Braunkohle-Lobby missbraucht Zitat von Klimaexperten

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Braunkohlebagger (Foto: Pixelio)

Wenn die Fakten gegen einen sprechen, dann greift man eben zu anderen Tricks. Nach dem Motto arbeiten Energie-, Kohle- und Erdölkonzerne nun schon eine ganze Weile. Ich erinnere mich an einen Werbespot in den USA, der CO2 bejubelt. Denn, so die Logik des Spots, ohne Kohlendioxid keine Photosynthese, ohne Photosynthese kein Sauerstoff, ohne Sauerstoff kein menschliches Leben. Der Deutsche Baunkohlen Industrieverein DEBRIV hat jetzt in seiner Werbekampagne einen anderen Trick bemüht: Er reißt ein Expertenzitat aus dem Zusammenhang – sehr zum Ärger das Fachmanns.

Wie der Mount Everest lässt sich auch das komplexe Klimaproblem nur über Etappen bezwingen.

So findet es sich in einer Anzeige des DEBRIV im Spiegel. Das hat der renommierte Klimaexperte Robert Socolow von der US-Universität Princeton tatsächlich so gesagt. Der DEBRIV nennt allerdings als Quelle: „Aufgezeichnet nach einem Gespräch mit Prof. Dr. Robert Socolow“. Nur weiß dieser nichts von einem solchen Gespräch mit der deutschen Kohleindustrie. Er habe lediglich mit einem Schweizer Journalisten der Neue Zürcher Zeitung gesprochen. Im dortigen Kontext besagte sein Zitat, man müsse den Kampf gegen den Klimawandel in vielen Einzelprojekten führen, jeder Bereich müsse seinen Beitrag erbringen. In der DEBRIV-Anzeige wirkt das Zitat jedoch so, als könne man die Probleme auch der Reihe nach angehen – sprich: länger Braunkohle verfeuern. Das Gespräch, das er mit dem Schweizer Journalisten geführt hat, so Socolow gegenüber dem Watchblog Der Klima-Lügendetektor, werde hier “offenbar missbraucht”.

Was man der Anzeige zugute halten muss: Innerhalb der DEBRIV-Kampagne ist Socolow endlich einmal ein zitierter Experte, der im Bereich der Klimaforschung tatsächlich über Kompetenz verfügt. Wer mehr über diesen und weitere Tricks der Energiewirtschaftslobby lesen möchte, dem empfehle ich eine Lektüre des genannten Watchblogs unter www.klima-luegendetektor.de.

Die Kohleindustrie steht vor einem echten Problem: Verfahren, um Kohlendioxid im Kraftwerk abzuscheiden und somit nicht in die Atmosphäre gelangen zu lassen, werden nicht vor 2020 zum Einsatz kommen. Neue Kraftwerke müssen aber in den nächsten fünf Jahren gebaut bzw. schon jetzt auf den Weg gebracht werden. Wer da auf Kohle setzen will, dem hilft wohl tatsächlich nur Schönreden und Fakten verdrehen. 

Foto: Pixelio

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Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

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