Verschwörungsfragen 68 mit Bettina Rommelfanger & Daniel Köhler von Konex zur Deradikalisierung von Verschwörungsgläubigen

Ich hoffe, wir sind uns einig: Durch das Irankrieg-Desaster der USA sind die Öl- und Gas- und damit auch Benzin-, Diesel-, Kerosin-, („Sprit“) und Düngerpreise längst global viel zu hoch. Viele vor allem asiatische Länder schränken den Verbrauch bereits drastisch ein und es gibt auch internationale Kritik an der deutschen Bundesregierung, die durch den sog. Tankrabatt und eine von Betrieben zu zahlenden Zuschuss den fossilen Verbrauch sogar noch subventioniere.

Doch die meisten deutschen Kommunen und fast alle Bundesländer haben die post-fossilen Zeichen der Zeit längst erkannt und im starken, grün-schwarzen Sondierungspapier von Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) einen massiven Ausbau der erneuerbaren Friedens- und Wohlstandsenergien samt GreenTech, Batteriespeichern und grünem Wasserstoff vereinbart.

Mich freut das auch im Kampf gegen Verschwörungsglauben und feindseligen Dualismus, denn der beste Weg, Kriege, Gewalt, Klimakrise und Antisemitismus zu stoppen, besteht darin, sie nicht länger zu finanzieren!

Pressemitteilung vom 26.06.2025 "Blume warnt: 'Iran und Russland nicht weiterhin fossil finanzieren!' Erneuerbare Friedensenergien stärken die Sicherheit von Israel, Ukraine und Europäischer Union (EU)

Noch im Juni 2025 warnte ich in einer – von Konzernmedien nahezu komplett ignorierten – Pressemitteilung vor der fossilen Finanzierung der russischen und iranischen Fossilregime sowie den damit verbundenen Abhängigkeiten. Screenshot & Link zum Originaldokument: Michael Blume

Für sehr bedeutend halte ich auch die (hier von Sascha Pallenberg) kommentierte, mutige Haltung von Papst Leo XIV. gegen den zunehmend derangiert wirkenden Fossilisten und Thymokraten Donald Trump.

Doch klar ist: Bei aller post-fossilen Friedensarbeit, Bildungs- und Präventionsarbeit haben wir es doch bereits mit sehr vielen insbesondere jungen Menschen und Männern zu tun, die bereits durch fossile Regime, algorithmische Konzernmedien („social media“), antisemitische Terror- und Propagandagruppen radikalisiert worden sind. Zu den besten Erfahrungen der vergangenen Legislaturperiode gehörte für mich die Mitarbeit als ständiger, unabhängiger Experte im BW-Kabinettsausschuss „Entschlossen gegen Hass und Hetze“, der von Innenminister Thomas Strobl (CDU) geleitet, aber auch von Justizministerin Marion Gentges (CDU), von Staatssekretär (StM) Florian Hassler (Grüne), Staatssekretärin (KM) Sandra Boser (Grüne), Staatssekretärin (SM) Dr. Ute Leidig (Grüne) sowie Fachleuten aller relevanter Ministerien regelmäßig besucht wurde.

Hier wurde kein parteipolitisches Schaulaufen, sondern echter, Perspektiven-übergreifender Dialog praktiziert und ich habe selten so intensive, interdisziplinäre und auch wissenschaftlich orientierte Sitzung – oft mit externe Expertise – erlebt. Nur halb im Scherz sprach ich von einem „fachlichen Landes-Sicherheitsrat“, der Kompetenzen von Polizei bis zu Schulen und Sozialarbeit bündelte und etwa auf neue Medienkampagnen aus dem Ausland gegen unsere Jugend schnell reagieren konnte. Meine Unabhängigkeit wurde dabei geachtet und ich hatte jederzeit die Gelegenheit, Beobachtungen, Vorschläge, aber wo nötig auch kritische Themen einzubringen.

Unter einem Namensschild "Dr. Michael Blume" findet sich der Abschlussbericht des baden-württembergischen Kabinettsauschusses "Entschlossen gegen Hass und Hetze" 2026.

Im Netz findet sich der Abschlussbericht des Kabinettsausschusses „Entschlossen gegen Hass und Hetze“, in dem ich als ständiger, unabhängiger Experte mitwirken konnte. Foto: Michael Blume

Ein Bereich, der mich besonders interessiert, ist dabei die Deradikalisierung: Was können etwa besorgte Angehörige oder auch Befreundete tun, wenn sie verstärkte Anzeichen einer Radikalisierung erkennen? Wie können wir auch (aber nicht nur) junge Menschen wieder aus der Verrohung, Radikalisierung, aus dem Verschwörungsglauben herausholen?

Denn es wäre für uns alle, auch für meine Kolleginnen und Kollegen in Polizei- und Lehrberufen ein Desaster, wenn etwa Straftäter nach Verbüßung ihrer Strafe noch radikaler würden – oder sogar in der Haft zu „Helden“ extremistischer Gruppen im In- und Ausland aufgebaut würden. Wer Jugendliche oder junge Leute zu verhaften hat, will über die gerechte Strafe hinaus auch eine kluge Perspektive sehen – und die gleichen Personen nicht später noch einmal verhaften müssen. Zudem beobachten wir, dass jede Person, die sich vom Freund-Feind-Dualismus abkehrt, auch weitere Menschen zurück „zur Vernunft“ zu bringen vermag. Angebote der Deradikalisierung sind daher nicht nur ein Gebot der Menschenwürde, sondern auch der Bildung, Prävention und Sicherheit für die Zukunft.

Über dieses Thema sprach ich daher in Folge 68 von „Verschwörungsfragen“ mit der Doppelspitze Bettina Rommelfanger und Dr. Daniel Köhler von konex – dem Kom­pe­tenz­zentrum ge­gen Ex­tre­mis­mus in Ba­den-Würt­tem­berg, das sowohl Ausstiegs- wie auch Umfeldberatung anbietet.

Kachel des Podcasts "Verschwörungsfragen" von Dr. Michael Blume, Beauftragter der Landesregierung Baden-Württemberg gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben.

