Lernen: Weiter gedacht

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Ein Studium soll Raum bieten zur persönlichen und fachlichen Entfaltung. Statt nur passiv in den Vorlesungen zu sitzen und mitzuschreiben sollte Lernen aktiv gestaltet sein. Das Konzept des Problembasierten Lernens bricht mit der Tradition und stellt Studierende in den Mittelpunkt.

In den letzten beiden Studienjahren an der Universität Maastricht habe ich mir ein umfangreiches Bild einer besonderen Lernform machen können. Als Student der Biomedizin absolviere ich ein kompetenzbasiertes Curriculum. Dazu basiert es auf bestimmten Prinzipien, das Konzept trägt den Namen Problembasierten Lernen (PBL).

Die “Siebensprungmethode”

In Tutoriengruppen von bis zu 10 Studierenden wird die sogenannte Maastricht “Siebensprungmethode” angewandt. (1) Über einen Zeitraum von zwei Tutorien, mit Vor- und Nachbereitung jeweils, und einer persönlichen Lernphase werden die folgenden Punkte abgearbeitet.

  1. Identifikation von Unklarheiten: Anhang eines Textes (mit Fallbeispiel) werden Begriffe von den Studierenden diskutiert und offene Fragen geklärt.
  2. Problemdefinition: Die Gruppe einigt sich auf eine Definition der zu lösenden Frage(n) und der Problematik(en).
  3. Brainstorming: Wertfrei werden in diesem Schritt Begriffe sortiert. und Konzepte besprochen. Die Ergebnisse werden von einem Studierenden schriftlich und/oder bildlich festgehalten. (Eine) Hypothese(n) kann am Ende dieses Arbeitsschritts stehen.
  4. Review: Wenn notwendig wird nun systematisch geordnet. Hypothesen können an dieser Stelle bereits auf ihre Stichhaltigkeit überprüft werden.
  5. Formulierung von Lernzielen: Am Ende des ersten Tutoriums werden Fragestellungen formuliert, um im Folgenden bewusstgewordene Wissenslücken zu schließen.
  6. Individuelles Lernen: Den zeitintensivsten Schritt stellt das Lernen in Eigenarbeit dar. Mithilfe von Lektüre werden nun die Fragen geklärt, Konzept nachvollzogen und/oder erarbeitet und der Text (samt des Fallbeispiels) unter Berücksichtigung der neuen Erkenntnisse erklärt.
  7. Gruppendiskussion und Präsentation persönlicher Resultate: Im zweiten und abschließenden Tutorium kommen die Studierenden zur Besprechung und dem Austausch ihrer Ergebnisse zusammen.

Wissenschaftlich geprüft

Trotz des hohen Zeitaufwandes, eines tendenziell höheren im Vergleich zum (reinen) Lernen mit Vorlesungsmaterial, zeigen Studien die Wirksamkeit dieser modernen Lehre.

So sehen Hmelo-Silver et al. eine Abnahme der kognitiven Belastung der Studierenden beim Lernen nach PBL. (2) Gleichzeitig würden diese lernen, in komplexeren Strukturen zu denken.

Eine Meta-Analyse von Koh et al. kommt zu dem Schluss, dass die Effekte auf die ärztliche Kompetenz nach dem Studium mit der PBL-Methode klar positiv seien. (3) Bemerkenswert sei ein besonders starker Effekt auf die Entwicklung von Kompetenzen im kognitiven und sozialen Bereich zu verzeichnen.

Eine weitere Meta-Analyse von Mark et al. weist darauf hin, dass problembasiertes Lernen sich nicht negativ auf Prüfungsleistungen auswirken, verglichen mit konservativen Lernmethoden. (4)

Eine Reform oder zumindest die Erweiterung des Lehrplans an Hochschulen und Universitäten kann sich also lohnen.

 

Quellen:

(1) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1125189/pdf/328.pdf

(2) http://tandfonline.com/doi/abs/10.1080/00461520701263368 

(3) ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2151117

(4) http://journals.lww.com/academicmedicine/Abstract/1993/01000/Problem_based_Learning__A_Review_of_Literature_on.20.aspx 

Nico Amiri

Veröffentlicht von

Mein Name ist Nico Amiri, 22 Jahre bin ich jung. Als der Student der Biomedizin und neugieriger Mensch entdecke ich jeden Tag diese wundervolle Welt neu für mich. In meinem Studium lege ich meinen Schwerpunkt auf die Erforschung der neurodegenerativen Erkrankung Alzheimer. Dabei interessiert mich weiterhin die Epigenetik und das glymphatische System.

1 Kommentar

  1. Entscheidend ist, welche Fächer gelehrt und gelernt werden sollen/müssen.
    Beim Medizinstudium muss man die Namen aller Knochen wissen, da hilft dir keiner, da musst du büffeln.
    Beim Chemiestudium ist auch keine Zeit für Poesie, das blanke Wissen ist hier Trumpf.
    Bei den Geisteswissenschaften kommt es dagegen auf Phantasie und Poesie an. Hier braucht es die richtige Stimmung um auf den Wegen der Geistesgrößen zu wandeln.
    Und , um hier nicht in den leeren Raum zu reden, wäre ein statistischer Vergleich zwischen traditionellen Lehr/Lernmethoden und modernen Lernmethoden in Bezug auf die Ergebnisse nach dem Studium sinnvoll. Und letztlich haben die Universitäten einen Ruf und einen Ruf zu verlieren. Man sollte mal die Studenten fragen, was sie wollen und was sie darüber denken.

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