Schule und Chronobiologie – Gönnt den Jugendlichen endlich mehr Schlaf!

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Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler kennt das Problem: Auch dann, wenn Erkenntnisse mehrfach überprüft und interdisziplinär (weitgehend) abgesichert sind, bedeutet das noch lange nicht, dass sich diese dann auch in Gesellschaft und Politik durchsetzen würden. Und eine Öffentlichkeit, die unkritisch jedem wissenschaftlichen Trend hinterherläuft, kann ja auch niemand wollen.

Und doch empfinde ich es als ärgerlich und frustrierend, wie langsam sich die interdisziplinären (biologischen, psychologischen, pädagogischen usw.) Befunde der Chronobiologie in unseren Konzepten von Jugend & Schule durchsetzen. Auch in der aktuellen (August 2015-)Ausgabe von Gehirn & Geist findet sich ein hervorragender Überblicksartikel von Stefanie Reinberger “Acht Uhr ist zu früh zum Lernen”.

GehirnundGeistZuwenigSchlaf2015

Screenshot zum lesenswerten Chronobiologie-Artikel der Gehirn & Geist-Ausgabe August 2015.

Reinberger, promovierte Biologin und Wissenschaftsjournalistin, stellt darin den schon klassischen Befund dar, nach dem Menschen zu unterschiedlichen Schlaftypen veranlagt sind – den eher frühschlafenden und -aufstehenden “Lerchen” und den eher spätschlafenden und -aufstehenden “Eulen”. Darüber hinaus zeigt sie auf, wie sich die Schlafzyklen im Lebenslauf (durchschnittlich) verändern – gerade im Jugendalter werden Menschen (und auch verwandte Jungprimaten!) deutlich “euliger”, finden also erst später in den Schlaf und morgens schwerer aus den Federn. Das ist ein auch (chrono-)biologisch veranlagtes Verhalten, das also nicht einfach durch “ein bißchen guten Willen” ausgeglichen werden kann!

Nun hat sich das frühe, deutsche Schulsystem ursprünglich vor allem an den Bedürfnissen von Familien entwickelt, deren Kinder auf den Höfen und in den Fabriken mitarbeiten mussten – daher der frühe Schulbeginn und “freie” Nachmittag sowie die (über-)langen Sommerferien. Und weil sich die Gewohnheiten von Familien und auch Lehrkräften darauf eingestellt haben, sind Reformen schwer durchzusetzen. Dennoch besteht dringender Handlungsbedarf, denn:

Der frühe Schulanfang ist für die meisten Jugendlichen eine Qual – und beeinträchtigt Lebensfreude und Lernleistungen!

Mit dem sehr frühen Schulanfang und zusätzlich noch dem Trend zu spezialisierten (und also mit oft nur weiten Wegstrecken erreichbaren) Schulen zwingen wir die meisten unserer Jugendlichen, auf Dauer gegen ihre “innere Uhr” anzuleben. Zu den Folgen gehören nicht nur Dauer-Müdigkeit und Niedergeschlagenheit bis hin zu Depressionen, sondern auch mangelnde Lernerfolge und Lernfreude. Jahr für Jahr werden Abertausende Schulstunden über müden Teenagern ausgegossen, die davon entsprechend weniger behalten und sich zudem weniger begeistern können – wie es bei identischem Angebot nur wenige Stunden später der Fall wäre!

Ich halte dies nicht nur für eine völlig unnötige Schikane an der jungen Generation, sondern auch für eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen. Unsere Gesellschaft hat immer weniger Kinder, die wir zugleich mit immer mehr Erwartungen und Ansprüchen belegen. Daher sollte es meines Erachtens selbstverständlich sein, dass wir endlich die Erkenntnisse der Wissenschaft beachten, den Schulanfang in den Mittel- und Oberstufen so weit wie möglich nach hinten legen, mehr Ganztagesangebote (ohne Hausaufgaben am Abend) einzurichten und der jungen Generation damit mehr Lebensfreude und auch Lernerfolge zu “gönnen”.

Deswegen sind Schulen, Schulträger, Öffentlichkeit, Politik und Medien gefordert, hier tätig zu werden und die Weichen dafür zu stellen, dass wir uns wirklich eine “Wissensgesellschaft mit Zukunft” nennen dürfen.

