch hat.

    Aber bei Themen wie Kernkraft scheint jeder ein Experte zu sein nur weil er mal Steine auf einen CASTOR-Transport geworfen hat. Nur die, die wirklich jeden Tag auf diesem Gebiet arbeiten, dürfen ihre Meinung nicht sagen.

  100. @F. Ulbricht: Nachtrag

    Ich habe noch einmal nachgeschaut, in der bisher publizierten Information zum Hergang des Unglücks und auch im Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission des japanischen Parlaments (Seite 12ff). Block 1 war definitiv nicht mit einem RCIC (dampfgestriebene Notspeisewasserpumpe) ausgerüstet.

    Bei Blöcken 2 und 3 wurde das RCIC bereits vor dem Eintreffen des Tsunami und nach Verlust der externen Wechselstromversorgung infolge des Erdbebens (und natürlich nach der Reaktorschnellabschaltung) aktiviert. Das RCIC bei Block 2 funktionierte bis zum 14.3. um 13:25. Ab 17:00 am 14.3 begann der Reaktorkern aufgrund des Ausfalls der Wassereinspeisung trocken zu fallen, ab 19:24 stellten sich Überhitzungsschäden ein, ab 18:254 wurde mit der Einspeisung von Meerwasser begonnen. Dass das RCIC von Block 2 immerhin fast 3 Tage lang betrieben werden konnte, wird weiter im Artikel als ausgesprochen hilfreich bewertet.

    Bei Block 3 endete der RCIC-Betrieb bereits am 12.3 um 11:36, nach weniger als einem Tag Betrieb. HPCI (Hochdruckkühlmitteleinspeisung) begann eine Stunde später (Warum erst dann?), endete aber schon am 13.3 um 2:42. Am 13.3 ab 9:10 begann der Kern in Block 3 frei zu liegen, ab 10:40 stellten sich Überhitzungsschäden ein.

    Bei Block 1 jedoch war nur ein IC (Isolationskondensator) installiert. Dort begann der Reaktorkern schon ab 18:10 am 11.3. frei zu liegen (!), ab 18:50 erste Überhitzungsschäden. Block 1 war auch der erste, bei dem eien Wasserstoffexplosiion auftrat, und zwar a, 12.3. um 15:36.

  101. JanG

    „Nur die, die wirklich jeden Tag auf diesem Gebiet arbeiten, dürfen ihre Meinung nicht sagen.“
    Das müssen Sie aber verstehen JanG, dass Ihre Meinung in den Augen der selbsternannten Experten nicht viel zählt, schließlich sind sie ja befangen, weil Menschen die von Kerntechnik hier in Deutschland noch Ahnung haben von den bösen Energiemultis geschmiert sein müssen. Sarkasmus aus.
    Aber so ist es: Inhalt und Kenntnisse spielen in den emotionalen Debatten um Technologien oder Großprojekte in Deutschland keine Rolle mehr. Man muss sich nur mal die Kommentare zu Artikeln in den großen Magazinen anscheuen. Da wird einem übel, wie viel Unsinn da im Schutze der Anonymität des Internets behauptet wird.
    Im Zusammenhang mit den ausgehenden Fachleuten auf dem Gebiet der Kerntechnik (wer wird schon auf einem in D todgeweihten Gebiet studieren?) kann ich mich amüsieren über die logischen Volten mancher Zeitgenossen zur Kausalität. Nicht selten hört man ja das Argument, dass Kerntechnik in D ja schon deswegen keine Zukunft hat, weil irgendwann die Fachleute fehlen. Dann wird`s erst richtig gefährlich, wenn die verbliebenen „Experten“ ein AKW runterfahren oder demontieren sollen.

  102. @JanG

    Angesichts der Tatsache, dass Entscheidungen von nationaler Tragweite und immenser wirtschaftlicher und politischer Bedeutung wie die zum Ausstieg aus der Kernenergie hierzulande offensichtlich auf Ebene einer Regierungspartei im Handstreich gefällt werden, ohne irgendeine Vorbereitung und ohne vorbereitende Konsultation mit Fachgremien, erscheint es mir fast schon vollkommen egal, ob man über Fachwissen und Hintergrundinformationen verfügt oder nicht.

  103. @Michael Khan

    “erscheint es mir fast schon vollkommen egal, ob man über Fachwissen und Hintergrundinformationen verfügt oder nicht.”

    Das trifft leider auch auf manche Befürworter der Kernenergie zu. Für einen Reaktorunfall, wie in Fukushima, gibt es mit Sicherheit auch keine simplen Lösungen. Darum nervt es mich etwas, wenn hier jemand, nach Stammtischmanier, solche zu haben glaubt. Und natürlich muss auch “Auf individuelle Risikofaktoren oder besondere Umstände wie Schwangere, Kinder, Jugendliche oder aus anderen Gründen besonders Gefährdete” eingegangen werden. Diese Personen können nicht den gleichen Strahlendosen ausgesetzt werden, die für “jede beruflich mit Strahlen und radioaktiven Stoffen hantierende Person” gilt.

    Egal auf welcher Seite man steht, man darf die gemachten Fehler nicht kleinreden, sondern man muss sie aufdecken, um sie entweder auszubügeln oder falls das nicht mehr möglich ist, daraus zu lernen.

    Glaubenskriege bringen uns m.E. nicht weiter, wir leben alle auf der einen Welt und sollten sorgsam mit ihr umgehen. Gänzlich ungefährlich ist leider keine Art der Energiegewinnung, selbst Windräder sind für manche Tiere schädlich:
    http://derstandard.at/…-Gaeste-aus-Nordosteuropa

  104. @Mona

    Das trifft leider auch auf manche Befürworter der Kernenergie zu.

    Ja, natürlich. Überall gibt es Leute, die keine Ahnung haben, wovon sie reden, es aber trotzdem lautstark tun. Es ist aber immer noch ein unterschied, in welchem Kontext das geschieht. Wenn ich mich jetzt beispielsweise uninformiert, aber dediziert, zu irgendeinem Thema äußere, dann ist das schlimmstenfalls ein Ärgernis, mehr nicht.

    Wenn aber auf höchster Ebene einfach mal so im Handstreich weitreichende Entscheidungen gefällt werden, ohne dass dieser Entscheidung eine Analyse von Fachleuten vorausgeht, dann hat das eine ganz andere Qualität.

    Abgesehen davon wehre ich mich auch gegen eine vorschnelle Einteilung in Gegner und Befürworter. Wenn man sich gegen vollkommen faktenfreie Behauptungen zu einem kerntechnischen Thema ausspricht, dann kriegt man gleich gesagt “Aha, du bist ja ein Kernenergiebefürworter.”, wobei das nur zu oft auch gleich impliziert, dass alles, was man sagt, interessengeleitet sein muss und nicht ernstgenommen werden sollte.

    Auch wenn man erst einmal gar nichts Anderes wollte, als nur zu sagen, dass die eine oder andere Behauptung objektiv gesehen nicht zutrifft.

    Selbst wenn jemand nicht grundsätzlich die Kernenergienutzung ablehnt, kann er dazu immer noch eine sehr differenzierte Meinung haben, beispielsweise indem er gewisse Reatorauweisen für vertretbar hält, anere aber für grundsätzlich problematisch. Oder man kann zwar prinzipiell die Kernenergie für vertretbar halten, den fortgesetzten Einsatz der alten Reaktoren aus den späten Siebzigern oder davor ablehnen.

    Und dann ist es auch so, dass man, nur weil man davon ausgeht, dass eine Technik genutzt werden wird, nicht grundsätzlich dafär oder dagegen sein wird. Ich f&aum;nde es beispielsweise unrealistisch, würde man so tun, als kämen in Zukunft nicht massiv neue Wasserkraftwerke. Natürlich kommen die. Einige sind ja schon im Bau.

