Solarpunk – Wärmepumpe – Memes und Lob dem SPD-Ökosozialen Hermann Scheer (1944 – 2010)

Immer wieder fragen mich Menschen, wie ich es angesichts rechtslibertärer und fossiler Engführung der Bundespolitik in „meiner“ CDU aushielte. Die Antwort liegt in meiner Jugend als Orts- und Kreisvorsitzender der Jungen Union, in der sich meine christlich-ökologischen Grundüberzeugungen herausbildeten. Die Union war damals noch eine breit aufgestellte Volkspartei, in der sich auf der Basis des christlichen Menschenbildes soziale und liberale, konservative und ökologische Strömungen verbanden. Zu meinen frühen, christlich-demokratischen Vorbildern, denen ich auch begegnen durfte, gehörten Rita Süßmuth (1937 – 2026), Heiner Geißler (1930 – 2017) und Klaus Töpfer (1938 – 2024).

Unter dem Leitspruch "Verantwortung verpflichtet" erhoben sich am 20. Februar 2026 in der Messe Stuttgart die Delegierten und Gäste des CDU-Bundesparteitages im Gedenken an Prof. Dr. Rita Süßmuth (1937 - 2026).

Erinnerung an die große Rita Süßmuth beim CDU-Bundesparteitag am 20.02.2026 auf der Messe Stuttgart. Auch für die anwesende Bundeskanzlerin a.D. Angela Merkel gab es minutenlangen, stehenden Applaus. Foto: Michael Blume

Damals diskutierten wir engagiert über die „soziale und ökologische Marktwirtschaft“, die es 1994 sogar in das Grundsatzprogramm der CDU Deutschlands schaffte – hier zitiert ab Seite 40:

Die Ökologische und Soziale Marktwirtschaft ist ein wirtschafts- und gesellschaftspolitisches Programm für alle. Sie hat ihr geistiges Fundament in der zum christlichen Verständnis des Menschen gehörenden Idee der verantworteten Freiheit und steht im Gegensatz zu sozialistischer Planwirtschaft und unkontrollierten Wirtschaftsformen liberalistischer Prägung.

Wir treten für die Ökologische und Soziale Marktwirtschaft ein, weil sie wie keine andere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung unsere Grundwerte Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit verwirklicht. Ihre Grundlagen sind Leistung und soziale Gerechtigkeit, Wettbewerb und Solidarität, Eigenverantwortung und soziale Sicherung. Sie verbindet den Leistungswillen des einzelnen mit dem sozialen Ausgleich in unserer Gesellschaft und schafft im Rahmen ihrer ökologischen Ordnung die Voraussetzungen für die Bewahrung der Schöpfung.

Wir vertrauen auf die schöpferischen Fähigkeiten des Menschen, sich in Freiheit und Verantwortung zu entfalten. Wir wissen, daß der Mensch seine Fähigkeiten mißbrauchen und ohne Rücksicht auf soziale und ökologische Belange wirtschaften kann. Deshalb muß unser Staat Rahmenbedingungen setzen, um die Kräfte der Selbstregulierung in der Wirtschaft zu stärken und alle am Wirtschaftsleben Beteiligten auf die Beachtung sozialer und ökologischer Erfordernisse zu verpflichten.

Hier fand sich sogar schon der mir so wichtige Begriff der „Mitwelt“ statt dem dualistischen „Umwelt“ auf S. 99:

„Die Bewahrung der Schöpfung ist zur vorrangigen Aufgabe der Menschheit geworden. Ohne den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ist eine tragfähige menschliche Entwicklung nicht möglich. Unsere Verantwortung für die Schöpfung erstreckt sich auch auf die Mitwelt Natur im ganzen Reichtum ihrer Erscheinungen.

Wir Christliche Demokraten wenden uns gegen die These, der Mensch sei einer ethischen Steuerung des von ihm in Gang gesetzten technischen Fortschritts nicht fähig. Zwischen seiner moralischen und technischen Vernunft klafft kein unüberbrückbarer Abgrund. Der Mensch hat die Kompetenz und die Pflicht, moralisch verantwortbar mit dem umzugehen, wozu er technisch in der Lage ist. Dies zu leisten gehört zur Größe seiner Bestimmung als Geschöpf Gottes.

Diese Erkenntnis gibt uns die Kraft und Motivation, technische Fortschritte zu erzielen, die auch sozialen und umweltpolitischen Anforderungen immer besser genügen.“

Auch in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands SPD gab es damals mit dem Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer (1944 – 2010) einen überragenden Ökosozialen, der mit dem Erneuerbaren Energie Gesetz (EEG) ab 2000 die Grundlage für eine aufblühende Solarindustrie mit Zehntausenden post-fossiler und hochtechnologischer Arbeitslätze schuf. Stellen Sie sich das mal vor: Damals verfassten Abgeordnete des deutschen Bundestages noch selbst Gesetze, statt sich diese von fossilen Lobbyisten in Parteizentralen und Ministerien vor-schreiben zu lassen!

Schon in der Schule hatte ich den Treibhauseffekt aus fossilen CO2-Emissionen gelernt. In Wehrdienst und Bankausbildung verstand ich, dass der Mensch ein komplex evolviertes Säugetier und kein pseudo-rationaler „Homo oeconomicus“ ist. Und im Studium der Politik- und Religionswissenschaft entdeckte ich die seit den 1980er Jahren erforschte Rentierstaatstheorie, nach der wir über Erdöl und Erdgas immer wieder Diktaturen, Terrorgruppen und antisemitische Propaganda finanzieren.

Ein knuffiges Rentier-Cartoon mit Dollarsack und umgestürztem Fossilfass symbolisiert die politikwissenschaftliche Rentierstaatstheorie und den volkswirtschaftlichen Ressourcenfluch. Darüber steht: "Das Rentierstaatstheorie - Rentier bei Blume & Ince"

Das Rentierstaatstheorie – Rentier aus der letzten Weihnachtsfolge von „Blume & Ince“. Screenshot: Michael Blume

2012: Die demografische Traditionalismusfalle und die Digitalisierung führen zum Aufbäumen des Fossilismus

In den Jahren 2011/2012 erwarteten Zehra & ich unser drittes Kind – und diskutierten über den damals schon merkbaren Zeitenumbruch. In mehreren Schüben beendete der damalige Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) die Erfolgsgeschichte des EEG – die deutsche Solarindustrie brach in den Folgejahren zusammen und wanderte nach China ab.

Nicht nur in deutschen Parteien wie FDP, CDU, CSU und SPD breitete sich ein Putin-höriger Fossilismus als „Das Versagen“ aus, sondern im gesamten, europäischen Parteienspektrum. Weitsichtige Russland-Kritiker wie der CDU-MdB Andreas Schockenhoff (1957 – 2014) wurden abgedrängt.

Heute sind konservative wie auch christ- und sozialdemokratische Parteien quer durch Europa geschwächt und teilweise zertrümmert, sei es in Italien, Frankreich, Polen, der Schweiz, in Ungarn, Großbritannien, den Niederlande, Dänemark… – und auch in Deutschland.

An einzelnen Politikerinnen und Politikern kann es also nicht liegen. Was war passiert?

Mastodon-Post von Dr. Michael Blume 2025 zur n-tv-Nachrichtenmeldung vom 11. September 2012: "Altmaier freut sich: Einbruch bei der Photovoltaik". Blume schrieb dazu: "Manchmal sind es die Details des Fossilismus, die mich schmerzen. So fand ich diese Überschrift von 2012 schon schlimm genug. Aber dass sie genau an einem 11. September erschien & das niemandem in Medien und Politik auffiel... Die Externalisierung der fossilen Kosten auf Mitwelt und Mitmenschen ist stark in uns (allen). Erneuerbare Friedensenergien & Wohlstandsenergien werden daher weiterhin verzögert..."

Ausgerechnet am 11. September (!) 2012, dem Jahrestag des fossilistischen Al Qaida-Anschlags auf New York, hieß es nicht nur bei n-tv Nachrichten: „Altmaier freut sich: Einbruch bei der Photovoltaik“. Screenshot: Michael Blume

Aus heutiger Sicht ist klar, dass die demografische Traditionalismusfalle und das Smartphone (ab 2007) die politischen Politiklandschaften veränderten: Jüngere Generationen verloren gesellschaftlich und Wahl-rechnerisch rapide an Gewicht und die digitale Beschleunigung befeuerte Hetze, Blasenbildung und Rechtsmimesis.

Entsprechend wurden fast überall auf der Welt Investitionen zugunsten kommender Generationen zurückgeschraubt und stattdessen Konsum- und Rentenausgaben erhöht. Das betraf auch den sog. Klimaschutz, aber ebenso wurden die Ausgaben für Integration und Bildung sowie für die Infrastruktur von Straßen, Brücken, Bahnen und ÖPNV vielerorts reduziert.

Aus den USA heraus gelang es dem republikanischen Fossilisten Frank Luntz, Zweifel am fossilen Treibhauseffekt zu schüren und den korrekten Begriff „global heating – globale Erhitzung“ durch das verharmlosende „Climate Change – Klimawandel“ zu ersetzen.

Inzwischen haben Mehrheiten der schrumpfenden, jungen Generationen ihr Vertrauen in demokratische Regierungen der Mitte verloren – was wiederum noch mehr jüngere Menschen dazu bringt, Kinderwünsche aufzuschieben oder ganz aufzugeben. Seit 2012 sinkt die Zahl der Kinder („Peak Child“) weltweit, inzwischen schon die Zahl der Unter-25-Jährigen. Die Weltbevölkerung schnurrt von der Jugend her zusammen, was zu einer Investitions- und Nachfragekrise, schließlich zur Deindustrialisierung führt. Autos kaufen keine Autos. China exportiert nicht aus Stärke, sondern mangels Binnen-Nachfrage aus Verzweiflung.

Heute befindet sich auch die Europäische Union im Abrutschen in die demografische Traditionalismusfalle samt Rechtsmimesis – wie bereits in Asien etwa China, Japan, Südkorea, Singapur usw. Zunehmend werden – besonders krass im Fossilstaat Russland – auch wieder junge Männer in Uniformen gesteckt und in mehr oder weniger sinnfreien Kriegen verheizt. So halten sich fossile Altherren-Regime an der Macht.

Längst gilt weltweit: Wütende, junge Männer und die alternden Landbevölkerungen rücken öfter nach rechts. Von der petromaskulinen Traditionalismusfalle abgestoßene, junge Frauen und post-fossile Stadtbevölkerungen rücken überwiegend nach links. Dies erschwert gelingende Dialoge und Beziehungen, Familiengründungen und demokratische Politik zusätzlich.

2024 ließen dann die Ampel-Parteiblasen den Bundestag platzen und riefen Neuwahlen aus, die sie deutlich verloren. Aber auch Union und FDP setzten weiter auf Rechtsmimesis, was CDU und CSU unter 30 Prozent drückte und die Liberalen aus dem Bundestag und immer mehr Landtagen schleuderte. Doch bisher scheinen sich die meisten demokratischen Parteien eher noch weiter zu zerblasen, statt das Vertrauen auch der jüngeren Wählerinnen und Wähler wieder zu gewinnen. 

Mastodon-Post von Dr. Michael Blume zur Bundestagswahl 2025. Er bemerkte, dass bei den 18- bis 24-jährigen die Linkspartei mit 27% die AfD mit 21% überholt hatte. Die Union kam nur noch auf 12%, die SPD auf 11%, die Grünen auf 10% und die FDP ebenso wie das BSW auf 6%.

Wie bereits fortgeschritten in Frankreich wandten sich auch bei der Bundestagswahl 2025 in Deutschland die jungen Generationen von den Parteien der Mitte ab und wandern in die Parteiblasen von AfD und Linkspartei. Screenshot 24. Februar 2025: Michael Blume

Auch Zehra & ich ahnten die Tragweite dieser Entwicklungen damals noch nicht. Aber wir spürten doch schon, dass etwas Grundlegendes ins Rutschen gerieten und entschieden uns daher, nach der Geburt des dritten Kindes einen Kredit für eine Investition aufzunehmen:

Eine post-fossile Wärmepumpe, die uns seit 2013 von Öl- und Gasrechnungen befreit. Eingebaut wurde sie vom christlich-sozialen Handwerker und Mit-Gemeinderat Erhard Alber  (1953 – 2022). Ab 2017 stiegen wir auf ein Elektroauto um und 2024 packten wir eine Solaranlage aufs Dach.

Wir lösten uns damit nicht nur selbst wirtschaftlich vom Fossilismus, sondern hörten auch auf, mit anderen Menschen und der Industrie um Erdöl und Erdgas zu konkurrieren. Mehr erneuerbare Friedens-, Heimat- und Wohlstandsenergien bedeuten auch niedrigere Energiepreise und weniger Gewalt für alle.

Das demokratische Ringen um Wärmepumpen, Elektroautos, Photovoltaik, Energiespeicher

Doch alle Warnungen etwa vor der fossilen und antisemitischen Terrorachse Russland – Iran (2019) verpufften und auch nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 wurde die Wissenschaft kaum gehört. Nach dem fossil finanzierten Hamas-Terrormassaker vom 7. Oktober 2023 rief ich im Landtag von Baden-Württemberg zum schnelleren Ausbau „erneuerbarer Friedensenergien“ auf. Und noch im Juni 2025 schrieb ich in einer – natürlich von Massenmedien weitgehend ignorierten – Pressemittelung:

Iran und Russland nicht weiterhin fossil finanzieren! […] Staatliche Subventionierung von fossilen Rohstoffen wirken kontraproduktiv. Erneuerbare Energien gehören zur Kernkompetenz von Baden-Württemberg, stärken unsere Unabhängigkeit und die Sicherheit von Israel, der Ukraine und der Europäischen Union.

Screenshot der Pressemitteilung vom 26.06.2025: "Blume warnt: Iran und Russland nicht weiterhin fossil fnanzieren! Erneuerbare Friedensenergien stärken die Sicherheit von Israel, Ukraine und Europäischer Union (EU)"

Screenshot der Pressemitteilung vom 26.06.2025: „Blume warnt: Iran und Russland nicht weiterhin fossil finanzieren!“: Michael Blume

Nach dem fossilen Irankrieg-Desaster ist der Zusammenbruch der fossilen Weltwirtschaft nicht mehr zu übersehen und auch kaum noch zu verhindern: Diesel & Dünger werden weltweit knapp, die Transport-, Produktions- und Nahrungsmittelpreise steigen rasant. Für fossile Brennstoffe in Verbrennermotoren werden Preisaufschläge fällig, für immer mehr Fischerboote lohnt sich das Fischen nicht mehr, Bauern verlieren Ernteanteile, Menschen Kaufkraft, Unternehmen Aufträge.

In einem Satz: Der Irankrieg führt weltweit zu massiver Inflation (Geldentwertung), regional auch zu Arbeitslosigkeit und Hunger.

