Vom Faustkeil zur Menschenwürde – Die Evolutionspsychologie der Mimesis erklärt

Erfreulicherweise habe ich inzwischen fast täglich Gespräche über die Psychologie der Mimesis – der menschlichen Nachahmung von Zielen. Sie erklärt, warum Menschen andere versklaven, foltern und töten, aber sie auch ehren, ihnen beistehen und sie retten können. Die Mimesis erklärt auch, wie in der Evolution auch die Religion entstehen konnte und warum die Berliner Mauer nicht passiv “fiel”, sondern von mutigen Menschen aktiv gestürzt wurde.

Auf einer grünen Decke liegt links das Buch "Religion in Human Evolution. From the Paleolithic to the Axial Age" von Robert N. Bellah, rechts ein Brocken der Berliner Mauer von Falko Blume.

In seinem Spätwerk “Religion in Human Evolution” (2011) überzeugte mich Robert Neelly Bellah (1927 – 2013) von der Theorie der Mimesis nach dem Psychologen Merlin Wilfred Donald. Rechts vom Buch liegt ein Brocken der gestürzten (nicht nur: gefallenen) Berliner Mauer. Foto: Michael Blume

Die meisten Forschenden setzen den Beginn der menschlichen Mimesis mit der Acheuléen-Kultur der Altsteinzeit an, in dem von Afrika bis Europa eine neue Art der Faustkeile, bisweilen sogar schon Handäxte genannt, aufkam. Sie waren beidseitig behauen, ästhetisch schön – und im konkreten Nutzen unklar. Forschende vergleichen sie gerne mit einem “Schweizer Taschenmesser”, das nicht nur eine Funktion erfüllt – wie das Schneiden von Fellen, Öffnen von Nüssen und Muscheln oder das Angeben (Status) -, sondern gleich mehrere davon.

Ein zweiseitig bearbeiteter Faustkeil aus der Altsteinzeit in einer grafischen Darstellung.

Ein Faustkeil bzw. eine bifazielle Handaxt des Acheuléen aus der Region Valladolid, Spanien. Grafik: José-Manuel Benito, Wikimedia, MfG

Schon Millionen Jahre davor hatten unsere Vorfahrinnen – und andere, längst ausgestorbene Hominiden – das Verhalten von Zeitgenossen imitiert und die Herstellung von Werkzeugen nachgeahmt. Doch was sich innerhalb der letzten 2 Millionen Jahre in der Evolutionspsychologie des Menschen immer stärker durchsetzte, war die Mimesis als Nachahmung von Zielen: “So einen schönen Faustkeil wie sie möchte ich auch! So einen schönen Gesang wie er will ich auch!” Und sehr viel später: “Wenn die Gemeinschaft das Wohlwollen der Geister erstrebt, so will auch ich das tun!”

Neben der neuen Formen der Acheuléen-Faustkeile spricht dafür auch, dass diese nicht mehr – wie frühere Werkzeuge – einfach vor Ort gelassen, sondern über weite Strecken mitgeführt und wohl zunehmend erbeutet, verschenkt, gehandelt und vererbt wurden. In poetischer Sprache: Während der Altsteinzeit bekamen Werkzeuge über ihre unmittelbare Funktionen hinaus auch einen überzeitlichen Sinn.

Mimesis heißt also: Wir Menschen lernten, nicht nur das äußerliche Verhalten, sondern auch die Ziele voneinander zu übernehmen. Ein Spielzeug kann wochenlang in der Ecke liegen – wenn ein anderes Kind es will, erscheint es plötzlich überaus begehrenswert. Und auch jede Werbung funktioniert so: Platziere möglichst oft attraktive Menschen um ein Produkt – und es wird gekauft.

Klar also, dass Musik und Religion, aber eben auch die Wirtschaft wesentlich mimetisch funktioniert. Aber Robert N. Bellah etablierte eben auch den religionswissenschaftlichen Begriff der Zivilreligion, wie sie um jede dauerhafte, politische Körperschaft entsteht.

Wenn der intrigante Comic-Wesir Isnogud immer wieder brummelt: “Ich will Kalif werden anstelle des Kalifen!” – dann wird hier bereits ein mimetisches Wissen über politische Ämter und Rollen vorausgesetzt.

Der französisch-amerikanische Philosoph und Literaturwissenschaftler René Noël Théophile Girard (1923 – 2015) erarbeitete sogar eine medienkritische Lesart der Mimesis: Weil wir alle durch die Massenmedien immer stärker mimetisch auf die gleichen Ziele abgerichtet würden, könnte uns nur noch der Bezug auf Jesus Christus vor überschnappender Konkurrenz und Gewalt bewahren. Einige Adepten des großen Denkers wie Peter Thiel argumentieren daher wieder in Richtung einer christlich grundierten Monarchie als “Katechon” vor dem mimetischen Zusammenbruch der Zivilisation.

Doch von dieser christlich-dualistischen Engführung der realen Medien-Mimesis-Problematik halte ich wenig. Neben Rabbi Jehoschua / Jesus sehe ich auch etwa beim Philosophen Sokrates, der jüdischen Königin Esther, beim Siddhartha Gautama Buddha, dem Sufi al-Halladsch und weiteren Symbolen machtvolle Ansätze einer positiven Mimesis. Dagegen würde eine “christliche Monarchie” etwa unter J.D. Vance den Kreislauf der mimetischen Gier und Gewalt nach meiner Einschätzung gerade nicht unterbrechen, sondern nur weiter befeuern.

Hier scheint mir das Argument des Philosophen Hans Blumenberg (1920 – 1996) für die dialogische Vielfalt jede auch mimetische Engführung zu übertreffen:

“Es ist unser Glück, daß wir nicht wissen, was Glück ist. Wüßten wir es, könnten wir sicher sein, daß keiner es erreicht, weil alle dasselbe haben wollten.

Schon der Mord Kains an Abel war von dem Verdacht motiviert, der Bruder wisse vom Glück durch die Opfergunst des Gottes und wolle es nicht teilen.

Weil wir nicht wissen, was Glück ist, versucht es jeder auf seine Weise, daran zu kommen. Das hat die Menschheit zur Gattung der stupendsten Vielfalt ihrer Glücksversuche mit allen Nebenerzeugnissen derselben vorangedrängt.”

Blumenberg zitiert aus: “Die Sorge geht über den Fluß”, Suhrkamp 1987 / 2022, S. 215

Hier sehe ich auch ein nicht nur religiöses, sondern auch philosophisches Argument für die Menschenwürde: Wenn die Menschheit aus ihrer Vielfalt Sinn- und Glückserfahrungen schöpft, dann muss sich kein Mensch das Recht auf Sein und Respekt erst verdienen.

Auf einer historischen Fotografie aus der NS-Zeit steht ein Mann mit verschränkten Armen inmitten einer Hitler-grüßenden Menge. Darüber steht in weißer Schrift "Seit dieser Mensch"-Mem und darunter "August Landmesser oder Gustav Wegert".

 

Das populäre “Be this Man”-Meme illustriert die Würde des Menschen – einschließlich des Rechtes, jede gesellschaftlich überwältigende Mimesis kritisch (“falsifikatorisch”) zu hinterfragen. Mem-Version: Michael Blume

Die mimetische Überpersonalisierung funktioniert schlechter als die parlamentarische Konsensdemokratie

Psychologisch-mimetisch erkläre ich mir auch das Versagen heutiger Verantwortlicher in Politik und Medien gegenüber der parlamentarischen Demokratie des bundesdeutschen Grundgesetzes: Fast alle haben einfach die Parteienherrschaft-Logik des ersten Adenauer-Mende-Koalitionsvertrages von 1961 übernommen. Dass die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes sehr bewusst Artikel 38 GG gegen die sog. “Fraktionsdisziplin” formuliert hatten, ist nach meiner Erfahrung auch Wohlmeinenden meist gar nicht mehr bekannt. Die meisten finden es noch ganz normal, dass eine Parteien – Rentenkommission aus beamteten Professoren, Lobbyisten und Parteifunktionären die dringend notwendige Reform des deutschen Rentensystems ausarbeiten soll – und nicht etwa laut Grundgesetz alleine zuständige und von uns gewählte Bundestag mit 630 Abgeordneten und Tausenden Mitarbeitenden. Die mimetischen Regeln der (zerfallenden) Fernsehdemokratie haben Text und Sinn unserer Verfassung einfach überlagert.

Im abgebildeten Mastodon-Post vom 11. Dezember 2025 beklagte Dr. Michael Blume, dass sogar im SPIEGEL der Koalitionsausschuss der Bundesregierung unkritisch als Gesetzgeber beschrieben werde.

Dass laut deutscher Verfassung kein im Grundgesetz gar nicht vorgesehener “Koalitionsausschuss”, sondern Bundestag und Bundesrat Gesetze beschließen, ist heute auch spezialisierten Medienredaktionen kaum mehr bekannt. Screenshot von Mastodon: Michael Blume

Denn für geheiligte Schriften in der Religion gilt das Gleiche wie für Verfassungstexte in der Politik: Sie werden viel lieber mimetisch beschworen als kritisch gelesen. Fragen Sie gerne einmal herum, was genau “die 10 Gebote der Bibel” seien – oder was in Artikel 38 des Grundgesetzes steht. Kaum jemand weiß das noch. Die meisten haben da eher nur so ein mimetisches Gefühl.

Sogar der erste Union-FDP-Koalitionsvertrag von 1961, auf den sich die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland bis heute mimetisch stützt – ist kaum noch bekannt.

Fazit: Menschenwürde ist verwundbar und wird durch den digital befeuerten Rechtsmimesis bedroht

Wenn über den medialen und politischen Rechtsruck gesprochen wird, so fehlt selten die Floskel von der “Diskursverschiebung”, die “das Unsagbare sagbar gemacht” habe.

Doch Fakt ist, dass es spätestens mit der Digitalisierung “den Diskurs” gar nicht mehr gibt, sondern Abertausende zunehmend voneinander abgeschottete, mimetische Diskursblasen. Wer etwa einer Beauty-Influencerin folgt, bekommt algorithmisch völlig andere Medienströme zugeführt als jene, die einem Finfluencer-Duo, einem Salafisten oder einer Naturwissenschaftlerin wie Mai Ti Nguyen-Kim folgt. Und in jeder dieser Blasen werden andere Ziele (Schönheit, Geld, Salafismus, Wissen usw.) mimetisch vermittelt.

Zwei Dreier-Gruppen von freundlichen Comicfiguren starren jeweils auf ihre Smartphones und werden dabei durch Blasen getrennt. Darüber steht: "Antisoziale Konzernblasen verstärken Mimesis". Darunter steht: "Mehr Grundgesetz wagen! - Demokratie als Bauplan von Dr. Michael Blume"

Algorithmische und antisoziale Konzernmedien verstärken die jeweilige Mimesis und zerspalten die Diskurse. Grafik: Michael Blume mit NotebookLM in “Mehr Grundgesetz wagen”

Entsprechend gerät die so kostbare, im deutschen Grundgesetz in Artikel 1 kodifizierte Idee der Menschenwürde umso mehr unter Druck, umso mehr sie auch von Demokratinnen und Demokraten selbst nicht mehr geglaubt wird. Die Rechtsmimesis der Abwertung von Menschengruppen führt den Medienblasen der Rechtsdualisten immer mehr verunsicherte Menschen zu.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

50 Kommentare

  1. Wieso sagen Sie Mimesis und nicht einfach Neid? Äffchen hat Banane und sieht happy aus, da will das andere Äffchen auch Banane haben.

