Trauer um die Opfer in Nizza – Was jede(r) gegen Krieg und Terror tun kann

Gerade eben erfahre ich von meinen Kindern, dass es einen weiteren, furchtbaren Anschlag in Nizza gegeben hat. Brutale Gewalt am Nationalfeiertag unseres Nachbarlandes Frankreich, darauf ausgerichtet, Angst und Schrecken zu verbreiten und weitere Eskalationen auszulösen. Mich bedrückt die Trauer um die Opfer von Nizza, wie zuvor auch um die Opfer in Istanbul und Bagdad. Der terroristische Wahnsinn hört nicht auf und wird uns womöglich noch jahrelang begleiten. Allen Angehörigen und Freunden der Opfer gilt mein tief empfundenes Beileid. :-/

Und gerade erst Mittwoch hatte ich in Filderstadt auf Einladung von integra e.V. über das Thema gesprochen und auf Basis der Irak-Erfahrungen & wissenschaftlichen Reflektionen der letzten Jahre auf die Frage geantwortet, ob und was jede(r) von uns gegen die Kriege und den Terror ausrichten kann…

VortragMichaelBlumeFilderstadtVortrag und Diskussion zu Krieg und Terror am 13.7.2016 in Filderstadt. Foto: Zehra Blume

1. Ölverbrauch reduzieren.
Mit jedem Liter Öl finanzieren wir autoritäre Rentierssysteme wie Saudi-Arabien, Syrien, Russland, Venezuela, Nigeria, aber indirekt auch Daesh (den sog. „Islamischen Staat“) und lybische Milizen, jeweils samt Waffenhandel. Wo immer einige Gruppen die Ölquellen kontrollieren, entstehen schnell autoritäre, korrupte und gewaltbereite Systeme – der „Fluch des Öls“ vergiftet Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und auch Religion(en). Deswegen ist die Energiewende weg von den fossilen Rohstoffen die beste Demokratie- und Friedensförderung!

2. Gegen Verschwörungsglauben ankämpfen.
Alle – ja, ausnahmslos alle! – extremistischen Gruppen dieser Welt glauben, sich gegen weltweite Superverschwörungen zu „verteidigen“. Das gilt für religiöse Fundamentalisten ganz ebenso wie für Rechts- und Linksextreme. Wer z.B. an die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ glaubt, ist – ob Muslim oder AfD-Mitglied – nicht in der Lage, am demokratischen Dialog teilzunehmen. Leider erfährt der Verschwörungsglauben durch die neuen Medien derzeit einen enormen Aufschwung, auch Daesh arbeitet nicht zufällig massiv über das Internet. Auch hier kann jede(r) von uns helfen, die immergleichen, verhängnisvollen Verschwörungsmythen gegen „die Juden“, „die Muslime“, „die Amerikaner“, „die Illuminaten“ usw. zu entkräften, die Menschen in Weltsichten voller Angst, Verzweiflung und schließlich oft Gewalt treiben.

Eine Welt ohne Kriege und Terror bleibt ein Fernziel. Aber wir alle können Schritte auf dieses Ziel hin leisten und der Gewalt den materiellen und ideologischen Boden entziehen. Dafür werde ich immer und immer wieder eintreten, auch im Gedenken an die Opfer von Nizza…

JesuisTerrorTrauerNach jedem Anschlag stellt sich die Frage, wie betroffen wir uns fühlen. Stumpfen wir ab oder entdecken wir, dass wir alle Bewohner eines kleinen Planeten sind?
Grafik: Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Auf der einen Seite der beeindruckende technisch-wissenschaftliche Fortschritt, der doch zeigt dass wir Intelligenz besitzen. Andererseits diese seit „Jahrtausenden“ sich zeigenden Niedrigkeiten .. „How comes“ .. Ein seltsamer Schöpfer – so es ihn denn gibt ..

  2. Eine Gewöhnung an den Terror scheint es nicht einmal in Pakistan zu geben wo Terrorakte an der Tagesordnung sind. Die Reaktionen auf den Terroranschlag in Peschawar Ende 2014, wo 140 Schüler und Lehrer einzeln von Terroristen exekutiert wurden, waren vor allem Forderungen nach härterem Durchgreifen. Das hat die pakistanische Armee anschliessend auch gemacht und dafür erhielt sie viel Zustimmung aus der Bevölkerung.
    Ähnliche Reaktionen sind auch in Frankreich zu erwarten. Solche Vorfälle geben zudem Kräften wie dem Front National von Marie Le Pen Auftrieb.

