Wiedersehen mit Freundschaft & Hoffnung mit Lars Fischer vom Fischblog & WWAS

Eigentlich hatten wir uns schon zur Wasserextreme-Tagung an der Akademie Stuttgart – Hohenheim treffen wollen, etwas später hatte es aber endlich geklappt: Der grandiose Wissenschaftsjournalist und Wissenschaftsblogger Lars Fischer vom Spektrum-Fischblog und YouTube-Kanal “Wir Werden Alle Sterben” (WWAS) besuchte mich an meinem Arbeitsplatz in Stuttgart. Uns verbindet dabei nicht nur viel Begeisterung für interdisziplinäre Wissenschaft, Geschichte und Musik, sondern auch der Umstand, dass mich Lars 2008 für den Wissenschaftsblog “Natur des Glaubens” bei Spektrum der Wissenschaft gewann! Es wurde und ist das intensivste Ehrenamt meines Lebens – ich nahm und nehme für die Abertausenden Stunden Einsatz hier keinen Cent. “Natur des Glaubens” motiviert mich durch Sinn.

Mastodon Post von @Fischblog@chaos.social: Lars Fischer rechts und Michael Blume links vor der deutschen und europäischen Fahne in der Villa Reitzenstein. Darüber als Text: "Auf Staatsbesuch in Stuttgart bei @BlumeEvolution. War schön und lehrreich, und macht Hoffnung auf eine bessere Zukunft."

Mastodon-Post von @Fischblog@chaos.social. Lars & ich vor der Fahnenwand der Villa Reitzenstein, Staatsministerium Baden-Württemberg. Selfie: Michael Blume

Als Resümee unserer intensiven Gespräche hatte Lars nach unserem Wiedersehen gepostet:

“War schön und lehrreich, und macht Hoffnung auf eine bessere Zukunft.”

Der Satz berührte mich aus drei Gründen sehr.

Erstens hatte ich im Gedicht “Die Feuer des Hasses” im April 2024 formuliert:

Bin kein Optimist mehr, ich hab nur noch Hoffnung,

ein Solarpunk zwischen den Stühlen und mit lahmer Frisur

erneuerbar träumend, von Sonne, Wind, Wasser, von friedvoller Ordnung,

von post-fossiler Wirtschaft, Bildung, Dialog und Kultur.

Dabei sei mir der Hinweis gestattet, dass dieses Gedicht und generell alle Texte von mir von Hand und ohne KI verfasst werden. Wo ich – etwa in Drukos – KI-Texte einsetze, wird dies immer transparent gemacht. Gerade auch die Medien-Erfahrungen mit den neuen KI-Podcasts durch Notebook LM-Apps bestärken mich in der Auffassung, dass das eigenständige Verfassen von Texten eine menschliche Kernkompetenz bleibt.

Zweitens hatte ich eine Musik-Hoffnung-These entwickelt und im Oktober 2024 erstmals vorgestellt, zu der ich dieses Jahr weitere Einladungen erhalten habe.

Ihre Formulierung lautet: „Der Sinn der Musik ist die Hoffnung, die die Liebe zu retten und den Glauben zu heilen vermag.“

Und drittens war ich von Steffen Kern im Juli 2024 in den Pod- und Videocast “Hoffnungsmensch” eingeladen worden, was mich gefreut, geehrt und auch motiviert hatte.

Der Austausch mit Lars über die verschiedensten Themen hat auch bei mir viel Hoffnung hinterlassen, so dass ich unter diesem Blogpost dazu einlade, gerne zu schreiben, was Ihnen gerade Hoffnung stiftet! 🙂 

Gerne fange ich an:

Hoffnung stiftet mir, erstens, dass im Juli 2025 in Deutschland bereits 48.614 Batterie-Elektro-Pkw (& zusätzlich 27.197 Plug-in-Hybride) neu angemeldet wurden. Dagegen wurden nur noch 40.529 Diesel-Pkw neu zugelassen!

Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) noch ernsthaft fragt, ob Elektroautos “schon so marktfähig” seien, hängen sie auch mitten in Deutschland bereits die überholten Dieselmotoren ab. Als glücklicher Elektroauto-Fahrer seit acht Jahren (!) freut mich das SEHR! Elektroautos sind Friedensautos!

Hoffnung stiftet mir, zweitens, dass meine damals “mutig” genannten Warnungen an die Spitzen von Bundes-Union und Bundes-FDP vor dem Einreißen der antifaschistischen Brandmauer inzwischen Allgemeingut geworden sind. Friedrich Merz, Christian Lindner, Jens Spahn und Katharina Reiche haben “eindrucksvoll” demonstriert, wie schnell ein rechtslibertärer und fossiler Kurs in die politische Sackgasse, in den Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust führt. Das Vertrauen deutscher Mehrheiten finden nach neuen Umfragen nur noch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit 61 Prozent und der integrative NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mit 53 Prozent. Jeden Tag begreifen mehr Menschen sogar in Politik und Medien: Polarisierung und fossiler Lobbyismus stiften kein demokratisches Vertrauen und haben keine Zukunft.

Und Hoffnung stiftet mir, drittens, dass sogar der US-Thymokrat Donald Trump begriffen hat, dass niedrige Ölpreise Wladimir Putin zum Frieden zwingen würden. Ich denke mir: Wenn sogar Trump (USA) den Ressourcenfluch durch die fossilen Gewaltenergien Erdöl und Erdgas in Ansätzen begreift, dann besteht ja noch Hoffnung für weitere Verantwortliche in Politik, Medien und Wirtschaft auch in Europa. Wer weiß – vielleicht verstehen einige von ihnen sogar irgendwann einmal das Konzept erneuerbarer Friedensenergien? Und die gefährliche Lobby-Abwehrschlacht des Fossilismus?

 

Das Symboldbild "Imagine No Fossilism" zeigt unter dem großen Schriftzug ein Flugzeug, das auf zwei Hochaustürme zusteuert. Darunter steht in weißer Schrift: "Fossil Violence Energies Oil & Gas Have Been Financing Tyrannies, Wars, Terrorist Groups & Antisemitism For Decades".

Eine Solarpunk-Zukunft ohne die fossile Finanzierung von Diktaturen, Kriegen, Terrorismus und Antisemitismus ist zwar noch weit, aber längst nicht mehr unerreichbar. Symboldbild: Michael Blume mit Leonardo.ai  

Woraus schöpfen Sie gerade Hoffnung?

Mein herzlicher und bleibender Dank gilt Lars.

Und ich freue mich, liebe Leserinnen & Leser, von Ihnen hier zu lesen!

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

55 Kommentare

  1. Guten Morgen, @Michael Blume und @ Lars Fischer.

    Ich muss sagen, dass ich aus den Beiträgen im Fediversum, insbesondere von Euch beiden, bislang unendlich viel gelernt habe. Und es ist schon irgendwie witzig: Ohne das Fediversum hätte ich wahrscheinlich nie von Euch erfahren oder wäre Euch wohl nicht (unter anderem mittlerweile auch persönlich) begegnet.

    Es gibt mir also Hoffnung, dass wir trotz der zunehmenden Desinformation in unserer Welt noch – u.a. auf Blogs – auf aufgeklärte Köpfe treffen, uns mit ihnen vernetzen und feststellen können, dass ihre Besitzer tatsächlich im ‘wirklichen’ Leben existieren – und nicht nur als digitale Avatare.

    • Vielen Dank, lieber @Peter 🙏 – auch Deine Gastposts rund um das Thema „Zeit“ haben zum Erfolg von „Natur des Glaubens“ beigetragen.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/gutsche-1-das-raetsel-der-zeit-zeitfluss-und-vergaenglichkeit/

      Gerne möchte ich auf Deine erfreuliche Ansage eingehen, wonach Du “aus den Beiträgen im Fediversum, insbesondere von Euch beiden, bislang unendlich viel gelernt“ habest.

      Denn einer der Hauptgründe für meine anhaltende Motivation zum Bloggen besteht im Lernen! Mit jedem Blogpost fasse ich ein Thema auch für mich selbst neu & mit jeder Diskussion und insbesondere jedem Dialog entdecke und verinnerliche ich neue Aspekte.

      Ich konnte ja auch einige Bücher wie z.B. „Islam in der Krise“ oder die Darwin – Biografie “Evolution und Gottesfrage“ schreiben und machte auch mit ihnen die Erfahrung: Gedanken, die sowohl niedergeschrieben wie dann auch diskutiert wurden, bleiben, vernetzen, vertiefen sich. Auch deswegen blogge ich gerne beispielsweise über Thesen, Reden, Skripte – mit jedem Kommentar schreibt und erweitert sich auch mir selbst das Ganze ein.

      Kurz: Gerade auch beim Wissenschaftsbloggen schreibe und lehre ich nicht nur, sondern lese und lerne noch viel mehr.

      Deswegen auch der herzliche Dank an Lars für die Einladung hierher, wie auch der häufige Dank an Kommentierende. Beim Bloggen beschreibe ich den dialogischen Monismus und Emergenz nicht nur, ich darf ihn hier (sowie auf Mastodon, den Podcasts & dem Solarpunk – YouTube – Kanal) mit Euch auch erleben.

      Vielen herzlichen Dank daher Dir und allen, die ein Stäck des Weges mitgehen! 😌📚🙌💡

      • Ich bin zurzeit in einer wütenden und vor allem depressiven Phase, obwohl ich Urlaub mit meinen Liebsten mache. Ich tue meinen Teil und engagiere mich für die nötigen Transformationen, aber Hoffnung kann ich keine spüren und das Leben ist eine Last.

        ps. Ich brauche keine Lebens- oder Therapietipps.

        • Danke für Deine Offenheit, @Hui Haunebuh 🙏

          In den Jahren nach dem Sonderkontingent im Irak bin auch ich durch einige schwere und frustrierende Täler geschritten. Warum weigern sich die Menschen, schneller zu erneuerbaren Friedensenergien zu transformieren, wo doch sogar ein Donald Trump freimütig sagt:

          “Putin wird aufhören, Menschen zu töten, wenn wir die Energiepreise um weitere 10 Dollar pro Barrel senken. Er hat keine Wahl, da seine Wirtschaft in einem erbärmlichen Zustand ist.“?

          https://112.ua/de/tramp-nazvav-vazlivu-umovu-aka-zmusit-putina-zupiniti-vijnu-75546

          Gleichwohl mache ich mir inzwischen bewusst, dass

          1. das menschliche Säugetiergehirn nur einen kleinen Mesokosmos erfasst und die meisten Menschen mit Politik oder gar Wissenschaft eher wenig anfangen können,

          und

          2. sich dennoch jeden Tag mehr Menschen auf den Weg Richtung Solarpunk machen und beispielsweise ganz konkret auch in Deutschland mehr Elektroautos als Dieselautos zugelassen wurden. Auch der Ausbau von Solaranlagen schreitet so schnell voran, dass der Ausbau der Energiespeicher inklusive grünem Wasserstoff den Durchbruch bringen wird. Kein Wunder, dass die fossilen Lobbyist:innen toben!

