Wie vernünftig ist der Mensch? Gedanken zu Feuerwerken an Silvester

Immer noch treffe ich auch in der Wissenschaft auf Leute, die behaupten, der Mensch wäre sehr “rational” oder gar “vernünftig”. Dabei ähneln die Begriffe ähnlich, bedeuten aber etwas völlig Unterschiedliches: Mit Rationalität wird gemeinhin behauptet, dass Menschen Ziele verfolgen. Mit “Vernunft”, dass sie dabei höhere Einsichten wie “Wahrheit” im Blick haben und nur von finsteren Mächten – wie Familie, Werbung, Religionen usw. – an ihrer “eigentlichen” Vernunft gehindert würden.

Die denkbar stärkste Falsifizierung beider Thesen ereignet sich nicht nur in Europa zu jedem Jahreswechsel. Hunderte von Millionen Menschen verballern Milliarden von Euros, Dollars und weiteren Währungen für Silvester-Feuerwerke. Und während bei uns in Stuttgart mit dem neuen Jahr wegen hoher Feinstaub-Werte Fahrverbote für ältere Diesel in Kraft treten, wurden auch in dieser Nacht Unmengen an Sprengstoffen, Russ, Rauch und Dreck in die Luft gepustet.

So schön kann die Falsifizierung von Rationalitäts- und Vernunft-Annahmen sein. Feuerwerk zum Jahreswechsel, Deutschland 2018/2019. Foto: Zehra Blume

Was steckt dahinter?

Der Mensch ist Produkt der biologischen und kulturellen (“biokulturellen”) Evolution. Entfaltet wurden Veranlagungen, die sich nach Variation, Selektion und Reproduktion bewährt haben – und da spielen “Rationalität” und “Vernunft” nur untergeordnete Rollen. Klar verfolgt auch ein junger Mann, der mit einem Seitenblick auf zuschauende Mädels eine besonders bunte und laute Silvester-Rakte zündet, dabei Ziele – doch diese sind ihm kaum bewusst und sie haben noch weniger mit den landläufigen Definitionen von Vernunft zu tun. “Mir macht das Halt Spaß, das habe ich schon mit meinem Vater gemacht!”, wird er vielleicht erklären – und nichts von der urmenschlichen Faszination für Feuer und Licht und dem hormonellen Reiz von Imponiergehabe wissen wollen. “Ich tue das, weil ich es kann!”

Auch der Lieblings-Bösewicht von Rationalisten, die Religionen, scheiden als Übeltäter aus: Zwar ist Silvester tatsächlich der Heiligen-Gedenktag eines frühen Papstes, doch die Kirchen werben schon seit Jahrzehnten mit Slogans wie “Brot statt Böller” dafür, Geld lieber an Bedürftige zu spenden, statt es buchstäblich zu verpulvern. Und nichtchristliche Religionen haben eigentlich eigene Kalender mit eigenem Neujahr. Im Jüdischen findet dieses beispielsweise im Spätsommer unter dem Namen “Rosch HaSchana” statt, woraus über das Jiddische “Guden Rosch!” unser silvesterliches “Guter Rutsch” geworden ist.

Rituale zur Bewältigung unserer Unsicherheiten im zyklischen Zeitempfinden

Nun würde mancher sicher auch mal gerne im Sommer einen Böller zünden, doch für gewöhnlich konzentriert sich das Feuerwerken auch bei erklärt nichtchristlichen und nichtreligiösen Feiernden auf den Jahreswechsel. Warum ist das so?

Nun, seit Jahrzehntausenden erfahren wir Menschen Zeit vor allem als zyklisch: Tag und Nacht, Geburt und Tod, Aufstieg und Verfall, Frühling, Sommer, Herbst und Winter usw. Damit sind neben Chancen und Hoffnungen immer auch Ängste verbunden – wer kleine Kinder öfter mal Schlafen gebracht hat, weiß, wovon ich rede. Rituale – wiederholbare Verhaltensmuster – helfen, diese Ängste und Unsicherheiten zu bannen, kontern Zyklus mit Zyklus, geben Sicherheit mit der Wiederholung.

