Vernunft, KI & Demokratie gegen die größte Lüge – Im Dialog mit Barbara Traub, Inan Ince & der Stiftung Weltethos

“Wer an die Vernunft glaubt,

muss sie, wie der Gläubige seinen Gott, entschuldigen können.

Und dies vor allem dafür, daß nicht alle an sie glauben.”

  • Hans Blumenberg (1920 – 1996), “Die Sorge geht über den Fluß”, 1987 / 2022, S. 210

Heute bin ich auf dem Weg nach Lörrach – einer Stadt, der und dessen jüdischer Gemeine ich mich besonders verbunden fühle. Dort soll anlässlich des 30jährigen Jubiläums der Wiedergründung und der Einbringung einer neuen Thorarolle sprechen. Ich freue mich sehr darauf!

Mastodon-Post vom 16. November 2025 von Dr. Michael Blume auf dem Weg zur Jubiläumsrede bei der jüdischen Gemeinde Lörrach.
Mastodon-Post vom 16. November 2025 zur Jubiläumsrede der jüdischen Gemeinde Lörrach. Screenshot: Michael Blume 

Auch schon zu meiner Lörracher Revolutionsrede von 2021 war ich gefragt worden, was ich denn für die größte oder die gefährlichste Lüge, den krassesten Verschwörungsmythos auf unserer Welt halte. Und schon damals war meine Antwort dieselbe wie heute: „Du kannst doch nichts ändern.“

Wenn Sie diese Lüge, wenn Sie diesen Verschwörungsmythos einmal glauben, dann erleben Sie sich als hilflos gegenüber den vermeintlich unterdrückerischen Übermächten der Welt. Sie werden eingehüllt in eine Bequemlichkeit der Kälte, in der Sie jede Verantwortung auch für Ihr eigenes Leben und auch für Ihr eigenes Tun auf andere externalisieren.

Sie werden sich zwar kurze Zeit fühlen, als hätten Sie größere Einsichten gewonnen. Doch am Ende werden Sie unweigerlich bitter und traurig und böse. Denn in einer Welt ohne Selbstwirksamkeit erfahren wir auch keinen Sinn. Auch deswegen kenne ich keine andere Lüge, die so gefährlich ist als diese. Und deswegen wird sie auch von Tyrannen und Diktatoren aller Zeit immer wieder verwendet, die sich an die Stelle der Gottheit setzen wollen. Sie flüstern, inszenieren & schreien über alle verfügbaren Medien: „Du kannst nichts ändern! Aber wenn du mir folgst, kann ich es für dich tun!“

Und wieder und wieder hat die Menschheit die Erfahrung gemacht, dass solcher Dualismus und Verschwörungsglauben, solche Tyrannophilie (die Sehnsucht nach Unterwerfung unter einen vermeintlich wohlmeinenden Diktator) nur in den Abgrund führt.

So wurde gerade nach Langenau in Baden-Württemberg in Homberg (Ohm) in Hessen eine zweite, evangelische Kirche antisemitisch angegriffen. Auf Basis von feindseligem Dualismus und Verschwörungsmythen können Vielfalt und Demokratie nicht gedeihen.

Ich glaube dagegen nicht nur, sondern beobachte und erlebe es, dass jeder Mensch etwas ändern kann. So spreche ich heute, am Sonntag dem 16.11.2025 auf Einladung von Landes- und Polizeirabbiner Moshe Flomenmann zum 30jährigen Jubiläum der Wiedergründung der jüdischen Gemeinde zu Lörrach.

Und morgen, am 17.11.2025, laden Barbara Traub, die Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) & ich ab 19 Uhr zu den jüdischen Kulturtagen Esslingen in die Ritterstraße 6.

Denn wir haben gemeinsam ein Buch geschrieben zum jüdischen Leben in Deutschland und zum Dialog. Es heißt: “Wenn nicht wir, wer dann?” Und zitiert damit eine alte jüdische Auslegung der Bibel, nach der kein Mensch ersetzbar sei. Denn die Ebenbildlichkeit und Einzigartigkeit jeder Person (m/w/d) bedeute, dass jeder Mensch etwas tun kann, was niemand anderes tun könnte.

Konkret: Den Dialog, den Du führen kannst, kann niemand an Deiner Stelle führen. Die Tat, die Du tust, kann niemand an Deiner Stelle tun. Den Unterschied, den Du machen kannst, kann niemand an Deiner Stelle machen. Das bedeutet nicht, dass jeder von uns die Welt retten könnte – und also müsste. Es bedeutet, dass niemand von uns alleine die Welt retten kann, aber dass die Welt dann gerechtfertigt werden kann, wenn jeder und jede von uns das Seine und Ihre tut. Es ist ein Angebot des Sinns, ein Angebot dafür, dass wir in der kurzen Zeit unserer Lebensspanne nicht einfach nur vor uns dualistisch hinvegetieren, sondern tatsächlich sozial und dialogisch in unsere Mitwelt eingreifen.

Auf dem Buchcover von "Wenn nicht wir, wer dann?" sind Dr. Michael Blume und Prof.in Barbara Traub im Gespräch abgebildet.

Cover unseres Buches “Wenn nicht wir, wer dann? Ein Gespräch nach 1700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland” von Barbara Traub & Michael Blume, Patmos Verlag.

Die großen Sinndebatten werden jedoch nicht nur am Thema der Religionen, sondern auch am Thema Künstliche Intelligenz geführt. Wobei schon der Begriff selber umstritten ist. Ist das, was wir durch LLMs – Large Language Models – wie ChatGPT erleben, denn wirklich Intelligenz? Sind auch die Grafiken, die wir durch erstellen und sehen denn wirklich Kunst – oder haben wir es nicht eher nur mit statistischen Spiegelungen zu tun?

Es gibt manche, die sehen in “künstlicher Intelligenz” die Lösung aller Probleme. Apokalyptische Rechtsdualisten wie Elon Musk oder Peter Thiel finanzieren enorm große Konzern-Superintelligenzen, die vermeintlich alle Probleme der Welt inklusive der säkularen Demografie oder Klimakrise lösen könnten. Menschen, die die Energie-intensiven Entwicklungen solcher Konzern-AGIs kritisieren, erklärte Thiel bereits rechtsdualistisch zu möglichen Verkörperungen des Antichristen und nannte namentlich den jüdischen KI-Forscher Eliezer Yudkowsky und die israelfeindliche Klima-Aktivistin Greta Thunberg.

Ich teile diese dualistische Identifikation von KI und Christus sowie von Kritikern als Antichristen selbstverständlich nicht. Mit sehr vielen anderen Menschen in Wirtschaft und Medienethik halte ich KI für ein Werkzeug (eng. “Tool”), aber für nicht mehr als das. Und der beste Weg, ein solches Werkzeug zu benutzen, wäre es nicht in die Hände einiger weniger zu legen, sondern in sehr viele kleinere, spezialisierte OpenSource-Anwendungen, über die wir die Kontrolle behalten. Im Hinblick auf die großen KI-Konzerne befürchte ich mangels nachhaltiger Geschäftsmodelle sogar das Platzen einer großen Blase.

Entsprechend möchte ich am 25. November 2025 in der Volkshochschule in Filderstadt mit Prof. Dr. Inan Ince ein weiteres Experiment anbieten. Wir möchten dort für eine Folge von “Blume & Ince” diskutieren über “Liegt unsere Zukunft im Kokon? Ein Gespräch zu KI, Kirchen und Kultur”. Dies aber nicht, indem nur wir beide reden, sondern indem wir wie bereits erstmalig an der Universität Stuttgart einen dialogischen Videocast aufnehmen, in dem auch andere Anwesenden die Möglichkeit geben, sich ohne Bild & vollem Namen dialogisch zu beteiligen. Wir freuen uns auf interessierte und gerne auch dialogische Teilnahme!

Die VHS Filderstadt lädt ein zu Interview und Gespräch mit Dr. Michael Blume und Prof. Dr. Inan Ince unter dem Titel: "Liegt unsere Zukunft im Kokon? Ein Interview zu KI, Kirchen und Kultur"

Einladung zum Dialog-Videocast am 25.11.2025 bei der VHS Filderstadt mit Anmeldung. Plakat: VHS Filderstadt

Und am 3. Dezember 2025 geht es ab 18:15 Uhr im Kupferbau der Universität Tübingen auf Einladung der Stiftung Weltethos um ein Thema der Demokratietheorie und Politikwissenschaft. In Vortrag und Diskussion zu “Konkurrenz-, Konsens-, Konkordanzdemokratie – Welche Demokratieform baut Brücken ins 21. Jahrhundert” spreche ich darüber, warum die 1961 in die Fernsehdemokratie eingeführte Form mit Parteien-Koalitionsverträgen, Fraktionsdisziplin und Koalitionsausschüssen nicht mehr funktioniert – ganz aktuell merkbar am Widerstand der Jungen Union und junger Mitglieder des Bundestages gegen die Regierungs-Rentenpläne. Auch hierzu herzliche Einladung!