          Wir kommen noch nicht schnell genug voran, aber die Richtung stimmt. Deswegen können wir die Wut in konstruktive Bahnen lenken.

          Dir Dank für Dein Interesse und eine gute und erholsame Urlaubszeit mit Deinen Liebsten! 🙌🇩🇪🇪🇺🖖

  2. Guten Morgen,
    mir macht Hoffnung, dass unsere Welt im Kleinen sich durchaus zum Positiven verändert.

    Ich sehe überall mehr Blühwiesen.

    Gestern habe ich in einem Hofladen gefrühstückt, der sukzessive erweitert wird. Die Vernetzung und Erweiterung der Bio-Landwirtschaft macht ebenfalls Hoffnung. Regionale Produkte stehen dabei im Vordergrund.

    Die positive Entwicklung in Bezug auf Mitgliederzahlen in den Energiegenossenschaften macht Hoffnung.

    Die Bereitschaft, auch unter uns Senior:innen, sich ein gebrauchtes E-Auto anschaffen zu wollen, macht Hoffnung.

    Die Anschaffung von Balkon-Solaranlagen auf Gartenhäusern oder Rasenflächen durch Senior:innen hat bei uns eine sehr positive Entwicklung durchgemacht.

    Ich schaue ganz bewusst darauf, wie auch wir Senior:innen (70+) unseren Beitrag zur Transformation leisten können.

    • Oh, vielen lieben Dank für diese sehr konkreten Solarpunk – Hoffnungen, liebe @Elisabeth K. 🙏🙌

      Und, ja, ich teile diese. Bewusst habe ich am Ende dieses Blogposts einen YouTube-Short zum Energieglauben eingefügt, weil ich auch in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft die erfreulich schnelle Ausbreitung von Elektroautos und Solaranlagen erlebe. Und die meisten derjenigen, die erste Schritte in die Energiedemokratie, zu erneuerbaren Friedens- & Wohlstandsenergien getan haben, entwickeln sich durch Erfahrungen und Gespräche dann auch weiter Richtung Solarpunk. Das ökologisch-dialogische Leben erweist sich als besseres Leben!

      Dass inzwischen die Elektroautos auch in Deutschland die Dieselautos bei den Neuanmeldungen überholt haben, zeigt mir damit an, dass immer mehr Menschen weiter sind als die noch fossil bestimmte Bundespolitik. Schon jetzt höre ich auch unter Bürgerlichen wachsendes Unverständnis, teilweise gar Wut über die geplanten Gazprom-Gaskraftwerke, statt endlich die Verschwendung von Ökostrom durch Energiespeicher zu überwinden. Über die Ansage des Konstanzer MdB und Frantionsvize Andreas Jung (CDU) gegenüber Katharina Reiche habe ich mich sehr gefreut!

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.energiewende-cdu-vize-klimaschutz-muss-eine-prioritaet-der-politik-bleiben.080d97e1-ca16-4f4b-8926-69326c6cb2a7.html

      Derzeit wage ich die Hoffnung, dass wir endlich wieder einen selbstbewussten Bundestag bekommen, der die verfassungswidrige und zuletzt rechtslibertäre Engführung zurückweist und wieder ein starkes Parlament wird. Es darf doch einfach nicht länger hingenommen werden, dass sich Abgeordnete der Mitte absurder Fraktionsdisziplin unterordnen, während Rechtsdrehende ganz offen mit den Faschisten paktieren!

      Ja, ich wage die Hoffnung, dass immer mehr gewählte Abgeordnete der demokratischen Parteien die Werte unseres Grundgesetzes und den Mut zur Gestaltung wieder entdecken. Der fossile Rechtskurs in der Parteien – Konkuurrenzdemokratie ist doch für alle erkennbar in eine Sackgasse gerast.

      Vielen herzlichen Dank für Dein Engagement und Deine Beiträge auch hier auf dem Blog, liebe @Elisabeth! Du bist mir ein Vorbild auch der Hoffnung! 😌🌞🙌

  3. Ich kann das nur bestätigen.
    Religion hat mich nicht wirklich interessiert und ich habe sie früh als Kontrollinstrument kennen gelernt. Bin deshalb früh ausgestiegen.
    Religionen sind aber, wie wir täglich gerade in diesen Zeiten erleben, aus soziologischer Perspektive für Gesellschaften mass geblich.
    Was mich daran nicht so sehr um die Götter- und Gottesfrage interessiert, ist die nach dem (nichtreligiösen) Glauben und dem, was wir Spiritualität (das nichtrationale) nennen.
    Hierbei und der Entwicklung von Gedanken ist Ihr/der Blog hervorragend.
    Danke dafür.
    Was ich nie verstanden habe ist, dass im Namen eines Gottes argumentiert und gehandelt wird, was ich als Imagination verstehe…

    • Vielen herzlichen Dank für die freundliche wie auch nachfragende Rückmeldung, @Mussi 🙏

      Und es freut mich sehr, dass einer meiner Grundgedanken von Ihnen aufgegriffen wurde: Völlig unabhängig davon, ob wir selbst religiös sind oder nicht, können wir die Evolution und also Funktion, aber auch die Gefahren von Religiosität und Religionen erfassen.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/quarks-co-glauben-wissen-evolution/

      Was in meinem Leben zum wissenschaftlichen Zugang offensichtlich beigetragen hat, war der Umstand, dass ich politisch-zivilreligiös war, bevor ich als junger Erwachsener dann auch christlich & interreligiös wurde.

      Der leidenschaftliche Glauben an überempirische Entitäten wie Sinn, Demokratie und Europäische Union 🇪🇺 ging bei mir jedem Glauben an die Gottheit voran. Mir ist völlig bewusst, dass ich einen personalen Urgrund des Seins nur religiös glauben, nicht aber wissenschaftlich beweisen kann. Und in dieser Freiheit, die sich im Dialog täglich erneuert, fand ich Liebe, Glaube und Hoffnung, auch tiefere Dankbarkeit etwa für das Wasser, die Musik und Wissenschaft.

      Hier sind also die Grenzen meiner Sprache erreicht. 😊📚🇩🇪🇪🇺🌈🙏

      • Da möchte ich auf das Böckenförde-Diktum hinweisen: Ein gedeihliches Zusammenleben, eine demokratische Kultur im Staat fusse auf Voraussetzungen, die der Staat letztlich selber nicht schaffen/stiften kann. Das gilt erst einmal fundamental für Anstandsregeln, aber schon ein Begriff von “Würde des Hauses” oder “Würde des Amtes” verweist auf einen Grund, der dann letztlich … naja, wenn nicht direkt in einer Religion begründet ist, aber auf einer auch von ihr tradierten Kultur.

  4. Michael Blume, Lars Fischer
    “dass ich unter diesem Blogpost dazu einlade, gerne zu schreiben, was Ihnen gerade Hoffnung stiftet!”

    Lars Fischer ist schon mal eine Hausnummer für Hoffnung, seine Beiträge waren meist kurz und sachlich.
    Deshalb ein Tipp für Herrn Fischer. Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg ist für Naturfreunde ein heimlicher Tipp , im Wasser sind die Fische und am Himmel darüber ziehen die Zugvögel aus Skandinavien.
    Auch gut, das Müritzeum in Waren , zum ersten Male hat ich den Eindruck, dass ein Fisch ein Kleinkind beobachtet, dass sein Gesicht an die Scheibe des Aquariums presste.
    Herr Blume, wer hätte gedacht, dass sie ihre Aktivitäten bei Spectrum
    auf das Anwerben von Herrn Fischer zurückführen.
    Auch das ist ein handfester Beleg von Hoffnung oder auch von Fügung, wie man es bezeichnen kann.

  5. Ich schöpfe Hoffnung aus dem Muster. Ich schlafe, der Wecker klingelt, ich bin irritiert, ziehe mir die Decke übern Kopf – und in dieser Phase ist die Welt gerade. Trump, Merz, sind Avatare des kollektiven quengelnden Kindes, nein, ich will nicht zur Schule, noch fünf Minuten, Mutti, Rabäääh! [Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]

    • Nun ja, Danke, @Paul S.

      Zwar könnte ich versucht sein, dass Kinder-Sprachbild etwa auf den antideutschen, frauen- und islamfeindlichen Rassisten zu beziehen, der seit Jahren an mir scheitert… 🤭

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.nach-troll-angriffen-israel-verteidigt-michael-blume.1aaebdcc-d0d3-4a21-885d-8d4de599087e.html

      …aber dafür schätze ich im Gegensatz zu oft vereinsamten & also neidischen Hatern das Zusammen der Generationen in Familien viel zu sehr. Und gerade auch bei der Lektüre der heutigen Stuttgarter Zeitung fragte ich mich heute morgen schon, ob wir die Demografie nicht stärker beachten sollten.

      So schrumpfte die Einwohnerzahl der Landeshauptstadt Stuttgart im ersten Halbjahr 2025 erneut um 2.652 Menschen auf noch 606.682 Personen. Grund dafür war stärkere Ab- als Zuwanderung, auch ins Ausland, sowie 3026 Todesfälle bei nur noch 2609 Geburten. (S. 19)

      Noch sehr viel drastischer ergeht es Japan 🇯🇵, das in 2024 mangels Geburten & Zuwanderung um 908.574 Menschen schrumpfte, minus 2489 pro Tag! (S. 16)

      Nun habe ich mit regionaler Bevölkerungsschrumpfung kein grundsätzliches Problem, ökologisch scheint es mir unausweichlich. Aber als Arbeiterkind, Bildungsaufsteiger und Vater von drei Kindern erlebe ich schon eine zunehmende Erkaltung, Entsolidarisierung und nachlassende Dynamik unserer Gesamt-Gesellschaft.

  6. @Michael 09.08. 09:01

    „Mir ist völlig bewusst, dass ich einen personalen Urgrund des Seins nur religiös glauben, nicht aber wissenschaftlich beweisen kann.“

    Objektive Belege für Geisteswirkungen im Leben fände ich dennoch interessant. In den persönlichen Erfahrungen finden die sich öfter schon. Wissenschaftlich allerdings schwieriger, die wissenschaftliche Methode ist nun mal sehr auf wirklich verlässliche Effekte zugeschnitten.

    Ausnahmen wie Wunder sind nun eben Ausnahmen, so real sie nun dennoch sein können.

    Vielleicht weil ich mich gerade nicht irgendeiner Kirche anschließen mag, würden mich entsprechende Belege sehr interessieren. Mal die aus meiner Sicht möglichen Geisteswirkungen von Quantenzufall in der IT auszutesten, kann man meine ich gerne mal ausprobieren.

