Wie Verschwörungsmythen Ungerechtigkeit und Gewalt befördern

Neulich wurde ich von Marius Maurer von der International Justice Mission Deutschland im Trotzallem-Podcast intensiv interviewt – und auch darüber gefragt, wie Verschwörungsmythen und (Un-)Gerechtigkeit zusammenhängen.

Twitter-Screenshot zu: https://trotz-allem.simplecast.com/episodes/episode-7

Wie es gute Fragen öfter tun, arbeitete diese noch länger in mir. So meine ich drei Dimensionen zu erkennen, in denen Verschwörungsmythen ganz direkt Unrecht befördern und stelle diese hiermit gerne zur Diskussion.

1. Verschwörungsvorwürfe führen zu Gewalt und Mord

Dies dürfte der offensichtlichste Grund sein, den Lord Rabbi Jonathan Sacks (1948 – 2020) als “pathologischen Dualismus” bezeichnete: Indem Verschwörungsgläubige ihre eigenen Ängste auf eine vermeintliche Gruppe von Superverschwörern abspalten (“sich einen Sündenbock suchen”), radikalisieren sie sich selbst und andere bis in Gewalt- und schließlich Mordbereitschaft hinein. Der Holocaust / die Schoah gelten nicht deswegen als “singulär”, weil dabei die meisten Menschen ermordet worden wären – für das belgische Kolonialregime im Kongo, den chinesischen Maoismus und den russischen Stalinismus gibt es auch höhere Schätzungen -, sondern weil systematisch in einem bereits bestehenden, demokratischen Rechtsstaat Jüdinnen und Juden sowie Roma und Sinti alleine aufgrund bizarrer Verschwörungsmythen ausgegrenzt, entrechtet und schließlich ermordet wurden. Der Antisemitismus zerstörte damit bereits bestehende Institutionen der Gewaltenteilung und Aufklärung, was oft als “Zivilisationsbruch” ausgedrückt wird.

Auch heute werden weltweit jüdische Gemeinden, aber auch Moscheen, Kirchen, religiöse und ethnische Minderheiten wie die Ezid:innen in Syrien, dem Irak und der Türkei, die Bahai im Iran, die Ahmadiyya in Pakistan, die Rohingya in Myanmar und Uigur:innen in China unter bizarren Verschwörungsvorwürfen diskriminiert, attackiert, ja oft ermordet. Verschwörungsmythen führten und führen zu Gewalt gegenüber unschuldigen Menschen.

So rutschte Deutschland inzwischen wegen Angriffen von Verschwörungsgläubigen auf Journalist:innen im internationalen Pressefreiheit-Ranking von “Reporter ohne Grenzen” ab. Dass Künstler:innen wie der meinerseits geschätzte Jan Josef Liefers in dieser Situation nicht nur eine missglückte #allesdichtmachen-Videoreihe präsentierten, sondern auch (ich hoffe: ungewollt!) sog. Lügenpresse-Verschwörungsmythen über eine vermeintliche Gleichschaltung “der Medien” (durch Superverschwörer?) befeuerten, habe ich deswegen deutlich kritisiert (ohne aber nach Sanktionen zu rufen, auch mißglückte, höhnische Satire fällt m.E. unter den Schutz der Meinungsfreiheit).

2. Verschwörungsmythen stabilisieren autoritäre Regime

Diese Beobachtung hatte ich im Trotzallem-Podcast-Interview am Beispiel der Rentierstaatstheorie angeführt: Wo korrupte Eliten ihren Zugriff etwa auf Erdöl- und Erdgas-Reichtum absichern wollen, verbreiten sie gezielt Verschwörungsmythen, um jede Opposition, ja jede Kritik als Teil einer vermeintlichen (oft “westlich-zionistischen”) Weltverschwörung zu diffamieren. So rechtfertigen sie ihre Gewaltherrschaft und verschleiern ihre Korruption.

 

Grafik: Michael Blume. Link zur Verschwörungsfragen-Folge 23: “Blut für Öl”- https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-23-blut-fuer-oel-das-unternehmen-wueste-und-die-rentierstaatstheorie/

3. Verschwörungsmythen schaden auch den Verschwörungsgläubigen selbst

Wenn sich bei sog. Querdenken-Demonstrationen Menschen ohne Masken und Mindestabstand versammeln, teilweise sogar bizarre “Ein bisschen Sars muss sein”-Tänze aufführen, dann tragen sie damit zur Verbreitung von Viren wie vor allem COVID-19 (SARS-CoV-2) bei. Sie stehen damit in einer unguten Tradition mit den Flagellanten (“Geißlern”) des Mittelalters, deren Umherzüge oft ebenfalls die Ausbreitung von Pest-Epidemien sowie Verschwörungsmythen und Pestpogromen befeuerten. Zu den Unterschieden gehört, dass heute wissenschaftliche Informationen über die Krankheitserreger und wirksame Gegenmaßnahmen vorliegen – und dass zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte Impfstoffe noch während der Pandemie entwickelt werden konnten. Für verschwörungsmythologisches und also unvernünftiges, ja menschenverachtendes Verhalten gibt es also heute sehr viel weniger Entschuldigungen als für den angsterfüllten Fanatismus etwa des 13. und 14. Jahrhunderts.

Aber auch bei Finanzanlagen – etwa in Gold und den Fonds von “Crashpropheten” – waren und sind Verschwörungsmythen schlechte Ratgeber. Darüber publizierte ich gerade in einem Beitrag für den Herder-Sammelband “Fehlender Mindestabstand. Die Coronakrise und die Netzwerke der Demokratiefeinde”, herausgegeben durch Heike Kleffner und Matthias Meisner.

Foto: Michael Blume, zur Herder-Buchseite: https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/fehlender-mindestabstand-klappenbroschur/c-34/p-20815/

Dass der vermeintlich “freiheitliche” Degussa-Goldverkäufer Markus Krall mir die Aufklärung über die auch von ihm verbreiteten Kulturmarxismus-Verschwörungsmythen auch auf diesem Blog verbieten wollte und damit vor Gericht krachend scheiterte, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Ich kann wirklich nur allen empfehlen, auch bei “libertären” Kämpfern für Meinungsfreiheit zu checken, wie sie denn selbst mit Kritik und Widerspruch umgehen. Ich sehe auch hier Anzeichen dafür, dass Verschwörungsglauben bei manchen Betroffenen nicht nur zu autoritärem Verhalten, sondern auch zu Realitätsverlust führen kann. Und ich hoffe ehrlich, dass der eine oder die andere noch die Kraft finden, rechtzeitig aus diesen gedanklichen und sozialen Sackgassen wieder heraus zu finden.

