Reduziert Evolutionsforschung Religion?

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Immer wieder treffe ich auf die Angst, wissenschaftliche Forschung werde das Phänomen der Religiosität und Religionen auf naturwissenschaftliche Prozesse reduzieren und damit in gewisser Weise "entzaubern". Sowohl erkenntnistheoretisch wie persönlich kann ich diese Befürchtung nicht nachvollziehen. Verschwindet die Liebe, wenn wir mehr über die überaus komplexe Biologie der Liebe erfahren – oder steigert das Wissen unser Staunen und Erleben nicht eher? Endet die Wirkung der Musik, wenn wir die Evolutionsgeschichte der Musikalität entschlüsseln – oder fügt dies unserem Hören und Tun nicht eher weitere Dimensionen der Erfahrung hinzu? Auch unsere Augen sind doch eindeutig Produkte der Evolution – würden wir daraus schließen, dass wir nicht mehr sehen? Und religionsphilosophisch gefragt: Wenn Gott sich der von Ihm erschaffenen Welt offenbaren wollte, warum sollte Er dies dann nicht (auch) auf Basis der doch von ihm ausgehenden Naturgesetze tun? Ich kann wirklich nicht erkennen, wie Evolutionsforschung reflektierte Theologien bedrohen sollte…

 

In einem Beitrag von dpa und Frankfurter Rundschau-Online zum Gehirn & Geist Heft 04/2009 "Zum Glauben geboren?" über Evolution und Religion wird der Theologe Prof. Gerd Theißen (Heidelberg) zum Thema mit dem Argument zitiert, dass auch die erotische Verliebtheit einen biologischen Nutzwert habe, auch Eros zur Erhaltung unsrer Art beitrage. In Bezug auf die Religion formuliere er, sie sei "ein Eros zum Sein, in der uns etwas von der Tiefe der Wirklichkeit aufgeht, die wir sonst nicht wahrnehmen".

Prof. Theißens Wortmeldung finde ich ebenso poetisch wie interessant und würde mir wünschen, dass der Dialog zwischen Evolutionsforschung und Theologie(n) auf solchem Niveau weiter an Schwung gewinnen würde. Allenfalls extreme Vertreter sowohl der Religionen wie der Religionskritik dürften mit der Forschung rund um den "Homo religiosus" Probleme haben. Für erkenntnisoffene Menschen dürfte m.E. die Wissenschaft stets mehr Chance für Erkenntnis, Erfahrung und Verantwortung als Bedrohung darstellen. Was meinen Sie?

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

25 Kommentare

  1. Evolutionsf.: von Abfall zur Auf-verst.

    Hallo Herr Dr. Blume,

    wie Sie wissen, halte ich – nicht aufgrund nächlicher Eingebungen, sondern freien Weiterdenkens dessen, was mir in vielen Jahren kritische Geschichtsforscher und Theologen beibrachten – das logische Werden der Welt für das anfängliche “Wort Gottes”, auf das die Heilige Schrift verweist. Halte die von Evolutuionsbiologen empirisch erfasste Vernünftigkeit, kreative=schöpfeirsche Sinnhaftigkeit des natürlichen Geschehens für das Wesen, das antike Glaubensreformer im NT in der Gestalt Jesus zur Sprache brachten.

    Ich denke, dass die Zeit des Abfalles um ist. Evolutionsforschung muss nicht weiter zum “Abfall” vom Glaube führen. Vielmehr halte ich das, was heute als Atheismus oder Deismus aussortiert wird, für große Auf-regung sorgt, für einen neuen Anfang. Es regt sich was.

    Evolutionsforschung muss nicht im negativen Sinn entzaubern, sondern führt zur kreativen=schöpferischen Wirk-lichkeit, ist Offenbarung wunderbarer kreativer=”schöpferischer” Realität:

    -weist im Prozess des evolutionären Geschehens nach, wie alles Leben einen Sinn (die Antike sagte Logos) hat, den die Wesen nicht selbst setzen bzw. mehrheitlich vereinbaren können oder vergeblich dogmatisch traditionell als “altes Gerücht” nachblättern müssen,

    -zeigt, wie selbstbewusste Wesen nach diesem Sinn allen natürlichen-schöpferischen Seins fragen müssen, um sich in dessen Sinne zu verhalten, der Instinkt weder (im modernen Schöpfungsverständnis erweiterte) Verwandtschaftskennung vorgibt, noch zur Brutpfege bzw. evolutionsgerechten Zukunftsoptimierung führt,

    -macht bewusst, wie die menschliche Kultur auf ganz bewusste Weise dazu einen zeitgemäßen mündigen Kult benötigt, der aus unvernünftigen Einzelwesen bzw. Egoisten einen (lt. Junker, der als Atheist nur nach “Kunst” fragt) “Superorganismus” erzeugt.

