Übers Wasser reden. Vom Raumschiff Erde und der Weisheit der Thora & Bibel

Vorab möchte ich allen danken, die sich von mir in den letzten Jahren zum Thema Wasser & Wasserkrise “nerven” ließen. Gerade auch auf das fossil finanzierte, korrupte und antisemitische Regime im Iran hatte ich ja immer wieder hingewiesen & nun überschlagen sich die Medienmeldungen:  

Islamische Hardliner sowie mehrere Geistliche im Iran machen den „unislamischen“ Lebensstil vieler Bürger, insbesondere in der Millionenmetropole Teheran, für die Trockenheit verantwortlich. „Zweifellos wirkt sich das Sündigen der Menschen auch auf die Verringerung göttlicher Gaben wie Regen aus“, erklärte der Abgeordnete Kamran Ghasanfari. Vor allem Frauen ohne Kopftuch würden eine Mitschuld tragen.

Aber auch etwa der Schweizer Nestlé-Konzern musste einräumen, dass manche klingend französisch benannte Wasserquellen inzwischen nur noch der Nachreinigung bedürftiges Wasser liefern. Die Wasserkrise wird auch in Europa jedes Jahr spürbarer.

Am Sonntag durfte ich auf einer sehr bewegenden Veranstaltung sprechen – und thematisierte dort ebenfalls das Thema Wasser.

Die Jüdische Gemeinde in Lörrach feierte dreißig Jahre der Wiedergründung und dazu gab es etwas ganz Besonderes: Eine alte Torarolle der Gemeinde, weit über 200 Jahre alt, die wie durch ein Wunder die Reichspogromnacht am 9. November 1938 überlebt hatte, ist restauriert worden und kann nun wieder religiös-rituell koscher wieder verwendet werden.

Das war für Hanna Scheinker, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, und auch für den Rabbiner Moshe Flomenmann, Landesrabbiner, Polizeirabiner und ein gelehrter Freund natürlich eine sehr gute Nachricht.

Die Rapperin & Moderatorin Sharon Suliman links & der badische Landes- und Polizeirabbiner Moshe Flomenmann bei der Lörracher Tora Altnaj, der "altneuen", restaurierten Schriftrolle des Pentateuch mit 304.805 von Hand geschriebenen Alphabet-Buchstaben.

Die Rapperin & Moderatorin Sharon Suliman links & der badische Landes- und Polizeirabbiner Moshe Flomenmann bei der Lörracher Tora Altnaj, der “altneuen”, restaurierten Schriftrolle des Pentateuch mit 304.805 von Hand geschriebenen Alphabet-Buchstaben. Foto: Michael Blume

Von Seiten der beiden großen, badischen Kirchen sprachen die evangelische Landesbischöfin Heike Springhart und der katholische Erzbischof Stephan Burger, die sogar ein gemeinsames Grußwort sprachen, das bei den Menschen sehr gut ankam.

Es war aber nicht nur religiöse, sondern auch politische Prominenz anwesend, beispielsweise Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) sowie die Landtagsabgeordneten Sarah Hagmann (Grüne), Sabine Hartmann-Müller (CDU) und Jonas Hoffmann (SPD). Auch der langjährig wirkende und 2023 aus dem Landtag ausgeschiedene Josha Frey wurde dankbar begrüßt. Neben der thematisch engagierten Landrätin Marion Dammann freute ich mich auch über die Anwesenheit von Oberbürgermeister Jörg Lutz, der mich 2021 zur Lörracher Revolutionsrede in die Stadt geladen hatte.

Ich war um das Schlusswort gebeten worden und hatte mir entsprechend lange überlegt, worüber ich sprechen soll.

Dass der Begriff der Bildung aus der Tora kommt, aus dem 1. Buch Mose 1,27, das, so wusste ich, hatten die meisten Anwesenden von mir schon gehört, etwa auch in meiner Landtagsrede vom 9. November 2023.

Also sprach ich ein Thema an, das mich immer wieder bewegt und das langsam auch mehr und mehr Menschen erreicht, nämlich das Wasser und die Wasserkrise.

Sie alle kennen wahrscheinlich die Elementenlehre, die wir aus Griechenland vor allem von Empedokles (495 – 435 v. Chr.) übernommen haben, wonach es Feuer, Wasser, Erde und Luft gebe und diese vier Elemente eine Art Kreislauf des Seins bilden.

Gleich in der Schöpfungsgeschichte der Bibel in den ersten Zeilen der Thora des ersten Buches Moses wird jedoch eine andere Elementenlehre aufgemacht, wonach das Wasser das erste aller Elemente und die Quelle allen Lebens im Werden ist.

Deswegen braucht jede Synagoge lebendiges, fließendes Wasser.

Deswegen wurde auch Rabbi Jehoshua (arabisch Isa, griechisch Jesus) selbstverständlich im Wasser des Jordan getauft. Und deswegen waschen sich auch Muslime analog zur jüdischen Tradition vor dem Gebet die Hände mit fließendem Wasser.

Feuer wird dagegen in der Thora nicht verdammt, aber strengen Beschränkungen unterworfen. Die Sonne wird dem Licht zugeordnet und das Entzünden von Feuern ist beispielsweise am Schabbat untersagt.

Die Elementenlehre der griechischen Klassik und der Bibel unterscheiden sich also und ich glaube, es lohnt auch im 21. Jahrhundert, sich damit interdisziplinär zu befassen.

Denn ich meine, wir haben mit dem Fossilismus im 19. und 20. Jahrhundert die Beschränkungen des Feuers mit eskalierenden Folgen für Mitmenschen und Mitwelt aufgehoben.

Die eingangs erwähnte jüdische Gemeinde Lörrach hat diese Jahrhunderte von Eisen und Blut im 19. Jahrhundert und dann Blut für Öl im 20. Jahrhundert knapp überlebt.

Auch sie blieb vom Feuer nicht verschont, das die Antisemiten und mörderischen Nationalsozialisten über die erste Religion der Alphabetisierung ausgossen.

Aber sie ist wieder entstanden.

Und als ich darüber sprach, wie wertvoll uns allen das Wasser gegenüber jedem fossilen Faschismus ist und dass wir es schützen müssen, da spürte ich, dass von säkularen bis zu tief religiösen Menschen doch da ein verbundenes Thema berührt war.

Ich glaube auch wirklich, dass es verschiedene Wege gibt, die Bedeutung des Wassers zu erfassen.

Metaphern der Bilder und der Raumfahrt

Als ich Jugendgemeinderat war, war ich eingeladen zu Jugend und Parlament und ich durfte nach Wahl durch meine Gruppe sogar im damaligen Plenarsaal des alten Wasserwerkes in Bonn, in den der damalige Bundestag umgezogen war, eine Rede halten.

Das Thema, das mir gestellt geworden war, war “Raumschiff Bonn”, das jene Problematiken aufnahm, die wir heute als “Berliner Blase” diskutieren.

Doch ich wagte in den Saal zu rufen, dass wir das Raumschiff nicht nur als etwas Negatives verstehen sollten, sondern als eine Möglichkeit, im sog. “Overview-Effekt” auf unseren Planeten zu sehen – auf unseren kostbaren blauen Planeten, auf dem es so viel Wasser gibt, von dem aber nur ein ganz kleiner Teil für uns Menschen nutzbar und trinkbar ist.

Bild auf einer Solarpunk-Flussstadt mit Solarpaneelen auf den schwungvollen Gebäuden, viel Pflanzengrün und einem blauen Fluss, über den kleine Segelboote gleiten.

Wie kann eine post-fossile Solarpunk-Zukunft aussehen – und welche Rolle werden Menschen, Religionen, Technologien dabei spielen? Grafik: Michael Blume mit Leonardo.ai

Ich plädierte dafür, dass wir das Bild des Raumschiffs als Aufruf zur Verantwortung, aber auch positiv verstehen sollten. Und ich weiß noch die Freude, als es dafür sehr breiten Applaus gegeben hat und ein anwesender MdB namens Gregor Gysi zum Gratulieren nach vorne kam.

Ob wir also religiös auf die Welt schauen oder ob wir säkular auf die Welt schauen oder jene von uns, die sogar schon beides zusammendenken können.

Wasser wird das auch wirtschaftlich zentrale Thema des 21. Jahrhunderts und deswegen werde ich nicht aufhören, im Rahmen meiner Möglichkeiten immer wieder darauf zu sprechen zu kommen.

Manchmal scherze ich und wenn man Blume heißt, dann muss man eben auch übers Wasser sprechen.

Damit möchte ich den Menschen ein bisschen die Angst nehmen, die Reaktanz mindern und sie zugleich doch dafür sensibilisieren, wie kostbar das Geschenk des Wassers für all diejenigen von uns ist, die eine lebenswerte Zukunft auch für die Kinder und Enkel anstreben. Und die vielleicht auch die Solarpunk-Hoffnung haben, dass eines Tages eine Menschheit doch noch die Hände ausstrecken kann zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, zum Mond und zum Mars und darüber hinaus.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

62 Kommentare

  1. So unangenehm das Thema Wasserkrise auch ist, so eignet es sich doch immerhin, um zu zeigen, wie weit KI-Anwendungen bereits sind. So habe ich die japanische Felo.ai-Anwendung gerade zu einem persönlichen Rückblick gepromptet:

    ## Dr. Michael Blumes Engagement für die Wahrnehmung der Klima- als Wasserkrise

    Dr. Michael Blume setzt sich auf vielfältige Weise für die Wahrnehmung der Klimakrise als Wasserkrise ein. Sein Engagement umfasst sowohl die wissenschaftliche Aufklärung als auch praktische und kommunikative Ansätze, um die Dringlichkeit des Problems zu verdeutlichen und Lösungen zu fördern.

    ### **1. Wissenschaftliche und kommunikative Aufklärung**
    – **Klimakrise als Wasserkrise:**
    Dr. Blume betont, dass die Klimakrise nicht nur eine Frage von Temperaturanstiegen ist, sondern eng mit Wasserextremen verbunden ist. Er beschreibt, wie höhere Temperaturen zu einem intensiveren Wechsel zwischen Dürren, Überschwemmungen und schwindendem Grundwasser führen. Besonders Gebirgsregionen, wie die Alpen, sind hiervon betroffen, da sie sich schneller erhitzen und ihre Wasserressourcen instabil werden[1][4].
    – **3D-Reliefkarten:** Er nutzt innovative Darstellungen wie 3D-Reliefkarten, um die Auswirkungen der Klimakrise auf Wasserressourcen sichtbar zu machen. Diese Karten zeigen, wie stark Regionen wie der EUSALP-Alpenraum und Deutschland von der Wasserkrise betroffen sind[1].
    – **Warnungen seit 2015:** Bereits seit 2015 warnt Dr. Blume vor den Gefahren der Wasserkrise und identifiziert den „Fossilismus“ als eine der Hauptursachen für die Verschärfung der Problematik[2].

    ### **2. Praktische Maßnahmen und Vorbildfunktion**
    – **Persönliches Engagement:**
    Dr. Blume lebt selbst nach den Prinzipien des „Solarpunk“, einer Bewegung, die eine post-fossile, nachhaltige und gerechte Zukunft anstrebt. Er hat mit seiner Familie beispielsweise ein Elektroauto angeschafft, eine Wärmepumpe installiert und nutzt Solarenergie für seinen Haushalt[5].
    – **Kommunale und private Ebene:** Er betont die Bedeutung von Selbstwirksamkeit auf lokaler und individueller Ebene. Kommunen und Privatpersonen können durch Maßnahmen wie Schwammstadt-Konzepte, Hochwasserschutz und nachhaltige Energieprojekte aktiv zur Lösung der Wasserkrise beitragen[3][5].

