Was für ein 2020 – willkommen 2021!

Dieses Jahr werden wir alle sicher für den Rest unseres Lebens nicht vergessen. Auch ich sitze gerade mit meiner Familie im Lockdown, einen Berg von Urlaubstagen und Überstunden abtragend. Und was stelle ich da wohl mit mir an, auch um meine Umgebung nicht übermäßig zu strapazieren? Genau – ich schreibe an bislang zwei Buchprojekten für 2021. 🙂

In einem geplanten Buch lasse ich Friedrich Nietzsche und Karl Popper gegeneinander antreten. Harter, tiefer Denk- und Schreibstoff… Foto: Michael Blume

Doch so schlimm 2020 auch war – gemeinsam mit vielen von Ihnen wurde auch vieles erreicht. Furchtlos sahen wir den Verschwörungsmythen ins Auge – und erkannten, dass sie stark, aber nicht unbesiegbar sind. Trump verlor die Präsidentschafswahl, QAnon und Querdenken schlitterten in den (allerdings durchaus gefährlichen) Prozess von Radikalisierung und Zerfall. Auch Dank Buch & Podcast-Verschwörungsfragen-Folge 3 setzte sich der präzisere Begriff im deutschen Sprachraum zunehmend durch.

SRW2-Erklärkachel Verschwörungstheorie versus dem präziseren Verschwörungsmythos. Mit freundlicher Genehmigung

Der Verschwörungsglauben an sich konnte teilweise aufgeklärt und geschwächt, aber keinesfalls völlig überwunden werden. Zunächst in einem Interview, dann aber auch in einem Gespräch beim Podcast Hoaxilla wagte ich gemeinsam mit Alexa & Alexander Waschkau die Prognose: Der Verschwörungsmythos vom sog. “Great Reset” (einem WEF-Projekt) um Prof. Klaus Schwab wird das nächste Narrativ, hinter dem sich Anti-Impfung- und Anti-Klimaforschung-Verschwörungsgläubige gemeinsam mit AntisemitInnen versammeln. Denn anstatt sich dem Schmerz kognitiver Dissonanz auszusetzen – dass Donald Trump die Wahl verloren und ein deutsch-türkisches Unternehmen einen erfolgreichen Impfstoff gegen Covid19 entwickelt hat – ist es weltweit für Millionen und auch in Deutschland für Hunderttausende einfacher, sich in den nächsten Verschwörungsmythos zu flüchten.

Auch heute noch, am letzten Tag des alten Jahres, darf ich Ihnen ein Interview mit Maria Fiedler beim Tagesspiegel verlinken – zur Zukunft der sog. Querdenken- und QAnon-Verschwörungsbewegung, zu Abzocke, Opferneid, Tyrannophilie und der Verwendung von Kindern als Trigger und Schutzschilde. Auch vor abgeschotteten Digital-Jugendgruppen wie den sog.”Samuel Youngsters” des von seiner Kirche gefeuerten Verschwörungspredigers Samuel Eckert habe ich öffentlich gewarnt. Dagegen erfreulich – eine weitere meiner Empfehlungen wurde umgesetzt und mit Schneur Trebnik und Moshe Flomenmann werden morgen die ersten beiden Polizeirabbiner ihren Dienst für Baden-Württemberg vor allem in der Aus- und Fortbildung der Kolleginnen und Kollegen antreten. Nach Israel und den USA ist Deutschland damit das dritte Land mit auch jüdischer Polizeiseelsorge – und ich bin zuversichtlich, dass weitere Bundesländer unserem Vorbild folgen werden.

Klar aber ist, dass die Klimakrise nicht wartet, sondern bereits in vollem Gange ist. Hier herrscht noch gesamtgesellschaftliches Abblocken – Blunting – vor. Werden wir die Transformation noch schaffen – in Deutschland, weltweit? Und wie groß werden die Schäden sein, den wir unseren Nachkommen hinterlassen?

Gerne möchte ich daher diesen kleinen Jahresrückblick mit der starken Ansage von Professorin Dr. Maja Göpel im RBB-Interview beschließen. Diese halbe Stunde lohnt sich!

Ihnen allen von Herzen einen guten Rosch und ein gutes, gerne gemeinsames Jahr 2021! Bitte lassen Sie uns neugierig, vernünftig und also gesund bleiben!

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

52 Kommentare

  1. @Blume
    Ihnen auch alles Gute für 2021 und Ihren Projekten!
    Maja Göpel als Zukunftsauftrag zu nehmen,geht weit über 2021 hinaus. Aber irgendwann ist immer ein Anfang.

    • Aha, @KRichard. Schade, dass Sie am Beginn des Jahres erstmal nur Interesse an männlichen Vorhäuten anzubieten haben. Ich hoffe doch sehr, das Jahr hat Ihnen mehr zu bieten – dieser Blog hier ganz sicher… 💁‍♂️

    • Nicht ausgerechnet Deutschland sollte diskutieren, ob hierzulande die Ausübung der jüdischen Religion wieder verboten werden solle. (Vordergründig meist eine antimuslimische Diskussion, aber Juden haben ihre Knaben binnen einer Frist nach der Geburt zu beschneiden. Muslime können das irgendwann in der Kindheit in einem Sommerurlaub im Ausland nebenher machen lassen). Sollen das Niederländer, Franzosen, Italiener diskutieren und durchfechten.

  2. Herr Blume, Sie sollten sich die Frage gefallen lassen, ob nicht die „Klimaverschwörung“ die größte derzeit aktuelle „Verschwörung“ ist.

    Ich mache das ganz einfach daran fest, dass die Klimaforscher, besonders alles was sich so in deren Schlepptau herumtreibt, z.B. die „Weltuntergangspropheten“ und die „Bußprediger“, die ärgsten Verschwörer sind.

    Ganz im Gegensatz zu den Medizinern, die für mich völlig glaubhaft, auf eine realistische Bewältigung der derzeit unmittelbar existierenden Gefahren der Pandemie aus sind, es auch offensichtlich ist, dass sehr viele Menschen innerhalb sehr kurzer Zeit sterben würden, falls man nichts dagegen unternimmt, verhält es sich bei den „Weltuntergangspropheten“ grundsätzlich anders.

    Die Mediziner nehmen größte Rücksicht auf die drohenden schweren sozialen Implikationen, die bei einer Bekämpfung der Seuche auftreten, möchten sie glaubhaft minimieren. Die Pandemie hat uns einen Blick in einen „schrecklichen Abgrund“ ermöglicht, wenn unglaublich viele Menschen ihren Job verlieren und dies eine Art „Kettenreaktion“ auslösen könnte…. Dies alles obwohl die Einschränkungen vergleichsweise nur kurz sind.

    Anders die „Weltuntergangspropheten“ und „Bußprediger“ denen es einfach zu gut geht. Für die sind Temperaturerhöhungen in den nächsten 50 Jahren der willkommene Anlass sich bei der „Klimabuße auszutoben“. Sich womöglich insgeheim daran zu erfreuen wenn andere Menschen unter den Maßnahmen leiden müssen, die sich einen kleinen „Wohlstand“ erworben haben und denen es wegen der immer höheren Preise (Energie, Heizung,….) an den Kragen geht. Den „Klimahysterikern“ geht es nicht wirklich um eine realistische Bewältigung der Probleme die eben bei Temperaturerhöhungen anstehen. Außerdem sollte es auch Klima Gewinner, z.B. in Kaltgebieten geben.

    Dafür wären andere „richtige“ Wissenschaftler zuständig. Städteplaner, Dammbauer, Bauphysiker, Wasserversorger, Energiefachleute, Verkehrsfachleute, Klimagerätebauer, Wald- und Pflanzenbiologen, Mediziner, Psychologen, Soziologen,…..

    Man hört derzeit nur auf die lautstarken Äußerungen der „Weltuntergangspropheten“ und „Bußprediger“. Die Sache mit der „Klimaerwärmung“ hat allerdings auch einen anderen höchst positiven Aspekt.

    Wenn das Klima tatsächlich zu heiß werden sollte, bedeutet das gleichzeitig, dass wir die Sonnenenergie künftig hemmungslos zur Energiegewinnung ausbeuten können, ohne befürchten zu müssen dass es zu kalt wird, wir alle im Winter in den Wohnungen zu Eiszapfen gefrieren müssen, weil womöglich auch noch die anderen Ressourcen wie Erdöl, Gas, Kohle zu Ende gehen könnten.

    Früher hat man immer befürchtet, die Sonne könnte sozusagen „ausgehen“, was tatsächlich wenn es so käme, eine reale Gefahr wäre.