“Drei – zwei – eins – (Geschafft!) – Frohes Neujahr!”, rufen sich Milliarden Menschen dann erleichtert zu und liegen sich in den Armen, als hätten sie eine Gefahr bestanden und läge ein neues Leben vor ihnen. Und nichts daran ist lächerlich – es ist menschlich und tief in unserer Natur und zunehmend globalen Kultur eingegraben.

Finde ich das Feuerwerken irrational und unvernünftig? Oh ja. Aber das gilt eben für sehr vieles, was unser Menschsein ausmacht (die Liebe, das Küssen, die Religiosität zum Beispiel). Wir müssen uns entscheiden, ob wir Menschen an unrealistischen Ansprüchen messen und darüber bitter und zynisch werden – oder ob wir bereit sind, uns so zu betrachten und mit uns zu arbeiten, so wie wir eben evolviert sind.

Und immerhin: Jedes Jahr besteht aufs Neue die Chance, dass ein paar kluge Köpfe begreifen, dass die Modelle “rational nutzenmaximierender” Homo oeconomicus milliardenfach falsifiziert sind. Dies wäre ein Segen nicht nur für Forschung und Politik, sondern auch für die Wissenschaftskommunikation.

Ihnen allen ein frohes, neues Jahr 2019! 🙂

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger, Landesbeamter und christlich-islamischer Familienvater. Letzte Bücher "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch manches erlebt und überlebt...

29 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Oh vielen, vielen Dank! Ich dachte, Sie reihen sich ein in die Leute mit gerecktem Zeigefinger, die seit einigen Jahren immer lauter fordern, diesen “Wahnsinn” endlich zu verbieten. Ja, es ist irrational. Ja, wenn man es unvernünftig macht, ist es gefährlich, auch für Unbeteiligte. Das gleiche gilt allerdings für Alkoholkonsum und in gewissem Maße auch für’s Autofahren. Für Urlaub, der Flüge oder lange Fahrten voraussetzt oder Kunstschnee oder, oder, oder. Karneval sowieso! Will man das alles verbieten? Es wäre eine freudlose, aber sehr vernünftige Welt.

    • Vielen Dank und Zustimmung, @Bettina Neuhaus. Pseudo-rationalistische Lehren wie der Kommunismus sind ja grausam an ihren Versuchen gescheitert, „neue Menschen“ zu erzwingen.

      Wenn wir als Menschheit etwas erreichen wollen, dann mit Respekt vor unserer Natur und unseren Gefühlen. Wir könnten zum Beispiel regionale Urlaubsreisen fördern, Kerosin statt Nahverkehr besteuern, kommunale statt „wilder“ Feuerwerke anbieten. Kulturelle Evolution statt belehrender Revolution, sozusagen. Das Leben darf und muss auch Freude machen.

    • Ganz im Gegenteil, lieber @Michael: Ich weise darauf hin, dass der „Funfaktor“ auf evolutionäre Belohnungen zurück geht, nicht auf „Rationalität“ und „Vernunft“. Auch ich liebe und küsse sehr gerne… 😉😍👍🎇

  2. Wünsche einen ‘gîdn rosh’ gehabt zu haben. Küssen ist irgendwie total rational, weil die Lippen so empfindlich sind und Geruchs- und Geschmacksempfinden gleich um die Ecke sind.

    • @wereatheist

      Ihnen auch ein frohes 2019!

      Und, ja, Küssen wäre dann potentiell „rational“, wenn wir positive (evolutionär verstärkte) Empfindungen grundsätzlich als „vernünftig“ anerkennen. Dies träfe dann freilich auch auf Spiele, gutes Essen, Sex und religiöse Erfahrungen zu. 👍🖖

  3. Ich war angenehm überrascht, dass gestern in Berlin so wenig Feuerwerks-Müll herumlag.
    BTW in Shanghai war privates Feuerwerk schon vor Jahren verboten.

    • @FckSilvester

      Schön, dann kam die Nachricht an! Ich habe mit meiner Familie auf Feuerwerk verzichtet, glaube aber nicht daran, dass ein freiheitlicher Staat per Gesetz „Vernunft“ verordnen sollte. Besser wäre es, über kluge Alternativen und Aufklärung nach und nach das Sinnvollere zu fördern. Vgl. Raucherschutz, da wurde über viele kleine Schritte schließlich viel erreicht.

