Wer von den Dreien bin ich? Eine persönliche Reflektion zu Segen und Fluch der digitalen Kultur

Warnung: Dies wird ein sehr persönlicher und also etwas längerer Ende-Ferien-Post außer der Reihe. Es ist okay, wenn Sie sich die Zeit dafür nicht oder jetzt nicht nehmen. Die Relevanz könnte darin liegen, dass dieses Thema auch Sie oder Ihre Nachkommen betreffen wird.

Liebe oder fürchte ich das Internet? Ganz klar beides: Als Wissenschaftsblogger seit über zehn Jahren, aktiv auf Facebook, Twitter, Instagram, nicht nur Buch-, sondern auch eBook- und Hörbuchautor kann ich mit Fug und Recht behaupten, ein aktives, gestaltendes Netzleben zu führen. Und gerade dabei erlebe ich aber auch die dunklen Seiten des Netzes, die uns emotionalisieren, überfordern, herunterziehen, in Minigruppen zersplittern und bis in die tiefsten Bereiche unserer Familien und eigenen Seelen hinein verändern.

Wenn man will, kann man mein “Islam in der Krise” durchaus als Warnung davor lesen, was passierte, als eine Zivilisation sich einem neuen Medium – damals ab 1485: dem Buchdruck – verweigerte: Stabilität, dann Absturz, mit furchtbaren Folgen bis heute. Das nächste Buch zum wiederaufflammenden Antisemitismus trägt dagegen den Untertitel: “Wie neue Medien alte Verschwörungsmythen befeuern”. Wer sich auf neue Medien einläßt, muss sich auf Umwälzungen gefasst machen, wie damals die Reformation oder den 30jährigen Krieg, die es ohne die Druckerpressen nicht gegeben hätte. Auch Rassisten, Antisemitinnen und schließlich die Nationalsozialisten nutzten ganz gezielt die elektronischen Medien am Anfang des 20. Jahrhunderts, um die damaligen Demokratien anzugreifen…

Und heute stecken wir wieder in einer medialen Umwälzung, einer Medienrevolution. Sobald ich hier auf den scilogs einen Blogpost zu Themen wie Antisemitismus oder Rassismus einstelle, werde ich mit Dutzenden, manchmal Hunderten aggressiver Kommentare „belohnt“…

Was macht die ständige Auseinandersetzung mit digitalem Hass mit einem? In den letzten Jahren habe ich immer wieder die Erfahrung einer “Dreiteilung” gemacht, die es früher für eine kleine Zahl von Prominenten gab, die aber heute ein digitales Massenphänomen wird: Mehr und mehr Menschen werden in ein medial-positives, medial-negatives und privates Ich aufgespalten.

Ganz konkret erlebe ich das immer wieder, wenn ich an einer Radiosendung teilgenommen habe. In vor-digitaler Zeit hat sich eine solche Sendung “versendet”, doch nun wird sie aufgezeichnet, gestreamt, geteilt, kommentiert. Schon auf der Heimfahrt vom Studio weiß ich, dass mich im Mailfach, auf dem Blog, per Facebook, Twitter etc. etwa 60 bis 70 Prozent positive und interessierte Rückmeldungen erreichen werden, aber auch 20 bis 30 Prozent Beschimpfungen und Vorwürfe (erheblich mehr auf YouTube) und dazwischen ein paar neutrale Nachfragen. Es geschieht jedes Mal, erst vor wenigen Wochen nach einer Sendung bei hr2 zu Antisemitismus. Oder nach einer Podcast-Folge von Hoaxilla.

Und zu meiner Verblüffung scheint dies auch ziemlich unabhängig davon zu sein, was das Thema war, wie gut die Moderation und ich zueinander fanden, wie gut “ich drauf war” – und man fragt sich nach jedem Interview, was man hätte besser machen können. Die Kombination von digitaler Verfügbarkeit, Ton und manchmal auch Bild schafft offensichtlich eine “persönliche Begegung”, Fachdeutsch: eine parasoziale Beziehung, aus der ich mich nicht mehr einfach zurückziehen kann.

