Verschwörungsfragen 70: Das Badebild gegen Reichspräsident Ebert beschädigte die Weimarer Republik

Zu den bedrückenden Erkenntnissen der Geschichtswissenschaft gehört, dass Rechtsdualisten immer wieder die neuesten Medien benutzten, um gegen die Demokratie sowie gegen religiöse und ethnische Minderheiten zu hetzen.
So eskalierten fossile Konzernmedien im 19. Jahrhundert den Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus weltweit in nie gekanntem Ausmaß. Die Nazis setzten gezielt Zeitungen, Radio und Filme ein, um die Weimarer Republik zu zerstören und zu den Massenmorden des Holocaust an jüdischen Menschen, an Sinti und Roma, an Slawen, an Menschen mit Behinderungen und politischen Gegnern aufzurufen.
Auch nach der Gründung der Republik Israel setzten sich die Angriffe fort: Antisemitische Regime und Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah rufen bis heute zur Ermordung jüdischer Menschen und zur Vernichtung des Staates auf. Viele jüdische Gemeinden und mutig Engagierte, aber auch Beauftragte gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben wie ich erhalten praktisch täglich medialen Hass und Hetze.
Aber auch israelische Rechtsradikale wie der derzeitige Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir, der aufgrund seiner Gesinnung vom Armeedienst ausgeschlossen worden war, plädierte vor Kurzem in einem Podcast für die Ermordung palästinensischer Menschen in Gaza, denen er zudem absprach, Menschen zu sein. Die klare Ansage und Distanzierung dagegen auch von Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, begrüße ich sehr.
Ein besonders krasses Beispiel für die persönlichen und politischen Gefahren medialer Diffamierung gegen den großen Sozialdemokraten Friedrich Ebert (SPD) erschien am 9. August 1919 erst in einem deutschnationalen Blatt, dann aber am 21. August 1919 – zum Tag seiner Vereidigung als Reichspräsident! – in der Berliner Illustri(e)rten Zeitung, B.I.Z.
Am Tag der Vereidigung des ersten demokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD), dem 21. August 1919, wurden er und Reichswehrminister Gustav Noske (ebenfalls SPD) auf der Titelseite der Berliner Illustri(e)rte Zeitung B.I.Z. in Badehosen und mit freiem Oberkörper abgebildet. Von dieser Diffamierung mit der höhnischen Beschriftung „Ebert und Noske in der Sommerfrische“ erholten sich der Präsident und die junge Republik nie mehr. Auf Ebert folgte der rechtsnationale Monarchist und Verschwörungsmythologe von Hindenburg, auf diesen dann Adolf Hitler. Foto: Wilhelm Steffen
Während die Menschen schon aufgrund der Kriegszensur Politiker über Jahre nur in würdiger Kleidung, oft in Uniformen, gesehen hatten, wurden hier führende Sozialdemokraten mit freiem Oberkörper und in Badehosen dem Hohn, Hass und Hetze überlassen. Schnell eskalierten rechtsdualistische und zunehmend auch nationalsozialistische Medien mit entmenschlichenden „Satiren“, in denen Noske als Affe und Ebert als Schwein und Eber dargestellt wurden.
Als der Reichspräsident und weitere Demokratinnen und Demokraten versuchten, den Diffamierungen durch die Justiz (Judikative) entgegen zu treten, wurden sie weiter verhöhnt und teilweise sogar noch von den rechtsdrehenden Gerichten etwa als „Landesverräter“ gebrandmarkt.
Es kam zu mehreren, rechtsterroristischen Mordanschlägen auf Sozialdemokraten wie Philipp Scheidemann (SPD), auf Christdemokraten wie Matthias Enzberger (Zentrum) sowie auf Liberale wie Walter Rathenau (DDP). Ebert selbst starb nach heftigen, auch juristischen und medialen Niederlagen wegen verschleppter Operationen am 28. Februar 1925 – der erste und gleichzeitig letzte, demokratische Reichspräsident der ersten Berliner Republik.
Die Verantwortung der Medien – die Publikative als Schwachstelle jeder demokratischen Republik
Schon 2022 sagte ich gegenüber der „Jüdische Allgemeine“: „Wenn ein Mediensystem kaputt ist, stürzt die Demokratie ab.“
Schon 2022 warnte ich in einem Artikel der „Jüdische Allgemeine“ vor der Macht Konzern-medialer Desinformation. Screenshot: Michael Blume
Denn jede demokratische und gewaltenteilige Republik (von lat. res publica = öffentliche Angelegenheit) ist auf eine Publikative angewiesen, die die gemeinsame Realität vermittelt. Nirgendwo ist es so einfach, durch politische und vor allem finanzielle Macht Verzerrungen zu erzeugen und die anderen Säulen der Gewaltenteilung – die Exekutive, Legislative, Judikative, Scientikative – anzugreifen.
In einer schönen Version des fünf-Säulen-Modells der Gewaltenteilung in einer demokratischen Republik geht jeder der Gewalten in den gemeinsamen Sockel, das Vertrauen, über. Grafik: @Dendroniker nach Michael Blume
Deep Dive in Medien- und Politikgeschichte
Aus diesem Grund bietet die Folge 70 von „Verschwörungsfragen“ auch bewusst einen tiefen Durchgang durch die Medien- und Politikgeschichte, der das Judentum und die römische Republik bis zu den Konflikten des 19. Jahrhunderts zwischen jüdischen und christlichen Demokraten einerseits und autoritären, regelmäßig antisemitischen Reaktionären andererseits schildert.
Wer etwa zum tapferen und dafür nur antisemitisch geschmähten Kaisertreuen Gabriel Riesser mehr lesen mag, dem empfehle ich „Im Kampf um die Freiheit. Preußens Juden im Vormärz und in der Revolution von 1848“ von Julius H. Schoeps.
Zur deutschen Mediengeschichte des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und konkret zum „Badebild“ ist online die Doktorarbeit von Niels Albrecht (2002): „Die Macht einer Verleumdungskampagne: Antidemokratische Agitationen der Presse und Justiz gegen die Weimarer Republik und ihren ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert vom Badebild bis zum Magdeburger Prozess“. Ein Meisterwerk in deutscher Medien- und Republikgeschichte!
Zum „Verschwörungsfragen„-Hören verweise ich neben der aktuellen Folge „Die Verantwortung der Medien und das ‚Badebild‘ von Friedrich Ebert“ auch auf Folge 67 mit Josephine Ballon von HateAid zu digitaler Gewalt und auf Folge 66 mit dem sym-badischen Karlsruher OLG-Präsidenten Jörg Müller zu Judikative und Publikative.
Im inzwischen 70-teiligen Podcast „Verschwörungsfragen“ sind alle Folgen kosten- und barrierefrei abrufbar. Kachel: Staatsministerium Baden-Württemberg
Als Einladung und Überleitung zum Dialog möchte ich noch das tiefe Lied „Die Jugend hat Angst“ von JAS zitieren, in dem es zum Zustand der Publikative und zur auch individuellen Medienethik heißt:
„In jeder Schlagzeile geht’s um Hass und Lügen. – Wann haben wir aufgehört zu reden? – Wir suchen nur noch nach Extremen. Wann haben wir aufgehört zu reden?“




Ich möchte das Lied „Titanic“ von Falco empfehlen. In Dauerschleife. So laut, dass man brüllen muss, um sich trotzdem zu verständigen. Nicht lauter.
Auch die Linken hatten am 9/11 ihren Dubbya, der doof Kinderbücher vorlas, um sich über ihn aufzuregen.
Sie können die Weimarer Demokratie und Hitler nur gemeinsam haben oder nichts von beidem. Dualismen bedingen sich, nennt man Teufelskreis.
[Wegen Überlänge & unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]
Nein, @Paul S. – Deutschland konnte die Weimarer Demokratie und Hitler keinesfalls „nur gemeinsam haben“. Dass Sie das behaupten zeigt auch, dass Sie die Podcast-Folge überhaupt nicht angehört haben.
Klar entwickeln sich in freiheitlichen Demokratien Dualitäten etwa zwischen Linken und Rechten, Älteren und Jüngeren, Ärmeren und Reicheren usw. Doch genau zum dialogischen und gewaltenteilig gesicherten Ausgleich ist die demokratische Republik die beste Option.
Hier nur mal drei konkrete Beispiele:
1. Die B.I.Z. (Publikative) hätte den Reichspräsidenten nicht aus Sensations- und Profitgier medial bloßstellen und damit den Feinden der Republik keine Steilvorlage liefern müssen.
2. Die bayerische Judikative hätte Hitler schon nach seinem ersten, gescheiterten Putschversuch wehrhaft bestrafen und ausweisen können, statt ihn sogar implizit zu fördern.
3. Noch viel mehr Menschen hätten die katastrophale Rechtsmimesis der DNVP unter Hugenberg ablehnen können, ohne den Hitler nicht an die Macht gekommen wäre. Es gab sogar eine kleine, evangelische Abspaltung, den Christlich-Sozialen Volksdienst CSVP:
https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich-Sozialer_Volksdienst
Wer also behauptet, Hitler sei eine gewissermaßen zwangsläufige Folge der Weimarer Demokratie gewesen, bestreitet und externalisiert damit einfach nur Verantwortung. Auch heute sind wir frei, das Richtige zu erkennen und zu tun.
Denn Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
Besten Dank. Der Beitrag regt wieder einmal zum Nachdenken an.
Der letzte König VON Frankreich war Karl X., der 1825 gekrönt wurde. 1755 im „Ancien Régime“ geboren, war er ein Bruder von Ludwig XVI. Die Krönung von 1825 hat auch in der Musikgeschichte Spuren hinterlassen. Der italienische Komponist Gioachino Rossini komponierte für diesen Anlass die Oper „Il viaggio a Reims“. Im 19. Jahrhundert gab es nur wenige Aufführungen, und später galt das Werk als verloren. In den 1970er Jahren rekonstruiert, wird sie seit 1984 immer wieder aufgeführt. Die Wiederentdeckung nahm ihren Anfang damals beim Rossini Opera Festival in Pesaro. Dirigent war Claudio Abbado, der die Oper auch in der Wiener Staatsoper und der Philharmonie in Berlin musikalisch leitete.
Der Bürgerkönig Louis Philippe nannte sich König DER Franzosen. Gleiches taten Napoleon I. und Napoleon III. durch den Titel Kaiser DER Franzosen.
Die Diffamierung von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens als „Landesverräter“ lässt sich auch am Beispiel von Albert Kehm im Württemberg der 1920er Jahre zeigen.
https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/PERSON/kgl_biographien/116092653/Kehm+Albert+August+Konrad
Ich bin der Meinung, dass die Menschen in Deutschland noch nie so frei waren in ihren Entscheidungen wie heute. Im Geschichtsunterricht haben wir uns mit dem Thema Propaganda beschäftigt. In Gruppenarbeit sollten wir anschließend herausfinden, ob wir davon ausgingen, dass wir uns noch einmal in einem solchen Taumel von Lügen wiederfinden würden. Mit dem Argument, dass es in der Berichterstattung immer unterschiedliche Darstellungen gäbe und man sich umfassend informieren könne, haben wir das verneint. Das war in den 1970er Jahren.
Wie rasch sich die Beschreibungen politischer Ereignisse und Sachverhalte einander angenähert haben und damit fast ausnahmslos das selbe Narrativ verwenden, lässt sich sehr gut an der Entwicklung der 2020er Jahre nachvollziehen.
Was Thema sein darf und welche Lesart den größten materiellen Nutzen mit sich bringt, wird eigentlich nur noch von einem Medienhaus definiert. Erschwerend kommt hinzu, dass wir als Nutzer von Social Media ebenfalls Medienschaffende in vielfältiger Weise sind.
Die Weimarer Republik war noch bei mir im Geschichtsunterricht nicht mehr als eine Randnotiz. Wenn überhaupt lag der Fokus auf der Zeit zwischen 1929 („Schwarzer Freitag“) und 1933 („Machtergreifung“).
Allerdings handelt es sich beim Thema Weimarer Republik, 1919-1933) um eine solche Menge an unterschiedlichen Themenbereichen, dass wir mE noch lange nicht alles Wichtige so richtig „verarbeitet“ haben. So gilt die Betrachtung der ersten fünf Jahre der Weimarer Republik meist nur für das Jahr 1923 und den Folgen der Inflation. Nach allem, was ich darüber gelesen und gehört habe, konnte man die psychologischen Folgen noch bis in die 1960er Jahre spüren.
Friedrich Ebert hatte das „Pech“, mit vielem, was politisch und militärisch seit 1914 passiert war, direkt verbunden werden zu können. Dies erleichterte es den Hetzern, Angriffspunkte zu finden. Das letzte Kriegsjahr 1918 begann mit großen Streiks. 1919 war das und mehr noch in den Köpfen. Daher war es leicht, der Bevölkerung durch dieses Foto zu vermitteln, indem man die Botschaft verbreitete, dass der Reichspräsident das Leben genießt, während Deutschland darbt.
