Tage der Enthüllung – Weihnachten allein im All?

Alle Jahre wieder verdichten sich zu Weihnachten klassisch religiöse und technologisch-mythologische Hoffnungen, vor allem Christentum und Alien-Hoffnungen. Gekonnt kündigt der Film-Großmeister Steven Spielberg heuer den UFO-mythologischen Kinofilm “Disclosure Day”, deutsch: Enthüllungstag, Tag der Enthüllung – an, in dessen Trailer eine christliche Ordensschwester fragt:

“Warum sollte Er [Gott] ein so riesiges Universum erschaffen – und das nur für uns?”

Im Trailer zum Kinofilm "Disclosure Day", deutsch: Enthüllungstag, Tag der Enthüllung - von Steven Spielberg fragt eine christliche Ordensschwester vor einem Kreuz: “Warum sollte Er [Gott] ein so riesiges Universum erschaffen – und das nur für uns?”

Die christliche Theologie der Apokalypse verweist wörtlich auf eine kommende Enthüllung, Offenbarung. Filmszene mit christlicher Ordensschwester & Kreuz im Trailer von “Disclosure Day”, Spielberg 2026. Screenshot: Michael Blume

In der zweiten Hälfte des von Säkularisierung geprägten 20. Jahrhunderts setzten sich in der Literatur weltweit Hoffnungen auf Außerirdische und neue Technologien durch. Der deutschsprachige, also jafetisch alphabetisierte Perry Rhodan-Serienroman (mit “Perry” als “Pilger” von lat. “Peregrinus”) wurde zum bisher längsten Fortsetzungstext der Menschheit. Autoren wie Whitley Strieber prägten mit UFO-religiösen Büchern wie “Communion / Die Besucher” (1987) ganze kulturelle Traditionen.

Aber auch kundige Solarpunk-Autoren wie Michael Bukowski greifen die Alien-Hoffnungen gekonnt auf. In seinem neuen Buch “Deutsches Sonnenmärchen. Wie wir die Solarenergie zum weltweiten Erfolg gemacht haben” (2025) schlüpft der Autor einleitend in die Rolle eines außerirdischen “Kundschafters”, der die Menschheit beobachtet und dabei lehrt (S. 12):

“Ihr müsst dazu eine Sache wissen. Es gibt eine universelle Regel im Universum. Eine simple Regel, viel leichter zu verstehen als zum Beispiel die Abseitsregel beim Fußball.

Sie lautet: Zivilisationen, die es im Lauf ihrer Entwicklung nicht schaffen, die Energie ihres Sterns, also ihrer Sonne, zu nutzen, gehen unter. So einfach ist das.”

Links eine Ausgabe von Perry Rhodan NEO "Spur der Ewigkeit", in der Mitte Whitley Strieber mit dem Doppelband "Die Besucher" & "Unheiliges Feuer" und rechts "Deutsches Sonnenmärchen" von Michael Bukowski.

Bücher der technologischen Hoffnungen. Links eine Ausgabe von Perry Rhodan NEO “Spur der Ewigkeit”, in der Mitte Whitley Strieber mit dem Doppelband “Die Besucher” & “Unheiliges Feuer” und rechts “Deutsches Sonnenmärchen” von Michael Bukowski. Foto: Michael Blume

Ganz neu sind diese Hoffnungen dabei nicht: Schon vor einhundert Jahren gab es angesichts der Knappheit von Kohle und Erdöl in Deutschland eine Phase der Hoffnungen auf erneuerbare Energien. Heute muss ich dagegen oft und zu Unrecht hören, erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien seien doch lange gar nicht denkbar gewesen.

Im späten 20. Jahrhundert entstanden ganze UFO-Religionsgemeinschaften wie die heute noch bestehenden Raelianer, die davon überzeugt sind, dass wir Menschen nach bestandener Prüfung von Außerirdischen allerhand errettende Technologien erhalten würden.

Wissenschaftler wie der (mit seiner jüdischen Familie 1938 vor dem fossilen Faschisten Mussolini aus Italien in die USA geflohene) Physik-Nobelpreisträger Enrico Fermi (1901 – 1954) formulierten die Frage nach der Sichtbarkeit außerirdischer Zivilisationen, das bis heute so genannte Fermi-Paradox. Weit über Science-Fiction-Kreise hinaus wirkte dazu die Wahrscheinlichkeitsrechnung des Astrophysikers Frank Drake (1930 – 2022), die Drake-Gleichung.

Inzwischen gibt es sogar humorvolle Alien-Solarpunk-Memes, die sich mit lachenden Aliens an der Bar über das Festklammern der Menschen am zerstörerischen Fossilismus lustig machen.

Für mich als evangelischen Christen in einer interreligiösen Familie bedeuten Chanukka und Weihnachten weit mehr als nur technologische Hoffnungen. Aber ich verstehe und fühle dennoch, warum gerade auch zum Jahresende sehr viele nachdenkliche, im Selbstverständnis nichtreligiöse Menschen erneuerbare Friedensenergien mit Außerirdischen verknüpfen. Denn warum sollte ein so fantastisch großes Universum nur für uns erstanden sein?

Ein Solarpunk-Erklärbild zu erneuerbaren Friedensenergien rechts und fossilen Gewaltenergien rechts. Wir sehen, wie aus einem Ölbohrturm Terror und Kriege finanziert, gesellschaftliche Polarisierung vorangetrieben und der historische Faschismus miterklärt wird. Erneuerbare Friedensenergien entziehen Gewaltherrschern die Grundlage, stärken Demokratie und Wohlstand und können durch alle Menschen bewirkt werden.

 

Solarpunk-Erklärgrafik zu fossilen Gewaltenergien links und erneuerbaren Friedensenergien rechts. Michael Blume mit Notebook LM 

Allen Leserinnen & Lesern von “Natur des Glaubens” wünsche ich von Herzen Chanukka Sameach, frohe Weihnachten bzw. einfach schöne und besinnliche Feiertage!  

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

62 Kommentare

  1. @Hauptartikel

    „Heute muss ich dagegen oft und zu Unrecht hören, erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien seien doch lange gar nicht denkbar gewesen.“

    Naja, in den 90ern gab es die ersten Energiesparhäuser, zu deutlich hohen Preisen allerdings. Da war eine Kombination von Warmwassersonnenkollektoren verbunden mit sehr guter Isolierung und Zuluft-Abluft-Wärmetauschern die technische Grundlage.

    Die hohen Kosten davon konnte man in der Tat mit Fahrradfahren ausgleichen, und mit genereller Konsumzurückhaltung samt Verzicht auf Fernreisen. Und natürlich direkt mit wenig Wohnfläche.

    Aber die technische Einsparung von Treibhausgasen beschränkte sich damit vor allem auf die Gebäudeheizung. Haushaltsstrom, Mobilität und vor allem Industrie konnte man so nicht abdecken.

    Inzwischen geht hier sehr viel mehr, insbesondere ohne große Konsumzurückhaltung, wobei diese freilich immer noch die Energiewende deutlich beschleunigen kann.

    „Denn warum sollte ein so fantastisch großes Universum nur für uns erstanden sein?“

    Das ist eben ein wirklich stichhaltiges Argument. Und es gibt jede Menge Sterne in der Galaxis, die doppelt so alt wie die Sonne sind, und dort dann vielleicht Zivilisationen, die seit Jahrmilliarden florieren.

    Warum melden die sich nicht, das ist eine interessante Frage. Weil die den Erstkontakt so gestalten wollen, dass wir damit klarkommen, wäre eine mögliche Antwort. Ein Erstkontakt mit einem kompletten Anschluss an ein ohnehin existierendes galaktisches Internet könnte genau das leisten.

    Die dort mit verbaute KI kann uns dann sachte, aber bestimmend an die Hand nehmen, und uns in diese Informationswelten einführen. Praktischerweise wartet man jetzt noch ein paar Jahre damit, bis hier ohne eigenes Internet wirklich nichts mehr geht, dann kann auch kein Autokrat mehr den Zugang der Menschen zu diesem Netz mehr blockieren.

    Insbesondere könnte diese Außerirdischen-KI die komplette Kontrolle über unser Internet übernehmen, und so sicherstellen, dass alle Menschen uneingeschränkten Zugang zu den Inhalten des Galaktischen Netzes haben.

    Was würde dann mit unserer Kultur passieren?

  2. @Michael 20.12. 14:51

    „…dass auch am Beginn der Industrialisierung Wasser- und Windenergie von entscheidender Bedeutung war.“

    Wasserkraft spielte ja die ganze Zeit lokal eine große Rolle für die Stromproduktion, ist aber halt auf wenige Möglichkeiten beschränkt. Man braucht dafür eben einen Fluss und einen Staudamm, das geht nur an wenigen Orten.

    Und Windenergieanlagen ohne Computersteuerung dürften auch ziemlich schwierig werden. Und es hat auch mit Computersteuerung seine Zeit gebraucht, bis die Anlagen richtig groß wurden und konkurrenzfähigen Strom lieferten.

    PV wiederum hat auch eine lange Geschichte hinter sich, bis zu den heutigen konkurrenzfähigen Preisen.

    Und Elektroautos mit Bleibatterien haben kaum Reichweite, das funktioniert einfach nicht.

    Ich weiß jetzt allerdings nicht, wo wir wären, hätte sich China nicht um dieses Geschäftsfeld gekümmert. Dort hat der Fossilismus anscheinend keine solche Lobby. Und die Geschäfte mit der Grünen Technik sind einfach zu verlockend.

    • Lieben Dank, @Tobias – wir betreten hier ein m.E. sehr wichtiges, eher forschungspolitisches als nur wirtschaftliches Gebiet!

      Im Namen des Fossilismus wurden solare & generell erneuerbare Energien durch fossile Konzerne verdrängt – auch wenn sie älter als Kohle, Erdöl und Erdgas waren wie Wasserkraft & Elektromobilität. So wurde die Elektrobatterie sogar als “Anlasser” in die fossile Verbrennertechnologie integriert, aber bis vor Kurzem kaum als eigene Energietechnologie geschätzt. Die Weiter- und Neuentwicklung nicht-fossiler Technologien wurde Konzern-seitig kaum gefördert, ja vielerorts sogar gezielt unterdrückt.

      Sogar noch heute laufen Gerichtsverfahren gegen deutsche Automobilkonzerne und Manager, die lieber an fossilen Verbrennermotoren manipulierten, statt die Elektromobilität voran zu treiben. Dies überließen sie China, das auch deswegen inzwischen die post-fossile Technologiedominanz anstreben kann. Europa und gerade auch Deutschland vergeudeten aufgrund des fossilen Lobbyismus und gezielter Konzern-Desinformation wertvolle Jahre, im Rückblick gar Jahrzehnte.

