Zeit für Politik und Parteien, Zeit für Menschenrecht? Ein Originaltext der Philosophin Jeanne Hersch (1910 – 2000)

Auf Twitter wurde ich vor allem von rechts, auf Mastodon werde ich vor allem von links dafür beschimpft, dass ich mich seit Jahrzehnten in einer demokratischen Partei – der CDU / EVP – engagiere. Doch ich tue das nicht, weil es leicht wäre, sondern weil ich für unsere Demokratie, gegen jeden Extremismus, für die soziale und ökologische Marktwirtschaft eintrete.
Und ich bin sehr glücklich darüber, dass mit dem Europaabgeordneten Peter Magyar von Tisza / EVP gerade ein pro-europäischer und christlich-demokratischer Kandidat die Wahl in Ungarn gegen die fossile, mediale und nahezu diktatorische Herrschaft von Putinknecht Viktor Orban und dessen Fidesz / „Patrioten für Europa“ gewonnen hat! Auch Magyar hätte dies nicht alleine geschafft, sondern trat erst im April 2024 der 2020 gegründeten Tisza bei.
Peter Magyar bei seiner Siegesrede zur Ungarnwahl am 12.04.2026: „Tisza und Ungarn haben diese Wahl gewonnen!“. Screenshot bei EUMS (sehenswerter Wahlbericht!): Michael Blume
Nun hat die Verachtung auch demokratischer Parteien gerade auch in Deutschland eine lange und unheilvolle Tradition. Viele Menschen halten Parteien oder auch Politik generell für „unsauber“ und haben wenig Verständnis dafür, dass sich Menschen in verschiedenen, demokratischen Parteien engagieren. Das ist einer der Gründe, warum extremistische Parteien in Deutschland immer wieder so erfolgreich angreifen können.
Ganz anders die Schweizer Philosophin, Sozialdemokratin und Jüdin Jeanne Hersch, die mich mit ihrer „Philosophie der Zeit“ dazu brachte, auch über die liberale, jedoch stark rationalistische und individualistische Erkenntnistheorie ihres Zeitgenossen Karl Popper (1902 – 1994) hinaus zu denken. Beide hatten vor dem Antisemitismus der Nationalsozialisten fliehen müssen, doch Hersch sah ihre Aufgabe als Philosophin gerade auch in der sozial-demokratischen Parteipolitik und äußerte sich auch in Vorträgen und damals „neuen“ Medien wie Radio und Fernsehen streitbar zu Themen wie Freiheit und Verantwortung, Menschenrechten oder auch der Drogensucht gegen „ein Recht auf Rausch“. Sie war sich als Lehrerin und UN-Mitwirkende eben nicht zu fein, in den konkreten Dialog mit den Menschen und der Gesellschaft ihrer Zeit zu treten.
Der Band 2 der „Ausgewählten politischen Schriften, Schriften zur politischen Philosophie“ von Jeanne Hersch enthält intensive Auseinandersetzung mit Politik und europäischen Parteien und ist auch online frei verfügbar.
Als Originaltext habe ich jedoch hier einen faszinierenden Absatz aus ihrem Aufsatz „Tragweite und Grenzen des politischen Handelns“ von 1953 gewählt, den sie für eine Festschrift zum 70. Geburtstag von Karl Jaspers (1883 – 1969) schrieb. Dieser findet sich in der 2. Auflage von „Erlebte Zeit. Menschsein im Hier und Jetzt“ von 2010 auf den Seiten 136 – 151.
Die zweite Auflage des Sammelbandes zu Jeanne Hersch, „Erlebte Zeit. Menschsein im Hier und Jetzt“, NZZ 2010. Foto: Michael Blume
Bitte achten Sie auch darauf, wie gekonnt und tief Hersch dabei die Absage an die platonisch-deutsche Parteienverachtung, an Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und Hetze gegen alte Menschen mit dem biografischen Erleben als jüdische NS-Verfolgte und der Verantwortung aller Lesenden für die Demokratien, sogar für „die Wahrheit“ in der konkreten Zeit verknüpft!
Und ich schließe nicht aus, dass sie mit „dem Freund“ hier auf den sogar nach dem NS-Niedergang noch uneinsichtig antisemitischen Platoniker und dann Freiburger NS-Rektor Martin Heidegger (1889 – 1976) anspielte. Ich halte es für keinen Zufall, dass sowohl der Österreicher Popper wie die Schweizerin Hersch dem (heute so genannten) EUSALP-Alpenraum zugehörten.
Hier also Jeanne Hersch im Original:
„In den Wintermonaten, die der Machtergreifung Hitlers vorangingen, sagte mir ein Freund in Deutschland, er lehne das unsaubere und summarische Vorgehen der Parteien ab.
Man müsse die Menschen auf eine individuelle Art erziehen.
Alles andere sei ohne jede Wirkung.
Selbst wenn diese Erziehung sehr langsam, sehr langatmig wäre, müsse man sich auf sie beschränken, denn sie allein würde ihren Zweck nicht durch die Mittel entheiligen.
Einige Monate später war dieser Freund ins Hitlersystem eingegliedert.
Als ich in diesem Jahr 1933 Deutschland verliess – eine kleine Jüdin, die man mit besonderer Rücksicht behandelt hatte, weil sie Ausländerin war, während andere kompromittierte oder verdächtige Studenten lautlos am Schluss einer Vorlesung verschwanden, Männer in braunen Hemden die berühmten Lehrstühle besetzten und den 18-jährigen Ariern die an allen Teilen des Körpers einer jüdischen Frau erscheinen Zeichen vorzeitigen Alterns erklärten und während man im Bann des Horst-Wessel-Liedes, das mit Blut getränkte Strassen versprach, erwachte, ass, atmete, dachte und schlief -, hatte ich einige unersetzliche Erfahrungen gemacht und einige elementare Einsichten gewonnen.