    Affen äffen nach. Wenn sie das ändern, sind sie keine Affen mehr. Das Paradox der Menschwerdung ist, dass sie aus Entmenschlichung entsteht – wir sitzen zwischen Affe und Cyborg-Ameise, wir sind nicht, wir werden, und in unserer Gegenwart sind uns Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen fremd. Wir können aber Pommes dazu mampfen, ist nicht so schlimm.

    Sobald eine Amöbe sieht, dass eine andere Amöbe satt ist, ist diese andere Amöbe genauso ein Indikator für eine Futterquelle, wie die Duftstoffe und das Licht, das die Futterquelle ausstößt. Indem Sie dorthin gehen, wo die Dicken sind, erhöhen Sie die Chance, dass Sie selbst dick werden. Vorausgesetzt, Sie stehen nicht selbst auf dem Speiseplan.

    Um den Begriff „Mimesis“ von allem anderen Neid abzutrennen, müsste ich mich an Details aufhängen – es ist halt eine Form von Neid, die sich ausschließlich auf Ziele bezieht. Und dann habe ich das Problem, das ich zwischen Zielen und anderen Gründen, neidisch zu sein, kaum unterscheiden kann, und verliere mich in Haarspaltereien und Grauzonen. Da mache ich’s lieber umgekehrt und setze Mimesis = Neid.

    Die Kehrseite der Mimesis wäre also das Ködern – man gibt vor, das gleiche zu wollen wie Sie und es schon zu haben, damit Sie sich hinzu gesellen. In einer Welt immer leererer immer bunterer Verkaufsverpackungen ist es nur logisch, dass der harte Wettbewerb es bis zur Trumpschen Perfektion treibt – aber auch, dass das Vieh sich gewöhnt, dass es nur Sägespäne und Knochenmehl zu fressen bekommt, und die Werbung das Einzige ist, was an dem Ganzen Spaß macht.

    Wo Sie nur Böcke zum Gärtnern haben, brauchen Sie den Krieg der Böcke, denn nur wenn sie zu sehr damit beschäftigt sind, sich gegenseitig zu bekriegen, können sie den Kohl nicht fressen.

    Deswegen verläuft auch jede Debatte im Sande: Gewalt gegen Frauen und Prostitution rufen sofort die üblichen Zuhälter-Kartelle an den Plan, die um die Kontrolle des Rohstoffs Frau kämpfen. Bei Drogen kämpfen die Kartelle darum, wer das Zuckerbrot der Konkurrenz vom Markt ausschließen darf, damit er die Junkies lenken kann, während er die Droge seiner Wahl billig und uneingeschränkt haben will, um die Kontrolle über ihn zu erschweren. Bei der Überwachung des Internets geht es um die Durchsetzung rechtsradikaler Allmachtsansprüche. Und so weiter und so fort.

    Deswegen nehmen wir Vergewaltigung und Menschenhandel und Drogentote und Kinderpornografie in Kauf, als Menschenopfer an Satan – damit wir Böcke und nicht Gärtner sein können und trotzdem noch Kohlköpfe haben. Es richtet weniger Schaden an, solche Probleme ungelöst zu lassen, als diejenigen sie lösen zu lassen, die die Debatte gleich am Anfang kapern.

    Sie sehen, die Nachahmung des Ziels „Schutz“ ist eine der häufigsten Formen der Mimesis, und dient eben dem Ködern. Muss man natürlich können – indem der Merz die AfD nachäfft, macht er nur Politik, die garantiert nicht funktionieren kann, damit werden die Leute erst recht wütend und wählen die AfD, die ihnen dann noch mehr Politik gibt, die garantiert nicht funktionieren kann.

    Eine Form der Mimesis ist auch das hirnlose Nachahmen der eigenen Ziele von Gestern, als sie noch funktioniert haben. Ich hab mir gestern Pommes geholt und vorgestern Pommes geholt, heute hat McDonald’s geschlossen, aber ich renne immer und immer wieder gegen die Tür – das ist das Wesen des Rechtspopulismus, das Wesen der Zombie-Apokalypse.

    Mimesis ist aber auch absolut notwendig für die Interpretation von Texten und Vorschriften. Der Koran zum Beispiel ist ein anderes Buch, wenn Sie die Präambel lesen: Gott ist gnädig und gut. Also können Sie den Teil mit dem Hände abhacken wohl nicht so bierernst nehmen, wie es die Scharia tut, und auch die Grausamkeit des IS widerspricht den Zielen Gottes. Und dennoch ist es das Buch, das Sie bekommen haben, es steht drin, was drin steht, und Sie müssen daraus schlau werden. Aber wenn Sie die Ziele nicht berücksichtigen, schaffen Sie damit die Hölle auf Erden.

    Ähnlich läuft es mit der Bibel und anderen heiligen Schriften: Ohne Mimesis, der Übernahme der Ziele Gottes, haben Sie nur die Verkaufsverpackung, nicht den Inhalt, und können hinein scheißen, so viel sie wollen. Dann können Sie gleich Vice Vance Wince Whine Wham Bam Witchfinder Genreral zum Gärtner machen.

    Und deswegen frage ich ja immer wieder: Was soll der Scheiß? Warum machen wir das eigentlich? Was sind unsere Ziele? Welche Kriterien soll das Ergebnis erfüllen? Wenn wir ein Ziel haben, auf das wir hinarbeiten, erreichen wir es auch, und die Mimesis – dass alle es nachäffen – spielt dabei eine große Rolle.

    Geld ist ein Versprechen, um Versprechen zu halten, muss man Geld ausgeben, also ist unser aller Ziel, möglichst viele Versprechen zu bekommen und möglichst viele zu brechen. Und wenn Sie sich Trumpsche Perfektion anschauen – haben wir das Ziel nicht erreicht? Den Frust, von allen Seiten belogen und betrogen zu werden und niemandem mehr trauen zu können?

    Wir wollten uns ganz dolle Aua machen und haben uns ganz dolle Aua gemacht. Jetzt können wir halt stolz auf uns sein und uns entweder noch mehr Aua machen, weil’s uns so viel Spaß macht und wir eh nix Anderes gelernt haben, oder was Neues versuchen. Aber das Neue – bedeutet andere Ziele als Aua, und damit diese Ziele genug Menschen mobilisieren können, braucht es Mimesis.

    Und um Neid zu erzeugen, braucht es Erfolg. Menschen folgen dem nackten Kaiser Trump, weil er eine Wunderkerze im Hintern stecken hat und Purzelbäume schlägt und sie gelernt haben, dass das Erfolg sein soll: Spiele ohne Brot. Ich gehe mir dann mal eine Pommes holen. Ein erbärmlicher Clown bin ich schon, wo ihr alle hin wollt, will ich schon weg.

    • Gerne gehe ich auf Ihre, nun ja, „Nachfrage“ ein, @Paul S.

      “ Wieso sagen Sie Mimesis und nicht einfach Neid? Äffchen hat Banane und sieht happy aus, da will das andere Äffchen auch Banane haben.

      Affen äffen nach.“

      Wenn Sie sich Ihren eigenen, überlangen Druko (Drunter-Kommentar) anschauen, so werden Sie feststellen: Sie haben mehr als mich nur „nachgeäfft“. Sie haben in einem eigenen Text auf meinen Blogpost reagiert und dabei etwas Neues geschaffen, das es vorher nicht gab.

      Klar können wir nun darüber spekulieren, ob “Neid“ etwa auf die Aufmerksamkeit Ihr Hauptmotiv war. Ich halte es jedoch auch für möglich, dass Sie möglicherweise auch an “Wissen“ interessiert sind und sich dieses durch Ihre langen Texte auf Ihre eigene Weise aneignen. Ich halte es sogar für wahrscheinlich, dass Ihre wiederkehrenden Besuche von Wissenschaftsblogs Ihre Lust auf Wissen mimetisch beflügeln!

      Und das empfinde ich schon als viel besser als der sich öde immer nur selbst bestätigende, parteipolitische Dualismus, der mir auch auf Mastodon leider immer wieder entgegenschlägt.

      Vielen Menschen fällt es schwer, aus der Komfortzone ihrer mimetischen, medialen Blasen hinaus in den Dialog mit anderen zu treten. Dass Ihnen dies zumindest teilweise gelingt, unterstreicht, dass Sie doch etwas mehr vermögen als den „Neid“ von “Äffchen“ auf die “Bananen“ anderer…

      Ihnen also Dank für Ihr Post-Äffchen-Interesse und ein schönes Wochenende! 🙏📚🙌

  2. Ein wichtiger Hinweis, den ich aus meinem theologischen Studium mitgenommen habe, (bei mir ist es ein Zweitstudium nach Diplomingenieur und MS in Informatik) dass es wichtig ist, Inhalt und Form miteinander zu bedenken.

    Die Form ist oft schneller zugänglich und wird dann genutzt (also nachgemacht), gleichzeitig entsteht dann manchmal auch etwas, was inhaltlich nicht mehr passt.

    Die Berufsbezeichnung Minister ist dafür ein gutes Beispiel.
    Es müsste da um einen Dienst gehen – ganz im Sinne der Weisung Jesu, ,,Wer unter Euch groß sein will, soll Euer Diener sein” – gleichzeitig rutscht in der Praxis dieser Inhalt dann weg.

    Die prophetische und institutionskritische Botschaft von Jesus erlebt dieses Phänomen immer wieder – mich spricht da Brian McLaren sehr an, der darauf hinweist, wer die Bibel mit einem Denk-Rahmen von Machtausübung über liest, wird sie vermutlich falsch deuten, weil zentrale Inhalte dann ausgeblendet werden.
    Begriffe werden dann plötzlich inhaltlich verändert und auch wenn die Form stimmt, entspricht es nicht mehr dem, was wir an Intention Jesu erahnen können, für das er dann auch heftige Reaktionen einschließlich Folter und Tod hinnehmen musste.

    Wer dieses Kapitel aus dem Buch LIFE after DOOM in einer deutschen Übersetzung nachlesen möchte, kann es auf meinem Blog tun. https://hgu2read.de/interessen/interessen/lebensspur/ladkap9

    Es gibt bei uns Menschen einen Drang nach Status, der unterschiedlich gelebt werden kann.
    Hier ist der Inhalt auch wesentlich – ähnlich wie beim Begriff Glück.

