Römisches Geld als Medium – Ein Fundstück aus La Souterraine, Frankreich

Nach meiner (schon jahrealten) Auffassung sollten die Völker und Staaten des eurasischen Gürtel einschließlich Israel und seiner arabischen Nachbarstaaten Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten usw. angesichts der Klima- und Wasserkrise dringend zu Frieden und Zusammenarbeit finden. Dass Versöhnung auch nach langen Phasen der Feindschaft und vielen Kriegen möglich ist, kann ich immer wieder am Beispiel Frankreich und Deutschland erläutern. Meine Ehefrau Zehra und ich fuhren mit unseren Kindern sogar einmal an die Kathedrale von Reims, um ihnen den historischen Ort zu zeigen, an dem Konrad Adenauer und Charles de Gaulle am 8. Juli 1962 ein neues Kapitel der europäischen, der deutsch-französischen Geschichte aufschlugen!
Frieden braucht Dialog – und Mut!
Seit vielen Jahren engagiert sich Zehra zudem in der deutsch-französischen Städtepartnerschaft zwischen Filderstadt und La Souterraine. Im Urlaub durfte ich letzte Woche mit ihr im (passenderweise: französischen) Elektroauto, einem Renault Scenic, zu einer wundervollen, französischen Familie fahren, die auch schon bei uns zu Gast war.
In Frankreich gibt es bislang leider nur sehr wenige Häuser mit eigener Solarenergie, aber bereits viele Ladestationen für Elektroautos. An einer fand ich diese wunderbare Variante des französischen Revolutionsrufes: „liberté – egalité – biodiversité“! Foto: Michael Blume
Wir hatten gemeinsam mit unseren französischen, deutschen und auch britischen Freundinnen und Freunden eine wundervolle Zeit, trafen auch die Stadt-Delegation um unseren Oberbürgermeister Christoph Traub (CDU), die an der atemberaubenden Bürgerschafts-Aufführung Fresque de Bridiers mitwirkten.
Auch Zehra & ich staunten, als dabei eine osmanisch verkleidete und sogar berittene Gruppe den legendäeren Sultan Zizin / Cem verkörperte, der als Bruder des letztlich erfolgreichen Thronerben Sultan Bayezid II. (der ab 1485 den Buchdruck in arabischen Lettern verbieten ließ) zeitweise im Exil der Region lebte.
Zudem konnten wir auch einige Orte besuchen, die mich auch wissenschaftlich interessierten.
So möchte ich allen, die sich für Geschichte, Religion & Politik interessieren, die Krypta der Pfarrkirche Notre-Dame in La Souterraine empfehlen, die eine hervorragende Ausstellung zur schon römischen Geschichte der Region enthält.
An der Kirche Notre-Dame in La Souterraine mit Krypta & Ausstellung findet auch ein hervorragender, französischer Markt statt. Foto: Michael Blume
Ein Blogpost wäre nicht genug, um die Vielzahl der Sehenswürdigkeiten und Ausstellungsstücke zu würdigen. Aber als großartiges Beispiel für Geld als Medium habe ich Ihnen eine römische Münze vom Anfang des 2. Jahrhunderts nach Christus fotografiert, deren Beschriftung zeigen, wie sich unsere alphabetisierten Zentralbegriffe aus Politik und Religion (= Zivilreligion) entwickelt haben!
Römische Münze geprägt nach Marcus Ulpius Traianus (53 – 117 n.Chr.), der als Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus von 98 bis zu seinem Tod 117 n.Chr. regierte. Foto: Michael Blume
Haben Sie Lust, hier mit mir ein paar der auf der Münze verewigten Titulaturen zu übersetzen, zu kommentieren, zu diskutieren? Ich würde mich freuen!
Weitere Besuche galten übrigens einer nahen Gruppe von sieben atemberaubenden Dolmen sowie den Städten von Dijon (auf der Hinfahrt) und Montbelliard / Mömpelgart auf der Rückfahrt.
Doch das sind weitere Geschichten, die gerne ein andermal erzählt werden sollen.
Vive la France, vive l’Europe!


Beim Adenauer-de-Gaulle-Treffen hat sich ein 100-Jahre-Tippfehler eingeschlichen.
Danke, @Henning – ich bin unterwegs, aber korrigiere das gleich. 😌🙌✅
Hier ein Bericht der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zu jener Szene in Reims:
https://www.kas.de/de/einzeltitel/-/content/freundschaft-zwischen-den-voelkern1
Ich hatte ja ein Studien-Stipendium der KAS und fühle mich Adenauers pro-europäischem Vermächtnis sehr verpflichtet. Auch wenn ich konkret seinen Koalitionsvertrag und Koalitionsausschuss von 1961 angesichts der Berliner Mauerkrise für mimetisch fatal halte, dann zeigt doch dies eben auch, dass die wenigsten Kanzler nach ihm ein vergleichbares Format besaßen.
Hallo @Michael,
danke für Deinen Reisebericht aus Frankreich! Und, ja, meine Lebensgefährtin und ich feiern die deutsch-französische Freundschaft jeden Tag.
Dein Münzfund ist spannend. Mir als Laie – wenn Du den Hinweis auf eine Münze als Medium gibst – fâllt auf:
Diese Titularien drücken offensichtlich aus, wie sehr die Macht und deren verschiedene Dimensionen auf eine einzelne Person konzentriert waren.
Der Kaiser wurde als Erwählter der Götter (Élu des dieux) angesehen, mithin als oberster Priester, dann zeichnete er sich durch die militärischen Erfolge (z.B. über die Germanen) aus und, wichtig: er war es, der das Recht hatte, Gesetze vorzuschlagen (Pouvoir de proposer des lois).
Also alles „Dimensionen“ der Macht oder der Wirkmacht, die in unserer heutigen Republik verteilt sind und die Du ja in Deinem Blogpost über die Säulen der Republik zur Diskussion gestellt hast. Darüber hinaus untersteht das Militär in Deutschland dem Parlament.
D.h. diese Münze zeigt auf einen Blick, wie sehr sich das Verständnis von Politischer Macht durch die Zeit gewandelt hat. Durch Deinen Blogpost habe ich mal wieder etwas gelernt!
Bei Père de la patrie (Vater des Vaterlandes) musste ich übrigens sofort daran denken, dass man auf Landesebene heute den Ministerpräsidenten (wenn das Amt männlich besetzt ist) immer wieder noch als „Landesvater“ bezeichnet. Das erscheint zunächst humorvoll, leicht verniedlichend und romantisierend. Aber ich denke, bei dem stark auf Personen zugeschnittenen Wahlkampf auf Landesebene verfängt diese Zuschreibung bei vielen immer noch real und bringt sie dazu, die Partei zu wählen, deren Kandidat “väterliche“ Tugenden verkörpert im positiven Sinne. Wäre eine spannende Frage, ob es einen ähnlichen Effekt bei weiblichen Kandidaten gibt (ist Manuela Schwesig eine „Landesmutter“?).
Vielen herzlichen Dank Dir, lieber @Peter, und Deiner Partnerin für Euer Interesse und Engagement für die deutsch-französische Freundschaft im Herzen Europas! 🇫🇷🇩🇪🇪🇺
Leider wird ja auch die große Republik Frankreich derzeit von algorithmischen Konzernmedien und einer rechtsdualistischen Dynastie angegriffen, so dass das Erreichte nicht nur im Osten, sondern auch im Westen in Frage gestellt wird.
Und gleichzeitig ist es doch ein Hoffnungszeichen gerade auch für kluge israelische und arabische Menschen, die wahrnehmen können, dass auch Jahrhunderte der Feindschaft, Kriege und Massaker durch mutige Entscheider beendet werden können.
Leider wurden sowohl der ägyptische Präsident Anwar al-Saddat wie auch der israelische Friedensnobelpreisträger und Ministerpräsident Yitzhak Rabin von gewaltbereiten Dualisten je des eigenen Volkes ermordet. Auch in diesem Jahr werde ich wie stets am 4. November wieder der Ermordung Rabins gedenken.
Immer wieder werde ich gefragt, ob ich denn eine Zwei-Staaten-Friedenslösung im Nahen Osten noch für realistisch hielte. Und immer wieder antworte ich: Wenn nicht endlich ein israelisch-arabischer Durchbruch zum Frieden gelingt, dann werden wir dort in wenigen Jahrzehnten eine „Keinstaatenlösung“ erleben. Denn die Klimakrise eskaliert auch als Hitze- und Wasserkrise. Und die Naturgesetze lassen sich durch Hass und Hetze, durch Antisemitismus und Rassismus nicht außer Kraft setzen.
Herzlichen Dank auch für Deine klugen Ausführungen zur Trajan-Münze, lieber @Peter!
Denn es ist genau, wie Du sagst: Hier sehen wir unsere heutigen Begriffe aus Politik und Religion noch ungetrennt in einer Zivilreligion!