    ### **3. Politische und gesellschaftliche Ansätze**
    – **Kritik an fossilen Lobbyisten:**
    Dr. Blume kritisiert die Macht fossiler Lobbyisten, die auf nationaler Ebene Fortschritte behindern. Er sieht jedoch Hoffnung in der europäischen und kommunalen Ebene, wo Veränderungen leichter durchsetzbar sind[5].
    – **Bildung und Bewusstseinsbildung:** Er setzt auf Bildung und Prävention, um die Bevölkerung für die Zusammenhänge zwischen Klimakrise, Wasserkrise und gesellschaftlichen Herausforderungen wie Migration und politischer Instabilität zu sensibilisieren[10][11].

    ### **4. Förderung erneuerbarer Energien**
    – **Erneuerbare Energien als Lösung:**
    Dr. Blume sieht in erneuerbaren Energien nicht nur eine Möglichkeit, die Klimakrise zu bekämpfen, sondern auch eine Chance für Frieden, Demokratie und Wohlstand. Er betont, dass erneuerbare Energien lokale Wertschöpfung fördern und die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen verringern können[5].

    ### **Zusammenfassung**
    Dr. Michael Blume kombiniert wissenschaftliche Expertise, persönliche Vorbildfunktion und gesellschaftliches Engagement, um die Klimakrise als Wasserkrise ins Bewusstsein zu rücken. Er setzt auf Bildung, kommunale Maßnahmen und die Förderung erneuerbarer Energien, um nachhaltige Lösungen zu schaffen und die Auswirkungen der Wasserkrise zu mildern.

    [1] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-solarwende-monat-mai-2025-zwischen-wasserkrise-und-hitzesommer/
    [2] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-grosse-leere-im-bodensee-rhein-und-unseren-koepfen-wasserkrise-und-hitzesommer-2025/
    [3] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/hoffnung-in-kaisersbach-was-wir-alle-gegen-die-wasserkrise-tun-koennen/
    [4] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/warum-der-sueddeutsche-gebirgsraum-besonders-stark-unter-der-klima-und-wasserkrise-leidet/
    [5] https://energiewinde.orsted.de/koepfe-der-energiewende/michael-blume-antisemitismus-ressourcenfluch-oel-gas-konflikte-interview
    [6] https://evans.uw.edu/category/environmental-policy-and-management/
    [7] https://sueden.social/@BlumeEvolution/115060192221840988
    [8] https://sueden.social/@BlumeEvolution/114323177992370636
    [9] https://www.jesus.de/nachrichten-themen/jedes-leben-zaehlt/
    [10] https://www.akademie-rs.de/programm/veranstaltungen/einzelansicht/veranstaltung-25896
    [11] https://ard.social/@BlumeEvolution@sueden.social/111113099270990890
    [12] https://www.babson.edu/about/our-leaders-and-scholars/faculty-and-academic-divisions/faculty-profiles/michael-goldstein.php
    [13] https://eduresearch.social/@BlumeEvolution@sueden.social/115022349555705656
    [14] https://mastodon.atlab.hku.hk/@BlumeEvolution@sueden.social/111113099253395240
    [15] https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-wasserknappheit-100.html
    [16] https://sueden.social/@BlumeEvolution/115521776491268390
    [17] https://sueden.social/@BlumeEvolution/115521729334940964
    [18] https://www.ufz.de/index.php?en=39675
    [19] https://sueden.social/@BlumeEvolution/114547101050266162
    [20] https://www.chathamhouse.org/events/all/conference/climate-and-energy-summit-2025
    [21] https://www.iso.org/annualmeeting/2022/speakers
    [22] https://warnercnr.colostate.edu/department-directory/
    [23] https://www.stimson.org/2025/corvi-measuring-multidimensional-climate-risks-in-aruba/
    [24] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/uebers-wasser-reden-vom-raumschiff-erde-und-der-weisheit-der-thora-bibel/

  2. Guten Abend, @Michael,

    Die religionsgeschichtliche Verankerung der Bedeutung des Wassers ist faszinierend. Danke für diese Anregungen!

    Ich finde es interessant, die naturwissenschaftliche Perspektive hinzuzunehmen:

    (Flüssiges) Wasser gilt als der Stoff, der Leben auf der Erde erst möglich machte – und zwar u.a. aus folgenden Gründen: Als universelles Lösungsmittel ermöglicht es biochemische Reaktionen. Durch seine hohe Oberflächenspannung (wichtig für den Wassertransport in Organismen). Dank der Dichteanomalie (Eis ist weniger dicht als flüssiges Wasser), die aquatische Ökosysteme vor dem Durchfrieren schützt.

    Flüssiges Wasser ist also der Stoff, ohne den Leben auf der Erde – und möglicherweise auf anderen Planeten – nicht denkbar wäre.

    Doch die Beziehung zwischen Leben und Wasser ist nicht nur harmonisch, sondern auch ambivalent. Ein Beispiel: Die Entstehung des Lebens basiert auf Reproduktion, und die RNA gilt als möglicher Vorläufer der DNA (Stichwort RNA world). Doch RNA ist in Wasser extrem instabil – wie konnte sie also lange genug stabil bleiben, um sich zu replizieren und komplexe Strukturen zu bilden? (Siehe dazu z. B. diese Studie der TU München.)

    Das Leben musste also Wege finden, um das in der Anfangsphase „feindliche“ Wasser zu „überleben“ – etwa durch die Bildung stabilerer Doppelstränge oder in geschützten Mikroumgebungen.

    Diese Ambivalenz zeigt sich auch im Kontext der Wasserkrise:
    Einerseits leiden wir unter Wassermangel (Dürren, Wüstenbildung). Andererseits bedrohen uns Wasserüberschüsse (Flutkatastrophen, siehe auch den Sintflut-Mythos und verwandte Erzählungen z.B, aus dem Gilgamesch-Epos). Selbst der Sauerstoff, der heute lebensnotwendig ist, war für frühe Organismen zunächst ein Gift.

    Hier kommen wir wieder auf die Aussage Hans Blumenbergs zurück, die schon mehrere Male auf diesem Blog diskutiert wurde (z.B. hier oder hier):
    „Dynamik entsteht aus Erschöpfung – auf diesem Paradox beruht das Vertrauen des Lebens zu sich selbst in der Nähe seiner Apokalypsen.“ (Blumenberg, Hans: Höhlenausgänge, Suhrkamp 1996/2023, S. 64)

    Leben entsteht und entwickelt sich nicht unter idealen, sondern unter extremen, fast apokalyptischen Bedingungen – in der Nähe seiner eigenen Grenzen.

    Wasser ist nicht nur die Grundlage, sondern auch eine ständige Herausforderung für das Leben – ein Paradox, das sich durch die gesamte Erd- und Kulturgeschichte zieht.

    • Vielen Dank, @Peter – was für ein Brückenschlag (Wassermetapher!) zwischen Chemie, Philosophie und Psychologie! 🤩☺️🙌

      Kennst Du „Die Kinder des Weltalls. Der Roman unserer Existenz.“ von Hoimar von Ditfurth? Ich hatte es bei der Vorbereitung dieses Blogposts wieder in der Hand. Wissenschaft erreicht viele Menschen, auch uns beide. Aber leider viele andere Menschen auch nicht.

      So habe ich im Laufe beobachtet, dass Menschen je nach Biografie und mimetischen Milieu jeweils Erkenntnisse zur Klimakrise oder auch zur Religionsdemografie abblocken. Auch deswegen versuche ich inzwischen, religiöse & säkulare Wissensblasen miteinander zu vernetzen. Damit möchte ich auch erreichen, dass Blockaden aufgelöst werden, mehr Interesse an (interdisziplinärer) Wissenschaft entsteht.

  3. Ich schaue mir gern die Fleischwerdung der Religion an: Alexa beginnt als Terrakotta-Venus, Hausfetisch auf dem Altar, Heiligenfigur – dann machen wir die Fantasien wahr, der Hausfetisch kriegt hinten das Internet eingestöpselt und beantwortet unsere Gebete mit aller Weisheit unserer Vorfahren.

    Generell werden in der Religion immer mehr Elemente des Glaubens durch Elemente des Wissens ausgetauscht. Man sieht einen Lernprozess, der die Staaten immer mehr zum Reich Gottes und Paradies unserer Träume macht – doch wie jeder Lernprozess, ist auch unser Weg durch gescheiterte Experimente gepflastert, ob Sowjetunion oder Iran. Tja, wie viele Raketen sind explodiert, bevor die NASA zum Mond kam?

    Wenn der Islam im Kern menschlich ist und der Iran unmenschlich, kann der Iran kein Gottesstaat sein. Das Paradies erkennt man daran, dass man sich im Paradies befindet, und das tun im Iran höchstens die Oberschicht und deren Schergen.

    Natürlich könnte die Technologie einen totalitären Marionettenspieler schaffen, der Menschen wie Fleischpuppen bewegt, ohne sich um ihre Seelen zu scheren, wie es die Chinesen zu tun versuchen. Aber China wird langsam und kaum merklich von einer Wirtschaftsmacht zum Arbeitslager der Welt, denn die Wirtschaft investiert dort, doch leben möchte man dort nicht unbedingt – selbst Chinas Oberschicht wandert recht häufig aus, und dass die Firmen jetzt sogar bei uns Fabriken bauen, liegt daran, dass Xis Allmachts-Allüren sie genauso vergraulen, wie Trumps Allüren, Putins Allüren, die Allüren der AfD.

    Wäre der Iran ein Gottesstaat, wären die Menschen dort glücklich und zufrieden, so weit man es als Teufel im Paradies sein kann. Da er es nicht ist, kann sich seine Führung auch weder auf Gott noch Islam noch Koran berufen. Gott wird wohl den Versuch begrüßen, doch ab dem Moment, ab dem man dessen Scheitern erkannt hat und trotzdem daran festhält, um sich an der Macht zu halten, wird man zum Ketzer. Und hier fallen religiöse und säkuläre Vorstellungen zusammen: Herrschaft ohne Zustimmung des Volkes, eine Herrschaft, die nicht nach Gerechtigkeit für alle strebt, ist auch nicht von Gott legitimiert.

    Aber auch ein Gläubiger, der nur vor Gott buckelt und auf die Menschen spuckt, der den Schwachen, Frauen, Andersgläubigen Gerechtigkeit verweigert, der grausam handelt, wo Güte möglich wäre, ist kein Gläubiger und kann sich auf keinen Gott und keine Religion berufen.

    Fleischwerdung der Religion bedeutet auch, dass aus Gebeten Taten werden. Und zwar keine bloßen Rituale oder Opferhandlungen, sondern durch praktischen Sinn und Zweck begründbare Taten. Sobald Sie die Macht haben, Wunder zu bewirken, sind Sie auch dafür verantwortlich, dass Wunder passieren – und dafür, mit der Macht keinen Unfug zu treiben. Der Mensch wird des Menschen Engel. Und zwar nicht dadurch, dass er es sich ganz dolle wünscht und jedes Wochenende seine Tempel-Gymnastik absolviert, und dann doch an seiner teuflischen Menschlichkeit scheitert. Sondern dadurch, dass er sehr praktisch und konkret lernt, seine Menschlichkeit zu akzeptieren, zu verstehen, damit umzugehen.

