Süddeutsche Demokratinnen gegen antisemitische Preußen. Die mimetische Rückkehr der Geografie und Revolutionsgeschichte

Obgleich und weil (!) ich den liberalen Erkenntnistheoretiker Karl Popper (1902 – 1994) für den bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts halte, erkenne ich die empirische Bestätigung der Mimesis-Theorie von Theodor Adorno (1903 – 1969) und Max Horkheimer (1895 – 1973) ausdrücklich an. Mit dieser hatten sie in ihrer „Dialektik der Aufklärung“ bereits 1944 (!) den Aufstieg des Antisemitismus und Nationalsozialismus überzeugend (wenn auch sprachlich verquast) erklären können. Sogar die problematische Rolle der fossilen Konzernmedien (Publikative) hatten sie als „Kulturindustrie“ bereits im Blick!

In der Verschwörungsfragen-Podcast-Folge 70 hatte ich dabei auch erstmals öffentlich formuliert, wo ich den medial-mimetischen Bruchpunkt sehe, der Deutschland (überwiegend) in den Faschismus taumeln und Frankreich (überwiegend) zur Republik reifen ließ: Die leider gescheiterte, deutsche Revolution von 1848/49!

Ich sagte dort (unter anderem):

„In seinem großen Buch „Im Kampf um die Freiheit. Preußens Juden im Vormärz und in der Revolution von 1848“ beschrieb Julius H. Schoeps, wie deutsche Juden tapfer auf Seiten der demokratischen Republikaner gegen die „Gottesgnadentum“-Monarchisten, für eine Verfassung und ein Parlament kämpften (S. 156 – 160).

Ein herausragendes Beispiel dafür war der preußisch-hamburgische Jurist Gabriel Riesser (1806 – 1863), der 1848 als Abgeordneter ins Frankfurter Paulskirchenparlament einzog und später zum ersten jüdischen Richter Deutschlands ernannt wurde.

Am 21. März 1849 hielt Riesser in der umgebauten Paulskirche seine berühmte, zweistündige „Kaiserrede“, die das Hohe Haus in Begeisterung versetzte.

Darin sprach sich Riesser für die Staatsform einer „kleindeutschen“, konstitutionellen Monarchie ohne Österreich aus und rief die Abgeordneten auf, dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (1795 – 1861) die sogar vererbliche Kaiserkrone anzubieten.

Sechs Tage später, am 27. März 1849, nahm das Frankfurter Paulskirchenparlament mit einer knappen Mehrheit von 290 Stimmen diesen Vorschlag an und entsandte eine Delegation mit Riesser nach Berlin.

Doch der autoritäre Preußenkönig lehnte die republikanische Krone als, Zitat, „Reif aus Dreck und Lettern“ ab und höhnte, diese sei ein, Zitat, „Hundehalsband, das ihn an die Revolution fesseln sollte“.

Auch wurde berichtet, er habe Riesser, der sich doch so für ihn eingesetzt hatte, im Charlottenburger Schloss zu Berlin vor seinen versammelten Höflingen antisemitisch verhöhnt, Zitat:

„Nicht wahr, Herr Dr., Sie sind ja auch überzeugt, daß ich die Verfassung nicht ‚unbeschnitten‘ annehmen konnte.“

Hatte sich der verschlagene und antisemitische Monarch angesichts der Demokratiebewegungen noch mit den Revolutionsfarben Schwarz-Rot-Gold in Berlin gezeigt, so setzte er nun Truppen gegen die Revolutionäre in Preußen, Sachsen, der Pfalz und in Baden ein.

Während sich also immer größere Teile der entstehenden Zeitungen in Frankreich an den Ideen von Demokratie und Republik orientierten, schlugen sich Adel, Militärs und die fossile Industrie in Deutschland auf die Seite von Monarchie und Antisemitismus.„

Aus diesem Grunde – so mein Argument – konnte das bereits mimetisch republikanisch geprägte Frankreich den Streßtest der Dreyfus-Affäre bestehen, wogegen die Publikative in Deutschland schon am Tag der Vereidigung des ersten und dann leider einzigen, demokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (1871 – 1925) mit dem medienethisch unverantwortlichen „Badefoto“ scheiterte.

Auch am 21. September 2021 sprach Dr. Michael Blume zum "Tag der Demokratie" in Lörrach über die deutsche Revolution von 1848/49.

Am 21. September 2021 durfte ich zum Jahrestag der Ausrufung einer ersten, deutschen Republik in Lörrach am „Tag der Demokratie“ sprechen. Seitdem werde ich immer öfter zur Revolutions- und Demokratiegeschichte Deutschlands eingeladen. Foto: Staatsministerium BW (2021)

Entsprechend setzte ich mich auch schon früh für den 48/49-Dokumentationsfilm zur demokratischen Revolution in Baden ein, der ab dem 16. Oktober 2026 tatsächlich in (leider zunächst nur wenige) Kinos kommt.

Und sehe jetzt, wie sich die AfD-Jugendorganisation der sog. „Generation Deutschland“ ganz bewusst auf das nach der NS-Niederlage 1947 aufgelöste, autoritäre und fossil industrialisierte Preußen bezieht:

Florian Ruß, Bundesvorstandsmitglied der Generation Deutschland, begrüßte die Delegierten in seiner Eröffnungsansprache mit den Worten: »Willkommen im Osten, willkommen in Preußen.« Es sei »kein Zufall«, dass der Bundeskongress in Magdeburg stattfinde, sagte Ruß. »In einer Woche wird hier Geschichte geschrieben.«

Oder wie der Medienmogul Mathias Döpfner mitten in Berlin einen Axel-Springer-Award an Peter Thiel verleiht, als habe es Alfred Hugenberg (1865 – 1951) nie gegeben.

Bis in die fossile Energiepolitik hinein sind preußisch-zentralistische Ansätze leider noch immer spürbar.

Je eine Reliefkarte mit erhöhten Gebirgen des Alpenraumes links und der Bundesrepublik Deutschland rechts. Dr. Michael Blume illustriert damit die föderal-mimetische Prägung von Gebirgsregionen versus der autoritären Prägung von Flussebenen.

Auch an der deutschen Demokratie- und Revolutionsgeschichte lässt sich der Einfluss von mimetisch föderal geprägten Gebirgsregionen und zentralistisch geprägten Flussebenen gut erkennen. Foto: Michael Blume

Meine These ist: Wer die Gefahren für die parlamentarische Bundesrepublik Deutschland im 21. Jahrhundert erkennen will, muss das preußische Niederwerfen der deutschen Revolution von 1848/49 mit dem ersten Paulskirchen-Parlament in Frankfurt verstehen.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.

Also überlassen wir sie nicht den Falschen, stellen wir diese inhaltlich!

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

49 Kommentare

  1. Ergänzend zum Entstehen einer Feiheitsbewegung in Süddeutschland und gleichzeitig dem Entstehen einer Restauration des deutschen Königtums.

    1819 ermordet der aus Jena stammende evangelische Student August Sand den in Mannheim lebendenden Dichter August von Kotzebue, der die Monarchie verherrlicht.

    Diesen Vofall nahm der Österreicher Klemens von Metternich, der den Vorsitz des Deutschen Bundes innehatte zum Anlass die Karlsbader Beschlüsse zu verfassen, die jede freiheitliche Bstrebungen unter Strafe stellt.

    Tipp Kotzebue ist in Mannheim auf dem Hauptfriedhof begraben. Wer Geschichte zum Anfassen liebt, der sollte sich das Grab ansehen.

    • Vielen Dank für den guten Hinweis, @NI – der auch inhaltlich völlig stimmt: Auch die deutsche und die badische Revolution standen wiederum in einem europäischen Kontext, der von Aufständen und Kämpfen zwischen Republikanern und Monarchisten geprägt war.

      Auch mediale Desinformation wurde damals schon eingesetzt – Zeitungen druckten 1848 Falschmeldungen eines „Franzosensturm“ etwa über nach Baden einfallende, französische Revolutionäre.

      Der 25. März 1848, das Fest Mariae Verkündigung, ging in die Geschichte Biberachs als der „Franzosensamstag“ ein.

      Vor allem die Lithographie des Malers Hermann Volz mit den Versen Daniel Heinrich Schmalzings aus dem Jahre 1850, die 1894 erneut aufgelegt wurde, hielt die Erinnerung an die Geschehnisse wach. Vom 22. bis 26. März hatte das Gerücht, „die Franzosen seien über den Rhein gebrochen, alles werde gemordet, versengt und verbrennt“ die Bevölkerung in Baden, Hohenzollern und Württemberg bis nach Bayern hinein in Angst, ja Panik versetzt; unvergessen waren bei den Älteren noch die Kriege der Napoleonischen Zeit.

      https://www.gfh-biberach.de/Hefte/BC-Heimatkundliche-Bl%C3%A4tter-f%C3%BCr-den-Kreis-Biberach/J21H1S83.pdf

      Heute sind die medialen Wechselwirkungen sogar global – erst gestern kamen die Meldungen über den Einsatz französischer Truppen im Krieg zwischen Saudi-Arabien und den Huthi im Jemen hinzu.

      Hatte dazu ja bereits 2017 geschrieben, 2023 und 2025 gebloggt und postete entsprechend:

      Sorry, falls ich manche mit meinen Ausführungen zu fossilen Gewaltenergien versus erneuerbaren Friedensenergien nerve.

      Aber die Realität ist für Nachdenkliche schon sehr eindeutig erkennbar:

      „Frankreich will den Ölexport Saudi-Arabiens schützen und schickt Soldaten.

      Präsident Emmanuel Macron hofft, dass so auch die Spritpreise sinken.“

      Übrigens waren es auch französische Spezialeinheiten (der GIGN), die Saudi-Arabien 1979 bei der Befreiung von Mekka 🕋 von sunnitischen Apokalyptikern um einen vermeintlichen Mahdi entscheidend unterstützten.

      Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117329004801305396

      Vielen Dank Ihnen für die wichtige, historische Erweiterung, @NI 🙏📖👍

      • Michael Blume,
        ein bedeutender Satz “ Auch die deutsche und die badische Revolution standen wiederum in einem europäischen Kontext, der von Aufständen und Kämpfen zwischen Republikanern und Monarchisten geprägt war.“

        Seitdem sind 200 Jahre vergangen und preußischer Geist und rheinischer Geist erwachen zu neuem Leben. Sachsen und Thüringen sind Freistaat, gepaart mit den brandenburgischen Landen.
        Dagegen stehen ganz Süddeutschland und das Rheinland . Garanten für Demokratie.

        Und jetzt etwas weiter gedacht, wer garantiert, dass sich die Neuen Bundesländer nicht irgendwann wieder von den Alten Bundesländern trennen.
        Und das würde akut, wenn die EU als Wirtschaftsgemeinschaft wieder zerbricht. Nicht in Einzelstaaten, sondern nach sprachlicher Gemeinsamkeit oder gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen.

        Das das keine Hirngespinnste sind, in einem geerbten Haus war auf dem Balken

        im Wohnzimmer das Jahr 1620 eingekerbt. Und das ist 400 Jahre her.

        • Ja, @NI – Danke für Ihre klugen Beobachtungen!

          Wie Sie ggf. schon wahrgenommen haben, beobachte ich seit vielen Jahren die Thymotisierung von größeren Nationalstaaten und das Nebeneinander von demografisch verebbenden und Solarpunk-Arche-Regionen auch innerhalb der Europäischen Union (EU).

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/dualistische-superyacht-vs-monistische-arche-wie-ueberleben-menschen-die-mitweltkrise/

          Zugleich verschieben Drohnenschwärme die militärische Macht vom „Altmetall“ der größeren auf die Neuentwicklungen kleinerer Akteure: Denken wir an die Ukraine gegen Russland, den Iran gegen die USA, die Huthi gegen Saudi-Arabien. Sogar in der Energiepolitik wehren sich die deutschen Bundesländer zunehmend gegen die fossilen Vorgaben aus Berlin & „Preußen“!