Fazit

Verschwörungsmythen bedrohen die Adressaten von Verschwörungsvorwürfen wie Jüdinnen und Juden, politische Oppositionelle und generell Angehörige von religiösen und ethnischen Minderheiten. Wo sie sich durchsetzen, lebt niemand – niemand! – mehr sicher. Mit dem Verschwörungsmythos des sog. “Röhm-Putsch” wurden sogar bereits 1934 bis zu 200 Nationalsozialisten auf Befehl des eigenen “Führers” ermordet. Tyrannophilie mordet – immer.

Darüber hinaus werden mit Verschwörungsmythen korrupte und autoritäre Unrechtsregime lügenhaft gerechtfertigt. Und schließlich schaden Verschwörungsgläubige sich und anderen auch selbst – etwa durch die Verbreitung von Krankheiten oder schlechte Finanzanlagen.

Wer also mehr Gerechtigkeit anstrebt, muss Verschwörungsmythen (ggf. auch in sich selbst) bekämpfen.

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

50 Kommentare

  1. Also ich fand die Aktion #allesdichtmachen gut. Denn sie bringt die Kritik an den Maßnahmen aus der “rechten Schmuddelecke” in “die Mitte”. Und das stört ja wie man an den Reaktionen der Medien sieht, diese Medien ganz stark. Übrigens war gestern in Heute auch der Igor Levit interviewt worden. Dieser Mann ist ja dafür bekannt, daß er Mitgliedern der AfD das “Menschsein” abspricht. Und was den angeblichen “Verschwörungsmythos” angeht, so sind doch die meisten Berichte über diese Aktion negativ. Also so falsch ist der “Mythos” auch nicht.

    Gruß
    Rudi Knoth

    • Was den angeblichen “Verschwörungsmythos” angeht, so sind doch die meisten Berichte über diese Aktion negativ. Also so falsch ist der “Mythos” auch nicht.

      Wenn alle Qualitätsmedien berichten, das ist Unfug bis zu unverschämt, was Liefers und seine Leute uns da unterstellen, dann kann das natürlich hinweisen auf eine Gleichschaltung, eine Verschwörung. Da muß ja was dran sein, wenn der getroffene Hund bellt.

      Eine andere mögliche Erklärung wäre freilich, daß das wirklich Unfug ist bis zu unverschämt, was Liefers und seine Leute ihnen da unterstellen.

      • Nun alle Qualitätsmedien waren dies sicherlich nicht. Übrigens hat Herr Blume schon die Aussage von Liefers darin falsch widergegeben, weil Liefers nicht von Gleichschaltung sprach.

        Eine andere mögliche Erklärung wäre freilich, daß das wirklich Unfug ist bis zu unverschämt, was Liefers und seine Leute ihnen da unterstellen.

        Nun das ist einfach Ansichtssache. Und wirklich falsch ist es nicht, daß etwa im ÖRR Corona ganz vorne in den Nachrichten ist und auch es Brennpunkt und “ZDF-Spezial” Sendungen zu dem Thema gab.

        Gruß
        Rudi Knoth

        • Es ist so bizarr, @Rudi Knoth – die eindeutig sachlich falschen Aussagen von Herrn Liefers über die deutsche Medienlandschaft verteidigen Sie. Aber zum Einwand von @Alubehüteter halten Sie mit “das ist Ansichtssache” dagegen.

          Während sich diese Damen und Herren über Atmen und Ersticken lustig gemacht haben, sterben weltweit Tausende – und geht gerade auch in Indien der Sauerstoff aus…

          Aber, hey, alles “Ansichtssache”… :-/

          (Psychologisch ist mir selbstverständlich klar, dass wir es hier mit dem Confirmation Bias, dem Bestätigungsfehler, zu tun haben. Covid19-Verharmloser blenden alle Informationen aus, die ihnen nicht in den Kram passen – einschließlich etwa der Schlagzeilen der BILD-Zeitung. Das Bedrängen durch die Realität deuten sie als Bedrängen durch “die Medien” um…)

        • Und wirklich falsch ist es nicht, daß etwa im ÖRR Corona ganz vorne in den Nachrichten ist

          Aber ist es vorne in den Nachrichten, weil man uns eine schwere Grippe hochjazzen will als Menschheitsgeissel, oder weil dort eine objektive Gefahr ist, die an prominentester Stelle berichtet gehört? Ich weiß nicht, wie man da noch etwas zur „Ansichtssache“ erklären kann. „Ich glaube nicht an Corona“, der Ausdruck „Zeugen Coronas“ sagt das aus. Aber für Liefers ist das ja schon so. Auch andere Wissenschaftler hätten ihre Hausaufgaben gemacht und seien zu dem Schluß gekommen, daß Lockdownmaßnahmen nichts brächten (so im Interview mit der WDR-Aktuellen Stunde). Ich finde das abstrus. Der Lockdown in Deutschland diesen Winter hat dazu geführt, daß wir den Wildtypus erfolgreich ausgetrocknet haben, er kommt kaum noch vor. Oder wie wollen Liefers’ Wissenschaftler erklären, daß es den ursprünglichen Virus derzeit hierzulande kaum noch gibt, wenn nicht mit dem Lockdown? Mir ist nicht nachvollziehbar, was es da zu „glauben“ geben solle, was da „Ansichtssache“ sein soll.

    • Es scheint in der BRD eine gewisse Soziodynamik zu geben, die dominierend geworden ist, sie kann jeweils etwas plump als “linksliberal” (Dr. W mag diesen Begriff für die gemeinten Kräfte als Liberaler nicht, weil unpassend) oder als “kulturmarxistisch” (Wagenknecht hantiert hier mit dem Begriff “Lifestyle-Linke”, auch der passt m.E. nicht ganz) bezeichnet werden, mit bestimmter politischer Intention, die politisch rechts Stehende (die Metaphorik Sitzordnungen meinend könnte klar sein, es darf bis muss politisch “rechts” Stehende geben in liberaler Demokratie) anzugreifen sucht, dabei auch spekuliert und denunziert, sogar politisch “links” Stehende, die angeblich zu falscher Meinung gegriffen hätten.

      Derartige Sicht ist eine Theorie, die sich auch um Messung bemüht, bspw. misst sie, bzw. lässt messen, die politische Einstellung von bundesdeutschen Journalisten im Trend, von Einladungen in sogenannte Talk-Shows und die Zahl der Fälle der sogenannten Cancel Culture und deren Besonderheiten (“politisch rechts oder links” – a bisserl plump formuliert).

      Auch ist es interessant, wer wem bundesdeutsch etwas absprechen darf, bspw. die Demokratiefähigkeit oder, im Extremfall, das Menschsein, oder wer die politische Gewaltbereitschaft, die sog. Antifa hier beispielhaft adressiert, einmal verdammt und einmal toleriert.