    „Und in dieser Freiheit, die sich im Dialog täglich erneuert, fand ich Liebe, Glaube und Hoffnung, auch tiefere Dankbarkeit etwa für das Wasser, die Musik und Wissenschaft.“

    Die Faszination dieses Planeten und die Faszination dieser Menschen hier sind in der Tat begeisternd, finde ich auch. Was jetzt die KI dem noch hinzufügen könnte, das wäre eventuell noch mal ein eigenes Universum für sich? Das sich insbesondere mit der Integration der gesamten Menschlichen Kultur auf einen Weg macht, ein eigener Faktor zu werden.

    • Danke, @Tobias 🙏

      Aktuell ringen wir hier auf den Fildern schon mit ganz realen, interreligiösen Fragen. Habe mich zum drohenden Abriss der VIKZ-Moschee in Oberaichen geäußert:

      Ähnliche Sorgen macht sich Michael Blume: Der Religions- und Politikwissenschaftler ist Antisemitismusbeauftragter der baden-württembergischen Landesregierung und beschäftigt sich schon lange mit dem christlich-islamischen Dialog. „Ich fürchte, dass in der derzeitigen Weltlage Bilder vom Abriss einer fast fertigen Moschee von Radikalen aller Seiten zur weiteren digitalen und internationalen Polarisierung der Menschen missbraucht werden. Gerade weil wir Deutschen uns doch so gerne als gereifte Demokratie verstehen, wünsche ich mir mehr Dialog der Verantwortung zwischen Mehrheiten und Minderheiten.“

      Blume erzählt, dass der VIKZ (Verband Islamischer Kulturzentren) ihn bereits 2018 um eine Streitschlichtung zwischen Stadt und Moscheegemeinde gebeten habe. „Leider hatte Leinfelden-Echterdingen damals jedoch kein Interesse daran gezeigt.“ Blume schlägt auch aktuell eine Vermittlung zwischen den beteiligten Parteien vor, um eine Lösung zu finden.

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.moschee-leinfelden-echterdingen-antisemitismusbeauftragter-warnt-vor-moschee-abriss.ed662dfa-b1c6-4272-8f64-35535e37aadf.html

      Heutzutage ist Religions- und auch Kommunalpolitik Weltinnenpolitik…

    • Da Herr Blume derzeit ja wieder viel über Karl Popper meditiert: Wir hatten die Diskussion vor langem schon einmal hier, sehr geschätzter Tobias Jeckenburger. Den einzig anerkannten Nachweis für einen Eingriff in die Geisteswelt liefert Kant, der darüber wie kaum ein anderer nachgedacht hat. Und zwar nennt er die menschliche Freiheit.

      Über Freiheit läßt sich eigentlich, so wie über Gott oder eine Unsterblichkeit der Seele, per Definition keine wissenschaftliche Aussage machen. Denn wissenschaftlich kann nur erfaßt werden, was in Raum, Zeit und Kausalität erfahren wird und sich so auch messen läßt. Mein Verhalten aber kann ich mir immer kausal, rational erklären. Warum ich in dieser Situation genau so habe handeln müssen und nicht anders habe können. Schlägt aber einer seine Frau, so sagt ihm sein schlechtes Gewissen: Egal, wie Du Dir das zurecht erklären willst, das hätte nicht passieren dürfen. Darüber erfahren wir Freiheit, mit der berühmten Formel: Du kannst, denn Du sollst. – Viele Alkoholikerbiografien verlaufen tatsächlich so: Rückfälle über Rückfälle, und jedes Mal das schlechte Gewissen. Den Vorsatz, nicht mehr zum Glas zu greifen. Therapie. Bisweilen dabei auch die Überzeugung, es diesmal aber wirklich geschafft zu haben! Bis zum nächsten Rückfall …

      Und eines Tages aber lassen sie wirklich von der Flasche. Können selber nicht angeben, was denn dieses Mal anders gewesen sei, warum nicht schon vorher. Empirisch haben sie nichts aussergewöhnliches erfahren. Da ist eine Freiheitsentscheidung bei ihnen gefallen, die weder sie erfahren haben, noch jemand von aussen empirisch feststellen kann.

  7. Ich habe die Drukos gelesen und bin beeindruckt.

    Hoffnung schöpfe ich aus der Geschichte.

    Zu allen Zeiten hatten die Menschen zu kämpfen und haben gelitten, aber sie haben auch gemeinsam gefeiert.

    In Epochen großen Aufruhrs, verheerender Katastrophen und grausamer Auseinandersetzungen waren Künstler, Komponistinnen, Dichter etc in der Lage, Herrliches zu schaffen.

    Musikalische und literarische Höchstleistungen wurden vollbracht. Und bis heute bestaunen wir in Museen die Werke bedeutender Maler, Bildhauer etc.

    Daraus ziehe ich meine Hoffnung.

    • Herzlichen Dank, @Marie H. – und volle Zustimmung! 🙏📚💡

      Auch ich befasse mich immer wieder intensiv mit der Geschichte der Menschheit. Hier lernen wir das Menschliche zwischen heldenhaftem Bestehen wie auch abgründiger Bosheit kennen. Immer wieder muss ich mich auch selbst daran erinnern, dass es im Gebiet des heutigen Deutschland seit der Besiedelung noch nie eine so lange Friedensphase gab wie mit der Bundesrepublik und Europäischen Union! Dafür sollten wir jeden Tag dankbar sein, doch die meisten nehmen es einfach als gegeben.

      Auch deswegen befasste ich mich anlässlich des 500. Jahresraumes mit dem süddeutschen Gebirgsregionen – Bauernkrieg, der ja wesentlich erst durch den Buchdruck möglich geworden war.

      Gemeinsam mit den Kindern und einem Freund besuchten wir die m.E. gelungene Bauernkriegsausstellung in Bad Schussenried. Und ich las u.a. „Der Bauernkrieg. Ein Medienereignis“ vom genialischen Thomas Kaufmann. Weil mich auch sein Buch über den 30jährigen Krieg bewegt hatte, habe ich mir zudem „Der Bauernkrieg. Deutschlands großer Volksaufstand“ von Christian Pantle erworben und freue mich darauf! 📚🤔🌈

      Generell möchte ich etwas seltener bloggen & dafür stärker historische Themen aufgreifen. Gerade auch bei den Gesprächen mit Inan Ince im Pod- und Videocast „Blume & Ince“ über Karl Marx und zuvor über die Gebirgsregionen-Medienthese merkte ich, wie viel Freude und Sinn der weitere Blick über die „Enge der Zeit“ hinaus bringt. 🤓📚💡

      Ihnen herzlichen Dank für Ihr Interesse, Ihre oft mit geschichtlichen Details veredelten Kommentare – und für die Hoffnung! 😌🇩🇪🇪🇺🖖

      • Herzlichen Dank.

        Ihre Antwort hat mich daran erinnert, dass noch das Buch von Herfried Münkler über den Dreißigjährigen Krieg auf mich wartet.

        Es ist Jahrzehnte her, dass ich das Buch über Wallenstein aus der Feder von Golo Mann gelesen habe.

        Johann Jakob von Grimmelshausen, der Autor von “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch”, war nach dem 30jährigen Krieg Verwalter der Schauenburg in Oberkirch. In Renchen im Ortenaukreis ist Grimmelshausen gestorben. Ein Gedenkstein erinnert daran.

  8. @Michael 09.08. 14:22

    „Gerade weil wir Deutschen uns doch so gerne als gereifte Demokratie verstehen, wünsche ich mir mehr Dialog der Verantwortung zwischen Mehrheiten und Minderheiten.“

    Geht es da im Flächennutzungspläne und Bauvorschriften? Die mögen für Zugewanderte in Deutschland noch nicht so ganz realisiert worden seien. Wir hatten hier auch in Innenstadtnähe eine Brachfläche, die türkische Frauen einfach kleingärtnerisch für etliche Jahre genutzt haben. Ohne Kleingartenverein, wie das eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist.

    Das ist aber dann letztlich toleriert worden, auch weil hier keinerlei Hütten gebaut wurden, sondern wirklich nur Bohnen und Obststräucher gezogen wurden. Inzwischen ist die Brachfläche auch bebaut worden.

    Was auch offiziellen Kleingartenkolonien passieren kann, wenn eben die vorher brach liegenden Flächen nach etlichen Jahrzehnten doch noch bebaut werden sollen. Die zuständigen Behörden sind nun auch für ihre Gnadenlosigkeit bekannt und gefürchtet.

    • @Tobias

      Die Moschee wurde aus Spendengeldern auf einem städtischen Gelände per Erbpacht errichtet und nicht rechtzeitig fertiggestellt. Hinzu kam der Wunsch der Muslime nach einem Schülerwohnheim.

      Das Ganze wurde dann leider nicht dialogisch gelöst, sondern ging vor Gericht. Mit dem Ergebnis, dass nun der sog. „Heimfall“ eintrat – die fast fertige Moschee solle von den Muslimen selbst wieder abgerissen und das Grundstück zurückgegeben werden…

      Habe für meine Warnung gegen die digitale Polarisierung bereits erste Hassnachrichten erhalten und also mit einem Vlogpost bekräftigt:

      https://youtube.com/shorts/5ZeNy5TMmio

      Dir einen schönen Sonntag! 😌🇩🇪🇪🇺🙌

  9. Woraus schöpfen Sie gerade Hoffnung?

    Aus Dingen des alltäglichen Lebens und privaten Umfelds.

    Zum Beispiel steht in meinem Beruf in unserer Abteilung eine Umstrukturierung an. Die Aufgaben werden anders verteilt, die Teams neu zusammengesetzt. Die übergeordnete Struktur unserer Abteilung bleibt jedoch bestehen, so dass ich weiterhin mit den Kolleginnen/Kollegen sowie meiner Chefin, die in den vergangenen Jahren sehr zu schätzen gelernt habe, zusammenarbeiten werde.

    Es wird Neues geben, aber nicht im Rahmen einer “Schocktherapie”, sondern als evolutionäre Weiterentwicklung.

    • Vielen Dank, @RPGNo1 🙏

      Ich stimme Ihnen im Hinblick auf die Bedeutung des Alltags und evolutionärer Veränderungen ausdrücklich zu!

