Sein Name war Satnam Singh (1993 – 2024), getötet durch fossile & korrupte Landwirtschaft

Aus Indien kam der Sikh Satnam Singh nach Europa, Italien, wo er gemeinsam mit seiner Ehefrau Soni im mafiösen System des „Caporalato“ in der industriellen Landwirtschaft ausgebeutet wurde. Im Juni 2024 geriet er in eine ungesicherte Maschine, die Felder großflächig mit Plastik überzog. Seine Beine wurden zerquetscht und ein Arm wurde ihm abgerissen.
Doch trotz des Flehens seiner Frau brachte der italienische „Padrone“ Antonello Lovato den illegal beschäftigten Schwerverletzten nicht ins Krankenhaus, sondern nur vor die Unterkunft – mit dem abgerissenen Arm in einer Gemüsekiste. Zwar riefen Nachbarn noch einen Krankenwagen, doch Satnam Singh starb.
Ein Protestplakat mit einem Foto des getöteten Satnam Singh auf YouTube. Bildquelle: @dwnews
Nun hat ein Gericht in Latina den 39jährigen Lovato zu einer Gefängnisstrafe von 16 Jahren verurteilt.
Noch während Tausende Erntehelfende und Gewerkschaftsmitglieder demonstrierten, wurden vier weitere Zwangsarbeitende von zwei pakistanischen „Capos“ in ein Auto gesperrt und darin bei lebendigem Leibe verbrannt. Sie hatten es gewagt, die Auszahlung ihres ausstehenden Lohnes einzufordern.
Die Stuttgarter Zeitung zitierte dazu in ihrer Ausgabe vom 11. Juli 2026, S. 3, den mutigen Mafia-Aufklärer Roberto Saviano zur Gefahr der sogenannten „Agro-Mafia“:
„Verantwortlich sind die großen Einzelhandelsketten. Sie kaufen zu Preisen, die es den Produzenten unmöglich machen, einen angemessenen Lohn zu bezahlen.“
Im letzten Blogpost haben wir uns mit der Entwicklung der fossilen Konzernmedien im 19. und 20. Jahrhundert befasst, doch eine analoge Entwicklung gab es auch in der Landwirtschaft: An die Stelle von bäuerlichen Kleinbetrieben standen immer größere Unternehmen und schließlich Konzerne, die auf Basis fossiler Maschinen und abhängig Beschäftigter Pflanzenkost und tierische Produkte (Fleisch, Milch, Häute usw.) produzierten.
In Deutschland entwickelten der deutsch-jüdische Chemiker Fritz Haber (1868 – 1934) aus Karlsruhe und sein Kollege Carl Bosch (1874 – 1940) aus Ludwigsburg das Haber-Bosch-Verfahren, das ab der Patentierung 1908 die industrielle Herstellung von Stickstoffdünger, aber auch von Sprengstoff aus fossilen Rohstoffen ermöglichte.
Als Erfindern der industriellen Massentierhaltung ab 1923 gilt die US-Hühnerzüchterin Cecile Long Steele (1900 – 1940).
Einerseits ermöglichte die fossile und industrielle Landwirtschaft immer größere Erträge und bewahrte Milliarden Menschen vor Hunger. Andererseits aber beanspruchte insbesondere die Tierhaltung immer mehr Land, Wasser, Energie, Nahrungsmittel, Medikamente, Dünger und Arbeitskräfte, so dass sich ein System der Externalisierung von Kosten und der Ausbeutung von Mitwelt, Tieren und Menschen entwickelte.
Viele europäische Bauern schlossen sich dem italienischen Faschismus, österreichischen Austrofaschismus und deutschen Nationalsozialismus an und forderten als „Nährstand“ mehr Land, mehr Rechte, Subventionen und billige Arbeitskräfte, gerne auch Zwangsarbeitende.
Auch in jüngerer Zeit wandten sich wieder mehr bäuerliche Funktionäre und Aktivisten quer durch Europa auch mit Rechtspopulismus, Blockaden, Drohungen und Gewalt gegen demokratische Parteien, gegen die Europäische Union und deren Freihandelsabkommen Mercosur mit südamerikanischen Staaten. Nicht wenige fordern immer wieder höhere Subventionen auch für Klimakrise-Ernteausfälle und Agrardiesel – und unterstützen zugleich rechtsmimetische Parteien, die wissenschaftliche Erkenntnisse etwa zu den Folgen von Methan und Nitraten leugnen.
Auch benötigen sie ausländische Arbeitskräfte wie Erntehelfer und Fleischer, denen manche jedoch gerechte Löhne und Arbeitnehmerrechte vorenthalten – nicht nur in Italien.
So mahnte auch Papst Franziskus (1936 – 2025) in seiner großen Ökologie-Enzyklika „Laudato Si“ von 2015:
25. Der Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen; sie stellt eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar. Die schlimmsten Auswirkungen werden wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten auf die Entwicklungsländer zukommen. Viele Arme leben in Gebieten, die besonders von Phänomenen heimgesucht werden, die mit der Erwärmung verbunden sind, und die Mittel für ihren Lebensunterhalt hängen stark von den natürlichen Reserven und den ökosystemischen Betrieben wie Landwirtschaft, Fischfang und Waldbestand ab. Sie betreiben keine anderen Finanzaktivitäten und besitzen keine anderen Ressourcen, die ihnen erlauben, sich den Klimaeinflüssen anzupassen oder Katastrophen die Stirn zu bieten, und sie haben kaum Zugang zu Sozialdiensten und Versicherung. So verursachen die klimatischen Veränderungen zum Beispiel Migrationen von Tieren und Pflanzen, die sich nicht immer anpassen können, und das schädigt wiederum die Produktionsquellen der Ärmsten, die sich ebenfalls genötigt sehen abzuwandern, mit großer Ungewissheit im Hinblick auf ihre Zukunft und die ihrer Kinder.
Tragisch ist die Zunahme der Migranten, die vor dem Elend flüchten, das durch die Umweltzerstörung immer schlimmer wird, und die in den internationalen Abkommen nicht als Flüchtlinge anerkannt werden; sie tragen die Last ihres Lebens in Verlassenheit und ohne jeden gesetzlichen Schutz. Leider herrscht eine allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber diesen Tragödien, die sich gerade jetzt in bestimmten Teilen der Welt zutragen. Der Mangel an Reaktionen angesichts dieser Dramen unserer Brüder und Schwestern ist ein Zeichen für den Verlust jenes Verantwortungsgefühls für unsere Mitmenschen, auf das sich jede zivile Gesellschaft gründet.
26. Viele von denen, die mehr Ressourcen und ökonomische oder politische Macht besitzen, scheinen sich vor allem darauf zu konzentrieren, die Probleme zu verschleiern oder ihre Symptome zu verbergen, und sie versuchen nur, einige negative Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren. Viele Symptome zeigen aber an, dass diese Wirkungen jedes Mal schlimmer sein können, wenn wir mit den gegenwärtigen Produktionsmodellen und Konsumgewohnheiten fortfahren. Darum ist es dringend geboten, politische Programme zu entwickeln, um in den kommenden Jahren den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen stark verunreinigenden Gasen drastisch zu reduzieren, zum Beispiel indem man den Gebrauch von fossilen Brennstoffen ersetzt und Quellen erneuerbarer Energie entwickelt. Weltweit sind saubere und erneuerbare Energien nur in geringem Maß erschlossen. Noch ist es notwendig, angemessene Technologien für die Speicherung zu entwickeln.
Seine lesenswerte Enzyklika „Laudato si“ schrieb Papst Franziskus aus „Sorge für das gemeinsame Haus“, den Oikos. Screenshot: Michael Blume
Was also können wir (alle) tun, um eine bessere Wirtschaft und Landwirtschaft zu erhalten?
- Menschenwürde statt Rechtsmimesis: Ehren wir Satnam Singh & all die anderen Opfer der fossilen und korrupten Ausbeutung. Wer in der Europäischen Union rechtstreu mitarbeitet, hat Anrecht auf einen sicheren Aufenthaltstitel, menschenwürdige Rechte und Löhne. Wer dagegen pauschal auch gegen Arbeitsmigration hetzt, schadet auch der europäischen Wirtschaft und Landwirtschaft, erhöht die Preise und befeuert die Inflation.
- Weniger Fleisch aus industrieller Massentierhaltung: Jedes Kilo Tierfleisch wie auch andere Produkte aus industrieller Massentierhaltung schädigen unsere Mitwelt, unsere Mitgeschöpfe und Mitmenschen. Deswegen habe ich mich als Solarpunk 2019 auch zum Vegetarismus entschieden, begrüße aber grundsätzlich jede freiwillige Reduktion der fossilen und zerstörerischen Verschwendung und Externalisierung.
- Erneuerbare Friedensenergien statt fossiler Gewaltenergien: Das Irankrieg-Desaster treibt die Preise für Erdöl, Erdgas und auch Dünger. Umso schneller wir die post-fossile Transformation in Wirtschaft und Wohnen, Verkehr und Landwirtschaft bewältigen, umso mehr vermeiden wir Schäden durch die Erhitzung, Wasserkrise, Erkrankungen und Flucht.
- Eine soziale und ökologische Marktwirtschaft bleibt das beste Zukunftsmodell für freiheitliche und energiedemokratische Gesellschaften. Schon heute können wir für gerechte Löhne und kluge Regeln nicht nur politisch, sondern auch als Nachfragende für Ökostrom, TransFair-, Bio- und Regionalprodukte eintreten.
Solarpunks leben im Durchschnitt gesünder, glücklicher und oft auch spiritueller als jene Fossilisten, die Mitwelt, Mitgeschöpfe und Mitmenschen nur bis zum Verbrennen der Zukunft ausplündern wollen. Und: Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern. Auch deswegen danke ich allen, die sich hier auf „Natur des Glaubens“ konstruktiv und dialogisch einbringen. Und schließe mit einem kurzen Erklärvideo zum Sikhismus:


Die Sklaverei hat sich lange vor der Nutzung fossiler Energieträger,
und auch lange vor dem Kapitalismus entwickelt.
Natürlich macht das die Sklaverei nicht besser, aber älter.
Ja, @Karl Bednarik – so entstand aus dem Wortgebrauch „Caput“ der römischen Rinder- und Sklavenhalter-Gesellschaft auch unser heutiger Begriff des Kapitals und Kapitalismus. Den ich gerne um ein Verständnis des Fossilismus erweitern würde, da sich seit dem 19. Jahrhundert Reichtum zunehmend durch die Ausbeutung fossiler Rohstoffe sowie von Menschen, Tieren und Mitwelt ergab.
Hier eine feine Übersicht der lateinisch-internationalen Wortentwicklung durch Felo.ai:
Der Begriff „Kapitalismus“ hat seine etymologischen Wurzeln im lateinischen Wort **caput**, was übersetzt „Kopf“, „Haupt“ oder „Spitze“ bedeutet [4][25][27]. Die historische Entwicklung dieses Begriffs zeigt auf anschauliche Weise, wie sich das Verständnis von Wohlstand von physischem Besitz (wie Vieh und Sklaven) über finanzielle Vermögenswerte bis hin zu einer globalen Wirtschaftsordnung gewandelt hat.
## Wohlstand durch Rinder und Sklaven (Zählen nach „Köpfen“)
In agrarischen und antiken Gesellschaften wurde Wohlstand vor allem an greifbaren, beweglichen Gütern gemessen.
* **Rinder und Viehbestand:** Der Besitz von Nutztieren war eine der frühesten Formen von Reichtum. Da Tiere einzeln gezählt wurden, sprach man von „Köpfen“ (lateinisch *capita*, Plural von *caput*). Im Englischen entwickelte sich aus dieser sprachlichen Wurzel beispielsweise das Wort *cattle* (Vieh) sowie der Begriff *chattel* (bewegliches Eigentum).
* **Sklaven als „Köpfe“:** In Sklavenhaltergesellschaften der Antike und später während der kolonialen Expansion wurden auch versklavte Menschen als bewegliches Eigentum (Ware) betrachtet und ebenfalls nach „Köpfen“ gezählt [3][24]. Sie stellten für ihre Besitzer einen bedeutenden Teil des wirtschaftlichen Wohlstands dar, da ihre Arbeitskraft direkt zur Produktion von Gütern und zur Anhäufung von Reichtum genutzt wurde [3][14].
## Der Übergang zum Finanzbegriff (Vom Kopf zum „Hauptgut“)
Im Laufe des Mittelalters wandelte sich die Bedeutung des Begriffs im juristischen und wirtschaftlichen Kontext grundlegend.
* Aus dem lateinischen Adjektiv *capitalis* („den Kopf oder das Leben betreffend“, „hauptsächlich“) entstand im Mittellateinischen das substantivierte Wort *capitale* [4].