    (Superorganismus: Ein kreativer=schöpferischer Organismus, der allein mit dem politischen oder ideologie-philosophischen Ruf nach “weltökomischer” oder “ökoligscher” Vernunft, nach dem Zusammenbruch des Kapitalegoimus z.B. “sozialer Marktwirtschaft” nicht zu machen ist. Auch das lehrt uns die Geschichte.)
    -zeigt, wie der Kult in unserem Kopf funktioniert, wie wir auf bestimmte Verschaltungen angewiesen sind, um empotional unsere gesamten Kräfte zu mobiliseren oder zu Ein-sichten zu gelangen. (LSD dazu sicher nicht das richtige Mittel ist.)

    -weist auf die ganz biologischen Bauteile im Kopf hin, die uns im Laufe der Evolution gewachsen sind, um als mündig aufgeklärte Wesen nach einer gemeinsamen schöpfeirschen Bestimmmung zu fragen, uns dafür zu begeistern.

    Nachdem der Glaube an kirchliche Lehren und Buchstaben (dem Schöpfer bzw. Grund, Geber aller Evolution sei Dank) nicht mehr funktioniert, sind die Evolutionsbilogen gefragt:

    -die natürliche Grundlage des Glaubens,
    -den Nutzen des bewussten Kultes,
    -sowie die Not-wendigkeit dessen ewigen Wandels,

    ganz logisch, vernünftig zu belegen.

    Und wenn Naturwissenschaftler und Evolutionsbiologen wie Dawkins den geheimnsivollen übernatürlichen Designer, das vermenschlichte Bild vom Aufpasser, der gebeten wird, es auf unnatürliche Weise besser zu machen…

    nicht einfach weiter einen “guten Mann” sein lassen wollen,

    wenn sie als Wahn- bzw. Irrglaube die Probleme einer blinden, nur rückwärtsgewandten Religiösität aufaddieren, wie sie längst auch von der Theologie analysiert werden,

    dann ist auch dies kein Pankreationismus oder privater naturphilosophischer Deismus, der weiter zum Atheismus führen muss, sondern der Weg zu einem neuen Mono-theismus.

    Erst wenn die Evolutioslehrer ihre Auf-gabe erledigt, über die bisherige Verneinung hinaus die Logik des Glaubens belegt haben, können die Theologen den Wandel vom religiösen Mythos (der bisher ihr Lebenswerk war, den sie denken, als letzten Halt verteidigen zu müssen) zum Logos erneut antreten.

    Ich stelle mir vor, der von Ihnen zitierte Prof. Gerd Theißen, der als bedeutende Autorität in Sachen hist. Jesus gilt, würde nicht nur über den Nutzwert einer biologischen Verliebtheit nachdenken. Er würde seine Schüler in Heidelberg nicht weiter ein Märchen von einem jungen Juden, der von der Kirche als Christus vergottet wurde, nacherzählen lassen oder wie sein ehem. Kollege und Lehrgegner Berger einen Mythos als letzten Halt hochhalten wollen.

    Beide würden die Studenten bzw. ihre aufgekärten Leser auffordern, nach der offenbarenden “schöpferischen Vernunft”, der lebendigen Logik als ewigen Logos zu fragen, die wir als historischen Jesus kennen und den die Evolutionsbiologen auf ganz empirische Weise in Händen halten.

    Ich hoffe weiter auf Auf-verstehung und den Beitrag der Evolutionslehrer hierzu.
    Gerhard Mentzel

  2. Es gab einmal eine Zeit, da war ich der Ansicht (ich zitiere mich selbst): die Aufklärung beraubte uns aller Mystik. Wir brauchen die Götter zwar nicht mehr zu fürchten, doch auch die Musen, die uns einst küßten, sind auf -und damit weggeklärt. Heute sehe ich es differenzierter.