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

35 Kommentare

    • Und wieder mal darf ich Vorurteile widerlegen… (diesmal nicht gegen Muslime, Juden, Zuwandernde oder Frauen, sondern gegen Beamte. Gibt es eigentlich irgendeine Menschengruppe, die Sie mögen? 😉 )

      In manchen Ländern – wie z.B. Baden-Württemberg – arbeiten Beamte ausdrücklich länger als Angestellte, z.B. 41 Stunden pro Woche.
      http://www.beamten-informationen.de/information/arbeitszeit/regelmaessige_arbeitszeit

      Allerdings hat der öffentliche Dienst tatsächlich wo immer möglich Gleitzeitregelungen eingeführt: Bedienstete können also auch auf ihre chronobiologischen Rhythmen achten und schätzen dies oft sehr.

      Die Frage ist, warum wir dieses Recht nicht auch unseren Heranwachsenden zugestehen, von denen wir ja auch zunehmend viel erwarten… Ich finde, erhöhte Lebenszufriedenheit und auch Leistungskraft der Jugendlichen sollten uns ein paar ernsthafte Überlegungen wert sein.

  1. Das geht tief in die deutsche Mentalität hinein , nirgendwo glaubt man so fest daran , ein guter Mensch zu sein , wenn man früh aufsteht.

    • Naja, @DH – auch in Deutschland haben sich in vielen Berufen Gleitzeitregelungen etablieren können. So können Erwachsene ihre Arbeitstage auch auf ihre (Chrono-)Biologie abstimmen, nur bei den Jugendlichen bleiben wir 19. Jahrhundert…

      • @Michael Blume

        Ich fürchte , wir bleiben auch in vielen Betrieben im 19.Jhd. , in vielen Branchen könnte auch sehr viel später angefangen werden , ohne daß bisher Gleitzeit ermöglicht wird.
        Und immer das selbstgerechte Gequatsche der frühen Arbeitnehmer , als ob sie sowas wie Superhelden wären.
        Nur in Deutschland ist es denkbar , daß es ein ganzes Bundesland gibt , das das Frühaufstehen stolz vor sich her trägt und nicht merkt , wie man sich damit zum Volltrottel macht , “Sachsen-Anhalt , das Land , das früher aufsteht”.

  2. Vergeblicher Text. Sie verkennen die Tatsache, dass praktische alle Lehrer “Lerchen” sind. Die werden das niemals ändern.

  3. Ein starker Kommentar mit starken Forderungen! Wenn ich so etwas lese, fühle ich mich immer an meine Jugendzeit erinnert.
    Nach den damaligen wissenschaftlichen Erkenntnissen galt es als lebensgefährlich – mehr als ein Ei pro Woche zu essen – das Cholesterin bringt Dich um! Heute wissen wir, dass diejenigen Menschen, die den wissenschaftlichen Empfehlungen gefolgt sind,ihrer Gesundheit geschadet haben. Meiner Meinung nach, sollte man nicht jeder wissenschaftlichen Erkenntnis vertrauen.

    Und zur Gehirn-/Verhaltensforschung: Ich habe schon mehrmals darauf hingewiesen, dass ausgerechnet dieser Wissenschaftsbereich seit mittlerweilen 40 Jahren beim Thema ´Nahtod-Erfahrungen´(NTEs) völlig versagt hat. Empfehlungen solcher Wissenschaftler sollten daher mit Vorsicht betrachtet werden.

    Bevor das Thema ´NTE´ hier wieder einmal als mein ´Privathobby´ bezeichnet wird, möchte ich nochmals auf aktuelle Forschungsergebnisse hinweisen. ´Außerkörperliche Erfahrungen´(AKEs) lassen sich bei gesunden Menschen innerhalb von Sekunden bei gesunden Menschen im Gehirnscanner erzeugen und VERMESSEN.
    ( Quelle: http://www.sciencedaily.com/releases/2015/04/150430124107.htm ´Brain scan reveals out-of-body illusion´)
    Weil aber AKEs im Rahmen von NTEs am Anfang, zwischendurch oder am Schluss erlebt bzw. berichtet werden, muss man davon ausgehen – dass die Menschen über den gesamten Erlebnisbereich einer NTE genauso geistig bei Bewusstsein waren, wie die Versuchsteilnehmer des wissenschaftlichen Experiments! ABER – ausgerechnet diese Annahme spielt in der Gehirn-/Gedächtnisforschung überhaupt keine Rolle, um das Phänomen der NTEs zu erklären/beschreiben: seit 40 Jahren!.
    Es geht hier nicht primär um NTEs – sondern es geht darum, dass hier einem ganzen Wissenschaftsbereich (Gehirn-/Verhaltensforschung) seit 40 Jahren eindeutig Fehler in der Arbeitsweise auf dem eigenen Fachgebiet nachgewiesen werden können. Wenn dann ausgerechnet aus diesem Bereich starke Empfehlungen ausgesprochen werden – dann rate ich zur Vorsicht.