* Dieses bezeichnete nun das „bewegliche Gut“, den „Wert“ oder das „Hauptgut“ (im Gegensatz zu den Erträgen, Früchten oder Zinsen) [4]. Es stand somit für die Grundsumme oder den materiellen Grundstock eines Vermögens [4].
## Die Entstehung des Kapitals
Mit dem Aufkommen des frühmodernen Handels und des Bankwesens, insbesondere im Italien der Renaissance, entwickelte sich das mittellateinische *capitale* zum italienischen Wort *capitale* weiter [1][4].
* Es bedeutete nun konkret „Wert, Grundsumme, Vermögen in Geld, Reichtum“ [4].
* Anfang des 16. Jahrhunderts wurde das Wort als „Kapital“ in den deutschen Sprachraum entlehnt [4][9]. Es bezeichnete fortan eine zinstragende Geldsumme oder ein Vermögen, das produktiv eingesetzt wird, um weiteren Gewinn zu erwirtschaften [4][11].
## Die Entwicklung des Kapitalismus
Der Begriff „Kapitalismus“ ist eine vergleichsweise moderne Schöpfung, die sich direkt vom Begriff „Kapital“ ableitet [9][11].
* **Begriffsentstehung:** Während das Wort „kapitalistisch“ bereits im frühen 19. Jahrhundert auftauchte, um einen Überschuss oder Vorrat zu beschreiben, etablierte sich der Begriff „Kapitalismus“ im heutigen Sinne erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts (unter anderem durch Denker wie Richard de Radonvilliers, Pierre Leroux und später Karl Marx) [1][16].
* **Die Wirtschaftsordnung:** Im modernen Kapitalismus ist der Besitz von Kapital (in Form von Geld, Maschinen und Produktionsmitteln) die grundlegende Voraussetzung für die Organisation des Wirtschaftsprozesses [14]. Wohlstand wird nicht mehr primär durch das bloße Besitzen von physischen „Köpfen“ (wie Vieh oder Sklaven) definiert, sondern durch die kontinuierliche Verwertung, Reinvestition und Akkumulation von Kapital in einem System aus freien Märkten, Privateigentum und Lohnarbeit [1][14][30].
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalismus
[2] https://pomalo-pomalo.com/caput-mundi-die-geschichte-des-alten-rom/
[3] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/hanks-welt/sklaverei-und-wohlstand-gruendete-der-kapitalismus-auf-dem-blut-der-unterdrueckten-19224967.html
[4] https://www.dwds.de/wb/Kapitalismus
[5] https://www.jstor.org/stable/26266301
[6] https://oll.libertyfund.org/pages/marx-k1-1867
[7] https://localike-roma.com/blog/roma-caput-mundi/
[8] https://doi.org/10.17909/fq12-f295
[9] https://hls-dhs-dss.ch/articles/015982
[10] https://platypus1917.org/2008/10/01/das-kapital-in-der-geschichte-uber-die-notwendigkeit-einer-marxistischen-geschichtsphilosophie-der-linken/
[11] https://www.herder.de/staatslexikon/artikel/kapitalismus/
[12] https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/wirtschaftsgeschichte-48450
[13] https://doi-org.ezproxy.cul.columbia.edu/10.1186/s12884-018-2147-9
[14] https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19938/kapitalismus/
[15] https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kapitalismus-37009
[16] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/247633/das-kapital-und-seine-bedeutung/
[17] https://en.wikipedia.org/wiki/Caput_Mundi
[18] https://doi-org.proxy-um.researchport.umd.edu/10.1037/cou0000305
[19] https://www.hanisauland.de/wissen/lexikon/grosses-lexikon/k/kapitalismus.html
[20] https://www.marxists.org/deutsch/archiv/borchardt/1920/kapital/21-geschichte.html
[21] https://flexikon.doccheck.com/de/Caput
[22] https://www.kas.de/de/web/geschichtsbewusst/essay/-/content/wirtschaftsgeschichte-kapitalismus-koloniale-expansion-great-divergence
[23] https://www.reddit.com/r/etymology/comments/1m4c9hy/are_kaput_as_in_broken_and_kaput_as_in_pie_head/?tl=de
[24] https://www.agrarraum.info/lexikon/sklaverei_und_landwirtschaft
[25] https://www.etymonline.com/word/caput
[26] https://mediarep.org/entities/article/b620909d-b0cd-4a1f-b5c1-f52a271dc7c4
[27] https://detritusofempire.blogspot.com/2014/01/kaputt-and-caput.html
[28] https://doi-org.ezproxy.lib.utexas.edu/10.4324/9780203021217
[29] http://digitalcommons.usu.edu/context/ocw_econ/article/1001/type/native/viewcontent
[30] https://derkommunist.de/freedom-and-slavery-the-birth-of-capital/
Des einen Not ist des anderen Brot.
Fragt sich, wer am Ende dieser Nahrungskette steht?
Es sind die Handelsketten/-konzerne und Energiekonzerne.
Es macht durchaus Sinn bei unserem Wohlstand, über Not nachzudenken. Geht das Geld aus, funktioniert ‚die Wirtschaft‘ nicht, dann wird das allen wieder bewusst.
Aber erst dann. VW- Mitarbeiter kommen gerade wieder in diese Situation.
Not ist der Urstoff für Antrieb sich aus einer Notlage zu befreien.
Es ist also eine Entscheidung des Einzelnen, bei einer Notlage zu helfen oder sie auszunutzen.
Fossilismus nutzt sie aus, Laudatio Si wendet sich gegen diesen Egoismus.
Der Grunderbegedanke könnte eine Befreiung aus Notlagen sein.
Das Erdsystem ist in Not und wie können wir ihm helfen?
Reden wir über Not und Notlagen, auch des Unternehmers.
Vielen Dank & ja, @Mussi – ganz bewusst hatte ich daher das Zitat des meinerseits geschätzten Journalisten und Autors Roberto Saviano in den Blogpost aufgenommen:
„Verantwortlich sind die großen Einzelhandelsketten. Sie kaufen zu Preisen, die es den Produzenten unmöglich machen, einen angemessenen Lohn zu bezahlen.“
Wir haben es hier also nicht nur mit einem individuellen, sondern auch mit einem systemischen Versagen des Fossilismus zu tun. Völlig zu Recht fordern daher sowohl Erntehelfende wie auch Gewerkschaften grundlegende Reformen, wenigstens eine Abmilderung der Ausbeutung und minimalen Rechtsschutz ein.
Und es betrifft eben auch nicht nur Italien. Auf Mastodon teilte der geschätzte Account @Exxo diese Nachricht:
Pfarrer Kossen kämpft gegen Fleischindustrie
Wie bei der Mafia
Der katholische Pfarrer Peter Kossen kämpft gegen Ausbeutung und moderne Sklaverei in der Fleischindustrie. Damit macht er sich nicht nur Freunde. Selbst in der eigenen Gemeinde kommen einige deshalb nicht mehr zur Messe.
„Die ständige Ausweitung der Werkvertrags- und Leiharbeit und ihr Missbrauch zum Lohndumping ist wie ein Krebsgeschwür, das seinen Ausgang genommen hat in der Fleischindustrie und mittlerweile in der Metallindustrie, in der Logistik und anderen Bereichen genauso verheerend unterwegs ist.“
Der 52-Jährige Pfarrer Peter Kossen nutzt deutliche Worte. Der Mann mit der grau melierten Raspelfrisur und der randlosen Brille stammt eigentlich aus der Region Vechta, mitten im niedersächsischen Schweinegürtel. Nach seinem Theologiestudium in Münster war er mehrere Jahre im niederrheinischen Emmerich. Als er 2011 nach Vechta zurückkam, war er entsetzt über die katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen in der Fleischindustrie:
„Das war an mit vorübergegangen, dass man Stammbelegschaften in diesen Betrieben in großen Teilen durch atypische Beschäftigungen ersetzt hat. Ich bekam Dinge geschildert, die ich nicht für möglich gehalten habe.“
Sechs Tage die Woche, Zwölf Stunden pro Tag
Oft müssten die Arbeiter aus Rumänien, Bulgarien und Polen sechs Tage die Woche für zwölf Stunden pro Tag in den Schlachtbetrieben arbeiten; für einen Stundenlohn, der bei rund fünf Euro liege. In den Unterkünften teilten sich manche zu dritt eine Matratze, sagt Kossen.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/pfarrer-kossen-kaempft-gegen-fleischindustrie-wie-bei-der-100.html
Als (evangelischer) Christ und Solarpunk habe ich daher bereits 2019 die Entscheidung getroffen, mich bewusster zu ernähren und mich an der Finanzierung der fossilen und also gegenüber Mitwelt, Mitgeschöpfen und Mitmenschen ausbeuterischen Fleischindustrie nicht mehr zu beteiligen. Leben zu vernichten und zugleich noch den Planeten aufzuheizen erscheint mir als kein guter Weg der Menschheit in die Zukunft. Die Produkte aus der industriellen Landwirtschaft und Massentierhaltung erscheinen ja dabei nur als „billig“, denn tatsächlich sind die Kosten schlicht externalisiert worden.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-23-externalisierung-in-oekonomie-und-psychologie/
Oder wie es mein BWL-Kollege und Freund Prof. Dr. Inan Ince wohl formulieren würde: „Dieses Wirtschaftsmodell ist nicht nachhaltig.“ 🤭📗🤔
Wenn auf der Welt kein Platz mehr ist, kommen die Kolonialisten nach Hause zurück.
Wenn die Sklaven in Indien und China jetzt nicht mehr für Sie arbeiten wollen, weil sie sich eigene „Europäer“ gezüchtet haben, die auch den Hals nicht voll kriegen, brauchen Sie halt Sklaven in Europa. Ob durch den Import von Migranten oder die Entrechtung der Ureinwohner.
Und dass die dann deutlich weniger Erträge aus dem Boden holen, weil das Grundstück Europa nun mal kleiner und rohstoffärmer ist als das Grundstück Erde, ist auch klar. Wenn Sie also eine Oberschicht haben, die sich daran gewöhnt hat, die Erträge der ganzen Welt zu versaufen, zu verzocken und zu verhuren, fängt diese intellektuelle Elite erst mal damit an, den vorhandenen Arbeitskräften das Fleisch von den Knochen zu peitschen, um ihren Lebensstandard halten zu können.
Der Zaun, der die Reichen von den Armen trennt, zieht sich zusammen und zerfällt, aus einem Kreis um Europa und Amerika wird ein Kreis um die Paläste darin. Draußen ist Dritte Welt, ob die nun Italien oder Äthiopien heißt – die Dekolonialisierung der Welt geht weiter, wir sind wieder im Mittelalter, wo die Paläste die Hütten kolonisierten.
[Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]
@Paul S.
Die Debatte um die Verwendung des Kolonialismus-Begriffs auch zu Gewalt und Völkermord in Europa tobt ja seit Jahren. Ich persönlich unterscheide zwischen Kolonialismus als (prä-industrieller) Eroberung und Ausbeutung nichteuropäischer Länder und Fossilismus als (industrieller) Ausbeutung von Mitwelt und Mitmenschen auf Basis von Kohle, Erdöl und Erdgas.
Denken wir beispielsweise an Saudi-Arabien, das die Ausbeutung seiner fossilen Lagerstätten gemeinsam mit den USA organisierte. Der dazu gegründete, bis heute weltweit dominierende Fossilkonzern wurde bereits 1944 Arabian – American Oil Company (ARAMCO) genannt und firmiert heute als Saudi Aramco:
https://de.wikipedia.org/wiki/Saudi_Aramco
Mir fiele es schwer, diese internationale, fossile Extraktion als „inneren Kolonialismus“ zu bezeichnen. Das saudische Königreich ist von der US-Schutzmacht (noch) abhängig, aber keine „Kolonie“ im klassischen Sinne. Beispielsweise verweigert es die Anerkennung der Republik Israel bis heute.
Gleichwohl verfolge ich Diskussionen zum Kolonialismus-Begriff mit ehrlichem Interesse, aktuell beispielsweise von der geschätzten Bundestagsabgeordneten Awet Tesfaiesus, MdB (Grüne) auf Mastodon:
Vor einer Weile verwendete ich hier den Begriff „Russländer(:innen)“ (rossijskij/российский) für Menschen aus der russischen Föderation, die keine ethnischen Russen sind. Nachdem ich mehrfach darauf angesprochen wurde, dazu ein paar Gedanken: (Zaristisches) Russland, die Sowjetunion und Postkolonialismus – es ist ausgesprochen Komplex.
