Blackout und andere Gespenster

Kerze (Foto: Michaela Völkl/Pixelio)Der Strom wird knapp! Haben Sie es auch bei Spiegel Online, Handelsblatt oder FTD gelesen? Oder konnten Sie das schon nicht mehr, weil Sie längst vom Blackout ereilt wurden – dem Atomausstieg sei‘s geschuldet? Oder leben Sie womöglich in Frankreich, wo die Schlagzeile wahr gewesen wäre – der Kernenergie sei‘s geschuldet?

Ja, die Bundesnetzagentur hat Kaltreserven in Höhe von rund einem Gigawatt reserviert – für den Fall der Fälle. Das ist verantwortungsbewusstes Handeln, immerhin ist die Überkapazität der deutschen Stromerzeugung geringer geworden. Aber bloß, weil die Reserve jetzt zum zweiten Mal aktiviert worden ist, heißt das nicht, das sonst ein Blackout erfolgt wäre. Beim ersten Mal wurde tatsächlich die Reserve genutzt – nicht aber mangels Alternativen, sondern weil es schlicht die günstigste Lösung war, eine kurzzeitige Bedarfsspitze abzufangen. Beim zweiten Mal, in dieser Woche, wurde die Reserve letztlich nur benötigt, weil das deutsche Netz nicht leistungsfähig genug war, hinreichend vorhandene Strommengen bedarfsgerecht zu verteilen.

Die Angst vor Stromknappheit und Blackout ist aus zweierlei Sicht unnötig:

Erstens produziert Deutschland nach wie vor mehr Strom als verbraucht wird. Selbst in den vergangenen Tagen, als wenig Sonne und Wind den Beitrag der Erneuerbaren Energien reduzierten und eingeschränkte Gaslieferungen ein Gaskraftwerk vom Netz zwangen, haben wir noch (wie in den meisten Wintern) Frankreich vor dem Blackout bewahrt, das wegen seiner Stromheizungen – und damit indirekt wegen der subventionierten Kernenergie – mehrmals weit mehr Strom benötigt hat, als das Land produziert. Der Preis für kurzfristige Stromlieferungen erreichte in dieser Woche in Frankreich knapp 2000 Euro pro Megawattstunde – das 40-fache des Üblichen. In Deutschland blieb der Preis zweistellig. Das ist übrigens auch ein Verdienst der erneuerbaren Energien, die den Börsenpreis deutlich senken. Nicht zuletzt deshalb ist es wirtschaftlicher, auf Kaltreserven zurückzugreifen, als manch älteres und ineffizienteres fossiles Kraftwerk weiterzubetreiben. Erzeugungskapazitäten gibt es hierzulande nämlich mehr als genug – nur sind sie gegenüber den Erneuerbaren eben oft nicht mehr konkurrenzfähig.

Zweitens ist in Deutschland Strom als Heizmittel mit einem Anteil von rund sechs Prozent zu vernachlässigen. Kältewellen haben bei uns also zunächst nichts mit einer erhöhten Blackout-Gefahr zu tun. Wenn dann tatsächlich andere(!) Faktoren (wie die geringe Gaslieferung) die Stromerzeugung reduzieren, ist es gut, Kaltreserven zu haben. Mit dem Atomausstieg oder der Energiewende hat das wenig zu tun. Es ist lediglich ein Zeichen dafür, dass diese Reserve noch wichtiger werden wird, wenn wir in der Übergangszeit zur rein regenerativen Stromversorgung verstärkt auf Gaskraftwerke setzen – und dass der vernachlässigte Netzausbau überfällig ist. alt

Foto: Michaela Völkl/Pixelio

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www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. In alter Journalistenmanier irreführend!

    Dieser Artikel ist in alter Journalisten-Manier irreführend. Und zwar folgender Abschnitt:

    Das ist übrigens auch ein Verdienst der erneuerbaren Energien, die den Börsenpreis deutlich senken. Nicht zuletzt deshalb ist es wirtschaftlicher, auf Kaltreserven zurückzugreifen, als manch älteres und ineffizienteres fossiles Kraftwerk weiterzubetreiben.

    denn dieKaltreserven sind ja gerade alte und ineffiziente fossile Kraftwerke.