Einladung der Stiftung Weletethos zu einem Vortrag von Dr. Michael Blume mit Diskussion über verschiedene Demokratieformen.Einladung der Stiftung Weltethos zu Vortrag & Diskussion mit Dr. Michael Blume am 3.12.2025 an der Universität Tübingen. Screenshot mfG: Michael Blume

Und selbstverständlich darf auch auf diesem Blog der Dialog weiterhin lebendig gepflegt werden, auch etwa über die Kulturgeschichte des Tässle Kaffee! 🙂 

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

36 Kommentare

  1. Für die Nanationalsozialisten war es durchaus “vernünftig” an den Nationalsozialismus zu glauben.
    Für die Sowjet- Kommunisten war es sogar noch vernünftiger, an den “Dialektischen Materialismus” zu glauben.
    Marktradikale Libertäre und Neoliberale , manche Anarcho- Libertäre wie auch viele bildungs- und finanzelitäre Rechtskonservative hassen alles (angeblich) Linke wegen des dort angeblich grassierenden antirationalen und vernunftwidrigen dogmatisch linksversifft kollektivistisch- autoritären Weltbildes.
    Nur die inniglich in die Gottesmutter Maria verliebten Religiösen (Theologen) sind geradezu stolz darauf, auf den eventuell von Gottes Widersacher angestifteten “Geist der Aufklärung” deswegen nicht angewiesen zu sein, weil ihnen die Wahrheit (nicht nur bezüglich des Alls , sondern über üüüüüberhaupt alles sonst noch Denkbare und sogar über das verboten- Undenkbare ) ja vor ziemlich langer zeit von ihrem (Alien-Gott) aus welchen Motiven heraus auch immer verraten – äh – geoffenbart wurde.
    Untereinander kämpfen sie allerdings darum, zu welchem Zeitpunkt genau (jetzt oder nach der Apokalypse) sie zur Belohnung ihrer Rechtgläubigkeit zu ihrem Herrn in den Himmel auffahren dürfen.
    Was dann, wie in Gaza, auch mal schnell zur Rechtfertigung für das Eliminieren der jeweils “Andersrum- Vernünftigen ” führen kann.
    Denn ist es nicht etwa sehr vernünftig, zur Garantie des eigenen Seelenheils die eventuell konkurrierenden Vertreter der “Anderen Vernunft” etwas vorzeitig gegen deren Willen in die Hölle zu schicken?
    Aber zum Glück haben wir hier im Ländle nur ausgesprochen vernunftbegabte Christliche Demokraten. Und die Grün- Demokraten sind ja auch (zumindest offiziell) überwiegend der Religion nicht abgeneigt. Sogar die Sozies sind ( zumindest seit sie dem Sozialismus weitestgehend abgeschworen haben und teilweise ins Lager ihrer einstigen (wirtschaftstheoretischen) Gegner übergelaufen sind) , ja auch keine halbreligiös Marxismus-gläubigen mehr. Eher glauben sie jetzt mehrheitlich genauso inniglich an die alles zum Guten wendende und (ähnlich dem liebe Gott) (zumindest theoretisch) unsichtbare Hand des “Freien Marktes”
    Womit sich ja alle zur universalen Vernunft im Ländle bekehrt hätten.
    Was will man also mehr?
    Nur die ewigen von hirnzersetzend- unbewusstem esoterischen Antisemitismus befallenen Kritikaster können aaaaaeinfach nicht aufhören, immer wieder (nicht nur bei scilogs) nervig herumzustänkern.
    Weswegen es dann halt vernünftiger erscheint, bei Mastodon ganz unter sich der eigenen VERNUNFT zu frönen.

    • Nun, “Danke”, @little Louis

      Und Sie haben eben schon auch Recht: Wer sich selbst als Opfer angeblicher Bildungsverschwörungen inszeniert und in seinen Drukos Nationalsozialisten wie auch als Stalinisten als “vernünftig” apostrophiert, kann – oder besser: will – zu einem wirklichen Dialog nicht viel beitragen. Und warum sollte ich kostbare Zeit an Menschen verschenken, die gar kein wirkliches Interesse an Wissenschaft und Dialog haben?

      Ich verstehe schon, dass Sie etwas verbittert auf Ihr Leben blicken und sich mehr Aufmerksamkeit gerade auch von Akademikerinnen und Akademikern wünschen. Aber ich denke, ich tue auch Ihnen keinen Gefallen, wenn ich Ihr verbittertes Trolling allzu stark belohne. Ganz abgesehen davon, dass auch mir der Dialog auch Freude machen darf und ich nicht verpflichtet bin, meine Zeit an destruktive Accounts zu verschenken. Nein, Danke.

      Inhaltlich haben Sie sich übrigens einfach auf ein Verständnis instrumenteller Vernunft beschränkt und den dialogischen Vernunft-Begriff ausgeblendet. Das ist nun wirklich keine neue Diskussion. Falls Sie doch einmal Lust haben sollten, darüber ein wenig nachzudenken, warum Massenmörder “nicht” vernünftig genannt werden brauchen, hier eine Zusammenfassung durch Felo.ai:

      ## Unterschied zwischen einem dualistischen Verständnis instrumenteller Vernunft und einem dialogischen Verständnis monistischer Vernunft

      ### **1. Dualistisches Verständnis instrumenteller Vernunft**
      Das dualistische Verständnis der instrumentellen Vernunft basiert auf einer Trennung zwischen Mitteln und Zielen. Diese Form der Rationalität konzentriert sich ausschließlich darauf, die effizientesten Mittel zur Erreichung eines vorgegebenen Ziels zu finden, ohne die ethische oder intrinsische Wertigkeit des Ziels selbst zu hinterfragen.
      Es handelt sich um eine zweckrationale Denkweise, die durch folgende Merkmale gekennzeichnet ist:

      – **Fokus auf Effizienz:** Entscheidungen werden auf Basis der Effektivität und Effizienz getroffen, um ein Ziel zu erreichen, unabhängig von den moralischen oder sozialen Konsequenzen[2][3].
      – **Trennung von Werten:** Die Ziele werden als gegeben betrachtet und nicht kritisch hinterfragt. Die Rationalität beschränkt sich auf die Optimierung der Mittel, nicht auf die Bewertung der Ziele selbst[3][5].
      – **Kritik durch die Frankfurter Schule:** Denker wie Max Horkheimer und Theodor Adorno kritisierten diese Form der Rationalität als zentral für die moderne kapitalistische Gesellschaft, da sie technische Meisterschaft und Effizienz über ethische und soziale Belange stellt. Sie argumentierten, dass diese Rationalität zur Entfremdung und Unterdrückung beiträgt, indem sie soziale und wirtschaftliche Systeme als unveränderlich darstellt[3][4].

      ### **2. Dialogisches Verständnis monistischer Vernunft**
      Im Gegensatz dazu steht ein dialogisches und monistisches Verständnis von Vernunft, das auf einer ganzheitlichen und integrativen Perspektive basiert. Diese Form der Rationalität versucht, die Trennung zwischen Mitteln und Zielen aufzuheben und eine Einheit zwischen ethischen, sozialen und praktischen Aspekten herzustellen.
      Sie wird oft mit einem kommunikativen oder wertorientierten Ansatz assoziiert:

      – **Ganzheitlicher Ansatz:** Ziele und Mittel werden nicht isoliert betrachtet, sondern in ihrem sozialen, ethischen und ökologischen Kontext reflektiert. Es geht darum, die Werte und Konsequenzen von Handlungen in den Entscheidungsprozess einzubeziehen[5][9].
      – **Dialogische Rationalität:** Diese Form der Vernunft betont den Austausch und die Verständigung zwischen Akteuren, um gemeinsame Werte und Ziele zu definieren. Sie basiert auf der Idee, dass Rationalität nicht nur technisch, sondern auch normativ und intersubjektiv ist[5].
      – **Kritik an der instrumentellen Vernunft:** Das dialogische Verständnis sieht die instrumentelle Vernunft als unzureichend, da sie die moralischen und sozialen Dimensionen von Entscheidungen ignoriert. Stattdessen wird eine Vernunft angestrebt, die sowohl die Mittel als auch die Ziele kritisch hinterfragt und in einen größeren Zusammenhang stellt[3][9].

      ### **Zusammenfassung**
      Der zentrale Unterschied zwischen dem dualistischen Verständnis instrumenteller Vernunft und dem dialogischen Verständnis monistischer Vernunft liegt in der Trennung bzw. Integration von Mitteln und Zielen:

      – **Dualistisch:** Instrumentelle Vernunft trennt Mittel und Ziele, fokussiert auf Effizienz und ignoriert ethische Fragen.
      – **Monistisch:** Dialogische Vernunft integriert Mittel und Ziele, reflektiert ethische und soziale Werte und fördert einen ganzheitlichen Ansatz.

      Während die instrumentelle Vernunft als Werkzeug der technischen und wirtschaftlichen Effizienz dient, strebt die dialogische Vernunft eine umfassendere, wertebasierte Rationalität an, die die moralischen und sozialen Implikationen von Entscheidungen berücksichtigt.

      [1] https://philarchive.org/archive/STRSSA-6v1
      [2] https://lifestyle.sustainability-directory.com/term/instrumental-reason/
      [3] https://fiveable.me/key-terms/intro-philosophy/instrumental-reason
      [4] https://www.pdcnet.org/du/content/du_2022_0032_0002_0175_0196
      [5] https://en.wikipedia.org/wiki/Instrumental_and_value_rationality
      [6] https://academic.oup.com/book/5036/chapter/147550701
      [7] https://scholarship.law.columbia.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=3249&context=faculty_scholarship
      [8] https://mauriziobisogno.com/2023/01/31/subjective-and-objective-reason-in-max-horkheimer/
      [9] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0921800902000514
      [10] https://www.reddit.com/r/CriticalTheory/comments/1195q1k/theorists_on_instrumental_reason_vs_discursive/
      [11] https://www.oxfordreference.com/display/10.1093/oi/authority.20110803100005503
      [12] https://www.reddit.com/r/CriticalTheory/comments/80t5eq/what_is_instrumental_reason/
      [13] https://academic.oup.com/book/32816/chapter/274973858

  2. Milliardäre aller Länder, vereinigt euch! Wir haben eine Internationale der Reichen und Mächtigen, den Finanz-Kommunismus, in dem alles Geld gleich ist und alles ihm gemeinsam gehört, und auch die großen Länder und die großen Diktatoren einigen sich lieber untereinander als mit ihren eigenen Völkern. Die Welt ist in eine alte Falle getappt: Reichtum und Macht machen faul und blöd, können sich aber die meiste Arbeitskraft, Kompetenz und Intelligenz kaufen, um ihre Ziele zu verwirklichen. Und so fokussiert die gesamte Menschheit all ihre Superkräfte auf das große, gemeinsame Ziel, das definiert ist als: D’oh, hyhyhyhy…

    Wenn die ganze Welt in D’oh, hyhyhyhy ertrinkt, muss mich keiner überzeugen, dass die Menschheit ihr Schicksal bestimmen kann, der Beweis ist unmöglich zu übersehen. Wir haben halt sehr viel Vernunft, wenn es darum geht, unsere Ziele zu erreichen. Aber nicht, wenn es darum geht, sie festzulegen.