Dazu werden unterschiedliche Theorien vertreten; bei einigen halte ich bereits die Bezeichnung für problematisch: So gibt es mit Blick auf die russische Geschichte den Begriff „Binnen-“ oder „Selbstkolonisierung“. Das spielt vor allem auf die Ansiedlung angeworbener ethnisch deutscher Siedler an, verdeckt aber die brutale Verdrängung indigener Gemeinschaften.
Eine andere Theorie ist die der „Nachbarschafts-Kolonisation“/“Vorgartenkolonialismus“ (Finnland, Polen-Litauen, Ukraine, Ferner Osten). Und dann gibt es noch die These eines Sowjetkolonialismus (die ich für intellektuell wenig überzeugend halte). Andere lehnen den Kolonialismusbegriff im Zusammenhang mit Russland grundsätzlich ab und sprechen stattdessen von imperialer Politik.
Was eine Kolonie ist, lässt sich nicht trennscharf beantworten. Es gibt einen Kanon von Kriterien, von denen nur selten alle gleichzeitig erfüllt sind. Fast alle Kolonien sind daher eher oder eher nicht Kolonien – keine idealtypischen Fälle.
Warum das problematisch ist: Für die Abgrenzung gilt meist als wesentliches Merkmal, dass eine Kolonie gerade nicht gleichberechtigter Teil des Staatsgebiets wird. Für Russland lässt sich das so nicht ohne Weiteres sagen. Andererseits wissen wir alle: Zwischen dem russischen Westen und dem Hinterland liegen gewaltige Unterschiede.
Von tatsächlich gleichberechtigten Gebieten zu sprechen, lässt sich daher durchaus hinterfragen.
Kurz gesagt: Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand erscheint es mir fair zu sagen, dass Russlands imperiale Geschichte Epochen mit ausgeprägt kolonialen Merkmalen umfasst. Zugleich unterscheidet sie sich in wesentlichen Punkten vom Kolonialismus der anderen europäischen Mächte (Maritimer Handel fehlt!), sodass eine eigenständige Betrachtung sinnvoll erscheint.
Das bedeutet jedoch nicht – wie bisweilen behauptet wird –, dass Russland ein „Reich ohne koloniale Vergangenheit“ gewesen sei. Vertretbar wäre meines Erachtens, von einem „Kolonialismus russischen Typs“ zu sprechen. Denn die Merkmale Expansion, Unterwerfung und Ausbeutung sind unzweifelhaft gegeben.
https://mastodon.social/@AwetTesfaiesus/116900239202200376
Auch zu „Kolonialismus vs. Fossilismus“ halte ich also dialogische Begriffsarbeit für wichtig.
Guten Tag, @Michael,
Vielen Dank für diesen Beitrag und dass Du auf das schreckliche Schicksal von Satnam Singh und die kriminellen und menschenverachtenden Auswüchse des Caporalato-Systems aufmerksam machst!
Ich finde es immer wieder bemerkenswert und staunenswert, dass Papst Franziskus zu den wenigen Vertretern einer mächtigen bzw. großen Menschengruppe gehört, die noch auf die Bedeutung der Menschenwürde hinweisen. Und zwar in dem Sinne, wie es auch in Artikel 1 unseres Grundgesetzes formuliert ist: dass die Würde des Menschen unantastbar ist – unabhängig davon, welcher Gruppe dieser Mensch angehört (und insbesondere Artikel 2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“).
Das Thema „Menschenwürde“ scheint sonst nicht mehr erfolgversprechend und „in Mode“ zu sein, sodass viele Missstände lieber totgeschwiegen werden.
Was das Thema erneuerbare Friedensenergien betrifft, das Du ja als einen Weg beschreibst, diese Missstände zu bekämpfen: Heute findet in Heidelberg ein wichtiger Bürgerentscheid zum Ausbau der Windenergie statt. Stimmen die Bürgerinnen und Bürger mit „Ja“, wird ein Gebiet auf einem benachbarten Höhenzug (dem Lammerskopf) weiter daraufhin untersucht, ob es als Standort für maximal acht Windräder in Frage kommt (es fand bisher schon eine aufwändige Erstprüfung statt, die ein paar wenige sehr kleine Teilflächen als mögliche Standorte identifiziert haben, in denen der Bau von Windrädern als akzeptabel angesehen wird). Es würde dann ein Energiepark in Bürgerhand entstehen (mit Beteiligung von Energiegenossenschaften), sodass die Wertschöpfung in der Region verbleibt. Wird mit „Nein“ gestimmt, wird dieser Prozess für mindestens drei Jahre gestoppt und – ich befürchte – dann ist das Thema Windkraft in Heidelberg wohl gestorben.
Da sich das ausgewiesene Gebiet teils mit FFH-Schutzflächen überschneidet, hat sich u. a. der NABU auf ein „Nein“ festgelegt, was, wie ich finde, schade ist. Ich gehöre hingegen zu den Befürwortern, denn selbst wenn es zu einem „Ja“ kommt, wird zunächst weiter sehr aufwändig untersucht, inwieweit die bisher als akzeptabel ausgewiesenen Flächen überhaupt in Betracht kommen. Und ich denke, wir können es uns einfach nicht mehr leisten, den Ausbau der Erneuerbaren weiter zu verzögern.
Ich bezeichne mich selbst als ein „Naturfreund“, bin viel mit dem Rad und der Kamera im Wald unterwegs, denke aber, dass wir hier Naturschutz und Klimaschutz nicht gegeneinander ausspielen sollten. Mir ist es lieber, ich lebe in einem Land, das den Weg der erneuerbaren Energien und der Unabhängigkeit von Gewaltenergien gewählt hat, und könnte es durchaus verschmerzen, auf meinen Wanderungen und Radtouren an dem einen oder anderen Windrad vorbeizukommen.
Was mich wirklich geärgert hat: Viele der Gegnergruppen arbeiten hier mit handfester Desinformation – zum Beispiel werden Flyer verteilt, auf denen die Größe der Windräder auf Fotomontagen stark übertrieben ist, was viele Heidelberinnen und Heidelberger in ihrer Ansicht verstärkt, die schöne Aussicht auf den Fluss und das Schloss werde verschandelt. Und da spreche ich noch nicht einmal von der AfD. Das verunsichert die Leute und schmälert die Chancen, dass Heidelberg sich heute für einen Weg in Richtung erneuerbare Friedensenergien entscheidet.
Gestern am Stand „Für“ die Windkraft konnte ich hautnah miterleben, wie sehr viele sich von Desinformation haben verunsichern lassen oder sich gar ganz auf eine NIMBY-Haltung („Not in my backyard“) zurückgezogen haben. Es gab aber auch sehr schöne Erlebnisse. Unter anderem sagte ein aus meiner Sicht im Vergleich zu manchen Erwachsenen sehr gut informierter Junge (vielleicht sieben Jahre alt) auf meine Frage, was er denn so lese: „Die Känguru-Chroniken“. Es gibt noch Hoffnung!
Drückt uns die Daumen!
Vielen herzlichen Dank, lieber @Peter 🙏👍
Ich bin gerade sehr bewegt, wie sich unsere Blog-Wege (wieder) überschneiden. Denn ich hatte mir für den heutigen Sonntag Zeit – ja, genau: Zeit – genommen, um mich in Deine Blogserie zur Tiefenzeit einzulesen.
https://www.silberspur.de/blogs/read/120
Und dazu habe ich vorhin bereits bewegt auf Mastodon gepostet:
Wer – wie auch ich – tiefe Freude & Sinn im Bedenken der Zeit empfindet, sollte in diese Blogserie mit eindrucksvollen Fotos von @silberspur unbedingt eintauchen!
Zeit für Zeit, das ist m.E. die eigentliche Alternative zwischen algorithmischen Konzernmedien & dem dialogischen Fediversum.
Für genau solche Funde & Austausche bin ich hier.
Danke, lieber Peter! 🙏
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116906960514671377
Und während ich hier gerade schreibe, höre ich intensiv Deinem wundervollen Vortrag im Heidelberger Klausenpfad, voller Bezüge auch zu unseren Dialogen und Blogreihen.
https://www.silberspur.de/topics/pangaea/tiefenzeit-01-im-klausenpfad-20260619.mp4
Du kommentiertest hier:
„Ich finde es immer wieder bemerkenswert und staunenswert, dass Papst Franziskus zu den wenigen Vertretern einer mächtigen bzw. großen Menschengruppe gehört, die noch auf die Bedeutung der Menschenwürde hinweisen. Und zwar in dem Sinne, wie es auch in Artikel 1 unseres Grundgesetzes formuliert ist: dass die Würde des Menschen unantastbar ist – unabhängig davon, welcher Gruppe dieser Mensch angehört (und insbesondere Artikel 2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“).
Das Thema „Menschenwürde“ scheint sonst nicht mehr erfolgversprechend und „in Mode“ zu sein, sodass viele Missstände lieber totgeschwiegen werden.“
Dem möchte ich zustimmen – leider gerade auch als Christdemokrat. Ich kann mich noch gut erinnern, wie intensiv wir in meiner Jugend in der CDU über das „christliche Menschenbild“ der Bibel, die Menschenwürde des Grundgesetzes und die ökologische und soziale Marktwirtschaft diskutierten. Das Buch dazu von Volker Kauder „Das hohe C“ (Herder 2020) hat einen Ehrenplatz in meinem Bücherschrank.
Doch ich kann nicht bestreiten, dass die Säkularisierung und fossilistische „Enge der Zeit“ auch die Diskurse „meiner“ Partei entwurzelt und eingeebnet haben. Heute verstehen die meisten Christdemokratinnen und Christdemokratinnen nicht einmal mehr den Unterschied zwischen „konservativ“ (einer Haltung zur Zeit, zum Fortschritt) und „christdemokratisch“ (einer Haltung zur Menschenwürde) – und entsprechend stürzt das Vertrauen in die Bundespolitik auch ab.
Wenn ich heute als Protestant über päpstliche Lehrschreiben wie die neue KI-Enzyklika „Magnifica humanitas“ (Menschenwürde!) von Papst Leo XIV. dialogisieren möchte, so muss ich dazu bloggen:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-ki-menschenwuerde-enzyklika-von-papst-leo-xiv-und-anthropic-im-dialog/
Vielen Dank auch für Deinen Einsatz für erneuerbare Friedensenergien, hier konkret Windkraft. Bereits 2024 hatte ich im SWR dazu bereits gesagt (und sehe mich inhaltlich seitdem mehrfach bestätigt):
„Wer sich gegen den Ausbau von Windenergie stellt, fördert den Geldstrom zugunsten brutaler Diktaturen wie Russland, Iran und Katar.“
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/windkraft-zur-produktion-erneuerbarer-friedensenergie-gegen-krieg-und-antisemitismus/
Aus meiner Sicht ist es selbstverständlich demokratisch und dialogisch geboten, immer wieder abzuwägen, „wo“ Windräder Sinn machen und wo nicht. Wer sich jedoch grundsätzlich gegen Windenergie stellt und diese gar mit fossiler Desinformation bekämpft, nimmt die weitere Finanzierung von Krieg, Gewalt und Antisemitismus sowie die weitere Erhitzung unserer Atmosphäre billigend in Kauf. Entsprechend gespannt verfolge ich auch die aktuelle Abstimmung in Heidelberg!
Auch Satnam Singh (1993 – 2024) ist ein Todesopfer der fossilen Ausbeutungsverhältnisse gegenüber Mitmenschen und Mitwelt. Wir Europäerinnen und Europäer verlangen und kaufen billige Lebensmittel, die wir durch die Ausbeutung fossiler Rohstoffe und rechtlos Beschäftigter produzieren lassen. Und während wir gleichzeitig per Rechtsmimesis die allgemeine Menschenwürde bestreiten, lösen wir gleichzeitig durch die fossil verursachte, globale Erhitzung neue Fluchtbewegungen aus.
Ich sah das ja bereits 2015 im Irak und will mich nicht daran gewöhnen: Wer mit ansehen muss, wie die eigenen Felder und Zukunftschancen verdorren, ist kein klassischer „Wirtschaftsflüchtling“ mehr, der eine realistische Wahl hätte – sondern wird zum verzweifelten „Klimaflüchtling“, auf den oft die ganze Familie ihr letztes Geld setzt. Ein Europa, das darauf nur mit Abschottung, Zäunen und sogar Lagern zu reagieren weiß, hat sich damit weit von seinen jüdisch-christlichen Wurzeln entfernt. Und das ist nie gut gegangen und wird auch im 21. Jahrhundert nicht gut gehen.
Zeit wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
Hallo zusammen,
update zu Heidelberg und erneuerbare Friedensenergien.
Habe eben dazu auf Mastodon gepostet:
„Starkes Signal für den Ausbau der Erneuerbaren aus Heidelberg!