Die erste dieser Einsichten war, dass man der Politik unmöglich den Rücken kehren kann; wenn man es ablehnt, sich mit ihr zu beschäftigen, beschäftigt sie sich mit einem; es ist besser, dem zuvorzukommen und sich in diesem unsauberen Bezirk wenigstens seine Kampfstellung zu wählen.
Die zweite Einsicht war, dass es nichts innerhalb des menschlichen Bereiches gibt, das für immer errungen und ausserhalb der Zeit festgelegt ist.
Nichts: weder das Ansehen der Person noch die gesellschaftlichen Schranken noch die Gerechtigkeit, nicht einmal der Sinn des Wortes Gerechtigkeit – nicht einmal der Wille zur Gerechtigkeit.
Nicht einmal die Wahrheit.“
Auch der Befassung mit der Philosophie von Jeanne Hersch (die auch betonte, dass sich Freiheit nur im Jetzt verwirklichen lasse), verdanke ich den für mich so wichtigen, auf dem Nil formulierten Leitsatz: Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht.
Auch trug Hersch erheblich dazu bei, dass ich mich mit den drei Grundformen von rechtsstaatlicher Demokratie als Parteien – Konkurrenzdemokratie, Konsensdemokratie und Konkordanzdemokratie befasste. Ich verdanke ihr sehr viel.


Schöne Passage, wenn aus festsitzender Willkür eindimensionale Herrschaft werden soll und Widerstand gefordert ist.
@Mussi
Danke & mehr noch: Die Vielfalt demokratischer Parteien verbürgt den „Widerstand“ gegen jede „Willkür eindimensionaler Herrschaft“. Die wertvolle Vielfalt an Parteien ist für mich ein Grund für eine starke Betonung von Verhältniswahlrecht auch im deutschen Wahlrecht. Daher gehöre ich auch nicht zu jenen, die sich über den Niedergang etwa liberaler oder sozialdemokratischer Parteien freuen würden. Verschiedene, demokratische Traditionen haben ihren Wert, ihre dialogische Perspektive. Meine ich.
Ja, sich einen umfassenden Überblick über Menschen- und Weltbilder zu machen, was das für Politik bedeutet und wie Mitwirkung funktioniert, ist äusserst komplex. Schwerpunktbildung ist da unausweichlich.
Ein Anlass zum Ausgleich.
Ich mach mir keine Sorgen, wenn Menschen eine andere Meinung haben als ich. Ich mache mir sorgen, wenn alle die gleiche haben wie ich. Genauso ist’s bei Parteien oder Religionen. Wenn ich keinen habe, der mich auf die Palme bringt, verblöde ich. Eine einzige Meinung, Partei, Religion ist immer in Isolationshaft und da wird sie nach ein paar Jahren ziemlich gaga. Passiert leider auch Menschheiten, die mutterseelenallein auf einem einsamen Planeten durchs All schweben, aber da hilft Meinungsvielfalt bei der Schadensbegrenzung.
Naja. Die Frage ist, warum sich ein Mensch nicht durch Drogenrausch selbst zerstören darf, aber durch Geld-, Macht- oder Blutrausch die ganze Gesellschaft mit in den Tod reißen darf. Das ist ein Problem der Mehrheitsdemokratie – verboten wird alles, außer das Verbieten und das, was die Mehrheit macht. Als Folge müssen die Schwulen die Mehrheit schwul machen, die Kiffer die Mehrheit zu Kiffern, die Muslime die Mehrheit zu Muslimen, die Christen die Mehrheit zu Christen, die Rassisten die Mehrheit zu Rassisten, die Hamsterzüchter die Mehrheit zu Hamsterzüchtern, die Serienmörder die Mehrheit zu Serienmördern, sonst müssen sie’s lassen, doch als Mehrheit dürfen sie sich frei austoben.
Und weil nicht jeder alle Hobbys gleichzeitig ausüben kann, fetzen sie sich gnadenlos um jede Seele, bis der Tod die Mehrheit zu Toten macht. Die Probleme, die die Bedenkenträger beim Erfinden der Demokratie vorhergesagt hatten, sind aufgetreten: Tyrannei der Mehrheiten, und dass die Arbeiter nach dem Willen der Unternehmer stimmen, von denen sie abhängig sind. Oder befragen wir nicht etwa die Wirtschaft bei allen Entscheidungen wie ein Orakel?
Wir brauchen ein paar Upgrades, Bugfixes, Patches. Die Demokratie ist nicht in der Krise, Europa, Amerika sind in der Krise, weil sie die Demokratie verbocken.
Die Menschen selbst sind nur eingeschränkt upgrade-fähig. Jedes System muss sie im Wesentlichen nehmen, wie sie sind. Die Parteien, die sie bilden, die Entscheidungen, die sie wider besseres Wissen treffen, die Triebe, die Dummheit, die Bosheit, die Streitlust, die Naivität, die Betriebsblindheit, die Neigung, sehenden Auges ins Messer zu laufen. Demokratie ist nicht wichtig, weil sie ein tolles Regierungssystem ist, sondern, weil sie ein tolles System ist, den Schaden zu begrenzen, wenn Menschen beim Regieren versagen. Denn das tun wir auf jeden Fall. Wir brauchen Systeme, in denen nicht alle gleichzeitig alle fünf Minuten auf die Schnauze fallen, denn alle fünf Minuten muss uns jemand auf die Füße helfen.