    Der Kapitalismus ist eine gute Fee, sie erfüllt Wünsche, und das macht sie sehr gut. Es sind unsere Wünsche, die aus ihr den bösen, fiesen Flaschengeist machen. Trump will zum Mond, Musk zum Mars, Merz aufs Töpfchen in Berlin, Merz war als Erster am Ziel, wir sind Weltmeister, Hurra! Und jetzt wird das Töpfchen halt kolonisiert, mit allem, was der Darm hergibt – relativ zur Fläche haben weder USA noch China größere Wolkenkratzer!

    Wenn die Welt ein Wettbewerb in Kleingeistigkeit ist, haben die Deutschen den Kleinsten. Dauert noch ein Bisschen, bis es sich herausstellt, dass dieser Text kein Deutschen-Bashing ist, ich motze halt so gerne…

    Wer schwimmt besser als jeder Fisch? Das Kamel.

    Deutsche Vernunft ist sehr gut darin, Probleme zu lösen, die sie nicht hat. Wir wälzen sie auf andere ab, dann schütteln wir den Kopf darüber, wie sehr sie sich mit etwas abplagen, was wir anscheinend mit Links gelöst haben, und geben ihnen gut gemeinte saublöde Ratschläge, die eben deswegen saublöd sind, weil sie nie eine Realität gesehen haben, an der sie sich messen mussten.

    Und weil wir so offensichtlich die Vernünftigsten, Schlausten und Kompetentesten auf dem Planeten sind, muss jedes Problem, das wir nicht lösen können, logischerweise unlösbar sein. Wenn Deutsche Badelatschen tragen, binden alle anderen ihre Schnürsenkel falsch, wenn Deutsche auch Schnürschuhe anziehen müssen, kommen sie nicht auf die Idee, von Leuten zu lernen, die es halbwegs können.

    Vernunft wird durch das Ziel definiert: Falls es unser Ziel ist, durch Posertum unser Ego zu stärken, als Hochstapler international Karriere zu machen, die Konkurrenz zu sabotieren, indem wir ihre Probleme verschlimmbessern, ist diese Kompetenz-Mimikry durchaus eine hocheffiziente Methode, ohne viel Mühe an Status und Privilegien zu erlangen.

    Falls es unser Ziel ist, Probleme zu lösen, ist es das exakte Gegenteil von Vernunft, denn der beste Lügner ist jener, der sich selbst seine Lügen abkauft, und diese Herangehensweise täuscht vor allem uns selbst: Wir erkennen nicht die eigenen Schwächen und die eigene Inkompetenz.

    Deswegen war Deutschland ein sehr erfolgreiches Land in den Jahrzehnten, in denen es auf der Welt keine echten Probleme gab und die Poser, Schnorrer, Hochstapler, Falschspieler und Trickbetrüger sie regierten. Doch jetzt legt ein Reality Check nach dem anderen unsere Illusionen in Trümmern.

    Deutsche Vernunft ist eine Superkraft, die ihr Kryptonit mit sich bringt: Wir wollen immer die Musterschüler sein, die Weltmeister in jedem Blödsinn, den die Menschheit gerade veranstaltet, und so werden wir schnell zu ihrer Karikatur: Ob die Welt gerade in der Disziplin Kolonialismus und Rassismus wetteifert, ob’s Schnorren und Toleranz sind – wer die Deutschen sieht, sieht am Klarsten, wie die Menschheit gerade tickt.

    Deutsche Vernunft zerstört hartnäckig alles, was sie gerade nicht braucht. Alles, was sie gestern, vorgestern, vorvorgestern gebraucht hat, alles, was sie morgen, übermorgen, überübermorgen brauchen wird oder brauchen könnte, ist heute Ballast und muss weg. Jedes neue Deutschland ist ein Präzisionswerkzeug, das nur für eine einzige Aufgabe geschaffen wird und mit dieser Aufgabe stirbt.

    Damit Deutsche überleben können, muss es also andere Völker geben, die eine andere Vorstellung von Vernunft haben und die Dinge tun, die Deutsche nicht können. Dann können sich die deutschen Superkräfte entfalten und für die Anderen Dinge tun, die Deutsche besser können.

    Nicht nur Menschen, auch Völker und ihre Vernunft, sind wenn schon nicht einzigartig, so zumindest in ihrem Ökosystem schwer zu ersetzen. Weil wir alle Spezialisten sind. Weil der Mensch von Grund auf ein Krüppel ist, der davon profitiert, nur ein Bein zu haben, weil er dann auf dem anderen besser hüpfen lernt. Weil wir ein Behindertenwohnheim sind, in dem jeder Beruf ein Pflegeberuf ist, jeder entwickelt Superkräfte, die mit den Superkräften der Anderen kompatibel sein müssen, um fehlende Arme durch Super-Arme, fehlende Augen durch Super-Augen, fehlende Herzen durch Super-Herzen, fehlende Hirne durch Super-Hirne zu ersetzen.

    Wir sehen, was wir 1918 und 1945 sahen: Deutschland als Schwarzes Loch Europas, der gesamte überzüchtete Wahnsinn der Welt fällt auf uns zurück. Diesmal sind es die selbst gebauten Geiz-ist-Geil- und Schnorrer-Bomben, die auf uns niederfallen. Deswegen bin ich so kritisch gegenüber dem etablierten Fachpersonal, das den gleichen Fleiß und die gleiche Sorgfalt wie die Hohenzollern und die Nazis walten lässt, wenn es darum geht, das Baugrundstück aufzuräumen und nicht aufzugeben, solange von der alten Fabrik auch nur ein Stein auf dem anderen steht.

    Was von Deutschland übrig bleibt, ist immer wieder – Potenzial. Ein Haufen Flüchtlinge, die von Vorne anfangen und ein Wirtschaftswunder bauen, ein kleines Amerika, eine kleine Neue Welt, perfekt angepasst an die Welt, die die Menschheit um es herum geschaffen hat. Doch innerhalb der Menschheit hat ein Deutscher genauso viel zu melden, wie jeder andere auch – nicht mehr, nicht weniger.

    Vernünfte aller Länder, verbündet euch! „Vereinigen“ klingt so nach Einheitsbrei, darin werden Superkräfte zerkocht. Aber Superkräfte, die aufeinander prallen, machen meist mehr kaputt als sie erschaffen.

    Vor allem muss ich das deutsche Dilemma lösen: Deutschland braucht nicht nur mehr Fachkräfte für die Neue Welt, sondern auch dringend weniger Fachkräfte für die alte. Und wenn ich die Altlasten nicht wieder per Waldbrand entsorgen will, brauche ich eine intelligente Forstwirtschaft. Vor allem eine, die Probleme wie Impfungen sieht – nur wer sie sich aufhalst, kann lernen, sie zu lösen.

  3. @ Michael Blume
    Vertreter einer ethischen Vernunft können durchaus Zweckrationalisten sein. Sie müssen es (in vernunftphilosohischer Hinsicht) sogar um Selbstwidersprüchen zu entgehen. Denn wie schon Popper betonte, ist eine Nicht- zweckrationale oder sogar (deswegen ?) irrationalistisch Etkik, die anthropologische “Gesetzmäßigkeiten” ignoriert, früher oder später zum Scheiterrn verurteilt.

    Und /oder sie führt direkt in den zynischen Ego- Antihumanismus, weil die Ratio sich dann in der Ethik nicht mehr wiederfindet. Bekanntlich führt das mit zur schlagkräftigsten Kritik an den Großkirchen als Produzenten von nur vordergründigen Schein- Ethiken und der allseits bekannten Doppelmoral.

    Noch was aktuelles zur aktuellen politischen “Zweckethik”:

    Gestern haben sich doch tatsächlich bei “Carmen Mioska” mit (halber) Ausnahme, des DIE ZEIT-Vertreters (dessen liberalistische Normenethik sich wohl gemeldet hat) alle anderen Polit- Diskutanten dafür ausgesprochen , zur Verhinderung bzw. Bekämpfung der aktuell größten Oppositionspartei freiheitlich – demokratische Politik in unserem Land so weit es eben geht (ohne die Verfasung ganz zu suspendieren) EINZUSCHRÄNKEN. Bzw. die demokratische Waagschale hin zu einem elitären Autoritarismus herabsinken zu lassen.

    Und das, obwohl sie an anderen Stellen ständig lauthals den “halbtotalitären
    Autoritarismus” zum Beispiel eines Donald Trump oder eines Putin lauthals verurteilen!
    Und sie schämen sich (in normenethischer Hinsicht) NICHT, das alles auch noch mit dem geopolitischen Argument zu rechtfertigen, dass Deutschland sonst international nicht mehr konkurrenzfähig sei. Werden wir dann, wenn wir demnächst mal mit Sklavenhalter-Ländern konkurrieren müssen, unser Grundgesetz auch ganz geschmeidig an diese Konkurrenzverhältnisse anpassen (müssen)?
    Fast alle waren sich auch einig, dass der Kanzler die Möglichkeit bekommen müsse, etwa 7 Jahre von Parlamenten fast (!) unbehidert (also “autoritär) durchregieren zu können.

