Von Gottes Liebe getragen – Bemerkenswertes Gemeinsames Wort von ACK und Islamischen Religionsgemeinschaften in Baden-Württemberg

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Können Dialog und Begegnung inmitten eines Klimas von Ängsten, Terror und Neo-Nationalismus gedeihen? Können sich islamische Religionsgemeinschaften in Deutschland überhaupt selbst artikulieren, oder fehlt es ihnen noch immer an sachkundigem Personal, werden sie aus den Herkunftsstaaten “ferngesteuert”? Beten Christen und Muslime nach ihrem jeweiligen Selbstverständnis zum selben “Gott”?

Angesichts dieser sicher nachvollziehbaren Fragen möchte ich auf ein bemerkenswertes Dokument hinweisen, das christliche und islamische Gelehrte in der Fachgruppe “Begegnung mit dem Islam” der ACK in Baden-Württemberg bis zum März 2016 gemeinsam erarbeitet und einer Landespressekonferenz vorgestellt haben. Die Katholische Nachrichtenagentur KNA veröffentlichte den Text und gab ihm – zitierend – den Titel “Von Gottes Liebe getragen”.

Unter anderem heißt es darin:

Christen und Muslime wissen sich je auf ihre Weise von der Liebe Gottes getragen – und der Liebe zu Gott und den Menschen verpflichtet.

Wenn sie sich darauf besinnen, können sie – gemeinsam – einen Beitrag leisten zur Linderung von Flüchtlingsnot, zur Überwindung von Ungerechtigkeit und Krieg, Unbarmherzigkeit und Gewalt.
Sie können aus den innersten Motiven und Kräften ihres Glaubens heraus gemeinsam mithelfen bei der Lösung von zwischenmenschlichen Konflikten, aber auch von gesellschaftlichen oder globalen Krisen.
 
Dazu verpflichten wir uns mit diesem Gemeinsamen Wort. Wir rufen Muslime und Christen auf, sich zum gemeinsamen Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit herausfordern zu lassen.”
Den ganzen Text – auch mit der Liste der unterzeichnenden Kirchen und islamischen Verbände – können Sie hier als pdf herunterladen.

ACKIslamGemeinsamesWort062016
Sicher: Solche Texte können nur soviel Wirkung erzielen, wie sie überhaupt wahrgenommen, bedacht und diskutiert werden. Andererseits ist die geringe Medienresonanz auf das “Gemeinsame Wort” natürlich auch ein trauriges Beispiel dafür, wie leicht es Terroristen mit der Verbreitung ihrer hasserfüllten “Botschaften” haben – und wie schwer sich dagegen Basisgemeinden und Friedensarbeit tun. Anstatt darüber aber nur zu klagen, nutze ich diesen Blog gerne, um auf ein kleines, großes Dokument des Dialoges hinzuweisen…
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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

1 Kommentar

  1. Einige Aussagen stören, hier, bspw. diese:

    Wir wissen gemeinsam um Gewalt und Aggression. Wir sehen die Aufgabe und auch die Schwierigkeiten der Religionsgemeinschaften, damit umzugehen, weisen aber die Unterstellung zurück, die Religionen selbst seien für Gewalt und Aggression verantwortlich.

    Wenn Gewalt von Religionen ausgeht, entsteht Verantwortlichkeit derselben.
    Oder?
    Wer wäre ansonsten verantwortlich?
    Oder ist implizit behauptet worden, dass von Religionen per se keine Gewalt ausgeht?

    MFG
    Dr. Webbaer

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