  3. Zunächst einmal müssen wir endlich aufhören, diese Taten des Irrsinns als „Terror“ zu bezeichnen und damit zu adeln. Die Täter sind stets Geisteskranke, Perverse, Versager oder Lifestyle-Mörder, denen gewisse Ideologien das Gefühl geben, daß ihre Taten einen Sinn ergeben. Genau so müssen sie auch dargestellt werden.

    Psychischer und/oder sozialer Defekt plus Ideologie – diese Mischung ist gefährlich.

    • Terroristen sind oft vernetzt und organisiert und sie bereiten sich (meist) akribisch auf die Tat vor. Geisteskranke – also Schizophrene, tief Depressive – sind dazu nicht in der Lage. Unter Terroristen gibt es viele mit kleinkriminellem Hintergrund, es gibt aber auch überproportional viele mit Ingenieursausblidung.
      Auffallend auch die Häufung bestimmter Herkunftsländer. Der Maghreb scheint eine Brutstätte für Terroristen zu sein, die nicht nur zuhause sondern auch im Westen (nun ja, Frankreich, Belgien) aktiv werden. Seltsamerweise ist Tunesien eines der wenigen demokratischen islamischen Länder – und es gibt nicht wenige Terroristen tunesischer Herkunft.
      Terror scheint überhaupt in speziellen Ökosystemen, in Terrorbrutstätten besonders gut zu gedeihen.
      Aus Sicht der Opfer mögen Terroristen Geisteskranke, Perverse, Versager oder Lifestyle-Mörder sein. Es scheint aber, dass unter bestimmten Umständen viel mehr (vor allem Junge) zu Terroristen werden können, als man gemeinhin denkt.

      • Aloha!

        Zunächst einmal müssen wir endlich aufhören, diese Taten des Irrsinns als „Terror“ zu bezeichnen und damit zu adeln. Die Täter sind stets Geisteskranke, Perverse, Versager oder Lifestyle-Mörder, denen gewisse Ideologien das Gefühl geben, daß ihre Taten einen Sinn ergeben. Genau so müssen sie auch dargestellt werden. [Tim]

        Terroristen sind oft vernetzt und organisiert und sie bereiten sich (meist) akribisch auf die Tat vor. Geisteskranke – also Schizophrene, tief Depressive – sind dazu nicht in der Lage. [Herr Holzherr]

        Beides falsch oder demonstrativ nett formuliert: Oft macht es erst die Kombination aus schwerer seelischer Störung und den bekannten Konzepten, die an dieser Stelle nicht näher erläutert werden sollen, also beides richtig.
        (Bei dediziert-dezidierten Handlungen bspw. im Auftrag des Islamischen Staates oder von El Kaida liegt aber sozusagen lupenreiner dschihadistischer Terrorismus vor.)

        Die nicht korrekte Einordung, die ja auch in Politik und Medien bedauerlicherweise in beträchtlichem Umfang geübt wird, macht die Handhabung dieser Herausforderung nicht leichter.
        Sondern auf geradezu dramatische Art und Weise kompliziert bis unmöglich.
        Diese Trauerbekundungen und diese Bekenntnisse, dass man sich so nicht im gesellschaftlichen Umgang stören ließe, wirken zumindest auf den Schreiber dieser Zeilen mittlerweile lahm, unehrlich, pflichtschuldig und Scheuklappen tragend.
        Man wird irgendwann mal konstruktiv an diese Herausforderung, die ganz absehbar dieses Jahrhundert politisch bestimmen wird, insbesondere in Europa, ran müssen; vermutlich müssen dafür andere Politiker her und auch die Medien müssen umdenken.

        MFG
        Dr. Webbaer

        PS:
        Hoffentlich klappt das mit den verschachtelten Zitaten, der Schreiber dieser Zeilen ist schon gewarnt worden, dass das hier verwendete Design dbzgl. (noch) nicht ganz freundlich ist.

      • Terroristen inszenieren ihre Taten und brauchen die Öffentlichkeit um Schrecken zu erzeugen und zugleich Sympathisanten anzusprechen. Und Terrorsympathisanten gibt es immer viel mehr als man gemeinhin denkt. Der RAF-Mord an Schleyer und Buback wurde in Deutschland sicher von hunderttausenden Sympathisanten mit klammheimlicher Freude begrüsst. Es gab sogar einen zustimmenden Nachruf, bekannt als Göttinger Mescalero

        „Meine unmittelbare Reaktion, meine ‚Betroffenheit‘ nach dem Abschuß von Buback ist schnell geschildert: Ich konnte und wollte (und will) eine klammheimliche Freude nicht verhehlen. Ich habe diesen Typ oft hetzen hören. Ich weiß, daß er bei der Verfolgung, Kriminalisierung, Folterung von Linken eine herausragende Rolle spielte.“

        Unter den 140 wegen des Mesaleros Beschuldigten (Autor war ein Deutschlehrer) waren auch 13 niedersächsische Hochschullehrer und 35 Kollegen aus dem übrigen Bundesgebiet.