  4. Wären wir immer rational und vernünftig dann gäbe es längst einen Volksaufstand gegen die Massenzuwanderung.
    Dass das Verheizen von einer Unmenge von Feuerwerken keinen Sinn macht ist natürlich auch richtig.

    • @Markweger

      War ja klar, dass Ihnen selbst zum Stichwort „Silvester/Feuerwerk“ nur wieder Rassismus samt Pöbeleien gegen unser Grundgesetz einfällt! 🤣

      Aber wenn Sie schon mal da sind, können Sie uns sicher erklären, wer dann im von Ihnen erträumten, „rassereinen“ Staat die Alten pflegt, die Häuser baut, die Gastronomie sichert, die Kinder betreut und all die anderen Berufsfelder ausfüllt, für die sich gerade auch Nazis (die lieber Saufen) oft zu fein sind? Japan hat wirkt mit einer massiven Abschottung gegen Zuwanderung plus traditionellem Familienbild nicht glücklicher, erfolgreicher, dynamischer…

      Also, vielleicht wagen Sie ja doch irgendwann einmal ein bisschen Weiterdenken über den Rassismus hinaus, ggf. als Vorsatz fürs neue Jahr? 😎🥰🖖🌷

  5. FckSilvester
    Wer sich vor Feinstaub fürchtet, der kann ja ein Laserfeuerwerk am Himmel projezieren. Warum kommt da niemand drauf?
    Dazu verkaufen wir Ohrhörer, die die notwendige Geräuschkulisse liefern. die Vögel werden es uns danken.

  6. Ich halte nur das einfache Böllern für unnötig. Ein Böller besteht aus viel Material nur für einen Knall und hinterlässt extrem viel Schmutz. Dazu kommen die illegalen und gefährlichen Böller aus dem Ausland, welche Menschen verletzen oder gar umbringen.

    Aber so eine schöne Batterie, die bunt ist und was hermacht, im Wegräumen auch nicht viel Mühe bedarf und am Ende nur noch aus Pappe besteht, da kann man drüber wegschauen. Nicht die einmaligen Sachen sind der große Grund, sondern die Regelmäßigkeiten, die die Erde zerstören. Ich sage nur Flightradar und die tausenden Flugzeuge rund um die Welt. In dem Moment sind über 15.000 offizielle Flugzeuge in der Luft. Wer weiß wie viel Schiffe. Da kann man erstmal anfangen mit freundlichen Energien und dann das Elektroauto… aber nicht bei dem kleinsten Übel anfangen. Ein Elektroauto bringt von der Planung bis hin zur Entsorgung mehr Aufwand mit sich, als ein kleiner PKW mit normalen Motor… Motor-Wärme wärmt auch den Innenraum usw. Dann lieber große SUV’s oder die großen PickUp’s verbieten, wo ist der Sinn davon, wenn man gar nicht Offroad fahren muss? Warum braucht man ein Elektroauto was von 0-100 in 3 Sekunden schafft? Welche durchschnittliche Bevölkerung kauft sich ein 100.000 Euro Auto? Komisch, da weiß man ja schon, wer bald wenig darf und wer alles kann.

  7. Jedes Jahr der selbe Wahn mit viel Alkohol und Kawumm feiern zu müssen.
    Ok, in meiner Jugend fand ich das auch toll, aber als mir zunehmend klar wurde welche multikomplexe Bewusstseinsbetäubung unser “Zusammenleben” steuert, da wollte ich / hat sich meine Vernunftbegabung ganz rational … und im Rahmen der systemischen Beschränktheit …
    Echt sch…, mehr ist offenbar nicht drin / nicht fusionierbar mit geistiger Evolution.

    • @hto

      Das tut mir Leid zu lesen.