Wir finden die politisch-mediale Ausschlachtung des Fotos widerlich und völlig unangemessen. Letztlich funktioniert Propaganda nur, weil wir alle Fehler machen.
Als Medien-Konsumenten tragen wir alle Verantwortung. Nicht nur kurzfristig in ein enges „An-die-nächste-Wahl“-Denken verfallen, sondern die Folgen von Diffamierung und Hetze gegen die politische Konkurrenz zu bedenken, ist der Auftrag an alle Politiker.
Herzlichen Dank, liebe @Marie H. für diesen starken Kommentar!
Lassen Sie mich bitte meine Freude kurz erklären:
Auch ich habe, wie Sie, trotz starken Interesses an Geschichte bisher die Weimarer Geschichte als schnellen Akt aus drei Teilen vermittelt bekommen: Turbulente Nachkriegszeit, Goldene Zwanziger, dann Weltwirtschaftskrise und Absturz in die Nazi-Zeit.
Doch inzwischen betrachte ich diese Form der Zeiteinteilung nicht nur als mangelhaft, sondern als gefährlich falsch. Denn sie legt nahe, dass der beste Weg zur Vermeidung des Faschismus in der Sicherung von ewigem Wirtschaftswachstum als Weg zur Vermeidung von Inflation und Arbeitslosigkeit läge. Und ich fürchte, dass dieser falsche Mythos seinen Anteil am leider noch immer starken fossilen und rechtslibertären Denken hat!
Im Buch „Schwellenzeiten“ (Ergon 2019) überzeugte mich David Adwood von der Bedeutung der Zeit-Struktur auch bei der Rekonstruktion von Geschichte. Er definierte m.E. überzeugend (S. 26):
„Unter einem Mythos werden diejenigen Erzählungen verstanden, die durch die Imagination einer paradigmatischen, d.h. bedeutsamen Geschichte, die Welt raum-zeitlich ordnen und damit Handlungsanweisungen für Individuen wie für Kollektive anbieten.“
Damit also war für mich klar, dass ich das medienethische „Badebild“-Desaster nicht nur als kurze Episode der ersten Weimarer Phase erzählen wollte. Vielmehr wollte ich aufzeigen, wie sich die deutsche Konzernmedien-Landschaft im Vergleich zu Frankreich im 19. Jahrhundert entwickelt hatte und auch auf die fatale Rolle des Schwerindustriellen, DNVP-Politikers und Medienmoguls Alfred Hugenberg hinweisen, vgl.:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-26-von-elon-musk-und-alfred-hugenberg/
Nun war ich mir aber nicht sicher, ob ich den Versuch wagen sollte, noch einen Schritt weiter zu gehen und die Frage zu beantworten, warum demokratische Republiken so anfällig für Manipulationen durch die Publikative sind. Würde das ausreichend Menschen interessieren?
Immerhin hatte ich auf die Ansage »Wenn ein Mediensystem kaputt ist, stürzt die Demokratie ab.« seinerzeit viele interessierte Reaktionen erhalten.
https://www.juedische-allgemeine.de/politik/die-desinformierer/
Viele Menschen schienen also bereits zu spüren, dass da ein enger Zusammenhang besteht – und meine Hoffnung war und ist, dass gerade auch anhand der schlimmen Ebert-Diffamierung hierüber ein Nachdenken einsetzen könnte.
Also wagte ich den dritten, großen Rückgriff – bis in die Zeiten der römischen Republik, der Entstehung des rabbinischen Judentums und des frühen Christentums.
Die so kluge und auf medienethische Verantwortung zielende Rückmeldung von Ihnen & einigen anderen freut und ermutigt mich daher sehr! Mir scheint, dass viel mehr Menschen bereit sind, tiefer in Themen einzusteigen, wenn sie das Gefühl haben, auch auf Augenhöhe ernstgenommen zu werden. (Der starke Zuspruch zur komplexen Odyssee-Verfilmung scheint in die gleiche Richtung zu weisen.)
Die auf Wirtschaft verkürzende Weimar-Dreiteilung muss also nicht das letzte Wort bleiben. Und ich darf hoffen, dass auch in den kommenden Monaten und sogar ggf. Jahren noch viele Menschen anhand des großen Bogens um das Ebert-Badebild über die Bedeutung der Publikative und ihre eigene Verantwortung nachsinnen werden.
Das bedeutet mir viel & daher danke ich Ihnen für Ihren tiefen Kommentar & insbesondere den treffenden Schlussakkord:
„Wir finden die politisch-mediale Ausschlachtung des Fotos widerlich und völlig unangemessen. Letztlich funktioniert Propaganda nur, weil wir alle Fehler machen.
Als Medien-Konsumenten tragen wir alle Verantwortung. Nicht nur kurzfristig in ein enges „An-die-nächste-Wahl“-Denken verfallen, sondern die Folgen von Diffamierung und Hetze gegen die politische Konkurrenz zu bedenken, ist der Auftrag an alle Politiker.“
Ich überlege nun ernsthaft, auch in Zukunft immer wieder an Details aus der Weimarer Zeit anzuknüpfen. Wie bei der Gedenkrede für die Stuttgarter Jüdin & Fotografin des Spanischen Bürgerkrieges, Gerda Taro (1910 – 1937):
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wir-sind-fische-die-nicht-wissen-dass-sie-im-wasser-schwimmen-gedenkrede-fuer-gerda-taro/
Weil die Folge 70 schon ein Brocken war, werde ich einige Zeit brauchen. Aber die guten Rückmeldungen zeigen, dass es das wert ist…
Vielen Dank für die anerkennenden Worte.
Mir ist bei der Beschäftigung mit dem Thema „Weimarer Republik“ aufgefallen, dass man im Geschichtsunterricht von Bismarck fast umgehend bei 1933 landete. WK1 wurde wenig behandelt, und danach kam schon 1929.
Interessant finde ich im Zusammenhang mit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Buch „Zerborstene Zeit – Deutsche Geschichte von 1914-1945“ von Michael Wildt, erschienen 2022 im C.H. Beck Verlag.
Darüber hinaus wissen nur wenige Menschen, dass die Inflation des Jahres 1923 auch eine Folge der im 1. Weltkrieg aufgelegten Kriegsanleihen war.
Das Foto der Herren Ebert und Noske hat noch eine weitere Bedeutung. Sie erwähnen die Fotografin Gerda Taro. Fotos und Gemälde aus der Zeit der Weimarer Republik prägen unser „Bild“ dieser Zeit mehr als Bücher und Vorträge.
„Großstadt“ von 1927/28 ist ein Gemälde (Triptychon) des Malers Otto Dix. Es befindet sich heute im Kunstmuseum Stuttgart und hatte mE einen erheblichen Einfluss darauf, wie wir die 1920er Jahre sehen.
Weitere Beispiele sind Käthe Kollwitz und Heinrich Zille.
1917 wurde die UFA gegründet. Treibende Kraft war die Oberste Heeresleitung, insbesondere Erich Ludendorff. Daran denkt man selten. Die UFA der Jahre 1919-1945 steht für Filme wie „Die Nibelungen“ oder „Metropolis“. Mit den etwas später gedrehten Filmen „Der blaue Engel“, „Die Drei von der Tankstelle“ und „Der Kongreß tanzt“ begann der Starkult. Marlene Dietrich, Lilian Harvey, Willy Fritsch uvm.
Doch wer kennt den Namen Wilhelm Cuno? Peter Longerich schreibt:
„So auch im Falle des Reichskanzlers Wilhelm Cuno. Der war in der Tat, wie dessen Nachfolger Stresemann schrieb, Eberts >>eigenstes Werk<>Mann der Wirtschaft<< mit sehr guten Beziehungen in die angelsächsische Welt, den deutschen Außenhandel in Schwung zu bringen und die komplizierte Währungs- und Reparationsproblematik Deutschlands aufzulösen." (Peter Longerich, "Außer Kontrolle – Deutschland 1923", Molden Verlag, 2022).
Um die damalige Zeit besser zu verstehen und uns in unserer Zeit besser schützen zu können, müssten noch einige Themen intensiver behandelt werden.
Vielen herzlichen Dank, @Marie H. – auch für die Bereitschaft, uns hier dialogisch mit in die faszinierenden Verzweigungen der Geschichte zu nehmen! Und inhaltlich bin ich da ganz bei Ihnen, habe beispielsweise schon in einem Radiostück über J.R.R. Tolkien (1892 – 1973) neue Perspektiven auf den Ersten Weltkrieg hörbar zu machen versucht:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-christliche-mythentheorie-von-j-r-r-tolkien-als-radiobeitrag-evangelium-fantasy/
Von großer Bedeutung für meine Arbeiten am Thema „Zeit“ ist auch Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), dessen großes und mehrfach reinszeniertes und auch verfilmtes Meisterwerk „Faust“ bereits um die Beschleunigung durch die fossile Industrialisierung kreist.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/FaustKnittlingenBlumeEngederZeit180723.pdf
Goethe prägte auch den faszinierenden Begriff „velociferisch“, den ich hier einmal durch Felo.ai darlegen lasse:
Mit **„veloziferisch“** bezeichnete Goethe eine zerstörerische Form der Beschleunigung: ein Kunstwort, das *velocitas* (Eile, Geschwindigkeit) mit dem *Luziferischen* verbindet. Gemeint ist also nicht bloß hohes Tempo, sondern eine von Ungeduld, Maßlosigkeit und „teuflischem“ Vorwärtsdrang geprägte Dynamik.[3][6]
Goethe prägte das Wort in einem nie abgeschickten Brief von 1825; vier Jahre später verwendete er es erneut in einer Überarbeitung von *Wilhelm Meisters Wanderjahren*.[2][4] Seine Diagnose lautete sinngemäß: Die Moderne beschleunige Verkehr, Produktion, Kommunikation und soziale Beziehungen so stark, dass der Mensch ihre Richtung und ihr Maß nicht mehr selbst bestimme.[6]
## Wovor Goethe warnte
Goethe wandte sich nicht gegen jede technische Neuerung oder gegen Geschwindigkeit an sich. Gefährlich werde Beschleunigung dort, wo sie die natürlichen, menschlichen und geistigen Entwicklungsrhythmen überrenne. Das „veloziferische“ Tempo überschreitet nach dieser Lesart die Geschwindigkeit einer gesunden, organischen Bildung und Reifung.[2][12]
Er warnte insbesondere vor:
– **Ungeduld als Lebensprinzip:** dem Zwang, stets schneller voranzukommen, statt Erfahrungen reifen zu lassen;
– **dem Verlust von Besinnung und Anschauung:** Wenn alles unmittelbar auf den nächsten Reiz, Nutzen oder Erfolg gerichtet ist, fehlen Ruhe, Urteilskraft und Selbstbestimmung;
– **einer entfesselten Moderne:** Die Beschleunigung von Wirtschaft, Verkehr und Nachrichtenwesen könne sich verselbständigen und alle Lebensbereiche erfassen.[6]
– **der Unterordnung des Menschen unter seine eigenen Mittel:** Technik und Fortschritt sollten dem Menschen dienen, könnten ihn aber bei fehlendem Maß zu Getriebenen machen.
## Goethes Gegenbild: Langsamkeit und Natur
Als Gegenkräfte gelten bei Goethe **Verlangsamung, Geduld, kontemplative Anschauung und Naturerfahrung**. Natur stand für ihn nicht für Passivität oder Fortschrittsfeindlichkeit, sondern für ein Maß, in dem Wachstum, Erkenntnis und menschliches Handeln Zeit brauchen.[3][6]
Kurz: Mit „veloziferisch“ kritisierte Goethe eine Beschleunigung, die nicht mehr produktiv oder befreiend ist, sondern den Menschen von sich selbst, von der Natur und von überlegtem Handeln entfremdet.
[1] http://goethetc.blogspot.com/2009/09/goethe-and-velociferic-tendencies-of.html
[2] https://commonreader.wustl.edu/goethe-warned-us/
[3] https://tachinieren.de/2024/02/07/johann-wolfgang-von-goethe/
[4] https://www.semanticscholar.org/paper/Veloziferisch-(Velociferian)-Norton/68eb517e293034ecf61f53f1d055304693074d28
[5] https://radiergummi.wordpress.com/2015/11/02/manfred-osten-alles-veloziferisch-oder/
[6] https://www.perlentaucher.de/buch/manfred-osten/alles-veloziferisch-oder-goethes-entdeckung-der-langsamkeit.html
[7] https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/246227
[8] https://manfredosten.de/alles-veloziferisch-oder-goethes-entdeckung-der-langsamkeit-2013
[9] https://www.welt.de/print-welt/article248856/Goethe-entdeckte-die-Langsamkeit.html
[10] https://www.academia.edu/40697161/Manfred_Osten_Alles_veloziferisch_oder_Goethes_Entdeckung_der_Langsamkeit
[11] https://www.deutschlandfunk.de/ich-bin-aelter-ich-bin-neuer-100.html
[12] https://goethe-lexicon.pitt.edu/GL/article/view/25
[13] https://www.abipur.de/gedichte/analyse/22696-warnung-goethe.html
[14] https://www.wallstein-verlag.de/9783835313866-alles-veloziferisch-oder-goethes-entdeckung-der-langsamkeit.html
Zu den Büchern, die für mich besonders lehrreich sind, gehört „Goethe und Schiller – Geschichte einer Freundschaft“ von Rüdiger Safranski.
