Rückzug oder Kreuzzug? Christentum in der Krise erscheint am 2.11.2021

Nun ist es also offiziell: Schon am 2. November 2021 wird im Patmos-Verlag mein neues Buch “Rückzug oder Kreuzzug? Die Krise des Christentums und die Gefahr des Fundamentalismus erscheinen!

Damit begonnen hatte ich bereits, als nach nahezu jeder Lesung von “Islam in der Krise” die Frage aufkam: Wird auch das Christentum zwischen Säkularisierung und Fundamentalismus zerrieben werden?

Mit “Rückzug oder Kreuzzug?” schließt die Religions-Trilogie aus “Islam in der Krise”, “Warum der Antisemitismus uns alle bedroht” (mit Schwerpunkt Judentum). Foto: Michael Blume

Diese Frage wollte ich nicht nur oberflächlich beantworten, sondern auch die Medienumbrüche des Christentums besser verstehen. Was bedeutete die Umstellung von der semitisch-hebräischen Thorarolle zum japhetitisch-griechischen, später auch lateinischen, deutschen, englischen… Buch in Codex-Form? Warum hat unter allen Weltreligionen nur das Christentum so viele und so lange Glaubensbekenntnisse? Wie werden Christinnen und Christen auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse und auch zunehmend persönlichen Erfahrungen mit der Klimakrise sowie die Flüchtlingsströme durch eskalierende Hitzemorde reagieren? Was meinte Karl Popper genau, als er das Akzeptieren von Vernunft und Wissenschaft mit dem “Tragen des Kreuzes” identifizierte? Kann das Wege zu einer neuen, auch wissenschaftlich aufgeklärten Religiosität und Spiritualität weisen?

Die gefundenen Antworten werden sicher nicht allen gefallen, sind jedoch auch nicht ohne Hoffnung. Ich prognostiziere u.a., dass unter dem Druck der Klimakatastrophe mehr und mehr Regionen insbesondere im eurasischen Gürtel, Meso- und Südamerika sowie Afrika unbewohnbar werden und sich auch darüber hinaus – etwa in Russland – ganze Gebiete entvölkern. Auf der anderen Seite entstehen Archen, also Regionen mit höherer Resilienz, Wohlstand und Bildung, die aber auch wegen des steilen Geburtenrückgangs auf Zuwanderung angewiesen bleiben (vgl. aktuell die auch wirtschaftlichen Turbulenzen in Brexit-Großbritannien…). Nicht nur in den USA werden also kinderreichere Fundamentalisten und wissenschaftlich orientierte Säkulare aufeinanderprallen, prallen Mythen und Verschwörungsmythen aufeinander. Doch es werden sich in den Archen auch interreligiöse Netzwerke weniger, aber engagierter Menschen verschiedener Religionen zusammenfinden, die gemeinsam für die Zukunft auch ihrer Kinder und Enkel wirken. Das 21. Jahrhundert wird gerade auch für Christinnen und Christen hart, aber es ist nicht verloren. Ich freue mich, falls “Rückzug oder Kreuzzug?” Ihr Interesse findet und Sie Teil dieses Wissens und der Debatten werden!

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

39 Kommentare

  1. Die EU investiert immer mehr in die Grenzschutzagentur Frontex und diese Investements sind in den EU- Mitgliedsstaaten praktisch unbestritten – im Gegensatz zu fast allen anderen Fragen, die die Migration betreffen. Nur wenige Klimamigranten werden es deshalb voraussichtlich in die EU schaffen und Migranten werden auch eher selten fehlende Arbeitskräfte ersetzen. Das werden eher Roboter tun. Nicht nur in der EU, sondern auch in Japan und Russland. Denn diese Länder fürchten Konflikte und einen Machtverlust durch Zuwanderung.

    Die Christen der grossen Kirchen, also die Mainstream-Christen werden dich wohl kaum anders verhalten als die übrigen Europäer.

    Prognose: Europa wird im 21. Jahrhundert noch mehr zur Festung als es das jetzt ohnehin schon ist.

    • Aktuell wird über Pushbacks, also das Zurückdrängen/Zurückprügeln von Emigranten, an der kroatischen und der griechisch-türkischen Grenze berichtet. Diese Praxis begann bereits 2016/17 und hält bis heute an.
      Auf der Website Illegale Pushbacks: Was macht die EU? liest man dazu:

      auch die EU-eigene Grenzschutzbehörde Frontex ist mit dem Vorwurf konfrontiert, an illegalen Pushbacks an der griechisch-türkischen Grenze beteiligt gewesen zu sein. Das haben Recherchen des ARD-Politikmagazins Report Mainz gemeinsam mit “Lighthouse Reports”, “Bellingcat” und dem “Spiegel” ergeben.

      Die Pushbacks wollen Menschen verunmöglichen, einen Asylantrag zu stellen und sind damit auch nach EU-Recht illegal. Es ist nicht abwegig, einen direkten Zusammenhang zwischen der Flüchtlingskrise 2015/16 und den späteren, bis heute anhaltenden Pushbacks herzustellen.
      Das Verrückte daran: 2015/16 wurden in Deutschland monatelang die Grenzen nicht mehr kontrolliert und Flüchtlinge konnten unregistriert nach Deutschland gelangen und von Angela Merkel wurde dies als humanitärer Akt dargestellt. Doch schon im nächsten Jahr war alles anders. Angela Merkel/ die EU schloss einen Flüchtlingsdeal mit der Türkei, der zum Zweck hatte Flüchtlinge von der EU fernzuhalten (gegen Bezahlung).
      Die Pushbacks drängen nun Migranten zurück, die dennoch über die Grenze kommen und die Frontex, die EU-Behörde, die zuständig für den EU-Grenzschutz ist, ist daran beteiligt.

      Fazit: Der EU ist die Begrenzung der Zuwanderung so wichtig, dass sie auch illegale Mittel nicht völlig ausschliesst. Alles spricht dagegen, dass die EU in naher Zukunft zuwanderungsfreundlicher wird.