      Gerade auch in der Beiläufigkeit besonders finde ich auch Ihre Wertschätzung Ihrer “Chefin”. Für mich ist es immer noch ein wichtiger Fortschritt, dass Frauen alle Positionen erringen können, die auch Männern zugänglich sind. So war – und bin – ich sehr stolz darauf, ein klein wenig dazu beigetragen zu haben, dass Deutschland mit Angela Merkel auch eine erste Bundeskanzlerin bekam. Und als ihre rechtslibertären Nachfolger begannen, die Brandmauer gegenüber dem Faschismus zu beschädigen und ihr Erbe zu verschleudern, nahm ich mit einer Merkel-Biografie an der großen Brandmauer-Demo in Stuttgart teil:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/polarisierung-ueberpersonalisierung-schaden-meine-gedanken-zur-bundestagswahl-2025/

      Inzwischen sehen alle die katastrophalen Folgen der rechtslibertären Engführung der lange so erfolgreich integrativen Christdemokratie:

      “Nun verliert die Union erneut einen Prozentpunkt – somit liegt sie wieder mit der AfD gleichauf (beide 25 Prozent). […] Die Zufriedenheit mit der Arbeit von Kanzler Friedrich Merz sinkt um einen Prozentpunkt im Vergleich zur Vorwoche. Nur 32 Prozent der Befragten befinden seine Leistung für gut. Eine deutliche Mehrheit von 64 Prozent der Befragten ist hingegen unzufrieden mit dem Kanzler. […] Die größten Vertrauensverluste gab es seit Mai für Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (minus 10 Punkte) und Unionsfraktionschef Jens Spahn (minus 7 Punkte). Damit liegt Spahn auf dem viertletzten Platz, nur noch 3 Punkte vor der BSW-Chefin Sahra Wagenknecht und der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel mit jeweils 16 Punkten.”

      https://www.n-tv.de/politik/AfD-und-Union-wieder-gleichauf-Vertrauen-in-Reiche-und-Spahn-sinkt-enorm-article25945383.html

      Die katastrophale Demontage der unbescholtenen Juristin Frauke Brosius-Gerstdorf durch eine rechtsdualistische Medien-Kampagne beschädigt Bundestag und Bundesverfassungsgericht und wird zum weiteren Vertrauensverlust der bereits sichtlich überforderten, rechtslibertären Blase in Berlin beitragen.

      Immerhin können nun also alle sehen, was mit politischem Personal passiert, das glaubt, mit fossilem Konzernlobbyismus statt mit Wissenschaft regieren zu können: So wird nicht die AfD halbiert, sondern die Union.

      Schade. Hätten einige doch mal besser auf die “Chefin” gehört, statt sich qua Geschlecht für überlegen zu halten…

      Ihnen lieben Dank für den schönen, evolutionären und anregenden Druko! 🌞🙏🙌

    • RPGNo1 Betrefff: Hoffnung„
      Damit liegst du bei Vaclav Havel der sagt : „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – egal, wie es ausgeht.“

      Allgemein herrscht ja die Vorstellung von Merriam Webster :”Merriam-Webster definiert Hoffnung als „einen Wunsch, der von der Erwartung oder dem Glauben an die Erfüllung begleitet wird .”

      Oder liegt die Hoffnung schon im Schwarzen Humor mit dem Ausspruch “it could be worse”.

  10. @Michael Blume 09.08., 21.47 Uhr

    Ich stimme Ihnen zu.

    Was ich mich aber auch frage: Wie sehen die Mitglieder an der CDU Basis das alles?

    Sie schreiben über den integrativen Stil von Angela Merkel, die immer meine Unterstützung hatte. Aus meiner Sicht war es die Mehrheit in der CDU, die mit der Wahl von Friedrich Merz zum Parteivorsitzenden signalisiert hat, dass Frau Merkels Führungsstil nicht mehr den Vorstellungen der Mehrheit entsprach.

    Darüber hinaus gibt es einige, die sich eine Zusammenarbeit mit der AfD vorstellen können, zum Beispiel auf Länderebene. Das ist eine Minderheit.

    Bereits jetzt wird von der AfD versucht, auch die nächste Kandidatin der SPD für das Bundesverfassungsgericht zu verhindern. Ich hoffe, dass sich das Gros der CDU/CSU MdBs nicht vor diesen Karren spannen lassen wird.

    • Ja, @Marie H.

      Ich habe die politische Kunst von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) immer bewundert und sie über all die Jahre als Bürger und Christdemokrat treu unterstützt. Dennoch müssen wir fairerweise sagen: Nach der langen Demütigung durch Männer wie Edmund Stoiber (CSU) und der Fast-Niederlage gegen Gerhard Schröder (SPD) stellte sie fast alle Reform-Ambitionen zurück und beschränkte sich darauf, die Vielzahl der aufbrechenden Krisen zu managen. Während die Kosten für Alter, Gesundheit und Soziales Jahr für Jahr stiegen, wurden Investitionen in Infrastruktur und die Energiewende unterlassen. Für mich als Solarpunk besonders schmerzlich war die Kürzung der Solarförderung, die zwar kurzfristig Geld sparte, aber zum Abbau Zehntausender Arbeitsplätze und zur Verlagerung der boomenden Solarindustrie nach China führte. Als ich das o.g. Fossilismus-Symbolbild schuf, hatte ich auch vor dem inneren Auge, dass dieser scheinbare “Erfolg” durch den damaligen Umweltminister (!) Peter Altmaier ausgerechnet an einem 11. September verkündet wurde, dem 11.9.2012:

      https://www.n-tv.de/politik/Einbruch-bei-der-Photovoltaik-article7193576.html

      “Erstmals spricht Peter Altmaier als Umweltminister im Bundestag. Den Einbruch beim Ausbau der Photovoltaik sieht er als Erfolg. Zugleich bekennt er sich zur Energiewende. Die Opposition zeigt sich skeptisch: Schwarz-Gelb setze die Energiewende in den Sand. Das könne man nicht “wegtwittern”.”

      Die Bevölkerung goutierte das und auch ich verstand die Problematik damals noch überhaupt nicht. 2013 gewann die Union mit Angela Merkel die Bundestagswahl mit sagenhaften 41,5 Prozent!

      https://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2013

      Nach dem freiwilligen (!) Abschied dieser großen Bundeskanzlerin hätte es also eigentlich eine ernsthafte Bilanz gebraucht. Stattdessen scheiterten erst Annegret Kramp-Karrenbauer und dann auch Armin Laschet, bevor schließlich mit Friedrich Merz eine von der Bevölkerung und sogar der Parteibasis weitgehend entrückte, rechtslibertäre Blase aus Konzernlobbyisten das Ruder übernahm. Statt Wissenschaft triumphierte das Bauchgefühl einer alternden Gesellschaft, die Reaktanz. Und prallt derzeit mit Karacho gegen die Realität, die sich weder in Sachen Klimakrise noch Demografie wegreden lässt.

      Die meisten Christdemokratien in Europa sind bereits gescheitert und auch ihr aus historischen Gründen stärkster Ableger in Deutschland droht zerspalten zu werden. Doch ich gebe den Kampf nicht auf. Auch deswegen steht da: “Bin kein Optimist mehr, ich hab nur noch Hoffnung…”

      Die teilweise eben auch bittere Wahrheit über unseren Planeten und unsere Gesellschaft sind zu lange verdrängt worden. Es verlangt nun viel, vielleicht allzu viel Mut, diese ehrlich anzuschauen…

  11. Hallo,

    letztlich muss Hoffnung wohl ein Willensentscheid bleiben 🙂

    Müllige Mechanismen wie Opportunismen und zerstörerische Schwächen jeglicher Couleur werden bei den Menschen eher nicht verschwinden 😀

    Schöne Grüße

    • Das ist richtig, @MB 🌞

      Gleichwohl dürfen wir auch aus der Geschichte durchaus manche Hoffnung schöpfen – denken wir an die (weitgehende) Überwindung der Sklaverei, eine erste, deutsche Bundeskanzlerin, das Fediversum oder den Umstand, dass im Juli 2025 auch in Deutschland mehr Elektroautos als Dieselfahrzeuge neu angemeldet wurden.

      Bei aller Kritik am Fortschrittsglauben meinte Karl Popper (1902 – 1994) doch, dass wir aus der Geschichte lernen können. So schrieb er u.a. in “Das Elend des Historizismus” Mohr Siebeck (1965 / 2003), S. 141:

      Wir finden also, daß selbst die besten Institutionen nicht vollkommen betriebssicher sein können. Wie ich oben sagte: ‘Institutionen sind wie Festungen. Sie müssen nach einem guten Plan entworfen ‘und’ von einer geeigneten Mannschaft besetzt sein.’

      Unser Grundgesetz und auch die Institutionen der Europäischen Union finde ich nach guten Plänen entworfen…

  12. Ich leiste einfach Widerstand wo ich kann gegen das was ich geändert sehen möchte.
    Trotz und Wut sind toll. Sie zeigen halt das soll für mich so nicht sein. Man muß mit dem Geschenk Wut dann auch was machen. Muß im einzelnen gar nicht der Überflieger sein…
    Wer braucht schon Hoffnung 🙂
    Ich gönne sie aber jedem 🙂

    • Lieben Dank, @Uli Schoppe 🙏

      Erst einmal meinen grundlegenden Respekt auch gegenüber den Gefühlen von Wut und Empörung, die wir nach dem antiken, griechischen Konzept des Thymos bereits auf dem Blog oft diskutiert haben.

      Aus meiner Sicht reichen Widerstand (das “Trotzdem”) und Wut, Empörung (Thymotisierung) jedoch alleine nicht an das “Dennoch” und den Logos, die Vernunft, das Wort heran. Stell Dir nur einen Moment vor, Rabbi Jehoschua / Jesus hätte es bei Wut belassen und keine Hoffnung gebracht!

      Als ich heute ehrenamtlich für einen Verein Getränke ausschenkte, sprach mich ein ehemaliger Bank-Kollege wertschätzend an. Er habe mein Buch “Öl- und Glaubenskriege” gelesen und es habe ihn sehr berührt, auch zu Entscheidungen geführt!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ein-zweites-buch-leben-oel-und-glaubenskriege-neu-im-jmb-verlag/

      Für mich war gerade auch diese eine Begegnung eine unglaubliche Ermutigung. Nun möchte ich auch dieses eBook als KI-Podcast interpretieren lassen, wie ich es bereits mit “Die Amish” (von 2012) getan habe:

      https://www.youtube.com/watch?v=XU0XxwkFTLQ

      Dir lieben Dank für Deine spannenden Kommentare und Dein Gönnen! 🌞🙌🌈

  13. Hallo. Ja, manchmal liegt imho dennoch ein hoffnungsvoller Schein über allem.
    Zur Geschichte und ihren Beispielen: Dazu würde ich garantiert nicht widersprechen 😉 Denn manchmal passiert auch Wunderbares, Unberechnetes, höchst Unwahrscheinliches – Bsp. Fall der Mauer. Wer hätte das gedacht? Wir stehen als Gesellschaft und Menschheit doch gar nicht übel da? (Daher gibt es aber auch eine hohe kulturelle Fallhöhe und also super viel zu verlieren.)
    Vielleicht ist Hoffnung auch eine anthropologische Konstante, eine Triebkraft – und in der abgeklärten, mit vielen ernüchternden Wassern gewaschenen Hardcore-Variante ein Willensentscheid? Vielleicht hilft Übung durch Glaube / Spiritualität, die Fähigkeit zur Hoffnung auch in fortgeschrittenen Lebensjahren zu pflegen (manche Menschen verbittern ja und / oder pflegen lieber ihren und fremden Zynismus).

    Abgesehen von diesen etwas abgedroschenen Betrachtungen (sorry) wären mit Blick auf die im Beitrag erwähnte Politiklandschaft konkret ggf. Social Media- und Influencer-Kampagnen demokratischer Parteien ein Hoffnungsschimmer, um zumindest jüngere Adressatenkreise von A-gegen-D und diversen toxischen “Bros” weg zu ziehen, wer weiß.