Über Goethe und die französische Revolution schreibt er:
„Er ahnte, dass von nun an die Massen unwiderruflich die Bühne der Geschichte betreten haben könnten.“
„Er bezweifelte, dass mit den Massen auch die politische Mündigkeit an die Macht käme.“
„Wenn es um die Angelegenheit der ganzen Gesellschaft geht, ist ein das Ganze umgreifendes Denken erforderlich, das Verantwortung übernehmen kann.“
„Man glaubt das Ganze beherrschen zu können und kann nicht einmal sich selbst beherrschen.“
„Die Belletristik expandierte und war dabei, zur Massenware und zum Verkaufsartikel zu werden. Diese Kommerzialisierung brachte das bisherige Wertgefüge der Literatur ins Wanken.“
Das bedeutet, dass der Schriftsteller oder auch die Journalistin schreibt, was den Verkaufserfolg ermöglicht. Auch die Gedanken über das „Ganze“ sind mE ja zutreffend.
Johann Wolfgang von Goethe lebte von 1749-1832. Vor ca. 250 Jahren. Dass er von seinen Zeitgenossen ein so kritisches Bild hatte, ist das eine. Das Erschreckende mit dem Blick auf unsere Mitmenschen liegt doch darin, dass wir uns als denkende, handelnde und fühlende Menschen kaum weiterentwickelt haben.
Vielen herzlichen Dank auch für diese starken Textfunde des von uns beiden geehrten Goethe, @Marie H. 🙏📚🙌
Und ich stimme nicht nur zu, sondern berichte auch gerne von einem Gespräch gestern auf einem Seminar der Adenauer-Stiftung. Dazu konnte ich beisteuern, dass der Begriff der „Schlag-Zeile“ der sogenannten „Boulevard-Presse“ auf die späte Praxis des Straßenverkaufs von Zeitungen zurück ging: Mit buchstäblich schreierischen Titeln und dann auch Fotografien versuchten diese Printmedien, in der Aufmerksamkeitsökonomie ihre Verkäufe zu erhöhen & damit wiederum für Werbekunden interessanter zu werden.
Auch deswegen habe ich den klugen Satz von Marina Weisband (Grüne) in einem KIT- Seminar aufgegriffen:
„Was uns wirklich die Demokratie kosten wird, ist die Aufmerksamkeitsökonomie.“
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/kit-studienbrief-zu-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/
Die Publikative ist eine Voraussetzung, aber damit leider auch der Schwachpunkt jeder demokratischen und parlamentarischen Republik. Auch deswegen erinnere ich bewusst an die unwürdige „Badebild“-Kampagne gegen den Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD) – und damit auch gegen die später so genannte Weimarer Republik.
@Marie H. 20.08. 11:35
„Als Medien-Konsumenten tragen wir alle Verantwortung.“
Ich kann es auch schwer nachvollziehen, wie die Leute sich so manchen Unfug reinziehen. Das guck ich mir doch nicht an. Da recherchiere ich lieber per KI, da kommt sehr viel eher was bei rum.
„Nicht nur kurzfristig in ein enges „An-die-nächste-Wahl“-Denken verfallen, sondern die Folgen von Diffamierung und Hetze gegen die politische Konkurrenz zu bedenken, ist der Auftrag an alle Politiker.“
Und auch der Medien selber. Soweit die Eigentümer der jeweilige Medien das überhaupt noch zulassen, zumindest.
Wobei ja eigentlich auch eine konstruktive Diskussion etwa zwischen Grünen und der CDU oder zwischen Linkspartei und den Grünen, wirklich produktiv weiterführen könnte. Das sind ja jetzt auch noch mal echte Gelegenheiten, umfassendere Horizonte gemeinsam zu erschließen?
Gerade das Fehlen mancher grundlegender Perspektiven sind doch auch verpasste Chancen.
Was machen denn eigentlich unsere Parlamentarier die ganze Zeit, die sie offenbar haben? Da sollen die doch mal das Gespräch untereinander suchen. Und ihre dabei gefundenen Erkenntnisse nicht nur in der Parlamentarischen Arbeit nutzen, sondern auch in ihre Parteiblasen zurücktragen.
Wir gehen doch wählen, damit auch was in unserem Sinne passiert. Das ist doch der Kern der ganzen Veranstaltung. Und vor jeder vernünftigen Politik kommen nun mal vernünftige Horizonte und damit gelebte Perspektiven.
Ich glaube, das Phänomen geht noch weiter zurück. Die Entwicklung des Buchdrucks in Europa war recht entscheidend für die Hexenverfolgung der Frühen Neuzeit. Es wirkt so, als würden neue Medien regelmäßig zunächst für Massenmorde verwendet.
Es ist interessant zu hinterfragen, auf welche Weise derartige Exzesse zurückgedrängt wurden. Für den Buchdruck ist da zweifellos die Ausbildung des Verlagwesens und des Buchhandels relevant. Das heißt, ein Buchhändler, der mit Hass und Hetze Geld verdienen möchte, musste die Machwerke für alle Kunden öffentlich einsehbar zur Schau stellen. Das hat vermutlich dazu geführt, dass der soziale und ökonomische Druck zu groß war, um eine solches Unterfangen lohnenswert zu machen. Die Erstauflage von Mein Kampf führte auch ein Nischendasein und erst als Hitler seinen Durchbruch dank der Förderung anderer Medien schaffte, änderte sich das. Für den Durchbruch selbst war der Buchhandel aber irrelevant. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus setzte bekanntlich zunächst eine strengere Regulierung der Medien ein, vor allem im aufkommenden Fernsehen durch die Landesmedienanstalten.
Man kann das vielleicht so sehen, dass es auch in Demokratien einen Markt für Hass und Hetze gibt, der wenn man ihn gewähren lässt, die gesamte Demokratie in den Abgrund reißt. Selbst in den USA war Rundfunk lange Zeit recht streng reguliert, nach der Deregulierungswelle Ende des 20. Jahrhunderts kam das Talk Radio sehr stark auf, womit die Vorboten entsprechender Rechtsaußen-Tendenzen bereits sichtbar wurden. Völlig unregulierte Internet-Medien gaben dem System dann den Rest.
Auf die heutige Zeit übertragen heißt das, dass Alle, denen Demokratie irgendwas bedeutet, schleunigst von allen Plattformen runtermüssen, wo demokratiefeindliches Gedankengut verbreitet wird. Insofern meine Anerkennung an Sie, das frühzeitig erkannt zu haben. Aber das wird nicht reichen, da benötigt es massive Regulierung, die aber bei der Trump-hörigen EU-Kommission nicht zu erwarten ist.
Vielen herzlichen Dank für Ihren vorzüglichen und dialogischen Druko, @Bernd – der zeigt, wie weit wir im post-fossilen und post-dualistischen Dialog miteinander schon gekommen sind. Danke für diese positive Erfahrung!
Entsprechend gerne gehe ich ausführlicher auf Ihre Überlegungen ein:
„Die Entwicklung des Buchdrucks in Europa war recht entscheidend für die Hexenverfolgung der Frühen Neuzeit. Es wirkt so, als würden neue Medien regelmäßig zunächst für Massenmorde verwendet.“
Das ist richtig beobachtet und so hatte ich vor einigen Monaten bewusst bei der Akademischen Damenverbindung Olympea & auch männlichen Interessierten in Tübingen genau über den Zusammenhang von Buchdruck mit mörderischem Antisemitismus und Antifeminismus gesprochen – denken wir etwa an den Verschwörungsmythos vom „Hexensabbat“!
https://www.youtube.com/watch?v=SYawmv4C4LQ&t=1s
„Es ist interessant zu hinterfragen, auf welche Weise derartige Exzesse zurückgedrängt wurden. Für den Buchdruck ist da zweifellos die Ausbildung des Verlagwesens und des Buchhandels relevant. Das heißt, ein Buchhändler, der mit Hass und Hetze Geld verdienen möchte, musste die Machwerke für alle Kunden öffentlich einsehbar zur Schau stellen. Das hat vermutlich dazu geführt, dass der soziale und ökonomische Druck zu groß war, um eine solches Unterfangen lohnenswert zu machen. Die Erstauflage von Mein Kampf führte auch ein Nischendasein und erst als Hitler seinen Durchbruch dank der Förderung anderer Medien schaffte, änderte sich das. Für den Durchbruch selbst war der Buchhandel aber irrelevant. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus setzte bekanntlich zunächst eine strengere Regulierung der Medien ein, vor allem im aufkommenden Fernsehen durch die Landesmedienanstalten.“
Auch dazu kein Widerspruch, sondern der unterstützende Hinweis auf die verlinkte Doktorarbeit von Niels Albrecht. Dort wird anhand der immer neuen Drucktechniken auch beschrieben, wie sich die Geschäftsmodelle der Konzernmedien rapide veränderten – und wie sich etwa der Straßenverkauf von Zeitungen auf die Gestaltung der Titelseiten auswirkte (große, grelle Schlagzeilen, große Bilder, die bis heute nach einer Straßenform benannten Boulevard-Medien).
Zustimmung auch zum Aufbau eines ÖRR und einer besseren Medienaufsicht nach dem NS-Regime. Den heutigen Medienformaten sind diese Institutionen jedoch bislang kaum gewachsen. Dass auch die deutsche Judikative leider gegenüber den internationalen Konzernmedien zuletzt eine eher schwächliche Rolle spielt, haben HateAid und ich ja bereits gemeinsam erfahren:
https://hateaid.org/berufungsurteil-wirft-grundsatzfrage-nach-meldewegen-auf/
Nicht zufällig richten sich die Augen der Welt derzeit eher hoffnungsvoll auf die US-amerikanische als auf die europäische Judikative. Ich finde, das sollte nicht so bleiben.
„Man kann das vielleicht so sehen, dass es auch in Demokratien einen Markt für Hass und Hetze gibt, der wenn man ihn gewähren lässt, die gesamte Demokratie in den Abgrund reißt. Selbst in den USA war Rundfunk lange Zeit recht streng reguliert, nach der Deregulierungswelle Ende des 20. Jahrhunderts kam das Talk Radio sehr stark auf, womit die Vorboten entsprechender Rechtsaußen-Tendenzen bereits sichtbar wurden. Völlig unregulierte Internet-Medien gaben dem System dann den Rest.“
Völlige Zustimmung, ja!
Bitte beachten Sie auch die Tiefe des Begriffspaares „Hass und Hetze“, die ebenfalls auf den Zusammenhang von feindseligem Dualismus und medialer Beschleunigung verweisen!
In Verschwörungsfragen-Folge 67 ging es genau darum – und auch um die Versuche der US-Regierung Trump, den Aufbau europäischer Gesetze und Institutionen gegen Hass und Hetze zu verhindern!
„Den Rechtsstaat auch im Netz verteidigen – im Gespräch mit Josephine Ballon von HateAid e.V.“
https://verschwoerungsfragen.podigee.io/67-neue-episode
„Auf die heutige Zeit übertragen heißt das, dass Alle, denen Demokratie irgendwas bedeutet, schleunigst von allen Plattformen runtermüssen, wo demokratiefeindliches Gedankengut verbreitet wird. Insofern meine Anerkennung an Sie, das frühzeitig erkannt zu haben. Aber das wird nicht reichen, da benötigt es massive Regulierung, die aber bei der Trump-hörigen EU-Kommission nicht zu erwarten ist.“
Auch dazu meine volle Zustimmung. Wie bei den fossilen Gewaltenergien oder der industriellen Massentierhaltung auch so sehe ich bei den algorithmischen Konzernmedien eine Verantwortung jedes einzelnen Menschen. Wir können nicht wirklich glaubwürdig von „der Politik“ die Überwindung des Fossilismus, die Reduktion von Treibhausgasen und eine bessere Regulierung von digitalen Medien einfordern, wenn wir nicht auch unser eigenes Verhalten hinterfragen. Durch den Solarpunk-Umstieg auf Wärmepumpe, Elektromobilität, Batterien, auf Pflanzenkost und aufs Fediversum konnte ich nicht nur meine Wirkungen auf die Mitwelt, sondern auch meine Lebensqualität deutlich verbessern!
Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern.
Ich danke Ihnen sehr, dass auch Sie sich auf den dialogischen Weg für eine bessere, gemeinsame Zukunft gemacht haben, @Bernd! 🙏🙌
@Michael 20.08. 19:11
„Die auf Wirtschaft verkürzende Weimar-Dreiteilung muss also nicht das letzte Wort bleiben.“
Die Wirtschaft war schon ein Faktor, denk ich mal. Aber nicht alleine, das auf jeden Fall. Auch die Kommunisten waren ja durchaus gewalttätig involviert, und deren Thema ist ja auch die Wirtschaft, grundlegend.