Der Adoptivkaiser (=Cäsar) war eben kein monarchischer König, sondern ein republikanischer Imperator, der Stolz auch auf seine vierte Amtszeit als römischer Konsul verweist.
Der religiös-scientikative (!) Titel des Oberpriesters und Obersten Brückenbauers von Rom, des Pontifex Maximus, wanderte von hier aus zum Papst nach Rom, die Landesväter in demokratische Ämter wie die bundesdeutschen Ministerpräsidenten.
Auch unsere Monatsnamen Juli(us Cäsar) und August(us) finden wir bereits auf dieser Münze angedeutet.
Und selbstverständlich konnte damals noch keine Rede von „Frankreich“ oder gar „Deutschland“ sein. Vielmehr verehrten sowohl Römer, Kelten und Gallier wie Allemannen, Germanen usw. noch meist mehrere Gottheiten parallel (Polytheismus) und erst über die lateinische Alphabetisierung wurde die zyklische Zeitvorstellung langsam durch die lineare Zählung nach Rom und schließlich nach Jesus Christus (Anno Domini, AD) abgelöst.
Völlig korrekt ist also auch Deine Beobachtung zur Vergottung des Herrschers, der für die meisten Menschen einfach noch „die Herrschaft“ verkörperte. Abstrakte Nationalstaaten wurden erst mit dem Zeitungsdruck und den Eisenbahnen er-fahr-bar.
Im Gegensatz zu den meisten vor-alphabetisierten Kulten können wir heute wissenschaftlich gesichert sagen: Der Zeitstrahl emergiert, aber wiederholt sich nicht.
Unter Trajan erreichte die römische Republik (S.P.Q.R.) kurzzeitig ihre größte, geografische Ausdehnung.
Aber auch religiös und demografisch hatte das Reich seinen Zenit bereits überschritten und ergab sich wenige Jahrhunderte später in die europäische und globale Kultur.
Auch jeden Cäsar Augustus / Kaiser Trajan gab es nur einmal. Aber auch unser Bloggen und Dialogisieren findet deswegen in lateinischer Alphabetschrift statt. 😌🙏📚
Wort und Schrift sind im Grunde das Gleiche: Man nimmt abstrakte Symbole für reale Dinge, ob die nun über Auge oder Ohr übertragen werden. Und es ist durchaus möglich, dass Schrift – zumindest ihre Vorläufer – fast so alt ist wie die Sprache, und sich beides gemeinsam entwickelt hat – nicht überall, aber in einigen Linien, die parallel zu den Analphabeten verliefen. Wir lesen ja schon immer die Schrift der Natur, was auch immer an Symbolen wir hinzufügen, erweitert nur ein Buch, das schon immer da war.
Da unsere fernen Vorfahren in Afrika Landstreicher waren, waren ihre ersten Symbole wohl so was wie die Hobo-Zeichen in Amerika – sie erforschten die natürlichen Autobahnen und beschrifteten Raststätten und Ausfahrten.
Sie ritzten eine Wellenlinie in den Stein, um Wasserstellen zu markieren, und viele Jahrtausende später wurde daraus die Schlangengöttin der Ur-Europäer im Neolithikum, mit deren Bild sich vielleicht auch Tankwarte zierten, die Wasserstellen wie Schenken betrieben. An einer Kreuzung markierten sie vielleicht den richtigen Weg mit dem Kreuz, und als später die Christen mit dem Fisch ankamen, ersetzten es die Heiden lieber mit dem Symbol, das sie schon ewig kannten, mit seiner seit grauer Vorzeit überlieferten Bedeutung.
Im Paläolithikum gibt es systematisierte Zeichensysteme, die an ein Alphabet erinnern – vielleicht waren es tatsächlich nur Sammlungen von Verkehrsschildern und Emojis. Im Neolithikum finden sich auch Vorläufer der minoischen Schrift in ganz Europa. Manche Archäologen deuten ihre Fülle als religiöse Symbole, so ähnlich wie bei uns die Omnipräsenz entsprechender Schilder klar beweist, dass wir eine Gottheit namens „Tempo 30 Zone“ haben und ihr bei Vollmond Jungfrauenopfer darbringen.
Es gab auch ein „Alphabet“ mit Zeichen aus Ton – Tokens, Figürchen verschiedener Form, die als Vorläufer des Geldes funktionierten: Wenn ein Stamm all seine Schafe in einer Herde hielt, sagte Ihnen die Zahl der Tokens in Ihrem Säckel, wie viele Sie sich herausnehmen durften, aus Platzgründen gab’s ein Token für mehrere Schafe, und natürlich konnten Sie mit so was auch bezahlen. Als es viel zu viele Güter gab, um sie mit immer neuen Token-Arten zu bezeichnen, fing man an, sie einfach in Ton zu stanzen – die Schriftzeichen wurden von 3D auf 2D geplättet.
Weil einer der Standard-Tokens die Form einer Vierkant-Pyramide hatte, nehme ich mal an, der Pharao ließ sich in einer Ein-Euro-Münze begraben – so ähnlich wie Dagobert Duck in einer Kiste mit einem riesigen Dollarzeichen drauf. Damals hieß Goofy noch Anubis.
Ich weiß nicht, ob der Autor des Buches, das ich gerade lese, nur ratet, dass eine Pyramide die Arbeitsleistung maß, aber falls doch, würde sie die Leistung Vieler verkörpern, als geometrische Analogie zur Terrakotta-Armee im Grab des Drachenkaisers. Obermotze lassen sich gern mit ihrem ganzen Besitz und Personal bestatten, wie Trump mit Amerika, Putin mit Russland, Merz mit Deutschland. Keiner hat ihnen gesagt, dass sie keine Nüsse sind, die sich einfach bis zum Frühling eingraben können.
Atlantis ist überall. Es ist nicht im Meer untergegangen, sondern in den Vorurteilen der Archäologen. Was man zuerst ausgebuddelt hat, war zuerst da, Basta. Wenn Sie all Ihre Wäsche auf einen Haufen werfen, liegen ja auch die Sachen ganz unten, die Sie am spätesten oben drauf gelegt haben, ne? In der Popkultur ist noch nicht angekommen, wie tief die Wurzeln der Zivilisation reichen, da sprangen wir gleich von Affenmenschen mit Keulen zu Sumer und Ägypten.
Was hat das mit dieser konkreten Münze zu tun? Pharao und Donald Trump und der Kaiser von Rom. Die Evolution der Menschheit folgt dem gleichen Wettbewerbsmuster, wie Gravitation und Wirtschaft und WM – wir stürzen alle auf einen gemeinsamen Punkt zu, immer schneller und schneller, gegen Ende – in den letzten paar Jahrtausenden, in den letzten paar Jahrzehnten – ging es richtig wild zu, weil sich sehr viel Information auf sehr wenig Raum verdichtet und rasend schnell neue Mutationen und Rekombinationen, neue Ideen und Veränderungen bildet.
Und wenn diese Münze eine Prophezeiung ist, ein Prototyp des Endergebnisses, wenn all das nur dazu da war, damit sich am Ende aller Zeiten irgendein Zampano wichtig machen kann, weil er so viel gepöbelt und geklaut und geerbt hat und echt viele Leute dazu gekriegt hat, vor ihm zu kriechen – dann war all die menschliche Evolution, all das Kämpfen, all das Leid, all die Opfer – vergebens.
Was die Einigung von Europa und Mittelmeerraum angeht, Roma Renata, die Reunion der Band, die in Solo-Karrieren zersplittert ist – das Dieu le veult und Inschallah ergibt sich aus Waffen + Geografie. Wir kommen vom Zeitalter der Imperien ins Zeitalter der Mega-Städte. Wir brauchen nicht nur Burgmauern, sondern auch ein Vorland, eine Pufferzone, die uns genug Vorwarnzeit lässt, Raketen abzufangen.
Und solch natürliche Pufferzonen haben wir nicht innerhalb des besagten Gebietes, da hocken die Völker viel zu eng aufeinander. Die Geographie gibt uns Arktis, Sibirien, Sahara, Atlantik, im Südosten gibt’s eine Treppe aus Bergen und Flächen bis zur Arabischen Halbinsel, wie die Treppen einer Zikkurat oder eines Azteken-Tempels. Die könnten durchaus im Keim verwandt sein, weil die Gedanken und Ideen ja ein Weilchen über die Bering-Straße zu Fuß hin und her laufen konnten.
Dass wir uns also einen Bürgermeister und Stadtrat wählen und eine Stadt mit vielen ethnischen Vierteln wählen, dass wir uns mit den Menschen in den Pufferzonen einigen müssen, damit sie von der Kooperation profitieren, statt Terroristen zu züchten, dass wir uns mit den Städten dahinter auf Demilitarisierung der Puffer einigen müssen (China, USA, Indien, wer auch immer noch kommen mag), weil’s ja auch ihre Puffer sind – ergibt sich aus der Sachlage.