In Folge 68 von „Verschwörungsfragen“ sprach ich mit Bettina Rommelfanger & Daniel Köhler von konex über „Radikalisierung vorbeugen und bekämpfen“. Screenshot: Michael Blume

Und ein Grund dafür war, dass meine Anregung für spezialisierte Podcasts auf offene Ohren gestoßen war – ich freue mich sehr über den „RadiCast-Podcast“ des LKA Baden-WürttembergIch meine: Wer wirklich Frieden und Sicherheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit erhalten will, darf das Netz und besonders das Ohr nicht den Verschwörungsunternehmern, Antisemiten und Hasspredigern überlassen!

So wird ganz konkret derzeit das World Wide Web von iranischer KI-LEGO-Slopaganda überschwemmt, die gezielt auf junge Menschen zielt und diese emotional zu radikalisieren versucht.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

23 Kommentare

  1. Zur Menschwerdung gehört auch die artgerechte Haltung des Tieres in uns. Unterteilen Sie nicht die Menschen in Gut und Böse. Unterteilen Sie die Gehege im Zoo so, dass sich die Affen nicht beißen.

    Ein junges Schimpansenmännchen ist im Wesentlichen ein Kampfroboter – wenn er keine Funktion zugewiesen bekommt, läuft er im Kaufhaus im Demo-Modus: Er rottet sich in Gangs zusammen, macht Unsinn, kämpft mit anderen Gangs und legt die Stadt in Schutt und Asche, um den Käufern seine Grundfunktionen zu erklären. Es kommt also darauf an, für ihn einen User zu finden, der die Werkseinstellungen entsprechend personalisiert.

    Radikalismus ist ein Betriebsmodus für den Krieg, da dort wirklich alles sehr dumm, brutal, einfach, schwarz und weiß ist. Im Dschungel brauchen Sie das häufig, weil da der Krieg hinter jedem Busch lauert, in der modernen Gesellschaft ist dieser Modus in der extremen Variante nur selten zu gebrauchen – wer schnell handeln muss, Feuerwehr, Polizei, Notdienste, Soldaten, ist autoritär organisiert und auf reflexartiges Handeln und Befolgen von Befehlen trainiert, da man sonst einfach zu lange bräuchte, um auf Situationen zu reagieren.

    Nun ist ein junges Schimpansenmännchen immer ein Krieger. Er muss seine Gruppe beschützen. Er muss dumme Sachen machen und sie überleben, Streit suchen und gewinnen, auf die Jagd gehen und Beute nach Hause bringen, um Weibchen konkurrieren, um seine Überlebensfähigkeit und seinen Wert für die Gruppe zu beweisen. Dass Gruppen junger Männer aggressiv auftreten – Polizisten, Punks, Hell’s Angels, Skinheads und wie die Migranten, die dem Merz solche Angst machen, alle heißen – und in ihrer Weltsicht zu blindem Idealismus und klaren Freund-Feind-Unterscheidungen neigen, ist normal. Die Weibchen verhalten sich dann komplementär – werden sehr unterwürfig, wenngleich ansonsten nicht unbedingt schwach, oder im Gegenteil, zu Furien und Amazonen, die mit in den Kampf ziehen wollen.

    Im Grunde sind wir in diesem Modus so wie immer, nur mit Turbo drin. Anders gesagt, der Kampfmodus ist im Hintergrund immer da und treibt uns an. Nur ist er im Frieden dem empathischen, differenzierenden Friedensmodus unterordnet, im Krieg wird der Friedensmodus zum Diener.

    Da es dabei um den Konflikt um des Konfliktes willen geht, ist es Gangs ziemlich egal, worum sie kämpfen. Fußballer kloppen sich um einen Becher oder um die Ehre. Welpen reißen an derselben Socke. Dieses Verhalten setzt sich sehr häufig ins Erwachsenenalter fort – unsere Wirtschaft und Politik werden nicht von Geldgier angetrieben, sondern von Geltungssucht. Wir wollen siegen. Geld, das sind nur Punkte beim Spiel, und alles, was wir uns kaufen, ist eine Trophäe, mit der wir unseren Wert als Krieger und Anführer zur Schau stellen. Ob Putin oder Trump oder die Tech-Bros – es geht ganz klar nur um den Schwanzvergleich.

    Das Altwerden ist wie die Pubertät. Körper macht komische Sachen. Kopf macht komische Sachen. Haare sprießen an komischen Stellen. Man ist mit sich selbst und der Welt ständig überfordert, versteht nichts mehr und neigt zu Aggressionen. Während aber ein junger Schimpanse eher selbst prügelt, macht sich ein alter Schimpanse wie Putin eher zum User und lässt die Jungen für sich prügeln.

    Das heißt, der ganz große Fehler liegt hier darin, dass man die Roboter im Demo-Modus rumlaufen lässt, bis sie von selbst über einen User stolpern. Es gibt keinen wesentlichen Unterschied zwischen Fußballfans uns Islamisten, außer dass die Islamisten das Spiel viel zu ernst nehmen. Fußballfans sind an Regeln gebunden, es ist eine Frage der Ehre, danach zu spielen. Islamisten sind an die Scharia gebunden, es ist eine Ehre, danach zu spielen. Für Nazis sind es Nationalismus und Rassenlehre, für Samurai der Bushido.

    Der Schlüssel sind Ehrenkodex und Anführer. Jeder Mensch im Kriegsmodus ist vor allem ein Sklave, ein Werkzeug ohne eigenen Willen, seinem User blind ergeben. Wer hier die Kontrolle übernimmt, bekommt eine enorme Macht und damit eine enorme Verantwortung, sie nicht zu missbrauchen.

    Und da haben sich Autoritäten schon immer sehr blöd angestellt. Opa, der versucht, Jugendjargon zu sprechen, Bibelcamp, der die Kids zu Tode langweilt, oder heute – eine Schule, die den Kids nicht beibringt, ihre Aggressionen durch einen Ehrenkodex zu kontrollieren und zu kanalisieren, sondern ihnen beibringt, sie zu verleugnen. Gelingt die Kastration, wird man Komplex-Arschloch, misslingt sie, wird man Aggro-Arschloch, also entweder passiv-aggressiv oder aktiv-aggressiv.

    Wenn Sie ein Äffchen einem Gefängnis zum Fraß vorwerfen, ist das einfach nur eine Kriegserklärung. Die Autorität wird zum Feind, weil sie weit weg ist. Zum Freund wird der Mitgefangene, mit dem man im Team spielt.