„Ich überlege nun ernsthaft, auch in Zukunft immer wieder an Details aus der Weimarer Zeit anzuknüpfen.“
Soweit ich das mitbekommen habe, war auch die Publikative sehr gespalten, zwischen Kommunisten und Faschisten. Und die Unruhe auch auf den Straßen war vielen wohl zu viel.
Ich weiß nur noch von meiner Oma, dass man abends in der Innenstadt kaum noch auf die Straße gehen konnte. Da war man zunächst auch noch froh, als die Nazis die Macht übernahmen, und endlich Ruhe auf den Straßen war.
Kein Vergleich zu Übergriffen der Nazis selbst und den Bombenangriffen, die dann letztlich die Folge der Naziherrschaft waren. Vermutlich hat man hier soweit leider nicht gedacht. Und man konnte sich womöglich die tatsächliche kriminelle Energie der Nazis offenbar nicht so recht vorstellen.
Vielen Dank, lieber @Tobias – aber hier muss ich doch einmal freundlich widersprechen: Gewaltbereiten Kommunisten ging (und geht) es nicht wirklich um „die Wirtschaft“, sondern um politische Macht. Nicht zufällig gingen – und gehen – kommunistische Regime mit einer massiven Zerstörung von Menschen, Wirtschaftsbetrieben und auch der Mitwelt einher.
Dies unterscheidet Linksdualisten von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die tatsächlich bereit waren und sind, in demokratischen Republiken politische Verantwortung auch für Wirtschaft, Arbeitsplätze und das Schicksal der Menschen zu übernehmen.
Interessant ist zudem, dass auch beim in der Folge geschilderten Spartakusaufstand der gewaltbereiten Kommunisten nicht etwa Regierungsgebäude oder Fabriken besetzt wurden – sondern Redaktionsgebäude insbesondere des sozialdemokratischen „Vorwärts“, also die Publikative!
Die führenden Leute der Obleute, der USPD und der KPD kamen am Abend des 5. Januars zu einer Sitzung zusammen, um das weitere Vorgehen zu bestimmen. Die meisten der Anwesenden unterstützten die Besetzung des Berliner Zeitungsviertels und waren dafür, jetzt den Kampf gegen die sozialdemokratische Regierung aufzunehmen. Karl Liebknecht war durch die Großdemonstration und die Falschmeldung, alle Regimenter in und um Berlin stünden auf ihrer Seite, „in einen Zustand der revolutionären Euphorie versetzt“ worden.
Nur zwei Sprecher der Obleute, Richard Müller und Ernst Däumig, sprachen sich gegen diese Vorgehensweise aus. Beide befürworteten eine zweite Revolution gegen den Rat der Volksbeauftragten zwar grundsätzlich, hielten aber den Zeitpunkt für verfrüht und taktisch unklug; sie stimmten lediglich für einen Generalstreik. Gegen sechs Stimmen aus den Reihen der Obleute wurde von ca. 70 Anwesenden ein provisorischer Revolutionsausschuss zum Sturz der Regierung und für die Übernahme der Macht beschlossen und aus 53 Personen gebildet. Georg Ledebour, Liebknecht und Paul Scholze waren die drei gleichberechtigten Vorsitzenden. […]
Der KPD-Führer Karl Liebknecht befürwortete, anfänglich noch gegen den Rat von Rosa Luxemburg, das Vorhaben, einen Bürgerkrieg zu entfesseln: Der Rat der Volksbeauftragten sollte mit Waffengewalt gestürzt und damit die für den 19. Januar angesetzten ersten freien Wahlen zur Nationalversammlung verhindert werden. Liebknecht fürchtete, die KPD könnte sich andernfalls zu sehr von den Arbeitern isolieren, die den Sturz der Regierung anstrebten. Zugleich versuchten die KPD-Vertreter, einige der in Berlin stationierten Regimenter, vor allem die Volksmarinedivision, auf ihre Seite zu ziehen. Dies gelang jedoch nicht, weil die meisten der Soldaten bereits zu Hause waren, weil sie sich entweder für neutral erklärten oder weil ihre Loyalität dem bisherigen Rat der Volksbeauftragten galt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Spartakusaufstand
Auch hier zeigt sich wieder, dass Freund-Feind-Dualismus sowohl auf linker wie rechter und libertärer Seite doch nur zu Vernichtungswillen und Gewalt führt. Zwischen der dialogisch-monistischen Sozialdemokratie und dem feindselig-dualistischen Kommunismus liegen die Welten des Anstands, des Friedenswillens, der Gewaltenteilung und demokratischen Republik.
Danke für die Gelegenheit, diese wichtigen Unterschiede auch hier vertieft zu erläutern! 🙏
Guten Morgen, @Michael,
Eine wunderbare Folge, die Geschichte lebendig erzählt und in der Du prägnant die Parallelen zum derzeitigen Geschehen darstellst.
Gerade dies …
„… und das rechtsdrehende Gericht ließ die Beschimpfung Eberts als Landesverräter als Meinungsäußerung zu.“
… macht beispielhaft und unmittelbar das Agieren heutiger rechtsextremer „Medienmogule“ sichtbar. Fast immer berufen sie sich auf das Recht auf freie Meinungsäußerung. Heute haben wir nicht nur mächtige Medienhäuser (Axel Springer), sondern auch manche privat betriebene, reichweitenstarke Medienmacher, die in derselben Weise agieren. Und Qualitätsmedien und teilweise der ÖRR lassen m.E. oft die kritische Distanz hierzu vermissen.
Ich war daher sehr irritiert, dass ausgerechnet die „Jüdische Allgemeine“ am 7. Juli 2026 ein m.E. sehr unkritisches Interview mit dem Podcaster Ben Berndt brachte, der Rechtsextremen wie Höcke unkritisch und naiv eine Bühne bietet und dies damit begründet, Meinungsvielfalt abbilden zu wollen (und der ganz unumwunden zugibt, dass ihn journalistische Standards nicht interessieren). Die JA hat fairerweise meinen Leserbrief dazu veröffentlicht.
Diese Verschwörungsfragen-Folge ist deshalb so wertvoll, weil sie sehr lebendig an die Geschichte erinnert und weil sie so eindringlich deutlich macht, wie sich bzgl. der Rolle der Medien derzeit so vieles auf die Geschehnisse Anfang des 20. Jahrhunderts „reimt„.
Vielen herzlichen Dank, lieber @Peter – sowohl für Deine medienethischen Reflektionen wie auch für Deinen wichtigen Leserbrief an die „Jüdische Allgemeine“!
Du schriebst dort:
„Das Interview mit dem Podcaster Ben Berndt hat mich ziemlich irritiert zurückgelassen. Denn hierbei handelt es sich ja um einen jener »Medienmacher«, die eine große Rolle dabei spielen, rechtsextremen Parteien zum Erfolg zu verhelfen. Herr Berndt betreibt mit seinem Podcast »ungeskriptet« einen äußerst einflussreichen Kanal, ohne dabei meines Erachtens journalistischen Standards zu genügen. In seinen Gesprächen – etwa mit Björn Höcke – vermisse ich jegliche kritische Distanz. Statt einzuordnen und nachzufragen, bietet er seinen Gästen eine Bühne, auf der sie ihre Positionen ungefiltert verbreiten können (das hat ja auch die Landesmedienanstalt von Nordrhein-Westfalen beanstandet und eine nachträgliche Einordnung gefordert, was Berndt jedoch ablehnt mit der Begründung, er sei kein Journalist und wisse nicht, was journalistische Standards seien). Vor diesem Hintergrund verstehe ich nicht, warum Ihre Redaktion Herrn Berndt eine weitere Plattform bietet. Die kritischen Nachfragen in Ihrem Interview waren für mein Empfinden zu wenig scharf formuliert. Diese Rückmeldung wollte ich Ihnen als treuer Leser gern geben.“
https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/leserbriefe-16/?q=Leserbriefe
Sehr gut, danke!
Inzwischen hat ja auch Siegmund Ulrich nicht nur die Titelseite des SPIEGEL für sich erhalten, sondern auch via Podcast ein Millionenpublikum erreicht. Seit Jahren warne ich Demokratinnen und Demokraten vor dem Zusammenbruch der alten, republikanischen Publikative und bitte um den aktiven Umstieg ins Fediversum, auch mit deutlichen Formulierungen:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/nur-noch-das-fediversum-kann-uns-retten-neujahrsrede-zu-salach/
Und gestern postete ich, gerade auch zur Verschwörungsfragen-Folge 70:
Als ich heute morgen zum Medienethik – „Tässle Kaffee“ ☕️️ 👇️ postete „Geschichte wieder holt sich nicht, aber sie reimt sich.“, dachte ich dabei auch an den furchtbaren SPIEGEL – Werbetitel für Siegmund (AfD) vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Und ich kann einfach nicht annehmen, dass Dirk Kurbjuweit keine Ahnung von der Mediengeschichte der Weimarer Republik hatte…
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117132015816870450
Die Publikative in der Aufmerksamkeitsökonomie ist die am leichtesten durch Geld zu manipulierende Schwachstelle jeder demokratischen und also gewaltenteiligen Republik.
Ich freue mich, dass sich das langsam, aber unaufhaltsam herumspricht – auch durch die Reflektion des „Badebild“-Medienversagens in Deutschland ab 1919.
Dir von Herzen Dank für Dein dialogisches und wichtiges Engagement, lieber @Peter ! 🙏👍
@Michael 22.08. 11:12 / 11:20
„Zwischen der dialogisch-monistischen Sozialdemokratie und dem feindselig-dualistischen Kommunismus liegen die Welten des Anstands, des Friedenswillens, der Gewaltenteilung und demokratischen Republik.“
Natürlich argumentieren die Kommunisten nur über die Wirtschaft, im Sinne eines endgültigen Endes von Ausbeutung.
Und meinen eben, das das Geld immer wieder auch Demokratie korrumpiert. Und es deswegen nur geht, wenn die Diktatur des Proletariats verwirklicht wird.
Inzwischen wissen wir, dass das zumindest in der Sowjetunion nicht funktioniert hat. Armut für fast alle war die Folge. Und ein umfassender Krieg gegen die eigenen Leute auch noch.
China geht inzwischen zumindest teilweise andere Wege. Die Wirtschaft brummt, Freiheit allerdings Fehlanzeige. Wie das da weitergeht? Echt keine Ahnung.
Die Linke scheint mir sehr demokratisch, nur die BSW deutlich zu Putinfreundlich.
„Die Publikative in der Aufmerksamkeitsökonomie ist die am leichtesten durch Geld zu manipulierende Schwachstelle jeder demokratischen und also gewaltenteiligen Republik.“
Twitter und die Washingtonpost kann man offenbar kaufen. Und antisoziale Netze auch aufbauen, wenn das gar nicht direkt wirtschaftlich ist, wenn man denn nun genug in der Kampfkasse hat. Spätestens, wenn das dann tatsächlich die weiteren Geschäfte mit den fossilen Brennstoffen fördert, kommt das investiert Geld ausgiebig wieder herein.
Was machen wir jetzt damit? Mediale Alternativen aufbauen und selber nachhaltig Investieren, fällt mir dazu ein.
Herzlichen Dank für den ausgewogenen Druko, @Tobias – gerade auch zum real existierenden und dann stets diktatorischen Kommunismus.
Dere Verklärung der menschenrechtlich und wirtschaftlich gescheiterten KP-Diktatur in China trete ich immer wieder aufklärend entgegen – übrigens seit vielen Jahren schon.
https://www.theologie-naturwissenschaften.de/startseite/leitartikelarchiv/digitale-tyrannophilie
Und erst gestern, am 21. August 2026, brachte die Stuttgarter Zeitung auf Seite 10 folgenden, m.E. gut recherchierten Artikel, der leider nur mit „dpa“ gekennzeichnet war.
Chinas Flaute wird gefährlich
[…]
Ökonomen und Finanzfachleute diskutieren, ob China auf eine ‚Japanifizierung‘ zusteuert: eine potenziell jahrzehntelange Stagnation, wie sie Japan ab den 1990er Jahren erlitt, nachdem das Land zuvor einen rasanten Wirtschaftsaufschwung erlebt hatte, dessen Ende mit dem Platzen einer Immobilienblase eingeleitet wurde.
Wenn Chinas Wirtschaft stockt, hat das globale Folgen. Schon jetzt belastet die schwache Nachfrage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt das Geschäft chinesischer und ausländischer Firmen. […]
Abgesehen davon altert Chinas Gesellschaft rasant. Die Bevölkerung könnte sich laut Schätzungen bis Ende dieses Jahrhunderts halbieren.
Seit einigen Jahren belastet eine nicht überwundene Immobilienkrise die Wirtschaft. Das verdirbt jenen die Kauflaune, die ihr Erspartes in eine Wohnung investiert hatten, und belastet die Baubranche, die lange als Konjunkturmotor Chinas viele Arbeitsplätze schuf.