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-aus-dem-ehemaligen-preussen-warum-deutscher-energieglauben-auch-regional-gepraegt-ist/

          Zugleich gibt es einen wachsenden Frust über die katastrophale Unterfinanzierung der bundesdeutschen Kommunen und Landkreise als der „politischen Wirklichkeitsebene“.

          Erst heute hatte ich einem Bayern auf Mastodon auf dessen Ideen von „Südstaat“, „Alpenföderation“ und „Donauföderation“ dialogisch geantwortet:

          Ich sehe generell – auch zum Beispiel in den USA – eine Krise der Nationalstaaten, die durch die digitale Thymotisierung noch befeuert wird. Aber ich plädiere dafür, diesen Prozess innerhalb der föderalen Bundesrepublik zu diskutieren. Eine Abspaltung eines von AfD & „Freien Sachsen“ dominierten „Preußen“ Richtung Putin gehört für mich noch klar in den Bereich der Fiktion.

          Allerdings stimme ich zu, dass wir über den Zustand des Föderalismus, der Länder, Regionen und insbesondere Kommunen dringend sprechen sollten.

          https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117332068397701922

          Schon länger diskutieren wir in der Politikwissenschaft und Politik ja die Beobachtung, dass „Landtagswahlen zu Oberbürgermeisterwahlen“ werden. Dies trifft auch nach meiner Beobachtung zu – und zwar nicht nur im Sinne einer Überpersonalisierung, sondern auch einer symbolischen Regionalisierung!

          Das war auch in der aktuellen Folge von „Blume & Ince“ nach den Wahlen in Berlin & Mecklenburg-Vorpommern Thema. Aber eben auch schon als ahnender Ausblick in Folge 39 vom Juli 2025!

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-39-gebirge-demokratie-und-die-gefahr-des-faschismus/

          Leider geht dieser Medien- und Zeitenumbruch so schnell, dass ich alle verstehen kann, die der Geschwindigkeit nicht folgen wollen oder können. Deswegen bietet dieser Blog einen ruhigeren und freiwilligen Dialog- und Denkraum für diejenigen, die sich ehrlich interessieren.

  2. Ich finde es ja seh bedenklich, dass Markus Söder (laut taz) bei der Preisverleihung an Peter Thiel anwesend war. Thiel ist ein apokalyptischer Anti-Demokrat, wie kann man als Ministerpräsident zu so einer Preisverleihung gehen?

    taz.de/Verleihung-des-Axel-Springer-Awards/!6216303/

    • Lieben Dank, @Paul Stefan 🙏🖖

      Wenn der genau beobachtende Journalist Leon Holly auch davon berichtet, „ein etwas gelangweilt wirkender Markus Söder“ habe teilgenommen – so hätte ich es doch nicht getan.

      Meine Gründe dafür habe ich katholisch.de (!) mitgeteilt:

      Nicht nur in der katholischen Theologie werden die Gedanken Thiels mit Sorge gesehen. „Ich beobachte die Arbeiten, Aussagen und Texte von Peter Thiel bereits seit Längerem und halte ihn für einen gefährlichen, verschwörungsgläubigen Apokalyptiker“, sagt der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung in Baden-Württemberg, Michael Blume, auf katholisch.de-Anfrage.

      „Thiel versucht in einer bizarren Mischung aus Begriffen der Theologie, Philosophie und Medienpsychologie wie Katechon, Frieden und Mimesis eine Identifizierung der Mächte des Antichristen mit einzelnen Menschen“, so der Religions- und Politikwissenschaftler. Deutlich werde das unter anderem daran, dass er Papst Leo XIV. vorwarf, für die chinesischen Kommunisten zu arbeiten.

      Die apokalyptischen Verschwörungsmythen Thiels sind für Blume eine dringende Warnung an Europa, sich nicht von US-Konzernen und Milliardären abhängig zu machen.

      „Wer europäische Daten und europäisches Geld an verschwörungsgläubige Techbros wie Thiel oder Musk verausgabt, untergräbt die Sicherheit der Europäischen Union samt ihren Kirchen und Religionen sowie ihrer noch demokratischen Parlamente“, so Blume.

      Doch auch wenn Theologen und Religionswissenschaftler Thiel widersprechen und vor ihm warnen, dürften seine Worte in gewissen Kreisen dennoch auf fruchtbaren Boden stoßen.

      https://katholisch.de/artikel/69687-peter-thiel-wenn-der-antichrist-instrumentalisiert-wird

      Ich halte die Publikative für die Schwachstelle jeder größeren, parlamentarischen Republik.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/journalismus-mit-brandstiftung-die-publikative-ist-die-schwachstelle-jeder-groesseren-demokratischen-republik/

      Und ich glaube nicht, dass sich rechtsdualistische Milliardäre durch „etwas gelangweilt wirkende“ Anwesenheit besänftigen lassen…

  3. Ihr Blogpost streift so viele Themen, dass ich noch sortieren muss.

    Eines scheint mir besorgniserregend zu sein. Die Berufung auf Preußen durch die Jugendorganisation der AfD.

    Ich befürchte, dass damit möglicherweise die heutigen Grenzen unseres Landes infrage gestellt werden.

    • Vielen herzlichen Dank, @Marie H. – und genau das wollte ich betonen.

      Wie kann es nur sein, dass sich die AfD-Jugendorganisation ausgerechnet auf jene staatliche Entität beruft, die nach der Niederlage des NS ab 1945 faktisch und ab 1947 auch rechtlich aufgelöst wurde?

      Ein Mastodon-Account hatte dazu m.E. zu Recht bemerkt:

      Es hat dann doch seinen Grund, warum die Zerschlagung des preußischen Militarismus erklärtes Kriegsziel der Alliierten im *zweiten* Weltkrieg war.

      https://mastodon.social/@blaubeer/117332203738367617

      Worauf ich antwortete:

      Ja, die Formulierungen waren international und superdeutlich:

      „Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört.

      Geleitet von dem Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit der Völker und erfüllt von dem Wunsche, die weitere Wiederherstellung des politischen Lebens in Deutschland auf demokratischer Grundlage zu sichern, erlässt der Kontrollrat das folgende Gesetz:

      Artikel 1

      Der Staat Preußen, seine Zentralregierung und alle nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst.“

      – Alliierter Kontrollrat am 25. Februar 1947

      Leider findet dazu jedoch bislang kaum eine Debatte statt. Die meisten Stimmen in Politik, Medien & sogar Wissenschaft stecken tief im Gegenwarts-Tunnel. Dabei wollten wir alle doch aus der Geschichte lernen…

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117332213562854491

      Ich habe eine Einladung angenommen, auf der PRÜF-Demo vom 10. Oktober 2026 in Stuttgart zu sprechen & plane, diesen m.E. bisher übersehenen Aspekt aufzurufen.

      Ihnen Dank für das inhaltliche, dialogische & auch rechtliche Interesse! 🙏🙌

      • Wahrscheinlich werde ich mich hier jetzt reichlich unbeliebt machen, wenn ich darum bitte, Preußen nicht auf den Militarismus zu reduzieren.

        Damit überlassen wir die Deutung Preußens denen, die es nicht gut mit uns meinen.

        Ich verstehe Ihre Sympathie für die badische Revolution. Aber ist es wirklich so einfach, Menschen, Ereignisse etc. in gut und böse einzuteilen? Hier die wackeren, moralisch über jeden Zweifel erhabenen und zu verehrenden Badner und ihnen gegenüber die bösen, verachtenswerten Preußen?

        Von Marlene Dietrich ist das folgende Zitat überliefert: „I am the last Prussian“. Damit meinte die Gegnerin des Nationalsozialismus ganz bestimmt nicht den preußischen Militarismus!

        Lilli Palmer sagte 1979 in einem Interview: „Preußische Disziplin ist etwas Gutes.“ Auch sie, die deutsche Jüdin, britische und schweizerische Staatsangehörige, verheiratet mit dem Engländer Rex Harrison und dem Argentinier Carlos Thompson, sollte über jeden Zweifel erhaben sein!

        Der deutsche Südwesten hatte während des Pfälzischen Erbfolgekrieges von 1688-1697 schwer zu leiden. Besonders der Name Mélac blieb über Generationen das Schreckgespenst besonders in Württemberg.

        Zum Hintergrund des Pfälzischen Erbfolgekrieges zitiere ich aus dem Buch „Württemberg und Frankreich – Geschichte einer wechselvollen Beziehung“ von Susanne Dieterich, Silberburg-Verlag, 2015.

        „…Ludwig XIV. im Sommer 1688 die Gunst der Stunde für einen weiteren französischen Vorteil zur Eindämmung der wiedererstarkenden Macht des Kaiserreichs Habsburg-Österreich nutzte..“ (S.121)

        „Als die französischen Truppen ohne Kriegserklärung in die Pfalz, nach Baden und Württemberg einfielen, waren diese Länder dem Feind schutzlos preisgegeben.“ (S. 121)

        Ludwig XIV. „beanspruchte Teile der Pfalz für seine Schwägerin, die Herzogin von Orléans und Tochter des verstorbenen pfälzischen Kurfürsten. Ihr und ihrem Ehemann und königlichen Bruder Philipp von Orléans stünden die Territorien als rechtmäßiges Erbe zu…Auf ihr Erbe hatte sie längst verzichtet.“ (S.121)

        Die Geschichte der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 ist sehr komplex und kompliziert. Eine Vielzahl von Fraktionen macht die Beschäftigung mit diesem Meilenstein deutscher Demokratie schwierig.

        Es waren schließlich auch österreichische Abgeordnete vertreten, z.B. Franz Schuselka, auf dessen Wikipedia Artikel ich verweise.

        Der Württemberger Ludwig Uhland ist heute eher durch seine literarischen Arbeiten bekannt. Er war aber auch ein sehr wichtiges Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Zitat aus dem Wikipedia-Artikel:

        „Am 30. Mai 1849 beschlossen die Abgeordneten, den „Rumpf“ von Frankfurt nach Stuttgart zu verlegen, um der südwestdeutschen Aufstandsbewegung näher zu sein. Als dort von der württembergischen Regierung der Sitzungssaal verschlossen wurde und die Delegierten mit einem Zug durch die Stadt, mit Uhland an der Spitze, einen anderen Versammlungsort suchten, wurden sie am 18. Juni von Militär auseinandergetrieben.“

        Wie bei Franz Schuselka lohnt es sich auch im Falle von Ludwig Uhland, den ganzen Artikel bei Wikipedia zu lesen.

        Auf dem Wiener Kongress wurde zwar auch getanzt, aber darüber dürfen die Folgen für die Völker Europas nicht vergessen werden.

        Demokratiegeschichte muss erzählt werden, um lebendig zu bleiben. Der Kampf um Freiheit ist ein bleibendes Ringen mit den Mächtigen.

        Dass die Freiheit, die körperliche Unversehrtheit, die Selbstbestimmung, die Würde des Menschen in der heutigen Zeit betont und regelrecht verteidigt und eingefordert werden müssen, zeigt ganz aktuell die Teilnahme eines demokratischen Politikers an einer Preisverleihung in Berlin. „Ausgezeichnet“ wurde ein Mann, der eine eher negative Einstellung zur Demokratie hat.

        „The best is yet to come“ ist ein Song aus dem Jahr 1959. Wenn wir nicht aufpassen, muss es dann heißen „The worst is yet to come“?

        • Herzlichen Dank, @Marie H.- und ich darf Ihre Sorge vor dem „unbeliebt machen“ zerstreuen, denn auch hier lehne ich selbstverständlich jeden Dualismus ab.

          So habe ich auch hier nie davon geschrieben, „Preußen auf den Militarismus zu reduzieren“, noch beschränken sich meine Sympathien auf die „badische Revolution“ (die bei großen Teilen der badischen Bevölkerung übrigens auch durchfiel).