„Mit dem Iran-Krieg und dem Ölpreisschock hat die Inflation in Deutschland deutlich angezogen. Im März lag die Teuerungsrate bei 2,7 Prozent, nach 1,9 Prozent im Februar, wie das Statistische Bundesamt auf Grundlage vorläufiger Daten mitteilte. Die stark gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs schlagen auf die deutsche Inflation durch.

Hinzu werden zunehmend auch die höheren Gas- und Düngemittelpreise kommen, die wiederum weitere Produkte verteuern…

Auch gestern musste ich dazu auf Mastodon feststellen:

„Ich gehe davon aus, dass die Verfügbarkeit von Diesel & Dünger noch auf Jahre beschränkt sein & also die Transport-, Lebensmittel- und Produktionskosten weltweit treiben werden. Der #Fossilismus tötet – auch die Wirtschaft.

„Derweil hat Trump gegenüber der Financial Times neue Drohungen in Richtung des Iran formuliert. „Um ehrlich zu sein, am liebsten würde ich mir das Öl im Iran nehmen“, sagte der US-Präsident. „Aber einige dumme Leute in den USA sagen: ‚Warum tust du das?‘ Aber das sind dumme Leute.“ Für einen solchen Schritt müsste das US-Militär wohl die iranische Insel Charg im Persischen Golf einnehmen, über die etwa 90 Prozent der Erdölausfuhren des Landes abgewickelt werden. Trump stellte kürzlich auch den NATO-Beistand infrage.

Links ein comichaft grinsender Donald Trump, rechts ein wütender "Make Korea Great Again"-Koreaner, in Erinnerung an den Rechtsputsch-Versuch und die Verfassungskrise in Südkorea.

Auch in demokratischen Staaten wie Südkorea kam es zur verhängnisvollen Verbindung von demografischer Traditionalismusfalle, Digitalisierung und Putschversuch. Michael Blume mit Leonardo.ai

Das Solarpunk-Motto: Niemand kann alles, aber alle können etwas tun.

Aus meiner Sicht ist es psychologisch wichtig zu akzeptieren, dass der Zusammenbruch des Fossilismus nicht mehr aufgehalten, sondern nur noch durchschritten werden kann.

So verringert jedes Elektroauto, jede Wärmepumpe, jede Wind- und Solaranlage, jeder Energiespeicher und jedes Kilo Pflanzenkost die Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas und mindert die damit verbundenen Preisschocks. Und umgekehrt: Jede weitere Öl- und Gasheizung, jeder Verbrennermotor treibt die Energiepreise auch für die Wirtschaft und beschleunigt damit die fossile Deindustrialisierung und Verarmung. 

Das "Heimat heizt"-Wärmepumpe-Meme zeigt eine Wärmepumpe vor einem altdeutschen Fachwerkhaus und nimmt den fossilen Widerspruch auf die Schippe, einerseits angeblich die Heimat zu lieben - und andererseits noch keine erneuerbaren Heimatenergien zu nutzen.

Heimatenergie-Wärmepumpe-Mem von 2026. Screenshot: Michael Blume

Auch deswegen plädiere ich für die satirischen Heimatenergie-Heimatstrom-Memes und rufe alle Abgeordneten des deutschen Bundestages dazu auf, in Erinnerung an große Vorgänger wie MdB Herman Scheer (SPD) wieder mutige, post-fossile Solarboom-Beschlüsse im Interesse der Zukunft, der Volkswirtschaft, der Arbeiter- und Mieterschaft zu treffen.

Ab dem 19. Jahrhundert belieferte (Rhein-)Preußen Süddeutschland und die Schweiz erst mit Kohle, dann mit Erdöl und Erdgas. Derzeit wird bereits innerhalb der Bundesregierung heftig entlang dieser alten Interessen gegen Süddeutschland gerungen: Während Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) weitere Förderung von Elektroautos und von v.a. norddeutscher Windkraft ankündigte, wandte sich die brandenburgische Gaslobbyistin und derzeitige Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gegen den weiteren Ausbau der Solarenergie vor allem in Hessen und Bayern. Auch Tausende Anträge für wertschöpfende Energiespeicher werden bürokratisch blockiert.

Und es ist immerhin konsequent: Auch, wenn es der Mitwelt, der internationalen Sicherheit, der deutschen Volkswirtschaft und der längst unter hohen Öl- und Gaspreisen leidenden Industrie vor allem in Süddeutschland schadet, so soll die fossile Abhängigkeit der „Drei Löwen“-Südländer so lange wie möglich preußisch-fossilistisch ausgebeutet werden. Ich habe durchaus noch Hoffnung, dass sich Bayern irgendwann der post-atomaren Realität stellt und sich auch Baden-Württemberg und Hessen deutlich gegen die fossile Abzocke wehren. Ob es im Bundestag zu einem Bündnis der christlich-sozial-ökologischen Vernunft zwischen süddeutschen und sozialdemokratischen Abgeordneten zugunsten der gesamtdeutschen Volkswirtschaft, der Mieter- und Arbeiterschaft kommt? Ich trete dafür ein, Sie auch?

Eigenheimbesitzende und Betriebe profitieren längst von erneuerbaren Wohlstandsenergien, Bayern und Baden-Württemberg sind bundesweit führend in der Photovoltaik. Screenshot aus dem Strom-Report 2025: Michael Blume

Auch die in 2025 endlich bundesweit an die Spitze gerückten, mit Ökostrom nutzbaren Wärmepumpen sollen nach derzeitigen Reiche-Plänen wieder zurückgedrängt werden. Das nach einem schlechten und fossil sabotierten Start vom damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erarbeitete, geltende Heizungsgesetz schützt gerade auch Mieterinnen und Mietern vor der „fossilen Mietfalle“: Vermietende könnten sich sonst die Investitionen für post-fossile Heizungen sparen und die steigenden Öl- und Gaskosten an die Mietenden weiterreichen. Genau das ist hiermit gemeint:

„Reiche sagte, dass man es Hausbesitzern künftig überlassen solle, in welche Technologie sie investierten. „Wir müssen lernen, die Energiewende zu hybridisieren“, so Reiche. Ein entsprechendes neues Gesetz solle noch in diesem Jahr ins Kabinett kommen, sagte sie. […] Die CDU-Politikerin war vor ihrer Berufung zur neuen Wirtschaftsministerin Vorsitzende der Geschäftsführung der E.ON-Tochter Westenergie AG – die Opposition unterstellte ihr deswegen schon bei früheren Vorhaben, vor allem Lobbyvorhaben zu stützen. Die Wirtschaftsministerin will auch Tempo beim Bau neuer Gaskraftwerke machen. Sie wolle bei der EU-Kommission die Ausschreibungen beantragen.“

Es wäre aber gerade auch für die noch bestehenden, demokratischen Volksparteien eine soziale und ökologische, volkswirtschaftliche und politische Katastrophe, Millionen Mieterinnen und Mieter, Arbeiterinnen und Arbeiter der fossilen Abzocke durch Öl- und Gasabhängigkeiten auszuliefern – während Eigenheimbesitzende einschließlich der meisten Bundespolitikerinnen und Bundespolitiker durch post-fossile Wohlstandsenergien längst für sich selbst profitieren.

Schon 2023 meldete der SPIEGEL: Mit einem Seitenhieb auf die Grünen und deren vergebliches Bemühen, ihre Parteizentrale mit einer Wärmepumpe auszustatten, sagte FDP-Chef Christian Lindner am Abend: »Der Unterschied zwischen den Grünen und mir ist: Die doktern seit drei Jahren an ihrer Wärmepumpe rum. Meine zu Hause läuft schon.«

Wie geschrieben: Wir Blumes haben unsere frühe Investition von 2013 in eine Wärmepumpe nie bereut und würden uns aus ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Gründen den weiteren und beschleunigten Ausbau erneuerbarer Heimat- und Wohlstandsenergien wünschen. Wer Sie heute noch überreden oder gar zwingen will, eine Öl- oder Gasheizung einzubauen, bürdet Ihnen ein enormes Kostenrisiko auf.

Warum ich nicht resigniere

Nach meiner Auffassung werden durchaus einige Solarpunk-Arche-Regionen den Zusammenbruch von Demografie und Fossilismus überstehen. Jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung hat also Zukunftswirkung.

Die christdemokratische Bewegung in den Niederlanden hatte sich über die Frage einer „Brandmauer“ zu den Rechtsdualisten sogar gespalten – und jene Abspaltung, die in eine Regierung mit Rechtsdualisten eintrat, ging bei der Parlamentswahl 2025 verdient unter. Die deutsche sog. Werteunion scheiterte ebenfalls, hätte aber nach meiner Einschätzung ruhig noch ein paar mehr Rechtslibertäre und Fossilisten aus CDU und CSU mit sich nehmen können. Und ausgerechnet in Texas, USA steigt derzeit mit James Talarico ein vielversprechender, christlicher Demokrat mit einer überzeugenden Verbindung aus christlicher Motivation und der Unterscheidung von Kirche und Staat gegen den christlichen Nationalismus der MAGA-Bewegung auf.

Aus meiner Sicht sollten also weder sozial- noch christdemokratisch Engagierte in Europa ihre bisherigen Volksparteien inhaltlich und personell aufgeben, sondern für eine post-fossile, soziale und ökologische Marktwirtschaft sowie für Auswege aus der digitalen und demografischen Vereinsamung kämpfen. Wir sollten den Fossilisten und Korrumpierten unsere großen Traditionen nicht überlassen. Es ist mir dabei völlig klar, dass dieser Kampf womöglich scheitern kann – doch auch dann will ich ihn gekämpft haben.

Gerade las ich in einer Autobiografie des ersten Ministerpräsidenten, für den ich arbeiten durfte: Erwin Teufel (CDU) schrieb „Gewissen für das Ganze. Ein politisches Leben“ (Herder 2017)

Mit Barbara Traub konnte ich das erste jüdisch-christliche Dialogbuch unseres Bundeslandes veröffentlichen. Der Kampf gegen jeden Antisemitismus und die Aufklärung von Verschwörungsmythen, für Dialog und das Miteinander der Religionen bleibt mein Herzensanliegen. Und für meinen derzeitigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) durfte ich einen Rückblick auf das erfolgreiche Sonderkontingent für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak schreiben, der ihn sicher freuen wird.

Wenn Menschenwürde und Wissenschaft in der Politik einfach durchzusetzen wären, dann wäre das ganze 20. Jahrhundert anders verlaufen. Ich mache mir und uns keine Illusionen, dass das 21. Jahrhundert einfacher wird. Doch täglich mehr Menschen begreifen, dass sich der Karbonblasen-Fossilismus im weltweiten Todeskampf befindet. Und die Solarpunk-Bewegung, die Hoffnung auf post-fossile Energiedemokratien auch in Europa wächst.

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

47 Kommentare

  1. Lieber Michael,
    das ist eine wunderbar gelungene Zusammenfassung der politischen, ökonomischen, und ökologischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Am meisten beunruhigend ist für mich die rasante demographische Veränderung, denn dort sehe ich noch keine Anzeichen einer Gegenreaktion.

    Für Deine unermüdliche Arbeit und das Einstecken von Hass und Hetze, ohne zu resignieren, möchte ich Dir ganz herzlich danken. 🙏

    • Liebe Elisabeth,

      ganz herzlichen Dank für diese wertschätzende und dialogische Rückmeldung! 🙏

      Über den täglichen Hate und die digitale Gewalt habe ich ja bereits neulich in einem Focus-Interview gesprochen. Die Frage, wie ich all dies aushielte, kam auch da auf:

      https://www.focus.de/politik/deutschland/es-gibt-keine-gluecklichen-hater_75cc358c-7891-44c6-b34f-3bdb8ba83357.html

      Auf Mastodon erlebe ich kaum rechte und libertäre, aber durchaus linke Anwürfe – viele dort lehnen die Christdemokratie ab und arbeiten sich immer wieder an Ruprecht Polenz & mir ab.

      Habe dazu heute Morgen u.a. gepostet:

      Es ist halt ein Problem vieler Linker, dass sie Andersdenkende für dumm halten. Viele von Euch auch hier auf #Mastodon wollen eigentlich das Gleiche wie die #AfD : Die Zerspaltung und Vernichtung von #CDU & #CSU. Und Ihr glaubt wirklich, wir merken das nicht…

      Solche parteipolitischen Engführungen spüren wir leider auch bei vielen progressiven #Medien wie dem @Volksverpetzer . Moderaten Christdemokraten wie mir – die etwa auch die Sozialdemokratie & Grüne ehrlich schätzen – wird dann häufig vorgehalten, wir wären gegenüber Linken „naiv“.

      Meine ehrliche Bitte an Linke im #Fediverse : Wenn Ihr die #Union schon verachtet, dann erspart Euch & uns doch bitte das falsche und pseudo-besorgte Gesülze. In dieser Frage sitzt Ihr mit den Blauen im gleichen Boot. Und wir merken das.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116322370246902207

      Umso wichtiger sind mir ehrlich dialogische und also demokratische Stimmen im Fediversum wie Du und @silberspur.

      Vielen herzlichen Dank für Dein großes Herz & demokratisches Engagement! 🙏🇩🇪🇪🇺📚✅

  2. Guten Morgen, @Michael,

    ein sehr tiefgehender Blogpost mit vielen Anknüpfungspunkten! Vielen Dank, dass du Hermann Scheer (SPD) und Andreas Schockenhoff (CDU) erwähnt hast.

    Ich möchte ein paar Gedanken zu den angesprochenen „Heimat-Energien“-Memes teilen. Insbesondere das abgebildete Meme mit dem Motto „Deutscher Boden. Deutsche Wärme“ spricht emotional m.E. stark an. Ich möchte erläutern, warum mir das so erscheint.

    Das Meme zeigt eine Wärmepumpe, die Erdwärme als Reservoir nutzt. Derzeit stammen etwa 50% der Erdwärme aus dem Zerfall von Uran und Thorium im Erdinneren (natürliche Radioaktivität). Wenn man so will, handelt es sich hier auch um Kernenergie, nur eben unter Ausnutzung des gesamten Erdkörpers als Wärmereservoir und ohne Anreicherungund Konzentration des Ausgangsmaterials.

    Erdwärme wird viele Millionen Jahre lang eine relevante Energiequelle bleiben, da ihre radioaktiver Brennstoff aus dem gesamten Erdinneren stammt. Im Gegensatz dazu ist der Vorrat an Rohstoffen für die Kerntechnik zeitlich sehr begrenzt, da das abbaufähige Uran nur aus der Erdkruste stammt.
    Erdwärme hat den Vorteil, dass sie überall verfügbar ist, ohne das Risiko radioaktiver Abfälle, wie es bei der Kerntechnik der Fall ist (wo stark strahlende Abfallprodukte entstehen).