Viele Ökonomen und der IWF raten Peking seit langem, die Binnennachfrage zu stärken. „Um von diesem Ungleichgewicht herunterzukommen, müsste China den privaten Konsum entwickeln, den privaten Dienstleistungssektor, überhaupt mehr Dynamik und mehr marktwirtschaftliche Steuerung zulassen“, sagt Ifo-Präsident Fuest. „Aber Staatschef Xi Jinping tut genau das Gegenteil und versucht, mit Subventionen Exporte auszudehnen.“
Ich habe den Artikel hier unter dem Blogpost eingestellt.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/china-zwischen-demografischer-geburtenimplosion-und-ki-robotik-zukunft/#comment-215015
Auch diese Diktatur ließ Tausende massakrieren, unterdrückt die Menschen und ist längst am Scheitern. Beobachte ich.
@Michael 22.08. 16:12
„Auch diese Diktatur ließ Tausende massakrieren, unterdrückt die Menschen und ist längst am Scheitern. Beobachte ich.“
Wenn die so weiter machen, möglicherweise. Man könnte natürlich auch in China, wie gesagt, die Binnennachfrage fördern. Und dem würde ich noch hinzufügen, einfach die Arbeitszeiten reduzieren, zugleich den Karrieredruck mäßigen und so eventuell sogar wieder mehr Nachwuchs haben können.
Wenn jetzt allerdings die chinesischen Eliten alle auch voll im Geldrausch gefangen sind, und mit der Brechstange maximalen Umsatz und Profit weiter um jeden Preis haben wollen, dann geht es eben nicht.
Bei uns grassiert der Geldrausch sowieso, und das schon viel länger als in China. Allerdings haben wir hier demokratische Regularien, die eine vernünftige Reaktion auf die demografische Nachfragekrise eher möglich machen, als in einer Diktatur.
Allerdings steht auch bei uns die Demokratie offenbar auf der Kippe, vermutlich aus genau den selben Gründen, die auch China ins Wanken bringen.
Wer hier jetzt dennoch die Kurve kriegt, das scheint mir derzeit unklar zu sein. Es könnte auch China werden. Immerhin hat man auch schon länger die Zeichen der Zeit verstanden, und hat da jetzt die beste und günstigste Grüne Technik anzubieten.
Am Ende entscheidend könnte der gewinnen, der es schafft, genug Steuern auf ein dann nicht mehr wachsendes Kapital durchzusetzen und damit dann Binnennachfrage wie auch wieder mehr Nachwuchs zu ermöglichen. Ich weiß jetzt nicht, wer das sein wird. Die USA unter Trump wohl eher als Letzte.
Auch wenn China im Globalen Süden viel Investiert, wäre das keine soo schlechte Idee. Die Länder können es brauchen, als Erstes eine billige solare Energieversorgung. Die macht dann dort gleich ganz viel Eigeninitiative möglich. Das könnte die Nachfragekrise noch einmal um 10 oder 15 Jahre irgendwie halbwegs ausgleichen. Zeit, sich um die eigentlichen internen Probleme zu kümmern.
Letztlich geht es ja wirklich nur um Überflusskrisen, die aber wesentlich grundlegender sind, als nur Konjunkturschwankungen. Das Einzige, das wirklich bedroht ist, das ist die Gier selber.
Danke, lieber @Tobias – auch für die starken Sätze im Druko!
„Am Ende entscheidend könnte der gewinnen, der es schafft, genug Steuern auf ein dann nicht mehr wachsendes Kapital durchzusetzen und damit dann Binnennachfrage wie auch wieder mehr Nachwuchs zu ermöglichen. Ich weiß jetzt nicht, wer das sein wird. Die USA unter Trump wohl eher als Letzte.“
Das ist präzise beobachtet – wobei alle bisher verfügbaren Demografie-Verläufe zeigen, dass sich die medial beschleunigte Individualisierung sehr viel leichter und schneller verbreitet als eine beziehungs- und kinderfreundliche Kultur.
Ich glaube also nicht, dass finanzielle Anreize alleine wieder zum Anstieg der Geburtenraten führen. Allenfalls wenige, religiöse Gemeinschaften vermögen der säkularen Implosion zu widerstehen.
„Letztlich geht es ja wirklich nur um Überflusskrisen, die aber wesentlich grundlegender sind, als nur Konjunkturschwankungen. Das Einzige, das wirklich bedroht ist, das ist die Gier selber.“
Das ist wirklich tief und zeigt die Herausforderungen für die nächsten Jahrzehnte gut.
Wir produzieren Güter im Überfluss (= angebotsorientierte Wirtschaftspolitik), während es doch eigentlich mangels Kindern und fair zugeteiltem Wohlstand an immer mehr Orten an Nachfrage fehlt.
Allerdings verdichten sich derzeit die Zins-Signale zum wahrscheinlichen Platzen einer Schuldenblase sehr:
Um auch mal was Positives zu sagen: Griechenland 🇬🇷🇪🇺 tilgt seit Jahren Schulden!
Aber die USA 🇺🇸, Japan 🇯🇵 & mehrere EU-Staaten einschließlich Deutschland 🇩🇪 verzeichnen steigende Zinslasten & schrumpfende Bevölkerungen. Als gelernter Banker würde ich sagen: Auf Dauer Trump – schwierig…
„Die Finanzpolitik unter Donald Trump wird an den Börsen zunehmend als Risiko gesehen, wenngleich noch nicht als Schuldenkrise. Jüngst hat der amerikanische Schuldenberg die Marke von 40 Billionen Dollar gerissen – eine 40 mit zwölf Nullen. Nach Einschätzung des Bankhauses Metzler muss das US-Finanzministerium rund 100 Milliarden Dollar pro Monat allein für Zinsen aufwenden – Tendenz steigend.
Noch sind die USA mit der Weltleitwährung Dollar resistenter für eine Krise als andere Länder. Aber sollte in Amerika eine Schuldenkrise ausbrechen, wären die Folgen an Finanzmärkten global & dürften Deutschland nicht verschonen.“
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117135204169633207
Auch deswegen wäre der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Heimat- und Wohlstandsenergien sowie von Batteriespeichern aus meiner Sicht klug. Es erhöht auch die Resilienz der Volkswirtschaften.
Guten Abend zusammen,
auch ich möchte kurz an die Beobachtung von @Marie H anknüpfen:
„Als Medien-Konsumenten tragen wir alle Verantwortung.“
… und ergänzen: auch als Medien-Schaffende tragen immer mehr von uns besondere Verantwortung. Denn – und auch das wurde hier schon thematisiert – durch die Möglichkeiten, die das Internet bietet, werden immer mehr von uns zu Medien-Produzenten, z.B. durch einen eigenen Blog, Podcast oder ganz einfach, wie hier, als Kommentierende. Und da alles, was wir auf diese Weise von uns geben, für alle sichtbar ist (oder innerhalb der Grenzen einer Big Tech-Plattform immerhin einem größeren Publikum verfügbar ist), ist die Wirkung unserer Worte nicht zu unterschätzen. Auch in die Zukunft hinein.
In seinem neuen, sehr lesenswerten Buch „Wie ein Volk den Verstand verliert – und was wir dagegen tun können“ (zu dem ich – Stichwort Produzent – eine Rezension geschrieben und auf meiner Webseite veröffentlicht habe) prägt Ruprecht Polenz den Begriff der „publizistischen Mündigkeit“ (S. 148), die wir schon als Kinder erlernen sollten.
Ich finde das einen sehr hilfreichen Gedanken.
Denn vielleicht gerät unsere Welt u.a. deshalb gerade so sehr aus den Fugen, weil immer mehr Menschen immer reichweitenstärkere und mächtigere Werkzeuge zum Schaffen von Medien zur Verfügung haben, aber nur wenige davon publizistisch mündig sind. Daher wird unser Informations-Raum so sehr mit Unrat geflutet, dass wir immer schlechter zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden können. Wenn wir das Bild bemühen, dass wir uns als denkende Bürgerinnen und Bürger einer freien Gesellschaft in diesem Informations-Raum wie ein Taucher im Wasser bewegen, so wird das Wasser immer trüber und die Orientierung darin immer schwieriger.
Oh, das ist interessant, @Peter – ich hatte mal ein ganzes KIT-Seminar zu diesem Thema gemacht.
Mit dem Aufkommen der digitalen Medien durchleben wir derzeit eine weitere Medienrevolution.
Immer mehr von uns (und hier beziehe ich mich ausdrücklich ein, stelle dies als meine Rolle vor) werden zu „Medienprosumenten“ – also zu Menschen, die sowohl Medien intensiv konsumieren wie auch (inner- und außerhalb des Berufes) wiederum produzieren.
Wie schon bei der Einführung des Buchdrucks erleben wir daher auch heute die Erschütterung der etablierten Institutionen und den neuerlichen Aufstieg von Verschwörungsglauben sowie populistischer Bewegungen.
Nicht zufällig behaupten dabei populistische Anführer wie Viktor Orban (Ungarn), Recep Tayyip Erdogan (Türkei), Wladimir Putin (Russland), Rodrigo Duterte (Philippinen) und Donald Trump (USA) wieder einen absoluten Wahrheitsanspruch (gegenüber dem gemäßigten Realismus liberaler Demokratien), den sie gegen die vermeintlichen „Verschwörer“ aus Medien, Justiz und Opposition durchsetzen wollen.
Immerhin werden dadurch aber auch Bevölkerungsschichten in die Politik hinein mobilisiert, die sich bisher mit passiven Rollen begnügt hatten.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/seminar-fuer-medien-und-berufsethik-am-kit-karlsruher-institut-fuer-technologie/
Aus meiner Sicht ergibt sich daraus eine schon kurzfristige Gefahr und eine mittelfristige Chance: Kurzfristig werden Abermillionen Menschen verroht und radikalisiert („thymotisiert“), mittelfristig ergibt sich aus Erfahrungen, Reflexionen und Medienbildung aber auch die Chance einer „redaktionellen Gesellschaft“ (Pörksen) mit einem starken Fediversum.
Ich fürchte jedoch, dass die politischen und auch klimatischen Schäden der vergangenen Jahre und kommenden Jahrzehnte nicht mehr „zurückgedrängt“ (Merz) werden können. Wir verlieren durch die Krise der Publikative als Menschheit wertvolle Zeit, die wir eigentlich nicht mehr haben…
Im Zusammenhang mit Ihrer Kritik an den fossilen Energien, ist mir eine noch weitaus „striktere Sichtweise“ eines ehemaligen Kollegen eingefallen. Es passt irgendwie zu den von Ihnen favorisierten Themen, weniger, ausgerechnet in diesen, gerade aktuellen Blog…..
Ich arbeitete damals in einer Industriestadt, die von einer riesigen Dunstglocke, hauptsächlich aus Kohleabgasen, „überzogen“ war. Es stank intensiv nach dem Kohlemief der in der Luft lag, die Kinder litten an Husten, Wäsche konnte nicht im Freien aufgehängt werden, ……
Und so meinte der Kollege (ein Umweltschützer der „ersten Stunde“), es liege am “Kohlezeitalter“ und die Situation wäre ein schlimmstes Verbrechen gegen die ganze Menschheit, dass sofort und grundlegend abgestellt werden müsse.
Ihm war völlig klar, dass die stark zunehmende Bevölkerung nur mit Kohleheizungen über den Winter gebracht werden konnte. Früher wurde von den Bauern „Fallholz“ im Wald eingesammelt und das hat nicht mehr zur Versorgung der immer mehr zunehmenden „Menschenmassen“ gereicht.
Aber die zunehmende exponentielle Bevölkerungsentwicklung machte die Nutzung der extrem schädlichen Kohle nötig. Nicht nur um über den Winter zu kommen, sondern auch um die übrigen, z.B. die Wünsche nach modernen Verkehrsmittel (Stahl, Autos,….), erfüllen zu können. Wo dann auch noch die extrem schädlichen Autoabgase dazu kommen…..
Aus seiner Sicht müsste die extreme Geburtenrate sofort drastisch verringert werden, weil die allein von den Menschen selbst, sozusagen aus „Vergnügen“, verursacht wird und wir selbst absolut schuldig am „Kohleelend“ wären……
Auch andere Probleme (Seuchen, Kriege,….) wären auf die ausufernde, unkontrollierte Geburtenrate zurückzuführen.
Das eindeutig von Menschen gemachte Elend, könne nur von den Menschen selbst behoben werden. Selbstbeschränkung, kein „Babyboom“, wäre dringend nötig…..
Was sagen Sie dazu????
Vielen Dank für die konstruktive Nachfrage, @Realo
Und ich bin da ganz bei Ihnen und Ihrem Kollegen: Die fossile Industrialisierung des 19. Jahrhunderts begann in Großbritannien auf Basis von Kohle und erreichte dann über Frankreich auch Preußen, inklusive Rheinpreußen, bis auch nach Japan.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/b-wie-berlin-babylon-preussen-und-der-fossile-faschismus/
Die Folgen reichten von einem zeitweise exponentiellen Bevölkerungswachstum über einen unersättlichen Rohstoffhunger bis zu neuen Waffen und der Eskalation weltweiter Kriege!