    “Endet die Wirkung der Musik, wenn wir die Evolutionsgeschichte der Musikalität entschlüsseln – oder fügt dies unserem Hören und Tun nicht eher weitere Dimensionen der Erfahrung hinzu?”

    Nun, es gibt Menschen, die sagen, daß mit jedem Fortschritt ein Rückschritt erkauft werden muß. Ich kann über “die Evolutionsgeschichte der Musikalität” nicht viel sagen. Aber, und das kann durchaus als Rückschritt bezeichnet werden: ich kenne Musiker, die über reiches theoretisches Wissen in der Musik verfügen und beim Zuhören einer musikalischen Darbietung, diese nur noch analytisch wahrnehmen können. Ich weiß nicht, ob Musik (“vom Herzen soll es zu Herzen gehen”) so empfunden werden kann, wenn ich weiß, daß der Komponist an einer Stelle der Komposition einen DDv auf tiefalterierten Quinte verbastelt hat 🙂

  3. Gott ist scheu

    Keine Frage, die Wissenschaft bietet mehr Chancen als Bedrohungen und letztlich ist es nur konsequent und natürlich, Religionen wissenschaftlich zu erforschen. Aber der Vergleich mit dem Auge hinkt. Das Auge ist da, es ist ein Gegenstand, den ich untersuchen kann. Dies kann sogar etwas tröstliches haben: Wenn mir eine Augen-OP bevorsteht, kann die Beschäftigung mit dem was die Ärtze vorhaben und was es zu reparieren gilt, sogar Ängste besänftigen. Man fühlt sich nicht mehr ausgeliefert, sondern als Teil von etwas faszinierendem, interessantem. So stelle ich mir vor ist auch der Physiker Richard Feynman mit seiner Krebserkrankung umgegangen. Er hat angefangen sich wissenschaftlich mit Krebs zu beschäftigen und so seinen Frieden damit gemacht.

    Genau wie das Auge ist auch die Religion da und kann genau so erforscht werden, da bin ich Deiner Meinung. Aber zur Religion gehört doch meist auch eine Gottesvorstellung und Gott ist nicht in dem Sinne da, wie ein Auge oder ein Krebsgeschwür. Im Gegenteil: “Gott ist scheu”, wie Christian Geyer in der FAZ in seiner Rezension zu dem Buch “Religion in der modernen Welt” von Herbert Schnädelbach schreibt. Und weiter: “Schnädelbach wettert gegen eine „selbstzerstörerische Tendenz“, den Glauben nur noch unter dem Gesichtspunkt zu sehen, wozu er gut ist. […] Religion ist nur dann eine gute Therapie, wenn man sie nicht auf ihre therapeutische Funktion reduziert. […] Sobald Gott auf seinen Nutzwert für die Lebensbewältigung festgenagelt werden soll, hört er auf, der Seele zu nutzen.” (zitiert aus faz.net)

    Hier kommt erkenntnistheoretisch etwas Neues ins Spiel: Das Auge, die Liebe und andere Forschungsgegenstände hören nicht auf zu existieren, wenn man sie erforscht, Gott aber schon (weshalb es Theologie gar nicht geben kann). Ich glaube die Gefahr mit Religionswissenschaft den scheuen Gott zu vertreiben, sehen viele Menschen, die an Gott festhalten wollen, egal ob Naturwissenschaftler sind oder nicht.
    Ich will nicht sagen, dass das meine Meinung ist, ich finde aber den Gedanken nachvollziehbar.

  4. Wenn man sich z.B. mit Zen-Buddhismus beschäftigt, so heißt es immer wieder man soll alle „Konditionierungen“ ablegen, sonst könne man nicht zum wahren Kern der Dinge vordringen. Es ist also durchaus erwünscht, näher hinzuschauen. Damit ist aber jetzt nicht die westliche Denkweise gemeint, dass Dinge seziert werden, sondern ein ganzheitliches Erfassen derselben.

    Es ist oft schwierig über Zen zu schreiben, da es sich hier ja über eine Art Erfahrungsreligion handelt. In dem Buch „Zen-Buddhismus und Psychoanalyse” von Erich Fromm, D.T. Suzuki und Martino, sagt ein Meister zu seinem Schüler:”Sobald du beginnst, darüber nachzudenken, ist es nicht mehr da. Du musst es unmittelbar, ohne Vernunftgründe und ohne Zögern sehen.”