  2. Klar, das Christentum befindet sich in einer schweren und wohl unlösbaren Krise, Modernisierung beraubt ihm die nötigen und zu teilenden Glaubensmengen.
    Heutige Christen sind ja meist nicht mehr bibeltreu, sondern suchen sich irgendwas heraus, das ihnen gefällt, anderes leugnen sie.
    Es gab Umfragen unter christlichen Klerikalen, deren Ergebnisse nahelegten, dass ca. 70 % dieser Kräfte nicht mehr (im einstmals gewohnten Sinne) an Gott glauben [1], die seit mehr als zwei Generationen bestehende Fertilitätskrise [2], diese ist ja auch eines Ihrer Themen, lieber Herr Dr. Michael Blume, hat damit zu tun, Empfängnisverhütung, auch sogenannter Schwangerschaftsabbruch und per se nicht der Fortpflanzung dienende Sexualität.
    Da kommt das Christentum nicht mehr heraus.

    Mit freundlichen Grüßen und weiterhin viel Erfolg
    Dr. Webbaer

    [1]
    Dr. Webbaer hat einmal den hier einstmals vorrätigen Pfaffen, vielleicht wird geahnt wer gemeint ist, direkt gefragt, ob er an Gott glaubt; da kam aber ein verklemmtes Gerede, mein lieber Scholli, mein lieber Herr Gesangsverein!

    [2]
    Sie bedeutet ca. eine Zweidrittelung je Generation, d.h. plump formuliert “die Hälfte ist schon weg”, unwiederbringlich, es geht so weiter.

    • Klar, das Christentum befindet sich in einer schweren und wohl unlösbaren Krise, Modernisierung beraubt ihm die nötigen und zu teilenden Glaubensmengen.
      Heutige Christen sind ja meist nicht mehr bibeltreu, sondern suchen sich irgendwas heraus, das ihnen gefällt, anderes leugnen sie.

      Also ich beobachte hier eher eine Abwanderung aus den “staatlichen” Gemeinden zu fundamentaleren “freien”.

      Es gab Umfragen unter christlichen Klerikalen, deren Ergebnisse nahelegten, dass ca. 70 % dieser Kräfte nicht mehr (im einstmals gewohnten Sinne) an Gott glauben.

      Solche Untersuchungen gab es auch vor Jahrzehnten schon, ich denke sogar das war nie wirklich anders. Nicht umsonst wird gerade auch von vielen Theologen gesagt, dass das Theologiestudium der einfachste Weg zum Atheismus sei.

  3. Dr. Webbaer,
     Mit rund 2,26 Milliarden (2009) Anhängern ist das Christentum vor dem Islam (über 1,8 Milliarden) und dem Hinduismus (rund 900 Millionen) die weltweit am weitesten verbreitete Religion.
    Innerhalb des Christentums gibt es die römisch-katholische Kirche mit dem Papst in Rom, es gibt die Orthodoxe Kirche , es gibt die evangelischen Kirchen, die Anglikaner und noch weitere.
    Das Wachstum der Christenheit beträgt jährlich 1,4 %.

    Ihre Erfahrungen zur Gläubigkeit und Zukunft der Christen sind marginal. Da Sie die Sexualität und Ehe ansprechen, die evangelischen Kirchen machen dazu keine Aussagen. In der evangelischen Kirche ist die Ehe kein Sakrament.

    Und wenn sie die Bibel als einen Widerspruch zur Bibel sehen, dann ist diese Sicht auch überholt. Sogar der Vatikan erkennt die Wissenschaft vorbehaltlos an.

    Was bleibt. Lesen Sie doch mal im Neuen Testament ganz unvoreingenommen, Sie werden sich wundern, wie modern und zeitlos die Bibeltexte sind. Im Gegensatz zur Technik verändert sich die Psyche des Menschen nicht. Liebe, Hass und Habgier stehen immer noch im Zentrum menschlicher Existenz, genau wie vor 2000 Jahren.
    Und wenn man eine Menschengeneration mit 25 Jahren annimmt, dann sind seit der Kreuzigung von Jesus Christus nur 80 Generationen verstrichen. Eigentlich sehr wenig.

  4. Das Machtzentrum des 21. Jahrhunderts ist Asien
    Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert Asiens und nicht mehr das Jahrhundert der USA oder des Westens. Auch die USA werden ihre Weltpolizistenrolle aufgeben oder haben sie schon aufgegeben. Für die USA bleibt nur noch China als potenzieller Gegner und viele asiatische und pazifische Länder stehen vor der Wahl China gewähren zu lassen oder die USA als Schutzschild gegenüber übergriffigen chinesischen Interessen zu wählen.

    In Asien, dem Kontinent des 21. Jahrhunderts, spielt das Christentum keine Rolle. Christen gibt es dagegen in den beiden Amerikas , in Europa und in Afrika.
    In der römisch-katholischen Kirche wäre irgendwann ein afrikanischer Papst denkbar, nachdem der aktuelle Papst bereits ein Nicht-Europäer ist. Afrika und afrikanische Länder werden zwar im 21. Jahrhundert keine Weltmacht sein, aber Afrika wird mit Sicherheit immer wieder mit einem seiner vielen Probleme auf der Weltbühne erscheinen und China, die USA und Europa werden dann gefordert sein, zu helfen oder einzugreifen. Wir könnten also in eine ähnliche Situation wie im kalten Krieg geraten, wo es darum ging, welcher Block welchen Ländern hilft (und welche Länder er für sich gewinnt). Nur werden die Länder, denen geholfen werden muss im 21. Jahrhundert vor allem in Afrika liegen. Auch das Weltchristentum wird dann gefordert sein, Partei zu ergreifen oder eben nicht zu ergreifen.

  5. Bonuskommentar zu der Zwei-Minuten-Lesson, dankenswerterweise im dankenswerterweise bereit gestellten WebLog-Artikel, wissenschaftsnah, verlinkt, vielleicht ist die Komprimierung gelegentlich eine gute Idee, Dr. Webbaer schaut gelegentlich auch mal Webeinheiten mit der Länge “60 Minuten Plus”, ist da manchmal auch überlastet :

    Sie führen da, lieber Herr Dr. Michael Blume, die Geographie an, die besonders kultur- oder gar sinnstiftend gewesen sein könnte, kein schlechter Gedanke, wie einige finden, idT ist Europa, danke für die Begriffsherleitung, ein wunderbar diverses Plätzchen und denkbarerweise hat derartige Diversität auch zu besonderer Kompetivität geführt, die sozusagen uns (oder “uns”) wiederum zu besonderer aufklärischer Bemühung und dann zur sog. industriellen Revolution, gar zu einer Art Weltherrschaft geführt hat.