    Der Mensch musste sich schon immer ans Klima anpassen, da braucht man keine Hysterie anzufachen, außer es geht womöglich um andere Interessen.

    • Leider konnte ich Ihren Gedanken nicht ganz folgen, @Elektroniker. Habe ich Sie richtig verstanden: Sie bestreiten also die Erwärmung durch Treibhausgase gar nicht (mehr), aber werfen Klimaforschern vor, sie würden vom Eintreten ihrer Prognosen profitieren? Und den Widerwillen gegen „Bußprediger“ haben Sie von Nietzsche? 💁‍♂️

    • Elektroniker,
      exzellenter Beitrag!!!

      Herr Blume,
      die Klimaveränderung ist nun einmal nicht menschengemacht!
      Hier wird nach neuen Kapitalverwertungsstrategien gesucht und zwar in Form einer zu transformierenden Gesellschaft (Klaus Schwab/Prof. Schellnhuber usw.!). Und das geht halt nicht ohne Einschnitte in unseren Wohlstand (Arbeitsplatzverluste, höhere Energiepreise usw.). Das sollten auch mal abgehobene Akademiker nachvollziehen können!

      • Lieber Herr Löber,

        so wenig der Covid19-Virus durch Verleugnung (sog. #Blunting) verschwindet, so wenig die wesentlich menschgemachte Klimakrise.

        Keines von beiden ist eine Weltverschwörung, beide sind bittere Realität. Die Flucht in Verschwörungsmythen ist kein Zeichen intellektueller und charakterlicher Stärke – übrigens ganz unabhängig vom formalen Bildungsgrad.

        • Michael Blume,

          ich würde sagen, wer dem Mainstream nicht folgt, ist persé schon einmal verdächtig, ein CORONA-Leugner, ein Klima-Leugner = ein Holocaust – Leugner zu sein und somit auf jeden Fall ein Nazi respektive ein Rechtsextremist zu sein. Und in diesem Kontext ist die derzeitige Diskussion auch zu sehen. Bisher werden lediglich zwangsweise, aber keine plausiblen Korrelationen zwischen dem CO2-Ausstoß seit dem Beginn der Industrialisierung zunächst in Europa (1815 bis 1840) und dem Anstieg der globalen, mittleren Oberflächentemperatur seit 1881 (Beginn der ersten Temperaturaufzeichnungen) vorgelegt. Hier wird ganz einfach nach einer sog. Bauernschläue, ein Zwangsweises “so kann es nur sein” hergestellt, und das ist doch recht mager!!!
          Da wir nun einmal wissen, dass das kapitalistische System weltweit inklusive des staatskapitalistischen Systems in China, wohlstandsverteilende Probleme aufweist (Überbevölkerung/Ressourcenknappheit), und nunmehr der weltweite Versuch besteht, mit dem prognostizierten “Weltuntergang”, welcher bald stattfinden wird, die weltweite Bevölkerung auf diverse Veränderungen ihrer gewohnten Umfeldbedingungen einzustimmen, scheint ja mittlerweile mehr als nur wahrscheinlich!
          An dieser Stelle würde ich auch mal die Lektüren von Herrn Prof. Schellnhuber (PIK/Die große Transformation) empfehlen, welche jedoch mit einem mehr als nur kritischem Blick auf die Dinge zu lesen wäre.

          • Lieber Herr Löber,

            am Anfang fand ich den immergleichen Argumentationsstrang von Verschwörungsgläubigen noch interessant, doch er wiederholt sich einfach zu oft.

            1. Sich als Opfer selbst bejammern.

            2. Bizarre, antiwissenschsftliche Verschwörungsmythen raushauen.

            3. Sich an einer vermeintlichen Weltverschwörung auf- und erregen, die „ganz bald“ stattfände.

            Dass die Wahlniederlage von Trump viele Verschwörungsgläubige in kognitive Dissonanzen stürzte, verstehen wir ja inzwischen alle. Aber was hindert Sie denn, wenigstens ein bisschen kreativer zu lügen? Werden Ihnen die immergleichen Verschwörungserzählungen nicht selbst irgendwann unglaubwürdig, ja langweilig? 💁‍♂️

  3. Ein herzliches Dankeschön an Michael Blume – beginnend natürlich mit einem dicken “D” wie “Daniel”! Wenn ich in der Rückschau dem Jahr 2020 auch nur irgendetwas Positives abgewinnen kann, dann war es das eher zufällige Stoßen auf seinen interessanten Podcast.👍📚
    Ein herzliches Dankeschön aber auch an Maja Göpel für das Interview und ihre Forderung, Naturwissenschaften endlich ernst zu nehmen und zu überlegen, wie wir mit deren drängenden Befunden vernünftig umgehen. Eine Forderung, die – wie besonders das vergangene Jahr traurig bewiesen hat – eben nicht so selbstverständlich ist, wie sie klingt. Großen Respekt verdient Maja Göpel auch dafür, wie sie mit ständigem enervierenden In’s-Wort-Fahren und provokativen Fragen eines Interviewers umgeht, der offenbar über den Tellerrand des metaphysischen Alltagsverstandes einer überfütterten Spaßgesellschaft nicht hinauszuschauen bereit ist. Bewundernswert immer wieder die Contenance von Maja Göpel; ich selbst kämpfte ja schon beim Anhörenmüssen einiger Frageformulierungen mit tachykardischen Anfällen!

  4. @ Michael Blume 03.01.2021, 00:10 Uhr

    Bei meiner Argumentation ist der Grund von Klimaveränderungen nicht wirklich von Relevanz. Es kann sein dass es ihn gibt, oder dass es ganz anders verläuft, eventuell sogar viel schlimmer ist als von den Klimaforschern angenommen.

    Mein Vorwurf ist die absolut unprofessionelle Vorgangsweise bei einer allenfalls nötigen Problembehandlung, man will nur “Panik” erzeugen.
    Man kann nicht die gesellschaftliche Entwicklung die hohem Wohlstand gebracht hat einfach umdrehen, das würde zu argen sozialen Verwerfungen führen.

    Bei der Pandemie haben die Mediziner versucht, auf diese Probleme Rücksicht zu nehmen. Dennoch gibt es arge und die Existenz bedrohende Probleme z.B. mit der Arbeitslosigkeit, obwohl eine Pandemie normalerweise einmal endet. Rücksichtnahme und eine vorsorgliche Minimierung der Probleme wie die Mediziner, ziehen die „Klimaleute“ nicht einmal in Erwägung.

    Einerseits die Klimaforscher selbst, besonders aber deren „Gefolge“ die „Weltuntergangspropheten“ und „Bußprediger“ die ihr eigenes ideologisches und höchstens psychologisch begründbares „Süppchen“ kochen. Sie möchten „Macht“ erlangen um daraus Nutzen zu ziehen, selbst mitunter nur psychologischen Nutzen. Z.B. einen guten Job zu haben und andere müssen um Almosen („H4“ wenn es dann „H4“ überhaupt noch gibt) „betteln“ gehen, oder diejenigen die mitunter nur aus purer Naivität bei „Klimademos mitlaufen“ und sich selbst in Zukunft, oder die eigenen Eltern sofort um ihren Job bringen.

    Vor allem aber mache ich zum Vorwurf, dass auf die zu erwartenden sozialen Implikationen, Massenarbeitslosigkeit, schwere Verwerfungen in der Wirtschaft, Unruhen …. überhaupt nicht Rücksicht genommen wird.

    Selbst wenn wir in Deutschland genau gemäß den Wünschen der Klimaforscher handeln würden, wir müssten mit Massenarbeitslosigkeit (Autowirtschaft, Flugverkehr, Urlaubsunternehmen, Exporteinbrüchen….) rechnen, aber es würde an der Problemlage praktisch nichts ändern, wenn andere nicht dabei mitmachen. Denen eben die eigenen Existenz wichtiger ist und die mit keiner Hilfe rechnen können. In Urlaubsgebieten z.B. auf Mallorca, fehlen nur temporär Einnahmen aus dem Fremdenverkehr wegen der Pandemie und dort herrscht pure Armut, Angst und Verzweiflung.

    Wir müssen mit den Veränderungen leben und planmäßig das Beste daraus machen. Die komplexe Problemlage können nur Fachleute aus der Wirtschaft und die Katastrophenschützer abmildern. Angefangen von Städteplanern, Dammbauer, Bauphysiker, Wasserversorger, Energie-, Verkehrs-, Finanzfachleute, Klimagerätebauer, Wald- und Pflanzenbiologen, Mediziner, Psychologen, Soziologen,….. aber nicht die nur Angst und pure Verzweiflung verbreitenden „Weltuntergangspropheten“ und „Bußprediger“.

