Verschwörungsfragen 59: Podcast-Dialog mit Rami Suliman, Vorsitzender der IRG Baden

Zu den starken Dialogen mit der IRGW-Vorstandssprecherin Prof.in Barbara Traub, den beiden Söhnen von Meinhard Mordechai Tenné (1923 – 2015), seligen Angedenkens und dem amerikanisch-deutschen Juden Dr. Rob Ogman haben wir viele sehr erfreuliche Rückmeldungen bekommen. Also habe ich den Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, Rami Suliman, gebeten, zu uns zu kommen und auch seine israelisch-deutsche Geschichte zu erzählen. Aber auch die Unterschiede zwischen Aschkenasim und Sefardim und die Frage der Kritik & Staatsräson zwischen Deutschland und Israel haben wir intensiv diskutiert.

Links sitzt Dr. Michael Blume in einem Stuttgarter Studio, rechts Rami Suliman. Zwischen ihnen zwei Podcast-Mikrofone.

Michael Blume (links) und Rami Suliman (rechts) im Podcast-Dialog beim Tongötze Stuttgart. Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg

Allen, die sich interessieren, wünsche ich viel Freude beim Hören von “Verschwörungsfragen 59” und alle, die konstruktiv und dialogisch mitdiskutieren wollen, sind auch gerne zu Kommentaren eingeladen.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

5 Kommentare

  1. Was die Bielefeld-Verschwörung angeht, gab es mal diesen Wettbewerb, wer es schafft, die Existenz der Stadt zu widerlegen, gewinnt einen Preis. Hab ich leider verpasst, doch die Argumentation erscheint mir recht einfach: Dass Bielefeld existiert, beweist, dass es nicht existiert, denn dass es nicht existiert, ist die Voraussetzung dafür, dass es existiert.

    Das heißt, wenn man nach Bielefeld kommt, sieht man kein Bielefeld, nur einen Haufen Häuser, Bäume, Straßen, Schilder mit dem Wort „Bielefeld“ drauf und lauter Leute, die in dem Wahn leben, all das wäre Bielefeld. Und dennoch, durch diesen Wahn wirkt das Ganze nach Außen wie ein Ort namens Bielefeld.

    Das heißt, wir leben mit zwei Konzepten der Realität, in der einen schafft unser Glauben etwas Reales, in der anderen nicht. Und wir müssen uns ständig zwischen ihnen entscheiden – Gesetz und Einhörner sind beide nur so real, wie unser Glaube daran sie zu machen vermag, doch die Einhörner gelten gemeinhin als Lüge. Würden die Einwohner von Bielefeld also nicht auch in einer Welt leben, in der es Bielefeld nicht gibt, würden sie in einer Welt der Verschwörungsmythen und des Aberglaubens leben und das Ganze würde ihnen schnell um die Ohren fliegen.

    Dass es Bielefeld gibt, beweist also, dass es Bielefeld nicht gibt, denn beide Konzepte der Realität können nicht ohne einander und beeinflussen auch jene physische Realität um Bielefeld herum, die sich herzlich wenig um unsere Konzepte schert, und damit ist dieser Dualismus objektive Realität, etwas, was in die Physik hinein gehört, nicht nur etwas, das in unseren Köpfen herum spuckt.

    Irgendwann stand hier auf Spektrum was davon, dass in der Quantenphysik Dinge gleichzeitig wahr und falsch sein können. Noch so ein Phänomen, das mir beweisen soll, dass dort andere Regeln gelten sollen, mich aber nur darauf hinweist, dass in der Makro-Welt die gleichen gelten. Ich bin der selbsternannte Anti-Quantenverschwörungsmythenbeauftragte des eigenen Größenwahns, der Witchfinder General und Kleininquisitor für Quantenfeen, der sie erst von der Folterbank lässt, wenn sie gestehen, dass sie dank der Flügel fliegen und nicht dank Feenstaub. Warum? Weil ich zu alt, krank, dumm und müde bin, mir ein gescheiteres Hobby zu suchen.

    Was Israel angeht – es regt mich mehr auf als Pakistan, denn die Juden gehören zur Familie, die Pakistanis nicht. Wir haben nun mal diese archaische Stammesmentalität, und in dieser Denkweise muss jedes Stammesmitglied die Stammesehre wahren. Ich habe einerseits die Pflicht, es vor Außenstehenden zu schützen, andererseits die Pflicht, es selbst zurechtzuweisen, wenn es den guten Namen der Sippe beschmutzt. Pakistan ist nicht im Team West, Israel schon. Dass es mir peinlich ist, wenn sich mein Bruder in der S-Bahn einpinkelt, ist was Anderes, als ihn töten zu wollen.

    Und während Antisemiten stets versuchen, ihren Antisemitismus als berechtigte Kritik darzustellen, machen es sich Juden und Israelis oft sehr bequem, indem sie berechtigte Kritik als Antisemitismus verunglimpfen, sodass wir alle sehr genau wissen, dass wir das trennen müssen, aber keiner weiß, was was ist. Schätze mal, viele Antisemiten rasten nicht deswegen aus, weil sie die Juden erschlagen wollen, sondern, weil sie die Debatte erschlagen wollen, für die die Juden symbolisch stehen. Macht keinen Sinn, aber wir reden über Antisemitismus, da ist Sinnlosigkeit die Conditio sine qua non.