    Auch bei der Fusionstechnik ist es so, dass ich mir anschauen kann, welche Fortschritte gemacht wurden, dann mit Leuten reden, die sich auskennen, und die fragen, ob sie Show-Stopper sehen. Wenn die sagen, dass sie noch erheblichen Entwicklungsbedarf sehen, aber keinen echten Hinderungsgrund, kann ich davon ausgehen, dass die technik zur Einsatzreife gebracht wird und auch eingesetzt werden wird. Das ist aber erst einmal nur eine Einschätzung, die unabhängig davon ist, was man selbst befürwortet.

  105. Kernenergie ist unbedeutend

    Mit meiner Aussage zu Ahnung oder Ehrlichkeit meinte ich im Wesentlichen, dass Befürworter der Kernenergie diese unwissentlich oder auch wissentlich völlig überschätzen.

    Nur wenig mehr als 10% des Stromes weltweit und damit ca. 2% der Nutzenergie werden heute von dieser Energiequelle bereitgestellt. Und das wird in Zukunft sogar noch weniger werden.

    Damit sollte es eigentlich jedem klar sein, dass Kernenergie für die weltweite Energieversorgung praktisch keine Rolle spielt. Wer das nicht weiß, sollte sich aus solchen Diskussionen besser heraushalten, ob er nun in dem Bereich arbeitet oder nicht. Ein gewisses Mindestmaß an Information sollte man schon haben und diese auch richtig einordnen können.

  106. @Bäumer: Kernenergie (noch) unbedeutend

    Wenn sich die Nukleartechnik im bekannten Rhythmus weiterentwickelt wird sie tatsächlich unbedeutend bleiben.

    Potentiell könnten aber neue Formen ohne weiteres die ganze Menschheit mit genügend Strom versorgen.

    Es gibt einige Persönlichkeiten, die von nuklearen Lösungen als Ersatz für fossile Brenn-und Treibstoffe überzeugt sind.
    Jeffry Sachs sagt in: Nuclear power is only solution to climate change, says Jeffrey Sachs
    dazu:
    “: “Emissions per unit of energy need to fall by a factor of six. That means electrifying everything that can be electrified and then making electricity largely carbon-free. It requires renewable energy, nuclear and carbon capture and storage – these are all very big challenges. We need to understand the scale of the challenge.”

    Der Vater der Klimawissenschaft James Hansen ist ebenfalls überzeugt, dass es eine neue Generation von Kernkraftwerken bedarf. Mehr dazu hier

  107. @ Jochen Bäumer

    Nur wenig mehr als 23 Tonnen des Metalls Rhdoiums weltweit (vgl. Eisen 572 Mt Eisen) werden heute von dieser Metallquelle bereitgestellt. Und das wird in Zukunft sogar noch ? werden. Die Gewinnung von Rhodium im Vergleich zur Metallgewinnung weltweit ist unbedeutend und trotzdem – versteht man den Kontext – wird es gewonnen.
    Damit sollte es eigentlich jedem klar sein, dass Rhodium für die weltweite Metallversorgung praktisch keine Rolle spielt aber trotzdem wichtig ist.
    Lieber Jochen Bäumer,
    Mein obiges Bsp. verdeutlicht das man schon etwas mehr Ahnung haben sollte als nur ein paar Zahlen aufzuzählen.
    Ich kann in ihren Aussagen kein Mindestmaß an Information finden und deshalb sollten sie nicht versuchen aus ihren Zahlen auch nur ansatzweise etwas richtig einzuordnen.

  108. Jochen Bäumer

    Abgesehen von der Einordnung, wenn denn mal wenigstens die zitierten Prognosen stimmten:
    In the power sector, nuclear generation grows by about 70%, led by China, Korea and India.
    Zitat aus einem weiterführenden link, den Herr Bäumer hier eingestellt hat.
    http://www.worldenergyoutlook.org/…actsheets.pdf

  109. Ein Vergleich, der nicht hinkt, …

    … ist keiner.

    @pfiffig

    Was wollen Sie eigentlich mit Ihrer ein wenig fantasielosen Analogie beweisen?

    Dass Sie auch keine Ahnung haben?

    Ihr Vergleich ist überhaupt keiner, den die Grundlagen sind so verschieden, dass man hier überhauprt keinen Vergleich ziehen kann.

    Kernenergie wird seit über 60 Jahren massivst gefördert und befindet sich dennoch auf dem absteigenden Ast. Heute ist nicht einmal 1/6 dessen an KKWs in Betrieb, das laut Prognosen aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hätte realisiert werden sollen.

    Schon heute ist es unausweichlich, dass in 10 bis 15 Jahren wiederum weniger nukleare Kapazität am Netz sein wird als heute, siehe z. B. hier.

    oder hier.

    Es lässt sich also feststellen, dass die Befürworter der Kernenergie den Kopf im Sand stecken haben und die Realität nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

    Kernenergie ist auf dem absteigenden Ast und es spricht nichts dafür, dass sich das jemals wieder ändern wird.

  110. Netter Versuch – leider daneben

    @torben hoffmeister,

    “Zitat aus einem weiterführenden link, den Herr Bäumer hier eingestellt hat.”
    reagieren Sie immer so, wenn Ihnen die Argumente ausgehen?

    Ich habe keineswegs diesen Link eingestellt. Und wenn, dann hätte ich auf die Unsinnigkeit der behaupteten Zahlen hingewiesen.

    Um bis 2035 eine gegenüber heute um 70% höhere nukleare Kapazität zu erreichen, müsste man bis dahin rund 500 KKWs neu bauen, also fast 20 pro Jahr. Das ist Traumtänzerei, denn es spricht nichts, aber auch gar nichts dafür, dass das passieren wird.

    Es wäre sicher angebracht, wenn Sie etwas kritischer mit Quellen umgehen würden und nicht unbesehen alles das glauben, was Sie glauben möchten, weil es Ihren Wunschvorstellungen entspricht. Nur, weil man wünscht, dass etwas wahr wird, wird es noch lange nicht wahr.

  111. Auch ein Hansen kann irren

    @Martin Holzherr

    “Der Vater der Klimawissenschaft James Hansen ist ebenfalls überzeugt, dass es eine neue Generation von Kernkraftwerken bedarf.”

    Eigentlich halte ich sehr viel von Hansen, aber in diesem Punkt kann ich ihm niciht folgen, zumal er die Fakten dabei nicht auf seiner Seite hat.

    Möglicherweise nur eine taktische Äußerung um nicht allzu viele Leute, die irrtümlich an der Kernenergie festhalten, aber auf deren weitere Unterstützung er angewiesen ist, nicht zu verprellen.

    Auf jeden Fall ist Hansen einer von GANZ WENIGEN anerkannten Wissenschaftlern, die diese Position einnehmen und die Faktern sprechen gegen ihn.

  112. GAU = größter ANZUNEHMENDER Unfall

    @Dr. Webbaer

    “Ob und wie man Kernschmelzen (“GAU”) gesellschaftlich aushalten kann …”

    Ihre Definition von GAU entspricht leider nicht den Tatsachen. Der GAU ist ein Ereignis, das in der Fantasie der Kernkraftingenieure gerade noch vorkommt, aber beherrschbar ist. Darüber hinaus wagen sie nicht zu denken.

    Was in Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima, beinahe in Forsmark und in x anderen Anlagen, die unter der Decke gehalten werden konnten, passiert ist, war ein SUPER-GAU.

    Das ist auch das Erschreckende an den Kernkraftbefürwortern, dass sie katastrophale Ereignisse in KKWs schon per definitionem ausschließen, als wenn sich die Wirklichkeit nach ihren Wünschen richten würde.

    Wir müssen uns jedenfalls in den nächsten Jahren darauf einstellen, dass die Anzahl schwerer und schwersten Pannen in KKWs deutlich ansteigen wird, da das Durchschnittsalter der Anlagen immer mehr zunimmt und damit auch deren Störanfälligkeit.

    Krümmel und Co. lassen grüßen.