In so einer Stadt – hätten wir vielleicht genug Ressourcen und Menschen, den Klimawandel zu überleben. Vielleicht. Wenn wir einander helfen. Wenn wir bereit sind, zum Teil mitzuspielen und uns neue Heimstätten dort aufzubauen, wo es die Geografie und das Wetter erlauben. Wenn wir uns von den Sci-Fi-Geschichten über den Mars und seinen Kanälen inspirieren lassen. Willkommen auf Barsoom.
Es geht um Archen. Eine Arche für Pharao Trump, Pharao Xi zu bauen und dann zu verrecken, ist einfach. Eine Arche für ein, zwei Milliarden Menschen zu bauen ist schwer. Wir bauen den Turm zu Babel wieder auf, aber diesmal müssen wir uns dem Gott fügen, der uns Frieden befiehlt, damit er bestehen bleibt.
Das ist so die Stimme der Propheten, der Auguren und der Schamanen, die die Schrift der Tierspuren, der Wolken, der Sterne und des Vogelflugs lesen können. Natürlich ist Kassandra herzlich bescheuert, wenn sie die Leute warnt, statt auf Pythia umzuschulen und das zu offenbaren, was den Priestern gerade zum Business passt. Wenn sie allen Ernstes erwartet, dass die Leute auf sie hören, sollten sie es lassen, denn dann war’s mit dem Hellsehen garantiert nix. Ist ja auch egal, wo ein Atlantis gegen die Götter frevelt und untergeht, taucht woanders ein neues auf.
Morgen schon kann alles anders sein. Morgen schon kann das Methan aus den Meeren auftauen, die Atemluft wird zu Giftgas, und die Überlebenden müssen zusehen, wie sie Extremen an Hitze und Kälte und Sturm in Atemmasken und Bunkern trotzen, inmitten einer Wüstenlandschaft voller bleichender Knochen und toter Wälder. Morgen schon kann jeder Arsch sich Biowaffen im Keller bauen, auch da brauchen wir Raumanzüge und Raumstationen. Aber auch da überleben mehr Menschen, wenn sie viele Ressourcen haben, ein sicheres Grundstück, eine gute Organisation und viel, viel Kooperation und Leistung bringen können.
Wo wir bei Azteken waren – ich frage mich, wie die Begegnung mit der teils überlegenen Zivilisation Europa beeinflusst hat. Es wirkt ja so, als würden die ernst machen, wo wir Märchen erzählen, die haben jeden Tag einen Jesus geopfert und auch manchmal Könige zu Märtyrern gemacht. Und da wäre es echt interessant zu checken, wie Kolumbus das christliche Denken verändert hat, und ob es Veränderungen gibt, die von der anderen Seite des Ozeans herüber geschwappt sein könnten. Vielleicht finden wir sogar heraus, dass es ohne Azteken und Maya keinen Luther gegeben hätte?
Deutsch-französische Freundschaft ist super. Aber das sind keine Nationen und keine Staaten mehr, das sind zwei Hinterwäldler-Dörfchen in Sahelzone-Nord. Und ich finde, wenn wir den Zoom-Faktor anpassen, wenn wir anfangen, in Maßstäben zu denken, die heute relevant sind, wenn wir unsere nationale Nabelschau überwinden – macht es uns das einfacher, zu erkennen, dass all unsere Feindseligkeiten der Vergangenheit nicht mehr waren, als zwei Bauern, die sich um einen Apfelbaum an der Grundstücksgrenze verkracht haben.
Europa ist ein bunt zusammengewürfelter Piratenhaufen von Minderheiten. Unsere gemeinsame Kultur ist Multikulti, eine andere haben wir nicht. Wir haben nur einen Gott, der seinen Willen in Berge und Meere geschrieben hat, samt dem Lohn für jene, die ihn erfüllen und der Strafe für jene, die sich widersetzen. Und dass dieser Wille darin besteht, dass die unterschiedlichsten Völkchen in Frieden und Toleranz miteinander zu leben lernen, ergibt sich aus dem, zu dem uns diese Landschaft gemacht hat.
@Hauptartikel
„In Frankreich gibt es bislang leider nur sehr wenige Häuser mit eigener Solarenergie, aber bereits viele Ladestationen für Elektroautos.“
Das wundert nun bei der AKW-Leistung Frankreichs jetzt ja auch nicht. Die AKWs laufen praktischerweise das ganze Jahr konstant durch, und werden nur zu Wartungszwecken zwischendurch mal vom Netz genommen. Naja, oder ungeplant bei Niedrigwasser.
Da passt jetzt Strom aus Sonne und Wind nicht so gut dazu. Man kann hier nicht wie mit Gas- und Kohlekraftwerken nur bei Bedarf Backup liefern, das können AKWs einfach nicht.
Ganz anders sieht das mit z.B. Lithiumspeichern aus, egal ob jetzt verbaut in Autos oder direkt im Netz. Die können doch sogar den Atomstrom sehr gut unterstützen, in dem sie zunächst mal nur die Verbrauchsschwankungen ausgleichen.
Und wenn man diese Speicher schon mal hat, machen dann aber auch PV-Anlagen und Windräder auf einmal Sinn, trotz jeder Menge Atomstrom. Und mehr Strom für E-Autos, Wärmepumpen und Klimaanlagen wird man auf jeden Fall auch brauchen. Da muss man dann nicht unbedingt neue sündhaft teure Atomkraftwerke bauen. PV und Windräder sind gegenüber AKW-Neubauten einfach konkurrenzlos billiger und um eine Größenordnung schneller zu bauen.
Man wird dann vermutlich dennoch zeitweise einige Überschüsse haben, die man aber auch ganz gut nach Spanien, Italien, und Deutschland verkaufen kann. Und wenn es in Frankreich mal knapp wird, liefern wir auch gerne mal eine Menge Strom zurück.
Hat man genug Speicher, kann man den Länderübergreifenden Stromhandel auch bevorzugt so gestalten, wie man es gerade am Besten verarbeiten kann. Durch einen gewissen zeitlichen Spielraum kann man dann auch noch die Fernstromleitungen optimal ausnutzen.
Auch uns wird das helfen, vor allem weil der französische Atomstrom ordentlich subventioniert wird, das müssen ja nicht unsere Steuerzahler bezahlen. Ein Plus für Frankreich bleibt, vermutlich sind deren AKWs fast komplett von Firmen im eigenen Land produziert. Da ist eine gewisse Subventionierung sinnvoll, zumal man auch keinen Außenhandelsüberschuss hat wie wir hier in Deutschland.
Danke und ja, @Tobias – zum einen wird der Atomstrom in Frankreich staatlich subventioniert, zum anderen müssen immer mehr Atomkraftwerke wegen mangelndem Kühlwasser abgeschaltet werden.
Doloresz Katanich am 13.07.2026, Euronews:
Der staatliche französische Energiekonzern EDF hat am Sonntag vorübergehend drei Kernreaktoren abgeschaltet. Sieben weitere Anlagen müssen ihren Stromausstoß womöglich drosseln, weil die Hitzewelle im Land anhält.
https://de.euronews.com/business/2026/07/13/frankreich-drosselt-atomreaktoren-hitzewelle-verscharft-sich
Nach Einschätzung französischer Freundinnen und Freunde sind auch in unserem Nachbarland die fossilen Konzerne und Konzernmedien das Problem: Sie würden aktiv bekämpfen, dass französische Haushalte ihren Strom selbst produzieren. Einige Konzernbosse und deren Medien hätten sich auch längst auf die Seite von Marine LePen geschlagen, um die post-fossile Transformation des Landes und seine föderale Dezentralisierung zu verhindern.
Auch in Frankreich würden erneuerbare Heimatenergien auch den regionalen Wohlstand und die Energiedemokratie fördern. Und genau deswegen werden sie bekämpft…
Dass gleich mehrere der deutschen Familien aus Filderstadt bereits Solarpaneele auf den Dächern hatten, war ein wiederkehrendes Dialog-Thema. Wo sich die Völker verbinden, beginnen sie ihren jeweiligen Fossilisten kritische Fragen zu stellen…
Vielen Dank. Ich war sehr häufig in Frankreich, sowohl im Norden als auch im Süden. Mit einer im Departement Rhône gelegenen Gemeinde besteht seit 1970 eine Städtepartnerschaft mit meinem Geburtsort.
Sie erwähnen die Grafschaft Mömpelgard, die über Jahrhunderte mit dem Haus Württemberg verbunden war. Auch dort prägte man Münzen.
Nach der französischen Revolution 1789 fiel Mömpelgard/Montbéliard endgültig an Frankreich.