    Der könnte ja auch so gefüllt werden, dass es nicht für alle Menschen die gleiche Verhaltensweise bedeuten würde. So jedenfalls würde ich es auf dem Hintergrund verstehen, den die biblische Erzählung für mich erschließt: Jeder Mensch findet das eigene Glück, wenn er sich dem Auftrag öffnet, den die Quelle alles Guten (Gott), für diese Person weist.
    Mir ist klar, das ist eine andere Ebene, als die philosophische Perspektive, die hier im Blogbeitrag angesprochen ist.

    Mich inspiriert in diesem Zusammenhang der Autor James Fowler mit seinem Werk ,Becoming Adult, Becoming Christian’.

    • Vielen herzlichen Dank, @HG Unckell – und ich stimme zu, dass wir die Psychologie der Mimesis auch als Übergang von Form zum Inhalt erfassen können!

      Auch die älteren Faustkeile hatten bereits ihre funktionalen Formen, die äußerlich nachgeahmt wurden. Ab den Acheuléen-Handäxten sehen wir jedoch einen mehrdeutigen, die Enge der Zeit („Life After Doom“) überspannenden Inhalt aufleuchten, der weit über die konkreten Formen hinausweist.

      Und knapp zwei Jahrmillionen später vermögen wir Menschen sogar medial-mimetische Rollen wie „Minister“ oder „Wissenschaftlerin“ anzunehmen und performativ auszufüllen. Inzwischen bilden sich sogar zivilreligiöse Sekten von „Reichsbürger-Monarchien“, die gegen die Mehrheiten eigene, mimetische Staatsrollen und -ziele durchsetzen wollen.

      Vielen Dank für die anregende und m.E. zutreffende Assoziation! 🙏📚🙌

  3. Hallo @Michael,

    Wenn ich es richtig auffasse, dann erschaffen wir erst durch Nachahmung auch die Sehnsucht nach der Rolle. Also ich sehe einen Faustkeil und denke mir “Denn will ich auch oder ein ähnliches Ding erschaffen”. Das gleiche geht bei Rollen die manche ausführen und wo der Wunsch entsteht, ebenfalls diese auszufüllen.

    Also etwas was einem jeden Menschen bekannt ist.

    Ist hier vielleicht auch der “Wille zur Macht” beheimatet, gerade im Bezug das man etwas erschafft, das einen selbst überdauert?

    • Ja, @Berthold Forster – Du hast das sehr gut verstanden! 🙌👍

      Auch unsere affenartigen Vorfahren hatten ja bereits Thymos-artige Verhaltensweisen, Rangkämpfe usw., wie wir sie heute noch bei vielen Zeitgenossen beobachten können. Aber erst mit der Mimesis wurde auch ein reflektierendes Verhältnis zu den Zielen anderer möglich.

      Ist Geld wirklich das wichtigste Lebensziel? Oder doch eine glückliche, kinderreiche Familie, die Gunst der Gottheit, künstlerische Kreativität? Wie ist es mit dem „Wille zur Macht“ oder auch dem „Willen zu Wissen“?

      Wissen wir überhaupt, wovon wir reden, wenn wir „Macht“ sagen?

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/begriffsarbeit-zur-macht-nach-max-weber-mit-eigener-arbeitsdefinition/

      Entsprechend der Mimesis-Theorie habe ich mir daher auch erlaubt, die Bedeutung von Zielen zu betonen:

      “Macht besteht in der Durchsetzung von Zielen über die Jetztzeit hinaus.”

      Auch schon eine Hominide vor vier Millionen Jahren konnte thymotisch sein. Aber bewusste, damit auch mimetische Macht über sich selbst und andere konnten Menschen erst in den letzten zwei Millionen Jahren zunehmend ausüben (aus-üben!).

      Vielen Dank für die starken Beobachtungen und Nachfragen! 🙌👍💡

      • Guten Abend @Michael,

        Danke für die Antwort. Gerade die Definition das Macht einfach den Wirkungsbereich des Menschen betrifft, also auch außerhalb der eigenen Arme die Welt beeinflussen zu können, sogar nach dem Tod hinaus, ist schon sehr hilfreich 🙂

        Leider habe ich aber eine andere Frage und die dürfte etwas das Thema verfehlen, wofür ich mich schon mal entschuldige.

        In einer Spektrums Ausgabe von 2018 ging es um das Mechanische Gehirn, also die These von Ichiji Tasaki das die Nervenzellen nicht primär elektrisch, sondern eher durch Mechanischen Druck ihre Funktion ausüben. Eine sehr steile These, die aber als Ergänzung und eine Bereicherung für die Neuronalen Funktionen dienen könnte.

        Das ist aber gar nicht so Thema. In dem Artikel wurde die Aussage getätigt, das Ichiji Tasakis These nicht widerlegt wurde, sondern vielmehr überdauerten seine Ideen nicht die nächste Generation die sich vielmehr auf das elektrische Modell bezogen. Also nicht aus Wissenschaftlicher Sicht was wirklich besser passt, sondern aus der Sicht “was hört sich besser an”. Beinahe schon in der Richtung, “wir glauben an diese These”.
        Es ist also eher eine Frage der Nachfolger und der Nachkommenden, welche Idee schlussendlich Lehrmeinung wird und welche eher als verschroben und sonderbar wahrgenommen wird. Wenn man es darauf herunterbrechen will.

        Als ich einem sehr Wissensaffinen Freund davon erzählte, wollte er mir das nicht so recht glauben, das scheinbar nicht aufgrund von Logik, sondern nach gefüllter Popularität Theorien andere überleben.

        Was sich ja jetzt verbinden würde mit abstrakten Ideen wie Menschenrecht oder Menschenwürde an die man ja glauben muss und will, damit sie in der Realität Wirkung entfalten. Schließlich bringt mir die Theorie wenig wenn ich sie nicht in der Praxis umsetze.

        Meine Frage die jetzt kommt: “Ist es der Glaube an die Theorie, der ihr erst die Macht und die Wahrheit verleiht”?

        Entschuldigung falls es etwas abgedreht wirkt.

  4. Die Psychologie der Mimesis – der menschlichen Nachahmung von „Zielen“, ist höchst interessant.

    Es ist sozusagen der „grundlegende Algorithmus“ des tierischen und menschlichen Verhalten. Zuerst war das banale „nachäffen“, danach hat sich das systematische Denken entwickelt. Dabei werden (auch Verhaltens) „Muster“ abstrakt im neuronalen System systematisch analysiert, mit anderen Mustern verglichen und möglichst neue und noch bessere Muster „synthetisiert“. Die kommen, eventuell auch nur Versuchsweise, zur Anwendung.

    Auch zur „kriegerischen“ Anwendung, wenn die „optimalen Muster“ für ganze Gesellschaftssysteme „synthetisiert“ werden sollen. So war es bisher.

    Nur fragt sich, z.B. auch Trump, ob es so weiter gehen kann? Zumal der Einsatz von A,B,C Waffen und damit eine zumindest partielle Ausrottung der Menschheit droht. Diese Frage hat er im Februar Selenskyj gestellt.

    Eine Antwort wäre, wir müssten da durch, wir dürfen nicht den „Darwinismus“ in Frage stellen?

    Eine andere Antwort wäre, die Probleme müssten rational und „vernünftig“ (planmäßig) gelöst werden?

    Wir beginnen immerhin grundsätzliche Mechanismen besser zu verstehen. Auch Ihre Erkenntnisse tragen dazu bei.

    Beim „Mauerfall“ ehemals, konnte nicht viel passieren, allenfalls einige tausend Tote eben, wie früher üblich.

    Aber Amerika würde zweifellos Atombomben einsetzen, käme irgend ein Land auf die verrückte Idee, ihnen ernsthaft, z.B. Kalifornien samt den Häfen Long Beach und LA abzuknöpfen. Trump hat offenbar nicht die geringsten Zweifel, dass Russland umgekehrt genauso so handeln würde.

    Nur beim „kleinen Bruder“ machen die Russen (derzeit) eine Ausnahme. Sie versuchen eine „Kältetherapie“, sozusagen eine „Militärische Spezialoperation“……

    Ob Frankreich (Napoleon), Deutschland (Hitler), die Nato die schon öfter vor der „Russischen Haustüre“ (bzw. sogar weit im Landinneren) standen, auch mit dieser „besonderen Brüderlichen Milde“ rechnen können???

    Trump bevorzugt „schlaue Deals“, keinen fast zwingend tödlichen Mut…..

    • Lieben Dank für Ihre Beobachtungen, @Realo 🙌

      Vielleicht fällt Ihnen auch selbst auf, wie stark Sie mimetisch ganze Nationen mit einzelnen Thymoten mimetisch verschmelzen: „Anerika“ sei Trump, Napoleon Frankreich, Russland Putin usw.

      Dabei beanspruchen Sie aber für sich selbst schon das Recht, über die eigene Anführerschaft mitdiskutieren und mitbestimmen zu dürfen. Und selbstverständlich wissen Sie auch, dass die Zustimmungswerte zu Trump im tiefen Keller sind, dass Napoleon nicht mit der Herrschaft über Frankreich zufrieden war, dass sich die Wut der Russen gegen den fossilen Faschisten Putin in immer neuen Umwegen wie derzeit zu Larrisa Dolina Bahn bricht, vgl.:

      https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/gesellschaft/id_101036452/russland-die-affaere-um-putin-star-entgleist-dem-kreml.html

      Demokratische und rechtsstaatliche Republiken sind der bisher beste Versuch, die nie dauerhaft erfolgreiche und also verhängnisvolle, mimetische Verschmelzung ganzer Völker mit Diktatoren durch eine Balance aus Vielfalt und Konsensfindung zu verhindern. Damit Herrschende wie Trump oder Putin auch wieder abgewählt werden können…

  5. “Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.” 1. Korinther, 13,13

    Politik, Religion, Kunst etc. sind auch dazu da, den Menschen Hoffnung zu geben, dass es – in Zeiten, in denen sich die Menschen allein gelassen fühlen – auch wieder besser wird.
    In der Politik zählen dazu für mich in erster Linie die Botschaften, die die Parteien an die Wählerinnen und Wähler senden. Wir leben, aus meiner Sicht, in einer Zeit, in der es manchen Parteien schwerfällt, EIGENE positive Ideen etc zu erarbeiten und zu vermitteln.

    Mangelt es aber daran und man sucht sein Heil in der Verächtlichmachung von positiven Zukunftsideen anderer demokratischer Mitbewerber, greift in Wahlkämpfen zu dreisten Lügen, um genau diese Parteien möglichst klein zu halten, dann muss sich jeder und jede fragen, was soll ich eigentlich noch wählen. Verheerend für die Demokratie und die Hoffnung ist es, wenn man sich bei denen programmatisch bedient, die man zum Schutz der Demokratie und der Bevölkerung bekämpfen müsste.

    Ich verkenne nicht, dass auch in früheren Wahlkämpfen und in der Politik allgemein mit harten Bandagen gekämpft wurde und manche Angriffe unter der Gürtellinie waren. Strauß und Wehner konnten durchaus scharf austeilen.