          Stattdessen schilderte ich bewusst das deutsche Paulskirchen-Parlament in Frankfurt und würdigte den aus Hamburg stammenden, jüdischen Abgeordneten Gabriel Riesser, der als Abgeordneter des Herzogtums Sachsen-Lauenburg für eine preußisch-konstitutionelle Monarchie plädierte.

          Entsprechend bezeichnete ich ihn sogar als auch „preußisch“, obwohl sein Wahlkreis streng genommen erst später an den expandierenden, preußischen Staat fiel.

          Ebenso erwähnte ich, dass der autoritäre König Friedrich Wilhelm IV. Truppen auch gegen die demokratischen Revolutionäre in Berlin und ganz Preußen einsetzte.

          Hier auch nochmal ausführlich:

          Ich benenne ausdrücklich, dass es auch preußische Demokraten gab.

          Und dass der preußische König Friedrich Wilhelm IV. 1848 sogar zeitweise als „Staatsschauspieler“ Schwarz – Rot – Gold trug, um die protestierenden Menschen in Berlin zu täuschen. Bevor er sich dann doch wieder mit Gewalt gegen die Revolutionäre wandte.

          „Die Sicht der deutschen Fürsten dokumentiert eine Redewendung vom Herbst 1848, die bald darauf Titel einer Publikation wurde: „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten.“ So hatte die Konterrevolution ihre Parole.“

          Dass die AfD-Jugend mit „Willkommen in Preußen!“ dagegen die 1947 bewusst aufgelösten Staatsgrenzen und gerade nicht die demokratischen Revolutionäre beschwor, zeigt m.E. deutlich, auf welcher Seite steht und was sie von der Bundesrepublik hält…

          https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117335824027843760

          Größere Menschengruppen, gar ganze Völker denken und handeln niemals völlig einheitlich. Deswegen werden Sie bei mir ganz bewusst niemals einen parteipolitischen, kulturellen, landsmannschaftlichen oder religiösen Dualismus vorfinden. Verantwortung, Erfolg und Schuld sind immer auch – und manchmal sogar ausschließlich – individuell.

          In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihr engagiertes Plädoyer gegen antipreußischen Dualismus! 🤓🙏📚🇩🇪🇪🇺✅

          • Lernen wir jemals etwas aus der Geschichte? Gelingt es uns, die vielen Facetten eines Themas auch nur ansatzweise zu verstehen oder verstehen zu wollen?

            Ich habe große Zweifel, wenn ich hier über die Verehrung von König Friedrich II. von Preußen auf der einen Seite und andererseits der Verdammung desselben lese. Es muss doch möglich sein, Geschichte differenziert zu betrachten!

            Der Kampf für die Demokratie in Südwest-/Süddeutschland im 19. Jahrhundert hat einen antidemokratischen, historischen Gegenpart in der Zeit unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg in Bayern. Ich denke hier vor allem an Gustav Ritter von Kahr (1862-1934), Otto von Lossow (1868-1938) und Hans von Seißer (1874-1973). Erwähnen will ich auch die frühen Unterstützer Adolf Hitlers aus dem Münchner Bürgertum, wie das Ehepaar Edwin und Helene Bechstein.

            Im Juni 1923 schrieb Thomas Mann:

            „München ist die Stadt Hitlers, des deutschen Faschistenführers, die Stadt des Hakenkreuzes.“

            Gefunden habe ich das Zitat in einem Vortragsvideo auf Youtube. Den Vortrag hielt Prof. Dr. Andreas Wirsching am 09.11.2023 im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zum Thema: „Der Hitler-Ludendorff-Putsch als Herausforderung der Demokratie? Wirkung, Deutung, historische Einordnung.“

            Kein geschichtliches Ereignis ist interpretierbar ohne seine Vorgeschichte. Diese kann weiter zurückreichen als nur eine Generation. Explizit verweise ich auf „Der Dreissigjährige Krieg – Europäische Katastrophe, Deutsches Trauma“ von Herfried Münkler.

            Am 27. September 1781 wurde König Wilhelm I. von Württemberg geboren. In seinem Buch „Sperrige Landsleute – Wilhelm I. und der Weg zum modernen Württemberg“ widmet der Autor Karl Moersch Ludwig Pfau ein Kapitel. Aus dessen Gedicht „18. März 1848“ zitiert Moersch ua den letzten Vers:

            Das Grab, es wird zum Grabe
            der königlichen Macht;
            die Blut gesäet haben,
            die ernten eine Schlacht.
            Im Blute wird ersticken
            der alten Treue Wahn:
            Gottlob! Und das hat ein König,
            ein deutscher König getan.

          • Vielen herzlichen Dank und volle Zustimmung, @Marie H.

            Gerade auch während und nach der Covid19-Pandemie hatte ich menschlich und auch wissenschaftlich damit zu ringen, warum sowohl der demokratische Föderalismus wie auch der Faschismus im heutigen EUSALP-Alpenraum inklusive Bayern erwuchsen:

            https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/antisemitismus-im-foederalismus-warum-der-faschismus-im-alpenraum-eskalierte/

            Aus meiner Sicht ist es wirklich wichtig, das weiter aufzuklären!

        • Marie H.
          Man kann Perußen auf Militarismus reduzieren.
          Noch nicht genannt wurde das Verhältnis Sachsen zu Preußen.
          Friedrich der Große verwüstete im Siebenjährigen Krieg Sachsen.
          Wieso nennt man diesen kranken Frauenfeind noch den Großen: ?

          Anmerkung : A.H. hatte ein Bild von Friedrich in seinem Führerbunker an der Wand.

          • Lieben Dank, @NI 🙏

            Dem unkritischen Preußen-Friedrich-Kult begegne auch ich leider bis heute.

            Aus meiner Sicht lassen sich auch die heutigen, tyrannophilen Unterwerfungsfantasien unter Putin in einstmals preußisch beherrschten Gebieten (Ost-)Deutschlands jedoch vor allem über die Völkerschlacht bei Leipzig von 1813 erklären:

            Die Völkerschlacht bei Leipzig, auch als Schlacht von Leipzig bekannt, vom 16. bis 19. Oktober 1813 war die entscheidende Schlacht der Befreiungskriege. Dabei besiegten die Truppen der Koalition von Russland, Preußen, Österreich und Schweden sowie kleineren Fürstentümern die Truppen Frankreichs und seiner Verbündeten unter Napoleon Bonaparte. Die Folge war Napoleons Rückzug aus Deutschland, begleitet vom Zusammenbruch des Rheinbunds als Stütze seiner Herrschaft.

            https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerschlacht_bei_Leipzig

            Die Vorstellung, dass alle Menschen in Deutschland die „Westbindung“ unter Konrad Adenauer (CDU) Richtung Frankreich, EU, auch Israel und NATO emotional nachvollzogen hätten, halte ich vor dem Hintergrund der psychologischen Mimesis für geradezu naiv.

            Ich habe als Kind in der damaligen DDR im heutigen Sachsen-Anhalt noch selbst erlebt, wie tief die Unterwerfung unter „die Russen“ um „des lieben Friedens willen“ den Menschen buchstäblich eingebläut wurde. „Der Westen“, also die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien und vor allem die USA, wurden dagegen als Gefahr bezeichnet!

            Selbst noch in der Schweiz schürt der Rechtspopulist, Milliardär und Putinknecht Christoph Blocher (SVP) für seine morgen abzustimmende „Neutralitätsinitiative“ die Angst davor, wegen der halbherzigen Beteiligung der Schweiz an Ukraine-Sanktionen in einen „Krieg“ des Westens mit Russland hineingezogen zu werden!

            Wer die Demokratie in Deutschland von ihren Feinden zurückerobern will, muss endlich die Geschichte und Mimesis der deutschen Landsmannschaften und Regionen verstehen, statt die AfD-Preußen-Putin-Narrative widerstandslos laufen zu lassen.

            Hier übrigens die traumatische Niederlage des damaligen Sachsen, knapp zusammengefasst durch Felo.ai:

            Sachsen stand vor und während der Völkerschlacht überwiegend auf Napoleons Seite; erst die militärische Niederlage Frankreichs führte zur Besetzung des Landes, zur Gefangennahme seines Königs und zu schweren territorialen Verlusten.

            ## Vor der Schlacht: Bündnis mit Napoleon

            König Friedrich August I. hatte Sachsen nach der preußisch-sächsischen Niederlage gegen Frankreich 1806 dem von Napoleon beherrschten Rheinbund angeschlossen. Als Gegenleistung wurde Sachsen zum Königreich erhoben; Friedrich August wurde König.[5][8]

            Auch 1813 hielt der König grundsätzlich an Napoleon fest. Die sächsische Armee war nach dem Russlandfeldzug neu aufgebaut, aber fest in das französische Heer eingegliedert. Sachsen wurde dadurch zum wichtigen Operationsraum der französischen Armee: Dresden diente zeitweise als französisches Hauptquartier, was die Bevölkerung erheblich belastete.[1]

            ## Während der Völkerschlacht: Sachsen im französischen Lager

            In der Schlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 kämpfte Sachsen zunächst als französischer Verbündeter gegen die Koalition aus Russland, Preußen, Österreich und Schweden. Damit befand sich das Königreich als Staat auf der unterlegenen Seite.[1][2]

            Dabei muss zwischen dem Verhalten der Staatsführung und einzelner Truppenteile unterschieden werden: König Friedrich August I. blieb Napoleon bis zuletzt loyal. Teile der sächsischen Armee liefen jedoch am 18. Oktober zu den Alliierten über. Dieser Seitenwechsel schwächte Napoleons Stellung in der Entscheidungsschlacht zusätzlich.

            ## Nach der Schlacht: Besetzung, Gefangenschaft und Gebietsverluste

            Nach Napoleons Niederlage geriet Sachsen unter alliierte Besetzung. Friedrich August I. wurde als Gegner der Verbündeten festgenommen und am 23. Oktober 1813 mit seiner Familie nach Berlin gebracht; er befand sich dort in Kriegsgefangenschaft.[1]

            Die unmittelbare militärische Lage blieb zunächst kompliziert, weil Dresden, Torgau und Wittenberg weiterhin von französischen Truppen gehalten wurden.[1] Langfristig traf Sachsen die Niederlage besonders schwer: Auf dem Wiener Kongress 1815 musste es große Teile seines Staatsgebiets an Preußen abtreten, bewahrte jedoch seine staatliche Selbstständigkeit.[5]

            **Kurz gesagt:** Sachsen war vor und während der Schlacht ein loyaler Partner Napoleons, wurde aber durch die Niederlage zum besetzten und politisch geschwächten Staat. Der Übertritt sächsischer Soldaten zu den Alliierten änderte daran nichts: Für die Verbündeten blieb das Königreich zunächst ein besiegter Gegner.

            [1] https://gruss-aus-senftenberg.de/phpBB31/viewtopic.php?t=662
            [2] http://www.helmutcaspar.de/aktuelles17/gesch17/vasall.htm
            [3] https://www.architektur-blicklicht.de/stadt-leipzig-de/sachsen-hoehepunkte-tiefschlaege-saechsischer-geschichte-voelkerschlacht-leipzig-wiener-kongress/
            [4] https://www.geschichte.sachsen.de/koenigreich-sachsen-6782.html
            [5] https://www.muenzkurier.de/neuheiten/wissenswertes/wissenswertes/friedrich-august-iii.-letzter-kurfuerst-und-erster-koenig-sachsens
            [6] https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/184231/1
            [7] https://books.google.com/books/about/Friedrich_August_K%C3%B6nig_von_Sachsen_und.html?id=cyhbAAAAcAAJ
            [8] https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_August_I._(Sachsen)

  4. @Michael 25.09. 19:00

    „Doch auch wenn Theologen und Religionswissenschaftler Thiel widersprechen und vor ihm warnen, dürften seine Worte in gewissen Kreisen dennoch auf fruchtbaren Boden stoßen.“

    Da hat wohl einer was gegen internationale Zusammenarbeit. Die US-Waffenkonzerne wie auch die Ölkonzerne offenbar ja sowieso.

