Teilhard de Chardin, der Evolutionäre Theismus und Papst Benedikt XVI

Kein Thema hat bei "Licht der Welt", dem ersten päpstlichen Interviewbuch der Religionsgeschichte, für soviel Wirbel gesorgt wie die Ausführungen des früheren Theologieprofessors Joseph Ratzinger und jetzigen Papst Benedikt XVI. über die Erlaubnis von Kondomen. Dabei hat das Buch gerade auch aus evolutionärer und kirchengeschichtlicher Sicht Verblüffendes zu bieten.

Wenn Sie sich für die Geschichte der Evolutionstheorie interessieren, so ist Ihnen Teilhard de Chardin (1881 – 1955) sicher ein Begriff. Der Jesuitenpater war ebenso leidenschaftlicher Christ und Theologe wie er Naturwissenschaftler und Paläoanthropologe war. An der Zuverlässigkeit der Evolutionstheorie bestand für ihn entsprechend schon Anfang des 20. Jahrhunderts kein Zweifel mehr. In einer Reihe von Vorlesungen und Schriften entwarf er eine katholische Lesart des evolutionären Theismus – der Auffassung, wonach sich Gott selbst (auch) durch die Evolution offenbare und also kein Widerspruch zwischen Evolution und religiösem Glaube bestünde. Auf ihn beriefen sich später auch weitere, berühmte Denker wie der große Biologe Theodosius Dobzhansky in seinem Essay "Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Licht der Evolution".

Mit seiner katholischen Kirche und seinem jesuitischen Orden bekam Teilhard de Chardin SJ jedoch bald Ärger. Dort gab es noch massive Bedenken gegen die Evolutionstheorie. So wurde er ermahnt, schließlich mit teilweisen Schreibverboten belegt und aus Europa in die USA und nach China versandt – wo er prompt bedeutende Homo erectus-Funde machte, die die Evolution des Menschen untermauerten und dem Pater weiteren Ruhm unter Wissenschaftlern eintrugen. Hier ein Ausschnitt aus einem Film von 1980, in dem sein Provinzial Teilhard den Entscheid aus dem Vatikan überbringt.

In den vergangenen Jahren war Teilhard de Chardin wieder zunehmend bekannter geworden: Seine Schriften verbreiteten sich in immer neuen Ausgaben und Übersetzungen. Auch – aber nicht nur – kommende Generationen von Jesuiten betrachteten und betrachten ihn als Vorbild für mutiges Denken (und Fühlen) zwischen Theologie und empirischen Wissenschaften, an seine Überlegungen und Thesen wurde vielfach angeknüpft. Sein Vorausentwurf der Noosphäre, in dem sich nach der biologischen Welt (Biosphäre) nun auch die "geistige" Welt global vernetzen würde, wurde auch außerhalb der Kirche(n) als Vorwegnahme von kultureller Globalisierung und vor allem Internet aufgenommen. So konnten sich auch Protagonisten der Open-Access-Bewegung darauf berufen, mit ihrem Eintreten für frei zugängliche Informationen eine globale und nach vorne gerichtete Entwicklung zu fördern.

Verblüfft hat mich nun jedoch, dass auch Papst Benedikt XVI. den Jesuitenpater nicht nur anerkennend zitiert – sondern sich auch ausdrücklich dessen evolutionären Theismus zu eigen macht. Auf die Frage nach seinem persönlichen Glauben schließt er wie folgt – S. 197:

Gott wollte, dass wir ihn nicht nur durch die Physik und die Mathematik von Ferne erahnen. Er wollte sich uns zeigen. Und so konnte Er auch tun, was in den Evangelien berichtet wird. So konnte Er auch in der Auferstehung eine neue Dimension der Existenz schaffen; konnte über die Biosphäre und die Noosphäre hinaus, wie Teilhard de Chardin sagt, eben noch eine neue Sphäre setzen, in der Mensch und Welt mit Gott in Einheit gelangen.

