Bauernhof auf dem Dach

BLOG: Öko-Logisch?

Umwelt sind Du und ich
Öko-Logisch?

Kiefer mit Schädlingsbefall (Foto: Pixelio)

Haben Sie wie ich bisher gedacht, Landwirt sei ein aussterbender Beruf für Menschen mit ausgeprägter Stadtscheu? Dann wird Sie dieser Spiegel-Online-Beitrag eines Besseren belehren. Die Zukunft der Landwirtschaft gehört den Metropolen – denn glaubt man den Fachleuten, lässt sich nirgendwo besser ein Feld bestellen als im Wolkenkratzer.

Die Probleme der Landwirtschaft sind bekannt und unstrittig: Die Weltbevölkerung wächst, während verfügbares Ackerland zurück geht. Gleichzeitig ziehen immer mehr Menschen in die Städte, immer weniger wollen auf den Feldern arbeiten. Zusätzlich erzeugt der Transport der Nahrung in die Großstädte enorme Verkehrsströme und damit Umweltbelastungen. Da erscheint die Lösung, die das New Yorker Ingenieurbüro Sun Works vorschlägt, tatsächlich nahe liegend: Hoch-Treibhäuser.

Das Tolle an diesen Wolkenkratzer-Bauernhöfen ist ihre Effizienz. Demnach braucht die Erzeugung von Pflanzen dort nur ein Zehntel des Wassers wie auf freiem Feld, erheblich weniger Energie und Fläche, und natürlich weniger Transporte zum Konsumenten. Flachdächer sollen als Gemüsegärten einen ersten Anfang machen, New York könnte so die doppelte Menge des eigenen Obst- und Gemüsebedarfs selbst erzeugen. Bis hierhin klingt das Konzept noch gut.

Aber Dächer sind begehrt: Auch Solaranlagen und Windmaschinen sollen dort gebaut werden, um die CO2-Bilanzen der Städte zu verbessern. Und schon heute belastet die industrielle Landwirtschaft langfristig Böden und Wasser. Zwar ließen sich Hoch-Treibhäuser wohl auch ökologisch bestellen, aber das ginge sicher der Idee der Produktionseffizienz zuwider. Und wer soll eigentlich in ein Hoch-Treibhaus zig Millionen investieren, um darin Gemüse anzubauen? Kann das wirtschaftlich sein?

Was wie so oft im Ernährungsbereich vergessen wird: Hochtechnologielösungen haben zwar oft ihren Reiz, am Problem gehen sie aber vorbei. Wir könnten mit den heutigen Ackerflächen mehr als die doppelte Menge Menschen ernähren, die heute auf der Erde lebt. Wir müssten nur weniger Getreide in Automotoren stopfen, anstelle von Burgern aus Mastrindern mehr pflanzliche Lebensmittel essen, und die Felder nachhaltig-ökologisch bewirtschaften, damit kostbares Ackerland nicht dauerhaft verloren geht.

Foto: Pixelio

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www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

3 Kommentare

  1. Warum einfach?

    Wenn es auch kompliziert geht? Mal abgesehen davon möchte ich erstmal so ein Gewächshochhaus in Funktion sehen, ob das wirklich alles so toll funktioniert. Oftmals stellen sich dann in der Praxis Probleme ein, die es in der Theorie nicht gab. Und eine Ökobilanz hätte ich auch gerne. Wieviel Energie muß in so ein Hochhaus gesteckt werden und wie lange muß es betrieben werden, bis die Energie-/Rohstoffkosten des Baus wieder eingebracht sind.

  2. Im Grunde wird man gar nicht drumherum kommen, einen Teil der Nahrungsmittelproduktion in die Städte zu holen. Das wird spätestens dann passieren, wenn Transportkosten einen merklichen Teil der Lebensmittelpreise ausmachen.

    Mit Getreide wird das allerdings nicht funktionieren, einfach weil so ein Hochhaus zu kleinteilig ist. Vielleicht kommt es irgendwann zu einer Aufteilung: Auf dem Land Getreide und Tierhaltung, in der Stadt höherwertige Feldfrüchte wie Obst und Gemüse.

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