Von Alphabet bis Genderstern – Antisemitismus und Lesen von Goethe bis Landesbibliothek

Einen wunderbaren Widerspruch erlebe ich sehr häufig, auch in diesen Tagen: Vor allem eher autoritär gestrickte Männer lassen mich in wütendem Ton wissen, dass Arten des Schreibens völlig unerheblich seien – und toben zugleich, wie ich es wagen könne, “zu gendern”. Dabei verwende ich den Genderstern eigentlich gar nicht und empfinde zum Beispiel die Schreibweise Jüd*innen als unschön. Stattdessen schreibe ich von Jüdinnen und Juden und verwende allenfalls dort, wo es Sinn macht (etwa auf Twitter) den Doppelpunkt: Christ:innen, Humanist:innen.

Doch in einem Beitrag für die neue “das goethe 01/2021” über Antisemitismus in der deutschen Sprache – dessen Honorar ich einer zivilgesellschaftlichen Initiative gespendet habe – wurde mein Text auch mit Gendersternchen versehen. Eine Folge: Wütende Empörung, klar.

Dabei liegt eine feine Ironie darin, dass ich auch in dem o.g. Text die auch emotionale Wirkung von Schriftzeichen selbst gar nicht leugne, sondern ausdrücklich betone! So interagiert unsere Psyche direkt mit Medien – erst auf dieser Grundlage prägen wir Mythologien und Theorien, Religionen und Weltanschauungen aus.

Auch deswegen möchte ich neue Schreib- und Zeichenvarianten weder verbieten noch vorschreiben – ich betrachte sie als Teil der normalen, kulturellen Evolution, die unter Menschen seit jeher immer wieder neu ausprobiert und ausgehandelt werden. So hat sich auch die deutsche Schriftsprache immer wieder geändert und wird sich auch immer wieder ändern – das ist in jeder lebendigen und einigermaßen freiheitlichen Gesellschaft der Fall.

Die Alphabete von Shem und Japheth

Am 18.05.2021 konnte ich in einem Vortrag bei der Württembergischen Landesbibliothek zum Thema “Lesen” einmal ausführlicher vorstellen, wie die semitischen, vokalarmen und linksläufigen Alphabete des Hebräischen, Aramäischen und Arabischen einerseits und die japhetitischen, vokalisierten und rechtsläufigen Alphabete des Griechischen und dann Westlichen ganz unterschiedliche Empfindungen, Religionen und Weltanschauungen hervorbrachten. Entsprechend lässt sich medienpsychologisch zwischen Semitismus und Japhetismus sehr gut unterscheiden sowie dessen Verbindung im Christentum besser nachvollziehen.

Dies Bedeutung der Medien und insbesondere der Alphabetschriften wird auch ein Schwerpunkt meines kommenden Buches über die Krise des Christentums (September 2021) sein. Denn jede menschliche Psychologie ist immer auch Medienpsychologie.

 

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

67 Kommentare

  1. “Auch deswegen möchte ich neue Schreib- und Zeichenvarianten weder verbieten noch vorschreiben – ich betrachte sie als Teil der normalen, kulturellen Evolution, die unter Menschen seit jeher immer wieder neu ausprobiert und ausgehandelt werden.”

    Im Augenblick wird aber durch Leitfäden vor allem an Universitäten ein gewisser sozialer Druck ausgeübt, das “-*Innen” zu verwenden.

    Bei relevanten Stellen sind Doppelungen sicherlich sinnvoll (Stellenangebote), eine pauschale Ersetzung des generischen Maskulins sehe ich nicht als sinnvoll an und scheint mir auch nicht gut begründet zu sein.

    Hier gibt es einen interessanten Vortrag an der WU Wien zum Gendern:

    https://www.youtube.com/watch?v=ThK0UjdPELM

    Ein Bekannter meinte, diese Form wird sich nicht durchsetzen, weil sie der Sprachökonomie widerspricht.

    • Wie geschrieben, @Paul Stefan: Mir erscheinen weder zwingende Ge- noch Verbote sinnvoll zu sein. Kulturelle Evolution bedeutet, dass auch sprachlich verschiedene Varianten ausprobiert und ggf. übernommen oder verworfen werden. So benutze ich beispielsweise persönlich den Genderstern nicht, habe aber kein Problem, wenn dies einige meiner Studierenden oder das Goethe-Magazin tun. Das Binnen-I habe ich einige Male ausprobiert, fühle mich aber nicht wohl damit, der Doppelpunkt macht m.E. manchmal Sinn. Sowohl ein Zwang wie auch ein Verbot bestimmter Varianten würden m.E. nur schaden und die Debatten unnötig polarisieren. Wo es in meiner Macht steht, werde ich – gerade auch in Kenntnis der enormen Wirkungen von Medienpsychologie – immer für einen vernünftigen und dialogischen Mittelweg in Freiheit und Vielfalt einstehen.

  2. Die 5 Millionen Norweger leisten sich 2 offizielle Sprach- und Schreibvarianten (+ 2 inoffizielle), da werden es doch 80 Millionen Deutsche hinkriegen unterschiedliche Schreibvarianten zu ertragen, mit und ohne *:@😠 (und vielleicht ohne ß)

  3. Mit Schmunzeln beobachte ich aktuell die praktischen Auswirkungen vom ´gendern´:

    CDU und CSU stritten sich tagelang, wer denn Kanzlerkandidat werden soll. Als die Grünen vorgemacht haben, dass man sich höflich in einem Gespräch einigen kann – gab es auch bei CDU/CSU eine Einigung.
    – Hier zeigt sich, wie positiv sich höfliche Umgangsformen als Vorbild auf andere auswirken

    Die CSU hat für die Bundestagswahl eine paritätisch besetzte Wahlliste angekündigt – wo sich Frauen und Männer abwechseln.
    – Es ist toll, dass endlich auch auf Wahllisten erkennbar wird, dass die Hälfte der Bevölkerung weiblich sind.

  4. Unabhängig von der Frage, ob das generische Maskulinum nicht einfach mal vollumfänglich erklärt werden sollte, unabhängig davon, ob nun Jemand seinen Lesefluß gestört fühlt: Wenn sprachliche Idiotien dabei herauskommen, ist bei mir Schluß. Das von Ihnen angeführte Beispiel steht sinnbildlich für viele: Jüd*innen umfasst nur Frauen und alle Menschen, die sich weder als Frau noch als Mann identifizieren. Männer kommen weder im Plural noch im Singular vor. Korrekt müsste also geschrieben werden: Jü/ud*inn/en. Ernst Jandl lässt grüßen.
    Ausgesprochen hingegen klingt das Gendersternchen nach Schluckauf.

    Wenn dann noch – gerade im universitären Bereich je nach Studienfach – gegendert wird obgleich es überhaupt keinen Sinn hat (z.B. wenn von Komponist*innen des 15. Jh. geschrieben wird. Man ist froh, wenn man eine einzelne Person zuordnen kann, das Geschlecht ist da wurscht.) und bei Nichtbeachtung sogar Punktabzüge drohen und damit auf gleicher Stufe stehen wie inhaltlich, methodisch, fachlich schlechte/falsche Arbeit, dann gute Nacht.

    Es ist eine Scheindiskussion, die wesentliche Aspekte der Gleichstellung – v.a. der Gleichstellung in den Köpfen – verhindert und verschleiert.

    • Klar, @Maria Dahmen – doch zwischen „alle Entwicklungen vorschreiben“ und „alle Entwicklungen verbieten“ bleibt doch genügend Raum: Freiheit zulassen, Ausprobieren & Diskutieren, Akzeptieren oder Verwerfen.