    Auch Naturgesetze sind Gottes Gebote. Sie können die Gebote des Korans, der Bibel, des Talmuds nicht wider sie auslegen. Dass Sie sich dann schnell in Widersprüche verwickeln, ist Absicht – damit Sie keine Wahl haben, als sie auszulegen, auf eigene Verantwortung, an Epigenetik führt kein Weg vorbei, wenn Ihr schlaues Buch in jeder beliebigen Realität als Keim des Lebens dienen soll. Wenn Sie den Geist der Menschlichkeit verinnerlicht haben, wird Ihre Auslegung zumindest tolerabel sein. Siehe den Beitrag zum Hyperscanning weiter rechts.

    Zu der Erkenntnis, dass Sie vom Parasit, der sich nur durch Gegengewalt der Natur zur Symbiose zwingen lässt, zum Gärtner werden müssen, sobald Sie die Macht haben, die Natur abzumurksen, denn dann murksen Sie sich selber mit ab, da Sie ja immer noch von ihr abhängig sind, kommen Sie durch Religion wie simple, säkulare Logik gleichermaßen. Dass Gott und/oder die Naturgesetze die Probleme, die die Natur und Sie selbst sich schaffen, zu Ihrem strengsten Kritiker, Richter und Sünden strafenden Teufel macht, ist ja elementarste Lebenserfahrung.

    Gott und Teufel verschwinden nicht, wenn wir herausfinden, wie sie funktionieren: Der Mietvertrag widerlegt nicht die Existenz des Vermieters. Ob er sie beweist oder nicht, ändert nix am Mietvertrag, und damit ist der Widerspruch zwischen dem Religiösen und dem Säkularen dadurch aufgelöst, dass er für die Praxis bedeutungslos ist, und damit in die Theorie verbannt wird – Glaube bleibt Glaube, den können Sie sich frei aussuchen, doch für die Realität, die Sie auf seiner Grundlage schaffen, müssen Sie vor der Realität Rechenschaft ablegen.

    Dennoch bleibt Glaube wichtig. Schließlich darf sich kein Ayatollah, kein Papst, kein Gottkönig, kein Zentralkomitee und keine Partei anmaßen, Gottes Willen richtig verstanden zu haben. Wir lernen noch, und all unsere Klassenarbeiten müssen sich an den Zielvorgaben messen lassen. Der Mensch ist zu sehr Teufel, um sein eigener Gott zu sein, ist allerdings auch der einzige Messias, den Gott ihm geschickt hat, und nun müssen wir zusehen, wie wir den Bullshit zum Laufen kriegen.

    Raumschiff Erde… Ich denke vierdimensional, für mich ist alles ein Raumzeitschiff, vom Quark zum Universum. Ich meine, ob ich’s „eingewickelte Dimensionen“ bei Quantenpampe nenne, „Amplitude“ beim Licht oder „3 Raumdimensionen“ in der Makro-Welt, ist eh alles die gleiche Chose, Zeugs, das sich entlang einer Hauptachse bewegt und dabei zappelt, und im Zappeln macht alles Zeugs in den Kurven das Gleiche im Kleinen. Oft bilde ich mir ein zu spüren, dass ich mit Lichtgeschwindigkeit durch die Zeit rase, aber ich schätze, das liegt daran, dass man mit dem Alter zunehmend aus der Zeit fällt.

    Wasser – finde ich interessant, weil es ähnliche Eigenschaften besitzt wie das Vakuum, es leitet Wellen. Man sieht darin viele Eigenschaften auf den ersten Blick, die der Physiker oder Astronom in anderen Maßstäben erst mühsam herausfinden müssen. Man sieht dort, was man sonst im Leben nur spüren kann und für eine Metapher hält, wo man nur Molekül im Ozean ist und Ozean aus Molekülen. Wie das genau funktioniert, sollte sich mal jemand ansehen, der’s besser kann als ich, aber wenn Sie je Regen auf einen See haben fallen sehen, haben Sie das Universum im Ansatz schon recht gut verstanden.

    Und aus diesem Gespür, dass alles irgendwie Wasser ist, hat sich wohl die Vorstellung vom Wasser als Ursprung des Lebens entwickelt. Dicht daneben ist manchmal gar nicht so weit vorbei.

  4. Sich für Extremereignisse wie etwa Wassermangel wappnen
    Aktuell leidet Iran unter extremem Wassermangel verursacht durch eine länger anhaltende Dürre (Klimawandel), Fehler im Wassermanagement und zu hohem Wasserverbrauch unter anderem in der Landwirtschaft. Inzwischen wird bereits die Evakuierung der Hauptstadt Teheran in Erwägung gezogen.
    Kurzum: Klug mit Wasser umzugehen und in Einbezug aller Umstände, die richtigen Massnahmen zu ergreifen um genügend Wasser auch während Dürrephasen zur Verfügung zu haben ist unter anderem Aufgabe der Politik und der (Wasser-)Ingenieure.
    Es ist natürlich kein Zufall, dass ein international so isoliertes Land wie Iran stärker unter der gegenwärtigen Dürre leidet, denn die Isolation bedeutet auch, dass internationale Experten für eine Wassersituation wie sie jetzt im Iran herrscht, in Iran keinen Einfluss haben oder sich dort nicht engagieren wollen.
    Allgemeine Lehren: Es gibt heute mehr Extremereignisse aufgrund des Klimawandels und aufgrund der massiven Eingriffe des Menschens in die natürlichen Ressourcen und Zusammenhänge. Vorausschauends und intelligentes Handeln kann solche Extremereignisse oft abfangen oder stark mildern. Und es ist hilfreich, wenn man auch Hilfe weltweit erhält in solch schwierigen Situationen wie sie durch Extremereignisse zustande kommen. Sich zu isolieren und damit von Unterstützung abzuschneiden ist so gesehen schlecht und kann sich katastrophal auswirken.

    • Lieben Dank, @Martin Holzherr

      Sinnigerweise wurde Ihr Kommentar auch bereits auf Mastodon kommentiert:

      Zu einem Kommentar aus scilogs
      “Sich für Extremereignisse wie etwa Wassermangel wappnen” es ist nur Reaktion.
      Obwohl der Kommentator herausstellt,
      “Vorausschauends und intelligentes Handeln kann solche Extremereignisse oft abfangen oder stark mildern.” würde ich meinen, für alle Menschen muß eines klar werden: Irans #WasserKrise ist nur die oberste, extrem sichtbare Spitze des durch unser vergangenes #Fossiles Tun, in einen global ins Ungleichgewicht gebrachten Wasserkreislauf.

      https://sueden.social/@dendroniker@machteburch.social/115580995226592170

      Diesem Argument kann ich viel abgewinnen. Wenn wir die Wassersysteme unseres Raumschiff Erde dauerhaft überhitzen, dann werden uns lokale Reparaturen alleine nicht auf Dauer helfen. Wir müssten – wie es der Solarpunk fordert – endlich mit dem Verfeuern von Rohstoffen und Emissionen der Massentierhaltung in die Atmosphäre aufhören.

      • @Michael Blume (Zitat): Wir müssten – wie es der Solarpunk fordert – endlich mit dem Verfeuern von Rohstoffen und Emissionen der Massentierhaltung in die Atmosphäre aufhören.
        Antwort: Klar: nach 30 Jahren Klimaschutz und 30 COPs (Klimakonferenzen) sind wir immer noch auf einem Plateau der Treibhausgasemissionen und alles spricht dafür, dass der globale CO2-Ausstoss im Jahr 2030 +- 5% des Austosses im Jahr 2025 betragen wird.
        Eine Katastrophe. Nicht unbedingt schon vom Klima her, sondern eine Katastrophe was das politische Versagen angeht. Übrigens auch eine Katastrophe für das politische Deutschland, wo man zwar ständig vom Klimaschutz redete, aber lange Zeit wenig tat.

        Nun aber kommt der Hammer: in den letzten Jahren hat sich die Klimaerwärmung beschleunigt und wenn es so bleibt, könnten wir bereits im Jahr 2050 bei 3 Grad Erwärmung ankommen. Grund für die Beschleunigung: es gibt weniger Schnee und Eis und weniger Wolkenbildung aufgrund einer „saubereren Luft“ und damit absorbiert die Erdoberfläche mehr Sonneneinstrahlung.

        Kurzum: in naher Zukunft wird es auf der Erde deutlich wärmer und es gibt mehr Klimaextreme. Wir können das kaum noch verhindern und müssen uns vorbereiten mit den Extremen zurecht zu kommen. Zum Glück gibt es durch die billigen chinesischen Solarpanels, Windturbinen und Batterien heute auch weltweit mehr kostengünstige Möglichkeiten von den fossilen Energien wegzukommen. Doch trotz allen Bemühungen wird die Welt auch in 30 Jahren noch nicht klimaneutral sein.

        • Lieben Dank, @Martin Holzherr – inhaltlich stimme ich Ihnen völlig zu, allerdings rate ich von einer einseitigen Externalisierung gegen die Politik ab.

          Aus meiner Sicht versagt vor allem die Karbonblasen-Wirtschaft in der dringend Not-wendigen Energiewende, zumal sie noch immer massiven, fossilen Lobbyismus in Medien und Politik finanziert.

          So ist gerade in der Frankfurter Rundschau eine lesenswerte Abrechnung mit den fossilen “Nieten in Nadelstreifen” durch Leo Fischer erschienen, Zitat:

          Ein großer deutscher Autobauer, der sich vor zwei Jahren entschieden hat, nur noch Luxusautos zu bauen, entdeckt plötzlich, dass er doch lieber Brummmaschinen in allen Preisklassen verkaufen möchte. Millionen in den Umbau versenkt, Arbeitskräfte durch den Schleudergang gejagt – nur damit man jetzt sagt: Äh, doch nicht. Ein anderer deutscher Autobauer, der jahrelang auf „moderne Verbrenner“ setzte, während ihm die weltweite Konkurrenz Richtung 21. Jahrhundert davonfuhr, lässt sich jetzt Experimente mit Wasserstoffantrieb aus dem Klimafonds der Bundesregierung bezahlen.

          Der Unsinn, den die Vorstände beider Unternehmen jahrelang erzählt haben, war mit Händen zu greifen, auch die Presse sparte nicht mit Kritik: vergebens. Diese Giganten der Industrie, denen es an nichts fehlt, die bedarfsweise auf die klügsten Köpfe der Welt zurückgreifen können, wirken unbelehrbar, tranig, bräsiger als jede Behörde – und müssen wieder mal von den Steuerzahlenden rausgeboxt werden. Die Finanzkrise, in deren Zuge ja auch Banken teilverstaatlicht wurden, ist ja auch schon wieder vergessen, mit den Krediten für die KI-Industrie befeuern sie schon die nächste Blase. Egal, im Zweifel haut der Staat sie schon raus.

          https://www.fr.de/meinung/kolumnen/staat-unternehmen-nieten-in-nadelstreifen-94045685.html

          Dem stimme ich ausdrücklich zu und hatte ja auch hier bereits etwa das fossile Kurzfrist-Denken der Shareholder-Value-Konzernmanager kritisiert:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/enge-der-zeit-statt-technologieoffenheit-shareholdervalue-strategien-bei-boeing-und-mercedes/

          Aus meiner Sicht reicht es also nicht, Verbesserungen in der Politik anzumahnen. Wir sollten vielmehr dringend darüber sprechen, wie wir fossile Abzocker und Versager in Wirtschaft, Lobbyismus und Medien zur Rede und finanziell wie rechtsstaatlich zur Rechenschaft ziehen. In den juristischen Verfahren gegen die Manipulationen von Abgasmessungen durch Automobilkonzerne erkenne ich dabei schon wichtige, erste Schritte.