Auf ein paar Geschichten aus der Geschichte darf ich hier verweisen.
Der 1616 in Stuttgart geborene Komponist Johann Jakob Froberger, der am kaiserlichen Hof in Wien als Organist tätig war und von dort für über drei Jahre nach Italien auf Studienfahrt ging, ist mit dem in der Grafschaft Mömpelgard liegenden Ort Héricourt verbunden. Anfang der 1660er Jahre trat er in die Dienste von Herzogin Sibylla von Württemberg-Mömpelgard. In Héricourt starb dieser weitgereiste Mann im Mai 1667.
Franquemont ist der Name einer ehemaligen Herrschaft und Burg, die zeitweise den Grafen von Montbéliard unterstand.
Herzog Carl Eugen von Württemberg (1728-1793) hatte einige uneheliche Söhne und Töchter von verschiedenen Frauen. Mehrere dieser Nachkommen erhielten den Nachnamen „von Franquemont“ und bekleideten wichtige Ämter in Württemberg. Zu nennen ist hier Friedrich Graf von Franquemont (1770-1842), den König Wilhelm I. von Württemberg 1816 zum Staats- und Kriegsminister ernannte.
Eleonore Freiin von Franquemont (1771-1829) war die Großmutter des französischen Außenministers Agénor Herzog de Gramont (1819-1880). Sein Name ist verbunden mit den Ereignissen, die zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 führten. Es ist dies eine Ironie der Geschichte, war doch Herzog Carl Eugen sehr frankophil. Für die Opern des württembergischen Hofkapellmeisters Niccolo Jommelli komponierte der Franzose Jean Joseph Rodolphe die Ballettmusik. Die Choreografie übernahm sein französischer Landsmann Jean Georges Noverre, dessen Name bis heute mit dem Stuttgarter Ballett verbunden ist. Bei weiteren französischen Künstlern, deren Werke in Württemberg zu bewundern sind, handelt es sich um Nicolas Guibal, der die Deckengemälde im Schloss Solitude und im Seeschloss Monrepos schuf. Architekt war Philippe de la Guêpière.
Die französische Sprache fand auch Eingang in den schwäbischen Dialekt. Aus meiner Kindheit sind mir vor allem drei Worte in Erinnerung, die meine Tante (Jg. 1928) häufig benutzte:
„Suddrai“ für den Keller, „Drottwar“ für den Gehweg und „Blaffo“ für die Decke eines Zimmers. Bei den französischen Wörtern handelt es sich um „souterrain“/“trottoir“/“plafond“.
Haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihren württembergisch-französischen Kommentar, @Marie H. 🙏
Auch mich beeindruckte, wie ja im Kurzvideo gezeigt, die vorbildliche Städtepartnerschaft und deutsch-französische Versöhnungsarbeit zwischen Montbéliard / Mömpelgard und Ludwigsburg.
In der längst französisch gewordenen Stadt gab es zudem auch mutige Widerständler gegen das mit den Nazis kollaborierende Vichy-Regime.
Zu Weihnachten 1942 forderte der katholische Erzpriester Jean Flory (1886- 1949) die deutschen Besatzer heraus, indem er an den Figuren von Jesus, Maria und Josef in der Kirchenkrippe große gelbe Sterne anbrachte. Damit rief er der Gemeinde und den Behörden unmissverständlich die jüdische Herkunft der heiligen Familie ins Gedächtnis.
Und während eines Gottesdienstes für die Kriegsgefangenen nutzte er seine Predigt, um laut von der Kanzel herab nicht nur die Namen der gefangenen Soldaten vorzulesen, sondern auch die Namen der deportierten jüdischen Bürger aus Montbéliard, die Opfer der Gestapo geworden waren.
Er engagierte sich zudem im Untergrundnetzwerk der christlichen Widerstandszeitung „Cahiers du Témoignage chrétien“. Für seinen Mut und seinen Einsatz zur Rettung von Verfolgten wurde er später von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet.
https://www.ajpn.org/personne-Jean-Flory-8386.html
Auch aus der evangelischen Kirche des Elsass gab es damals Widerstand, so durch den reformierten Pfarrer Marc Boegner (1881 – 1970):
https://museeprotestant.org/de/notice/marc-boegner-1881-1970/
Zum offenen Bruch mit dem Vichy-Regime kam es im März 1941 mit den Maßnahmen gegen die Juden. Im Sommer protestiert Pfarrer Boegner mit einem Schreiben an Marschall Pétain vom 20. August 1942 offiziell gegen die Judendeportationen. Am 22. September 1942 richtet der Nationale Rat der ERF ein Schreiben an die Pfarrer, das am 4. Oktober von der Kanzel zu verlesen ist und in dem unter anderem steht : „Die ERF kann nicht schweigen angesichts des Leidens Tausender Menschen, die auf unserem Boden Asyl fanden (…). Das Evangelium befielt uns, alle Menschen ausnahmslos als Brüder zu betrachten (…). Die Kirche fühlt sich gezwungen, den Aufschrei des christlichen Gewissens hören zu lassen“. („l’ERF ne peut garder le silence devant les souffrances de milliers d’êtres qui reçurent asile sur notre sol (…). L’Évangile nous ordonne de considérer tous les hommes sans exception comme des frères ( …). L’Église se sent contrainte de faire entendre le cri de la conscience chrétienne »).
https://museeprotestant.org/de/notice/die-protestanten-und-das-regime-von-vichy/
Bereits 2023 hatte ich hier das Buch „Letzte Wege in die Freiheit“ von Thomas Seiterich über sechs todesmutige, elsässisch-französische Pfadfinderinnen rezensiert und empfohlen:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/letzte-wege-in-die-freiheit-sechs-elsaessische-pfadfinderinnen-retteten-leben-gegen-den-ns/
In Zeiten, in denen weltweit wie auch konkret in Deutschland und Frankreich wieder rechtspopulistische und rechtsdualistische Stimmen vor allem digital erstarken, finde ich es wichtig, an den Hoffnungen der deutsch-französischen Erinnerungs-, Dialog- und Versöhnungsarbeit anzuknüpfen. Ihnen herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre historiscj interessanten Beiträge dazu! 🙏🙌
Herzlichen Dank für diesen faszinierenden und unglaublich detailreichen Ausflug in die Geschichte! Es ist wirklich beeindruckend, wie tief die Verflechtungen zwischen Frankreich und Württemberg – sei es durch das Haus Württemberg-Mömpelgard, die Künstler am Hofe Carl Eugens oder adlige Familiengeschichten – verwurzelt sind.
Die Ironie rund um den Herzog de Gramont und den Krieg von 1870/71 zeigt einmal mehr, wie eng und zugleich voller Wendungen die europäische Geschichte ist.
Besonders schön finde ich auch Ihre linguistische Anekdote am Ende! Das schwäbische „Drottwar“ und „Suddrai“ sind wunderbare Beispiele dafür, wie lebendig Geschichte im Alltagssprachgebrauch weiterwirkt. Vielen Dank fürs Teilen dieses fundierten Wissensschatzes!
@Michael 14.08. 00:03
„Auch in Frankreich würden erneuerbare Heimatenergien auch den regionalen Wohlstand und die Energiedemokratie fördern. Und genau deswegen werden sie bekämpft…“
Wie gesagt, die französischen AKWs will man natürlich alle rund um die Uhr laufen lassen. Statt Tonnen von Kohle oder Gas braucht man nur Grammbruchteile von Uran. Angesichts der aber sehr hohen Anlagenkosten ist da ein Dauerbetrieb schlichtweg konkurrenzlos wirtschaftlich. Und wenn wir in Deutschland Strommangel haben und die Franzosen Überschüsse, dann ist das zu begrüßen, wenn wir billigen Atomstrom aus Frankreich beziehen können.
Neubauten von AKWs angesichts von immer noch weiter billiger werdenden PV-Anlagen und Batteriespeichern wären allerdings völliger wirtschaftlicher Unsinn. Genau so unsinnig wie noch mehr neue Gaskraftwerke in Deutschland.
Sich in Frankreich eine eigene Solaranlage anzuschaffen mag dennoch wirtschaftlich sein. Die müsste aber gleich einen eigenen Batteriespeicher haben. Tagsüber ins Netz einspeisen macht an den meisten Tagen wenig Sinn, die AKWs kann man unmöglich stundenweise drosseln, und selbst wenn man es könnte, macht es aufgrund der äußerst geringen Kernbrennstoffkosten keinen Sinn. Da kann man notfalls sogar eigene Batteriespeicher gleich am AKW-Standort installieren, wenn öfter die Atomstromüberschüsse schwer loszuwerden sind.