    Die Römer sind als viele Nationalitäten in die Legionen eingetreten, doch als Römer zurückgekehrt. Die gemeinsame Aufgabe, die gemeinsame Herausforderung, der gemeinsame Kreuzzug, Dschihad, Krieg, Kampf – die überschatten alles. Sie schweißen so sehr zusammen, dass alle früheren Unterschiede zu Nebensächlichkeiten werden: Wer mir hilft, ist mein Volk.

    Das heißt, was die Gefängnisse vor allem leisten, ist, eine Nation von Knastbrüdern zu erschaffen, mit ihren eigenen Regeln und Traditionen. Und natürlich mit ihren eigenen Feindbildern, eigenen Teams, eigenem Kung-fu, das sie einander im Knast emsig beibringen.

    Mir ist es hier immer sehr wichtig, zwischen Idealen und ihren Trägern zu trennen. Denn unsere Autoritäten glänzen gerade nicht durch Stärke oder Glaubwürdigkeit oder Standhaftigkeit oder Führungsqualitäten. Der reale Merz kann sich auch nie und nimmer gegen eine Führerfantasie behaupten, ein mystisches Erlöser-Ideal, das einen zum Sieg und ins Gelobte Land führt.

    Ein bärtiger Yeti in einer Höhle in Afghanistan hat den Vorteil, dass man sein Versagen nicht live und in Farbe mit erlebt. Bei irgendeinem Anon weiß man nicht, dass das ein fetter, pickliger Säufer mit ellenlangem Strafregister ist, der in einer braun-gelben Unterhose in einem Trailer irgendwo in Ohio sitzt und zwischen seinen Weisheiten den Hund mit der Whiskyflasche bewirft. Deswegen präsentiert man uns so oft einen Universal-Anführer namens Gott, als dessen Stellvertreter der lokal installierte Anführer agiert. Dieser perfekte Anführer kann auch ein Stalin, ein Hitler, ein Trump sein, da man von dem ja eh nur ein Bild sieht, genau wie von Jesus. An den schreiben Sie Briefe wie an den Weihnachtsmann oder schicken ihm Ihre Gebete, dann glauben Sie, er würde Ihr Feedback akzeptieren und sich um Sie scheren – ein echter Anführer sorgt sich um sein Team.

    Europas demokratische und freiheitliche Ideale sind ein verflucht gutes Wort Gottes. Viel konkreter als das ältere Wischiwaschi der Religionen, viel praxisnaher, machen ein schönes Leben und geben einem viel Macht, um sich in der Welt einen Status zu erwerben. Sie sind aus einer Krieger-Ethik erwachsen, bei der man sich gegenseitig achten und respektieren muss, die Gleichheit aktiv wahren, um einander nicht zu erschlagen.

    Doch – dieser Klerus. Diese Fürsten. Genau das muss Luther gesehen haben. Korrupt, verlogen, gierig und geizig. Kacke unterm Schuh hat wenigstens Street Credibility, die wäre besser geeignet.

    Das heißt, wenn Sie den Kids gegenüberstehen, müssen Sie sich entscheiden. Stehen Sie für Ihre Werte, oder für die Waschlappen-Theokratie, die sich hinter ihnen versteckt?

    Dieser Problem – Gott gegen seine Priester – zieht sich quer durch die Weltgeschichte. Und was ich hier ganz bestimmt nicht will, ist ein Demokraten-Savonarola, der mir einen Woke-Gottesstaat oder sonst einen Mist an die Backe drückt. Nicht der Staat soll zackig marschieren, sondern der Radikale, der dem Staat dienen will.

    Die Radikalen jeglicher Couleur sehnen sich nach einer Mission, einer Aufgabe, einem Kampf. Wenn ihr Anführer ihnen keinen bieten kann, suchen sie sich einen neuen, und da sind sie nicht gerade wählerisch. Ihr Kampf kann auch eine Arbeit sein, eine Aufgabe, da sind sie auch nicht wählerisch, solange es sich wie Kampf anfühlt. Sie sind aber bereit, sich mit viel Opferbereitschaft und blindem Idealismus hineinzustürzen. Und damit ist der User dafür verantwortlich, dass ihm einerseits keine anderen User die Ressource mopsen. Und dass ihr Kampf nicht in Stalingrad endet.

    Nicht die Radikalen selbst sind das Problem. Die haben ihren Sinn und Zweck in der Gemeinschaft. Sie sind Diener und dürfen keine User sein, aber für ihren Einsatz und ihre Opferbereitschaft verdienen sie Achtung. Wenn man sie im Demo-Modus belässt, besteht zum Beispiel auch keine Möglichkeit, in den Einstellungen unter „Heldentat“ das Häkchen bei „Vergewaltigung“ wegzumachen. Die Personalisierung, der Ehrenkodex, unterscheidet den Helden vom Drecksack. Der Held/Drecksack selbst – kann das kaum.

    • Vielen Dank, @Paul S. 🙏

      Wie Sie ggf. wissen, habe ich mich viele Jahre in der interdisziplinären Evolutionsforschung insbesondere zur Evolutionspsychologie der Religion engagiert. Dazu gab es sogar einmal eine Sendung bei Quarks & Co., an die ich mich gerne erinnere:

      https://youtu.be/Iy9J9ddelVw

      Gerade aber aufgrund der vielfachen Arbeiten zur biokulturellen Evolution des Menschen warne ich vor voreiligen Gleichsetzungen. Und selbst wenn wir das menschliche Sozialverhalten über andere Primaten erschließen wollen, so wäre uns der Bonobo noch näher als der von Ihnen angeführte, gemeine Schimpanse:

      Vergleich der Sozialverhalten

      Gemeine Schimpansen:

      Aggressivität und Dominanz: Schimpansen sind bekannt für ihr aggressives Verhalten. Männliche Schimpansen kämpfen häufig um Macht und Dominanz innerhalb ihrer Gruppen, was zu gewaltsamen Konflikten führen kann. Sie verteidigen ihr Territorium und sind in der Lage, sogar Kriege gegen benachbarte Gruppen zu führen[1][4][21].

      Soziale Strukturen: In Schimpansengruppen sind die sozialen Bindungen oft durch männliche Dominanz geprägt. Männliche Schimpansen bilden starke soziale Netzwerke, die jedoch häufig von Konkurrenz und Aggression geprägt sind[2][12].