    Blöderweise ist vergleichbare Lage auch anderswo gegeben, bei ähnlicher geographischer Lage, auf nördlicher Seite des Äquators, nämlich in Fernost und bei unseren Freunden im sogenannten Amerika.

    Im geographischen Sinne haben Sie sich da womöglich, im geographistischen Sinne sozusagen, ein wenig vorgewagt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der keine besonderen Probleme mit dieser Idee hat, gerne auch darauf verweist, dass fern des Äquators, mit strengen Jahreszeiten sozusagen, besondere Kooperationsbereitschaft erforderlich, auch entstanden sein könnte, um diese (verdammten) Winter zu überstehen)

    • Danke, @Dr. Webbaer. Wie auch im kurzen Video erklärt, liegen die Amerikas auf einer Nord-Süd-Achse und beschleunigte das Mittelmeer die kulturelle Evolution am eurasischen Gürtel gegenüber Fernost. Geografie determiniert nicht, doch sie kann kulturelle Evolution begünstigen oder hemmen.

      • Wie auch im kurzen Video erklärt, liegen die Amerikas auf einer Nord-Süd-Achse und beschleunigte das Mittelmeer die kulturelle Evolution am eurasischen Gürtel gegenüber Fernost.

        Vielen Dank für Ihr Re-Feedback, für Ihre Reaktion, Herr Dr. Michael Blume, aber lag nicht doch vergleichbare geographische Lage auch anderswo vor? – Siehe Beispiele weiter oben.

        Dr. Webbaer mag im gemeinten Sinne auch Lage oder zivilisatorische Entwicklung fern des Äquators, könnte es sein, dass dort kühlere Verhältnisse, auch Winter meinend, sozusagen besondere Kooperation bevorteilt hat?
        Wenn für Winter vorgesorgt werden muss, damit es zusammen durch den Winter gehen kann.

        Nein, Dr. Webbaer will Sie nicht aufs “Glatteis” führen, gerne auch nicht antworten, zudem muss dieser Kommentar auch nicht freigeschaltet werden, Dr. Webbaer legt schon Wert darauf, dass keine Probleme entstehen, niemandem sozusagen.

        Mit freundlichen Grüßen und weiterhin viel Erfolg in Ihrem (schwierigen) Amt !
        Dr. Webbaer (der’s ganz ernst meint, also ohne Hintersinn)

  6. @Michael

    „Was meinte Karl Popper genau, als er das Akzeptieren von Vernunft und Wissenschaft mit dem “Tragen des Kreuzes” identifizierte? Kann das Wege zu einer neuen, auch wissenschaftlich aufgeklärten Religiosität und Spiritualität weisen?“

    Einfach gucken, was an gesichertem Wissen da ist, und sich dann auf die Glaubensinhalte konzentrieren, denen das Wissen nicht entgegensteht, das kann man nun machen. Sofern man eine Überlieferung mag, und sich da nach Möglichkeit dran halten möchte.

    Es fragt sich dann aber auch noch, ob man nicht auch Vergleiche mit anderen Glaubenssystemen machen sollte, um dann zu gucken, was gemeinsam ist und was sich unterscheidet. Spezielle Mythen mögen dann eben speziell sein, und wahrscheinlich weniger realistisch sein, auch wenn sie vom Wissen noch nicht widerlegt worden sind. Findet man aber Gemeinsamkeiten, dann stehen die Chancen besser, dass an diesen Mythen tatsächlich was dran ist.

    Man muss hier immer unterscheiden, was die Wissenschaft weiß, und was Wissenschaftler nur glauben. Dass alles mit rechten Dingen zugeht, ist eben kein gesichertes Wissen, und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Welt nicht geistlos ist. Und ich finde die Frage sehr interessant, wie eine geistige Beteiligung in der physischen Welt wie in uns selbst funktionieren mag.

    Und man sollte auch die Motive der einzelnen religiösen Überlieferungen untersuchen. Wenn mir ein Leben nach dem Tod versprochen wird, dann muss ich damit rechnen, dass man mich hier einfach billig abspeisen will, um mich im Leben aufs jenseits zu vertrösten, auf dass ich mich widerspruchslos ausbeuten lasse. Solche Jenseitsversprechen treten meistens zusammen mit gottgewollten Herrschaftsordnungen auf.

    Natürlich müssen Mythen nicht zutreffen, es ist schon viel gewonnen, wenn sie im Leben hilfreich sind. Aber was jetzt hinterher auch noch wirklich stimmt, dass ist ganz klar noch viel besser.

    • @Jeckenburger: “Was meinte Karl Popper genau, als er das Akzeptieren von Vernunft und Wissenschaft mit dem “Tragen des Kreuzes” identifizierte?”

      Ich kenne das Zitat zwar nicht, aber “Vernunft und Wissenschaft” ist noch immer Heuchelei, Lüge, systemrationale Schizophrenietät und Materialismus, also ist das “Tragen des Kreuzes” …!?

  7. Tobias Jeckenburger,
    Wissen ist mit Verantwortung gekoppelt, je mehr man weiß, desto mehr lastet dieses Wissen auf unseren Schultern. Dass alte Leute gebückt daher kommen ist nicht nur der Wirbelsäule geschuldet.
    Das Gegenteil sind der thumbe Tor oder der Einfältige, wie im Märchen vom “Hans im Glück” beschrieben, der am Lebensende zur Mutter Erde heimkehrt.
    Autisten nehmen dabei eine Sonderstellung ein.

  8. @hto 08.10. 10:30

    „…,aber “Vernunft und Wissenschaft” ist noch immer Heuchelei, Lüge, systemrationale Schizophrenietät und Materialismus,..“

    Wenn gesicherte Erkenntnis und vernünftige Überlegungen Unsinn wären, bliebe wohl leider nichts mehr übrig, auf das man sich verständigen könnte. Zusammenhanglose Inspiration und reine Hoffnung auf göttliche Mitbestimmung führt vielleicht in den Wahnsinn, aber sonst nirgendswohin.