      Ich schreibe meinen Studierenden den Genderstern weder vor noch verbiete ich ihn. Ein bewusster und wissenschaftlich orientierter (also möglichst präziser) Sprachgebrauch wird von mir anerkannt.

  5. Mich beschäftigt bis heute, wie mich Anfang der 90er mal eine feministische Krankenpflegerin zusammengefaltet hat.

    Sie sei keine Krankenpflegerin. Sie sei eine Krankenschwester.

    Der Beruf habe schon immer -schwester geheißen. Ursprünglich, weil er tatsächlich von Schwestern, also Nonnen ausgeübt wurde. Später, weil es nicht mehr nur Nonnen, aber immer noch ausschließlich Frauen gewesen seien.

    Und jetzt auf einmal würden auch neuerdings Männer den Beruf ausüben. Sehr vereinzelt, weil er immer noch weiblich assoziiert, vor allem aber, weil er immer noch hoffnungslos unterbezahlt sei. Aber wenn sich Ärztinnen als „Ärzte“ mitgemeint fühlen sollen und Verwaltungsdirektorinnen als Verwaltungsdirektoren, würden sich Männer mit dem generisch berechtigten Femininum „Krankenschwester“ nicht angesprochen fühlen. Da, wo sie, gering genug, in eine Frauendomäne einbrächen, wäre es das Selbstverständlichste, was Frauen im umgekehrten Fall verwehrt würde, nämlich, daß sich die sprachlichen Spielregeln ändern. Im nächsten Schritt würden dann aus Krankenschwestern „Krankenpflegerinnen“. Und sollen sich im übernächsten Schritt vom generischen Maskulinum „Krankenpfleger“ mitangesprochen fühlen. Obwohl Männer in diesem Beruf nach wie vor in der absoluten Minderheit seien.

    Habe ich bis heute nicht wechseln können. Da hatte sie einen Punkt.

    • Spannende Beobachtung. Ich hatte diese Berufsbezeichnung tatsächlich vom religiösen Hintergrund her gesehen, aber diesen Sprachwechsel noch gar nicht bewusst angeschaut. 🤔 Danke, @Alibehüteter! 👍✅

    • Da sind uns die Dänen voraus, ein Krankenpfleger ist in DK ein(e) Krankenschwester (Sygeplejersker), eine Krankenschwester ist eine Sygeplejersker. Ein Bekannter, der Krankenpfleger ist und in DK als Krankenschwester arbeitet, sagt, dass er sich als Krankenschwester sehr wohl fühlt.
      Mir persönlich stört bei Radiosendungen der Schluckauf beim gendern, beim Lesen habe ich kein Problem mit den verschiedenen Varianten.

  6. Dabei verwende ich den Genderstern eigentlich gar nicht und empfinde zum Beispiel die Schreibweise Jüd*innen als unschön. Stattdessen schreibe ich von Jüdinnen und Juden und verwende allenfalls dort, wo es Sinn macht (etwa auf Twitter) den Doppelpunkt: Christ:innen, Humanist:innen. [Michael Blume, Artikeltext]

    Cooler wäre womöglich diese Schreibweise :

    ‘Christ(inn)en ‘ und ‘Humanist(inn)en’


    Der Genderstern mit dem Symbol “Loch”-Symbol (sexuell annoncierend?) oder eben mit dem “Stern” sieht nicht gut aus, der Doppelpunkt wirkt weniger affektiert und leistet ähnlich.
    Runde Klammern wären womöglich besser lesbar, aber auch schwieriger, haha, zu setzen.


    Wobei in der deutschen Sprache das Genus nicht den Sexus meint, insofern Christen oder Humanisten auch weiblich sein können.

    Die Doppelnennung ist ebenfalls nicht ganz unproblematisch denn die Anrede “Liebe Bürger!” meint ja alle Bürger, wobei die Adressaten-Benennung mit bspw. ‘Jüdinnen und Juden’ vielleicht am besten geht.

    Derartige Doppelnennung würde Dr. Webbaer, anders als das mit dem Genderstern oder mit dem Binnen-Doppelpunkt oder mit dem Binnen-I, auch nicht “Gendern” nennen wollen, sondern direkt möglichen Gebrauch von deutscher Sprache.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

    • Lieber Webbaer,

      ja, im Sprechen verwende ich gerne die „und“-Form (Liebe Lehrerinnen und Lehrer), bei Aufzählungen wechsele ich auch einfach gerne (…Journalistinnen, Ärzte und Politikerinnen…). Den Doppelpunkt verwende ich gerne bei eingeschränktem Platz (z.B. auf Twitter), weil er aus der Blindenschrift stammt und auf mich weniger bestimmend wirkt als das BinnenI oder der Genderstern. Ich liebe Sprache und bemühe mich um Präzision, gleichzeitig aber auch um Fluss und Klang. Es ist ein Erproben und „Schmecken“, das ich gerne auch diskutiere, aber mir von niemandem vorschreiben lasse… 💁‍♂️

      Ihnen Dank für Ihre hierzu konstruktiven Gedanken!

      • Sehr lieb, Herr Dr. Michael Blume, klar, die runden Klammern können ebenfalls nicht gesprochen werden, nicht sinnhaft, denn so würde ein unpassendes generisches Femininum herauskommen.
        Dr. Webbaer findet es sehr gut, dass Sie sich hier Gedanken (u.a. auch zum “Kurzweblog Twitter”) machen, und wünsche Ihnen in Ihrem Amt, aber auch sonst so, weiterhin viel Erfolg.
        Hat bei Ihnen einiges gelernt, auch im Negativen, natürlich.

        MFG
        WB

        • Oh – wie furchtbar, @Webbaer – die Klammern wären nicht zu hören und es würde “ein unpassendes generisches Femininum herauskommen”. Da steht doch dem einen oder anderen “old wise – sorry white – man” sofort der Angstschweiß auf der Stirn.
          Jahrhundertelang mussten sich Frauen in der maskulinen Bezeichnung irgendwie mit enthalten fühlen, was letztlich in der grammatikalischen Lesart schon offenkundig unsinnig ist. Umgekehrt aber enthält die weibliche Bezeichnung – z.B. “Leserin” – durchaus auch den männlichen “Leser”.
          Den nahezu in Panikattacken ausbrechenden “Gender”-Gegnern (hier ist wohl die weibliche Form ausnahmsweise mal vernachlässigbar) ist daher entgegenzuhalten, dass sie selbst es waren und sind, die schon immer – allerdings in ausschließlich maskuliner Form – gegendert haben.

          Auch Ihr spezieller Stil des Illeismus ist übrigens ein Beispiel dafür, enthält er doch das lateinische Pronomen “ille” ( = “jener”, vulgärlateinisch “er”, vgl. hierzu nur Wikipedia). 😉

          Zwar mag es eine “Geschmacksfrage” sein, w i e die Gleichberechtigung nun endlich auch in die Sprache Einzug halten soll, über das lange überfällige O b muss doch aber endlich Einigkeit bestehen.
          Den Klammerzusatz halte ich in diesem Sinne für ungeeignet. Denn in Klammern werden doch meist Zusätze und Nachträge gesetzt. Das erinnert doch sehr an die biblische Geschichte der Eva, die aus einer Rippe Adams geschaffen sein solle, also lediglich nach dessen Vorlage und damit nachrangig und zweitklassig, sozusagen als “Klammerzusatz”, womit die ewige Subordination der Frau hartnäckig “gerechtfertigt” wurde und leider teilweise noch immer wird.
          Auch ich finde, beide Geschlechter sollten möglichst beide genannt werden – so viel Zeit darf und muss einfach sein.
          Auch der Doppelpunkt wird laut Duden immer schon als Beziehungszeichen gebraucht, u.a. im Sinne von “und”, ist also durchaus auch eine Alternative, wenn`s im Text mal eng wird.
          Wichtig ist, dass beide Bezeichnungen auf demselben Level erfolgen und nicht eine neue benachteiligende Rangfolge eröffnen.
          So ärgere ich mich bspw. jedesmal beim Ausfüllen eines Online-Mahnantrages, in dem ich mich als prozessführungsbevollmächtigt legitimieren muss.
          Dort lässt sich ein Fenster wie folgt öffnen:
          “Rechtsanwalt
          Rechtsanwälte
          Rechtsbeistand
          Rechtsanwältin
          Rechtsanwältinnen”
          Frauen dieser Berufsgruppe dürfen ihr Kreuzchen also erst ganz unten machen. Selbst der “Rechtsbeistand”, der nicht einmal eine spezielle Qualifikation – nicht jedenfalls zwei hart verdiente juristische Staatsexamina – verlangt, wird hier vorgezogen.
          Es gibt also noch viel zu tun. ;-(