  4. ja ne. das ist eine subjektive behauptung subjektiver menschen. ich selbst hatte wirklich NIE ein problem früh aufzuwachen und kenne genug menschen die auch frühausteher sind oder allgemein kein problem damit haben früh aufzustehen. egal ob kind oder erwachsener. und ey, jetzt mal butter bei die fische, ein kind das meckert das es morgens aufstehen muss ist genau wie ein kind das meckert weil es das essen nicht mag das es aufgetischt bekommt. ein ganz normales kind also.

    es hat mir sogar teilweise spaß gemacht. aufstehen, unter die dusche anziehen, noch bischen krimskrams und ab zur schule. meiner meinung nach sollte man lieber die jugendlichen und kinder psyschich abchecken lassen, warum sie morgens einfach nicht aufstehen wollen oder vlt mal bei den eltern gucken was da schief gelaufen ist.

    wirklich, eure behauptung auf eurer eigenen erfahrungen zu stützen und so etwas national gesetztlich zu fordern grenzt schon fast an extrem ausgeprägter geistesgestörtheit. weil du als kind nicht so früh zur schule wolltest, hast du dich also so hart drüber aufgeregt, das es dich sogar bis ins erwachsenenalter verfolgt? wirklich, bitte, versucht mal selbstzureflektieren was da bei euch abgeht sowas ist doch nicht mehr normal jungs!

    aber gut, solange das ernsthaft nur ein zwei personen fordern und der rest der gesellschaft das wieder als kollektiv geistesgestört einstuft, ist ja alles ok:) schreibt gerne weiter. es wird nichts ändern:)

    • @Oz Parker

      Danke, habe über Ihren Kommentar herzhaft geschmunzelt… 😉

      Da Sie “die subjektiven Meinungen subjektiver Menschen” so “geistesgestört” finden, wollte ich nachfragen, wo sich denn Ihrer Meinung nach “objektive Meinungen objektiver Menschen” finden lassen? Und Ihre Zusicherung, dass diese – und nur diese? – dann auch “gesund” seien? 🙂

    • @oz parker

      Jawoll!
      Beim Frühaufstehen hört der Spaß schließlich auf , wird Zeit , daß dieses Langschläfergesindel mal richtig diszipliniert wird.

  5. sie sind offensichtlich kein lehrer, dessen zweite Hälfte des arbeitstages nach unterrichtsschluss beginnt. außerdem ist mit unterricht um 15:00 auch nicht viel her und unterrichtsbeginn um 10:00 bedeutet unterrichtsende um 17:00 zzgl. heimreise.

    • Dass die Lehrer nach Unterrichtsschluss noch korrigieren bzw. Unterricht vorbereiten müssen, hat damit ja nichts zu tun. Wenn der Unterricht statt um 8 Uhr eine Stunde später um 9 Uhr beginnen würde, heißt das ja nicht, dass diese Zeit Däumchen gedreht werden muss… Zwischen 8 und 9 könnten die Lehrer ja trotzdem arbeiten…

      Dass die Schüler am Nachmittag auch müde/unkonzentriert sind ist ein anderer Punkt. Vielleicht wären sie allerdings konzentrierter, wenn der Unterricht erst um 9 oder 10 beginnen würde.

      • @Peter
        “Zwischen 8 und 9 könnten die Lehrer ja trotzdem arbeiten…”
        das würde die LuL systematisch dazu nötigen, abends mit dem unguten Gefühl zu Bett gehen zu müssen für den nächsten Tag noch nicht alles erledigt zu haben.
        Stress haben die eigentlich genung.