    Das oben genannte Buch setzt sich mit der unterschiedlichen Betrachtungsweise von westlicher und östlicher Kultur auseinander. Auf der einen Seite das analytische westliche Denken und auf der anderen Seite das intuitive östliche Denken. Eingangs wird dies an zwei Gedichten (mit hier verkürzt wiedergegebener Interpretation) veranschaulicht.

    „Wenn, ich aufmerksam schaue,
    Seh` ich die Nazuna (eine einfache Blume)
    An der Hecke blühen!”
    Basho, der japanische Dichter, fühlt sich hier der Natur sehr nahe. Er ist ergriffen von der einfachen Schönheit der Blume. Er kann aus jedem Blütenblatt das Geheimnis des Lebens und des Seins lesen.

    Hier gegenübergestellt ein westliches Gedicht von Tennyson:
    „Blume in der geborstenen Mauer,
    Ich pflücke dich aus den Mauerritzen,
    Mitsamt den Wurzeln halte ich dich in der Hand,
    Kleine Blume – doch wenn ich verstehen könnte,
    Was du mitsamt den Wurzeln und allem bist,
    Wüsste ich, was Gott und Mensch ist.”

    Tennyson pflückt die Blume mitsamt den Wurzeln und analysiert sie. Er reißt sie aus ihrem Nährboden, was bedeutet, dass die Blume sterben muss. Ist seine Neugier befriedigt wirft er sie weg.
    Basho hingegen berührt die Blume nicht einmal, für ihn genügt es sie anzuschauen. Diese Art, der Wirklichkeit gegenüberzutreten, wird als Methode des Zen betrachtet. Sie wird als triebhaft(Es) oder schöpferisch angesehen. Während die wissenschaftliche westliche Methode darin besteht, den Gegenstand zu töten, den Leichnam zu sezieren, die Teile wieder zusammenzusetzen und so zu versuchen, den ursprünglichen, lebendigen Leib wiederherzustellen, was in Wirklichkeit unmöglich ist, nimmt das Zen das Leben so wie es gelebt wird, anstatt es in Stücke zu zerhacken und zu versuchen es mit Hilfe des Verstandes wieder zum Leben zu erwecken oder in Gedanken die zerbrochenen Stücke wieder zusammenzuleimen. Die Methode des Zen erhält das Leben als solches; es wird von keinem chirurgischen Messer berührt…

    Um aber einen Gegenstand mit einem Blick erfassen zu können, erfordert es Übung. Durch die praktische Übung des Zen (Zazen), kann man dies erlernen, d.h. man übt solange bis “es” ganz von alleine, d.h. ohne Anstrengung geht. Wie ein Musiker sich, wenn er eine gewisse Virtuosität erreicht hat, auch nicht mehr auf die reine Technik konzentrieren muss, sondern frei spielen kann. So soll der „Erwachte“ in der Lage sein, die Welt zu erfassen.

    Zenmeister Daisetz Teitaro Suzuki führt dazu aus:
    “Die Methode des Zen besteht darin, in den Gegenstand selbst einzudringen und ihn sozusagen von innen zu sehen.
    Die Blume sehen heißt, zur Blume werden, die Blume sein, als Blume blühen und sich an Sonne und Regen erfreuen.
    Wenn ich das tue, so spricht die Blume zu mir, und ich kenne alle ihre Geheimnisse. Und nicht nur das: Gleichzeitig mit meiner ‘Kenntnis’ der Blume kenne ich alle Geheimnisse meines eigenen Ich, das mir bisher mein Leben lang ausgewichen war, weil ich mich in eine Dualität, in Wahrnehmenden und Wahrgenommenes, in den Gegenstand und Nicht-Gegenstand, geteilt hatte, Kein Wunder, dass es mir niemals gelang, mein Ich zu erfassen. Und jetzt kenne ich jedoch mein Ich, indem ich die Blume kenne.
    Das heißt, indem ich mich in der Blume verliere, kenne ich mein Ich ebenso wie die Blume.”