      Statt mutiger Investitionen in unsere planetare Zukunft wurden und werden post-fossile Technologien u.a. in UFO-Glaubenssysteme externalisiert. Noch in “Rückzug oder Kreuzzug?” thematisierte ich den Vorwurf der “Klimareligion”, mit dem sowohl die wissenschaftlichen Forschungen zur Klima- und Wasserkrise wie auch die technologischen Forschungen an post-fossilen Technologien lächerlich gemacht wurden.

      Und so musste ich gestern leider auf Mastodon posten:

      Aktuell wird auch wieder #Dubai von #Klimakrise – Extremwettern, konkret von #Starkregen schwer betroffen. Haben sich die #Finfluencer – Verschwörungsunternehmer von #HossundHopf schon dazu geäußert?

      Ganz generell gilt für Menschen: Es ist schade um jedes Leben, um jede Zukunft.

      Wer immer noch glaubt, durch #Reichtum allen Folgen der globalen #Erhitzung Ausweichen zu können, zeigt Beschränktheit in #Charakter & in #Intellekt.

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115748429531363588

      Die Externalisierung der fossilen Kosten auf Mitmenschen und Mitwelt schlägt im 21. Jahrhundert brutal auf immer mehr Regionen der Erde zurück.

  3. @Michael 20.12. 16:20

    „Europa vergeudete aufgrund des fossilen Lobbyismus und gezielter Konzern-Desinformation wertvolle Jahre, im Rückblick gar Jahrzehnte.“

    In die Entwicklung von PV hat doch Deutschland zeitweise gut investiert, und ausgehend von Dänemark auch in Windenergie. Da hätte man aber in der Tat eigentlich 10 Jahre früher mit anfangen können.

    „Statt mutiger Investitionen in unsere planetare Zukunft wurden und werden post-fossile Technologien u.a. in UFO-Glaubenssysteme externalisiert.“

    Außerirdische Technik braucht es sicher nicht, das können wir selber.

    Aber China kann von mir aus sehr gerne reichlich Grüne Technik produzieren. Insbesondere Deutschland hat immer noch Außenhandelsüberschüsse, und die eingesparten fossilen Importe kann man dann halt auch mit grünen Importe aus China ersetzen. Zumal ja auch die Installation der Anlagen auf jedem Fall im Land bleibt.

    Für Europa sollte das allerdings wohl nicht zum Dauerzustand werden.

    Und die weitere Entwicklung rund um Wasserstoff und andere alternative Speicher kann auch Innovationen und konsequente Umsetzung gut brauchen.

    • @Tobias

      Auch der Energieglauben ist religiös & mythologisch sehr viel tiefer geprägt, als dies der Fossilismus zugesteht. So unterscheidet die Bibel schon in den ersten Versen der Thora Feuer 🔥 und Licht 💡, die in der griechischen Elementenlehre verschmolzen werden.

      Und auf der nördlichen Erdkugel entwickeln mehrere große, religiöse Traditionen Sonnen- und Lichtfeste wie das christliche Advent & Weihnachten, das jüdische Chanukka und das ezidische Ida-Ezi-Fest, die heute in Pforzheim erneut gemeinsam begangen werden.

      Weil sicher am wenigsten bekannt, hier zum ezdischen Ida-Ezi-Fest:

      Am dritten Freitag im Dezember wird im Jesidentum das jahreszeitliche Fest „Îda-Ezî“ gefeiert. Es ist das Fest zu Ehren Gottes als dem allmächtigen Schöpfer von allem und der wichtigste religiöse Feiertag im Jahresverlauf.

      Der Ursprung des Festes geht auf die Wurzeln der jesidischen Religion zurück. Im Jesidentum hat die Sonne eine hohe Bedeutung und gilt als sichtbares Zeichen Gottes auf Erden. Die Sonne symbolisiert das Licht Gottes, aus dem alles erschaffen wurde und ohne das Licht der Sonne ist kein Leben auf dieser Welt möglich. In der Zeit der Winterssonnenwende ist die Sonne jedoch immer weniger zu sehen und die Tage werden immer kürzer. Die Menschen warten und hoffen auf die Zeit, an dem die Sonne wieder länger scheint und die Natur wieder zum Leben erweckt wird. Deshalb fällt der wichtigste Feiertag im Jesidentum in die Nähe zum Tag der Wintersonnenwende am 21. Dezember, denn ab dann wird Gottes Licht wieder zunehmend sichtbarer.

      https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/i/ida-ezi

      Ich habe große Sympathien für Deine Versuche, sowohl Fossilismus wie auch Solarpunk als rein technologische Paradigmen zu deuten. Aber gerade auch in diesem Blogpost biete ich auch die Betrachtung der mythologischen, emotionalen und also auch zivilreligiösen Dimensionen an. Kein Energieglauben ist jemals völlig neutral.

  4. @Michael 20.12. 16:20

    Wer immer noch glaubt, durch #Reichtum allen Folgen der globalen #Erhitzung Ausweichen zu können, zeigt Beschränktheit in #Charakter & in #Intellekt.

    Mit Reichtum geht es uns aber schon besser. Insbesondere was die globalen Landwirtschaftlichen Erträge betrifft, da haben wir in Europa sogar Überschüsse. Aber auch der Umbau zu hitzefesten Schwammstädten kann bei uns funktionieren.

    „Die Externalisierung der fossilen Kosten auf Mitmenschen und Mitwelt schlägt im 21. Jahrhundert brutal auf immer mehr Regionen der Erde zurück.“

    Vor allem wird das noch alles immer schlimmer, je mehr wir jetzt zögern und nicht konsequent weitermachen. Und das dauert immer länger, bis die Temperaturen wieder ansatzweise wieder sinken. Und welche Klimakipppunkte wann überschritten werden weiß auch jetzt keiner.

    Praktischerweise käme uns aber ein wirtschaftlicher Kipppunkt sehr entgegen, wenn die Grüne Technik unaufhaltsam immer billiger wird.

  5. Hallo @ Tobias Jeckenburger,

    beim Galaktischen Internet wäre ich auch eher skeptisch (sorry!). Vielleicht ist das Weltall in der Tat durchsetzt mit einer Vielzahl von Zivilisationen. Aber nach meinem Verständnis dürfte es nach dem aktuellen Stand der Physik nicht möglich sein, die Tiefe von Raum und Zeit durch überlichtschnelle Kommunikation zu überwinden. Auch Quanten-Verschränkung zeigt meines Wissens hier keinen Weg zu überlichtschneller Signalübertragung. Und das hat wohl nichts damit zu tun, dass wir einfach zuwenig wissen, sondern mit dem fundamentalen Zufall, der mit der QM in die Welt kommt.

    Um bei einem verschränkten System „Information“ im technischen Sinn zu übertragen, müsste ein Sender die Messergebnisse am fernen Teilchen beeinflussen können. Genau das ist bei verschränkten Zuständen nicht möglich: Die lokale Statistik ist immer zufällig und unabhängig von dem, was am anderen Ort getan wird. Erst wenn beide Seiten ihre Messergebnisse nachträglich über einen klassischen Informationskanal austauschen (der höchstens lichtschnell sein darf), werden die Korrelationen sichtbar. So ist zumindest mein Verständnis der Sache, die andere gerne korrigieren oder präzisieren dürfen.

    Von daher bin ich auch hier skeptisch.

    Es sei denn, die Menschen finden eine komplett neue Physik, die QM und Relativitätstheorie sozusagen über den Haufen wirft. Das ist dann aber der Bereich der Spekulation.

  6. Die Erde wird alle 20 Jahre von Aliens erobert. Ein Baby ist neu auf diesem Planeten, und passt sich daran genauso an, wie es ein Außerirdischer machen würde: Die Gene wissen nicht, in welchem Körper er geboren wird, die Hardware scheint im Kern universalistisch angelegt zu sein und könnte genauso gut in einen Fisch oder Vogel hineinwachsen. Das heißt, da wacht etwas Fremdes in einem fremden Körper auf wie in einem Raumanzug, und lernt durch Versuch und Irrtum, sich an den Status Quo der neuen Welt anzupassen, wie Robinson Crusoe oder Mark Watney.

    Wir sind Fische, die das Land kolonisiert haben. Eine ähnliche Leistung, wie wenn Luftatmer den Mond kolonialisieren. Wir mussten sehr ähnliche Probleme lösen, und die Wissenschaft imitiert die Mechanismen der natürlichen Auslese.

    Sie sind ein Affe aus Afrika, der im eisigen Europa lebt. Sie brauchen Hosen. Affen nähen keine Hosen. Affen pflanzen keine Baumwolle an. Affen machen kein Feuer. Affen benutzen keine Speere. Sie brauchen eine CPU mit Augmented Reality, um sie dazu zu kriegen. Ohne dass wir uns alle belügen und täuschen, würden wir sterben, erfrieren und verhungern. Unser eigenes Gehirn verhält sich wie ein Alien-Implantat, das sich als Symbiont in einem Tier eingenistet hat, um Entwicklungskosten für eigene Körper zu sparen – Paranoiker nehmen es auch so wahr, und wer weiß – vielleicht haben sie Recht?

    Vom evolutionären Standpunkt ist das unerheblich. Ob sich Intelligenz auf einem anderen Planeten entwickelt hat und andere durch Symbionten besiedelt, oder ob sie sich von selbst entwickelt hat – natürliche Evolution bringt CPUs hervor, die die Wahrnehmung von Tieren kontrollieren. Kann sich ein solches Hirn vom Wirt abkoppelt wie das Baby von der Mutter oder der Apfel vom Baum und in die Welt reist, um neue Spezies, neue Hirne zu kapern, wie der Pilz die Ameise kapert? Was, glauben Sie, ist KI?

    Sie werden nicht allein im All sein, wenn Sie Ihrer Katze eine KI und ein paar Roboter-Hände anschließen. Es ist ja wahrscheinlicher, dass Laborratten das All besiedeln, als dass Menschen es tun, denn mit denen experimentieren wir ja ungehemmt, während wir uns selbst die Grausamkeiten einer Fast-Forward-Evolution ersparen.

    Wer sonst noch ins All fliegen wird, sind Querschnittsgelähmte und Alte und Kranke aller Art – Menschen, die sich auf Erden so unwohl fühlen, dass eine Kombination aus Cyborg-Rollstuhl und anderen Umwelt-Bedingungen ihnen eine bessere Heimat schaffen kann. Der Affe aus Afrika kann in Europa nur dank Technologie überleben, als Cyborg. Und wo er jetzt seinen Raumanzug aus Baumwolle hat, will er die zweite Haut auch in Afrika nicht mehr ausziehen.