Je nach Region hätte man aber sehr hohe Solarerträge, insbesondere im Südosten Frankreichs. Das ist durchaus ein Faktor, und ein Grund, hier für sich selber zu investieren. Und an den besten Standorten machen richtig große PV-Freiflächenanlagen, praktischerweise gleich mit eigenem Großspeicher und später auch Wasserstoffproduktion, ganz viel Sinn. Da kann man jede Menge sehr billigen Strom auch nach Deutschland, die Schweiz und Norditalien verkaufen, je nachdem, wie die aktuelle Bewölkung gerade über die Regionen verteilt ist.
Andersherum ist allerdings Windenergie in Frankreich eher weniger lukrativ. In Deutschland, England, Holland oder Dänemark ist es dagegen insbesondere rund um die Nordsee sehr viel windiger. Allzuweit kann man allerdings auch den Windstrom nicht transportieren, hier braucht man dann auch gleich am Standort wiederum eigene Batteriespeicher, und demnächst auch eine Wasserstoffproduktion gleich in Standortnähe.
Vielen Dank für Dein konstruktives Interesse am Thema und konkret der Energiewende auch in Frankreich, @Tobias
Bezüglich der Atomkraft hatte ich hier schon vor über drei Jahren darauf hingewiesen, dass auch der Zugriff auf Uran etwa im Niger zwischen Frankreich und Russland strittig war und teilweise bereits indirekt militärisch ausgefochten wurde:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ressourcenfluch-putsch-in-niger-ein-weiteres-atomkraft-desaster/
Inhaltlich stimme ich Dir zu, dass zumindest der Neubau von Atomkraftwerken (AKW) angesichts der wirtschaftlichen, klimatischen, politischen und sogar militärischen Risiken einfach keinen Sinn mehr macht. Umso mehr bedauere ich Pläne auch in Deutschland, ausgerechnet die Unterstützung von Solarforschung zu kürzen!
Im Klima- und Transformationsfonds sollen die Verpflichtungsermächtigungen für neue Energieforschungsprojekte 2027 von rund 576,9 auf 385,8 Millionen Euro sinken. Die Frankfurter Rundschau spricht von einer Kürzung um etwa ein Drittel. Solarserver kritisiert, der Fonds spare bei Forschung, während er an anderer Stelle Energieverbrauch subventioniere.
https://www.tabularasamagazin.de/gaby-kurz-ein-drittel-weniger-forschung-deutschland-spart-seine-zukunft-weg/
Dagegen warnte der bayerische Energieforscher Hans-Peter Ebert vom Forschungsverbund Erneuerbare Energien (FVEE) m.E. zu Recht:
Die Erfahrung aus der Photovoltaikindustrie zeigt: Der Verlust technologischer Kompetenz und industrieller Wertschöpfung ist nur schwer und mit erheblichem Aufwand rückgängig zu machen. Werden Forschung, Entwicklung und industrielle Anwendung nicht kontinuierlich unterstützt, besteht die Gefahr, dass Know-how, Fachkräfte und Produktion in andere Regionen abwandern. Gerade bei Speichern, Wasserstoff und anderen Zukunftstechnologien steht Deutschland in einem intensiven internationalen Wettbewerb. Unser entscheidender Standortvorteil beruht dabei nicht auf günstigsten Kosten, sondern in technologischer Führung und der Fähigkeit, Innovationen schnell in marktfähige Lösungen zu überführen. Hinzu kommen Fragen der Technologiesouveränität und Resilienz. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie wichtig robuste Lieferketten und eigene technologische Kompetenzen für Energie und Industrie sind. Dafür sind eigene Forschung und Entwicklung unverzichtbar.
https://www.fr.de/politik/energieforschung-bund-kuerzt-neue-projekte-um-ein-drittel-94426908.html
Zur leider zur Bundesrepublik eng vergleichbaren, fossilistischen Blockade des Solarzubaus in Frankreich habe ich hier Felo.ai gepromptet:
Den Ausbau blockieren nicht generell einzelne Akteure bei privaten Hausdächern, sondern vor allem politische Entscheidungen der französischen Regierung, die die Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen verschlechtern. Für private Anlagen bestehen weiterhin Förderinstrumente und grundsätzliche Genehmigungsmöglichkeiten.[6]
## Staatliche Förderung als zentraler Engpass
Die Regierung plante 2025, Einspeisevergütungen für Dach-PV rückwirkend zu kürzen und die Ausbauziele im mehrjährigen Energieprogramm abzusenken. Besonders betroffen waren Anlagen mit 100 bis 500 Kilowatt Leistung; Branchenverbände warnten, dass Projekte dieses Segments dadurch im Jahr 2025 nicht mehr rentabel seien.[3]
Das betrifft überwiegend Gewerbe-, Landwirtschafts- und größere Dachanlagen, nicht die typische kleine Eigenheimanlage. Aber niedrigere Vergütungen und unklare Nachfolgeregeln können auch den gesamten Installationsmarkt und damit mittelbar private Investitionen bremsen.[1][3]
## Private Dächer: Kein allgemeines Verbot
Für private Photovoltaik gibt es in Frankreich weiterhin:
– Eigenverbrauchsprämien, Einspeisetarife und für kleine Anlagen teils reduzierte Mehrwertsteuer.[6]
– Staatlich garantierte Abnahmeverträge, meist über 20 Jahre, für eingespeisten Strom.[6]
– Eine Installationsvoraussetzung: Für Förderungen muss in der Regel ein Unternehmen mit dem RGE-Qualitätssiegel beauftragt werden.[6]
Bei Balkonanlagen sind zusätzlich der Antrag beim Netzbetreiber und bei Fassaden- oder Balkonmontage oft eine Meldung bei der Gemeinde erforderlich. In Eigentumswohnungen können außerdem Gemeinschaftsordnung und Eigentümerversammlung die Anlage begrenzen oder genehmigungspflichtig machen.[6]
## Moratorium für neue Solar- und Windanlagen
Im Juni 2025 billigte die Nationalversammlung zeitweise einen Änderungsantrag für ein Moratorium neuer Wind- und Photovoltaikanlagen, bis eine unabhängige Studie über den optimalen Energiemix vorliegt. Das wurde insbesondere rechten und konservativen Kräften sowie ihrer atomkraftorientierten Energiepolitik zugeschrieben; der Industrieminister Marc Ferracci bezeichnete den Beschluss als verheerend und verwies darauf, dass das Gesetzgebungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.[4][5]
**Fazit:** Private Dach-PV ist in Frankreich nicht pauschal untersagt. Die wesentlichen Bremsen sind Förderkürzungen und regulatorische Unsicherheit der Regierung; bei einzelnen privaten Gebäuden kommen Netz-, Gemeinde- und gegebenenfalls Eigentümergemeinschafts-Genehmigungen hinzu. Ein damals diskutiertes Moratorium hätte zwar breitere Solarprojekte gefährdet, war aber kein spezifisches Verbot für private Hausdächer.[3][6][7]
[1] https://www.pv-magazine.de/2025/02/17/frankreich-will-einspeisetarife-fuer-photovoltaik-dachanlagen-bis-500-kilowatt-teilweise-drastisch-kuerzen/
[2] https://www.heliosgmbh.de/luxembourg
[3] https://www.energiezukunft.eu/erneuerbare-energien/solarenergie/weniger-foerderung-fuer-photovoltaik-dachanlagen
[4] https://www.zfk.de/politik/welt/warum-frankreich-ueber-einen-stopp-von-neuen-wind-und-pv-anlagen-nachdenkt
[5] https://www.merkur.de/wirtschaft/paris-vor-entscheidung-verbot-fuer-den-ausbau-erneuerbarer-energien-steht-bevor-93798438.html
[6] https://www.cec-zev.eu/de/themen/wohnen-und-geld/immobilien/photovoltaik/
[7] https://www.fr.de/wirtschaft/schock-abstimmung-in-paris-rechte-beschliessen-verbot-von-solar-und-wind-zr-93797486.html
[8] https://www.srf.ch/news/schweiz/solarkraft-im-disneyland-schweizer-solartechnologie-erobert-frankreichs-parkplaetze
[9] https://milkthesun.com/de/news/frankreich-kuerzt-einspeiseverguetungen-fuer-pv-anlagen-bis-100-kw-sorge-um-wirtschaftlichkeit/
[10] https://www.intersolar.de/neuigkeiten/parkplatz-pv-pflicht-in-frankreich
[11] https://www.german-energy-solutions.de/GES/Redaktion/DE/Meldungen/Marktnachrichten/2022/20221130-frankreich.html
[12] https://euractiv.com/de/news/deutschland-und-frankreich-kurzen-solarforderung-de/
[13] https://euractiv.com/de/news/solar-energy-not-prioritised-in-french-candidates-green-transition-plans/
[14] https://solar-forum.com/neuigkeiten/frankreich-senkt-einspeiseverguetungen-fuer-pv-anlagen-wirtschaftliche-folgen-erwartet/
[15] https://www.naturschutz-energiewende.de/fragenundantworten/299-hemmnisse-fuer-photovoltaik-dachanlagen-2/
[16] https://www.solarbranche.de/solar/solarstrom/solarenergie-frankreich
[17] https://www.gtai.de/de/trade/frankreich/branchen/licht-am-horizont-fuer-frankreichs-solarbranche-1761268
Hallo zusammen,
Bei diesem Blogpost ist mir ein Gedanke gekommen, der an deine Anregung anknüpft, @Michael: Du hattest dazu angeregt, sich zu überlegen, welche Informationen eine römische Münze aus der Vergangenheit für uns Heutige über die bis dahin vollzogene Evolution des Staatswesens bereithält.