          • @ Kommentatorenfreundin ‘Sandy’ und hierzu kurz :

            Oh – wie furchtbar, @Webbaer – die Klammern wären nicht zu hören und es würde “ein unpassendes generisches Femininum herauskommen”. Da steht doch dem einen oder anderen “old wise – sorry white – man” sofort der Angstschweiß auf der Stirn.

            Generische Feminina sind iO, bspw. ‘die Fachkraft’, ‘die Kapazität’ oder ‘die Tröte’ (als Herabsetzung gemeint, auch eine bildlich gesprochene Tröte kann biologisch feststellbar männlich sein).

            Was nicht so cool ist, ist eine bereits sexusmarkierte Bezeichnung generisch zu verwenden :
            ‘Physikerinnen’ geht beispielsweise insofern nicht gut.
            Denn es kann sich gefragt werden, wie diese feminine Sexusmarkierung mit dem biologisch feststellbaren männlichen Geschlecht auskommt, Antwort : gar nicht.

            Kennen Sie die Sexusmarkierung mit ‘(e)-rich’?
            Die geht so :
            ‘Mäuserich’, ‘Kater’ (auf die Suffix ‘-ich’ ist hier verzichtet worden), ‘Enterich’, ‘Gänserich’ und so weiter.

            Tatsächlich wird in der deutschen Sprache die männliche Sexusmarkierung sehr selten verwendet, was als diskriminierend aufgefasst werden kann.

            Mit freundlichen Grüßen
            Dr. Webbaer (der in diesem Zusammenhang keine spekulative Benennung von Hautfarben benötigt, abär darauf nicht herumreiten wird)

          • Danke, @Webbaer, das Ding mit der Tröte kann ich erfahrungsgemäß nur unterschreiben… 😉
            Der Vergleich mit dem “Kater” hinkt jedoch – nix für ungut – evident.
            Auch Marie Curie würde sich wohl stellvertretend post mortem bei Ihnen für die Wertschätzung aller Physikerinnen bedanken.
            Letztlich wünsche ich Ihnen – mit einem semantischen Gruß auch von Erpelin, Ganterin & Co. – ein sonniges Wochenende mit hoffentlich nicht allzuviel (Angst-)Schweiß angesichts immer bedrohlich werdender weiblicher Emanzipation.

  7. @Michael Blume

    Ihr goethe.de Link beschert mir leider nur ein “Page not found”.

    Eigentlich hatte ich aber fragen wollen, aus welchen linguistischen Quellen Sie bei der genannten Typologie `semitisch’ vs. `japhetitisch’ für Alphabete schöpfen. Könnten Sie dazu hier noch ein paar Angaben zur Fachliteratur machen?

    Danke vorab!

    • Lieber @Chrys,

      die namentliche Aufteilung der Alphabete findet sich u.a. schon im Talmud, Megillah 9b, hier in Englisch:

      The mishna cites that Rabban Shimon ben Gamliel says: Even with regard to Torah scrolls, the Sages permitted them to be written only in Greek. Rabbi Abbahu said that Rabbi Yoḥanan said: The halakha is in accordance with the opinion of Rabban Shimon ben Gamliel. And Rabbi Yoḥanan said: What is the reason for the opinion of Rabban Shimon ben Gamliel? He based his opinion on an allusion in the Torah, as the verse states: “God shall enlarge Japheth, and He shall dwell in the tents of Shem” (Genesis 9:27), indicating that the words of Japheth shall be in the tents of Shem. The language of Javan, who is the forbear of the Greek nation and one of the descendants of Japheth, will also serve as a sacred language in the tents of Shem, where Torah is studied.

      https://www.sefaria.org/Megillah.9b?lang=bi

      Ob die deutsche Übersetzung auch schon auf talmud.de steht? 💁‍♂️📚✅

      • Die Übersetzung ist auf Talmud.de verfügbar:
        https://www.talmud.de/tlmd/talmud-uebersetzung/megilla/megilla-kapitel-1/#blatt-9b

        Allerdings ist die Übersetzung nicht so recht passend, für die oben genannte Übersetzung auf Englisch!?

        R. ŠIMON B. GAMLIÉL SAGT, AUCH DIE BÜCHER HABE MAN NUR GRIECIHISCH ZU SCHREIBEN ERLAUBT. R. Abahu sagte im Namen R. Joḥanans: Die Halakha ist wie R. Šimo͑n b. Gamliél. Ferner sagte R. Joḥanan: Folgendes ist der Grund des R. Šimo͑n b. Gamliél: die Schrift sagt: Schönheit schaffe Gott für Japheth und er wohne in den Zelten Šems; die Sprache Japheths sei in den Zelten Šems zu finden.
        Vielleicht die Sprachen Gomers und Magogs!? R. Ḥija b. Abba erwiderte: Aus folgendem Grunde: es heißt: Schönheit schaffe Gott für Japheth; das Schönste Japheths sei in den Zelten Šems zu finden.

        • Vielen Dank, @einer! 💁‍♂️👍✅

          Der Japheth-Sohn Gomer wurde später übrigens mit Germanija verbunden, dessen Sohn (Japhets Enkel) Aschkenas wurde zur Bezeichnung der „deutschsprachigen“ Regionen nördlich der Alpen und zur Selbstbezeichnung des aschkenasischen Judentums…

          Das Ganze ist doch super-spannend, oder? 💁‍♂️📚🤓

  8. @Michael Blume / 15.06.2021, 21:43 Uhr

    Nochmals vielen Dank. Ich hatte gewisse Schwierigkeiten, das einzuordnen; meine (eher bescheidenen) Quellen zu Writing Systems waren dazu nicht ergiebig. Via Google Scholar habe ich jetzt doch noch etwas gefunden (Open Access):

    Trautmann-Waller, C. (2017). Semites and Semitism: From Philology to the Language of Myth. Philological Encounters, 2(3-4), 346-367. DOI: 10.1163/24519197-12340032

    Die Autorin schreibt da (Hervohebungen im Text):

    August Ludwig Schlözer is said to have been the first to use the term “Semitic.”⁷ In his article “About the Chaldeans” (Von den Chaldäern), published in Johann Gottfried Eichhorn’s Repertorium für biblische und morgenländische Litteratur, he spoke of “a Semitic and a Japhetic family of languages” (“semitische” und ”japhetische” Sprachfamilie),⁸ thus combining Biblical genealogy and Leibniziano-Linnean linguistic classification.

    Habe das einstweilen alles nur in Eile überflogen. Passt das so ungefähr zu Ihrem Kontext?

    • Einigermaßen, @Chrys. Mir geht es jedoch nicht um semitische und japhetitische Sprachen (da bin ich eher skeptisch), sondern um die beiden Alphabetschrift-Traditionen. Vgl. Talmud oder auch, sehr eindrucksvoll inklusive Schreibrichtung, Rabbi Lord Jonathan Sacks.