        Nicht anders ist es im Umfeld des islamistischen Terrors. Der Next-Big-Future-Autor Brian Wang hat dazu eine Pew-Umfragen unter Muslimen ausgegraben und zum Artikel At least 100 million muslims have a favorable view of ISIS and over 200 million support terrorism as a tactic kondensiert.

        Dass es doppelt soviele Muslime gibt, die den Terrorismus als Kriegsform akzeptieren als Muslime, die den ISIS positiv sehen, passt sehr gut dazu wie sich Terroristen häufig in Szene setzen: Als Kämpfer, die ihr Schlachtfeld mitten in der bürgerlichen Gesellschaft wählen. Das Abschlachten von Zivilisten wird von Terroristen und Sympathisanten als gerechtfertigter Kriegsakt gesehen. Die vielen Terrorakte gegen Israel werden wohl sowohl von vielen Arabern als auch von den Israeli selbst genau so gesehen – nämlich als Form der (assymetrischen) Kriegsführung.

        Was ich damit sagen will: Es gibt mindestens hundertausend Mal soviel Terrorsympathisanten wie Terroristen. Terroristen finden Halt im Publikum, das die Sympathisanten bilden. Im Falle des Islamischen Staates finden sie auch Halt in der Existenz des islamischen Staates. Mit einiger Verzögerung wird der Terror sowohl in den muslimischen Ländern als auch hier im Westen deutlich zurückgehen, wenn der islamische Staat aufhört zu existieren – weil dann ein geistiger Rückkhalt für Terroristen verschwindet.

      • Ja, Attentäter und Verbrecher suchen oft den letzten grossen Auftritt – und der wird Ihnen durch die Medien verschafft. Die Medien sind auch mitverantwortlich für das Phänomen der CopyCat-Verbrechen und CopyCat – Attentate: Nach dem Colombine-Schulmassaker – über das es sogar Filme gibt – entstand überhaupt erst das Phänomen der regelmässig sich wiederholenden Schulmassaker. Auch der Lastwagen als Mordwaffe könnte nun häufiger zum Einsatz kommen. Es könnte ein stummer Wettbewerb darum entstehen, wer am meisten Leute mit einem Truck umbringen kann.

  4. Opa Webbaer rät in diesem Zusammenhang an dem Wesen des Islam nachzuspüren und dieses, auch wenn es vielleicht schwer fällt, anzunehmen,
    MFG
    Dr. Webbaer

  5. Wie weit ist es jetzt schon? Noch bevor klar ist, wer dieser Mensch war, was ihn trieb, in welchem Umfeld er lebte und wieso er zu solch einer Tat fähig wurde, wird er schon ganz _selbstverständlich_ zu denen sortiert, die in ihrem Wahn Menschen instrumentalisieren. M.B. nennt sich Wissenschaftler und folgt dem Spiel ohne Evidenz. Ich kann da nur den Kopf schütteln. Wir instrumentalisieren jetzt schon selbst. Ganz selbstverständlich. Passt ja in unsere Sicht.
    Wenn jemand völlig krank ist von der Welt und sein Schmerz so groß ist, dass er „es allen zeigen will“, dann ist das schlimm, unheimlich und macht sprachlos. Das M.B. dann – wie alle – anfangen zu plappern, statt zu denken, anfangen zu deuten, statt zu prüfen, anfangen zu behaupten und Schubladen zu öffnen, statt sich zu fragen und mit kühlem Kopf zu analysieren, warum jemand in so eine Situation kommen kann, lässt mich echt zweifeln!

  6. „Eine Welt ohne Kriege und Terror bleibt ein Fernziel.“
    Wissen Sie Herr Blume, ich habe in einer Welt ohne Kriege und ohne Terror gelebt. Diese Welt ist irgendwann zwischen dem Anschlag von Madrid 2004 und dem Anschlag auf den Boston-Marathon 2013 vernichtet worden. Vorher war der Terror weit weg. Man wurde vielleicht Opfer, wenn man in Urlaub in das falsche Land gefahren ist. Jetzt ist der Terror hier, unter uns.
    „Stumpfen wir ab… ?“
    Der Terror wird nie wieder aufhören. Wir werden uns an den Terror genauso gewöhnen, wie man sich in Israel an den Terror gewöhnt hat. (Ich teile, wie Sie sich sicher denken können, Ihren Punkt Nr. 2 nicht.)