    Kernenergie, von Menschen eingesetzte Kernentechnik ist abhängig von bestimmten Rohstofflieferanten. Ähnlich verhält es sich mit fossilen Energien, wobei hier der entscheidende Unterschied besteht, dass das Verbrennen fossiler Rohstoffe Kohlenstoff aus langfristigen Zyklen entnimmt und somit den Treibhausgasgehalt der Atmosphäre erhöht.

    Das ist alles bekannt.

    Ich wiederhole diese Fakten hier, um deutlich zu machen, wie gut das angesprochene Meme an unseren Umgang und unsere Gewöhnung an fossile Energieträger „anschließt“.

    Außerdem sehe ich ein paar spannende Bezüge zur Wissenschafts- und Literaturgeschichte.

    Die Geschichte der Geologie, insbesondere der Stratigraphie, ist stark verknüpft mit der Industrialisierung und der Entwicklung des Bergbaus – auch in Bezug auf den Abbau von Kohle als fossiler Energieträger.

    So hat der englische Wissenschaftler John Strachey (1671 – 1743) wohl eines der ersten geologischen Profile gezeichnet, und dabei ging es darum, die kohleführende Schichten in der Nähe seines Landgutes zu finden. Der in der Anfangszeit der Stratigraphie geprägte Begriff der „Flözgebirgsarten“ hängt mit dem Kohlebergbau zusammen.

    Interessante, mitunter literarische Bezübe finden sich dann bei dem deutschen Mineralogen Abraham Gottlob Werner (1749 – 1817), der an der Bergakademie im sächsischen Freiberg lehrte und mit Goethe befreundet war. Bei ihm haben unter anderem Alexander von Humboldt und Friedrich von Hardenberg – letzterer der unter dem Pseudonym Novalis bekannte Dichter der Romantik – studiert.

    Spannend finde ich, dass Novalis wohl einen der ersten wissenschaftlichen Berichte über den Abbau von Braunkohle verfasst hat. Zumindest macht dieser Blogbeitrag des Germanisten Martin Ehrler in der FAZ das plausibel.

    Die „Scholle“ unter unseren Füßen verbinden wir oft mit dem Begriff „Heimat“, ein Begriff, der mitunter vom Nationalismus auf unglückselige Weise vereinnahmt wurde. Im Meme mit der Wärmepumpe und der Erdwärme ist diese Thematik sehr verdichtet. Und die Geistesgeschichte der Wissenschaft vom Erdreich darunter (der Geognosie) ist wiederum mit der Bedeutung dieser „Tiefe“ als Rohstoffträger verbunden.

    Vielleicht ergeben sich daraus weitere interessante Denkansätze.
    Allerdings führte der großflächige Raubbau an dem, was unter der „Scholle“ liegt, zur Verwüstung ganzer Landstriche, zur Zerstörung der intakten Natur und dessen, was Menschen mitunter als „Heimat“ erleben.

    Wer nun Kernenergie als „saubere“ Energie (in Bezug auf die Atmosphäre) wieder in Betracht zieht, sollte sich der Rohstoffabhängigkeit bewusst sein. Politiker, die sich für Kernkraft aussprechen, sollten daran erinnert werden, dass wir uns damit abhängig von anderen Staaten machen.

    In Deutschland gibt es aber auch Regionen, in denen Uran vorkommt und abgebaut werden könnte. Warum also nicht Uran aus der „Heimat“ nutzen, statt sie von fragwürdigen Lieferanten aus instabilen Staaten zu beziehen? In Menzenschwand (im südlichen Schwarzwald) wurde in den 1960er Jahren Uran abgebaut. Es entwickelte sich dort aber eine sehr starke Protestbewegung, die dazu beitrug, dass der Uranabbau dort wieder aufgegeben wurde. Heute spielt dort der Tourismus eine bedeutende Rolle, und die gesunde Natur wird stark beworben. Mir erscheint es undenkbar, dass der Abbau von Uran dort in absehbarer Zeit vermittelbar wäre – man tut sich in der Politik ja bereits so schwer bei der Endlagersuche.

    Politiker, sich für die Nutzung für Kernkraft aussprechen, sollten also erstens daran erinnert werden, dass wir uns damit unter den aktuellen Rahmenbedingungen abhängig von anderen Staaten machen. Und, falls sie dieses Problem vermeiden wollten, dass ein Abbau in der „Heimat“ wohl möglich wäre. Dann sollten sie diese Option aber bitteschön der lokalen Bevölkerung dort vermitteln. Ich denke, das Protestpotenzial wäre sicherlich enorm.

    • Vielen herzlichen Dank für Deinen buchstäblich tiefen Kommentar, @Peter – über den ich heute viel nachgedacht habe.

      Denn ich denke, Du thematisierst hier sehr gekonnt die kognitive Seite des Energieglaubens etwa zur Wärmepumpe und zur Atomkraft. Mir gefällt auch sehr die auf Mastodon bereits beliebte Unterscheidung von Kernfusion (Atomenergie aus der Uranspaltung) und Fernfusion (Solarenergie aus den Fusionsprozessen der Sonne).

      Als Arbeiterkind, Politik- und Religionswissenschaftler sehe und erlebe ich immer wieder auch die affektive Seite des gleichen Energieglaubens. So beinhaltet(e) die Atomenergie etwa in Bayern und auch Japan immer auch ein Versprechen auf Wohlstand und Unabhängigkeit.

      Deswegen sehe auch ich zwar rational und wirtschaftlich keinen Rückweg zu Kernkraftwerken, für deren Risiken und Endlager es keine überzeugenden Lösungen gibt. Gleichwohl verstehe ich, warum es vielen Menschen schwer fällt, sich aus den „Atomträumen“ zu verabschieden. Hier sind m.E. tatsächlich ähnliche Bilder und Mythen am Werk, wie Du sie mit Begriffen wie „Scholle“ und „Boden“ identifiziert hast.

      Täglich erlebe ich diese Unterscheidung zwischen öfter progressiv-kognitivem und konservativ-affektivem Stil auch auf Mastodon. Dort gibt es viele kluge Kommentare, die ihr Geburtsjahr über den damaligen Level an Kohlendioxid (Carbon Dioxide) angeben: „Born at 331.92 ppm“ hieße dann zum Beispiel 1976, weil in diesem Jahr – das auch mein Geburtsjahr ist – der Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre bei durchschnittlich 331.92 Anteilen pro Million (ppm = parts per million) lag.

      Mein innerer Akademiker freut sich: Hier ist also noch ein Mensch, der sich über den Treibhauseffekt und die Klimakrise sorgt und informiert! Doch das Arbeiterkind und der Wissenschaftler in mir spürt eben auch: Es ist ein Gemeinschaftssignal auf Kosten der vielen Menschen, die dieser englischen Bezeichnung nicht folgen können oder wollen. Mehr noch: Angehörige meiner nicht-akademischen Familie haben 1976 auf Bauernhöfen und in Fabriken gearbeitet – und reagierten sensibel darauf, wenn der Eindruck erweckt wurde, ihre Lebensläufe und Arbeitsleistungen würden nachträglich abgewertet. Sollte etwa die damalige Produktion industrieller und landwirtschaftlicher Güter heute nichts mehr wert sein?

      Das vielleicht schlimmste Vor- und Fehlurteil vieler Linker ist es, Christdemokratinnen, Konservative oder gar Rechte für „dumm“ zu halten, für Leute, die „es einfach nicht verstehen (wollen)“. Denn aus meiner Sicht ist es überhaupt kein Zufall, dass es gerade auch in rechtspopulistischen Parteien oft sehr viele auch akademische Intellektuelle gibt. Wer etwa in der AfD für ein Landtags- oder gar Bundestagsmandat nominiert werden will, hat oft schon in der Jugend fasziniert politische oder auch religiöse Inszenierungen verfolgt und muss mitunter jahrelang gegen teilweise erbitterte Konkurrenz auf Parteitagen und in digitalen Medien „geglänzt“ haben. Rechtsdualisten, Fossilisten, fossile Faschisten verstehen Medien und Psychologie meist sehr viel besser als diejenigen, die immer noch an ein rationalistisches Menschenbild glauben!

      Konkret bedeutet dies, dass solche Akteure die wissenschaftlichen Diskurse und Argumente leicht affektiv kontern können. Dann nennen sie eben die von Menschen fossil verursachte „globale Erhitzung“ nur noch „Klimawandel“, kontern den Hinweis auf 2,5 Grad mit „Mittelmeer-Urlaub und gutem Wein in Hamburg“, betonen, dass „Pflanzen doch CO2 zum Wachsen benötigen“ und spießen jede Plastiktüte und antisemitische Entgleisung bei FFF auf.

      Du warst ja dabei, als ich daher bewusst auch Wasser und Mitwelt thematisiert und damit bewusst auch Moderate und Konservative angesprochen habe.

      Und so verhält es sich auch mit dem mir so wichtigen Begriff der erneuerbaren Friedensenergien. Klar handelt es sich dabei um eine affektive Verdichtung & Verkürzung komplexer Theorien wie der politikwissenschaftlichen Rentierstaatstheorie, der volkswirtschaftlichen Ressourcenfluchtheorie und des Treibhausgas-Effektes. Und wir hatten im Team durchaus kontrovers diskutiert, wie riskant es war, diesen komplexen Begriff in einer Rede zum 9. November (!) 2023 anzubringen. Ich hatte mich dann doch dafür entschieden, aber Du kannst meine kurze Verblüffung am Rednerpult sehen, als es aus dem Landtag dafür spontanen Applaus gab:

      https://youtu.be/1HRpXuO7ZkQ?si=__U4WA3EwXWVHtOD&t=49

      Das Ganze klingt jetzt vielleicht komplizierter, als ich es meine: Ich denke, dass jedes politisches Thema immer eine kognitive (wissenschaftliche) und eine affektive (kommunikative) Seite hat. Und ich glaube deswegen als dialogischer Monist, dass wir uns zu jedem Thema a) durch Fachliteratur und b) durch Dialoge mit Betroffenen informieren sollten. Beides gelang beispielsweise der Physikerin und ersten Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU) sehr gut, während viele Linke zu kognitiv argumentieren und viele Rechte affektiv manipulieren.

      Was meinst Du – kommen wir so dialogisch weiter?

      • Danke für die weiterführenden Gedanken, @Michael!

        Ja, so kommen wir weiter!
        Ich kann Dir hierbei nur zustimmen:

        „Ich denke, dass jedes politisches Thema immer eine kognitive (wissenschaftliche) und eine affektive (kommunikative) Seite hat. Und ich glaube deswegen als dialogischer Monist, dass wir uns zu jedem Thema a) durch Fachliteratur und b) durch Dialoge mit Betroffenen informieren sollten.“ 

        Drei herausragende Beispiele für Wissenschaftsvermittler*innen, die diese „affektive“ Dimension mitdenken und in ihren Texten mit gestalten, sind m.E. Siddhartha Mukherjee mit seinem Buch über Krebs, in dem er die wissenschaftlich-medizinische Seite ergänzt um äußerst behutsame, empathische Berichte über/Dialoge mit von der Krankheit Betroffenen. Ein anderes wunderbares Beispiel ist Helen Czerski mit „Blue Machine“, einem Buch über den Ozean, in dem auch die Begegnung mit indigenen Menschen, die mit dem Meer leben, einen großen Raum einnimmt und in die wissenschaftliche Erzählung eingeflochten ist. Oder eben Robert Mcfarlane mit seinem Buch über Flüsse, das ich auf der Wassertagung letzten Sommer in Hohenheim kurz erwähnt habe (im Anschluss an Thekla Walkers Plädoyer über positive Zukunftserzählungen – was ja unser Thema hier direkt tangiert).

        Diese drei Autor*innen haben genau das getan, was Du formuliert hast: 1) die fachliche Seite gemeistert und 2) den Dialog mit Betroffenen gesucht. Daher sind ihre Texte so tiefgehend.

        Ich denke, wenn wir es schaffen, existentielle, gesellschaftlich relevante Themen erzählerisch so „herüberzubringen“, sind wir auf einem guten Weg.

        • Guten Morgen, lieber @Peter – und vielen Dank für Deine erfreuliche Rückmeldung! 🙏🙌

          Ich erlebe wirklich, dass der dialogische Monismus die beste Grundlage für dialogisches und demokratisches Leben ist: Eine empirische Wahrheit und notwendig mehrere, emotionale wie kognitive Perspektiven darauf.

          Also: Demokratische Wahlen mit mehreren Parteien zu vielfältigen Parlamenten, die sich dann zu Kompromissen und Regierungskoalitionen finden.

          Passend dazu konnte ich heute reichen:

          Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?

          Dialog & Demokratie in Baden-Württemberg 😌🇩🇪🇪🇺🙏:

          „Der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) betonte am Abend in einem gemeinsamen Statement, man wolle eine „Reformkoalition“ bilden. Er erklärte, „dass man es mit zwei Partnern auf Augenhöhe zu tun habe“. Das müsse sich auch abbilden, in den Inhalten der Politik & in der Frage der Regierungsarithmetik.

          Damit spielte Özdemir auf die Verteilung der Ministerien an. Er dankte Manuel Hagel und dem Team der CDU für die bislang faire Verhandlungen.

          Erstmals seit dem Wahlabend traten Özdemir und Hagel wieder gemeinsam vor die Presse.Hagel: Landespolitik muss Probleme lösen wollenDer Verhandlungsführer für die CDU, Manuel Hagel, sagte, man müsse sich um die Probleme der Menschen kümmern. Er erwähnte steigende Preise und weltpolitische Ereignisse, die man an der Zapfsäule spüren könne.“

          – Chag #Pessach sameach & frohe #Ostern! 🙏

          https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116327928452794095

          Dir Dank für auch unsere Dialoge, die mir viel bedeuten! ☺️🙏🙌

  3. Guten Tag Herr Blume

    vielen Dank für diesen klarsichtigen und persönlichen Debattenbeitrag. Besonders Ihre Analyse zur „demografischen Traditionalismusfalle“ und der „fossilen Mietfalle“ legt den Finger in die Wunde einer oft kurzsichtigen Realpolitik.

    Dass Sie die christlich-ökologischen Wurzeln der Union und das Leitbild der „Mitwelt“ betonen, erinnert eindringlich daran, dass Bewahrung der Schöpfung und ökonomische Vernunft keine Gegensätze sind. Ihr Plädoyer für „erneuerbare Friedensenergien“ ist angesichts der aktuellen geopolitischen Lage – vom Überfall auf die Ukraine bis zum Irankrieg-Desaster – aktueller denn je.

    Ihr Solarpunk-Optimismus ist ein wertvoller Gegenentwurf zur grassierenden Rechtsmimesis und Resignation. Es ist ermutigend zu lesen, dass Sie den Kampf um eine post-fossile, soziale Marktwirtschaft nicht den Lobbyisten überlassen wollen.