Der indische Historiker Pankaj Mishra schrieb daher zu Recht vom „Zeitalter des Zorns“ und ich spreche vom Kohle-befeuerten 19. Jahrhundert von der ersten Phase des Fossilismus!
Und während Erdöl und Erdgas das 20. Jahrhundert weiter befeuerten, beschleunigten und bis in zwei Weltkriege radikalisierte, so war die Kohle doch damit nicht beendet. So starben beim Großen Smog vom 5. bis 9. Dezember 1952 in London bis zu 12.000 Menschen!
https://de.wikipedia.org/wiki/Smog-Katastrophe_in_London_1952
Bei ehrlichem Interesse können Sie die dramatische Geschichte auch hier in einem deutschsprachigen Britpod-Podcast anhören:
https://podtail.com/en/podcast/britpod-england-at-its-best/the-great-smog-londons-dunkelste-tage/
Erst danach setzte langsam ein Bewusstsein dafür ein, dass die „Übersterblichkeit“ durch Kohlesmog menschengemacht – und also zu verändern war. Filter wurden vorgeschrieben, Kohlekraftwerke in weniger besiedelte Gebiete verlegt und Kohleheizungen zunehmend ersetzt, etwa durch Öl oder Gas.
Falls Ihnen einiges davon bekannt vorkommt, dann verstehen Sie jetzt noch besser, warum ich so dringend für den schnelleren Ausbau von erneuerbaren Friedens-, Heimat-, Wohlstands- und auch Gesundheitsenergien plädiere!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/7-vorteile-erneuerbarer-friedensenergien-7-nachteile-fossiler-gewaltenergien/
Auch, wenn ich verstehe, dass das psychologisch und biografisch schwer zu akzeptieren ist:
Kohle, Erdöl und Erdgas sind fossile Gewaltenergien, deren Verbrennung Gewalt gegen die Mitmenschen und gegen die Mitwelt befeuert.
Ihnen Dank für die Nachfrage & neue Erkenntnisse beim Recherchieren des „Großen Smogs von London“.
@Michael 23.08. 00:03 / 09:53
„Ich glaube also nicht, dass finanzielle Anreize alleine wieder zum Anstieg der Geburtenraten führen.“
Muss ja nicht sofort sein. Ein entspannteres Wirtschaften und Leben mag mit der Zeit aber dennoch wirken. Und langsam aber sicher die Geburtenraten steigern, bzw. zunächst mal nicht noch weiter abstürzen lassen.
„Allerdings verdichten sich derzeit die Zins-Signale zum wahrscheinlichen Platzen einer Schuldenblase sehr.“
Auch die Staatsschulden müssten sich doch mit entsprechenden Vermögensteuern ausgiebig und nachhaltig abbauen lassen.
„Auch deswegen wäre der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Heimat- und Wohlstandsenergien sowie von Batteriespeichern aus meiner Sicht klug.“
Da kann man dann mit dem frei gewordenen Geld auch umfangreiche Investitionen in Grüne Technik fördern.
„Wir verlieren durch die Krise der Publikative als Menschheit wertvolle Zeit, die wir eigentlich nicht mehr haben…“
Was nicht geht, geht eben nicht. Es bleibt, sich dennoch auf den Weg zu machen. Weniger Weltbevölkerung macht es dann aber auch leichter, wenn die Klima- und Wasserkrise auf die Landwirtschaftlichen Erträge geht und verbreitet Hochwassergefährdete Siedlungen aufgegeben werden müssen.
Danke, @Tobias
Du hast vermutet:
„Auch die Staatsschulden müssten sich doch mit entsprechenden Vermögensteuern ausgiebig und nachhaltig abbauen lassen.“
Und, ja, dafür gibt es ein aktuelles, vielleicht überraschendes Beispiel: Griechenland!
Athen. Griechenland will erneut frühzeitig Schulden und Kredite tilgen – diesmal in Höhe von 13 Milliarden Euro bis zum Jahresende, wie die Zeitung „Kathimerini“ berichtet. Unter anderem sollen rund 2,5 Milliarden Euro aus dem ersten Griechenland-Hilfsprogramm von 2010 getilgt werden, die ursprünglich bis 2041 hätten zurückgezahlt werden müssen.
Außerdem sollen 2,2 Milliarden Euro in die Tilgung einer Staatsanleihe fließen und der Bestand kurzfristiger Staatsanleihen bis zum Jahresende um 1,2 Milliarden Euro reduziert werden, wie die Zeitung unter Berufung auf das Wirtschafts- und Finanzministerium berichtete. Das Land spare durch die vorzeitigen Tilgungen rund 360 Millionen Zinsen pro Jahr. Auch in den kommenden Jahren solle die frühzeitige Tilgung fortgesetzt werden.
https://www.handelsblatt.com/politik/international/staatsverschuldung-griechenland-plant-erneut-eine-vorzeitige-schuldentilgung/100247812.html
Ich habe dazu neulich ein YouTube-Short erstellt, um es auch in die dortige Blase einzuspeisen:
https://www.youtube.com/shorts/CBIcEoYh7Ig
Aus meiner Sicht machen also Steuererhöhungen insbesondere auf große Erbschaften durchaus Sinn, um 1. die erneuerbaren Friedens- und Wohlstandsenergien und Batteriespeicher schneller auszubauen und 2. das absehbare Platzen der Schulden- und Immobilienblasen in den USA und China besser zu überstehen.
Habe entsprechend auch erst gestern gepostet:
Wissenschaftlich ist völlig klar, dass die obersten zehn Prozent der Weltbevölkerung (zu denen auch sehr viele Deutsche, Österreicherinnen & Schweizer zählen!) für die enormen Schäden der Klimakrise die meiste Verantwortung tragen.
Eine ökologische und soziale Marktwirtschaft muss die Vermögenden und Viel-Erbenden stärker einbeziehen. Es geht hier schließlich um das Überleben und die Zukunft aller!
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117139958596813999
Ich bin (leider) sicher, dass wir in den kommenden Monaten noch oft über diese Themen sprechen werden. Aus meiner Sicht ist doch ziemlich offensichtlich, dass auch das fossile „Petrodollar“-Finanzsystem des 20. Jahrhunderts vor dem Zusammenbruch steht…
@Michael 23.08. 14:31
„Wissenschaftlich ist völlig klar, dass die obersten zehn Prozent der Weltbevölkerung (zu denen auch sehr viele Deutsche, Österreicherinnen & Schweizer zählen!) für die enormen Schäden der Klimakrise die meiste Verantwortung tragen.“
Was dann zunächst auch mal Verantwortung und Gerechtigkeit betrifft. Diese knapp 1 Milliarde Menschen dürften für mehr als 90 % des Klimaschadens verantwortlich sein. Und genau dieselben Verantwortlichen hätten auch nur das Geld, unser Problem wirklich nachhaltig zu lösen.
Genügsamkeit mag auch schon was bewegen. Und einfach vernünftige Grüne Technik für den eigenen unverzichtbaren Lebensaufwand nutzen auch. Aber wer hier wirklich voll am Konsumieren dabei ist, der muss seine Beiträge leisten. Das können die anderen weniger solventen 90 % der Weltbevölkerung auf keinen Fall ausgleichen.
Lieben Dank, @Tobias – und dazu habe ich etwas Interessantes.
Zur 10%-Klimaschaden-These befragte ein Mastodon-Account auch die chinesische KI-Anwendung „DeepSeek“ und übersandte mir das Ergebnis.
Hier ist es:
Die Behauptung, dass die reichsten 10 % der Weltbevölkerung für etwa die Hälfte der globalen Klimaemissionen verantwortlich sind, wird durch mehrere wissenschaftliche Studien und Berichte renommierter Institutionen gestützt.
Hier sind die wichtigsten Quellen:
Wissenschaftliche Studien
1. Studie im Fachjournal „Nature Climate Change“ (2025)
Die aktuellste und wohl bedeutendste Studie dazu wurde von einem Forschungsteam um Sarah Schöngart (IIASA und ETH Zürich) im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht. Die Analyse zeigt:
Im Jahr 2019 waren die wohlhabendsten zehn Prozent der Weltbevölkerung für knapp die Hälfte der globalen Emissionen verantwortlich.
Die ärmsten 50 Prozent steuerten im selben Zeitraum nur ein Zehntel bei.
Von 1990 bis 2020 gingen rund zwei Drittel der Erderwärmung auf das Konto der reichsten zehn Prozent.
2. Studie im Fachjournal „Nature Sustainability“ (2022)
Der Ökonom Lucas Chancel vom World Inequality Lab veröffentlichte eine Studie, die ebenfalls eindeutige Zahlen liefert:
Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung sind für fast die Hälfte aller Emissionen verantwortlich.
Die ärmere Hälfte der Bevölkerung entfällt auf weniger als 12 % der Emissionen.
Allein auf das reichste Prozent der Weltbevölkerung entfallen 16,9 % des gesamten Ausstoßes.
Eine weitere Berechnung Chancel zeigt, dass die reichsten 10 % der Bevölkerung 47 % der CO₂-Emissionen verursachen.
Berichte von Oxfam
Die Entwicklungsorganisation Oxfam hat das Thema wiederholt aufgegriffen:
Bereits 2015 kam Oxfam in seinem Bericht „Extreme Carbon Inequality“ zu dem Schluss, dass den reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung die Hälfte der CO₂-Emissionen zuzuschreiben ist.
Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung war demnach für nur zehn Prozent des weltweiten Ausstoßes verantwortlich.
IPCC – Weltklimarat
Auch der Weltklimarat (IPCC) bestätigt diese Größenordnung:
Die 10 % der Haushalte mit den höchsten Pro-Kopf-Emissionen – also die wohlhabendsten Haushalte weltweit – tragen bis zu 45 % der konsumbedingten Haushalts-Treibhausgasemissionen bei.
Die unteren 50 % – rund vier Milliarden Menschen – sind für nur 13–15 % verantwortlich.
Fazit
Die Zahlen variieren je nach Studie und Berechnungsmethode leicht (zwischen 45 % und 50 %), aber der Kernbefund ist wissenschaftlich klar und vielfach bestätigt: Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung verursachen etwa die Hälfte der globalen Klimaemissionen, während die ärmere Hälfte nur einen Bruchteil dazu beiträgt.
Am Beispiel Griechenland sieht man, dass es offensichtlich am Fremdenverkehr lag, dass die Wirtschaft und die Arbeitsplätze derart gefördert wurden, dass positive Entwicklungen eintraten und die Griechen auf einmal, ihre Schulden bezahlen können.
Die eine Gruppe (z.B. Chinas Handybauer) kann etwas Geld für einen „Traumurlaub“ locker machen, können sich von den Beschäftigten im Fremdenverkehr (Hotelpersonal, Animateure,….) „verwöhnen“ lassen.
Die Gelder die die bekommen, fördern die Wirtschaft in den Fremdenverkehrsgebieten. Es entsteht zunehmend „Wertschöpfung“ mit wirklicher „Arbeit“ und wirklichem „Geldwert“.
Ich denke daran, wie der Chef einer chinesischen Handyfirma, samt seinen Mitarbeitern auf Urlaub nach Europa geflogen sind und die Besucher von den Einheimischen auf der Straße spontan freundlich „beklatscht“ wurden, als sie erfuhren wer die netten Gäste waren…..
Ich bilde mir ein, Trump will einerseits als „Friedensstifter“ in die Geschichtsbücher eingehen, andererseits als „Dealmaker“, der z.B. potentielle „Küsten Urlaubsgebiete“, wie ehemals die Riviera, jetzt in (Gaza, Mittelmeer, womöglich Hormus,….) höchst positiv weiter entwickeln will, damit nachher möglichst viele Menschen, die derzeit „als Krieger arbeiten“ (müssen) eine würdevolle Existenz bekommen und gleichzeitig die „reale Wirtschaft“ (ohne Kriege) bestens gefördert wird….
Ist doch was besonderes, wenn einer am Frieden „verdienen“ will und nicht am Krieg…..
Wäre doch einmal was anderes, ein „Fremdenverkehrsdollar“, statt ein „Petrodollar“????
Ach, @Realo – wollen Sie denn nun ernsthaft wieder anfangen, hier auf meinem Wissenschaftsblog wieder Propaganda für Ihre fossilen Lieblings-Tyrannen Trump und Putin zu streuen?
Das wird nichts, zumal sich inzwischen auch Kanada gegen die ständigen Aggressionen von Donald Trump (USA) wehrt:
„Kanadas Premier Carney: Neue US-Zölle sollen „uns schaden und spalten“
„Wir können ihr Angebot nicht akzeptieren. Und wir werden nicht liefern, was sie verlangen“, sagte Carney in einer Rede zur kanadischen Position im Handelsstreit mit den USA.