    Dann gibt es noch Leute wie Stalin, die machen sich in einer geistigen Wüste dann einfach selber zum Gott. Helfen tun die dann aber auch nicht.

  9. @Michael Artikeltext

    „Ich prognostiziere u.a., dass unter dem Druck der Klimakatastrophe mehr und mehr Regionen insbesondere im eurasischen Gürtel, Meso- und Südamerika sowie Afrika unbewohnbar werden und sich auch darüber hinaus – etwa in Russland – ganze Gebiete entvölkern.“

    Ich weiß nicht recht, da sind mir die politischen Unzulänglichkeiten wohl deutlich maßgeblicher als die Erderwärmung. Man muss unterschieden: Wir brauchen Wohnraum, Arbeitsplätze und Anbauflächen. Das muss nicht alles am gleichen Ort passieren. In der Wüste kann man mit moderner Technik und hinreichender Klimatisierung passable Städte bauen, notfalls mit Wasser aus Entsalzungsanlagen. Ebenso Fabriken und Büros, hier ist ein Zugang zum Hafen und günstiger Strom wichtiger, als das hier gleich vor Ort auch Anbauflächen vorhanden sein müssen. Die können auch ganz woanders sein, wo das Klima eben auch im Klimawandel für Landwirtschaft noch günstig ist. Nahrungsmittel lassen sich leicht transportieren.

    Die landwirtschaftlichen Arbeitsplätze sind minimal, viel größer ist hier der Faktor Maschinen. Der Maschinenbau für die Landwirtschaft dürfte wesentlich mehr Aufwand sein, als für den Fahrer, der seine Runden auf dem Acker dreht. Wenn man den Fahrer in Zukunft auch noch wegautomatisiert, dann brauchen wir noch weniger Arbeitskräfte an den Standorten der Anbauflächen.

    Gerade in den Wüstengegenden, wo die Hitze am unerträglichsten wird, sind auch die besten Standorte auf der Welt für Solarenergie. Entsprechend viele neue Industriestandorte wären dort sehr attraktiv. Nicht nur in der Energiewirtschaft selbst, auch alles, was viel Strom verbraucht, wäre dort günstig anzusiedeln, auch KI.

    Ein Klimawandel, der auf politisch bedingte Handlungsunfähigkeit trifft, wäre in der Tat dann aber katastrophal, und würde dann erst zu Abwanderungsversuchen führen.

    „Auf der anderen Seite entstehen Archen, also Regionen mit höherer Resilienz, Wohlstand und Bildung, die aber auch wegen des steilen Geburtenrückgangs auf Zuwanderung angewiesen bleiben.“

    Soweit es unvermeidbar ist, wird es wohl noch zu weiterer Migration kommen. Vermutlich aber weniger innerhalb der EU, dann eher tatsächlich aus den angesprochenen Ländern, die politisch quasi handlungsunfähig sind. Langfristig halte ich aber dann doch bei uns eine Kombination von mehr Nachwuchs, weniger steigenden Konsum und auch KI und Robotern für fähig, die Migrationsvorgänge größtenteils zu beenden. Da kann man nur hoffen, dass die Migranten vernünftig integriert werden. Die, die doch noch kommen werden, und auch die, die längst hier sind.

    Bleibt auch zu hoffen, dass sich die politisch-wirtschaftliche Situation in Afrika und im Nahen Osten doch nachhaltig bessert. Vielleicht führt ja gerade die Konkurrenz mit China dazu, das wir diese Länder wirklich unterstützen und dabei helfen, dort politisch stabile und wirtschaftlich florierende Verhältnisse zu schaffen. Letztlich im gemeinsamen Interesse einer friedlichen und umweltfreundlichen Weltwirtschaft.

    • @Tobias Jeckenburger (Zitat): “ Gerade in den Wüstengegenden, wo die Hitze am unerträglichsten wird, sind auch die besten Standorte auf der Welt für Solarenergie.“
      Falsch. Photovoltaische Anlagen arbeiten in der Hitze schlecht und ab einer Temperatur von 60 Celsius praktisch überhaupt nicht mehr.
      Wobei: anders als sie schreiben muss es in einer Wüste nicht heiss sein. Wüsten entstehen vielmehr, wenn es sehr wenig regnet, also bei wenig Niederschlägen. Und dazu muss es nicht heiss sein.
      Für die Atacama-Wüste, eine Wüste in Chile, die im Regenschatten der Anden liegt, gilt gemäss Wikipedia:

      Im Jahresmittel fällt hier nur etwa ein Fünfzigstel der Regenmenge, die im Death Valley in den USA gemessen wird. Es gibt Wetterstationen in der Atacama, die über viele Jahre hinweg keinen Niederschlag verzeichnet haben. Es herrschen, insbesondere im Zwischental, sehr große Unterschiede zwischen den Maximaltemperaturen am Tag (30 °C) und den Minimaltemperaturen in der Nacht (−15 °C).

      Die Atacama-Wüste ist in der Tat eine der besten Gegenden für photovoltaische Anlagen weltweit, weil dort praktisch immer die Sonne scheint und die Temperatur nicht über 30 Grad Celsius steigt.

      Noch ein Hinweis: Heute glauben alle daran, dass Solar- und Windenergieanlagen die Zukunft sind. Doch beide haben ein Problem: sie benötigen 4 bis 6 Mal soviel Kupfer wie konventionelle Stromerzeuger. Auch E-Autos brauchen 4 Mal soviel Kupfer wie Verbrenner.
      Prognose: Eine rein auf Wind-,Sonne und E-Autos basierende Industriegesellschaft ist nicht in 20 oder auch 30 Jahren realisierbar. Allein schon wegen den Rohstoffbeschaffungsproblemen mit denen diese Umstellung einhergeht. Alle, die behaupten, Erneuerbare seien heute schon weltweit realisierbar, man müsse nur wollen liegen falsch, wenn sie meinen diese Umstellung sei eine Sache von 10 oder 20 Jahren. Selbst im optimistischsten Fall und selbst wenn alle wollen, dauert es 30 oder mehr Jahre.