  9. @Michael Blume / 16.06.2021, 15:29 Uhr

    Die Griechen hatten ursprünglich von den Phoeniziern nicht nur deren (semitisches) Alphabet, sondern auch die Schreibrichtung von rechts nach links übernommen. Die Inkorporation von alphabetischen Vokalen sowie die Umkehrung der Schreibrichtung waren dann genuin griechische Anpassungen oder Entwicklungen, ohne Bezug auf biblische Traditionen.

    Wenn Sie nun das griechische Alphabet — wie im obigen Text — als `japhetitisch‘ klassifizieren, dann scheint mir das nicht so ganz zur gängigen Terminologie zu passen. Als modernen linguistischen Fachbegriff kann ich `japhetisch‘ o.ä. nicht finden. Was an meiner vielleicht zu flüchtigen Suche liegen könnte — aber deswegen hatte ich dann ja gefragt, worauf Sie sich dabei stützen.

    • Lieber @Chrys,

      tatsächlich gab es im Griechischen sogar eine Zwischenphase des Boustrophedon (wie der Ochse pflügt).

      Und, ja, verschiedene Wissenschaftsdisziplinen haben gerade auch jüdische Aussagen ignoriert oder gar aktiv negiert. Das stelle ich, wo nötig, gerne in Frage. So auch hier.

      Herzliche Grüße 🖖

      • Boustrophedon

        Von links nach rechts schreiben, nächste Zeile von rechts nach links, übernächste Zeile wieder von links …

        Bislang hatte ich Sie völlig anders verstanden. Sie docken, so dachte ich, bewußt jenseits, abseits der Wissenschaft an an jüdische Erzählungen/Mythen, durchaus auch sehr späten. Das war ein immens wichtiger Schritt der Wissenschaften, das Buch Genesis nicht mehr länger als mehr oder zumindest weniger verläßliche historische Urkunde anzusehen (Ur-Kunde). Begriffe wie „japhetisch“ für die Wissenschaften nicht mehr zu verwenden, auch nicht mehr hebräisch als Ursprache der Menschheit anzusehen. Für den Begriff „semitisch“ war das leider schon zu spät, den hat man nicht mehr eingefangen gekriegt.

        Was vergleichende Sprachwissenschaften angeht, die sind im Wesentlichen für unsere Weltgegend durchdiskutiert, da wird sich nichts grundlegend Neues mehr ergeben. Auch nicht, und schon gerade nicht aus jüdischer Perspektive, mit der man ja – Buch Genesis – gestartet war, und die sich für die Wissenschaften als unbrauchbar erwies.

        @Chrys Es liegt nicht an zu flüchtiger Suche. Der Begriff „japhetisch“ ist für die Sprachwissenschaften von Anfang an durch. „Indogermanisch“ bzw. „indoeuropäisch“ finden wir seit den Tagen eines William Jones und Franz Bopp. „Arisch“ bzw. „alt-arisch“ waren mal angedacht, sind aber durch den englischen Rassismus mißbraucht/unbrauchbar. Im Amerikanischen finden wir noch die „caucasian Race“, das muß ein altes Artefakt sein.

        • Stimmt auch so, @Alubehüteter. Selbstverständlich lagen heutige Erkenntnisse der Hirnforschung etwa zur neuronalen Verarbeitung von Schriften noch nicht vor, stattdessen wurde es mythologisch gedeutet und verdichtet. Deswegen nenne ich die mythologischen Bezeichnungen auch stets zusammen mit anderen, empirisch beobachtbaren Eigenschaften wie der Schriftrichtung. Eine wörtliche Lesart von Mythen ist mir wissenschaftlich fremd, eine Verachtung oder gar Verhöhnung gewachsener Traditionen aber auch.

        • @Alubehüteter / 17.06.2021, 19:22 Uhr

          `Japhetisch’ war in der Tat von Leibniz als linguistische Bezeichnung eingeführt worden, C. Trautmann-Waller verweist dazu auf Vermeulen (2012). Dort zeigt Tabelle 1 einen “Stammbaum der Sprachen” nach Leibniz (1710). Schlözer hatte das anscheinend übernommen und dabei dann Leibnizens `Aramäisch’ durch `Semitisch’ ersetzt.

          Es sagt uns sicherlich einiges über den kulturellen Hintergrund von Leibniz und Schlözer, dass hier biblisch-mythische Gestalten zwecks (metaphorischer) Bezeichnung herangezogen wurden. Die Wahl dieser Bezeichnungen impliziert logisch allerdings nicht, dass im biblischen Mythos tiefere Weisheiten über das Bezeichnete verborgen sein müssten — noch, dass einer der beiden Genannten tatsächlich so etwas gegelaubt hätte.

          »Das war ein immens wichtiger Schritt der Wissenschaften, das Buch Genesis nicht mehr länger als mehr oder zumindest weniger verläßliche historische Urkunde anzusehen (Ur-Kunde). Begriffe wie „japhetisch” für die Wissenschaften nicht mehr zu verwenden, auch nicht mehr hebräisch als Ursprache der Menschheit anzusehen.«

          Stimmt absolut, das sehe ich ganz genauso.

          • Klar, aber „semitische Sprachen“ und „Indogermanen“ waren und sind z.T. bis heute okay. Erst wenn es um die Wahrnehmung und Aufwertung auch jüdischer Traditionen geht wird es plötzlich „problematisch“. Überrascht mich nicht (enttäuschend ist es aber doch)…

          • „Semitische Sprachen“ finde ich nicht o.k., hat sich aber nun mal eingeprägt. Wird angesichts der Tonnen etablierter Fachliteratur nur noch schwer zurück zu holen sein; man wird das nicht alles neudrucken können, was unbedingt gebraucht wird. Ansonsten haben Mythen in Wissenschaften so wenig zu suchen wie umgekehrt. „Japhetische Alphabete“, was soll das denn sein? Im mythischen Bauchgefühl ist das klar: Das, was die Bleichgesichter im Mittelmeerraum so schreiben, also Griechen und Römer. Schon historisch schon nur im Mittelmeerraum stimmt das nicht: Die Hethiter schrieben semitische Keilschrift.

          • Schade, dass Sie die Definitionen trotz Text und Vortrag nicht verstehen wollen, @Alubehüteter. Erst die maßlose Häme gegen Karl Popper und nun diese Blockade. Da habe ich bei Ihnen offensichtlich Ungutes getriggert und schließe diese Diskussion jetzt lieber. Vielleicht wollen Sie sich lieber andere Internetforen suchen?

            Heidegger wirkt samt Platonismus und Verachtung offensichtlich doch länger nach… 💁‍♂️

          • Erst wenn es um die Wahrnehmung und Aufwertung auch jüdischer Traditionen geht

            Wo sehen Sie denn „Traditionen“ in den Wissenschaften wahrgenommen und aufgehoben,.und welche? „Germanisch“, genauer „gemeingermanisch“ bezeichnet eine rekonstruierte Sprache etwa um die Zeitenwende, die von denen gesprochen wurde, die die Römer „Germanen“ nannten in Absetzung zu den vorher schon bekannten Kelten. Ganz ursprünglich hatten die Römer einen vagen Sammelbegriff „Skythen“ für alle irgendwie barbarischen Reitervölker im Norden und Nordosten; zunehmende Kontakte machten Differenzierungen nötig. „Indogermanisch“ klammert alle Teilnehmer dieser Sprachgemeinschaft ein zwischen Ceylon und Island. Ich sehe da nix Mythisches.

          • Dort zeigt Tabelle 1 einen “Stammbaum der Sprachen” nach Leibniz (1710).