    Herzlichen Dank für diesen wichtigen Impuls für den interreligiösen und politischen Dialog!

  4. @Peter Gutsche 31.03. 09:49

    „Wenn man so will, handelt es sich hier auch um Kernenergie, nur eben unter Ausnutzung des gesamten Erdkörpers als Wärmereservoir und ohne Anreicherung und Konzentration des Ausgangsmaterials.“

    So viel Erdwärme kommt da von unten jetzt nicht nach. Die meiste Wärme kommt im Sommer von oben, und wärmt den Boden wieder auf, der sich im Winter durch den Wärmeentzug der Wärmpumpe deutlich abkühlen kann.

    Wo die Bebauung dicht ist und alle eine Wärmepumpe haben, könnte das schon ein Problem werden. Entweder man nutzt die Bohrlöcher auch zur Kühlung im Sommer, dann wärmt sich der Boden ja dadurch wieder auf. Oder man macht es eher Außerhalb und betreibt dort Großwärmepumpen, und beliefert die ganze Siedlung mit Fernwärme.

    Dann kann man auch noch einen Gasmotor in Kraftwärmekopplung hinzufügen, der mit einem variablem Mix aus Wasserstoff, Biogas und zunächst auch noch Erdgas laufen kann. Das wäre die effektivste Art von Backupkraftwerk, weil so auch genau dann auch Wärme produziert wird, wenn sie am nötigsten gebraucht wird.

    „Politiker, sich für die Nutzung für Kernkraft aussprechen, sollten also erstens daran erinnert werden, dass wir uns damit unter den aktuellen Rahmenbedingungen abhängig von anderen Staaten machen.“

    Vermutlich ist Kernkraft einfach viel zu teuer, und kann mit den Erneuerbaren nie mithalten. Wenn man die AKWs aber so bauen könnte, dass sie das Plutonium aus den alten Brennstäben verbrauchen, wäre das interessant. Dann wäre man einen Großteil des Endlagerproblems los und bräuchte eventuell gar keinen weiteren Uranabbau.

    Das darf dann auch was kosten.

    • Danke, lieber @Tobias Jeckenburger, für die Einordnung!

      „So viel Erdwärme kommt da von unten jetzt nicht nach. Die meiste Wärme kommt im Sommer von oben, und wärmt den Boden wieder auf, der sich im Winter durch den Wärmeentzug der Wärmpumpe deutlich abkühlen kann.“

      Da ist meine Begeisterung für Erdgeschichte, Plattentektonik und solche Themen wohl etwas mit mir durchgegangen. Aber für den den Betrieb von Wärmepumpen spielt die innere Wärmequelle der Erde wirklich keine relevante Rolle.

  5. Danke für diesen ausführlichen Blogpost, der tatsächlich manche Erinnerung bei mir geweckt hat. Vor allem auch deshalb, weil ich 1994 geheiratet habe.

    Vielleicht haben viele von uns an eine gute Zukunft geglaubt. Die Zitate aus dem Grundsatzprogramm.der CDU zeigen, dass es um Ökologie UND Ökonomie ging. Die Leute, die das damals erarbeitet haben, machten hier keine Gegensätze daraus.

    30 Jahre sind in einem Menschenleben eine lange Zeit. Und für politische Grundsatzprogramme nicht realistisch. Mehrmals seit 1994 wurde in der CDU ein neues geschrieben.

    Ich frage mich angesichts der aktuellen Entwicklungen, die unsere Welt jeden Tag auf den Kopf stellen, was Grundsatzprogramme wert sind. Möglicherweise sind sie aber gerade in Zeiten voller Unruhe, Ungewissheit und einem schwindenden Sicherheitsgefühl ein Anker.

    Meine Mitgliedschaft in der CDU endete 2021 nach zwei Jahrzehnten mit dem Ergebnis der Mitgliederbefragung. An dem Tag verließen auch prominentere Persönlichkeiten ihre langjährige politische Heimat. Bei Ihrer Erwähnung von Erwin Teufel fiel es mir wieder ein. Sie haben beschlossen zu bleiben – ich bin gegangen. Diesen Schritt, der mir nicht leichtgefallen ist, bereue ich nicht. Für Ihre Entscheidung zolle ich Ihnen Respekt.

    Jeder und jede in unserem Land hat das Recht auf seine/ihre politische Einstellung. Solange diese Meinung demokratischen Grundsätzen entspricht, müssen wir das akzeptieren und ja, auch aushalten!

    Sie beschreiben, wie Sie und Ihre Frau sich schon vor einigen Jahren dazu entschlossen haben, fossile Energieträger zu meiden. Dafür gebührt Ihnen beiden mein Dank.

    Dass die Konsequenzen für alle die, denen solche Entscheidungen aus verschiedenen Gründen nicht möglich waren, immer gravierender werden, ändern leider an den politischen Weichenstellungen dieser Tage nichts.

    Das Bundeswirtschaftsministerium strebt langfristige Gas-Lieferverträge an. Aber was sind solche Verträge wert? Eines ist sicher: Die bleibende Unsicherheit für Vermieter und Mieter.

    Dies führt mich direkt zu den jungen Menschen. Schon die letzten sechs Jahre trugen dazu bei, dass das Vertrauen in die Zukunft gelitten hat. Die Zeit der Pandemie hat Spuren hinterlassen, die viele Jüngere wahrscheinlich ihr Leben lang mit sich herumschleppen werden.

    Durch die wirtschaftliche Lage von Familien, heißt das mutmaßlich Verzicht. Für mehr Eltern wird daraus auch eine psychische Belastung, die schreckliche Folgen haben kann.

    So habe ich heute gelesen, dass die Bauzinsen erhöht werden. Was soll das werden, wenn immer mehr Arbeitsplätze vom Wegfall bedroht sind, Arbeitslosigkeit in Armut und gesellschaftliche Ausgrenzung führt? Es macht etwas mit Kindern, wenn sie das Zuhause verlieren. Das hat nichts mit Materialismus zu tun, sondern mit dem „Nest“, das Sicherheit bietet.

    Angesichts der politischen Tonlage sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Deshalb lohnt sich ein Blick in die Bücher über die 1920er Jahre. Auch hinsichtlich der Verteilung der Vermögen oder der Macht bestimmter Medien.

    1994 – zu weit weg. Vergangenheit.

    • Herzlichen Dank für Ihren starken und vielseitigen Kommentar, @Marie H.

      In vielem bin ich bei Ihnen, einem Satz kann ich jedoch nicht zustimmen: „1994 – zu weit weg. Vergangenheit.“

      Das erlebe ich anders, zumal die 1990er Jahre das Jahrzehnt bildeten, in dem ich mich als Jugendgemeinderat und in der Jungen Union engagierte, Abitur machte und erwachsen wurde, ab da an jeder demokratischen Wahl teilnahm, meinen Wehrdienst in der Bundeswehr samt Gelöbnis für unser Grundgesetz ableistete, mich verliebte, verlobte und die Liebe meines Lebens (und später Mutter unserer Kinder) heiraten durfte, per Erwachsenentaufe Mitglied der evangelischen Landeskirche wurde, meine Bankausbildung absolvierte und mich danach ans Studium wagte.

      Auch die Beschlussfassung des CDU-Grundsatzprogramms, an dessen Beratungen ich mich intensiv beteiligt hatte, gehört in diese Zeit. Und ich fühle mich diesem Text weiterhin verbunden, so wie ich auch das Gelöbnis auf das Grundgesetz, meine Taufe und mein Eheversprechen bis heute als für mein Leben relevant empfinde. Gerade auch dann, wenn sich Teile der Partei, der auch Sie dankenswerterweise lange angehörten, auf fossilistische und rechtslibertäre Irrwege begeben haben, statt sich der Klima-, Wasser- und Mitweltkrise im 21. Jahrhundert zu stellen, so möchte ich doch bewusst am Konzept der Sozialen und Ökologischen Marktwirtschaft festhalten. Es ist mir auch bislang nichts inhaltlich Besseres dazu geboten worden. Meine christlich-demokratisch-ökologischen Überzeugungen sind nicht mit einem Verfallsdatum versehen und ich hoffe, sie mit ins Grab nehmen zu dürfen.

      Sie schrieben:

      „Sie beschreiben, wie Sie und Ihre Frau sich schon vor einigen Jahren dazu entschlossen haben, fossile Energieträger zu meiden. Dafür gebührt Ihnen beiden mein Dank.

      Dass die Konsequenzen für alle die, denen solche Entscheidungen aus verschiedenen Gründen nicht möglich waren, immer gravierender werden, ändern leider an den politischen Weichenstellungen dieser Tage nichts.

      Das Bundeswirtschaftsministerium strebt langfristige Gas-Lieferverträge an. Aber was sind solche Verträge wert? Eines ist sicher: Die bleibende Unsicherheit für Vermieter und Mieter.“

      Danke und ja, Planungssicherheit ist für die post-fossile Transformation sehr wichtig. Allerdings hatte sich nach dem Einmarsch von Putin-Russland in die Ukraine auch der grüne und meinerseits geschätzte Robert Habeck um langfristige Gas-Lieferungen u.a. aus Katar – dem Hauptquartier auch von Hamas und Taliban – bemüht. Und auch er traf m.E. eine Fehlentscheidung, als er die Elektroauto-Forderung kurzfristig einstellte, was auch meine Familie betraf und den Verkauf von Elektrofahrzeugen in Deutschland erst einmal wieder einbrechen ließ.

      Ich möchte Sie also erneut ermutigen, sich nicht emotional in einem parteipolitischen Dualismus zu verstricken, nach dem alle Entscheidungen einer demokratischen Partei voll ewiger Weisheit erstrahlen und jene einer anderen Partei als direkter Weg in die Hölle erscheinen. Die Realitäten waren und sind komplexer. Lassen Sie uns doch auch gerne mal gemeinsam darüber schmunzeln, dass @Realo allen Ernstes behauptet hat, dass Donald Trump mit dem Irankrieg-Desaster angeblich erneuerbare Friedensenergien befördern wollte. 🤭 Ich halte das für völlig ausgeschlossen – zumal er ja einem Windkraft-Unternehmen eine Milliarde Steuerdollar anbot, damit diese nicht weiterbauen -, aber es zeigt eben doch, dass sogar MAGA-Katastrophen wiederum neue Chancen eröffnen. Sogar von Katherina Reiche lese ich nun positive Einlassen zu erneuerbaren Energien – wenn auch mit aus meiner Sicht erkennbaren Widerwillen.

      Das mit den „politischen Weichenstellungen“ ist also so eine Sache, zumal ich doch bitte mit dem Grundgesetz daran festhalten will, dass Gesetze durch den deutschen Bundestag beschlossen werden. Da mag eine Ministerin mit allzu engen Bezügen zur Gaslobby noch so viele Eckpunkte, Referentenentwürfe und Ankündigungen verfertigen – ich erwarte von den direkt gewählten Abgeordneten des deutschen Bundestages, dass sie ihrer Verantwortung gerecht werden und Gesetzesentwürfe nicht einfach als Parteisoldaten abnicken.

      So hoffe ich doch sehr, dass die Sozialdemokraten im deutschen Bundestag, aber auch etwa die süddeutschen Abgeordneten einschließlich der CSU-Landesgruppe die Belange der Arbeiter- und Mieterschaft sowie der süddeutschen Länder ernsthaft geltend machen.

      Gerade auch als Christdemokrat gehe ich zudem nicht davon aus, dass der geschätzte Konstanzer MdB und Unions-Fraktionsvize Andreas Jung einen fossilistischen Gesetzestext mittragen würde. Noch im Juni 2025 hatte er in der Stuttgarter Zeitung zu Recht den Wert des Klimaschutzes betont und u.a. ausgeführt:

      „Das Ziel klimaneutrale Wärme bleibt unverändert. Der Weg der Ampel mit dem Heizungsgesetz hat aber Akzeptanz gekostet. Wir brauchen gleichberechtigte Ermöglichung aller Wege zum klimafreundlichen Heizen. Die Wärmepumpe bleibt da eine sehr gute Option, wie Solarthermie, Geothermie, auch der Anschluss an ein Wärmenetz. Aber auch etwa das Heizen mit Holzpellets – und auch grüne Gase haben Potenzial. Was zum Einsatz kommt, muss vor Ort entschieden werden.

      Muss die 65-Prozent-Marke im Gesetz bleiben?

      Entscheidend ist, dass es bei dem Rahmen bleibt: Dazu gehört erstens eine schrittweise CO2-Bepreisung, die keinen überfordert, aber mit dem Preissignal: Klimaschutz lohnt sich auch im Geldbeutel. Zweitens die Rückgabe der Einnahmen durch Senkung der Stromkosten und drittens eine verlässliche Förderung für den Heizungstausch.“

      https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.energiewende-cdu-vize-klimaschutz-muss-eine-prioritaet-der-politik-bleiben.080d97e1-ca16-4f4b-8926-69326c6cb2a7.html

      Ich kenne und schätze den Abgeordneten Jung und gehe nicht davon aus, dass er sich von preußischen Fossil-Lobbyisten täuschen oder unter Druck setzen ließe.

      Schließlich schrieben Sie:

      Angesichts der politischen Tonlage sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Deshalb lohnt sich ein Blick in die Bücher über die 1920er Jahre. Auch hinsichtlich der Verteilung der Vermögen oder der Macht bestimmter Medien.

      Auch hier möchte ich darauf verweisen, dass wir doch immerhin „Bücher über die 20er Jahre“ – wie inzwischen auch gute Filme, Artikel, Musikstücke – haben, aus denen wir lernen können. Da sich Geschichte nicht wiederholt, aber reimt – können wir aus ihr lernen. Wir haben auch große Beispiele des Widerstands gegen die damaligen „Blut-für-Öl“-Antisemiten wie etwa Konrad Adenauer, Matthias Erzberger und Dietrich Bonhoeffer. Auch die Wissenschaft hat zum Nationalsozialismus viele Erkenntnisse gewonnen, ich nenne beispielhaft Franz Neumann, Götz Aly, Hannah Arendt.

      Und selbst wenn es fossilen Faschisten im 21. Jahrhundert wieder gelungen sollte, politische Macht in Europa zu erringen – so will ich doch bis zum bitteren Ende dagegen gekämpft haben. Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels – sogar über das irdische Leben hinaus.

      Ihnen Dank und von Herzen gesegnete, ja frohe Ostern! 🙌

      • Herzlichen Dank.

        Lassen Sie mich erklären, warum ich mich über „langfristige Gas-Lieferverträge“ gewundert habe, und das hat nichts mit parteipolitischem Dualismus zu tun. Mir ist klar, dass auch der Vorgänger der Bundeswirtschaftsministerin solche Verträge unterschrieben hat. Angesichts des irrationalen Handelns des US-Präsidenten könnten langfristig angelegte Verträge schon morgen das Papier nicht mehr wert sein, auf dem sie gedruckt wurden. Niemand garantiert momentan Langfristigkeit. Sollte man im Bundesministerium für Wirtschaft die Notwendigkeit erneuerbarer Energien erkannt haben, sehe ich das positiv.