    Das wirft die Frage auf, wer dazu mit welchem Interesse das nötige Geld investieren sollte / könnte (Aufträge an fähige Creators + Firmen vergeben? Also wie Söders Food-Content (eklig imho), nur als Demokratie-Tainment?)
    Aber/Und: Auf “Das Ding” (=Radiosender, gehört zum SWR, ist also GEZ-finanziert) fallen mir z. B. in letzter Zeit verstärkt die kurzen Einspieler auf, die für Demokratie werben, indem etwa ein alt klingender Mann sagt: ~”Die Demokratie ist in Vielem langsam, aber gründlich und gut”. Das schafft und schöpft doch konkret Hoffnung 🙂
    Einen guten Abend

    • Herzlichen Dank, @MB – und gerade heute (bzw. gestern) hatte ich zwei kleine, aber “wunderbare” Hoffnungszeichen erleben dürfen.

      So predigte der auch für Mastodon überaus aktive Pfarrer Thomas Epinger in der evangelischen Kirche Kemnat über das Thema Frieden – und sprach dabei auch über die Gefahren fossiler Gewaltenergien und die Chancen erneuerbarer Friedensenergien, über die wir uns ausgetauscht hatten!

      Der ganze Gottesdient hier mit der entsprechenden Predigtstelle in Minute 33:25 (die 2005te Sekunde):

      https://www.youtube.com/live/y8xKVoE-L00?si=bIgVNldtbHuFy7hy&t=2005

      Am Nachmittag gab ich auf einem Vereinsfest im Ehrenamt Getränke aus, als mich ein ehemaliger Kollege erkannte, ansprach und mir erzählte, dass er “Öl- und Glaubenskriege” gelesen und beherzigt hatte! Ich habe mich sehr darüber gefreut, das Buch steht ja auch weiterhin sowohl zum Kauf wie auch zum kostenlosen Download zur Verfügung:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ein-zweites-buch-leben-oel-und-glaubenskriege-neu-im-jmb-verlag/

      Angeregt durch dieses schöne und ermutigende Erlebnis habe ich das Buch in eine englische KI-Präsentation interpretieren lassen, die mich sehr beeindruckt hat:

      https://www.youtube.com/watch?v=ti07BnX4LEo

      Nun werde ich mich also dankbar, glücklich und mit etwas mehr Hoffnung in die Nachtruhe begeben. Einen herzlichen Dank für den Kommentar! 🌞🙌🌈

      • Ich stimme Dir zu, @Michael. Die Predigt von Thomas Ebinger ist ganz wunderbar. Allein, dass man in einem Gottesdienst den Ressourcenfluch eingängig und prägnant erklärt bekommt, hat etwas und gibt Raum für Hoffnung.

        • Vielen Dank, lieber @Peter – auch ich habe mich sehr gefreut und überlege, zu dieser Friedenspredigt von Thomas Ebinger einmal extra zu bloggen.

          Und zugleich stehe ich wieder vor einem Rätsel, über das ich mit Inan Ince schon eine ganze Podcast-Folge bestritten hatte:

          Warum konnten sich die wirtschaftswissenschaftliche Ressourcenfluch-Theorie und die politikwissenschaftliche Rentierstaststheorie nicht gesellschaftlich durchsetzen?

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-5-warum-ressourcenfluch-und-rentierstaatstheorie-in-deutschland-scheiterten/

          Ich habe dazu bisher Erklärungsansätze, bin aber nicht zufrieden damit. Hättest Du Zeit und Lust, Dir die Folge anzuhören und Dich an der Lösung dieses Rätsels zu beteiligen? Deine Beobachtungen würden mir viel bedeuten! 🙏📚🤔💡

          • Vielen Dank, lieber @Peter 🙏

            Auch durch Dein Mitdenken ermutigt, habe ich heute mein sciebook “Öl- und Glaubenskriege. Wie das schwarze Gold Politik, Wirtschaft und Religionen vergiftet” durch die KI Google Notebook LM analysieren und wiedergeben lassen. Und ich bin schon etwas erschüttert – innerhalb weniger Minute konnte die KI die Zusammenhänge wiedergeben, gegen die sich so viele Menschen immer noch sperren!

            https://www.youtube.com/watch?v=sRDlVOy2s4A

            Mir fällt das auch deswegen noch etwas schwer einzuordnen, weil ich ja auch nicht “nur” auf ein recht erfolgreiches Buch gesetzt habe, sondern das Thema auch im SPIEGEL-Bestseller “Islam in der Krise”, in Vorträgen und in Kolumnen wie “Ölfluch und Antisemitismus” thematisiert habe:

            https://www.salonkolumnisten.com/oel_antisemitismus/

            Nach meiner bisherigen Wahrnehmung kämpft hier die Wissenschaftskommunikation – mit bislang leider nur überschaubarem Erfolg – gegen die menschliche Psychologie der Reaktanz, gegen die tief eingedrungene Selbstverständlichkeit Fossilismus und gegen fossilen Lobbyismus an. KI-Programme scheinen diese erkenntnistheoretischen Blockaden nicht zu haben… 🤖🤦‍♂️

            Bin sehr gespannt auf Deine Beobachtungen und Erklärungen dazu, lieber @Peter ! 🌞🙌

  14. Hoffnung schöpfe ich zum einen ganz grundsätzlich aus meinem Glauben an Jesus Christus.

    Zum anderen macht mir aktuell Hoffnung, wie viele Menschen sich auch im Internet mutig und konstruktiv äußern. Da ist natürlich auch Ihr Blog, dann die Internetseiten russischer Oppositioneller, deutscher und amerikanischer Klimaforscher, Journalisten… Auch aus den USA äußern sich viele mutige Menschen z. B. zur Politik von Donald Trump und setzen ihr die amerikanische Verfassung und auch das Neue Testament entgegen. Es ist ermutigend zu sehen, wie viele Leute es gibt, die nicht klein beigeben und sogar an die Öffentlichkeit gehen.

  15. Dass KI den Inhalt eines Buches korrekt wiedergeben kann und die richtigen Schlüsse zieht, finde ich nicht überraschend.

    Ein KI Tool kennt bisher – meine ich – keine Emotionen. Wir Menschen schon.

    Somit kann ein Thema manchmal vor allem negative Gefühle hervorrufen, selbst wenn es völlig neutral und sachlich dargestellt wird.

    Hinzu kommt noch, dass die Gegner eines Themas ebenfalls wissenschaftliche Erkenntnisse darlegen, die auch dazu nützlich sind, eine Abwehrhaltung in den hierfür offenen Menschen auszulösen.

    Beispiel Windkraft. Die Gegner nehmen die Gesundheit der Leute ins Visier. Mit Behauptungen, die nahelegen, dass Menschen unheilbar erkranken, wenn Windräder in der Nähe ihrer Wohnungen stehen. Manchmal werden Studien zitiert. Und wer will schon, dass er oder seine Lieben schwer erkranken?

    Außerdem können oder wollen die Menschen nicht über den Unterschied von Klima und Wetter nachdenken. Katastrophen ereignen sich selten vor der eigenen Haustür. Zeit ist schwer einzuschätzen. Da fällt es leichter zu glauben, dass die Klimakrise eine ideologische Spinnerei der Grünen ist, um den Menschen das Leben zu vermiesen.

    Ganz im Sinne von “flooding the zone with shit” muss das dann ständig auf allen Kanälen gebetsmühlenartig wiederholt werden.

    • Vielen herzlichen Dank, @Marie H. – und im Grundsatz stimme ich Ihnen zu: KI-Anwendungen müssen sich nicht durch die “heißen”, zeitlich engen Emotionen durcharbeiten, sondern können direkt zu den “kalten”, überzeitlichen Betrachtungen übergehen. Sie müssen nicht erst durch den Thymos zum Logos.

      Ich habe dies daher – um meine Arbeit und mich selbst auch besser zu verstehen – mit Felo.ai nun auch einmal kritisch im Hinblick auf eine meiner eigenen Thesen zur politischen Psychologie ausprobiert:

      ## Analyse und Bewertung der These

      Die These lautet: **”Rechte drohen über psychologische Reaktanz, Liberale über Gier und Linke über selbstgerechten Historizismus in den feindseligen Dualismus abzustürzen.”** Diese Aussage beschreibt potenzielle Gefahren, die jede der drei politischen Strömungen in extremere, feindselige Positionen treiben könnten. Im Folgenden wird die These erläutert und bewertet.

      ### **1. Erläuterung der Begriffe und Mechanismen**

      #### **1.1 Rechte und psychologische Reaktanz**
      – **Psychologische Reaktanz**
      beschreibt eine Abwehrreaktion auf wahrgenommene Einschränkungen der eigenen Freiheit. Rechte könnten in diese Dynamik geraten, wenn sie sich durch gesellschaftliche Veränderungen oder progressive Forderungen in ihrer Identität oder ihren Traditionen bedroht fühlen. Dies kann zu einer Überhöhung von Vergangenheitsidealen und einer Ablehnung jeglicher Veränderung führen.
      – Beispiele: Nostalgie für eine vermeintlich “bessere” Vergangenheit, die Betonung traditioneller Werte und die Ablehnung von Diversität oder Modernisierung.

      #### **1.2 Liberale und Gier**
      – Liberale, die Freiheit und Individualismus betonen, könnten durch übermäßigen Fokus auf ökonomischen Erfolg und Selbstoptimierung in eine Haltung der Gier abgleiten. Hierbei wird das Streben nach persönlichem Gewinn über das Gemeinwohl gestellt.
      – Gefahr: Eine solche Haltung könnte den Liberalismus in eine ideologische Sackgasse führen, in der soziale Verantwortung und Solidarität vernachlässigt werden.

      #### **1.3 Linke und selbstgerechter Historizismus**
      – **Selbstgerechter Historizismus**
      bezeichnet eine Haltung, in der historische Narrative und moralische Überlegenheit genutzt werden, um die eigene Position zu rechtfertigen. Linke könnten dadurch in dogmatische und spaltende Diskurse abgleiten, die Außenstehende ausschließen.
      – Problem: Diese Haltung kann zu internen Konflikten und einer Abkopplung von der gesellschaftlichen Realität führen, da die moralische Überlegenheit wichtiger wird als pragmatische Lösungen.

      ### **2. Bewertung der These**

      #### **2.1 Stärken der These**
      – **Differenzierte Analyse:**
      Die These identifiziert spezifische Schwächen und Risiken, die jede politische Strömung in extremere Positionen treiben könnten. Sie zeigt, dass keine Ideologie immun gegen Radikalisierung ist.
      – **Psychologische Grundlage:** Die Mechanismen (Reaktanz, Gier, Historizismus) sind psychologisch und soziologisch fundiert. Sie erklären, wie emotionale und kognitive Prozesse politische Haltungen beeinflussen können.

