Wissenschaftsmagazine – Geschichte und Geschenkidee

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Immer wieder wird man als Beteiligter gefragt: Bedeutet das Bloggen das Ende des Wissenschaftsjournalismus? Werden Wissenschaftsbücher und -magazine sterben? Meine Antwort ist stets: Ganz im Gegenteil! Denn…

…die Wissensexplosion geht weiter und auch der einzelne Forscher wird zum Spezialisten in immer spezielleren Bereichen – und zum interessierten Laien in immer mehr anderen. Das Bloggen ist ein hervorragender Weg, Arbeiten findbar zu machen, mit anderen zu diskutieren und zu vernetzen. Aber wer dann auch wirklich mehr in die Tiefe und über den je eigenen Tellerrand blicken will, wird auf das Buch und Magazin mehr denn je angewiesen sein.

Wissenschaftsjournalismus wichtiger denn je

Denn die derzeit produzierten Wissensmengen aufzunehmen, zu bewerten, zu integrieren und dann auch noch verständlich aufzubereiten – diese Aufgabe gewinnt auch wissenschaftlich an Bedeutung, umso schneller die Wissensmengen expandieren. Hier erfährt die Biologin, wann und wie der Mensch begann, Angehörige zu bestatten. Hier erfährt der Philosoph, wie sich der Physiker dem Phänomen Zeit nähert. Hier erfährt der Ingenieur, dass die Kirche nie gelehrt hat, dass die Erde eine Scheibe sei. Hier erfährt die Soziologin, warum Männer und Frauen ticken, wie sie ticken und warum auch menschliche Gehirne für angsteinflößende Berichte so empfänglich sind – usw.

Und es sind wir alle, als letztlich interessierte Laien in den meisten Wissenschafsgebieten, die schon durch unsere Kaufentscheidungen diesen Bereich interdisziplinärer Wissenschaftskommunikation lebendig halten und die Alltagskultur (bis in den Kiosk hinein) mit Wissenschaft anreichern. Buch- und Magazinkäufer sind wertvolle Arbeitsplatz- und Wissenschaftsförderer!

30 Jahre Spektrum der Wissenschaft

Das Blogportal Scilogs, in dem wir uns gerade befinden, wird von der Spektrum-Verlagsgruppe betrieben, die Spektrum der Wissenschaft, Gehirn und GeistSterne und Weltraum und das Geschichtsmagazin Epoc herausgibt. Ich finde es klasse (und mache daher auch mit), dass sie den Mut hatten, mit SpektrumDirekt und den Scilogs auch online zu gehen und sich auf das Web 2.0 einzulassen.

Falls Sie also noch nach einem wirklich sinnvollen und garantiert faszinierenden Weihnachtsgeschenk suchen – wie wäre es mit einem Jahresabo einer Wissenschaftszeitschrift!?

Der Jubiläumsfilm zum 30. Spektrum-Geburtstag vom Braincast-Team Arvid und Anita Leyh:

Die Zusammenarbeit von Wissenschaftsjournalisten und Wissenschaftlern ist also längst im Gange, sowohl im Magazin- und Buch-, aber eben auch Blog- und Tagungsbereich – und sie macht Freude und Sinn! Und wie überall (da Evolutionsprinzip! 😉 ) gilt: Die Vielfalt ist es, die voranbringt!

Durch unsere Kaufentscheidungen sind es letztlich wir alle, die (um frei nach Darwin zu schreiben) "kulturelle Zuchtwahl" betreiben: Und mit entscheiden, ob auch künftige Generationen neben Mode- und Boulevardmagazinen auch Berichte aus der Wissenschaft werden finden können. Es liegt auch an uns als Nachfragende und Weiter-Empfehlende, wieviel Zukunft Wissenschaft und Wissenschaftsjournalismus im deutschsprachigen Raum haben.

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

4 Kommentare

  1. Bloggen kann!!! Wissen verbinden

    Hallo Herr Dr. Blume,

    wie Sie wissen, will ich nicht nur den Glauben als evolutionär nützlich, letztlich notwendig)nachweisen, sondern der Natur des Glaubens auf den eigentlichen Grund gehen. (Die Ergebnisse der modernen Evolutionsbiologie mit dem Wort/Logos am Grund des Monotheismus und seiner griechischen Reform in Zusammenschau bringen.)

    Doch ob dieser Brückenschlag zwischen dem in der Evolutionsbiologie deutlich werdenden Sinn aller natürlichen Kreativität und dem schöpferischen Logos der theologischen Lehre gelingt, bleibt offen. Auch bei den Bloggern scheinen die Abgrenzungen weiterzubestehen, die der Wissenschaft beider Seiten bisher Scheuklappen aufsetzt, zu gegenseitigen Missverständnissen führen, Schöpfung=sinnvolle Kreativität und Naturwissenschaft völlig nebeneinander stellen.

    Wie Sie bemerkt haben, reicht Bloggen allein nicht, wenn nicht gleichzeitig das Wissen nachgeblättert wird. Und hier wäre z.B. gerade im Bereich der christlichen Kultur, des wahren Grundes monotheistischen Glaubens noch viel nachzuholen.

    Ein neuer gemeinsamer Nenner ist nicht im Weiterbloggen von Vorurteilen zu machen, sondern nur auf Basis des erweiterten Wissens um einen gemeinsamen Sinn.

    Besinnliche Tage

  2. Blogs und Journalismus

    Hallo Michael,

    das Thema hatten wir zuletzt auch mal in der Guten Stube. Ich denke, dass Wissenschaftsblogs als solche weder ein Segen noch ein Fluch für den Wissenschaftsjournalismus sind. Es kommt drauf an, wie sie gemacht sind. (Und dasselbe gilt für den Journalismus!) Hier ein Link zur Diskussion.

    Liebe Grüße aus den Wissenslogs
    Carsten

  3. @ Carsten: Ja! 🙂

    Lieber Carsten,

    ja, diese Debatte fand – und finde ich – durchaus spannend und sehe es auch im Ergebnis ähnlich. Nur war mir auch einmal wichtig, das Umgekehrte klarzustellen: Dass (gute) Wissenschaftsblogs und Wissenschaftler insgesamt enorm von der Arbeit von Wissenschaftsjournalisten profitieren, wie sie sich auch in Magazinen ausdrückt. Sie erschließen quasi das Feld zwischen Spezialistentum und interdisziplinärem Dialog und informieren nicht “nur” die Allgemeinheit, sondern auch Spezialisten anderer Fächer.

    Und gerade weil ich nun einige Länder kenne, in denen das Abonemment (und gerade auch das entsprechende Geschenk) noch kaum ausgeprägt sind, finde ich auch das der Erwähnung wert! Bei aller Liebe zu Blogs: Wer z.B. seit Jahren ein Wissenschaftsmagazin monatlich wahrgenommen hat, der hat seinen Horizont unmerklich erweitert – und wird ggf. an weiteren Informationen und Angeboten Freude finden.

    Herzliche Grüße!

    Michael

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