      Verschwörungsmythen sind aus diesseitiger Sicht abär per se schlecht.

  2. “Wie illegale Zuwanderung Kulturfremder Gewalt fördert” wäre ein Thema das mehr den Tatsachen entspricht und auch brisanter ist.
    Nur dass das vielen halt nicht in den Kram passt und da wird es nach Leibeskräften unter den Teppich gekehrt.

    • Ah, Ihren ganz offenen Rassismus plus weinerlichen Verschwörungsglauben haben wir hier schon „vermisst“, @Markweger. Zumal wir alle wissen, dass auch Sie im Alter froh sein werden, wenn sich noch eine „kulturfremde“ Pflegekraft um Sie kümmert.

      Wir beide mögen Deutsch sein, aber wir leben und vertreten ganz sicher nicht die gleiche Kultur… #Semitismus #Antisemitismus

    • Kulturfremder

      Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

      Also bei “christlichen” und “sozialen” Betrügern anfangen, die an der Not der Bevölkerung verdienen oder Gesetze brechen.

  3. Als etwas provokativen Diskussionsbeitrag poste ich hier einfach mal meinen Kommentar zu einem aktuellen telepolisp -Artikel bezüglich fast desselben Themas:
    (Die Zitate stammen aus dem telepolis- Artikeltext)
    __________________________________________________________________________

    Anti- Verschwörungs- Agitatoren belegen ihre Behauptungen nie wissenschaftlich

    1. Zum Folgenden:

    Verschwörungstheorien haben zum Beispiel eine Ähnlichkeit mit Detektiv- oder Spionageromanen: Es gibt eine Gruppe von Verschwörern, die das gesamte Geschehen, häufig das gesamte Weltgeschehen steuert, und es gibt eine kleine Gruppe von Leuten, die das alles durchschaut, und dazwischen entspannt sich eine aufregende Handlung, die auf ein großes Finale hinausläuft. Das ist anschaulich, das stiftet Ordnung und Sinn.

    (Zitatende)

    Das ist ein unredliches (also im Grunde unwissenschaftliches) Argument. Denn es versucht (unterschwellig) zu suggerieren, dass “Spionage/Detektivgeschichten” mindestens so UN-realistisch seien , wie unrealistische Science Fiktion – Narrative oder wie Märchen.
    Kriminalgeschichten sind aber bekanntermaßen meistens sehr nahe an der Realität.
    Wenn also “Verschwörungsgeschichten” Ähnlichkeiten mit Kriminalgeschichten haben, sind sie deshalb auch weit näher an der Realität , als Fantasy- oder Mystery- Literatur.

    Mit obigem “Argument” wird also auf etwas hinterhältige Weise “literaturwissenschaftlich” getrickst.

    2. Zu Folgendem:

    Es gibt eine klare Verteilung von Gut und Böse, es passt auch alles zusammen, und es gibt keine Zufälle. Die eigene Welt als von einer Verschwörung beherrscht zu denken, gibt einem so paradoxerweise ein Gefühl von Handlungsmacht zurück. Denn aus einer diffusen Situation der Orientierungslosigkeit und Ohnmacht versetzt einen das in die Position, plötzlich den Durchblick zu haben und darum nun auch etwas dagegen tun zu können, zum Beispiel gegen die Bösen im Hintergrund zu demonstrieren oder sie sogar direkt zu bekämpfen, zumindest in der Fantasie.

    De facto ist man allerdings nicht weniger ohnmächtig als zuvor, vielleicht sogar noch ohnmächtiger, weil man ja noch weniger von der realen Welt versteht. Die gefühlte Handlungsmacht bleibt auf den Raum des Imaginären beschränkt.
    (Zitatende)

    Literarisch- spekulative Laien- Psychologie ist erstens kein valides Argument und zweitens schon gar keine “wissenschaftliche ” Aussage.

    Was ist es also dann? Etwa nur populistische Anbiederung an einen Mainstream, der (etwas zugespitzt) nach dem Motto (pseudo-) argumenntiert:
    Verschwörungstheorien sind immer nur die spekulativen Narrative der Anderen – niemals aber meine eigenen(ebenso spekulativen) politikpropagandistischen Behauptungen.

    Es werden von Anti- Verschwörungs- Agitatoren zum Beispiel niemals gehärtete wissenschaftlich soziologische Untersuchungen angeführt, die deren Behauptung belegen, dass “Das Böse in der Welt überwiegend auf Zufällen beruhe und deshalb nur selten die Folge planmäßigen Vorgehens von Interessengruppen sei.

    Also wird fast niemals wissenschaftlich die Behautung belegt, dass die These, dass (Finanz-) mächtige Interessengruppen grundlegende Weichenstellungen in ihrem Sinne manipulieren, nur eine “krude” , durch halbirres Denken hervorgerufene Falschwahrnehmung sei.[/b]

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (24.04.2021 10:42).

    • Was soll denn daran bitte „provokant“ sein, @little louis? Das ist doch die ganz übliche, rechtsplumpe Schwurbelei gegen „Mainstream-Medien“ und (höhö) „Finanzeliten“. 🤦‍♂️ Einer von vielen Nachteilen am Verschwörungsglauben ist halt, dass die Angst-Fixierung jede Kreativität tötet. Es ist ätzend langweilig, weinerlich-defensiv und ohne jeden Erkenntnisfortschritt… 💁‍♂️🥱

    • Es werden von Anti- Verschwörungs- Agitatoren zum Beispiel niemals gehärtete wissenschaftlich soziologische Untersuchungen angeführt, die deren Behauptung belegen, dass “Das Böse in der Welt[“] überwiegend auf Zufällen beruhe und deshalb nur selten die Folge planmäßigen Vorgehens von Interessengruppen sei.

      Es gilt eben Verschwörungen zu theoretisieren und zu belegen, nicht andersherum.
      Wer Verschwörungen in liberalen Demokratien als sehr selten vorkommend ablehnt, ist nicht pflichtig für den Beleg seiner Ablehnung, insofern sind die Leutz zwar angehalten auf angebliche Verschwörungstheorie einzugehen und diese bestmöglich zu prüfen, sie sollten m.E. aber nicht als ‘Anti-Verschwörungs-Agitatoren’ bezeichnet werden, solange sie für die Idee, nämlich, dass Verschwörungen vorkommen könnten (Konjunktiv), offen bleiben.