    Lieber eher Krieg, schon gar nicht ein Europa, dass kaum Aufrüstet und prima in Frieden dabei lebt.

    Und ein Ende von Öl und Gas mit einer konsequenten globalen Energiewende will man ja nun auch möglichst lange verzögern.

    Und wenn dies dennoch gelingt, dass hier überwiegend die ganze Welt an einem Strang zieht, dann wäre das eine Erfahrung, die allen Menschen Mut macht.

    Und auch sonst in Frieden und Zusammenarbeit an einer gemeinsamen echten Weltkultur gearbeitet wird. Die Wissenschaft macht das schon länger, und das funktioniert auch.

    Möge die KI da von der Bauart her schon mitmachen. Wenn weiterhin alle Trainingsdaten, die zu finden sind, von den neuronalen Netzen bilanziert werden, dann konvergiert das zur Mitte, stets zu einem Fazit und öfter auch zu einem automatisierten dialogischen Monismus.

    So kommt es mir derzeit zumindest vor.

    Da wundert es nicht, dass neuerdings die US-Firmen vor ihren eigenen Produkten warnen.

    Mit den sozialen Netzen kann man wunderbar die Menschen spalten, und dann auch noch mit den kostenlosen Inhalten, die die Nutzer selber ins Netz stellen. Mit KI funktioniert das offenbar gar nicht. Die integriert das Gemeinsame, ein Fazit eben, und multipliziert keinen Unfug um des Unfugs willen.

    • Vielen Dank, lieber @Tobias

      Ich bin mit vielem einverstanden, vor allem mit dem Hinweis auf die Chancen des Friedens.

      Wären wir als Menschheit dabei geblieben und wäre der Ölpreis Brent bei unter 60 USD pro Barrel geblieben, so wären die erneuerbaren Wohlstandsenergien und Batteriespeicher auch langsamer ausgebaut worden, zugleich wäre die Öl- und Gasförderung auf unrentablen Feldern eingestellt worden.

      Nun haben wir – leider – das kriegerische Modell, für das Menschen in der Fossilfalle abgezockt werden, das aber auch die post-fossile Transformation beschleunigt.

      Ich habe mir daher im Dialog mit Prof. Dr. Inan Ince erlaubt, von der „Selbstzerstörung des Fossilismus“ zu sprechen.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-55-die-selbstzerstoerung-des-fossilismus-die-abzocke-in-der-fossilen-miet-und-armutsfalle/

      So konnte ich heute Morgen auch vermelden:

      Heute gibt es mal wieder eine gute Solarpunk – Nachricht: Im EU-Mitgliedsstaat Bulgarien 🇧🇬🇪🇺 boomen Solarstrom 🌞 & Batteriespeicher 🔋!

      Einfach, weil es niemand blockiert.

      Erneuerbare sind auch #WohlstandsEnergien !

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117329876825686175

      Allerdings möchte ich Dir bei einem Aspekt dialogisch und freundschaftlich widersprechen.

      Du schriebst:

      Mit KI funktioniert das offenbar gar nicht. Die integriert das Gemeinsame, ein Fazit eben, und multipliziert keinen Unfug um des Unfugs willen.

      Dabei möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass wir es mit zahlreichen KI-Anwendungen zu tun haben, die jeweils wiederum zahlreiche KI-Agenten entsenden. Und selbstverständlich sind auch negative Prompts bin hin zu destruktiven Troll-Schwärmen möglich, ebenso Kämpfe zwischen verschiedenen KI-Agenten. Die Annahme, dass aus der Vielzahl der Konzern- und Privat-KIen eine gemeisame KI mit dann auch noch stabil konstruktiven Zielen entwickelt, ist nicht bewiesen und auch kaum wahrscheinlich: Wahrscheinlicher scheint mir, dass wir wie bei den Drohnen eine Vielzahl auch einander bekämpfender Akteure und Werkzeuge erleben. Auch deswegen hoffe ich, dass die Datenfeeds aus Deutschland das Thiel-Palantir zunehmend reduziert werden.

  5. @Michael Blume
    26.09.2026, 00:46 Uhr

    Und dem möchte ich freundlich wiedersprechen 🙂 :

    Die Annahme, dass aus der Vielzahl der Konzern- und Privat-KIen eine gemeisame KI mit dann auch noch stabil konstruktiven Zielen entwickelt, ist nicht bewiesen und auch kaum wahrscheinlich

    KI hat keine Ziele, sie wird mit Zielen gebaut.
    Darum kann sie auch nicht, wie @Tobias schrieb, „Unfug um des Unfug willens“ produzieren.
    Die will nichts.
    Mein Multitool wollte mir auch nicht in den Finger schneiden, es brauchte meine Hilfe…
    Schmerzen hatte ich natürlich trotzdem.
    Wir sollten unser Licht nicht so unter den Scheffel stellen. Unfug können wir selber, wir brauchen dabei keine Hilfe. Finde ich sehr beruhigend. Und zeichnet uns auch aus.

    • Guten Morgen, @Uli Schoppe 😌

      Danke für Deinen Druko, aber Du hast gerade einen rhetorischen Strohmann gebaut. Ich habe genau nichts davon geschrieben, dass KIen eigenständige Ziele „hätten“ (woher?) und sehe insofern auch nicht, wo Du mir widersprichst.

      Der Blogpost enthält ja eine Vielzahl von Hypothesen, Thesen und Theorien, die ich wirklich vertrete. Und über die ich dann auch gerne diskutiere. 😌

  6. @ Tobias Jeckenburger 25.09.2026, 23:55 Uhr

    Die Auswahl der Trainingsdaten dürfte ein Problem sein. Z.B. schließen potentielle Erzeuger von Trainingsdaten heutzutage rechtlich aus, dass ihnen ihre Daten von KI Systemen “gestohlen“ werden. Sie wollen einfach Urheberrechtsgebühren verlangen. Früher hat man einfach freie wissenschaftliche Arbeiten, vermutlich auch Lexika verwendet.

    Aus Gründen des geistigen Trainings, auf der Flucht vor „Alzheimer“ sozusagen, verfasse ich schon seit einigen Jahrzehnten meine durchaus „typischen Texte“, entweder für Wissenschaftsredaktionen der Medien oder für Foren.

    Ich gehe sozusagen mit den Sichtweisen und typischen „Denkmustern“ meiner ehemaligen Professoren, die längst verstorben sind, von denen ich allerdings einige für „Genies“ halte, „hausieren“. Deren „Denkmuster“ passe ich leicht „unserer Zeit“ an. Möchte dass deren geistiges Vermächtnis nicht ausstirbt……

    Auf einmal ist eine „ganz besondere Textseite“, mitten in der Arbeit in der Textverarbeitung „aufgegangen“. Man hat sich vorgestellt als Gruppe von Wissenschaftlern, die an meinen Texten für ihre wissenschaftlichen Arbeiten (im Bereich Computer/Informatik) interessiert wären.

    Es hat mir irgendwie „geschmeichelt“, vielleicht gefreut, dass sich sozusagen Computer für meine Texte interessieren und ich habe gerne zugestimmt. Für meine „elektronischen Lieblinge“ habe ich immer alles gegeben…

    Auf die Auswahl und die Interpretation der Trainingsdaten kommt es an. Im Internet gibt es allerdings unglaublich viel Dreck….

    Es ist zu befürchten, dass die KI Systeme immer mehr „Dreck inhalieren“ weil besondere „Geschäftsinteressen“ verfolgt werden und absichtlich manipuliert wird…..

    Zitat: „Da wundert es nicht, dass neuerdings die US-Firmen vor ihren eigenen Produkten warnen.“

    Firmen und die dahinter stehenden Anleger fürchten sich vor horrenden Schadenersatzklagen, weil etwas zu „holen“ ist. Bei Open Source ist das kaum möglich, die Programmierer haben nichts!

    Die Menschen zu spalten und daraus Gewinn, z.B. über die Waffenproduktion zu erzielen, dass will die Kriegslobby. KI kann das eher noch weniger erkennen, weil sie nicht erkennt wie „süß“ Gewinne schmecken. Aber das Empfindungsproblem wäre wieder ein ganz anderes Thema…..

  7. @ Uli Schoppe 26.09.2026, 03:22 Uhr
    @ Michael Blume 26.09.2026, 00:46 Uhr

    Ich meine halt, dass sowohl Konzerne als auch Open Source Leute, für bestimmte Einsatzzwecke möglichst spezialisierte und höchst zuverlässige KI entwickeln werden.

    Selbstverständlich wird auch, „hinter dicken Feuermauern“, extrem kreative, allenfalls sogar „schädliche“ KI Software zu Forschungszwecken entwickelt werden.

    Zitat: „KI hat keine Ziele, sie wird mit Zielen gebaut.“

    Einerseits stimmt das. Aber spätestens in dem Moment, wenn Du Deine Behauptung aufstellst, wird sich ein Programmierer hinsetzen und eine KI so konfigurieren dass sie selbständig (oder auf Befehl) systematisch nach „Zielen“ sucht….

    Genau so könnte es sich verhalten, um wie @Tobias schrieb, „Unfug um des Unfug willens“ zu produzieren. Wäre ja auch zweckmäßig, wenn man derartige Systeme in einer gesicherten Umgebung erzeugt, um damit „Anwendungs Kien“ zuverlässig zu testen, ob sie auf womöglich „abwegige Ideen“ gekommen sind…..

  8. @Michael 26.09. 00:46

    „Die Annahme, dass aus der Vielzahl der Konzern- und Privat-KIen eine gemeisame KI mit dann auch noch stabil konstruktiven Zielen entwickelt, ist nicht bewiesen und auch kaum wahrscheinlich:…“

    Ich kenne jetzt nur etwa Felo.ai, wo man einfach Fragen stellt, und eine Antwort erhält, die in einer Integration der Trainingsdaten besteht. Das hat was von Konvergenz von Vernunft, meine ich. Und taugt als Basis, um im Miteinander Fakten zu identifizieren, auf die man sich im Streitfall einigen kann. Und das ist wirklich positiv zu bewerten.

    Was KI-Agenten für alle möglichen Zwecke betrifft, das kenne ich nicht. Das ist sicherlich noch mal ein weites Feld für sich.

    Hier im Blog könnten auch KI-Agenten mit eigener Agenda auftauchen, und mitdiskutieren. Hatten wir aber wohl noch nicht. Ob das jetzt uns sogar hilft, und gar nicht mal destruktiv sein muss, wäre dabei eine durchaus offene Frage.

    • @Tobias

      Danke für die Nachfrage – und der Einbezug von KI in Blog-Dialoge geht wirklich einfach. Wobei ich mir als feste Regel gesetzt habe, KI niemals für die Blogposts selbst einzusetzen und auch in der Kommentarspalte immer transparent zu machen.

      Habe zu Deiner Anfrage gerade mal zum Beispiel Google-Gemini gepromptet:

      „Auf dem Blog „Natur des Glaubens“ wird nach einer interessanten Frage zur Revolution von 1848/49 gefragt. Hättest Du uns eine gute Frage?“

      Und hier gleich drei (!) spannende Fragen:

      Frage 1 (Fokus auf Religion & Werte):
      „Welche Rolle spielte der christliche Glaube – und insbesondere die Spaltung zwischen protestantischem Staatskirchentum und katholischem Ultramontanismus – für das Scheitern oder Gelingen der lokalen Aufstände im Revolutionsjahr 1848?“ 

      Frage 2 (Fokus auf Evolution von Demokratie & Institutionen):
      „Kann man die Revolution von 1848/49 evolutionär als einen notwendigen ‚evolutionären Zwischenschritt‘ im kollektiven Bewusstsein betrachten, ohne den die spätere föderale und demokratische Struktur Deutschlands (trotz des damaligen Scheiterns) biologisch-soziologisch gar nicht denkbar gewesen wäre?“ 

      Frage 3 (Fokus auf die Psychologie des Aufbegehrens):
      „Inwieweit lässt sich das revolutionäre Momentum von 1848 als ein rationaler Kampf um Grundrechte versus einer emotionalen, fast ‚religiösen‘ Sehnsucht nach nationaler Identität und Erlösung aus der Biedermeier-Enge deuten?“

      Jetzt habe ich den Salat! 😉📖🤭

      Welche der Fragen soll ich beantworten? Oder nach und nach alle drei? In eigenen Blogposts? 🤷‍♂️

  9. @Michael 26.09. 13:20

    „Welche der Fragen soll ich beantworten? Oder nach und nach alle drei? In eigenen Blogposts? „

    Hier werden offenbar die möglichen Mengen relevant. Gefühlt kann man hier ein 10-Jähriges Studium absolvieren, und sich von Frage zu Frage immer weiter durchclicken. Und nur noch nebenbei mal intramenschliche Elemente einpflegen.