Als Nicht-Theologe (sondern "nur" Religionswissenschaftler) und Nicht-Katholik (sondern "nur" Protestant) steht mir hierzu selbstverständlich kein theologisches Urteil zu. Doch mir scheint dieser Satz für die innerkirchliche Rehabilitierung des Jesuiten-Forschers und die weitere Entwicklung der katholischen Theologie im Dialog mit den Wissenschaften und insbesondere der Evolutionsforschung von einiger Überraschung und einigem Gewicht zu sein. Zumal dann, wenn man die katholischen Internet-Aktivitäten in den Blick nimmt, zu denen Aufrufe an Priester und Laien, die Einrichtung spezialisierter Werke, aber auch z.B. die Einrichtung eines eigenen Vatikan-YouTube-Channels in gleich mehreren Sprachen gehören. Und es ist m.E. auch kaum anzunehmen, dass Benedikt diese Aussagen über De Chardins evolutionäre Theologie und Zukunftshoffnung nur zufällig gemacht und freigegeben haben sollte.

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

20 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich gehe da natürlich NICHT mit

    Spannend, die Winkelzüge des Gefangenen im Vatikan, des obersten Subalternen im Gehäuse seiner Denktraditionen. Gut natürlich, dass er Lockerungsübungen versucht und dass wenigstens auf indirekte Weise de Chardin rehabilitiert wird. Und dass Leute, die auf dessen Linie denken, nicht nur denken sondern auch ihre Schriften als katholisch rechtmäßig anerkannt werden. Vermutlich hat das ja der ehemalige Theologieprofessor J.Ratzinger so ähnlich auch schon gesagt oder wenigstens gedacht.
    Auch interessant, was das teilweise Schreibverbot für T. de Chardin anbelangt: Keine naturwissenschaftliche Erkenntnis untersagt, aber jede theologische Konsequenz. Vergleichbar mit Galilei.
    Und interessant, was da Theologen über die interessanten Absichten Gottes wissen. Aber da gehe ich nicht mit. Bei Teilhard de Chardin und bei Josef Ratzinger eine merkwürdige Theologisierung der Natur.
    Ist schon eine sehr fremde Welt.

  2. Evolution von Parasiten, Viren & Co

    Zufällig kam mir gerade zu diesem Thema an diesem Sonntag eine Frage, nämlich nachdem ich folgende Szene aus der Dokumentation “Dschungelwelten” in der BBC-Serie “Planet Erde” gesehen hatte:
    http://www.youtube.com/watch?v=6Qqt1wSKyO8
    Angesichts solch schauriger Szenarien, die im Prinzip nur besonders deutlich machen, was für -aus menschlicher oder zumindest meiner Sicht- widerliche Lebensformen, Parasiten, Viren die Evolution hervorgebracht hat, frage ich mich, ob man wirklich noch behaupten will, dass die Evolution Gottes Werk sei…
    Gibt es dazu theologische Reflektionen?

    • Welch zerstörerische Gedanken hier:
      Gott hat uns geoffenbart, dass der Tod mit der Sünde der ersten Menschen in die Welt kam. Also gibt es keine wie auch immer gearteten Zeiten mit Billionen und mehr Evolutionstoten.
      Evolution und Schöpfung – beides kann naturwissenschaftlich nicht bewiesen werden. Bei der Evolution gibt es viele naturwissenschaftliche Gegenargumente (z.B. physikalische bei der Zeitbestimmung von Fossilien) und den Fakt der fehlenden Artenüberschreitung. Bei der Schöpfung gibt es keine. Warum trauen Sie dem Schöpfer nicht zu, dass Er alles in wenigen Tagen von einem Grundbauplan erschaffen hat? Würde es ein Ingenieur anders machen?
      Der Schöpfer erhält auch alles Leben (täglich, minütlich – wenn er Sein Erhalten beendet, stirbt alles, sofort). Die Evolution ist mit dem Verstand nicht vereinbar, denn warum sollte ich etwas glauben, dass den wissenschaftlichen Erkenntnissen widerspricht, wenn ich etwas glauben kann, was den wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht widerspricht und was Gott Selbst geoffenbart hat? Die Evolution wurde doch nur erfunden, damit der Mensch ohne Gott und damit ohne Sünde nach seinem eigenen Willen meist unmenschlich vor sich hinleben kann. Die Angst vor der Verantwortung und der Rechenschaft am Ende des Lebens ohne Gott ist offenbar so groß, dass um jeden Preis etwas gefunden werden muss, dass den Menschen in der Illusion belässt, dass er Gott nicht braucht. In der Stunde des Todes wird die Illusion zerbrechen und die Realität wird den Menschen ohne Gott entsetzen.
      Gott ist die Liebe. Er hat den Menschen und die Welt gut erschaffen. Die Menschen aber sind gefallen und mit ihnen die Welt. Daher kommt das Böse.

  3. @ Voß

    Gibt es dazu theologische Reflektionen?