            Wie soll ich sagen, „niedlich“ vielleicht. Da stimmt aus heutiger Sicht ja so gar nichts. Immerhin, „finnisch“ und „slavisch“ sind richtig erkannt, haben aber nichts zu tun mit den Skythen (verwandt dem Altpersischen/Sanskrit).

            Da ist seit Franz Bopp ein weiter Weg gegangen worden.

            Interessant finde ich, daß „japetisch“ ohne h geschrieben wird. Es wird in der Tat spekuliert, ob das Wort mit „Jupiter“ etymologisch zusammenhängen könnte. Man wird es nie erfahren.

  10. @Michael Blume / 18.06.2021, 13:20 Uhr

    Harald Haarmann (Die Indoeuropäer, C.H. Beck, 2. Aufl. 2012) schreibt

    Als William Jones im Jahre 1786 in einem Vortrag vor der «Asiatick Society» in Calcutta die Ähnlichkeit des Sanskrit mit dem Griechischen, Lateinischen und anderen Sprachen herausstellte, konnte er nicht ahnen, dass er damit eine Bewegung auslösen würde, die Generationen von Forschern beschäftigt hat und bis in unsere Zeit für wissenschaftlichen Zündstoff sorgt.

    Neue Benennungen wie “indo-germanique” (Conrad Malte-Brun, 1810) sowie “Indo-European” (Thomas Young, 1813) sind halt ein Ergebnis der seit 1786 intensiviert betriebenen Untersuchung von Verwandtschaften zwischen den von Jones genannten Sprachen. Im Lichte neuer Einsichten erschien Leibnizens Klassifizierung als `japhetisch’ vermutlich dann antiquiert und unpassend.

    Die Untersuchung der semitischen Sprachfamilie stand dabei nicht im Focus, sodass keine vergleichbare Veranlassung für eine plausible wissenschaftl. Umbenennung gegeben war.

    Im linguistisch etablierten Terminus `semitisch’ steckt der Bibel-Code `Sem’ ja noch immer darinnen, und wie @Alubeh. schon angemerkt hat, wird das gewiss auch so bleiben.

    • Und die klugen Aussagen zu den Alphabetschriften finden sich auch noch im Talmud – und werden sich auch zukünftig nicht tilgen lassen. Und ich werde auch weiter dafür kämpfen, dass sie bekannter werden und als auch wissenschaftlich anregend gewürdigt werden können. 😊📚✅

  11. Zu den Japheten siehe auch die englische Wikipedia. Ist heute einfach obsolet, hat sich wissenschaftlich schlicht nicht umsetzen lassen. „Japhetisch“ ist ein schöner mythischer, poetischer, metaphorischer und, Entschuldigung, blumiger Begriff, mit dem man in diesem Bereich durchaus arbeiten kann. Aber eben nicht in irgend einem wissenschaftlichen Sinne.

    Was auch den Erfolg von „semitisch“ erklärt. Die damit in der Genesis erfassten Völker sind, soweit rekonstruierbar, ungefähr tatsächlich Angehörige einer Sprachgemeinschaft.

    • Dieser Kommentar spricht in seinem Doppelstandard wunderbar für sich, @Alubehüteter: Was die jüdische Auslegung & Tradition anerkenne, sei (trotz empirischer Evidenz) „ein schöner mythischer, poetischer, metaphorischer und, Entschuldigung, blumiger Begriff“. Was sie dagegen seit dem 19. Jahrhundert verhöhnt, habe dagegen zu Recht „Erfolg“.

      Danke, @Alubehüteter. Das motiviert mich sehr! 😊✅✊

      • Darf ich nochmals fragen, wo etwas am Begriff „japhetisch“ empirisch evident sei? Wo man mit diesem Begriff wissenschaftlich arbeiten kann / sinnvoll arbeitet, zumindest arbeiten könnte?

        Ich versuche wirklich, es zu verstehen. Kann es schlicht so sein, daß Sie versuchen, „japhetisch“ als neuen medienwissenschaftlichen Begriff zu etablieren? Um hervorzuheben, daß sich durchaus Bedeutendes und Beachtenswertes vollzieht/verändert mit den japhetischen Alphabeten, das keine Randerscheinung ist? Kann man ja machen; würde ich, spontan gefühlt, glaube ich sogar unterstützen. So, wie ich, wie viele andere, auch nicht mehr von „Verschwörungstheorien“ spreche.

        Aber dann wäre es gut, wenn Sie das einfach auch so sagen. „Japhetisch“ gibt es derzeit nicht als wissenschaftlichen Begriff, Sie möchten das gerne ändern. Mit guten Gründen. Rabbis haben da in ihrer Zweischriftlichkeit schon früh etwas bemerkt, was sich medienwissenschaftlich, neurologisch usw. aus heutiger Sicht erhärten, vertiefen, ausleuchten läßt. Was durchaus so bedeutend ist, daß sich dieses Phänomen einen neuen Begriff und damit verbundene Aufmerksamkeit verdient hat, nämlich den der japhetischen Alphabete, von links nach rechts mit ausgeschriebenen Vokalen. Kein Grund, Sprachwissenschaften irgendwas anzudichten, zu unterstellen, weil sie für sich den Begriff „japhetisch“ als nicht funktional nicht übernommen haben.

        • Lieber @Alubehüteter,

          nun habe ich es mehrfach und in verschiedensten Formaten (auch oben in Text und Vortrag) erklärt und mich dafür von Ihnen wieder belehren und verhöhnen lassen. Abschließend ein letztes Mal:

          Semitische Alphabete (die schon jetzt als Begriff gut etabliert sind) sind vokalarm, linksläufig und führen u.a. zu religiösem Ikonoklasmus (Abscheu vor Bildern): Hebräisch, Aramäisch, Arabisch.

          Japhetitische Alphabet (wie im Talmud ausdrücklich mit dem Griechischen identifiziert) sind vollvokalisiert, rechtsläufig und führen u.a. zu religiöser Ikonodulie (Bilderverehrung): Griechisch, Latein, Kyrillisch usw.

          Schon in “Gott, Gene und Gehirn” sind dazu sowohl neurowissenschaftliche wie theologische Befunde angegeben, seitdem sind es immer mehr geworden, so in “Warum der Antisemitismus uns alle bedroht” und noch mehr im kommenden Buch zum Christentum (soll September erscheinen). Ich halte die empirische Evidenz für sehr stark.

          Und, doch, die Verhöhnung jüdischer Traditionen gehören leider zu den unguten Traditionen der Sprachwissenschaften und führten auch zur ersten Begriffsbildung von “antisemitisch”:
          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/1860-sprach-steinthal-von-antisemitismus/

          Gerne würde ich auf weitere Wiederholungen verzichten.

      • Was die jüdische Auslegung & Tradition anerkenne, sei „ein schöner mythischer, poetischer, metaphorischer und, Entschuldigung, blumiger Begriff“. Was sie dagegen seit dem 19. Jahrhundert verhöhnt, habe dagegen zu Recht „Erfolg“.

        Mit Verlaub, das ist doch Kappes, Herr Blume. Mag ja einen begründeten Anfangsverdacht ergeben, gebe ich zu, läßt sich – böswillig – so lesen.

        Hätten sich Leibniz/Jones mit ihren tradierten Bezeichnungen durchgesetzt, hätten wir vor 80 Jahren Japhetennachweise erbringen müssen statt Ariernachweisen. Daß sich „Semiten“ hat behaupten können, „Japheten“ aber nicht, hat doch nichts zu tun mit der Anerkennung/Nichanerkennung, Beachtung/Nichtbeachtung irgendwelcher talmudischer Traditionen.