  6. Ich war und bin eher der Typ “Lerche”. Nachmittags lässt bei mir die Konzentrationsfähigkeit nach. Deshalb hätte ein späterer Schulbeginn, und damit auch ein späteres Ende, die “Lebensfreude und Lernleistungen” negativ beeinträchtigt.

  7. Für mich liegt der Hauptgrund in der Müdigkeit vieler Jugendlicher am morgen die zu späte Schlafenszeit. Dann sind allerdings wieder die Eltern gefragt, die ihre Kinder unter der Woche spätestens um 21:00 Uhr schlafen schicken müssen. Nicht in ihre mit Unterhaltungselektronik vollgestopften Zimmer, sondern tatsächlich ins Bett. Davon ist in dem gesamten Artikel nicht die Rede.

    • Doch, @xxx – im verlinkten Artikel ist explizit die Rede davon, dass Eulen bei ihrem Schlafrythmus eben nicht einfach früher in den Schlaf finden…

      Und, hmm, ich lehre seit Jahren gerne mal an Universitäten, zählt das als Lehrerfahrung? 😉 Darüber hinaus bin ich mehrfacher Vater – und erlebe die Verschiebungen der Schlafrhythmen nicht nur bei mir, sondern auch bei den Kindern mit…

  8. Ich habe vor einiger Zeit zwei solcher Studien gelesen: Diese hatten den systematischen Mangel den Schlafrhythmus mit dem Tagesrhythmus gleichzusetzen.

    Wenn man zu wenig schläft, dann ist man natürlich müde und lernt schlechter. Jugendliche müssen also länger schlafen. Die Einschlafzeit wurde in den Studien aber einfach fest gehalten, also müsse die Aufstehzeit später sein und die Schule folglich später anfangen. Hierbei wird implizit unterstellt, dass Jugendliche z.B. immer 4 Stunden nach Dämmerung schlafen gehen.

    Gegentheorie: Jugendliche testen ihre eigenen Grenzen aus und bleiben so lange wach, bis es wirklich nicht mehr geht. Mglw. schauen sie spät Filme oder chatten oder SMSen noch mit anderen; lange online zu sein ist cool; nur Streber sind morgens richtig wach, Harte Kerle sind müde. Die Zeit, zu der Jugendliche aus Erschöpfung einschlafen, richtet sich nach der Aufstehzeit und also nach beginn der Schule. Um diese Gegentheorie zu testen, müsste man also z.B. in Berlin alle Schulen ein Jahr lang mal 10:00 Uhr beginnen lassen. Wenn die “Chronobiologie” recht hat, würden sich die Leistungen der Schüler im Mittel verbessern. Wenn die Gegentheorie stimmt, dann verschiebt sich der Tagesrhythmus der Jugendlichen einfach entsprechend nach hinten und alle sind nach einer Übergangszeit wieder genau so müde wie vorher, weil sie dann noch später ins Bett gehen und gleich wenig schlafen.

    • @Lars

      Laut dem verlinkten Artikel gelingt “Eulen” das frühere Einschlafen kaum – wobei kulturelle Artefakte wie elektrisches Licht, TV und Internet sicher auch Auswirkungen haben. Allerdings zeigt sich (laut Artikel) der Eulen-Effekt während des Heranwachsens auch bei Jungtieren, was gegen eine rein kulturelle Wirkung spricht.

      Einige Langzeitstudien mit Später-Schulen laufen, wir dürfen gespannt sein. Würde mir mehr Engagement und Mut dabei wünschen (daher der Blogpost).

  9. Was sagen denn berufstätige Eltern dazu? Sind die an früheren oder an späteren Schul-Anfangszeiten interessiert?

    • Bisher können Schüler aller Altersklassen Bus-/Zugverbindungen in einem gemeinsamen Verkehrssystem benutzen. Trennt man aber eine Gruppe von Schülern ab – mit späterem Schulbeginn, dann funktioniert dieses System nicht mehr. Speziell auf dem Land werden dann Schüler benachteiligt, weil wegen einzelner Schüler kein Extra-Bus fährt.
      Auch dies ist ein Punkt, der Elten nicht gefallen dürfte.