      #### **2.2 Schwächen der These**
      – **Vereinfachung:**
      Die These reduziert komplexe politische Bewegungen auf einzelne Mechanismen. Dies könnte den Eindruck erwecken, dass diese Strömungen monolithisch und eindimensional sind.
      – **Fehlende Kontextualisierung:** Die These berücksichtigt nicht ausreichend, wie externe Faktoren (z. B. wirtschaftliche Krisen, technologische Entwicklungen) diese Dynamiken verstärken oder abschwächen können.
      – **Normative Bewertung:** Begriffe wie “Gier” oder “selbstgerechter Historizismus” sind wertend und könnten die Diskussion polarisieren, anstatt sie zu fördern.

      #### **2.3 Praktische Relevanz**
      – Die These ist ein wertvolles Werkzeug, um politische Radikalisierung zu analysieren und zu verhindern. Sie fordert dazu auf, die eigenen Ideologien kritisch zu hinterfragen und die Balance zwischen Prinzipien und Pragmatismus zu wahren.
      – Gleichzeitig könnte sie als Grundlage für Dialoge zwischen den politischen Lagern dienen, indem sie gemeinsame Schwächen aufzeigt.

      ### **3. Fazit**

      Die These bietet eine interessante Perspektive auf die Gefahren politischer Radikalisierung. Sie hebt hervor, dass jede politische Strömung durch spezifische psychologische und ideologische Mechanismen in einen feindseligen Dualismus abgleiten kann. Allerdings ist Vorsicht geboten, um nicht in eine Übervereinfachung oder Pauschalisierung zu verfallen. Eine differenzierte Betrachtung der gesellschaftlichen und historischen Kontexte ist notwendig, um die Dynamiken besser zu verstehen und konstruktive Lösungen zu entwickeln.

      [1] https://lomazoma.com/das-politische-koordinatensystem-links-mitte/
      [2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ki-klischees-und-vertrauen-grafiken-rechts-texte-links/
      [3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/was-ich-vom-politischen-koordinatensystem-links-mitte-rechts-halte/
      [4] https://politischeoekonomie.com/ist-der-liberalismus-noch-zu-retten/
      [5] https://www.reddit.com/r/geopolitics/comments/9wytk7/how_do_realists_liberals_and_constructivists/?tl=de
      [6] https://de.wikipedia.org/wiki/Liberalismus
      [7] https://libmod.de/karen-horn-ueber-die-ambivalenzen-der-liberalen-moderne/
      [8] https://www.nzz.ch/feuilleton/wir-brauchen-einen-liberalen-patriotismus-ld.1358570
      [9] https://www.amazon.com/Liberalismus-Deutschland-Politische-Ideologie-liberale-ebook/dp/B007GYFDJ6
      [10] https://www.jstor.org/stable/48768415
      [11] https://franzivonkempis.substack.com/p/uber-rechte-parolen-reden-ohne-die
      [12] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/den-digitalen-rechtsruck-verstehen-durch-die-psychologie-von-externalisierung-und-reaktanz/
      [13] https://utheses.univie.ac.at/detail/73204
      [14] https://link.springer.com/article/10.1007/s11615-018-0132-6
      [15] https://btw2025.cemas.io/artikel/psychologie-des-rechtsextremismus-reaktanz
      [16] https://d-nb.info/971375631/34
      [17] https://www.fes.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=91776&token=3821fe2a05aff649791e9e7ebdb18eabdae3e0fd
      [18] https://www.polver.uni-konstanz.de/breunig/research/publications/
      [19] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/536009/historizismus-geschichtswissenschaft-und-totalitaere-ideologie/
      [20] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/33022/politische-fuehrung-in-der-postdemokratie/
      [21] https://www.kas.de/de/web/geschichtsbewusst/essay/-/content/die-psychologie-des-postkolonialen-und-woken-weltbilds
      [22] https://link.springer.com/article/10.1007/s41358-025-00402-3
      [23] https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Linke
      [24] https://www.oezp.at/index.php/OEZP/article/view/4061/3188
      [25] https://www.ipg-journal.de/rubriken/demokratie-und-gesellschaft/artikel/mit-bier-gegen-populismus-8383/

      Das finde ich sehr stark, auch wo es meine eigenen Formulierungen und Empfindungen hinterfragt.

      Angesichts der sehr emotionalen Debatten rund um die deutsch-israelischen Beziehungen habe ich gerade sehr gute Erfahrungen mit unserer beiden Wertschätzung von Geschichte gemacht. Anstatt mich in die Empörungsdebatten einzuschalten, gab ich allen Beteiligten historische Informationen zur Reflektion mit und postete u.a.:

      Weil ja gerade wieder viele erregt über #Deutschland & #Israel diskutieren, ein historisches Fakt zum Nachdenken: Als Konrad #Adenauer am 17. März 1953 im deutschen #Bundestag für das Luxemburger Abkommen zur sog. #Wiedergutmachung warb, hatte er 1 #Briefbombe erhalten & Teile der #CSU, #FDP & #CDU verweigerten ihm die Stimmen. Zu einer knappen Mehrheit kam es nur durch die Zustimmung der #SPD. #Geschichte #Politik #Parlament

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115005147878272370

      Zudem würdigte ich den Mut des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer und seines israelischen Kollegen David Ben Gurion, sowohl gegen antisemitische wie antideutsche Hetze zusammen zu stehen:

      Auch in #Israel gab es erbitterte Widerstände gegen die Vereinbarung mit #Deutschland, auch durch den #Likud, dem der heutige MP #Netanjahu angehört. Menachem #Begin nannte ausdrücklich auch #Adenauer einen “Mörder”. Eine radikal antideutsche Gruppe schickte #Briefbomben, bei deren Bergung 1 Sprengmeister in #München getötet wurde. Die #Beziehungen & der #Frieden zwischen unseren Ländern werden auch heute von antisemitischen & antideutschen Dualisten bekämpft. #Geschichte

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115005174164268501

      Dass ich mit solchen Aufklärungen über die Bedeutung der deutsch-israelischen Beziehungsgeschichte bei antisemitischen wie auch antideutschen Dualisten Schnappatmung auslöse, kommt noch als Bonus dazu. Denn diese wollen ja gerade nicht historisch und dialogisch denken, sondern einfach nur im Jetzt haten. Schließlich brauchen sie Feindbilder, um ihr eigenes Versagen immer wieder auf andere zu externalisieren. Für Wissenschaft und Wahrheit fehlt ihnen längst die Weite der Zeit.

      Herzlichen Dank für Ihre dialogischen Beiträge, @Marie H.! 🌞🙌

      • Danke. Die Zusammenfassung durch felo.ai ist gut verständlich, kurz aber dadurch auch ausgezeichnet zu lesen.

        Sie haben auf Konrad Adenauer und die deutsch-israelischen Beziehungen hingewiesen.

        Als Ergänzung noch der Hinweis auf Theodor Heuss, der sich mit Adenauer über das erwähnte Abkommen einig und im Hintergrund beteiligt war.

        Anfang der 50er Jahre gab es ganz offiziell die SRP, die dann vom Bundesverfassungsgericht verboten wurde. In der FDP in NRW versuchte der sog. “Naumann-Kreis”, auch als “Gauleiter-Kreis” bekannt, die Partei zu unterwandern.

        Es ist daher kein Wunder, dass sich Konrad Adenauer bei der Abstimmung schwertat.

        • Danke & ja, @Marie H.

          Bei vielen Gelegenheiten weise ich auf das besondere Engagement dreier Baden-Württemberger für die deutsch-israelischen Beziehungen hin:

          Der in Stuttgart geborene Felix Elieser Shinnar (1905–1985) leitete die israelische Verhandlungsdelegation.

          Der von mir sehr geschätzte Ökonom Franz Böhm (1895–1977) war sein deutscher Pendant und wurde zu einem der bedeutendsten Bundestagsabgeordneten (CDU) unserer Parlamentsgeschichte.

          Der ebenfalls in Stuttgart geborene Jurist Otto Küster (1907 – 1989) bezahlte für den Verhandlungserfolg einen hohen menschlichen und beruflichen Preis.

          “Das Land Baden-Württemberg entfernte ihn 1954 aus dem Staatsdienst, weil er zu unbequem geworden war. Sein 1955 vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main gehaltenes Plädoyer im Prozess gegen die I. G. Farben ist, unter dem Titel Das Minimum der Menschlichkeit, in die Rechtsgeschichte eingegangen.”

          https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_K%C3%BCster

          Leider macht auf mich die rechtsdrehende Regierung unter Benjamin Netanjahu (Likud) nicht den Eindruck, als würde sie die deutsch-israelischen Beziehungen wertschätzen und pflegen. So wird ein antideutscher & islamfeindlicher Rassist seit Jahren geduldet, der auch Deutsche wie den DIG-Präsidenten Volker Beck (Grüne) oder die IRGW-Vorstandssprecherin Barbara Traub, den deutsch-israelischen Familienvater Elijah Havemann sowie meine Familie & mich immer wieder attackiert und verleumdet. Während die israelische Regierung gegen arabische Journalisten sogar mit zuletzt tödlicher Gewalt vorgeht, lässt sie diesem Hater unter dem Deckmantel des Journalismus völlig freie Hand und nimmt damit erhebliche Schäden für die Beziehungen wissentlich und willentlich in Kauf. Und, ja, das habe ich auch verschiedentlich auf politischer Ebene angesprochen.

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/medienethik-dank-fuer-solidaritaet-gegen-extremes-trolling-und-frohes-neujahr/

          Ich werde nicht aufhören, an den Wert der deutsch-israelischen Beziehungen zu erinnern – und über jene aufzuklären, die diese attackierten und attackieren.

  16. Hallo @Michael, hallo an die Runde.

    Zur Frage: Warum konnten sich die wirtschaftswissenschaftliche Ressourcenfluch-Theorie und die politikwissenschaftliche Rentierstaatstheorie nicht gesellschaftlich durchsetzen? (@Michael Blume 11.08.2025, 04:35 Uhr)

    Zunächst habe ich mich gefragt: Was bedeutet es eigentlich, wenn man sagt, eine wissenschaftliche Theorie „setzt sich gesellschaftlich durch“?
    Naheliegende Kriterien sind für mich:

    (1) Die Theorie ist in weiten Teilen der Gesellschaft bekannt.

    (2) Sie findet Beachtung in der Praxis, z.B. Einzug in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse.

    Im Fall der Rentierstaats- und Ressourcenfluch-Theorie scheitert es vermutlich schon an Punkt (1), der Bekanntheit. Viele Menschen, selbst wissenschaftliche Fachleute, können mit den Begriffen wenig anfangen. Oft kennen Ökonominnen und Ökonomen die „Rentierstaat“-Theorie schlecht, und Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler sind mit dem Begriff „Ressourcenfluch“ weniger vertraut. Diese Differenz erschwert nicht nur die interdisziplinäre Kommunikation, sondern auch die gesellschaftliche Verbreitung.