    Die Kaltreserve besteht aus einigen bis zu 45 Jahre alten Öl- und Kohlekraftwerken in Deutschland und Österreich. Sie wurde mit dem Atomausstieg eingerichtet, um auf Stromengpässe vorbereitet zu sein. Damals hatten Umweltverbände wie der BUND die Kaltreserve als überflüssig bezeichnet.

    Zweitens senken die erneuerbaren Energien den Börsenpreis für Strom genau dann, wenn es einen Überschuss an Strom eben verursacht durch zuviel Wind und bald auch schon Sonne gibt. In diesen Phasen können konventionelle Kraftwerke, die im Durchschnitt Strom sehr kostengünstig erzeugen keinen Gewinn mehr machen mit dem Effekt, dass sie insgesamt nicht mehr rentieren, weil sie auf zuwenig Betriebsstunden kommen. Am Schluss enden diese Kraftwerke als Kaltreserve. Aber auch diese Kaltreserve kostet den Kunden etwas, schließlich braucht es immer noch Bedienungspersonal um die Kraftwerke hinauf- und wieder hinunterzufahren. Solange jedes Windrad ein fossiles Schattenkraftwer benötigt ist die ganze EE-Geschichte sowieso nicht stimmig.

  2. “Jeder wurstelt vor sich hin.”

    Auch wenn in Deutschland mehr Strom produziert als verbraucht werden kann, so gibt es ein massives Verteilungsproblem. Uns in Bayern nutzt es wenig, wenn die vielen Windräder an der Küste Überkapazitäten produzieren. Der Netzausbau geht nicht voran und als einzige, großtechnisch verfügbare Lösung für die Speicherung von Strom haben wir Pumpspeicherkraftwerke. Aber anscheinend reicht das nicht aus um die Energiewende zu schultern, denn vor ein paar Tagen bezeichnete Dr. Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender der E.ON AG, ein geplantes Pumpspeicherwerk hier in der Gegend als “natürlich atemberaubend bekloppt.” Da es nicht gerade effizient sei.

    Quelle: http://www.pnp.de/…orgt-fuer-Verunsicherung.html

    Insgesamt herrscht große Unzufriedenheit. Und die bayerischen Wirtschaft, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz sowieso als “höchst ineffizient” kritisiert, verlangt eine Nachbesserung.

    “Gemeindetagspräsident Brandl kritisierte sowohl Staats- als auch Bundesregierung. “Es ist relativ planlos, was da momentan passiert.” Von der Staatsregierung verlangte Brandl deswegen einen Energieleitfaden für die Kommunen, damit diese besser planen können. Von der Bundesregierung forderte er ein Ende der “unmöglichen Reibereien” von Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministerium über die Einspeisevergütungen für die erneuerbaren Energien. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft kritisiert auch den schleppenden Ausbau der Stromleitungen: “Der Netzausbau nach heutiger Planung reicht nicht aus, um die Stromversorgung in Süddeutschland und vor allem in Bayern zu sichern”, heißt es in einem Papier.”

    Quelle: http://www.pnp.de/…omausstieg-wird-Hypothek.html

    Obwohl ich den Atomausstieg aus mehreren Gründen begrüße, habe ich doch Zweifel, dass die Klimaschutzziele erreicht werden können, wenn immer wieder auf die “Kaltreserve” von alten fossilen Kraftwerken zurückgegriffen werden muss. Auch im Hinblick auf unser ebenfalls aus der Kernenergie ausgestiegenes Nachbarland Österreich, das ebenfalls, mangels Küste, keine Offshore-Windparks betreiben kann. Eine Studie des Forschungsinstituts SERI kam jedenfalls zu dem Schluss, dass die Klimaziele nicht erreichbar sind, die Energiewende wirke sich allerdings positiv auf die österreichische Volkswirtschaft aus.
    http://seri.at/…w-do-we-reach-our-climate-goals/

  3. göttlich

    “Aber bloß, weil die Reserve jetzt zum zweiten Mal aktiviert worden ist, heißt das nicht, das sonst ein Blackout erfolgt wäre.”
    Doch das Netz wäre dann zusammengebrochen oder meinen sie tatsächlich das diese Kraftwerke nur zum Spass angefahren wurden?