    • Nein, bin ich nicht. Gerade bei jüngeren Kindern ist ja morgens viel Hilfe durch die Eltern erforderlich. Wann bitte soll ich dann im Büro aufschlagen? Um 11? Da wird mir mein Chef was husten. Und wann sollen meine Kinder dann noch ihre Hobbys ausüben? Wann soll Familienleben stattfinden? Denn das Schulpensum und auch mein Arbeitspensum verringert sich ja mit einem späteren Tagesbeginn nicht, sondern verschiebt sich nur. Morgens zum Judo oder in den Reitstall oder zum Geigenunterricht? Ach so, Mist. Geht ja nicht, weil die armen lieben Kleinen ja erst später aufstehen sollen. Und die Geigenlehrerin dann auch selber nicht zur Verfügung stünde.

      Was zig Generationen vor uns nicht umgebracht hat, wird auch unser kostbarer Nachwuchs überstehen, wage ich zu prophezeihen. Studie hin oder her, es gilt noch andere, mindestens ebenso wichtige Faktoren im Leben der Jugendlichen und vor allem ihrer Familie zu berücksichtigen. Es gibt keinen Anspruch auf den perfekt kuschelig gestalteten Alltag, und ich sehe auch absolut keine Notwendigkeit dazu.

      • Das Argument kann ich (selbst ja dreifacher Vater) für Kinder gelten lassen, @Ute – aber nicht mehr für Jugendliche. Die können m.E. sehr gut auch Zeit alleine einteilen oder “zum Judo und in den Reitstall”. Zumindest ging das bei meiner Schwester und mir, mit beidseitig berufstätigen Eltern mit Schichtdiensten & ganz ohne Mensa o.ä., auch. Ich fände es aber unfair, wenn die Erwachsenen für ihre Bedürfnisse den (wenigen) Jüngeren weiter einen nachgewiesen schädlichen Zeitrhythmus aufdrückten… Wir erwarten ja von ihnen später auch Topleistungen, dann sollten wir ihnen ein gesundes und fröhliches Heranwachsen auch gönnen…

        • Jo, dann ist das Familienleben aber ganz zerrissen, wenn der eine früh, der andere spät anfängt und die Eltern sich zerreissen müssen, um allen und ihren Hobbies noch gerecht zu werden. Letzten Endes sind es ja doch sie, die die Existenz der Familie sichern, und nicht die Kinder. Und ganz ehrlich: Gesundes, fröhliches Heranwachsen haben wir bisher auch hinbekommen. Dass jetzt plötzlich so getan wird, als seien die Schulanfangszeiten der Untergang des Abendlandes, der Bildung und jeglicher Lebensfreude, lässt mich nur den Kopf schütteln. In Familien- und Arbeitsleben muss jeder Kompromisse eingehen, und eine vernünftige Koordinierung der Arbeits- und Schulzeiten gehört nun mal dazu.

          • Ich übersetze: Das war ja noch nie da, das wäre ja ganz was Neues, da könnte ja jeder kommen und Wissenschaft nervt… 😉

            Und ich dachte, ich wäre (wert-)konservativ! 🙂

            Ernsthaft: Ich denke, dass wir Befunde der Wissenschaft auch auf unser Leben hin aufgreifen und diskutieren sollten. Dass es früher “doch auch ging” und angeblich das meiste besser war, überzeugt mich da nicht. Beispielsweise haben wir den Druck auf die Jugend im Richtung “mehr Bildung” erhöht, die Gymnasial- und Studienquoten massiv gesteigert. Nach ihrem chronologischen Rhythmus mehr Schlaf – der neben Lebensfreude auch die Leistungen steigert – sollte m.E. drinnen sein. DAVON würden auch Familien profitieren, die längst Terminkalender wie Manager verwalten…

            Körperliche Gewalt gegen Schülerinnen und Schüler wurde schließlich auch mal abgeschafft, obwohl sich viele dagegen empörten (“Uns hat es doch auch nicht geschadet! Wir waren doch auch glücklich! Sollen sich die Jugendlichen halt zusammenreißen!” etc. pp.)

  10. Um 8 Uhr werde ich gerade wach – aber im März, kurz vor der Uhren-Umstellung! Und danach folgen die schlimmsten Wochen des Jahres. Die Zweitschlimmsten sind dann im Oktober, wenn man im dunkeln aufstehen muß, und die Uhren trotzdem immer noch vorgehen.