        Auch für mich persönlich sind die 90er Jahre eine an Erinnerungen reiche Zeit. Berufliche Erfolge, Hochzeit und die Geburt von zwei Kindern sind mit diesem Jahrzehnt verbunden. Eine Reihe von ganz besonderen musikalischen Erlebnissen (Frank Sinatra live in Stuttgart) gehören ebenfalls dazu.

        Ganz besonders freut es mich, dass das CDU Grundsatzprogramm von 1994 für Sie noch einen so hohen Stellenwert hat.

        Missverstanden fühle ich mich beim Licht am Ende des Tunnels. Das einzige, was momentan sicher ist, ist die Unsicherheit. Wir neigen gelegentlich dazu, nur den Zustand bei uns zu betrachten. Dabei meine ich aber, wie wichtig der Blick auf die Lage im Nahen und Mittleren Osten wäre. Die finanziellen Möglichkeiten unerschöpflich sprudelnder Staats-Fonds scheinen vorerst vorbei zu sein.

        Hinzu kommt, dass wir im Konzert der Großmächte als Europäer nur eine Statistenrolle zu haben scheinen. Besonders beim Ausbau der EE oder der europäischen Unabhängigkeit bei Software etc. sind wir von der Regierung in Washington unter kritischer Beobachtung. Vom Zustand der NATO will ich gar nicht erst anfangen.

        In zwei Monaten soll die Fußball WM in USA, Mexiko und Kanada stattfinden. Die FIFA hat extra für den US-Präsidenten einen neuen Friedenspreis geschaffen. Darüber hinaus hat der Präsident des Fußball Weltverbands angekündigt, dass er Mitglied im „Friedensrat“ des US Präsidenten ist. Außerdem ist eine Millionensumme der FIFA als Spende an den „Friedensrat“ versprochen worden.

        Es scheint auf den ersten Blick nichts mit uns zu tun zu haben. Allerdings ist der DFB Mitglied der FIFA. Bei den Mitgliedern des DFB handelt es sich aber ua um die deutschen Regional- (5) und Landesverbände (21). In diesen sind z.B. im Württembergischen Fußballverband über 1700 Fußballvereine, Mitglieder. Auch wenn der jeweilige lokale FC nicht direkt Mitglied im DFB ist, so doch zumindest indirekt. Einerseits positioniert sich der DFB als unpolitisch, aber „seine“ Dachorganisation agiert sehr politisch. Irgendwann werden sich die Mitglieder der FIFA Gedanken machen müssen.

        Gerne erwidere ich die freundlichen Ostergrüße. Die Passionszeit scheint mir von großer Aktualität. Hoffnung kommt aus dem Versprechen der Auferstehung.

        • Ganz genau, @Marie H. – schon jetzt ist Katar nicht mehr in der Lage, wie geplant zu produzieren und zu liefern. Und das betrifft also selbstverständlich auch jene Verträge, die unter der Ampel-Regierung geschlossen wurden. Es bricht derzeit eine ganze, die fossile Ordnung zusammen – und diese geht weit über innerdeutsche Parteipolitik hinaus. Das ist ein Grund, warum mich auch als Politik- und Religionswissenschaftler die Fixierung auf Parteipolitik so langweilt. Wir Deutschen sind nicht der Nabel der Welt und politische Strömungen wie die Sozial- oder Christdemokratie, der Liberalismus und die Ökologie gehen weit über nationale Grenzen und auch einzelne Personen hinaus. Das versuche ich hier immer wieder freundlich und dialogisch zu erläutern.

          Entsprechend ist auch das weiter abstürzende Vertrauen in die noch immer fossil orientierte und also sichtlich überforderte Bundesregierung zu verstehen:

          Dass die Bundesregierung die Wirtschaft wieder voranbringt und die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland zukunftssicher macht, glaubt nur eine deutliche Minderheit der Befragten. 20 Prozent rechnen damit, dass Schwarz-Rot die notwendigen Maßnahmen einleitet, um den Sozialstaat zukunftsfest zu machen. 74 Prozent glauben das nicht. Ähnlich ist es bei der Frage, ob die Regierung die Wirtschaft ankurbeln kann: 26 Prozent haben hierfür Vertrauen, 70 Prozent nicht.

          Das passt zur allgemein niedrigen Zufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung. Aktuell sind nur 15 Prozent im ARD-DeutschlandTrend mit Schwarz-Rot zufrieden – neun Prozentpunkte weniger als Anfang März. 45 Prozent zeigen sich weniger zufrieden, 39 Prozent gar nicht zufrieden. Das macht zusammen 84 Prozent, der höchste Unzufriedenheitswert seit dem Start der Koalition im Mai 2025.

          https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/ard-deutschlandtrend-union-und-afd-fast-gleichauf-spd-schwach,VFWi1EJ

          Die nächsten Monate werden wild und ich würde sie hier auf dem Blog lieber mit konstruktiven Dialogen als mit Feindseligkeiten begleiten.

          Ausdrücklich begrüße ich dabei Ihren Hinweis auf den Fußball, der ja vom globalen Um- und Zusammenbruch ebenfalls zunehmend betroffen ist. Ich bin mir nicht sicher, ob die Fußball-Weltmeisterschaft angesichts der Benzin-, Diesel- und Düngerkrise noch wie geplant stattfinden kann. Und habe heute zum Thema gepostet:

          Historikerinnen werden auf das frühe 21. Jahrhundert rückschauen & sagen: Aufgrund von einbrechender Demografie & Konzern-Digitalisierung wählten Menschen in den USA , auch in Argentinien, Asien & Europa inklusive Italien die Rechtsmimesis samt Rassismus & Fossilismus. Und beschleunigten damit ihren Niedergang in der Traditionalismusfalle. Sie hatten den Mut zu Dialog, Wissenschaft & Zukunft verloren.

          „Mal wieder scheitert die große Fußballnation Italien an der Qualifikation zur WM – zum dritten Mal in Folge. Seit ihrem Triumph im WM-Finale von Berlin im Jahr 2006 haben sie kein einziges K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft mehr gewonnen. Nach der Niederlage im Play-off-Spiel gegen Bosnien müssen sie mindestens vier Jahre warten, bis sie bei der WM 2030 in Marokko, Portugal und Spanien einen neuen Anlauf unternehmen können.“

          https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116331030566608594

          Der einstige Arbeitersport wurde zum zunehmend korrupten Milliarden-Business samt fossilem Sportswashing aufgepumpt. Und schon in „Öl- und Glaubenskriege“ hatte ich dabei darauf hingewiesen, dass deutsche Sportfunktionäre beim Verkauf des Sportereignisses an Katar beteiligt waren.

          S. 26: „Auch die Vergabe der nächsten Fußball-Weltmeisterschaften nach Katar und Russland wird im Zusammenhang mit enormen Schmiergeldzahlungen im Rahmen des Weltfußballverbandes FIFA gebracht; die Öl- und Gasgelder „vergiften“ auch den Sport.“

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ein-zweites-buch-leben-oel-und-glaubenskriege-neu-im-jmb-verlag/

          Das war vor elf Jahren – Danke, dass Sie das Thema ansprechen.

  6. Wenn ich Ihre Schilderung und Interpretation der historischen Entwicklung lese, kommen die Grünen, auch wenn es nicht ausformuliert ist, am Besten weg.

    Die Ampel wurde von der FDP unter Lindner gesprengt, weil Lindner die Schuldenbremse nicht aussetzen wollte. Für das destruktive Verhalten der FDP gibt es jetzt die Quittung vom Wähler.

    Die Union hat dann im Wahlkampf auch getönt, dass die Schuldenbremse bewahrt werden sollte und kaum an der Regierung musste sie die Grünen darum bitten, die Schuldenbremse zu reformieren.

    Ich habe den Eindruck, dass die Grünen die größte staatspolitische Verantwortung zeigen, hinsichtlich der Energiewende und gegenüber Russland.

    Es würde mich ja freuen, wenn die großen Volksparteien eine ökologische Wende hinlegen würden. Aber die Union betreibt Rechtsmimesis und die SPD hat fast gar keine eigene Linie mehr.

    • Vielen Dank für Ihre Beobachtungen und Nachfragen, @Paul Stefan

      Und, ja, gerade auch in Baden-Württemberg gab und gibt es enge Bezüge zwischen Grünen und Christdemokratie, der Gründungsparteitag der Grünen fand am 12. – 13. Januar 1980 in Karlsruhe statt.

      Einer meiner geschätzten Lehrer an der Universität Tübingen war der m.E. große Hans-Georg Wehling (1938 – 2021), in dessen Seminaren ich u.a. deutsch-türkische Vergleichsarbeiten vorstellen durfte. Er sagte 2012 im Deutschlandfunk unter anderem:

      „Bis die Grünen kamen, bis die Grünen hier sich etabliert haben, gab es für die CDU, für bestimmte Wählerkreise – denken Sie an das katholische Oberschwaben oder an das katholische Südbaden – keine Alternative. SPD wählen und FDP wählen war für die nicht drin. Aber die wertkonservativen Grünen, die sind Fleisch vom Fleische der ehemaligen CDU-Anhänger, und das ist ihr großes Potenzial, das die Grünen hier haben, und man kann es eben nicht nur in Stuttgart sehen, sondern auch auf dem, was man als plattes Land bezeichnen würde, die von mir charakterisierten Gebiete. Auch da sind die Grünen langsam und sicher im Vormarsch, sagen wir mal, so ein Prozess pro Jahr, das sie der CDU abnehmen. Das ist eben das, wo der grüne Erfolg drauf beruht.

      Sie sind besser angepasst an die Großstädte, an die dort vorhandenen urbanen Mittelschichten, und sie können aber gleichzeitig auch mit der Bevölkerung „draußen“, die ja auch nicht mehr Landwirte sind, sondern dort haben sie in hohem Maße Hochtechnik, und da passen die Grünen mit ihrem wertkonservativen Profil sehr gut hin.“

      https://www.deutschlandfunk.de/fleisch-vom-fleische-der-ehemaligen-cdu-anhaenger-100.html

      Gleichwohl dürfen wir die teilweise christlich, teilweise anthroposophisch, teilweise aber auch links-säkular begründeten Realo-Grünen aus Baden-Württemberg nicht einfach mit der Bundes-Gesamtpartei identifizieren. So sprach der mir gut bekannte und meinerseits auch sehr geschätzte, grüne BW-Spitzenkandidat Cem Özdemir sogar schon der grünen Bundespartei als „Schwesterpartei“. Und ich musste mir auch schon von einer ehemaligen, grünen Landesministerin anhören, ich sei ihr „zu fromm“. So muss ich also wohl damit leben, dass mich manche Christdemokratinnen und Christdemokraten für „zu ökologisch“ halten und manche Grüne für „zu (inter-)religiös“.

      Ausdrücklich zustimmen möchte ich aber Ihrer Bemerkung über die Bedeutung der Ökologie für „die großen Volksparteien“. Ich halte es tatsächlich für einen inhaltlichen und politischen Fehler der Christdemokratie, dass sie am eigenen Konzept der Sozialen und Ökologischen Marktwirtschaft viel zu wenig weiterarbeitete und damit junge, städtische, ökologische Menschen in großer Zahl verlor. Wer auch weiterhin in Gaskraftwerken statt erneuerbarer Friedens-, Wohlstands- und Heimatenergien die Zukunft sehen will, verbaut sich nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche und soziale Potentiale. „Meine“ CDU wäre gut beraten, hier wieder glaubwürdige Inhalte und Personen zur Entfaltung zu bringen. Als starke Stimme in der Landes-Unionsfraktion dazu erlebte ich etwa die Abgeordnete Dr. Nathalie Pfau-Weller, MdL. Mit ihr fand ich nach meiner Rede bei der CDU Nürtingen in einen anhaltenden, sehr guten Dialog.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/cdu-nuertingen-neujahrsrede-antisemitismus-deutschland-israel-und-wasserkrise/

      Im Zusammenhang mit der deutschen Parteiengeschichte möchte ich schließlich auch noch einmal an die interessante Person und politische Biografie des einstigen CDU-MdB Herbert Gruhl (1921 – 1993) erinnern. Dieser wurde noch als Christdemokrat mit dem Bucherfolg „Ein Planet wird geplündert“ berühmt, engagierte sich dann bei den Grünen und wanderte von dort zu rechten Kleinparteien.

      Ich hatte diesen m.E. in mehrfacher Hinsicht relevanten Umweltpolitiker auch hier auf dem Blog bereits thematisiert, leider bisher noch mit kaum Resonanz.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/warum-gab-es-nach-dem-jom-kippur-krieg-und-oelboykott-1973-keine-breite-bewegung-gegen-den-fossilismus/

      Ihnen Dank für das konstruktive Interesse, den starken Kommentar & die besten Wünsche für die Oster-Feiertage! 🙏🙌

  7. @Michael Blume

    Apropos Linke.

    Daniel Bax von der taz spielt den Antizionismus-Beschluss der niedersächsischen Linken herunter und findet die Aufregung darum nicht gerechtfertigt. Die Kritiker des Beschlusses tituliert er als „Linken-Hasser“. Zudem begrüßt er den Austritt Ihres brandenburgischen Kollegen, des Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner, aus der Partei und wirft ihm vor, sich auf Kosten der Partei profiliert zu haben.

    In welche antijüdischen/-zionistischen/-semitischen Untiefen wird sich Herr Bax denn demnächst noch begeben? Es ist ein Trauerspiel, wie ein Journalist so tief fallen kann.

    https://taz.de/Nahost-Debatte-in-der-Linkspartei-Eine-Steilvorlage-fuer-alle-Linken-Hasser/!6164073/

    In welche antijüdischen/-zionistischen/-semitischen Untiefen wird sich Herr Bax denn demnächst noch begeben? Es ist ein Trauerspiel, wir ein Journalist so tief fallen kann.

  8. @Michael 01.04. 00:00

    „Wer auch weiterhin in Gaskraftwerken statt erneuerbarer Friedens-, Wohlstands- und Heimatenergien die Zukunft sehen will, verbaut sich nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche und soziale Potentiale.“

    Gerade angesichts der aktuellen Preissteigerungen wird es Zeit, diese neuen Gaskraftwerke endlich mal aufzugeben. Wir werden mal mehr Backupkraftwerke brauchen, die dann am Ende der Energiewende mit gespeichertem Wasserstoff, Biogas oder auch mit Holz und Müll laufen müssen. Diese Kraftwerke brauchen wir dann, und die müssen auch rechtzeitig fertig sein, wenn hier überhaupt nichts Fossiles mehr nötig ist.

