Verschwörungsfragen 48 – Im Dialog mit Jenny Havemann

Es hat mich sehr gefreut, als der Unions-Fraktionsvorsitzende Manuel Hagel, MdL auf dem Katholikentag meine Arbeit anerkannte – und zusagte, dem Wunsch auch der jüdischen Gemeinden in BW zu entsprechen, meine Beauftragung gegen Antisemitismus um “für jüdisches Leben” zu erweitern. Denn dieser Schritt, den einige andere Bundesländer bereits mit ihren Beauftragten gegangen sind, ist logisch: Wer antijüdische Vorurteile und Verschwörungsmythen aufklären will, darf sich nicht auf die Abwehr von Negativem beschränken, sondern muss das Zusammenleben, die Begegnung, die gemeinsame Zukunft aktiv fördern können.

Aus genau diesem Grund wollte ich für den Podcast “Verschwörungsfragen” unbedingt einmal Jenny Havemann interviewen. Jenny ist eine beeindruckende Persönlichkeit: In der Ukraine geboren, in Hamburg zur Schule gegangen, heute mit ihrem Mann Eliyah und den 3 gemeinsamen Kindern in Israel lebend, gleichzeitig religiös und modern, hat sie sich als Unternehmerin, Organisatorin von Hackathons (2022 Hamburg, 2023 ggf. Stuttgart) und Brückenbauerin einen Namen gemacht.

Da ich mit einem Podcast-Gespräch bei “Sprich:Stuttgart” in der Bibliothek der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) sehr gute Erfahrungen gemacht hatte, lud ich Jenny während einer Deutschlandreise dorthin ein. Und plötzlich gab es Jubel: Nelly Pushkin, die Rebbetzin des Stuttgarter Rabbiners, stellte sich als ehemalige Lehrerin von Jenny heraus. Ein wunderbares Wiedersehen!

  

Nelly Pushkin, Jenny Havemann & ich in der Synagoge Stuttgart der IRGW. Foto MfG: IRGW

Den Podcast-Dialog mit Jenny Havemann über Fragen des unternehmerischen und demokratischen Engagements, über die Ukraine, Israel und Deutschland, über Religionen und Frauenrollen u.v.m. findet Ihr hier auf podigee oder auf allen gängigen Podcast-Portalen.

Und wer danach noch weiterhören möchte, sei auf den Podcast “Sprich:Stuttgart” hingewiesen, in dem Personen der Region tiefer befragt werden. Hier die Folge mit mir (auch) auf YouTube:

Obwohl Sie mich als Blogger und Alphabetmenschen kennen, finde ich das sprachbasierte Medium von Podcasts sehr interessant: Es ermöglicht, Themen und Menschen eine Stimme zu geben. Auch Radioproduktionen wie jene zur Mythentheorie von J.R.R. Tolkien habe ich als sinn- und freudvoll erlebt.

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

10 Kommentare

  1. Der Schreiber dieser Zeilen hat hier ein wenig hereingehört, 50 % ?, nunja, fast, vielleicht waren es auch nur 40 %, einige Ergänzungen hierzu :

    -> https://verschwoerungsfragen.podigee.io/t48-im-dialog-mit-jenny-havemann

    1.) Blödsprech ist nicht festgestellt worden.

    2.) Dr. W dankt Dr. B für seine umgängliche Art, er kann vermutlich nunmehr auch in Transkripta vglw. unproblematisch zitiert werden.

    3.) Zur Datenlage i.p. Judentum in der Ukriane kann bspw. so ergänzt werden :

    -> https://en.wikipedia.org/wiki/Odessa#Demographics (Abreisebemühungen von Juden haben also stattgefunden)

    4.) Orthodoxe, relig. devote Juden, gingen mit dem Weibsvolk womöglich nie so-o gut um, gehen womöglich auch heutzutage nicht so-o gut um, sie müssen nicht “ultra-orthodox” genannt werden. (‘Wie ist das, religiös und modern und religiös und demokratisch ist für Dich überhaupt kein Widerspruch? – Nein, überhaupt nicht, und klar, also Israel versucht ja auch, natürlich ist das nicht einfach, also natürlich sind immer Religionen patriarchal, natürlich aufgestellt, also es gibt ja für alle Religionen, jede Religion versucht auf ihre Art und Weise sich da ein wenig zu demokratisieren […]) [1]

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

    [1]
    Wird nicht überall so gesehen.

    • Danke, @Webbaer. Die Unterscheidung zwischen die Wissenschaften und Demokratie bejahenden modern-Orthodoxen wie Rabbi Jonathan Sacks, seligen Angedenkens, und strikt theokratischen Ultraorthodoxen („Haredim“) erscheint mir unverzichtbar. Modern-Orthodoxe tendieren zum dialogoffenen Monismus, Haredim häufiger zum Dualismus. In Israel selbst aber auch zum Beispiel in Nordamerika gibt es darüber heftige Debatten.