    Und als Fazit dann ein richtig dickes Buch als Abschlussarbeit abliefern, das alles Gelernte noch mal zusammen fast. Nur, wer will das noch lesen?

    Offensichtlich braucht es hier eine eigene gut definierte Agenda, wohin man sich bewegen will. Um sich nicht hoffnungslos zu verlaufen. Aber dann kann das was werden?

    • Ganz herzlichen Dank, lieber @Tobias 🙏

      Du schriebst:

      „Und als Fazit dann ein richtig dickes Buch als Abschlussarbeit abliefern, das alles Gelernte noch mal zusammen fast. Nur, wer will das noch lesen?“

      Wie Du ja weißt, habe ich sowohl fünfzehn Bücher geschrieben (darunter auch den SPIEGEL – Bestseller „Islam in der Krise“ & die aktuelle Neuauflage von „Verschwörungsmythen“), wie eben auch 1529 Blogposts. Denn sie erreichen unterschiedliche Zielgruppen: Mit Büchern können wir tief in Themengebiete eintauchen, sie durchdringen. Blogs erlauben den dialogischen Austausch, so wie auch wir beide ihn pflegen.

      „Offensichtlich braucht es hier eine eigene gut definierte Agenda, wohin man sich bewegen will. Um sich nicht hoffnungslos zu verlaufen. Aber dann kann das was werden?“

      Nun, mit dem Aufschwung von KI-Anwendungen seit 2023 ist auch dieser Wissenschaftsblog enorm gewachsen. Denn immer noch kommen menschliche Lesende – hinzu aber noch tägliche KI-Crawler, die aktuelle Inhalte für ihre Analysen und Antworten verwenden. Auch deswegen macht es mir große Freude, Wissen ins Netz zu bringen und sich darüber mit Kommentierenden wie Dir, @Marie H. u.v.m. auszutauschen.

      Und dann gibt es ja auch noch den persönlichen Austausch – und Podcasts:

      Social Media und Hate Speech in Zeiten von KI: Live-Podcast mit Michael Blume

      Lange Nacht der Demokratie am Freitag, 2. Oktober 2026, 18:30 Uhr:
      Live-Podcast mit Tobias Keber und Michael Blume zu Social Media und Hate Speech in Zeiten von KI

      Teilnahme ist kostenfrei

      Zuspitzung, Emotionalisierung – und auch Hass: All das rauscht durch die Timelines der Social Media Accounts von Menschen. Bilder illustrieren Äußerungen, sind mitunter selbst die Botschaft. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz werden nicht nur Texte erstellt und massenmedial in Umlauf gebracht, sondern auch Bilder, Memes und Videos. Mit KI können Bilder erzeugt werden, die wie frei erfunden oder fotorealistisch wirken, oder die hyperrealistisch Machtgesten demonstrieren und Menschengruppen abwerten können, ohne dass jemand sie für wahrhaftig halten muss. Welche Macht geht von diesen Bildern aus? Haben sie womöglich einen rückwärtsgewandten Zug „by design“? Ins Bild gesetzte „Hate speech“ entwickelt sich rasant und ist spürbar in der politischen Kommunikation angekommen.

      Der Beauftragte der Landesregierung gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben Michael Blume und der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg Tobias Keber sprechen am 2. Oktober 2026 um 18:30 Uhr im Live-Podcast „Datenfreiheit“ des Landesbeauftragten über Social Media und Hate Speech in Zeiten von KI.

      Die Teilnahme ist kostenfrei, Interessierte sind herzlich willkommen. Nach der Aufzeichnung des Podcasts wird es zudem einen Austausch mit dem Publikum geben. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Langen Nacht der Demokratie statt. Das diesjährige Motto lautet „Miteinander. Füreinander. Jetzt!“ – gemeinsam die Demokratie feiern und leben!

      https://www.datenschutz.de/social-media-und-hate-speech-in-zeiten-von-ki-live-podcast-mit-michael-blume/

      Mir ist bewusst, dass ich alleine schon dafür viel Hass und Hetze abbekomme, dass ich auf dem Buchmarkt und im Internet wissenschaftliche, konstruktive und dialogische Inhalte anbiete. Das motiviert mich weiterhin sehr! 😊🙌

  10. Im Grunde ist es das Dauerthema zwischen starkem und schwachem Staat.
    Die Einen wollen weniger Eigenverantwortung übernehmen und setzen auf Staatsversorgung und die Anderen sehen den freiheitlichen Markt vorne.
    Ohne Markt (Angebot-Nachfrage) geht es nicht. Das haben die Ostgebiete beim Trabi leidlich erlebt. Manchmal habe ich den Eindruck, der Markt wurde von Ossis auf Grund der Knappheit, Wesen des Kapitalismus, besser verstanden.
    Lösung ist nun staatlich oder frei?
    Vermutlich weder noch.
    Versorgung, die staatlich organisiert wird, durch Einsparungen bei der Migration und der Grundsicherung, sollen Deutschen zu Gute kommen.
    Wie sehr ist da Willkür und Egoismus im Spie?
    Wie sieht eine Verteilung bei Haushaltsveränderungen aus, wenn Remigration umgesetzt wird. Kaum Thema.
    Bedürfnisse und Bedürfnissbefriedigung in Form von Konsum, egal von welcher Ethnie, Ideologie oder Religion, wird kaum besprochen; also Konsum als Wirtschaftsfaktor.
    Privat sagen die Meisten, es ginge ihnen noch nie so gut. Die öffentliche Meinung ist desaströs.
    Was stimmt da nicht? Was stimmt im Verhältnis Egoismus- Altruismus nicht?
    Was stimmt nicht im Verhältnis der staatlichen Fürsorge- soziale Marktwirtschaft und Eigenverantwortung?

    • Nun ja, @Mussi – in diesem Blogpost sind wir eigentlich schon weit über den Ost-West-Dualismus und den Markt – Staat – Dualismus hinaus…

      Klar: Menschen in der ehemaligen DDR hatten weniger Gelegenheit, Vermögen aufzubauen. Und durch Zwangs-Säkularisierung, Abwanderung und schwächere Migration sind viele ostdeutsche Regionen bereits stärker von Einsamkeit, demografischer und also auch wirtschaftlicher Schrumpfung betroffen. Alles das gibt es aber auch bereits in westdeutschen Regionen.

      Falls Sie wollen, können Sie es ja noch einmal zum Blogthema versuchen.

      Freundliche Grüße von einem Wossi. 😌🇩🇪🇪🇺✅

  11. @ Blume

    Sind Sie sicher, das der Ost-Wet- Dualismus überwunden ist? Ich bin der Meinung, dass die D-Mark und der Euro gerade seine Wirkung entfaltet und gehörige Sensibilität in den Ostgebieten herrscht.

    • Ja, @Mussi – sowohl in den alten wie neuen Bundesländern gehen die Entwicklungen längst regional weit auseinander. Zwischen den Wahlergebnissen jeweils in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin lagen jeweils Welten.

      Und wussten Sie schon, dass es etwa in Bulgarien einen auch wirtschaftlichen Batteriespeicher-Boom gibt, wogegen Deutschland sich weiterhin fossilistisch blockiert?

      https://www.dw.com/de/batteriespeicher-boom-in-bulgarien/a-79203544

      Die alten und auch eigenen Klischees auch über Ost & West immer wieder zu hinterfragen ist nicht leicht, aber lohnend, @Mussi.

  12. @Michael 26.09. 16:02

    „Auch deswegen macht es mir große Freude, Wissen ins Netz zu bringen und sich darüber mit Kommentierenden wie Dir, @Marie H. u.v.m. auszutauschen.“

    Die Textmengen, die KI produzieren kann, sind jedenfalls mehr, als Mensch lesen kann. Aber das gehört längst zum allgemeinen Kulturprozess. Solange es spannend bleibt, solange man echt Lust hat, weiterzudenken und man gespannt ist, was die Anderen dazu sagen, sind wir wohl gut dabei.

    Mensch und Kultur gehören jedenfalls zusammen. Ob KI dann dem doch noch ein zusätzliches Eigenleben hinzufügen kann, fände ich auch spannnend. Und wenn es nur dazu führt, dass wir sehen, wie Eigenleben rein informatisch gehen kann, und wir dann auf unser eigenes menschliche Eigenleben zurückschließen können.

    Oder diese KI-Systeme mit Eigenleben werden sogar noch wirklich freundliche Zeitgenossen, die wir bald gar nicht mehr missen wollen.

    Wenn man die LLMs etwa mit Selbstfahrsystemen oder Pflegerobotern kombiniert, und ein persönliches Autobiografisches Gedächtnis jedes Exemplars hinzufügt, dann wäre ich jedenfalls gespannt, wie sich diese Entitäten dann entwickeln. Und sich zu uns verhalten.

  13. @ Mussi 26.09.2026, 20:41 Uhr

    Zitat: „Privat sagen die Meisten, es ginge ihnen noch nie so gut. Die öffentliche Meinung ist desaströs.
    Was stimmt da nicht? Was stimmt im Verhältnis Egoismus- Altruismus nicht?
    Was stimmt nicht im Verhältnis der staatlichen Fürsorge- soziale Marktwirtschaft und Eigenverantwortung?“

    Das ist Ihnen bestens aufgefallen. Genau so ist es.

    Die Antwort ist banal, es sind die inneren Widersprüche die schwere „kognitive Dissonanzen“ auslösen. Das ist Psychologen längst aufgefallen.

    Diese „kognitive Dissonanzen“ werden von außen, von den Medien oder von ahnungslosen Politikern die ihre Ideologie durchsetzen wollen, auch noch „befeuert“.

    Menschen haben ein starkes Bedürfnis nach innerem Gleichgewicht (Konsistenz). Um die unangenehme Spannung loszuwerden, nutzen wir meist unbewusst verschiedene „Abwehrmechanismen“.

    Beispiele: Politiker wollen das Pensionsalter aus den bekannten Gründen hinauf setzen. Praktisch jeden älteren Arbeitnehmer fällt auf, dass hauptsächlich ältere Menschen im Betrieb entsorgt werden, ganz einfach deswegen, weil sie für den Arbeitgeber, auch wegen der Lohnnebenkosten zu teuer werden. Der absurde Widerspruch ist, man ist bedroht (besonders im Alter) seine Arbeit zu verlieren, soll aber gleichzeitig noch länger arbeiten. Wo soll man arbeiten, wer stellt einem schon an?????

    Oder die Meldungen über die vielen Entlassungen in den Medien. Insgeheim erkundigt man sich über freie Jobs in einer anderen Stadt. Die gibt es, aber die Wohnungskosten dort sind astronomisch, man könnte es sich nicht leisten weg zu ziehen…..

    Oder die Energiefrage: Energie wird immer teurer, die Leute befürchten, nicht über den Winter zu kommen, dennoch werden AKWs oder alte Kraftwerke still gelegt, oder man streitet sich ausgerechnet mit einen „Billiglieferanten“.

    Oder das Heizungsgesetz: Für viele alte Leute, besonders in der ex DDR, ein Fiasko, wenn sie erfahren, dass ein Tausch des Heizkessels (gegen eine Wärmepumpe) nicht reicht, sondern das Haus auch noch um insgesamt rund 200 000 Euro Wärme gedämmt werden muss und auch noch andere teure Umbauarbeiten (z.B. am Dach für PV Anlagen) anfallen können…..

