Die dritte industrielle Revolution?

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Umwelt sind Du und ich
Öko-Logisch?

Greening the Economy Logo (Foto: Böll-Stiftung) Morgen beginnt in Berlin die internationale Konferenz „Great Transformation – Greening the Economy“. Experten aus der ganzen Welt wollen dort eine einzige Antwort auf zwei Krisen geben: die der Wirtschaft und die der Umwelt. Im Detail dürften die Antworten jedoch sehr vielfältig ausfallen, schaut man in das Programm.

Spannend ist dabei die Frage, ob eine dritte, eine grüne industrielle Revolution wirklich möglich ist und wie sie aussehen könnte – oder ob es doch nur auf einen grünen Anstrich hinauslaufen wird.

Ich werde an beiden Konferenztagen vor Ort sein (Freitag und Samstag), und hier im Blog ausführlich und aktuell berichten. Schauen Sie rein!

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

Veröffentlicht von

www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

5 Kommentare

  1. Na toll

    Zum Beispiel (aus obigem Programm zitiert):

    Immer wieder ist zu hören, Atomkraft und die CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) seien ergänzende,
    gar notwendige Technologien auf dem Weg hin zu einer kohlenstoffarmen oder -freien Gesellschaft. Ist CCS
    eine realistische, sichere und bezahlbare Brückentechnologie? Sollten die Volkswirtschaften des „Nordens“
    diese Technologien entwickeln, da sie den Ländern des „Südens“ nicht zur Verfügung stehen?

    Also doch wohl ein Thema mit zumindest einer starken naturwissenschaftlich-technischen Komponente. Solllte man meinen. Und wer diskutiert darüber?

    Hans-Josef Fell, Mitglied des Bundestags, Sprecher für Energie und Technik, Bündnis 90/Die Grünen
    Agata Hinc, Projektleiterin “Low Emmission Economy”, demosEUROPA – Centre for European Strategy
    Cécile Maisonneuve, Vizepräsidentin, International Agenda and Prospective, Areva
    Jesse Scott, Programmleiterin, Europa in der Welt, E3G

    Also ein Politiker, eine Volkswirtin, eine Marketing-Managerin und eine Lobbyistin für eine politische NGO. Bloß ja keinen reden lassen, der sich wirklich mit der Technik auskennt. Auch so kann man schon vorgeben, was am Ende herauskommen soll.

  2. @Michael Khan: Teilnehmer

    Mal schauen, was dabei herum kommt – auch diese Leute können sich ja fachlich auskennen. Fell beispielsweise hat Physik (auf Lehramt) studiert und sich seit vielen Jahren in den entsprechenden Bundestagsausschüssen mit dem Thema befasst. Ich werde berichten – und dann darfst Du kommentieren. 😉

  3. Mittendrinn

    Kommt die dritte industrielle revolution? Was heisst hier kommt! Wir sind mitten drinn. Das Öl wird immer teuerer, Die Kohle auch. Die Chinesen und Inder wollen auch mobilität.
    Die Sonne gibt es gratis und im Überüberfluss! Und fast überall. Nur kann man die Sonne nicht privatisieren! Da lassen sich nicht so einfache und exorbitante gewinne erzielen. Welcher Konzern hat da Interesse an so einem Geschäft? Ackermann arbeitet ja auch nur für 25% Rendite. Kleine Energieunternehmen und Stadtwerke bieten mittlerweile den Stromkonzernen erfolgreich die Stirn. Wir sind mitten im Umbruch.

  4. Bleibt zu hoffen, dass das nicht nur auf eine Transformation der Einkommen und Mittel der Bürger zu Gewinnen von Geschäftemachern und Lobbyisten hinausläuft, die ihre Gewinne nun noch mit dem Alibi der Weltrettung schmücken können. Es besteht auch das Risiko, dass aussichtsreiche Zukunftstechniken gegen hoch subventionierte Platzhalten keine Chance bekommen.

  5. Die letzte industrielle Revolution

    ” Im Detail dürften die Antworten jedoch sehr vielfältig ausfallen,…”

    Im Detail vielleicht schon. Doch die Denkrichtung ist vorgegeben, das sagt schon der aussagekräftigere Teil des Konferenztitels ” – Greening the Economy”.

    Doch worin besteht der „grüne“ Lebensstil, von dem da gesprochen wird. Genau aus dem was jeder damit verbindet: Windturbinen, Solarpanels, alles Bio (inklusive Biotreibstoff).

    Insgesamt bietet sich hier ein Tableau wie im besten Werbefilm mit lauter positiv besetzten, verheissungsvollen Lösungen, die ihr Geld Wert sind. Gedacht für jedermann, nicht nur für tree-hugger.

    In Wirklichkeit fehlt die tiefere Analyse unserer Probleme bei dieser Konferenz – und nicht nur da, sie fehlt den meisten, die vorgeben, die Lösung zu kennen.

    Mit unseren Problemen meine ich die Probleme einer wachsenden Menschheit, die die Tragfähigkeit der Erde (siehe http://de.wikipedia.org/…f%C3%A4higkeit_der_Erde) mehr und mehr überschreitet. Der “Club of Rome”-Bericht “Die Grenzen des Wachstums” hat das Problem der begrenzten Ressourcen und begrenzten Verschmutzbarkeit unserer Umwelt aufs Tapet gebracht und Cesare Marchetti (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Cesare_Marchetti) hat als Antwort darauf die Bedingungen definiert, die es 1000 Milliarden Menschen erlauben würden, nachhaltig auf der Erde zu leben. 1000 Milliarden Menschen auf dieser einen Erde, das ist natürlich eine Horrorvision. Doch der Physiker Marchetti fand in seiner Vision die Grundelemente jeder wirklich nachhaltigen Massenzivilisation.

    Und das ist die Wahrheit, die erst wenige verstanden haben: Wir leben jetzt schon in einer Massenzivilisation, wo es dem Einzelnen nicht mehr vergönnt sein kann, sich nach seinem Gutdünken am Busen der Natur zu laben. Der “grüne” Lebensstil ist gewissermassen etwas für die Besserverdienenden und taugt nicht als Modell für die Milliarden, die sich noch aus der Armut befreien sollen.

    In Marchetti’s Welt sind Naturkreisläufe und technische Kreisläufe (inklusive Landwirtschaft), vollkommen entflochten. Der Mensch lebt in grossen Gartenstädten, die ausser etwas Abwärme, gar nichts an die umgebende, wilde Natur (von Marchetti Sanktuarium genannt, 90% der Landfläche) abgeben und auch gar nichts von ihr aufnehmen.

    Geschrieben 1978 (siehe http://www.cesaremarchetti.org/…ARCHETTI-076.pdf) sind sehr viele von Marchettis Ideen noch heute gültig und sie werden wohl immer gültig bleiben.

    Was ist die Alternative zu Marchetti’s “Paradies für die Massen”?

    Genau – es ist die Welt unserer Vorfahren, als einige dutzend Millionen Menschen tun und lassen konnten, was sie wollten. Denn auch dazumal waren die Menschen Umweltfrevler – Frevler in einer grossen Welt mit vielen weissen Flecken.

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