    Ich will damit sagen: Wenn man eine Religion seziert, wird man in der Regel nur ein paar alte Geschichten finden. Die Religion ist sozusagen entzaubert. Erkennt man jedoch ihren wahren Kern, so kann man sie (und sich) weiterentwickeln, so wie ein guter Jazzmusiker schließlich frei zu improvisieren lernt.

    Ich weiß, damit widerspreche ich jetzt ganz und gar manchen Religionsfundamentalisten, die alles was z.B. in der Bibel steht ganz wörtlich nehmen. Meiner Meinung nach ist die Welt kein statisches Gebilde, sondern alles ist im Fluss und entwickelt sich weiter.

    Untenstehend habe ich ein Videointerview mit dem Religionswissenschaftler Michael von Brück entdeckt, der sich ja seit Jahren mit dem Buddhismus beschäftigt und hier ein paar grundsätzliche Dinge sagt:

    http://www.klosterblog.wat-lao.com/…oche-012009/

    Gruß Mona

  5. Eigentlich schade, daß Sie Ihren Blog jetzt überwachen -der persönlichen Angriffe wegen. Machen Sie es doch einfach so (das habe ich im Usenet gelernt): Steigen Sei nur auf Passagen ein, die Sie etwas angehen. Ich bin damit immer gut gefahren.

  6. Ein Zitat aus 1985:

    “Recht verstandener Schöpfungsglaube und recht verstandene Evolutionslehre stehen sich nicht im Wege. Evolution setzt Schöpfung voraus; Schöpfung stellt sich im Licht der Evolution als ein zeitlich erstrecktes Geschehen – als ‘creatio continua’, als fortlaufende Schöpfung – dar, indem Gott als der ‘Schöpfer des Himmels und der Erde’ den Augen des Glaubens sichtbar wird.” Aber Papst Johannes Paul fügte hinzu: Damit Schöpfungsglaube und Evolutionslehre richtig verstanden werden, bedarf es der Vermittlung der Vernunft, der Philosophie, des Nachdenkens.”
    (via eine Katechese von Kardinal Schönborn zu Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie).
    Dem ist von meiner Seite nichts hinzuzufügen, denn zum einen zeugt es nicht von intellektueller Redlichkeit, wenn versucht wird, über die Grenzen einer wissenschaftlichen Theorie in die Metaphysik hinauszugehen, noch ist es statthaft, aus einem Glauben, der auf die Vernunft verzichtet, naturwissenschaftliche Erkenntnisse einfach negieren zu wollen. Am Schnittpunkt von Naturwissenschaft und Religion steht die Philosophie (und selbstverständlich auch die Theologie). Das ist meines Wissens auch der Ergebnisstand, den die aktuell heißer geführte Diskussion immer noch aufzuweisen hat, und um den man letztlich nicht herumkommt, mögen sich die extremen Parteigänger der einen wie der anderen Richtung auch noch soviel auf den Kopf stellen.

    Das Zitat von Prof. Theißen ist wirklich sehr schön.
    LG
    Elsa

  7. @ Mentzel: Schöpferische Vernunft

    Lieber Herr Mentzel,

    vielen Dank für Ihr Plädoyer, das ich wieder mit Interesse gelesen habe und dort, wo ich es nachvollziehen konnte, auch durchaus anregend fand.

    Zu den Fragen, die sich mir stellen, gehören zwei, die ich an Ihrer Aussage festmachen mag, wir sollten nach der offenbarenden “schöpferischen Vernunft”, der lebendigen Logik als ewigen Logos zu fragen, die wir als historischen Jesus kennen und den die Evolutionsbiologen auf ganz empirische Weise in Händen halten.

    1. Wie würden Sie die empirische Forschung gegenüber der theologisch-philosophischen Deutung abgrenzen?

    2. Jesus gehört mit Sicherheit zu den erfolgreichsten Religionsstiftern und wirkmächtigsten Symbolen der Menschheitsgeschichte. Aber wenn Sie die Evolutionsforschung als geeignet befinden, religiöse Wahrheiten zu belegen – wie steht es dann um die Thora, den Koran, die Lehren des Tao, die Erleuchtung des Buddha oder Marxens Kapital? Sind auch diese alle oder einige “wahr”? Woran würden Sie die “Wahrheit” bestimmen?