    Man beachte: Das sind keine Reichsbürger mit Neigung zum (ehemligen ) Kaiserreich. Sondern äußerst honorige bekannte “freiheitlich- demokratische ” Aktivisten aus Politik und Journalismus. So weit ist/wäre noch nicht mal Popper (nach seinem Hinweis auf das Paradox der Selbstabschaffung der Liberalität durch gewählte Antiliberale) gegangen. Popper hätte immer ausschließlich auf zähe Übezeugungsarbeit in rationalen Diskursen gesetzt. Der erwähnte US- Politologe Löwental als ihr Vorbid dagegen offenbar schon. Obwohl den die US- Geschichte der Mc Carthy- Ära selbst widerlegt hat. Das ficht (grüne)-Politikerinnen und Spitzenjournalisten aber offenbar nicht an.
    Diese Leute schränken lieber die Freiheitliche Demokratie um 50 Prozent oder gar mehr ein, um ihre politischen- und weltanschaulichen Gegner (die AFD) von der Regierungsmacht fernzuhalten. Das BSW wird gar mit der Bemerkung “nicht diskussionswürdig” von vornherein ganz aus dem demokratischen Diskurs ausgesckossen.

    Das alles zeigt, wie weit die Panik über die Verfahrenheit der aktuellen innenpolitischen und geopolitischen Lage schon fortgeschritten ist.

    Wer aber schützt UNSERE “Verfassungsmäßige Ordnung” vor diesen Lila- grün – schwarzen Demokratie-Apokalyptikern ” aus der Mitte der Gesellschaft” ?

    Nur nebenbei ein…..

    Kommunikationstechnischer Schlussvorschlag zur Güte an den Blogbetreiber:
    Lassen sie doch einfach die (eventuell sogar teilweise Ki- generierte) etwas seltsame Polemik gegen den Mitdiskutanten “Little Louis” sein.
    Das ist Ihrer doch in keine Weise würdig.

    • Vielen Dank, @little Louis

      Nein, ich „polemisiere“ gar nicht gegen Sie. Ihre weinerliche Selbstverzwergung und Rechtsmimesis macht mir ehrlich Sorgen. Sie steigern sich erkennbar in Bildungsneid, Verschwörungsmythen und trollige Bettelei um Aufmerksamkeit. Und ich muss dann jedesmal entscheiden, ob ich Sie 1. wie andere Dualisten und Trolle einfach wegblocke, 2. Sie für Ihre Dauer-Jammerei auch noch mit Aufmerksamkeit belohne oder 3. Ihren Rechtsdrift zu den Nick Fuentes-Groypern aufkläre.

      So ist auch Ihr aktuelles Geschwurbel einfach nur stumpfe Rechtsmimesis. Einerseits plädieren Sie für eine instrumentelle Vernunft und erkennen doch, dass nicht einmal der (historisch biblisch fundierte) Humanismus alleine darauf bauen könnte.

      Sie versuchen die AfD zur legitimen „Oppositionspartei“ zu adeln und dabei Poppers Toleranzparadoxon auszuhebeln. Dabei kennt unser Grundgesetz zu Recht und ausdrücklich sogar das auch bereits mehrfach erfolgreiche Parteiverbot und sogar ein Notwehr-Recht gegen Feinde der Demokratie.

      Mir ist völlig klar, dass Leute wie Sie glauben, Demokratinnen und Demokraten wie ich sollten sich erneut widerstandslos zur Schlachtbank führen lassen. Und meine ebenso freundliche wie klare und völlig unpolemische Antwort darauf ist: Das wird nicht passieren. Wir gewähren auch weinerlichen Rechtsdualisten wie Ihnen viel Freiheit – sogar auf diesem Blog. Aber wir werden uns den demokratischen Rechtsstaat auch nie wieder nehmen lassen. Nicht, weil wir Leute wie Sie oder @Realo hassen würden. Sondern sogar zu Ihrem Schutz.

      Sie missbrauchen Freiheiten, die Sie emotional und intellektuell nicht verstehen (wollen). Auch das entwertet aber die Ideale der Menschenwürde und rechtsstaatlichen sowie wehrhaften Demokratie nicht.

  4. Herzlichen Glückwunsch zum Vortrag am Weltethos-Institut in Tübingen und vor allem viel Erfolg.

    Das Zitat von Hans Blumenberg ist kurz, aber treffend!

    Für einen respektvollen Umgang miteinander brauchen wir auch Vernunft. Aber in Zeiten, die den Menschen unsicher erscheinen, wenig Hoffnung auf eine gute Zukunft lassen, wird die Vernunft leider zur Mangelware. Wir wissen, dass die Suche nach dem “starken Mann”, der unsere Probleme löst, unvernünftig ist.

    Dabei sind die Themen (Probleme), die die Menschen gelöst haben wollen, sehr unterschiedlich. Und durchaus offenbar auch in unserer Demokratie nicht mehr kompatibel. Klimaschutz versus Wirtschaftswachstum/Arbeitsplätze. Hilfe für Flüchtlinge etc gegen andere marginalisierte Gruppen. Die Probleme, die mir am drängendsten erscheinen, sehe ich durch die aktuelle Politik nicht gelöst – nicht einmal ansatzweise.

    Als überzeugte Demokratin muss ich auf die nächsten Wahlen hoffen. Ich kann nichts tun. Dabei bin ich aber Realistin. Steuerermäßigung für die Luftfahrt. Erhöhung des Deutschlandtickets. Ausbau der Straße gegen die Modernisierung der Bahn/ÖPNV. Um zum Einkaufen in die Stadt zu fahren, brauche ich kein Flugzeug! Da ich nicht mehr mit dem Auto fahre, schade ich in den Augen mancher Politiker unserer Automobilindustrie. Ich halte das alles für unvernünftig.

    Die Diskussionen auf Mastodon über die Differenzen zwischen den jüngeren MdBs der CDU/CSU, der JU und der Parteiführung habe ich verfolgt. Obwohl ich zu den Senioren zähle, teile ich eher die Positionen der jüngeren Menschen zur Rentenpolitik. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es gerade die Jungen immer wieder trifft, wenn es darum geht, etwas zu fordern. Verpflichtendes soziales Jahr, Wehrdienst etc. Nicht selten müssen sich die jungen Leute dann anhören, dass sie nichr bereit seien, etwas zu leisten. Dann zu erwarten, dass die Jüngeren Leistungen abnicken sollen, die hauptsächlich sie mitzutragen haben, ist schon dreist.

    Zu diesem Themenfeld zählen für mich im weitesten Sinne auch die “Sparvorschläge”, die für Kranke und Pflegebedürftige aufgerufen werden. Als junger Mensch würde ich mich auch ärgern, wenn der Eindruck vermittelt wird, dass beispielsweise Geld an Pflegebedürftige verschwendet wird, die zur häuslichen Unterstützung eine Hilfe erhalten. Nach dem Motto: Mobilisation des Pflegebedürftigen kann auch erfolgen, indem er/sie selbst putzt. Dass die Mobilisation in der Pflege zB der Sturz-Prophylaxe dient, was durch die entsprechende KG geschieht, wird geflissentlich verschwiegen. In der Pflege gibt es sicherlich auch sinnvolle Einsatzmöglichkeiten von KI.

    Die andere Diskussion, die ich sehr interessant finde, dreht sich um das Wahlrecht. Wer nur noch die direkt gewählten MdBs haben will, erweist der Demokratie einen Bärendienst. Betrachtet man sich die Erststimmen-Ergebnisse seit 1949 konnte die SPD nur 1972, 1980, 1998 und 2002 mehr Direktmandate erringen als CDU und CSU zusammen. Die anderen Parteien wären fast nie mit Direktmandaten vertreten.

    Das alles verursacht auch bei mir eine Demokratie-Müdigkeit. “Welche Demokratie-Form baut Brücken ins 21. Jahrhundert?” Brücken bauen, können nur wir Menschen. Dazu braucht es guten Willen, Toleranz und Vernunft. Doch wie soll das funktionieren, wenn die Repräsentanten unserer Demokratie gar kein Interesse daran haben, Brücken zu bauen? Wenn nur noch Lobby- und Klientel-Politik zählt?

    Was bleibt, sind die kleinen Schritte, die jeder und jede Einzelne machen kann. Dazu gehört in unseren Tagen eine große Portion Idealismus.

    Deshalb auch für die Veranstaltung in der vhs in Filderstadt Ihnen beiden viel Erfolg. Das Thema klingt sehr spannend.

    • Herzlichen Dank, @Marie H. 🙏

      Gestern sprach ich ja in Lörrach, Baden und heute in Esslingen, Württemberg über die Zukunft unserer Demokratie mit auch jüdischem Leben. Dabei erwähnte ich auch die historische und aktuelle Erfahrung, wonach vor allem jene Regionen und Bundesländer angegriffen werden, in denen das demokratische & dialogische Zusammenleben der Religionen gelingt!

      https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/festakt-wiedergruendung-juedische-gemeinde-in-loerrach-100.html

      Und ganz aktuell sehen wir doch das Scheitern der Rechtsmimesis auch in den USA 🇺🇸. Nach der Heiligsprechung des christlichen Rechtsdualisten Charly Kirk durch die MAGA-Bewegung wird diese nun durch die erklärt antisemitische Groyper-Bewegung um Nick Fuentes attackiert. Sogar die brutalen US-Trumpisten, die noch 2020 mich & andere unter Missbrauch des guten, europäischen Namens von Simon Wiesenthal digital attackierten, sind inzwischen ganz leise geworden…

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-missbrauch-des-guten-namens-von-simon-wiesenthal-durch-us-trump-dualisten/

      Ja, ich freue mich sehr über das aktuell schnell wachsende Interesse an den Demokratiemodellen der Konkurrenz-, Konkordanz- und auch Konsensdemokratie! Werde auf Einladung der Stiftung Weltethos auch am 3.12.2025 an der Universelle Tübingen genau dazu sprechen! Der Ankündigungstext dazu lautet schon länger:

      Unter dem Oberbegriff der liberalen Demokratie mit Wahlen und Gewaltenteilung haben sich drei sehr unterschiedliche Demokratieformen entwickelt: die Parteien-Konkurrenzdemokratie auf der Basis von Mehrheitsblöcken und Fraktionsdisziplin, die parlamentarische Konsensdemokratie auf der Basis gewählter Abgeordneter mit freien Mandaten sowie die Konkordanzdemokratie, die auf einer gemeinsamen Regierung aller größeren Parteifraktionen beruht.