      Bonobos:

      Friedfertigkeit und Kooperation: Im Gegensatz dazu sind Bonobos für ihr friedliches und kooperatives Verhalten bekannt. Sie leben in matriarchalen Gesellschaften, in denen weibliche Bonobos eine dominantere Rolle spielen. Konflikte werden oft durch sexuelle Interaktionen oder soziale Bindungen gelöst, anstatt durch Aggression[1][20][21].

      Soziale Bindungen: Bonobos zeigen eine hohe Toleranz gegenüber Fremden und sind bekannt dafür, dass sie soziale Bindungen durch häufige sexuelle Interaktionen stärken. Diese Interaktionen helfen, Spannungen abzubauen und die Gruppenharmonie zu fördern[1][11][20].

      Schlussfolgerung

      Insgesamt lässt sich sagen, dass das menschliche Sozialverhalten eher mit dem der Bonobos verglichen werden kann.

      Die friedliche Konfliktlösung und die Bedeutung von sozialen Bindungen bei Bonobos spiegeln Aspekte des menschlichen Verhaltens wider, die auf Kooperation und Empathie basieren.

      Im Gegensatz dazu zeigt das Verhalten der Gemeinen Schimpansen eine stärkere Neigung zu Aggression und Dominanzkämpfen, was weniger mit den menschlichen sozialen Normen übereinstimmt.

      Daher sind Bonobos in vielerlei Hinsicht die „Hippies“ unter den Menschenaffen und bieten ein besseres Modell für das Verständnis menschlicher Sozialverhalten[1][6][20].

  2. Sie haben, Herr Blume, eine ziemliche Routine und vielfältige Vergangenheit darin, neue Begriffe zu prägen. Das verwirrt oft, macht Sie aber auch interessant.

    Aber „Slopaganda“? Nee, beim besten Willen nicht…

    • Vielen Dank, @Schorsch 😌🙏

      Ja, Begriffsarbeit finde ich sehr wichtig und gerade heute diskutieren wir auf Mastodon über Unterjüngung versus Überalterung:

      Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass die Lebenserwartung von Menschen steigt und mag deswegen den „Vorwurf“ der #Überalterung nicht.

      Die demografische Implosion mit Folgen für Politik und Wirtschaft – besonders massiv etwa in China – geht doch darauf zurück, dass es an Kindern und jungen Menschen (regional übrigens auch an Mädchen & Frauen) mangelt. Also: #Unterjüngung.

      Auch vor dem Hintergrund von Menschenwürde zögere ich, die Existenz und das Alter von Zeitgenossen als Problem zu framen…

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116423912392502572

      Bei Unterjüngung habe ich noch gar nicht geschaut, aber die meisten Begriffe wie Verschwörungsmythen (statt -theorien), erneuerbare Friedensenergien oder hier KI-Slopaganda habe ich gar nicht erfunden, sondern „nur“ geprägt.

      Und: Es ist selbstverständlich immer freiwillig und völlig okay, dass neue Begriffe auch Reaktanz auslösen. Ich kann und will niemandem vorschreiben, wie er oder sie denkt, spricht, schreibt… 😌🙏🖖

      • Die Weiterentwicklung der Sprache finde ich auch spannend. Ergänzend zu den Friedensenergien fand sich für einen Fossiloligarchen in meinem Netzwerk nun „Der Groschen“.

          • Das Schöne ist, dass nun auch mehr so AfD-geneigte Menschen in meinem Umfeld Solaranlagen mit Speicher installieren, weil’s einfach Geld spart. Sehr beliebt sind „Balkonsolaranlagen“ mit Speicher. Da wird die aus dem Habeck-Ministerium stammende Rechtslagen massiv gedehnt ausgenutzt. Auch von Menschen, die sich sonst aktiv gegen erneuerbare Energien betätigen.

          • Ja, @Eckehard Erben – ich nehme auch einen Stimmungsumschwung wahr. Jeden Tag begreifen mehr Menschen, dass Verbrennermotoren und Gas- oder gar Ölheizungen auf Monate oder gar Jahre Geldgräber sein werden. Und gerade auch jene, die die Notwendigkeit von fossilen Rohstoffen für die Industrie begreifen, fragen sich, warum die Bundesregierung Einsparungen durch erneuerbare Wohlstandsenergien und Batteriespeicher zu bremsen versucht. Mir begegnet praktisch niemand mehr, der den Fossilkonzernen und ihren Fürsprecherinnen in der Berliner Blase noch traut. Und die wirklich heftigen Einschnitte etwa beim Kerosin kommen ja noch…

            Das baden-württembergische Sondierungspapier für die kommende, grün-schwarze Landesregierung zeigt, dass das Bewusstsein für eine post-fossile Zukunft wächst. Der Fossilismus bricht vor unser aller Augen ein und reißt zahlreiche Menschen, Staaten, Konzerne, Parteien mit sich.

            Und zu all dem kommt die Krise der fossile. Imperien durch Drohnen & KI.

            So vermisse ich in deutschsprachigen Medien bisher Berichte über das Treffen von Trumps Stabschefin Wiley mit dem Anthropic-Chef Amodei wegen der KI-Cyberwaffe Claude Mythos. Habe dazu auf Mastodon gepostet und ein YouTube-Short gedreht:

            https://youtube.com/shorts/rgKLHZdXchw

            Immerhin kann später niemand behaupten, es habe seit „Öl- und Glaubebskriege“ (2015) keine Warnungen mehr gegeben…

            Wir erleben einen Epochen-, ja Zeitenumbruch live…

  3. @Michael 17.04 22:13

    „Gerade aber aufgrund der vielfachen Arbeiten zur biokulturellen Evolution des Menschen warne ich vor voreiligen Gleichsetzungen.“

    Der Mensch ist ja auch kein Affe. Wir Menschen haben so ziemlich alle Lebensräume zu nutzen gewusst.

    Menschliche Flexibilität und Diversität erlaubt vielfältige Rollen einzunehmen. Und eine ziemlich komplexe Kultur, in die Mensch sich meistens einleben kann. Auch wenn er etwa aus Afrika kommt und hier einwandert.

    Neben jener Eingliederung in die unterschiedlichste Kulturen hat der einzelne Mensch auch noch einen Kern von ganz starker Individualität. Der zuweilen stärker ist als die aktuell gelebt Kultur, und die ganze Gesellschaft verändern kann. Mit genug Zeit und Unterstützung Anderer.