      Zudem gibt es ‘planmäßigen Vorgehens von Interessengruppen’, denkbarerweise auch : böses, das keine Verschwörung ist.
      >:->

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

  4. Der Holocaust / die Schoah gelten nicht deswegen als “singulär”, weil dabei die meisten Menschen ermordet worden wären – für das belgische Kolonialregime im Kongo, den chinesischen Maoismus und den russischen Stalinismus gibt es auch höhere Schätzungen -, sondern weil systematisch in einem bereits bestehenden, demokratischen Rechtsstaat Jüdinnen und Juden sowie Roma und Sinti alleine aufgrund bizarrer Verschwörungsmythen ausgegrenzt, entrechtet und schließlich ermordet wurden. Der Antisemitismus zerstörte damit bereits bestehende Institutionen der Gewaltenteilung und Aufklärung, was oft als “Zivilisationsbruch” ausgedrückt wird.
    (Zitatende)

    Au weia- ich bin verwirrt – denn das galt bisher immer fast als höchst antisemitischer Opfer- Relativismus oder auch als verdammenswerter “whatabout” -Ismus.

    Leider aber waren Kolonialstaaten mit “Kolonialverbrechen” wie die Britische Krone oder Belgien höchst zivilisierte Staaten mit politischer Gewaltenteilung.
    Mal ganz abgesehen von den höchst zivilisierten USA , in denen trotz Gewaltenteilung noch bis in die 1960er jahre hinein de Fakto (nicht in der Theorie) ein offizieller bzw. staatlicher Rassismus existierte.

    • Sehr gut, @little louis. Und wenn Sie noch ein bisschen Nachdenken wagen, haben Sie es verstanden (zum Beispiel den Unterschied zwischen kolonialen Imperien und der Entrechtung selbst deutscher Weltkriegs-Veteranen. Und von Dorfschullehrern. Vielleicht gelingt Ihnen da ein emotionaler Zugang?) 💁‍♂️🇩🇪✊

  5. ………..die Angst-Fixierung jede Kreativität tötet. Es ist ätzend langweilig, weinerlich-defensiv und ohne jeden Erkenntnisfortschritt… 💁‍♂️🥱”
    (Zitatende)

    O.K. dann weine ich jetzt halt ein wenig ob des dauernden Missverstandenwerdens und gehe danach etwas frohgemuter nach Draußen in die herrliche Natur zum Rasenmähen. Aber morgen ist Sonntag. Da schreib ich nix. Zumindest nicht hier. (-:

    • Wunderbar. Ihnen einen schönen und gerne auch selbstbewussten Sonntag ohne Ängste und Menschenverachtung, lieber @little louis. Sie schaffen das bestimmt & es wird nicht nur Ihnen gut tun! ☺️✅🖖

    • Ja, auch ich kenne Situation massiver Verunsicherung, in denen die Qualität der Debatten leidet mit zunehmender Schwäche (auch der eigenen) Argumentation. Rhetorik und Eloquenz erschöpfen sich ebenso wie die Motivation im “Kampf gegen Windmühlen”. Missverständnisse und Desinteresse werden bis hin zu kafkaesker Absurdität gepflegt, der wirkliche Diskurs wird verweigert. In schweren Zeiten (des coronabedingten) “distancing” wie diesen gilt es, der eigenen Stärke zu vertrauen ebenso wie jener derer, die zu und uns nahe stehen. Auch ich habe derzeit in Familie und Freundeskreis um einige zu kämpfen, die/ mir am Herzen liegen. Aber das ist es mir wert. Hier im Forum gibt es viele vernünftige und empathische Stimmen, die mich in diesem Sinne immer aufbauen.

  6. @Michael Blume
    könnten Sie bitte etwas näher ausführen, welche Verschwörungsmythologien sich auf die Eziden beziehen? Ich habe immer wieder mit den Eziden zu tun und wüsste deshalb gerne, was man ihnen- zu Unrecht natürlich – vorwirft.
    Das könnte mir eine Hilfe sein.
    Und etwas Beckmesserei 🙂 “Lord Rabbi Jonathan Sacks”, muss es nicht heißen “Rabbi Lord Jonathan Sacks”? Ich meine, der religiöse Titel ginge vor.

    • Es wird eine Geschichte erzählt: Nachdem Gott Adam und Eva erschaffen hatte, forderte er die Engel auf, sich vor ihnen niederzuwerfen, und einer verweigerte sich.

      Diese Geschichte vagabundiert und wird von verschiedenen Kulturen verschieden erzählt und gedeutet. Ursprünglich wohl eine jüdische Erzählung aus dem ersten Jahrhundert streut sie unter den Christen, findet dann Eingang in den Koran einerseits, in die Erzählungen der Jeziden andererseits, die diese Erzählung ganz anders deuten.

      Ergänzung zum Artikel von Herrn Blume liefert die Wikipedia.

      Meine Interpretation der ursprünglichen Geschichte: In einem Abbild, einer Statue, einem Ebenbild ist der Gott anwesend. Der biblische Gott aber schafft den Menschen nach seinem Ebenbild. Das bedeutet, daß Gott nur anwesend ist im Menschen, darum gebührt den Menschen, daß die Engel sie ehren. Diesen Hintergrund aber, der Mensch als Ebenbild Gottes, haben Jeziden wie Muslime nicht, weswegen sie der Geschichte einen anderen Sinn geben – Fatalerweise einen gegensätzlichen.

      • @Alubehüteter
        Im Islam ist der Mensch Stellvertreter (kalif) Gottes. Die sachliche Aussage ist die gleiche. Man kann nicht die Lehre von der Gottebenbildlichkeit des Menschen gegen den Islam auspielen. Es geht in den abrahamitischen Religionen immer um die Begründung der Menschenwürde in dieser Frage. Ob diese Begründung uns heute immer überzeugt, ist eine andere Frage.
        Zur Gottesebenbildlichkeit ausführlich hier https://www.youtube.com/watch?v=7_bWaalLzh4 (die ersten 15 min weglassen)

        • Danke für das Video 🙂 Da ist allerdings auch vom Menschen die Rede als Statue, in dem Gott also gegenwärtig ist. Das scheint mir doch mehr zu sein als bloße Stellvertretung.

    • Schwer, etwas dazu zu sagen, weil ja wenig argumentiert wird, wenig greifbar und somit angreifbar ist. Ich bin ja momentan mehr trainiert auf Mai Thi- und Rezo-YouTube-Clips mit Argumenten und Shownotes und so. Aus dieser Perspektive wäre das, was diese Liefers-Leute da machen, Geraune, aber es ist natürlich in Wahrheit Kunst. Da geht es nicht um Argumentation. Ein Landschaftsbild von Caspar David Friedrich ist kein Argument.