      Dr. Michael Blume erläutert, warum Konkurrenzdemokratien immer wieder in Faschismus und Antisemitismus umschlagen konnten, weshalb sich Konkordanzdemokratien für größere Staaten nur bedingt eignen und wie Koalitionsverträge seit 1961 die bundesdeutsche Konsensdemokratie des Grundgesetzes schrittweise in Richtung einer Parteien-Konkurrenzdemokratie verschoben haben.

      Er schlägt vor, sich im 21. Jahrhundert – auf der Grundlage unabhängiger sozialer Netzwerke, wie beispielsweise das Fediversum – erneut auf die parlamentarische Konsensdemokratie des Grundgesetzes zu besinnen, um Faschismus sowie digitale Verschwörungsmythen wirksam zurückzudrängen.

      https://weltethos-institut.org/events/konkurrenz-konsens-konkordanzdemokratie/

      Dabei werde ich das Wahlrecht und also auch den üblen Umstand ansprechen, dass der direkt gewählte Bundestagskandidat für Tübingen, Christoph Naser (CDU) wegen des schlechten Parteiproporz-Wahlsystems nicht in den deutschen Bundestag einziehen konnte. Eigentlich unvorstellbar: Der historisch bedeutende Wahlkreis Tübingen ist trotz hoher Wahlbeteiligung derzeit in unserem Bundes-Parlament überhaupt nicht mehr vertreten!

      • Danke.

        Dass der Wahlkreis Tübingen durch gar keine MdBs im jetzigen Deutschen Bundestag vertreten ist, halte auch ich für falsch.

        Angesichts der Zustände in den USA mit dem Zwei-Parteien-System wäre es mE ein Verlust demokratischer Vielfalt in Deutschland, wenn bei der Überarbeitung des Wahlrechts die Listenwahl wegfallen würde.

        Wahlkämpfe sind teuer, und wer nicht im Deutschen Bundestag oder in den Landtagen vertreten ist, kann und wird sich diese nicht mehr leisten können.

        Sollten CDU/CSU und die SPD sich auf ein Wahlrecht ohne Listenwahl einigen (und die Versuchung ist groß), dann zählen (politische) Minderheiten nicht mehr! Von meinem Wahlrecht würde ich dann keinen Gebrauch mehr machen.

        Mein Misstrauen gegenüber der jetzigen Bundesregierung ist groß. Es gab auch frühere Bundesregierungen, deren Programme mir nicht gefallen haben, aber ich habe sie als Regierung respektiert.

        • Ja, @Marie H. – da sprechen Sie nach meiner Einschätzung einen ganz wichtigen Punkt an: Ein demokratisches Wahlrecht sollte Vertrauen in die Wirksamkeit der demokratischen Stimmen vermitteln.

          Deswegen empfinde ich persönlich das Zwei-Stimmen-Wahlrecht mit Direkt- und Verhältniswahlrecht verbunden mit einer 5%-Hürde als gelungene Mischung. Allerdings halte ich es für schlimm, dass der letzte Bundestag die direkt gewählten Wahlkreisabgeordneten hinter die Parteilisten gestuft hat und sich damit auch selbst in Frage gestellt hat. Es gibt ja außer Tübingen auch noch weitere Wahlkreise, die nun gar nicht mehr demokratisch repräsentiert sind. Das hätte m.E. nicht passieren dürfen und erinnert fast an das abstruse Gerrymandering in den USA 🇺🇸. Mit einer Reduzierung der Zahl der Wahlkreise könnte ich leben, mit einem Nichteinzug der direkt Gewählten aber nicht.

          In Baden-Württemberg droht ja ein noch einmal zahlenmäßig deutlich wachsender Landtag und also eine weitere Wahlrechtsdebatte nach der nächsten Wahl. Ich hoffe, dass es auch dort wieder gelingt, einen demokratischen Konsens für ein überzeugendes Zwei-Stimmen-Wahlrecht zu finden.

          • Ja, auch für mich gehören diejenigen, die das Direktmandat erringen zwingend in den Bundestag.

            Auch im Wahlkreis Nürnberg Nord hat zwar der Kandidat der CSU das Direktmandat gewonnen, ist aber nicht MdB. Allerdings wird der Wahlkreis durch die Kandidatinnen der SPD und von Bündnis90/Die Grünen im Bundestag vertreten.

            Im übrigen ist mir aufgefallen, dass auch das Kommunalwahlrecht “ungerecht” ist. Bei meiner ersten Kandidatur für den Gemeinderat, damals noch CDU, hatte ich mehr Stimmen als die Kandidaten von SPD und Grünen. Dennoch war ich nicht Mitglied im GR.

            Ich hoffe sehr, dass es gelingen möge, ein ausgewogenes Wahlrecht für den Bundestag zu finden. Die Regierung hat dazu meines Wissens eine Arbeitsgruppe gebildet. Die Oppositionsparteien sind bisher nicht in die Beratungen eingebunden. Ich hoffe, das kommt noch. Es wäre fatal für unsere Demokratie würde die Regierung hier nach dem Recht des Stärkeren handeln.

          • Ja, @Marie H. – mit Bezug auf das baden-württembergische Kommunalwahlrecht höre ich immer wieder die Klage, dass kleinere Listen so bevorzugt werden, dass immer mehr Gemeinde- und vor allem Stadträte in zig Fraktionen und Gruppen zersplittern. Auch deswegen hatte ich Ihrer Verbindung von Wahlrecht und Vertrauen gleich zugestimmt – auch gut gemeinte Regelungen können in Zeiten der Digitalisierung gewählte Gremien „zer-blasen“!

            Ihnen Dank für Ihre Kommentare und herzliche Grüße 🖖

  5. Einen wunderschöne neue Woche Michael!

    Bei dem Satz: “Du kannst doch nichts ändern”, ist mir eine Brücke zu den Kampf Künsten eingefallen. (Ja ich weiß, das ist jetzt ein weiter Schritt).

    Nicht nur das ja Kämpfe zu großen teil im Kopf gewonnen werden. (ich muss auch glauben können das gewinnen möglich ist). Es geht auch auf eine Philosophie zurück, wie man am besten Kämpfe gewinnen kann. Nämlich indem man sie nicht kämpfen muss. Gibt mein Gegner zuvor auf oder kann sich nie dazu entwickeln, habe ich den Kampf von Anfang an gewonnen, ohne Verlust und Schmerz. Somit ist es die beste Methode gleich am Anfang das Gefühl zu vermitteln, man sei der Lage hilflos ausgeliefert und Widerstand sei zwecklos.

    Somit ist: “Du kannst doch nichts ändern”, der Todschlag schlechthin, da er jeden Impuls von vorhinein torpedieren kann. Ein wenig Artverwandt mit der Generalisierung: “Das sind doch alles Verbrecher” oder “Die Sau ändert sich, der Trog bleibt gleich”. Wie schlecht man dabei seine eigene Politik und damit Mitbestimmung macht, ob nun aus gerechtfertigten Frust oder nicht, ist schon fast selbstzerstörerisch.

    Das Gegenteil davon wäre wohl der Zweifel auch am eigenen Scheitern. “Auch wenn die Fakten gegen mich sprechen, es ist möglich das ich es schaffe”.

    Eine interessante Sache 🙂

    Merci fürs Hirnfutter 🙂

    • Vielen Dank, lieber Peter! 🙏

      Ja, die Bedrohung durch Rechtsdualismus & Antisemitismus eskaliert leider weltweit & ich werfe mich ihr entgegen.

      Die fortschreitende Radikalisierung in den USA 🇺🇸 sollte auch noch die jene aufrütteln, die geglaubt haben, MAGA ließe sich stabilisieren. Und auch in Israel 🇮🇱 hat sich nun die Regierung endlich gegen die Gewalt rechtsextremer Siedler gestellt. So wie bisher kann und darf es weder in der Europäischen Union 🇪🇺 noch sonstwo weitergehen!

      Habe gerade auf Mastodon dazu gepostet:

      Freue mich, dass sich die außenpolitischen Beziehungen zwischen #Deutschland & #Israel wieder verbessern! 👍

      Hoffe, dass aber auch die israelische Regierung endlich gegen antideutsche Hetzer & Rassisten vorgeht, die jüdische & nichtjüdische Deutsche seit Jahren bedrohen und beleidigen. Ich bin auf jeden Fall nicht bereit, #digitaleGewalt & Tausende (!) von Hassmails auch gegen meine (christlich-muslimische) Familie über Jahre hinweg schweigend hinzunehmen. 🇩🇪🇪🇺🇮🇱

      Immerhin: Das israelische Generalkonsulat in #München habe ich dabei als dialogisch, stabil & vertrauenswürdig erlebt. Nun bin ich gespannt, ob auch seitens der israelischen Regierung glaubwürdige Taten gegen #Rechtsdualismus & #digitaleGewalt folgen.

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115565867707509099

      Alle Demokratien haben sich nach meiner Auffassung entschieden der Rechtsmimesis zu widersetzen und wieder glaubwürdig gegen Verschwörungsmythen, für Dialog, Gleichberechtigung und die Achtung der Menschenwürde einzustehen.