  113. @Bäumler

    Jochen Bäumler,
    das sie dies nicht verstehen hätte mir eigentlich klar sein müssen, aber ein Versuch schadet ja nicht.
    Im übrigen sind 10% Atomstrom eine ganze Menge. Wenn man dann noch bedenkt, dass es Zukunftsprognosen gibt die von einer weiteren Zunahme des Strombedarfs sprechen dann muss man sich schon fragen woher der bezahlbare Strom kommen wird.
    Im Gegensatz zu ihnen habe ich keine ideologische Ablehnung gegenüber Kernkraft – und bin neuen Energie-erzeugungsmöglichkeiten sehr offen gegenüber eingestellt.
    Doch selbst die vernünftigen Studien bringen mich schon etwas zum nachdenken – vorallem wenn man auch liest von welchen Kostensenkungen und Effektivitätssteigerungen da für PV-Anlagen und WKAs sowie der Speicherung ausgegangen wird. Wenn man dann noch weis das die meisten Annahmen noch nicht einmal das Blatt Papier auf dem sie skizziert wurden verlassen haben dann fragt man sich schon wer technikgläubig ist. Die Realisten die wie Michael Kahn so schnell nach dem Duschen eine Überschlagsrechnung über ein Verdunstungskraftwerk machen können oder sie der ausser Beleidigungen und häufig falschen Angaben nicht viel zur Diskussion beiträgt.
    In diesem Sinne
    Einen schönen sonnenreichen Freitag noch.

  114. @Jochen Bäumer: Nuclear Research active

    Ohne ANERKANNTE WISSENSCHAFTLER, die an die Zukunft der Kernenergie glauben, gäbe es gar keine Forschung auf diesem Gebiet.

    Hier ein paar Web-Sites und Dokumente, die sich dieser Forschung widmen zusammen mit Begründungen ihrer Position:

    The Future of Nuclear Power
    Zitat: “An interdisciplinary MIT faculty group decided to study the future of nuclear power because of a belief that this technology is an important option for the United States and the world to meet future energy needs without emitting carbon dioxide and other atmospheric pollutants.”


    Zitat: “To achieve energy security and greenhouse gas (GHG) emission reduction objectives, the United States must develop and deploy clean, affordable, domestic energy sources as quickly as possible. Nuclear power will continue to be a key component of a portfolio of technologies that meets our energy goals.”

    China Nuclear Power Technology Research Institute
    Hier geht es mehr um kommerzielle Reaktoren in China
    Zitat: “China Guangdong Nuclear Power Group (CGNPG) is committed itself to the development of China’s nuclear power.”

    Es gibt allein schon dutzende von Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Generation 4 systems

    Renewables vs. Nuclear
    Ein Grund, warum Nukleartechnik in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen könnte, ist für mich die offensichtlich fehlende Bereitschaft der meisten Länder, Erneuerbare Energien nicht nur zu fördern, sondern ihr Energiesystem neu auf Erneuerbare Energien zu orientieren. Und das macht transnationale Kooperation nötig. Doch in den meisten Köpfen steckt immer noch die Idee der autarken Energieversorgung. Die kann aber nicht funktionieren, oder mindestens nicht so funktionieren, dass kostengünstiger Strom resultiert.

    Die europäischen Länder haben zwar ein überzeugendes Projekt, die roadmap 2050, aber beim heutigen Zustand der EU sehe ich nicht allzu grosse Realisationschancen. Sogar das Executive Summary (oben verlinkt) erwähnt am Schluss sogar explizit, dass das Projekt nur bei guter Kooperation der Länder funktionieren kann. Offensichtlich bezweifeln also sogar diejenigen, die das Projekt ausgearbeitet haben, das es unter heutigen Umständen ohne weiteres “funkt”.

    Andererseits gibt es vielversprechende Projekte für zukünftige nukleare Reaktoren, z.B. den LFTR. China will bis 2015 einen Demo-Reaktor am Laufen haben.

    Es stimmt natürlich, dass heute vor allem Asien (China und Indien) im Bereich neue Reaktoren, Brutreaktoren forscht. Doch genau das ist für mich ein weiterer Grund warum es eine neue Reaktorgeneration geben könnte. Denn in Asien wächst auch der Energiebedarf am stärksten und Asien will technisch führend werden. Der China-LFTR soll beispielsweise in lauter chinesischen Intellectual Property rights resultieren.

    Es ist auch kein Zufall, dass auch Jeffrey Sachs die “Ernsthaftigkeit” der EE-Projekte bezweifelt. (Zitat):“Sachs warned that “nice projects” around the world involving renewable power or energy efficiency would not be enough to stave off the catastrophic effects of global warming”

  115. 10% und fallend

    @pfiffig,

    “Im übrigen sind 10% Atomstrom eine ganze Menge.”

    Hm, es waren aber schon einmal 17%, immerhin damals rund 3,5% der Weltnutzenergieversorgung. In Kürze werden es unter 10% sein und laufend weiter fallend.

    “Wenn man dann noch bedenkt, dass es Zukunftsprognosen gibt die von einer weiteren Zunahme des Strombedarfs sprechen dann muss man sich schon fragen woher der bezahlbare Strom kommen wird.”

    Zweifellos wird der Stromverbrauch in der Zukunft steigen, da der Strom aber auch bezahlbar sein soll, wird es dann kein Atomstrom mehr sein, denn neue KKWs sind wirtschaftlich nicht mehr konkurrenzfähig. Kein privater Investor wagt es mehr, auf Kernenergie zu setzen. Ohne staatliche und stattliche Garantien wird nirgendwo auf der Welt ein KKW gebaut und viele ehemals geplante Bauten sind inzwischen wieder eingestampft worden. Siehe meinen Links zum World Nuclear Industry Status Report, der eine objektive Beschreibung der gegenwärtigen Situation darstellt.

    Das hat mit Ideologie nichts zu tun, ich nehme einfach nur die Fakten zur Kenntnis und schwelge nicht in Wunschdenken wie diejenigen, die immer noch meinen, Kernenergie könnte eine Zukunft haben.

  116. Laserfusion plant Ende 2012 ignition

    Hier noch eine Meldung zu Forschritten in der Fusionsforschung: National Ignition Facility makes history with record 500 terawatt shot

    Mit NIF wird der sogenannte indirect drive-Ansatz erprobt. 192 Laserstrahlen fokussieren auf die Goldwand, welche das Target umgibt und lösen dort starke Röntgenstrahlung aus, die dann ein kleines Brennstoffkügelchen zur Fusion bringen sollen.

    Dieses Ziel, die “Ignition”, das heisst, der selbständig einsetzende Fusionsprozess nach dem initialen Kompressions- und Erhitzungsschuss, soll Ende 2012 erreicht werden.
    Das wäre dann ein proof of concept, denn das NIF ist nur eine Forschungseinrichtung und ihre Laser schiessen höchsten ein paar wenige Mal pro Tag, während ein richtiger Fusionsreaktor basierend auf dem hier verwendeten Prinzip einen Laser haben müsste, der 10 Mal pro Sekunde feuert.

  117. Energieträger

    An dem jetzt hier einreißenden “Gar nicht wahr, selber doof” und “Wer das nicht weiß, soll die Klappe halten”, beteilige ich mich nicht. Wer das braucht, findet es in anderen Kommentaren. Ohnehin wird wohl mittlerweile jeder sich selbst ein Bild davon gemacht haben, wer belastbare Daten und Argumente liefert und wer nicht.

    Es hat wenig Aussagekraft, wenn man versucht, Kernenergie wegzudiskutieren. Was soll das bringen? Wenn die Diskussion beendet ist, ist die Situation immer noch so, wie sie ist.

    Ich versuche mal, einige nachprüfbare Fakten zusammenzufassen. Wenn die Daten falsch sind, möge man sie korrigieren. Etwaige eingestreute Beleidigungen oder Spekulationen über meinen Intelligenzquotienten machen die Antworten aber nur unnötig länger.