    Bin zwar nur Techniker und kein Philosoph, aber im „Hinterkopf“ habe ich noch so etwas wie eine eher „dunkle“ Erinnerung an Nietzsche.

    • Ja, @Elektroniker, die Argumentationslinien kamen mir bekannt vor. Genauso wie die wilden Appelle nach „Härte“, um den eigenen Ängsten auszuweichen.

      Tatsächlich gibt es die Klimakrise und sie kann und wird von Dürren, Kriegen und Flüchtlingsströmen bis hin zum Insektensterben sehr viel größere, auch wirtschaftliche Schäden verursachen als Ihre kühnsten Alpträume.

      Wir brauchen eine schnelle Transformation – und diese kann tatsächlich nicht alleine von Klimaforschenden gestaltet werden. Dazu sind wir alle gefordert, auch Sie. Es geht nicht um „Buße“, sondern um Zukunft. Und umso eher wir handeln, umso mehr auch wirtschaftlichen Schaden können wir noch abwenden.

      Kommen Sie raus aus der Angst- und Verschwörungsmythenecke. Sie werden ernsthaft gebraucht…

      • Wow! Herr Blume startet 2021 wie er 2020 beendete.

        >

        Genauso wie die wilden Appelle nach „Härte“, um den eigenen Ängsten auszuweichen.

        >

        Wir brauchen eine schnelle Transformation

        Das ist ganz mein Humor. Sie werfen Ihrem Gegenüber autoritäre Züge vor, um dann eine gesellschaftliche Transformation zu fordern, die besser heute als morgen geschieht. Sagen Sie mal, wie sieht denn diese Transformation genau aus? Langstrecken-Luisa Neubauer ist bei dem Begriff deutlich ehrlicher als Sie und stellt in einem Interview mit der WELT die Marktwirtschaft und Demokratie infrage. Tun Sie das auch oder darf ich an so überkommenen Relikten wie Privateigentum festhalten? Und es wäre nett, wenn Sie hier zur Abwechslung mal eine klare Antwort geben könnten.

        >

        Tatsächlich gibt es die Klimakrise und sie kann und wird von Dürren, Kriegen und Flüchtlingsströmen bis hin zum Insektensterben sehr viel größere, auch wirtschaftliche Schäden verursachen als Ihre kühnsten Alpträume.

        >

        Kommen Sie raus aus der Angst– und Verschwörungsmythenecke.

        Auch das ist ganz mein Humor. Erst den Weltuntergang herbeireden und dann @Elektroniker Angstmacherei unterstellen. 😉

        Aber mal ganz ehrlich, was passiert, wenn sich die Menschen weigern, ihr Geld per Ablasshandel an die Hohepriester des Klimas abzugeben? Regnet dann Schwefel vom Himmel? Vielleicht sind Ihre Vorhersagen ja zuverlässiger als die der “Wissenschaftler” der letzten 50 Jahre:

        https://cei.org/blog/wrong-again-50-years-of-failed-eco-pocalyptic-predictions/

        Frohes Neues übrigens!

        • Danke, @Lars, für Ihre „Frage“. Da wir die Naturgesetze von Physik, Chemie und Biologie nicht außer Kraft setzen können, brauchen wir eine Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Das wird nicht leicht, ist aber durch Technologien und kluge Rahmengesetzgebungen im Rahmen einer sozialen und ökologischen Märktewirtschaft durchaus möglich. Im Bereich Automobil findet die Transformation ja bereits statt. Selbstverständlich halte ich dabei als Liberaler sowohl am Privateigentum wie auch an den Grundrechten fest, setze auf Wissenschaft statt Verschwörungsmythen.

          Und Sie? Würden Sie die Klimakrise eher leugnen, ignorieren oder doch darauf reagieren? 💁‍♂️

          • Nun, die Naturgesetze scheinen offensichtlich eine andere “Meinung” zu vertreten als Sie oder andere Hohepriester. Laut Ihrer Klima-“Wissenschaftler” hatten wir ja schon 2007 nur noch 13 Jahre Zeit “die Welt zu retten”. Jetzt sind wir ein Jahr drüber und NICHTS ist passiert; die Polkappen sind immer noch da, die Malediven sind nicht untergegangen und es gab auch keine Hungersnöte in der westlichen Welt.

            Und ja, es war eine echte Frage. Da Sie die Naturgesetze zu kennen scheinen, müssten Sie ja auch ganz genau wissen, was passiert, wenn die Welt nicht an einem gigantischen Ablasshandel teilnimmt und den CO2-Ausstoß bis 2030 um 50% reduziert. Also wie genau sieht die “Katastrophe” dann aus? Gibt es biblische Plagen? Verdunkelt sich der Himmel? Wird Florida zu Atlantis? Seien Sie doch nicht so vage und treffen ein paar konkrete Vorhersagen, über die wir in 10 Jahren gemeinsam lachen können. 😉

            PS: Buchtipp für Sie: Die Avantgarde der Angst von Norbert Bolz.

          • Lieber @Lars,

            selbstverständlich machen wissenschaftliche Erkenntnisse für Sie keinen Sinn, wenn Sie sie von vornherein verzerrt wahrnehmen. Kein Klimaforscher, keine Klimaforscherin hat je wissenschaftlich behauptet, es gelte „die Welt zu retten“. Die Erde würde auch dann weiterbestehen, wenn jedes menschliche Leben darauf erloschen wäre.

            Was prognostiziert wurde – und eingetreten ist – ist eine bereits stattfindende Erwärmung, die wir tatsächlich nicht mehr stoppen, nur noch bremsen können.

            In der benachbarten Klimalounge von Blogger-Kollege Stefan Rahmstorf finden Sie allerhand dazu:
            https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/deutschland-ist-schon-2c-waermer-geworden/

            Wir beide wissen also, dass es hier gar nicht mehr um Wissenschaft geht, sondern um Ihr (maskulin-libertäres) Selbst- und Weltbild. Ihre Wut und Ihren Schmerz kann ich nachfühlen, aber die Realität ist eben „hart“, sogar härter als Nietzsche… 💁‍♂️

          • Kein Klimaforscher, keine Klimaforscherin hat je wissenschaftlich behauptet, es gelte „die Welt zu retten“.

            Doch! Oder ist Herr Schellnhuber etwa kein Wissenschaftler?

            https://www.bbc.com/news/science-environment-48964736

            “The climate math is brutally clear: While the world can’t be healed within the next few years, it may be fatally wounded by negligence until 2020,”

            said Hans Joachim Schellnhuber, founder and now director emeritus of the Potsdam Climate Institute.

            Da wird wörtlich von der “Heilung” des Planeten gesprochen. Und er impliziert, dass er geheilt werden kann, wenn dies auch mehr als ein paar Jahre braucht. Cleveres Marketing, nicht wahr?

            Haben Sie schon ne neue Deadline, vor der wir uns alle fürchten sollen? Denn offensichtlich haben wir die 18 Monate überstanden, ohne dass es zur “Klimakatastrophe” kam.

            Schönen Tag noch!

          • Selbst in dem von Ihnen ausgesuchten Schnipsel, @Lars, ist der Zusammenhang zur „climate math“ klar: Der Erwärmungsprozess ist tatsächlich unumkehrbar unterwegs – wir können ihn nur noch abbremsen & in weiter Zukunft ggf. stoppen.

            Oder natürlich wir können Abblocken (Blunting), wie auch Sie es tun. Die physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse wird das jedoch nicht aufhalten, im Gegenteil…

  5. Können wir mit Zuversicht auf 2021 blicken ? Wir können !
    Mit dem Impfstoff haben wir eine reale Chance diese Pandemie zu besiegen.

    Wer sind die Gewinner ? Alle, die gemerkt haben , dass man nicht nach Hawaii fliegen muss um glücklich zu sein.
    Wer sind die Verlierer ? Alle ,deren Arbeitsplatz verloren gegangen ist. Alle, die unter der Einsamkeit zu leiden haben.

    Tipp: Besuchen Sie mal wieder eine Kirche. Die Kirchen sind jetzt tagsüber geöffnet. Die Ruhe des Gotteshauses überträgt sich auf den Besucher.