    Die allgemeine Fähigkeit, sich einfach überzeugen zu lassen, wenn uns was wirklich einleuchtet, kann nur der Mensch liefern. So funktioniert dann auch Wissenschaft. Und überhaupt alle Art von Kultur.

    Das ist weit mehr als nur Nachmachen, wie man spezielle Nüsse knackt. Bei uns können ganze Geistesräume geteilt werden. Mit Sprache. Und später auch mit der Schrift und weiteren Medien.

    Das Ergebnis kann aber mit den aktuellen Medien mehr als eine Form von Kultur werden. Bleibt zu hoffen, dass auch zukünftige KI eine weitere Konvergenz von Vernunft dabei fördert. Immerhin suchen LLMs von der Bauart schon nach Fakten in ihren Trainingsdaten. Und neigen dazu, das dann zusammenzufassen. Zumindest, wenn erkennbar ist, dass der Nutzer genau das sucht.

    KI in freier Software wäre entsprechend zukunftsweisend, damit das auch so bleibt.

    • Vielen Dank, @Tobias – und ich stimme Dir da völlig zu! 🙏🙌

      Der geschätzte @Paul S. kommuniziert ja leider kaum dialogisch – er postet zwar Textfluten, antwortet aber bisher nicht auf noch so freundliche und konstruktive Reaktionen. Doch solange er sprachlich und inhaltlich nicht völlig entgleist, schalte ich seine manchmal anregenden Drukos frei.

      Und hier sehen wir ja auch den schönen, performativen Widerspruch: @Paul S. behauptet die Gleichartigkeit von Menschen und Schimpansen in einem Blogkommentar, den ein Schimpanse nicht schreiben könnte. 🤭

      Und es ist auch, wie Du sagst: Unsere Blog-Kommunikation fließt ja nicht nur in menschliche und KI-Speicher ein, sondern könnte uns auch zeitlich weit überleben. Wir Menschen geben eben nicht nur Gene weiter, sondern auch komplexe Medien-Kultur.

      Danke für Dein Interesse und Deine Beiträge!

  4. Beim Lesen des Teasers im Fediverse bin ich gerne auf den Blog gewechselt.
    Leider ist ein Teil des Inhalts für Personen, die deutlich lieber lesen, als Podcast-hören, nicht so zugänglich (oder vielleicht übersehe ich da auch etwas?)

    Den persönlichen manchmal auch abrupten Wechsel in eigenen Glaubenssystem zu verstehen und angemessen zu begleiten, ist ja ein Interesse, dass viele Akteure verbindet.

    Bekehrung / Entkehrung wären da begriffliche Stichworte, die dies für den Raum der christlichen Kirchen belegen.

    Deradikalisierung ist dabei ein ggf. auch schillernder Vorgang – dieses Thema begegnet mir immer wieder schon seit vielen Jahrzehnten.
    Gerade wenn die nächste Generation nicht den Werten ihrer Eltern folgen will, ist schnell die Versuchung da, diese andere Orientierung so zu framen, dass Handlungsbedarf besteht.
    Möglichkeiten zum Umgang mit Jugendsekten in den 80iger haben mich zum ersten Mal mit entsprechenden Fragestellungen vertraut gemacht.

    Und schnell wird es kompliziert. Persönlich merke ich, wie innerlich ich manche dieser radikaleren Orientierungen auch verständlich finde, ihnen sogar Erfolg wünsche. Vielleicht doppelt sich da manches mit den Inhalten des Podcasts.

    So sind mir vor Jahrzehnten junge Erwachsene begegnet, die sich auf spirituelle Praxis, in diesem Fall mit einer Taizégruppe, konzentrierten und damit ihre Eltern, die andere Erwartungen hatten, schwer irritierten.

    Der Beitritt zu einer Ordensgemeinschaft (gegen den Willen / Wunsch der Eltern, die für die Tochter andere Pläne hatten) wäre ähnlich.
    Radikal ist ja ein Schritt zu den Wurzeln

    Eine verantwortungsvolle Zuarbeit für die Menschen, die auf der Suche sind, nach einem sie tragenden Sinnzusammenhang finde ich bleibend interessant und braucht vermutlich auch die Bereitschaft, eigene Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Und klar, es gibt beschreibbare Unterschiede zwischen Propaganda und einem nichtmanipulativen Verhalten – gleichzeitig auch eine Tendenz zu einem Beibehalten von bisherigem, was oft auch die Tragfähigkeit verloren hat.

  5. Deradikalisierung soll bei Menschen greifen, die sich in Form und Intensität ihrer Radikalisierung durchaus unterscheiden. Da gibt es Personen, die bereits Straftaten verübt haben und solche, die durch eine starke Veränderung ihres Verhaltens und/oder ihrer Äußerungen auffallen.

    Ich finde es schwierig, insbesondere bei Heranwachsenden, einen potentiellen künftigen „Gefährder“ zu erkennen oder zu vermuten.

    Gerade junge Menschen neigen zu radikaleren Meinungen und manche fühlen sich in Diskussionen schnell in die Ecke gedrängt. Die wenigsten von denen werden zu Tätern.

    Die Gefahren, die gerade im Internet auf junge Menschen lauern, die ihren Weg noch suchen, sind meinem Verständnis nach sehr verschieden. Ich meine, dass zur Prävention auch ein anteilnehmendes Elternhaus, Vereine etc gehören. Gerade beim Thema „Internetnutzung“ sollten sich Eltern und weitere Bezugspersonen ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Wer sein Kind von der Kita abholt, sollte nicht am Handy hängen.

    Danke, dass Sie alle diese Podcast-Folge aufgenommen haben. Ich bleibe dennoch etwas ratlos und werde sicher einmal in den genannten Podcast reinhören.

    Das Thema ist viel zu umfangreich.

    • Herzlichen Dank, @Marie H. – und ja: Wenn wir Verschwörungsglauben und Radikalisierung wirklich ernst nehmen, müssen wir die ganze „Lieferkette“ sehen: Von fossilen Konzernmedien über fossil finanzierte Terror- und Propagandagruppen bis zu frühkindlicher Bindung, Bildung, Integration, Prävention, Strafverfolgung und Deradikalisierung.