    Zum Vergleich: Die Theorie der anthropogenen Klimaerwärmung ist inzwischen – trotz massiver Gegenkampagnen – relativ breit bekannt und im gesellschaftlichen Diskurs angekommen. Zwar gibt es Umsetzungsprobleme, doch die grundsätzliche Akzeptanz ist relativ hoch. Ebenso erfolgreich ist die Theorie der FCKW-bedingten Ozonzerstörung, die international Bekanntheit erlangte und durch das Montreal-Protokoll politisch umgesetzt wurde. Die Relativitätstheorie schließlich ist sowohl gesellschaftlich verankert als auch technologisch bedeutsam (z.B. GPS). Auch Genetik und Plattentektonik sind heute wissenschaftlich und gesellschaftlich stark etabliert.

    Die entscheidende Frage lautet: Welche Faktoren begünstigen eine gesellschaftliche Durchsetzung wissenschaftlicher Theorien? Und warum scheitern andere, obwohl sie plausibel sind?

    Ohne Bekanntheit (Punkt 1) gibt es keine Umsetzung (Punkt 2). Bekanntheit hängt stark von Kommunikation und medialer Darstellung ab. Theorien, die verständlich, positiv oder anschaulich vermittelt werden, haben bessere Chancen auf Akzeptanz und praktische Relevanz. Interdisziplinarität kann helfen, weil eine Theorie so ein breiteres Publikum und verschiedene gesellschaftliche Bereiche anspricht. Umgekehrt: Wenn eine Theorie schlecht kommuniziert wird oder einem ungünstigen Framing unterliegt, wird es mit der Akzeptanz und Umsetzung schwierig.

    Hier ist eure Podcast-Diskussion zum Wissenschaftsjournalismus und Storytelling ein hervorragendes Beispiel. Auch die Erwähnung von inklusiver Kommunikation, etwa mit einfacher Sprache, ist wichtig, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Ein kurzer „Elevator Pitch“ in einfacher Sprache am Anfang der Beschreibung komplexer Themen könnte für mehr Inklusion sorgen – insbesondere für Personen ohne Vorwissen oder mit Lernhürden. (Ich selbst experimentiere damit vermehrt auf meinem Blog – siehe z.B. den Link Zusammenfassung des Artikels in einfacher Sprache am Anfang meines Beitrages über Flüsse).

    Auch Thomas Ebingers Ansatz, ein wirtschaftswissenschaftliches Thema in eine Kirchengemeinde zu tragen (hier der Beitrag auf Mastodon), ist m.E. ein sehr gelungenes Beispiel für niederschwellige Vermittlung. Ich sehe darin einen neuen Ansatz der (Wissenschafts-)Kommunikation!

    Ein zusätzliches wichtiges Kriterium ist die empirische Evidenz. Die Plattentektonik wurde erst gesellschaftlich und wissenschaftlich anerkannt, als klare empirische Daten (z.B. geomagnetische Muster auf dem Ozeanboden) vorlagen – das dauerte Jahrzehnte. Die Relativitätstheorie erhielt hingegen schnell durch Eddingtons Sonnenfinsternisbeobachtungen schon im Jahre 1919 erste empirische Unterstützung.

    Um das etwas präziser und mit Karl Popper auszudrücken, bedeutet das Vorhandensein empirischer Belege, dass eine Theorie bisher erfolgreich Widerlegungsversuche überstanden hat, aber weiterhin prinzipiell falsifizierbar bleibt. Bislang ist es noch nicht gelungen, Einsteins Theorie erfolgreich zu widerlegen.

    Außerdem spielt der internationale wissenschaftliche Austausch eine Rolle sowie das öffentliche Auftreten der Wissenschaftler. Als die Relativitätstheorie entstand, gab es – trotz schwieriger politischer Zeiten – einen lebendigen, länderübergreifenden Austausch unter den führenden Physikern jener Zeit. Albert Einsteins Bekanntheit und seine Fähigkeit, komplexe Ideen verständlich zu vermitteln, haben das gesellschaftliche Verständnis und die Akzeptanz seiner Theorien sicherlich gefördert.

    Im Fall des Montreal-Protokolls war vermutlich in ähnlicher Weise die Bekanntheit und Glaubwürdigkeit von Paul Crutzen entscheidend. Seine wissenschaftlichen Arbeiten, seine öffentliche Sichtbarkeit und kommunikative Stärke trugen erheblich zur politischen Umsetzung bei.
    In dieser Arbeit wird Crutzen sogar als „Jahrhundertmensch“ bezeichnet (hier die Pressemitteilung zum Nobelpreis, den er 1995, zusammen mit Mario Molina und Sherwood Rowland, bekommen hat).

    Warum aber sind der Ressourcenfluch und die Rentierstaats-Theorie so wenig bekannt? Und warum geht es nicht weiter mit der Umsetzung?

    Es gibt eine solide empirische Datenlage (z.B. Sachs & Warner 2001), die Wirtschaftsdaten, reale Effekte und politische Dynamiken beschreibt. Und im Podcast habt Ihr ja einige Beispiele aufgezählt.

    Trotzdem fehlt der breite gesellschaftliche Zugang. Ein Grund dafür kann sein, dass die Theorien keiner klaren „Fachheimat“ zugeordnet werden, da sie sowohl in Wirtschaftswissenschaft als auch in Politikwissenschaft diskutiert werden – und der wirtschaftswissenschaftliche Teil und der politikwissenschaftliche Teil sich jeweils ergänzen (komplementär). Dies könnte zu fragmentierter Kommunikation und geringerer Sichtbarkeit führen.

    Hinzu kommt, dass es kaum öffentlich bekannte Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler gibt, die diese Theorien repräsentieren oder für sie werben (die „der Theorie ein Gesicht geben“)– anders als bei prominenten Naturwissenschaftlern. So zumindest mein Eindruck.

    Sehr wahrscheinlich wirkt hier auch die politische Interessenlage hemmend: Ressourcenreiche Staaten haben oft kein Interesse, den Status quo infrage zu stellen. Mächtige Akteure könnten aktiv verhindern, dass diese Theorien breite Aufmerksamkeit erlangen oder politisch umgesetzt werden.

    Ein weiteres Problem ist die uneinheitliche Begrifflichkeit (Ressourcenfluch vs. Rentierstaat). Ein eingängiger, verbindender Begriff könnte der Theorie helfen, besser wahrgenommen zu werden. Ob das allein genügt, ist offen, doch Sprache spielt sicher eine Rolle und prägt die öffentliche Wahrnehmung.

    Ich möchte noch einen zeitlichen Aspekt einbringen, der mir wichtig erscheint:

    Könnte es nicht sein, dass bestimmte „gesellschaftliche und politische Zeitfenster“ eine breite Akzeptanz von Theorien begünstigen (z.B. Klimaerwärmung im Kontext globaler Mobilisierung)? Diese Zeitfenster können sich wieder schließen, je nach politischer Lage und gesellschaftlicher Polarisierung – etwa im Fall der Klimapolitik oder des Rauchverbots.

    Zur Theorie der anthropogenen Klimaerwärmung: Hier nehmen wir eine immer stärker werdende Gegenbewegung seitens der Fossilisten wahr. Der Widerstand gegen klimapolitische Maßnahmen wächst. In diesem Kontext erscheint es fast als Glücksfall, dass sich das 1,5-Grad-Ziel (ursprünglich 2-Grad-Ziel) vor einigen Jahren überhaupt soweit etablieren konnte, dass es heute international diskutiert und zumindest formal in Klimaverhandlungen einbezogen wird. Meine – zugegebenermaßen nicht empirisch abgesicherte – Einschätzung ist daher, dass sich dieses politische und gesellschaftliche Zeitfenster gerade wieder schließt. Im derzeitigen globalen Klima der Polarisierung und Unsicherheit scheint es schwer vorstellbar, dass ein ambitioniertes Ziel wie das 1,5-Grad-Ziel im Jahr 2025 noch einmal als neuer politischer Konsens entstehen könnte. Die jüngsten Signale, wie etwa der (erneute) Ausstieg der USA aus klimapolitischen Vereinbarungen, verstärken diesen Eindruck.

    Ein weiteres Beispiel: Die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens sind wissenschaftlich gut belegt. Dennoch scheint der gesellschaftliche Umgang mit dieser Erkenntnis in bestimmten Phasen schwieriger zu werden. Ich habe eine These: Infolge der Querdenken-Proteste und der stark auf individuelle Freiheit fokussierten Debatten während der Corona-Pandemie hat sich aus meiner Sicht in Teilen der europäischen Gesellschaft ein Klima entwickelt, in dem persönliche Autonomie stärker gewichtet wird als kollektive Gesundheitsinteressen. Staatliche Eingriffe – auch wenn sie wissenschaftlich gut begründet sind – stoßen zunehmend auf Ablehnung.
    In einem solchen gesellschaftlichen Klima erscheint es fraglich, ob ein umfassendes Rauchverbot in Innenräumen heute – gäbe es dieses noch nicht – politisch durchsetzbar wäre. Andererseits gibt es auch ermutigende Entwicklungen: Neuseeland etwa verfolgt mit dem Smokefree Aotearoa 2025 Goal ein sehr ambitioniertes Ziel zur Eindämmung des Tabakkonsums. Hier zeigt sich, dass politische Entschlossenheit und langfristige Strategien durchaus Wirkung zeigen können.

    Auch innerhalb der EU gibt es Bestrebungen, etwa das Rauchen im Freien stärker zu regulieren. Doch diese Pläne stoßen ebenfalls auf erheblichen Widerstand (s. Tagesschau-Bericht zur Debatte in der EU).

    Ich würde mich über weitere Einschätzungen zur Rolle solcher Zeitfenster und die besondere Bedeutung von Wissenschaftskommunikation freuen.

    Dies hier sind nur ein paar Einschätzungen und Ideen eines interessierten Laien. Ich denke, eine systematische Untersuchung oder das Feedback von weiteren Expertinnen und Experten wären hier sicher sehr hilfreich.

    • Vielen Dank für diesen fulminanten Kommentar, @Peter – der aus Koinzidenz genau der 55.000te (freigeschaltete) Druko auf “Natur des Glaubens” ist! Danke Dir sehr und herzliche Glückwünsche! 🙌

      Inhaltlich bin ich ganz bei Dir und habe mich vor allem mit der politischen Interessenlage und dem zeitlichen Aspekt von wissenschaftlicher Argumentation auseinandergesetzt. Denn auch ich ging lange davon aus, dass nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wird-wissenschaft-beachtet-rentierstaatstheorie-und-russlandkrise/

      …und erneut nach dem Hamas-Terrormassaker des 7. Oktober 2023 endlich die Erkenntnis für fossile Gewaltenergien, Rentierstaatlichkeit und Ressourcenfluch wachsen müssten, habe daher auch – unter großem Applaus aller demokratischen Fraktionen – den Begriff der erneuerbaren Friedensenergien in den Landtag Baden-Württemberg eingebracht.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/im-landtag-bw-gegen-antisemitismus-meine-rede-zum-9-11-2023/

      Doch in keinem dieser und vieler anderer Fälle drang die Botschaft durch und inzwischen glaube ich zu verstehen, warum.