Kanadas Premierminister Mark Carney hat die neuen US-Zölle gegen sein Land scharf kritisiert. Sie seien „darauf ausgelegt, uns zu schaden und uns zu spalten“, sagte er, nachdem die Gespräche zwischen Ottawa und Washington am Freitag gescheitert waren.
https://de.euronews.com/2026/08/23/kanadas-premier-carney-neue-us-zolle-sollen-uns-schaden-und-spalten
Wenn Sie hier konstruktiv mitdiskutieren wollen, müssen Sie lernen, sich der Realität zu stellen, @“Realo“.
Während Griechenland seine Schulden tilgt, steuern die USA unter Trump in Rekord-Schulden, Fossilismus und verlorene Kriege.
Habe vor einiger Zeit sogar den antiken Begriff der (heute fossilen) „Timokratie“‘ = Geldherrschaft wieder ins Spiel gebracht:
„Eine Timokratie ist die Herrschaft der Reichen über den Staat.
Heutige Timokratien sind Regierungssysteme, in denen Menschen manipuliert werden mit Verschwörungsmythen, die letztlich immer einen antisemitischen Kern haben. Und aus diesen Staaten verbreitet sich über die sozialen Medien der Mythos, dass die Demokratie nicht mehr funktioniere.
Genau diese Gefahr sehe ich auch in den USA unter Donald Trump. Er hat im Wahlkampf der Ölindustrie das Versprechen gemacht, ihnen den Weg freizuräumen, wenn sie ihn unterstützt. Nun soll Chris Wright, ein Konzernchef aus der Öl-Branche und Klimaskeptiker, Energieminister werden.“
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117143998742303717
Felo.ai kann meine Position zum absehbaren Ende des Petrodollar-Systems bereits sachrichtig ausführen:
Blume hält das Petrodollar-System unter Trump für zunehmend instabil, weil seine Grundlage – die globale Abhängigkeit von fossilen Energien und der damit verbundene Vorrang des US-Dollars – durch Energiewende, sinkende fossile Nachfrage und politische Vertrauensverluste erodiert. Der Dollar wurde seit den 1970er Jahren zur Leitwährung einer fossil geprägten Weltwirtschaft; eine postfossile Umstellung schwächt daher auch dieses Machtmodell.[1]
## Fossile Einnahmen als Basis von Macht und Währung
In Blumes Deutung stützt das Petrodollar-System eine Ordnung, in der Öl und Gas weltweit überwiegend in Dollar gehandelt werden und rohstoffreiche Staaten hohe externe Einnahmen erzielen. Diese „Renten“ erlauben es Regimen, sich weniger über Steuern und damit weniger über Zustimmung und Kontrolle durch ihre Bevölkerung zu finanzieren. Zentralisierte fossile Energiegewinnung fördere so autoritäre Strukturen.[4]
Damit verbindet Blume auch eine politische Instabilität: Eliten, die Ölquellen beherrschen, könnten ihre Einnahmen zur Machtsicherung einsetzen und Opposition durch Verschwörungsmythen delegitimieren.[4] Das System sei also nicht nur eine Währungsfrage, sondern Teil einer fossilen Machtarchitektur, die Abhängigkeiten, Konflikte und autoritäre Rentierstaatlichkeit reproduziere.
## Trumps Politik als Verschärfung des Risikos
Nach Blumes Argumentation verschärft eine Politik, die fossile Industrien bevorzugt und auf kurzfristige Öl- und Gasprofite setzt, die Abhängigkeit von diesem auslaufenden Modell. Er kritisiert fossilen Lobbyismus ausdrücklich dafür, kurzfristige Gewinne über Europas technologische und wirtschaftliche Zukunft gestellt zu haben.[4]
Unter Trump sieht Blume zudem die Gefahr, dass eine enge Verbindung zwischen politischer Macht und fossilen Interessen demokratische Institutionen schwächt. Er verweist auf Trumps Zusage im Wahlkampf, der Ölindustrie bei politischer Unterstützung den Weg freizuräumen, sowie auf die vorgesehene Berufung eines Ölkonzernchefs und Klimaskeptikers zum Energieminister.[4] Diese Ausrichtung könne den notwendigen Umbau verzögern, obwohl die Grundlagen des fossilen Systems ohnehin zunehmend unter Druck stünden.
## Warum die Stabilität abnimmt
Blumes Schlussfolgerung lautet: Je schneller erneuerbare Energien ausgebaut werden, desto weniger Einnahmen und geopolitische Macht fließen über Öl und Gas. Jede zusätzliche Wind- oder Solaranlage sei deshalb ein Signal an fossile Rentiereliten, sich wirtschaftlich zu reformieren und auf eine postfossile Ordnung vorzubereiten.[4]
Das Petrodollar-System werde aus dieser Sicht nicht dadurch stabilisiert, dass die USA fossile Interessen nochmals politisch stärken. Vielmehr wachse seine Verwundbarkeit: Es hängt von dauerhaft hoher Nachfrage nach fossilen Energien, internationalem Vertrauen in die amerikanisch geprägte Ordnung und der politischen Stabilität fossiler Lieferstaaten ab. Trumps fossilfreundlicher Kurs verteidige somit ein System, dessen ökonomische, ökologische und politische Voraussetzungen nach Blumes Einschätzung schwinden.
[1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/niedrige-oelpreise-fuehren-zu-weniger-feuern-des-hasses/
[2] https://chrismon.de/personen/48664/michael-blume
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Blume
[4] https://energiewinde.orsted.de/koepfe-der-energiewende/michael-blume-antisemitismus-ressourcenfluch-oel-gas-konflikte-interview
[5] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/
[6] https://www.facebook.com/keycnewsnow/posts/president-donald-trump-is-cycling-through-what-seems-to-be-an-increasingly-despe/1507384000747867/
[7] https://www.herder.de/hk/autoren/michael-blume/
[8] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/konrad-adenauer-1876-1967-christdemokrat-medienkanzler-bundes-mimetiker/
[9] https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117143998742303717
[10] https://www.facebook.com/rtenews/posts/a-danish-reporter-challenged-mark-rutte-on-his-relationship-with-us-president-do/1421228986696468/
[11] https://fortune.com/2026/03/24/paul-krugman-treason-oil-futures-trading-trump-white-house/
[12] https://www.facebook.com/meidastouch/posts/trump-has-1-am-meltdown-as-life-falls-apartfollow-for-more/1347878480867085/
[13] https://www.facebook.com/RBReich/posts/what-did-we-get-out-of-trumps-little-excursion-in-iran-thousands-killed-skyrocke/1551531439673631/
[14] https://search.proquest.com/openview/22abad37a4dbc74908bfae31f256b569/1?pq-origsite=gscholar&cbl=51922&diss=y
@ Michael Blume 23.08.2026, 17:08 Uhr
Zitat: „Während Griechenland seine Schulden tilgt, steuern die USA unter Trump in Rekord-Schulden, Fossilismus und verlorene Kriege.“
Es stimmt, Amerika hat noch nie dagewesene Rekordschulden (rund 40 Billionen), die Autoindustrie ist, außer das E Autoimperium von Trumps „Kumpel“ E. Musk, so gut wie ruiniert. Viele Autowerker sind arbeitslos und viele Drogen abhängig.
Aber schon lange vor Trump, nicht wegen Trump.
Genau ihm ist das Desaster aufgefallen und er bemüht sich (mit Zöllen und Deals) Firmen ins Land und Arbeitsplätze zurück zu holen…..
Amerika wurde, durchaus auch aus eigener Schuld, „ab gestiert“. Sie kamen auf die verrückte Idee, die Pensionsgelder, möglichst der ganzen Welt, einzusammeln und zu verwalten.
Wer ist schon so blöd, sich derartiges einreden zu lassen und schickt seine Pensionseinzahlungen nach Amerika??? Der Lafontaine hat diese Verrücktheit zu unserem Glück ehemals verhindert…..
Er versucht offenbar, zu „traditionellen Werten“ zurückzukehren. „Wertschöpfung“ aus ehrlicher und wirklicher „Arbeit“ und zu wirklichem „Geldwert“. Kein in Wirklichkeit „heißer Schaum“….
Wenn der Iran andauernd droht Israel zu vernichten, ist die ganze Welt in großer Gefahr, zumal sich Israel derartiges nicht gefallen lassen würde….. Der größte „Völkermord ever“ droht….
Dass er (mit auch recht unkonventionellen Mitteln) versucht, den Iran zu einem ehrenwerten, friedlichen, Mitglied der Weltgemeinschaft zu machen, scheint doch vernünftig…. Aber „gut ausgehen“, müssen die Bemühungen natürlich nicht…..
Aber ich könnte mir vorstellen, dass auch den Iran das Problem allmählich klar wird, wie es seinen moslemischen Nachbarn längst klar ist und die mit Israel im Frieden leben….
Ich nehme Trump seine „Friedfertigkeit“ und seinen „Geschäftssinn“ jedenfalls ab. Sonst käme ich niemals auf die Idee, ausgerechnet eine „Rechten“ zu verteidigen…..
Nun ja, @Realo – Sie verteidigen hier auf meinem Blog immer wieder und geradezu zwanghaft Donald Trump & Wladimir Putin, hier sogar zu einem Blogpost und Podcast zu Ehren von Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD), der sich zwischen Links- und Rechtsdualisten zu behaupten versuchte.
Und warum tun Sie das, @Realo? Wir hatten es ja schon öfter – aus Tyrannophilie.
Habe daher Felo.ai mal zum Thema gepromptet:
Tyrannophilie kann Gewalttaten autoritärer Politiker verharmlosen, indem sie deren Macht nicht als kontrollbedürftige Gefahr, sondern als bewundernswerte Entschlossenheit deutet. Im hier gemeinten Zusammenhang kann dies dazu führen, dass militärische Aggression, Repression, Drohungen oder die Missachtung rechtsstaatlicher Grenzen als notwendige Stärke, nationale Selbstbehauptung oder vermeintlicher Realismus umgedeutet werden.
## Was mit Tyrannophilie gemeint ist
Der Begriff bezeichnet eine Neigung, Tyrannen oder autoritäre Bewegungen zu idealisieren. Mark Lilla beschreibt insbesondere die Bereitschaft von Intellektuellen, solchen Herrschern oder Bewegungen zu dienen, weil sie hoffen, ihre eigenen politischen oder philosophischen Vorstellungen durch staatliche Macht verwirklichen zu können.[4]
Dabei wird häufig nicht nur eine Person bewundert, sondern auch ihr Anspruch, Hindernisse ohne Rücksicht auf Verfahren, Opposition und individuelle Rechte beseitigen zu können. Wo Gewaltenteilung, unabhängige Justiz, freie Presse und echter politischer Wettbewerb fehlen, ist Macht jedoch kaum wirksam begrenzt; genau dies sind Kennzeichen autokratischer Herrschaft.[2]
## Mechanismen der Verharmlosung
**Stärke wird mit Rechtmäßigkeit verwechselt.** Wer den „starken Mann“ vor allem an Durchsetzungsfähigkeit misst, kann Gewalt als Zeichen von Führungsstärke ansehen. Die Frage, ob ein Handeln rechtmäßig, verhältnismäßig und menschenrechtlich vertretbar ist, tritt dann in den Hintergrund.
**Machtpolitik wird als Sachzwang erzählt.** Gewalt kann als unvermeidliche Reaktion auf äußere Bedrohungen, als Schutz nationaler Interessen oder als harte, aber angeblich notwendige Friedenspolitik erscheinen. Das verschiebt Verantwortung: Nicht der Entscheider gilt als verantwortlich, sondern abstrakte Mächte, Gegner oder angebliche Zwänge.
**Opfer und Widerspruch werden entwertet.** Tyrannophile Deutungen neigen dazu, Betroffene von Gewalt, unabhängige Medien, Gerichte und Oppositionelle als störend, illoyal oder manipuliert darzustellen. Autokratische Systeme arbeiten laut der angeführten Analyse gerade mit Einschränkung politischer Rechte und der Kontrolle von Narrativen.[2]
**Doppelte Maßstäbe entstehen.** Gewalt gegnerischer Staaten wird als Beweis von Barbarei verurteilt; vergleichbare Handlungen der bewunderten Führungsperson werden dagegen relativiert, bestritten oder mit vermeintlichen Erfolgen aufgerechnet. Diese selektive Empörung normalisiert Grenzüberschreitungen.