    Wer als Politiker Menschen die Hoffnung auf Besserung nimmt, handelt fahrlässig. Denn hoffnungslose Wählerinnen und Wähler bleiben entweder zuhause, oder sie entschließen sich, die zu wählen, die die einfachen Antworten haben.

    • Lieben Dank & volle Zustimmung, @Marie H. – über den Unsinn von feindseligem Dualismus zwischen demokratischen Parteien haben wir ja schon oft dialogisiert. Und das schwache Ergebnis für Markus Söder beim CSU-Parteitag zeigt auch dort einen wachsenden Überdruss an der Überpersonalisierung und dem „Grünen-Bashing“:

      https://www.tagesspiegel.de/politik/csu-parteitag-soders-dampfer-und-die-folgen-15048782.html

      Ich sehe also auch hier ein wachsendes Interesse an der parlamentarischen Konsensdemokratie statt der über-polarisierten Parteien – Konkurrenzdemokratie:

      https://youtu.be/BeGhV302gR4?si=6OqjovzM90dg8IsJ

      Aber Mimesis wirkt eben auch nicht nur ins Negative. Gerade lese ich im aktuellen Spektrum Geschichte einen wunderschönen Artikel von Christian Hellmann über das „Evangelium des Jakobus“ aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Obwohl es nicht in den Kanon der vier Evangelien aufgenommen wurde und lange in Vergessenheit geriet, haben wesentliche Elemente der „apokryphen“ Weihnachtsgeschichte wie Ochse und Esel, Krippe usw. bis in unsere Zeit mimetisch überlebt. Ein kluges Verständnis von Mimuesis zeigt immer auch die Grenzen zentralisierter Mächte auf.

      Ihnen von Herzen Dank und frohe Weihnachten! 🎄🙌

      • Vielen herzlichen Dank!

        Mir ist heute etwas aufgefallen, was ich, ganz allgemein und ohne Parteipolitik, nicht verstehe.

        Ich habe gelesen, dass Deutschland heute als “Sanierungsfall” bezeichnet wurde. Mir ist dieses Bashing, das Schlechtreden meines Heimatlandes unangenehm. Was soll das bringen?

        Wenn hier wirklich alles so schlimm ist, warum wird nur geredet? Das Naheliegendste wäre doch anzupacken und zu motivieren.

        Es macht mich traurig, dass das Draufhauen auf die Menschen offensichtlich eine Form der Motivation sein soll.

        Ich habe heute auf Mastodon Kommentare zu den Äußerungen einer ehemaligen Bundesministerin gelesen, was wir uns bei der Assistenz von Menschen mit Behinderungen angeblich nicht mehr “leisten” können.

        Es klingt sehr häufig an, dass man Menschen wie mir ein schlechtes Gewissen machen möchte. Vor vier Jahren wurde bei mir Parkinson festgestellt. Wie lange wird sich der “Sanierungsfall” mich noch leisten können?

        • Ja, @Marie H. – ich hatte ja schon früh im Dialog mit Monica Wüllner von der CDA vor der rechtslibertären Engführung von Bundespolitik gewarnt und kritisch angemerkt, dass es von Konrad Adenauer bis Angela Merkel nie ein Kabinett ohne eine starke Stimme des christdemokratischen Sozialflügels gegeben hat. Und ich trat der CDA sogar bei.

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-37-monica-wuellner-von-cda-cdu-und-die-konkordanzregierung/

          Bitte seien Sie mir aber auch nicht böse, wenn ich einmal freundlich und respektvoll rückfrage. Sie haben hier früher mir gegenüber viele Ängste wegen des Söder-Kurses gegenüber den Grünen ausgedrückt, der inzwischen weithin korrigiert wurde. Obwohl ich immer wieder darum bat, diesen Blog nicht parteipolitisch aufzuladen, nahm ich mir für die Beantwortung Ihrer diesbezüglichen Anfragen gerne und mehrfach Zeit.

          Doch jetzt fordern Sie von mir implizit auch noch Erläuterungen zu einem mir unbekannten Text einer ehemaligen Ministerin. Dabei habe ich doch bereits sehr deutlich gemacht, dass ich ohne Wenn und Aber zur Menschenwürde auch älterer, erkrankter und behinderter Menschen stehe.

          Über die meinerseits hier im Blog angesprochenen Themen wie die Folgen der Demografie, die immer weiter ansteigenden Beiträge & Steuerzahlungen auf Kosten der jungen Generationen, über die Arbeitsplatzverluste, ja gar Entlassungen in vielen Branchen, über das auch hier im Blogpost geschilderte Schicksal etwa abgeschobener Kinder oder die von der Klima- und Wasserkrise Betroffenen im eurasischen Gürtel konnte ich von Ihnen dagegen bisher leider weniger lesen.

          Und genau das macht mir ernste Sorgen. Ich merke leider insgesamt eine deutliche, mimetische Tendenz, dass immer mehr Menschen auch mir gegenüber zwar Solidarität, Verständnis und Stellungnahmen für die je eigenen Emotionen und Belange einfordern, aber andere Themen auch dann seltener wahrnehmen, wenn ich dazu noch so freundlich einlade.

          Und damit fühle ich mich unwohl. Denn es bedeutet: Die mimetische Entsolidarisierung und mediale Zerblasung setzt sich fort. Wir Heutigen fühlen uns zunehmend verlassen und reduzieren einander umso mehr. Kann so Dialog gelingen?

          Wichtig ist mir die Feststellung, dass ich Ihnen persönlich keinerlei Vorwurf mache. Ich lese Sie gerne und lerne von Ihnen. Deswegen frage ich auch nach.

          Hätten Sie mir Überlegungen, Hinweise darauf, wie ich mit dieser Entwicklung umgehen sollte? Ohne zu verzagen? Ich würde mich da über Ihren dialogischen Rat wirklich sehr freuen.

          • Danke für die ausführliche Antwort.

            Ich erwarte von Ihnen selbstverständlich keine Stellungnahme, wenn Sie die Äußerungen Dritter nicht kennen.

            Es ist ein sehr persönlicher Kommentar von mir gewesen.

            Mehr und mehr schotte ich mich vor den Nachrichten ab, öffne seltener Social Media.

            Ich versuche die Dinge zu nehmen wie sie kommen. Das gelingt leider nicht immer.

            Sie fragen mich, wie Dialog gelingen kann. Eine befriedigende Antwort habe ich für mich noch nicht gefunden.

            Vielleicht ist Dialog etwas, was sich schriftlich nur mühsam umsetzen lässt. Zu einem Gespräch/Dialog gehören Gestik und Mimik, die sich schriftlich nicht ersetzen lassen.

            Und ich meine, dass in einem Dialog Grenzen wichtig sind. Diese beim Gegenüber zu erkennen, zu respektieren und einzuhalten, stellt ein wichtiges Kriterium für einen gelingenden Dialog dar. Damit ist ein Lernprozess verbunden, der schwierig sein kann. Zumindest sehe ich es für mich persönlich so. Ich arbeite daran.

            Einen schönen 3. Advent wünsche ich Ihnen!

          • Ganz herzlichen Dank, @Marie H. – und auch inhaltlich volle Zustimmung. Ich sollte mir auch als Wissenschaftsblogger immer wieder vor Augen führen, dass schriftlicher Dialog zwar wichtig ist, aber das persönliche Gespräch nicht ersetzen kann. Beim Formulieren und auch Interpretieren von Texten sind wir ja doch immer auf uns selbst zurückgeworfen, es fehlen Mimik, Gestik, Stimmen.

            Dennoch möchte ich gerne zusagen, nicht nur weiterhin die digital befeuerte Rechtsmimesis und den Ableismus als feindseligen Dualismus zurück zu weisen, sondern auch in Zukunft über die Gefahr von “Euthanasie”-Argumentationen aufzuklären, wie dies auch in der Gedenkstätte Grafeneck geschieht:

            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rechtsmimesis-widerstand-ein-foto-mem-zur-deutschen-geschichte/

            Lieben Dank auch für Ihre guten Wünsche zum 3. Advent! Ich habe heute morgen bereits ein Radiointerview bei RBBeins gegeben und freue mich mit meiner Familie auf Gäste. Gleichzeitig aber besorgen mich doch Nachrichten aus den USA. Der sog. “Ministerpräsidenten-Kandidat” der AfD, Markus Frohnmaier, kandidiert ja nicht einmal für unser Landesparlament, lässt sich aber mit großer Delegation von “Young Republicans” in New York mit dem Namen des historisch sehr umstrittenen CIA-Direktors Allen Welsh Dulles (1893 – 1969) auszeichnen:

            https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/afd-usa-reise-100.html

            Dazu habe ich heute morgen gepostet:

            Mir macht die Entwicklung in den #USA durch Donald #Trump & konkret auch auf #X durch Elon #Musk enorme Sorgen. Die #Rechtsmimesis wird längst bis zur Förderung offener Antisemiten wie #NickFuentes & politischen Angriffen gegen die #EU & gegen #Deutschland getrieben.

            Und nun erhält ein #AfD – Politiker, der gegen die demokratischen Parteien in #BW antritt, auch noch eine Auszeichnung junger Republikaner.

            Ist unsere #Demokratie wirklich wehrhaft genug gegen ihre Feinde?

            https://sueden.social/@BlumeEvolution/115717161773232068

            Spreche am 19. Januar 2026 mit #CarloMasala über „#Desinformation und #Verschwörungsmythen in Zeiten von #Polykrisen“. Herzliche Einladung (& ja, ich werde mich um eine Aufzeichnung der Veranstaltung bemühen).

            Mein Eindruck ist, dass viele Verantwortliche in #Politik & besonders #Medien die Sorgen der Mehrheit vor der #Rechtsmimesis & digitalen #Polarisierung noch nicht ernst genug nehmen. Was muss eigentlich noch alles passieren? Oder sehe ich das falsch?

            https://sueden.social/@BlumeEvolution/115717191605120838

            Und ich kann da auch aus eigener Erfahrung sprechen: Seit meinem Amtsantritt 2018 werden meine (deutsch-türkische & christlich-islamische) Familie und ich mit digitaler Gewalt überzogen. Vor vier Jahren wurde mein #Name auf einen Pranger einer #Trump – #MAGA – Seite gesetzt, die den guten Namen von Simon #Wiesenthal missbraucht. Und habe all dem für unser #Miteinander standgehalten…

            https://sueden.social/@BlumeEvolution/115717226365633842

            Ich danke Ihnen von Herzen für unsere guten und tiefen Dialoge und wünsche Ihnen von Herzen Wohlergehen und eine gesegnete Adventszeit! 🖖

          • Sie haben recht, dass ich mich zur Wasserkrise etc. hier weniger geäußert habe. Ich versuche mich bei Themen zu äußern, die ich soweit verstehe, dass in meinem Kommentar nicht nur Blödsinn rauskommt. Bei naturwissenschaftlichen Themen bin ich deshalb sehr zurückhaltend.

            Ich bin Mutter von zwei Kindern. Deshalb gehen mir Meldungen wie die über Abschiebungen sehr nahe. Ja, ich empfinde Mitleid mit diesen Menschen, die bei uns Schutz vor Verfolgung suchen, hier friedlich leben und die dann von uns so hintergangen werden.