    Ich bin kein Theologe und ich weiß nicht, was die Theologie dazu sagt, aber mir fallen da spontan zwei Bibelstellen zu ein. Vielleicht sind sie etwas aufschlußreich.

    Nach dem Sündenfall spricht Gott zu Adam: “… verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen.” (1. Mose 3,17-18)

    Der Acker ein Teil der eigentlich sehr guten Schöpfung wird verflucht. In der Schöpfung ist quasi seit dem Sündenfall der Wurm drin.

    “Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet.” (Römer 8,20-22)

  4. @ Aichele

    Und interessant, was da Theologen über die interessanten Absichten Gottes wissen. Aber da gehe ich nicht mit. Bei Teilhard de Chardin und bei Josef Ratzinger eine merkwürdige Theologisierung der Natur.

    Was meinst Du denn damit konkret?

    Ich finde, man sollte mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaft in Bezug auf die Theologie vorsichtig sein. Alles ist Stückwerk auch die Naturwissenschaft und es bringt nicht viel jedem naturwissenschaftlichen Trend hinterherzulaufen und die Theologie daran anzupassen.

  5. Evolution zum Omegapunkt?? Nein: Evolution zur Vielfalt!!

    Teilhard de Chardin missversteht die Evolution als Bewegung zum Höheren, zum von ihm Omegapunkt genannten Ziel, repräsentiert durch Jesus.

    Er instrumentalisiert damit die naturwissenschaftliche Lehre von der Evolution für eine theologische und teleologische Absicht: Er postuliert, dass dem Universum und allem was es darin gibt ein Streben nach Weiter- und Höherentwicklung inneliegt.

    Teilhard de Chardin gibt also der Evolution einen Sinn genau so wie die Schöpfungsgeschichte nicht nur unsere Herkunft erklärt sondern sie auch in einen Sinnzusammenhang einbindet.

    Doch die Evolution ist nicht zielgerichtet. Leben existiert weil es sich reproduziert und es evolviert, weil sich die Baupläne für Lebewesen spontan ändern können und nicht alle neuen und alten Varianten die gleichen Überlebenschancen haben. Was die meisten von uns als Weiter- und Höherentwicklung interpretieren ist nichts anderes als die Ausschöpfung des Möglichkeitsraumes. Es gibt komplexe Lebewesen, weil es sie geben kann und weil sie sich gegenüber einfacheren Lebewesen ein neues, noch freies Lebensumfeld erobern können. Wenn man schon philosophische Konsequenzen aus der Evolution ziehen will, dann müsste man nicht wie Teilhard de Chardin die Entwicklung auf ein Ziel hin (den Omegapunkt) als Kernpunkt der Evolution sehen, sondern die Vielfalt, die durch die Evolution geschaffen wird. Alles was lebt, hat die gleichen Rechte des Lebenden: Es kann sich fortpflanzen und Nachkommen hinterlassen, die Varianten des Originals sind. Den Omegapunkt gibt es nicht. Den gibt es nur, wenn man anfängt in niederere und höhere Formen zu unterscheiden und übersieht, dass die Evolution auch bei einfachen Lebensformen weitergeht. Teihalrd will eben nicht nur eine belebte sondern auche eine beseelte Welt “evolution is an ascent toward consciousness”,.. . Und tatsächlich hat die Evolution auch solche beseelte Wesen hevorgebracht – allerdings nicht aus Absicht sondern einfach aus einer Laune heraus, schlicht und einfach darum, weil es möglich war.

  6. @Holzherr

    “Und tatsächlich hat die Evolution auch solche beseelte Wesen hevorgebracht – allerdings nicht aus Absicht sondern einfach aus einer Laune heraus, schlicht und einfach darum, weil es möglich war.”
    Und wer setzt denn die Möglichkeiten, wenn wir in einer religiösen Perspektive bleiben?

    “Er postuliert, dass dem Universum und allem was es darin gibt ein Streben nach Weiter- und Höherentwicklung inneliegt.”
    “Was die meisten von uns als Weiter- und Höherentwicklung interpretieren ist nichts anderes als die Ausschöpfung des Möglichkeitsraumes. Es gibt komplexe Lebewesen, weil es sie geben kann und weil sie sich gegenüber einfacheren Lebewesen ein neues, noch freies Lebensumfeld erobern können. “
    Sind Sie nie auf die Idee gekommen, dass auf verschiedenen Betrachtungsebenen BEIDE Aussagen stimmen könnten? T. de Chardin würde zumindest wohl Ihren Ausführungen nickend zustimmen und trotzdem meinen Recht zu behalten.