  10. @Jeckenburger: “Vielleicht führt ja gerade die Konkurrenz mit China dazu, das wir diese Länder wirklich unterstützen und dabei helfen, dort politisch stabile und wirtschaftlich florierende Verhältnisse zu schaffen.”

    China hat das Projekt “Neue Seidenstraße” gestartet, ein Projekt was so ganz und garnicht mit Konkurrenz funktionieren kann.
    Und momentan sieht es auch so aus, dass China dieses Projekt nicht mehr weiter ausbauen wird, weil die westliche Welt offensichtlich überhaupt nicht verstehen will was sich dafür alles verändern muss.

    • Ich kenne und achte die chinesische Kultur sehr, @hto, habe das Land zu „liberaleren“ Zeiten auch besucht.

      Den jetzigen, nationalistisch-marxistisch-autoritären Weg der alternden KP halte ich jedoch nicht nur für ethisch falsch, sondern auch für demographisch und damit wirtschaftlich und politisch fatal:
      https://www.theologie-naturwissenschaften.de/startseite/leitartikelarchiv/demografie-und-digitalisierung-in-china

      M.E. bestätigt sich auch hierbei: Leben kann ohne Freiheit und Vielfalt nicht gedeihen. Notwendige Regeln und Überwachungen dürfen nicht so überschießen, dass sie Menschenwürde, Glaube, Liebe und Hoffnung ersticken.

  11. Ich glaube, der chinesische Staatspräsident ist derzeit der weiseste Mensch auf Erden (wenn er denn alleiniger “Architekt” ist!), denn in seinem Land hält er mit entsprechenden Maßnahmen die Hardliner im Zaum / bei Laune, und versucht trotzdem noch Brücken zum/mit dem Westen zu bauen, was allerdings immer mehr unmöglich wird.

  12. Tobias Jeckenburger,
    “Aber was jetzt hinterher auch noch wirklich stimmt, dass ist ganz klar noch viel besser.”

    Das ist die Frage nach der richtigen Religion. Der Gott von dem wir sprechen , der hat alles erschaffen, die Erde, das Universum, die Sprache, die Logik, den Geist, auch die Chinesen.

    Der Titel Religion in der Krise, der meint nicht nur die Institution Kirche, sondern auch das Verständnis zur Welt. Ich bin mir sicher, dass die Vorstellung von Welt ohne einen Gott auch nur eine vorübergehende Erscheinung bleibt.

  13. @Holzherr 10.10. 17:32

    „Photovoltaische Anlagen arbeiten in der Hitze schlecht und ab einer Temperatur von 60 Celsius praktisch überhaupt nicht mehr.“

    Bei Wikipedia Stichwort Photovoltaik habe ich gefunden:
    „So ändert sich die Leistung eines monokristallinen Siliziummoduls um −0,4 % pro °C, bei einer Temperaturerhöhung von 25 °C nimmt die Leistung somit um ca. 10 % ab.“

    Wir haben also bei 50° im Schatten 10 % weniger Leistung als bei 25° im Schatten. Das sind immer noch 90 %, und das geht wohl noch, immerhin ist in Nordafrika und im Nahen und Mittleren Osten die jährlichen Einstrahlung fast 3 mal höher als der Durchschnitt in Deutschland. Als Standort für Energiewirtschaft und energieintensive Produktion also immer noch sehr gut, weil ziemlich zentral. Also doch noch ein wirtschaftliches Potenzial, wenn denn die politischen Verhältnisse sich mal bessern würden.

    Die kühlere Atacamawüste ist klar im Vorteil, allerdings eher für Kunden in Süd und vielleicht noch Mittelamerika. Etwas weit weg für Europa, Afrika und Asien.

  14. @hwied 11.10. 11:55

    „Der Titel Religion in der Krise, der meint nicht nur die Institution Kirche, sondern auch das Verständnis zur Welt. Ich bin mir sicher, dass die Vorstellung von Welt ohne einen Gott auch nur eine vorübergehende Erscheinung bleibt.“

    Ich finde es auch unbefriedigend, auf der einen Seite religiöse Traditionen und auf der anderen eine rein materialistische Wissenschaft zu haben. Deshalb suche ich ja nach einer Vereinbarkeit von Spiritualität und Naturwissenschaft.

    Ein personifizierter Gott ist einfacher im Gebet, sozusagen als Kontaktportal. Eine allgemeine, eher abstrakte Geisteswelt, die sich durch den ganzen Kosmos zieht, erscheint mir aber als realistischer. Und ohne menschliche Züge eigentlich sogar unkomplizierter und letztlich auch vertrauenswürdiger.

    Eifersüchtige Götter, die Anbetung einfordern, erinnern mich an Diktatoren, die nur um sich selber kreisen und von ihrer eigenen Herrschaft selbst besessen sind.

  15. @Jeckenburger: “Deshalb suche ich ja nach einer Vereinbarkeit von Spiritualität und Naturwissenschaft.”

    Joda: “Gefunden sie Du hast, unbefriedigend es ist, weil für alle und alles sie muss sein, sagt bedingtes Bewusstsein von ganzes als Mensch von Geist.”

    Vernunft und Verantwortungsbewusstsein in/um Gemeinschaftseigentum OHNE wettbewerbsbedingte Symptomatik, ist die einzig befriedigende Antwort zum Schließen eines wirklich-wahrhaftigen “Kreises” seit der “Vertreibung aus dem Paradies” (Mensch erster und bisher einzige geistige Evolutionssprung).

  16. Tobias Jeckenburger,
    Ihre Sichtweise ist die richtige. Dem personifizierte Gott werden alle menschlichen Eigenschaften angelastet. Von gut und allmächtig bis hart und rachsüchtig. Dabei ist Gott weder Person noch Sache. Er ist begrifflich nicht fassbar. Deshalb gilt ja das Verbot Gott darzustellen. Das Christentum hat da einen Kardinalfehler gemacht.
    Vernünftiger scheint mir die kerygmatische Sichtweise, in der die Bibel nicht nur wissenschaftlich analysiert wird sondern der Heilsgedanke, die Verkündigung der Frohen Botschaft für uns Menschen.
    Die Bibel als Buch und die Verkündigung der Frohen Botschaft sind nicht das Gleiche. Damit verliert auch die Unterstellung, die Bibel als Buch der Mythen, ihre Grundlage.
    Ich bin schon gespannt, was Herr Blume dazu zu sagen hat.