      Mir ist längst bewusst, dass das niemand und auch kein ganzes Land alleine stemmen können. Doch sehe ich gleichzeitig, dass sich jede Anstrengung lohnt, weil sie Menschen und Mitwelt schützt.

      Und wenn der Fossilismus wie auch die Demografie der Weltbevölkerung bereits unaufhaltsam zusammenbrechen, dann hindert uns doch niemand daran, schon jetzt Apfelbäumle für die kommende Solarpunk-Nachwelt zu pflanzen. 😌

      Durch die oft bedrängende Sorge der letzten Jahre bin ich durch, wenn ich auch das Leiden und Sterben der vielen aufrichtig bedauere. Möge die Geschichte über jene urteilen, die viel zu lange Wissenschaft und Warnungen ignorierten, ja verhöhnten…

  6. @Marie H.
    18.04.2026, 18:36 Uhr

    [blockquote]Da gibt es Personen, die bereits Straftaten verübt haben und solche, die durch eine starke Veränderung ihres Verhaltens und/oder ihrer Äußerungen auffallen.[/blockquote]

    Die muss man an verschiedenen Standpunkten abholen, klar. Aber das ist doch ommer so? Das man die Menschen abholen muss wo sie stehen?

    [blockquote]Ich finde es schwierig, insbesondere bei Heranwachsenden, einen potentiellen künftigen „Gefährder“ zu erkennen oder zu vermuten.[/blockquote]

    Mach doch das was Menschen wirklich gut können: Sprechen. Nur einen Fehler nicht machen, denke ich: Sofort aufgeregt hochbrausen wenn ein nicht mehr von Dir akzeptierbarer Standpunkt aufkommt. Wenn Du gerade junge Menschen sofort blockst mit einer entsprechend harten Ansage bekommst Du Reaktanz zurück. Und nein, ich vertrete da keine „Kuschelpädagogik“. Ich kann nur mit Aussagen wie „klare Kante zeigen“ gerade bei jungen Menschen wenig anfangen. Die bekommt man nämlich zurück ….

    [blockquote]Gerade junge Menschen neigen zu radikaleren Meinungen [/blockquote]

    Ich hoffe doch 🙂 Wie soll ich denn sonst meinen eigenen Standpunkt prüfen? 🙂

    [blockquote]und manche fühlen sich in Diskussionen schnell in die Ecke gedrängt[/blockquote]

    Das muss ich als Erwachsener dann einfangen. Irgendeinen Vorteil muss man doch dadurch haben, dass man älter ist.

    Ich hoffe das ist lesbar. Vorschau will gerade mal wieder nicht.

  7. @Michael 18.04. 23:18

    „Und wenn der Fossilismus wie auch die Demografie der Weltbevölkerung bereits unaufhaltsam zusammenbrechen, dann hindert uns doch niemand daran, schon jetzt Apfelbäumle für die kommende Solarpunk-Nachwelt zu pflanzen.“

    Hier gibt es wohl immer noch was Entscheidendes zur Energiewende beizutragen. Auch ob wir jetzt schon 2040 klimaneutral werden, und nicht erst 2050, macht doch noch wesentliche Unterschiede. Derweil eine ausufernde Klima- und Wasserkrise bei einer Erwärmung in Mitteleuropa von 4° oder mehr dann auf uns zukommt.

    Bei entsprechender Auswirkung auf die landwirtschaftlichen Erträge passt es dazu sogar, wenn dann bis dahin die Bevölkerung in Europa deutlich zurück geht.

    „Möge die Geschichte über jene urteilen, die viel zu lange Wissenschaft und Warnungen ignorierten, ja verhöhnten…“

    Ein Trauerspiel, in der Tat. Mit vermutlich auch direkten Folgen für Kultur und Miteinander. Bleibt zu hoffen, dass KI mit vernünftiger offener Software dennoch eine Großteil der Menschheit zur Besinnung bewegen kann. Dann kann es vielleicht ganz schnell gehen, dass hier die Energiewende global wirklich rasant vorwärts kommt.

    Zumal ja auch die Komponenten der Grünen Technik tatsächlich noch deutlich kostengünstiger und effektiver werden. Hier wären rundherum private Investitionen ausreichend, es würde genügen, wenn man bürokratische Hindernisse beseitigen könnte. Und etwa endlich ein neues digitales Strompreissystem einzuführen, dass für ganz Europa funktioniert.

    Und das dann realistische Vergütungen der Produzenten, für die Speicherung und die Nutzung der Stromnetze implementiert, und die Kunden dann auch nur so viel zahlen müssen, wie nötig. Das würde höchstens alte Investitionen in fossile Technik zunehmend unrentabel machen. Die einschlägigen Stromkonzerne, die das betreffen würde, haben allerdings in den letzten Jahrzehnten eigentlich genug Geld verdient, da habe ich jetzt wenig Mitleid mit.

    Und kein vernünftiger Mensch muss hier jetzt neue Gaskraftwerke bauen. Zumal ja die alten Gaskraftwerke noch gut sind, und die alten Kohlekraftwerke als Backup ausreichend wären. Mit bald immer weiter zurückgehenden Laufzeiten von erst Monaten, und am Ende nur noch einigen Wochen im Jahr. Bis wir so viele Überschüsse in Wasserstoff umwandeln können, dass ein Backup mit Wasserstoff, Biogas, Biomasse und Müllverbrennung ausreichend zur Verfügung steht, und überhaupt kein fossiler Strom mehr gebraucht wird.

    Wem es Spaß macht, der kann ja noch Atomkraft nutzen. Das wird aber vermutlich eher teurer als alles andere werden.

    • Vielen Dank, lieber @Tobias 🙏

      Aus meiner Sicht lässt sich die post-fossile und längst globale Energiewende auch angesichts der Preissteigerungen durch den Trump-Iran-Golfkrieg nicht mehr aufhalten. Jeden Tag begreifen weitere Millionen von Menschen, dass es keine Rückkehr ins fossile Industriezeitalter mehr geben kann. Mineralöl- und Gaslobbyismus auch in der deutschen Bundespolitik überzeugt nicht einmal mehr in der Berliner Blase. Geschweige denn in Ländern wie Pakistan, Indien, Indonesien usw.