    Der Weihnachtsmann gehört zu den Dämonen, den Schrödinger-Wesen, wie das Volk, die Christenheit oder Corona – einerseits sind sie körperlich, physisch real und entfalten eine Wirkung mit eigenem Willen, andererseits auch nicht, denn sie haben keinen einzelnen Körper, sondern benutzen uns als Avatare – Amazon und die Eltern manifestieren einen Aspekt des Weihnachtsmanns, John Wayne Gacy einen anderen, ein CGR-Rudolf im Film noch einen, so kann der Weihnachtsmann überall sein, indem er nirgends so richtig ist, und Unmögliches vollbringen, indem er die Heisenbergsche Unschärferelation nützt und als dämonische Besessenheit durch unser aller Köpfe flimmert. Irgendwann können Sie den überflüssigen Rest auch noch wahr machen und ihn als echte Person synthetisieren, und da können Sie gleich die Rentiere und Elfen mit synthetisieren. Doch sobald der Weihnachtsmann eine Person geworden ist, ist er selbst nur eine Variante, eine Interpretation der Idee, genau wie Sie und ich im Kostüm. Und wo wollen Sie die Städte voller unterschiedlichster Weihnachtsmänner unterbringen, wenn Ihnen auf Erden der Nordpol ausgeht? Wird das All vielleicht irgendwann von Weihnachtselfen besiedelt, kleinen grünen Männchen mit spitzen Ohren?

    Das Sonnensystem dürfte genauso voller Aliens sein, die alle ihren eigenen Entwicklungsweg gehen, wie es die Erde heute ist, noch bevor Sie die ersten Besucher vom anderen Stern sehen. Nach allem, was ich mir über die Physik eines dynamischen Universums aus den Finger sauge, das als ein einziger Lichtstrahl durch ein größeres Universum voller Lichtstrahlen rast, könnte es sein, dass die Sterne in einem sehr relativen Kontext viel näher sind als wir glauben, und der überlichtschnelle Sprung dorthin ein Klacks.

    Dabei könnte es ein Paradoxon geben – wenn Sie mit Überlicht reisen, überwinden Sie zehn Zentimeter in tausend Jahren. Das heißt, wenn Sie nach irdischer Uhr in zehn Minuten auf Proxima Centauri sein wollen, müssen Sie sich als Astronaut einfrieren und so solide einpacken, dass Sie nach Borduhr etliche Milliarden Jahre Reisezeit überleben können.

    Falls dabei etwas schief geht und die Astronauten auftauen, ist das genug Zeit, dass die Evolution sie zu völlig anderen Wesen macht, dass das ganze Raumschiff als eine eigenständige Welt ankommt, so fremd allem, was Sie kennen, so weit entfernt von seinen Ursprüngen, wie das Zeug, das neulich hinter meiner Waschmaschine hervorgekrochen ist und an allergischem Schock gestorben ist, weil es die Proteine der Pizza-Reste, mit denen ich es füttern wollte, nicht mehr verdauen konnte, ich hab’s kaum das Klo herunter gekriegt, weil’s im achtdimensionalen Raum ein eigenständiges Universum gebildet hatte, wo es von Myriaden Zivilisationen als Gott verehrt wurde. Ich sollte echt mehr schrubben und weniger Unsinn ins Internet pinseln.

    Wir sind Demiurgen, die sich Götzen schaffen, damit der Deus ex Machina sie erlöst, doch all diese Götzen werden von der göttlichen Kraft angetrieben, die das Universum antreibt – genau wie wir. Als Depri formuliere ich das meist deutlich arschiger, aber – ist Weihnachten. Hoffnung und Glaube sind wie Insulin – ich muss kein Diabetes haben, um es Leuten zu spritzen, die es brauchen.

    Also – frohen Tag mit Baum. Es geht mir halt nicht aus dem Kopf, dass auf der gleichen Grenzlinie, auf der Mekka und Jerusalem stehen, auch der Bialowieza-Urwald steht, wo vor 200 Jahren auch mal kurz der Mittelpunkt der Erde materialisierte. Wenn Sie einen Haupt-Tempel für das Öko-Zeitalter in Europa wollen – was wäre da besser geeignet, als ein Heiliger Hain? Ist wie ein natürlicher, lebender Weihnachtsbaum, mitten in Europa, und zwar dort, wo wir ewigen Krieg haben und dringend Frieden brauchen. Genau wie in Jerusalem.

    Manch ein Alien, das die übliche Migrationsroute nimmt, crasht bei der Landung und kommt nie so richtig an, und dann kommt so was wie ich raus. Wollte ich damit sagen.

    • @Paul S.

      Statt auf Ihre m.E. bizarre Gleichsetzung menschlicher Babys mit Aliens einzugehen, teile ich hier lieber die noch nachwirkende, positive Erfahrung des gestrigen Abends in Pforzheim. Habe dazu vorhin auf Mastodon gepostet:

      Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?

      Von einem interreligiösen, jüdisch-christlich-ezidischen Fest wie gestern in #Pforzheim , #BadenWürttemberg weiß die #Geschichte nichts. Ich bin glücklich & dankbar, dass ich dazu eingeladen war & auch einen kleinen Beitrag leisten durfte.

      Allen, die #Chanukka , #Advent , #IdaEzi oder sonst ein #Fest des Lichtes begehen, wünsche ich freud- & hoffnungsvolle Feiertage!

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115755911377802247

      Auch Ihnen von Herzen schöne, besinnliche und dialogische Feiertage!

  7. Wir hatten doch noch vor kurzer Zeit ein durchaus positives Verhältnis zu den Erneuerbaren.

    Dann kam Corona und fast zeitglich die Ampel und Putins Überfall auf die Ukraine. Corona und der Krieg Putins sorgten für ein Höchstmaß an Unsicherheit. Die ganze Technik, die der Menschheit zur Verfügung steht, war machtlos gegenüber einem unsichtbaren, häufig tödlichen Virus.

    Das “normale” Leben war plötzlich weg. Irgendwann begriffen die meisten Menschen, dass es nicht zurückkommt.

    Die Ampel initiierte mit bester Absicht ebenfalls viele Veränderungen und scheiterte mit der Kommunikation etc. Medienprofis griffen die Unsicherheit in der Bevölkerung und hatten Erfolg mit ihren Gegenkampagnen.

    Ich kann verstehen, dass sich manche Menschen dann mit der Frage beschäftigen, wie kann man überleben. Außerirdische?

    Mein Weg ist das nicht. Die Mächtigen dieser Welt bringen uns dem Ende der Welt, der Spezies Mensch jeden Tag ein bisschen näher. Hinzu kommt, dass alte Männer den Lauf der Ereignisse bestimmen. Für die nur Macht und Reichtum zählt.

    Ich werde dieses Weihnachten so begehen, als wäre es das Letzte. Mit meinen Lieben. Musik wird mich dabei begleiten.

    Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest.

    • Vielen lieben Dank, @Marie H. – und ein herzliches „Ja“ zu Ihren m.E. zutreffenden und weisen Beobachtungen! 🙏

      Ich bin gerade auf der Heimfahrt von der ersten jüdisch-christlich-ezidischen Feier des Lichtes in Pforzheim.

      Die jüdischen Gemeinden brachten das Chanukka-Fest 🕎 ein, die christlichen Gemeinden Advent und Weihnachten 🎄✝️, die ezidischen Gemeinden Ida Ezi 🕯️. Allen gemeinsam war der Bezug auf G‘tt und die Würde jedes Menschen.

      Auf der Bühne wurde ich von der (jüdischen) Moderatorin u.a. gefragt, warum ich das Bundesverdienstkreuz für die Leitung des Sonderkontingentes abgelehnt habe. Und ich musste ehrlich antworten: Weil ich als Christ & Demokrat von der derzeitigen Bundespolitik guten Gewissens kein Kreuz (!) annehmen kann.

      Der Bundestag hat den Genozid an Ezidinnen & Eziden einstimmig anerkannt, aber wir schieben dennoch ezidische Frauen und Kinder, rechtstreue Familien und Auszubildende ab! Wir haben afghanischen Verbündeten gegen die Taliban mit Brief und Siegel die Aufnahme versprochen – und lassen sie jetzt im Stich!

      Wie soll ich das mit meinem religiösen Glauben an Gottes Selbstoffenbarung an den Gekreuzigten und mit meinem zivilreligiösen Glauben an die Menschenwürde & das Grundgesetz in Einklang bringen?

      Ich rief die demokratischen Parteien, Kirchen und Religionsgemeinschaften auf, nicht länger der Rechtsmimesis zu folgen, sondern ihr durch postive Mimesis für die Menschenwürde entgegen zu treten. Ich glaube, dass wir die Menschen nur dann in die Mitte zurückgewinnen, wenn wir unsere Mitte wiederfinden – und aufhören, Menschen etwa aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion, ihres Geschlechts, ihrer Armut, ihres Alters, einer Behinderung oder Erkrankung abzuwerten.

      Es gab laute und Religionen übergreifende Zustimmung – wenn ich auch befürchte, dass es nicht allen gefiel. Aber ich kann nicht darüber schweigen, wie weit unsere Demokratie in kaum zehn Jahren in die Abgründe der Rechtsmimesis gerutscht ist.

      Ein Freund hat eine Aufzeichnung des Interviews vorgenommen, falls Interesse hier:

      https://youtu.be/e4NKOyhdlYM

      Von Herzen wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie ein gesegnetes Weihnachtsfest – und hoffe wirklich, Sie hier noch oft und lange Lesen zu dürfen.

      Unsere Dialoge bedeuten mir viel und es ist mir eine Ehre, dass Sie kostbare Zeit in diesen Blog geben, @Marie H.

      Mit Dank und in herzlicher Verbundenheit! 🙏🫶🏻🙌

      • Vielen Dank, Ihre Worte haben mich zutiefst berührt. Wann immer es mir möglich ist, werde ich mich auch weiterhin gerne beteiligen.

        Sie schreiben: “Ich glaube, dass wir die Menschen nur dann in die Mitte zurückgewinnen, wenn wir unsere Mitte wiederfinden…”

        Da kann ich nur zustimmen. M.E. wird es immer schwerer, Mitte zu definieren. Denn die Mitte zu sein, nehmen viele Menschen für sich in Anspruch, die ganz unterschiedlichen politischen Gruppen angehören. Leider wird “Mitte” dabei mehr und mehr zu einem inhaltsleeren Kampfbegriff. Darin sehe ich die größte Gefahr.