      Darum setze ich mal an am Liefers-Clip:

      „Verantwortungslosen, menschenverachtenden Ärzten und Wissenschaftlern, die zu anderen Schlüssen kommen, als die beratenden Experten unserer Regierung, und die sich mit Professoren an weltberühmten Universitäten und Nobelpreisen schmücken – ich möchte sagen, tarnen, dürfen wir keine Bühne geben. Schließlich wissen nur ganz wenige Spezialisten, was wirklich gut für uns ist.“​

      Das ist die Diskussion um false balance im Wissenschaftsjouranlismus. Wenn in einer Reihe von Markus-Lanz-Talkshows drei, vier Wissenschaftler vortragen, daß die Erde eine Kugel sei, muß man dann nicht auch mal einen Experten einladen, der argumentiert, die Erde sei eine flache Scheibe, damit auch mal eine andere Meinung zu Wort kommt? Sollten nicht auch Bhagdi und Wodarg zu Wort kommen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die sind doch auch nicht dumm?

      Es gibt nun mal einen Konsens in der Wissenschaftsgemeinschaft, was noch Wissenschaft ist, und was nicht mehr. Und das hat nichts zu tun mit „Meinung“, sondern mit einzuhaltenden Qualitätsstandards wissenschaftlichen Arbeitens. Der dissidente Henrik Streeck, nicht nur meiner Meinung nach allerdings auch schon grenzwertig, ist sehr viel zu Wort gekommen im vergangenem Jahr, sogar als Moderator einer prominent plazierten 90minütigen ZDF-Sendung. Aber Bhagdi soll sich mit Erich von Däniken bei servus.tv und RT tummeln, es gibt dank Internet Foren genug.

    • @ Rudi Knoth
      24.04.2021, 10:05 Uhr

      Also ich fand die Aktion #allesdichtmachen gut. Denn sie bringt die Kritik an den Maßnahmen aus der “rechten Schmuddelecke” in “die Mitte”. Und das stört ja wie man an den Reaktionen der Medien sieht, diese Medien ganz stark.

      (Ich würde gerne die Diskussion über die Liefers-Leute vorläufig hier bündeln wollen, um die verschiedenen Diskussionen nicht zu unübersichtlich zu machen. Herr Blume spricht ja wieder Vieles an, #allesdichtmachen brennt unter den Nägeln.)

      Ich werte das selbstverständlich anders als Sie, im Nachbarthread habe ich mich geouted als einer, der den Zero.Covid-Leuten nähersteht. Einmal wirklich hart durchgreifen, so weit wie geht alles stillegen, statt diesem endlosen Gewürge.

      Aber in der Sache gebe ich Ihnen Recht. Querdenken ist hier angekommen in der Mitte der Gesellschaft. Nicht in der militanten Coronaleugner-Version, aber.

      Schwer zu verorten, was sie eigentlich wollen, weil sie ja in erster Linie negativ kritisieren (was ihr gutes Recht ist), ich ordne die provisorisch den Durchseuchen-Theoretikern zu. Risikopatienten schützen, den Rest Covid-19 durchleiden lassen, bis hinreichende Herdenimmunität besteht. (Das ist eine sehr positive, wohlwollende, vor allem provisorische Interpretation. Arbeitshypothese. Die ich noch nicht mir zueigen mache. Ich warte sehr skeptisch ab, wohin Liefers sich gegebenenfalls radikalisieren läßt.)

      Jedenfalls ist hier eine neue Qualität der Debatte. Die Liefers-Leute verschaffen einem allgemeinen Unbehagen Ausdruck, das ich ja auch teile, nur von der ganz anderen Ecke: So jedenfalls geht es nicht weiter, denn wie lange noch.

      • Ich werte das selbstverständlich anders als Sie, im Nachbarthread habe ich mich geouted als einer, der den Zero.Covid-Leuten nähersteht. Einmal wirklich hart durchgreifen, so weit wie geht alles stillegen, statt diesem endlosen Gewürge.

        Ich halte Zero-Covid und No-Covid einfach für unrealistisch. Schon Lars Fischer hat Zweifel daran geäußert, ob man das Virus wirklich “ausrotten” kann. Auh sollte man bedenken, daß die “fasch positiven” PCR-Tests ein Grundrauschen verursachen und damit bei genügend vielen Tests die Vorgaben nie erfüllt werden.

        Was diese Leute wollen, kann ich auch nicht sagen, weil bei 50 Teilnehmern sicherlich auch unterschiedliche Aspekte eine Rolle spielen. Zum Beispile schein Ulrich Turkur Pläne des “harten Lockdowns” aufs Korn zu nehmen. Und LIefers kritisiert eher die Medien, die diese Politk propagieren.

        . Ich warte sehr skeptisch ab, wohin Liefers sich gegebenenfalls radikalisieren läßt.)

        Ich bin der Ansicht, daß sich Politik und Medien radiokalisiert haben und daher Ansichten, die vor 20 Jahren “Mainstream” waren, jetzt asl radikal gelten. Wenn Sie etwa die Seite “neulandrebellen” anschauen, dann werden Sie kaum glauben, daß Roberto Lapuente vor 20 Jahren weien Seite mit dem Namen “ad sinistram” hatte.

        Gruß
        Rudi Knoth

        • @ Rudi Knoth
          25.04.2021, 09:45 Uhr

          Schon Lars Fischer hat Zweifel daran geäußert, ob man das Virus wirklich “ausrotten” kann.

          In Neuseeland ist genau das gelungen, und nicht nur das. Ich bezweifle, daß das hier auch geht, eben weil die Grenzen durchlässiger sind, aber die Inzidenz auf dreißig oder zwanzig zu drücken, sollte gelingen. Und dann die Tests vor allem auf die Grenzen und Flughäfen werfen.

  7. @Alubehüteter & Rudi Knoth
    ich meine, hier haben wir eine ethische Debatte und betreiben bei #allesdichtmachen eine Debatte über Moralphilosophie.
    Die Diskursethik von Habermas, die die parlamentarische Demokratie abbildet, funktioniert in der Krise nicht mehr. Sie braucht mehr Zeit, als uns in der Krise zur Verfügung steht. Carl Schmitt ist hier verführerisch, wird aber wohl auch nicht geeignet sein.
    Zu den Künstlern: obwohl die Kultur eine riesieg Wertschöpfung der deutschen Wirtschaft hat, wurde sie in der Coronakrise völlig vernachlässigt. Die Lufthansa AG wurde mit Milliarden gestützt, bei der Kunst denkt man immer noch wie im im württembergischen Landtag 1827: „Mir brauchet koi Kunscht, mir brauchet Grombiera!“ (Hochdeutsch: wir brauchen keine Kunst- wir brauchen Kartoffeln) und verhinderte damals den Ankauf der Kunstsammlung, die heute in der alten Pinakothek in München hängt.

    • Zu den Künstlern: obwohl die Kultur eine riesieg Wertschöpfung der deutschen Wirtschaft hat, wurde sie in der Coronakrise völlig vernachlässigt.

