Zehntausendfünfhundertachtzigmal – Danke. Zur Synodalwahl Württemberg-Stuttgart

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Nachdem ich 2015/2016 als Leiter eines humanitären Sonderkontingentes aus Kurdistan-Irak alle Ehrenämter hatte aufgeben müssen, wuchs die Bereitschaft, mich wieder auch ehrenamtlich in Kirche und Gesellschaft einzubringen. Als ich dann aus dem Mitte-Gesprächskreis “Evangelium und Kirche” gefragt wurde, ob ich nicht an meinem Wohnort im Kreis Esslingen, sondern an meinem Arbeitsplatz im Kreis Stuttgart für die evangelische Landessynode Württemberg zum 01.12.2019 kandidieren würde, habe ich mich entsprechend darüber gefreut. Meine – vielleicht verwegene – Hoffnung war, gemeinsam mit meinen beiden Mitkandidierenden Janina Mangelsdorf und Dekan Sören Schwesig die Wahlbeteiligung von zuletzt nur 20,3 Prozent ein wenig heben zu können.

Gemeinsam für “Evangelium und Kirche” zur ev. Kirchenwahl 2019 im Wahlkreis Stuttgart: Janina Mangelsdorf, Sören Schwesig und ich.

Doch vergangenen Sonntag schmeckte es dann zunächst nach bitterer Enttäuschung: Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis war weiter auf 19,7 Prozent gesunken, statt 180.000 waren nur noch 140.000 Stimmen abgegeben worden. Und keiner von uns dreien hatte den Einzug in die Synode geschafft. Schade.

Doch inzwischen blicke ich auch mit anderen Augen auf das Wahlergebnis. Obwohl leider nur ein kleiner, sogar schwindender Teil der evangelischen Kirchenmitglieder ab 14 Jahren von ihrem direkten Wahlrecht Gebrauch gemacht haben, darf ich mich über 10.580 Stimmen freuen.

Zehntausend. Fünfhundert. Achtzig. Damit war ich sogar vor früheren Synodalen zum ersten Nachrücker gewählt worden, Janina direkt hinter mir. Und da pro Wahlzettel ein oder zwei Stimmen pro Person vergeben werden konnten, wurde mir bewusst, dass viele Tausend engagierte Christinnen und Christen in Stuttgart einem erstmals Kandidierenden “von den Fildern” ihre Stimme gegeben hatten. Hatten die drei EuK-Kandidaten 2013 noch 22.000 Stimmen erhalten, so waren es diesesmal etwa zehntausend mehr!

Dafür will ich einfach “Danke” bloggen. Und besonders auch Dir, lieber Sören, und Dir, liebe Janina, für die gute Erfahrung der gemeinsamen Kandidatur danken, Andreas Roß für sehr gute und ermutigende Hintergrundarbeit. Wir sind für unsere Kirche gegen einen Trend wachsender Polarisierung und sinkender Wahlbeteiligung angerannt und wurden von vielen Tausenden Wählerinnen und Wählern dafür auch anerkannt.

Mit Sabine Foth, Gabriele Mihy und Peter Reif von der “Offenen Kirche” sowie mit Tobi Wörner von “Kirche für morgen” als “Laien” sowie den Theologen Eckart Schulz-Berg (OK) und Matthias Vosseler (KfM) ist der Wahlkreis Stuttgart auch in der neuen Landessynode sympathisch und stark vertreten. Herzlichen Glückwunsch allen Gewählten und Dank allen Kandidierenden, Wahlhelfern und – gegen den Trend – Wählenden!

Für mich persönlich deute ich das Ergebnis als Ermutigung, vor dem Eintritt in weitere Gremien erst einmal das nächste Buch zu schreiben. 🙂

TOP 3 Clips zum Advent

Und da dieser Blogpost also schon etwas christlicher und persönlicher gefärbt ist als die sonstigen, nutze ich die Gelegenheit, die drei Clips vorzustellen, die für mich zu jedem Advent gehören.

Da ist 1. “Hallelujah” von Pentatonix – die einen ohnehin außerordentlichen Song mit starken Stimmen, konsequenter Acapella und zurückhaltender Bildsprache zu einem bald 500 Millionen Mal abgerufenen Klassiker gemacht haben.

Dass auch Werbung intelligent sein kann, bewies 2. der Sainsbury’s Werbeclip 2014 zum sog. Weihnachtsfrieden. Er war hier auf dem Blog bereits damals vorgestellt und diskutiert worden, wird aber weiterhin Jahr für Jahr rege abgerufen und bewegt debattiert.

 

Stellen wir uns schließlich vor, ein Weltstar, die mit ihrer Musik längst Stadien füllt, ginge noch einmal an die Anfänge zurück. Und spiele inmitten einer U-Bahn-Station voller Smartphone-Gleichgültiger ein Weihnachtslied. Das 3. “Hallelujah” von Lindsey Stirling schließt sodann mit einem sehr persönlichen Glaubensbekenntnis.

Und damit wünsche ich allen, die es feiern, von Herzen eine gesegnete Adventszeit, freue mich mit den jüdischen Freundinnen und Freunden auf das nahende Chanukka und mit allen Leserinnen und Lesern auf schöne Feiertage und ein nahendes, neues Jahr! Ich bin froh, dass Ihr – in ganz unterschiedlicher Weise – ein Teil meines Lebens seid. 🙂

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

2 Kommentare

  1. Herrn Blume und allen, die es feiern, wünsche ich auch eine besinnliche Vorweihnachtszeit, und den anderen Mitkommentatoren einfach eine friedvolle, gute Zeit. Laßt euch nicht vom Konsumterror stressen, lest lieber Adorno! 🙂

    • Vielen Dank, @Alubehüteter – eine festliche (und ggf. gesegnete) Adventszeit auch Ihnen!

      Und bei allem Respekt für dessen Mit-Lehrer Adorno habe ich mir zu Weihnachten den neuen Habermas gewünscht und zähle die Tage! 🤗📚🌍

Schreibe einen Kommentar