  7. Die Seufzer der Kreatur @Sebastian Voß/@Martin Huhn

    Es gibt schon theologische Reflektionen dazu. Und ein Eckdatum dazu ist, bleibt Röm 8,20ff. Nur sowohl da als auch in der Geschichte, auf die damit als Sündenfallgeschichte Bezug genommen wird, sind die natürlich die Zeitabläufe und die Widerfahrnisse der Evolutionsgeschichte noch nicht bekannt und nicht verarbeitet. Wir können und dürfen, nachdem dies uns bekannt ist, dies auch nicht als einmaliges – theoretisch datierbares – Ereignis nehmen.
    Ich nehme es deshalb als mitfühlendes Erschrecken darüber, was Tiere und Pflanzen zu leiden haben. Und das heißt in der Folge auch, dass Menschen auch vom Gesamtzusammenhang des Leids betroffen sind (und schließlich auch an ihre entsprechende Verantwortung denken, denken müssten). Paulus in Röm 8 will festhalten: Die Welt ist nicht einfach gut. Das Vorfindliche ist nicht einfach das Ziel. Es steht eine andere Erfüllung noch aus. Es muss doch noch einmal ganz anders und ganz gut werden. Und dafür sind wir unterwegs.
    Auch die zeitlichen Abläufe des Unterwegs-Seins sind zeitlich etwas anders als Paulus es sich denkt. Seine Vor-Stellungen übernehme ich nicht wörtlich; aber die entsprechende Ein-Stellung. Dazu vielleicht noch: Wenn ich in nächster Zeit dazu predigen müsste, würde ich wohl erklären: Liebe als Gottesgabe erlöst vom Fluch des Bösen. Da können wir durch und mit Jesus beteiligt sein.
    Sicher mit eine der ausführlichsten Reflektionen dazu, die theologische Schönfärberei/Verharmlosung vermeiden, finde ich bei Eugen Drewermann, „Der sechste Tag“, Abschnitt 1: „Wie konnte Gott das zulassen…“ Gerade auch wegen dieser Frage kommt er zu einem sehr differenzierenden Gottesbegriff und sieht in ihm jedenfalls nicht den allgütigen Gesamtregulator, bei dem per definitionem alles glatt aufgehen muss. Aber das würde hier wirklich zu weit führen.

  8. Theologisierung der Natur @ Martin Huhn

    Da sehen oder ahnen sowohl T. de Chardin als auch J.Ratzinger in Naturabläufen Gottes Absichten:
    T. de Chardin hat wohl damit die Entwicklungslinien der Kosmologie und der biologischen Evolution besser in die Theologie zu integrieren versucht. Und das hat auch – mit großer zeitlicher Verzögerung – der innerkatholischen Akzeptanz naturwissenschaftlicher Erkenntnisse genützt. Insofern schon recht. Aber, wie schon Martin Holzherr festegestellt hat, instrumentalisiert er sie damit auch für theologische/teleologische Absichten.
    Nun, das ist selbstverständlich von der Naturwissenschaft her nicht anzugreifen, da gebe ich N.Hagthorpe Recht: Wenn Naturwissenschaft auch auf Teleologie verzichtet, als theologische Denkweise kann man das einbringen: der Naturwissenschaft gegenüber weitergehende Ziele (Gottes) postulieren. Aber ist es erhellend? Oder ein unnötiges Gedankenspiel? Mir wird es jedenfalls etwas schlecht, wenn ich solche päpstlichen Sätze lese wie „Gott wollte, dass wir ihn nicht nur durch die Physik und die Mathematik von Ferne erahnen … [sondern auch] in der Auferstehung eine neue Dimension der Existenz schaffen… über die Biosphäre und die Noosphäre hinaus … eben noch eine neue Sphäre setzen“. Was soll dieses „Ahnen“ und was soll diese Dimensionen/Sphärentheorie erhellen? Da weiß ein Papst mal wieder zu genau, was Gott will. Interessant, was er in Wirklichkeit über sich selbst sagt. Aber wem soll das helfen? Was würde wohl der Bauarbeiter aus Nazareth dazu sagen?!