      Bei uns gab es weder ein Übermaß an Alkohol noch „Kawumm“, aber ein Zusammensein mit Familie und Freunden plus Spiele bis in den frühen Morgen. Und mit Einsatz für das Wohlergehen und die Bildung der Kinder sehe ich auch genug Beitrag zur biologischen und kulturellen Evolution, die geht auch ohne uns ihren Gang. ☺️

  8. Rituale gab und gibt es in jeder Gesellschaft. Wahrscheinlich aber hat es in keiner vorangegangenen Gesellschaft solche ausufernden und durch und durch kommerzialisierten Rituale gegeben wie hier und jetzt.Silvester,Weihnachten, Ostern etc. werden ihrer eigentlichen historischen Inhalte beraubt und dienen dem Kommerz, dem Umsatz und dem Gewinn. Rituale sind nicht angeboren, die Gesellschaft erzieht uns mit ihrer Doppelmoral dazu sie so zu feiern wie Werbung und Wirtschaft es möchten. Diese sind natürlich zuerst an uns als Konsument interessiert und an unser Geld. VERNUNFT kann man geschickt mit guter Werbung im Kopf außer Kraft setzen und mit dem Kauf von Feuerwerkskörpern ein Wohlgefühl suggerieren.In dem Sinne sehe ich die Ursache nicht bei den Menschen, die Silvester neue Hoffnungen hegen und sich Gesundheit und Glück wünschen…

    • @Golzower

      Selbstverständlich sind nicht die einzelnen Rituale „angeboren“ – ebensowenig wie die deutsche Sprache oder eine bestimmte Musik. Aber die Veranlagungen von Ritualität, Religiosität, Sprachfähigkeit und Musikalität, die wir dann kulturell ausfüllen, sind (individuell unterschiedlich stark) genetisch veranlagt. (Auch Werbung spricht ja unsere Psychologie an, setzt diese also voraus.) Entsprechend werden Sie auch keine dauerhafte Menschenkultur ohne entsprechende, biokulturelle Traditionen finden können.

      Ihnen ein frohes 2019!

  9. Gemäss Wikipedia (en,übersetzt von DeepL) gilt: Rationalität impliziert die Übereinstimmung der eigenen Überzeugungen mit den eigenen Überzeugungsgründen und der eigenen Handlungen mit den eigenen Handlungsgründen.

    Handlungen können also rational sein ohne vernünftig zu sein. Sie sind rational, wenn wenn sie das realisieren, was sie beabsichtigen. Wer also ein prächtiges Feuerwerk realisiert, kann rational sein, wenn er das so will und wenn er sein Ziel auf rationalem Weg erreicht, wobei der rationale Weg meist meint, dass man das Ziel mit möglichst wenig Aufwand (viel Feuerwerk fürs Geld) und möglichst wenig Nebenwirkungen erreicht (keine Verletzungen, keinen Brand auslösen). Oder gemäss Wikipedia (en): Wenn das Ziel oder das Problem darin besteht, eine Entscheidung zu treffen, sind Rationalitätsfaktoren in allen verfügbaren Informationen (z.B. vollständiges oder unvollständiges Wissen) enthalten. Beim Feuerwerk wäre diese Information beispielsweise wo man das beste Feuerwerk für sein Geld erhält und wie man unerwünschte Nebenwirkungen vermeidet.

    Die Diskussion um Rationalität als Handlungsmotiv und Leitmotiv in der Ökonomie geht allerdings häufig von einer absoluten Rationalität aus, also davon dass die Handlungen des Homo ökonomicus berechenbar sind, weil sie jederzeit auf ein gesamthaft rationales Ziel zustreben und dieses Ziel mit den vielversprechensten Massnahmen anstreben (Wikipedia: adopt the best actions to achieve their goals). Und dieses Ziel ist dann meistens die Nutzenmaximierung für die Person. Und da die meisten Menschen reich und glücklich werden wollen müssten sie gesamtrational gesehen alles tun um reich und glücklich zu werden. Also beispielsweise den Beruf wählen, der (finanziell) am meisten abwirft und den Lebenspartner auswählen, der am meisten Glück verspricht. Nur tun sie das häufig nicht. Die Frage ist warum?

    Tatsächlich sind Menschen häufig nicht nur nicht vernünftig, schlimmer noch, sie sind häufig auch nicht rational, machen also nicht das, was sie gemäss ihren Überzeugungen und tieferen Zielen eigentlich tun müssten. Tatsächlich spielen hier wohl auch soziale und psychologische Faktoren eine Rolle. Die Rationalität der Ökonomen dagegen sieht die persönliche Nutzenmaximierung jedes Marktteilnehmers als Grundtriebkraft und vergisst darob Dinge wie den Herdentrieb oder die Orientierung an der Vergleichsgruppe, zu der man sich zählt.