Zivilisation ist die stete Flucht des immer gleich leicht zu tötenden Menschen vor seiner immer mächtigeren Keule. Und in Europa haben wir nur die Wahl zwischen Demokratie und Keule.
Warum? Weil Sie hier nie einen Kaiser haben können, der allen Flöhen im Sack die Keulen für immer wegnimmt. In großen, flachen, leicht zu kontrollierenden Staaten – China, Russland, USA – geht das, da führt steigender Reichtum zu härterem Wettbewerb, den früher oder später einer gewinnt, der entmachtet die Konkurrenz, aus den Kämpfen wird normale Korruption, die Fürsten und das Volk werden entrechtet und gleichgeschaltet, damit man sie leichter kontrollieren kann, mit Steuern und Arbeit überladen, damit sie zu schwach sind, sich aufzulehnen Das schwache Volk macht das Land schwach, doch wenn es die Masse hat, um den Mangel an Klasse zu kompensieren, kann es in Stagnation und Langeweile Jahrtausende vor sich hin dümpeln.
Im komplexen Europa haben Sie ähnliche Bedingungen wie im Alpenraum – viele natürliche Festungen. Kein Herrscher wird hier lange an der Macht bleiben, dazu ist Rebellion viel zu einfach und ihre Niederschlagung viel zu schwer. Und wenn alle Flöhe darin wetteifern, immer größere Keulen zu besitzen, müssen entweder die Mechanismen mit wachsen, die sie daran hindern, die Keulen zu benutzen – oder früher oder später bekommen sie alle eine Keule, die so mächtig ist, dass einer sie damit alle auf einmal erschlägt.
Wenn ein Herrscher mit Gewalt herrschen will, muss das Volk zu schwach sein, um sich zu wehren, doch dann ist auch das Land schwach. Wenn das Volk stark ist, muss er es fürchten, also geht er Kompromisse ein und herrscht mit Gerechtigkeit. Dann aber wird das Volk stark und hasst ihn, denn jeder Starke will seine Macht missbrauchen, um sich durch Unrecht zu bereichern. Also braucht er ein System, das es den Menschen ermöglicht, ihre Händel privat und gefahrlos auszutragen, ohne dass es deswegen so ungerecht zugeht, dass sich das Volk gegen ihn wendet. Er braucht Recht, er braucht Debatten, er braucht persönliche Freiheit, er braucht gegenseitigen Respekt. All das, was eine demokratische Republik zu sein versucht (ne, nicht die DDR, die hieß nur so).
Europa hat die schlimmsten Räuber, Mörder und Menschenfresser aller Zeiten auf die Welt losgelassen, aber auch die mächtigsten Instrumente geschaffen, sie im Zaum zu halten. Wir waren nie gut genug. Immer wieder kamen Herrscher wie Orban an die Macht, die ihr Volk erwürgten, ohne dass es sich wehren konnte, die jegliche Ordnung zerstörten. Und die Keulen kamen in Bewegung, immer und immer wieder, gnadenlos.
Europa ähnelt einer großen Bergregion, auch die Ebenen sind ziemlich klar unterteilt, und so klein, dass sie als große Täler durchgehen. Deswegen gibt es hier Demokratie. Aber es gibt wesentliche Unterschiede, die bewirken, dass wir hier schnell mächtige Keulen entwickeln und höher entwickelte Demokratien brauchen.
Um 1500 hat uns die Welt verführt. Sie war leichte Beute, Steinzeitvölker und riesige, dumme, träge Mammuts wie China. Wir hatten niemanden zu fürchten, und das machte uns zu Tyrannen und Sklavenhaltern. Und heute droht uns das Gleiche – Amerika wird zu einem öden, faulen China, wir bewaffnen uns an die Zähne, die Orbans, die nur in Frieden ihre Völker knechten und aussaugen wollen, verlieren, doch komplexere Verwaltungs- und Kriegsmaschinen sind in Arbeit.
Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns diesmal selbst zerstören, ist sehr hoch. Dass wir den Weg der Griechen gehen und der Skandinavier, die mal kurz expandierten und dann zu Fußnoten der Weltgeschichte wurden, auch. Aber falls nicht – habe ich Angst vor der Schwäche der Welt. Davor, was sie aus Europa machen wird.
Ich würde viel lieber demokratische Systeme weiterentwickeln, Republiken, Mechanismen von Frieden, persönlicher Freiheit, Gerechtigkeit, Wohlstand, Fortschritt. So langsam sind unsere Keulen so mächtig, dass es nirgendwo auf Erden eine Möglichkeit gibt, ihnen zu entkommen. Der Schrecken des Atomkriegs war genug, damit wir die Amis beim American Dream überflügelten. Doch damals war die Welt einfach. Heute ist sie so kompliziert, dass wir ohne die beste Demokratie, die wir uns basteln können, nicht überleben können.
Lieben Dank für diesen durchaus lesenswerten Einstieg, @Paul S. 🙏👍
“Ich mach mir keine Sorgen, wenn Menschen eine andere Meinung haben als ich. Ich mache mir sorgen, wenn alle die gleiche haben wie ich. Genauso ist’s bei Parteien oder Religionen. Wenn ich keinen habe, der mich auf die Palme bringt, verblöde ich. Eine einzige Meinung, Partei, Religion ist immer in Isolationshaft und da wird sie nach ein paar Jahren ziemlich gaga.