Es ist fast, als würde die Konfrontation mit der Stimme und den Aussagen Zuhörerinnen und Zuhörer dazu bewegen, sich zwischen einem von nur zwei “Varianten” zu entscheiden: Ist der Blume ein Brückenbauer oder ein Verschwörer? Ein Religionswissenschaftler oder ein Blender? Ein Freund oder ein Feind?

Nach meinen bisherigen Erfahrungen kommt es dabei relativ wenig auf das Gesagte an. Es ist fast so, als hätten sehr viele Menschen bereits eine Meinung über das Zusammenleben der Religionen – und würden sich dann im Netz zu dieser bereits bestehenden Meinung nur noch Bestätigung suchen. Indem ich als Person digital präsent werde, “triggere” ich dann die positive oder negative Schiene – und kann immer schon ahnen, was reinkommen wird. Das ist, glauben Sie mir, schon ein seltsames Gefühl…

  1. Das medial-positive Ich.

Jene, die ein friedliches Zusammenleben von Juden, Christinnen, Muslimen, Anders- und Nichtglaubenden anstreben und für möglich halten, bedanken sich oft. Nicht wenige interessieren sich für mehr und greifen zum Beispiel zu “Eine Blume für Zehra” von Andreas Malessa über die Geschichte von meiner Frau und mir. Oft kommen dann sehr freundliche, dankende, interessierte, manchmal auch aus dem eigenen Leben berichtende Mails.

Natürlich freut und schmeichelt das, aber es stellt auch eine Überforderung dar – wenn ich etwa um die Begutachtung langer Texte gebeten, zu Vorträgen an weit entfernten Orten geladen oder um detaillierten Rat in Familien- und Religionsfragen gefragt werde. Schnell wird dann klar, dass dieses “medial-positive Ich” so idealisiert werden kann, dass eine Überforderung und Enttäuschung unausweichlich ist.

So gehe ich beispielsweise zweimal im Jahr für einige Zeit aus Facebook, um mehr Zeit für die Familie und auch Besinnung zu haben.

Darf sich ein Blogger auch zeitweise ins analoge Privatleben zurückziehen? Foto für das Facebookprofil: Michael Blume

Selbst das ist aber nicht mehr selbstverständlich. So schrieb ein freundlicher, lieber Kommentator auf meine Ankündigung am Montag: “Nicht schön. Sie haben sich endlich mal in meiner Lieblingsgruppe geäussert. Mit so einem schönen Podcast vom HR. Sie haben da so einen wunderschönen Schlusssatz im Beitrag gebracht, der mir noch lange nachhallte. […] Bis in den September und dem Wunsch, dringend von Ihnen zu hören!”

So gehen die freundliche Rückmeldung und der Anspruch, gefälligst digital verfügbar zu bleiben, fließend ineinander über.

2. Das medial-negative Ich

Für andere, die einen blutigen Konflikt zwischen Religionen, Kulturen und Völkern für unausweichlich halten oder sogar ersehnen, ist dagegen offensichtlich vom Moment der Wahr-Nehmung an klar: Ein Christ, der mit einer Muslimin verheiratet ist und von Juden für ein Amt vorgeschlagen wurde – das muss ein Verschwörer sein! Und selbstverständlich finden auch diese Menschen per Suchmaschine schnell “Bestätigungen” – nahezu jeder einigermaßen bekannte Mensch erhält längst auch eine Spur digitaler, negativer Zuschreibungen! Ich nenne das den “dunklen Mythos”, eine Spur von digital gespeicherten Vorwürfen, Texten und Bildern, die dem medial-positiven (Ideal-)Bild ein umso hässlicheres Verschwörungs-Bild entgegensetzen. Entsprechend fühlen sich Verschwörungsgläubige – weit links, weit rechts oder fundamentalistisch-religiös – praktisch unmittelbar bedroht, sie schimpfen und drohen und kündigen an, sich mit Gleichgesinnten zur Jagd zusammen zu schließen.