Ich hätte nicht mit einem so klaren Ergebnis für die Windkraft gerechnet – wenn man sich die Geschütze ansieht, die die Gegenseite aufgefahren hat. U.a auch viel unfaires Spiel in Form der Verbreitung von Falschinformationen.“
https://bildung.social/@silberspur/116908179074117839
Geht doch! Ich feiere jetzt.
Wie klasse, @Peter Gutsche – herzliche Glückwünsche ins wundervolle Heidelberg! 🙌
Die Heidelberger haben in einem Bürgerentscheid die Gemarkung Lammerskopf als Standort für Windkraftanlagen in Heidelberg befürwortet. Die Wahlbeteiligung lag bei 40,1 Prozent. Die Auszählungen am Sonntagabend haben ein Ergebnis von 28.943 Ja-Stimmen zu 14.455 Nein-Stimmen ergeben.
https://www.heidelberg24.de/heidelberg/windkraft-buergerentscheid-lammerskopf-sonntag-wahl-entscheidung-94391262.html
Ich gebe zu, dass ich angesichts von Reaktanz und Desinformation ziemlich skeptisch war – und mich nun umso mehr über den Erfolg für die Windkraft, für erneuerbare Friedens- und Wohlstandsenergien freue!
Das ist ein gutes Ergebnis, auch für ganz Baden-Württemberg & darüber hinaus! 😌✅🇩🇪🇪🇺
@Michael 12.07. 11:49
„Auch zu „Kolonialismus vs. Fossilismus“ halte ich also dialogische Begriffsarbeit für wichtig.“
Ich hatte mal eine Idee, wie man Mindestlöhne durchsetzen könnte. Man müsste die einfach rückwirkend auf vielleicht 5 Jahre einklagen können. Also fleißig im Schlachthof arbeiten und Arbeitszeiten wie Lohnzahlungen schön sauber aufschreiben. Und dann die Differenz zum Mindestlohn hinterher einfach einklagen. Gleich für die ganzen 5 Jahre, das lohnt doch den juristischen Aufwand. Immerhin ein Streitwert von bis zu 100.0000 Euro.
Das wäre Geld genug, dass man Deutschland wieder verlässt, und sich mit dem Geld z.B. in Rumänien was aufbaut.
Ansonsten sehe ich angesichts der Energiewende durchaus Perspektiven für südliche Länder, insbesondere in den Wüstengegenden. Der PV-Ertrag ist dort wirklich hoch und gleichmäßig übers Jahr verteilt. Für eine flächendeckende billige Stromversorgung reichen dort Kurzristspeicher mit einer halben Tagesleistung und intelligente Wechselrichter samt Stromzählern.
Und gerade Russland steht nicht so gut da. Weil ziemlich im Norden und dann auch noch maximal kalt im Winter. Immerhin hat man aber auch riesige Waldbestände, die man für Heizung und Stromerzeugung nutzen kann. Und reichlich Potential für Landwirtschaft.
Lieben Dank, @Tobias
Dein Vorschlag sagt mir zu, wobei ich ja oben im Blogpost bereits schildern musste: Auch nach dem grauenhaften Tod von Satnam Singh wurden in Italien noch Erntehelfende verbrannt, weil sie es gewagt hatten, ausstehende Löhne einzufordern! Von der Möglichkeit, ihre Rechte und Löhne einzuklagen, sind auch in Europa noch Hunderttausende weit entfernt!
In seinem großen Buch „Kapitalismus“ (2025) schildert Sven Becker, wie auch nach der Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert weltweit Zwangsarbeits-Verhältnisse mit Gewalt durchgesetzt wurden. Menschen wurden – und werden! – zwar formal befreit, aber faktisch in Zwängen, Rechtlosigkeit und Schuldknechtschaft gehalten.
Zitat, S. 628 – 629:
Der Rassismus erleichterte auch den Einsatz von Zwangsarbeit bei der Ausweitung der Warenproduktion – nicht nur in Nord- und Südamerika, sondern auch in Afrika, Australien und Asien.
Im Süden der USA wurden Tausende von freigelassenen Sklaven und ihre Nachkommen unter in der Regel fadenscheinigen Vorwänden in einem riesigen Gefängnisarchipelago inhaftiert und dann als Arbeitskräfte an lokale Plantagenbesitzer und aufstrebende Industrielle vermietet, ohne dass sie dafür entlohnt worden wären.
Allein im US-Bundesstaat Georgia gab es zwischen 1873 und 1908 fast 50.000 solcher vermieteter Sträflinge, von denen fast 90 Prozent Afroamerikaner waren.
Auch Japan setzte Strafgefangene als Arbeitskräfte ein.
Die Meiji-Regierung zwang Häftlinge zur Arbeit in der bedeutenden Miike-Kohlemine.
Als die Mine 1889 privatisiert und und von der mächtigen Familie Mitsui übernommen wurde, die kurz darauf einen riesigen Zaibatsu, einen Unternehmensverbund, gründete, setzte diese weiterhin Zwangsarbeiter ein.
Rassismus führte auch hier zu Lohnunterschieden: Koreanische Arbeiter erhielten nur halb so viel Lohn wie ihre japanischen Kollegen.
In Lateinamerika war Zwangsarbeit, vor allem von indigenen Völkern, allgegenwärtig.
Im Jahr 1900 waren 80 Prozent der von Ureinwohnern abstammenden Landarbeiter in Mexiko ‚Schuldsklaven‘, vor allem auf Tabak- und Agavenplantagen, wo sie Schulden abarbeiteten, die, wie wir gesehen haben, ein Mittel waren, um sie lebenslang an ihre Arbeitgeber zu ketten.
Aus meiner Sicht lässt sich all das nicht mehr gut mit dem klassischen Kolonialismus-Begriff erfassen, aber sehr gut mit der fossilen Industrialisierung und dem seit dem 15. Jahrhundert in Ablehnung zu Taufrechten (Christen durften eigentlich nicht versklavt werden) formulierten Rassismus:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-hand-des-feindseligen-dualismus-was-antisemitismus-rassismus-und-sexismus-verbindet/
Damit wird ggf. auch verständlicher, warum ich auch als Mitglied der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) den Abbau von Arbeitnehmerrechten auch in Europa als falsch, rechtsmimetisch und gefährlich wahrnehme.
Zitat: „Sein Name war Satnam Singh (1993 – 2024), getötet durch fossile & korrupte Landwirtschaft“
Jeder Arbeitsunfall kann eine schreckliche Tragödie für den Betroffenen sein.
Man macht es sich zu leicht, wenn man alles einfach auf eine „fossile & korrupte Landwirtschaft“ zurückführt.
Es ist, positiv gemeint, unser kapitalistisches System und der damit permanent vorhandene Strukturwandel führt dazu, dass weniger leistungsfähige Strukturen ganz automatisch, von besseren Strukturen abgelöst wurden. Damit wurde bei uns im Westen, ein sehr hoher „Wohlstand“ für sehr viele Menschen erreicht. Die „halbe Welt“ will, soar unter Lebensgefahr, in diese „gelobten Länder“ einwandern.
Meine „Ahnen“ vor rund 3 Generationen, waren kleine Bauern und konnten sich ausrechnen dass sie nicht überlebensfähig wären. Einer wurde Dorfschulmeister weil gerade das Pflichtschulsystem eingeführt wurde. Einer ging zur Eisenbahn, die damals ihren Betrieb aufnahmen. Einer zur Post weil er die tausenden Namen der Bahnstationen z. B. zwischen Stralsund und Palermo (natürlich auch die Polnischen Namen) gut lernen und sich auch merken konnte.
Manche aus der Umgebung wurden Automechaniker, Elektriker, Transportunternehmer, Gastwirte, Baumeister, Tierarzt,…. den Grund für den Betrieb brachten sie oft mit.
Jetzt trifft der Strukturwandel sogar „Große“, die einfach nicht mehr, nicht einmal mit Billiglöhnern aus früher benachbarten, heutzutage sogar weit entfernten Niedriglohnländern kommen, mithalten können. Sie sind zum Umstieg gezwungen, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Das ist unser System, die meisten profitieren davon. Hungersnöte, TBC,…. sind jedenfalls Vergangenheit. Laufen die „Fossilen“ wegen ihrer Nachteile aus, werden sie eben durch die „Erneuerbaren“ ersetzt.
Ich war nach dem Wk2 auch in den Ferien „Fremdarbeiter“ in einem „Hochlohnland“. Eigentlich wollte ich, wie Kumpels, in Schweden als „Leichenwäscher“ arbeiten. Das hat mir mein Vater wegen der Infektionsgefahr, die mein weiteres Leben hätte beeinträchtigen können, ausgeredet.
So habe ich als jugendlicher Ferialarbeiter angeheuert und in einer großen Klinik, in der die Elektrik ausgetauscht werden musste, ich nehme an es waren Kilometer von Rohrschlitzen mit Hammer und Stemmeisen (es gab noch keine Fräßen) gestemmt. Zuerst ausgerechnet in einer Isolierstation, später in der Neurologie/Psychiatrie.
Vermutlich werden die südlichen Länder, z.B. Saudi Arabien,…. künftig erneuerbare Energien, transformiert aus Sonnenenergie, liefern…… Sie könnten auch Güter, die nur mit viel Energie erzeugt werden, direkt von Robotern/KI produzieren lassen.
Ob die „Erneuerbaren“ dann auch noch „Friedensenergien“ sind, ist eine andere Frage……
Zitat: „Verantwortlich sind die großen Einzelhandelsketten. Sie kaufen zu Preisen, die es den Produzenten unmöglich machen, einen angemessenen Lohn zu bezahlen.“
Früher konnte der „kleine Krämer“ auch nicht mehr bezahlen als der „Markt“ hergibt. Das ist und war schon immer ein „Grundgesetz“. Außer beim Kommunismus und der ist gescheitert…..
Mann kann höchstens mit Robotern und KI immer mehr und billiger produzieren, „zaubern“ geht nicht…..
Einen „Strukturwandel“ an den wir uns anpassen müssen, wird es immer geben….. In der Wirtschaft oder beim Klima……
Vielen Dank für Ihre auch biografischen und berührenden Beobachtungen, @Realo
Aus meiner Sicht spricht gegen den kapitalistischen Fortschrittsglauben unter anderem, dass der Fossilismus zunehmend auch die Familien zerstört.
So habe ich gerade erst heute auf Mastodon einen nach meiner Einschätzung sehr guten Demografie-Artikel der Frankfurter Rundschau empfohlen, in dem es unter anderem heißt:
Kinder, ja – aber wie? Warum Familienplanung für junge Menschen immer schwieriger wird
Stand:12.07.2026, 11:15 Uhr
Von: Evelyn Pohl
Familienplanung steht in Deutschland unter Druck: Viele junge Menschen wollen Kinder, scheitern aber an Geld, Job, Wohnraum und Betreuung. […]
Das klingt nüchtern, beschreibt aber den Alltag vieler junger Menschen sehr konkret: Reicht das Geld? Bleibt der Job? Trägt die Beziehung? Gibt es genug Kraft für ein Kind?
Für Deutschland passt dieser Befund zu Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung auf Basis des familiendemografischen Panels FReDA. Die Geburtenrate sank demnach von 1,58 Kindern pro Frau im Jahr 2021 auf 1,35 im Jahr 2024. Der Kinderwunsch blieb jedoch stabil. Frauen wünschen sich im Schnitt 1,76 Kinder, Männer 1,74. Als ideale Kinderzahl gelten rund 2,2 Kinder.
https://www.fr.de/wissen/kinder-ja-aber-wie-warum-familienplanung-fuer-junge-menschen-immer-schwieriger-wird-zr-94389805.html
Ich muss dabei auch immer wieder an die fossile Rhetorik des bis vor Kurzem auch von Ihnen verehrten POTUS Donald Trump von „We’re Gonna Win so Much, You May Get Tired of Winning!“ bis zu „Drill, Baby, Drill!“ denken.
Hier, vom Februar 2019:
https://www.youtube.com/watch?v=Ryvkwx8BFss
Doch diesem Gebrülle vom vermeintlich ewigen Sieg des Kapitalismus und Fossilismus steht eine furchtbare Realität gegenüber, in der auch in den USA die Preise und Temperaturen immer weiter steigen und die Geburtenraten immer schneller fallen.
Entsprechend haben auch bereits mehrere Antwortende auf Mastodon auf die tiefe Frage der Anthropodizee verwiesen.
Der Kapitalismus und Fossilismus führen nicht in eine goldene Zukunft, sondern in eine feurige Sackgasse.
Früher schufteten Millionen, „damit es die Kinder einmal besser haben.“ – Nun erledigt sich auch das zunehmend. Was soll das für ein Sieg sein? Und – über wen?
Das Lesen der Gedanken und Beiträge in diesem Thread macht schnell betroffen.