Das sagt mir sowohl aus eigener Erfahrung, aber auch philosophisch-erkenntnistheoretisch (dialogische Falsifikation) und sogar biblisch zu. So führt der sonst so sendungsbewusste Paulus mitten in seinem großartigen „Hohelied der Liebe“ in 1. Korinther 13, 9-13:
Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.
Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.
Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.
Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
Ihnen Dank für Ihr Interesse, die diesmal anregende Textflut und besten Wünschen für eine gute Nacht.
„Putinknecht“?
Fällt das Wort nicht in eine Denkkategorie, gegen die Sie hier immer mal wieder das Wort ergreifen?
Und davon ab: ein Knecht arbeitet für seinen Herren, Orban mit Sicherheit für sein Land!
Ich denke Ihre Einordnung sagt mehr über Sie als über Orban aus. Einen unfreien Eindruck macht Ihre Wortwahl ja schon …
Daß Ihnen mit dieser gedanklichen Spannweite auch so bald keine umfassende Würdigung mit vielen Für und Wider und Sowohl als Auch gelingen wird, ist leicht einzusehen …
Ja, @Christian Eckert – wenn ich Putinknecht schreibe, dann meine ich tyrannophile Vaterlandsverräter wie Viktor Orban, dessen Außenminister sogar noch aus EU-Außenministertreffen seinen russischen Vorgesetzten kontaktierte:
https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/spionage-ungarn-soll-eu-infos-an-russland-weitergegeben-haben,VEhb5yx
Es wird mir eine Ehre sein, auch weiterhin Antisemitismus, Rechtsdualismus, fossilen und korrupten Faschismus beim Namen zu nennen. Übrigens auch auf Mastodon:
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116398440552129560
Sie haben mich ja neulich schon einmal zum Toleranzparadox nach Karl Popper ernsthaft gefragt, ob ich das mit der Verteidigung des Grundgesetzes und der liberalen Demokratien auch so meine. Die Antwort war & ist: Ja. 🇩🇪🇭🇺🇪🇺🖖
Guten Abend, @Michael,
danke dass Du Dir abermals Zeit für philosophische Lektüre genommen hast und uns einen Text von Jeanne Hersch vorstellst!
Sie schreibt:
„… dass es nichts innerhalb des menschlichen Bereiches gibt, das für immer errungen und ausserhalb der Zeit festgelegt ist.“
Den Satz habe ich erst mal verdauen müssen.
Ich denke, wir erleben seine Bedeutung gerade sehr schmerzhaft, wo demokratische Werte, die wir in großen Teilen der Welt für sicher errungen dachten, ernsthaft in Gefahr kommen.
Aber Demokratie, Gemeinwohl und gutes Leben sind nirgendwo außerhalb unserer zeitlichen Existenz fest verankert. Diese Werte müssen immer wieder von neuem errungen, in gewisser Weise erschaffen werden. Historische Errungenschaften sind keine Goldmünzen, die unbeschadet dem Gang der Zeit trotzen und in die Zukunft überdauern. Nein, sie müssen wohl von jeder Generation von Neuem wieder erschaffen werden.
Die Werte einer demokratischen und gemeinwohlorientierten Gesellschaft sind nicht „für immer errungen und ausserhalb der Zeit festgelegt“.
Aber weil wir Erinnerung und historisches Gedächtnis haben, sind wir in der Lage, vorbereitet in den Prozess des Wieder-Erschaffens zu gehen und, wenn es gut läuft, aus Fehlern aus der Vergangenheit zu lernen.
Das passt für mich auch zum Prozess des Verstehens, den Richard Feynman
einmal so zusammengefasst hat (auf seiner Tafel):
„What I cannot create, I do not understand.“
Etwas verstehen, sich geistig etwas anzueignen, kann immer nur in einem Schaffensprozess in der Zeit gelingen. Ideen, die außerhalb unseres Seins in der Zeit vermeintlich existieren, sind für unsere Erkenntnis, für unser menschliches Dasein nicht relevant – wenn es sie denn gibt. Und Wissen, das verstanden wurde, lässt sich nicht durch Vererbung weitergeben, sondern muss von Menschen immer wieder neu erschaffen werden.
Guten Abend & vielen Dank, lieber @Peter 🙏🙌
Auf Deine Kommentare auch zur großen Philosophin der Zeit, Jeanne Hersch, habe ich mich schon sehr gefreut – denn die Zeit ist ja auch unser beider interdisziplinäres Dialogthema! 🕰️📚🤓
Und ich wurde nicht enttäuscht, denn Du beschreibst m.E. zentrale Leistungen von Hersch: Nach den Massenmorden und der Niederlage des Nationalsozialismus verfiel sie weder in einen das Böse verdrängenden Fortschrittsglauben noch in eine resignative Hoffnungslosigkeit.
Stattdessen betonte sie die Möglichkeit, aber auch die Verantwortung, aus der Geschichte zu lernen und in jeder Generation neu Menschenrechte und Demokratie zu verteidigen.
Klar war ich bereits aus biografischer und zivilreligiöser Motivation politisch in (m)einer christdemokratischen Partei aktiv, bevor ich Jeanne Hersch gelesen hatte.
Doch durch sie begann ich zu begreifen, dass 1. politisches Engagement angewandte (mehr oder weniger reflektierte) Philosophie ist und dass 2. Freiheit und Verantwortung immer wieder nur in der Gegenwart ausgeübt werden können.