  6. @Blume
    Wehrlosen Kleinkindern einen Teil des Geschlechtsorgans abzuschneiden ist eine barbarische Art der körperlichen Verstümmelung und von Machtdemonstration. Damit zeigt man, dass man mit dem Kind machen kann, was man will und kennzeichnet es gleichzeitig als Besitz (z.B. einer Religion). Das ist ähnlich wie in der Landwirtschaft, wo man Tieren Kerben an die Ohren schnitt oder diese mit Brandzeichen versieht um sie als Besitz zu kennzeichnen.

    Dass Sie Herr Dr. Blume – meine Hinweise dazu amüsant finden, nehme ich zur Kenntnis. Dass manche Religionen eine Beschneidung einfordern ändern nichts daran, dass dieser Vorgang brutal ist. Gegen die Sichtweise der Täter hat das Opfer keine Chance.
    Auch wenn religiöse Beschneidung immer noch gesellschaftlich akzeptiert ist – sollte man darüber nachdenken, ob es keine andere Möglichkeit gibt, die Zugehörigkeit zu einer Religion auszudrücken.

    Wenn Sie Herr Dr. Blume den verlinkten Artikel gelesen hätten, dann hätten Sie gemerkt, dass es darin nicht hauptsächlich um Beschneidung aus religiösen Gründen geht – sondern darum, dass diese brutale Verstümmelung oft auch aus ´medizinischen´ Gründen an wehrlosen Kindern durchgeführt wird – obwohl diese ´medizinischen´ Gründe nicht wirklich überzeugend sind.
    D.h. es werden Kleinkinder ohne nachvollziehbare Grundlage verstümmelt – womit wir beim Thema ´Verschwörungsmythen´ sind.

  7. @Blume
    Ich habe klar und deutlich geschrieben, dass sich mein Hinweis auf die Verbreitung medizinischer Mythen bezieht.

  8. Nur ungern mischt man(frau) sich ja in die Diskussion zu Fragen spezifisch-männlicher Physis 😉 ein.
    Und auch ich habe mir zum Thema “Beschneidung” noch kein abschließendes Urteil bilden können. Tatsächlich handelt es sich um eine schwierige Abwägung gleich dreier Grundrechte (Art. 2 GG: körperliche Unversehrtheit des Kindes, Art. 6 GG: Erziehungsrecht der Eltern und last but not least Art. 4 II GG: Religionsausübungsfreiheit [Brit Mila als wichtiger Bestandteil der Mizwot]).
    Einstweilen, denke ich, ist die gesetzliche Situation in Deutschland – Beschneidung ja, aber nur (!!!) nach den Regeln ärztlicher Kunst – ein vertretbarer, wenn auch nicht endgültig zufriedenstellender Kompromiss.

    Schlimm finde ich es jedenfalls, wenn es jenen, die krokodilstränengleich um die Vorhäute besonders jüdischer Jungen trauern, nicht wirklich um das Wohl von Kindern geht, sondern allein um politisch motivierten Populismus.
    Und sofort baut er sich vor dem geistigen Auge auf – ein ziemlich unangenehmer Typ – der “Foreskin Man” – der “arische Rächer und selbsternannte Retter der Vorhäute” … .
    https://www.juedische-allgemeine.de/politik/der-krieg-um-die-vorhaut/

    Und als gefühlte Gleichstellungsbeauftragte diese Forums (die dankenswerterweise von Michael Blume in Situationen nahe der Kapitulation immer wieder aufgerichtet wird) möchte ich die werten Jungs dann doch ganz vorsichtig auch einmal daran erinnern, dass weltweit an Mädchen noch viel grausamere und weitreichendere Genitalverstümmelungen vorgenommen werden.
    Und bevor man(n) sich nun wieder – ohne ehrliches Mitgefühl für die Mädchen – auf den Islam stürzt, sei der Koran (Sure 95,4) zitiert.
    Dort heißt es: “Wahrlich, wir haben den Menschen in bester Form erschaffen.”

    Und es ist eine Tatsache, dass im überwiegend christlichen Äthiopien mehr als 70 % und in Sierra Leone gar 90 % der Mädchen und Frauen beschnitten sind.
    Hier geht es im Ergebnis also weniger um Religion, als um Tradition. Das sollten wir nicht ausblenden.

    • Ein schönes neues Jahr Sandy.

      Zum Thema Beschneidung ist nur folgendes zu sagen.

      Die Beschneidung von Mädchen ist hier meines Wissens nach verboten. Also die Diskussion ging vor einigen Jahren um die von Jungen.

      Der Ausgangspunkt war der fall eines Jungen muslimischer Eltern, bei dessen Beschneidung es Komplikationen gab, weshalb er in die Klinik musste. Der Richter sah dies nach der damaligen Rechtslage als Körperverletzung an. Daraufhin gab es Proteste , weshalb das Gesetz entsprechend geändert wurde.

      Und als gefühlte Gleichstellungsbeauftragte diese Forums (die dankenswerterweise von Michael Blume in Situationen nahe der Kapitulation immer wieder aufgerichtet wird) möchte ich die werten Jungs dann doch ganz vorsichtig auch einmal daran erinnern, dass weltweit an Mädchen noch viel grausamere und weitreichendere Genitalverstümmelungen vorgenommen werden.
      Und bevor man(n) sich nun wieder – ohne ehrliches Mitgefühl für die Mädchen – auf den Islam stürzt, sei der Koran (Sure 95,4) zitiert.
      Dort heißt es: “Wahrlich, wir haben den Menschen in bester Form erschaffen.”

      Einverstanden.

      Und es ist eine Tatsache, dass im überwiegend christlichen Äthiopien mehr als 70 % und in Sierra Leone gar 90 % der Mädchen und Frauen beschnitten sind.
      Hier geht es im Ergebnis also weniger um Religion, als um Tradition. Das sollten wir nicht ausblenden.

      Nun dem kann ich auch zustimmen. Diese Tradition soll wohl auch älter als der Islam sein.

      Gruß
      Rudi Knoth

      • Danke @Rudi Knoth, auch Ihnen ein gutes, v.a. gesundes Jahr 2021!

        Ja, in Deutschland ist die Genitalverstümmelung in § 226a StGB unter Strafe gestellt. Und zum Glück sind dank des mutigen Kampfes vieler Frauen Genitalverstümmelungen nun auch schon in 27 Ländern Afrikas verboten.
        https://taz.de/Ende-der-Genitalverstuemmelung/!5682977/

        Bei uns sind nach § 1631d BGB Beschneidungen des männlichen Kindes unter den genannten strengen Voraussetzungen erlaubt. Trotzdem bleibt natürlich – auch im Hinblick auf die (negative) Religionsausübungsfreiheit gerade eines Babys oder Kleinkindes (§ 1631 d II BGB), das noch nicht autonom entscheiden kann, – ein unguter Beigeschmack. Und ein gesundheitsgefährdendes Restrisiko leider auch.

        In allen Fällen hilft hier Wissenschaft und Aufklärung – auch sicherlich die in einer der vorherigen Podcastfolge diskutierte Hermeneutik. Der Koran schreibt Derartiges nicht vor und auch unter den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern findet eine Diskussion statt (s. der oben verlinkte Beitrag). Dort weist der Autor darauf hin, dass die jüdische Identität keineswegs vom “Status des Geschlechtsteils” abhängig sei.
        Die Diskussion muss nun innerhalb der Religionen geführt werden.

  9. @ Michael Blume 04.01.2021, 09:08 Uhr

    Die Beschneidung bei Jungen, bzw. FGM Praktiken bei Mädchen, haben in manchen Weltgegenden Tradition. Ich persönlich gehe davon aus, dass es dort sinnvolle Traditionen sind, nicht aber bei uns.

    Für besonders verwerflich halte ich es aber, Menschen in diesen Gegenden ein völlig falsches Bild über unsere Art zu leben und die Situation in Europa zu machen.

    Den Menschen dort ist es nicht klar, dass wir in Europa rund 15 Millionen Arbeitslose haben, wegen der Unsicherheit wegen der Pandemie und der Klimafrage werden es noch mehr werden.

    “Arbeitslos” oder “obdachlos” in Europa und den „kalten Ländern“, ist ganz anders, als z.B. in Afrika.

    Mich persönlich erschüttert es immer wieder, wenn man beobachten muss dass mitten in Europa Menschen auf der Straße leben, in Mistkübeln nach Essbarem suchen oder gar im Winter bei Eiseskälte auf der Straße übernachten. In den wärmeren Gegenden, wo viele „Flüchtlinge“ herkommen ist das Leben selbst auf der Straße einfacher als bei uns.