  9. Naturwissenschaft hinterherlaufen? @Martin Huhn

    Au, Martin Huhn, da habe ich ja noch was vergessen: Naturwissenschaft und Theologie .
    Ich will ja auch gerade NICHT “jedem naturwissenschaftlichen Trend“ hinterherlaufen. Es gibt solche Theologen, die in neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen den Spalt suchen, durch den sie in den Himmel Gottes blicken können. Etwa in der Kosmologie, ob übers anthropische Prinzip oder Stringtheorie oder sonstige Feinheiten in merkwürdiger Ferne theoretischer Abstraktionen (da motzte ich ja schon über diesen Papst, der da Ahnungen hat). Oder auch, dass sie Hawking böse sind, dass er ihnen diesen Spalt verwehrt. Manche nehmen auch selber das physikalische Instrumentarium und basteln sich damit ihre eigenen Gottesbeweise (Frank J. Tipler). Und das nenne ich Hinterherlaufen. Das tut wohl weder der Physik noch der Theologie gut.
    Grob wissen, worum es in Naturwissenschaft geht, das ist wohl doch nötig – um nicht drin rum zu pfuschen. So wie ich auch grob wissen muss, wie es in einem elektrischen Haushaltsgerät aussieht, um zu wissen, wovon ich die Finger lassen muss, weil andere es besser verstehen.
    Insofern muss die Theologie nicht der Naturwissenschaft und schon gar nicht irgendeinem „Trend“ angepasst werden. Aber: Sieht eine entsprechende Erklärung der „Wunder“ nicht möglicherweise doch danach aus? Siehe z.B. das, was ich zur Jungfrauengeburt schrieb. Oder über die Adam-Eva-Geschichten. Aber ist das wegen eines Trends? Nun, es ist eine Linie, die schon im Alten Testament beginnt: Die Vorstellungen etwa über die Gestalt der Erde haben sich da schon gewandelt. Und wurden selbstverständlich wie anderes allgemeines Wissen auch mit als Vorstellungsmaterial in biblische Aussagen übernommen. (Ebenso nachbiblisch ab Ptolemäus das Wissen von der Kugelgestalt der Erde. Und so verteufelt, wie heute gern von interessierter Seite unterstellt, wurde nicht einmal das heliozentrische Weltbild, das ja inzwischen auch schon wieder überholt ist.)
    Entsprechend dieser Linie geht man in aufgeklärterer Theologie auch mit Wundern und anderen Vorstellungen der Antike um. Wenn wir da heute noch manche Behauptungen aufrecht erhalten würden, dann wäre das wider besseres Wissen. Man kann das ja normalerweise an der „Himmelfahrt“ zeigen.
    Ein entsprechender Umgang mit diesen Vorstellungen ist aber heutzutage möglich durch bessere Einblicke in die Eigendynamik der antiken Vorstellungswelt. Ich habe das ja an der „Jungfrauengeburt“ vorzudemonstrieren versucht. Ähnlich hätte ich es am „Stern von Bethlehem zeigen“ können. Jedenfalls war, wie beschrieben, die Trennung zwischen Symbol und Wirklichkeit nicht in unserer Weise möglich. Sondern die ganze Wirklichkeit wurde als symbolhaltig, symbol-durchtränkt, wahrgenommen. Und – darauf kommt es mir entscheidend an: Wir erkennen die Wahrheit der Aussagen nur, wenn wir uns von der Verteidigung ihrer Faktizität lösen und fragen, welcher Symbolwert den Leuten wichtig war. Und das wohlgemerkt nicht in Auseinandersetzung mit modernen naturwissenschaftlichen Fragen oder gar atheistischen Bestreitungen sondern mit konkurrierenden Glaubensaussagen, in konkreten lebensweltlichen Vollzügen. Es geht dabei auch nicht um die doch ziemlich äußerliche Frage, ob Gott so etwas „kann“. Schaut man genauer hin, entdeckt man in den Wundergeschichten, Mythen, Legenden… interessantere Farben.
    Da wird einem wohl die Physik, Biologie ff nicht viel weiterhelfen. Aber die Psychologie und Soziologie. Auch die Gehirnforschung. Da gibt es interessante Trends, aber ich laufe nicht jedem nach. Die Naturwissenschaft sagt ja selbst, dass ihre Ergebnisse nur vorläufig sind. Und ich akzeptiere das und übernehme das, was ich verstanden zu haben meine, in meine Vorstellungswelt – ähnlich wie (u n d hoffentlich heutzutage reflektierter als) meine theologischen Vorfahren das auch übernommen haben.

