Wie sich Blogs und Promotionen vernetzen – Schrift- und Ritualforschung bei Kirsten Dzwiza

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Immer mal wieder hatte ich ja von den wissenschaftlichen Chancen der Bloggerei gesprochen. Es dient nicht nur dem Ausformulieren und Diskutieren von Gedanken sowie dem Bekanntermachen der eigenen Person und Bücher, sondern auch dem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen der Wissenschaft. Online besteht eine größere Chance, das hart erarbeitete Spezialwissen auch wieder anderen zur Verfügung zu stellen, anstatt es für überzogene Preise bzw. ungelesen auf Regalmetern verstauben zu lassen.

Sehr schön demonstriert hat diesen Effekt die Heidelberger Archäologin & Ägyptologin Kirsten Dzwiza, die zu ihrem Promotions-Forschungsprojekt “Schriftverwendung in antiker Ritualpraxis” den Blog “Charakteres” eingerichtet hat, auf dem man inzwischen auch ihre fertige Doktorarbeit herunterladen kann!

BlogCharakteresKirstenDzwiza

Die Linkesche These bei Kirsten Dzwiza

Und die Kollegin präsentiert dort nicht nur ihre unglaubliche Feinarbeit, sondern hatte darüber hinaus auch meine Doktorarbeit und diesen Blog aufgegriffen. So schreibt sie über die hier vorgestellte These von Detlef Linke:

“Linkes Überlegungen gehen dahin, dass mit der Verbreitung nicht-vokalisierter Alphabete eine wachsende Bilderfeindlichkeit einhergeht, vokalisierte Alphabete hingegen das Bedürfnis nach Bildern erhöhen. Seine Thesen wurden jüngst von dem Religionswissenschaftler Michael Blume in dessen Blog vorgestellt und in einem gemeinsamen (populärwissenschaftlichen) Buchprojekt mit Vaas diskutiert.

Linke hat Zeit seines Lebens darauf gewartet, dass seine Thesen von Geschichtswissenschaftlern und Religionswissenschaftlern kritisch hinterfragt würden, was nicht geschehen ist. Blume hat die Diskussion in den Religionswissenschaften angeregt. Linkes Gedanken bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit, geschichtswissenschaftliche Fragestellungen und Methoden mit Fragen und Methoden der Gehirnforschung und den Kognitionswissenschaften zu verbinden. Bis heute wurden seine Überlegungen weder widerlegt, noch ausreichend diskutiert oder experimentell erforscht. Sie bieten ein enormes Potential für zukünftige Forschungen, insbesondere der Schrift-, Bild- und Zeichenforschung.”

Natürlich habe ich mich riesig gefreut – und hoffe umgekehrt, dass auch dieser Blogpost dazu beitragen möge, dass andere Forschende wiederrum auf die Arbeiten und Texte von Frau Dzwiza aufmerksam werden. So könnte idealerweise die Vernetzung des Wissens verbessert, der Erkenntnisgewinn beschleunigt und Mehrfacharbeit vermieden werden.

Liebe Wissenschaftlerinnen & Wissenschaftler – lasst uns also bloggen! 🙂

So, und wer am 11. April 2014 in Worms sein mag oder jemanden kennt, hier noch eine Einladung zu einer RL (Real Life-)Begegnung! 🙂

BlumeDarwinWorms2014

 

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

2 Kommentare

  1. Linkes Überlegungen gehen dahin, dass mit der Verbreitung nicht-vokalisierter Alphabete eine wachsende Bilderfeindlichkeit einhergeht, vokalisierte Alphabete hingegen das Bedürfnis nach Bildern erhöhen. (Artikelzitat)

    So zur arabischen Antwort auf die Evangelien, den Koran, der vokalarm und von rechts nach links gelesen wird, nur in Arabisch gültig rezitiert werden kann und im Bezug auf Gott und Jesus wieder strikt Gottesinkarnation, Passionserzählung und jede Bilddarstellung ablehnt. (aus im Artikel verwiesener Quelle)

    Unser Lesen werde bei Rechtshändern überwiegend in der linken Hemisphäre bearbeitet, die zuerst vom rechten Auge über Kreuz bedient wird.
    Entsprechend tendieren wir, so Linke, Schrift von links nach rechts zu erfassen. (dito)

    Mal davon abgesehen, dass es noch ein Oben-Unten gibt, beim Lesen und Schreiben, was weniger ergonomisch sein mag für die Primaten, wie soll nun mit dieser Erkenntnis (oder “Erkenntnis”) aus Sicht des werten Inhaltegebers hantiert werden?

    MFG
    Dr. W

  2. @Webbär

    Die Linkesche These gehört in den Bereich der Grundlagenforschung und könnte – wenn sie sich empirisch weiterhin bewährt – dazu beitragen

    1. die Wechselwirkung aus Medien und Erfahrungen auch im Hinblick auf Neurobiologie besser zu verstehen

    2. die Entstehung und Geschichte des Monotheismus einschließlich der Geschichte von Judentum (Thora Hebräisch, vokalarm), Christentum (Bibel Griechisch, seitdem vokalisiert) und Islam (Koran Arabisch, vokalarm).

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