Man könnte nun den Blick in die Zukunft richten und sich fragen, welche Botschaft Münzen der Euro-Währung – sollten sie in Tausenden von Jahren von Archäologen der Zukunft gefunden werden – über unser heutiges Staats- und Gesellschaftsverständnis aussagen würden. Denn du hattest ja dezidiert auf Münzen als zeitartige Medien verwiesen, die es erlauben, über die Zeit hinweg zu kommunizieren.
Bei den Cent-Münzen fällt beispielsweise auf, dass sie eine geopolitische Information tragen: Europa ist dort als Kontinent – neben seinem Nachbarkontinent Afrika – abgebildet. Auf anderen Münzen hingegen werden, wenn ich das richtig überblicke, Symbole der Nationen dargestellt, die zum Euro-Raum gehören. Die deutsche 1-Euro-Münze zeigt den Bundesadler, eine spanische Version den König. Eine deutsche 50-Cent-Münze zeigt das Brandenburger Tor, eine irische 50-Cent-Münze eine Harfe.
Ich hoffe sehr, dass ein solcher Fund für zukünftige Archäologen nicht den Blick auf eine nur kurz aufblitzende Phase des Zusammenhalts bedeutet – und bis dahin die Welt ein Auseinanderdriften und einen Zerfall erlebt hat –, sondern dass eine kontinuierliche Entwicklung sichtbar wird, die zu noch mehr Frieden und der Stärkung gemeinsamer Werte führt.
Ach ja, und was gemeinsame Werte betrifft: Der Spruch auf der Ladesäule gefällt mir sehr gut! Biodiversité als Fortsetzung des französischen Freiheitsgedankens. Denn erneuerbare Energien schützen Biodiversität und unsere Freiheit.
Vielen Dank, lieber @Peter – ein großartiger, Zeit-philosophischer Gedanke! 🙏
Und historisch war Europa ja gerade nicht der Name einer Kontinentalmasse, sondern die die Tochter des phönizischen Königs Agenor und der Telephassa, die von Zeus in Gestalt eines Stiers übers Meer nach Kreta entführt und dort von ihm „geheiratet“ wurde. Zu den Kindern aus dieser „Ehe“ gehört dann auch der legendäre (und umstrittene) Minos.
Bereits in ihrer „Dialektik der Aufklärung“ von 1944 beobachteten Adorno & Horkheimer eine mediale und mimetische Re-Mythologisierung der Welt, nicht zuletzt durch eine eskalierende Kulturindustrie. Ich hatte ja erst neulich in Tübingen dazu gesprochen:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mimesis-medien-macht-grundsatzrede-beim-weltethos-institut-tuebingen/
Dass hier wohl wirklich ein fossilistischer Zusammenhang besteht, wird auch daraus deutlich, dass die Zerspalter der Europäischen Union (EU) auch regelmäßig als Bekämpfer der post-fossilen Energiewende wirken!
Und gerade erst musste ich in einem Mastodon-Dialog über die „Feel-Good“-Strategien vieler Radios einräumen:
Ich wünschte wirklich, es wäre anders. Doch auch in Deutschland beobachte ich, was ich bereits 2015/16 im Irak sah: Wenn die Klima- als Hitzegewalt- und Wasserkrise spürbar wird, schauen die meisten Menschen noch stärker auf die eigenen Kurzfrist-Interesse und verschanzen sich hinter Externalisierung und Freund-Feind-Dualismus.
Hier, aktuell:
„Die Mehrheit der Deutschen steht einer Studie zufolge weiterhin grundsätzlich zum Klimaschutz. Die Unterstützung für konkrete Maßnahmen ist demnach allerdings rückläufig – die Befragten sorgen sich um die Kosten. […] So sank die Zustimmung zur Energiewende in den vergangenen fünf Jahren von 69 auf 60 Prozent. Bei der Befragung, die vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt wurde, äußerten 55 Prozent ihre Besorgnis vor den persönlichen finanziellen Auswirkungen durch die angepeilten Klimaschutzmaßnahmen.“
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117094237329426256
Ich möchte daraus noch nicht schließen, dass die Tage der Europäischen Union (EU) gezählt seien. Stattdessen machte ich ja auch hier auf dem Blog darauf aufmerksam, wie wenig Beachtung das starke Plädoyer von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) für Solarenergie bisher gefunden hat:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rede-der-eu-kommissionspraesidentin-ursula-von-der-leyen-cdu-evp-fuer-den-globalen-ausbau-erneuerbarer-friedensenergien/
Doch für den Moment sehe ich eher als Auftrag statt als Verheißung, dass die Zukunft Europas aufs Engste mit dem schnelleren Zubau von erneuerbaren Friedensenergien verbunden ist. Jede Re-Mythologisierung kann leider auch in dualistische Wissenschaftsfeindlichkeit umschlagen…
@Peter Gutsche 14.08., 15.53 Uhr
@Michael Blume 14.08., 16.20 Uhr
Welche Informationen über den Euro können Archäologen/Historiker durch entsprechende Münzfunde in ferner Zukunft bekommen?
Auch wenn dies in den Bereich der Spekulation gehört, glaube ich, dass insbesondere der Vergleich älterer Münzen mit den Euromünzen darauf hinweisen wird, dass die Währung schon deshalb stabil gewesen zu sein scheint, weil ihre Legierung über die Jahre hinweg gleich geblieben ist.
Das Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart zeigte 2025 in seiner Ausstellung „Maskenball und Kanonendonner – Das Herzogtum Württemberg im Siebenjährigen Krieg – auch verschiedene Münzen.
Im Begleitbuch zu dieser Ausstellung steht auf Seite 18:
„Wie das Preußen Friedrichs II. versuchte auch Herzog Carl Eugen, die stark angegriffenen Staatsfinanzen durch Münzverschlechterung zu entlasten. Den minderwertigen Münzen, die in der Ausstellung zu sehen sind, sieht man den geringen Edelmetallgehalt mit bloßem Auge nicht an.“
Auf Seite 70 folgt:
„So enthielten die württembergischen Sechsteltaler von 1758 derart wenig Silber, dass sie schon im Jahr ihrer Emission im Königreich Preußen und im Kurfürstentum Hannover verboten wurden.“
„Münzverschlechterung und Inflation. Die von verschiedenen Fürsten zur Zeit des Siebenjährigen Krieges angeordneten Münzverschlechterungen dienten der Staatsfinanzierung. Die ökonomische Folgewirkung dieser Politik war eine Zunahme der Inflation…“
Eine stabile Währung allein erhält die Demokratie ebenso wenig wie eine starke Wirtschaft.
Die Annäherung von Deutschland und Frankreich nach 1949, die in zahllosen Partnerschaftstreffen zwischen den Menschen selbst vertieft wurde, kann nur von uns und der nachkommenden Generation aufrechterhalten und fortgeführt werden.
Leider haben auch deutsche Politiker bereits wieder die Axt an die europäische Einigung gelegt.
Vor meinem geistigen Auge habe ich zwei Bilder:
Charles de Gaulle und Konrad Adenauer in der Kathedrale von Reims.
François Mitterand und Helmut Kohl in Verdun.
Zwei Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, beide CDU, die sich ihrer historischen Rolle und ihrer Verantwortung für Frieden und Freiheit in Europa bewusst waren.
Vielleicht wären auch sie in der heutigen Zeit überfordert. Auf jeden Fall glaube ich, dass sie darauf gehofft haben, dass sich die Politiker nach ihnen ihrer Verantwortung für Europa bewusst sind. Es war ein langer Weg von den Fürstentümern und Kleinstaaten im 18. Jahrhundert bis zu einem vereinten Europa.
Ganz herzlichen Dank für Ihren starken Kommentar, @Marie H. – dem ich vollinhaltlich zustimme!
Schon während der Covid19-Pandemie hatte ich ja intensiv mit Anti-Euro-Verschwörungsunternehmern, Crashpropheten und Goldverkäufern zu kämpfen, die die europäische Währung und damit die Europäische Union angriffen.