    Die von „Schleppern“ verführten armen Menschen flüchten einfach Richtung Europa und erwarten das „Paradies“. In der Realität können sie mangels Qualifikation, höchstens z.B. als Erntehelfer unterkommen und werden ausgebeutet.

    Von Schleppern die natürlich auch „ihre Geschäfte“ machen wollen, wird ihnen das „Paradies Europa“ versprochen, sie nehmen ihnen ihr Vermögen ab, verschulden sie und beuten diese armen verführten Menschen aus. Sie werden auf gefährliche Boote geladen, danach in Lager verfrachtet.

    In den Lagern an der Grenze werden sie aufgestachelt und fangen an, uns Europäer unter Druck zu setzen, um sie danach aus ethischen Gründen aufnehmen zu „müssen“. Z.B. zünden sie ihre Unterkunft an und erwarten, dass wir sie sofort aufnehmen. Können unsere Behörden aber nicht zulassen.

    Man stelle sich nur vor, unsere „Arbeitslosen“ würden massenhaft auf die Idee kommen und ihre Wohnung anzünden, oder die Obdachlosen, die nicht einmal ein Zelt haben, fackeln einfach ganze Städte ab, um ihren Willen durchzusetzen und erwarten, z.B. sofort eine neue Wohnung zu bekommen?

    Wir können keine weiteren nicht selektiven Zuzug, besonders von Menschen die sich nicht anpassen können oder wollen brauchen. Die uns womöglich auch noch ihre Lebensart aufzwingen wollen, die sicherlich in ihren Herkunftsländern zweckmäßig, vermutlich dort sogar „optimal“ ist, aber eben nicht bei uns.

    Israel, Amerika, Australien … die alle große Erfahrung mit Einwanderern haben, machen es uns vor, wie man es richtig macht. Man wählt geeignete Einwanderer sorgfältig aus, danach sind alle, außer die Schlepper, zufrieden.

    • @Elektroniker
      05.01.2021, 16:55 Uhr

      In den Lagern an der Grenze werden sie aufgestachelt und fangen an, uns Europäer unter Druck zu setzen, um sie danach aus ethischen Gründen aufnehmen zu „müssen“. Z.B. zünden sie ihre Unterkunft an und erwarten, dass wir sie sofort aufnehmen.

      Man stelle sich nur vor, unsere „Arbeitslosen“ würden massenhaft auf die Idee kommen und ihre Wohnung anzünden, oder die Obdachlosen, die nicht einmal ein Zelt haben, fackeln einfach ganze Städte ab, um ihren Willen durchzusetzen und erwarten, z.B. sofort eine neue Wohnung zu bekommen?

      Machen Sie sich bitte einmal kundig, in welch entsetzlichen Bedingungen die Menschen dort in den Lagern, auch den neuen, dort leben. Absolut unerträglich. Nicht einmal die Böden sind gesichert; beim nächsten Starkregen wird alles weggeschwemmt. Ratten nagen an den Fingern der schlafenden Kinder. Europa hat seine Ehre verloren.

      Wir können keine weiteren nicht selektiven Zuzug, besonders von Menschen die sich nicht anpassen können oder wollen brauchen. Die uns womöglich auch noch ihre Lebensart aufzwingen wollen, die sicherlich in ihren Herkunftsländern zweckmäßig, vermutlich dort sogar „optimal“ ist, aber eben nicht bei uns.

      Unsinn. Wir schaffen das. Wir können das. Wir machen das auch. Nur nicht mehr so laut.

      Nachdem uns die “Koalition der Willigen” – an Seiten des fundamentalistisch-christianistischen Gotteskriegers George W. Bush Ungarn, Polen, das Baltikum und andere, meist neueuropäische Oberschlaumeier, die nach einem geflügelten Wort gute Gelegenheiten verpaßt haben, ihre Schnauze zu halten – nach einer Kettenreaktion von Schlamasseln schließlich 2015/16 auch Europa eine große Menge an Flüchtlingen aufgebürdet hatte (etwa die Türkei hatte zuvor schon 4 Millionen), gab es die Überlegung, ein Europa, das dies mitangerichtet hat, habe eigentlich doch die Verpflichtung und jedenfalls aber auch locker die Möglichkeit, über die nächsten Jahre bei 500 Millionen Einwohnern jährlich lächerliche 1 Million Flüchtlinge aufzunehmen. Überschlagen könnte das für die Bundesrepublik Deutschland nach einem Schlüssel, in den wesentlich Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft eingehen, rund bis zu 200.000 Menschen sein. Die 200.000, die die CSU sich dann als Obergrenze zueigen machte. Es sind jährlich derzeit etwa 170.000 Flüchtlinge, die Deutschland jährlich aufnimmt. Wir kommen unserer Pflicht nach. Geräuschlos. Ohne Probleme, jedenfalls keinen nennenswerten zusätzlichen oder neuen. Kriegen auch Sie vor Ort kaum mit.

      Aber es gibt in Europa viel zu viele Länder vom Stamme Nimm. Die immer nur die Hand aufhalten. Immer nur kassieren, wobei ein nicht geringer Teil abgezweigt wird für korrupte Eliten und deren bucklige Verwandtschaft. Die uns dafür auch noch beschimpfen, von einer EUdSSR tönen, von einer Bevormundung, wenn wir deren Abgleiten in gelenkte, illiberale Demokratien, Putinopels und Erdoganistans nicht auch noch weiter finanzieren wollen. Was haben wir eigentlich mit Ungarns Flüchtlingen zu tun? Wir haben diesen unseligen Irakkrieg nicht geführt!?

      Es ist die bleibende Schande dieser Staaten, die sich auch noch tiefkatholisch dünken zumeist, diese entsetzlichen Zustände an den Toren Europas zu erzwingen mit ihrer Kälte, ihrer Herzlosigkeit, ihrer Grausamkeit, ihrer Korruption. Die Geschichte wird den Kopf schütteln. Gerade über Nationen, deren Söhne in den letzten Jahrzehnten oft genug selber rüber gemacht haben und immer noch machen, nicht selten Wirtschaftsflüchtlinge, ich nenne nur die polnischen Vertragsarbeiter bei Tönnies, in den Erntehelferlagern. Und die zerbombten Syrern keine Chance geben, ein Leben in ihrem Land neu aufzubauen.

      Ich bin nicht stolz, ein Deutscher zu sein. Wir tun nur unsere Pflicht. Aber ich bin froh, nicht Angehöriger vieler anderer Nationen in Europa zu sein, die derzeit schwarze Stunden erleben.

        • 😳😊😌

          Wobei, über meine Nietzsche-Phase wird anscheinend 2021 zu sprechen sein. Ehrlich gesagt bin ich jetzt schon nicht erfreut, aber naja 😕

        • ggf. zeitweise auch christlich

          Tatsächlich wurde mir ein Wegbegleiter neben, durch Heidegger – Karl Rahner 😇

          Ich weiß noch, wie ich in der Unibibliothek vor dem Riesen-Rahner-Bücherregal stand. Keine Ahnung, wer das schon wieder ist. Katholisch, Theologe, wichtig, tot, aber noch gar nicht so lange. Sollte man kennen. Was liest man denn da so als Erstes? Dicke, theologische Schwarten, auch dünnere, alles mögliche, ziemlich viel. Habe ich mir ein schmales Bändchen mit Marienandachten herausgezogen. Vorträge in einer Kirche. Dachte mir, in solchen Andachten wird er nicht gleich fachtheologisch werden, das sollte zu verstehen sein; und Maria, das ist bei einem Katholiken ein Thema, da sieht man gleich, wo er steht, ob das ein schlichter Frömmler ist, oder ob da mehr drin ist.

          Und es hat mich weggeblasen. Habe sofort gemerkt: hier hat einer Heidegger gelesen, studiert, sich mit auseinandergesetzt. Kann nicht sagen, warum, aber das wurde ziemlich schnell klar. Und daß das aber auch keine einfache Gemeinde sein kann, mal gucken … katholische Studentengemeinde, war ja klar. Das muß ziemlich früh in meinem Studium gewesen sein; in Rahner habe ich mich zur gleichen Zeit hineinvertieft wie in Heidegger, und Rahner war lange Zeit mein Leib- und Magentheologe. Habe damals darum z.B. überhaupt nichts anfangen können mit Hans Küng, schnell beiseite gelegt, zu Unrecht; erst viele Jahre später für mich entdeckt, aber dann eben auch erst den späten, den Weltethos-Hans Küng.

          Aber mit Rahner war dann sowieso klar, Heidegger kann man nicht reduzieren auf seinen Nationalsozialismus (sein Antisemitismus ist ja erst seit 2014 Thema). Da ist viel mehr zu lernen.