Und es ist genau, wie Du sagst:
“Wissen, das verstanden wurde, lässt sich nicht durch Vererbung weitergeben, sondern muss von Menschen immer wieder neu erschaffen werden.“
Genau dies machen wir hier gemeinsam mit allen Mitlesenden und Mitwirkenden.
Dir von Herzen Dank und eine gute Nacht, lieber @Peter 🙏🌃
„Und Wissen, das verstanden wurde, lässt sich nicht durch Vererbung weitergeben, sondern muss von Menschen immer wieder neu erschaffen werden.“
Ihren letzten Satz sollte man in Stein meißeln, @Peter Gutsche
Denn das Bewusstsein dafür scheint uns abhanden gekommen zu sein.
Gerade der aktuelle Zustand unserer Demokratie zeigt, dass wir diese zu lange für selbstverständlich gehalten haben.
Nach dem 2. Weltkrieg hat man die Gründe für den Aufstieg der Nazis analysiert. Als „Treiber“ galt ua die Weltwirtschaftskrise, die zu hoher Arbeitslosigkeit führte. Armut und Hoffnungslosigkeit waren vielfach damit verbunden.
Die bundesrepublikanische Politik sorgte also durch entsprechende Gesetzgebung dafür, dass die Menschen im Falle der Arbeitslosigkeit finanziell vor Armut geschützt waren. Daran ist nichts zu bemängeln.
Die „Erfolge“ der AfD können weder mit Armut noch mit Hoffnungslosigkeit erklärt werden. Meiner Ansicht nach ist die Fixierung auf materielle Werte in unserer Gesellschaft und die Ungleichverteilung derselben ein Grund für eine offenbar weiter verbreitete Unzufriedenheit als wir angenommen haben.
Meine Generation hat Sprüche wie „Geiz ist geil“ mitzuverantworten. Davon wurden die jüngeren Leute geprägt, die das Ungleichgewicht erkennen und, angesichts der Demografie, für sich nichts Gutes in der Zukunft erwarten. Sicher nicht alle, aber doch ein nicht unerheblicher Teil der jungen Menschen.
Um die Demokratie für die nächste Generation zu sichern – für mehr als eine Generation wäre schön – müssen gerade die jungen Leute sich in Politik und Gesellschaft einbringen können. In konstruktivem Zusammenwirken aller Altersgruppen können kreative Lösungen zum Fortbestand unserer FDGO erarbeitet werden. Ganz wichtig: Dafür werden alle Demokratinnen und Demokraten gebraucht.
Jede Generation stand vor neuen Herausforderungen und musste damit klarkommen. Die Schnelligkeit, mit der sich unser Alltag momentan verändert, ist eine solche Herausforderung. Wir können von denen lernen, die vor uns da waren. Deren Lösungen eins zu eins zu übernehmen, ist keine Option.
Ich bin überzeugt, dass genügend Kreativität, guter Wille und Intelligenz vorhanden sind, um die Zukunft erfolgreich zu gestalten.
Menschen wie Jeanne Hersch und Karl Popper, die den Aufstieg und die Machtübernahme der Nazis selbst erlebt haben, verdanken wir genau die Einsichten, die dazu führen sollten, aus den Deutschen gute Demokraten zu machen. Der Publizist Sebastian Haffner und der Historiker Golo Mann fanden zeitlebens warnende Worte.
Jeanne Hersch stimme ich vor allem zu, wenn sie schreibt:
„Die erste dieser Einsichten war, dass man der Politik unmöglich den Rücken kehren kann; wenn man es ablehnt, sich mit ihr zu beschäftigen…“
Sie schreiben:
„Nun hat die Verachtung auch demokratischer Parteien gerade auch in Deutschland eine lange und unheilvolle Tradition.“
Gute Demokratinnen und Demokraten engagieren sich politisch, stellen sich den Herausforderungen ihrer Zeit und tragen dazu bei, dass demokratische Parteien Achtung genießen. So fasse ich die beiden Zitate zusammen.
Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass sich in den demokratischen Parteien gute Demokraten einbringen. Vor allem dort, wo etwas bewegt werden kann: In Städten und Gemeinden. Leider habe ich den Eindruck, dass ausgerechnet dort, wo demokratische Parteien gut zusammenarbeiten, dies allgemein nicht als parteipolitisch von den Menschen wahrgenommen wird.
In zahllosen Stadt- und Gemeinderäten werden seit Jahrzehnten parteiübergreifend Entscheidungen für das Gemeinwesen getroffen. Darüber wird nicht berichtet.
Wir haben uns auf diesem Blog mehrfach über die Rolle und Bedeutung des Lokaljournalismus ausgetauscht. Meinungen werden gemacht – vor allem von den großen Tageszeitungen, deren Internetseiten etc.
Aus meiner Sicht haben wir bei zahlreichen Themen kaum noch Unterschiede in der Berichterstattung. Genau da setzt meine Kritik an. Nach der Propaganda der Nationalsozialisten hatte man sich in der westdeutschen Gesellschaft vorgenommen, auf Propaganda nicht mehr hereinzufallen.
Damit sind wir wohl gescheitert! Wenn Sie feststellen, dass demokratischen Parteien von der Bevölkerung zunehmend misstraut wird, dann liegt einer der Gründe auch in der Berichterstattung. Das hat auch damit zu tun, dass demokratische Parteien in Teilen dazu übergegangen sind, in den Medien nicht mehr nur über die Unterschiede bei Sachfragen zu sprechen, sondern über das Verdrängen politischer demokratischer Gegner aus der Parteienlandschaft oder einer Überpersonalisierung der eigenen Führungspersönlichkeiten, die Sachfragen in den Hintergrund rückt.