    1.) Der weltweite Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung weltweit liegt bei zwischen 10-13%.
    2.) Die Stromproduktion weltweit wird zu etwa zwei Dritteln mit Kraftwerken gedeckt, die fossile Brennstoffe verbrauchen. Allein die Kohleverstromung trägt aktuell ca. 45% zur weltweiten Stromerzeugung bei.
    3.) Wasserkraft trägt mehr als 16% zur weltweiten Stromerzeugung bei.
    4.) Wasserkraft ist der mit weitem Abstand überwiegende Beitrag der EE zur Stromproduktion. Von den anderen EE ist bei der Stromerzeugung noch Biomasse von Relevanz.

    Das beschreibt die generelle Situation weltweit.

    Jetzt die aktuelle Situation beim Zubau von Kernkraftwerken.

    1.) In Europa finden kaum Neubauten statt, da in Zukunft Anlagen vom Netz gehen, wird die bedeutung der Kernenergie abnehmen. Einzelne europäische Nationen steigen komplett aus der Kernenergie aus, die wirtschaftlich wichtigste darunter ist Deutschland.
    2.) Kernenergie wird in einigen etablierten Industrienationen in absehbarer Zeit eine wichtige Rolle spielen, denn selbst ohne Neubauten ist der Anteil der Kernenergie dort so hoch, dass die Bedeutung zwangsläufig vorerst auf hohem Niveau bleiben wird. Dazu gehören Frankreich und die USA. Die Situation in japan ist unklar. Ich vermute, dass dort weitere Anlagen ans Netz gehen werden, nachdem unlängst die Blöcke 3 und 4 im Komplex Ohi wieder in betrieb genommen wurden.
    3.) Soviel zu den etablierten Industrienationen. Schaut man sich die vier großen Nationen des “BRIC”-Blocks an, die in absehbarer Zukunft ganz oben in der Weltwirtschaft mitspielen werden, dann erfolgt in drei davon ein erheblicher Neubau von Kernkraftwerken. In China befinden sich 27 Reaktoren im Bau, geplant sind weitere 50. Momentan in Betrieb sind 15. Indien hat 20 Blöcke in Betrieb und baut weitere 7. Russland hat eine Menge Reaktoren in Betrieb, von denen einige steinalt sind und diverse keinerlei modernen Standards genügen. Die jetzt in Bau befindlichen 6 Anlagen sind allesamt große Druckwasserreaktoren. Einzig Brasilien ist anders, dort setzt man auf Wasserkraft und, mehr als anderswo, auf Energiepflanzen.
    4.) Südkorea hat 23 Reaktoren in Betrieb, bis zu 11 neuer Einheiten werden ans Netz gehen, davon sind einige bereits im Bau.

    Soweit eigentlich nur eine Aufzählung von Fakten, mit allenfalls ein wenig Spekulation bezüglich Japan. Es ist schon einmal bedeutsam, dass drei von vier der kommenden Wirtschaftsriesen auf einen Ausbau der Kernenergie setzen. Ich halte es für nicht unplausibel, dass die danach kommenden Schwellenländer Vietnam, Indonesien, Türkei, Südafrika udn Argentinien einen &aumlhnlichen Weg verfolgen, wobei auch da jeweils die Ausgangsbedingungen unterschiedlich sind.

    Nun einige Thesen zur Entwicklung der Stromerzeugung.

    1.) Der weltweite Stromverbrauch wird weltweit wachsen. Selbst wenn die Effizienz gesteigert wird, wird dies durch drei Faktoren mehr als aufgewogen: a.) das starke Wirtschaftswachstum in Schwellenländern und den ungebrochen steigenden Bedarf an Strom für die industrielle Produktion, b.) die steigenden Ansprüche der Bevökerung in den sich industrialisierenden Ländern und c.) die steigende Bedeutung der Elektrizität in Sektoren, bei denen sie vorher kaum vetreten war, beispielsweise im Straßentransportwesen und Individualverkehr (elektrische Autos und Lastwagen)
    2.) Die absolute Menge an fossilen Energieträgern muss gesenkt werden. Das bedeutet eine umso stäkere Senkung ihres prozentualen Anteils an der Stromerzeugung.
    3.) Andere Energiequellen müssen daher überproportional und geradezu dramatisch wachsen, um nicht nur den steigenden Verbrauch zu decken, sondern zudem auch noch den den Anteil der wegfallenden fossilen Primäenergie zu übernehmen.

    Da sehe ich jetzt nicht gar so viele realistische Szenarien, wie dies gehandhabt werden könnte.

    1.) Fossile Energieträger verlieren nicht an Bedeutung, sondern nehmen sogar noch zu. Ist das wünschenswert?
    2.) Der Energiebedarf der aufstrebenden Nationen wird nicht gedeckt. Ich glaube kaum, dass die betreffenden Nationen es dazu kommen lassen werden.
    3.) Der Anteil der EE muss weiter steigen. EE ist momentan weitgehend synonym mit Wasserkraft und Biomasse. Wasserkraft wird momentan erheblich ausgebaut, besonders in China, Indien und Brasilien. Aber es gibt natürliche Grenzen des Potenzials. Auch das Potenzial des Energiepflanzenanbaus ist natürlich limitiert.
    4.) Die Frage ist somit, ob das Potenzial von EE ausreicht, um nicht nur den steigenden Bedarf zu befriedigen, sondern auch die Kohleverstromung abzulösen – innerhalb der nächsten 20 oder 30 Jahre?
    5.) Falls nicht, bieten sich eigentlich nur die Fusionstechnik und der Bau neuer Kernkraftwerke an. Es gibt keine Indizien dafür, dass die Fusionstechnik gar nicht machbar sein wird, aber es rechnet auch niemand ernsthaft mit ihrer baldigen Einführung.

    Jetzt kann jeder seinen eigenen Schluss ziehen.

  118. “GAU” vs. Atomtest / Atombombe

    Sup!

    Mal an die Fachleute gefragt:
    Wie kann man einen “GAU” oder “Super-GAU” von der Strahlenbelastung her mit einem Atombombentest oder einer Atombombe vergleichen? Wie mit einer sogenannten schmutzigen Bombe?

    MFG
    Dr. Webbaer

  119. Generation IV

    @Martin Holzherr

    wenn ich das richtig sehe, befindet sich die Forschung der G IV noch ziemlich in den Anfängen und funktionierende, kommerziell arbeitende Reaktoren sind in den nächsgten 10 bis 15 Jahren eher nicht zu erwarten.

    Sie müssen also mit den weiter sich verbilligender EE konkurrieren. Bleibt abzuwarten, wer da die Aufbau der G IV, dass die jetzigen KKWs in den nächsten 20 bis 40 Jahren komplett von der Bildfläche verschwinden werden, eine nukleare Kapazität müsste also komplett neu aufgebaut werden. Ob sich das finanzieren ließe, wage ich zu bezweifeln. Aber warten wir’s ruhig ab, ist ja nicht mehr so lange hin.

  120. @Jochen Bäumer: Zukunft Kohle in Indien

    Zuerst einmal werden in den nächsten 10 Jahren die fossilen Energien weiterhin absolut mehr zugebaut werden als die
    Indien plant seine Ultra Mega Power Plants – gigantische Kohlekraftwerke. Indien wird im Jahre 2030 sehr wahrscheinlich 3.5 Gigatonnen CO2 ausstossen.

    Doch es gibt auch Hoffnung für die Erneuerbaren. Die folgenden Slides der Internationalen Energieagentur projizieren im New Policies Scenario, in Figure 5.11: Global installed power generation capacity and additions
    by technology in the New Policies Scenario, dass 2035 fast die Hälfte der neu zugebauten Kapaität von den Ernuerbaren kommen wird.