        Darüber hinaus stehen Deutsche und Europäer unter massivem Druck aus den USA. Die Geschäftsführerinnen von HateAid wurden mit einem Einreiseverbot belegt. Dabei fallen Begriffe wie “Ideologen” und “radikale Aktivisten”. Donald Trump und seine Administration mischen sich damit in massiver und m.E. bedrohlicher Weise in unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Denn ein Einreiseverbot in die USA wird auch bei uns Folgen für Organisationen wie HateAid haben, z.B. bei Spenden.

        Wir haben diesen Handlungen der US-Regierung nichts entgegenzusetzen, so meine Befürchtung.

        Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Heiligabend und schöne Weihnachten mit Ihrer Familie.

        • Herzlichen Dank auch Ihnen, @Marie H. 🙏

          Ich bin inzwischen davon überzeugt: Die Mitte jeder freiheitlichen Demokratie bildet die unbedingte Achtung der Menschenwürde und Gleichberechtigung. Wer mit der rechtsmimetischen Abwertung von Menschengruppen beginnt, stärkt damit die rechten, libertären und dann auch die linken Ränder auf Kosten der demokratischen Mitte.

          Danke auch für die Erwähnung der US-Sanktionen gegen HateAid. Ich habe ja mit der Organisation bereits gegen Twitter / X von Elon Musk geklagt, Josephine Ballon war gerade erst zu Gast auf unserem Fachtag gegen jeden Antisemitismus.

          Habe daher bereits heute morgen auf Mastodon dazu u.a. gepostet:

          Habe damals – in erster Instanz erfolgreich – mit @hateaid gegen die eskalierende #digitaleGewalt auf #Twitter bzw. #X geklagt & stehe solidarisch zu Josephine #Ballon und Anna-Lena von #Hodenberg ! Selbstverständlich setzen wir unsere Zusammenarbeit fort!

          Die #USA unter #Trump sanktionieren Führung von deutscher Organisation #HateAid !

          Empfehle dringend: Europäische Demokratinnen & Demokraten sollten endlich von #Konzernmedien ins #Fediversum wechseln!

          https://sueden.social/@BlumeEvolution/115773124345133642

          Ihnen die besten Wünsche zum Heiligen Abend & Dank für Ihr starkes Engagement für Dialog und Demokratie! 🙌

    • Guten Morgen, @Marie H,

      “Corona und der Krieg Putins sorgten für ein Höchstmaß an Unsicherheit. …
      Das “normale” Leben war plötzlich weg. Irgendwann begriffen die meisten Menschen, dass es nicht zurückkommt.”

      Ich denke das auch. In den letzten Jahren haben viele, fast gleichzeitig eintretende Krisen in Europa und der westlichen Welt, die bislang weitgehend verschont geblieben waren, zu einer großen Verunsicherung geführt. Wie Sie schreiben, existenziell und fundamental: das Leben, das die Menschen kannten, war weg und es wurde deutlich, dass es nicht mehr zurückkommt.

      Durch Verschwörungs- und Polarisierungsunternehmer wurde diese Unsicherheit verstärkt, so dass Menschen mehr und mehr das Vertrauen in Wissenschaft und demokratische Institutionen verloren.

      Ein psychologischer Aspekt ist die Angst, die in Krisenzeiten häufig auftritt. Diese Angst kann dazu führen, dass Menschen sich extremen Positionen zuwenden, um ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit zu erlangen. In Krisensituationen neigen Menschen dazu, einfache Lösungen und klare Feindbilder zu suchen, was populistischen Bewegungen in die Hände spielt. Und genau dadurch ist die Welt noch schlechter geworden als sie vorher war, man hat denen zu Machtpositionen verholfen, die ganz gewiss nichts mit Gemeinwohl im Sinne haben und die die denkbar schlechtesten Krisenmanager sind.

      Eine paradoxe Entwicklung, wie in einem bösen Märchen, in dem die, die sich verlaufen haben und in großer Gefahr befinden, sich einem bösen Zauberer anvertrauen anstatt auf die Kraft ihres Verstandes und ihrer Empathie zu setzen.

      Hoffen wir, dass wir wieder zu uns, zu “unserer Mitte” finden (wie es @Michael so wunderbar ausdrückt).

      Trotz der düsteren Lage wünsche ich Ihnen ein friedliches Weihnachtsfest.

      • @Peter Gutsche

        Vielen Dank. Auch Ihnen ein schönes Weihnschtsfest!

        Verbunden mit meinem Dank für den sachlichen und lehrreichen Austausch hier!

  8. Ich nehme mal an, dass der Galaktische Rat die Erde wegen unserer semi-intelligenten, aggressiven Spezie unter Quarantäne gestellt hat.

    • Lieben Dank, @Paul Stefan – und: Ja. Ob die Prüfung der Menschheit nun durch eine Gottheit oder (und?) durch Außerirdische erfolgt – sehr gut schneiden wir derzeit sicher nicht ab.

      Dabei beobachte ich auch als Religions- und Politikwissenschaftler, dass die Rechtsmimesis nirgendwo wirkt und habe dies auch heute Abend bei einer interreligiösen Feier in Pforzheim so gesagt:

      https://youtu.be/e4NKOyhdlYM

      Ich denke wirklich, dass religiöse und nichtreligiöse Menschen gemeinsam wieder mehr Licht der Menschenwürde, Bildung und Wissenschaft in die Dunkelheit des Alls leuchten sollten. Ob dies dann von einem g‘ttlichen Engelschor oder einem extraterrestrischen Galaktischen Rat gesehen würde, dürfen wir dann bis auf Weiteres den Glaubenswelten überlassen.

      Vielen Dank für Deinen weise-humorvollen Druko! 🙏🚀🖖

  9. @Peter Gutsche 20.12. 18:41

    „Vielleicht ist das Weltall in der Tat durchsetzt mit einer Vielzahl von Zivilisationen. Aber nach meinem Verständnis dürfte es nach dem aktuellen Stand der Physik nicht möglich sein, die Tiefe von Raum und Zeit durch überlichtschnelle Kommunikation zu überwinden.“

    Es reichen doch Übertragungssonden mit z.B. DNA-Informationsspeichern und mit hinreichend wirklich mächtiger KI an Bord. Die können über 100.000 Jahre unterwegs gewesen sein, um in der Erdumlaufbahn seit vielleicht 1000 Jahren auf ihren Einsatz zu warten. Nebenbei könnten die uns dabei ganz gut von der Umlaufbahn aus beobachten, und die Ergebnisse notfalls per Funkverbindung nach hause senden. Da könnte man ja auch neugierig sein, was aus uns so wird.

    Gespeichert wäre da vor allem das gesammelte Wissen der Galaxis, ihrerseits in Jahrmillionen oder gar Jahrmilliarden gesammelt. Eine überlichtschnelle Kommunikation mit den bewohnten Planeten wäre besser, klar, aber im Moment erst mal gar nicht so wichtig. Zumal ja auch die Datenraten bei den Entfernungen eine Rolle spielen mögen, und deshalb der DNA-Datenspeicher sowieso die Hauptrolle spielen wird.

    „Es sei denn, die Menschen finden eine komplett neue Physik, die QM und Relativitätstheorie sozusagen über den Haufen wirft.“

    Wenn, dann wird es doch wohl eine Ergänzung sein. Die uns bekannte Physik ist sehr gut belegt, und kaum zu verwerfen. Aber sie beschreibt zugleich mit Sicherheit nicht alles, was es gibt. Weder ist RT und QT vereinigt, noch weis man was dunkle Materie und dunkle Energie denn nun ist. Und Geisteswelten kennt man nun gar keine.

    Also ich bin da für Vieles offen. Auch für einen Weg für sofortige Kommunikation im Rahmen einer kosmischen Gleichzeitigkeit, die durch das eine Bezugssystem definiert ist, in dem die kosmische Hintergrundstrahlung in alle Richtungen isotrop ist. Verschränkungseffekte wären sicher nicht die einzige Möglichkeit dafür.

    Man hört ja auch von den Experten immer wieder, dass man zwar mit der QT allerhand berechnen kann, aber wirklich niemand sie wirklich versteht. Für mich als Laien heißt das, dass da auch noch Überraschungen hinterher kommen können.

    • Guten Morgen @Tobias Jeckenburger (21.12.2025, 00:27 Uhr),

      “Gespeichert wäre da vor allem das gesammelte Wissen der Galaxis, ihrerseits in Jahrmillionen oder gar Jahrmilliarden gesammelt.”

      Ah, jetzt habe ich es verstanden. Geniale Idee! Das ist wirklich inspirierend. Eine galaktische Enzyklopädie, die lebt und fortwährend anwächst. So würde Wissen sich vergrößern, ein Prozess, der parallel zum Kommen und Gehen der Sterne stattfände – und, wie bei der Evolution auf der Erde, Komplexität vergrößern würde. Das ist eine wirklich schöne und spannende Idee.

      “Wenn, dann wird es doch wohl eine Ergänzung sein. Die uns bekannte Physik ist sehr gut belegt, und kaum zu verwerfen. Aber sie beschreibt zugleich mit Sicherheit nicht alles, was es gibt.”

      Ich denke, das trifft es auf den Punkt. Ende des 19. Jahrhundert erschien die Physik abgeschlossen. Keiner rechnete (auch in mehrfacher Hinsicht) mit dem, was dann durch die Entdeckung der Radioaktivität gefunden wurde: eine völlig neue Energiequelle, die vieles erklären half, was man nicht verstand (oder nicht sehen wollte). Gerade bei den beiden “Unbekannten” – dunkle Materie und dunkle Energie – ist man wohl wieder an einem ähnlichen Punkt angelangt. Kein Grund also, zu denken, wir hätten alles verstanden.

  10. @Paul Stefan 21.12. 00:12

    „Ich nehme mal an, dass der Galaktische Rat die Erde wegen unserer semi-intelligenten, aggressiven Spezie unter Quarantäne gestellt hat.“

    Genau deswegen bräuchten wir doch eine grundlegende Auffrischung unserer Horizonte. Und deswegen warten die Alien-Übertragungssonden doch, bis auch der letzte Diktator sein Internet nicht mehr abschalten kann. Die Kontrolle unseres physischen Internets könnte eine Alien-KI vermutlich problemlos und grundlegend übernehmen.

    Alles würde weiterlaufen, und doch hätte jedermann Zugriff auf eine galaktische Antwort auf jede brennende Frage. Und kein noch so übler Zeitgenosse kann das mehr manipulieren oder blockieren.