          Von Heidegger sagte Rahner später, „daß er zwar viele gute Schulmeister des mündlichen Wortes hatte, aber nur einen, den er als seinen Lehrer verehren kann, eben Martin Heidegger.“ (zit. nach Wikipedia)

      • Schones neues Jahr auch Ihnen.

        Trotzdem folgende Anmerkung:

        Nachdem uns die “Koalition der Willigen” – an Seiten des fundamentalistisch-christianistischen Gotteskriegers George W. Bush Ungarn, Polen, das Baltikum und andere, meist neueuropäische Oberschlaumeier, die nach einem geflügelten Wort gute Gelegenheiten verpaßt haben, ihre Schnauze zu halten – nach einer Kettenreaktion von Schlamasseln schließlich 2015/16 auch Europa eine große Menge an Flüchtlingen aufgebürdet hatte (etwa die Türkei hatte zuvor schon 4 Millionen), gab es die Überlegung, ein Europa, das dies mitangerichtet hat, habe eigentlich doch die Verpflichtung und jedenfalls aber auch locker die Möglichkeit, über die nächsten Jahre bei 500 Millionen Einwohnern jährlich lächerliche 1 Million Flüchtlinge aufzunehmen.

        Also Deutschland hat sich nicht am Irakkrieg beteiligt. Und Bush war seit 10 Jahren nicht mehr im Amt aber dafür Barak Obama. Das Wunschziel der Flüchtlinge war eindeutig “Germany”. Warum blieben diese Leute nicht in Ungarn?

        UN hier scheint es mal wieder, daß man bewusst Asyl und Einwanderung “vermischt”. Das Recht auf Asyl ist mit politischer oder Flucht aus Kriegsgebieten verbunden. Und dies ist selbverständlich erstmal unbegrenzt. Das Recht auf Einwanderung ist aber kein Menschenrecht, sondern jeder Staat kann sich die Einwanderer aussuchen. Dies mache die klassischen Einwanderungsländer.

        Gruß
        Rudi Knoth

  10. @ Alubehüteter 05.01.2021, 20:37 Uhr

    Ich fürchte, werter „Alubehüteter“ sie sehen zwar die weit entfernte Not von Menschen, die sich zumindest teilweise, ihre Not aus Unwissenheit regelrecht selbst „erkauft“ haben, indem sie ihre Schlepper bezahlt haben. Aber Sie sehen nicht die Not vor unseren Haustüren.

    Unsere Obdachlosen hatten meistens einfach Pech und sind „unter der Brücke“ gelandet. Ich weiß es nicht ob unsere Ratten „freundlicher“ sind als die in Bosnien. Jedenfalls wurden in Deutschland bei der Kälte auf der Straße schlafende Obdachlose angegriffen und sogar angezündet. Parkbänke bei uns, die übrigens im Winter gerne entfernt werden, sind mitunter so gestaltet, dass Bedürftige nicht darauf schlafen können, sie sind gezwungen auf dem Fußboden zu liegen. Europa hat einfach keine Ehre….

    Zitat: „….. gab es die Überlegung, ein Europa, das dies mitangerichtet hat, habe eigentlich doch die Verpflichtung und jedenfalls aber auch locker die Möglichkeit, über die nächsten Jahre bei 500 Millionen Einwohnern jährlich lächerliche 1 Million Flüchtlinge aufzunehmen.“

    Da sind Sie im Irrtum, es gibt keinen „Schlüssel“. Die „Flüchtlinge“ wollen selbstverständlich nicht nach Bulgarien, Rumänien, Polen (das übrigens einen Haufen Ukrainer aufgenommen hat) …. sie wollen natürlich, früher oder später, nach Deutschland, besser gesagt zur „arbeitslosen Sozialhilfe“.
    Ihre „Vorhut“ hat Fotos von den im Voraus ausgezahlten Geldern nach Hause gemailt und dann wollten alle natürlich genau so viel verdienen wie in ihrer Heimat ein Universitätsprofessor. Danach haben sie gerne den Schleppern freudig alles geglaubt und sich ihnen ausgeliefert. Ich würde nicht ein „nützlicher Idiot“ der Schlepper sein wollen und mit diesen zusammenarbeiten.

    Was sich in Grundschulen so alles abspielt, das habe ich schon mit bekommen. Die wenigen „einheimischen Kinder“ müssen praktisch von den Eltern unterrichtet werden und das Niveau ist erschreckend.

    Zitat: „Aber es gibt in Europa viel zu viele Länder vom Stamme Nimm. Die immer nur die Hand aufhalten. Immer nur kassieren, wobei ein nicht geringer Teil abgezweigt wird für korrupte Eliten und deren bucklige Verwandtschaft.“

    Unsere Wirtschaft hat in diesen Ost Länder erfolgreich investiert und z.B. Autofabriken gebaut. Die Menschen sind sehr fleißig und haben sich so angepasst, wie es eben „ausgemacht“ war. Sie sind bereit für ihren Wohlstand schwer zu arbeiten, wie wir nach dem Krieg. Sie arbeiten bei Tönnies und als Erntehelfer, tragen dazu bei dass es in der EU billige Lebensmittel gibt und was mir bei Tönnies besonders imponiert, dass er den Brotkorb, in diesem Fall den „Fleischkorb“, für unsere armen Menschen ganz weit „heruntergeholt“ hat. Die können jetzt auch unter der Woche Fleisch essen wenn sie wollen und nicht nur Gerichte aus billigem Mais, wie in meiner Jugend. Die „Ostleute“ sind bereit, z.B. bei uns auch Reinigungs- und Pflegedienste zu übernehmen, obwohl sie von ihren Familien getrennt sind.

    Sie müssen uns allerdings nicht jeden Unsinn nachmachen.

    Zitat: „Wir haben diesen unseligen Irakkrieg nicht geführt!?“

    Da stimme ich Ihnen zu. Allerdings hatten wir, als „Bündnispartner der USA“, auch keine Chance uns „abzuseilen“.

    Die „Kälte und Herzlosigkeit“ scheint notwendig um bei den Betroffenen Menschen eine realistische Denke zu erreichen. Besonders die Chinesen haben es der ganzen Welt vorgemacht was ein Volk erreichen kann, sofern es fest anpackt.

    Selbstverständlich bin ich auch dafür, mit Syrien und auch allen Staaten die es wollen, fair zu kooperieren. Da wird auch der „Ostblock“ nichts dagegen haben.

    Aber „Flucht und Almosenempfängerei“ ist würdelos, keine Basis für eine grundlegende Entwicklung mit mehr Wohlstand für Alle.

    • @Elektroniker
      06.01.2021, 00:48 Uhr

      Ich fürchte, werter „Alubehüteter“ sie sehen zwar die weit entfernte Not von Menschen … Aber Sie sehen nicht die Not vor unseren Haustüren.

      Unsere Obdachlosen …

      Oft gehört, schon in meinem ehrenamtlichen „3.Welt-Engagement“ als Schüler in den 80ern, dieses „Bei uns gibt es aber doch auch Arme“; selten fand ich das so schräg, nämlich doppelt so schräg wie in der Flüchtlingshilfe.

      Denn der eine Finger, mit dem auf Flüchtlingshelfer gezeigt wird, zeigt ins Leere. Denn woher kommt die tragende Säule der Flüchtlingsarbeit; die, die die Strukturen schon gebildet haben, in die sich die vielen neu hinzugekommenen Ehrenamtlichen einfinden konnten? Weniger aus den Integrations- und Ausländerressorts. Experten sind sowohl der Kirchen wie der Kommunen eben die, die aus der Armen- und insbesondere Obdachlosenarbeit kommen bzw. die, die sich für Menschen in Wohnungsnot einsetzen. Die kennen sich aus und vermitteln in den privaten Wohnungsmarkt; die aber wissen auch, wie man Heime betreibt. Die ersten Flüchtlingsheime in meiner Kommune waren ausgegliederte Obdachlosenunterkünfte. Nur der war qualifiziert für Flüchtlingsarbeit – die vielen Ehrenamtlichen nur Helfer und Zuträger –, der schon jahrelang erfahren war in Fragen der Obdachlosenhilfe. Den behaupteten Widerspruch gibt es nicht.