    Das müsste aber noch mindestens 15 Jahre dauern.

    Jetzt neue Gaskraftwerke bauen und zugleich funktionstüchtige Kohlekraftwerke vorzeitig abzureißen ist m.E. völliger Unsinn. Erstmal sind die zu erwartenden Laufzeiten für Neubauten völlig unrentabel, dann sieht man ja gerade die Unsicherheiten in der Anlieferung von Erdgas und auch die Erdgasspeicher sind durchaus begrenzt. Und werden demnächst sehr gut zur Speicherung von grünem Wasserstoff taugen.

    Die alten Kohlekraftwerke dagegen können ihren Brennstoff einfach auf Halde lagern, und zumindest die Braunkohle fördern wir sogar selber. Natürlich sind die auch recht unrentabel, wenn sie demnächst nur noch Wochen im Jahr wirklich im Einsatz sind, aber die stehen doch bereit, und die Verluste durch die sehr eingeschränkten Laufzeiten müssen wir doch sowieso abschreiben.

    Das Bereithalten alleine wird wohl so teuer nicht sein. Auf jeden Fall viel billiger als bei nagelneuen Gaskraftwerken, die auch nicht längere Laufzeiten haben werden.

    Die Kohlekraftwerke reagieren zwar erst über Tage, aber angesichts immer mehr Lithiumspeicher, die gerade überall zum Einsatz kommen, können diese langsamen Reaktionszeiten problemlos ausgeglichen werden. Hauptsache, die können dann in den Dunkelflauten angeheizt werden, und ein oder zwei Wochen durchlaufen, bis wieder Wind weht oder die Sonne scheint.

    Es sieht schon danach aus, dass man wohl doch eher eine Grüne Partei wählen muss, wenn man wirklich Grüne Politik haben will. Aber wenn hier auch in der CDU eine Menge Grün Orientierte sind, dann ist die CDU durchaus ein interessanter Koalitionspartner. Ob nun unter grüner oder schwarzer Führung. Das muss der Wähler entscheiden.

    Die derzeitige schwarzgrüne NRW-Koalition hat nun auch reichlich neue Windräder in NRW in Planung.

  9. Erfreulich: Bayern und auch Teile der SPD und Freien Wähler beginnen sich gegen den „preußischen Gas-Lobbyismus“ von Ministerin Reiche zu wehren:

    Im Falle einer Umsetzung werde es in weiten Teilen des Freistaats keine neuen Investitionen in Wind- und Solarparks mehr geben, sagte der Fraktionschef der CSU im bayerischen Landtag, Holetschek, der Deutschen Presse-Agentur. Damit werde die Politik der vergangenen Jahre konterkariert. Kritik an der CDU-Politikerin kam auch von Landeswirtschaftsminister Aiwanger von den Freien Wählern und von der SPD.

    https://www.deutschlandfunk.de/kritik-an-bundesministerin-reiche-wegen-plaenen-zu-wind-und-solarenergie-100.html

    Ich hoffe wie gebloggt sehr, dass sich auch in der Bundespolitik wieder ökologische, volkswirtschaftliche und soziale Vernunft gegenüber preußischem Fossilismus durchsetzen!

  10. Beim Verfolgen dieser Gedanken auf Mastodon und in diesem Blog fällt mir auf, dass die landwirtschaftliche Transformationsdruck, der nun durch sich ändernde Energiepreise und ggf. auch weniger zugänglichen Dünger entsteht, weniger im Blick ist.

    Täusche ich mich da?

    Landwirtschaftliche Betriebe, die auf biologischen Betrieb umgestellt haben, sind ja eher noch eine Minderheit und haben ja auch mehr Aufwand für eine vergleichbare Erntemenge.

    Aus meiner Grundschulzeit vor über 60 Jahren kann ich mich noch an Filme erinnern, die uns die Geschichte der landwirtschaftlichen Entwicklung nahebrachten. Die Mechanisierung ist natürlich wie überall auf eine sehr hohen Niveau – profitierte sicher auch von niedrigen Energiekosten.

    Jetzt ist die Agri-PV im Kommen, es wird recht viel Sonnenstrom ,geerntet‘ – können die Landwirte davon selber profitieren?

    Eine kleine begriffliche Nachfrage kann ich mir dann zum vorigen Post nicht ganz verkneifen: Wie füllen Sie das Adjektiv ,preußisch‘?
    Brandenburg – der Spitzenreiter in der Liste – wäre ja stärker mit diesem Adjektiv aus der eigenen Geschichte her verbunden. Persönlich irritiert es mich, dass ein solches Adjektiv eine Füllung bekommt, die vermutlich auch mit einem Wort gekennzeichnet werden kann, dass auf Personen anwendbar wird, die aus einem anderen Kontext kämen. Mit dieser Nachfrage oute ich mich dann auch aus Reingeschmeckter, also als jemand der mit diesem Begriff Neutrales bis Positives verbindet – z.B. Vereinsnamen wie Preußen Münster

    • Danke für die Nachfragen, @HG Unckell 🙏

      Den durch den Irankrieg drohenden Düngermangel, die Verschwendungen kostbarer Ressourcen durch industrielle Massentierhaltung, aber auch die Chancen von Biogas & Agri-Photovoltaik hatte ich hier auf „Natur des Glaubens“ bereits vielfach thematisiert. Leider bislang mit wenig dialogischer Resonanz. Ich bleibe dennoch dran.

      Zur fossilen Industrialisierung in Großpreußen (einschließlich Rheinpreußen) hatte ich ausführlich geschrieben, u.a. ein eigenes eBooklet „B wie Berlin“.

      Im Kern hat sich in Deutschland ein historischer Nord-Süd-Gegensatz entwickelt, wobei das Wasser aus den Gebirgsregionen Süddeutschlands in die Flußebenen des Nordens floss, Kohle, Erdöl und Erdgas dagegen von Norden nach Süden.

      Da der Staat Preußen ja aufgelöst wurde, die energiewirtschaftlichen Strukturen aber noch fortwirken, erklärt sich die frühe Hinwendung von Bayern zur Atomkraft, der starke Ausbau der Solarenergie in den süddeutschen Ländern und die wachsende Spannung im Föderalismus – bis hin zur umstrittenen Nord-Süd-Stromtrasse für Windenergie.

      Bewusst schreibe ich daher vom „preußischen“ Gas-Lobbyismus in Gänsefüßchen, freue mich aber über echtes, interdisziplinäres Interesse!

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-fossilismus-aus-dem-ehemaligen-preussen-warum-deutscher-energieglauben-auch-regional-gepraegt-ist/

      Dir daher noch einmal von Herzen Dank für Deine konstruktiven, nachfragenden & dialogischen Beiträge! 🙏🙌

      • Danke für die Klärung des Bezugs auf die Geschichte, die sicher einiges erklären wird.

        Als jemand, der vor über 40 Jahren nach Baden-Württemberg kam, da dort Arbeit vorhanden war, fiel mir damals auf, dass es hier deutlich mehr Sonnenstunden gibt, als ich es von NRW gewohnt war. Das wird ja auch gut auf entsprechenden Übersichten, wie z.B. https://www.solarwatt.de/ratgeber/einstrahlungskarte deutlich.

        Inzwischen lohnt sich natürlich die PV-Nutzung auch in Gegenden mit weniger vielen Sonnenstunden. Das war zu Beginn dieser Entwicklung noch etwas anders. D.h. es gibt auch ,natürliche‘ Gründe für diese Unterschiede.

        Damit zeigt sich ja eine Herausforderung, die diesen Blog sicher immer wieder begleitet: die vielen unterschiedlichen Einflüsse in einem komplexen System so zu beschreiben, dass Schritte naheliegen, die eine wünschenswerte Entwicklung / Transformation erleichtern.

        • Ja, @HG Unckell – der Süden Deutschlands ist für Solarenergie besonders gut geeignet, der Norden für Windkraft. Entsprechend unterscheiden sich auch die föderalen Interessen der Bundesländer und Kommunen. Und immer mehr Süddeutsche merken, dass die derzeitigen Pläne der Bundesregierung einen weiteren Ausbau der Windkraft vorsehen, aber eine scharfe Begrenzung der süddeutschen Solarpower. Das wird dann auch den Bayern zuviel, schließlich tragen erneuerbare Wohlstands- und Heimatenergien immer mehr zur Wertschöpfung, Sicherheit und niedrigen Energiepreisen bei.

          Dir Dank und frohe Ostern! 🙏🙌

  11. Habe immer gedacht, Politiker werden ohne Religion besser, rationaler, humanistisch. Nach Talarico & Ihnen wird das meinerseits neu zu bedenken sein.

    Frohe Ostern, Doktor!!

  12. Um den Post für mich zu ordnen, greife ich mir folgende Dimensionen heraus.
    Mitwelt, Menschenwelt, Parteienwelt und Energiewelt. Besonders wichtig ist mir die Unterscheidung zwischen Menschenwelt und Parteiwelt. Denn die Parteiwelt hat inzwischen ein Eigenleben entwickelt, die der Menschenwelt in vielen Dingen entgegensteht. In der Menschenwelt sind wir Menschen durchaus in der Lage uns auf vernünftige Lösungen zu einigen. Deswegen ist für mich Parteizugehörigkeit grundsätzlich kein Problem. Es sind Parteien selbst die mir Sorgen machen. Parteien denken nicht, sondern operieren. Dieses Operieren dient einzig zur Selbsterhaltung von Partei (Luhmann). Für mich ist es deshalb politisch relevant auf Menschenwelt zu setzen und nicht auf Parteiwelten. Hier liegt das Problem im Grundgesetz das uns politisch den Zugang zur Menschenwelt und damit auch zu Mitwelt, Energiewelt und anderen Dimensionen nur über Parteiwelten erlaubt, mit allen negativen Nebenwirkungen.

    • Vielen Dank für den dialogischen Kommentar, @Peter Madlener 🙏

      Zunächst werde ich Dir widersprechen, um dann aber auch in einigen Punkten zuzustimmen.

      Mein Widerspruch setzt bei Deinem Dualismus mutmaßlich edler Menschen- und mutmaßlich selbstsüchtiger Parteienwelt ein. Diese allzu schroffe Unterscheidung halte ich für ungerecht und sogar gefährlich.

      Denn selbstverständlich bestehen auch demokratische Parteien aus Menschen – und sogar aus solchen, die für unsere Demokratien Beiträge an Geld, Zeit und Bekenntnis leisten. Uns etwa als Christ- oder Sozialdemokratinnen, als Grüne, Liberale usw. nur selbstsüchtige Motive zu unterstellen oder gar als Nicht-Menschen zu framen, halte ich für falsch. Ich engagiere mich als Mensch für Menschen und für die Mitwelt seit Jugend in einer demokratischen Partei.

      Und jenseits von Kommunen gelangen auch nie rechtsstaatliche Demokratien ohne den freiwilligen Zusammenschluss in Parteien. Sich in demokratischen Parteien zu engagieren und solche zu wählen ist Teil der menschlichen Freiheit, Würde und Verantwortung.

      Hyperindividualismus verkennt die notwendige Gemeinschaftlichkeit des Menschen. Auch Luhmann verdient keine dualistische, gnostische, esoterische Umdeutung.

      Gleichwohl teile ich die Kritik, dass Parteien in Deutschland seit 1961 ihre Mitwirkungsaufgaben viel zu weit auf Kosten vor allem der Parlamente und gegen den Geist des Grundgesetzes ausgedehnt haben, vgl.:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-bundes-koalitionsvertrag-von-1961-als-abweg-vom-grundgesetz/

      Auch sehe ich mit Sorge, dass die Digitalisierung und auch demografisch wirksame Säkularisierung den Trend zu über-emotionalisierten Parteiblasen verstärkt haben.

      Parteien und Parteiensysteme sind anfällig für das Scheitern, „weil“ sie aus uns Menschen mit anfälligen Gehirnen bestehen. Wenn sich „Parteiwelten“ an der gesellschaftlichen Zerblasung beteiligen, dann verfehlen sie ihre Hauptaufgabe. Meine ich.

      Schließlich möchte ich fragen, ob wir hier wirklich von „Energiewelten“ oder doch von „Machtwelten“ sprechen. Denn die Energien etwa der Sonne und Gezeiten bestanden ja schon lange vor den Menschen und formten auch Uran, Kohle, Erdöl, Erdgas, Silizium. Geht es uns Menschen nicht eher um Machtausübung durch Energieströme als um diese selbst? 🤔

      Dir Dank für den anregenden Kommentar und frohe Ostern bzw. schöne Feiertage! 🙏🙌

      • Lieber Michael,
        vielen Dank für Dein Feedback. Vorweg ist es schon so, dass ich vielen Deiner Einstellungen zustimme. Besonders was dialogisches Zusammenwirken von Menschen und Deine Sicht, auf wie Du es nennst, „Friedensenergien“. Mir gefällt auch, dass Du eigene Begriffe wählst und denen Referenzen zuordnest, um klarzumachen, was gemeint ist.

        Wo wir uns vermutlich nicht einig werden können, sind theoretische Modelle, die helfen Welt zu verstehen. Wo wir gerade gelandet sind, ist die klassische Luhmann Habermas kontroverse. Da halte ich es eher mit Luhmann als mit Habermas. Bei Luhmann bestehen Parteien (Teilsystem von Gesellschaft) aus Kommunikation und bei Habermas aus Menschen. Ich finde die Sichtweise von Luhmann hilfreich, weil ich mir damit vieles erklären kann. Auch macht es mir den Umgang mit Menschen einfacher, die sich aus meiner Perspektive eigenartig verhalten.

        Auch denke ich, dass Parteien bisher durchaus funktional waren, Gesellschaft aber bei fehlendem Wirtschaftswachstum nicht in eine demokratische Zukunft führen können. Hier werden wir vermutlich auch nur schwer eine gemeinsame Sicht finden.

        Vielleicht greifst Du mal das Thema „Bürgerräte“ auf. Immerhin eine Option zu direkter Beteiligung, ohne gleich das Parteiensystem anzugreifen.

        Beste Grüße, Peter

        • Vielen Dank, lieber @Peter 🙏

          In der Wertschätzung von Bürgerräten sind wir durchaus beieinander – und ich habe es sehr und auch öffentlich begrüßt, dass ein Bürgerrat die Bildungspolitik in Baden-Württemberg überparteilich nach vorne gebracht hat!

          https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/buergerforum-uebergibt-gutachten-zu-g8g9

          Allerdings besteht eben auch ein Bürgerrat aus Menschen, aus bewusst zufällig und vielfältig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern. Er kann und soll damit die parlamentarische Demokratie ergänzen und ist geeignet, Parteiblasen thematisch aufzubrechen. Gerne mehr davon!