        Man hat ursprünglich das Buch Genesis, und damit die in ihm enthaltenen Völkertafeln, als Geschichtsurkunde gelesen. Als man begann, orientalische Sprachen miteinander zu vergleichen, schien sich das auch zu bewähren. „Und die Bibel hat mal wieder Recht“, arabisch und hebräisch sind miteinander sprachverwandt, erstere könnten Kinder Ismaels, letztere die des Isaak gewesen sein.

        Als man dann mit dem Avesta und Sanskrit das Indo-Europäische in den Blick bekommt, stellt man fest, daß man hier mit dem Buch Genesis überhaupt nicht mehr klar kommt. Die biblischen Japheten decken sich in keinster Weise mit den historischen Indoeuropäern. Dann werden sie eben auch anders benannt. Da mögen damals schon antisemitische oder antijudaistische Motive mit hineinschillern in diese Sachgründe; diese aber reichen für sich schon völlig aus, das so zu machen, wie man es gemacht hat.

        • Lieber @Alubehüteter,

          Ihr ganzes Problem verdichtet sich in diesem Kommentar: Wenn Sie “man” schreiben, dann verabsolutieren Sie männliche, autoritäre und häufig antijüdische Positionen der letzten beiden Jahrhunderte als den einzigen Maßstab von Wahrheit. Dass Heutige auch jüdische Perspektiven auf- und ernstnehmen, empfinden Sie als Zumutung, ja als “Kappes”. Es bleibt Ihnen undenkbar und in Ihrer Ablehnung werden Sie wütend und höhnisch.

          Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht mehr helfen. Ihre Anhänglichkeit an den Antisemiten Heidegger, Ihre Verhöhnung des NS-verfolgten Popper und Ihre ständigen Einwände gegen jede Einbeziehung auch jüdischer Traditionen in wissenschaftliche Begriffsbildungen sprechen für sich.

          Es tut mir ehrlich Leid, lieber @Alubehüteter, aber: Ich bin kein Therapeut.

          Gehaben Sie sich wohl und melden Sie sich gerne wieder, falls es Ihnen doch noch gelingen sollte, sich auch mal zu öffnen. Ich habe meinerseits alles versucht und möchte meine Zeit gerne stärker im Hinblick auf die Zukunft verwenden.

          Mit freundlichen Grüssen & den besten Wünschen!

  12. einerseits.
    andererseits könnte man sich mitunter auch an so etwas wie eine „Bibliothek von Babel“ erinnert wähnen in der alle geschriebenen wie noch zu schreibenden Bücher zu finden wären.
    man bleibt gespannt.

  13. @Alubehüteter / 18.06.2021, 18:48 Uhr

    »„Semitische Sprachen” finde ich nicht o.k., hat sich aber nun mal eingeprägt.«

    The Concise Oxford Dictionary of Linguistics (Peter H. Matthews, ed., OUP, 2nd ed. 2007) hat ein Lemma dazu, also ist das linguistisch ganz okay. Die semitischen Sprachen werden klassifiziert als eine Unterfamilie der Afro-Asiatischen Sprachfamilie, die früher Hamito-Semitisch genannt wurde. Hier ist offenbar eine auf die geographische Verbreitung bezogene terminologische Angleichung in Analogie zu den Indo-Europäischen Sprachen vorgenommen worden. Zufrieden?

    Dieses Dictionary hat auch ein Lemma Semitic alphabets — das ist demnach gängige linguistische Terminologie.

    »„Japhetische Alphabete”, was soll das denn sein?«

    Bei dieser Frage hilft auch das Dictionary nicht weiter.

    • So auch Wikipedia:

      Die semitischen Sprachen sind ein Zweig der afroasiatischen Sprachfamilie. Sie werden heute von ca. 260 Millionen Menschen in Vorderasien, in Nordafrika und am Horn von Afrika gesprochen. Wichtige semitische Sprachen sind Arabisch, Hebräisch, die neuaramäischen Sprachen, eine Reihe von in Äthiopien und Eritrea gesprochenen Sprachen wie Amharisch und Tigrinya sowie zahlreiche ausgestorbene Sprachen des Alten Orients wie Akkadisch. Zu den semitischen Sprachen zählt auch das in Europa beheimatete Maltesische.

      Die Bezeichnung „semitisch“ wurde 1781 von dem Göttinger Philologen August Ludwig von Schlözer geschaffen. Sie lehnt sich an die biblische Person Sem an.

      An anderem Ort:

      Die afroasiatischen Sprachen (traditionell als semito-hamitisch oder hamito-semitisch bezeichnet) bilden eine Sprachfamilie, die in Nord- und Ostafrika sowie in Vorderasien verbreitet ist. Das Afroasiatische besteht aus sechs Zweigen: dem Ägyptischen, Berberischen, Semitischen, Kuschitischen, Omotischen und dem Tschadischen. Diese umfassen insgesamt etwa 350 Sprachen mit etwa 350 Millionen Sprechern. Etwa 40 der ursprünglich bekannten Sprachen sind heute ausgestorben.

      Das Afroasiatische ist auch eine der vier großen Familien (Phyla) afrikanischer Sprachen, deren Identifizierung Joseph Greenberg in seinen Arbeiten von 1949 bis 1963 etabliert hatte und die heute die Basis aller linguistischen Klassifikationen in Afrika bildet.

      @Alubehüteter
      17.06.2021, 19:22 Uhr

      Der Begriff „japhetisch“ ist für die Sprachwissenschaften von Anfang an durch. „Indogermanisch“ bzw. „indoeuropäisch“ finden wir seit den Tagen eines William Jones und Franz Bopp.

      Das stimmt wohl so nicht. Laut oben verlinkter englischer Wikipedia spricht Jones sehr wohl noch von „Japheten“. Bopp übrigens ist gegen „indo-germanisch“ und pro „indo-europäisch“.

      (Zur Erläuterung: International sieht man Jones’ Vortrag als so etwas wie die Geburtsstunde der vergleichenden indoeuropäischen Sprachwissenschaften an, der so etwas andenkt; national Bopps vergleichende Grammatik, die das dann realisiert.)

  14. @Alubehüteter / 18.06.2021, 19:25 Uhr // cc @Michael Blume

    »Interessant finde ich, daß „japetisch” [von Leibniz (1710)] ohne h geschrieben wird.«

    Das hat mich jetzt noch zu einer Suche nach einer (immerhin vorstellbaren) Leibniz → Iapetos Connection motiviert, die mir dieses Fundstück beschert hat.

    Über den angegebenen Link als Einstieg wird mir dort u.a. das ganze Kapitel 66. Der arisch-semitische Streit zu Beginn der modernen Sprachwissenschaft (pp 943-952) im books.google Preview angezeigt. Ich hoffe, das funktioniert dann auch für alle anderen einschlägig Interessierten genauso gut und wünsche erkenntnisreiche Lektüre.

  15. Wir müssen endlich wieder lernen, wie man ein richtiges Gespräch führt. Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte.

    Hans Georg Gadamer

    Das ist bei uns beiden in diesen Fragen offenkundig wohl nicht mehr der Fall.

    • Ja, @Alubehüteter. Nach so vielen klugen Kommentaren dann diese zunehmend emotionalen Ausfälle gegen Popper und gegen meine Arbeiten, eigentlich gegen alles, was nach Heidegger kommt… Da wirkt ja schon der in Tradition verliebte Gadamer fast „fresh“.