      Und damit zeigen drei Finger zurück auf die, die auf die heimischen Obdachlosen verweisen. Offensichtlich beginnen sie sich erst, für Obdachlose und Arme zu interessieren, seitdem Fremde denen angeblich die Futterplätze streitig machen. Wie sie sich verdächtig interessieren erst dann für Frauen- und Homosexuellenrechte, wenn hier angeblich eine Religion sich breit macht, die diese bestreiten. (Dazu unbedingt lesenswert „Islam in der Krise“ vom Blogersteller.) Als ob es nicht lange vor den Rechtsradikalen die Frauenhäuser gewesen wären (im Zweifel eher feministisch, links geprägt), die die Zustände und daraus resultierenden Probleme in Flüchtlingsunterkünften kritisiert hätten.

      • Zusammengefasst: Lautet also der Vorwurf „Ihr kümmert euch um alle möglichen Armen aus aller Welt, kümmert euch doch erst einmal um unsere eigenen Leute“, so ist die Antwort: Das tun sie schon längst. Wären sie nicht seit Jahren erfahren und erfolgreich in der Sorge um die eigenen Nächsten, sie wären nicht in der Lage, sich um die Neuzugänge zu bemühen. Daß dies aber die nicht wissen, die aus Angst vor den Fremden erst jetzt diese eigenen Leute entdecken, spricht über sie allerdings Bände.

  11. Zu Elektroniker:
    Da hat man ihnen ja den Mainstream um die Ohren gehauen. Aber ich teile trotzdem ihre Ansichten. Unsere Generation hat ja jetzt gerade wieder mit dem
    ” Wir schaffen das ” gute Erfahrungen gemacht – siehe das Versagen der Politiker bei der Beschaffung von Impfdosen . Früher sind solche Politiker nach solchen Versagen zurückgetreten, heute entschuldigt das der Mainstream so nebenbei . Erinnert mich alles an die DDR. Hatte jemand eine nicht konforme persönliche Meinung in der Presse geäußert, so gab es umgehend staatlich gelenkte Gegenmeinungen, oft von fiktiv erfundenen Personen, die die gewünschte Ideologie transportierten . Ihre Ansichten decken sich im übrigen sehr mit denen von Herrn März (CDU) und
    ich glaube nicht das dieser Herr Lobbyist diese Schlepperindustrie ist.

    • Wie nett von Ihnen, @Pittiplatsch, dass Sie unseren früheren Bundespräsidenten Christian Wulff so rühmen. Denn an die vermeintlich „guten, alten Zeiten“, in denen allerhand Politiker bereitwillig zurückgetreten wären, kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Wollen Sie uns dieses goldene Jahrzehnt mal direkt benennen, oder war es doch wieder nur ein verklärter Streich der Erinnerung? 💁‍♂️

      • @Michael Blume
        06.01.2021, 11:28 Uhr

        An die vermeintlich „guten, alten Zeiten“, in denen allerhand Politiker bereitwillig zurückgetreten wären, kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern.

        Also, ich schon.

        Wobei Andi Scheuer zwar ein betrüblicher Messpunkt ist, wie wenig heute noch Regierende bereit sind, persönliche Verantwortung zu tragen. In diesen Tagen finde ich allerdings absolut unerträglich, einen bekennenden Corona-Verharmloser, der schwere Mitschuld trägt an der Misere, in die Deutschland sehenden Auges hineingefahren ist, an der Spitze ausgerechnet des Gesundheitsministeriums zu wissen. (Hier der O-Ton.)

        Dieser Mann hat schon im Frühjahr verbosselt, genügend gute Schutzmasken zu beschaffen wenigstens für das Gesundheitspersonal. Johannes Pusch, Landrat von Heinsberg, von allen Bundes- und Landesregierungen in Stich gelassen, wußte sich nicht mehr anders zu helfen, als sich in einem Hilfegesuch an Präsident Xi Jinping zu richten. Das mag noch dem Überraschungsmoment verschuldet sein. Aber daß es nach den Sommerferien Reiserückkehrer geben würde, die man besser testen würde, war dann schon nicht mehr so überraschend. Die Äußerungen Anfang September, ein offenes Bekenntnis zu Positionen des moderaten Flügels der Querdenker, deutlich radikaler jedenfalls als die noch diskussionsfähigen Thesen von Streeck, hätten einen umgehenden Rücktritt erforderlich gemacht. Der viel zu späte harte Lockdown jenseits von „nacher ist man immer schlauer“ gefolgt vom Impfdebakel läßt zu fragen, wie viele Menschen dieser Mann noch auf dem Gewissen haben muß, bis er geht. Und läßt keine Antwort mehr zu auf die Frage, wenn man auf keinen Fall an der künftigen Spitze der Union sehen will.

        Aber in wessen Blog kommentiere ich das. Tiefpunkt der politischen Führung ist gegenwärtig ja wohl, selbst NRW-Gebauer noch unterbietend, derzeit die Querdenker711-kuschende Frau Eisenmann.

        • Sehr geehrter @Alubehüteter,

          gegen konstruktive Kritik habe ich nichts einzuwenden, in Ihrem letzten Kommentar sehe ich sie an einigen Stellen überschritten. Allerdings dient dieser Blog nicht partei- oder sogar personalpolitischen Diskussionen. Und da ich auch Landesbeamter bin, bin ich aus m.E. guten Gründen gehalten, mich ein halbes Jahr vor einer Landtagswahl in öffentlichen Äußerungen zur anstehenden Wahl zurück zu halten. An diese sog. #Karenzzeit halte ich mich auch hier auf dem Blog. Denn viel Reichweite bedeutet eben auch viel Verantwortung. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie dies – als anonym Postender – mitbedenken würden.

          Mit freundlichen Grüßen!

        • Zum Begriff Theorie muß ich nachfragen.
          Eine Theorie muß widerlegbar sein…
          Ok.
          Aber… Ich stelle eine Theorie, z.B. zum Verhalten der Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne, auf.
          Jetzt beobachte ich die Erde auf ihrer Umlaufbahn. Stelle Berechnungen an. Stelle Messungen an.
          Und alle Messungen, Beobachtungen, Experimente bestätigen meine Theorie. Auch andere Wissenschaftler überprüfen meine Vorgehensweise und Ergebnisse. Und kommen zu dem Schluß daß es so ist wie ich es anfangs theoretisch vorrausgesagt habe. Jahre, oder Jahrhunderte später kommen Wissenschaftler zu den gleichen Ergebnissen…
          Also konnte die anfängliche Theorie nicht widerlegt werden.
          Auch die Relativitätstheorie wurde bisher nicht widerlegt. Immer wieder wird einem gesagt daß sie stimmt. Sie wurde also nie widerlegt.
          Daher habe ich als wissenschaftlich interessierter, aber dennoch Laie, ein Problem mit der Aussage, eine Theorie muß widerlegbar sein.
          Theorie: Gras ist grün.
          Beobachtung: Gras ist grün.
          Ergebniss: Theorie kann nicht widerlegt werden.

          Oder verstehe ich da etwas falsch?

          • Hallo, @Christian Brolich, auch ich stelle mir – manchmal schon nahe der Verzweiflung 🤯 – imme wieder dieselben Fragen. Nach einiger Beschäftigung mit Popper habe ich immerhin schon ein Zwischenergebnis für mich finden können.
            Wichtig ist wohl die Unterscheidung zwischen zwei Denkansätzen: a) dem Falsifizieren einer Theorie und b) dem lediglich Falsifizierbar-Halten derselben. Letzteres muss ja nicht zwingend zu Ersterem führen.
            Ich denke, Popper ging es in erster Linie darum zu zeigen, dass Wahrheit zwar objektiv, immer aber auch vorläufig und relativ ist. Die Wahrheit, die wir im Erkenntnisprozess realisieren, kann niemals eine endgültig absolute, abgeschlossene, alleingültige, ewige Wahrheit sein. Dies liegt wohl daran, dass unsere Erkenntnis zwangsläufig immer nur fragmentarisch ist, ja nur bruchstückhaft sein kann, da auch sie sich in ständiger Entwicklung befindet. – Andererseits sind aber auch die Einwände von Thomas S. Kuhn nicht von der Hand zu weisen… . 🤓
            Um es mit Effis Vater Briest (Fontane) zu sagen: Es ist eben “ein weites Feld” – ein Feld also, das ebenso wenig mit endgültiger Bestimmtheit zu überschauen und ergründen ist, wie es eine absolute Wahrheit i.S. eines metaphysischen Determinismus gibt…. 📚… .

          • Eine Theorie muß widerlegbar sein…

            Bedeutet eine Theorie muss Aussagen machen, die prinzipiell überprüfbar sind. Ob das heute schon geht oder erst später mit besseren Messungen ist dabei egal.