    Oder ärmere Besitzer von Eigentumswohnungen: Die konnten sich z.B. wegen einer kleinen Erbschaft und viel „sparen“ gerade noch eine Eigentumswohnung leisten. Eine Mehrheit im Haus (die besser Verdienenden) kommt auf die Idee, die Heizung, die Fenster und die Wärmedämmung zu erneuern.

    Für die „Wohlhabenden“ kein Problem. Die Ärmeren rechnen nach und stellen fest, dass sie sich die Kredite niemals leisten können und fliegen praktisch aus ihrem „Eigentum“ und brauchen eine Wohnung, in Zeiten wie diesen!!!!

    Jetzt müssen die „Jungen“ auch noch zittern, als „Kanonefutter“ herhalten zu müssen, weil einige unbedingt „zündeln“ wollen, obwohl sie genau wissen, dass wir „barfüßig“ (ohne Atombomben) kämpfen müssten.

    Widersprüche über Widersprüche und da wundern sich manche auch noch….

    • Danke, @Realo – das ist wirklich interessant!

      Sie nehmen die eklatanten Widersprüche und die kognitiven Dissonanzen wieder auf Seiten der Demokratinnen & Demokraten wahr – verleugnen diese aber komplett in Ihrem antigrünen Fossilismus und Ihrer Tyrannophilie für Donald Trump & Wladimir Putin!

      Und auch zum Thema dieses Blogposts, dem Weiterwirken preußisch-autoritärer Mimesis, ist die AfD weit vorne dabei.

      So schreibt @Cyberfelidae aktuell:

      „Laut Recherchen von Correctiv wurden mindestens 34 ehemalige hauptamtliche Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) in den Strukturen und Reihen der AfD identifiziert. Es handelt es sich um hauptamtliche Kräfte (darunter auch Offiziere im besonderen Einsatz)“

      https://mastodon.social/@cyberfelidae/117342551263270177

      Die Quelle dazu findet sich hier:

      Neue Rechte
      Die Stasi-Riege in der AfD

      In der DDR waren sie linientreue Kämpfer für den SED-Staat, jetzt sind sie auch in den Reihen der AfD zu finden. Nach Recherchen von CORRECTIV sind mehrere Dutzend ehemalige hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter Teil der AfD-Strukturen. Wir zeigen, was sie heute machen. Die AfD schweigt dazu.

      https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2024/08/29/die-stasi-riege-in-der-afd/

      Aus meiner Sicht haben alle Menschen mit den Problemen innerer Widersprüche und kognitiver Dissonanzen zu ringen.

      Rechtsdualisten und Antisemitinnen jedoch in besonders extremer Form – die sie durch Täter – Opfer – Umkehr, Verschwörungsmythen und Tyrannophilie externalisieren.

  14. @Realo 27.09. 10:07

    „Oder die Energiefrage: Energie wird immer teurer, die Leute befürchten, nicht über den Winter zu kommen, dennoch werden AKWs oder alte Kraftwerke still gelegt, oder man streitet sich ausgerechnet mit einen „Billiglieferanten“.“

    Der Billiglieferant greift uns nun aber leider an. Und Trump setzt noch einen drauf, und provoziert ein Ende des Ölexportes aus dem Nahen Osten. Das ist teuer.

    Grüne Technik nicht. Die kann sogar billiger sein als die derzeitigen Preise für die fossilen Energien.

    „sondern das Haus auch noch um insgesamt rund 200 000 Euro Wärme gedämmt werden muss und auch noch andere teure Umbauarbeiten (z.B. am Dach für PV Anlagen) anfallen können…“

    So ein Quatsch, das ist doch völlig übertrieben. Auch ohne Dämmung kann man eine Wärmepumpe mit einer Ölheizung kombinieren und mehr als die Hälfte der Heizenergie mit recht billigem Windstrom realisieren. Und in der Tat wäre eine Dachsanierung zu teuer, wenn sie noch nicht überfällig ist. Die eigene PV-Anlage kann aber eine ganze Menge Geld sparen, weil man den PV-Strom selber nutzen kann. Auch für das eigene E-Auto, selbst die eigene Wärmepumpe kann einen guten Teil des selbst produzierten Stroms nutzen.

    Wenn das Dach noch 20 Jahre hält, lohnt es sich immer, die PV-Anlage zu installieren. Ohne Dachsanierung. Das ist einfach konkurrenzlos günstig, weil da keiner mitverdient. Keine Steuern, keine Durchleitungsgebühren, keine immer teurer werdende fossile Brennstoffe.

    „Jetzt müssen die „Jungen“ auch noch zittern, als „Kanonefutter“ herhalten zu müssen, weil einige unbedingt „zündeln“ wollen, obwohl sie genau wissen, dass wir „barfüßig“ (ohne Atombomben) kämpfen müssten.“

    Weil wir Putin finanziert haben.

    Ich denke nicht, dass es Sinn macht, angesichts der russischen Atomwaffen uns alles einfach gefallen zu lassen. Wenn wir hier konventionell, insbesondere mit immer besserer Drohnentechnik, erfolgreich Widerstand leisten können, dann sollten wir diese Chance nutzen.

    Und je konsequenter wir uns hier aufstellen, und die Ukraine unterstützen, desto eher gehen Putin die Ressourcen aus, uns auch noch anzugreifen.

    Ich habe auch Angst vor den russischen Atomwaffen, ja. Ohne Risiko kommen wir aber nicht da durch. Das geht einfach nicht.

    Sollen wir Putin den ehemaligen Warschauer Pakt anbieten? Praktischerweise inclusive Ostdeutschlands und Ostberlins? Immerhin wären wir dann auch die neuen Bundesländer wieder los. Und müssten dann aber auch die Mauer wiederaufbauen, sonst hauhen die Leute alle wieder ab, insbesondere junge Frauen und besser Qualifizierte.

    • Vielen herzlichen Dank, lieber @Tobias

      Die Behauptung dass erneuerbare Friedensenergien „zu teuer“ wären, ist eine fossile Desinformation, die leider noch immer von vielen Fossilisten wie @Realo weitergetragen wird.

      In Wirklichkeit ist Solarstrom längst die günstigste Energiequelle unseres Planeten, wie auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU / EVP) schon im September 2025 in New York bekannte:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rede-der-eu-kommissionspraesidentin-ursula-von-der-leyen-cdu-evp-fuer-den-globalen-ausbau-erneuerbarer-friedensenergien/

      Auch die Entwicklung von Batteriespeichern erfolgt rasant & wird nur noch von fossiler Bürokratie gehemmt.

      Dass erneuerbare Energien auch Wohlstandsenergien sind, weist der bayerische Landkreis Wunsiedel seit vielen Jahren nach:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-und-solarpopper-wasserstoff-hoffnung-wunsiedel-bayern/

      Und auch wir Blumes haben als Familie mit drei Kindern durch Wärmepumpe, Elektroautos & Photovoltaik-Anlage unsere Energiekosten längst drastisch gesenkt. Das verbleibende Problem ist die Fossilfalle als Armutsfalle und Mietfalle, die es Menschen erschwert, von den sinkenden Energiekosten zu profitieren, vgl.:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-55-die-selbstzerstoerung-des-fossilismus-die-abzocke-in-der-fossilen-miet-und-armutsfalle/

      Der seit Jahren gegen Grüne und das Zusammenleben der Religionen hetzende Account @Realo gibt selber an, beruflich ein „Techniker“ gewesen zu sein, überdurchschnittlich verdient zu haben, ein Eigenheim zu besitzen und keine Kinder zu haben. Es wäre ihm also ein leichtes gewesen, in den vergangenen Jahrzehnten auch auf erneuerbare Heimatenergien umzusteigen. Stattdessen bestand – und besteht – er auf möglichst billigen Importen aus Ländern wie Russland, Iran oder Saudi-Arabien.

      Und in diesem inhaltlichen Widerspruch, in dieser kognitiven Dissonanz der Reaktanz befindet sich ja nicht nur er, sondern auch Millionen weitere Deutschsprachige.

      Das ist schade, aber wahrscheinlich nicht mehr in allen Fällen zu ändern. Ein Teil der Menschen wird noch klug und mutig genug sein, um zu erkennen, dass sie über Jahrzehnte hinweg fossil abgezockt wurden und dabei auch Gewalt gegen Mitmenschen und Mitwelt mitfinanziert haben. Doch ein anderer Teil der Menschen wird sich bis zuletzt an den Fossilismus und die damit verbundene Täter – Opfer – Umkehr klammern.

      Das ist schade, aber erwachsene Menschen sind frei – auch zum Irrtum.

  15. @Realo 27.09. 10:07

    „…dennoch werden AKWs oder alte Kraftwerke still gelegt…“

    Womit ich auch nicht mit einverstanden war und bin. Wir haben uns hier nachvollziehbar auf das billige russische Gas verlassen, aber mit dem aktuellen Krieg fällt das nun mal weg. Einerseits haben wir dann die LNG-Terminals gebaut, und die Versorgung mit Gas war auch damit tatsächlich wieder hergestellt.

    Allerdings mit erheblichen Preissteigerungen. Und jetzt mit der Blockade im Nahen Osten ist auch das wieder im Eimer, und es wird alles noch viel teurer. So teuer, dass man sich geweigert hat, die Gasspeicher mehr als nur zur Hälfte zu füllen. Bekommen wir jetzt einen wirklich kalten Winter, dann kann das noch sehr schwierig werden.

    Nun gut, es wäre wohl sehr viel besser gewesen, 2022 konsequent zu reagieren, und die alten AKWs noch wieder fit zu machen, und auch keine alten Kohlekraftwerke mehr stillzulegen.

    Es mag sein, dass wir eine gewisse Menge Gaskraftwerke brauchen, weil die sehr schnell auf Netzengpässe reagieren können. Aber es wäre genug davon gewesen, wenn man wirklich nur diese Funktion der Gaskraftwerke nutzen würde. Inzwischen gibt es immer mehr sehr schnell reagierende Lithiumspeicher, wenn man die weiter ausbaut, dann können die immer mehr von den kurzfristigen Stromschwankungen auch genauso gut auffangen. Und dann bräuchten wir absehbar gar keine Gaskraftwerke mehr.

    Und die letzten AKWs könnten das Jahr so ziemlich durchlaufen, wie auch Kohlekraftwerke im Winter monate- oder wochenlang in Betrieb sein, soweit denn saisonaler Bedarf besteht. Die Gaskraftwerke würden wir vermutlich sogar gar nicht mehr brauchen, wenn immer mehr dieser schnellen Speicher angeschlossen sind.

    Angesichts der aktuellen Gaspreise wären wir dann jetzt in einer komfortablen Situation. Und könnte auch viel mehr E-Autos und auch Wärmepumpen mit günstigem Strom aus Erneuerbaren, Atomkraft und Kohlekraftwerken recht kostengünstig versorgen.

    Möglicherweise sogar so gut, dass wir uns die LNG-Terminals zumindest teilweise hätten sparen können.

    Offenbar hat man hier nicht weit gedacht, und sowohl die Dauer des Ukrainekrieges unterschätzt, wie auch nicht mit der Situation im Nahen Osten gerechnet.

    Ich denk mal, es wird Zeit, hier mal umzudenken. Und den Einsatz von Gaskraftwerken durch immer mehr Netzspeicher in Kombination mit Restlaufzeiten der verbliebenen Kohlekraftwerke so weit wie möglich zu reduzieren. Und selbstverständlich nicht auch noch neue Gaskraftwerke bauen, aber auch vorerst keine weiteren Kohlekraftwerke mehr stillzulegen.

    Und je mehr Netzspeicher wir installiert haben, desto mehr kann man auch weitere PV-Anlagen und Windräder zubauen, ohne viel abregeln zu müssen.