So schrieb mir erst kürzlich ein bekennender “Satanist” auf “Natur des Glaubens” zu einem jahrealten Blogpost: “Sie sind ein erbärmlicher Heuchler und das wissen Sie. Macht es eigentlich Spaß sich Tag ein Tag aus selbst und alle anderen anzulügen nur damit jeder denkt, Sie würden zu den Guten gehören?
Falls Sie es noch nicht wussten: Es gibt da im Netz so ein paar Leute, die auch Ihre Verschwörungsmythen irgendwann aufdecken – eigentlich sind diese die Guten.

Ich bin wirklich immer wieder erstaunt, welche nahezu übermenschlichen Kräfte mir und meinen vermeintlichen Mit- oder Oberverschwörern zugeschrieben werden! In der Wahrnehmung solcher Leute bin ich dann so eine Art besonders durchtriebener Illuminat, der seine Seele für dunkle Mächte verkauft hat und nun mit Muslimbrüdern und Zionisten an der Neuen Weltordnung (NWO) arbeitet. Meine Frau Zehra erscheint dabei einerseits als Teil des Deals und andererseits als eine Art Führungsoffizier, die mein Verhalten überwache. Als Film wäre dies grotesk überzogen; aber offensichtlich nicht in den Vorstellungen nicht weniger Menschen!

Stark bebildert fand ich diesen Kippbild-Effekt in einer Bearbeitung eines Fotoausschnittes durch einen Bekannten. Das Grafikprogramm hatte dabei auch meinen “Reißzahn” buchstäblich so zugespitzt, so dass das eigentlich freundliche Foto von einer Veranstaltung in Berlin in eine bedrohliche Wahrnehmung übersprang. Ich stelle mir vor, dass ich so auf einige jener wirke, die an eine jüdisch-christlich-islamisch-humanistische Weltverschwörung tatsächlich glauben.

Und sehr beliebt sind ja inzwischen auch Fotomontagen, die etwa anhand von Augeneffekten Menschen als reptiloide Außerirdische “entlarven”.

Ein kleiner, digitaler Effekt kann jeden in ein Raubtier, einen Vampir oder Reptiloiden verwandeln. Fotobearbeitung durch Henning Schröder, mit freundlicher Genehmigung

Nach meiner Erfahrung bleiben Verschwörungsgläubige auch nach längerem Austausch meistens bei ihren übertrieben negativen Einschätzungen – völlig unabhängig davon, ob ich freundlich auf sie antworte oder sie ignoriere. Am ehesten scheint noch deutlicher Widerspruch zum Nachdenken anzuregen – Freundlichkeit wird dagegen als Täuschungsversuch abgewehrt! Das ist so eine vielleicht gar nicht triviale, digitale Erfahrung, über die ich noch länger denken und lesen will.

Auf Basis solcher Erfahrungen, die ja inzwischen Abertausende machen, hat sich das Netz-Sprichwort “Don’t feed the Trolls!” herausgebildet: Also die Empfehlung, jene Leute nicht noch zu “füttern”, die nur nach Bestätigung für ihr medial-negatives Feindbild suchen. Doch wie der Journalist Richard Gutjahr habe auch ich die Erfahrung gemacht: Wer den dunklen Verschwörungsmythen nicht widerspricht, kann auch dadurch ihre Verbreitung begünstigen. Die Kunst scheint also zu sein, aufzuklären, ohne dabei Trolle aufzuwerten. Wie das gehen soll? Ganz ehrlich, ich weiß es noch nicht, taste und versuche.

3. Das private Ich

Und damit sind wir dann auch beim “dritten Ich” angekommen, das wohl idealerweise das “Eigentliche” sein sollte. Denn zumindest für mich selbst kann ich sehr genau ausschließen, dem medial-positiven oder medial-negativem Ich voll zu entsprechen. Schon alleine deswegen, weil ich auch ganz banal Fehler mache.