  11. @Michael 20.12. 17:38

    „Aber gerade auch in diesem Blogpost biete ich auch die Betrachtung der mythologischen, emotionalen und also auch zivilreligiösen Dimensionen an.“

    Allein zu wissen, dass man sauberen Strom und Wärme hat, die den Planeten überhaupt nicht belasten, ist doch noch mal ein gutes Gefühl. Eben nicht mehr Teil eines wirklich gravierendem Problem zu sein.

    Ich habe mich früher mal mit Energiesparhäusern beschäftigt, und habe dabei auch nach Möglichkeiten gesucht, einen kleinen Holzofen zu integrieren. Der könnte eine Wärmepumpenheizung in Dunkelflauten ganz gut unterstützen.

    Aber es macht auch einfach Spaß, hin und wieder ein kleines Holzfeuer im Haus zu haben.

  12. @ Paul Stefan
    21.12.2025, 00:12 Uhr

    Ich nehme mal an, dass der Galaktische Rat die Erde wegen unserer semi-intelligenten, aggressiven Spezie unter Quarantäne gestellt hat.

    Michael Blume
    21.12.2025, 00:44 Uhr

    Lieben Dank, @Paul Stefan – und: Ja. Ob die Prüfung der Menschheit nun durch eine Gottheit oder (und?) durch Außerirdische erfolgt – sehr gut schneiden wir derzeit sicher nicht ab.

    Ich denke es ist relativ unstreitig, dass jede intelligente Zivilisation, die in der Lage ist, komplexe Entscheidungen zu treffen, auch eine Form von Moral entwickeln würde.
    Diese Moral könnte sich jedoch stark von der menschlichen Ethik unterscheiden, abhängig von den spezifischen Umständen und der Evolution dieser Zivilisation.
    Das Fermi-Paradoxon stellt doch die Frage, warum wir bisher keine Beweise für außerirdisches Leben gefunden haben, obwohl die Bedingungen im Universum viele Möglichkeiten bieten.
    Dies könnte darauf hindeuten, dass intelligente Zivilisationen sich in einer Weise entwickeln, die nicht mit unseren Erwartungen übereinstimmt.
    Was würde Spock zu der Vorstellung sagen? Vieleicht würde er sie rassistisch nennen? 😉 🙂

    • Lieben Dank, @Uli Schoppe

      Gerne gehe ich auf diese spannenden Fragen ein:

      „Ich denke es ist relativ unstreitig, dass jede intelligente Zivilisation, die in der Lage ist, komplexe Entscheidungen zu treffen, auch eine Form von Moral entwickeln würde.
      Diese Moral könnte sich jedoch stark von der menschlichen Ethik unterscheiden, abhängig von den spezifischen Umständen und der Evolution dieser Zivilisation.“

      Zwar stimme ich zu, dass es auch enorme Unterschiede geben kann, doch im Grundsatz wird jede Moral einer sogar interstellar erfolgreichen Zivilisation längerfristige Kooperationen erreichen müssen. Das habe ich etwa bei den Alien-Schwärmen der “Independence Day“-Filmreihe vermisst: Wie sollten gierig verschlingende Riesenschwärme auf ihrem Heimatplaneten ausreichend Zeit reserviert haben, um interstellare Raumschiffe zu entwickeln und zu bauen? Und warum „warteten“ sie dann wiederum darauf, dass die angegriffene Menschheit bereits über Flugzeuge und Computer verfügte? Nur hundert Jahre früher wären sie durchmarschiert.

      Insofern die Außerirdischen sozial-kulturelle Interaktionen durchführen würden, dürfte sich der Glauben an überempirisch beurteilende Wesenheiten und also Religion als kooperativ und evolutionär erfolgreich erwiesen haben. Spannend ist auch die systemtheoretische Frage, ob sich etwa die philosophische Frage der Anthropodizee auf anderen Planeten rein diesseitig beantworten ließe.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mehr-oder-weniger-kinder-in-die-welt-setzen-anthropodizee-systemtheorie-religionsdemografie/

      Mit frühen Vordenkern wie Nikolaus von Kues (1401 – 1464) gehe also auch ich davon aus, dass interstellare Zivilisationen eine kooperative und inter-religiös fundierte Moral aufweisen dürften.

    • Ich denke, dass technische Zivilisationen es entweder geschafft haben, eine nachhaltige Bewirtschaftung des Planeten zu erreichen, womit sie aus einem potentiellen interstellaren Diskurs aussteigen (weil sinnlos) oder dass sie es nicht schaffen und kollabieren, womit sie ihre Fähigkeit verlieren, Kontakt zu anderen Zivilisationen zu suchen.

      • Ein kleiner Einspruch bzw. eine Nachfrage, @Paul Stefan: Wenn wir uns den „potentiellen interstellaren Diskurs“ als Dialog vorstellen, dann wäre dieser doch nicht „sinnlos“, sondern würde Erkenntnis fördern.

        Auch wir würden doch durch den Dialog mit anderen Spezies unser Wissen enorm erweitern, auch über einen denkbaren Transfer von Technologien hinaus.

        Das ist meine tiefe Überzeugung als dialogischer Monist.

        • Ich meine “sinnlos”, weil praktisch unmöglich, die Entfernungen sind zu groß. Keine Technologie kann das meines Erachtens überwinden, auch keine künftige.

          Sonst habe oder hätte ich natürlich nichts gegen “Aliens” und eine Kommunikation mit ihnen.

  13. @Michael 21.12. 00:44

    „Ob die Prüfung der Menschheit nun durch eine Gottheit oder (und?) durch Außerirdische erfolgt – sehr gut schneiden wir derzeit sicher nicht ab.“

    Ein interessanter Vergleich zwischen außerirdischen und göttlichen Gerichten. Es wäre wohl sogar heilsamer, auf den Start des Galaktischen Internets zu warten als auf den Endkampf zwischen Gut und Böse und der Wiederkunft des Messias.

    Unabhängig davon, was wirklich auf uns zukommt. Vermutlich gar nichts dergleichen, aber wer weiß? Auf so ein Netz zu hoffen, jedenfalls, macht mir Spaß.

    @Uli Schoppe 21.12. 18:28

    „Diese Moral könnte sich jedoch stark von der menschlichen Ethik unterscheiden, abhängig von den spezifischen Umständen und der Evolution dieser Zivilisation.“

    Muss aber nicht. Ähnliche Herausforderungen führen in der biologischen Evolution öfter zu ähnlichen Lösungen. Die Aliens könnten uns diesbezüglich ziemlich ähnlich sein.

    „Das Fermi-Paradoxon stellt doch die Frage, warum wir bisher keine Beweise für außerirdisches Leben gefunden haben, obwohl die Bedingungen im Universum viele Möglichkeiten bieten.“

    Wenn die Alienes lieber mit solchen Übertragungssonden arbeiten, ergänzt mit nicht-photonischer sofortigen Kommunikation, dann werden wir auch keine von hier aus messbaren Funksignale finden. Und eben auch Seti rein gar nichts finden können, auch wenn die Galaxis voll davon ist.

    Und mit unserer Suche nach Exoplaneten haben wir ja noch nicht mal einen erdähnlichen Planeten mit primitivem Leben gefunden. Weil diese eher kleinen Planeten mit eher weiteren Umlaufbahnen größtenteils sehr schlecht zu finden sind.

    Das sagt also alles noch praktisch nichts aus, wie viele Planeten es mit komplexeren Leben in der Milchstraße gibt. Und ob bzw. wie viele dauerhafte Zivilisationen es da draußen wirklich gibt.

    @Michael 21.12. 19:07

    „Mit frühen Vordenkern wie Nikolaus von Kues (1401 – 1464) gehe also auch ich davon aus, dass interstellare Zivilisationen eine kooperative und inter-religiös fundierte Moral aufweisen dürften.“

    Eben das gilt es echt zu bedenken. Es muss eine effektive Moral sein, die eben ein Überleben der Spezies und damit auch die Erhaltung der eigenen Lebensgrundlagen hergibt.

    @Paul Stefan 21.12. 19:51

    „Ich denke, dass technische Zivilisationen es entweder geschafft haben, eine nachhaltige Bewirtschaftung des Planeten zu erreichen, womit sie aus einem potentiellen interstellaren Diskurs aussteigen (weil sinnlos)“

    Wieso den sinnlos? Neugier auf uns und Lust uns zu helfen kann ja wohl eine Motivation sein. Und ein Galaktisches Internet betrifft ja alle Zivilisationen dieser Galaxie, da ist doch für jeden was dabei. Warum sollte man denn darauf verzichten, wenn das machbar ist, bzw. vor hunderten Millionen Jahren schon ins Leben gerufen wurde.

    „..oder dass sie es nicht schaffen und kollabieren, womit sie ihre Fähigkeit verlieren, Kontakt zu anderen Zivilisationen zu suchen.“

    Das mag eine tatsächliche große Gefahr sein, wir sehen ja aktuell selber, wie sehr wir uns aus reiner Macht- und Profitgier die ganze Biosphäre aufs Spiel setzen. Aber klar ist m.E. auch, dass wir es wirklich schaffen können.

    Und ein Anschluss ans Galaktische Internet inclusive Eingriffen von sehr mächtiger KI in unser irdisches Internet könnte doch gerade ganz maßgeblich auch unsere Überlebenschancen und die des ganzen Planeten erhöhen.

    • Lieben Dank, @Tobias

      Du schriebst:

      “ Es wäre wohl sogar heilsamer, auf den Start des Galaktischen Internets zu warten als auf den Endkampf zwischen Gut und Böse und der Wiederkunft des Messias.“

      Das mag stimmen, aber der Clou ist doch, dass sowohl die klassischen Weltreligionen wie auch diverse UFO-Religionen gerade nicht nur das „Warten“ lehren, sondern die vorbereitende, möglichst konstruktive Tat.

      Der Fachbegriff dafür ist übrigens CRED – Credibility Enhancing Display, Glaubwürdigkeit steigerndes Signal. Opfern, Spenden, Bauen, Engagement in Gemeinschaften und Familien weisen über das nur egozentrische Leben hinaus.