    Natürlich ist bei Team West seit Orban, Trump, Netanyahu Hopfen und Malz verloren, es existiert nicht mehr. Es gibt kein Team mehr, nur noch Massa Trump und seine Sklavenplantage voller Speichellecker, [ab hier wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]

    • “Irgendwann stand hier auf Spektrum was davon, dass in der Quantenphysik Dinge gleichzeitig wahr und falsch sein können.” – Nein, in der Quantenphysik sind Dinge grundlegend anders, so daß sie sich unseren gewohnten Begriffen von wahr und falsch entziehen.

      “Und während Antisemiten stets … machen es sich Juden und Israelis oft sehr bequem, indem sie berechtigte Kritik als Antisemitismus verunglimpfen”

      Wem sagen Sie das. Hat Herr Blume schon ganze Prozesse drum führen müssen.

      • Danke, @Paul S. & @Alubehüteter

        Auch beim Thema Israel 🇮🇱 trete ich dafür ein, jeden Dualismus zu überwinden: Immer wieder stelle ich mich gegen jene, die das Existenzrecht einschließlich des Selbstverteidigungsrechtes der Republik bestreiten. Aber ich hatte auch schon jenen zu widersprechen, die meinten, Israel brauche keine unabhängige Justiz, da es „direkt von Gott geführt“ werde. Nach meiner Erfahrung führen dagegen dialogische und auch kritische Diskussionen dazu, dass sich Menschen auch mehr Kenntnisse beispielsweise über die politische, kulturelle und auch religiöse Vielfalt im Land erwerben – und damit auch immer besser verstehen, dass die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Parlament der Knesset ausgesprochene „Staatsräson“ sich auch auf die gewaltenteilige Demokratie bezieht.

        https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-10-warum-antizionismus-antisemitismus-ist/

        Dabei sehe ich, nicht nur mit Bezug auf Israel 🇮🇱, sondern auf den gesamten, eurasischen Gürtel Deutschland 🇩🇪🇪🇺 nicht in der Rolle des Oberlehrers. Denn wir selbst finanzieren fossile Ressourcenfluch-Regime und Terrorgruppen in der Region (und darüber hinaus auch Russland!), handeln noch mit den schlimmsten Regimen wie jenem des Iran und fördern die Klimaerhitzung, die über die Wasserkrise längst die gesamte Staatenwelt zu bedrohen beginnt. Wem es also wirklich um Frieden, Recht und Freiheit aller Völker und Menschen geht, muss m.E. auch bei sich selbst anfangen.

        https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ein-neuer-friedensprozess-fuer-israel-palaestina-wer-kann-etwas-fuer-den-frieden-tun/

        Wer für fossile Gewaltenergien Erdöl und Erdgas aus Ländern wie Russland, Iran und Katar eintritt fördert m.E. Krieg, Terror und Antisemitismus. Genau davor hatte ich ja bereits viele Jahre vor dem Hamas-Terrormassaker des 7. Oktober 2023 gewarnt, auch hier:

        https://www.salonkolumnisten.com/oel_antisemitismus/

        Zumal ich auch noch Teil einer interreligiösen Familie bin, ist mir damit der Hass von feindseligen Dualisten aller Seiten noch auf Jahre, vielleicht ein Leben lang sicher. Doch es hat ja auch niemand je versprochen, dass Frieden stiften eine leichte und gefahrlose Angelegenheit wäre…

  2. Guten Abend, @Michael.

    Danke für diesen schönen und hörenswerten Podcast!

    Ich finde es sehr ermutigend, was Rami Suliman zum interreligiösen Dialog und zur Solidarität in Pforzheim sagt.

    Und besonders interessant fand ich Eure Diskussion zu dem Thema Israel kritisieren (ab Min 15:00).

    Auf dem Bild auf der Seite ist übrigens die zweite Folge von Verschwörungsfragen verlinkt – die habe ich zuerst angeklickt und dann direkt noch einmal bis zum Ende gehört.

    Was mir diesmal beim Hören besonders aufgefallen ist: Der Text – vor allem die prägnante Erklärung der Begriffe und Konzepte Schem, Alphabet, Bildung – ist sehr inklusiv und außerordentlich klar formuliert. Alles ist einfach verständlich und anschaulich erklärt. Vor allem mit vielen Geschichten.

    Eine Idee, die mir dabei kam (ohne dass ich es bisher recherchiert habe): Wäre es nicht großartig, das, was du in der zweiten Folge mit vielen historischen Beispielen so greifbar machst, als Graphic Novel umzusetzen?

    • Guten Abend & vielen Dank, lieber @Peter 🙌

      Ich hatte Deinen schönen Kommentar gelesen, während ich zur neuen Karl-Popper-Folge von “Blume & Ince” bloggte & mich sehr gefreut!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-dialog-zu-karl-popper-dem-kritischen-rationalismus-liberalismus/

      Denn, ja, ich hatte darauf gehofft, dass einige Menschen vom Podcast-Dialog mit Rami Suliman in Verschwörungsfragen 59 auch zur Verschwörungsfragen-Folge 2 zu Grundbegriffen des Antisemitismus zurückgehen würden. Es freut mich sehr, dass Du diesen Weg gewählt und als interessant befunden hast! Danke auch für Deine Anregung zur Graphic Novel, die ich gerne mitnehme!

      Gerade erst heute hatte ich einen KI-Podcast zur großen Antoinette Brown Blackwell (1825 – 1971) gevloggt, der mich ob seiner Qualität etwas sprachlos gemacht hat.

      https://www.youtube.com/watch?v=Ovj7tAQO-fk

      Inzwischen denke ich ernsthaft darüber nach, inwiefern wir auch moralisch verpflichtet sein könnten, neue Medien und dezentrale KI-Anwendungen für die Wissenschaftskommunikation zu verwenden.

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