          Wissenschaftlich aus der Perspektive der interdisziplinären Evolutionsforschung und humanistisch, weil die Menschenwürde sowie der Schutz der Mitwelt zu meinen Kernanliegen gehören, kann ich mich nicht für Theorien erwärmen, die reale Menschen „wegkürzen“. In meiner Perspektive entstehen Religionsgemeinschaften, Städte, Unternehmen, Staaten und Parteien emergent, also als Systeme auf Grundlage realer Menschen. Sie gehören damit zur einen Welt des dialogischen Monismus und lassen sich nicht dualistisch „herausdefinieren“. Auch Deine Blog-Kommentare tragen sich zwar in die Blogosphäre ein, setzen dabei jedoch Dich als reale Person voraus.

          Aber wenn wir also in dieser Frage ggf. unterschiedlicher Auffassung sind, so soll uns dies am Dialog nicht hindern!

          Dir Dank und schöne Feiertage! 🙏🖖

  13. @Michael 05.04. 08:44 / 10:00

    „…der Süden Deutschlands ist für Solarenergie besonders gut geeignet, der Norden für Windkraft.“

    Das ist durchaus relevant. Aber dennoch lohnt sich sowohl Windkraft auch im Süden und PV auch im Norden. Der Stromtransport ist nur begrenzt möglich, und Wind und Sonne liefern zu verschiedenen Zeiten Energie und ergänzen sich damit.

    Der Austausch mit unseren Nachbarländern ist auch wiederum interessant. Nicht nur Wasserkraft aus Norwegen und Kernenergie aus Frankreich können wir zuweilen gut brauchen. Auch Wind und Sonne haben regional wechselnde verschiedene Erträge, die man über die bestehenden Hochspannungsleitung je nach Bedarf verteilen kann.

    Auch Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee können ihren Beitrag leisten. Und vermutlich auch Solarüberschüsse aus Südfrankreich und Norditalien.

    Aber all das muss mit den bestehenden Kapazitäten der Stromnetze auskommen.

    Wenn noch Wasserstoff mal dazu kommt, können die großräumigen Austauschkapazitäten nochmal deutlich zunehmen. Man wird dann gezielt da Wasserstoff erzeugen, wo gerade die meisten Überschüsse sind. Und man kann den Wasserstoff, wenn man ihn erst mal hat, auch noch per Pipeline transportieren. Das soll wesentlich effizienter Energie transportieren können als Hochspannungsleitungen.

    Unterm Strich ist ein überregionaler Energieaustausch durchaus in erheblichem Maße möglich. Und es lohnt sich dennoch, auch vor Ort eine guten Mix von Windenergie und PV zu installieren.

    Vielleicht kann man auch direkt bei einem Windrad eine mittelgroße PV-Freiflächenanlage installieren. Wenn man das mit einem auch vor Ort installierten Lithiumspeicher kombiniert, kann man so den bestehenden Netzanschluss besser ausnutzen. Und man spart dann für die reine Speicherfunktion die Durchleitungsgebühren ein, die fällig würden, wenn man den Speicher für sich alleine irgendwo installiert.

    Der integrierte Speicher hält dann ja nur Energiemengen zurück, wenn der Preis niedrig ist, um diese dann später zu besseren Preisen zu verkaufen. Und der Speicher kann aufladen, wenn das Windrad auf Maximum läuft und gerade auch noch mittags die Sonne scheint. So kommt man mit weniger Anschlusskapazität aus.

    „Geht es uns Menschen nicht eher um Machtausübung durch Energieströme als um diese selbst?“

    So oder so bedeutet Energie immer auch Macht. Selbst wenn man sie selbst produziert und einfach nur für sich selber nutzt. So reduziert man dann Macht, die Andere über einen selbst haben.

    • Vielen Dank, @Tobias – und genau so ist es! Die Kontrolle über Energie bedeutet nicht nur Reichtum, sondern auch Macht – deswegen ist der Energieglauben als Verbindung von Technologien, Symbolen und Mythen so unglaublich mächtig!

      Daher plädierte ich auch bereits in den vergangenen Jahren immer wieder für mehr und neue Batteriespeicher – einschließlich von grünem Wasserstoff – als letzter Hürde der post-fossilen Energiewende.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/hellbrise-dunkelflaute-und-wohlstand-durch-energiespeicher/

      Denn erneuerbare Energien werden als Friedens-, Heimat- und Wohlstandsenergien so rasend schnell günstig, dass sich Gas- und Atomlobbys nur noch auf „Engpässe“ in der Nacht oder in Dunkelflauten berufen können. Deswegen werden Anträge für neue Batteriespeicher bürokratisch behindert und auch der Ausbau von grünem Wasserstoff verzögert, die binnen weniger Jahre die letzten Fossillager ablösen könnten.

      Durch den Irankrieg ermöglicht Donald Trump vielen Fossilkonzernen noch einmal massive Energie-Abzocke, legt aber vor aller Augen die politischen wie wirtschaftlichen Vorteile erneuerbarer Energien, von Batteriespeichern, Wärmepumpen und Elektroautos offen.

      Inzwischen gelten wir Blumes mit Wärmepumpe, Elektroautos, Solarstrom und Batteriespeicher auch im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis kaum mehr als seltsame Solarpunk-Freaks, sondern als innovativ und mutig. Die Wut auf die Desinformation und Korruption der Fossilkonzerne und ihrer Lobbyist:innen in der Politik nimmt täglich zu. Ich sehe, dass schon immer mehr Kommunen und Bundesländer die Kurve kriegen und erwarte, dass auch die Bundespolitik früher oder später ihren Fossilismus aufgeben muss. Denn der auch volkswirtschaftliche und soziale Schaden erhöht sich ja jeden Tag…

  14. @Michael 05.04. 15:26

    „Daher plädierte ich auch bereits in den vergangenen Jahren immer wieder für mehr und neue Batteriespeicher – einschließlich von grünem Wasserstoff – als letzter Hürde der post-fossilen Energiewende.“

    Allein mit Kurzfristspeichern direkt am Produktionsort könnte man schon die PV- und Windleistung verdoppeln, ohne schon viel Netzausbau und Wasserstoffproduktion zu brauchen. Dann bräuchten wir schon nur noch fossiles Backup von maximal 2 Monaten über das Jahr verteilt.

    Das kann dann schon für 10 Jahre viel sein. Dennoch können wir mit dem Wasserstoff schon mal anfangen, wo besonders viel Grüner Strom als Überschuss anfällt. Etwa in Offshorewindparks wenn es regelmäßig länger windig ist.

    Haben wir das Doppelte erreicht, wird dann aber Wasserstoff wirklich interessant. Mit noch mehr Zubau hat man dann monatelang Überschüsse, dass dann auch die teuren Elektroslyseure lange Laufzeiten haben.

    Den so gewonnenen Wasserstoff kann man erst in der Industrie nutzen, aber auch Speichern und zum Backup in Dunkelflauten dann verwenden. So nach und nach müsste dann auch ein Wasserstoffpipelinenetz aufgebaut werden, und immer mehr ehemalige unterirdische Erdgaspeicher auf Wasserstoff umgerüstet werden.

  15. @Michael 05.04. 15:26

    „Wie nimmst Du die Entwicklungen und Diskussionen dazu in Nordrhein-Westfalen wahr?“

    Darüber wird hier in den Medien wenig berichtet. Ich habe deshalb felo.ai gefragt:

    Welche erneuerbaren Energiequellen werden in NRW priorisiert?

    In Nordrhein-Westfalen (NRW) werden mehrere erneuerbare Energiequellen priorisiert, um die Energiewende voranzutreiben und die Klimaziele zu erreichen. Die wichtigsten Quellen sind:

    Windenergie: Diese ist die bedeutendste erneuerbare Energiequelle in NRW. Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 mindestens 34 Gigawatt an Windenergie in Betrieb zu nehmen. Zudem wird eine Task Force eingerichtet, um den Ausbau der Windenergie zu beschleunigen und Hindernisse zu identifizieren.

    Solarenergie: Auch die Solarenergie spielt eine zentrale Rolle. NRW hat sich zum Ziel gesetzt, die installierte Photovoltaik-Leistung bis 2045 auf 50 bis 65 Gigawatt zu erhöhen. Im Jahr 2024 war NRW bereits eines der führenden Bundesländer beim Ausbau von Solarenergie.

    Biomasse: Diese Energiequelle wird ebenfalls genutzt, um die Flexibilität und Netzdienlichkeit der Energieversorgung zu erhöhen. Biomasse trägt zur nachhaltigen Energieversorgung bei und wird in Kombination mit anderen erneuerbaren Quellen eingesetzt.

    Wasserkraft: Obwohl weniger prominent als Wind- und Solarenergie, wird auch die Wasserkraft in NRW gefördert, um die Diversifizierung der Energiequellen zu unterstützen.

    Geothermie: Diese Energiequelle wird ebenfalls in Betracht gezogen, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und die Energieversorgung nachhaltiger zu gestalten.

    Insgesamt zielt NRW darauf ab, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Strom- und Wärmeversorgung signifikant zu erhöhen, um die Klimaziele zu erreichen und die Energieversorgung unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu gestalten.

    Ich persönlich würde allerdings die alten Kohlekraftwerke erst abreißen, wenn wir wirklich gar kein fossiles Backup mehr brauchen. Und wohl kaum neue Erdgaskraftwerke bauen. Dafür dann lieber Fernheizungsnetze mit Großwärmepumpe und Universalgasmotor, der mit einem beliebigen Mix aus Biogas, Wasserstoff und vorerst auch noch Erdgas laufen kann, und neben Strom auch noch Wärme produziert.

    Das wäre dann ein Backup, das jetzt gebaut werden kann und dabei wirklich Zukunft hat.

    Was mich noch am meisten ärgert, das sind der geringe Ausbau von PV auf Dächern im Innenstadtbereich. Es ist derzeit sehr unpraktikabel diese Dächer hier zu nutzen, weil eben fast allen Bewohnern ein eigenes Dach fehlt. Eine gemeinschaftliche Nutzung aller geeigneten Süd-, Ost-, West- und Flachdächer zusammen mit integrierten Lithiumspeichern sowohl bei Wohngebäuden und Gewerbeimmobilien würde uns hier im Sommerhalbjahr fast komplett mit Strom versorgen können. Auch das bidirektionale Aufladen aller E-Autos wäre damit mit abgedeckt, und könnte darüber hinaus noch mehr Speicherfunktion übernehmen.

    Wärmepumpen wären allerdings hier in der Innenstadt wenig sinnvoll, das müssen dann die geplanten Fernwärmeprojekte mit Großwärmepumpen leisten. Wobei man im ganzen Ruhrgebiet wohl ganz gut das bis zu 30° warme Grubenwasser nutzen kann, das sowieso ständig abgepumpt werden muss.

    • Guten Morgen und herzlichen Dank, lieber @Tobias 🙏😌☕️

      Dein Kommentar zur Situation in Nordrhein-Westfalen hat mich zugleich hoffnungsvoll wie auch nachdenklich gemacht.

      Hoffnungsvoll, weil ich gerade auch an unseren Dialogen erleben kann, wie sich Wissen durch den dialogischen Austausch, das Schreiben, den Blog-Wagenheber-Effekt vertieft und verbreitet.

      Nachdenklich, weil also auch die sog. Massenmedien im großen und erfolgreich schwarz-grün regierten NRW bisher kaum über die Bedeutung erneuerbarer Wohlstandsenergien berichten – und Du erst mit der KI Felo.ai weiterkamst.

      Das bestätigt leider auch meine Erfahrungen, wonach sich der Fossilismus tief ins bundesdeutsche Mediensystem eingegraben hat. So wurde mein Appell für erneuerbare Friedensenergien vom 9.11.2023 im Landtag von Baden-Württemberg bislang ebenso übergangen wie meine warnende Russland-Iran-Pressemitteilung vom letzten Sommer dazu:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/2025_06_26_Blume_erneuerbare-Friedensenergien-2.pdf

      Weil erneuerbare Heimatenergien im ebenfalls dezentral organisierten Fediverse so schnell begriffen werden, überlege ich nun, zu den sieben Vorteilen erneuerbarer Friedensenergien und den sieben Nachteilen fossiler Gewaltenergien extra zu bloggen.

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116355837254228555

      Was meinst Du, könnte das Wirkung erzielen?

  16. @Michael 06.04. 07:05

    „Weil erneuerbare Heimatenergien im ebenfalls dezentral organisierten Fediverse so schnell begriffen werden, überlege ich nun, zu den sieben Vorteilen erneuerbarer Friedensenergien und den sieben Nachteilen fossiler Gewaltenergien extra zu bloggen. Was meinst Du, könnte das Wirkung erzielen?“

    Ich denke mal das wichtigste wäre, dass potentielle Investoren in Grüne Technik wissen, welche konkreten Möglichkeiten sie haben.

    Dann sind die Möglichkeiten als gesetzliche Rahmenbedingungen natürlich selber überaus wichtig, das muss die Politik für sich klären. Insbesondere die Art und Weise, wie der Strommarkt organisiert ist, hat einen ganz wesentlichen Einfluss.

    Dann ist der Wähler natürlich interessant, wenn er dann Parteien wählt, die es wirklich Ernst mit der Energiewende meinen. Wenn man hier wirklich geschickt vorgehen würde, könnte man einen wahren Boom von privaten Investitionen auslösen. Was nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch ziemlich wirksam wäre. Und das würde schon mittelfristig den fossilen Konzernen und Regimen die Geschäfte vermiesen, was durchaus auch positiv zu bewerten wäre.

    Und der Einzelne kann neben Investitionen in eigene Grüne Technik auch gucken, was und wieviel er konsumiert. Insbesondere die Mobilität kann bei nahe Null liegen, wenn es gelingt, alle Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen. Oder ganz erheblich sein, wenn man mit dem Verbrenner-SUV täglich 50 Kilometer zur Arbeit und zurück fährt und dann noch mit dem Flieger zu den Malediven in den Urlaub fliegt.

    Auch die Größe der eigenen Wohnung macht ziemlich relevante Unterschiede. Oder das Ausmaß des eigenen Fleischkonsums.

    Insbesondere die Kombination von umfangreichen Investitionen einerseits und zugleich weniger Konsum auf der anderen Seite wäre überaus wirksam. Das Eine macht dann auch Ressourcen u.a. an Arbeitszeit für das Andere frei.

    • Vielen Dank, @Tobias – mir ist es wirklich wichtig, dass die Verbindungen vom Fossilismus zum zentralistischen Nationalismus ebenso verstanden werden wie jene von der Solarpunk-Energiewende zum Föderalismus. Nicht zufällig haben ja 15 von 16 Energieministerien der Länder schon am 27.03.2026 in einer gemeinsamen Energieministerienkonferenz (EnMK) gemeinsam gegen den Gaslobby-Zebtralismus von Ministerin Reiche protestiert:

      https://www.enmk.de/documents/gemeinsame-erklaerung-15-laender-sonder-enmk-27-03-2026.pdf

      Die fossilen Gewaltenergien Erdöl, Erdgas und Atomkraft lassen sich zentralistisch planen und kontrollieren, über sie können nationalstaatlich Herrschende Macht und Geld generieren.