      Und in der Stuttgarter Zeitung von heute lesen wir auf Seite 4 („Riskante Kanonenboot-Politik“ von Thomas Seibert) u.a.:

      „Der Iran droht damit, nicht nur die Straße von Hormus geschlossen zu halten, sondern auch die Zufahrt zum Suez-Kanal durch das Rote Meer von der verbündeten Huthi-Miliz sperren zu lassen. Das würde der Weltwirtschaft einen weiteren Schlag versetzen.

      Hussein al-Ezzi, Vize-Außenminister der Huthi-Regierung, forderte Trump auf, alles zu unterlassen, ‚was den Frieden behindert‘. Wenn die Meerenge Bab al-Mandeb zwischen dem Jemen und Afrika einmal geschlossen sei, könne keine Macht der Welt sie wieder öffnen, schrieb Ezzi auf X. Die Wasserstraße ist an ihrer engsten Stelle weniger als 30 Kilometer breit.“

      Gleichwohl betrifft der Niedergang des Fossilismus nicht nur das Militär, sondern auch den Energiehunger der KI-Konzerne. Habe gestern dazu schon ein spontanes YouTube-Short gedreht…

      https://youtube.com/shorts/rgKLHZdXchw

      …und dazu vorhin auf Mastodon gepostet:

      Hatte mich schon gefragt, warum es zum kurzfristigen Treffen von Trumps Stabschefin Wiley & Finanzminister Bessent mit dem Anthropic-Chef Amodei noch kaum etwas in deutschsprachigen Medien gab. Und also ein YouTube-Short dazu aufgenommen.

      Denn nach meiner Auffassung sehen wir hier eine weitere, drastische Machtverschiebung von schnell alternden und fossil kriselnden Nationalstaaten zu KI-Konzernen. KI ist längst kein „Nerdkram“ mehr, sondern Technologie, die Militär, Politik, Finanzsystem / Banking, Wirtschaft, Kultur und Demografie grundlegend umwälzt. Meine ich.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116435040299185743

      Dass sich Menschen vom Ausmaß und vor allem von der Geschwindigkeit des derzeitigen Zeitenumbruchs überfordert fühlen, kann ich übrigens völlig nachvollziehen. Mir geht es selbst oft nicht anders…

      Dir daher Dank für Deine konstruktiven, dialogischen und wohltuend sachlichen Kommentare, lieber @Tobias ! 👍💡🖖

  8. Hallo @Michael,

    vielen Dank für den Hinweis auf diese Folge von Verschwörungsfragen! Ich finde die im Podcast vorgestellte Kombination von Polizeiarbeit und Wissenschaft sehr spannend und ermutigend. Auf der Homepage der im Podcast vorgestellten Organisation konex findet sich übrigens eine Seite mit Links zu wissenschaftlichen Arbeiten über Extremismus, die es sich lohnt, anzusehen.

    Z.B. diese Arbeit von Irina Jugl vom konex aus dem Jahr 2022.

    Darin:
    „A valuable theoretical model to explain the gradual shift towards the support for violence based on a political or religious ideology is the depluralization of political concepts and values (e.g., justice, freedom, honor, democracy). Within this theory, the development of extremist attitudes involves the individual decrease of perceived solutions to societal or personal grievances in combination with an increased sense of urgency to act (…).
    In contrast, deradicalization can be understood as a process of repluralizing the perception of different values and political concepts that is connected to reducing the support for as well as the use ofpolitically motivated violence … “

    Von mir übersetzt:
    „Ein valides theoretisches Modell zur Erklärung der schrittweisen Verschiebung zur Förderung von Gewalt auf der Basis einer politischen oder religiösen Ideologie ist die Depluralisierung politischer Konzepte und Werte (z. B. Gerechtigkeit, Freiheit, Ehre, Demokratie). Innerhalb dieser Theorie beinhaltet die Entwicklung extremistischer Einstellungen eine individuelle Abnahme wahrgenommener Lösungen für gesellschaftliche oder persönliche Missstände in Kombination mit einem zunehmenden Gefühl der Dringlichkeit zu handeln….
    Im Gegensatz dazu kann Deradikalisierung als ein Prozess der Repluralisierung der Wahrnehmung unterschiedlicher Werte und politischer Konzepte verstanden werden, der mit einer Verringerung der Unterstützung für sowie der Anwendung politisch motivierter Gewalt einhergeht…“

    Spannend finde ich, dass hier als Faktor ein „zunehmendes Gefühl der Dringlichkeit zu handeln“ ins Feld geführt wird. Ähnlich wird beim social Engineering verfahren, einer böswilligen Methode, an geschützte Informationen in einer Organisation heranzukommen: Der Anrufer vermittelt ein Gefühl der Dringlichkeit, so dass das Opfer in die kognitive Falle tappt, handeln zu müssen, ohne sich vorher hinreichend informiert zu haben (was Zeit, „Weite der Zeit“, benötigt).

    Spannend finde ich auch, diese Begriffe ((De-)Pluralisierung) mit den hier auf dem Blog oft diskutierten Konzepten des dialogischen Monismus vs feindseligen Dualismus in Beziehung zu setzen.

    Depluralisierung würde dann die Entwicklung hin zum feindseligen Dualismus beschreiben: Unterschiedliche Perspektiven werden auf ein Entweder-oder reduziert, Gegensätze werden moralisch aufgeladen, und die Wirklichkeit erscheint in wenige (im extremen Fall: zwei) Lager zerlegt.

    (Re-)Pluralisierung würde hingegen die Entwicklung hin zum dialogischen Monismus beschreiben: Mehrere Deutungen, Werte und Lösungen werden (wieder) nebeneinander zugelassen, ohne sie sofort gegeneinander auszuspielen.

    Interessant ist, dass in der Arbeit von Frau Jujl von einem Werte-Monismus gesprochen wird, der dem Pluralismus entgegen steht – also genau eine mit dem dialogischen Monismus unvereinbare Einstellung beschreibt. In der Arbeit von Frau Jugl wird mit Werte-Monismus so beschrieben:

    „Value monism offers simple worldviews disregarding the complexity of real-world issues.“

    Von mir übersetzt:
    „Wertemonismus bietet einfache Weltbilder, die die Komplexität realer Probleme außer Acht lassen.“

    Aber diesen muss man m.E. von dem von Dir sehr oft diskutierten dialogischen Monismus unterscheiden. Ich denke, das ist genau der Blogpost dazu, in dem dieser feine Unterschied durchscheint.