    • Wo ist jetzt der Unterschied von Theologie und Geschichtswissenschaften, wenn man den Wundern jetzt keine Realität zubilligt.

  10. Papst spricht über “Homo religiosus”

    Oha, der Papst scheint für weitere Überraschungen gut zu sein. Im Vortrag vor den Botschaftern im Vatikan sprach er nun auch explizit vom “Homo religiosus”:

    “Meine Damen und Herren Botschafter, Ihre Anwesenheit bei diesem festlichen Anlaß ist eine Einladung, den Blick über all die Länder schweifen zu lassen, die Sie vertreten, und über die ganze Welt. Gibt es in diesem Panorama nicht zahlreiche Situationen, in denen leider das Recht auf die Religionsfreiheit verletzt oder geleugnet wird? Dieses Recht des Menschen, das in Wirklichkeit das erste der Rechte ist, weil es – geschichtlich gesehen – als erstes bestätigt wurde, und das andererseits die grundlegende Dimension des Menschen angeht, nämlich sein Verhältnis zu seinem Schöpfer, wird es nicht allzu oft in Frage gestellt oder verletzt? Mir scheint, daß die Gesellschaft, ihre Verantwortlichen und die öffentliche Meinung sich heute mehr, wenn auch nicht immer in rechter Weise, dieser schweren Verwundung bewußt wird, die der Würde und der Freiheit des homo religiosus zugefügt wird und auf die ich immer wieder allgemein aufmerksam machen wollte.”
    http://www.vatican.va/…_diplomatic-corps_ge.html

    Ob Gehirn & Geist auch im Vatikan gelesen wird?
    http://www.wissenschaft-online.de/artikel/982875

    🙂

  11. evolutionärer Panpsychismus

    s.a. Godehard Brüntrup: “Der Ort des Bewußtseins in der Natur”, Thomas Nagelmüller: “Quaestio”, Plotins Konzept der intelligiblen Materie, etc.

  12. Nach dem bei mir sich meine Ex-Schülerin telefonisch meldete: Sie wäre Gott und mein Eigentum, sogar mein Sohn würde ihr gehören, wurden es immer mehr Außerkörperliche Gott-Spieler die Fremdeingreifend Geld , Gegenstände, Unterlagen, Bücher, Schmuck usw. klauten und Dinge bei mir und anderen runterwarfen, so dass Zitat: Prüfe, bevor Du etwas glaubest, von Jesus Christus notwendig ist, wie auch wie Jesus Christus, unreine Geister entfernen zu müssen. Wissen ist Notwendig sonst verarschen Religionsfanatische, oder erzeugen unsinnige Kriege.

  13. Tatsache ist, das der universelle Heilige Geist nur entscheidet, wer erleuchtet wird. Mein Besucher lief schreiend aus meines Haus als 1998 alles hell Weiß erleuchtet war und ich dann am Himmelsfahrstage meinen Seelenaufstieg erlebte, wo 2 Schülerinnen die Lichtschranken nicht passieren konnten und danach als Konkurrenz mich vernichten wollten. Es ist einfach nach dem Reinheitsgebot das eigene hohe Selbst zu erreichen um Übersicht mit Einsicht aus liebe zur Wahrheit zu bekommen. Tatsache ist, das Kneipen und Restaurants leer wurden nach dem ich diese betraten hatte und mein Schüler Thomas fragte mich, warum das so ist? Als Lichtwesen ziehe ich dunkle Wesen wie Motten an, die mir alles Geld klauten und mein Eigentum. Mit negativer Energie mich so oft erschlagen hatte, das leider viele die ich kannte nicht überlebten, sie starben, blutend aus Mund, Ohren und Nase. Als Heilerin jede menge Schwierigkeiten erleben, als Prüfung in diesem Leben, das ich mich darüber erhebe. Viele bitten mich um Hilfe, damit ich transformiere um den Leid ein Ende zu bereiten und danach sind diese Mensch viel fröhlicher und gesünder. Gottes Wille ist, das wir Gesunde glückliche Menschen sind und den Tod nie fürchten, denn den brauchen wir nicht als Ewiglebende im Licht. Bitte mit Bewusstheit dessen was jeder ist.

  14. Pingback:Der monotheistische UFO-Glauben des Erich von Däniken - Rezension der Dissertation von Jonas Richter, Göttingen » Natur des Glaubens » SciLogs - Wissenschaftsblogs

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