28.09. Nichts für Kinder – gerade für Kinder

BLOG: Neustart nach dem Putsch

Wie sich der Regierungswechsel in Madagaskar auf Mensch, Natur und Entwicklungszusammenarbeit auswirkt
Neustart nach dem Putsch

Sonntag in Tana, und wir erlauben uns eine klassischen Sonntagsbeschäftigung – ein Besuch im Zoo und Botanischen Garten „Tsimbazaza“. Der weitläufige, 1925 gegründete Park liegt im gleichnamigen Stadtteil, dessen Name soviel bedeutet wie „Nicht für Kinder“. Er rührt daher, dass hier früher Militär stationiert war, von dem sich das Jungvolk möglichst fernhalten sollte.

DSC09042Credit: Ernst Golde

Universales Vergnügungsparkzubehör: Zuckerwatte.

Heutzutage sieht das ganz anders aus. Wir durchstreifen den Park mit vielen madagassischen Familien, Eltern und Kinder fein heraus geputzt in vorzugsweise bunter Ausgehkleidung. Trotz der miserablen Wirtschafts- und Sicherheitslage lässt sich der Mittelstand von Tana offenbar einen Vergnügungsbummel nicht entgehen. Vom Park angestellte Fotografen laufen umher und knipsen, Abzüge können die Besucher direkt an einer Druckerstation im Park kaufen. Neben dem Palmengarten stehen eine Popcorn- und eine Zuckerwatte-Maschine, beide im Oldtimer-Zustand, der süßliche Geruch zieht durch den ganzen Park. Auch vorbei an nachgebauten Gräbern der Sakalava (Holz mit geschnitzten Figuren) und Stämmen aus dem Hochland (Steinquader). Am anderen Ende des Parks jauchzen Kinder in einem handbetriebenen Karussell aus aufgeschnittenen Fässern.

DSC09001Credit: Ernst Golde

Zoobesucherinnen in Tsimbazaza.

Die Gehege sind teils sehr klein und einfach, vergleichbar mit denen in deutschen Tiergärten vor einigen Jahzehnten. Aber es gibt auch moderne, große Anlagen, zum Beispiel für die Fischadler. Das Lemurenhaus ist auf den ersten Blick ebenfalls in relativ gutem Zustand. Zoos aus New York, Köln und Berlin und der Vogelpark Walsrode haben mit Geld und Know-How geholfen. Der Zoo Duisburg hat eine große Fossa-Anlage gestiftet. 2006 besuchte sogar der damalige Bundespräsident Horst Köhler „Tsimbazaza“ und sprach sich für eine engere Zusammenarbeit im Naturschutz aus. Der Putsch legte die Kooperation auf staatlicher Ebene weitgehend lahm. Jetzt bleibt abzuwarten, was die Zukunft bringt.

Veröffentlicht von

Nach einem Biologiestudium in Göttingen promovierte Lennart Pyritz am Deutschen Primatenzentrum über das Gruppenverhalten von Lemuren. Dafür verbrachte er insgesamt 14 Monate im Trockenwald Westmadagaskars. Über diese Zeit führte er einen Blog für Spektrum.de, der 2012 in erweiterter Form auch als Buch veröffentlicht wurde ("Von Makis und Menschen", Verlag Springer Spektrum). Nach der Doktorarbeit wechselte Lennart Pyritz in den Wissenschaftsjournalismus, hospitierte bei der Süddeutschen Zeitung in München, ZEIT Wissen in Hamburg und arbeitete als Vertretungsredakteur der Sendung "Quarks & Co" im WDR. 2012 bis 2014 volontierte er anschließend beim Deutschlandradio in Köln und Berlin und für einen Monat bei BBC 4 in London. Anschließend arbeitete er als Junior-Programm-Mitarbeiter im Deutschlandfunk. Vom 10. September bis zum 22. Oktober unterbricht er seine Anstellung beim Radio, um mit einem Recherchestipendium der Heinz-Kühn-Stiftung als Journalist nach Madagaskar zurückzukehren.

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