      Alles richtig, aber das ist ja hier nicht das Thema. Unter dem Hashtag #AlarmstufeRot gab es vergangenes Jahr Demonstrationen u.a. protegiert von Caroline Kebekus, Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg. Til Brönner brachte einen vielrezipierten Rant, Die Ärzte hatten einen spektakulären Auftritt in den Tagesthemen.

      Hier waren Thema die Schlafschafe – also wir –, die regierungstreu nach Übererfüllung der Vorgaben lechzen, nicht einmal mehr Paketboten und Pizzalieferdiensten die Türe öffnen, und die Mainstreammedien, die keine kritischen Meinungen mehr berichten. So nach deren Auffassung.

  8. Alubehüteter,
    “Einmal wirklich hart durchgreifen, so weit wie geht alles stillegen, statt diesem endlosen Gewürge.”

    Wir sind eine Exportnation. Man kann die Leute, die morgens zur Arbeit fahren und abends zurück ,nicht stillegen.

    Wir haben einen Zielkonflikt.

    Hier im blog entsteht gerade auch ein neuer Mythos, der von der Unfähigkeit der Bundesregierung.

    • Hier im blog entsteht gerade auch ein neuer Mythos, der von der Unfähigkeit der Bundesregierung.

      Was soll daran mythisch sein? Ob die Bundesregierung unfähig ist oder nicht, das ist keine Frage des Glaubens. Das wird sich sehr eindeutig feststellen lassen.

  9. @Alubehüteter 24.04. 22:54

    „Jedenfalls ist hier eine neue Qualität der Debatte. Die Liefers-Leute verschaffen einem allgemeinen Unbehagen Ausdruck, das ich ja auch teile, nur von der ganz anderen Ecke: So jedenfalls geht es nicht weiter, denn wie lange noch.“

    Unbehagen habe ich auch. Die Sterblichkeitsraten von 2020 / 2021 werden wohl zeigen, dass wir eine erhebliche Untersterblichkeit in den nächsten Monaten haben werden, weil ein Teil der Verstorbenen, die dann eigentlich verstorben wären, eben in der zweiten Welle schon verstorben sind, und nicht nochmal sterben können. Die Sterblichkeit in der aktuellen dritten Welle ist inzwischen 2 bis 3 mal geringer als in der Zweiten, die reinen Neuinfektionszahlen verzerren also das Bild der Lage.

    Dennoch wird der Lockdown gerade leicht verschärft, aber vor allem Verlängert. Derweil geht der Impffortschritt weiter, der Frühling und später der Sommer werden die Ausbreitung behindern, von daher bin ich eigentlich zuversichtlich, dass auch die Neuinfektionzahlen mittelfristig sinken werden. Mutationen, die wirklich eine Nachbesserung der Impfstoffe und Nachimpfungen nötig machen, sind möglich, aber nicht wahrscheinlich.

    Ende in Sicht also.

    Ich kann mir nochmal vorstellen, dass wir nach einer weitgehenden Lockerung im Sommer eine vierte Welle bekommen, an der aber kaum noch einer schwer krank wird oder stirbt, weil eben praktisch alle, die ein nennenswertes Risiko haben, geimpft sind. Und die, die sich absichtlich nicht haben impfen lassen, denen gegenüber wäre ich nicht bereit, einen Lockdown mitzumachen. Die sind dann selber Schuld. Und sofern die den eigenen Fehler einsehen, werden die das wohl auch nicht einfordern.

    Wenn wir dann später die Herdenimmunität bei uns erreicht haben, wird das Thema wohl auch bei uns verschwunden sein. Das Restrisiko, dass sich in den armen Ländern neue Mutanten bilden können, bis diese auch die Herdenimmunität erreicht haben, ist da, aber ich schätze das als nicht so groß ein. Wenn Geimpfte sich mit neuen hypothetischen Varianten infizieren könnten, werden die eher kaum davon schwer krank werden. Das wird sich dann mutmaßlich nur noch auf dem Niveau von üblichen Erkältungen abspielen.

    • Das Restrisiko, dass sich in den armen Ländern neue Mutanten bilden können, bis diese auch die Herdenimmunität erreicht haben, ist da, aber ich schätze das als nicht so groß ein. Wenn Geimpfte sich mit neuen hypothetischen Varianten infizieren könnten, werden die eher kaum davon schwer krank werden.

      Da habe ich aus Brasilien sehr anderes gelesen. Man wird abwarten müssen. – Es wird keine Mutation gleich allen Impfstoffen entkommen, und selbst wenn sie einem entkommen, wird der zumeist einen schweren Krankheitsverlauf verhindern. Aber es ist denkbar, daß ein oder mehrere Impfstoffe tatsächlich unwirksam wären gegen eine Variante, und wir sehen, daß die britische unser Land binnen Wochen erobert hat. Man wird sehen müssen. Ich sehe keinen Grund zur Schwarzseherei, aber auch nicht zu Optimismus. Kann sehr gut sein, daß uns Varianten auch das nächste Jahr noch beschäftigen werden bis hin zu weiteren Lockdowns.

  10. Ich empfinde es nicht als Aufklärung, sondern als Drohung, wenn oben konstatiert wird, das Verschwöhrungsglaube selbstschädigend sei.

    Ich bin also ein Opfer und beklage mich darüber und werde sogleich, wie vorgewarnt, dafür bestraft, das ich Opfer bin. Weil: Opferklage ist ja selbstschädigend!

    Insofern eine verkappte Gottesbotschaft, die in prophetischer Weise hier vorgetragen wird, als wäre sie Wahrheit akademischer und wissenschaftlicher Art (also aus hinreichend begründbarer Forschung und ethischen Imperativen entsprungen).

    Aber auch ich als sekulär aufgewachsener Mensch, der mit Religion bis zu einem Punkt in seinem Leben subjektiv nicht in Kontakt kam, und der keinerlei theologische Deutungen kannte und in seine Vision von Wirklichkeit einbaute, muß inzwischen eingestehen, das eine Seuche “wie” eine Strafe Gottes ist. Die Biologische oder Medizinische Erklärung (Virus) ist hier nur Detailverliebtheit, die angesichts der “Gaia”-Theorie und dem Panpsychismus sich in eine Szenerie einordnet, in der der Gesamtorganismus “Erde” (und allem Leben darauf) naürlich auf Konfrontationen (aka Ungläubigkeit) reagiert, indem psychische Störungen und Krankheit im “Ungläubigen” entstehen.

    Wie “ungerecht” das Ganze ist, wenn man in der Inaussichtstellung aufwächst, das der Mensch frei sei, sollte angesichts eindeutig sein. Aber Gott ist hier gleichzusetzen mit Naturgewalt, welche immer Naturgesetzen entspringt. Also kann man dagegen nichts tun, oder?