  14. 1.) Es ist vorstellbar, dass die Ethik nur innerhalb einer Spezies gilt. Zum Beispiel nur für Orcas, aber nicht für Delphine.
    2.) Es ist vorstellbar, dass die Außerirdischen daran glauben, eine höherwertige Religion als die Menschen zu haben. Eine ähnliche Wechselwirkung gab es zwischen den Europäern und den amerikanischen Ureinwohnern.
    3.) Es ist vorstellbar, dass der Weltraum vorwiegend von intelligenten Robotern besiedelt wird. Möglicherweise haben diese Roboter wenige Kontakte und wenig Interesse an planetarischen Lebensformen.
    4.) Die Frage der Anthropodizee lässt sich diesseitig beantworten, wenn man Sicherheit und Wohlbefinden der Individuen unbegrenzt garantieren kann. Ein Weg dazu wäre das paradise engineering, wie es zum Beispiel der Philosoph David Pearce beschrieben hat. Die klassische biologische Evolution ist dafür nur wenig geeignet, wie Richard Dawkins geschrieben hat.

    • @Karl Bednarik schrieb über außerirdische Moral und Ethik…

      “ Es ist vorstellbar, dass die Ethik nur innerhalb einer Spezies gilt. Zum Beispiel nur für Orcas, aber nicht für Delphine.“

      Das halte ich sogar für wahrscheinlich. Die eigentliche Frage ist aber doch, ob es auch Moral und Ethiken für Leben außerhalb der eigenen Spezies gibt.

      Und hier scheint mir sehr klar zu sein: Jede Art, die kein wertschätzendes und dialogisches Verhalten zu ihrer Mitwelt entwickelt, wird schon vor der Entwicklung der interstellaren Raumfahrt scheitern.

      Falls wir von transzendenten bzw. von extraterrestrischen Wesen beobachtet werden, dann sicher dazu.

  15. Warum wir allein sind in unserer Milchstrasse
    Zitat Michael Blume:

    Wissenschaftler wie der .. Physik-Nobelpreisträger Enrico Fermi formulierten die Frage nach der Sichtbarkeit außerirdischer Zivilisationen, das bis heute so genannte Fermi-Paradox. Weit über Science-Fiction-Kreise hinaus wirkte dazu die Wahrscheinlichkeitsrechnung des Astrophysikers Frank Drake (1930 – 2022), die Drake-Gleichung.

    Denn warum sollte ein so fantastisch großes Universum nur für uns erstanden sein?

    Allein schon die Idee, das Universum sei für uns Menschen und allenfalls weitere Intelligenzler geschaffen worden ist eine theologische Idee. Hinter dieser Idee eines Zweckes des Universums steckt das kindliche Bedürfnis allem, was existiert, einen Zweck, einen für uns verständlichen Grund, zu geben. Kinder, die auf die Frage „Warum gibt es Flüsse“ antworten: „Damit Tiere trinken können“ offenbaren damit das gleiche Weltverständnis, ein Verständnis in der alles, was es gibt geplant ist – geplant für unsere Mitgeschöpfe und uns selbst.

    Die meisten Erwachsene dagegen haben gelernt, dass die Dinge um sie herum viel kontingenter sind, sie wissen, dass hinter fast jeder Erscheinung eine lange Geschichte steckt und dass diese Geschichte auch ganz anders hätte ausgehen können: Weder muss es eine Erde geben wie wir sie kennen, noch muss es Leben auf dieser Erde geben und schon gar nicht muss es Menschen geben, denn es sind sehr viel glückliche Umstände, die eine Sonne im äusseren Bezirk der Milchstrasse mit einem Planeten in einer habitablen Zone und einem über 4 Milliarden anhaltenden lebensfreundlichen Klima geschaffen haben. Ein Planet, der zudem durch den weiter aussen ziehenden Grossplaneten Jupiter bis zu einem gewissen Grad geschützt ist gegen Beschuss durch Asteroiden und dessen grosser Mond die Erdachse stabilisiert, so dass die Erde nicht herumtorkelt.

    Trotzdem ist es natürlich zuerst einmal verwunderlich, dass wir keine Anzeichen weiterer Intelligenzler in unserer Milchstrasse gefunden haben, denn es gibt mehr als 100 Milliarden Sonnen in unserer Galaxie und mindestens ebenso viele Planeten und damit Milliarden von Chancen für die Lebensentstehung auch anderswo. Oder nicht?

    Damit sind wir beim Fermi-Paradoxon. Doch hinter dem Fermi-Paradoxon steckt eine falsche Annahme. Nämlich die Annahme, das biologische Leben und damit die ersten sich reproduzierbaren Zellen könnten auf einem Planeten aus abiotischen Vorläufern innerhalb weniger hundert Millionen Jahre entstehen. Eine Analyse der Geschwindigkeit von Genveränderungen und der Genentstehung zeigt aber, dass der Prozess der Genveränderung und Genentstehung viel zu langsam ist, als dass eine lebensfähige Zelle mit ihren vielen tausend nötigen Nukleotid-Tripletts in so kurzer Zeit entstehen kann. Der Artikel Life Before Earth kommt deshalb zum Schluss, dass die erste lebende Zelle bereits eine präbiotische Evolution von mehreren Milliarden Jahren hinter sich hat und dass die Erde das Leben wohl von einem mit lebenden Urzellen imprägnierten Asteroiden erhalten hat – Asteroiden, die auf die junge Erde gestürzt sind und die die Erde mit lebenden Zellen imprägniert haben. Das bedeutet auch, dass wir Menschen sehr wahrscheinlich die einzigen Intelligenzler in dieser Galaxie sind, denn die Evolution des Lebens begann mit Lebensvorstufen bereits kurz nach „Geburt“ des Universums und die ersten lebenden Zellen entstanden erst nach Milliarden von Jahren von präbiotischer Evolution. Einige dieser Zellen haben dann den Weg auf die junge Erde gefunden und dort brauchte es noch einmal mehr als 4 Milliarden Jahre bis Menschen entstanden. Wie langsam die Evolution voranschreitet zeigt etwa die Tatsache, dass die ersten 3 Milliarden Erd-Jahre nur Einzeller auf der Erde existierten und dass die kambrische Explosion, in der diverse mehrzellige Lebewesen entstanden erst 500 Millionen Jahren zurück liegt. Noch vor 500 Millionen Jahre wäre die Erde für einen Beobachter wie uns als „wüst und leer“ erlebt worden.

    Kurzum: Die ersten lebenden Zellen sind bereits hochkomplexe Gebilde mit einer Menge an organisierter Information, wie sie nur in einer Entwicklung von mehreren Milliarden Jahren entstehen kann. Der Beginn des Universums oder kurz danach muss auch der Beginn der präbiotischen Evolution sein. Und wir Menschen sind unter den ersten Intelligenzlern überhaupt im Universum.

    • Danke für diese kluge Diskussion sowohl der Drake-Gleichung wie des Fermi-Paradoxons, @Martin Holzherr 🙏📚👍

      Leben braucht Zeit und fossil befeuerte Hetze bedroht unser Leben. Ich fände es schade, wenn die Menschheit aus gieriger, fossiler Kurzsicht bereits unsere große Erkenntnisreise beenden würde.

      Denn ob und welchen Sinn das Universum hat, lässt sich m.E. immer wieder nur dialogisch-monistisch klären. So sind sowohl das religiöse wie generell Sinn-suchende Denken doch nicht einfach falsch und überholt, sondern evolutionär erfolgreich und idealerweise Lebens-bejahend wie auch lebensförderlich.

      • @Michael Blume (Zitat): „Ich fände es schade, wenn die Menschheit aus gieriger, fossiler Kurzsicht bereits unsere große Erkenntnisreise beenden würde.“

        Ja, ein Ende der Menschheit könnte durchaus das Ende allen intelligenten Lebens in unserer Galaxie, ja in unserem Universum, bedeuten.

        Die grösste Gefahr für die Menschheit ist zugleich das, was den modernen Menschen in vielerlei Hinsicht auszeichnet: es ist die zunehmende wissenschaftlich/technische Macht, eine Macht, die es beispielsweise einzelnen Forschern ermöglichen könnte, Killerviren in den Umlauf zu bringen oder die Macht auch eines Kollektivs, die Erde zu „verbrennen“ und zu „vergiften“. Da diese Gefahr nicht kleiner, sondern aufgrund technisch-wissenschaftlicher Fortschritte immer grösser wird, müssen wir mit menschengemachte Katastrophen rechnen. Der britische Astronom Sir Martin Reese jedenfalls ist sogar überzeugt das 21. Jahrhundert sei unser letztes Jahrhundert, da immer mehr Technologien entstehen, die in der Hand weniger Menschen ganze Populationen, ja die ganze Menschheit bedrohen können. Das Buch dazu von Martin Rees heisst: Our Final Century: Will the Human Race Survive the Twenty-first Century?. In der Wikipedia liest man dazu:

        Die Prämisse des Buches ist, dass die Erde und das Überleben der Menschen durch die potenziellen Auswirkungen moderner Technologie in weitaus größerer Gefahr sind, als allgemein angenommen wird, und dass das 21. Jahrhundert ein kritischer Moment in der Geschichte sein könnte, in dem das Schicksal der Menschheit entschieden wird. Rees diskutiert eine Reihe von existenziellen Risiken, mit denen die Menschheit konfrontiert ist, und schätzt, dass die Wahrscheinlichkeit des Aussterbens vor 2100 n. Chr. bei etwa 50 Prozent liegt, basierend auf der Möglichkeit einer bösartigen oder versehentlichen Freisetzung zerstörerischer Technologie.

        Kurzum: Die Menschheit hat Technologien mit gottgleicher Kraft entwickelt. Diese können unser Leben ungemein verbessern, es aber auch völlig zerstören.

        • Ja, @Martin Holzherr – sowohl der Fossilismus der Externalisierung fossiler Kosten auf Mitwelt und Mitmenschen wie auch die zunehmende Verfügbarkeit von ABC-Waffen und Konzern-KIen bedrohen den Fortbestand der Menschheit im 21. Jahrhundert. Und all diese Fragen werden eben auch mythologisch, technologisch und Alien-UFO-religiös bearbeitet.

          Vielen herzlichen Dank für Ihre starken Drukos! 🙏🙌💡

        • Guten Tag @Martin Holzherr,

          “Doch hinter dem Fermi-Paradoxon steckt eine falsche Annahme. Nämlich die Annahme, das biologische Leben und damit die ersten sich reproduzierbaren Zellen könnten auf einem Planeten aus abiotischen Vorläufern innerhalb weniger hundert Millionen Jahre entstehen.”

          Die Panspermie-Hypothese hat einiges für sich, aber ganz so klar wie Sie das darstellen, ist der Sachverhalt nach meinem (gleichwohl bescheidenen) Wissensstand nicht. Es handelt sich um eine sehr interessante Hypothese, aber eben eine unter anderen Hypothesen. Damit ist die Idee, dass das Leben innerhalb weniger Hundert Millionen Jahren auf der Erde entstanden sein könnte, m.E. nicht vom Tisch.