    8 Uhr Ortzeit ist vielleicht noch zumutbar, aber 8 Uhr Ortszeit am Rhein entspricht 9:30 MESZ – die Festsetzung auf “Berliner Zeit” stiehlt dem Westdeutschen 1/2 Stunde, die Sommerzeit noch 1 Stunde mehr. So, und jetzt muß ich in’s Bett.

  11. Hallo Michael Blume,
    ich wurde im Jahre 1946 geboren. Zwischen dem Jahr 1952, im Alter von 6 Jahren, und dem Jahr 1964, im Alter von 18 Jahren, besuchte ich verschiedene Schulen.
    In diesem Zeitraum war ich ein extremer Spätaufsteher, was eine furchtbare Qual für meine Eltern und mich darstellte.
    Alle hier unten folgenden schädlichen Einflussfaktoren waren damals für mich zu einhundert Prozent ausgeschlossen, was eine objektive Beobachtung ermöglicht:
    Fernsehen, Computer, Internet, Diskotheken, Freunde, Freundinnen, Geschwister, Alkohol, Nikotin und sämtliche anderen Drogen.
    Ausserdem versorgten mich meine Eltern mit ausreichenden Mengen an gesundem Obst und Gemüse, nahmen mich zu allen gesunden Tätigkeiten wie Wanderungen, Bergsteigen und Schwimmen mit, und sorgten für zeitiges Schlafengehen, das Letztere störte mich nicht.
    Meine Müdigkeit in der Schule verhinderte vermutlich auch das Aufkommen von Prüfungsangst bei mir, was möglicherweise ein Vorteil war.
    Ich blieb natürlich auch nach diesem Beobachtungszeitraum ein extremer Spätaufsteher, und fand dann glücklicherweise im Jahre 1970 eine Anstellung mit gleitender Arbeitszeit.
    Seit dem Jahre 2006 entwickle ich mich langsam zum Frühaufsteher, obwohl in der Zwischenzeit einige der schädlichen Einflussfaktoren aufgetreten sind, aber vielleicht ist auch mein hoher Blutdruck daran schuld.
    Mit freundlichen Grüßen, Karl Bednarik, diesmal als Testorganismus.

  12. Zum Thema ´Lernleistung´ muss man verstehen wie Noten gemacht werden:
    Aus Gründen der Chancengleichheit werden die in Schulen gegebenen Noten landesweit verglichen. Schulen die zu gut sind, müssen ihren Durchschnitt anheben und Schulen die zu schlecht sind, müssen ihren Notenschnitt verbessern. Klares Ziel ist es, dass die Noten aller Schulen sich in einem einheitlichen Rahmen befinden – wenn nicht, dann greift das Kultusministerium ein!
    So hat unser Klassenlehrer das Noten-System erklärt, als wir in einer Arbeit einmal einen Klassenschnitt von 1,0 hatten und der Fachlehrer diese Arbeit deswegen zurückzog. Unser Klassenlehrer empfahl uns, damit einverstanden zu sein. Wenn wir nicht einverstanden sind, so sein Hinweis, dann werden soviele ´schwere´ Prüfungen kommen, bis der gewünschte Durchschnitt wieder hergestellt ist (und dies würde den schlechteren Schülern mehr schaden, als eine einzelne 1,0 nützt).
    Jeder von uns kennt dieses System aus eigener Erfahrung: nach einer ´leichten´ Prüfungsarbeit kam meist ein ´schwerer´ Test.
    Diese statistische Grundage der Notengebung wird z.B. in den Empfehlungen der Chronobiologie überhaupt nicht berücksichtigt. Denn selbst wenn ein späterer Schulbeginn den Lernerfolg erhöht, nützt dies nichts, weil dann auch die Prüfungen schwieriger werden müssen, um einen bestimmten Notenschnitt zu halten.

  13. off topic:
    Bei SPIEGEL online Wissenschaft/Mensch wurde heute der Beitrag ´Psychologie: Huntert Studien erweisen sich als unhaltbar´ veröffentlicht. Kurzfassung: 100 Studien, die an rennomierter Stelle veröffentlicht wurden – wurden überprüft: “Die meisten Resultate konnten nicht bestätigt werden”.

    Dies bestätigt meinen obigen Vorwurf, dass dieser Wissenschaftsbereich ein Qualitätsproblem hat.

  14. Pingback:Markierungen 08/29/2015 - Snippets

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