            Warum ich mich aber dazu seltener äußere, hat nichts mit fehlender Solidarität oder Gleichgültigkeit zu tun. Es ist der politische Aspekt, weswegen ich mir auf Ihrem Blog Zurückhaltung auferlege. Denn gerade über einige Politiker, die diese Handlungen zu verantworten haben, empfinde ich Wut und Ohnmacht. Keine gute Basis, um ausgewogen und sachlich zu formulieren. Ich bedaure es sehr, dass der Eindruck entstanden ist, ich forderte nur Solidarität für mich!

            Nach der Bundestagswahl 2025 haben K2 und ich darüber gesprochen, wohin wir flüchten könnten. K2, an diesem Tag unterwegs mit Kommilitonen, empfand das Wahlergebnis als Schock und schilderte die gedrückte Stimmung auf der Rückfahrt.

            Gerade Ihr Bericht über Ihren Besuch in Grafeneck brachte mir die Einsicht, dass der Mord an Kranken, Behinderten etc. am Ende einer schleichenden Entwicklung stand, die von der Propaganda in widerlichster Weise vorangetrieben wurde.

            Auf den Artikel in einem Presse-Erzeugnis des Axel Springer Verlags, den eine ehemalige Bundesministerin und Gründungsmitglied einer sog. konservativen Denkfabrik verfasst, gehe ich aus guten Gründen nicht mehr ein.

            Menschenwürde ist für mich unteilbar. Sie gilt für alle Menschen gleichermaßen! Dabei habe ich immer vor Augen, dass es in den Nürnberger Prozessen auch um Verbrechen gegen die Menschlichkeit ging. Auch deshalb: NIE WIEDER!

          • Herzlichen Dank, @Marie H. – so verstehe ich einiges besser.

            Aus meiner Sicht ist es nicht wirklich überraschend, wenn sich fossile Konzernmedien in fossiler Entsolidarisierung betätigen. Ich vertrete ja sogar die These, dass sie bisweilen gezielt von den eigentlichen Problemen ablenken und dualistische Empörung zu schüren versuchen.

            https://www.youtube.com/watch?v=F1nITBjZUAM

            Statt mich in ggf. problematischen Texten auf mehr oder weniger seriösen Medienportalen zu verlieren, nahm ich heute lieber an der Chanukka-Feier der IRGW in Stuttgart teil:

            https://sueden.social/@BlumeEvolution/115730263917279480

            Ich danke Ihnen sehr für unsere guten Dialoge, die mich bewegen und weiterbringen! Ihnen und Ihren Lieben von Herzen gesegnete Weihnachten und ein gutes, neues Jahr!

  6. @ Michael Blume 13.12.2025, 13:04 Uhr

    Es bleibt einem praktisch nichts anderes übrig, als die „Muster“ politischer Handlungen oder Handlungsoptionen mit Namen von Politikern zu verknüpfen.

    Ich wünsche Trump und letztlich auch uns allen, dass er als „Friedensstifter“, der einen Atomkrieg mit einer „Ausrottungskomponente“ zwischen Amerika (mit Europa) und Russland verhindert hat, in die Geschichtsbücher eingeht.

    Napoleon und Hitler werden mit den (erfolglosen) Russlandfeldzügen verknüpft. Angeblich sehen es auch die Russen so, dass eine Art Zuzug vom Meer aufs Festland(innere), noch dazu wenn begehrte Bodenschätze „winken“, eigentlich aus Instinktgründen ganz selbstverständlich ist. Allerdings sind schwerste Konflikte vorprogrammiert…..

    Nur die Russen wollen halt selber bestimmen, wer „ins Land“ kommt und vor allem wer über den höchst ertragreichen Handel und die Bodenschätze bestimmt. So wie auch wir allmählich drauf kommen, dass wir fleißige Arbeiter wollen, aber keinen, der ein Kalifat als Lösung anbietet…..

    Natürlich finde ich es gut, dass wir bestimmte demokratische Rechte haben. Nur beginnt auch unsere Demokratie, allmählich darunter zu leiden, wenn 2 Lager unversöhnlich gegenüber stehen und womöglich Bürgerkrieg droht…… Die politische Intrige gibt es offensichtlich bei uns aber auch in Russland, wie auch Ihre Beispiele aufzeigen.

    Dass die Zustimmungswerte zu Trump im tiefen Keller sind, scheint naheliegend. Fallen doch die Zölle auch seinen Wählern auf den Kopf…..

    Mir geht es nur um die Frage, sind die Menschen „klug genug“ (haben ausreichend psychologische und ökonomische Erkenntnisse) Fragen um „Krieg und Frieden“ in Verhandlungen positiv zu regeln, oder eben nicht, zumal die gegenseitige Ausrottung droht……

    • Diesmal stimmen wir überein, @Realo – wenn „2 Lager unversöhnlich gegenüberstehen und womöglich Bürgerkrieg droht“, dann hat sich wieder gezeigt, dass die Parteien – Konkurrenzdemokratie weniger taugt als die vom Grundgesetz eigentlich vorgesehene, parlamentarische Konsensdemokratie:

      https://youtu.be/BeGhV302gR4?si=6OqjovzM90dg8IsJ

      Und, ja, die Politiken der Thymokraten Trump und Putin schaden ihren schrumpfenden Bevölkerungen sehr. Das wäre ja auch im Falle einer weiteren Machtergreifung fossiler Faschisten in unserem Land so. Die Verheißung einer mimetischen Verschmelzung statt der komplexen Realität ist und bleibt ver-führer-isch. Auch deswegen kläre ich freundlich und ausdauernd dagegen wissenschaftlich auf.

  7. @HG Unckell 13.12. 10:21

    „Jeder Mensch findet das eigene Glück, wenn er sich dem Auftrag öffnet, den die Quelle alles Guten (Gott), für diese Person weist.“

    Da geht es wohl eher lang. In vernünftiger Praxis. Es erlernt ja auch jeder einen anderen Beruf. Und jeder Künstler, den wirklich was antreibt, sucht seine Wege für sein eigenes Werk.

    „Mir ist klar, das ist eine andere Ebene, als die philosophische Perspektive, die hier im Blogbeitrag angesprochen ist.“

    Auch die Philosophie lebt doch von philosophischer Vielfalt. Und Wissenschaft und Technik von vielfältigen funktionierenden Konzepten.

    Nur die Politik sucht nach allgemeingültigen Regeln, und muss das auch. Letztlich müssen Staat und Gesetze definiert sein. Hier finden wir entsprechend auch ein mimetisches Schlachtfeld.

    Grauenhaft wird es, wenn Heerscharen von verblendeten Idioten durch die Lande ziehen, und eigentlich nur die Korruption einiger Weniger unterstützen. Und das noch nicht mal merken.

    Entsprechend würde ich auch die Mimesis gar nicht so grundlegend einstufen. Die individuelle Existenz als Ergebnis von Individuation dürfte wesentlich maßgeblicher sein. Was dann in der Lebenspraxis eigentlich selbstverständlich ist. Nur in der Politik müssen Einigungen her, das liegt in der Natur der Sache.

    Deswegen gibt es Streit, Diskurse, Manipulationsversuche und öfter auch nackte Gewalt.

    Wer den Solarpunk sucht, kann sowieso aktiv werden, und schon einiges Eigenes beitragen, aber natürlich auch gucken, dass die politischen Diskurse in die richtige Richtung gehen. Aber gerade Teile der Wirtschaft machen sich mit zunehmenden Erfolg an die Umsetzung der dem Solarpunk zugrundeliegenden Technologien.

    Wenn wir es nicht machen, macht es eben China. Deswegen ja auch die aktuellen Zölle. Vermutlich klappt es aber trotzdem. Wir sind als EU nur 5% der Weltbevölkerung, und wo die Treibhausgase zuerst vermieden werden und dennoch sogar Energie billiger werden kann, ist dem Klima ziemlich egal. Solange die chinesischen Produktionskapazitäten für die Grüne Technik ausgelastet sind, läuft es ja noch.

    Und China hat nun auch einfach aufgrund seiner Größe von 15% der Weltbevölkerung bessere Möglichkeiten neue Technik zu entwickeln und eine wirklich effektive Produktion zu etablieren. Uns bleibt dann nur noch, die letzten Verbrennerautos zu verkaufen. Nur da haben wir noch einen technischen Vorsprung.

    Aber die grüne Technik muss auch vor Ort installiert werden, das bleibt auf jeden Fall im Land. Und wir sparen ja den Einkauf von fossilen Brennstoffen, das ist von der Summe her durchaus vergleichbar mit dem Einkauf Grüner Technik aus China. Rund um Wasserstoff könnte man aber noch das eine oder andere selbst neu entwickeln.

  8. Beeindruckend! Die KI Felo.ai vermag meine Position zu Mimesis & Menschenwürde auch gegen zahlreiche An- und Übergriffe bereits präzise wiederzugeben:

    Dr. Michael Blume betrachtet die Idee der Menschenwürde als mimetisch verteidigungswert und unverzichtbar, weil sie tief in der menschlichen Nachahmungsfähigkeit (Mimesis) verwurzelt ist. Die Mimesis beschreibt die Fähigkeit des Menschen, nicht nur Verhaltensweisen, sondern auch Ziele und Werte von anderen zu übernehmen. Diese Fähigkeit hat in der Evolution eine zentrale Rolle gespielt, indem sie sowohl destruktive als auch konstruktive Handlungen ermöglicht hat – von Gewalt und Unterdrückung bis hin zu Solidarität und Rettung[7].

    Die Menschenwürde ist ein herausragendes Beispiel für ein Ziel, das durch Mimesis weitergegeben und verteidigt wird. Sie bildet die Grundlage für moralische und rechtliche Prinzipien, die das friedliche Zusammenleben und die Vielfalt in einer freien Gesellschaft sichern. Blume betont, dass die Menschenwürde nicht nur ein abstraktes Konzept ist, sondern ein Ziel, das aktiv verteidigt werden muss, um autoritären und totalitären Tendenzen entgegenzuwirken. Sie ist unverzichtbar, weil sie die Grundlage für den Schutz jedes Einzelnen und der Gesellschaft als Ganzes darstellt[7][19].