Zu viele von uns gehen da unkritisch mit.
Vielen herzlichen Dank für Ihre m.E. treffende Analyse, @Marie H. 🙏
Auch ich denke bei demokratischen Parteien zunächst an die Abertausenden meist ehrenamtlichen Mitglieder, die sich etwa in der Kommunalpolitik für unser Gemeinwesen demokratisch einbringen. Doch leider verstärkt der schnelle Rückgang der Lokalmedien den Eindruck, Parteien bestünden nur aus wenigen, ständig zankenden Hauptamtlichen in der Berliner Blase. So kann keine föderale und konstruktive Wahrnehmung entstehen.
Das ist ein Grund, warum Prof. Ince und ich mit „Blume & Ince“ gezielt mit neuen, digitalen Formaten experimentieren, mit denen auch zukünftig kommunale Dialoge stattfinden können.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-53-gefahr-von-parteiblasen-irankrieg-statt-friedensenergien/
Zudem habe ich mich heute sehr darüber gefreut, dass Manuel Hagel (CDU) & Cem Özdemir (Grüne) nicht nur Koalitionsverhandlungen für die Bildung einer Reformregierung in Baden-Württemberg angekündigt haben. Den Sondierungsergebnissen entnahm ich auch eine „Klimamilliarde“ für Kommunen zum Ausbau erneuerbarer Friedensenergien und vor allem ihre Beteiligung an den Gewinnen durch Solar- und Windkraft. Wenn es gelingt, dies klug umzusetzen, würde es die Kommunalpolitik inhaltlich und finanziell auf die Zukunft als Solarpunk-Arche-Regionen hin stärken und könnte an das hier oft besprochene „Wunder von Wunsiedel“ anknüpfen!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-und-solarpopper-wasserstoff-hoffnung-wunsiedel-bayern/
Ich hoffe wirklich für unser Land und für die Demokratien insgesamt, dass hier in den nächsten Jahren eine erfolgreiche Landespolitik gelingt! Und werde mich auch weiterhin im Rahmen meiner Möglichkeiten dafür einbringen, klar.
Ihnen herzlichen Dank für die starken und dialogischen Kommentare!
@Paul S 13.04 21:59
„Heute ist sie so kompliziert, dass wir ohne die beste Demokratie, die wir uns basteln können, nicht überleben können.“
Wir brauchen vernünftige Politik. Und etwas Glück? Dass wir auch ohne Trump Putin aufhalten können, dass die Straße von Hormus wieder frei wird und dass wir Frau Reiche bremsen können. Und dass China Taiwan in Ruhe lässt.
@Peter Gutsche 14.04 00:12
„Und Wissen, das verstanden wurde, lässt sich nicht durch Vererbung weitergeben, sondern muss von Menschen immer wieder neu erschaffen werden.“
Und so wird auch klar, dass immer wieder dieselben Fehler gemacht werden. Die mit der Erfahrung sterben weg, die Neuen, die nachrücken, wissen nicht mehr, was passieren kann, wenn man nicht aufpasst.
Aber es geht ja nicht nur um Politik. Kultur selber ist deutlich weitreichender. Und die Kultur blüht gerne da, wo die Politik gar nicht hinkommt. Die können uns mit schlechten Gesetzen nerven, aber wir können auch selber aktiv werden.
Wenn etwa die Betreiber von PV-Anlagen mittags kein Geld mehr für die Einspeisung ins Netz bekommen, dann schafft man sich einfach einen Lithiumspeicher an, speichert da den Strom und verkauft ihn noch am selben Abend. Zu vielleicht sogar noch besseren Preisen.
Und das macht auch noch richtig Sinn. Wenn man abregeln muss, ist die Energie auch dann verloren, wenn man dafür ausgiebig entschädigt wird.
Wir brauchen auch keine Gesetze, um weniger Fleisch zu essen. Wer das wirklich will, der kann es doch tun. Subventionieren muss man es nicht, klar. Wenn man das aber versucht zu erzwingen, trifft man meistens nur die Leute, die sowieso am wenigsten Geld haben.
Und die werden sich nicht bedanken.
Wer sich einen Neuwagen leisten kann, der kann jetzt aufs E-Auto umsteigen. Viele nicht, die müssen noch mindestens 10 Jahre warten, bis billige E-Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu haben sind. Das hat dann auch nichts damit zu tun, ob in 10 Jahren nun noch neue Verbrenner gebaut und verkauft werden dürfen oder nicht.
Wirklich modern wäre allerdings, statt einer dann elektrischen stehenden Blechlawine lieber ein Sammeltaxisystem auf der Basis von selbstfahrenden E-Fahrzeugen zu etablieren. Das spart dann wirklich riesige Ressourcen ein.
Hallo zusammen,
der Aussage von Jeanne Hersch …
„Die erste dieser Einsichten war, dass man der Politik unmöglich den Rücken kehren kann; wenn man es ablehnt, sich mit ihr zu beschäftigen, beschäftigt sie sich mit einem;“
…
steht das aktuelle Gebaren der US-Regierung gegeüber Papst Leo XIV gerade perfekt entgegen.
Es ist schon sehr vielsagend der Gegensatz von Moral und Politik, den Vance hier konstruiert.