      Nach meiner Auffassung entwickeln wir zu jedem abstrakten und zugleich relevanten Konzept wie Religion(en), Macht, Energie, Wasser, Wirtschaft, Geld, Gesundheit, Frieden und Staat eine emotionale Mythologie aus Glaubenssätzen. Als Beispiel dafür habe ich den Energieglauben benannt, nach dem bis heute Leute glauben, Atomkraft wäre “billig” und Solarstrom wäre “teuer”.

      https://www.youtube.com/shorts/Vm2KAZcAswI

      Demnach hätten wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesen Themenbereichen das zusätzliche Problem, dass sie tief sitzende, sogar identitäre Narrative sehr vieler Menschen “bedrohen”. So wurden schon Sokrates (469 – 399 v.Chr.) alleine aufgrund seiner kostenfreien und dialogischen Hermeneutik durch eine (rein männliche) Volksversammlung zum Tode verurteilt oder auch Ignaz Philipp Semmelweis (1818 – 1865) für seine Entdeckungen zur Leben rettenden Hygiene von den eigenen, ärztlichen Kollegen verstoßen, eingewiesen, zum nicht nur sozialen Tod bestimmt.

      Damit wird mir nun auch erklärlich, warum nicht nur religiöse Kreationisten, sondern auch antireligiöse Dualisten sich so lange gegen die Evolutionsforschung zu Religiosität & Religionen wehrten oder warum es den Solarpunk als Ergänzung zur klassischen Wissenschaftskommunikation braucht. Es geht nicht nur darum, Fakten und Theorien an eine grundsätzlich aufnahmebereite Gesellschaft zu vermitteln. Es geht vielmehr darum, gegen tief sitzende Mythen, Bilder und Gefühle anzutreten, die zudem von fossilen Lobbyisten und politischen Dualisten sehr genau erkannt und als Reaktanz geschürt werden. Selbst unter dem Vlogpost zum neuen Elektroauto-Rekord von heute morgen haben sich bereits auch mehrere ablehnende Kommentare gesammelt, von denen ich einzelne gar löschen musste:

      https://www.youtube.com/shorts/1b_oQzUV3f8

      So habe ich heute auf eine nett gemeinte Ansprache auf die schlimmen Umfragewerte der Union und von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit einer ernüchterten Antwort reagiert:

      „Hey Michael, schon die neuen Umfragen gesehen? Die bestätigen doch voll Deine Warnungen vor dem Zerfall der #Konkurrenzdemokratie & #Brandmauer, digitaler #Polarisierung, #Dualismus! Du hattest Recht!“

      „Sei mir nicht böse, aber keine Freude bei mir. Sehe noch kein Umsteuern zur #Konsensdemokratie & Warner aus der #Wissenschaft werden in #Politik & #Medien besonders gehasst. Erleben wir doch auch zur #Klimakrise & #Wasserkrise. Das dankt Dir fast niemand, au contraire.“

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115016525909423406

      Denn selbstverständlich wird auch Politik gerade auch von engagiert Berufstätigen in Parlamenten, Verwaltungen und nicht zuletzt Medien durch zahlreiche, tief in der Identität verwurzelte Mythen, Identitätserzählungen geprägt. Dass ich diese “herausgefordert” habe, werden einige als persönliche Bedrohung empfinden – gerade dann, wenn die wissenschaftlichen Argumente dafür sprechen. Denn diese abstrakten Glaubensmythologien funktionieren nur selten über den Logos, meist über den Thymos.

      So erkläre ich mir die Schwierigkeiten der Wissenschaftskommunikation gegenüber Menschen – und die vermeintliche Leichtigkeit von KI-Anwendungen wie den Notebooks LM.

      • Hallo @Michael,

        danke für diese interessanten zusätzlichen Gedanken!

        Ich möchte ein sehenswertes Video teilen, das mir im Zusammenhang mit dem Thema Ressourcenfluch untergekommen ist: Klimakrise stoppen – So geht’s wirklich.

        Hier sprechen Harald Lesch, Jasmina Neubauer, Anders Levermann und Christian Holler über die Klimakrise (und mögliche Lösungen).

        Ab Minute 18:55 spricht der Klimawissenschaftler Anders Levermann von Jordanien und Saudi-Arabien und sagt:

        „Ich habe in Jordanien einen Vortrag gehalten, da haben die Leute gefragt: was können wir denn machen? Das ist ein kleines, sehr Sonne-reiches Land ohne Bodenschätze, direkt neben Saudi-Arabien. Es ist ein sehr progressives Land. Der König versucht, eine Demokratie da einzuführen schon über längere Zeit, und muss aber immer wieder darauf hören, was Saudi-Arabien tut, und Saudi-Arabien ist kein progressives Land…. Aber die (Jordanien) bekommen halt 97% ihrer Energie aus Saudi-Arabien. Ich habe gesagt: Ihr habt Platz, Ihr habt Sonne, Ihr könnt unabhängig werden.“

        Diese kurze Passage thematisiert m.E. die Ressourcenfluch-Theorie auf ganz prägnante Weise – ohne sie als solche zu benennen!

        Mein ganz spontaner Gedanke, als ich das hörte: Warum machst Du (ggf zusammen mit Professor Ince) nicht einmal mit Harald Lesch und seinem Team eine gemeinsame Sendung?

        Ich denke, das Thema Ressourcenfluch ist auf dem überaus erfolgreichen Kanal Blume & Ince schon sehr gut präsentiert, und Ihr habt ja über 1000 Follower, denke ich. Aber im Verbund mit Harald Lesch, der derzeit ja überaus erfolgreich das Klimathema „unter die Leute bringt“ könnte die Ressourcenfluch-Theorie einiges an „Schub“ gewinnen – im Hinblick auf Bekanntheit.

  17. Ein kleiner Beitrag zum Thema Hoffnung.

    Heute Morgen nach dem Nordic Walking sprach mich ein farbiger, junger Mann an und sagte:
    „Ich kenne Sie!“
    Es stellte sich heraus, dass er 2015 einen Deutschkurs für Geflüchtete bei mir besuchte. Er hat sehr gut Deutsch gelernt, hat die deutsche Staatsbürgerschaft, hat einen Job, hat 2023 per Fernheirat seine Freundin im Sudan geheiratet, die dann einreisen durfte, und wohnt jetzt mit Frau und Kind ein paar Straßen weiter.

    „Wir schaffen das!“

    • Ganz herzlichen Dank für die schöne Hoffnung-Schilderung, @Elisabeth K. 🙏

      Deine erfreuliche Begegnung und auch der Abschluss haben mich an das sehr starke Interview “Geradezu provokativ” des persönlich bekannten und kollegial geschätzten Soziologen Armin Nassehi im SPIEGEL 32 / 1.8.2025, S. 20 – 21 erinnert. Darin schließt er wie folgt:

      “Demokratische Parteien und Regierungen müssen den Leuten das Gefühl vermitteln, die Dinge im Griff zu haben. Tun sie das nicht, folgt der Verlust des Vertrauens in die etablierten Akteure. Da stehen wir gerade. Umfragen zeigen, dass in Deutschland viele Menschen den Parteien, auch der AfD, nicht zutrauen, die Probleme zu lösen. Das ist die eigentliche Gefahr für die Demokratie.”

      SPIEGEL: “Und nun?”

      “Kompetenz und Kontrolle, das ist das Gegenmittel. Ein paar Zurückweisungen an den Grenzen werden dabei nicht helfen, das werden Merz und Innenminister Alexander Dobrindt noch sehen. Warum werden Parteien und Politiker von den Leuten gewählt? Weniger wegen eines Programms, sondern weil sie bestimmten Erzählungen Vertrauen schenken, die sie mit den Politikern verbinden. Der Erfolg der AfD ist die erfolgreiche Erzählung, dass alles den Bach runtergeht. Wie kann man dem eine andere Geschichte entgegensetzen? Nicht durch Copy and Paste, sondern indem man vorführt, was machbar ist. Vielleicht muss man sagen: Wir schaffen das!

      Dir noch einmal herzlichen Dank für Dein mitmenschliches Solarpunk-Engagement und diese so schöne und ermutigende Schilderung! 🙌

  18. “… wie schnell ein rechtslibertärer und fossiler Kurs in die politische Sackgasse, in den Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust führt.”

    Naja. Liegt das wirklich am Kurs? Mir scheint Merz sensationell unfähig zu sein. Die völlig überflüssige Abstimmung mit der AfD hat der Reichinnek einen Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt, der die längst marginalisiert geglaubte Linke von 4 auf 8% hochhievte. Und das war noch vor dem Auffliegen der Milliarden-Wahlkampflüge. Was der jüngste Israel-Zug eigentlich sollte, ist mir immer noch nicht klar; zumal alle Experten sagen, daß deutsche Waffenlieferungen praktisch eh keine Rolle für Israel spielen. Er will also ein politisches Zeichen setzen, nur, welches? Das ist ein persönliches Ding, wäre einem Roland Koch etwa so nicht passiert.

  19. Kurzer Nachtrag zu meinem vorherigen Kommentar (13.08.2025, 00:43 Uhr):

    … Und um nochmal auf das „Zeitfenster“ zurückzukommen:

    Ich denke nach wie vor, dass sich das Zeitfenster für das neu Einbringen von Themen wie Klimaschutz derzeit schließt. Aber vielleicht gibt es auch ein „Zeitfenster des „jetzt erst recht!“.

    Ich nehme es so wahr, dass gerade jetzt in dieser schwierigen Situation Harald Lesch sehr präsent mit dem Thema ist und auf seine Art die Fossilisten mit dem Thema „nervt“. Gerade jetzt, wo die Fossilisten ihre Reihen schließen und ihre Desinformationskampagnen verstärken.

    Von daher würde es m.E. gut passen, „jetzt erst recht“ auch das Ressourcenfluch-Thema nochmal mit gesteigerter Intensität zu kommunizieren und an der Bekanntheit dieser Theorie zu arbeiten. Daher meine spontane Idee des gemeinsamen Videos mit Harald Lesch (ich hake keine Ahnung, wie realistisch das ist).

    • Vielen Dank, lieber @Peter – selbstverständlich würde ich eine Einladung etwa des meinerseits sehr geachteten Harald Lesch sofort annehmen.

      Ich rechne aber – leider – nicht damit. Zur Tragik der Wissenschaftskommunikation gehört doch, dass ich in der Politik als „nervender“ Wissenschaftler erscheine und in der Wissenschaft als Politiker. Eine Brücke zwischen diesen Diskurswelten zu bauen heißt leider auch, sich sehr viel Misstrauen beider Seiten zuzuziehen. Klar gebe ich die Hoffnung nicht auf, aber ich bin mir schon bewusst, da quer zu den Diskurslogiken zu leben… 🤷‍♂️📚🤔

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