    • Vielen Dank, @Martin Holzherr!

      Gerne versuche ich den auch von Ihnen geschilderten Unterschied zwischen “Rationalität” und “Vernunft” Studierenden zu vermitteln, indem ich einfach frage: “Wenn ein Drogenabhängiger einen neuen Shot erwirbt – handelt er dann rational? Vernünftig?”

      Dann bricht die leider noch zu häufige Gleichsetzung nicht nur erkennbar auseinander, sondern es schließen sich auch Reflektionen etwa zu Werbung, sozialer oder digitaler Anerkennung und der Frage nach dem freien Willen an. Es wäre m.E. gut, wenn sich deutlich mehr Menschen hin und wieder Zeit fürs Philosophieren nähmen – es kostet fast nichts, macht aber klüger und glücklicher und ist wahrscheinlich sogar vernünftig! 😉

  10. Warum sich alle so übers Silvesterfeuerwerk empören, aber nicht übers Skifahren, verstehe ich nicht. Denn die Argumente (Umweltschäden, Ressourcenvernichtung, Verletzungen, Tiere sind genervt usw) treten in sehr viel umfangreicheren Maß durch den Skisport auf!
    Vielleicht einfach deshalb, weil Skifahren den weit größeren Umsatz macht, also weniger verzichtbar erscheint? Ich weiß es nicht, vernünftig ist es jedenfalls nicht, denn das Feuerwerk ist eine Kleinigkeit verglichen mit den Folgen des Skisports!

    Und die ewige Forderung nach “öffentlichen Feuerwerken” geht an der Sache vorbei. In Berlin haben wir im Sommer jeden Samstag professionelle Feuerwerke an mehreren Orten der Stadt – es nervt mich mehr als EINMAL zum Jahreswechsels und “machen lassen” ist wahrlich nicht dasselbe wie selber feuerwerken!

    • Wow, @Leonie – den Vergleich von Feuerwerk zu Skifahren finde ich mit jedem Drüber-Nachdenken besser und tiefer! Danke für die spannende Gedanken-Anregung, die “nehme ich mit”! 🙂

  11. Der geistige Stillstand seit der “Vertreibung” wird nicht ewig dauern, vielleicht kommt der nächste geistige Evolutionssprung schneller als es dir passt!

  12. Ich finds lustig, wie unterschiedlich die Bilder sind, die in den Köpfen auftauchen, wenn bestimmte Begriffe fallen. Bei “Silvesterfeier” denken manche an eine gemütliche Runde mit Freunden, Familien mit Kindern, Spiele spielen, zu Mitternacht anstoßen, das Feuerwerk anschauen und vielleicht selbst ein paar Raketen hochschießen. Und andere denken an Böller knallen, Alkohol in Rekordmengen und eine im Wortsinn “berauschende” Party.

    Beides habe ich gesehen – ich war auf einer Familienfeier, wo 10 Leute zusammen eine Batterie für 3,99€ abgeschossen haben, und auf der Heimfahrt kam ich in einem Dorf an 3 Jugendlichen (2 Jungs und 1 Mädchen, alle scheinbar so ca. 16-19 Jahre alt) vorbei, die noch um 2 Uhr morgens immer weiter Raketen hochgeschossen und Böller gezündet haben und bereits hinter einem regelrechten Wall von Feuerwerksmüll und leeren Bierflaschen standen und mich, nachdem sie mühsam schwankend die Straße geräumt hatten, mit glasigen Augen anglotzten, als ich an ihnen vorbei fuhr.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass alle Beteiligten, sowohl die 10 Leute von der Familienfeier als auch die 3 Jugendlichen, im Nachhinein von einer schönen Feier sprechen werden. Und weil die Leute so verschieden sind, halte ich auch nichts davon, ihnen vorzuschreiben, wie sie denn nun feiern sollen (wobei man beim Alkohol und dem Alter der Jugendlichen durchaus genauer hinschauen sollte, aber das ist wieder ein anderes Thema, das ich jetzt hier nicht vertiefen will).