    [1] https://trott-war.de/im-gespraech-mit-dem-antisemitismusbeauftragten-dr-michael-blume/
    [2] https://www.staatsanzeiger.de/nachrichten/politik-und-verwaltung/michael-blume-im-interview-nur-die-juden-haelt-man-fuer-die-super-verschwoerer/
    [3] https://www.verlagsgruppe-patmos.de/lebe-gut/alle-beitraege/antisemitismusvorwurf-gegen-michael-blume-haltlos
    [4] https://www.staatsanzeiger.de/nachrichten/politik-und-verwaltung/antisemitismus-bekaempft-man-entweder-ueberall-oder-man-bekaempft-ihn-gar-nicht/
    [5] https://www.boell-bw.de/de/2022/12/05/dr-michael-blume-gegenstrategien-von-seiten-der-politik-und-den-institutionen
    [6] https://kirchenfernsehen.de/video/hoffnungsmensch-michael-blume-hass-hetze-hoffnung/
    [7] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/vom-faustkeil-zur-menschenwuerde-die-evolutionspsychologie-der-mimesis-erklaert/
    [8] https://www.deutschlandfunkkultur.de/religionswissenschaftler-michael-blume-antisemitismus-100.html
    [9] https://d-nb.info/1191404625/34
    [10] http://der-semit.de/michael-blume-wer-nichts-wird-wird-antisemitismusbeauftragter/
    [11] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verantwortung-dialog-gewaltenteilung-gesicht-zeigen-fuer-unsere-justiz-und-fuer-gerechtigkeitsmimesis/
    [12] https://hateaid.org/berufungsurteil-wirft-grundsatzfrage-nach-meldewegen-auf/
    [13] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsmythen-2025-warum-ich-gerade-weinte/
    [14] https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenw%C3%BCrde
    [15] https://www.bpb.de/themen/politisches-system/politik-einfach-fuer-alle/236724/die-wuerde-des-menschen-ist-unantastbar/
    [16] https://sueden.social/@BlumeEvolution
    [17] https://www.swr.de/swrkultur/wissen/michael-blume-herausforderung-antisemitismus-102.html
    [18] https://www.researchgate.net/publication/295086767_Menschenwurde_-_Leerformel_oder_unverzichtbarer_Gedanke
    [19] https://www2.hs-fulda.de/~grams/hoppla/wordpress/?p=4242&cpage=1
    [20] https://www.swr.de/swrkultur/wissen/die-wuerde-des-menschen-mehr-als-eine-schoene-idee-swr2-wissen-2021-10-07-100.html
    [21] https://research.uni-leipzig.de/fernstud/Zeitzeugen/zz1078.htm

  9. Aus meiner Sicht erleben wir aktuell eine gesellschaftliche Auseinandersetzung zwischen Vernunfts-, Gesinnungs- und Gefühlsethik.
    Gerade die Gefühlsethik befördert den Gedanken des gruppenbezogenn Nationalismus. Es scheint, jeder und jede strebt nach dem Besonderen. Egal ob als Individuum oder als Gemeinschaft.
    Das Besondere als herausragendes Merkmal der Gefühlsethik.
    Wenn nur jeder besonders sein will oder als solches anerkannt werden will, dann entsteht automatisch ein hierarchische System, da Führung gerade das gesellschaftliche besonders fördert: Amerika first, China first, Russia first, Deutschland first.
    Ich first und die Gemeinschaft first. Es ist ein Auswuchs des Neoliberalismus bis zum Liberatismus.
    Vernünftig ist das nicht, da der globale Wettbewerb in die ökologische Katastrophe führt.
    Wir wissen das alles und streben dennoch nach persönlichem Status des Erfolges und Erhalt des persönlichen Wohlstandes, welchen wir zu verteidigen zu versuchen.
    Es ist nach Kant die Entscheidung zwischen Handeln oder/und Unterlassen.

  10. Ja, felo.ai fasst das gut zusammen. Ich empfehle dazu ‘ Gewalt und Mitgefühl’ von Robert Sapolsky.
    Es ist eine Verhaltensanalyse, die diese beiden widerstreitenden Aspekte des Handelns beschreibt.
    Daraus kann man auch das bereits früher mal angesprochene Heldentum ableiten.
    Wer ist nun Held?
    Derjenige, der Gewalt zum Sieg anwendet? Derjenige der das bessere Argument hat?
    Und da sind wir wieder bei Dominanz und Aufgeben.
    Ist Verlust von Unversehrtheit oder auch des Lebens es Wert, sich zu wehren?
    Das dürfte das zentrale Moment in aktuellen Diskursen sein.

    • Lieben Dank, @Mussi

      Tatsächlich habe ich mir vorgenommen, in 2026 einmal ausführlicher über die von den Nazis im Rahmen der T4-„Euthanasie“ ermordeten Veteranen des Ersten Weltkrieges zu sprechen. Viele dieser aus heutiger Sicht Kriegstraumatisierten wurden auch schon im späten Kaiserreich als „Kriegszitterer“ diffamiert, entehrt und entsoldet, teilweise gar mit Elektroschocks gefoltert und getötet. Politische Oppositionelle wurden in sog. Strafbattailone versetzt und gezielt besonderen Gefahren ausgesetzt.

      Im Dokumentationszentrum Grafeneck wird allen Opfern der sog. „Euthanasie“-Massenmorde erinnert, vgl.:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rechtsmimesis-widerstand-ein-foto-mem-zur-deutschen-geschichte/

      Darf ich fragen, was Sie zu diesem Themenkreis denken und empfehlen würden, @Mussi?

      • Der Themenkreis steht im Zusammenhang mit dem Rassenwahn und unwehrtem Leben der Nazis.
        Ich hatte einen Cousin, der von Trisonomie 21 betroffen war. Was ich von ihm gelernt habe war ein liebevoller Umgang mit der Mitwelt, Humor und ein starkes Gerechtigkeitsgefühl. In meinem Worten habe ich ihn positiv direkt und hochfunktional empfunden.
        Wobei ich bei Gewaltopfern immer eine gewisse Dysfunktionalität festzustellen meine.
        Wir erziehen damit immer wieder unsere eigenen Thymokraten, das meistens aus einem durch Gewalt verursachten Minderwertigkeitsgefühl resultiert.
        Überlegenheit und Unterlegenheit wechselwirken da.
        Was ich an mir selber entdecke ist, das die Beschäftigung mit dem eigenen Tod mich dazu bringt, jedes Leben als sehr wertvoll anzusehen.
        Märtyrertum ist mir dabei fremd. Die Auseinandersetzung mit Tod, Heldentum und Märtyrertum dürfte im Zusammenhang mit Euthanasie wenig erforscht und gesehen zu sein.

        • Haben Sie herzlichen Dank für Ihre klugen Worte, @Mussi, die ich gerne annehme.

          Leider haben wir auch heute wieder mit Hass & Terror zu tun. Ich postete:

          Und wieder, diesmal in #Australien: #Antisemitismus tötet! Diese Attacke scheint sich gar gezielt gegen #Chanukka gerichtet zu haben.

          „Bei einem antisemitischen Anschlag am Bondi Beach in der australischen Metropole #Sydney sind offiziellen Angaben zufolge mindestens zehn Menschen getötet worden – einer von ihnen ein mutmaßlicher Angreifer. Elf Menschen seien nach jetzigem Stand verletzt, teilte die New South Wales Police Force mit.“

          Stop mit jeder Verharmlosung!

          https://sueden.social/@BlumeEvolution/115717854143404044

          Und:

          In #Bayern wurden durch unsere #Polizei Männer festgenommen, die einen weiteren #Anschlag auf einen #Weihnachtsmarkt geplant haben sollen. Ich gehe davon aus, dass auch hierbei verschwörungsgläubiger #Dualismus bis hin zum #Antisemitismus vorliegen.

          Danke allen, die sich auch in #Deutschland gegen #HassundHetze sowie gegen jeden #Terrorismus stellen! #Dingolfing

          https://sueden.social/@BlumeEvolution/115718002718278094

          Vielen Dank allen, die sich auch auf dem Blog & den Podcasts informieren.

  11. “….Wenn die Gemeinschaft das Wohlwollen der Geister erstrebt, so will auch ich das tun! … ” (Zitatende)

    Kürzer: Die Neigung zu kolleltivistischer Unterordnung oder Eingliederung in die Gemeinschaft. Schärfer : Ein soziohistorisch bedingter Hang zum Anti- Liberalismus, der lange Zeit auch (das christliche) Europa prägte. Was man heute auch (nord und fernost- ost) asiatischer aber auch nahöstlicher Kulturtradition nachsagt , aber nicht gerade das ist, was “unserer westlichen Wertetradition ” entsprechen sollte. Auch wenn sich manche bzw zunehmend mehr angesichts ihrer Klimapanik insgeheim oder auch schon ganz unverschämt in öffentlichen Talkshows das “kollektivistische Formatieren” der Gesamtbevölkerung zum Ziel gesetzt haben.= (“Wir müssen die Menschen nur noch überzeugen”) (-:
    Wieder andere, wie in Nachbarblogs, schalten kritische Kommentare gar nicht erst frei. Problem gelöst , denn ““….Wenn die Gemeinschaft das Wohlwollen der Geister erstrebt, so will auch ich das tun! … ”

    • Nein, @little Louis – der Deutschlandfunk tut das, was gute Medienethik ausmacht: Sich auch selbst immer wieder hinterfragen.

      Das ist kein Argument für, sondern gegen jeden Verschwörungsglauben.

  12. “Es ist unser Glück, daß wir nicht wissen, was Glück ist. Wüßten wir es, könnten wir sicher sein, daß keiner es erreicht, weil alle dasselbe haben wollten. (Zitatende)

    Glück ist zunächst mal Zufriedenheit: Frieden im (psychischen) Inneren und Frieden im Äußeren. Letzteres erreicht man nachhaltig aber nur durch einen “zufriedenstellenden” Ausgleich divergierender Einzelinteressen . Sowohl von Individuen , als auch von Staaten. Womit wir wieder beim politologischen und geostrategischen Hauptproblem angekommen wären.

  13. “….Wer etwa einer Beauty-Influencerin folgt, bekommt algorithmisch völlig andere Medienströme zugeführt als jene, die einem Finfluencer-Duo, einem Salafisten oder einer Naturwissenschaftlerin wie Mai Ti Nguyen-Kim folgt….” (Zitatende)

    “Oh mein Gott” ……… Ob die Meinungsvielfalt innerhalb eines Monopolmediums oder durch Konkurrenz vieler Einzelmedien, die nur jeweils die Meinungen möglichst aller gesellschaftlichen Partikular – “Blasen” verbreiten, gewährleistet werden soll, war schon eine (bis heute ) offene Diskussion im “Gemeinschaftskunde” bzw. Politologie– Anfangssemester meines Studiums an der Pädagogischen Hochschule.

    Das Menschenbild , das Aussagen wie denen im obigen Zitat zugrunde liegt, ist äußerst zynisch: Die “Normalbürger” sind nichts weiter als eine Art von Tabula Rasa- Zombies ohne jegkiche kritische Eigeninitiative , die einzig und allein völlig hirnlos ihen SM- Idolen hinterherhecheln. Ich glaube kaum, dass die gesamte Bevölkerung aus infantilen Kindsköpfen besteht. Jeder weiß, wie durchaus kritisch auch in NICHT- intellektuellen Kreisen zum Beispiel über Fufball “diskursiert” wird.

    Man musss nicht alles blind nachplappern, was die Soziopsychologen um Pia Lamberty schon vor fast 15 Jahren in “Wissenschaftlichen Studien” vorgebetet haben.