      Erneuerbare Friedens-, Wohlstands- und Heimatenergien wie Sonne, Wind, Geothermie, Biogas und auch Batteriespeicher funktionieren dagegen dezentral und schaffen Energie und Werte verstreut vor Ort, regional und sogar lokal. Deswegen überrascht mich nicht die Frontstellung, sondern der sinnlose Versuch der derzeitigen Bundesregierung, die erfolgreiche Energiewende in den Ländern auszubremsen. Hier sehe ich starke Abgeordnete des deutschen Bundestages in der Pflicht, für ihre Wahlkreise, Wählerinnen und Wähler Partei zu ergreifen.

  17. @Michael 06.04. 17:29

    „Nicht zufällig haben ja 15 von 16 Energieministerien der Länder schon am 27.03.2026 in einer gemeinsamen Energieministerienkonferenz (EnMK) gemeinsam gegen den Gaslobby-Zentralismus von Ministerin Reiche protestiert:…“

    Das ist ja wirklich ermutigend, dass hier die Bundesländer sehr viel weiter sind. Diese Frau Reiche entwickelt sich zunehmend zur Katastrophe für das ganze Land.

    „Hier sehe ich starke Abgeordnete des deutschen Bundestages in der Pflicht, für ihre Wahlkreise, Wählerinnen und Wähler Partei zu ergreifen.“

    Was ja jetzt echt mal eine Gelegenheit wäre, mehr Demokratie zu wagen. Frei nach Willy Brandt.

    Rein inhaltlich vermute ich hier Subventionsunsinn. Die Betreiber der alten Kohlekraftwerke haben vermutlich ausgiebige Entschädigungen für ihren vorzeitigen Abriss längst versprochen bekommen, während die Betreiber der neugeplanten Gaskraftwerke ordentliche Zuschüsse bekommen werden, wenn sie nur Monate oder gar Wochen im Jahr in Betrieb sein werden, wenn sie denn mal fertiggebaut sind.

    Dass uns hier gerade die Gaspreise um die Ohren fliegen, interessieren diese Leute anscheinend wenig. Derweil insbesondere Braunkohle nun einfach auf Halde gelagert werden kann, und so weder auf Importe noch auf die unterirdischen Gasspeicher angewiesen ist. Wenn wir schon in wenigen Jahren nur noch Laufzeiten von erst wenigen Monaten und etwas später nur noch wenigen Wochen im Jahr haben, können wir mit den Mehremissionen von CO2 gut leben.

    Zumal Erdgas in relevanten Mengen im Gebrauchsprozess unverbrannt entweicht, und so letztlich überhaupt nicht klimafreundlicher als Kohle ist.

  18. Stellen Sie sich das mal vor: Damals verfassten Abgeordnete des deutschen Bundestages noch selbst Gesetze, statt sich diese von fossilen Lobbyisten in Parteizentralen und Ministerien vor-schreiben zu lassen!

    Ja, langsam glaub ich auch, dass das eine der wichtigsten Stellschrauben war, die die (partei-)politische Entwicklung in der BRD in eine Richtung trieb, die mir mit jedem Jahr weniger und weniger gefiel. 😢

    Und, auch wenn ich wirklich nie für die CDU offen war (sorry, not sorry): Eben der Umstand, dass ich inzwischen ernstlich nicht mehr weiß, wem ich bei Wahlen noch ruhigen Gewissens meine Stimme geben kann … lässt mich die aktive Mitarbeit in einer, dann halt nicht perfekten, Partei nachvollziehen. Bietet das doch wenigstens eine theoretische Aussicht auf Erfolg, in dem Bemühen das Schlechte in einer Partei in etwas zumindest etwas Besseres doch zu verwandeln. Denn trotzig draußen vor der Tür zu stehen und zu maulen … scheint eher wenig hilfreich darin zu Sein, Dinge wirklich zu ändern.

    • Vielen Dank für den verständigen Druko & ein herzliches Ja, @Solomon 🙏👍🖖

      Auch schon in den 1990er Jahren gab es die Kritik am „Parteienstaat“ und die damals so genannte „Politikverdrossenheit“. Gerade auch vor dem Hintergrund der DDR-Erfahrungen meiner Familie war – und bin – ich aber nicht bereit, unsere Demokratie wegzuwerfen. Christ war ich damals noch nicht, aber ein junger, überzeugter Demokrat schon. Ich kann also wohl sagen, dass ich demokratisch-zivilreligiös war, bevor ich christlich-religiös wurde.

      Dass seit dem ersten Bundes-Koalitionsvertrag von 1961 eine leise Entmachtung und ein folgender Qualitätsverlust der deutschen Parlamente eingesetzt hatte, wusste ich damals noch nicht. Und es gab durchaus noch legendäre Abgeordnete wie Hermann Scheer (SPD), Andreas Schockenhoff, CDU), Gregor Gysi, PDS oder auch heute noch Roderich Kiesewetter, CDU, die auch weit über ihre Wahlkreise strahlten.

      Dennoch zeigt sich gerade wieder, dass Hunderte gewählte Abgeordnete des deutschen Bundestages mit insgesamt Tausenden von Mitarbeitenden in Regierung und Opposition offensichtlich ein Wehrpflichtgesetz „beraten“ und beschlossen haben, ohne es zu lesen. Jetzt, Monate nach dem Beschluss und lange nach dem Inkraft-Treten fällt erst öffentlich auf, dass das Gesetz eine Abmeldepflicht für deutsche Männer zwischen 17 und 45 Jahren enthält. Und die Medien, die Publikative, fragen dazu erst gar nicht mehr das Parlament – die Legislative, den Gesetzgeber – an, sondern gleich das Verteidigungsministerium, die Exekutive.

      Wir Deutschen erheben uns ja als vermeintliches Bildungs- und Kulturvolk gerne über die „jungen“ Amerikas. Ich kann aber nicht erkennen, dass unser eigener Bundestag in einem wirklich überzeugenden Zustand wäre.

      Über das zweimalige Angebot einer Kandidatur für den deutschen Bundestag hatte ich mich sehr gefreut, mich aber sehr bewusst auch im Hinblick auf meine Arbeitsschwerpunkte für mein Bundesland entschieden. Die mediale Zerblasung bedroht große Nationalstaaten in besonderer Weise, was aus meiner Sicht für mehr Föderalismus und für Kommunalpolitik spricht.

  19. @Michael 07.04. 20:13

    „Die mediale Zerblasung bedroht große Nationalstaaten in besonderer Weise, was aus meiner Sicht für mehr Föderalismus und für Kommunalpolitik spricht.“

    Bei dem aktuelle Zustand der Lobbydemokratie in Berlin wäre in der Tat mehr kommunale, landespolitische und europäische Zuständigkeiten durchaus von Vorteil.

    So wird die Energiewende auf kommunaler und Landesebene umgesetzt, und die überregionalen Hochspannungsnetze kann man gerne europäisch verwalten. Ein einheitliches Modell, wie man die gesamteuropäischen Stromnetze organisiert und Verbrauch und Produktion geschickt abrechnet, könnte ziemlich hilfreich sein.

    Auf der Basis können dann private Investoren umfangreich in den lokalen Zubau von Grüner Technik aller Art investieren. Und man fängt dann praktischerweise mit Projekten an, die bei verhältnismäßigen geringem Aufwand am meisten Effekt haben. Europaweit am Besten.

    Aber auch auf der kommunalen Ebene lohnen sich insbesondere Anlagen, die einen guten Teil des Eigenverbrauchs abdecken. Dezentral wie die Erneuerbaren nun mal sein können, kann man die auch sehr gut für sich selber nutzen.

    • Vielen herzlichen Dank, lieber @Tobias 🙏 – und neben meiner Zustimmung zu Deinem Kommentar hier auch eine gute Nachricht für erneuerbare Friedens-, Wohlstands- und Heimatenergien:

      „Der Absatz neuer Elektroautos in Deutschland legt kräftig zu. Im März wurden 70.663 vollelektrische Neuwagen zugelassen, teilte das Kraftfahrt-Bundesamt am Dienstag mit. Das waren 66,2 Prozent mehr als im selben Monat des Vorjahres. Ihr Anteil an allen Pkw-Neuzulassungen stieg auf 24 Prozent. Damit überholten E-Autos in der Statistik Pkw mit Benzinmotor, deren Absatz ebenso wie der von Dieselfahrzeugen weiter schrumpfte.“

      https://www.spiegel.de/mobilitaet/auto/elektroautos-66-prozent-mehr-neuzulassungen-im-maerz-a-ca63830d-62b0-4de7-9cef-e14200550c6e

      Zum von Pakistan 🇵🇰 zwischen den USA 🇺🇸 , Israel 🇮🇱 und der fossil finanzierten Diktatur des Iran 🇮🇷 vermittelten Waffenstillstand postete ich heute Morgen:

      „In den USA & in Israel ist eine heftige Debatte darüber entbrannt, ob der von Pakistan vermittelte, zweiwöchige Waffenstillstand mit dem Iran als „vollständiger Sieg“ (Trump) zu werten ist und was von US – „Kriegsminister“ Hegseth zu halten sei.

      Wer nicht nur debattieren, sondern konkret etwas für Frieden & die Freiheit der Menschen tun möchte, helfe mit, die fossile Finanzierung von Diktaturen, Kriegsparteien und Terrorgruppen zu reduzieren. 🛢️🔥🤔

      Jede Wärmepumpe, jedes Elektroauto, jede (Balkon-)Solaranlage, jede Einsparung fossiler Verschwendung macht Europa unabhängiger, schafft Wertschöpfung im Inland statt fossiler Importe, bremst die globale Erhitzung & ist ein Schritt zu mehr Frieden & Wohlstand.“

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116367190615178126

      Ich frage mich schon, wie viel Gewalt, Preisschocks und Treibhausgas-Emissionen die Menschheit noch „braucht“, um endlich konsequent ins post-fossile Zeitalter zu finden. Immerhin kommen wir derzeit Tag für Tag voran, aber so viel mehr wäre schon möglich…

  20. @Michael 08.04. 07:00

    „Immerhin kommen wir derzeit Tag für Tag voran, aber so viel mehr wäre schon möglich…“

    Zum Thema Balkonkraftwerke ist hier was zu lesen:

    https://www.spektrum.de/news/balkonkraftwerke-ist-eine-solaranlage-auf-dem-balkon-sinnvoll/2317008

    Jetzt verstehe ich auch die Beschränkung auf maximal 800 Watt Einspeiseleistung. Soviel Reserven haben Stromleitungen mit einer 16-Ampere-Sicherung. Braucht man mehr Einspeiseleistung, muss der Elektriker kommen. Oder man schafft sich gleich 2 Balkonkraftwerke an, und schließt diese an jeweils andere Steckdosen mit je 16 Ampere an.

    Allerdings lassen sich Anlagen mit Integriertem Speicher ein Stück größer dimensionieren.

    Das könnte für mich dann doch noch interessant werden. Ich bräuchte sowieso einen integrierten Speicher, weil ich erst mittags aufstehe und Nachmittags nur meinen Computer nutze, und sonst kaum Strom verbrauche. Den meisten Strom brauche ich nach 16:00 Uhr, und dann ist bei mir die Sonne um die Ecke.

    Ich habe sogar einen Südbalkon, aber eben etwas verbaut, dass ich nur 80% des Möglichen ernten kann. Aber ein wenig mehr Fläche und eben mit integriertem Speicher, das könnte was werden.

    Müsste ich nur meinen Vermieter fragen, weil ich keine Steckdose auf dem Balkon habe und ein Loch bohren müsste für die Stromleitung. Außerdem wachsen vor den möglichen Modulen Büsche vor meinem Balkon, die müsste ich ein wenig stutzen.

    • Herzlichen Dank, lieber @Tobias – und von mir ein deutliches „Ja“! Habe bewusst am 11. September (!) 2025 bei Balkonsolar e.V. in Freiburg gesprochen. Denn aus meiner Sicht machen die meisten Balkonsolaranlagen ökologisch, wirtschaftlich, politisch und auch psychologisch Sinn: Menschen erfahren durch Balkonsolar-Anlagen Selbstwirksamkeit und verändern ihren Energieglauben in Richtung Solarpunk. Und oft gewinnen sie weitere Mitwirkende.

      Meine Heimatstadt Filderstadt bezuschusst Balkonsolar sogar – was ein guter Schritt in Richtung Solarpunk – Arche – Region ist.

  21. @Nachtrag Balkonkraftwerke

    „Allerdings lassen sich Anlagen mit Integriertem Speicher ein Stück größer dimensionieren.“

    Im Prinzip mehr als doppelt so groß sogar. Der Ertrag wird dann erst mal im integriertem Speicher abgelegt, und dann dosiert mit den 800 Watt erlaubten Leistung über eine Steckdose in das Wohnungsnetz eingespeist.

    So könnte man in 18 Stunden Einspeisung 14,4 Kwh verarbeiten. Bei einem freundlichen Tag im Sommerhalbjahr bräuchte man dafür eine Peakleistung von 2400 Watt. Das wären dann bei 25% Wirkungsgrad an die 10 Quadratmeter Kollektorfläche.

    Die man einfach nur einstöpseln muss, ohne dass der Elektriker kommen muss. Wenn man denn soviel sonnigen Platz auf dem Dach, dem Balkon oder im Garten hat.

    Freilich bräuchte das einen integrierten Speicher mit mindestens 10 Kwh Kapazität. Was derzeit aber auch kein Problem wäre. Wenn man so zu einen guten Teil seinen eigenen Strom für sich nutzen kann, lohnt sich das allemal.

    Und dieser Speicher hätte im Winter wenig zu tun, und könnte dann aber billigen Windstrom einkaufen und Einspeichern um ihn dann selbst zu nutzen, wenn die aktuellen Strompreise besonders hoch sind. Begrenzt wäre das auch auf die 800 Watt erlaubte Leistung. Kein Problem, auch hier hat man den Speicher nach 18 Stunden voll, und wiederum nach 18 Stunden wieder leer.

    Falls man denn einen Stromzähler einbauen kann, der aktuell verschiedene Preise verarbeiten kann. Und das macht dann auch nur einen Kostenvorteil, wenn man an die 15 Kwh am Tag verbraucht. Verbraucht man weniger, tut man aber auch eine gute Tat, und speist dann gratis grünen Strom ins Netz ein.

    Ich selbst verbrauche nur 4 Kwh am Tag. Aber so manche Mehrpersonenhaushalte könnten schon auf die 15 Kwh kommen. Wer Elektroauto oder Wärmepumpe hat noch eher.

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