    • Lieber Herr Becker,

      zwar kann ich Ihre Gefühle in der Sache nachvollziehen, doch müssten Sie mir den Hinweis auf einige Fakten gestatten: Selbstverständlich gab es auch vor 2004 in der Bundesrepublik Terroranschläge mit Toten, beispielsweise durch die sozialistisch-atheistisch argumentierende RAF.

      Ebenso zog damals bereits der rechtsextreme NSU seine Blutspur durch unser Land, wenn er auch von Medien und Sicherheitsbehörden noch nicht als Terrorgruppe identifiziert war. Stattdessen gingen sie von innertürkischen Morden („Dönermorde“!) aus…

      Auch in anderen europäischen Staaten tobten nichtreligiöse Terrorgruppen – nicht zufällig verdächtigte die damalige spanische Regierung auch lange die baskische ETA, die jahrzehntelang mordete.

      Das Problem mit Feindbildern ist halt immer, dass sie sich durch selektive Wahrnehmungen und Erinnerungen verfestigen…

      Ihnen alles Gute!

        • Wie rücksichtsvoll von der RAF und NSU, nur andere umbringen zu wollen, als gerade Sie!
          Warum sollte man auf Ihre Klagen etwas geben, wenn Ihnen politische und rassistische Morde egal sind, solange nur Sie nicht betroffen sind?

          • Dass Ihnen mein Leben am Arsch vorbeigeht, ist mir schon klar. Daher erwarte ich auch nicht, dass Sie auf meine „Klage“ etwas geben.
            Die Welt ist nicht mehr terrorfrei, und wenn Leute wie Sie oder Herr Blume so weiter machen, dann ist sie bald auch nicht mehr kriegsfrei.

          • Herr Becker,

            Sie sind reichlich unverschämt. Sie wissen nichts über mich und rechnen mich einer fiktiven Gruppe zu machen mich „mitschuldig“ für meine angeblichen Einstellungen.
            Wenn das Ihr grundsätzliches Diskussionsniveau ist, würden mich heftige Reaktionen nicht wundern.
            Wenn Sie sagen, die NSU Morden seien nicht Ihr Problem, weil diese Sie nicht töten wollen, dann bagatellisieren Sie ganz offensichtlich existentielle Gefahren. Es gibt nicht nur islamistische Terroristen. Den einen Terrorismus ablehnen, den anderen aus egoistischen, individuellen Gründen für egal halten, ist keine Haltung. Ich weiß nicht, wie Sie da eine Diskussionsgrundlage herstellen wollen.

            Dass Sie offen diskutieren wollen, nehme ich Ihnen daher nicht mehr ab. Wahrscheinlich verstehen Sie unter „offen“ diskutieren nur das freie Äußern ihrer Meinung ohne sich für ihre Position auch rechtfertigen oder Gegenargumente wahrnehmen zu müssen.

        • Peter Becker: „Die Welt ist nicht mehr terrorfrei, und wenn Leute wie Sie oder Herr Blume so weiter machen, dann ist sie bald auch nicht mehr kriegsfrei.“

          Wenn Ihnen zu links- und rechtsextremen Terrorismus nichts anderes einfällt, als das sei „nicht mein Problem“, dann ist das eine moralische und intellektuelle Bankrotterklärung Ihrerseits. Es geht hier nicht um persönliche Animositäten zwischen uns. Eine Gesellschaft kann auf Dauer nicht bestehen, wenn die Bürger sagen, ist mir doch egal, ob es Terrorismus gibt, solange er nur nicht auf mich zielt. Das haben Sie offenbar nicht verstanden.

          Was mache ich denn, dass die „Welt“ bald nicht mehr kriegsfrei ist? Woher wissen Sie denn das? Warum soll das zum Krieg führen? Klären Sie uns auf!

          • Um Ihre Frage zu beantworten: Sie sind verantwortlich, weil Sie Gefahren kleinreden und bagatellisieren, und weil Sie die Realität beschönigen, bestreiten und verschleiern.

            „Eine Gesellschaft kann auf Dauer nicht bestehen“
            Wissen Sie, dass ist hohle Phraseologie. Gesellschaften haben über Jahrzehnte mit Terror gelebt, oder leben seit Jahrzehnten mit Terror.