    Wenn allerdings (zu Recht!) die Raucher für die Entsorgung ihrer Kippen und die Autofahrer für ihre Abgase zahlen sollen, dann wäre ein entsprechender Preisaufschlag auf Feuerwerkskörper durchaus gerechtfertigt. Und das darf durchaus ein deftiger sein, wenn es einmal um die anschließende Straßenreinigung und außerdem auch noch um die erhebliche Feinstaubbelastung und darüber hinaus auch um die Lärmbelastung, auch für die Tiere, geht. Die von mir genannte Batterie für 3,99 war wirklich schön – wieso hat die nicht 13,99 gekostet? Wäre doch keineswegs ein Beinbruch und vom Preis-Leistungs-Verhältnis her voll gerechtfertigt gewesen, finde ich! Dazu noch ordentliche Aufklärung, wie beim Rauchen, und dann wird das ganz ohne Verbote zurückgehen, ohne dabei ganz zu verschwinden. Aber warum auch?

    • Absolut, @tranquebar – das der gleiche Begriff völlig unterschiedliche Assoziationskaskaden weckt, erlebe ich auch hier auf dem Blog immer wieder!

      Denken wir nur an „Evolution“ oder gar „Religion“! 😯

      Umso mehr freut es mich, wenn manche auch wirklich die Chance zum Reflektieren nutzen – @tranquebar ist Programm! 🤗👍

  13. @christ (3. Januar 2019 @ 11:56)
    “Laserfeuerwerk am Himmel projezieren”
    “Ohrhörer, die die notwendige Geräuschkulisse liefern”

    Eine geniale Achtsamkeits-Idee.

    Die Freiheit für rücksichtsvollen Genuss für “Traditionalisten” unter den Silvesterfeiernden, lässt sich (ganz ohne Reue) stärken. Zugleich wird fremdschädigendes Verhalten gegenüber Andersfeiernden unterbunden.
    Echter ebenso rationaler, wie auch zivilisatorischer Fortschritt.

    Dieses Jahr erging erstmalig die kommunale Order, dass ein Feuerwerk nur mind. 100m von Wohnhäusern entfernt abgebrannt werden darf. Das führte erstmalig dazu, dass ich seit Jahrzehnten, keinen Müllberg vor meiner Haustüre am 01.01. entsorgen musste!

    Der Hund unserer Nachbarn, durfte erstmalig Silvester ohne Panikattacke wegen der Knallerei an Silvester erleben.

    Rationalität und Zivilisierung in kleinen Schritten mit großer Wirkung auf die Sprünge helfen – das hatte immer schon, und so auch in 2019 Zukunft!

    In diesem Sinn “Rosch ha-Schana – tova”

  14. @Blume
    Es war Ruß, Herr Blume, was in die Luft gepustet wurde, es war Ruß…. Sie werden doch keine pseudoorthographischen Regeln wie die der sogenannten neuen Rechtschreibung anwenden ?? Und diese dann auch noch falsch herum ???
    Und da sind wir schon beim Thema: inwiefern ist der Kommunismus, der sich selbst als materialistische Weltanschauung beschreibt, eine pseudo-rationalistische?
    Tut Ihnen das nicht etwas leid? Oder tut (oder tat) er Ihnen Weh?

    • @Gudea

      Nach dem kritischen Rationalismus muss jede These überprüfbar und also auch widerlegbar sein. Der Kommunismus begründete sich – wie alle anderen Weltanschauungen und Religionen auch – jedoch auch auf Mythen, Symbole, Rituale. Entsprechend zerfiel er auch von Anfang an in verschiedene, sich später oft blutig bekämpfende Strömungen und Gruppen, bis heute.

      Und, ja, auch meine Familie hat unter dem “real existierenden Sozialismus” der DDR gelitten, mein Vater sogar in Stasi-Haft.

      Aber vielleicht darf ich ja einfach umgekehrt fragen, welchen Kommunismus genau Sie für “rational” halten? Jenen von Stalin, Trotzki, Mao? Jenen in Kuba, China oder Nordkorea? Welches wäre Ihres Erachtens der wahrhaft rationale K. – und warum?

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