            “Gras ist grün” steht auf sehr wackeligen Beinen.
            Welches Gras? Frisch, welk oder vertrocknet? Bei welchem Licht? usw. ergo sehr leicht widerlegbar und nur bei sehr engen Randbedingungen gültig.

          • Ich bin mir da auch nicht schlüssig, dazu habe ich den wissenschaftstheoretischen Karl Popper zu wenig gelesen. Meines Erachtens haben wir doch zu tun mit zwei Arten von Falsifizierbarkeit:

            Der Klassiker ist ja der mit den schwarzen Schänen. Ich gehe an einen Teich vorbei, sehe, alle Schwäne sind weiß. Am nächsten Tag gehe ich in den Stadtgarten, auch dort sind alle Schwäne weiß. Eine Woche drauf fahre ich aufs Land an einen See, und siehe, auch dort sind alle Schwäne weiß. Also bilde ich die Theorie: “Alle Schwäne sind weiß.” Die über Jahre auch gültig sein mag, bis mir dann einer ein Foto schickt von einem schwarzen Schwan. Vielleicht glaube ich das noch nicht, aber er hat mir genau den See und das Ufer beschrieben, sogar ein Kreuz auf einer Karte eingezeichnet, ich fahre hin und sehe: Öha, tatsächlich ein schwarzer Schwan. Wer hätte das gedacht.

            Eine Geschichte, an der Popper sich ja abarbeitet, ist dann das Newton’sche Universum. Das ja Jahrhunderte als ehern galt, als die nun gefundene Wahrheit, nach einigen grundlegenden Erkenntnissen: das heliozentrische Weltbild, die Kepler’schen Umlaufbahnen der Planeten … der Rest sind Details. Ob Licht nun als Welle anzusehen ist; dazu bedürfte es eines Mediums im scheinbaren Vakuum, den Äther, oder doch als Teilchen. Wird schon rauszukriegen sein, wird ja aber nicht an den für ewig gehaltenen Fundamenten des Newton’schen Weltbildes rütteln.

            Aber ist das Newton’sche Universum wirklich widerlegt durch Einsteins Relativitätstheorie? Es zeigt sich doch im Wesentlichen als Spezialfall der letzteren, einer, der innerhalb seiner Grenzen nach wie vor gültig ist. Das Newton’sche Universum reicht mir aus zu einer Ballistik, mit denen ich V2-Bomben präzise nach London schießen kann. Erst bei Satelliten in Umlaufbahnen, die GPS-Positionsdaten messen können, muß ich relativistische Effekte mit einberechnen.

            Und wiederum wissen wir ja auch von der Einstein’schen Relativitätstheorie, daß sie keine Ewige Wahrheit ist, sondern nur eine vorläufige, und damit eine relative. Auch sie ist ja ein Sonderfall einer noch umfassenderen Theorie: Denn sie läßt sich nicht in Einklang bringen, nicht zusammenrechnen mit der Quantentheorie. Im Kleinsten scheinen ganz andere Gesetzmäßigkeiten zu gelten als im Größten, was ja aber nicht sein kann: Sie beide werden sich einmal erweisen als wiederum Spezialfälle einer noch viel umfassenderen, der Einheitlichen Welttheorie – Mindestens einer.

            Die Falsifizierbarkeit der Theorie, alle Schwäne seien weiß, scheint mir doch eine andere Qualität zu haben als die Falsifizierbarkeit des Newton’schen Universums. Die Theorie, alle Schwäne seien weiß, ist schlicht falsch. Die Theorie von Christian Drosten zu Beginn letzten Jahres, Mund-Nase-Schutz-Masken helfen nicht gegen Covid-19, hat sich schlicht als falsch erwiesen. Newtons Universum scheint mir … nicht “wahr” zu sein, aber nach wie vor “richtig”. Innerhalb seines Bezugssystems nämlich immer noch gültig.

  12. Alubehüteter,
    “Nach dem Markt sind alle Weiber klug” , sagt der Volksmund. Ich könnte ihr Klagelied auch weiter singen über homeschooling.
    In Zeiten der Krise zeigen sich nun mal die Vor-und Nachteile eines föderativen Systems. Persönliche Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. Das System als Ganzes ist gefordert, und der Wähler ist gefordert.
    Und die Verantwortlichen können nicht die Fachleute aus dem Hut zaubern, die alle Probleme verstehen und lösen können.

  13. @Brolich
    googeln sie mal etwas zu Verifikation und Falsifikation bzw. Fallibilismus.
    Da gibt es gute verständliche Erklärungen.

  14. Brolich,
    bei dem Wort Theorie geht es in der Umgangssprache um eine Vorstellung, die auch ein Ablaufdatum haben kann. Und es schadet dem Wort Theorie auch nicht, wenn sich unsere Vorstellung ändert.
    In den Naturwissenschaften ist eine Theorie eine Modellvorstellung, mit Maßeinheiten und Formeln zu ihrer Berechnung. Sie ist zu unterscheiden von einer Hypothese, die mehr in Richtung Annahme geht, die noch nicht vollständig verstanden und berechnet werden konnte.
    Theorien werden ständig verfeinert und verbessert, weil die notwendigen Messgeräte immer genauer werden.
    Eine überholte Theorie ist in diesem Sinne weder falsch noch richtig, sie bleibt gültig, wenn die Messergebnisse immer noch die erforderlichen Ergebnisse liefert. Z. B. Die Newtonsche Physik , die für die Praxis immer noch gültige Ergebnisse liefert.
    Jetzt reden alle von der Einsteinschen Physik. Die liefert genauere Ergebnisse , überall dort, wo es ums sehr hohe Geschwindigkeiten geht.

    Und , man muss sich das immer bewusst machen, eine Theorie benützt eine Modellvorstellung der Wirklichkeit.
    Jetzt zu Ihrem Beispiel mit dem Gras. Gras ist nicht grün. Gras absorbiert alle Farben außer grün.
    Wir sagen nur vereinfachend; Gras ist grün.
    Wenn das Licht, kein Grün enthält, z. B. In einem Tunnel , dass von orangefarbenen Strahlern beleuchtet wird, dann sehen sie das Gras in einer anderen Farbe. Probieren Sie es mal mit einem grünen Ball aus, den sie mitnehmen, wenn sie durch ein Tunnel fahren. Sie werden sich wundern.

  15. @Christian Brolich 09.01 19:33

    Die Aussagen einer neuen Theorie kann man natürlich am Besten prüfen, wenn sie neue Voraussagen macht, die dann im Experiment bestätigt werden können. Gerade wenn dieser Test dann doch negativ ausfällt, wäre die Theorie damit nicht bestätigt. Die Möglichkeit der Falsifikation stützt die Theorie, natürlich nicht, wenn sie tatsächlich falsifiziert wurde.

    Genau das ist ja mit Einsteins Relativitätstheorie passiert. Sie hat vorausgesagt, dass das Licht von Sternen, das nah an der Sonne vorbeizieht, von dem Schwerefeld der Sonne ein wenig abgelenkt würde. Dies hat man dann bei der nächsten Sonnenfinsternis tatsächlich messen können. Und so ist aus einer eigentlich kuriosen Theorie, an die kaum jemand glauben wollte, mit einem Schlag was Ernstzunehmendes geworden.

    Wenn eine neue Theorie nur altbekannte Messungen neu erklärt, ist das auch schon interessant, aber neue Voraussagen, die auch irgendwann mal nachprüfbar werden könnten, machen da gleich viel mehr draus. Und erst wenn die dann tatsächlich mit positivem Ergebnis stattgefunden haben, gilt eine Theorie als deutlich besser gesichert.

    Manche Theorien bzw. Hypothesen, die Sachverhalte betreffen, die wohl nie durch Beobachtungen gestützt bzw. falsifiziert werden können, sind dennoch interessant. Zumal vielleicht neue Erkenntnisse oder Messverfahren aus einer alten, als unüberprüfbar geltende Hypothese dann doch noch eine veritable Theorie machen können, falls man hier doch noch entsprechende Experimente machen kann.

    So hielt man Gravitationswellen zu Einsteins Zeiten für niemals messbar, allerdings hat man es inzwischen doch geschafft, welche zu messen. Und sich damit nebenbei ein neues Fenster zur Beobachtung des Weltalls geöffnet.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass man manche als unüberprüfbar geltende Hypothese doch als praktisch nützliche Fiktion behandeln kann, und man sich persönlich dazu entschließen kann, sie als möglicherweise doch zutreffend zu behandeln. Das nennt man dann auch Glauben.

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