Es wird deutlich, wir, als Gesellschaft, haben ein Systemproblem.
Und mir ist auch klar, wie es dann immer wieder Menschen geben wird, die sich zur Lebensaufgabe machen, mafiöse Strukturen ans Licht zu bringen und dadurch ihrer Wirksamkeit berauben, weil – glücklicher Weise – sie in unserer Rechtsvorstellung illegal sind.
Der Kampf gegen solche Strukturen hat ja gerade in Italien längere Geschichte und auch einige Erfolge.
Die Wertvorstellungen, die oft mit diesen Strukturen verbunden sind, tauchen in meiner Wahrnehmung gerade auch in der Weltpolitik wieder auf – haben glücklicher Weise keinen schnellen Erfolg, weder in der Ukraine, noch im Umfeld der USA, wo Trump das Recht des Stärkeren öfter ausprobiert (so richtig gefällt mir dieses Wort dafür nicht).
Solidarisierungen sind wichtig, Gewerkschaften etc, um solche Versuche im persönlichen Umfeld zurückzudrängen. Einige Jahre war das gefühlt ja nicht so – wobei die Ausbeutung von Arbeitenden im Umfeld der Landwirtschaft oder anderer Betriebe (die durch Währungsdifferenzen sich für die Ausgebeuteten noch einmal anders darstellen kann) vielleicht schon existiert, aber vertuscht / verdrängt wurde – wie mafiöse Tätigkeiten/Strukturen oft sind.
Was mich dazu dann noch bewegt, ist die Frage, ob das Denken nicht grundlegender sich ändern muss, um Fragen der Schuldknechtschaft / Sklaverei erfolgreich anzugehen.
Das alte Testament der Bibel hat dazu ja einige Anregungen, die zeigen, die hier angesprochenen Themen sind schon richtig alt.
Es gibt daher, ähnlich wie auch in der islamischen Tradition, ein Zinsverbot, dazu mehr in der Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Zinsverbot.
So etwas wäre eine grundlegende Neuausrichtung unseres Wirtschaftens, ähnlich wie ab 1500 die allmähliche Abschaffung dieser Regel dem Geld größeren Einfluss gab.
Und es gibt Erlassjahre. Vom Effekt her war der Zusammenbruch von vielem nach dem 2. Weltkrieg ja ähnlich, d.h. hat Unterschiede geringer werden lassen. Hier etwas zu finden, das ungute soziale Verhältnisse verändert und so Menschen in jeder Generation motivierende Lebensbedingungen ermöglicht, wird zum neuen Denken vermutlich dazu gehören.
Spannend ist für mich, dass es im Grunde schon mal der Menschheit bewusst war.
Herzlichen Dank für den tiefen und sehr dialogischen Kommentar, @HG Unckell 🙏 – auf den ich daher sehr gerne auch ausführlicher eingehe.
„Das Lesen der Gedanken und Beiträge in diesem Thread macht schnell betroffen.
Es wird deutlich, wir, als Gesellschaft, haben ein Systemproblem.“
Ja, genau so ist es. Der Fossilismus zerstört Menschen und Mitwelt. Diese Form der Wirtschaft tötet.
Entsprechend schließt auch der StZ-Autor Dominik Straub seinen aktuellen Artikel mit einer Aussage des bereits erwähnten Mafia-Aufklärers Roberto Saviano:
Dieses System funktioniere seit vielen Jahren – „bis jemand stirbt. Dann wird eine Kommission eingerichtet. Und dann wird es wieder still.“
Zitat aus: Dominik Straub, Stuttgarter Zeitung vom 11.07.2026, S. 3, „Der ‚Padrone‘ hat ihn einfach verbluten lassen“, letzter Satz
Ich übersetze das: Solange wir das System des Fossilismus nicht überwinden, helfen uns auch keine nur oberflächlichen „Kommissionen“. Wir sollten die Ausbeutung von Mitmenschen und Mitwelt dringend beenden. Nicht erst irgendwann (Timewashing). Sondern jetzt.
„Und mir ist auch klar, wie es dann immer wieder Menschen geben wird, die sich zur Lebensaufgabe machen, mafiöse Strukturen ans Licht zu bringen und dadurch ihrer Wirksamkeit berauben, weil – glücklicher Weise – sie in unserer Rechtsvorstellung illegal sind.
Der Kampf gegen solche Strukturen hat ja gerade in Italien längere Geschichte und auch einige Erfolge.“
Ganz genau so ist es. In ihrer antidemokratischen Mythologie präsentieren sich Mafiosi gerne als historische Traditionalisten gegen den übergriffigen Steuerstaat als Ersatz-Famiglia, gerne auch mit etwas katholischem Zierat. Doch in Wirklichkeit schreiben diese „Paten“ einfach fossile Ausbeuterverhältnisse fort, von der Schutzgelderpressung und Sklaverei über den Drogenhandel und Subventionsbetrug bis zur Müllabfuhr. Der fossile Faschismus und das Mafiatum haben enge Entsprechungen, weswegen rechtsmimetische Politiker und Parteien regelmäßig in Korruption versinken. Vgl. Trump und Farage, aber aktuell auch schon der AfD-Kreisverband Stuttgart!
„Die Wertvorstellungen, die oft mit diesen Strukturen verbunden sind, tauchen in meiner Wahrnehmung gerade auch in der Weltpolitik wieder auf – haben glücklicher Weise keinen schnellen Erfolg, weder in der Ukraine, noch im Umfeld der USA, wo Trump das Recht des Stärkeren öfter ausprobiert (so richtig gefällt mir dieses Wort dafür nicht).
Solidarisierungen sind wichtig, Gewerkschaften etc, um solche Versuche im persönlichen Umfeld zurückzudrängen. Einige Jahre war das gefühlt ja nicht so – wobei die Ausbeutung von Arbeitenden im Umfeld der Landwirtschaft oder anderer Betriebe (die durch Währungsdifferenzen sich für die Ausgebeuteten noch einmal anders darstellen kann) vielleicht schon existiert, aber vertuscht / verdrängt wurde – wie mafiöse Tätigkeiten/Strukturen oft sind.“
Auch hierzu volle Zustimmung. Als Begriff der Menschenwürde war die biblische Ebenbildlichkeit des Menschen in die säkulare Sphäre übersetzt worden und prägte einige Jahrzehnte lang nicht nur die christliche, sondern auch die sozialistische Arbeiterbewegung.
Dass davon derzeit leider nicht mehr viel übrig ist, meinen viele Beobachtende auch an der aktuellen Bundesregierung zu sehen, die dem Namen nach ja noch christ- und sozialdemokratisch sein sollte.
„Was mich dazu dann noch bewegt, ist die Frage, ob das Denken nicht grundlegender sich ändern muss, um Fragen der Schuldknechtschaft / Sklaverei erfolgreich anzugehen.“
Ich meine: Ja. Der fossile Wachstumswahn der beiden letzten Jahrhunderte war und ist nicht „natürlich“, sondern ein psychologischer Effekt fossiler Ausbeutung und der vermeintlichen Verheißung vermeintlich ewigem Wachstums. Und diese Verheißung bricht schon demografisch, aber auch etwa klimatisch zusammen. Auch deswegen empfehle ich den Solarpunk auch in Fragen der Wissenskommunikation, Bildungs- und Dialogarbeit:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/wie-der-solarpunk-den-ruf-von-wissenschaft-und-demokratien-retten-kann-und-auch-wird/
„Das alte Testament der Bibel hat dazu ja einige Anregungen, die zeigen, die hier angesprochenen Themen sind schon richtig alt.
Es gibt daher, ähnlich wie auch in der islamischen Tradition, ein Zinsverbot, dazu mehr in der Wikipedia
So etwas wäre eine grundlegende Neuausrichtung unseres Wirtschaftens, ähnlich wie ab 1500 die allmähliche Abschaffung dieser Regel dem Geld größeren Einfluss gab.“
Ganz genau. In der vor-fossilen Zeit gab es durchaus noch ein Bewusstsein dafür, dass sich Güter und also auch Kapital nicht exponentiell (durch Zinseszins) vermehren lassen. Die Gefahr der Schuldknechtschaft nicht nur für Einzelne, sondern auch für ganze Familien und Gemeinschaften war real. Das religiöse Zinsverbot war ebenso Widerstand wie Warnung.
„Und es gibt Erlassjahre. Vom Effekt her war der Zusammenbruch von vielem nach dem 2. Weltkrieg ja ähnlich, d.h. hat Unterschiede geringer werden lassen. Hier etwas zu finden, das ungute soziale Verhältnisse verändert und so Menschen in jeder Generation motivierende Lebensbedingungen ermöglicht, wird zum neuen Denken vermutlich dazu gehören.
Spannend ist für mich, dass es im Grunde schon mal der Menschheit bewusst war.“
Ja, genau deswegen bewegt mich die Erkenntnistheorie so sehr.
Ganz offensichtlich verlieren wir Menschen immer wieder Wissen, das bereits erworben wurde. Ich habe dazu intensiv mit Bezug auf Antoinette Brown Blackwell (1825 – 1921) gearbeitet, die nicht nur die erste, christliche Pastorin der Neuzeit gewesen ist, sondern auch wegweisende Arbeiten zur Evolutionsforschung vorlegte – aber leider fast komplett verdrängt und vergessen wurde! Das bewegt und beschäftigt mich.
In einem – mit KI generierten – Video wirft der YouTube-Account @Pivot Point History eine erkenntnistheoretisch spannende Frage auf: Was wäre aus dem römischen Reich geworden, wenn es die von Heron von Alexandria im ersten Jahrhundert nach Christus präsentierten Dampfmaschinen industriell aufgegriffen und weiterentwickelt hätte?
https://www.youtube.com/watch?v=66N1argAKcc
Stattdessen tauchten sie erst anderthalb Jahrtausende später wieder auf und lösten via Großbritannien die Industrialisierung und dann den bis heute nachwirkenden Fossilismus aus.
Über die – klar christlich unterlegten – Umbrüche der frühen Industrialisierung mit noch Wasser-getriebenen Webmaschinen wie der „Spinning Jenny“ lese ich gerade den letzten Teil der Kingsbridge-Saga „Die Waffen des Lichts“ des großen Ken Follett. Dieser wurde ja nicht zufällig mit seinem großen Werk über den Bau einer Kathedrale, „Die Säulen der Erde“ weltberühmt…
@Michael 12.07. 15:54
„Früher schufteten Millionen, „damit es die Kinder einmal besser haben.“ – Nun erledigt sich auch das zunehmend. Was soll das für ein Sieg sein? Und – über wen?“
Eine wirklich interessante Frage. Die Einen häufen immer mehr an, die meisten haben nur ihre Arbeitskraft anzubieten und müssen das meiste mieten. Wofür das alles, ist wohl eine Frage, über die von den Protagonisten grundsätzlich nicht nachgedacht wird.
Wollen die wirklich alle so dominieren, dass die Masse überhaupt nichts mehr zu sagen hat?
Der reine Geldrausch ist es wohl ganz alleine, der diesen Wahnsinn motiviert.
Wozu das führt, wird komplett nicht bedacht. Schlussendlich. Erfolgsrausch, und Punkt.
Ja, @Tobias – genau so erlebe ich das auch.
Der Fossilismus funktioniert mimetisch, nicht vernünftig.
Rationalisiert wird immer erst hinterher.
Und ich finde, @Realo dokumentiert uns das in packender Weise und hoher Perfektion. Auch deswegen lese ich ihn immer wieder gerne.
Hallo @Tobias Jeckenburger,
ich denke, das ist gut auf den Punkt gebracht:
„Wozu das führt, wird komplett nicht bedacht. Schlussendlich. Erfolgsrausch, und Punkt.“
Das führt mich weiter zu dem Gedanken: Eigentlich wäre doch gerade jetzt die beste Zeit, Menschen für eine sozial ausgerichtete Politik zu motivieren. Gründe und „Baustellen“ – die die Nachteile einer von Gier getriebenen Politik anschaulich machen – gibt es ja genug. Ich hatte neulich jemandem, der mir im Gespräch dann doch sehr rechtsextrem-affin schien und der immer von „denen da oben“ und den „ausgebeuteten kleinen Leuten“ (sinngemäß) sprach entgegnet, dass es doch nun genug Gründe gäbe, statt die AFD eine Gewerkschaft zu unterstützen oder sich in seinem Unternehmen (sofern möglich) für die Gründung eines Betriebsrates einzusetzen. Aber das fiel dann nicht wirklich auf fruchtbaren Boden.
Es ist eben einfacher, auf noch Schwächeren herumzuhauen und sich an Feindbildern abzuarbeiten anstatt sich positiv zu engagieren. Im Erschaffen von Feindbildern sind die Rechtsextremen ja sehr kreativ und emsig.