    • Vielen herzlichen Dank, lieber @Peter – ich bin wirklich bewegt, wie genau Du die Konvergenz der interdisziplinären Forschungen erfasst hast und beschreibst. Und, ja, das ist auch genau meine Erfahrung: durch das schnelle Wachstum wissenschaftlicher (u.a. psychologischer) Erkenntnisse einerseits und die digitale Globalisierung andererseits vernetzen sich Forschende und Praktikerinnen (etwa in den Schulen, aber auch der Polizei) in einem nie gekannten Tempo. An die Stelle ideologisch geschlossener Denkschulen und Systeme treten Dialog und Falsifikation, ein Herantasten an die menschliche Komplexität und Vielfalt.

      Wegen des ernsthaften Interesses habe ich einen Impulsvortrag von mir bei Konex aufgenommen und KI-transkribiert, bei Interesse hier:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/2026-24-02-BlumeKonexPolizeiBWImpulsredegegenjedenAntisemitismus.pdf

      Es ist mir eine unglaubliche Ehre und Freude, mit so vielen verschiedenen Menschen – auch hier auf dem Blog – dialogisch unterwegs sein zu dürfen. Und ich erlebe, dass wir gemeinsam wirklich in Sinne des dialogischen Monismus vorankommen! 🙌

      • Guten Morgen @Michael,

        vielen Dank für den Hinweis auf den Redetext!

        Ich finde folgende Zeilen ganz stark:

        „Diese Blasenbildung ist erstmal etwas, was uns alle betrifft, weil wir alle in dieser enorm beschleunigten digitalen Welt leben. Wenn wir uns in den Blasen bewegen, wissen wir immer mehr von immer weniger. Aber dann haben wir auch keine gemeinsame Öffentlichkeit mehr, wo es so eine Art Allgemeinwissen gibt, auf das sich alle einigen können. Das macht es plötzlich wahnsinnig schwer, miteinander ins Gespräch zu kommen. Wenn wir nicht aufpassen, driften wir immer weiter auseinander und leben nicht mehr gemeinsam in einer Gesellschaft, sondern leben nur noch, im besten Fall, nebeneinander her.“

        Ich denke, um etwas dagegen, dass wir „immer mehr von immer weniger“ wissen, zu tun, sind interdisziplinäre Dialoge (wie auf Deinem Blog) oder eben auch Strukturen wir konex das Mittel der Wahl. Auch wenn es mitunter Widerstände und Besserwisserei (intellektuelles Platzhirschgehabe) gibt: Es ist wichtig, zu versuchen, sich über verschiedene Disziplinen hinweg zu verständigen.

        • Einen frühen, guten Morgen auch von mir, lieber @Peter 🙏

          Es freut mich wirklich, dass Dir der Redetext zugesagt hat. Ich zeichne manchmal Vorträge von mir auf und kann sie transkribieren lassen. Allerdings benötigt die Bearbeitung viel Zeit und ich bin mir unsicher, ob sich das für Lesende lohnt. Umso mehr freue ich mich über Dein Interesse und Deinen Kommentar zum konex-Polizei-Impulsvortrag!

          Derzeit erlebe ich die mediale und vor allem digitale Blasenbildung intensiv, da ich viel an Schulen aller Schularten im ganzen Land bin und also intensiv den Lebenswelten und Fragen junger Menschen begegne. Es ist wirklich so, dass sich innerhalb der gleichen Städte oft völlig unterschiedliche Wirklichkeiten entfalten, die mit Antisemitismus und Verschwörungsmythen wie auch mit Demokratie und Menschenwürde vielfach zu tun haben.

          Nach einem intensiven Workshop mit Schülern & Lehrern einer beruflichen Schule in Karlsruhe entschied ich, einige Sätze aus dem Buch „Ich und Du“ von Martin & Paula Buber für einen YouTube-Short zu lesen. Wenn es die Zeit erlaubt, möchte ich auch mal gerne dazu bloggen.

          Die gelesene Passage, gleich aus dem 2. Absatz des Buches, lautete:

          „Grundworte werden mit dem Wesen gesprochen.

          Wenn Du gesprochen wird, ist das Ich des Wortpaars Ich – Du mitgesprochen.

          Wenn Es gesprochen wird, ist das Ich des Wortpaars Ich – Es mitgesprochen.

          Das Grundwort Ich – Du kann nur mit dem ganzen Wesen gesprochen werden.

          Das Grundwort Ich – Es kann nie mit dem ganzen Wesen gesprochen werden.“

          https://www.youtube.com/shorts/shBzb1n6pTI

          Vielen Dank für unsere Dialoge, lieber @Peter, die mir viel bedeuten! 🙏🙌

  9. @Michael. 21.04. 20:14

    „An die Stelle ideologisch geschlossener Denkschulen und Systeme treten Dialog und Falsifikation, ein Herantasten an die menschliche Komplexität und Vielfalt.“

    Auf der eine Seite wird hier breiter diskutiert, dagegen blühen aber auch die Verschwörungsmythischen Blasen. Und ein gewisser Wahnsinn scheint mir da dazu zugehören. Den die sonst eigentlich fleißigen Psychiater noch gar nicht wirklich erfasst haben?

    Die suchen gerne nach biologischen Krankheitsursachen, die sie am liebsten mit Medikamenten behandeln wollen. Kulturelle Komplikationen gehen denen durchs Netz. Wenn eigentlich biologisch ziemlich Gesunde sehenden Auges in Radikalität versinken.

    Und das mitten unter uns. Und mancherorts sind die sogar an der Macht. Oder sind das mal gewesen, was Hoffnung macht, dass es überwindbar ist. Der Wahnsinn funktioniert ja eben immer nicht, und läuft so fast von selber auch immer wieder ab. Hoffe ich mal.

    Wer etwa die Klimakatastrophe als Verschwörung von Wissenschaftlern einschätzt, wird durch die klimatischen Realitäten am Ende doch überzeugt. Die Schäden, die das bis dahin verursacht, sind dann aber auch faktisch. Man behält Recht, aber es ist zu spät.

    Mögen da Andere draus lernen. Wenigstens.

    Der Untergang der NS-Diktatur war gründlich. Aber das entfernt sich in der Zeit immer mehr. Einsichten müssen immer wieder gewonnen werden, die vererben sich nicht automatisch.

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