Ja, ich bin Religionswissenschaftler, gerne und aus Leidenschaft. Aber genau das bedeutet auch immer wieder zwischen gesichertem Wissen, noch unsicheren Hypothesen und Unwissen zu unterscheiden. Mal komme ich mir dabei zu forsch, dann auch wieder zu defensiv vor – und wenn es die Zeit erlauben würde, würde ich gerne noch viel mehr forschen, publizieren, diskutieren. Aber die Möglichkeiten sind begrenzt.

Ja, ich bin schon ein glücklicher Ehemann und Vater. Aber unsere Ehe war nie als ein außergewöhnliches Projekt angelegt, um irgendetwas vorzuführen, sondern hat sich aus Liebe einfach ergeben – und wie Millionen anderer Paare auch gibt es für uns keine Garantien. Es freut uns, wenn wir andere Menschen ermutigen – unfehlbar sind wir nicht und haben in “Eine Blume für Zehra” auch die Schwierigkeiten, Fehler, Rückschläge thematisiert. Wer dennoch lieber an finstere Verschwörungen oder Superheldentum glauben möchte, dem- oder derjenigen können wir nicht weiterhelfen.

Und ja, ich arbeite gerne und gehe dabei auch schon mal – etwa mit 160 öffentlichen Veranstaltungen und einem Landtagsbericht seit März 2018 – bis an die gesundheitlichen Grenzen. Gleichzeitig ist mir aber auch sonnenklar, dass jede menschliche Kraft begrenzt ist und es vermessen und zum Scheitern verurteilt wäre, z.B. den Genozid an den Eziden im Alleingang “stoppen” oder innerhalb weniger Jahre den Antisemitismus in Baden-Württemberg “überwinden” zu wollen. Das kann m.E. kein Mensch, zumindest für mich kann ich es ausschließen. Und werde also immer damit leben müssen, mich selbst zu fragen und durch andere gefragt zu werden, ob das Richtige oder “genug” getan ist.

Ich bin weder Reptiloid noch Superheld, sondern ein Mensch, der nur in Zusammenarbeit mit anderen etwas bewegen kann. Und einer, der bei aller öffentlichen und digitalen Präsenz dann auch hin und wieder Zeiten zur Erholung, für Familie und Freunde braucht. So habe ich zum Beispiel meinen Lieben versprochen, in diesem Jahr mal kein Buch zu schreiben, einfach mehr analog präsent zu sein. Die Internet-Pausen haben auch die Funktion, selber wieder zur Besinnung zu kommen und Zeit für wirkliche Beziehungen zu finden. 

Fazit

Die o.g. Erfahrung der “Dreiteilung” halte ich für nicht außergewöhnlich. Ich denke, dass es dies für prominente Persönlichkeiten schon seit Jahrtausenden gegeben hat – und dass diese Erfahrung nun aber durch digitale Medien im Guten wie im Schlechten “demokratisiert” wird. Immer mehr Menschen werden digital thematisiert – oft freiwillig, manchmal auch unfreiwillig – und werden schon im Twitter- oder Instagram-Account zu Personen digitaler Öffentlichkeit. Immer mehr Menschen knüpfen immer mehr Netzwerke parasoziale Beziehungen. Digitale Anerkennung und Ablehnung, Akzeptanz und Shitstorms betreffen längst nicht mehr nur Spitzenpolitikerinnen und Sportler, sondern auch z.B. Wissenschaftler und Journalistinnen, Bürgermeisterinnen und Vereinsvorstände, Demokratinnen und Künstler. In einem Vortrag am KIT Karlsruhe hatte ich dies an den Beispielen von Greta Thunberg und Dunja Hayali geschildert.

Mir scheint, dieser Prozess ist noch lange nicht vorbei. Es kann Sie “treffen”, oder Ihre Kinder, sicher spätestens Ihre Enkel.