## Bezug zu fossilem Imperialismus: Wladimir Putin & Donald Trump
Bei Wladimir Putin kann Tyrannophilie etwa dazu beitragen, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als legitime Wiederherstellung einer Einflusszone oder als entschlossene Verteidigung gegen den Westen zu verklären, statt ihn an Gewaltverbot, Selbstbestimmungsrecht und den Folgen für die Zivilbevölkerung zu messen. Autokratische Herrschaft ist in Russland zudem durch fehlende wirksame Machtbegrenzung, eingeschränkten Wettbewerb sowie fehlende unabhängige Justiz und Presse gekennzeichnet.[2]
Bei Donald Trump kann derselbe Mechanismus dazu führen, Machtdemonstrationen, Drohpolitik oder die Missachtung institutioneller Schranken primär als „Durchsetzungsstärke“ zu feiern.[2]
## Konsequenz
Tyrannophilie ist gefährlich, weil sie den moralischen und politischen Maßstab verschiebt: Entscheidend erscheint dann nicht mehr, ob Gewalt rechtmäßig ist, Menschen schützt oder Institutionen achtet, sondern ob sie von einer bewunderten Führungsperson ausgeübt wird und deren Macht steigert. Eine demokratische Gegenhaltung verlangt daher, Gewalt unabhängig von Person, Lager und geopolitischem Nutzen an Recht, überprüfbaren Fakten, Menschenrechten und den Folgen für Betroffene zu beurteilen.
[1] https://gatesopenresearch.org/articles/acj/13100/17621
[2] https://www.derpragmaticus.com/r/oligarchen-autokraten-tyrannen
[3] https://doi-org.offcampus.lib.washington.edu/10.1137/1.9780898717938
[4] https://www.deutschlandfunkkultur.de/sachbuch-was-denker-an-diktatoren-fasziniert-100.html
[5] https://www.zeit.de/2026/17/rechtspopulismus-gehirn-neurologie-demokratie-entmenschlichung/seite-2
[6] https://www.campact.de/blog/2026/02/die-welt-der-autokratinnen-autoritarismus-merkmale-playbook/
[7] https://primo.getty.edu/primo-explore/fulldisplay/GETTY_ALMA21275423970001551/GRI
[8] https://mediarep.org/entities/article/cc3c9b50-52bf-492b-8d0a-077ca0b11cce
The comparison of Ebert to a pig and Noske to an ape was genuinely chilling when you consider how quickly dehumanizing satire can erode public trust in democracy. Reading this was a powerful reminder of how dangerous media manipulation can be. Thank you for this important insight into German history.
Thanks a lot for your interest in this topic related to democracy & media, @Minda
I did sum up some of our historical findings via Felo.ai in English:
The bathing-suit photograph did not by itself cause the Weimar Republic’s crises, but it became an unusually effective propaganda weapon against its legitimacy. It turned Friedrich Ebert, the new republic’s first president, and Defence Minister Gustav Noske into objects of ridicule at a moment when the democratic state was fragile, politically divided, and still seeking public authority.
## The photograph and its timing
The picture was taken during a visit to a children’s convalescent home on the Baltic Sea. It showed Ebert and Noske—both Social Democrats—on the beach in bathing trunks with members of a cooperative. A local photographer obtained permission to take it, but Ebert and Noske apparently did not anticipate its later political use.[4]
It appeared in the conservative *Deutsche Tageszeitung* and then in the *Berliner Illustrirte Zeitung* around the time of Ebert’s oath under the new Weimar Constitution on 21 August 1919. This timing mattered: Ebert was only beginning to become publicly recognizable as head of state, so many Germans encountered a humiliating image before they had formed a more formal, presidential impression of him.[4][5]
## How opponents used it
Conservative and monarchist opponents transformed an informal private image into a visual attack on democracy. Postcards and caricatures juxtaposed the bathing-suit image with Kaiser Wilhelm II and former army commander Paul von Hindenburg in full uniform under the caption “Einst und jetzt” (“Then and Now”). The intended message was that imperial Germany had possessed dignity, hierarchy, military strength, and masculine authority, whereas the republic represented embarrassment, weakness, and disorder.[4][9]
The attack was not principally about beachwear. It exploited a clash between Ebert’s working-class, Social Democratic identity and older expectations that a German head of state should look aristocratic, militaristic, and ceremonially imposing. By mocking Ebert’s body and appearance, critics could imply that the republic itself was unfit to govern.[9]
## Effects on Ebert and democratic authority
The photograph circulated widely in altered versions, jokes, songs, and political cartoons. It became a repeated public humiliation: people displayed bathing trunks during Ebert’s visits, hung them from poles, or presented them to him as mocking gifts.[4] Satirical publications even parodied the imperial anthem in order to ridicule him.[4]
That ridicule weakened Ebert’s symbolic authority. A republic emerging from defeat, revolution, economic hardship, and political violence needed citizens to accept its institutions as legitimate. The image made its leading representative seem laughable rather than authoritative, giving anti-republican forces a simple and memorable symbol for their claim that parliamentary democracy had degraded Germany.
## Why it mattered politically
The bathing-suit photograph was therefore a form of **delegitimization**, not a substantive critique of Ebert’s policies or Noske’s conduct as defence minister. It reduced political conflict to a visual insult that could easily be reproduced and understood. Ebert tried to respond through libel and slander cases, but with limited success.[5]
Its importance lies in what it revealed about Weimar political culture: opponents of the republic used mass media, nostalgia for the Empire, and personal mockery to erode respect for democratic leaders. The photograph has been described as perhaps the republic’s most effective, if also most scurrilous, argument against the new order.[5]
[1] https://www.akg-images.co.uk/asset/2062347/
[2] https://www.maryevans.com/contributors/dpa/friedrich-ebert-gustav-noske-45197436.html
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/Gustav_Noske
[4] https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag8482.html
[5] https://germanhistorydocs.org/en/weimar-germany-1918-1933/cover-of-the-berliner-illustrierte-zeitung-ebert-and-noske-on-summer-holiday-august-1919
[6] https://www.gettyimages.com/photos/gustav-noske
[7] https://www.britannica.com/biography/Friedrich-Ebert
[8] https://www.britannica.com/biography/Gustav-Noske
[9] https://germanhistory-intersections.org/en/germanness/ghis:image-268
[10] https://www.swr.de/kultur/geschichte/friedrich-ebert-in-der-badehose-ein-foto-erschuettert-die-weimarer-republik-matinee-20260712-100.html
[11] https://www.alamy.com/stock-photo/friedrich-ebert-weimar-republic.html
[12] https://www.reddit.com/r/PropagandaPosters/comments/z6tk5s/ebertscheidemannnoske_disneystyle_political/
[13] https://www.sueddeutsche.de/politik/ebert-weimar-1.4568076
[14] https://www.picture-alliance.com/en/webseries/ebert-friedrich-04021871-28021925-w101151
Woran ist die Weimarer-Republik gescheitert.?
Klar, es waren die NSDAP und die Kommunisten, die die Republik durch ihre Straßenkämpfe den sozialen Frieden zerstört haben.
Klar, es war die Hugenberg-Presse, die eine Frontlinie durch die bürgerliche Gesellschaft gezogen haben.
Klar, es war die Position den Reichspräsidenten Hindenburg, der mit Notverordnungen regiert hat und damit das Palament entmachtet hat.
Ich schreibe das deswegen weil bei einer Wochenstunde in Geschichte in den Schulen eine Aufarbeitung nur schwerlich möglich wird.
Was fehlt noch ? Es fehlt der Hinweis auf die Schwächen der demokratischen Parteien, Zentrum und SPD.
Ich schreibe das deswegen, weil wir in Deutschland eine ähnliche Situation haben.
Die Rechten profilieren sich, die demokratischen Parteien CDU (Nachfolgepartei des Zentrum) und SPD müssen sogar koalieren um die AfD stoppen zu können.
Badebilder mit Merz + Kleingbeil sollten unterbleiben.
Ja, @NI – der Untergang der Weimarer demokratischen Parteien des Zentrums und der SPD wurde durch die zahlreichen Abgriffe aus der Publikative und Judikative beschleunigt, für die das „Badefoto“ und die Hugenberg – Konzernmedien auch als Warnung vor dem Heute und Morgen stehen.
Aber auch die zunehmende Ignoranz gegenüber dem Reichstag – dem Parlament der Republik – bis hin zum Regieren durch präsidentielle „Notverordnungen“ erodierten das letzte Ansehen der Demokratie.
Auch deswegen warne ich heute vor dem fehlenden Geschichts- und Parlamentsverständnis der aktuellen Parteivorsitzenden von Union und SPD:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/von-heizungsgesetz-bis-zuckersteuer-das-exekutive-publikative-desaster-der-bundesrepublik/
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Deswegen würde ich mir wünschen, dass sich mehr Menschen wie Sie für die Politik- und auch Mediengeschichte interessieren…
Michael Blume,
„Auch deswegen warne ich heute vor dem fehlenden Geschichts- und Parlamentsverständnis der aktuellen Parteivorsitzenden von Union und SPD:“
Das scheint mir auch eine der Ursachen für die gegenwärtigen Probleme zu sein.
Jede Fachfleischverkäuferin muss eine Prüfung ablegen. Unsere Spitzenpolitiker nicht. Da ist noch Handlungsbedarf.
Damit verabschiede ich mich.
Danke & ja, @NI – in demokratischen Republiken wird Politik von Interessierten und Engagierten vor allem mimetisch und medial gelernt. So wurde in Deutschland seit 1961 ein eigentlich hervorragendes Grundgesetz zusammen mit vielen Lehren der Geschichte überwuchert.
Doch es kann – und ich hoffe: es wird – wiederentdeckt werden.
Ihnen einen verdient schönen Abend! 🌇
@Michael Blume
27.08.2026, 18:24 Uhr
Hm, also von der Tatsache ab das meine Mutter ihm für den Satz „Jede Fachfleischverkäuferin muss eine Prüfung ablegen“ verbal den Hintern versohlen würde, auch mit 80, weil irgendwie mit drinnen steckt das das ein LaLaLa Beruf ist und man selbst da schon eine Prüfung ablegen muss: Die Legitimation für einen Politiker soll doch demokratisch sein hier bei uns. Den Wählern obliegt es also zu entscheiden ob der jeweilige Mensch für das Amt geeignet ist oder nicht. Ich denke das ist ein Grundsatz an dem weder Du noch ich rütteln wollen sonst geht es ab von der Demokratie in die Technokratie oder?
Wer legt denn bitte fest welche Kompetenzen ein Politiker mitbringen soll ausser dem Wähler in der Demokratie? Ein Industriemechaniker ohne Kenntnisse von Hydraulik okay, da findet es sich leicht das der seinen Job nicht vernünftig machen kann. Ich persönlich erwarte von einer Politikerin nicht mal besonderes Redetalent oder Charisma. Seine Arbeit machen könnte Sie schließlich trotzdem. Frau Merkel war Physikerin, hilfreich vieleicht bei Fragen zur Klimapolitik. Bei Migration war das dann keine Hilfe. Eine Herausforderung bei der ihr keine Ausbildung so wirklich helfen konnte.
Mal ganz davon ab das sowas wie politische Kompetenz nicht so einfach definert werden kann wie fachliche Kompetenz in unseren normalen Ausbildungsberufen. Bei der für alle gültigen Definiton von „Politische Kompetenz“ scheitern eigentlich immer alle.
„Demokrat“ würde ich ja gelten lassen. Aber selbst da wird es schnell dünn: Er muss der Meinung sein das die Staatsgewalt vom Volk ausgeht (Den Begriff müsste man dann auch vertiefen. Das völkische Verständnis der AgD fällt zB in meinen Augen aus. Unser GG wiederspricht dem auch generell und eindeutig). Und dieses Volk hat ihn mit der Führungsaufgabe betraut. Nicht auf Lebenszeit und Erbfolge scheidet ganz aus…
Das KANN eben nur mimetisch und medial gelernt werden…
Vielen Dank und volle Zustimmung, @Uli Schoppe – die Kandidatur in der Demokratie sollte nicht an bestimmte Abschlüsse gebunden sein. Die Wählenden entscheiden.
Auch halte ich weder Robert Habeck noch Lars Klingbeil für ungenügend ausgebildet & auch nicht für böswillig.
Ich beobachte, dass sich seit 1961 mit dem ersten Koalitionsvertrag, Koalitionsausschuss und einer Top-Down-Fraktionsdisziplin eine ungute, mimetische und mediale Tradition eines zunehmend entmachteten Bundestages gebildet hat.
Anfangs waren die Widerstände dagegen noch so groß, dass die erste „Große Koalition“ unter Kurt Georg Kiesinger (Amtszeit 1966 bis 1969) auf einen Koalitionsvertrag verzichtete und den Koalitionsausschuss als „Kressbronner Kreis“ verkleidete.
Doch die Entmachtung des Bundestages setzte sich immer weiter durch & funktionierte in den Jahrzehnten der Zeitungs- und Fernsehdemokratie auch weiterhin.
Doch mit dem demografischen Niedergang von immer mehr Regionen, der Eskalation der Klimakrise, der zunehmenden Wut der Fossilisten & Überreichen sowie vor allem mit dem Aufstieg der algorithmischen Konzernmedien ist die Parteivorsitzenden – Exekutive längst überfordert.
Es bräuchte mutige Demokratinnen & Demokraten, die die exekutiv-Publikative Falle erkennen, sich auf die kluge Gewaltenteilung des Grundgesetzes zurückbesinnen und über den Bundestag (die Legislative) auch den republikanischen Dialog mit der Bürgerschaft wieder und neu entdecken.
Und es ist noch nicht zu spät.