    • Tatsächlich vertrete ich im o.g. Buch die Auffassung, dass das frühe Christentum aufgrund seiner Medien-Konfiguration (japhetitisches Alphabet im Codex) auf die von Ihnen als „Fehler“ gedeutete Variante faktisch festgelegt war. Erklärbar wird damit auch, warum Judentum und Islam mit kurzen Ein-Satz-Glaubensbekenntnissen auskamen, das Christentum aber Dutzende ellenlange Credos entfaltete. „The Medium is the Message.“ – Bin gespannt, ob „Kreuzzug oder Rückzug?“ neue Impulse in die eingefahrenen Debatten zu geben vermag. 🙂

      • @Michael Blume

        Hatte denn der frühe Islam keinen Codex? Der heutige hat ihn ja ohne Zweifel, Muslime verwenden ja auch keine Schriftrolle.

        • Klar, @j. – nur folgte der islamische Codex historisch auf den christlichen, auch in vielen Inhalten. Bezeichnend ist zudem, dass mit der Rückkehr zum linksläufigen, semitischen Alphabet (Arabisch) auch das semitisch-hebräische Bilderverbot wiederkehrte. The Medium is the Message.

  17. Das Christentum und die Welt: Hautkontakt kann schmerzhaft sein

    Ich erinnere mich noch lebhaft an aufrüttelnde Berichte in den Jahren 2012/13 über „Boat People“ (Flüchtlinge, die über den indopazifischen Ozean nach Australien gelangen wollten), die von der australischen Polizei/dem australischen Militär aufgegriffen und auf trostlose Inseln verbannt wurden, wo diese Flüchtlinge keine Zukunftsperspektiven hatten. Die europäischen Medien und die europäische Öffentlichkeit empörten sich über so viel australische Unmenschlichkeit, die doch gegen christliche und europäische Prinzipien verstosse.

    Tatsächlich gab und gibt es in der europäischen Reaktion auf Flüchtlingsströme keine solch eindeutigen und resoluten Reaktionen wie sie Australien zeigte. Allerdings ertranken gemäss Statista zwischen 2014 und 2021 mehr als 22‘000 Flüchtlinge im Mittelmeer und an den europäischen Grenzen wurden Flüchtlinge immer wieder mehr oder weniger heimlich zurückgestossen oder es wurden Fremdstaaten dafür bezahlt, Flüchtlinge von Europa fernzuhalten.

    Das scheint mir symptomatisch für das heutige Europa und sein christliches Erbe: Man empört sich über Unrecht ohne selbst aktiv für mehr Menschlichkeit einzustehen und man duldet Unrecht so lange es nicht allzu stark das eigene Selbstbild, das gesamtgesellschaftlich gewünschte „Selfie“ stört. Die Europäer wollen sich die Hände nicht schmutzig machen, sie wollen sich auch nicht engagieren, ja sie wollen nicht behelligt werden. Selbst im Jugoslawienkrieg unmittelbar vor den Toren Europas musste die USA (Clintonregierung) eingreifen um das Schlimmste zu verhindern. Bei fast allen weiteren Konflikten mit denen Europa konfrontiert ist, seien sie im Nahen Osten, in der Ukraine oder in Afrika, fällt es Europa und der EU schwer Position zu beziehen oder sich aktiv einzubringen und wenn doch etwas passiert, dann geht es von einzelnen europäischen Staaten aus, wie etwa von Frankreich in seinem Kampf gegen den Terrorismus/Islamismus in seinen ehemaligen Kolonien, und nicht von der EU selbst.

    Wenn hier im Titel des Beitrags von Rückzug oder Kreuzzug im Zusammenhang mit der zukünftigen Rolle des Christentums die Rede ist, so lässt sich schon jetzt mit einiger Bestimmtheit sagen, dass vom europäischen Mainstream-Christentum eher mit Rückzug zu rechnen ist und dass sogar die ganze europäische Gesellschaft sich in einer Rückzugsposition eingeordnet und eingelebt hat.

    • Danke, @Martin Holzherr. Tatsächlich wurde nach der Aufnahme der sog. „Boat People“ ein Passus ins Gesetz aufgenommen, der Länder-Sonderkontingente (im Einvernehmen mit dem Bund) und damit auch das Sonderkontingent für 1.100 besonders schutzbedürftige Frauen & Kinder aus dem Nordirak ermöglichte. Hoffentlich baut die kommende Bundesregierung darauf auf.

  18. 24 % der über 65jährigen sind noch regelmäßige Kirchgänger. Bei den 18 – 24jahrigen sind es 6 %
    Wenn wir also von Krise sprechen, dann ist die mit Zahlen belegbar.
    Aber, es ist die Krise der Institution Kirche.

    Ob wir tatsächlich eine Glaubenskrise haben, das ist nicht belegbar. Noch immer werden Menschen getauft und christlich bestattet. Mehr als die Prozentangaben der Kirchgänger verraten.

  19. @hwied 12.10. 09:30

    „Vernünftiger scheint mir die kerygmatische Sichtweise, in der die Bibel nicht nur wissenschaftlich analysiert wird sondern der Heilsgedanke, die Verkündigung der Frohen Botschaft für uns Menschen.“

    Das erscheint mir durchaus als einen Fortschritt, insbesondere wenn man hier auch mehrere Varianten des christlichen Glaubens einbeziehen kann.

    Plausibilität, eigene Beobachtungen, philosophische Überlegungen wie auch wissenschaftliche Erkenntnisse würde ich jetzt auch beim analysieren von Heilsgedanken mitberücksichtigen. Ich würde jetzt auch nicht der Bibel eine Absolutheit zugestehen. Wo sie überzeugt, ist sie beachtenswert, wo nicht, dann nicht.

    Konkret irritiert mich die versprochene Unsterblichkeit der Seele. Je länger ich dieses betrachte, desto unattraktiver erscheint mir das. Was soll ich als ehemaliges biologisches Wesen denn mit meiner Psyche im Himmelreich anfangen? Das ist keine frohe Botschaft, sowenig wie die ermüdende Wiedergeburt im Buddhismus.