      Schade, ich hatte Ihre früheren Kommentare immer wieder genossen und auch manches von Ihnen gelernt. Tempi passati. 💁‍♂️

      Ihnen dennoch von Herzen alles Gute! 🍀 Und falls Sie sich doch noch einmal wieder in den Griff bekommen sollten, freue ich mich auf Ihre stolze Rückkehr! 😊📚✅

  16. Was soll das denn jetzt, Herr Blume?

    Sie haben doch gar keine vernünftig begründbare Varanlassung oder Rechtfertigung dafür, meinen Kommentar (#comment-111964) retrograd zu löschen. Einzig nicht in Ordnung war Ihre unbedachte Reaktion darauf.

    Wenn Sie “The Great Partnership” von Rabbi Sacks zur Hand haben, was ich vermute, können Sie doch selbst nachschauen und feststellen, dass er bei seinen Thesen zu Alphabeten, Vokalen und Direktionalität offenkundig Cherry Picking betrieben und einfach ignoriert hat, was nicht in sein vorgedachtes Schema passt — wie speziell Yiddish und Ladino, die, soweit ich sehe, von ihm mit keinem Wort erwähnt werden.

    Respektables Format hätte er gezeigt, wenn er sein Opus von 2011 nochmals überabeitet und substantiell korrigiert hätte. Schade, diese grosse Chance hat er nun verpasst.

    • Lieber @Chrys,

      ich habe mich entschieden, mit meiner Zeit vernünftiger umzugehen – und mir nicht mehr dubiose Internetseiten unterschieben zu lassen, auf die ich dann „reagieren“ sollte. Auf die ideologisch motivierten, sowohl inhaltlich wie auch sprachlich unterirdischen Attacken gegen Rabbi Lord Jonathan Sacks hätte ich keine Minute verschwenden sollen. Es ist einfach schade, wie sehr das Medium Internet den Diskurs verroht. Ich werde zukünftig sehr viel konsequenter löschen – auch wenn Ihnen dadurch etwas vermeintlicher „Spaß“ entgehen sollte…

  17. @Michael Blume / 29.06.2021, 07:42 Uhr

    »[I]ch habe mich entschieden, mit meiner Zeit vernünftiger umzugehen — und mir nicht mehr dubiose Internetseiten unterschieben zu lassen, auf die ich dann „reagieren” sollte.«

    Zur Klarstellung: Ich habe Ihnen lediglich ein Feedback gegeben zu Ihrem Hinweis auf Rabbi Jonathan Sacks, wobei ich dann gefunden habe, dass dessen linguistische Statements offenbar nicht in der behaupteten Allgemeinheit den empirische Fakten über Writing Systems entsprechen. Wenn ich dies nicht durch Angabe von Quellen nachvollziehbar mache — und ich hatte Ihnen dazu mit Harbour (2020) schliesslich auch eine wissenschaftl. Publikation verlinkt — bliebe das eine unbelegte Bahauptung, was Sie mir berechtigterweise zum Vorwurf hätten machen können.

    Was haben Sie sich denn vorgestellt, hätte ich mit Ihrem Hinweis auf Rabbi Sacks anstellen sollen? Er selbst hat in seinem Buch geschrieben “My aim in writing this book has not been to convince you.” Dass man seine Thesen unkritisch übernehemen solle, hat er demnach anscheinend nicht erwartet und gefordert.

    Sie müssen sich durch mich nicht genötigt fühlen. Wenn Sie Ihren Kommentar-Gästen mit der gleichen Sachlichkeit und Höflichkeit begegnen, die Ihnen umgekehrt entgegengebracht wird, dann kostet Sie das keine zusätzliche Zeit — und ist doch eigentlich gar nicht so schwierig.

    • Vielen Dank, @Chrys. Ich habe tatsächlich auch nach Ihren Rückmeldungen für mich neu überlegt, wie ich das Bloggen zukünftig gestalten kann. Dass ich mir die Mühe mache, ernsthafte Texte einzustellen, denen dann erstmal mit unsachlichen Blogposts „geantwortet“ wird, führt bei mir zu Zeitstress und Verärgerung, die wiederum zu einem rauen Ton führen – den ich nicht möchte. Das nachgereichte, wissenschaftliche Paper gefiel mir dagegen sehr gut und hätte eigentlich einen eigenen Blogpost verdient. Aber woher die Zeit auch noch dafür nehmen?

      Kurz: Ich musste mir selbst klar werden, dass ein wissenschaftliches Bloggen, in dem ich auf schnelle Internet-Links und „Doppelkinn“-Verhöhnungen anonymer Accounts kollegial reagieren soll, einfach nicht (mehr) funktioniert. Ich möchte mich nicht länger von Schauen-Sie-mal-hier-und-widerlegen-Sie-das treiben lassen und dabei auch noch selbst verärgert verrohen. Die Zeit, die ich früher dafür aufbringen konnte, habe ich einfach nicht mehr und ich möchte auch nicht autoritär daherkommen. Vielmehr habe ich umgekehrt das Gefühl, mit wachsender Bekanntheit bei einigen Anonymen so etwas wie lustvolles Jagdfieber auszulösen. Das kann für niemanden gut & gesund sein.

      Daher überlege ich – auch dank Ihrer & weiterer Rückmeldungen – derzeit, wie ich das Bloggen und Antworten auf Kommentare neu strukturiere. Das Modell der letzten Jahre funktioniert weder für mich noch für Sie any longer.

      Erlauben Sie mir daher auch ein Wort des Respekts an Sie & alle Kommentierenden, denen ich wieder besser und unter weniger Druck gerecht werden möchte.

  18. @Michael Blume / 01.07.2021, 16:46 Uhr

    Meinen aufrichtigen Dank für Ihre Antwort. Dass Sie von manchen trolligen Kommentaren genervt sind, dafür habe ich im übrigen volles Verständnis, und auch, dass man nicht immer sogleich umschalten kann, wenn man gerade von jemandem richtig auf die Palme getrieben wurde. Es freut mich sehr, dass wir hier nicht im Streit enden. Zweierlei möchte ich gerne gerade noch anbringen.

    1) Das Thema Writing System finde ich tatsächlich interessant; ich habe auch ein Buch mit diesem Titel, von Florian Coulmas. Im Zuge der Diskussion hier habe ich aber noch einiges gelernt, u.a. zur Historie und Entwicklung der modernen Sprachwiss. im 18. Jhdt, aber auch zu den Varianten der Indikation von Vokalen in west-semitischen Schriften, d.h., zu Stichworten wie matres lectionis und vowel pointing. Insofern habe ich Ihnen zu danken, dass Sie mir eine Motivation dazu verschafft haben.

    2) Ich bin auch durchaus nicht immer anderer Meinung als Sie, und was e.g. Heidegger oder Hegel angeht, kann ich mich Ihnen eigentlich nur anschliessen. Sachliches Disagreement ist allerdings nicht grundsätzlich schlecht, und dazu habe ich gerade noch ein schönes Zitat von Rabbi Jonathan Sacks aus The Great Partnership:

    I have known some of the great atheists of our time, admired them deeply, and — as I hope I have shown in one or two places in this book — learned much from them, not least about religion itself. We disagreed, but I would not wish to live in a world in which people did not disagree. Disagreement is how knowledge grows. Living with disagreement is how we grow.

    Ich finde, besser kann man es schwerlich formulieren.

    • Danke, @Chrys. 🙏 Ich wusste zum Beispiel gar nicht, dass Sie „The Great Partnership“ gelesen haben (oder?), sondern nahm an, Sie bezogen sich nur auf das Internet.