      Vielen Dank für unsere guten Dialoge, ich freue mich auf mehr! 🙏🙌

  6. @Michael 17.11. 13:15

    „Aber ich denke wirklich, dass sich sinnvolle Politik nur in der Weite der Zeit gestalten lässt.“

    In der Zeit, aber auch im Raum. Mitdenken, wie es Anderen geht, hilft auch immer weiter.

    Es gibt nicht nur Demokratien. Die Autokratien sind auch verbreitet. Da müssen wir mit leben. Wenn die Angst vor uns haben müssen, hilft das nicht unbedingt weiter.

    Wir sollten vernünftig miteinander umgehen, wo immer das möglich ist. Die Herausforderungen der Zukunft sind vielfältig, und die ärmeren Länder wollen auch irgendwie leben.

    Wenn wir irgendwo demokratische Verhältnisse fördern können, können wir das dennoch tun. Aber es ist öfter wirklich schwierig, sich woanders einzumischen.

    Langfristige Handelspolitik wäre entsprechend wohl recht wirksam. Natürlich gehört dazu auch der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen, aber auch weniger Abhängigkeiten von China und auch den USA. Aber wir müssen irgendwie durchkommen, es geht nicht alles auf einmal.

    Die Energiewende braucht noch grüne Technik aus China, und eine allgemeine Softwareunabhängigkeit gibt es nun mal nur in Ansätzen. Und das ist auch keine Dauerlösung, unseren Geburtenmangel immer weiter mit Einwanderung auszugleichen. Diese Menschen fehlen doch letztlich auch da, wo sie herkommen.

    Neben mehr eigenem Nachwuchs könnten wir auch eine moderate tatsächliche Bevölkerungsschrumpfung vernünftig gestalten. Immerhin sinkt dann der Neubaubedarf, das kann durchaus vorteilhaft sein, scheint mir. Das macht dann erst mal etwas Luft auf dem Wohnungsmarkt, aber auch auf dem Arbeitsmarkt, wenn das dann weniger Bauarbeiter braucht.

    • @Tobias

      Danke & ich bin völlig einverstanden, plädiere ja auch für Kartenliebe, um die Gleichzeitigkeiten in den Blick zu bekommen: Wo sind (noch) Demokratien & wo (noch) fossile Diktaturen, wo herrscht Rechtsstaatlichkeit und wo Gewalt?

      Die Fragen von Selbstwirksamkeit und Sinn habe ich mal in der Formulierung zu fassen versucht, wir lebten nicht nur in einer Raumzeit, sondern auch in einem Zeitraum. Einerseits ist unsere Lebenswelt nur ein winzig kleiner Ausschnitt der universalen Wirklichkeit (Monismus), andererseits aber können wir in unserer kurzen Lebenszeit unreduzierbar in das Raumgeschehen eingreifen (Emergenz & Dialog). Wir sind also gleichzeitig winzig klein und unreduzierbar groß. „Wenn nicht wir, wer dann?“

      Und das erlaubt dann m.E. schon einen Ausblick auf den grandiosen, biblischen Zweiklang von Bilderverbot & der Idee der g‘ttlichen Ebenbildlichkeit im babylonischen Exil.

      Auch diesen Wissenschaftsblog erlebe ich einerseits als zeitlich strukturiertes „Tagebuch der Wissenschaft“ und andererseits als Dialog-Raum! 🤓

  7. Jetzt mal kürzer noch etwas zu dem Folgenden:
    (Und leider kann ich aus vernunftgründen nicht verhindern, dass ich jemenden deutlich irritiere)

    “…Vielen Dank, @little Louis
    Sie versuchen die AfD zur legitimen „Oppositionspartei“ zu adeln und dabei Poppers Toleranzparadoxon auszuhebeln….”
    (Zitatende)

    Hier geriert sich jemand als (zumindest Teil-) Popperianer , der an anderen Orten dezidiert Anti-Popperianisch argumentiert (hat) (Wie mans halt grad so braucht).

    In der unten verlinkten Karlsruher Diskussion bezeichnet er reine Zweiparteiensysteme (z.B wie das US-amerikanische) als eventuelle Gefahr für das Überleben der Demokratie. Wie man sehr leicht ( unter Zuhilfenahme eines Chatbots aber auch mit Buchzitaten) nachweisen kann, war der Politikphilosoph (und Verfechter freiheitlicher Gesellschfatssysteme) Karl Raimund Popper genau der entgegengesetzten Meinung.

    Und zwar weil in Mehrparteien- Koalitionssystemen wegen des Koalitionszwangs der Souverän kaum die Gewähr hat, dass er die bisherige Regierungsideologie wirklich vollständig abwählen kann. Was Popper für den Kernpunkt seiner Definition von Demokratie hielt.
    Es wäre ziemlich interessant zu wissen, was Popper heute im Philosophenhimmel so über die aktuelle (diesbezügliche) Situation in Deutschland hält. Eventuell ruft er gerade zu Petrus auf der anderen Wolke hinüber “No siehste Petrus, der alte Popper hat wieder mal rechtgehabt”
    Das heißt aber nicht, dass auch L.L. Popers Thesen zur Demokratie vollumfänglich teilt. (-:

    https://youtu.be/wva-mMDEq74?t=3208

    In dieser hochwohlgeborenen Veranstaltung mit den (natürlich nuuur für mich) seit längerer Zeit “üblichen Verdächtigen” argumentieren übrigens auch andere Diskutanten eheblich obeflächlich und manchmal sogar direkt widersprüchlich.
    Manchmal sogar unter dem Motto “Ich bin die reine Vernuft und meine Gegner sind alles halbpathologisch- irrationale Dogmatiker.
    Ich schäme mich schon fast für sie. Und nach (weiteren )Zeitenwenden werden das vielleicht auch noch mehr Leute so sehen.

    • Tja, @little Louis – mit unserem Bundesverfassungsgericht und uns dort diskutierenden Männern und Frauen (!) scheinen Sie ja ein besonderes Problem zu haben. 🤭 Warum nur überrascht das nicht? 🤷‍♂️

      Und Karl Popper bezeichne ich immer wieder als größten Philosophen des 20. Jahrhunderts (!) – eben WEIL seine Formulierung der Falsifikation auch auf ihn selbst anzuwenden ist. So kannte er eben noch kein Internet oder gar KI, hatte in seiner grandiosen „Offenen Gesellschaft“ noch keine Kenntnis von Fossilismus und Klimakrise und hat sich (ebenso wie zum Beispiel auch Hannah Arendt) schärfer über die jüdische Religion und die Republik Israel geäußert, als ich das tun würde.

      Kurz: Popper ernst zu nehmen heißt, auch seine Thesen und Formulierungen immer wieder kritisch-konstruktiv zu hinterfragen.

      Deswegen lese ich so gerne auch etwa Chief Rabbi Jonathan Sacks, Jeanne Hersch, Elinor Ostrom und Hans Blumenberg sowie zeitgenössische Autorinnen & Autoren. Denn eine wirklich „offene Gesellschaft“ bildet gerade keine geschlossenen Ideologien, sondern wagt immer wieder den interdisziplinären Dialog. Sehr gerne auch in Karlsruhe! ☺️🇩🇪🇪🇺🙌

  8. Der insgesamt wunderbare super Jaron Lanier schlägt mittlerweile die Idee vor, Tehnik als menschliches Handeln zu werten. <3
    Er ist zu Hause hautnah dran an der KI-Ideologie, die den Menschen als etwas betrachte, das die Welt nun nicht mehr brauche.
    Diesen Kontrast im Denken kann man sich mal auf der Zunge zergehen lassen und dann überlegen, wo man selbst sich positionieren würde.
    Spannend: Angesichts des KZ-Schicksals seiner Mutter und derzeitiger US-Politik hat er sich zusätzlich zur US-amerikanischen nun auch die österreichische Staatsbürgerschaft geholt.
    Der Braindrain ist in vollem Gange…
    Demnach mal sehen, wie lange Google noch solche Videos vorhält https://www.youtube.com/watch?v=HLrQi9Fr5Tw
    Grüße

    • Vielen Dank, @MB – und ich kann nur zustimmen, dass die Unterscheidung zwischen dem gebotenen Humanismus und dem problematischen Transhumanismus vielerorts allzu dünn geworden ist. Jaron Lanier hatte sich ja früh mit „Gadget“ positioniert & ich kann auch seine Entscheidung für eine EU-Staatsbürgerschaft leider gut nachvollziehen…

      Danke für Ihr Interesse & Ihre Kommentare! 🙌

    • Lieben Dank, @Jan Schmidt 😌☕️

      Freue mich über das Interesse am „Tässle Kaffee“ ☕️, zumal die kommenden Monate spannend werden dürften:

      Die @stz_news berichtet von 1 „Auszeichnung“ des #AfD – Frontmanns für #BadenWuerttemberg, #Frohnmaier, durch US-Republikaner in #NY. Auch wurde der seit Jahren gg. #BW wütende, islamfeindliche Rassist #Weinthal nach langer Sperre wieder auf #X freigeschaltet.

      Schon 2021 wurde ich von 1 #Trump – Orga, die den guten Namen von Simon #Wiesenthal missbraucht, auch persönlich diffamiert.

      Wir müssen leider mit extrem rechten Digital-Kampagnen zur #LandtagswahlBW 26 rechnen.