    • Nun, @little Louis – Sie machen sich ja durch die Namenswahl und das ständige Einhacken auf Frauen und jüdische Intellektuelle selbst klein. Ich hatte sehr bewusst ganz verschiedene, auch etwa naturwissenschaftliche Milieus thematisiert, um zu zeigen: Die Gefahren der mimetischen Selbstauswahl und -verstärkung betrifft alle Menschen, auch ganz unabhängig von formaler Bildung.

      Und ich finde es nett, dass Sie das hier so eindrucksvoll bestätigen…

      Ihnen Dank und einen schönen, gerne besinnlichen Adventsabend!

  14. @Michael 14.12. 16:52

    „Es stimmt, dass wir in unserer Evolution stärker auf gruppenbezogene Mimesis als auf Wahrheit geprägt wurden. Aber daraus folgt gerade nicht, dass es keine wissenschaftliche Wahrheit gibt.“

    Ganz so doof sind die Leute aber auch wieder nicht. Auch Verschwörungsmythen müssen sich bemühen, irgendwie denkbar zu sein. Überzeugung kommt nicht nur aus dem Nichts.

    Diese Blasen braucht es eben, ein allgemeiner Diskurs wie zu Zeiten vor den asozialen Plattformen hat dann tatsächlich weniger Unfug ermöglicht.

    Interessenkonflikte gibt es jetzt auch noch. Z.B. Ölfirmen setzen sich nun für ihren Umsatz ein, und lassen es sich auch was kosten, Klimawissenschaft zur Klimapanik zu verdrehen.

    Was dem Einzelnen dabei bleibt, ist die Suche nach der eigenen Wahrhaftigkeit. Es ist auch das eigene Bewusstsein, das von Verschwörungsmythen vernebelt wird. Es geht nicht nur um das Klima.

  15. @ Michael Blume.

    „Vom Faustkeil zur Menschenwürde – Die Evolutionspsychologie der Mimesis“

    Ich möchte, als realistisch denkender, ehemaliger Techniker (Elektronik/Informatik) noch viel weiter zurück, als „nur“ zum „Beginn der Menschheit“ (mit Faustkeilen und Menschenwürde….), zum „Beginn der Welt“.

    Genau genommen, ich möchte Ihre Sichtweise Herr Dr. Blume, dazu erfahren, ob es (philosophisch?) korrekt ist „Objekte“, „Namen“, „Bezeichner“,….., so wie es in der Informatik selbstverständlich ist, zu „deklarieren“ und danach mit einem Bezeichner (einen Namen) zu „versehen“?

    Es ist offensichtlich korrekt, wenn ein Vater seinen neu geborenen Sohn, z.B. „Michael“,…. tauft.

    Ich habe gehört, auch Theologen „deklarierten“ (wie auch immer) einen Begriff „Schöpfung“ und als „Bezeichner“ wählten sie „Gott“. (Praktisch eine Tautologie)

    Für Informatiker würde diese „Begriffe“ grundsätzlich „existieren“.

    Mir geht es um das „informelle Objekt“ mit der Bezeichnung „Information“. So wie Theologen behaupten: „Am Anfang war das Wort…“.

    Information bezeichnet „Veränderung“ und kann auch „Materie los“ sein. Vom „Nichts“ zum „Raum“, damit auch zur „Zeit“,….. zur „Welt“,….. letztlich auch zur „Veränderung von Druckerschwärze auf Papier“…..

    Auf diese Art wurden auch z.B. umfangreiche „Wissensinformationen“ über die Welt „beschrieben“….., zweifellos auch Information…..

    Ich will auf den „Hardware Software Dualismus“ hinaus. Wo ist, aus Sicht der Philosophie, das „Problem“???

  16. “….Nun, @little Louis – Sie machen sich ja durch die Namenswahl und das ständige Einhacken auf Frauen und jüdische Intellektuelle selbst klein….
    (Zitatende)

    Na gut – lassen wir dann halt eine erstaunlich “ausgewogen” argumentierende Stimme aus dem ausgesprochenen Mainstream sprechen.
    Und obwohl mein Umfeld meint, ich solle den Unsinn endlich lassen und etwas Vernünftigeres (im Haushalt) tun , gebe ich ich trotzdem und gegen jegliche weibliche Alltagsvernunft das Folgende aus einem aktuellen Büchlein (im Konjunktiv) wieder:

    Um Unwahrheiten und falschen Gewissheiten zu zu begegnen, sei ein neuer und aufmerksamer gesellschaftlicher Blick auf Wahrheit und Lüge notwendig.Es sei ein wichtiger Auftrag fürdie Medien und die Öffentlichkeit, nicht nur Lügen, sondern auch falschen Wahrheitsansprüchen entgegenzutreten und Meinungen, die nicht dem Mainstream entsprechen, nicht nur zuzulassen, sondern sie – solange sie auf dem Boden der Verfassung stehen – als Gewinn für den Diskurs zu betrachten. Das notwendige Gegengewichtzu Lügen und Fake- News sei nicht die unbedingte Forderung nach Wahrheit, sondern der Zweifel, die Ausgewogenheit und der kritische plurale Diskurs. Der Umgang mit Wahrheit und Unwahrheit sei ein Balanceakt. Schon wegen der neuen technischen Mögkichkeiten werde uns nichts anderes übrig bleiben, als skeptisch zu sein, stärker auf Quellen zu achten………………Meldungen müssten hinterfragt werden, gerade wenn an ihnen ein politisches Interesse besteht, ohne Rücksicht auf Loyalitäten, Bündnisse oder einen guten Zweck. Wir bräuchten eine neue Kultur des Zweifelns, in der nicht die Gewissheit, sondern die Suche nach der Wahrheit im Vordergrund stehen solle.

    Und weiter vorne im Abschnitt über Probleme der Wissenschaft sagt die/der Autor/in unverblümt, dass nicht nur Nachwuchskräfte an der Uni , sondern selbst angestellte Wissenschaftler einem gewissen Konformitätsdruck ausgesetzt seien. Und es sei Nachwuchswissenschaftlern keineswegs zu raten, Vorschläge für eine Verschärfung des Jugendstrafrechts oder der Aufhebung von Strafhöhen zu publizieren. Denn schließlich würden die künftigen Kollegen darüber entscheiden, ob sie künftig einen Lehrstuhl bekommen.

    Da kann der kleine Louis mit antisemitischem Bildungsneid sich mal selbst vor dem “Mainstream” verbeugen. Wenn auch nur etwas. Denn derdie Autor bildet aktuell noch keineswegs den Mainstream im Mainstream. Schon gar nicht bei den “Öffentlich Berechtigten” (mit (fast) Alleinstellungsanspruch), die Wahrheut zu verkünden. Aber ich erwähnte ja schonmal: Möglicherweise ist der erste Hauch eines größeren Paradigmenwechsels zu erahnen. Eventuell selbst beim hiesigen “Hausverlag. Denn auch da wehen die Winde vorwiegend aus Westen.

    Ob ich das noch erleben darf? Zu gönnen wärs mir schon bei all dem völlig unvernünftigen Zeitaufwand für diesen Blog. (-:

    • Danke, @little Louis – Ihre wenn auch widerwillige Verbeugung vor den auch von Ihnen abgewerteten „Mainstream“-Medien freut mich! Und vielleicht wollen und können Sie uns ja auch ein paar Beispiele solcher medialer Selbstkritik von Medien wie Nius, Achgut oder Welt am Sonntag nennen?

      Nein? Ach so. Wenn sich da nichts Vergleichbares findet, dann könnten ja auch Sie mal ins Grübeln kommen. Oder etwa nicht? 🤔🇩🇪🇪🇺💡

      Ihnen frohe Feiertage!

  17. Und vielleicht wollen und können Sie uns ja auch ein paar Beispiele solcher medialer Selbstkritik von Medien wie Nius, Achgut oder Welt am Sonntag nennen? (Zitatende)
    Achgut lese ich nur ab und zu mal bei irgeneinem Aufreger. Nius kenne ich überhaupt nicht und Welt am Sonntag lese ich nichtmal online, weils da Bezahlschranken gibt. Stellen Sie mich doch wider besseres Wissen nicht in ein nationalkonservatives oder (bezüglich Achgut) etwas “schillerndes” Licht.
    Aktuell halte ich die Truppe um Frau Wagenknecht für die noch erträglichste Option.
    Aber ganz ehrlich: Eine Blum`sche Analyse des Portals “Achgut” täte mich schon interessieren. Ich hab schon vor längerer Zeit ein, zwei Bücher des Herrn von den “St. Pauli- Nachrichten” (70er Jahre ) und auch seine TV -Produktionen mit jemandem , der Ihnen eigentlich sympathisch sein sollte (und von dem ich sogar ein signiertes Buch besitze) gesehen. (-;

    Und über die Thesen des erwähnten Buches sollte natürlich auch diskutiert werden . Eventuell sogar hier ??

    • Danke, @little Louis – aber Nein. Auf “Achgut” haben sich Autoren zahlreich (und erfolglos) an mir abgearbeitet und dann wurde ich auch noch mit einem gelben Stern auf der Brust “karikiert”:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mit-gelbem-juden-stern-markiert-als-superman-bildmontage-im-filmmengen-paradox/

      Ich habe also derzeit nicht vor, diesem Portal weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Und dem sog. BSW sowie bei diversen Putinknecht-Medien schenke ich auch nicht mehr Zeit als unbedingt nötig. Auch ich muss mich ja manchmal fragen, wie viel digitale Zeit sinnvoll investiert ist. Und Sie müssen zugeben – ich habe Ihnen mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als Sie erwartet haben. Vielleicht lässt Sie das ja irgendwann gegen jeden Bildungsneid und Verschwörungsglauben zu einem “middle Louis” reifen! Von mir aus gerne! 🙂

  18. Spannend wird es, wenn man Zusammenhänge zwischen Mimesis und Innovation betrachtet. Wenn wir nur immer alles nachmachen würden, käme nie etwas grundlegend neues hinzu.

    Da kommt in manchen Fällen der Zufall ins Spiel. Zufällige Ereignisse oder außergewöhnliche Beobachtungen während eines mimetischen Vorgangs können zu Innovationen führen.

    Man kann niemanden überholen, indem man in seine Fußstapfen tritt.

    François Truffaut

    • Danke & Zustimmung, @Tilmann Schneider!

      Menschliche Kulturen können weder auf Basis reiner Imitation (Nachahmung), noch auf reiner Innovation (Neuerfindung) gelingen. Dass die Evolutionspsychologie des Frühmenschen die Mimesis auf Basis neuartiger (!) Faustkeile sichtbar macht, verweist genau auf die delikate Balance zwischen Tradition und Evolution, die uns ausmacht.

  19. “Der zweite große innenpolitische Schwerpunkt ist die Wirtschaft. Dem muss sich alles unterordnen.”

    Markus Söder in Kreuth, CSU 2026, Januar 2026

    Mir geht es hier nicht um Söder-Bashing. Wenn wir von Mimesis sprechen, dann die Frage – unabhängig von dem, der sie äußert – wer oder was wird mit dieser Aussage nachgeahmt.