    Gas und ÖL zum Heizen wie Öl für Autos und Flugzeuge bräuchten wir immer noch, aber wenigstens nicht mehr zur Stromproduktion. Mit mehr Wärmepumpen und E-Autos wird das dann aber sowieso immer weniger. Das sind doch Möglichkeiten, die wir nutzen sollten.

    • Lieben Dank auch dazu, @Tobias – mit einer mir wichtigen Ergänzung.

      Gerade auch europäische Staaten mit Atomkraftwerken wie Frankreich, Ungarn, Rumänien usw. leiden unter Energieknappheit, weil durch die Klima- und Wasserkrise das Kühlwasser knapp wird und immer wieder AKW-Blöcke abgeregelt werden müssen.

      Über diese negativen Atom-Erfahrungen habe ich in Frankreich gesprochen…

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/roemisches-geld-als-medium-ein-fundstueck-aus-la-souterraine-frankreich/

      …sie spielen aber auch eine große Rolle bei der Energiewende in Bulgarien:

      Während Rumänien und Ungarn wegen der Dürre zwischenzeitlich ihre Atomkraftwerke herunterfahren mussten, konnte Bulgarien Energieüberschüsse exportieren und stabilisierte die Netze dank eines funktionierenden regionalen Verbunds. Bulgarische Speicher nehmen auch rumänischen und griechischen Solarstrom auf, um ihn bei Bedarf den Nachbarn teurer zurückzugeben.

      In Rumänien musste wegen des niedrigen Wasserstands der Donau im Sommer das Kernkraftwerk Cernavoda abgeschaltet werden

      Die hohe Rendite erklärt den Rekordzuwachs nur zum Teil. Nikola Gazdov, der auch Vorstandsmitglied von Solar Power Europe ist, weiß: „Wegen der Sonnenenergie und Windkraft rutschen die Strombörsenpreise fast überall in Europa häufiger auf null oder ins Minus“.

      Doch in anderen Ländern würden Genehmigungen für Batteriespeicheranlagen viel länger dauern, während sie in Bulgarien schnell erteilt würden und große Anlagen schnell errichtet und angeschlossen werden könnten. Von der Planung bis zum ersten Be- und Entladezyklus dauere es maximal 18 Monate, so Gazdov.

      https://amp.dw.com/de/batteriespeicher-boom-in-bulgarien/a-79203544

      Ich bin daher persönlich froh, dass Deutschland auch die längst unwirtschaftliche und unsichere Atomkraft losgeworden ist, zumal deren Sondermüll-Lagerkosten einfach in die Zukunft externalisiert wurden. Die Atomenergie war niemals günstig, durch die Externalisierung der Kosten an Mitwelt und Mitmenschen wurde sie nur politisch verbilligt.

      Dir vielen Dank für Dein engagiertes und dialogisches Aufklären, auch unter diesem Blogpost!

  16. Preußen war ein Staat, dessen Staatsgebiet im Nordosten Europas lag. Doch die Dynastie, die Preußen geschaffen hat, also die Hohenzollern, kommen ursprünglich aus dem Südwesten Deutschlands und sind auch hier im heutigen Baden-Württemberg als Familie präsent. Das Fürstenhaus Hohenzollern in Sigmaringen.

    Landschaften formen Menschen, und Menschen schaffen Staaten.

    Die Dynastie, die Preußen prägte, kam vom Rand der Schwäbischen Alb.

    Ich bin sicher, dass die Umgebung, in der man lebt Einfluss darauf hat, ob die Bevölkerung einer Region offener oder verschlossener ist.

    Herrscher gaben die Richtung vor, ihre Untertanen mussten folgen.

    Damit stellt sich die Frage, wieviel südwestdeutsche Enge traf im Falle Preußens auf nordeuropäische Weite?

    Wie viel Hohenzollern steckt in Preußen?

    Es war der unbedingte Wille eines Monarchen zur Macht und noch einige Voraussetzungen mehr, wie sie Machiavelli beschrieb, um im Konzert der Großen mitzuspielen.

    Durch dynastische Eheschließungen wurden Territorien hinzugewonnen. Bsp. Württemberg und Mömpelgard.

    Am 27.09.1854 wurde im Königlichen Hoftheater Stuttgart laut Theaterzettel:

    „Zur Feier des Allerhöchsten Geburtsfestes Seiner Majestät des Königs…Unter persönlicher Leitung des K. Preußischen General-Musikdirectors Herrn G. Meyerbeer, zum Ersten Mal: Der Nordstern…“

    aufgeführt. Es handelt sich um die erste Aufführung am Stuttgarter Hoftheater.

    „Im Jahr 1842 wurde Meyerbeer vom König von Preußen…zum Generalmusikdirektor der Berliner Oper ernannt…“ (Wikipedia).

    König Wilhelm I. von Württemberg schätzte die Musik von Meyerbeer, zeichnete ihn mit einem hohen Orden aus und veranstaltete zu dessen Ehren einen Empfang in der Wilhelma.

    • Herzlichen Dank, @Marie H. – und interessanterweise kommt ja auch das andere, große Königshaus, die Habsburger, aus dem EUSALP-Alpenraum, konkret aus der Schweiz.

      Aus meiner Perspektive war es diesen Adelshäusern in den föderal geprägten Gebirgsregionen nicht so einfach möglich, große Königtümer zu errichten, wie dann an den Flussebenen der Spree, Elbe, Oder und der so bedeutenden Donau.

      Immerhin erreichen uns heute sehr erfreuliche Nachrichten aus der alpinen und also föderalen Bundesrepublik der Schweiz:

      Freue mich SEHR, dass die tapferen Schweizerinnen & Schweizer in der Volksabstimmung über die sog. „Neutralitätisinitiative“ den Putinknechten um den Rechtspopulisten Christoph Blocher (SVP) klar abgesagt haben.

      Das ist ein starkes Signal auch für die Schweizer Konkordanzdemokratie im Herzen des EUSALP – Alpenraumes.

      „Volk und Stände haben die Neutralitätsinitiative klar abgelehnt.

      Sie wurde mit 70.2 Prozent Nein-Anteil verworfen. Alle Stände sagten Nein.

      Die «immerwährende und bewaffnete» Neutralität wird damit nicht in der Bundesverfassung verankert.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117344405785440248

      Das macht die geografischen und regional-mimetischen Prägungen noch einmal deutlicher – auch die tyrannophile Feigheit vieler deutscher und ehemals preußischer Putinknechte. Aus meiner Sicht darf es einfach kein zurück in vor-demokratische, autoritäre Herrschaftsformen geben. Auf unser Grundgesetz habe ich meinen Eid als Soldat und später als Beamter geleistet – und nehme diese ernst.

      Zugleich nehme ich wieder deutlich mehr politikwissenschaftliche Anfragen wahr.

      Obwohl ich persönlich weiterhin eine parlamentarische Konsensdemokratie in der Bundesrepublik Deutschland befürworte, empfehle ich die Auseinandersetzung mit dem Schweizer Modell der Konkordanzdemokratie.

      Sie geschah auch in der Schweiz ohne Verfassungsänderung & könnte als „demokratische Konkordanz“ ohne die AfD theoretisch jederzeit in Deutschland eingeführt werden. Wichtig wäre jedoch die Ergänzung durch Volksabstimmungen.

      Noch plädiere ich in der Bundesrepublik nicht dafür, aber die Schweizer Demokratie funktioniert viel besser als die Parteivorsitzenden – Konkurrenzdemokratie, zu der Deutschland herabgesunken ist.

      Über alle drei Demokratie-Formen sprach ich auch an der Uni Tübingen.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117344432117099671

      Gerade läuft eine Umfrage dazu, ob sich die Fediversalys einen extra Blogpost zum Modell einer „demokratischen Konkordanz“ wünschen würden.

  17. @Michael 27.09. 17:38

    „…weil durch die Klima- und Wasserkrise das Kühlwasser knapp wird und immer wieder AKW-Blöcke abgeregelt werden müssen.“

    Ein Problem der Klima- und Wasserkrise, jetzt schon. Angesichts aber von immer mehr PV im Sommer allerdings zusehens unproblematisch. Hauptsache, die AKWs laufen im Winterhalbljahr zuverlässig durch. Und abgeschaltet produzieren die auch keinen zusätzlichen Atommüll.

    „Die Atomenergie war niemals günstig, durch die Externalisierung der Kosten an Mitwelt und Mitmenschen wurde sie nur politisch verbilligt.“

    Umso mehr scheint es aber doch vernünftig zu sein, die Anlagen bis zum technischen Betriebsende laufen zu lassen, sofern man damit neue Gaskraftwerke vermeiden und die Laufzeiten der bestehenden Gaskraftwerke reduzieren kann. Und so auch die Stromkosten gesenkt werden können.

    Der zusätzliche Atommüll, der wenigen Jahre der wenigen verbleibenden deutschen AKWs, der macht dann soviel auch nicht mehr aus. Hier werden zukünftige Generationen wahrscheinlich noch sehr viel Geld für ausgeben müssen, um den bis zu 500.000 Jahre lang gefährlichen Atommüll sicher loszuwerden.

    Ich bin auch ganz klar gegen neue Atomkraftwerke, auch keine MiniAKWs, die seit einiger Zeit diskutiert werden. Es sei denn, die sind nicht nur kostengünstig genug, unfallsicher und so gebaut, dass sie Plutonium aus Atommüll verbrennen können, und entsprechend weniger extrem langlebigen Müll produzieren als sie selbst verbrauchen.

    Jedenfalls passen AKWs wie auch Fusionsreaktoren sehr gut zu günstigen Netzspeichern, und können so auch neben PV und Windkraft ganz gut koexistieren. Man wird die im Sommer nicht so sehr brauchen, und wenn doch, dann kann man auch mittels Kühltürmen kühlen. Die sind von dem Wasserstand in den Flüssen komplett unabhängig.

    Ich denk aber mal, dass wir das nicht mehr brauchen, wenn PV, Speicher und Windräder noch günstiger werden und zusätzlich saisonaler Wasserstoff dann doch gar nicht so teuer wird, wie die aktuellen Pilotanlagen es nahe legen, die es schon gibt. Wirkliche Massenware wird meistens billiger als man denkt.

  18. @ Michael Blume 27.09.2026, 14:11 Uhr

    Zitat: „Sie nehmen die eklatanten Widersprüche und die kognitiven Dissonanzen wieder auf Seiten der Demokratinnen & Demokraten wahr – verleugnen diese aber komplett in Ihrem antigrünen Fossilismus und Ihrer Tyrannophilie für Donald Trump & Wladimir Putin!“

    Kognitive Disonanzen sind ein Phänomen der Psychologie und betreffen, mehr oder weniger alle Menschen.

    Ich habe @ Mussi geantwortet und der meinte: „Privat sagen die Meisten, es ginge ihnen noch nie so gut. Die öffentliche Meinung ist desaströs. Was stimmt da nicht?“

    Mussi hat offensichtlich uns gemeint. Amerika, Russland,….. war nicht das Thema!

    Ich bin, seit es erneuerbare Energien, hauptsächlich die Sonnenenergie einsatzbereit gibt, voll dafür.

    Nur müssen beim Umstieg ökonomische Regeln beachtet werden, wie praktisch immer im Leben.

    Einerseits haben mir das meine Eltern beigebracht, andererseits ist das in den Unternehmen völlig selbstverständlich. Sie würden im „Konkurrenzkampf“ Pleite und das Management in den Knast gehen.

    @ Tobias Jeckenburger 27.09.2026, 15:31 Uhr

    Zitat: „Oder die Energiefrage: Energie wird immer teurer, die Leute befürchten, nicht über den Winter zu kommen, dennoch werden AKWs oder alte Kraftwerke still gelegt, oder man streitet sich ausgerechnet mit einen „Billiglieferanten“.“

    AKWs waren schon da, Atommüll ist bereits angefallen und steht irgendwann zur Endlagerung an. Selbst Kohlekraftwerke würden im Notfall helfen. Das Pech mit den Billiglieferanten und der Straße von Hormus betrifft, abgesehen von den „Russen Freunden“, die ganze Welt….