            Ich könnte Ihnen die Ursachen für diesen Terror nennen (Es sind nämlich nicht die, in diesem Blogpost genannt werden.), Ich werde es aber nicht tun, da die einzige Reaktion, die ich darauf ernten werde, Demagogie, Lächerlichmachung, Beleidigungen und persönliche Angriffe sein werden. Sie und Ihre Leute haben es geschafft, dass über eine existentielle Frage der Gesellschaft nicht offen diskutiert werden kann. Und die Ironie daran ist, dass gerade dadurch, dass diese Frage nicht offen diskutierbar ist, sie zu einer existentiellen Frage geworden ist.

    • Peter Becker hat in einem Punkt recht: Terror löst bei der Zielgruppe starke Angst aus – kümmert aber oft diejenigen wenig, die nicht dazugehören . Der RAF-Terror terrorisierte die Politiker, die anschliessend jahrelang sogar in der Freizeit und zuhause von Personenschützern bewacht wurden.
      Seit 1945 hat es allein in den deutschsprachigen Ländern mehr als 50 Attentate gegen Juden und jüdische Einrichtungen gegeben.
      Die Attentate kamen von rechts (DRP: Schmähungen, Hakenkreuze, etc), von palästinensicher Seite, von links (Die linksradikale Gruppe Tupamaros West-Berlin deponierte während einer Gedenkveranstaltung zum 31. Jahrestag der Novemberpogrome eine Bombe im Gemeindehaus.), vom schwarzen September, die israelische Sportler während der Münchner Olympiade), etc.
      Ich behaupte: Die meisten nicht-jüdischen Deutschen und Europäer haben diese Attentate kaum geprägt – die Juden in Deutschland und in Europa (in Frankreich gab es kürzlich mehrere Attentate) aber schon, und das bis in den Alltag hinein.
      Sollte der jihadistische Terror anhalten wird das den Alltag der Europäer, die sich als Ziel wähnen ebenfalls ändern. Das Bewusstsein, die Gedanken beim Einschlafen und Aufwachen werden andere sein.

  7. Gegen Verschwörungsglauben ankämpfen.

    ist ein wichtiges Mittel um das geistige Umfeld zu ändern in dem Terrorismus seine Basis hat. Verschwörungsmythen sind aber nur die Spitze eines weit allgemeineren Phänomens, sind sind nämlich lediglich Zuspitzungen eines schon vorhandenen Feindbildes.
    Antisemitismus und Antiamerikanismus (Antiwestliche Haltungen) sind eine wichtiger Teil dieses in muslimischen Ländern verbreiteten Feindbildes. In Iran spricht man vom grossen Teufel (USA) und vom kleinen Teufel (Israel). Iran und seine Muslime sind aber keine Terroristen, aber es gibt dort Feindbilder, die von Terroristen geteilt werden. Im terroristischen Umfeld sind antiwestliche Haltungen und Antisemitismus im Vergleich dazu noch um ein Vielfaches gesteigert. Es handelt sich aber um ein Kontinuum. Nicht wenige gut bürgerliche Araber würden zustimmen, dass es nie falsch sein kann einen Juden umzubringen. Bei dem Truck-Attentäter von Nizza fand man Bilder von Mohammed Merah (Ermordung von jüdischen Schülern und Lehrern) und von Amedy Coulibaly (Ermordung von 4 jüdischen Geiseln im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo). Doch für die Ermittler war das kein starker Hinweis auf die Radikalisierung des Truck-Attentäters. Denn solche Bilder und die Vereherung von Judenmördern findet man auch bei vielen ganz normalen Muslimen, die keinesfalls einer terroristischen Neigung verdächtigt werden.

    Dass Terroristen gegen eine Feind kämpfen und dieser Feind ihre eigene Gesellschaft oder/und auch die westliche Gesellschaft sein kann, hat wichtige Konsequenzen. Am besten ist diese in der Entwicklung der israelischen Gesellschaft zu beobachten: Sie ist durch sich wiederholende palästinensiche Attentate stark nach rechts gerückt. Viele Israeli nehmen nun gegenüber Araber überhaupt eine feindliche Haltung ein. Es gibt eine Art Rassismus gegen Araber. Denn die Attentate werden als feindliche Akte der Araber überhaupt gegen Israel interpretiert. Das gleiche droht nun der europäischen Gesellschaft. Wenn die jihaddistisch motivierten Attentate in Europa zum Teil des Alltags werden, wird sich in Europa die bereist bestehende antimuslimische Einstellung verstärken. Schliesslich wird sich die ganze Gesellschaft „israelisieren“.

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