          • @Michael Blume: Die beste Bestrafung für Fossilisten, also für Firmen und Organisationen, die weiterhin auf Kohle, Öl und Erdgas setzen ist der Bankrott, der Konkurs. Und der ergibt sich von selbst, wenn es kaum noch Kunden solcher Produkte gibt. Wenn der Preis heiss ist für nicht fossile Produkte, dann setzen diese sich von alleine durch. Und einige, ja sogar viele nicht fossile Lösungen sind mindestens im Betrieb günstiger als ihre fossilen Varianten. So sind Elektromobile im Betrieb günstiger, aber auch Wärmepumpen.

            Übrigens: auch wer auf Wasserstoff als Antrieb für Autos und Transporter setzt, wie etwa BMW, das eine Subvention von mehr als 200 Millionen Euro dafür erhalten hat, auch der wird absehbar keinen Erfolg damit haben, da Wasserstoff prinzipiell mindestens doppelt so teuer ist wie Strom und da Wasserstoff eine aufwendige Infrastruktur benötigt, die heute nicht vorhanden ist. Nicht einmal die Flugzeuge der nahen Zukunft werden Wasserstoff als Treibstoff benutzen, nur schon weil die Bereitstellung von flüssigem Wasserstoff an allen Flughäfen der Welt kaum realisiert werden kann. Die Geschichte mit Wasserstoff zeigt wieder einmal, dass der Teufel oft im Detail und in der Realisierung, der Umsetzung liegt. Weil oft die Umsetzung und Marktentwicklung entscheidet, was sich durchsetzt, darum ist heute für alle Nationen Flexibilität und Schnelligkeit in der Anpassung an neue Verhältnisse nötig. Leider zählt Deutschland heute nicht zu den Ländern, die sich schnell auf neue Verhältnisse einstellen können.

            Eine positive Entwicklung ist im Bereich Wasserstoff als Treibstoff und/oder Langzeit-Speicher für Strom bis jetzt nicht erkennbar. Positiv dagegen entwickelt sich der Bereich Batterien und das sowohl für Fahrzeuge (schnelles Laden, billiger) als auch als Grossspeicher. (billiger, immer grösser).

          • Vielen Dank, @Martin Holzherr

            Ich stimme Ihnen weitgehend zu, möchte jedoch zu diesem Argument ergänzen:

            Die beste Bestrafung für Fossilisten, also für Firmen und Organisationen, die weiterhin auf Kohle, Öl und Erdgas setzen ist der Bankrott, der Konkurs. Und der ergibt sich von selbst, wenn es kaum noch Kunden solcher Produkte gibt.

            Im Fall eines Konkurses etwa deutscher Autokonzerne würden die Verluste vor allem die Mitarbeitenden sowie den Staat, mithin die Steuerzahlenden betreffen. Gewinner wären die fossilen Konzernmanager und Aktionäre, die die Unternehmen abgezockt und die dringend notwendigen Investitionen in post-fossile Elektrofahrzeuge sowie Batterien verweigert haben.

            Ich möchte dabei erneut betonen, dass ich als Solarpunk bereits 2017 – vor über acht Jahren! – auf ein französisches Elektrofahrzeug umsteigen konnte! Die Technologie war längst verfügbar, einsatzreif und auch erschwinglich.

            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/dekarbonisierungskugel-fuer-den-weltfrieden-meine-erste-erfahrungen-mit-dem-elektro-renault-zoe/

            Ich sehe mit Sorgen, dass schon jetzt immer mehr Mitarbeitende in der deutschen Automobil- und Zuliefererindustrie ihre Arbeitsplätze aufgrund der fossilistischen Fehlentscheidungen der hochbezahlten Manager verlieren. Das ist aus meiner Sicht nicht gerecht.

  5. Müsste man in diesem Zusammenhang nicht auch über die beeindruckenden Fortschritte sprechen, die Israel im Kampf gegen Wasserknappheit erzielt hat? Israel ist weltweit führend führend bei der Wasserwiederverwendung und inzwischen wird über 80% des Trinkwassers aus Entsalzungsanlagen gewonnen.

    Mir scheint es so zu sein, dass Staaten mit inklusiven Institutionen deutlich besser mit Herausforderungen wie Klimawandel oder Wasserknappheit umgehen als Rentierstaaten. Auch während der Coronapandemie war das der Fall, bereits nach wenigen Wochen waren in Deutschland und den USA wirksame Impfstoffe entwickelt.

    Und da stelle ich mir schon die Frage, ob wir unseren Lebenswandel einschränken sollen, um in erster Linie fossile und nichtfossile Diktaturen zu stabilisieren. Anstatt den CO₂-Fußabdruck zu reduzieren sollten wir zunächst den Rentierstaats-Fußabdruck reduzieren. Da gibt es nur teilweise Überschneidungen.

  6. Wenn wir über das Wasser reden, können wir darüber viele Geschichten erzählen, die uns das Wasser in vielfältiger Form darstellen.

    “Das kalte Herz” von Wilhelm Hauff erinnert an eine der härtesten Arbeiten, die es bis ins 20. Jahrhundert im Schwarzwald gab: Die Flößerei. Mit mehreren Flößen unterwegs zu sein – den weiten Weg vom Schwarzwald nach Holland – bedeutet, die Kraft des Wassers zu beherrschen, seine Tücken zu kennen und es nie aus den Augen lassen.

    “Mosé in Egitto” ist eine Oper von Gioachino Rossini. Der dritte und letzte Akt spielt am Ufer des Roten Meeres. Angesichts der Wassermassen sind die Israeliten verzweifelt, weil es keinen Weg hindurch zu geben scheint. Für die “Preghiera” (Gebet) komponierte Rossini eine seiner eindringlichsten Melodien.

    Wasser als Element monarchischer Repräsentation. Ludwig XIV und die Springbrunnen, Fontänen etc in Schloss Versailles. Ein Meilenstein der Technik und der Zähmung des Wasser, indem es in kleine Kanäle gespeist wird und es nicht seinem natürlichen Lauf folgen kann. Auch zur Unterhaltung des Hofes kamen die Wasserspiele zum Einsatz. Viele Fürsten taten es dem Sonnenkönig gleich und wir sehen (noch) die Anlagen am Schloss Schönbrunn in Wien, Schloss Ludwigsburg oder Schloss Nymphenburg in München.

    Auf vielen Gemälden sehen wir Wasser. Durch die Jahrhunderte stellten Maler Wasser auf ihren Werken dar. Canalettos Bilder, die er von Venedig malte, zeigen das für diese Stadt so typische Wasser. William Turner, der englische Maler, bereiste den Rhein und trug zur verklärenden Rheinromantik mit seinen Gemälden bei.

    Zahlreiche Forscher waren von Flüssen fasziniert und hatten nur ein Ziel: Die Quelle zu finden. David Livingstone suchte die Quellen des Nils. Ströme wie der Mississippi oder der Amazonas zogen ebenfalls Forscher und Entdecker an.

    Und wir haben viele Lieder, die das Wasser besingen. So “isch a jeder gern am Necker”, “an der schönen blauen Donau” lädt zum Tanzen ein, über den “Rio Bravo” singt Dean Martin im gleichnamigen Film. “La Seine” erhält musikalische Ehren durch Chansons wie das von Maurice Chevalier interpretierte.

    “Des Menschen Seele
    Gleicht dem Wasser
    Vom Himmel kommt es,
    Zum Himmel steigt es,
    Und wieder nieder
    Zur Erde muss es,
    Ewig wechselnd.

    Aus dem Gedicht: “Gesang der Geister über dem Wasser” von Johann Wolfgang von Goethe. Vertont u.a. von Franz Schubert.

    Die Faszination, die vom Wasser für uns Menschen ausgeht, zeigt uns imho auch, wie besonders dieses Element ist.

  7. @Wasser

    Wo Wasser ist, da ist auch Leben, das gilt für unseren ganzen Planeten. Hier um die Ecke ist der Dortmund-Ems-Kanal, da kann man Angeln und im Sommer Baden gehen. Und gleich daneben die Emscher, ein gutes Beispiel, wie man auch mit der Reinigung von Abwasser immer weiter vorwärts kommt.

    Trinkwasser haben wir hier im Ruhrgebiet auch reichlich, dass meiste kommt über die Ruhr aus dem Sauerland. Die Versorgung dürfte hier auch stabil bleiben, wenn sich die Klimakrise die Wasserkrise immer mehr verschärft. Überschwemmungen wie Trockenheit kann allerdings auf die Landwirtschaftlichen Erträge gehen, und auch Wälder und das Grün in der Stadt können beschädigt werden.

    Das will man alles nicht. Und manchen Orts ist auch die Trinkwasserversorgung gefährdet. Da wo das Trinkwasser jetzt schon knapp wird, ist aber meistens einfach zuviel Wasserverbrauch für lokale Bewässerung von Landwirtschaft die Ursache. Im Zusammenspiel mit der Klima- und Wasserkrise. Also letztlich eine Folge von Misswirtschaft.

    Zumal ja auch verbrauchtes Trinkwasser als Abwasser nach einer hinreichenden Reinigung zur Bewässerung nutzbar wäre.

  8. Ihre täglichen Ausführungen erinnern mich exemplarisch an Folgendes…

    Mittelalter und frühe Neuzeit erklärten Wetterphänomene mit Hexerei und verbrannten Zehntausende Menschen, der »Wokismus« erklärt Wetterphänomene mit CO2 und verbrennt Hunderttausende Arbeitsplätze. „Cogito ergo sum“ und „sapere aude“ der Aufklärung sind ein folgenloses Intermezzo geblieben.

    Finde den Fehler
    „Das Holozän ist die seit mehr als 11’000 Jahren andauernde warmzeitliche Klimaepoche der Nacheiszeit, die bis heute andauert. Bis vor 5900 Jahren waren die Alpengipfel auf 3000 bis 4000 Meter wahrscheinlich eisfrei, wie Forschende mit Beteiligung des PSI und der Uni Bern anhand von Eisbohrkernen herausgefunden haben. Nur die allerhöchsten Gipfel wiesen damals demnach eine Eiskappe auf.“ Quelle: swissinfo

    Berliner Gletscher am Funkturm
    „Vor 20.000 Jahren türmte sich über Berlin ein 200 Meter hoher Gletscher auf. „Als er kam, verschlang er alles Leben. Als er schmolz, hinterließ er uns die Landschaft, in der wir heute leben“… Quelle: Berliner Zeitung

    UN warnen vor katastrophalen Folgen der Gletscherschmelze Quelle. WELT online

    Die von Ihnen verwendeten »KI«s sind Sprachmodelle, die Algorithmus begründet, herrschende Narrative inhaltlich zusammenstellen und als Wahrheiten den Gläubigen, Ideologen und Ahnungslosen (textlich komprimiert), meist recht eloquent, verkaufen.