    Natürlich ist alles immer eine Sache der persönlichen Interpretation.

    Mein wohlwollendstes Verständnis dieser Aussage ist: Alles, was innerhalb eines demokratisch verfassten Gemeinwesens möglich ist, um die Wirtschaft zu unterstützen, muss getan werden.

    Andererseits bleibe ich an “unterordnen” und “alles” hängen. Denn Unterordnung heißt ja, dass die anderen Gruppen – Gewerkschaften, die Ärzte, alle staatlichen Organe – im Konfliktfall zugunsten der Wirtschaft entscheiden.

    Schwammig bleibt der Begriff “Wirtschaft”. Wen oder was meint Herr Söder? Auch hier bin ich wieder auf Mutmaßungen angewiesen. Denn mir ist klar, dass der früher so gepriesene Mittelstand andere Bedürfnisse hat als der international tätige Konzern.

    Dieses goldene Kalb “Wirtschaft” soll – erneut von mir so aufgefasst – den Primat vor allen anderen erhalten. Aber ist das mit unserer Gesellschaftsordnung überhaupt vereinbar?

    In seiner Rede fiel auch das Wort “Generalüberholung”, “vom Kopf auf die Füße stellen”. Plattitüden? Schlagwörter (einfach so dahergesagt)?

    Sie hatten gestern auf Mastodon auf Donald Trump und seine Eingriffe in die amerikanische Wirtschaft hingewiesen. Die Äußerungen von Markus Söder erhalten damit auch eine außenpolitische Dimension.

    Freie Wirtschaft, weitgehend ohne Regeln, Gesetze etc von staatlicher Seite, aber andererseits finanzielle Hilfen aus Steuermitteln, um Unternehmen zu stützen.

    Wenn wir also von Mimesis sprechen: Das was Ministerpräsident Söder sagte, erinnert mich in Teilen an die Agenda, die hinter dem amerikanischen Präsidenten steht.

    Wäre dem so, die bange Frage: Quo vadis Deutschland?

    • @Marie H.

      Aus meiner Sicht steckt hinter der von Ihnen befürchteten Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten vor allem der Deliverismus: der rechtsmimetische Glaube, Bürgerinnen und Bürger wären so etwas wie quengelnde Kundschaft, die durch immer weiteres Wirtschaftswachstum befriedigt werden müssten. In Deutschland entwickelte sich diese Auffassung aus der Erzählung, erst das Wirtschaftswunder hätte auch aus Deutschen Demokratinnen und Demokraten gemacht – und sie würden sich also bei ausbleibendem Wachstum wieder eilfertig dem fossilen Faschismus zuwenden.

      So bin ich derzeit froh und erleichtert, dass die meisten europäischen Länder das Mercosur-Handelsabkommen gegen die Widerstände der fossilen Agrarlobby durchgesetzt haben:

      https://youtube.com/shorts/n__Fr5J63fQ

      Und fairerweise ist doch auch zuzugestehen, dass die CSU in Bayern auch aufgrund ihrer wirtschafts- und technologiepolitischen Erfolge über Jahrzehnte hinweg zur erfolgreichsten Regionalpartei Europas aufstieg. Klar steht der derzeitige CSU-Parteivorsitzende Markus Söder also unter massivem Druck, hat doch sein Kurs der Rechtsmimesis und scharfen Abgrenzung gegenüber den Grünen und moderaten Christdemokraten wie dem erfolgreichen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU) die CSU immer weiter abrutschen und stattdessen Freie Wähler und AfD immer weiter erstarken lassen.

      Und erst im Dezember berichtete Kerstin Palzer vom CSU-Parteitag:

      Ja, Markus Söders Ergebnis bei der Wahl zum Parteivorsitzenden wurde mit Spannung erwartet. Und ja, es wurde auch gemunkelt, dass er die fast 97 Prozent Zustimmung vom letzten Mal wohl diesmal nicht schaffen würde. Aber es war dann schon ein ganz besonderer Moment, als das bisher schlechteste Ergebnis, das Söder je erhalten hat, auf dem Parteitag verkündet wurde. Da ging ein leises Raunen durch den Saal. Da wechselten Delegierte fast erschrockene Blicke, da zögerten einige, aufzustehen und zu klatschen. So, wie man das eigentlich macht bei der CSU.

      Söder hat nach der Verkündung der 83,6 Prozent, die für ihn gestimmt haben, gar nicht versucht, seine Gesichtszüge im Griff zu haben. Dass der starke Mann der CSU “not amused” war, war offensichtlich. Unter 85 Prozent – das ist für CSU-Verhältnisse ein Misstrauensvotum mit Samthandschuhen.

      https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/csu-parteitag-soeder-merz-102.html

      Aus meiner Sicht ist das Scheitern der Rechtsmimesis dabei auch kein exklusiv bayerisches oder deutsches Problem, sondern zeigt sich u.a. auch katastrophal in der Schweiz. Dazu postete ich bereits vor Tagen:

      Gemeinsam mit Millionen in #Europa trauere ich um die meist jungen Toten in #CransMontana in der #Schweiz 🇨🇭. 😢🔥

      Und frage, wann endlich #Medien die klaren Lehren thematisieren: Der #Marktregelt NICHT, die #Rechtsmimesis tötet!

      Wer ständig gegen den demokratischen #Staat wettert, Regeln, Kontrollen, Steuern, Gebühren, Bürokratie nur „abbauen“ will, tauscht #Sicherheit von Menschen gegen #Profit. Auch in #Deutschland werden Arbeitsplätze in #Kommunen „eingespart“!

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115853058024386136

      Mir ist bewusst, dass viele Menschen innerdeutsche Parteipolitik für weltentscheidend halten. Aber gerade auch der Blick auf die Evolutionsgeschichte lässt uns m.E. auch Raum dafür, die größeren Linien, Gefahren und auch Chancen zu sehen. Gerade auch heute:

      Kein guter Morgen für Rechtsmimetiker, Fossilisten & Antisemiten: Im #Iran erheben sich immer mehr Menschen zur #Revolution gegen das fossile #Revolutionsgarde – Regime, in den #USA wehren sich immer mehr Menschen gegen die #ICE – Truppen von #Trump , das antisoziale Netzwerk #Instagram gerät erneut in #Datenschutz – Turbulenzen & der Podcast #HossundHopf fliegt inmitten einer #Bitcoin – Schwäche mit Vorwürfen um #Antisemitismus & #Drogen auseinander… 😳

      Der #Fossilismus zerfällt… #Solarpunk

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115875320790997270

      Ihnen von Herzen einen schönen Sonntag! 🙏🙌

      • Haben Sie vielen herzlichen Dank für die mir sehr einleuchtende Erklärung.

        Es ist sehr schade, dass die Wahlerfolge der AfD dazu geführt haben, dass bei mancher demokratischen Partei der Eindruck gewonnen wurde, nur der wirtschaftliche Erfolg könnte verhindern, dass die sog. Alternative gewählt wird.

        Es schmerzt mich sehr, dass diese Fokussierung auf die Wirtschaft nicht zu mehr gesellschaftlicher Geschlossenheit führt.

        An Wirtschaft und Wohlstand dürfen nur jene teilhaben, die dafür über die Grenze persönlicher Belastbarkeit arbeiten. Und wegen Rentnern, Kranken, Behinderten, Pflegebedürftigen, Flüchtlingen bringt die Maloche finanziell kaum mehr Wohlstand ein. Ohne diesen Ballast wäre das also vermutlich anders.

        Nochmals danke für Ihre Antwort. In Worte fassen, welche Gefühle das zu verstehen in mir auslöst, ist mir nicht möglich. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

        • Vielen Dank, @Marie H. – ich sehe in der sehr deutschen Betonung von Wirtschaft bzw. Wirtschaftswachstum sogar eine doppelte Ursache:

          1. Das Wachstumsversprechen des Fossilismus, wie er sich sowohl in Kapitalismus wie Kommunismus manifestierte.

          Und

          2. Das in Deutschland sog. Wirtschaftswunder nach dem 2. Weltkrieg, wie es hier auch in dieser Film- und Musikszene gezeigt wird:

          https://m.youtube.com/watch?v=SGBVB3KBPn8

          Leider hat sich dieser republikanische Begründungsmythos von Wirtschaftswachstum = Demokratietreue bis heute mimetisch gehalten und prägt unbewusst auch weiterhin die Politik- und Medienlandschaft. Vor allem unter Druck wird er immer wieder beschworen.

          Wir Deutschen sind vor der NS-Vergangenheit weniger weggelaufen als vielmehr weggewachsen. Das ist übrigens ein Grund, warum ich für zentralistische DeGrowth-Ansätzen in unserem Land keine politische Chancen sehe. Stattdessen hoffe ich, dass wir unser Verständnis von Wohlstand und Wachstum behutsam erweitern.

          • https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-unternehmer-baden-wuerttemberg-fordern-mehr-fokus-auf-die-wirtschaft-100.html

            Der letzte Absatz Ihrer Antwort hat mich sehr beschäftigt, und ich kann Ihnen bezüglich der NS Vergangenheit nur zustimmen.

            Auch in dem oben verlinkten Artikel bestätigt sich das, was Sie über DeGrowth schreiben.

            Eine der mE gefährlichsten Aussagen betrifft den Gegensatz von Klimaschutz und Wirtschaft. Immer wieder wird unterstellt, dass durch die Ziele im Klimaschutz Arbeitsplätze wegfallen bzw keine neuen entstehen können.

            “Wirtschaft first”. Die Politik muss selbstverständlich die in ihren Zuständigkeitsbereich fallenden Rahmenbedingungen für die Unternehmen nicht überstrapazieren. Wir müssen uns jedoch bei dem o.g. Slogan fragen, in welchen Bereichen und Unternehmen Innovationen entstehen.

            Denn neue Produkte, gerne auch nachhaltige, liegen in der eigenen Verantwortung der Unternehmen. Wer sich Wirtschaft first auf die Fahnen schreibt, sollte den Zusammenhang zwischen Innovationen und Arbeitsplätzen nicht ausklammern.

            Die Automobilindustrie ist ein sehr gutes Beispiel für verfehlte Strategien. Das Hase und Igel Rennen bezüglich der E-Mobilität (Anzahl E-Autos vs. Anzahl der Ladestationen) zeigt ganz deutlich, dass es der Automobilindustrie nicht gelungen ist, bei der Politik den notwendigen Druck zum Handeln aufzubauen. Es ist also kein Rätsel, warum wir hier nicht vorangekommen sind und jetzt auch noch Rückschritte machen.

            Und Politiker sollten unter “der Wirtschaft” nicht nur Unternehmen und Unternehmer sehen, sondern auch die, die von falschen Weichenstellungen der Vorstände etc als erste betroffen sind: die Belegschaft! Diese ermöglicht durch Einsatz und Fleiß den wirtschaftlichen Erfolg – gemessen an Umsatz/Gewinn – der Unternehmen. Darüber wird leider zu selten gesprochen.

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