Ich denke, das hängt mit dem zusammen, was @Michael meinte, wenn er davon sprach, dass die vermeintlich „Stärkeren“ besser als Vorbilder taugen (Mimesis) als „Schwächere“ oder solche im gleichen Boot, mit denen man sich ja gegen die wirklich Mächtigen und Gierigen solidarisieren könnte.
Zur Coronazeit sagte ein Freund einmal, wie sehr es ihn erstaune, dass es eigentlich keine Massenbewegung mehr gebe, die sich aus dem Gedanken eines besseren Lebens oder der Solidarität heraus nährt, sondern dass die heutigen Massenbewegungen durch Hass getriggert und durch Desinformation gelenkt sind – wie Pegida oder die Querdenker.
Das Wirtschaftsystem ist nicht nur nicht nachhaltig, sondern auch ungerecht.
Viele Ökonomen sehen es auch so.
Nur, mit Kritik hat man noch kein neues.
Welches stünde den zu Verfügung?
Ostrom hat zwar ein Nobelpreis, aber es ist auch schon ca. 20 Jahre alt.
Wie löst man etwas altes und gewohntes gegen neues aus.
Vor allem, wenn das Neue noch unbekannt ist und ebenfalls Risiken birgt?
Es Saboteure gibt.
Geld ist nicht nur Wirtschaft, sondern auch Politik, wie wir dieser Tage sehen.
Also hängt ein Wirtschaftsmodell mit Gesellschaftsmodellen zusammen.
Die Wende ’89 ist beredet genug.
Viele verknüpfen Markt mit Kapitalismus, was aber nicht zwingend ist.
Kritik am Kapitalismus und am Wirtschaftsmodell gibt es genug. Aber solange wir nichts Neues haben, Alternativen, wird es so weitergehen.
@Mussi
Sie fragten:
„Wie löst man etwas altes und gewohntes gegen neues aus.
Vor allem, wenn das Neue noch unbekannt ist und ebenfalls Risiken birgt?“
Ich denke, das ist in Zeiten technologischer Beschleunigung wie am Ende des 19. Jahrhunderts auch so gewesen: Jede neue Technologie wie die Fotografie, das Telegramm oder der Dieselmotor lösten ganze Kaskaden neuer Entwicklungen etwa im Bereich der Psychologie, der Zeitungsmedien oder der Kriegsführung aus, die kein Mensch voraussehen konnte.
Heute kommen noch demografische und klimatische Kippunkte hinzu – uns fehlen historische Daten zu Gesellschaften mit weniger als einer Geburt pro Frau oder zum Abbruch der atlantischen Meereszirkulation. Also können wir bestenfalls ahnen, was auf uns – bzw. die Überlebenden von uns – in naher Zukunft zurollt.
Hier ein „Europe Calling“-Vortrag des geschätzten Prof. Stefan Rahmstorf zu aktuellen Erkenntnissen zur AMOC – Atlantic Meridional Overturning Circulation:
https://www.youtube.com/watch?v=hzFQgxsRabU
Ich denke also nicht, dass es Sinn machen würde, darauf zu warten, dass wir „Neues haben“. Stattdessen rege ich an, im je eigenen Leben schrittweise Veränderungen des Denkens, Fühlens und Tuns in Richtung einer post-fossilen Transformation vorzunehmen.
Auch Sie müssten sich also nicht in systemisches Denken flüchten, sondern könnten beispielsweise auch einfach mal Empathie mit Satnam Singh und den anderen Betroffenen zulassen. Nur so als Anregung.
Guten Abend, @Michael,
„Ich denke also nicht, dass es Sinn machen würde, darauf zu warten, dass wir „Neues haben“. Stattdessen rege ich an, im je eigenen Leben schrittweise Veränderungen des Denkens, Fühlens und Tuns in Richtung einer post-fossilen Transformation vorzunehmen.“
Ich habe lange über diesen (wie ich denke: Schlüssel-)Satz nachgedacht.
Ich denke, er bringt genau jene menschliche Zeitperspektive auf den Punkt, aus der heraus Werte wie Empathie und Verantwortung erst gelebt werden können. Erst diese vermeintliche Beschränkung – der Fokus auf unsere, wie Hans Blumenberg sagen würde, „Lebenszeit“ – macht uns zu Mitmenschen.
Ein großes Missverständnis bezüglich der Zeit besteht m.E. darin, dass wir denken, als rational denkende Wesen diese Perspektive hinter uns lassen und Pläne für eine ganz ferne Zukunft schmieden zu können – so wie es in einigen Ausprägungen des Longtermism zum Ausdruck kommt. Aber das geht schief, weil sich Zeit nicht fassen lässt. Wir können (und sollten) uns natürlich Szenarien für die Zukunft bilden und schauen, wie wir diese positiv beeinflussen können. Aber das hat Grenzen.
Zeit fließt eben nicht in einem vorgefertigten Bett, sondern erschafft sich dieses stets neu – was langfristigen Plänen natürliche Grenzen setzt.
Robert Musil hat dies im „Mann ohne Eigenschaften“ so ausgedrückt:
„Der Zug der Zeit ist ein Zug, der seine Schienen vor sich herrollt. Der Fluss der Zeit ist ein Fluss, der seine Ufer mitführt.“
(Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften, Rowohlt, 16. Auflage, Reinbek bei Hamburg 2002, S. 445,)
Das passt ganz gut, finde ich.
Vielen Dank, lieber @Peter – und ich bin wirklich beeindruckt, wie präzise Du zu unserem Dialogthema „Zeit“ die auch mir wichtigen Punkte herausarbeitest!
So hast Du diese Aussage von mir hervorgehoben:
„Ich denke also nicht, dass es Sinn machen würde, darauf zu warten, dass wir „Neues haben“. Stattdessen rege ich an, im je eigenen Leben schrittweise Veränderungen des Denkens, Fühlens und Tuns in Richtung einer post-fossilen Transformation vorzunehmen.“
Und tatsächlich hatte ich beim Formulieren das große „Haben oder Sein“(1956) von Erich Pinchas Fromm (1900 – 1980) im Kopf, der sehr viel verständlicher schrieb als Adorno & Horkheimer und wohl auch deswegen aus der Frankfurter Schule gedrängt wurde.
Meine Grundthese zur Zeit kennst Du ja: „Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht.“
Dies bedeutet mithin auch, dass wir stets nur einen mininmalen Ausschnitt des linearen Zeitstrahls wahrnehmen und mitgestalten können, nur minimal „Zeit haben“. Entsprechend fragen wir ja auch im Alltag: „Hast Du ‚gerade‘ Zeit?“, weil wir diese Verfügung selbst über unsere eigene Lebenszeit nicht festhalten können.
Konkret habe ich beispielsweise heute Morgen mit einem meiner Söhne über Materialkunde diskutiert, die er gerade studiert. Er ließ mich am Staunen teilhaben, wie viel Forschungsleistung zu Materialien und Legierungen in jedem (Elektro-)Auto und jedem Smartphone stecken. Und ich ermutigte ihn, diese Leidenschaft zu leben und selbst eigene, wissenschaftlich-technologische Beiträge anzustreben, die wiederum in den Erkenntnisschatz der Menschheit – und damit unser aller Zeitstrahl – eingingen.
Dass wir alle als Menschen einerseits unglaublich winzig und zugleich absolut einzigartig sind, erfüllt mich immer wieder mit philosophischem, spirituellem und religiösem Staunen.
Deine Blogreihe mit Fotografien sowie Dein Heidelberger Vortrag über die Zeit konnte nach meiner Einschätzung niemand anderes als genau Du genau so halten: Mit Deinen Kenntnissen, Erfahrungen und Präferenzen, aber auch mit den technologischen Möglichkeiten unserer Zeit.
Wer „Zeit hat“, hat auch Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung – und daraus ergibt sich Verantwortung.
Ich danke Dir sehr, dass Du Deine Zeit dialogisch, wissenschaftlich aufklärend, fediversal und also sinnvoll für ein besseres Morgen einbringst, lieber Peter!
@Kapital
Solange Waren und Investitionen real sind, und wachsen, sehe ich noch kein wirkliches Problem. Irgendwem muss das ja alles gehören.
Den Konsum weiter steigern mag hier bei uns nicht viel Sinn haben, für die meisten Menschen dieser Welt allerdings durchaus.
Und auch wenn Rechenzentren und Roboter noch einen Wachstumsschub bringen, warum nicht? Auch Investitionen in grüne Technik können nur Leute besitzen, die das Geld dafür haben. Die anderen können grüne Technik nur mieten bzw. mit Geld von solventen Kreditgebern finanzieren.
Dennoch finde ich ein Ende dieser Entwicklung hochinteressant. Ich vermute durchaus, dass das nur ohne Kollaps der Kapitalmärkte funktionieren kann, wenn sich weltweit der Fiskus zunehmend an Kapitalertrags- Vermögens- und Erbschaftssteuern bedient, und die Kapitalzuwächse, die nirgendswo mehr angelegt werden können, einfach abschöpft und unter die Leute verteilt.
Je früher desto besser, umso weniger müssen wir im Exportfizeweltmeisterland arbeiten, und hätten dann auch endlich Luft für wieder mehr Nachwuchs. Das wäre dann auch Zukunft.
Es werden sich dann auch niedrigere Zinsen ergeben, und so manch ein Besitz verliert seinen Wert, und verfällt einfach. Also etwa Investitionen in Öl- und Gasförderanlagen oder auch Immobilienwerte in sich immer mehr ausweitenden Schrumpfungsregionen.
Also irgendwie sehe ich hier mehr Perspektiven als Katastrophen.
Die entsprechenden Menschen, die jetzt noch voll im Geldrausch sind, werden es auch überleben. Und die sind ja auch nicht doof, immerhin haben die es ja zu viel gebracht.
Ja, @Tobias – in ganz vielem kann ich Deinen hoffnungsfrohen Erwartungen durchaus folgen und glaube ja auch, dass die Menschheit in Solarpunk-Arche-Regionen überleben wird.
Gleichwohl sehe ich schon das Problem, dass sich Menschen schlecht auf Hitze anpassen können – und dass Europa von der globalen Erhitzung doppelt so stark wie der globale Durchschnitt betroffen ist. Und Gebirgsregionen wie der EUSALP-Alpenraum wiederum stärker.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/auch-die-alpen-zerbroeckeln-wie-die-klimakrise-zur-wasserkrise-wird/
Hier eine schöne Zusammenfassung von Felo.ai zur schnelleren Erhitzung Europas:
Europa erwärmt sich seit den 1980er Jahren etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt [1][3]. Während die globale Temperatur um etwa 0,26 Grad Celsius pro Jahrzehnt steigt, verzeichnet Europa einen Anstieg von rund 0,5 Grad Celsius im selben Zeitraum [4]. Für diese beschleunigte Erwärmung gibt es mehrere wissenschaftliche Gründe, die eng miteinander verknüpft sind.
## Der Albedo-Effekt und die Nähe zur Arktis
**Schwindende Schnee- und Eisflächen**
Durch die steigenden Temperaturen schmelzen Gletscher (beispielsweise in den Alpen) und die winterliche Schneedecke in Nord- und Osteuropa geht zurück [5][9]. Wo früher helles Eis und weißer Schnee das Sonnenlicht zurück ins All reflektierten (hohe Albedo), liegt nun dunklerer Boden oder offenes Wasser frei [5][23]. Diese dunklen Oberflächen absorbieren die Sonnenstrahlung und heizen sich – und damit die darüber liegende Luft – weiter auf [5][23]. Dieser Rückkopplungseffekt beschleunigt die Erwärmung massiv.
**Einfluss der Arktis**
Europa grenzt direkt an die Arktis, die sich wiederum drei- bis viermal so schnell erwärmt wie der Rest der Welt [11]. Die dortige starke Erwärmung (Arktische Verstärkung) wirkt sich direkt auf das europäische Klima aus [8][11].
## Veränderungen des Jetstreams und der Luftzirkulation
**Blockierende Wetterlagen**
Der Klimawandel beeinflusst den Jetstream, einen starken Höhenwindstrom, der normalerweise kühle Atlantikluft nach Europa bringt [5]. Durch die Erwärmung wird dieser Windstrom instabiler [5]. Es kommt häufiger zu sogenannten „Doppel-Jet“-Zuständen, bei denen Tiefdruckgebiete nach Norden abgelenkt werden [5].
**Anhaltende Hitzewellen**
Als Folge etablieren sich über Europa vermehrt stabile, langanhaltende Hochdruckgebiete im Sommer [4][9]. Diese blockieren kühlende Winde und Regen, wodurch sich extreme Hitze über dem Kontinent staut [4][9].