    Die undifferenzierte Verwendung des Begriffs »KI« ist eh problematisch.

    »KI« zum Verstehen
    Beispiel:
    Es gibt Anwendungen, die gleichfalls (vermarktungstechnisch) unter »KI« “laufen”, jedoch anders als Sprachmodelle, auf Mustererkennung basieren. Beispiel: Anwendungen zum Hautscreening. Diese machen deutlich mehr Sinn als Sprachmodelle, sofern der Input zur Charakterisierung der Muster realitätsnah ist.

    Des Weiteren
    Das Internet als gigantische Datenquelle der KI wird mehr und mehr mit Daten geflutet, die KI selbst erzeugt hat. Am Schluss, und zwar sehr schnell,
    kommt nur noch selbst referenzieller Unsinn heraus. Die Elaborate eines
    digitalen Dorftrottels quasi, dem Inzucht-Opfer schlechthin
    .“ ein Zitat von Egbert Scheunemann

    Zu Ideologien und Religionen
    “Wenn kein Teufel zur Hand ist dann kommen die »Scharlatane der Wissenschaft« aus der Versenkung.” Die »Scharlatane der Wissenschaft« lieben »KI«-Sprachmodelle (warum, siehe oben)…

    Zur Erinnerung
    Spekulative Erkenntnisse von heute sind die Irrtümer von morgen.

    Ihre Aussagen bestätigen, aphoristisch auf den Punkt gebracht von Theodor Fontane (1819 – 1898]: „Das Sensationelle gilt und nur einem strömt die Menge noch begeisterter zu, dem baren Unsinn.“

    Der Psychologe Solomon Asch (1907 – 1996) wies mit seinen Versuchen nach: “Für die meisten Menschen hat die Anpassung an das, was andere sagen und tun – egal wie objektiv falsch oder absurd es ist –Vorrang vor der Anpassung an die Realität und der Entdeckung der Wahrheit.“

    Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben“, sagt der Wissenschaftler Mojib Latif vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie im am 1. April 2004 im Spiegel. Oder machte er nur einen ungewöhnlichen Aprilscherz?

    Herr Blume übernehmen Sie…

    • Guten Abend @Dirk Freyling,

      es ist ja schön, wenn Sie hier kommentieren.

      Es ist aber nicht unbedingt nötig, dass Sie mir Ihre Kommentar-Entwürfe auch noch als E-mail zusenden. Zumal ich Sie schon wiederholt aufgefordert habe, dies zu unterlassen.

      • Danke, @Peter – so etwas erlebe ich leider immer mal wieder. Manche Leute missverstehen die digitale Einladung zum Blog-Dialog als Einladung zur dualistischen Selbstinszenierung, zum Betteln um Aufmerksamkeit und zum Trolling. Bei einigen nimmt dies gar suchtartige Züge an, ohne dass es die Betroffenen wirklich glücklich machen würde. Immerhin können wir dies hier dokumentieren, um Künftige aufzuklären und vielleicht gar zu warnen.

        Dir lieben Dank für Deine freundlichen, dialogischen und konstruktiven Beiträge!

  9. Korrektur
    zu meinem vorherigen Kommentar
    es war bereits im Jahr 2000 nicht im Jahr 2004…

    Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben“, sagte der Wissenschaftler Mojib Latif vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie bereits am 1. April 2000 im Spiegel. Oder machte er nur einen ungewöhnlichen Aprilscherz?

    • Danke, @Dirk Freyling

      Nur: Warum sollte ich mich von Ihnen trollen und triggern lassen? Es ist doch für alle klar erkennbar, dass Sie sich für eine dualistische (und wie auch etwa bei @Realo ziemlich feige) Version der Weltwahrnehmung entschieden haben, die sowohl Erkenntnisse der Wissenschaft wie auch widersprechende Medien unter Verschwörungsverdacht stellt.

      Ich finde das ja psychologisch ganz interessant und schalte es daher auch gerne frei. Aber bitte haben Sie Verständnis, dass ich Ihrer Bettelei um Aufmerksamkeit darüber hinaus nicht nachkommen möchte. Das würde Sie nur weiter anfüttern.

      Ich verstehe, dass die Wahrheit auch beängstigend und auch schwer ist, Popper verwendete gar das Sprachbild vom Kreuz:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wisskon21-karl-popper-und-das-kreuz-der-falsifikation-religion-wissenschaft/

      Ich verstehe Ängste und Reaktanz. Aber ich darf Ihnen versichern: Die Realität ist unendlich viel Komplexer, Herausfordernder und Sinnhafter als jede dualistische oder einfach nur feige Externalisierung der Welt. 😌📚🙌

      Ihnen von Herzen ein schönes und gerne ermutigendes Wochenende!

  10. Wer wissen will, wie es um unseren Planeten steht, empfehle ich diesen Artikel:
    “The 2025 state of the climate report: a planet on the brink”

    Aus der Einleitung:

    “We are hurtling toward climate chaos. The planet’s vital signs are flashing red. The consequences of human-driven alterations of the climate are no longer future threats but are here now. This unfolding emergency stems from failed foresight, political inaction, unsustainable economic systems, and misinformation. Almost every corner of the biosphere is reeling from intensifying heat, storms, floods, droughts, or fires. The window to prevent the worst outcomes is rapidly closing.”

    academic.oup.com/bioscience/advance-article/doi/10.1093/biosci/biaf149/8303627

    • Danke, @Paul Stefan

      Den Knackpunkt empfinde ich schon im ersten Halbsatz:

      „Wer wissen will, wie es um unseren Planeten steht,…“

      Denn jene vielen, die sich im egozentrischen Relativismus oder gar feindseligen Dualismus verschanzt haben, wollen ja längst nicht mehr wirklich wissen, wie es um den Planeten steht. Während sich also die wissenschaftlich Informierten mit Apokalyptik und Klimafurcht (Climate Anxiety) aufladen, externalisieren die Leugnenden nur umso heftiger.

      Deswegen versuche ich, auch mit dem Thema Wasser und mit neuen Sprachbildern dialogische Brücken über die sozialpsychologischen Abgründe zu bauen. Und ich mache die Erfahrung, dass es nicht bei allen, aber doch bei vielen doch etwas bringt, Verhärtungen löst, Sorgen und auch Taten denkbar und ansprechbar macht.

      Danke für den Kommentar und Hinweis!

  11. @Michael 21.11. 18:29

    „Die Realität ist unendlich viel Komplexer, Herausfordernder und Sinnhafter als jede dualistische oder einfach nur feige Externalisierung der Welt.“

    Zunächst externalisieren Manche ja z.B. die Kosten von fossilen Brennstoffen auf die Allgemeinheit und auf zukünftige Generationen. Die damit ihr Geld verdienen freilich als Erste und entsprechend kompromisslos.

    Aber man schließt so auch wirkliche Weltkenntnis gleich mit aus, man externalisiert also quasi auch die echte Wirklichkeit aus dem eigenen Mikrokosmos heraus aus. Und entfernt sich so einfach auch von der eigenen möglichen Wirklichkeit.

    Und insbesondere die ganzen Anderen, die da nicht mal dran verdienen, die tun sich damit noch nicht mal einen eigenen Gefallen. Wer immer noch gegen E-Autos ist, obwohl die bald längst kostengünstiger in den Gesamtkosten sind, der verpasst doch sogar Chancen auf günstigere Mobilität.

    Und muss sich dabei noch selber aus der eigenen Mitwelt Stück für Stück immer weiter zurückziehen.

    Verschwörungsmythen, die sich insbesondere auf die Wissenschaft beziehen, sind da freilich auch vorne weg. Nicht dass sich Wissenschaft nicht irren könnte. Aber dass die Wissenschaften wirklich überwiegend Unsinn produzieren sollen, hilft niemandem auch persönlich weiter.

    Wo hier durchaus sehr spannende Welten von der Wissenschaft geliefert werden. Insbesondere die Astronomie ist doch wirklich inspirierend, und erweitert unsere Horizonte immer weiter. Aber auch die Geowissenschaften, wozu die Klimawissenschaft nun mal gehört, sind echt spannend.

    Wobei die Ergebnisse der Wissenschaft durchaus vor allem einfach nur interessant sind. Was man damit praktisch noch anfangen kann, ist m.E. gar nicht das Meiste. Erweiterte tatsächliche Horizonte bereichern das Leben immer noch als Erstes.

    Wie weit die Disziplinen dann auf dem Weg zur theoretischen endgültigen Erkenntnis sind, ist dabei nicht mal entscheidend. Die bekannten Fakten sind erst mal schon interessant genug.

    • Vielen Dank, @Tobias – und genau so ist es!

      „Aber man schließt so auch wirkliche Weltkenntnis gleich mit aus, man externalisiert also quasi auch die echte Wirklichkeit aus dem eigenen Mikrokosmos heraus aus. Und entfernt sich so einfach auch von der eigenen möglichen Wirklichkeit.“

      Es ist ja auch wirklich verführerisch: Indem wir die Kosten für unser eigenes, fossiles Tun verharmlosen, verleugnen oder gar auf andere abschieben (externalisieren), fühlen wir uns kurzfristig entlastet. Aber wir bezahlen dafür mit einer Verschiebung der Selbsterzählung und Weltwahrnehmung von der schmerzhaften Wahrheit zur zunehmend feindseligen Lüge. Und umso schlimmer die Folgen des Fossilismus eskalieren, umso heftiger müssen die Leugner bestreiten, um ihre Selbst- und Weltwahrnehmung noch aufrecht erhalten zu können.

      Wissenschaftlich informierender Dialog und Solarpunk dienen so gesehen auch der geistigen Gesundheit von Einzelnen und ganzen Gesellschaften.

  12. @Dirk Freyling 21.11. 16:51

    „Die von Ihnen verwendeten »KI«s sind Sprachmodelle, die Algorithmus begründet, herrschende Narrative inhaltlich zusammenstellen und als Wahrheiten den Gläubigen, Ideologen und Ahnungslosen (textlich komprimiert), meist recht eloquent, verkaufen.“

    In der Tat dürften LLMs von der Bauart her recht mainstreamlastig sein. Aber das dürfte doch auch das sein, dass man von ihr erwartet. Hat man gute Gründe in Einzelfällen dem Mainstream zu misstrauen, hilft diese Art KI wohl wirklich nicht so gut weiter.

    Obwohl die KI wohl doch auch umfassend informiert, wenn ein Thema vielschichtig ist, und dann auch die verschiedenen Standpunkte nennt.

    Also unterm Strich sind die LLMs doch zu gebrauchen. Aber eben mit eigenem Verstand zu nutzen. Meine größte Hoffnung ist hierbei, dass wir mit dieser KI eine gewisse Konvergenz von Vernunft erreichen. Weil eben das ganze Spektrum erfasst und kommuniziert werden kann. Und wir selber damit die Fakten geliefert bekommen, die dann auch in unserer Wirklichkeit maßgeblich werden, und wir das dann eben auch besser erkennen können.

    Und wenn die KI kulturellen Unsinn völlig ignoriert, warum nicht. Was sollen wir uns damit aufhalten?