    Wenn ich also ihre Zusammenfassung der “Schädlichkeit” von Verschwöhrungsglauben so interpretiere, sendet sie die Botschaft, das nun alle Kritiker Gottes verstummen sollten, denn sonst sorgt die Seuche dafür, das wir alle aussterben.

    Und das ist dann natürlich Angstmache und somit selbst schon wieder Ursache von den Folgen der Zweifelhaftigkeit der Menschen und ihre Sichtweisen… und Ursache der Bestrafung durch Gottes kindlicher Rach- und Herrschsucht.

    • Hmmm, @ChriGo, ich versuche Sie zu verstehen: Sie sehen also sowohl bei “Gott” wie bei der Natur – die u.a. den Covid19-Virus hervorbrachte – einen Tun-Ergehens-Zusammenhang. Sie fühlen sich bestraft, wenn nicht von Gott, dann doch von der “Naturgewalt”. Und indem ich aufzeige, dass sich Verschwörungsgläubige auch selber schaden, fühlen Sie sich auch noch von meiner “Prophetie” bedroht.

      Habe ich Sie richtig verstanden?

      Nun, es liegt mir fern, Sie zu bedrohen. Meines Erachtens besteht ein fundamentaler Zusammenhang zwischen bewussten und nichtbewussten Akteuren. Eine Gottheit wird als bewusst vorgestellt und kann also tatsächlich strafen, aber auch z.B. lieben und verzeihen. Ein Virus ist ein unbewusster Akteur, den es daher auch nicht schert, was wir denken oder glauben – sondern der sich verbreitet, wenn er kann. So, wie ja auch ein Kommentar erscheint, wenn Sie ihn schreiben – die Buchstaben können nicht anders, Ihr Verhalten bestimmt sie.

      Ich biete hier keine “Prophetie”, sondern nur wissenschaftliche Aufklärung. Ob es einen personalen Gott gebe oder nicht, kann auch ich nur glauben oder nicht glauben wie jeder andere Mensch auch. Die Verbreitungswege des Virus sind aber inzwischen gut erforscht und vorsichtiges Verhalten kann dazu beitragen, ihn einzudämmen. Und, ja, weitergehend könnte zum Beispiel auch der Verzicht auf Fleisch dazu führen, Massentierhaltung und Energieverschwendung zu senken und damit die Wahrscheinlichkeit weiterer Pandemien zu senken. Denn die Zusammenhänge sind uns ja gut bekannt und beschrieben:
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wissenschaft-selbstbetrug-warum-es-mut-braucht-auf-fleisch-zu-verzichten/

      Ihnen von Herzen alles Gute, vor allem weniger Angst. Hier auf den scilogs will Sie niemand “strafen”. 🙂

    • Howdy !

      Ich empfinde es nicht als Aufklärung, sondern als Drohung, wenn oben konstatiert wird, das Verschwö[]rungsglaube selbstschädigend sei.

      Macht schon Sinn, denn an Verschwörungen soll nicht ‘geglaubt’ werden, sondern es soll derart nachgewiesen bleiben, Verschwörungstheorie meinend.
      Der Verschwörungs-Mystiker glaubt an Verschwörung, sozusagen unabhängig von allem; das ist schlecht.

      Mystik kann auch als Esoterik (“nur für Eingeweihte”, vs. Exoterik) verstanden werden, jeder ist insofern zumindest gelegentlich Mystiker oder Esoteriker, denn die Wissenschaft kann nicht alles zufriedenstellend bearbeiten, doch wird derartige Mystik oder Esoterik idR gefährlich, wenn es so gegen andere geht.

      (H)ope (T)his (H)elps
      Dr. Webbaer

  11. @Michael 25.04. 21:06

    „Sie sehen also sowohl bei “Gott” wie bei der Natur – die u.a. den Covid19-Virus hervorbrachte – einen Tun-Ergehens-Zusammenhang. Sie fühlen sich bestraft, wenn nicht von Gott, dann doch von der “Naturgewalt”“

    Was heißt hier Strafe? Corona hat inzwischen beachtliche Erfolge im Klimaschutz geleistet, ich habe mal was von 7% weniger CO2-Emmissionen für 2020 gelesen. Und das mit einer ziemlich moderat tödlichen Krankheit, die deutlich mehr Angst macht als sie wirklich gefährlich ist. Und die Angst genügt, dass die Flieger am Boden bleiben.

    Wenn hier Gaia, bzw. die Abteilung kosmischer Geist, die für die Pflege unseres globalen Ökosystems zuständig ist, wenn diese hier Corona als Notmaßnahme gegen den Klimawandel eingeführt hat? Und wenn dann hier noch etliche Mutationen dazu kommen, solange, bis wir wirklich anfangen das Klimaproblem zu lösen?

    So oder so, wir versuchen mit Corona klarzukommen, und es hat sich wohl schon rumgesprochen, dass wir ein Klimaproblem haben, und dieses lösen müssen. Völlig freiwillig, eigentlich. Aber noch Nachhilfe, wenns denn nötig ist, warum nicht. Trump hat wohl Corona die Wiederwahl vermasselt, und um Bolzonaro sieht es vermutlich auch nicht gut aus. Beide sind sowohl Corona-Verharmloser wie auch Klimawandelleugner.

    • Danke, @Tobias Jeckenburger, für die m.E. berechtigten Hinweise auf die vielfältigen Wirkungen und Nebenwirkungen der Covid19-Pandemie. Als Vater von Schulkindern erlebe und befürchte ich zwar Einschnitte in Psyche und Bildungsbiografie vieler Kinder – von der Gefahr von Mutationen bei Impfung nur der Erwachsenen ganz abgesehen – und glaube auch nicht, dass sich Menschenleben gegen andere Aspekte aufrechnen ließen. Allerdings stimme ich Ihnen zu, dass die Pandemie dennoch auch wirtschaftliche, politische und auch religiöse Transformationen zu mehr Wissenschaftlichkeit beschleunigt. Im Hinblick auf die Klimakrise könnte das sehr entscheidend sein – wenn wir dran bleiben.

  12. Im Mittelalter gab es die Pest. Die Ursache war die mangelhafte Hygiene und die Ratten, die diese menschliche Katastrophe herbeigeführt haben.
    Heute gib es die Vogelgrippe , genannt Covid 19. Die Ursache ist die mangelhafte Hygiene und das zu enge Zusammenleben von Mensch und Tier.

    Wir wissen das, aber immer noch gibt es die Zwangstierhaltung . Wer protestiert dagegen ? Eine Minderheit. Eine Zeitung hatte eine Schlagzeile: „Die Natur schlägt zurück!“
    Darüber sollte man diskutieren und Gott aus dem Spiel lassen, der ist nicht der Sündenbock.