    Da löse ich mich lieber im kosmischem Geist wieder auf, das ist eine Perspektive. Und das wäre auch recht plausibel: Wofür habe ich im Leben ein Gehirn, wenn ich ohne dieses als Seele nach dem Tod weiterexistieren kann? Was da weiterexistiert, kann nur ein Teil von mir sein, der vermutlich allgemeinerer Natur ist. Meine Individualität ist an mein Gehirn gebunden, nach dem Tod lebt die höchstens in meinen Werken und meinen Freunden weiter.

    Für mich ist eigentlich klar, dass man nicht sehr weit kommt, wenn man das Geistesleben rein christlich betrachtet. Besser, man betrachtet auch die Heilsgedanken anderer Religionen, und vergleicht das und guckt, was hier gemeinsam ist. Und man kann sich auch auf die Suche nach ganz neuen Gedanken machen. Starwars etwa ist nicht uninteressant.

  20. @Holzherr 12.10. 10:50

    „Wenn hier im Titel des Beitrags von Rückzug oder Kreuzzug im Zusammenhang mit der zukünftigen Rolle des Christentums die Rede ist, so lässt sich schon jetzt mit einiger Bestimmtheit sagen, dass vom europäischen Mainstream-Christentum eher mit Rückzug zu rechnen ist und dass sogar die ganze europäische Gesellschaft sich in einer Rückzugsposition eingeordnet und eingelebt hat.“

    Ein Rückzug erschient mir eigentlich als gar nicht mal so unvernünftig. Wir haben einen technischen Vorsprung und auch eine gewisse Schuld, die aus der Kolonialvergangenheit resultiert, und somit eigentlich einen Grund, die Entwicklung in Afrika und dem Nahen Osten zu fördern. Aber haben wir und unserer Verbündeter, die USA, das denn dort wirklich je gemacht?

    So, wie wir uns da eingemischt haben, jedenfalls, da hätte es den Staaten und den Menschen besser getan, wenn wir uns da ganz rausgehalten hätten. Der erste Irakkrieg z.B. hätte ohne unsere Einmischung zu einer Eroberung der gesamten arabischen Halbinsel durch den von Saddam Hussein geführten Irak geführt, was den Menschen in der Region wohl eher geholfen hätte, als die ständigen Kriege und Bürgerkriege, die in der Folge unserer Einmischung jetzt Realität sind. Mit dem Iran hätten wir dann auch keine Last, da würde sich der so ausgeweitete Irak schon drum kümmern. Und die El Kaida und die Taliban in Afghanistan hätten einige Motive weniger, uns zu hassen. Möglicherweise wären die Anschläge vom 11. September dann sogar ausgefallen.

    Die USA hat hier auch nicht eingegriffen, damit es den Menschen da besser geht, sondern weil sie keinen so mächtigen Akteur in der Region haben wollte, der über einen erheblichen Teil der Erdölquellen verfügt und über ausreichend Bevölkerung unter einer stabilen Diktatur mit vergleichsweise florierender Wirtschaft.

    Ich würde mich auch gar nicht mal wundern, dass manche christlichen Kräfte in den USA es gerne sehen, wenn man muslimische Länder klein hält, notfalls durch militärische Einmischung.

    Christentum und Demokratie mögen eine gewisse Verbindung haben, allerdings haben wir unsere Demokratien eher gegen den Widerstand der Kirchen durchgesetzt. Nun gut, inzwischen haben sich die Kirchen damit angefreundet. Läuft ja auch ganz gut.

    Was bleibt, ist unser technischer Vorsprung, der eigentlich eine gewisse Verantwortung mit sich bringen müsste. Den sogannten Entwicklungsländern fehlen in erster Linie die technischen Kenntnisse, die sie bräuchten, um mit uns wirtschaftlich mithalten zu können. Da hilft es eben leider nichts, wenn wir eine Demokratie installieren, die sich aufgrund der eklatanten wirtschaftlichen Lage in wenigen Jahren von selber wieder zerlegt.

    Wenigstens gibt es inzwischen China, die mit uns technisch gleichgezogen sind. Vielleicht sind die nicht so knauserig wie wir, und teilen ihre technische Kenntnisse mit den armen Ländern, im Gegenzug für einen Import von Nahrungsmitteln. Genau daran fehlt es zumindest in China, und bei uns bzw. vor allem in den USA nicht, unter Strich haben wir hier wohl Überschüsse, trotz Fleischkonsum und Wegwerfkultur.

  21. Tobias Jeckenburger

    Die Unsterblichkeit der Seele. Wenn die Seele geistiger Natur ist, dann gelten die Kategorien von Raum und Zeit nicht mehr.
    Auch der Himmel oder die Hölle sind keine Räume, sie sind Seelenzustände. Der Himmel und die Hölle, die sind in uns und wir haben sie selbst erschaffen.

    • @hwied
      Nur kennt das Christentum (wie übrigens auch das Judentum und wohl auch der Islam) , keine “unsterbliche Seele”, sondern die “Auferstehung des Fleisches” 8um einmal die alte Formulierung aufzugreifen).
      Die unsterbliche Seels kam von Plato und wurde dann durch Descartes mit seinem Leib_Seele_Dualismus verstärkt.

  22. @Jeckenburger: “Wofür habe ich im Leben ein Gehirn, wenn ich ohne dieses als Seele nach dem Tod weiterexistieren kann?”

    Das Problem dabei ist: Eine Seele, zur Stärkung/Erweiterung der Schöpfung, gibt es nur in der nachhaltigen Ganzheitlichkeit des menschlichen Lebens – Mensch bedeutet ALLE, Gott ist die Vernunft des Geistes, laut Bibel!

    Und in Bezug auf Wiedergeburt und Bewusstseinsentwicklung bis der Zyklus mit dem “Jüngsten Gericht” beendet wird, ist es wahrhaftig: “Besser, man betrachtet auch die Heilsgedanken anderer Religionen, und vergleicht das und guckt, was hier gemeinsam ist” – Die Bewusstseinsentwicklung wirkt sich mit Sicherheit weiter auf unser biologisches Leben aus, als wir uns das jetzt im konfusionierten Zustand von geistigem Stillstand seit unserem ersten und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung, “göttlicher Sicherung”/Vorsehung vor dem Freien Willen und wettbewerbsbedingter Bewusstseinschwäche/-betäubung vorstellen können.