    • @Dirk Freyling & @Tobias Jeckenburger

      Danke für die wichtige Diskussion. In der Tat sind KI-LLMs mächtige Werkzeuge – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und entsprechend werden sie von Rechtsdualisten wie Elon Musk bereits eingesetzt, der “seine” KI-LLM Grok auch nach extrem antisemitischen Ausfällen als “MechaHitler” bereits mehrfach manipulieren ließ, um ihm genehme Prompt-Antworten zu erhalten:

      “Wer ist der klügste Mensch, der jemals gelebt hat? Elon Musk natürlich, weit vor Leonardo da Vinci. Wer ist der Bestaussehende? Richtig, Elon Musk. Wer ist der sportlichste Mensch überhaupt? Elon Musk, keine Frage. All das hat Grok, der Chatbot von xAI dieser Tage von sich gegeben, bis die Notbremse gezogen werden musste, weil die Schleimerei unerträgliche Ausmaße angenommen hat und sie selbst Groks Schöpfer zu peinlich wurde.

      Eines steht fest: Grok preist seinen Erschaffer in den höchsten Tönen. Besonders die diese Woche veröffentlichte Version 4.1 scheint einen sehr starken Bias in Richtung des Milliardärs eingebaut zu haben.”

      https://www.derstandard.at/story/3000000297401/grok-erklaert-elon-musk-zur-allwissenden-gottheit

      Zudem ließ er mithilfe der Grok-LLM auch eine Wikipedia-Variante namens Grokipedia erstellen, aus denen sich wiederum rechtsdrehende und wissenschaftsfeindliche LLM-Textausgaben ergeben sollen:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Grokipedia

      Wir sehen also hier bereits eine Radikalisierung durch KI-Kokonisierung: Reiche Rechtsdualisten & etwa chinesisch-kommunistische Machthaber wollen, dass wir künftig nur noch jene KI-LLMs nutzen, die ihre Desinformation, ja Propaganda verstärken. Erneut soll über die digitale Förderung des egozentrischen Relativismus eine massive Verstärkung des feindseligen Dualismus erfolgen.

      Die richtige Antwort auf diese nächste Medienrevolution kann also wiederum nicht in Verweigerung bestehen. So wird in Baden-Württemberg über die Einrichtung einer KI-Universität diskutiert und der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), erklärte selbstbewusst im “Aufbruch”-Magazin 32, 7, gegenüber Google:

      “Künstliche Intelligenz kann für Deutschland zum echten wirtschaftlichen Game-Changer werden. KI ist größer als alles, was unser Land in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Die Zukunft beginnt jetzt – und Nordrhein-Westfalen geht voran. Wir haben den Anspruch, zur führenden Digital- und Quantenregion zu werden, und gehen konsequent den Weg von der Kohle zur KI.

      Eine aktuelle Studie zeigt: Der potenzielle Beitrag zur Bruttowertschöpfung bundesweit allein durch generative KI liegt bei 330 Milliarden Euro, jedes fünfte Unternehmen im Land nutzt schon heute KI.

      Deutschland hat jetzt die Chance, KI zu einem echten Wettbewerbsvorteil auszubauen und so Arbeitsplätze der Zukunft zu schaffen.”

      Aus meiner Sicht wäre es dabei für die Europäische Union fatal, sich erneut in technologische und industrielle, damit auch wirtschaftliche und politische Abhängigkeit von China und den USA zu begeben. Deswegen plädiere ich für das demokratisch-dialogische Open Source-Fediversum und einen schnelleren Ausbau digitaler Souveränität.

  13. @Michael 22.11. 16:37

    „Deswegen plädiere ich für das demokratisch-dialogische Open Source-Fediversum und einen schnelleren Ausbau digitaler Souveränität.“

    Praktischerweise am besten gleich die ganze IT mit offener Software betreiben? Die ganze Welt außer China und den US-Digitalkonzernen wird sich sehr drüber freuen. Entsprechend wäre das nicht nur ein EU-Projekt, sondern ein wirklich globales Projekt.

    Hardware, die dazu ungeeignet ist, wird man dann einfach gar nicht mehr kaufen?

    Und kann jetzt nicht sogar die KI selber programmieren? Selbst recht undurchsichtig könnte die KI aber sehr gut durchsichtige Programme schreiben. Wenn das wirklich gut funktioniert, dann geht das alles noch viel schneller.

    Ich bin für Transparenz, wenn ich am Computer arbeite. Gimp, Openoffice, Apache, Firefox, Filezilla und Wikipedia am liebsten auf meinem Linuxrechner nutze ich täglich. Und das funktioniert, auch wenn es z.B. von Adobe Profiprogramme gibt, die vermutlich mehr Funktionalität anbieten. Aber ich komme mit den transparenten offenen Lösungen sehr gut hin.

    Verschiedene Webseiten wie etwa Spektrum.de könnten, wenn sie wollen, auch ihre Quelltexte offenlegen. Ich selber könnte das mit meinen Webseiten auch tun, und jeder könnte dann sehen, ob ich z.B. Daten von meinen Lesern nutze und was damit u.U. passiert.

    Neben endlich mal hinreichend Transparenz würde sich auch eine offene Kultur von Software aller Art etablieren, wo man sich im Handumdrehen die Lösungen kostenlos heraussuchen kann, die man z.B. für die eigene Webseite brauchen kann. So muss nicht jeder für sich selber wurschteln, und hat alle aktuellen Lösungen kostenlos in Reichweite.

    Anstatt hier jeder alles immer wieder neu programieren muss, haben wir dann einen Fundus, aus dem man sich bedienen kann. Und mit der eingesparten Zeit kann man dann was Neues bauen, und das dem Fundus hinzufügen.

    Die EU könnte dann dafür was bezahlen, wenn das was Neues ist, dass allgemein zu gebrauchen wäre. Und wenn man mit KI beim Programmieren unterstützt wird, dann geht das immer schneller. Eventuell sind hier dann auch relativ endgültige Lösungen Sicht, denen kaum noch was hinzuzufügen wäre.

    Selbstfahrsysteme, humanoide Roboter und noch ausgefeiltere LLM-Systeme wären aktuell geeignet, gleich alles in offener Software aufzulegen.

    Und zukünftige noch mächtigere KI, die sogar eigenes Bewusstsein entwickelt, erst recht. Das könnte schlichtweg zu gefährlich werden, wenn große Konzerne so was bauen, ohne dass man weiß, was da genau programmiert worden ist. Man weiß dann auch gar nicht, welche Risiken da eingegangen werden, nur damit es funktioniert.

    Und es ist eben weder den US-Konzernen noch den Chinesen zu trauen. Versteckte Software sollte man grundsätzlich nach Möglichkeit jetzt schon einfach nicht nutzen, insbesondere wenn es Alternativen für ein Projekt gibt.

    • Herzlichen Dank, lieber @Tobias – ich finde es wirklich stark und beispielhaft, wie sehr Du Dich für FOSS-Software engagierst! Denn tatsächlich zeigen ja auch die US-Sanktionen gegen die Richterschaft (!) des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, wie sehr wir uns auch EU-staatlich in die Abhängigkeit von US-Konzernen begeben haben!

      “Über digitale Souveränität ist in den vergangenen Wochen in Europa viel diskutiert worden, zuletzt während eines deutsch-französischen Gipfeltreffens in Berlin. Wie stark die Abhängigkeit von den USA im Digitalbereich tatsächlich ist, bekommt aktuell ein französischer Richter zu spüren. Nicolas Guillou ist als einer von sechs Richtern und drei Staatsanwälten des Internationalen Strafgerichtshofs (International Criminal Court, ICC) von den USA im August mit Sanktionen belegt worden. Seine aktuelle Situation sei wie eine digitale Zeitreise zurück in die 1990er, vor dem Internet-Zeitalter, schilderte er jetzt in einem Interview.”

      https://www.heise.de/news/Wie-ein-franzoesischer-Richter-von-den-USA-digital-abgeklemmt-wurde-11087453.html

      Zu diesem Übergriff auf die internationale und europäische Gewaltenteilung kommt, dass sich ja auch ein Großteil unserer politischen, wirtschaftlichen und militärischen Daten auf US-kontrollierten Clouds befindet und beispielsweise im Falle eines Konfliktes um Grönland gegen die Europäische Union verwendet werden könnte. Kein Wunder, dass gerade auch Dänemark versucht, diese US-Vorherrschaft möglichst schnell zu beenden. Unter den deutschen Bundesländern erlebe ich dabei Schleswig-Holstein als inhaltlich überzeugend:

      “Während viele Bundesländer noch zögern oder auf bewährte, aber proprietäre Lösungen setzen, geht Schleswig-Holstein einen eigenen, mutigen Weg: Mit seiner „Open Innovation und Open Source Strategie“ rückt das Land digitale Unabhängigkeit konsequent in den Mittelpunkt.

      Ziel ist der Aufbau einer nachhaltigen, sicheren und transparenten IT-Infrastruktur auf Basis offener Standards. Der Einsatz von Open-Source-Software ist dabei nicht nur eine technische, sondern vor allem eine strategische Entscheidung hin zu mehr digitaler Resilienz und Kontrolle über zentrale Systeme. Langfristig sollen Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gleichermaßen von offenen und flexiblen IT-Lösungen profitieren.”

      https://wtsh.de/de/von-digitaler-souveraenitaet-zu-digitaler-resilienz

      Schon vor Jahren warnte ich ja vor der digitalen Radikalisierung von Elon Musk, der mit X und der KI-Grok den digitalen Raum in den Rechtsdualismus und Antisemitismus zu verschieben versucht. Dass er nach geposteten Solidaritätsadressen für das Regime des Iran inzwischen auch offen antisemitische Hetzer wie Nick Fuentes wieder auf X zugelassen hat, sollte jede Demokratin und jeden Demokrat beunruhigen. Auch Donald Trump wendet sich mehr und mehr von früheren Verbündeten ab. Dazu postete ich auf Mastodon:

      Dass sich #Trump mit erklärten Antisemiten wie #Ye & #NickFuentes zum Dinner traf, überraschte nur jene, die die Gefahren der #Rechtsmimesis & also #Rechtsdualismus nicht wahrhaben woll(t)en.

      Dass ihr #MAGA – Idol nach der #Bromance mit dem Kronprinzen von #SaudiArabien nun aber auch den den neu gewählten Bürgermeister von #NewYork Zohran #Mamdani im Weißen Haus feierte, verwirrt gerade viele.

      Im #Fossilismus geht es um Macht & v.a. Geld, nicht um Überzeugungen. #USA

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115593312009475177

      Meinen Studierenden am KIT habe ich die Notwendigkeit für digitale Souveränität immer wieder so erklärt, dass wir bei 20 europäischen, kleineren und spezialisierten KI-Anwendungen noch die Kontrolle behalten würden, während eine aus den USA oder China kontrollierte Konzern-AGI uns manipulieren und kontrollieren würde.

      Kommende Woche haben wir ja auch eine dialogisch-öffentliche Folge von “Blume & Ince” zum Thema geplant:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/vernunft-ki-demokratie-gegen-die-groesste-luege-im-dialog-mit-barbara-traub-inan-ince-der-stiftung-weltethos/

      Und wenn mir der links-selbstgerechte Oberlehrerinnenton von Sarah Bosetti auch bisweilen auf die Nerven geht, so möchte ich ihre Folge “Die Macht der KI | BOSETTI LATE NIGHT mit Collien Fernandes und Marc-Uwe Kling” doch empfehlen:

      https://www.youtube.com/watch?v=Y2cRkuHUThI

      Dir Dank für Dein FOSS-Linux-Engagement und herzliche Grüße, lieber @Tobias!