Vielen Dank, lieber @Peter – und ich kann Dir da nur zustimmen. Werde in den nächsten Tagen auch bei verschiedenen Gelegenheiten über den Trump-Fail und die würdelosen Anwürfe an den Papst zu sprechen haben.
Habe einfach Felo.ai einmal danach gepromptet, ob sich meine entsprechenden Warnungen vor der fossilistischen, dualistischen und messianischen Politik Trumps bestätigt hätten:
Ja, die Warnungen des Religions- und Politikwissenschaftlers Dr. Michael Blume bezüglich einer fossilistischen, dualistischen und messianischen Politik Donald Trumps haben sich durch dessen Amtsführung und Rhetorik in wesentlichen Punkten bestätigt[19]. Blume ist seit 2018 Antisemitismus-Beauftragter des Landes Baden-Württemberg[15].
## Fossilistische Politik
Dr. Michael Blume argumentiert in seiner Theorie des „Fossilismus“, dass die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas autoritäre Regime begünstigt und Demokratien untergräbt[6]. Diese sogenannten „Rentierstaaten“ finanzieren sich durch Rohstoffeinnahmen statt durch Steuern, was die Herrschenden von der Zustimmung der Bürger unabhängig macht und die Unterdrückung von Opposition erleichtert[6].
Die Politik Donald Trumps weist Merkmale dieser fossilistischen Ausrichtung auf:
* **Klimapolitik**: Trumps Regierung zog sich aus dem Pariser Klimaabkommen zurück, förderte die heimische Kohleindustrie und versuchte, die weltweite Dekarbonisierung zu stoppen[37][38]. Das Wort „Klima“ wurde aus vielen offiziellen Bereichen entfernt[37].
* **Wirtschaftspolitik**: Die Trump-Administration setzte unter dem Motto „American Minerals First“ auf Deregulierung und die Ausbeutung eigener fossiler Ressourcen[27].
* **Außenpolitik**: Trumps Politik im Nahen Osten, insbesondere die Konfrontation mit dem Iran, kann im Kontext der Kontrolle über fossile Energieressourcen interpretiert werden[17][21]. Blume verweist darauf, dass autoritäre Regime antisemitische Verschwörungsmythen nutzen, um ihre Macht zu festigen, was auf Staaten wie den Iran und Russland zutreffe[6].
## Dualistischer Staat
Blumes Warnungen beziehen sich auch auf die Entwicklung hin zu einem „dualen Staat“, ein Konzept, das die Koexistenz eines normativen Rechtsstaates mit einem willkürlichen, auf persönliche Macht ausgerichteten Maßnahmenstaat beschreibt[28][30].
Die Amtsführung Trumps zeigte Tendenzen, die mit dieser Theorie in Einklang stehen:
* **Amtsverständnis**: Trump agierte oft nach dem Vorbild seiner TV-Show *The Apprentice* und traf Personalentscheidungen auf Basis persönlicher Loyalität statt fachlicher Eignung[3]. Sein Regierungsstil zeichnete sich durch die Begünstigung von Familienmitgliedern und loyalen Anhängern aus[3].
* **Rechtsstaatlichkeit**: Kritiker sehen in „Trump 2.0“ einen beispiellosen Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit, bei dem etablierte Normen durch die Interessen mächtiger Verbündeter ersetzt werden könnten[30]. Das „Project 2025“ wird als Blaupause für den Umbau des Staates gesehen, um die Macht des Präsidenten zu zentralisieren[23].
* **Rhetorik**: Trump bezeichnete seine Gegner wiederholt als Feinde und schürte eine Spaltung zwischen seinen Anhängern und dem vermeintlichen „tiefen Staat“[24][32].
## Messianische Züge
Ein weiteres von Blume hervorgehobenes Merkmal ist die messianische Selbstinszenierung Trumps, die besonders bei evangelikalen Christen in den USA Anklang findet[1][12][25].
Diese Entwicklung bestätigte sich auf mehreren Ebenen:
* **Göttliche Berufung**: Trump inszeniert sich bewusst als von Gott berufener Anführer, was von einflussreichen evangelikalen Predigern wie Paula White-Cain und Franklin Graham unterstützt wird[4]. Sie stellen seine Präsidentschaft als Teil eines göttlichen Plans dar und zogen Parallelen zwischen Trump und biblischen Figuren wie Königin Esther, die das jüdische Volk rettete[4].
* **Religiöse Rhetorik**: Die Rechtfertigung politischer Handlungen, wie des Konflikts mit dem Iran, erfolgte mit biblischen Bezügen und wurde als heiliger Auftrag dargestellt[4].
* **Selbstdarstellung**: Trump veröffentlichte auf der Plattform „Truth Social“ ein KI-generiertes Bild, das ihn selbst in der Gestalt von Jesus Christus zeigt, was nach scharfer Kritik am Krieg mit dem Iran, unter anderem von Papst Leo XIV., wieder gelöscht wurde[5][11][16].
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die von Dr. Michael Blume analysierten und kritisierten Tendenzen – eine fossilistisch geprägte Wirtschafts- und Außenpolitik, der Abbau rechtsstaatlicher Normen zugunsten eines dualen Machtsystems und eine messianische Selbstüberhöhung – deutliche Entsprechungen in der Politik und im öffentlichen Auftreten Donald Trumps finden.