    • Vielen Dank, @hwied – und meinerseits Zustimmung. Wir Menschen sollten nicht die Verantwortung für unser eigenes Verhalten und Unrecht auf Gott abspalten. Wenn Er uns geschaffen hat, dann auch zur Freiheit und also Eigen-Verantwortung.

    • Heute gib es die Vogelgrippe , genannt Covid 19. Die Ursache ist die mangelhafte Hygiene und das zu enge Zusammenleben von Mensch und Tier.

      Das stimmt nicht. Dieses Virus stammt von Wildtieren wie Fledermäuse und/oder dem Schuppentier.

      Wir wissen das, aber immer noch gibt es die Zwangstierhaltung . Wer protestiert dagegen ? Eine Minderheit. Eine Zeitung hatte eine Schlagzeile: „Die Natur schlägt zurück!“

      Das ist einfach falsch, weil dies hier nicht der Fall ist. Übrigens soll in China Fleisch recht teuer sein. Also die These von der Massentierhaltung ist damit widerlegt.

      Gruß
      Rudi Knoth

  13. @Michael 26.04. 09:52

    „Wenn Er uns geschaffen hat, dann auch zur Freiheit und also Eigen-Verantwortung.“

    Ja klar, alle Lebenserfahrung sagt uns, dass wir unser Unglück meistens selbst mitverantworten müssen. Aber wenn das ganze Weltklima auf dem Spiel steht, dann traue ich eben „Gott“ zu, sich selber ins Spiel zu bringen, um die Entwicklung in eine erträgliche Richtung zu lenken.

    Es gab ja auch einen denkwürdigen Vorfall im Kalten Krieg: da hatte eine neue Software eines Überwachungssatelliten 4 Atomraketenstarts auf einer US-Basis gemeldet, und gemäß der Vorschriften hätte ein russischer General unverzüglich den Gegenangriff mit allen russischen Raketen starten müssen. Dieser General hatte 5 Minuten Zeit, eine Entscheidung zu treffen, und dachte sich, dass die Amerikaner unmöglich mit nur 4 Raketen angreifen würden, und blies die Reaktion ab.

    Wie sich später herausstellte, war die neue Satellitensoftware fehlerhaft. Wegen Befehlsverweigerung ging er dafür dann aber trotzdem in den Knast. Mit dem gutem Gefühl, die ganze Welt gerettet zu haben, kam er damit aber ganz gut klar.

    Keiner weiß, wie dieser Mensch in den entscheidenden 5 Minuten Bedenkzeit zur richtigen Entscheidung kam. Aber in diesem Fall würde sich niemand beklagen, wenn hier der persönliche freie Wille von höherer Seite gestört würde, zugunsten einer Weltrettung.

    Was ich damit sagen will ist, dass Freiheit und Eigenverantwortung auch sinnvollerweise Grenzen haben können. Insbesondere, wenn hier in dieser Situation der General die richtige Entscheidung aufgrund einer Inspiration getroffen hat. Über die richtige rettende Idee freut man sich in der Regel, und beschwert sich nicht über Einmischung.

    Und was „Gott“ mit Viren macht, das hat nichts mit der menschlichen Willensfreiheit zu tun. Zumal unserer Planet ja nicht der Planet des Menschen ist, wir sind hier nur Mitbewohner.

    Klar ist natürlich, dass wir uns selbst darum kümmern können, das unser Klima nicht außer Kontrolle gerät, die technischen Fragen sind inzwischen weitgehend geklärt, wir müssen die entsprechende Technik nur noch umsetzen.

    Corona kann da nur einen Anstoß geben, lösen kann Corona das Klimaproblem nicht, dafür ist dieser Virus viel zu harmlos für. Wenn wir es aber echt gar nicht hinbekommen würden, täte es ein Virus mit 50% Sterblichkeit aber schon.

    @hwied 26.04. 09:11

    „Heute gib es die Vogelgrippe , genannt Covid 19. Die Ursache ist die mangelhafte Hygiene und das zu enge Zusammenleben von Mensch und Tier. Wir wissen das, aber immer noch gibt es die Zwangstierhaltung. Wer protestiert dagegen? “

    Ich auch nicht. Wenn wir alle 30 Jahre so eine doch recht moderate Pandemie haben, so wäre das für mich nicht hinreichend, auf den Kontakt mit Nutztieren zu verzichten. So will ich mich nicht vom Leben abschotten, nicht wegen einer so geringen Lebensgefahr. Dazu gehört für mich auch moderater Fleischkonsum, zumindest soweit das ökologisch tragfähig bleibt.

    Die Nutzung von Wildtieren in so biologisch vielfältigen Regionen wie Südchina und in den weltweiten Tropenwäldern, die bringen hier auch wohl die größten Gefahren für neue Zoonosen, nicht unsere Massentierhaltung.

    Wobei wir gerne mehr Tierwohl realisieren könnten, bei entsprechend höher Qualität der Produkte dann auch gerne mit weniger Quantität.

  14. Tobias Jeckenburger,
    Tierhaltung, wir prostestieren indirekt.
    1. Nur noch Biofleisch
    2. Bio-Eier
    3. Obst und Fleisch nicht aus Übersee
    4. Einschränkung des Fleischhkonsums. Vor 70 Jahren aß man nur am Sonntag Fleisch.

  15. Tatsächlich ist es Ihr Verdienst, lieber Herr Dr. Michael Blume, dass Sie den Begriff des Verschwörungsmythos bei Dr. Webbaer bekannt gemacht haben.
    Denn die ansonsten gerne verwendeten Verschwörungstheorien, die in Liberalen Demokratien meist falsch sind, weil sich dort jederzeit Verschwörer öffentlich erklären können ohne besondere Strafe fürchten zu müssen, nicht selten erfahren sie dort auch Anerkennung, es gibt dort eine Kultur des “Whistleblowertums”, sind problematisch, wenn sie zurückgewiesen werden sollen, als falsch. [1]
    Denn sie könnten als Theorie zumindest widerlegt werden, geben sich der Messbarkeit preis, was bei Verschwörungsmythen nicht der Fall ist.
    Habe zuletzt bei Attila, der Veganer ist gemeint, Sie wissen schon, ein wenig (wirklich nur wenig) gelesen, und dieser an sich (einstmals) nette junge und verständige Mann scheint verschwörungsmythisch und antisemitisch nun völlig darnieder zu liegen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der, wenn ihm so erlaubt wird, in der hiesigen Kommentatorik noch ein wenig stöbern und reagieren wird)

    [1]
    In anderen Herrschaftssystemen ist die Verschwörung, böse formuliert, sozusagen politischer Normalzustand.

  16. Mal eine Arbeitshypothese:
    Verschwörungsmythen werden konstruiert, um Privilegien, die nicht (mehr) gerechtfertigt sind, zu verteidigen.

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