Mein dann auch bei der ZEIT veröffentlichter Sammelband-Artikel zur „libertären Verschwörungsmythologie des Geldes“ sorgte in Schwurblerkreisen für Wut und wirkt bis heute nach:
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-04/querdenken-verschwoerer-mythologie-bargeld-antisemitismus-michael-blume
Ebenso stimme ich Ihrer Analyse zu, dass kleinere Rechtsmimetiker das große, auch christdemokratische Erbe der Europäischen Versöhnung zu verschleudern drohen. Denken wir nur an die dauerhaften, Deutschland-seitigen Grenzkontrollen gegen all unsere Nachbarländer, die den Nationalismus nicht „besänftigt“, sondern weiter angefacht haben. Auch Italien und Spanien eskalieren da ja leider gerade gegeneinander.
Und in der Energiewende „trotzt“ nicht nur die fossile Gaslobbyistin in der deutschen Bundesregierung. Auch in Frankreich und weiteren Staaten haben Reaktante und Fosssilisten derzeit gleichzeitig klimatisches Niedrig- und politisches Oberwasser.
Dazu schreibt die Stuttgarter Zeitung von heute auf Seite 7:
„In Frankreich sind aktuell rund ein Fünftel der Atomstromproduktion lahmgelegt.
Dort fehlt nicht nur das Kühlwasser, zusätzlich beeinträchtigt ein massives Aufkommen von Quallen im Ärmelkanal die Meerwasserpumpen des Atomkraftwerks Gravelines, weswegen drei der sechs Reaktoren abgeschaltet werden mussten.
Gravelines in der Normandie zwischen Calais und Dünkirchen ist das größte Atomkraftwerk Westeuropas.
Obwohl abzusehen ist, dass der sich beschleunigende Klimawandel die Probleme mit jenen AKW, die von Flusswasser abhängig sind, noch verschärfen werden, überlegen einige Staaten, neue Meiler zu bauen.
Im Moment nutzen 12 von 27 EU-Staaten Kernenergie zur Stromerzeugung.“
In einem Satz: Nicht die Kinder haben ein psychologisches und philosophisches Problem, sondern Erwachsene, die wie Kinder trotzen.
@Michael 14.08. 16:20
„Doch für den Moment sehe ich eher als Auftrag statt als Verheißung, dass die Zukunft Europas aufs Engste mit dem schnelleren Zubau von erneuerbaren Friedensenergien verbunden ist.“
Überregional interessant wären jede Menge sehr ertragreiche PV-Standorte im Südosten Frankreichs. Da ist Platz ohne Ende, PV verbraucht davon generell nur sehr wenig. Mit diesen günstigen Standorten kann man nicht nur Frankreich selbst ganz gut bedienen, sondern eben auch Norditalien, Süddeutschland und bis hinauf nach Belgien.
In Deutschland gibt es so gute PV-Standorte nirgends.
Soweit das die Fernstromleitungen schaffen, lässt sich hier auch eine Menge Geld verdienen. Und mit genug Speichern direkt an den Freiflächenanlagen können die Stromleitungen auch rund um die Uhr Solarstrom weitreichend verteilen.
Und die französischen Atomkraft muss das nicht stören, dass kann auch gut parallel laufen.
Das ist sachlich richtig, @Tobias – aber auch in Frankreich kippt die politische Stimmung von der Energiewende in den rechten Fossilismus zurück.
Hier ein französisches Umfrageergebnis vom Juli 2026, mit deutscher Übersetzung:
À 280 jours du premier tour de l’élection présidentielle, Marine Le Pen est la grande favorite. Selon le sondage réalisé par Elabe pour La Tribune Dimanche et BFMTV, elle l’emporterait au second tour dans tous les cas de figure, obtenant 67,5 % face à Jean-Luc Mélenchon, 54 % face à Gabriel Attal et 52 % face à Édouard Philippe. Lors de notre précédente enquête publiée le 30 mars dernier, le candidat Horizons dominait (avec 53 % des voix) la députée RN du Pas-de-Calais. « La bascule vient des électeurs de droite et des retraités », explique Bernard Sananès, le président d’Elabe.
https://www.latribune.fr/article/la-tribune-dimanche/politique/45944749344411/sondage-presidentielle-le-pen-en-tete-melenchon-progresse
In deutscher Übersetzung:
280 Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen ist Marine Le Pen die große Favoritin. Laut der von Elabe für La Tribune Dimanche und BFMTV durchgeführten Umfrage würde sie in der zweiten Runde in allen Szenarien gewinnen, mit 67,5 % gegen Jean-Luc Mélenchon, 54 % gegen Gabriel Attal und 52 % gegen Édouard Philippe. Bei unserer vorherigen Umfrage, die am 30. März veröffentlicht wurde, lag der Horizons-Kandidat (mit 53 % der Stimmen) vor der RN-Abgeordneten aus Pas-de-Calais. „Die Wende kommt von den rechten Wählern und den Rentnern“, erklärt Bernard Sananès, Präsident von Elabe.
Ebenso wurde in Großbritannien der Brexiteer-Rechtspopulist Nigel Farage (Reform UK) trotz laufender Korruptionsermittlungen in seinem Wahlkreis wiedergewählt:
Der britische Rechtspopulist Nigel Farage kehrt als Abgeordneter ins britische Unterhaus zurück. Der Chef der Partei Reform UK gewann nach Vorwürfen über eine nicht deklarierte Millionenspende an seine Partei eine Nachwahl im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex. Farage holte 22.239 Stimmen. Auf seinen Hauptkonkurrenten Count Binface, eine satirische Figur eines Komikers, entfielen 9.455 Stimmen. Die großen Parteien hatten die Abstimmung boykottiert.
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117092551654369512
Jan Ulrich Haseke kommentierte dazu:
Die Faschisten haben die Demokratie da, wo sie sie hin haben wollten. Im Mülleimer.
https://hostsharing.coop/@juh/117092568804223911
Auch in Deutschland nimmt die Zustimmung zur Energiewende mit dem Voranschreiten der Klima- als Hitze- und Wasserkrise ab:
So sank die Zustimmung zur Energiewende in den vergangenen fünf Jahren von 69 auf 60 Prozent. Bei der Befragung, die vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt wurde, äußerten 55 Prozent ihre Besorgnis vor den persönlichen finanziellen Auswirkungen durch die angepeilten Klimaschutzmaßnahmen. Den Umstieg privater Haushalte auf klimafreundliche Technologien halten 79 Prozent ohne staatliche Unterstützung für nicht machbar. Außerdem bezeichneten 56 Prozent der Befragten die Energiewende-Politik als tendenziell unverständlich.
Die Co-Autorin der Studien, Anna Meisiek, wirbt angesichts dieser Ergebnisse für eine Klimapolitik, die bezahlbare Alternativen bietet, gezielt fördert und Lasten fair verteilt.
https://www.deutschlandfunk.de/umfrage-sinkende-zustimmung-zur-energiewende-102.html
Ich sehe also einen schnell wachsenden, wissenschaftlich-theoretischen wie auch scientikativen Konsens dafür, dass die post-fossile Energiewende aus klimatischen, sozialen und auch wirtschaftlichen Gründen zu fördern wäre. Doch gleichzeitig schwinden die demokratischen Mehrheiten genau dafür! Und auch etwa beim Verzicht auf Flugreisen, Kreuzfahrten und Fleisch aus industrieller Massentierhaltung kann ich weiterhin keinen gesellschaftlichen Durchbruch erkennen.
Noch einmal Haseke dazu:
Demokratie hält einem Volk den Spiegel vor. Kein Wunder, dass alle auf die Demokratie schimpfen.
https://hostsharing.coop/@juh/116418456960054302
Der von mir so geschätzte Philosoph Hans Blumenberg hat es etwas freundlicher, aber nicht flacher formuliert:
„Wer an die Vernunft glaubt, muß sie, wie der Gläubige seinen Gott, entschuldigen können. Und dies vor allem dafür, daß nicht alle an sie glauben.“
Zitiert nach: Blumenberg, Hans (1987 / 2022): „Die Sorge geht über den Fluß“, Suhrkamp 2022, S. 210
Ich fürchte mehr denn je, da ist etwas dran.
@Michael 14.08. 16:20
„aber auch in Frankreich kippt die politische Stimmung von der Energiewende in den rechten Fossilismus zurück.“
Und dennoch würde es mich echt wundern, wenn man in Frankreich nicht doch aus der Kernenergie aussteigt, wenn die bestehenden AKWs aus Altersschwäche ausgemustert werden müssen und endlos teure und langwierig zu errichtende Kernspaltungs- oder Kernfusionskraftwerke gebaut werden müssten.
Wenn sich die sinkenden Preise von PV-Modulen und Kurzfristspeichern weiter fortsetzen, wird das einfach wirtschaftlich so interessant, dass das so ziemlich jeder haben will. Zumal gerade in Frankreich genügend sehr interessante PV-Standorte zur Verfügung stehen.