[1] https://www.appiainstitute.org/articles/america/the-making-of-the-messiah-politics-religion-and-law-in-trumps-america/
[2] https://www.spw.de/trumpismus-die-usa-im-niedergang/
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Trumpismus
[4] https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_101199554/donald-trump-darum-schlagen-immer-mehr-christen-in-den-usa-alarm.html
[5] https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-news-trump-papst-leo-xiv-aussenpolitik-kritik-li.3465712
[6] https://www.salonkolumnisten.com/oel_antisemitismus/
[7] https://www.wiwo.de/politik/ausland/donald-trumps-usa-das-hohle-imperium/100215933.html
[8] https://hpd.de/artikel/antisemitismus-beauftragte-und-anthroposophie-19076
[9] https://k-larevue.com/en/2021/06/30/michael-blume-there-are-around-20-latent-anti-semites-and-5-active-anti-semites-in-germany/
[10] https://www.rosalux.de/news/id/52306/die-doppelkrise-der-us-amerikanischen-aussenpolitik
[11] https://www.wiwo.de/politik/ausland/iran-krieg-fuehrt-donald-trumps-jesus-fiasko-zur-goetterdaemmerung-im-weissen-haus/100216542.html
[12] http://www.oeaw.ac.at/news/donald-trumps-glaeubige-armee-die-rolle-der-evangelikalen-in-der-us-politik
[13] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rede-zur-ki-in-der-demokratie-mit-bejahung-und-warnungen/
[14] https://globalfreedomofexpression.columbia.edu/cases/blume-v-twitter/
[15] https://www.antisemitismusbeauftragter.de/Webs/BAS/EN/service/federal-state-commissioners/federal-state-commissioners-node.html
[16] https://www.faz.net/video/empoerung-ueber-trumps-papst-angriff-und-ki-jesus-bild-200729190.html
[17] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-im-jahr-des-feuerpferdes-trumps-iran-kharg-desaster/
[18] https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/warnung-vor-verschwoerungsmythen-zu-pessach-und-ramadan
[19] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-30-warum-gewann-donald-trump-die-wiederwahl-in-den-usa/
[20] https://table.media/research/professional-briefing/forschung-was-trumps-politik-in-deutschland-bewirkt-streit-ueber-erhoehung-der-dfg-programmpauschale-markus-blume-fuer-forschungsprivileg-im-steuerrecht
[21] https://www.dw.com/en/us-election-how-donald-trump-has-changed-global-foreign-policy/a-55194020
[22] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/trump-kabinett-christlicher-nationalismus-100.html
[23] https://www.deutschlandfunk.de/trump-project-2025-100.html
[24] https://www.counterpunch.org/2025/09/26/the-angry-dualism-of-u-s-politics/
[25] https://religion.orf.at/stories/3231658/
[26] https://stm.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/warnung-vor-antisemitischen-verschwoerungsmythen
[27] https://www.swp-berlin.org/10.18449/2025A56/
[28] https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2025/05/trump-executive-order-lawlessness-constitutional-crisis/682112/
[29] https://www.kas.de/de/web/geschichtsbewusst/essay/-/content/pfruende-und-profit-nach-der-wahl-in-den-usa-etabliert-trump-ein-spoils-system-2-0
[30] https://verfassungsblog.de/trump-2-0-as-dual-state/
[31] https://wzb.eu/de/news/der-trumpismus-wird-bleiben
[32] https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/deep-state-wie-sich-der-mythos-ausbreitet-faktenfuchs,Ufht7iy
[33] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9491658/
[34] https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-04/querdenken-verschwoerer-mythologie-bargeld-antisemitismus-michael-blume
[35] https://open.spotify.com/show/4KndqNjUZKOWKDsdMx4aza
[36] https://plus.rtl.de/podcast/blume-ince-2-stimmen-4-kulturen-6s9rz38x392ow
[37] https://www.tagesschau.de/wissen/klima/trump-usa-klimapolitik-100.html
[38] https://www.ipg-journal.de/rubriken/wirtschaft-und-oekologie/artikel/trumps-klimakrieg-8488/
Lieber Herr Dr. Blume,
ich bedanke mich für die regelmäßige Vorstellung der Gedanken interessanter Menschen. So gibt es immer wieder Anregung für eigene Gedanken. Wer nicht jeden Tag was klitzekleines dazulernt, der ist schon geistig tot. Ich bin zur Zeit richtig hineingezogen in das Buch „Die Hände meines Vaters“ von Irina Scherbakowa. Ich überlege zur Zeit, wem in meinem Bekanntenkreis Ihr Buch „Öl- und Glaubenskriege“ zur Weiterentwicklung nützlich sein könnte.
Danke für Ihre Arbeit und ich hatte überlegt, ob ich nicht von Ihnen inspiriert in dieser Entscheidungszeit in die CDU gehen sollte, so wie 2009 inspiriert von Herrmann Scheer in die SPD. Ich bin noch zu keinem Entschluss gekommen, habe ich doch genug menschlich Abgruendiges mitbekommen.
Vielen herzlichen Dank, @Eckehard Erben 🙏
Ich freue mich sehr über Ihr Interesse und Engagement – Ihre Rückmeldung zu „Öl- und Glaubenskriege“ bedeutet mir viel.
Zugleich mit diesem Dank ist mir aber auch angesichts der Vielfalt Ihrer Aktivitäten eines wichtig zu betonen: Alle können etwas, aber niemand kann alles verändern. Es ist Ihr gutes Recht und sogar Ihre Verantwortung, die eigenen Grenzen des Leistbaren im Blick zu behalten.
Ihnen von Herzen Dank, Segen und alles, alles Gute nach Sachsen! 🙏🙌