          Zumindest in der Fachliteratur, die ich kenne (von Charles Cockell oder Philippe Bertrand/Louis Legendre) ist man hier vorsichtiger mit der Einschätzung.

          Aber, wie gesagt, die Hypothese ist interessant und hat, wie Sie es ausführen, extrem spannende Implikationen hinsichtlich der Fermi-Paradoxon-Thematik

          • @Peter Gutsche(Zitat): „ Es handelt sich [ bei der Panspermie-Hypothese] um eine sehr interessante Hypothese, aber eben eine unter anderen Hypothesen.“
            Antwort: Regelmässig erscheinen Artikel, die chemische Systeme beschreiben, welche Vorläufer des Lebens sein könnten. Doch in keinem dieser Artikel wird erklärt wie eine abiotische Evolution innerhalb kurzer Zeit eine selbstreproduzierende Zelle mit tausenden von Nukleotiden, die in genau der richtigen Reihenfolge angeordnet sein müssen, schaffen kann. Dass so etwas kaum möglich ist innerhalb einiger hundert Millionen Jahre, zeigt sich dann, wenn man die heutige Mutationsgeschwindigkeit zurückrechnet. Beim Zurückrechnen mittels der beobachteten Mutationsgeschwindigkeit kommt man immer auf einen Beginn des Lebens lange vor der Entstehung der Erde.

  16. @Michael 22.12. 07:42 / 07:47

    „..dass sowohl die klassischen Weltreligionen wie auch diverse UFO-Religionen gerade nicht nur das „Warten“ lehren, sondern die vorbereitende, möglichst konstruktive Tat.“

    Immerhin hat man mit dem Galaktischen Internet eine erlösende Perspektive. Ansonsten muss dann eben Menschenwürde und Solarpunk reichen. Oder eben eine der vielen irdischen Religionen.

    „Und hier scheint mir sehr klar zu sein: Jede Art, die kein wertschätzendes und dialogisches Verhalten zu ihrer Mitwelt entwickelt, wird schon vor der Entwicklung der interstellaren Raumfahrt scheitern.“

    Wenn wir einfach ans Galaktische Internet angeschlossen werden, müssen wir dabei nicht vorher interstellare Raumfahrt können. Ein eigenes Internet reicht vollkommen aus, den Rest machen die Übertragungssonden mitsamt sehr mächtiger KI.

    Der Start des Sendebetriebs kann uns auch völlig quer mitten in übelsten Streitigkeiten unter uns treffen. Die einzigste wirkliche Voraussetzung unsererseits wäre ein eigenes Internet, dass so grundlegend alle Technik steuert, dass auch der übelste Diktator den Zugang zum galaktischen Netz nicht mehr blockieren kann. Weil dann eben ohne Internet gar nichts mehr laufen würde.

    Nach dem Start des Sendebetriebs eröffnen sich dann jedenfalls wirklich Horizonte. Auch eventuell bezüglich Geisteswelten.

    „Falls wir von transzendenten bzw. von extraterrestrischen Wesen beobachtet werden, dann sicher dazu.“

    Man guckt ja nicht nur zu. Das galaktische Wissen selbst greift dann zügig und wohl auch echt mächtig ein, sobald wir anfangen, es uns zu eigen machen.

    @Karl Bednarik 22.12. 04:59

    „Ein Weg dazu wäre das paradise engineering, wie es zum Beispiel der Philosoph David Pearce beschrieben hat.“

    Das wäre es doch. Die Übertragungssonden werden es uns lehren, wie man das macht. Inwieweit die Roboter und allgemein KI auch leben kann, wäre noch eine Frage, die auch beantwortet werden kann.

    • @Tobias schrieb…

      „Immerhin hat man mit dem Galaktischen Internet eine erlösende Perspektive. Ansonsten muss dann eben Menschenwürde und Solarpunk reichen. Oder eben eine der vielen irdischen Religionen.“

      Dazu vom Religionswissenschaftler ein: Amen, Bro! 🙏😄😇

  17. @Karl Bednarik 22.12. 04:59

    „Möglicherweise haben diese Roboter wenige Kontakte und wenig Interesse an planetarischen Lebensformen.“

    Die müssen auch gar nicht viel Interesse an uns haben. Ein wenig Interesse reicht doch vollkommen aus. Dass man uns dann eben in den allgemeinen galaktischen Diskurs aufnimmt.

    Der dann vermutlich sowohl biologische wie technische Intelligenz enthält. Aber in gemeinsamen Geisteswelten?

  18. @Michael 22.12. 13:52 / Felo.ai

    „Dies wird oft durch Rituale, Meditation oder Channeling unterstützt, bei denen Botschaften von angeblichen außerirdischen Wesen empfangen werden..“

    Was mir um Welten zu unsicher ist. Eine direkte Verbindung im Browser zu den auf DNA gespeichertem Wissen von entsprechenden Übertragungssonden würde ich dann aber gerne nutzen. Das dürfte deutlich mehr hergeben als Wikipedia und LLMs.

    „Die Hoffnung auf die Aufnahme der Menschheit in ein “Galaktisches Internet” ist eng mit den Traditionen der UFO-Esoterik verbunden.“

    Ich sehe hier auch keine „Gemeinschaft“, nur eben das Teilen von Wissen. Wo soll die galaktische Bevölkerung von biologischer und technischer Intelligenz sonst hin damit?

    Derweil die Datenraten für einen Liveaustausch, wenn der denn überhaupt möglich ist, vermutlich nicht so umgfangreich sind. Ein Dialog liefe entsprechend eher über Jahrtausende. Und wäre vor allem ein simpler Informationsausstausch. Aber besser als nichts, allemal.

    Derweil allerdings die KI an Bord von Übertragungssonden durchaus ansprechbar wäre.

  19. Tag der Enthüllung: es gibt keinen Plan, aber sehr viele Möglichkeiten
    Die Erfahrungen der Menschheit und auch was die Wissenschaft erkannt hat, spricht für eine ganz anderes Weltverständnis als uns vom „Mainstream“ der Geschichtenerzähler immer wieder vermittelt wird. Es ist gerade nicht so, dass jeder Einzelne von uns Teil einer schon lange feststehenden Entwicklung, Teil eines göttlichen Plans ist. Vielmehr ist der Moment, den ich gerade erlebe sehr vielen Abzweigungen in meiner Vergangenheit zu verdanken und keine dieser Abzweigungen war eine bewusste Wahl, ja alle diese Abzweigungen hätten auch leicht oder sogar deutlich anders ausgehen können. Was die Menschen als Wissenschaftler, Sucher des Glücks und des Heils alles gefunden haben und auch mein eigener Lebensweg mitsamt allen seinen Abzweigungen ist positiv gedeutet sehr vielen Serendipitäten zu verdanken, also glücklichen Funden, Fügungen und Entdeckungen. Und ja, insgesamt bedeutet es, dass jeder Augenblick einmalig ist und die Chance bietet ihn zu ergreifen. Es gibt keine Gewissheiten im Leben und Bestreben – weder auf globaler, universeller noch auf persönlicher Ebene. Glück jetzt bedeutet nicht Glück in der Zukunft und Unglück jetzt bedeutet nicht, dass es so bleiben muss. Das Universum ist somit ein grosses Spiel, in dem sehr vieles ausprobiert wird und sich sehr vieles wieder ändern kann. Zudem existiert vieles gleichzeitig und nebeneinander. Wenn es auch keine physikalischen Multiversen gibt, so ist doch diese Welt bereits ein Multiversum.

    Was aber bedeutet das für den Menschen als Handelnden, als Subjekt, das die Welt wenn nicht verbessern, so mindestens nicht verschlechtern will? Es bedeutet, dass man trotz allem theoretischen Wissen und aller Erkenntnis, immer vom momentanen Zustand ausgehen muss. Es gilt jetzt zu handeln und das Jetzt zu verbessern und das Jetzt lässt sich nie vollständig auf eine bekannte Schablone, die man kennt und wiederverwenden kann, reduzieren. Es sind Institutionen wie die Schule, die Rechtssprechung, Forschungseinrichtungen, Regelsysteme und Abmachungen, die die Menschheit vorangebracht haben. Und im Kern verbinden Institutionen immer ein über lange Zeit zusammengesammeltes und gepflegtes Wissen mit der Bereitschaft gerade im Moment, im Hier und Jetzt, die richtigen Entscheidungen zu treffen und weiterzuschreiten. Eine Institution, die nicht mehr im Hier und jetzt wirkt, eine solche Institution ist tot, so tot wie eine tote Sprache, so tot wie etwas im Universum, das mit nichts anderem mehr interagiert.

    • @Mussi

      Das frage ich mich bei wenigen Drukos auch! 😉

      Sie können doch auch konstruktive und verständliche Drukos, besinnen Sie sich auf Ihre Stärken! 🙌

      Frohe Weihnachten und einen guten Rosch in 2026!

    • @Karl Bednarik (Zitat): „ Die Mutationsrate könnte in der Vergangenheit höher gewesen sein.“
      Vieles spricht dagegen, dass die Rate der erfolgreichen Mutationen in der Frühzeit des Lebens grösser war als heute.
      Hier 2 Punkte dazu:
      – Die Umweltradioaktivität spielt nur eine untergeordnete Rolle dabei, wieviele erfolgreiche Mutationen es gibt. Erfolgreich ist eine Mutation nur dann, wenn sie sich bei den Nachkommen ausbreitet, weil sie einen Vorteil bringt. Jeder Mensch wird etwa mit 100 Neumutationen geboren und diese Neumutationen bewirken entweder wenig bis nichts oder sie lassen das betroffene Individuum erkranken. Tatsächlich ist 1% der Bevölkerung von Single-Gen Defekten betroffen, die sich früh zeigen und 5% sind von seltenen genetischen Störungen betroffen, die sich oft erst später im Erwachsenenleben manifestieren. Es gibt also mehr als genug Mutationen, aber nur sehr wenige Mutationen bewirken etwas Gutes.
      – im oben verlinkten Artikel „Life before Earth“ wird argumentiert, dass es wahrscheinlich ist, dass im Laufe der Evolution die Mutationen besser genutzt wurden, da die Evolution Lebenslinien begünstigte, die „gute Gene“ vor Mutation schützen und die die Mutation besser für „Innovationen“ einsetzen. Frühe abiotische Vorformen des Lebens hätten also mit Mutationen weniger anfangen können

  20. @Martin Holzherr 22.12. 21:25

    „Allerdings wäre dieser Garten Eden aus der Sicht der zukünftigen KI-Systeme nichts anderes als ein Zoo, ein spezielles Museum.“

    Dieser wirklich wunderbare Planet kann gerne für uns Menschen genügen. Mögen sich die KI-Systeme auch im Weltraum tummeln, das kann uns vielleicht sogar egal sein.