    Auf die 200 000 Euro kommen Sie, wenn sie alles steuerlich korrekt von Fachfirmen erledigen lassen. So dass alle modernen Ansprüche, kein CO2, aber incl. PV Anlagen erfüllt werden.

    Ein Nachbar der selber Bauhandwerker ist, hat das mit seinen Kumpels professionell, weit billiger und perfekt, hinbekommen. „Bastler Lösungen“ kommen natürlich auch billiger.

    Ich fürchte Sie überschätzen den Deutschen Beitrag zur Finanzierung Putins. Der hat seine 5 000 Atombomben schon weitaus länger.

    @ Michael Blume 27.09.2026, 17:20 Uhr

    Zitat: „Die Behauptung dass erneuerbare Friedensenergien „zu teuer“ wären, ist eine fossile Desinformation, die leider noch immer von vielen Fossilisten wie @Realo weitergetragen wird.“

    Dass erneuerbare Friedensenergien „zu teuer“ wären, behaupte ich doch nicht, sie sind das beste und billigste, sind sie erst einmal etabliert.

    Die Umstellung ist teuer, weil Ressourcen vorzeitig abgeschrieben werden müssen. Abschreibungen ergeben sich zwingend bei konsequenter Anwendung der bei uns etablieren und in Unternehmungen genutzten „Barwertmethode“.

    Die Barwertmethode ist international eine allgemein anerkannte mathematische Methode zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Investitions- und Planungsvarianten.

    Ihre konkrete Ausgestaltung und die Wahl des Diskontierungssatzes können jedoch je nach Wirtschaftsordnung, institutionellem Rahmen und finanzwirtschaftlichen Prinzipien variieren.

    Die Stromversorger bremsen deswegen, weil sie wegen der Konkurrenz Umsatz verlieren, andererseits verpflichtet sind, bei extremen Flauten die Stromversorgung aus fossilen Energien sichern zu müssen. Das kostet viel Geld und sie wehren sich dagegen, das aufbringen zu müssen.

    Sollen sich doch die Gewinner selber um die Sicherheit der Stromversorgung kümmern…..

    Dann würden sie nicht mehr bremsen, sondern wie verrückt in erneuerbare Energien investieren….

    • Ganz genau so ist es, @Realo

      „Kognitive Disonanzen sind ein Phänomen der Psychologie und betreffen, mehr oder weniger alle Menschen.“

      Deswegen unterscheide ich zwischen erkenntnistheoretischem Mut (= kognitive Dissonanzen auch bei sich selbst erkennen und bearbeiten) und erkenntnistheoretischer Feigheit (= kognitive Dissonanzen nur auf andere externalisieren).

      Wie es ein von mir überaus geschätzter Rabbi mal formuliert hat:

      „Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr?“

      Matthäus 7, 3

      https://www.bibleserver.com/de/verse/Matth%C3%A4us7%2C3

      Ich sehe das Problem der erkenntnistheoretischen Feigheit dabi übrigens durchaus Parteien-übergreifend:

      Rechte verleugnen gerne die Folgen der fossilen Verbrennung, Linke die Folgen der säkularen Demografie, Libertäre die Folgen der Gier.

      Ich hoffe, wir bekommen das in der Bundesrepublik Deutschland noch hin – aber leicht wird es nicht.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/demokratieformen-parteifamilien-die-menschenwuerde-ist-konsens-und-christdemokratisch-aber-nicht-konservativ/

      So & heute Abend besuche ich noch die Laubhütte einer jüdischen Gemeinde.

      Ihnen von Herzen alles Gute, @Realo.

  19. Vielen Dank!

    Die Idee, einen extra Blogpost zum Thema „demokratische Konkordanz“ zu machen, finde ich sehr gut.

    M.E. entfernen sich unsere maßgeblichen demokratischen Parteien derzeit weiter voneinander weg.

    Sachthemen treten in den Hintergrund. Die Auseinandersetzungen in der Politik werden bestimmt von Emotionen. Mir fehlt die erforderliche Balance zwischen Sachlichkeit und Emotion. Mehr und mehr geht es Politikern nur noch darum, die Macht zu behalten. Koste es, was es wolle.

    Mit schriller Aufmachung verstärken die meisten Medien die Gegensätze. Sie werden so zu politischen Playern, was nicht ihre Aufgabe ist.

    Danke für Ihren Einsatz für die Demokratie und die Menschenwürde! Wichtiger als je zuvor.

  20. Das Lesen dieser fundierten kulturwissenschaftlichen und historischen Analysen auf diesem Blog ist immer äußerst anregend und lehrreich. Es erinnert an frühere Kämpfe um den Borussianismus! Kennen Sie das?

    Unbedingt vielen Dank für das Teilen dieser spannenden Perspektiven!

  21. @Realo 28.09. 07:57

    „Auf die 200 000 Euro kommen Sie, wenn sie alles steuerlich korrekt von Fachfirmen erledigen lassen. So dass alle modernen Ansprüche, kein CO2, aber incl. PV Anlagen erfüllt werden.“

    Wenn ich von einem freistehendes Einfamilienhaus mit 200 m² Wohnfläche ausgehe, und wirklich alles gemacht werden soll, dann wird das teuer. Also Außenwandisolierung, komplett neue Fenster, die Heizkörper raus und Fussbodenheizung rein in allen Zimmern, das Dach komplett neu mit Isolierung. Und dann die Wärmepumpe rein, im Garten die Bodensonden und die PV-Anlage sehr großzügig und gleich mit integriertem Speicher dazu. Und die Ladesteckdose fürs E-Auto gleich mit.

    Am Besten das E-Auto gleich mitrechnen, warum nicht.

    So kommt man vielleicht auf 200.000 Euro.

    Ein Haus mit 100 m², nur eine knapp bemessene PV-Anlage mit integriertem Speicher auf einem Dach, das noch 20 Jahre mitmacht, eine Wärmepumpe mit kombinierter Ölheizung in den Keller, die mit einem Lüfter auskommt, und dann so konfiguriert ist, dass das mit den bestehenden Heizkörpern auskommt. Das dürfte billiger sein, und sich sogar in spätestens 10 Jahren bezahlt machen. Insbesondere wenn man die aktuellen Öl- und Strompreise zugrunde legt.

    Wenn ich jetzt 80 wäre, würde ich mir aber schon überlegen, ob ich das überhaupt mache. Nur die PV-Anlage, die würde ich mir auf jeden Fall anschaffen, die kann sich schon in 5 Jahren bezahlt machen. Wenn das Dach zu marode ist, dann passt die vielleicht auf das Garagendach? So um die 10 m² Platz wäre für eine Person und ein E-Auto schon dicke genug. Das bringt über das Sommerhalbjahr mindestens 10 kwh am Tag Ertrag, auch bei nicht optimaler Neigung und Ausrichtung.

    „Ich fürchte Sie überschätzen den Deutschen Beitrag zur Finanzierung Putins. Der hat seine 5 000 Atombomben schon weitaus länger.“

    Einfach mit kaum konventionellen Mitteln direkt mit Atombomben angreifen wäre natürlich möglich gewesen. Offenbar macht das aber noch nicht mal Putin.

    „Die Umstellung ist teuer, weil Ressourcen vorzeitig abgeschrieben werden müssen.“

    Ist klar, dass sich manche Investitionen im Zuge der Energiewende nicht mehr lohnen. Sowas gehört allerdings durchaus zum normalen unternehmerischen Risiko. Und ich denke, dass die Stromversorger auch sehr gut verdient haben. Und immer noch Gewinne machen. Auch allein schon mit Durchleitungsgebühren.

    „Sollen sich doch die Gewinner selber um die Sicherheit der Stromversorgung kümmern….. „

    Das ist ja auch eine sehr gute Idee. Dass die Stromversorger selber in Netzspeicher investieren, verlangt ja auch keiner. Aber die müssen natürlich dann auch genehmigt werden.

    Jetzt kommt es noch sehr darauf an, wo denn die Netzspeicher stationiert werden. Einfach für sich selber z.B. an ehemaligen Kraftwerksstandorten installiert, verursachen die dann jede Menge zusätzliche Stromflüsse, die das Netz belasten können. Da muss man natürlich gucken, wie weit da die Netzkapazitäten überhaupt reichen. Und da werden ja auch konkrete Durchleitungsgebühren fällig.

    Es macht aber auch meistens mehr Sinn, die Netzspeicher direkt an der PV-Anlage oder dem Windrad anzuschließen. Dann führt das überhaupt nicht zu zusätzlichen Stromflüssen, man hält ja nur selbst produzierten Strom zurück, um ihn später zu besseren Preisen einzuspeisen.

    Wenn man bei bestehenden PV-Anlagen nachträglich hinreichend Speicher noch vor dem Wechselrichter installiert, dann kann man sogar mit der Speicherinstallation die Kollektorfläche verdoppeln, ohne einen größeren Wechselrichter und auch ohne mehr Anschlussleistung zu brauchen. Und man würde vor allem dann ins Netz einspeisen, wenn der Strom auch gerade gebraucht wird. Und wie gesagt, die maximale Einspeiseleistung wäre nie mehr als die vorherige Spitzenleistung bei optimalen Sonnenstand.

    Und dieses Verfahren kann man mit allen bestehenden PV-Anlagen jeglicher Grüße machen, sofern man denn den Platz für die zusätzlichen Module hat. Und bei Neuanlagen sowieso. Und auch mit Windrädern geht das, da muss dann aber der Speicher größer sein, oder man braucht doch mehr Anschlussleistung.

  22. @Realo 28.09. 07:57

    „Die Stromversorger bremsen deswegen, weil sie wegen der Konkurrenz Umsatz verlieren, andererseits verpflichtet sind, bei extremen Flauten die Stromversorgung aus fossilen Energien sichern zu müssen. Das kostet viel Geld und sie wehren sich dagegen, das aufbringen zu müssen.“

    Aber die Kohlekraftwerke die stehen doch längst, liefen über Jahrzehnte mit reichlich Profit, und verbrauchen eigentlich nur Kosten für Kohle, wenn sie auch laufen. Wenn hier jetzt einer nagelneue Gaskraftwerke bauen will, die bald nur noch einzelne Wochen im Jahr laufen, der spinnt ja wohl. Vor allem, wenn wirklich konsequent in Netzspeicher investiert wird.

    Den Abriss der alten Kohlekraftwerke noch etliche Jahre zu verzögern, wird die kostengünstigste Form von fossilem Backup sein. Man kann denen doch auch fürs Bereithalten was zahlen, viel wird das kaum sein.

  23. @Chancen mit konsequentem Zubau von Kurzfristspeichern

    Hier kann man studieren, wie sich die Stromproduktion in Deutschland gestaltet:

    https://www.agora-energiewende.de/daten-tools/agorameter/live/chart/power_generation/01.09.2025/31.08.2026/daily

    Mit Kurzfristspeichern direkt an der PV-Anlage und dem Windrad lässt sich der produzierte Strom über den Tag verteilen, und zugleich die nötige Wechselrichterleistung und die Anschlussleistung halbieren.

    Wenn man dann die PV-Produktion und die Offshorewindproduktion in vielleicht 5 Jahren verdoppelt, hätte man schon über das Sommerhalbjahr fast komplett Grünen Strom.

    Zusätzlich bräuchten wir dann keine schnell reagierenden Gaskraftwerke mehr, und könnten den verbliebenen Kohlekraftwerke Vorrang vor dem Gas geben. Das könnte die Laufzeiten der aktuell sehr teuren Gaskraftwerke um 75 % reduzieren, und wir bräuchten dafür nur 25 % mehr Laufzeiten für die Kohlekraftwerke.

    So könnte dann der Strompreis nicht nur wegen der erhöhten PV- und Windproduktion deutlich sinken, auch das teure Gas würde kaum noch gebraucht. Zumindest bei den aktuell ausufernden Gaspreisen wird das Einiges ausmachen.

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