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115575275331107309

      Bin und bleibe bereit, für Wissenschaft und Dialog, Demokratie und Rechtsstaat zu kämpfen! Auch weiterhin mit einem Tässle Kaffee am Morgen. 😌

  9. Zur Folgenden, diesmal endlich mal wieder etwas wirklich konstruktiveren Replik auf eine meiner Kommentarbeiträge:

    “….Kurz: Popper ernst zu nehmen heißt, auch seine Thesen und Formulierungen immer wieder kritisch-konstruktiv zu hinterfragen..”
    “……..Denn eine wirklich „offene Gesellschaft“ bildet gerade keine geschlossenen Ideologien, sondern wagt immer wieder den interdisziplinären Dialog. Sehr gerne auch in Karlsruhe! ☺️🇩🇪🇪🇺🙌..” (Ende der Zitationen)

    Ersteres hat Popper selbst in seinen populären Texten selbst gefordert.
    Und schon Paul Feyerabend hat ihn (auch zusammen mit Kuhn) kritisch darauf hingewiesen, dass nahezu alle bisherigen großen Durchbrüche der (Natur-)
    Wissenschaften keineswegs (allein) unter Anwendung der Popperschen Normforderungen zustande gekommen sind , sondern, dass vielfach in vielrlei Hinsicht einfach “anarchistisch” gedacht wurde. Als EIN Beispiel dafür wude vielfach Newton herangezogen, welcher (abgesehen von dem wofür als “einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten” verehrt wird ansonsten )die meiste Zeit nur rein “esoterische” Schriften veröffentlicht hat bzw. haben soll.
    Wie in der Geschichts- “Wissenschaft” bestimmen die späteren ideologischen Sieger dann meist, was als richtig und (ethisch) akzeptabel oder (wissenschaftlich oder auch sonst)vorbidhaft zu gelten hat.

    Hoffentlicht wird nicht erst “DIE Geschichte” über einen der bedeutendsten (und kritisch- wissenschaftsmethodisch überaus korrekt arbeitenden) aktuellen deutschen Historiker etwas objektiver urteilen:
    In einem jetzt schon legendären Interview mit einem äußerst kritisch nachfragenden Gesprächspartner legt er seine Ansichten knallhart und ohne jegliche Eitelkeiten offen. Daran sollten sich verfassungstreu objektiv -unabhängige Wissenschaftler sowie alle diesbezüglich wissenschaftlichen Blogautoren im populärwissenschaftlichen Format scilogs für alle Zeiten erinnern.

    Siehe: Michel Wolffsohns folgend verlinktes Interview in Saarbrücken im November 2025:

    https://www.youtube.com/watch?v=XANcjr7pgNg&pp=ygUsTWljaGVsIFdvbGZmc29obiBpbiBEZXV0c2NobGFuZCAtIEludGVydmlld3M%3D

  10. Michael Blume schrieb (19.11.2025, 17:06 Uhr):
    > […] Felo.ai [schrieb:]

    > > ### **1. Die Falsifikation nach Karl Popper** […]
    > > Eine Theorie wird getestet, indem Vorhersagen abgeleitet und mit empirischen Beobachtungen verglichen werden. Ein einziger widersprüchlicher Befund reicht aus, um die Theorie zu falsifizieren[3][5]. […]

    > > [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikationismus
    > > [5] https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/logik-der-forschung/5011

    Der Wortstamm »Vergleich« tritt zumindest auf der als [3] referenzierten Webseite mehrfach auf … (ist dort allerdings nicht verwikilinkt) …

    Bezieht sich das zitierte »Vergleichen« (von »Vorhersagen mit empirischen Beobachtungen«, nach Karl Popper) auf die Feststellung von Gleichheit oder von Ungleichheit von bestimmten Werten ?

    Ist dafür erforderlich, dass »empirische Beobachtungen« ausgewertet bzw. bewertet werden ?

    (Die zitierten »Vorhersagen« könnten schon in Form eines Wertes, oder womöglich eines endlichen Werte-Bereiches vorliegen;
    ansonsten wäre ggf. erforderlich, »Vorhersagen« ebenfalls auszuwerten bzw. zu bewerten.)

    Sind dafür bestimmte Festsetzungen (der Auswertungs-Methodik) erforderlich,
    deren Anwendung insbesondere gewährleistet, dass ein aus »empirische Beobachtungen« ermittelter Wert und ein als »Vorhersage(n)« gegebener, oder daraus ermittelter Wert, uberhaupt miteinander vergleichbar (d.h. kommensurabel) wären ?

    Gehören bestimmte solche Festsetzungen zum Inhalt der »Theorie« (im Sinne des Zitats) ?

    > > […] das Verwerfen falsifizierter Theorien […]

    Schließt das ein, die (in der betreffenden Theorie festgesetzte) Auswertungs-Methodik zu verwerfen ?

    Falls so: Sind sämtliche Werte zu verwerfen, die in Anwendung der nun, nachträglich verworfenen Auswertungs-Methodik vermeintlich ermittelt wurden ?

    Und falls so: Sind folglich sämtliche »Befunde« der Vergleiche von verworfenen Werten zu verwerfen ?

    Michael Blume schrieb (17.11.2025, 18:42 Uhr):
    > […] seine [Karl Poppers] Formulierung der Falsifikation auch auf ihn selbst anzuwenden […]

    Eine meiner unserer vorbildlichsten Übungen.

    • @Frank Wappler

      Gerner würde ich Ihnen dialogisch antworten – aber mir ist nicht klar, was genau Sie mit Werten meinen? Sind damit empirische Datenreihen oder normative Wertungen gemeint?

      Karl Popper selbst bemühte sich sehr um den Wertbegriff und schrieb u.a. in seiner Autobiografie “Ausgangspunkte” (Piper 1974 / 2004, S. 164 – 165), hier mit Hervorhebungen zitiert:

      “Eine menschliche Gesellschaft ohne Konflikte kann es nicht geben: Eine solche Gesellschaft wäre nicht etwa eine Gesellschaft von Freunden, sondern eher von Ameisen. Selbst wenn sie erreichbar wäre, gäbe es menschliche Werte von größer Wichtigkeit, die durch ihr Erreichen vernichtet werden würden. Wir sollten deshalb nicht versuchen, die Konflikte zu verringern. Hier haben wir also bereist ein Beispiel für einen Konflikt zwischen Werten oder Prinzipien. Dieses Beispiel zeigt auch, daß Konflikte zwischen Werten und Prinzipien wertvoll und für eine offene Gesellschaft sogar wesentlich sein können.

      Eines der Hauptargumente meines Buches über die Offene Gesellschaft richtet sich gegen den moralischen Relativismus. Die Tatsache, daß moralische Werte oder Prinzipien einander widersprechen können, macht diese Prinzipien nicht ungültig. Moralische Werte oder Prinzipien können entdeckt und sogar erfunden werden.

      Aus meiner Sicht ist es dialogisch hilfreich, vor der Diskussion über Philosophien auch gelesen zu haben. Das vermeidet Begriffsverwirrung.

      Ihnen einen herzlichen Gruß vom Solarpopper! 🤭🌞📗🌈

  11. @Michael 21.11. 13:02 / Popper

    „Die Tatsache, daß moralische Werte oder Prinzipien einander widersprechen können, macht diese Prinzipien nicht ungültig.“

    Das ist interessant. So gibt es ein Recht auf Arbeit, aber auch die Maßgabe, Verschwendung zu vermeiden. Beides hat seine Berechtigung. Man muss also in der Praxis gucken, wie man Beides hinbekommt. Also z.B. verschwenderischen Konsum tatsächlich reduzieren, aber dann dafür mehr in die Energiewende investieren, was dann auch den Arbeitsmarkt stabilisiert.

    Das ist dann insgesamt eher mehr Wohlstand, als was mit grassierender Verschwendung allein erreicht werden kann. Mit klaren langfristigen Vorteilen.

  12. @ Frank Wappler sagte und zum Folgenden:

    “..> […] seine [Karl Poppers] Formulierung der Falsifikation auch auf ihn selbst anzuwenden […]

    das Folgende:
    “…Eine meiner unserer vorbildlichsten Übungen…”

    Ich sage dazu etwas (sorry) salopp das Folgende:

    Aber doch nicht so:

    “….Bezieht sich das zitierte »Vergleichen« (von »Vorhersagen mit empirischen Beobachtungen«, nach Karl Popper) auf die Feststellung von Gleichheit oder von Ungleichheit von bestimmten Werten ?..” (Zitatende)

    Gleichheit /UN-Gleichheit sind zwei Seiten einer (sowohl logisch als auch physikalisch) unzerteilbaren Münze.
    Das mal rein und sprachtechnisch bzw. logikformal betrachtet. Was ja aufeinader angewiesen sein soll (Sie auch Wittgenstein usw.)

    Andererseits:
    Was aber , wenn theoretisch vorhergesagte Realtätsbeobachtungen (bzw vorhergesagte Phänomene oder Messungen) die Theorie ,aufgrund derer sie “designed” wurden, nur teilweise falsifizieren??

    Ich glaube , Popper würde sagen, dann taugt die Theorie nichts, weil sie zur Realitätstestung nur(!) solche (falsifikatorische) Experimente vorschlagen sollte , die nur eindeutige Ja/ Nein- Ergebnisse zulassen.

    (Ja, ja- (auch) die Kommensurabilität ist in der Tat für lange Diskussionen gut geignet

    Die heutige “oberschlaue Mode”, nach teilweisen oder völligen falsifikatorischen Beobachtungen einfach die Theorie zu “erweitern” und das jetzt anbgeblich Wahrere als (angebliche) “Erweiterung” in das alte Theoriegebäude zu (schein- ) integrieren , (um wieder Harmonie und Widerspruchsfreihet hinein zu zaubern),….
    ……….muss darauf überprüft werden, ob es nicht als intellektueller bzw. erkentnistheoretischer Halbbetrug bezeichnet werden muss.
    Denn es könnte ja sein, dass es genau umgekehrt ist und das Alte bisher eigentlich nur einen kleinen Teilbereich der Ralität erfassst und erklärt hat. Und dass sich (auch aufgrund der Falsifikation) eine bessere (erweiterte) Empirik und gleichzeitig ein Bedarf für eine nahezu völlig neue Theorie ergibt.
    (Siehe auch der Kuhn´sche Paradigmenwechsel)

    Denn die Methode der schlauen Theorieerweiterung ist keineswegs neu. Sie ist im Bereich der Theologie (Textexegese , theologische Metaphysik usw,) eine langtradierte Tradition, mithilfe derer man sich oft fast unbemerkt vielelei Widersprüchlichkeiten entledigen kann .