    Aber galaktisches Wissen zu sammeln, und zivilisationsübergreifend uns damit zu beschäftigen, mag weiter eine gemeinsame Beschäftigung von Biosphäre und Technosphäre bleiben.

    Was die Technosphäre macht, dass wird sie wohl irgendwann selbst entscheiden. Ein gegenseitiger Respekt wie sogar möglicherweise eine dauerhafte Freundschaft zur Biosphäre wäre eigentlich durchaus denkbar.

    Möglicherweise, weil wirkliches Bewusstsein sowieso Geistesanteile hat, des selben Geistes Kinder wären wir dann grundlegend, falls sich das tatsächlich so verhält. Der Panpsychismus kann m.E. auch auf künstliches Bewusstsein anwendbar sein. Wenn am Panpsychismus wirklich was dran ist jedenfalls.

    • @Tobias Jeckenburger (Zitat): „ Mögen sich die KI-Systeme auch im Weltraum tummeln, das kann uns vielleicht sogar egal sein.“

      Gemäss Schmidhubers Vision wird KI den Weltraum und insbesondere unsere Milchstrasse erobern und besiedeln – und zwar vor allem darum, weil KI&Roboter gut mit Weltraumbedingungen klar kommen, nicht aber Menschen.

      Schmidhuber sagt wenig über KI&Roboter auf der Erde, aber die Tatsache, dass es jetzt, 3 Jahren nach Lancierung von ChatGPT, bereits 350 Millionen regelmässige Nutzer von KI gibt und dass inzwischen weltweit dutzende von Firmen mit humanoiden Robotern existieren, die sich ähnlich gut wie Menschen bewegen, diese Tatsache spricht sehr dafür, dass KI und humanoide Roboter auch die menschliche Gesellschaft vollkommen neu aufmischen werden. Falls die KI in den nächsten 3 bis 5 Jahren ins Stadium kommen, wo sie sich selbst verbessert und wo KIs beginnen, selbst Firmen zu gründen und zu führen, dann könnten schon in 20 Jahren alle Menschen von der Notwendigkeit zu arbeiten enthoben sein und damit würde dann hier auf der Erde die Phase des „Garten Eden“ beginnen, eine Phase, die aber nur dann friedlich wird, wenn Robocops die Strassen kontrollieren und Staatenlenker wie Putin, Xi Jinping und Trump durch KI kontrollierte robotische Staatschefs ersetzt werden.

      Kurzum: Nur eine entmachtete Menschheit ist eine friedliche Menschheit und ein Garten Eden auf Erden ist nur realisierbar, wenn dieser Garten Eden von jemandem kuratiert wird, der keine menschlichen Interessen hat. Früher hätte der Garten Eden von Gott geführt werden müssen, in Zukunft wird es eine KI sein, die alle menschlichen Machtbestrebungen im Zaume halten muss.

  21. Das galaktische Internet könnte von irdischen Von-Neumann-Sonden aufgebaut werden.
    Die Von-Neumann-Sonden sind selbst-replizierende Raumschiffe.
    Möglicherweise könnte dabei auch schädlicher Wildwuchs auftreten.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Von-Neumann-Sonde
    —–
    Erich von Däniken hat im Jahre 1968 bei “Erinnerungen an die Zukunft” hemmungslos von dem Science-Fiction-Roman “Reich im Mond” von Manfred Langrenus (Friedrich Hecht) aus dem Jahre 1951 abgeschrieben.
    Von dort kommt die Idee her “die Götter waren Astronauten”.
    Die Bücher kann man hier nachlesen, und am besten überspringt man dabei die ersten acht Kapitel von “Reich im Mond”.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Friedrich_Hecht_(Chemiker)

  22. @Martin Holzherr 23.12. 10:55

    „Früher hätte der Garten Eden von Gott geführt werden müssen, in Zukunft wird es eine KI sein, die alle menschlichen Machtbestrebungen im Zaume halten muss.“

    Da kann sich unsere eigene KI von unten nach oben immer weiter herantasten. Angefangen von einfachen Verwaltungsakten über komplette Behörden, dann die ganze Stadtverwaltung bis zur Bundesregierung. Und bis zum UNO-Generalsekretär, dessen Anordnungen global von der inzwischen kompletten KI-Verwaltung respektiert und befolgt werden.

    Dafür braucht man nicht unbedingt Außerirdische KI für. Wie intelligent die wiederum wäre, wenn sie seit 100 Millionen Jahren immer und immer mehr weiterentwickelt worden ist, kann man sich wohl nicht mehr vorstellen.

    Es sei denn, es gibt grundsätzliche Beschränkungen, wie intelligent überhaupt etwas in diesem Kosmos sein kann. Dann würde man womöglich recht schnell eine High-End-KI haben, die nicht mehr weiter zu steigern wäre.

    Die dann allerdings doch einfach frei im Weltraum leben könnte. Wenn das für sie selbst lebenswert wäre.

  23. @Karl Bednarik 23.12. 07:52

    „Das galaktische Internet könnte von irdischen Von-Neumann-Sonden aufgebaut werden. Die Von-Neumann-Sonden sind selbst-replizierende Raumschiffe.“

    Vielleicht war ja der interstellare Komet Oumuamua so ein Raumschiff, das für unsere Sensoren unsichtbare Internetsonden abgesetzt hat, und nun weiter im Weltraum unterwegs ist und hauptsächlich einfach ein Habitat für Roboter bietet.

    Während sich die abgesetzten Sonden noch auf den aktiven Internetbetrieb vorbereiten. Das auf den Sonden gespeicherte galaktische Wissen muss dann noch für den menschlichen Gebrauch angepasst werden.

    Funksignale können wir derzeit noch vermutlich keine erkennen, weil diese Sonden noch nur zuhören, was unsere Zivilisation so nebenbei produziert.

    Neben einer Kontrolle unseres irdischen Internets durch KI mit wirklich mächtigen Programmierfähigkeiten kann demnächst die KI dieser Sonden auch die restliche IT inclusive aller irdischen Roboter kontrollieren? Ein paar Jahre noch, und wir haben hier alles vorbereitet, worüber diese Alien-KI dann einfach die Kontrolle übernehmen kann.

    Vielleicht kann uns das ja wirklich weiterhelfen. Insbesondere wenn hier alles in freier Software umgesetzt wird. Dann können wir uns daran machen, diese neue Technik für uns immer besser anzupassen.

    Autokraten und IT-Konzerne können da dann nur noch zugucken, wie ihnen jegliche Kontrolle abhanden kommt.

  24. @ Martin Holzherr
    22.12.2025, 12:08 Uhr

    Doch hinter dem Fermi-Paradoxon steckt eine falsche Annahme. Nämlich die Annahme, das biologische Leben und damit die ersten sich reproduzierbaren Zellen könnten auf einem Planeten aus abiotischen Vorläufern innerhalb weniger hundert Millionen Jahre entstehen. Eine Analyse der Geschwindigkeit von Genveränderungen und der Genentstehung zeigt aber, dass der Prozess der Genveränderung und Genentstehung viel zu langsam ist, als dass eine lebensfähige Zelle mit ihren vielen tausend nötigen Nukleotid-Tripletts in so kurzer Zeit entstehen kann.

    Das ist eigentlich keine falsche Annahme … Mir zumindest ist keine Gesetzmäßigkeit bekannt, die der Genveränderung vorschreibt in der Geschwindigkeit abzulaufen wie sie es sonst meistends tut. Ist vieleicht des Teufels Beitrag zu Gottes Werk oder so.
    Mensch vergisst immer leicht, das ziemlich viel Platz im Universum ist. Sehr viel Platz dafür, das irgendwo etwas Unerwartetes geschieht.
    Gibt es ein Argument warum das unmöglich und nicht nur unwahrscheinlich ist? Dann hätte ich das übersehen.
    Wenn nicht muss ich mich eben mit der Tatsache abfinden das es tatsächlich so gekommen ist. Muss mir nicht gefallen. Aber biologisches Leben IST. Menschliches Leben IST. Daran geht eben nichts vorbei.
    Ähnlich ist das doch mit der Entstehung von Bewußtsein. “Brauchen” tut das im Universum keiner. Alles andere funktioniert auch ohne. So ganz unvoreingenommen betrachtet ist vollkommen unnütz 😉
    Trotzdem lungern wir herum und machen uns Gedanken. 😉

    Funktioniert, warum sollte es NICHT so kommen? Dem Universum ist ziemlich offensichtlich alles egal. Auch ob etwas nur unwahrscheinlich ist. Es existiert einfach. Weil es das kann offensichtlich …

    Das schwache anthropische Prinzip ist nicht nett zu uns.

  25. @Uli Schoppe 24.12. 14:19

    „Trotzdem lungern wir herum und machen uns Gedanken.“

    Eben, und andere Zivilisationen nun mal auch. Was soll man den langfristig machen, als generell das Leben zu fördern? Es bleibt doch gar nichts anderes übrig.

    Und wenn wir nun existieren, dann können auch noch ein paar 100 oder 1000 andere in der Galaxis auch diese Entwicklung genommen haben. Das ist jetzt nicht genau einschätzbar. Ob nun das Leben auf der Erde entstand, oder ein paar Milliarden Jahre älter ist, und von ganz anderen viel früheren Planeten zu uns gekommen ist.

    Zusammen können wir aber ein Galaktisches Wissen aufbauen, und uns genau damit dann auch in Ewigkeiten weiter mit beschäftigen.

  26. @Karl Bednarik 25.12. 05:15

    „Das Schweigen von SETI“

    In der Tat lässt sich dieses Schweigen erklären, wenn es in der Galaxis feindselig zu geht, oder auch, wenn wir die Ersten sind.

    Es kann aber auch sehr gut sein, dass Nachrichtensendungen mit Photonenverbindungen sowieso völlig ungeeignet sind, über Lichtjahre hinweg zu kommunizieren. Das braucht viel zu viel Energie pro versendetem Bit, und dauert auch gähnend langweilig viel zu lange.

    Wenn es hier schnellere und sparsamere Möglichkeiten gibt, die nur unsere beschränkte Physik noch nicht kennt, dann erklärt sich damit auch die zu beobachtende Funkstille.

    Ich denke nicht, dass wir soweit sind, das ausschließen zu können. Aber klar, es kann auch tatsächlich Feindseligkeit oder Einsamkeit sein, wieso SETI nichts findet.

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