  8. @ Dietmar Hilsebein: Wissen & Erfahrung

    Lieber Herr Hilsebein,

    danke für Ihre anregenden Überlegungen!

    Zwar kann ich Ihre Befürchtungen nachvollziehen, sehe aber einen Aspekt anders. Sie schreiben:

    Nun, es gibt Menschen, die sagen, daß mit jedem Fortschritt ein Rückschritt erkauft werden muß. Ich kann über “die Evolutionsgeschichte der Musikalität” nicht viel sagen. Aber, und das kann durchaus als Rückschritt bezeichnet werden: ich kenne Musiker, die über reiches theoretisches Wissen in der Musik verfügen und beim Zuhören einer musikalischen Darbietung, diese nur noch analytisch wahrnehmen können.

    Das mag bei einigen tatsächlich der Fall sein – weswegen ich auch niemanden zwingen würde, Musikwissenschaft zu studieren, wenn er oder sie einfach musizieren will. Ebenso gibt es ja auch Menschen, die z.B. über einem Studium der Theologie oder Religionswissenschaft ihren Glauben verlieren.

    Aber es gibt doch zweifelsfrei auch die umgekehrten Fälle: Dass Menschen gerade über den Erwerb von Wissen einen Zugang zu den Phänomenen finden. Dass ihnen ein Musikstück oder Gedicht viel mehr zusagt, sobald sie den Hintergrund des Verfassens kennen. Dass sie an ihrer Tätigkeit größere Freude haben, nachdem sie sie in größere Zusammenhänge eingebettet erleben. Dass sie in der Religionsforschung für sich Antworten finden, die sie tragen.

    Gerade im Bezug auf evolutionäre Religionswissenschaft habe ich das nach einem Vortrag auf einer Pfarrertagung einmal lustig erlebt. Eine Pfarrerin wandte ein, die Daten seien ja beeindruckend, “aber meine Gemeinde ist doch kein Heiratsinstitut.”

    Da strich sich ein erfahrender Kollege nachdenklich über den Bart und schmunzelte: “Und ich habe mich schon so oft gefragt, wofür wir diese Zeltlager organisieren.”

    Das herzliche Lachen und Erkennen der Gruppe werde ich nicht vergessen (übrigens war ich auch selbst noch gar nicht auf den Gedanken gekommen, die Zeltlager zu analysieren. Eine geniale Beobachtung dieses Pfarrers! 😉 ). Selbstverständlich organisiert keine Gemeinde gezielt Zeltlager, um die Ehe- und Reproduktionschancen in der Gemeinde zu fördern. Aber die augenzwinkernde Erkenntnis, dass das eigene Tun auch immer noch ganz andere, lebensdienliche Funktionen im großen Fluss des Lebens haben kann, als im Alltag wahrgenommen, hat die Pfarrer eher gefreut und motiviert.

  9. @ Stefan Taube: Wow…

    Lieber Stefan,

    danke für Deine spannenden Überlegungen! Und mir scheint, Du hast da vielleicht tatsächlich einen Punkt ausfindig gemacht.

    Genau wie das Auge ist auch die Religion da und kann genau so erforscht werden, da bin ich Deiner Meinung. Aber zur Religion gehört doch meist auch eine Gottesvorstellung und Gott ist nicht in dem Sinne da, wie ein Auge oder ein Krebsgeschwür. […] Das Auge, die Liebe und andere Forschungsgegenstände hören nicht auf zu existieren, wenn man sie erforscht, Gott aber schon (weshalb es Theologie gar nicht geben kann). Ich glaube die Gefahr mit Religionswissenschaft den scheuen Gott zu vertreiben, sehen viele Menschen, die an Gott festhalten wollen, egal ob Naturwissenschaftler sind oder nicht.

    Spontan würde ich Dir widersprechen wollen, dass Theologie oder Religionswissenschaft Gottes Existenz auflösen würden – die meisten Theologen aller Religionen bleiben ja z.B. gläubig.

    Aber was durch wissenschaftliche Erkenntnis wohl immer wieder herausgefordert wird, sind wohl in der Tat “Gottesvorstellungen” – und da könnte es natürlich tatsächlich Verlustängste geben. Andererseits gehört es aber zur hohen Lehre gerade auch der monotheistischen Religionen (aber auch anderer spiritueller Traditionen), dass sich die höchste Wahrheit der Verdinglichung entzieht, dass jedes Bild und jede Beschreibung bestenfalls vorläufig sein kann.