    • Lieber @Tobias Jeckenburger,

      ich bin ganz angetan von Ihrer Vision einer Welt, in der digitale Souveränität gelebt wird! Danke für die vielen Ideen! Ich muss für mich sagen, dass ich noch nicht ganz dort angekommen bin, mich aber mit Fediversum, ersten Schritten in Linux und Open Office zumindest schon auf den Weg gemacht habe.

      Mich frustriert aber das mangelnde Problembewusstsein in der Bevölkerung. Spreche ich Leute im täglichen Umfeld auf Mastodon an, schaue ich meist in ratlos blickende Gesichter. In der vermeintlich progressiven Szene der Kunstschaffenden ist es üblich und wenig hinterfragt, den eigenen Content in den Silos der Werbeplattformen von Meta zu vergraben – vermeintlich wegen der “Reichweite”, aber so eben nicht frei verfügbar für Menschen, die sich dort nicht registrieren möchten. Schlimmer finde ich, dass Politikerinnen und Politiker ausschließlich über den Meta-Konzern die soziale Interaktion mit der Bevölkerung gestalten. Das ist schon fast fahrlässig – und naiv, “digital naiv“, wie ich gleich erläutere.

      Zur digitalen Souveränität hier ein sehr guter Artikel von Christian Schwägerl (@christianschwaegerl@mastodon.social).

      Dort prägt er – in Anlehnung an und Abgrenzung von “digital natives” – den Begriff von der grassierenden “digitalen Naivität”.

  14. @Peter Gutsche 23.11. 14:25

    „In der vermeintlich progressiven Szene der Kunstschaffenden ist es üblich und wenig hinterfragt, den eigenen Content in den Silos der Werbeplattformen von Meta zu vergraben…“

    „Schlimmer finde ich, dass Politikerinnen und Politiker ausschließlich über den Meta-Konzern die soziale Interaktion mit der Bevölkerung gestalten.“

    Ich kenne jetzt nur Mastodon, ob das hier weiterhilft, weiß ich nicht. Ich selber diskutiere lieber hier auf scilogs, Mastodon ist mehr zu schnelllebig. Facebook und Co habe ich von Anfang an abgelehnt, der Schnelllebigkeit und der Newsfeeds wegen. Und für meine Kunst habe ich meine eigene Webseite geier-wg.de/jeckenburger, und für den Text introspektiva.de. Wie groß die Reichweite dabei ist, weiß ich so genau gar nicht.

  15. Starker Beitrag, der zeigt, wie eng Wasserkrise, Verantwortung und Alltag zusammenhängen. Mir hilft so ein „Raumschiff-Erde“-Blick sogar bei banalen Dingen: Selbst Sportseiten sprechen inzwischen öfter über Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung. Das macht das Thema greifbarer im Alltag.

    • Vielen Dank, @Derek 🙏

      Das Griechische Oikos wie in Ökomomie und Ökologie und das Hebräische Beth wie in Be’reschit (“Im Anfang”, den ersten Worten der Tora & Bibel) stehen jeweils für Haus. Darüber schrieb ich ausführlicher in “B wie Berlin”:

      Beeindruckt haben mich dabei Worte von Harrison Ford, damals zum Amazonas:

      https://www.youtube.com/watch?v=0SBXE0W7eQ0

      When a room in your house is on fire,
      you don’t say there’s a fire in a room in my house.
      You say my house is on fire.

      And we only have one house.

      Auf Deutsch:

      Wenn ein Raum in deinem Haus brennt,
      dann sagst du nicht,
      dass es in einem Raum in meinem Haus brennt.
      Du sagst, mein Haus brennt.

      Und wir haben nur ein Haus.

      Und das gilt für den eurasischen Gürtel einschließlich des Nahen und Mittleren Ostens ebenso. Die Klima- wird zur Wasserkrise. Es brennen nicht Räume. Es brennt das Haus.

  16. Wenn ein Raum in deinem Haus brennt,
    dann sagst du nicht,
    dass es in einem Raum in meinem Haus brennt.
    Du sagst, mein Haus brennt.

    Und wir haben nur ein Haus.
    (Ende der Zitation)

    NUR wenn ich ein “Immer- Rechthaber” bin , habe ich auch mit allem , was ich jetzt und zukünftig sage , recht. Und niemand kann und darf das dann anzweifeln.

    Einfacher: Harrison Ford kann also nur dann recht haben, wenn er beweisen kann, das mein Haus gerade jetzt (schon) brennt.

    Kann er das nicht, müsste er eigentlich mit seinen eventuellen Rechthabereien etwas vorsichtiger sein. Tut er das nicht , dürfte man ihm eben mit Fug und Recht tasächliche “Rechthaberei” vorwerfen.

    Also Vorsicht mit den volkspädagogisch -didaktisch “überwältigenden” Gleichnissen. Das darf doch nur der Herr Pfarrer, weil es ihm von der obersten Weisheit offenbart worden ist.
    Und (bzw. doch) für Lehrer gilt übrigens ein “Überwältigungsverbot” in Bezug auf Äußerungen mit (direkt) politischem Bezug. Und wie stehts diesbezüglich mit der “Überwältigung” durch Wissenschaftskommunikatoren ?

    Oder durch den (politischen) Journalismus? Ich fühle mich inzwischen fast täglich durch ARD (als täglicher Konsument vom DLF und der Tagesschau ), ZDF und die meisten Presseerzeugnisse schon mehr als überwätigt. Wenn nicht sogar ver- ge- wältigt.

    • Ja, @little Louis – dass Sie sich von Harrison Ford, Pfarrern, Wissenschaftlerinnen sowie Journalistinnen und Journalisten bedroht und „schon mehr als überwältigt“ fühlen, überrascht hier niemanden. Gleichzeitig betteln Sie jedoch um die digitale Aufmerksamkeit der Menschen und Institutionen, von denen Sie sich verfolgt wähnen.

      Feindseliger Dualismus ist übrigens weder stabil noch gesund, kann zu Empörungssucht führen.

      Ihnen einen schönen Abend! 🙏🙌

  17. @Mainstream

    Ist ein Rentnerehepaar auf der Autobahn unterwegs. Da kommt im Radio die Meldung, es wäre ein Geisterfahrer unterwegs. Sagt der Fahrer zu seiner Frau: „Wie, einer? Hunderte.“

    Wenn man eigene Ansichten hat, muss man sich m.E. vom Mainstream nicht wirklich stören lassen. Wo der Mainstream aber doch recht hat, liegt man dann selber eben verkehrt. Diese Möglichkeit muss man bei aller Meinungsfreiheit eigentlich ernst nehmen.

    Zumal ist die Wissenschaftskommunikation und seine Grundlage, die Wissenschaft selbst, nicht einfach irgendeine Propaganda, wie sie z.B. die DDR-Medien zu ihrer Zeit verbreitet haben.

    Es heißt ja auch, man hat zwar das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht unbedingt das Recht auf eigenen Fakten. Und Fakten können nun mal weit mehr als subjektive Meinungen sein. Welche Fakten von wem anerkannt werden und warum, ist entsprechend interessant.

    Das mag Gründe haben, die sich weit jenseits der eigenen Wahrhaftigkeit abspielen.

    • Vielen Dank, @Tobias – und inhaltliche Zustimmung. Das Mainstream-Motiv, nach dem Mehrheitsmeinungen in einer Demokratie immer falsch lägen bzw. von Superverschwörern gelenkt würden, ist sachlich falsch und dualistisch.

      So bewege ich mich wohl in den meisten Fragen durchaus im Mainstream, vertrete aber als Solarpunk für die post-fossile Energiewende auch eine Position, die in Politik und Wirtschaft noch in der Minderheit ist. Und ich tue dies öffentlich, sowohl in Publikationen wie auch am 9.11.2023 im Landtag von Baden-Württemberg 🇩🇪🇪🇺:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/im-landtag-bw-gegen-antisemitismus-meine-rede-zum-9-11-2023/

      Heute Morgen zitierte ich auf Mastodon einen Post und Bericht über den schnellen Ausbau von Photovoltaik in der Ukraine 🇺🇦 mit folgender Einleitung:

      Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?

      #Solarenergie ist #Friedensenergie , weil sie die Finanzierung fossiler Diktaturen stoppt. Sie ist #Wohlstandsenergie , weil sie günstig ist und die Wertschöpfung im Inland erfolgt. Und sie ist #Sicherheitsenergie , weil dezentrale Erzeugung, Netze & Speicher eine höhere #Resilienz auch gegen Angriffe aufweisen.

      Deswegen verbindet die #Solarpunk – Bewegung für #Erneuerbare den Schutz von #Mitwelt , von #Menschen & auch von #Wohlstand & #Sicherheit ! #EU #Ukraine

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115625657848600563

      Wenn die Bedeutung der post-fossilen Energiewende dann eines Tages Mainstream geworden ist, werde ich mich als Christ und Demokrat, als Wissenschaftler und Blogger sehr darüber freuen. 🌞

  18. @Netzstabilität

    In der Tat wäre man mit Dachsolaranlagen mit Kurzfristspeicher direkt am Wechselrichter nicht nur in der Lage, seinen eigenen Solarstrom komplett selbst zu verbrauchen, was dann jegliche Durchleitungsgebühren einspart.

    Mit der richtigen Software müssten sich ein eigener Inselbetrieb realisieren lassen, und allein aus vielen dieser Systeme lokale Stromnetze spontan betreiben und stabilisieren lassen. Sogar im Krieg hat man so zumindest lokal noch Strom.

    Und wenn die Großkraftwerke wieder repariert sind, können die auch wieder ins laufende Netz einspeisen, das aber die ganze Zeit auf niedrigem Niveau weiterlaufen konnte.

  19. “…..Dualismus ist übrigens weder stabil noch gesund, kann zu Empörungssucht führen….” (Zitatende)

    Recht herzlichen Dank.
    Mit solcher mehr oder weniger gut gemeinten Suchtprophylaxe liegen mir aber schon die (mehr oder weniger regierungsamtlichen) Damen und Herren aus dem Umfeld einer Pia Lamberty seit fast zehn jahren in den Ohren.

    Als Demokrat hab ich aber mal (als das noch als demokratisch galt)
    gelernt, dass das “sich Empören” über die Obrigkeit dann zur Bürgerpflicht eines Demoktaten gehört, wenn der freiheitlich- demokratisch gesinnte Bürger GLAUBT, dass (nicht nur) die regierungsamtliche Obrigkeit etwas Empörendes (öffentlich oder heimlich) im Schilde führt.

    Leider aber wird mir das Ausführen dieser grundgesetzlich garantierten und sogar geforderten Bürgerpflicht immer wieder “lambertynisch” mit Warnungen bezüglich möglicher psychiatrischer Divergenz ganz und gar madig gemacht.

    Hab mal gehört, dass im Stalinismus und sogar beim “Großen (östlichen) Führer” zeitweilig mit ähnliche Methoden gegen Abweichler von der Parteilinie vorgegangen geworden sein soll.
    Wie diskursiv verzweifelt muss man sein, wenn man sich “hinter Glaswänden”
    (= Anspielung) solcher “Argumente” bedient.