Insbesondere im Südosten Frankreichs hat man bis zu 2000 Kwh Ertrag im Jahr bei optimaler Ausrichtung der Module. In Deutschland maximal 1450 Kwh, aber auch nur ganz im Süden von Süddeutschland. In Dortmund nur 1250 Kwh. In der Sahara sind es bis zu 2600 Kwh, da sind die besten Standorte in Südostfrankreich schon ganz gut.
Siehe hier: https://globalsolaratlas.info/
Insbesondere Freiflächenanlagen brauchen eigentlich nur wenig Platz, und können wirklich ganz gezielt an den besten Standorten errichtet werden, ohne dass man da Platzmangel bekommt. Und die besten Standorte dürften zugleich recht trocken sein, dass man zwischen den Modulen die Flächen auch ganz gut noch als Viehweide nutzen kann. Praktischerweise mit Ziegen, die knabbern fast allen Bewuchs ab, dass man da nicht noch groß Unkraut jäten muss.
Nun, @Tobias – gegen hoffen und „wundern“ habe ich nichts einzuwenden.
Ob wir es auch erleben werden, dass die Berliner Hauptstadtblase dazulernt?
Derzeit wird der SPD-Parteivorsitzende & Finanzminister Lars Klingbeil durch „durchgestochene“ Gesetzentwürfe fossiler Konzernmedien gejagt.
Ich weiß noch nicht, was ich bedrückender finden soll: Dass rechtsdrehende Teile der Publikative dieses Schauspiel schon seit Habecks sog. „Heizungshammer“ immer wieder aufführen – oder dass demokratische Teile der Exekutive den Schutz der GG-Gewaltenteilung nicht verstehen? (1/2)
„Klingbeil will Steuervorteil für Mitarbeiterrabatte streichen
240 Millionen Euro würde der Staat pro Jahr sparen, wenn der steuerliche Freibetrag bei Personalrabatten wegfällt. Ein entsprechender Gesetzentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil erntet Kritik.“
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117095899690010077
Bisher sehe ich die Akteure des Fossilismus noch klar im strategischen Vorteil, quer durch Europa…
@Michael 15.08. 00:07
„Bisher sehe ich die Akteure des Fossilismus noch klar im strategischen Vorteil, quer durch Europa…“
Und doch geht es vorwärts. Mehr E-Autos und mehr Wärmepumpen machen auch mehr Zubau von PV, Windkraft und Netzspeichern interessant. Und PV und Wind einerseits und mehr Speicher andererseits fördern sich gegenseitig.
Und wenn auch die Speicher, vor allem die in den E-Autos verbauten, in Frankreich erstmal die Atomkraft fördern, machen die zugleich auch sehr viel mehr PV und Windkraft möglich.
Und wenn die ganze Grüne Technik noch deutlich billiger wird, dann kann das auch unwiderstehlich werden. Günstiger Strom fördert so ziemlich alles.
Irgendwie stehen wir ja auch in internationaler Konkurrenz. Wenn China und ein wesentlicher Teil des Globalen Süden ihre Energiewende komplett machen, dann steht ein Europa mit horrenden fossilen Strompreisen nicht mehr so gut da.
Gerade wenn Frankreich es ernst macht, und eine komplett neue Generation von AKW-Neubauten baut, müsste das in eine umfassende Staatspleite führen. Da werden weder Mini-AKWs noch Kernfusion billiger sein. Das ist und bleibt alles am Markt unbezahlbar. So jedenfalls meine Prognose.
Vielen Dank, lieber @Tobias – auch für Deinen guten Mix aus Hoffnung und Warnungen!
Wir diskutieren die fossilen Blockaden & solaren Chancen der post-fossilen Transformation auch seit heute Morgen auf Mastodon zum traditionellen Tässle Kaffee ☕️:
Auch Deutschland leidet zunehmend unter der noch immer verbreiteten Fehlannahme, es sei „zu teuer“, die globale Erhitzung zu bremsen. Die über Jahrzehnte externalisierten Kosten schlagen zunehmend auf Menschen & Mitwelt zurück.
„Hunderte Feuerwehrkräfte kämpfen auch in der Nacht weiter gegen den großen Waldbrand im Hürtgenwald in der Eifel. Die Feuerwehr stelle sich auf einen tagelangen Einsatz ein, sagte der Sprecher der Feuerwehren im Kreis Düren, Peter Berndgen, der Deutschen Presse-Agentur. Alle zwölf Stunden machten sich rund 500 Feuerwehrleute aus NRW auf den Weg zum Schichtwechsel ins Brandgebiet. Die Einsatzplanung reiche derzeit bis Montag.
Zwei Bergepanzer der Bundeswehr schlagen nach Angaben Berndgens auch in der Nacht Schneisen im Bereich der evakuierten Ortschaft Gey. Damit soll ein Übergreifen des Feuers möglichst verhindert werden.“ (1/2)
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117097824090357023
Das psychologische, mediale & politische Problem besteht dabei nicht nur aus fossiler Gier, sondern auch aus #Reaktanz (Widerstand gegen Veränderungen) & #Rechtsmimesis (der Nachahmung von Abwertung ganzer Menschengruppen, Hass und Hetze).
Deswegen sah ich 2015/16 im Irak auch eher mehr Rückzug in die je eigene Gruppe, Bewaffnung und Verschwörungsmythen als das Aufkommen einer Ökologiebewegung.
Und deswegen wurde ich noch 2024 auch in den Drukos beschimpft, als ich warnte, dass Hitze, Brände & Dürren, aber auch Starkregen & Überflutungen eskalieren. 👇️
Wissenschaft ist uns Menschen neu, Freund – Feind – Dualismus evolutionär sehr alt. Immerhin können wir via #SolarPunk das post-fossile Leben von Photovoltaik über Elektromobilität bis zu Pflanzenkost mimetisch vorleben.
Ich halte es mit enormen Einsatz für möglich, aber nicht für sicher, dass eine auch politische Wende gegen den Fossilismus in Gesellschaft, (Land-)Wirtschaft, Politik und Medien (v.a. via Fediverse) gelingt. (2/2)
https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/117097881559374193
Mein ausdrücklicher Dank gilt den Feuerwehren, Rettungskräften, Kommunalpolitikerinnen und hilfsbereiten Bürgerschaften von Nordrhein-Westfalen, die nun gegen das fossile Versagen vor allem der Bundespolitik einstehen. Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass immer mehr Menschen den Nutzen einer klugen, dialogischen und wissenschaftlich orientierten Politik für die Zukunft aller begreifen.
@Michael
Ich finde den Beitrag interessant, habe aber die „Arbeitsaufgabe“ 😉 nicht verstanden:
Möglicherweise haben die Temparaturen Einfluß auf mein Denkvermögen .. ^^ 🙂 Was in dem Sinne Schade ist das ich mich eigentlich gefreut habe das dieser Artikel das Potential hat nicht schon wieder beim Klimawandel und Energieversorgung zu enden 🙂 Was kein Eskapismus ist sondern zumindest bei mir der Wunsch ein paar ungesunde Gedankenabwärtsspiralen zu beenden.
Vielen Dank für das Interesse & die Nachfrage, @Uli Schoppe
Die Trajan-Münze enthält zahlreiche, zivilreligiöse Titulaturen, die dann später je in den politischen Bereich gewandert sind (wie etwa Cäsar / Kaiser) und in den religiösen Bereich (wie Pontifex Maximus = Papst).
Ich dachte, dass kaum jemand einen überlangen Blogpost lesen würde, aber manche – wie bereits @Peter Gutsche und @Marie H. – auch Freude daran hätten, ein wenig in Numismatik (Münzkunde) & Geschichte einzutauchen.
Wenn Sie auch ein wenig recherchieren und spannende Zusammenhänge entdecken wollen, dann tauchen Sie doch gerne ein wenig ein. Münzen gehören zu den vielseitigsten Medien der Menschheit. 😌🪙📚
Ich denke mal man kann davon ausgehen das die Menschen damals sich intensiver mit ihren Münzen gefasst haben als wir heute.
Und da die Römer in den Provinzen das Zahlungsmittel zwar nicht in dem Sinne vorgeschrieben aber faktisch per Verwaltung durchgesetzt haben eine ziemlich klare Ansage auch an die Besetzten- 🙂
Ganz genau auch darauf wollte ich hinaus, @Uli Schoppe 👍👏
Für uns Heutigen sind Münzen 🪙 nur noch randständige Medien und wir befassen uns selten mit ihnen. Aber vor zweitausend Jahren wurden sie gerade auch in Europa bewundert, herumgereicht und als Medien für packende Mythen, Erzählungen und auch Nachrichten verwendet!
Münzen sagen deswegen sehr viel über die jeweilige Zeit und Zivilreligion aus – und Numismatik ist ein besonders spannendes Medienfach. 😌🪙🙌