    “Beim ersten Mal wurde tatsächlich die Reserve genutzt – nicht aber mangels Alternativen, sondern weil es schlicht die günstigste Lösung war, eine kurzzeitige Bedarfsspitze abzufangen.” Was wäre die andere Lösung gewesen? Großverbraucher kurzfristig vom Netz zu nehmen?
    Vielleicht sollten sie dann anfragen ob sie die entstandene Schäden umweltfreundlich beseitigen dürfen.

    “Beim zweiten Mal, in dieser Woche, wurde die Reserve letztlich nur benötigt, weil das deutsche Netz nicht leistungsfähig genug war, hinreichend vorhandene Strommengen bedarfsgerecht zu verteilen.”
    göttlich, so ganz scheinen sie die Problematik nicht verstanden zu haben.
    Ein Netz kann übrigens auch zusammenbrechen wenn zuviel Strom eingespeist wird.

    “Erstens produziert Deutschland nach wie vor mehr Strom als verbraucht wird. Selbst in den vergangenen Tagen, als wenig Sonne und Wind den Beitrag der Erneuerbaren Energien reduzierten und eingeschränkte Gaslieferungen ein Gaskraftwerk vom Netz zwangen,”
    Na und die anderen Stromerzeuger laufen dann mit maximaler Leistung und somit gibt es immer weniger Spielraum.

    “Zweitens ist in Deutschland Strom als Heizmittel mit einem Anteil von rund sechs Prozent zu vernachlässigen. “
    Aber nur wenn man die reine Heizenergie beachtet. Schaut man mal genauer hin dann sieht man auch das a) so gut wie jede Heizung von Strom abhängig ist b) viele wichtige Punkte mit Stromheizungen (da Wartungsarm) frostfrei gehalten werden und c) das die Wärmepumpe immer beliebter wird

  4. Antworten

    @Martin Holzherr:
    In der Tat ist es wirtschaftlicher, einzelne alte, ineffiziente Kraftwerke als Reserve vorzuhalten als sie permanent zu betreiben – weil den Strom im Regelfall niemand kaufen würde, weil er zu teuer ist.
    Dass die EE den Börsenpreis senken, gilt natürlich ganz besonders an sonnigen oder windigen Tagen, aber es gilt auch generell, je größer der regelmäßige Beitrag der EE wird.
    Deutschland hält 1 GW Reserve vor, die trotz des harten Winters nur einmal aktiviert worden ist. Und das, obwohl die dauerhafte Abschaltung der alten AKW ursprünglich nicht zu diesem Zeitpunkt vorgesehen war; obwohl wegen fehlender Gaslieferungen mehrere Gas-KW gedrosselt und eines sogar abgeschaltet werden musste; obwohl wir die am AKW-Strom hängenden französischen Nachbarn mit 3(!) GW unterstützt haben. Die Kaltreserve wird kein nennenswerte Kostenfaktor der Energiewende werden.

    @Mona:
    Ich habe hier ja auch schon mal vor langer Zeit debattiert, wie man GAU-Risiko gegen Klimaschutz abwägen soll. Süddeutschland hat zwar keine Meeresküsten, aber dafür eine vergleichsweise hohe Sonneneinstrahlung, Geothermiepotenzial und durchaus auch den ein oder anderen Wind. Dass die Kaltreserve gebraucht wird, wird eine Ausnahme bleiben (und mit gegenwärtig wenigen Tausend MWh im Jahr auch kaum klimarelevant sein). Sollte die Bundespolitik endlich den Netzausbau forcieren und BaWü und Bayern sich den EE öffnen, sehe ich nicht, dass der Atomausstieg die Energiewende gefährdet.