    Dass nukleare Energie wieder eine stärkere Bedeutung erhalten wird ist mit den gegenwärtigen Reaktoren tatsächlich unwahrscheinlich. Es muss schon etwas viel besseres angeboten werden. So unwahrscheinlich ist aber ein Durchbruch nicht. Falls China Erfolg hat mit dem Liquid Fluorid Thorium Reactor (auch ein 4.Gen-Reaktor), könnte sich die Situation schnell ändern, denn solche Reaktoren begnügen sich mit dem bestehend Leitungsnetz und sind für die Grundlast ausgelegt.

    Damit sich die Erneuerbaren auf breiter Ebene durchsetzen können braucht es entweder einen sehr grossräumigen Netzverbund oder aber billige Speicher.

    Das zweite liegt genau so in den Sternen wie der Durchbruch eines 4.Generationsreaktors.

  121. Im Wesentlichen Zustimmung

    @Michael Khan

    Ich stimme fats allen Ihrer Aussagen zu, bis auf diese Ausnahmen:

    “Kernenergie wird in einigen etablierten Industrienationen in absehbarer Zeit eine wichtige Rolle spielen, denn selbst ohne Neubauten ist der Anteil der Kernenergie dort so hoch, dass die Bedeutung zwangsläufig vorerst auf hohem Niveau bleiben wird. Dazu gehören Frankreich und die USA.”

    USA hat einen Antel von ca. 20% KKWs an der Stromerzeugung, Tendenz sinkend, da Flotte überaltert und Neubauten praktisch nciht in Sicht.

    In Frankreich wird der Anteil ebenfalls sinken aus dem gleichen Grunde wie in den USA. Neubauten wird es kaum geben.

    Auch China hat ein vergleichsweise bescheidenes Ausbauprogramm. Aktuell werden 1,8% des Strom nuklear erzeugt. Voreinem Jahr lag der Anteil noch bei 1,9%, obwohl es damals 2 Reaktoren weniger waren. Selbst 2020 wird der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung 5% nicht übersteigen.

    Süd Korea hat nicht 11 sondern nur noch 9 Reaktoren in spe (3 im Bau, 6 in Planung), also ebenfalls eher bescheiden als ehrgeizig.

    Quelle: http://www.world-nuclear.org/info/reactors.html

    Und bis dahin kann noch viel passieren, was selbst diese Ausbaupläne in Frage stellt. Auch Fujushima ist an China nicht spurlos vorrübergegangen.

    Fünf Länder, die noch als in der Planung befindlich aufgelistet werden, siond bereits wieder ausgestiegen, also noch vor dem Einstieg:

    “Newcomer Program Cancellations. At least five countries have decided not to engage or reengage in nuclear programs, although they had previously planned to do so: Egypt, Italy, Jordan, Kuwait, and Thailand.”
    http://www.worldnuclearreport.org/…ort-EN-V2.pdf

    Die weiteren Aussichten der Kernenergie sind also alles andere als rosig.

    Ich denke, wir werden in Zukunft sehr viel mehr negative Meldungen über den weiteren “Ausbau” (der in Wirklichkeit ja schon gar nicht mehr stattfindet) hören, als dass Erfolgsmeldungen zu verzeichnen sein werden.

  122. MIT antiquiert

    @Martin Holzherr

    ich fürchte, Ihr Link zum MIT ist nicht mehr ganz up-to-date. Über folgende Aussage ist die Wirklichkeit inzwischen total hinweggegangen:

    “First, we do not anticipate any nuclear power deployment in the least developed countries. Second, the developed nations remain the locus for a major part of nuclear power deployment in the growth scenario. In particular, the United
    States, because of the very large demand increase associated with its economic strength and projected large population increase, must experience very substantial expansion of its nuclear reactor fleet if the global growth scenario is to be realized. In addition, nations such as Germany, where there is currently strong anti-nuclear sentiment, would almost certainly need to participate. This is indicative of the substantial difficulty inherent in having
    nuclear power expand several-fold by mid-century.”

    Deren Prognosen sind also Makulatur, obwohl sie für 2050 einen relativ bescheidenen Anteil der Kernenergie zwischen 21% und 36% an der Stromerzeugung annehmen, also irgendwo zwischen 5% und 10% der Gesamtenergie. Es würden wohl bestenfalls 5% sein.

    Ob wir die nun haben werden oder nicht, dürfte kaum einen Unterschied machen.

    Na, und Fusion wird – wenn überhaupt – bestenfalls in der 2. Hälfte des Jahrhunderts eine ebenfalls bescheidene Rolle spielen können.

    Die einzige Perspektive, die sich somit bietet, wenn wir den fossilen Energien abschwören wollen, sind die EE, aber nicht Großwasserkraft (ökologisch nur schwer vertretbar)und Biomasse (viel ineffektiver als Solarstrom).

  123. Hauptpunkt missverstanden

    @Jochen Bäumer

    Sie haben den wesentlichen Punkt meiner Argumentation offenbar missverstanden, nämlich den, dass es überhaupt nicht aussagekräftig ist, irgendwelche jetzigen Daten über existierende Kernkraftwerke und aktuell vorliegende Neubaupläne zusammenzuaddieren und daraus eine Prognose für die Zukunft der Kernenergie abzuleiten.

    Der Punkt ist doch der: Der Stromverbrauch steigt weiter, aus den genannten Gründen. Die Wasserkraft und die Biomasse werden weiter ausgebaut, aber irgendwann ist Ende der Fahnenstange. Aus physikalischen Gründen (jeder nennenswerte Fluss aufgestaut, jede Krume Ackerland bearbeitet), aber vielleicht schon lange vorher, weil die Nachteile einfach zu gravierend werden.

    Kohleverstromung, momentan noch 45% der Primärenergiequelle für die Stromerzeugung, sollte aus Gründen des Klimaschutzes erheblich zurückgefahren werden, auf keinen Fall noch massiv ausgebaut. Und zwar schon bald, denn ansonsten werden wir das Problem Klimawandel nicht mehr in den Griff bekommen. Es ist ja vielleicht jetzt schon zu spät.

    Also tut sich da eine gewaltige Deckungslücke auf. Da beißt die Maus nun mal keinen Faden ab, egal, ob man das nicht wahrhaben will oder den, der einbem das vorrechnet, beschimpft. Das ändert nichts.

    Wie wird man die Lücke schließen? Wie gesagt, Wasser und Biomasse sind irgendwann am Anschlag, wahrscheinlich schon bald. Bleiben Sonne und Wind. Da müsste man dann aber noch ganz gewaltig ausbauen, und zwar nicht nur bei den Generatoren und Kollektoren. Die sind gar nicht mal das zentrale Problem.

    Selbst wenn man mal Kosten und Ästhetik mal gar nicht betrachtet, bleibt das Problem, dass diese beiden die Kohle nicht wirksam ersetzen können, denn sie sind nicht per so grundlastfähig. Also braucht man noch Speichertechnik, aber in gigantischem Umfang.

    Die einzige heute bekannte Speichertechnik mit hohem Speicherpotenzial ist das der Pumpspeicherwerke. Man bräuchte dann also große, gigantische Pumpspeicherwerke. Aber wohin damit? Die meisten günstigen Täler, wenn dort schon irgendwo ein Fluss fließt, der sich aufstauen lässt, werden dann schon mit einem Wasserkraftwerk zugebaut sein.

    Also nichts mit Pumpspeicherwerken in der erforderlichen Größenordnung. Vielleicht gibt es dann eine andere Speichertechnik, die sich großtechnisch umsetzen lässt, umweltverträglich, ungefährlich und zu vertretbaren Kosten realisierbar ist.

    Vielleicht.

    Aber welche Technik wäre das? Hm. Das heißt, wir sind am Punkt, wo wir hoffen müssen, dass da einer was erfindet. Und zwar schnell, denn Ihnen sind ja selbst die 20-30 Jahre zu lang, die man warten müssen wird, bis die Fusionstechnik verfügbar ist.