    Übrigens behaupte ich, dass wir im Grunde nur die eine philosophische Geschichte der Bibel brauchen: Matthäus 21,18-22 “Der verdorrte Feigenbaum”, da steckt alles drin – wie wir illusionär/”individualbewusst” den Glauben und das Gebet verhunzen, bzw. wie und was wir unsere geistige Kraft als Mensch wirklich-wahrhaftig machen könnten.

    Du hast schon recht, wir werden uns im kosmischen Geist auflösen / in der Seele mit der “Gnade Gottes” dieses Geistes, aber Bewusstsein wird dabei nicht wirklich eine Rolle spielen, wenn es nur auf den Versuch eines weiteren Zyklus hinausläuft, mit den “144000 auf dem Berg Zion”.

  23. @hwied 14.10. 18:46

    „Die Unsterblichkeit der Seele. Wenn die Seele geistiger Natur ist, dann gelten die Kategorien von Raum und Zeit nicht mehr.“

    Hier wird es interessant. Wir reisen zwar durch die Zeit quasi auf der Welle der Gegenwart, der wir körperlich nicht entkommen können. Aber doch hat der immerwährende Augenblick einen Aspekt von Ewigkeit. Insbesondere die Vergangenheit könnte im Kosmos noch irgendwie als Archiv gespeichert sein, und einen gewissen Schatz darstellen. Und so auch der Zukunft einen zusätzlichen Sinn verschaffen.

    „Auch der Himmel oder die Hölle sind keine Räume, sie sind Seelenzustände. Der Himmel und die Hölle, die sind in uns und wir haben sie selbst erschaffen.“

    Finde ich auch spannend. Was man im Leben überhaupt sucht, hat großen Einfluss darauf, was man dann findet. Das erscheint mir jetzt nicht rein christlich, sondern schon eine Quintessenz aller Religionen zu sein, die zu suchen Perspektiven bietet.

    @hto 14:10. 19:09

    „Das Problem dabei ist: Eine Seele, zur Stärkung/Erweiterung der Schöpfung, gibt es nur in der nachhaltigen Ganzheitlichkeit des menschlichen Lebens – Mensch bedeutet ALLE, Gott ist die Vernunft des Geistes, laut Bibel!“

    Je mehr Menschen Vernunft suchen und sich verantwortungsbewusst benehmen, desto eher bekommen wir es hin, mit uns und der Natur fördernd und nachhaltig umzugehen. Den großen Knall, ab dann alle auf einmal auf einen Schlag vernünftig werden, werden wir wohl nie bekommen, und müssen wohl eher mit einer langsamen Verbesserung mit Rückschlägen und doch wieder Fortschritten leben. Machen wir uns doch einfach an die Arbeit.

    „Die Bewusstseinsentwicklung wirkt sich mit Sicherheit weiter auf unser biologisches Leben aus, als wir uns das jetzt im konfusionierten Zustand von … vorstellen können.“

    Es scheint mir, dass es nicht so leicht fassbar ist, was Bewusstseinsentwicklung denn eigentlich ist. Inspiration allgemein wirkt vielfältig, öfter fast unbemerkt. Ist es effektives Verantwortungsbewusstsein, oder reicht schon die einfache Kenntnis, wer wir wirklich sind und wie wir uns entsprechend vernünftig bewegen können?

    „..wenn es nur auf den Versuch eines weiteren Zyklus hinausläuft, mit den “144000 auf dem Berg Zion”.“

    Wenn Du hier einen vernichtenden Atomkrieg meinst, wäre das in der Tat ein Einschnitt, der so ziemlich jede Anstrengung der Vernünftigen doch wieder zunichte macht. Demokratie, Menschenrechte, Klimaschutz und Artenschutz brauchen wir dann alles nicht mehr. Ab, wieder zurück in die Steinzeit. Mit dem Risiko müssen wir tatsächlich immer noch leben. Versuchen wir es trotzdem, würde ich vorschlagen. Vielleicht haben wir ja weiter Glück damit.

  24. Tobias Jeckenburger,
    Jede Sekunde sterben Tausende von Körperzellen ab und es kommen Tausende neu dazu. Die Veränderung ist allgegenwärtig und trotzdem haben wir das Gefühl, wenn wir uns hinsetzen steht die Zeit still.
    Sogar die Steine sind davon betroffen. Jede Sekunde zerbrechen die Nuklide und senden Strahlung aus.
    Was den Himmel und die Hölle betrifft, das sind meine persönlichen Annahmen .

    Mit dem Schlag, wo alle vernünftig werden ist es wahrscheinlich so wie es in der Genesis beschrieben wurde. In 7 Tagen hat Gott die Welt erschaffen, reale Zeit 4,5 Mrd. Jahre und in 7 Tagen werden wir vernünftig werden, dann wenn sich die Sonne zu einem roten Riesen aufbläst.

  25. @hwied 16.10. 19:04

    „In 7 Tagen hat Gott die Welt erschaffen, reale Zeit 4,5 Mrd. Jahre und in 7 Tagen werden wir vernünftig werden, dann wenn sich die Sonne zu einem roten Riesen aufbläst.“

    Oh ne, solange warten geht echt nicht.

    Immerhin hat der Mensch in Steinzeitverhältnissen auch längst eine passable Organisation seiner eigenen Natur hinbekommen. Wir müssen nur in modernen Nationalstaaten mitsamt internationaler Regeln uns so gut organisieren und auch kulturell aufstellen und einordnen, dass wir eine globalen Gemeinschaft leben können, in der es auch dem Einzelnen ganz gut geht.

    Das müsste doch in ein paar Jahrzehnten schon fertig werden können.

  26. Tobias Jeckenburger,
    in Italien schaffen sie die nationale Gemeinschaft schon nicht.(Sizilien)
    Neben der Vernunft gibt es auch noch den Machtfaktor. wer ist der Vernünftigere.

    Das hatten wir doch schon mal bei der Gleichheit im Kommunismus.

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