## Das Paradoxon der saubereren Luft
**Weniger Aerosole in der Atmosphäre**
Seit den 1980er Jahren wurden in Europa strenge Gesetze zur Luftreinhaltung erlassen, was die Luftverschmutzung durch Ruß, Schwefeldioxid und andere Partikel (Aerosole) drastisch reduziert hat [5][9]. Obwohl dies ein großer Erfolg für die Gesundheit und die Umwelt ist, hat es einen unerwarteten Nebeneffekt auf das Klima [5].
**Mehr direkte Sonneneinstrahlung**
Aerosole wirken in der Atmosphäre wie ein Schutzschild, da sie Sonnenlicht reflektieren und zur Wolkenbildung beitragen [9]. Da die Luft in Europa heute deutlich sauberer ist, bilden sich weniger reflektierende Wolken [9]. Dadurch gelangt mehr ungefilterte Sonnenstrahlung auf die Erdoberfläche und heizt den Kontinent zusätzlich auf [5][9].
## Der Land-Ozean-Kontrast
**Schnellere Erwärmung von Landmassen**
Landflächen erwärmen sich prinzipiell wesentlich schneller und stärker als Ozeane, da Wasser Wärme viel tiefer und effizienter speichern kann [4]. Da Europa eine zusammenhängende Landmasse darstellt (im Gegensatz zu den riesigen Ozeanflächen der Südhalbkugel), machen sich die globalen Treibhausgaseffekte hier besonders rasch und intensiv bemerkbar [4].
[1] http://klimainformationssystem.bayern.de/aktuelles/EU-Klimabericht_2023
[2] https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimawandel/zu-erwartende-klimaaenderungen-bis-2100
[3] https://www.meteoschweiz.admin.ch/ueber-uns/meteoschweiz-blog/de/2023/06/europa-im-jahr-2022.html
[4] https://www.fr.de/panorama/entwicklung-beim-temperaturanstieg-europas-klima-forscher-entdecken-besorgniserregende-zr-93842538.html
[5] https://www.dw.com/de/klimawandel-europa-erwaermung-hitzewelle-arktis-rekordhitze-v2/a-77333587
[6] https://klimareporter.de/europaeische-union/europa-erwaermt-sich-besonders-schnell-millionengewinne-fuer-oel-und-gaskonzerne-allianz-fuer-den-fossilen-ausstieg
[7] https://wegcenter.uni-graz.at/de/neuigkeiten/klimawandel-in-europa/
[8] https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Europa_erw%C3%A4rmt_sich_am_schnellsten_(einfach)
[9] https://orf.at/stories/3428275/
[10] https://www.reddit.com/r/Tagesschau/comments/1syv9oo/europa_erw%C3%A4rmt_sich_schneller_als_alle_anderen/
[11] https://www.stern.de/panorama/wissen/klimawandel-in-europa–warum-erhitzt-sich-der-kontinent-so-rasant–34598288.html
[12] https://www.wetter.com/videos/kolumnen/warum-sich-europa-schneller-erhitzt-als-der-rest-der-welt/65f2e1370b0067adde00d253
[13] https://www.welthungerhilfe.de/informieren/themen/klimawandel
[14] https://climate.ec.europa.eu/climate-change/causes-climate-change_de
[15] https://www.weltderwunder.de/warum-erwaermt-sich-europa-so-schnell/
[16] https://www.tagesschau.de/wissen/klima/negativ-rekord-klima-zustand-100.html
[17] https://www.klimafakten.de/kommunikation/europa-2050-sechs-videominuten-wie-der-klimawandel-unseren-kontinent-veraendern-wird
[18] https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung
[19] https://www.zdfheute.de/wissen/klima-europa-rekordhitze-sorge-bericht-100.html
[20] https://www.mpg.de/klima
[21] https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimawandel/klimawandel_node.html
[22] https://www.zdfheute.de/wissen/erderwaermung-klima-studie-100.html
[23] https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Klima%C3%A4nderungen_in_Europa
[24] https://www.mpg.de/25089108/klimawandel-extremereignisse-klimasensitivitaet
@ Jeckenburger
Wenn man Besitz und Eigentum wie Sie denkt, dann kommt man zu diesem Schauch.
Wenn man Bürgergeld bzw. Grundsicherung bezieht und damit klar kommt, dann lässt sich leicht ‚philosophieren‘.
Wenn man jedoch mehr versorgen muss als sich selbst, ohne Selbst-/Eigenverantwortung,dann ist es doch etwas anstrengender,oder?
„Zwangsarbeitende“? Echt jetzt? Furchtbar. Ja, das Elend der Menschen macht betroffen.
Aber dennoch… das nervt!
Kann ich verstehen, @Heinz Wittel
Nur „nervten“ Vorsitzende ja auch nicht. Und da es hier ja auch um Zwangsarbeiterinnen geht, habe ich mich für die kürzere Form entschieden. Den Stern * und das Binnen-I (ZwangsarbeiterInnen) fühlten sich für mich nicht gut an, der Doppelpunkt ging so.
Sprache entwickelt sich und generell bevorzuge ich kürzere und prägnantere Formen. Das ist die Freiheit, die ich mir nehme. 😌📚✅
Vielen Dank für diesen wichtigen und mutigen Beitrag. Die Verbindung zwischen industrieller Landwirtschaft und Ausbeutung wird in der öffentlichen Debatte oft vergessen. Bitte schreiben Sie weiter solche aufklärenden Artikel!
Vielen Dank, @Felix Naturfreund 🙏
Ja, ich bin noch „Generation Text“ und schreibe entsprechend gerne Blogposts, Artikel & Bücher.
Obwohl das andere besser können, produziere ich hin und wieder aber auch Videos auf meinem Solarpunk – YouTube – Kanal.
Hier etwa ein Vortrag von mir zu erneuerbaren Friedensenergien und Mitweltschutz gegenüber dem fossilen Faschismus bei Engagierten der Naturschutzjugend (Najus):
https://youtu.be/KYTJTAKZDDA
Auch für mich selber gilt: Niemand kann alles, aber alle können etwas.
Eigentlich müsste den ärmeren Menschen nur bewusst werden.
dass sie eine solide, demokratische Dreiviertel-Mehrheit haben,
und dass sie jederzeit armen-freundliche Gesetze durchsetzen können.
Die Zielvorstellung, dass man reicher als der Nachbar sein muss,
ist dabei nur störend.
Vielen Dank & ja, @Karl Bednarik – würden sich die ärmeren Menschen weltweit und innerhalb ihrer Nationen politisch solidarisieren, so könnten sie ein effektives Steuerrecht auch gegenüber Überreichen durchsetzen.
Und wenige wissen, dass die Vermögenssteuer für die Länder sogar ausdrücklich im deutschen Grundgesetz vorgesehen ist, Artikel 106 GG:
https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_106.html
Warum also geschieht diese Solidarisierung so selten? Und warum finde ich es so wichtig, an den aus Indien stammenden Satnam Singh zu erinnern?
Beides hat den gleichen, medienpsychologischen Grund: Wir Menschen fühlen stärker mimetisch als vernünftig. Wir werden also meistens die Ziele der Personen übernehmen, die uns medial präsentiert werden.
Rechtsdualisten wie Donald Trump und Elon Musk, aber auch fossil finanzierte Terrororganisationen wie Hamas und Hisbollah haben dies verstanden und drängen auf maximale Medienpräsenz.
Dagegen hat selbst die steigende Zahl Medien – affiner Demokratinnen und Demokraten noch das Problem, dass sie über algorithmische Konzernmedien fast nur die je eigenen Parteiblasen bespielen.
Deswegen engagiere ich mich bewusst & dialogisch im Fediversum.
Und merke auch, dass der Verzicht auf algorithmische Thymotisierung die Lebenszufriedenheit und das Nachdenken fördert.
Was bedeutet in einfacher Sprache
algorithmische Konzernmedien und
algorithmische Thymotisierung?
Danke für die Nachfrage, auf die ich gerne eingehe, @Karl Bednarik
Ein Algorithmus beschreibt eine programmierte Folge von Entscheidungsschritten im Gegensatz zu menschlichen Entscheidungen. So werden die Drunter-Kommentare (Drukos) unter „Natur des Glaubens“ von mir als Mensch moderiert, nicht von einem Algorithmus.
„Algorithmische Konzernmedien“ werden oft auch als „soziale Medien“ bezeichnet. Es sind Internet-Plattformen im Konzernbesitz, deren Posts durch Algorithmen verbreitet und gesteuert werden, wie TikTok, Instagram, Facebook usw.
Diese Algorithmen sollen die Aufmerksamkeit der Nutzenden fesseln und stehen daher wegen Suchtgefahren und Radikalisierung zunehmend in der Kritik:
Soziale Netzwerke wie Instagram, Facebook oder Tiktok sind sehr raffiniert darin, Nutzer an sich zu binden oder gar süchtig zu machen. Das gelingt ihnen etwa mit stark personalisierten Empfehlungen oder indem sie die User mit automatisierten Videos berieseln.
https://www.nzz.ch/wirtschaft/ursula-von-der-leyen-fordert-tiktok-facebook-oder-instagram-sollen-beweisen-dass-sie-fuer-jugendliche-ungefaehrlich-sind-ld.10015251
Das Gegenstück zu den algorithmischen Konzernmedien bilden von den Nutzenden selbst organisierte Medien im Fediversum wie Mastodon, Wikipedia, Blogs und Podcasts.
“Algorithmische Thymotisierung“ bezieht sich auf die schon antike Unterscheidung zwischen Logos = Vernunft & Weisheit und Thymos = Empörung, Wut, Streben nach Ruhm.
„Soziale Medien“, deren Algorithmen die Nutzenden gezielt an sich binden, aufregen, ja süchtig machen, betreiben algorithmische Thymotisierung.
In einem Satz: Algorithmische Konzernmedien betreiben algorithmische Thymotisierung. Und das halte ich für sehr gefährlich – auch, aber nicht nur bei Jugendlichen.
@Mussi 12.07. 23:21
„Wenn man jedoch mehr versorgen muss als sich selbst, ohne Selbst-/Eigenverantwortung,dann ist es doch etwas anstrengender,oder?“
Deswegen wäre es ja hilfreich, wenn Vermögende mehr Steuern zahlen und Lohnsteuern und Abgaben weniger würden.
@Michael 13.07. 08:07
„würden sich die ärmeren Menschen weltweit und innerhalb ihrer Nationen politisch solidarisieren, so könnten sie ein effektives Steuerrecht auch gegenüber Überreichen durchsetzen.“
Das übliche Totschlagargument ist ja, dass dann Investoren abwandern. Und die Arbeitslosigkeit steigt. Das will dann keiner.
Allerdings dürfte es klar sein, dass man sich trotzdem auf den Weg machen kann. Wenn erst mal überall ähnlich hohe Vermögenssteuern fällig werden, dann kann denen kein Investor mehr ausweichen.
Und gerade wir in Deutschland haben einen Außenhandelsüberschuss von 200 Mrd Euro jährlich. Und setzten damit nebenbei noch unsere europäischen Partner unter Druck. Wir könnten durchaus mit Vermögenssteuern anfangen. Wenn dann ein Teil der Produktion woanders innerhalb der EU verlagert wird, ist das auf jeden Fall schon mal gut für ganz Europa.
Das bremst dann sowohl Zuwanderung in unsere überlaufene Städte wie die Abwanderung aus vielen Regionen in der EU.
Und wenn die kleinen Leute alle weniger Steuern zahlen, kann sogar noch der Konsum dabei steigen. Oder, wer das gar nicht braucht, der kann auch weniger arbeiten. Und mehr Luft für Nachwuchs wäre gleich mit dabei.
Im Laufe der Zeit können alle EU-Länder mit eigenen Kapitalsteuern nachlegen. Und wenn die Welt sieht, dass es uns damit besser geht, dann eben auch weltweit.
Vielen Dank & ja, @Tobias – eine Vermögenssteuer ist im deutschen Grundgesetz, Artikel 106, gemeinsam mit der Erbschaftssteuer für die deutschen (Bundes-)Länder vorgesehen.
https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_106.html
Nach meiner Auffassung muss sie damit nicht erhoben werden. Ein Verzicht auf die Vermögenssteuer bei gleichzeitiger Schwächung der Erbschaftssteuer führt jedoch nach meiner Auffassung zu einer erheblichen Spaltung der Gesellschaft in Erbende und Nichterbende und treibt die Demokratie in Richtung Inheritokratie (Erbengesellschaft).
Dieser Effekt wird nach meiner Einschätzung klar durch die Demografie in Deutschland und Europa verstärkt: Immer weniger Kinder erben immer mehr.