    • @little Louis

      Wenn Ihnen selbst nicht (mehr) auffällt, wie schnell Sie sogar bei freundlichem Widerspruch vor allem durch Frauen in den Stalinismus-Verdacht übergehen, dann kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen.

      Auch ich habe Ihnen ja nun wirklich oft genug gesagt, dass ich Ihre Selbstverzwergung, Ihre offensichtlich verbitterte Opferrolle und schließlich Ihr Abdriften in einen trolligen Dualismus bedauere. Aus meiner Sicht könnten Sie das deutschsprachige Netz ja auch konstruktiv beflügeln, haben sich aber leider anders entschieden.

      Das ist schade und in der x-ten Wiederholung auch einfach gähnend langweilig. 🤷‍♂️

  20. @Widerspruch

    Wie man mit widersprechenden Meinungen wie auch widersprechenden echten und vermeintlichen Fakten umgeht, ist wohl recht interessant.

    Wenn ich mich jenseits des wissenschaftlichem Mainstreams bewege, da sollte es mich wenig wundern, hier auf Widerspruch zu stoßen. Wenn ich selber eben eher seltene Ansichten habe, sollte mir das auch bewusst sein. Wenn ich gute Gründe für meine abweichende Meinung habe, dann behalte ich die dennoch, aber mir muss eben klar sein, dass andere das eben anders sehen, und ich vielleicht auch unrecht habe.

    Aus dem Mainstream einfach eine Verschwörung basteln ist es aber echt nicht, selbst dann, wenn der Mainstream jetzt wo wirklich falsch liegt.

    Auch hier einfach echte Fakten zum Fake zu erklären, ist es auch überhaupt gar nicht.

    Widersprechende Interessen gibt es jetzt auch noch. Wenn Atomphysiker pro Kernenergie argumentieren, dann könnte es ja tatsächlich möglich sein, dass die mit entsprechenden Kraftwerken ganz gute Arbeitsplatzchancen in der Branche hätten.

    Aber man sollte hier auch realistisch sein, und keine Interessenkonflikte vermuten, die in Wirklichkeit dann doch keine sind.

    Inwieweit man jetzt Intoleranz tolerieren kann, und wo das nicht mehr sinnvoll ist, ist eigentlich auch eine gute Frage.

    Das ist wohl eine Frage der zugrunde liegenden Wirklichkeiten, und von der Art und Weise, wie wahrhaftig die Widersprüche jetzt wirklich vorliegen. Offensichtliche Desinformation sollte nicht medial verbreitet werden, und aggressives Verhalten nicht noch gefördert werden. Letztlich sollte womöglich kriminelles Verhalten nach Möglichkeit auch strafrechtlich verfolgt werden. Also Beleidigung, Verleumdung und Bedrohung, wie auch die Aufforderung zu oder Unterstützung von Straftaten.

    • Vielen Dank für den erkenntnistheoretischen Druko, @Tobias 🙏

      Du schriebst:

      Wie man mit widersprechenden Meinungen wie auch widersprechenden echten und vermeintlichen Fakten umgeht, ist wohl recht interessant.

      So ist es, ja: Die menschliche Psychologie ist vor allem auf Mimesis (Nachahmung & Gruppenzugehörigkeit) evolviert und kaum auf die Wahrnehmung von Wissenschaft.

      So erlebe ich immer wieder, dass nicht nur Befunde zur Klima- als Wasserkrise immer wieder geleugnet werden, sondern auch solche zur Demografie.

      Und ganz aktuell eskalieren die Übergriffe von Rechtsdualisten gegen Wikipedia, so dass ich zum 29.11.2025 postete:

      Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?

      Hassnachrichten bekomme ich seit Jahren täglich. Doch diese Woche wetterte 1 Pro – #Musk – Rechtsdualist erstmals auch gegen meine Unterstützung von #Wikipedia & Mitgliedschaft bei @wikimediaDE.

      Du weißt bestimmt, warum der mit #Tesla scheiternde #X er u.a. mit #Grokipedia gegen Wikipedia als Teil des #Fediverse vorgeht?

      Wenn das #Fediversum fiele, könnten wenige #Medienkonzerne und ihre #KI – Bots auch die mediale Realität kontrollieren…

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115631924549743065

      Der Kampf um das Fediversum ist auch ein Kampf um Meinungsfreiheit, Dialog – und Wahrheit.

      Wenn ich mich jenseits des wissenschaftlichem Mainstreams bewege, da sollte es mich wenig wundern, hier auf Widerspruch zu stoßen.

      Genau so ist es, denn der wissenschaftliche Mainstream ist niemals perfekt, aber zunehmend von interdisziplinärem Konsens geprägt. Und wir sind nicht alle doof.

    • Vielen Dank für den erkenntnistheoretischen Druko, @Tobias 🙏

      Du schriebst:

      Wie man mit widersprechenden Meinungen wie auch widersprechenden echten und vermeintlichen Fakten umgeht, ist wohl recht interessant.

      So ist es, ja: Die menschliche Psychologie ist vor allem auf Mimesis (Nachahmung & Gruppenzugehörigkeit) evolviert und kaum auf die Wahrnehmung von Wissenschaft.

      So erlebe ich immer wieder, dass nicht nur Befunde zur Klima- als Wasserkrise immer wieder geleugnet werden, sondern auch solche zur Demografie.

      Und ganz aktuell eskalieren die Übergriffe von Rechtsdualisten gegen Wikipedia, so dass ich zum 29.11.2025 postete:

      Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?

      Hassnachrichten bekomme ich seit Jahren täglich. Doch diese Woche wetterte 1 Pro – #Musk – Rechtsdualist erstmals auch gegen meine Unterstützung von #Wikipedia & Mitgliedschaft bei @wikimediaDE.

      Du weißt bestimmt, warum der mit #Tesla scheiternde #X er u.a. mit #Grokipedia gegen Wikipedia als Teil des #Fediverse vorgeht?

      Wenn das #Fediversum fiele, könnten wenige #Medienkonzerne und ihre #KI – Bots auch die mediale Realität kontrollieren…

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115631924549743065

      Der Kampf um das Fediversum ist auch ein Kampf um Meinungsfreiheit, Dialog – und Wahrheit.

      Wenn ich mich jenseits des wissenschaftlichem Mainstreams bewege, da sollte es mich wenig wundern, hier auf Widerspruch zu stoßen.

      Genau so ist es, denn der wissenschaftliche Mainstream ist niemals perfekt, aber zunehmend von interdisziplinärem Konsens geprägt. Und wir sind nicht alle doof.

  21. @ Jeckenburger / little louis

    Das Synonym zu Widerspruch ist der Kontrast.

    Gerade heute morgen sah ich eine Sendung von ZDFinfo zu globalem Reichtum. Die Industriealisierung wurde zur Lebensgrundlage Natur kritisch gesehen; sogar zerstörerisch.
    Dann schalte ich um zu Miosga und höre weitere industrielle Wachstumsphantasien zur Rente.
    Das passt doch alles nicht mehr.
    Da ist Widerspruch und Kontrast zwischen links, rechts, konservativ und grün.
    Warum ist das so?
    Warum gilt nur die jeweilige Perspektive?
    Warum die jeweilige Perspektive durchsetzen?
    Auch Putin, Xi, Orban und Trump usw. wollen sich nur durchsetzen.
    Ist Durchsatz das Problem?
    Nicht nur politisch, sondern auch prozessual im Gelddurchlauf?
    Es passt doch alles nicht mehr. Thermodynamisch schon lang nicht mehr.
    Ich habe massiv den Eindruck, wir verdiskutieren und verkalkulieren uns mit dem Leben.
    Exklusivität vor Langeweile.
    Langeweile und Müssiggang kann so inspirierend sein.

    • Danke, @Mussi – und Zustimmung!

      Habe just heute Morgen auf Mastodon zum fossilen und demografischen Widersinn ewiger Wachstumsverheißungen gepostet:

      Eine noch wenig beachtete Folge von #Demografie besteht im Einbruch der #Exportwirtschaft: Auch etwa #Deutschland & riesige Länder wie #China verzeichnen mangels Nachwuchs zu wenig Binnen- #Nachfrage & drücken ihre Überschüsse an Autos, Maschinen, Elektronik usw. daher in den #Weltmarkt. Schon setzt eine Eskalation von #Zöllen ein.

      Und erste, mutige Stimmen fragen, wie viele Menschen denn noch wirklich in #Asien leben – ggf. sehr viel weniger als “offiziell” gemeldet!

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115643526409453656

      Zum Umdenken ist es wirklich höchste Zeit. Beobachte und meine ich.

  22. @ Blume

    Ja, wir haben einen enormen Dissens zwischen ökonomischer Theorie und ökologischer Praxis.
    Trotz oder wegen Darwin.

  23. @Mussi 01.12. 17:44

    „Ich habe massiv den Eindruck, wir verdiskutieren und verkalkulieren uns mit dem Leben.“

    Wir überschreiten längst stellenweise sinnvollen Konsum, und nähern uns flächendeckend dessen, was echt genug des Wohlstands ist. Noch gibt es eine Energiewende zu erarbeiten, und ein Großteil der Weltbevölkerung hat in der Tat immer noch Nachholbedarf, und damit sind dann durchaus Wachstumsvorgänge sinnvoll.

    Aber das haben wir hier in Deutschland nicht zu leisten, dass müssen die selber machen. Wir können das nur fördern, und insbesondere unseren Wissensvorsprung abbauen und alles freigeben, was man hier nicht mehr explizit für sich alleine braucht. Die KI macht dann den Rest, und bietet allen Menschen dieses Planeten ausgiebige Bildungschancen.

    Die noch armen Menschen brauchen einfach nur ein Minimum an verlässlichem billigen Strom, und genug Freiheit, das ganze Internet nutzen zu können. Bei den entsprechenden IT-Geräten kommt man wohl oft mit gebrauchter Ware aus den reichen Ländern aus. Die Software können die wohl bald dann auch schon selber. Mein Linux, dass ich täglich nutze, basiert auf Ubuntu, dass in Afrika geschrieben wurde. Das ist nicht nur transparent, kostenlos und recht sicher, es braucht auch nur 10 mal weniger Rechnerressourcen als ein vergleichbares Windows. Und leistet im täglichen Einsatz das meiste flott und zuverlässig.

    Wenn das alles funktioniert, dann geht es zumindest in Deutschland auch bald mit deutlich weniger Arbeit. Ich vermute, dass das ziemlich vielen inzwischen eigentlich ziemlich recht wäre. Und mehr Kinder wären dann auch deutlich näherliegender.

    Es macht bei uns hier zunehmend keinen Sinn mehr, die gewohnten Umsätze und eine angestrebte Vollbeschäftigung zu suchen. Ich vermute, dass das anders einfach besser geht. Die Grenzen dieses Planeten sind ziemlich endlich, aber das was ein Mensch wirklich braucht auch. Beides passt offenbar auch bei 9 Milliarden Menschen eigentlich gut zusammen.

    Technik kann uns hierbei helfen, keine Frage. Und die ganze Grüne Technik ist letztlich sogar unverzichtbar. Ohne dem geht es mit Sicherheit gar nicht vorwärts. Und wir werden tatsächlich noch zum Industriemuseum.

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