Bioenergie ökologisch optimieren – oder gleich die ganze Landwirtschaft?

Rapsfeld (Foto: Pixelio)Pflanzen sind als Rohstoff für den Tank zurecht umstritten – zu zweifelhaft ist in vielen Fällen die Klimabilanz, ganz zu schweigen von der Ökobilanz. Trotzdem wird bis zu einem gewissen Grad mindestens mittelfristig kein Weg daran vorbei führen. Höchste Zeit also, mal zu schauen, wie der beste Kompromiss aus Energieertrag und Ökologie aussieht. Genau das hat an der Universität Hohenheim begonnen.

Im Zuge der Debatte um die indirekten Landnutzungsänderungen und ihren Einfluss auf den Klimawandel haben verschiedene Studien gezeigt: Biodiesel schneidet oftmals so schlecht ab, dass selbst Erdöl manchmal die klimafreundlichere Alternative darstellt. Lediglich Ethanol kann richtig überzeugen – oder könnte es, wären da nicht bislang die Konflikte mit der Ernährung.

Aus Sicht der Artenvielfalt hat vor allem der Mais ein schlechtes Image. Ob das gerechtfertigt ist, und ob Wildkräutermischungen tatsächlich das Optimum darstellen, untersucht der Landschaftsökologe Martin Dieterich. Neben Mais und Wildkräutern plant die Uni Hohenheim, auch die Energiepflanzen Raps, Zuckerrüben, Miscanthus und Getreide großflächig anzubauen und in den Feldern die Artenvielfalt zu bestimmen. Ein Fokus soll dabei auf Schlüsselfunktionen im Ökosystem liegen, sprich auf Wildpflanzen, Vögel, Insekten, Spinnen und Würmern.

Nicht minder wichtig erscheint mir das damit verbundene Vorhaben, ein besseres System für die Vergleichbarkeit ökologischer Studien zu entwickeln, also Artenvielfalt nicht rein quantitativ zu vergleichen, sondern die Arten ökologisch sinnvoll zu gewichten. Dieterich will dafür Standards erarbeiten.

Dass die 2,4 Millionen Hektar mit Energiepflanzen in Deutschland dringend mehr Nachhaltigkeit vertragen können, steht wohl außer Zweifel. Schließlich gibt es auch bei der Biomasse unterschiedliche Verwendungszwecke, so dass intelligente Fruchtfolgen auch hier möglich sein sollten – ja sogar mit der Nahrungs-/Futtermittelproduktion alternieren könnten und müssten.

Pessimistisch stimmt allein die Erfahrung: Ökologisch (und letztlich sogar agrarisch) sinnvolle Fruchtfolgen und der Einfluss auf Bodenqualität und Artenvielfalt sind seit Jahrzehnten für diverse Feldfrüchte bekannt. Die industrielle Landwirtschaft interessiert sich bloß nach wie vor wenig dafür und begegnet den resultierenden Unzulänglichkeiten lieber durch Düngemittel und Pestizide. Es scheint sich ja zu rechnen.

Müsste es nicht möglich sein, für das gesamte Spektrum der Landwirtschaft ökologische Mindeststandards festzulegen? Es kann doch nicht sein, dass die stetige Erosion der Böden, die Belastung der Gewässer und der Verlust der Arten – ganz zu schweigen von Treibhausgasemissionen – vom Konsumenten einfach hingenommen werden muss. Die Rechnung zahlt er schließlich in jedem Fall. Bzw. überlässt sie beim heutigen Modell seinen Kindern und Enkeln.

Foto:Pixelio

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Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die beste Landwirtschaft braucht ° Boden

    die beste Landwirtschaft braucht keinen Boden. Die hors-sol-Treibhäuser in den Niederlanden lassen Tomaten und andere Gemüse auf Kokosmatten wachsen und vom Computer überwacht mit Flüssigdünger gefüttert, der genau die Nährstoffe enthält, die die Pflanze im Moment benötigt.

    Jeder eingesparte Quadratmeter, der nicht für die Landwirtschaft gebraucht wird ist ein für die Natur gewonnener Quadratmeter.

  2. Farbecht und geschmacksneutral?

    Nein, danke.
    Es geht auch um mehr als das im Text, siehe der vorletzte Absatz.
    Ein guter Post, übrigens.
    PS: Was ist mit wie nenne ich das, geschlossenen Kreisläufen, also Fischzucht und Tomatenanbau in einer Anlage? Wird ähnliches auch untersucht ?
    Das wäre doch ideal.(Es gibt irgendwo in Berlin eine Versuchsanlage, die wohl gut funktioniert(e) – aber wo und von welcher Uni, das weiss ich leider nicht)

  3. @ Martin Holzhrr

    “Jeder eingesparte Quadratmeter, der nicht für die Landwirtschaft gebraucht wird ist ein für die Natur gewonnener Quadratmeter.”

    Ja, aber worum soll denn die Natur Quadratmeter gewinnen? Hat sie etwas davon? Haben Menschen etwas davon? (Vielleicht setzen wir diese Diskussion im Anschuß an den Beitrag von Jürgen Gerdes in meinem Blog fort, hier geht sie etwas ab vom Thema.)

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