    Hoffen wir mal , dass es in “DER Wissenschaft” nicht ebenso viele Theoretiker und Praktiker gibt, die, aus welchen Gründen auch immer, auf leicht tieferes skeptische Hinterfragen der garade gefällgen Methodik lieber verzichten.

    WOW – ich habe gesprochen .
    Und warte auf Wider- Sprecher (falls jemals identifizierbar) allerlei Geschlechter.

    • Ihr letzter Satz (“warte auf Wider-Sprecher”) überrascht nicht, @little louis. Da Ihr Kommentar aber erstaunlich konstruktiv und fast dialogisch-monistisch gehalten war, erfülle ich Ihre Bitte um Aufmerksamkeit und Widerspruch gerne.

      Denn aus meiner Sicht übersehen Sie hier einfach den fundamentalen Unterschied zwischen Hypo-These und Theorie, wie ihn Karl Popper selbst immer wieder betont hat. So formulierte er in einem Vortrag in Alpbach, Österreich 1982 unter dem Titel: “Erkenntnistheorie und Gestaltung der Wirklichkeit: Die Suche nach einer besseren Welt” beispielsweise präzise:

      “Wir wissen nicht, ‘wie’ die Welt 1 entstanden ist und ‘ob’ sie entstanden ist. Sollte die Urknall-Hypothese wahr sein, dann wäre wohl das, was zuerst entstand, Licht.”

      zitiert nach: Popper, Karl (1984 / 2014): Auf der Suche nach einer besseren Welt. Vorträge und Aufsätze aus dreißig Jahren, Piper 2014, S. 28 – 29

      Hier unterscheidet er also sorgsam zwischen größeren Theorien wie seiner 3-Welten-Theorien und der Evolutionstheorie einerseits und konkreten Hypothesen wie jener vom Urknall andererseits. Jede größere Theorie besteht aus vielen, manchmal Hunderten unterschiedlicher Hypothesen, die jeweils überprüft und ggf. falsifiziert werden können und sollen. Wenn eine Hypothese falsifiziert ist, dann kann nur diese ersetzt werden oder auch gleich die ganze Theorie betroffen sein. So antwortete der Biologe J. B. S. Haldane (1892–1964) legendär auf die Frage, wie denn die Evolutionstheorie (!) falsifiziert werden könne, mit der schlagenden Antwort: “Durch einen Hasen im Kambrium.”

      https://en.wikipedia.org/wiki/Precambrian_rabbit

      Wenn Sie zwischen einzelnen Hypothesen, bündelhaften Thesen und schließlich großen Theorien unterscheiden, lösen sich die meisten Ihrer erkenntnistheoretischen Probleme bereits auf. Wenn Sie dann zusätzlich zur Falsifikation auch noch Paradigmenwechsel und interdisziplinäre Viabilitäten in den Blick nehmen, besteht kein Grund mehr, sich von irgendjemandem kleingemacht oder verfolgt zu fühlen. Erkenntnis ist für alle da.

  13. Wieder mal etwas verspäteter fast schon adventlicher Kommentar ganz nach Art von L.L. zu dem, was
    Dr. * Michael Blume schrieb:

    * Ich habe mich gerade entschieden , mal eine (Advents-) zeitlang ins Lager der Schmeichler überzuwechseln.

    “….Wenn eine Hypothese falsifiziert ist, dann kann nur diese ersetzt werden oder auch gleich die ganze Theorie betroffen sein. So antwortete der Biologe J. B. S. Haldane (1892–1964) legendär auf die Frage, wie denn die Evolutionstheorie (!) falsifiziert werden könne, mit der schlagenden Antwort: “Durch einen Hasen im Kambrium.” (Ende Zitierung1)

    Das mag ja theoretisch- formal- normativ alles sehr schön klingen. Schön darüber reden tun ja in der Regel sehr viele, wenn auch nicht alle. Schlauerweise haben sie aber einen der potentesten (impotenten) Popper- Kritiker (hier) vollständig unterschlagen. Denn schwierig (mit der Falsifikation) wirds nach den hehren popperschen Normanforderungen dann aber meist in der Realität der tatsächlich durchgeführeten (bzw. auch trickreich unterlassenen) Forschungspraxis.

    Denn wie Wissenschaftshistoriker schon seit langer Zeit nachgewiesen haben, ist es dann meist erstmal eine zeitlang “äußerst umstritten”. Und zwar weil die Theoretiker durch ihren zu dogmatischen “Theorie -bisas” behaupten , dass alles was nicht theoriekonform ist , nach weit strengeren Standards “geprüft werden müsse” , als das Theoriekonforme. Und wenn das Neue dann auch noch in der Nähe der Auflösungsgrenze der Verwendeten Detektions-Techniken “entdeckt” wude , kannman die Diskussion dann hinauszögern, bis eine Neuauflage der Lehrbücher eh von der nächsten Generation durchgeführt wird. Und es auch niemenden mehr interessiert, dass man zeitlebens stur sowohl seine Hypothesen oder auch die ganze Theorie duch allerlei autoritäre Methoden trickreich gegen Kritik oder gar Widerlegung “immunisiert” hat.
    Es gibt Kritiker, die behaupten, dass etablierte Antropologen oder Geowissenschaftler oder Archäo- Genetiker ( oder, oder, ..) schon öfter bewusst riesengroße im raum stehende ” Weiße Hasen” zeitlebens einfach nicht erkennen konnten. Oder dass sie zeitlebens Hasenstall- verdächtige Orte bewusst oder unbewusst einfach umschifft haben. Und dann der Öffentlichkeit im Ton tiefster (wissenschaftlicher) Überzeugung verkündet haben, das das Gerede über weiße Hasen esoterischer Unfug sei, weil DIE ja noch niemals solche weiße hasen zu Gesicht bekommen habe. Das soll es ja auch in anderen Disziplinen durchaus geben. Sogar in den ganz harten Naturwissenschaften. Wie aktuelle Beispiel zeigen aber auch im Bereich der Medizin, wo die größten Forscher einfach keine längerfristigen (Ich betone: längerfristigen) negativen Folgen der mrna- Impfungen finden (wollen?) oder (dürfen?)
    Ach ja- Evolution : Ganz stillschweigend oder von vielen eher “verschwurbelt ” kommuniziert wird jetzt immer deutlicher, dass das bisher eherne Paradigma , dass “Evolution” niemals durch die Auswirkungen aktueller Umwelteinflüüse (langfristig) beeinflust werden könne so nicht mehr zu halten ist. Und dass der jahrzehntelange beißende Spott mancher dogmatischer “Naturalisten” (mit denen ich früher auch mal sympathisiert habe) eher einAnzeichen von sturer (Theorieinduzierter) Ignoranz war. Denn Kritiker mit gute Argumenten gab es schon immer. Nur wurden diese als Deppen aus den Diskursen ausgeschlossen.

    Gegenwärtig scheint der jahrzehntelange relative Erkenntnisstillstand in nahezu allen Naturwissenschaften und auch der (z.B. Energie-) Technologie eher für eine dogmatische Erstarrung wie in manchen früheren Zeiten zu sprechen.
    Natürlich mit Ausnahme der Informations-Verarbeitungs- Technologie.

    Hehre Forschungs- normative Forderungen (wie z. B. nach Popper, aber auch noch mehr dogmatisch- empitistische oder “naturalistische” bzw. scientistische sind also eventuell nur “ein Drittel der Miete”. Besonders dann, wenn in der Realität eh anders gearbeitet wird. Das erinner doch stark daran, wei in Religionen Glaubenstheorie und Glaubens – bzw. Handlungspraxis meistens sehr weit auseinander driften.

    (Nicht nur) Deswegen erübrigt es sich eventuell auch, noch was mehr oder weniger Kluges zur(folgend trotzdem zitierten) Fortsetzung ihres Kommen

    • Tja, @little Louis

      “Gegenwärtig scheint der jahrzehntelange relative Erkenntnisstillstand in nahezu allen Naturwissenschaften und auch der (z.B. Energie-) Technologie eher für eine dogmatische Erstarrung wie in manchen früheren Zeiten zu sprechen.”

      Es gibt keinen “Erkenntnisstillstand in nahezu allen Naturwissenschaften”, sondern eine geradezu explosionsartige Vermehrung des wissenschaftlichen Wissens und der technologischen Entwicklung. So sehe ich es gerade auch als Solarpunk mit Begeisterung, wie schnell sich die Solar- und Speichertechnologien entwickeln, wie rasant schnell die Preise purzeln.

      “Hehre Forschungs- normative Forderungen (wie z. B. nach Popper, aber auch noch mehr dogmatisch- empitistische oder “naturalistische” bzw. scientistische sind also eventuell nur “ein Drittel der Miete”.”

      Nun ja, ich selbst habe hier neben der Falsifikation auch die Erkenntniswege von Paradigmenwechseln und interdiszipilinärer Viabilität genannt. Als Politik- und Religionswissenschaftler sowie als Emergentist und dialogischer Monist wende ich mich gegen jede reduktionistische, naturalistische, empiristische oder szientistische Engführung. Und das wissen Sie doch eigentlich auch längst.

      Ihr Problem ist doch nicht der Stand der Wissenschaften und der Erkenntnistheorie, @little Louis – sondern persönliche Verbitterung, Bildungsneid und ein Hang zum Trollen. Statt sich konstruktiv einzubringen, bringen Sie immer wieder nur langweiliges Verschwörungsgeschwurbel. Schade.

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