Dieser Digitalisierungsschub hat Vor- und Nachteile – und es gibt durchaus Tage, an denen die Nachteile überwiegen. Manchmal habe ich mich schon bei dem Gedanken ertappt, auf ein Interview lieber zu verzichten, als wieder eine Hasswelle in Kauf zu nehmen. Aber dann denke ich, dass wir den Hatern und Trollen das Internet gerade nicht überlassen dürfen – und dass es eine demokratische Zivilgesellschaft auszeichnet, “Gesicht zu zeigen”.

Und manchmal gibt es ja auch unverhoffte Unterstützung – so wie durch Irina Katz, der Vorsitzenden der Synagogengemeinde zu Freiburg, die mich neulich massiv und digital-öffentlich verteidigte:

“Eins ist unumstritten: Der Beauftragte gegen Antisemitismus Michael Blume macht eine hervorragende Arbeit für uns Juden. G-tt sei Dank dass wir ihn jetzt haben und dass wir ihm antisemitische Vorfälle melden können. Er reagiert sofort und kommt uns zur Hilfe. Sein erster umfangreicher Bericht über den Antisemitismus, den Michael Blume der Landesregierung vorgelegt hat, zeigt wie engagiert er sich mit dem Antisemitismus auseinandersetzt. Danke an Michael Blume und lieben Gruß an ihn und seine Familie!”

 

Facebook-Statement von Irina Katz, mit freundlicher Genehmigung

Mehr als eine solche Anerkennung des Geleisteten – bei allem Realismus gegenüber dem, was zu tun bleibt – wage ich nicht zu erwarten. Es wird wohl immer Menschen geben, die medial idealisieren oder dämonisieren; und schließlich jene, die ein realistisches, mittleres Bild ausprägen. Die Anstrengungen anerkennen, ohne Wunder zu erwarten. Die sich für Wissenschaft interessieren, ohne ständig Offenbarungen oder Verschwörungen zu erwarten.

Mit einem herzlichen Dank an alle, die Menschen als Menschen wahrnehmen, möchte ich es also belassen und Ihnen schöne Sommertage wünschen.

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

12 Kommentare

  1. Ich fände Diskussionen mit Ihnen ungleich lehrreicher, wenn Sie darauf verzichten würden, Diskussionspartner die Ihnen zwar heftig, aber durchaus argumentativ und auch rhetorisch fair KONTRA GEBEN, immer wieder öffentlich das “HASS- Motiv zu unterstellen.
    Das ist nun mal nicht fein. Schon gar nicht für jemanden, der immer wieder seine hohen ehischen Ansprüche auch öffentlich betont.
    Genausowenig “fein” ist es, im eigenen Blog eine gelegentlich recht willkürliche Vorzensur der Kommentare zu praktizieren. Oder Kommentatore dort negativ anzugehen, weil sie in anderen Medien auf den Blog verlinkt haben. Ersteres ist zwar durchaus legal , aber Letzteres eben auch.

    Trotz allem geht (zumindest für mich) deswegen nicht “die Welt unter” ich werde voraussichtlich auch zukünftige (eventuelle) “Hass- Diskussionen” nicht grundsätzlich meiden.
    Zumindest solange es gerade nichts Wichtigeres zu tun gibt. (-:

    • @little Louis

      Nun, wie oben geschrieben habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade auch rassistische und antisemitische Trolle Freundlichkeit als „Gutmenschentum“, Schwäche oder Provokation missdeuten. Und falls Sie meinen, ich müsste mich als Christ und Demokrat lächelnd verhöhnen lassen: Jesus plädierte m.E. klar dafür, auf Böses mit Gutem zu antworten – doch tat er dies in sehr klarer Sprsche. Entsprechend habe ich mir viel verspottete „Kuschelpädagogik“ digital abgewöhnt und trete lieber – insbesondere gegenüber Hatern und Trollen – mit deutlicher Ansage auf. Wenn jemand hier gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit postet, werde ich dazu – wenn ich es überhaupt freischalte – auch in Zukunft nicht schweigen.