    @pfiffig:
    Das Netz wäre nicht zusammengebrochen, darum geht es ja. Es war eine Vorsichtsmaßnahme, weil wenig Wind prognostiziert wurde und in der Region die Gaskraftwerke nicht voll laufen konnten, weil Gas fehlte. Weil die Reserve aber nicht von jetzt auf gleich voll am Netz ist, hat man den möglicherweise benötigten Teil schon Stunden vorher hochgefahren. Ich habe nach Donnerstagabend (also da, wo es kritisch werden sollte) noch keine Meldung gelesen, dass ohne die Kaltreserve tatsächlich ein Blackout erfolgt wäre. Und ich bin sicher, diese Gelegenheit hätte sich die Lobby des Stromoligopols nicht entgehen lassen.

    Großverbraucher vom Netz zu nehmen ist übrigens eine Alternative, zu der Ökonomen raten. Ich bin in der Frage leidenschaftslos, weil ich weder eine ganz gelegentlich aktivierte Kaltreserve noch die ebenso gelegentliche Kompensation von Produktionsausfällen einzelner Großversorger für problematisch halte.

    Zu viel Strom gelangt übrigens nicht ins Netz, weil die EE (Wind wie Sonne) dann (letztlich gesetzeswidrig) abgeschaltet/gedrosselt werden, obwohl sie Vorrang bei der Einspeisung haben.

    Der geringe Spielraum ist ja gar nicht so gering, wie er scheint. Wann immer die Prognose für die EE gut ist, laufen viele fossile KW nicht unter Volllast, weil sie den Strom nicht verkaufen können. Schwächeln die EE, freuen sich die Betreiber der fossilen KW über Volllast. Und Simulationen auf Grundlage historischer Wetterdaten zeigen, dass die Summe des EE-Stroms aus unterschiedlicher Quelle sehr wenig schwankt (wenig Wind heißt meist viel Sonne und umgekehrt). Es sind also vor allem bessere Netze für die Verteilung gefragt, wenn der Anteil der EE weiter steigt.

    Der Strom im Heizbereich ist zu vernachlässigen. Die Bundesnetzagentur registriert nur einen minimalen Anstieg der Nachfrage bei sehr kaltem Wetter. Interessant ist sicherlich die Entwicklung bei den Wärmepumpen, aber zunächst mal schwinden dafür zeitgleich noch Nachtspeicheröfen. Da Wärmepumpen aber aufgrund ihrer Effizienz vergleichsweise wenig Energie benötigen und die zudem hauptsächlich zu Zeiten, in denen die Solarenergie brummt, sehe ich das auf absehbare Zeit entspannt.

  5. Solarenergie ausgebremst @Björn Lohmann

    “Sollte die Bundespolitik endlich den Netzausbau forcieren und BaWü und Bayern sich den EE öffnen…”

    Das klingt ja fast wie eine Schuldzuweisung. Dabei war Bayern vor dem ersten Atomausstieg noch führend in Deutschland in Bezug auf erneuerbare Energien. Nachdem dann die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert wurden, legte man sämtliche Pläne und Vorhaben ad Acta und verließ sich wieder voll auf die Kernkraft, dann, ganz überraschend, kam der endgültige Ausstieg. Da war es für die früheren Pläne aber schon zu spät. Die damals geplanten großen Solarkraftwerke wurden nicht mehr gebaut und man muss quasi wieder von vorne beginnen, da die dafür vorgesehenen Grundstücke inzwischen anderen Zwecken zugeführt wurden. Außerdem gingen einige Hersteller von Solarenergieanlagen damals pleite oder wanderten nach China aus.

  6. Argumente ?

    Martin Holzherr

    „Dieser Artikel ist in alter Journalisten-Manier irreführend.“
    Kann ich voll unterschreiben !

    Björn Lohmann

    „Erzeugungskapazitäten gibt es hierzulande nämlich mehr als genug – nur sind sie gegenüber den Erneuerbaren eben oft nicht mehr konkurrenzfähig.“
    Warum wohl ? Schon mal was von EEG oder Subventionierung gehört ? Beispiel Photovoltaik: 60 % aller EE-Subventionen für max.3,5 % Beitrag am Strommix. Das ist volkswirtschaftlicher Wahnsinn ! Braunkohlekraftwerke laufen übrigens ohne jede Subventionierung trotz immenser Kosten durch Tagebaue. Aber man ist ja schon fündig geworden, um sie „unrentabel“ zu machen: Die künftigen CO2-Zertifikate.