      • Nur ergänzend (Dr. Webbaer hat sich das dankenswerterweise bereit gestellte audiovisuelle Dokument letztlich “reingefahren”, zu 100 %, sozusagen) :

        -> https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_the_alphabet (‘The history of the alphabet goes back to the consonantal writing system used for Semitic languages in the Levant in the 2nd millennium BCE. Most or nearly all alphabetic scripts used throughout the world today ultimately go back to this Semitic proto-alphabet. Its first origins can be traced back to a Proto-Sinaitic script developed in Ancient Egypt to represent the language of Semitic-speaking workers and slaves in Egypt. Unskilled in the complex hieroglyphic system used to write the Egyptian language, which required a large number of pictograms, they selected a small number of those commonly seen in their Egyptian surroundings to describe the sounds [Hervorhebung : Dr. Webbaer], as opposed to the semantic values, of their own Canaanite language. [sog. Lautschrift meinend, Anmerkung : Dr. Webbaer, vs. “Bildschrift”] Quelle, denkbarerweise sind (auch) Juden gemeint, ein diesbezüglicher Hinweis findet sich in der bekannten Online-Enzyklopädie nicht.

        Denkbarerweise bis sicherlich ist es sozusagen cooler in Lautschrift zu verfassen, statt sich durch Symbolismus einengen zu lassen.

        Mit freundlichen Grüßen + schöne Kalenderwoche 22 noch
        Dr. Webbaer

        • Ja, @Webbaer – richtigerweise behauptet ja auch das Judentum nicht, das Alphabet erfunden zu haben: Auch der Noahsohn Schem gilt – lange vor Moses – nicht als Erfinder, sondern als Schulgründer & Richter.

          Diese weise Demut darf man(n) ruhig mal anerkennen! ☺️

          • Vielen Dank, lieber Herr Dr. Michael Blume, für Reaktion und auch für Ihre Einschätzungen, vieles sieht Dr. Webbaer ganz ähnlich, zur ergänzenden Auflockerung ein kleiner Judenwitz [1], dessen Veröffentlichung gerne Ihnen obliegt :

            Yohanan geht zum Rabbi (stets begleitet von seinem kleinen Helfer Eli), er klagt, jault und jammert : Der Abi habe ihn bei einer Zusammenarbeit ganz schrecklich übervorteilt, es sei dieses und jenes geschehen und es sei alles ganz schlimm, eine weiträumige Erklärung folgt.
            Der Rabbi überlegt kurz und sagt : “Ich glaube Du hast Recht!”

            Der Rabbi geht (stets begleitet von seinem kleinen Helfer Eli) nun zu Abi und der klagt, jault und jammert : Es wäre dieses und jenes geschehen und der Yohanan habe sich bei einer Zusammenarbeit schwer ins Unrecht gestürzt.
            Der Rabbi hört aufmerksam zu und sagt : “Ich glaube Du hast Recht!”

            Nachdem sich verabschiedet worden ist, herzlich, ähnlich herzlich wie sich Yohanan zuvor vom Rabbi (und Eli!) verabschiedet hat, sagt Eli zum Rabbi :
            “Wie kannst Du nur beiden Recht geben, o Rabbi?”, Eli ist sichtlich angefressen und der Rabbi sagt nach längerem Überlegen :
            “Ich glaube Du hast Recht!”

            Mit freundlichen Grüßen
            Dr. Webbaer

            [1]
            Es darf Judenwitze geben, also Witze mit Juden, einige meinen, dass besser von jüdischem Humor geredet wäre, Dr. W glaubt nicht so, denn er kann als Nicht-Jude keinen jüdischen Humor beibringen.

          • Danke, @Webbaer – in der mir bekannten Version dieses Witzes übernahm die Ehefrau des Rabbiners, die Rebetzin, die Rolle des „Eli“.

            Finde, das ist ein guter und kluger Witz zwischen Relativismus und Zeitlichkeit. 💁‍♂️🙏🖖

          • Aja, Herr Blume, Sie kannten den Witz bereits, ich habe ihn in den letzten fünf Jahrzehnten vielleicht fünfmal gehört, aber fast alles vergessen, in Erinnerung blieb : vier Juden, davon ein Rabbi, es herrscht Streit und der Rabbi, der auch für Rechtsfälle zuständig ist, steht sozusagen wie ein Fels in der Brandung und ist weise wie humorvoll.
            Die Ausschmückung war von mir.
            MFG + schönes WE
            WB

        • Ja, @Joachim Fischer – im Bereich der Religionen ist Dualismus ja so gut erforscht, dass wir das Konzept auch auf die Weltanschauungen übertragen können. Und siehe da – es ergibt sich viel! ☺️📚🖖

          Ihnen einen schönen Sonntag!

  2. Dr. Webbaer
    03.06.2022, 07:25 Uhr

    Ich empfehle das Buch “Jüdische Witze” von Salcia Landmann.

    Eine solche ironische Form der Selbstkritik, wie sie in dieser Sammlung aufgezeigt wird, täte uns ( und was ich mit “uns” genau meine, lasse ich zur gefälligen Selbstkritik ungesagt ) immer “Wollenden” sicher auch gut.

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