      Und vergessen Sie dabei auch bitte nicht, dass Sie und andere Kommentierende nicht unter Klarnamen auftreten, ich aber schon. Vermummte radikalisieren sich, zumal in Gruppen, allzu schnell – auch deswegen halte ich deutlich dagegen und spreche Sie und andere immer wieder deutlich an. Das bin ich Ihnen und allen anderen Leserinnen und Lesern m.E. schuldig.

      Früher war der Kommentarbereich hier frei, aber manche ganz Radikale posteten übles oder gar strafbares Zeug, hinzu traten Spammer und Linkschleudern („Schauen Sie sich das an!“ – Äh, nein, nicht ohne ordentliche Begründung.) Daher musste ich zur Moderation übergehen. Und das ist eine gute Gelegenheit, den Quatsch mit vermeintlicher „Zensur“ bzw. „Vorzensur“ aufzuklären: Sie dürfen allerhand äußern, aber niemand muss es verbreiten. Ob eine Zeitung oder eine Bloggerin einen eingesandten Text veröffentlichen, liegt ganz alleine in ihrer Verantwortung – und eben nicht in der einer staatlichen Zensurbehörde. Und ich darf Ihnen versichern, dass ich auch zukünftig sehr genau darauf achten werde, dass niemand meinem Blog für Trolling, Hasspropaganda sowie Anti-Wissenschaft missbraucht.

      Schlussendlich will ich für Sie doch sehr hoffen, dass es in Ihrem Leben viel Wichtiges geben sollte. Und wenig Hass. 🤗🌈🇩🇪🇪🇺🌍👍

  2. Jene, die ein friedliches Zusammenleben von Juden, Christinnen, Muslimen, Anders- und Nichtglaubenden anstreben und für möglich halten…
    Dazu gehören auch die Initiatoren, die den “Engel der Kulturen” in vielen Städten als Bodenplatte installiert haben und wohl noch installieren. Das Bild zeigt die drei Religionssymbole Halbmond, Kreuz und Stern im Kreis angeordnet. Der Zwischenraum bildet dabei eine Engelsgestalt.
    Ich hatte erstmals am 12.11.2015 eine dieser Bodenplatten gesehen und mich darüber gefreut. Am 13.11.2015 waren die Terroranschläge in Paris…
    Man braucht viel Geduld, wenn man ein friedliches Zusammenleben der Kulturen / Religionen anstreben und für möglich halten will.

    • Oh ja, @Harald Andresen – da haben Sie Recht! Ich sah den ersten „Engel der Kulturen“ vor einem Vortrag in einer Hamburger Kirche und war sehr angetan! Auch im Ezidentum sind Engel übrigens sehr wichtig – und dass ich mal ein sciebook über Engel geschrieben habe und dann auch noch „Michael“ hieß, hat mir vor dem Hohen Rat in Lalisch in Kurdistan-Irak mal sehr geholfen… 🤗🌈

      Ihnen lieben Dank für Interesse und Ermutigung!

  3. Michael Blume,
    den richtigen Umgang mit den Medien, den muß man sich tatsächlich erarbeiten, wenn man nicht ein gottbegnadeter Mensch ist, der alle Menschen schon vom ersten Wort an in seinenBann ziehen kann.
    Ich mache es kurz, die Einteilung in positiv und negativ und privat, die ist schon mal gut.
    Für den richtigen Umgang mit „Andersmeinenden“ gibt es keinen Königsweg.
    Das muss jeder selbst herausfinden, ob man gleich apodiktisch die eigene Meinung verkündet , oder ob man auf seinen Gesprächspartner eingeht das posive hervorhebt und die negative Sicht relativiert.
    Auf jeden Fall sollte man sich vorher den Rahmen festlegen damit die Diskussion nicht ausufert.
    Was jetzt das Private angeht, das ist tatsächlich eine Frage der Selbstdiziplin. Man muss Distanz halten zwischen sich und der Rolle , die man in der Diskussion spielt.
    Ich möchte jetzt auch keine Eulen nach Athen tragen und wünsche Ihnen , dass die Diskussionen alle so ablaufen, wie sie es geplant haben. Das ist eine Kunst, aber man kann sie erlernen.