    Also die Hoffnung, dass da einer die ultimative Speichertechnik erfindet, erscheint mir aber nicht gerade wie ein besonders solider Zukunftsplan. Kann natürlich sein, dass das passiert. Dann sind wir alle aus dem Schneider. Und ehrlich, ich würde mich sogar freuen wie ein Schneekönig. Aber auf so eine vage Hoffnung kann doch keine realistische Prognose für die nächsten Jahrzehnte aufbauen. Da könnte ich ja auch gleich hoffen, dass jemand den großen Durchbruch in der kalten Fusion schafft.

    Realistischer erscheint mir da eher, dass die aktuellen Pläne für den Ausbau der Kernspaltungstechnik revidiert und kräftig aufgestockt werden. Das erscheint mir nicht nur realistisch, sondern sogar unvermeidbar. Es sei denn, jemand kann einen gangbaren Weg aufzeigen, um aus dem oben beschriebenen Dilemma herauszukommen.

    Deswegen meine ich, diese Herumrechnerei mit heute verfügbaren Zahlen und Plänen wird schon bald die reine Makulatur sein. Das ergibt sich halt zwangsläufig.

    Ich will das gar nicht bewerten, weder positiv wie negativ. Egal wie ich das finde, oder sonst jemand – wo ist denn die Alternative? Weitermachen mit fossilen Brennstoffen?

  124. @Mona

    Zu den Pumpspeicherwerken: Herr Khan, da muss ich Ihnen weitgehend zustimmen, ich schrieb ja ähnliches schon in meinem Kommentar. Allerdings sehen die Leute da oft eher den Naturschutz oder touristische Belange in Gefahr und nicht sosehr das “darunter wohnen”, weil dieses oftmals gar nicht gegeben ist.

    Ich stelle überhaupt nicht in Abrede, dass die Pumpspeicherwerke heute noch kein wirkliches Risiko darstellen und auch nicht so empfunden werden.

    Noch nicht. Das hat aber auch damit zu tun, dass es so wenige davon gibt und dass die bis jetzt zumeist klein und unscheinbar sind.

    Laut Wikipedia gibt es in Deutschland 30 aktive Pumpspeicherwerke, die gemeinsam eine Kapazität von 37700 MWh) 38 GWh haben. Wenn dann 2018 das geplante Pumpspeicherwerk Atdorf hinzukommt, werden es nochmals 13 GWh mehr sein, also knapp 51 GWh. Ds ist nicht viel – es entspricht der Strommenge, die ein Kraftwerk mit etwas mehr als 2.1 GW Leistung in 24 Stunden erzeugt. 2.1 GW – das ist weniger als die elektrische Leistung von Biblis Block A und B.

    Wir werden, wenn Wind und Sonne wirklich grundlastfähig gemacht werden sollen, eine massive Steigerung der Speicherkapazitär erreichen müssen. Wir bräuchten dann also eine Menge Pumpspeicherwerke von der Kapazität der geplanten Anlage in Atdorf.

    Aber wo sollen diese ganzen Speicherwerke hin? Und werden sie dann wirklich nicht mehr als Risiko empfunden werden? Wichtiger noch: Werden diese ganzen Anlagen nicht objektiv ein erhebliches Risiko darstellen, weil man dann eben nicht mehr dort bauen kann, wo keiner mehr drunter wohnt?

    Das ist eigentlich eine ganz einfache Rechenaufgabe.

    Ich denke, man kommt da schnell an den Punkt, wo die EE-Technik gar nicht mehr so harmlos und sympathisch wirkt. Ab einer bestimmten Größe – und diese Größe braucht man nun einmal realistischerweise, denn Grundlastfähigkeit muss ja irgendwie erreicht werden – streift jede Großtechnik die Maske ab und ist am Ende … Großtechnik, die Chancen birgt, aber auch Risiken.

    Da sollte man sich nichts vormachen.

    Und wie bereits gesagt, die Hoffnung, dass man das Problem ganz einfach auf alle Zeiten nach Norwegen exportieren kann und dort die Pumpspeicherwerke betreibt, halte ich weder für realistisch noch für moralisch vertretbar. Abgesehen davon, dass einfach auch da physikalische Grenzen gibt, denn wenn eine Nation wie Deutschland überall in Norwegen Pumpspeicherwerke betreiben will, und vielleicht auch noch andere Nationen, dann ist irgendwann einmal das Potenzial erschöpft.

    Unendlich viel Platz haben die da auch nicht. Und irgendwann wird’s unweigerlich auch mal ein Unglück geben. Was dann? Was würden wir denn sagen, wenn irgendwelche Nachbarländer bei uns alles mit Stauseen zupflastern, weil sie sie bei sich nicht haben wollen, aber dennoch eine Stromerzeugung aufbauen, die ohne diese Stauseen nicht auskommt?

  125. Groß Denken: Gewaltige Pupmspeicher

    Die von Mathias Popp erdachten Ringwallspeicher könnten für Deutschland genügend Speicherkapazität bereitstellen. Sie bestehen aus 2 konzentrisch angelegten Becken, wobei das Innere auf einem künstlich angelegten Hügel liegt. Die Ausmaße wären gewaltig: 20km Durchmesser für den äußeren Ring.
    Eine Alternative wäre ein Lageenergiespeicher: Ein ausgesägter Granitblock von 1 km Durchmesser und 1000m Höhe würde von einem drunterliegenden Wasserpool bis zu 500m in die Höhe gehoben werden und die so gespeicherte Energie würde bei Bedarf wieder freigesetzt, in dem das unter Druck stehende Wasser über einen Generator abgelassen würde.

  126. @Martin Holzherr

    Sicher haben viele Leute Ideen, aber allein die Tatsache, dass so abgefahrene Dinge vorgeschlagen werden, zeigt doch, dass es in Wirklichkeit nicht besonders viele wirklich umsetzbare Speicherideen gibt.

    Ich vermute eher, dass es in Verbindung mit Solarenergie- und Windenergieparks Anlagen geben wird, die entweder Wasserstoff aus Wasser abspalten und speichern, damit der dann in Brennstoffzellen verstromt werden kann, wenn man ihn braucht. Der Wasserstoff kann entweder direkt gelagert werden, oder chemisch gebunden, beispielsweise Carbazol.

    Oder aber, wahrscheinlicher, es wird gar keine ausreichende Speicherkapazität geben. Deutschland wird dann den bei starker Sonneneinstrahlung überschüssigen Solarstrom oder bei starkem Wind überschüssigen Windstrom ins Ausland verkaufen. Wenn es in Deutschland Strommangel gibt, weil Wind und Sonne gerade nicht genug liefern, dann wird überschüssiger Strom, der im Ausland in konventionlenne oder nuklearen nlagen produziert werden wird, nach Deutschland importiert werden.

    In Summe über das Jahr gerechnet mag da sogar Null herauskomen, wobei formal Deutschland also autark wäre. Das wird man abwarten müssen. Aber wenn man das so macht, dann bedeutet das ja, dass die Energiewende hier nur deswegen funktioniert, weil anderswo keine Energiewende stattgefunden hat!

    Das kommt mir vor wie ein Selbstbetrug. Aber ich bin sicher, das würde von der Politik und einschlägigen Blogs als großer Erfolg verkauft und auch von Vielen geglaubt.

  127. @JochenBäumer:Nur Pumpspeicher+Batterien

    Wir alle hier wissen doch, dass es sehr viele verschiedenartige Stromspeicher gibt und ihre Unterstellung “Offensichtlich liegt hier ein erhebliches Informationsdefizit vor.” zusammen mit einem schlechten Link, zeigt eher, dass sie sich nicht damit befasst haben.
    Sogar der Wikipedia-Eintrag Energy storagebietet mehr Einstiegspunkte als ihr Link.

    Für mich gibt es aber nur 3 Stromspeicher mit genügend gutem Wirkungsgrad: Pumpspeicher, Batterien und Lageenergiespeicher, denn nur diese Speicher haben Wirkungsgrade grösser als 70%.