    „Großverbraucher vom Netz zu nehmen ist übrigens eine Alternative, zu der Ökonomen raten.“
    Welche ? Bestimmt nicht die, die in Werken mit empfindlicher Steuerungstechnik arbeiten ! Das Hoch- und Runterfahren eines Stahlwerkes ist bestimmt besonders nachhaltig und hochrentabel ! Das ist der beste Weg Schwerindustrie aus Deutschland zu verbannen. Dann müssen sich die derzeit erfolgreichen Autobauer eben ihren Stahl in China kaufen.

    „Zu viel Strom gelangt übrigens nicht ins Netz, weil die EE (Wind wie Sonne) dann (letztlich gesetzeswidrig) abgeschaltet/gedrosselt werden“
    Bezahlt wird durch dass EEG sogar der Ausfall, also über Subventionen sogar der Stillstand !

    „Schwächeln die EE, freuen sich die Betreiber der fossilen KW über Volllast.“
    Da freuen sich aber die Betreiber über soviel Hoch- und Runter-Regulieren. Das ist unökonomisch und zugleich anlagenschädigend ! Weshalb ja die Polen und Tschechen auch Phasenschieber an der Grenze errichten wollen.

    Mona
    „Nachdem dann die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert wurden, legte man sämtliche Pläne und Vorhaben ad Acta und verließ sich wieder voll auf die Kernkraft, dann, ganz überraschend, kam der endgültige Ausstieg.“
    Tja, so sieht in Deutschland verlässliche Industriepolitik aus. Die Politiker übertragen ihr Tagesgeschäft in die Wirtschaft. Mal sehen, wie lange das der Tanker Deutschland ohne Kollision so mit macht.

  7. Zu dieser Darstellung ist einiges anzumerken:

    1) Deutschland kann bei drohender Stromknappheit zwar hinreichend konventionelle Reserven mobilisieren; diese sind allerdings bei geringer Auslastung teuer in Bereitschaft zu halten und nur vergleichsweise emissions- und ressourcenintensiv zu betreiben. MaW: Bei den angesprochenen Kaltreserven handelt es sich gerade um ‘ältere und ineffizientere fossile Kraftwerke’. Der verstärkte, regelmäßige Einsatz solcher Kapazitäten ist daher aus ökonomischer und ökologischer Sicht abzulehnen.

    2) Im Sommer wird Deutschland von seinen Nachbarn (u.a. Frankreich) regelmäßig ‘vor dem Blackout bewahrt’. In dieser Zeit gehen verstärkt deutsche Kraftwerke in Wartung, Deutschland wird zum Stromimporteur. Im Winter macht Deutschland dies durch verstärkte Exporte (u.a. nach Frankreich) mehr als wett. Kurzum: Die Aushilfe basiert ganz auf Gegenseitigkeit.

    3) Frankreich zahlte auch zur Spitzenlastzeit diesen Winter (16.02.2012 gg. 19:00) nur knapp 7ct/kWh. Tatsächlich müssen ja nur die kurzfristig benötigten Mehr- oder Mindermengen am Spotmarkt beschafft oder verkauft werden, der Löwenanteil wird vorausschauend zu günstigen Preisen beschafft.
    Im übrigen hat auch Frankreich noch konventionelle Reserven.

    4) Zur Deckung der winterlichen Spitzenlast in den frühen Abendstunden(!) kann die PV nichts beitragen. Auch der Wind- und Hydroenergie-Beitrag ist in solchen Witterungssituationen unterdurchschnittlich. Dies bedeutet nichts anderes, als daß regenerative Energie zu diesen Zeiten noch teurer ist als ihr mittlerer Preis ohnehin bereits nahelegt.

    5) Angesichts der Tatsache, daß Frankreich schon seit zwei Jahrzehnten seine Stromversorgung weitgehend dekarbonisiert hat, haben die erstaunlich moderate Probleme. Wir hingegen geraten mit unserem Ansatz schon bei 15% EE-Beitrag ins Schleudern.

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