    • Vielen Dank, @bote. Tatsächlich erlebe ich die Kommunikationsformen als einen ewigen Lernprozess, zumal sich Teilnehmende, Technologien und Netzkultur ja immer wieder verändern.

      So meinen nicht wenige, dass das auch gruppenmäßige #Trolling seit #Gamergate enorm zugenommen hat. Mir scheint aber, dass es sich inzwischen totläuft bzw. die Bekanntheit und Popularität der Angegriffenen eher steigert. Noch ist alles im Fluss… 🤔✊🌍

  4. “Wer von den Dreien bin ich?”

    In der christlichen Lehre wird die Trinität (Gottes) so beschrieben, dass die drei Personen (Gottvater, Jesus Christus und Heiliger Geist) zwar ihre Besonderheiten haben, sie jedoch ein gemeinsames Wesen besitzen. Ich nehme nicht an, dass das bei Dir anders ist. 🙂

    • Hihi, @Mona, danke! 😆

      Wobei mir beim Lachen gerade aufgefallen ist, dass auch Freud eine Dreiteilung der menschlichen Psyche annahm: Über-Ich, Es und Ich… Und mit Trinität hatte er es m.W. nie… 🤔📚

  5. Michael Blume,
    meine Tante , sie wurde 101, meinte , in jedem Menschen steckt ein kleiner Teufel. Das war ihre Lebenserfahrung.
    also, es gilt diesen kleinen Teufel im Zaun zu halten.
    Der agiert allerdings ständig mit und äußert sich in jedem Satz. Wer genug Gefühl hat, spürt das heraus. Die Gesprächspartner spüren das auch. Was will ich damit sagen, wir selbst bestimmen mit, wie negativ oder positiv unsere Reaktion ankommt.
    Aber, wir haben ein großes Vorbild, Jesus, der hat auf alle Widrigkeiten immer richtig reagiert. Diesem Vorbild sollten wir nachstreben.

  6. Michael Blume super Text!!! Genau deshalb wird immer betont, dass es für einen “König” (Chef oder jeden Prominenten) so besonders schwierig und daher extra wertvoll ist, einen “echten” Freund zu finden, der in der Lage ist, sinnvolle Kritik zu üben!

    Weil es so viele gibt, die entweder dem idealisierten Ich verfallen sind (die würden nie was Negatives ansprechen) oder dem negativen Ich (die gönnen kein Fitzelchen Gutes).

    Machen Sie nur so weiter! Ich freue mich immer, an Ihnen zu sehen, dass echte Glaub- und Vertrauenswürdigkeit einfach “immer da” ist, unabhängig von den konkreten Ereignissen einzelner Tage … sie scheint und schimmert irgendwie “zeitlos” aus Menschen.

    Oder eben nicht. 🙂

    • Vielen Dank für die Rückmeldung und die weiterführenden Gedanken, @Anna! Das würde also bedeuten, dass das echte Leben (das RL) als Korrektiv zur digitalen Kultur sogar weiter an Bedeutung gewönne! 🤔👍

  7. Ja, natürlich! Das kann gar nicht anders sein! Der ganze Sturm und das emotionale Chaos da draußen sind doch nur dazu da, einmal mehr die Spreu vom Weizen zu trennen. So wie es immer war. Zu allen Zeiten. 🙂

    (Das Gute hinkt zeitlich nur immer ein bisschen hinterher, weil es sich erst mal alles geduldig anschaut, ehe es neue Grenzen zieht. Ich bin gespannt, was uns in den nächsten Jahren so alles einfallen wird um das Leben zu ehren!)

Schreibe einen Kommentar