    Natürlich kann man Strom zu EE-Methan umwandeln, doch damit wandelt man etwas hochwertiges (Strom) in etwas niedrigewertiges (Erdgas)

    Für grosse Energiemengen und einen guten Wirkungsgrad kommen nur Pumpspeicher und Lageenergiespeicher (die aber meist auch als spezielle Pumpspeicher ausgelegt sind) in Frage.

  128. Energiespeicher @Michael Khan

    “Laut Wikipedia gibt es in Deutschland 30 aktive Pumpspeicherwerke”

    Mit Pumpspeichern alleine bekommt Deutschland die Energiewende nicht hin, das ist klar. Ich würde sogar sagen, dass die kleineren Energiespeicher, wie das von mir verlinkte, eher eine Art Nischenprodukt sind.
    Im Gegensatz zu Ihnen bin ich allerdings nicht ganz so pessimistisch. Von Energiespeichern verspricht sich mancher ein riesen Geschäft, also wird fleißig geforscht. Nach einer Analyse von “Pike Research” sind weltweit 600 Projekte angekündigt. 60 innovative Forschungsprojekte sollen allein in Deutschland gefördert werden. Siehe dazu diese Presseerklärung. http://www.bmwi.de/…mitteilungen,did=497794.html
    Schauen wir mal, was dabei herauskommt!

  129. @alle: Die beste Speicherung ist keine

    Wenn man ganz Eurpa mit einem Supergrid vernetzt genügegn die bestehen Wasserkraftwerke in Skandinavien und der Schweiz zusammen mit Biomassekraftwerken (weil Biomasse gut lagerbar) und mit alten, kaum noch betriebsfähigen Kohlekraftwerken als “Kaltreserve” (für die sehr seltenen Phasen wochenlanger tiefer Stromproduktion durch Sonne+Wind).
    Ein Supergrid hoher Übertragungskapazität realisiert mit Hochspannungsgleichstromübertragungstechnik hat typischerweise Verluste, die deutlich kleiner als 15% sind – und das sogar über tausende von Kilometern.

    Das kann man übrigens in der Wikipedia unter High-voltage direct current nachlesen.

    Dort steht über Czisch’s Arbeit:
    “Czisch’s study concludes that a grid covering the fringes of Europe could bring 100% renewable power (70% wind, 30% biomass) at close to today’s prices. There has been debate over the technical feasibility of this proposal[26] and the political risks involved in energy transmission across a large number of international borders

  130. @Mona, all

    Es gibt hunderte von Speichertechologien und viele Forschungsgruppen dazu, wie sie richtig schreiben: “Nach einer Analyse von “Pike Research” sind weltweit 600 Projekte angekündigt. 60 innovative Forschungsprojekte sollen allein in Deutschland gefördert werden.”

    Das ändert nichts daran, dass die meisten Speichertechnologien entweder einen zu kleinen Wirkungsgrad haben oder aber eine zu kleine Kapazität (z.B. Batterien).

    Warum wird dann soviel geforscht und gibt es sogar Pilotprojekte mit Wasserstoff als Stromspeicher??

    Ganz einfach: Weil alle diese Forscher und Förderer auf den Staat hoffen, der diese Technologie subventioniert oder über irgend eine Art von Einspeisevergütung abgeltet.

    Meine Meinung dazu: Die Welt kann nicht mit subventioniertem Strom betrieben werden – das funktioniert nur für Deutschland (wo der Endverbraucher-Strompreis zwischen 2000 und 2010 um 50% gestiegen ist).

  131. Energiespeicher

    Ja, offenbar liegt ein erhebliches Informationsdefizit vor. Offenbar liegt auch ein Defizit an Bereitschaft vor, Artikel, zu denen man selbst einen Link gepostet hat, auch zu lesen. Das war ja bereits beim Autor des Artikels so, an den diese Reihe Kommentare angehängt ist.

    Auf der hier nun von Jochen Bäumer geposteten Blogseite, auf der es angeblich um diverse alternative Speichermöglichkeiten gehen soll, steht zunächst einmal (ich zitiere wörtlich, 16. Juni 2012):

    In der aktuellen Diskussion über die Einführung der erneuerbaren Energien ist die Frage der Stromspeicherung völlig ungeklärt.

    Meine Rede. Das ist eine zentrale Frage und sie ist vollkommen ungeklärt.

    Ferner wird (17.6.2012) auf Pumpspeicherwerke in Norwegen eingegangen. das habe ich auch bereits mehrfach getan. Dort wird auch eindeutig festgestellt, dass eine Bereitstellung solcher Pumpspeicherwerkskapazität in Deutschland nicht realistisch ist.

    “Power to Gas” wird angesprochen, aber als nicht wirtschaftlich verworfen. Druckluftspeicher haben einen zu niedrigen Wirkungsgrad. Batterien werden angesprochen, aber es wird explizit vermeint, dass diese sich als Speicher eignen, außer in Ausnahmefällen. Schwerkraftspeicher werden angesprochen, aber als unrealistisch verworfen. Ausnahme Pumpspeicherwerke.

    Fazit: Der einzige realistische Speicher sind Pumpspeicherwerke, aber in Deutschland kann keinesfalls eine auch nur annähernd ausreichende Kapazität geschaffen werden.

    Ich bin ja gern bereit, bei mir ein Informationsdefizit anzunehmen und ich würde es auch gern schließen, aber wenn mir derjenige, der ja mehrfach verlautbaren ließ, dass nur er Bescheid weiß und alle Anderen nicht, mir einen Link zu Artikeln bereitstellt, in dem genau das steht, was ich bereits gesagt habe, dann schließt sich die Informationslücke bei mir nicht.

    Ich muss also mangels anderslautender Informationen davon ausgehen, dass Pumpspeicherwerke in Norwegen die einzige bekannte, realistisch realisierbare Speicherart sind.

    Die Aussage Jochen Bäumers, nach der es “wesentlich mehr Möglichkeiten zu Energiespeicherung” geben soll – ich nehme an, gemeint ist die Speicherung der Mengen von Energie, die zur Versorgung eines Industrielands notwendig sind, denn davon reden wir hier, harrt somit noch des Belegs.

    Bis der kommt, gehe ich davon aus, dass man sich in das Abenteuer Energiewende gestürzt hat, ohne eine ganz zentrale Frage zu klären und dass es – wenn wir das Problem global betrachten – nicht möglich sein wird, mit Wind und Sonne
    Grundlastfähigkeit zu erzeugen. Es wird also gar keine Alternative geben, als die Optionen zur Stromerzeugung nochmals gut zu überdenken, sodass die heutige Planung gegenstandslos werden wird.

  132. Forschung @Martin Holzherr

    “Warum wird dann soviel geforscht ( … )?? Ganz einfach: Weil alle diese Forscher und Förderer auf den Staat hoffen, der diese Technologie subventioniert oder über irgend eine Art von Einspeisevergütung abgeltet.”

    Diese Forschung hätte es m.E. schon vor der Energiewende gebraucht. Ansonsten sehe ich Forschung nicht grundsätzlich als schlecht an. Selbst dann nicht, wenn sie vom Staat gefördert wird. Eine Einspeisevergütung ist etwas anderes, aber davon war hier auch nicht die Rede.

  133. @Mona: bin immer für F&E

    Ich bin absolut der gleichen Meinung wie sie, was Forschung im allgemeinen aber auch im EE-Bereich angeht. Sie schreiben:

    “Ansonsten sehe ich Forschung nicht grundsätzlich als schlecht an. Selbst dann nicht, wenn sie vom Staat gefördert wird. Eine Einspeisevergütung ist etwas anderes, aber davon war hier auch nicht die Rede.”

    F&E im Bereich Energiespeicher ist nur schon deshalb gut, weil es ja viele Situationen gibt, wo man Energie (z.B. Strom) speichern muss oder froh darum wäre. Eine Alphütte, eine Forschungsstation oder Siedlungen ohne Netzanschluss (400 Millionen Inder sind ohne Netzanschluss) könnten eventuell alle von solcher Forschung profitieren, deren Resultate sie z.B. befähigt, ihren mit Solarzellen erzeugten Strom abzuspeichern.