Es widerspricht nicht nur dem Gerechtigkeitsempfinden, sondern auch den Werten des Grundgesetzes und schließlich der volkswirtschaftlichen Logik zutiefst, wenn das jeweilige Leben und Wohlstandsniveau praktisch schon im Moment der Geburt bestimmt sind.
Eine Folge davon, Du hattest es angesprochen, ist der Rückgang der Binnen-Nachfrage, wobei ich da noch über „Konsum“ hinausgehen würde: Wer reich erbend geboren ist, wird seltener Kredite für Konsum und Investitionen benötigen – und wer arm geboren ist, wird sie seltener erhalten. So erlahmen wirtschaftliche Leistungsanreize und die Wirtschaftstätigkeit.
Millionen Menschen verbleiben so auch in der fossilen Falle, können sich beispielsweise schwerlich Solaranlagen, Batteriespeicher und Elektroautos leisten.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/blume-ince-55-die-selbstzerstoerung-des-fossilismus-die-abzocke-in-der-fossilen-miet-und-armutsfalle/
Ich beobachte, dass der Fossilismus vor allem auf sozialstaatliche Einsparungen sowie eine Besteuerung von Arbeitseinkommen drängt, wogegen die soziale und ökologische Marktwirtschaft auch Kapitalvermögen und Erbschaften für die gemeinsame Zukunft heranziehen möchte.
Im Kern geht es um die Frage um die Externalisierung von Kosten – haben sich auch Überreiche an der Stabilisierung von Mitmenschen und Mitwelt zu beteiligen, oder werden immer mehr Ärmere der Klima-, Hitze- und Wasserkrise ausgeliefert, weil sie sich keine Anpassung (Klimaanlagen, sichere Wohnungen, erneuerbare Wohlstandsenergien, Wissen etc.) leisten können?
@Michael 13.07. 00:26
„Gleichwohl sehe ich schon das Problem, dass sich Menschen schlecht auf Hitze anpassen können – und dass Europa von der globalen Erhitzung doppelt so stark wie der globale Durchschnitt betroffen ist. Und Gebirgsregionen wie der EUSALP-Alpenraum wiederum stärker.“
Die Hitzeschäden sind erheblich, ja. Aber immerhin jeder 4. Deutsche hat schon eine Klimaanlage. Und wenn die gebraucht wird, gibt es mehr PV-Ertrag als sonst. Das dürfte von dieser Seite her einfach sein.
Viele, die unterm Dach in Innenstädten wohnen und sehr knapp bei Kasse sind, haben allerdings in der Tat ein teils lebensgefährliches Problem. Das ist sehr viel mehr als nur unangenehm.
Dennoch stehen 10.000 Hitzetoten in ganz Europa in der letzten Rekordhitzewelle eine Übersterblichkeit von um die 15.000 im Winter allein in Deutschland gegenüber. Meine ich mich aus der Coronazeit zu erinnern. Hauptsächlich durch Grippe und Ähnliches.
Entsprechend nicht unlogisch, man stelle sich vor, im europäischem Winter überhaupt keine Heizung zu haben. Das wäre 5 oder 10 mal schlimmer als keine Klimaanlage im Sommer. Und das wäre auch alles andere als gesund.
Natur und Landwirtschaft leiden für sich auch noch, Niedrigwasser sind ein Problem, und Hochwasser ebenso. Gerade in Europa.
Lieben Dank & ja, @Tobias – wobei ich eine Sache anders sehe: Ich glaube nicht, dass wir Hitze- und Kältetote gegeneinander aufrechnen können. Ebenso sterben ja bereits jetzt weltweit immer mehr Menschen an Dürren UND Hochwassern, auch in Deutschland war gerade der Jahrestag der Ahrtal-Flusskatastrophe.
Im Kern geht es darum, welche Menschen sich eine Anpassung an die zunehmenden Extremwetter leisten können – und welche nicht.
Die vor allem von fossilen Reichen als Treibhausgase externalisierten Kosten schlagen nun auf die Menschheit insgesamt zurück. Ganze Landstriche zum Beispiel im Irak oder auch in Sizilien werden schon jetzt unbewohnbar, was auch volkswirtschaftliche Werte wie Immobilien, Felder und Investitionen vernichtet.
Auch Erntehelfende wie Satnam Singh, aber auch Abertausende in Deutschland werden ausgebeutet und kaum geschützt. Und damit will ich mich weder als Konsument noch als Bürger, nicht als Christ und Mitmensch abfinden.
@Michael 14.07. 07:56
„Ich glaube nicht, dass wir Hitze- und Kältetote gegeneinander aufrechnen können.“
Die Toten auf keinen Fall. Wenn der eine Winter sehr mild ist, kommt die Grippewelle im nächsten Winter umso stärker. Das Winterwetter ist hier nur Auslöser, Ursache ist die Evolution der Viren.
Aber die Heiz- und Kühlkosten kann man in der Tat gegeneinander aufrechnen. Der zusätzliche Strom für die Klimaanlagen wird mit weniger Heizungsaufwand in milderen Wintern durchaus ausgeglichen.
Und wer sich die Wärmepumpe gleich mit integrierter Kühlfunktion leisten kann, zahlt dafür wenig zusätzlich. Insbesondere wenn die Wärmepumpe über Bodensonden funktioniert, ist eine großzügige Kühlung mit sehr wenig Stromaufwand zu machen.
Das gilt auch für Fernwärmenetze, die eine Großwärmepumpe integriert haben, die können auch Fernkälte anbieten.
Und wenn das alles über Bodensonden funktioniert, entsteht in den dicht bebauten Innenstädten auch keine zusätzliche Abwärme. Im Gegenteil, wenn da alle ans Fernkältenetz angeschlossen sind, könnte das die ganze Siedlung ein wenig kühlen.
„Im Kern geht es darum, welche Menschen sich eine Anpassung an die zunehmenden Extremwetter leisten können – und welche nicht.“
Das macht die eigentlichen Unterschiede, in der Tat.
Dennoch hätten es die Menschen in vielen Wüstengegenden eigentlich leichter. Die brauchen nicht nur keine winterliche Heizung, und auch kein Saisonales Backup dafür. Dagegen haben die aber bis zu mehr als den doppelten PV-Ertrag, und den noch gleichmäßig über das Jahr verteilt.
Sich da mit mit einer eigenen Klimaanlage oder Fernkältenetzen zu versorgen, dürfte deutlich billiger sein, als der Aufwand für Heizung in Mitteleuropa. Wenn man dann noch mit sehr viel weniger Wohnfläche auskommt, wird das dann gar nicht mehr soo teuer. Und den billigen PV-Strom kann man auch sonst sehr gut brauchen. Der bietet da überall echte Perspektiven, meine ich.
„Und damit will ich mich weder als Konsument noch als Bürger, nicht als Christ und Mitmensch abfinden.“
So viel konkreten zusätzlichen Spielraum sehe ich für mich derzeit nicht. Und ich wohne in einer recht kühlen Erdgeschosswohnung, das geht hier noch mit der Hitze.
Mein Vermieter hätte allerdings Spielräume. Wir haben hier ein riesengroßes ungenutztes Süddach. Oder es müsste lokale Energiegenossenschaften geben, die PV auf allen geeigneten Dächern installiert und zu möglichst kleinen Durchleitungsgebühren direkt in der Nachbarschaft verkaufen darf.
Fernheizung kommt hier in 4 Jahren sowieso, ob auch mit Fernkühlung, weis ich nicht. Das wäre für viele hier in den oberen Etagen aber eine Wohltat.
@ Blume
Das mit der Empathie mit Betroffenen hätten Sie sich sparen können.
Ich habe zu Lasten des Gewinns immer darauf geachtet, dass Mitarbeiter entsprechend entlohnt werden und Zufriedenheit über Geld erreicht wird.
Hat nicht jeden überzeugt.
Und, es ist das Elend des Systems, dass man es über Empathie auch noch füttert…
Und im Discounter einkauft, die es fast nur noch gibt. Stichwort Heuchelei!
Nein, @Mussi – ich bin nicht bereit, Empathie mit Betroffenen wie Satnam Singh als „einzusparen“ oder gar als „Heuchelei“ abzutun.
Wenn Sie Ihr Berufsleben und das bisherige System so deuten wollen, dann ist das schade. Aus meiner Sicht ist der Empathie-adverse Fossilismus als System tatsächlich an der Externalisietung seiner Kosten auf Mitwelt und Mitmenschen gescheitert, ein post-fossiles Gesellschafts- und Wirtschaftssystem erst im Entstehen.
Das meiste können wir allenfalls erahnen, aber zu wenigem bin ich mir schon sehr sicher. Darunter das: Die Kulturen dynamischer Solarpunk-Arche-Regionen werden auch von Empathie geprägt sein.
Jedes Ideal scheitert an Überleben, versorgt sein und Egoismus und ich bin es.
@Mussi
Woher wollen Sie das wissen?
Das Ideal der allgemeinen Menschenwürde hat immer wieder schlimme Niederlagen erlitten – und wurde auch deswegen immer wieder neu entdeckt und gelebt.
Das Versumpfen im eigenen Weltschmerz gehört in den egozentrischen Relativismus. Diesen wird es wohl immer und immer wieder geben – aber ich sehe nicht, dass er uns bis hierher gebracht hätte und das Ende der Geschichte darstellt.
Darf man die Mimesis in der einfachen Sprache
als die Nachahmung eines Vorbildes bezeichnen?
Fast, @Karl Bednarik – bei der Mimesis geht es um die Nachahmung von Zielen, bei der Imitatio um die Nachahmung von Verhalten.
Konkretes Beispiel: Wenn Ihnen eine Werbe-Ärztin im Fernsehen die neueste Zahnpasta präsentiert, geht es nicht darum, dass Sie Medizinerin werden wollen (Imitatio am Vorbild). Sondern Sie sollen „gesunde, weiße Zähne“ und also die Zahnpasta anstreben (Ziel-Mimesis am Vorbild).
Es ist ein kleiner, aber psychologisch mächtiger Unterschied im Hinblick auch auf die weltweit bekanntesten Vorbilder:
Die wenigsten Christen wollen selbst mit Anfang 30 gekreuzigt werden (Imitatio), sondern als mimetisch Nachfolgende das Ziel Jesu – die Gottes- & Nächstenliebe – übernehmen (Mimesis). Deswegen dürfen auch Päpste älter werden als Christus.
Vertiefend dazu gerne auch „Medien & Mimesis“ bei Herder Korrespondenz:
https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2025/10-2025/medien-und-mimesis-journalismus-in-zeiten-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/
Vielen Dank für Ihr nachfragendes Interesse! 🙏🙌
@Mussi 14.07. 18:44
„Und, es ist das Elend des Systems, dass man es über Empathie auch noch füttert…Und im Discounter einkauft, die es fast nur noch gibt. Stichwort Heuchelei!““
Dass landwirtschaftliche Produkte so billig eingekauft werden können, liegt nicht an den Discountern allein. Dazu braucht es auch noch eine gewisse Überproduktion. Und die EU versucht seit etlichen Jahren, genau diese Überproduktion abzubauen.
Aber die Bauern selber sind es, die dagegen die meisten Widerstände mobilisieren. Offenbar verstehen die die Logik des Marktes einfach nicht wirklich. Die denken, je mehr wir produzieren, desto besser, wollen dafür dann aber subventionierte Preise.
Was natürlich die Überproduktion weiter anheizt, und letztlich noch für die EU teuer wird, wenn sie die Überschüsse zu Schleuderpreisen im EU-Ausland loswerden muss.
Einfach Flächen stilllegen, weniger Dünger und Pestizide verwenden, ökologischer wirtschaften und auch in der Fleischproduktion mehr auf Tierwohl und weniger auf Masse zu setzen, wären jetzt alles wirkliche Lösungen. Oder auch Anbaumethoden fördern, die Kohlenstoff im Boden fixieren.
Wenn sich das Angebot mäßigen würde, steigen auch gleich wieder die Preise, auch für die Discounter, die ja letztlich auch in funktionierender Konkurrenz untereinander stehen. Sehr zum Vorteil von uns Kunden übrigens.
Profitieren vom derzeitigen System tun nur die wirklich großen Bauern, und die freuen sich zusätzlich über billiges Land, dass sie von den kleinen Bauern, die Pleite gehen, dann billig kaufen können.
Dieser Unsinn läuft seit mindestens 50 Jahren, und die Bauern verstehen anscheinend einfach nicht die Logiken der Marktwirtschaft.
Wer im Hofladen einkaufen kann, hilft natürlich ganz konkret dem lokalen Bauern. Flächendeckend geht das allerdings kaum. Das kann sich wiederum auch nicht jeder leisten.
Weniger Überproduktion braucht es, alles andere hilft nicht. Das kann man drehen und wenden wie man will.