      Die Online-Kommunikation hat ihre Untiefen, mit denen wir erst umzugehen lernen – Ratschläge von Ihnen und anderen dazu nehme ich gerne auf. Wie lässt sich dieser Wissenschaftsblog so gestalten, dass er keine Beteiligten verroht? 💁‍♂️🤔

      • @Blume
        Weniger veröffentlichen.
        Sie haben mitunter innerhalb von zwei Tagen,zwei Artikel veröffentlicht bzw. Mindestens einen in der Woche. Da kommt man kaum hinterher.
        Welche Motivation steckt dahinter?
        Geben Sie sich,den Lesenden und Kommentierenden mehr Zeit.
        Alle zwei drei Wochen was wesentliches ist schon viel.
        Durch Sie habe ich Inspiration gefunden mich mit Themen zu beschäftigen,die sonst an mir vorbei gegangen wären.
        Möglicherweise fühlen Sie sich durch z.B. die Querdenker getrieben. Aber wenn ich das nicht falsch wahrnehme, dann erkennen die Meisten die Masche der jeweils Extremen. Nicht alle steigern sich da in etwas rein. Wenn Sie sich in diesen Sog des Reinsteigern hinein ziehen lassen,dann verlieren Sie sich letztendlich.

      • Michael Blume / 02.07.2021, 16:27 Uhr

        Ich konnte mir The Great Partnership ad hoc ausleihen und habe einstweilen auch nur das (linguistisch relevante) Kapitel 2, In Two Minds, genauer angeschaut.

        Meine dem Epilog entnommenen Sacks-Zitate sind aber auch im originalen Kontext hier im Web nachzulesen.

        P.S. Ein Typo: Es hatte oben Writing Systems heissen sollen, im Plural. Das ist auch der Titel des Buches von F. Coulmas, das als thematische Einführung ganz hervorragend und auch für interessierte Laien lesbar geschrieben ist.

  19. @Blume
    Sie versuchen ‘tagesaktuell’ auf Aktionen reaktiv Hinter-/Vordergrundmaterial zu liefern. Das kann bei der Vielzahl der mitlerweile vorhandenen Informatoinskanälen nur schief gehen.
    Setzen Sie auf Zeit. Lassen Sie sich nicht treiben.

  20. @Blume
    Der aktuelle Kondratief-Nullpunkt bei den politischen Ideologien verläuft zwischen Liberalismus (Neoliberalismus) und Kommunitarismus (Autoritarismus). Real zwischen USA und China.
    Wir werden erleben,dass es ein Symbiose beider geben wird.
    Hoffentlich zu Gunsten der Ökologie.

  21. @Blume
    Wir erleben mit fridays for Future und Scientist for future die aufgeklärtesten Generationen in der Geschichte. Dieser Prozess wird weiter gehen,sich in Wahlen zeigen und auch in der Transformation.
    Wir sind an ökologische Grenzen gekommen und macht die Biologie unseres Sein deutlich.
    Es wird unser Bewusstsein prägen.
    Es wird weiterhin Deppen geben,die Glaube und Macht zusammen bringen wollen. Sie sind schon jetzt widerlegt.
    Es wird darauf ankommen,wie wir zukünftig zur Gewalt,psychisch-materiell , stehen.

  22. Was in der UNO schon seit langem zu beobachten ist,dass der Westen über die politischen Menschenrechte agiert,der Osten die sozialen Menschenrechte mit einer starken Führung belegt,dringt immer mehr in die Gesellschaften und wird aktuell wieder zum Systemstreit.
    Nüchtern betrachtet hat beides etwas.
    Die Frage wird sein,wie man politische und soziale Menschenrechte nicht gegeneinander ausspielt,sondern sie zusammen bringt.
    Leistung und Leistungsgesellschaft ist Kern dieses Wettbewerbes. Meines Erachtens werden wir darüber nochmal intensiv drüber nachdenken müssen.
    Es ist dieser Leistungswettbewerb,der den UN-Zielen im Wege steht und für eine Überhitzung der Welt sorgt.
    Wie steht es mit Ihrer ‘benchmark’ hinsichtlich Ihres Auftrages und somit mit den beschriebenen Konflikten?
    Ich vermute,dass wir irgendwann feststellen,dass dieser Leistungs- und Optimierungswahn beide Systeme beide zusammenbringen wird,weil die Ideologen feststellen,dass die Ökologie im Eimer ist.
    Die Masse trampelt momentan noch mit,aus Gewohnheit und weil wir keine echten Alternativen entwickelt haben.
    Was ist das Individuum ohne soziales Gefüge wert?Es ist nicht die Frage entweder oder,sondern sowohl als auch.
    Steinmeier hat es als strategischen Ansatz im November letzten Jahres benannt. Es ist die Frage,nicht,wie wir konkurrieren,sondern kooperieren.
    Das Schlaglicht zwischen Liberalismus und Kommunitarismus wird sein,wie wir zukünftig die Kooperation sehen.
    Vermutlich besteht da seit Darwin eine ideologische Missinterpretaion,die es aufzulösen gilt.

  23. Was mir noch echte Sorgen bereitet ist,dass Völker,insbesondere deren populistischen Stimmungsmacher, ihr jeweiliges ‘Volk’ für etwas besonderes zu halten und das wieder hervorzuheben trachten.
    Kulturell stimmt das,aber wie schafft man es in diesem Kulturellen Pluralismus global zusammen zu leben und in kultureller Vielfalt einheitliche alle betreffende Menschheitsfragen zu lösen?

  24. Aus ‘besonders sein…wollen’ werden legalitäts-und Legitimititätsansprüche abgeleitet. Kern des politischen,soziologischen und individuellen Handelns.
    Das bessere Gefieder und Balzverhalten setzt sich im Wettbewerb um Sex,was Kooperation ist,halt durch.
    Meine idealistische Ader setzt auf die Erkenntnisfähigkeit der Spezies Mensch.

  25. @Mussi 04.07. 08:45

    „Die Frage wird sein,wie man politische und soziale Menschenrechte nicht gegeneinander ausspielt,sondern sie zusammen bringt.
    Leistung und Leistungsgesellschaft ist Kern dieses Wettbewerbes. Meines Erachtens werden wir darüber nochmal intensiv drüber nachdenken müssen.
    Es ist dieser Leistungswettbewerb,der den UN-Zielen im Wege steht und für eine Überhitzung der Welt sorgt.“

    Sehe ich auch so. Wir sollten erstmal umweltmäßig zusammenarbeiten, und uns dann erst über die optimale Regierungsform streiten.

    Im Kalten Krieg hat man ständig auf dem ineffektivem Sowjetkommunismus herumgehackt, der seinen eigenen Bürgern keinen Wohlstand bieten konnte. Jetzt fängt man an auf dem chinesischem Kapitalistenkommunismus herumzuhacken, weil er so effektiv ist, dass man Angst davor bekommen kann.

    Wenn ich China etwa mit Südafrika oder Brasilien vergleiche, so geht es den meisten Chinesen doch sehr viel besser, als der Mehrheit der Menschen in Südafrika oder Brasilien. Die Menschen, die dort in Slums leben, denen nützt ihre Meinungsfreiheit ziemlich wenig. Zumal besteht durchaus die Hoffnung, dass auch China ihren Bürgern ihre politische Meinung lässt, solange sie nicht öffentlichkeitswirksam auftreten, und sich der einzelne Chinese auch zumindest im nichtpolitischem, kulturellem Rahmen bemerkbar machen darf.

    In jedem Fall finde ich auch, dass die sozialen Meschenrechte nicht weniger wichtig sind als die politischen Menschenrechte. Und die Folgen von Klimakrise und Überbevölkerung sind auch nicht mit politischer Freiheit wirklich auszugleichen, das sind vorrangige Probleme, meine ich.

    Auch ist unsere parlamentarische Lobbydemokratie gegenüber der politischen Meinung seiner eigenen Bürger ziemlich resistent, scheint mir. Auch da ist noch Luft nach oben. Keiner geht hier in den Knast, weil er die falsche Meinung äußert, aber es reagiert auch niemand mehr darauf.

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