    Etwas anderes ist aber der Einsatz von Stromspeichern für den Strom ganzer Industrieländer. Da sind Anforderungen gestellt, die eben nur ganz wenige Speicherformen erfüllen können.

    Doch heute ist ja vieles denkbar. Auch weniger effiziente Speicherformen könnten einen Boom erleben, wenn sie subventioniert werden oder irgend eine Form von Vergütung existiert.

    Doch letztlich wird sich weltweit für den Industrie- und Haushalsstrom doch eine kostengünstige, oft sogar die kostengünstige, Form durchsetzen und selbst Länder wie Deutschland werden sich gut überleben, wieviele zusätzliche Milliarden pro Jahr sie in Technologien stecken wollen, die man auch durch billigere ersetzten könnte.

    P.S:Nochmal meine Entschuldigung für die früheren Unterstellungen (kommt selten vor, so was).

  134. @Martin Holzherr

    “Nochmal meine Entschuldigung für die früheren Unterstellungen”

    Schon gut! Vergessen wir das Ganze.

  135. Die Anwendung von Technik…

    …kann Unfälle, auch katastrophale Unfälle, zur Folge haben – das ist keine Frage.
    Wer Unfälle vermeiden will, muß auf Technik jeder Art verzichten, also nicht nur auf Kernkraftwerke, sondern auch auf Autos, Eisenbahnen, Fahrräder, Flugzeuge, chemische Industrie, Schiffe aller Art, Dampfmaschinen, aber auch auf Pferdekutschen und am besten gleich auch auf jegliche Nutzung des Feuers. Ach ja, was machen wir mit der tödlichsten chemischen Verbindung überhaupt –Diwasserstoffoxid (H2O), besser bekannt als Wasser? Wie viele Menschen kommen durch Ertrinken zu Tode, durch Flutwellen nach heftigen Regenschauern oder Tsunamis?
    Aber auch der Verzicht auf Technik kann Menschenleben kosten – ein kurzer Blick auf die Lebenserwartung in Deutschland vor Beginn des Technikzeitalters (weniger als 40 Jahre und nach zweihundert Jahren wissenschaftlich-technischen Fortschritts: Männer 77 Jahre, Frauen 82 Jahre, Tendenz steigend, trotz aller Tatarenmeldungen über Umweltkatastrophen und Nahrungsmittelskandale) sagt eigentlich alles.
    Die Nuklearkatastrophe in Fukushima hat übrigens noch kein einziges Todesopfer gefordert und die Zahl der Krebsopfer wird sehr überschaubar bleiben (sehr schöner Artikel dazu: G. Brumfiel, Fukushima’s doses tallied. Nature 485, S. 423-424, 2012. Zur Info: „Nature“ ist eine der renommiertesten Wissenschaftszeitschriften der Welt). Auch die Zahl der Tschernobyl-Opfer ist vergleichsweise gering (Matthias Schulz, Legenden vom bösen Atom. Spiegel 47/2007 – 19. November 2007)

    PS. Wie sehen eigentlich die Bilanzen für andere Risiken aus? Wie gesagt, keine Technik ist ohne Risiko – jedes Jahr sterben Menschen durch Unfälle bei Eisenbahnen, Autos, Flugzeugen, aber auch am Arbeitsplatz. Würden die gleichen Maßstäbe wie bei der Kernenergie angelegt, müßten wir sofort auf die Stufe vierbeiniger Primaten zurück – schon der aufrechte Gang ist gefährlich!

  136. @Quentmeier:Antworten auf Fukushima

    AKW-Unfälle mit Austreten grösserer Mengen an Radioaktivität gehören zu den schwerwiegensten Technikunfällen, die es überhaupt gibt und geben kann, auch wenn bei richtigem Vorgehen, kein einziger Mensch stirbt oder geschädigt wird. Der Grund sind die grossen Evakuierungszonen, von mehreren Kilometern um die Unfallstelle herum. Gerade in Japan mit seinem Platzmangel darf so etwas nicht passieren.

    Ich geben ihnen absolut recht mit ihrem Risikovergleich:
    “Wie sehen eigentlich die Bilanzen für andere Risiken aus? Wie gesagt, keine Technik ist ohne Risiko – jedes Jahr sterben Menschen durch Unfälle bei Eisenbahnen, Autos, Flugzeugen”

    Ich behaupte sogar jeden Tag sterben in einem einzigen grösseren Verkehrsunfall mehr Menschen als an den Folgen von Fukushima.

    Das ändert aber nichts daran, dass ein Vorkommnis wie Fukushima nicht vorkommen darf wegen der über lange Zeit persistierenden “Verseuchung” der Umgebung. Für mich gibt es zwei mögliche Antworten auf Fukushima:
    1) Wir reduzieren die Wahrscheinlichkeit von solchen Unfällen so stark, dass sie nur 1 Mal in mehreren hundert Jahren vorkommen
    2) Wir suchen Technologien, die die gleiche Leistung wie die heutigen AKW’s erbringen, ohne dass sie dieses Nachwärmeproblem haben

    Zu 2) Es sind schon lange Nukleartechnologien bekannt ohne das Nachwärmeproblem: Der Kugelhaufenreaktor, viele andere Hochtemperaturreaktoren, oder der Liquid Fluorid Thorium Reactor (LFTR).

    Der LFTR wurde schon in den 1960ern erforscht mit sehr guten Ergebnissen, dann aber nicht weiter verfolgt, weil man Brüter mit Plutonium als Brennstoff anstrebte – weil man damit auch Waffen bauen konnte, was mit dem LFTR nicht möglich ist. Heute hat sich die Einstellung zu diesem Punkt völlig geändert. Dass der Liquid Fluorid Thorium Reactor inhärent proliferationsresistent (keine waffenfähigen Produkte) ist, spricht für ihn, nicht gegen ihn.

  137. Energiespeicher + Netzwentwicklungsplan

    Der Netzentwicklungsplan beurteilt die Stromspeicherungsalternativen so: (Zitat) “Die verlustarme Speicherung von Energie ist auch heute noch eine der größten energietechnischen und -technologischen Herausforderungen. Großtechnisch realisiert sind heute Pumpspeicherkraftwerke. Alternative Speichertechnologien wie zum Beispiel Methanisierung oder Druckluftspeicher werden derzeit erforscht.”
    Die am besten entwickelte Alternative zu Pumpspeichern wird negativ beurteilt:
    (Zitat)“Aus heutiger Sicht ist die „Power to Gas“-Technologie daher keine Alternative zum Ausbau des elektrischen Übertragungsnetzes”. Begründung: PEM-Elektrolyse noch nicht im grosstechnischen Bereich verfügbar, allgemein sind für “Power to Gas” (Wasserstoff oder Methan als Umwandlungsprodukt) Umwandlungskapazitäten grösser 1 Gigawatt nötig, was in den nächsten 10 Jahren nicht zur Vefügung steht. Zudem ist der Wirkungsgrad der Umwandlung mit 28-45% zu klein.

    Fazit: Es gibt heute keine überzeugenden Stromspeicher ausser Pumpspeichern und in Deutschland (wenig Pumpspeicherkapazität) ist ein starker Ausbau der in- und ausländischen Übetragungsnetze ohne Alternative.

  138. So etwas kriegt man hier nicht zu lesen

    Etwas wie in diesem Artikel auf Spektrum.de kriegt man hier natürlich nie gesagt. Ich vermute: nicht nur, weil dazu Recherche notwendig wäre, sondern weil das nicht ins Konzept passt. Das will keiner hören, deswegen macht man sich bei seinen Kunden nur unbeliebt, wenn man als Journalist so etwas berichtet. Kann ich nachvollziehen – aber, wie bereits angemerkt, Wissenschaft geht anders.

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