    In diesem Sinne könnte es also sein, dass viele Menschen im Bezug auf evolutionäre Religionswissenschaft intuitiv um ihre (positiven oder auch negativ-ablehnenden) Gottesvorstellungen fürchten und daher auf Abwehr schalten, statt sich auf das Wagnis weiterer Erkenntnis- und Reflektionsprozesse einzulassen.

  10. @ Mona: Reflektion & Erfahrung

    Liebe Mona,

    danke für die Überlegungen, die – so scheint mir – mit einigen der anderen korrespondiert. Und danke auch immer für Buchtips und Links, Deinen Recherchen verdanke ich schon einige Anregungen!

    Und, ja: Es besteht wohl oft ein Graben zwischen der analysierenden Reflektion und der unmittelbaren Erfahrung. Andererseits lehrt aber ja gerade auch der Buddhismus, über die schonungslose Betrachtung z.B. des Körpers und seines unausweichlichen Verfalls erst höhere Wahrheiten und Erfahrungen in den Blick zu bekommen. Auch hat der Buddha stets Wert darauf gelegt, dass jede Lehre (auch seine) vor Übernahme kritisch zu prüfen – also zu hinterfragen sei.

    Diese Aspekte mögen in der westlichen, oft eher Wellness-orientierten Buddhismus-Rezeption manchmal weniger ausgeprägt sein, aber mir scheint, wir würden auch dem Buddhismus Unrecht tun, wenn wir ihn nur als holistischen Erfahrungsweg wahrnehmen und nicht auch seine kognitiven, analytischen (und in gewissem Sinne kühl-realistischen) Aspekte in den Blick nehmen. Vielleicht kommt es auf die Balance, den mittleren Weg an? Und vielleicht fürchten Menschen angesichts der stürmischen Erkenntnisfortschritte um den Verlust dieser Balance?

  11. @ Dietmar Hilsebein: Respekt

    Lieber Herr Hilsebein,

    ja, ich habe da auch mit mir gerungen.

    Sie schrieben:
    Eigentlich schade, daß Sie Ihren Blog jetzt überwachen -der persönlichen Angriffe wegen. Machen Sie es doch einfach so (das habe ich im Usenet gelernt): Steigen Sei nur auf Passagen ein, die Sie etwas angehen. Ich bin damit immer gut gefahren.

    Ganz ehrlich: Ich achte die Leute dafür zu sehr, auch noch, wenn sie persönlich werden. Dann möchte ich das nicht einfach stehen lassen, sondern antworten, er- und aufklären, hoffe auf wechselseitiges Verstehen – und vergeude, wie ich inzwischen einsehen muss, doch nur wahnsinnig viel kostbarer Zeit. Denn manche Halbstarke wollen ja nur provozieren, wahrgenommen werden und fühlen sich dann durch jede Antwort immer nur noch weiter ermutigt. Religion ist nun einmal ein besonders emotionales Thema – wobei sich bei den Kollegen z.B. der Klimaforschung ja oft ganz ähnliche Zustände beobachten lassen…

    Letztlich habe ich mich entschieden: die Zeit, die ich im Blogbereich einbringe, ist meine Freizeit, die mir u.a. für Familie und Wissenschaft sinnvoller eingesetzt scheinen, als für das Ertragen oder gar Beantworten von wirklich üblen und häufig auch persönlichen Polemiken. Zumal diese “lauten” Äußerungen immer wieder eigentlich recht gute Beiträge und Diskussionen anderer zertrampelt haben. Beispielhaft scheinen mir die regen Antworten auf den letzten Focus-Artikel:
    http://www.focus.de/…ube_aid_388876.html#comment

    Es wäre einfach nicht zu schaffen, da auf jeden Einzelnen einzugehen, zumal sich das Niveau ganz offenkundig deutlich unterscheidet… Und ich bin weder Psychologe noch Seelsorger, sondern einfach Forscher, der gerne auch mit anderen fair und im gegenseitigen Respekt diskutiert.

    Ich entscheide ja auch im echten Leben, mit welchen Leuten ich wo und wie rede und wann ein Gespräch auch einfach endet. Und diese Freiheit nehme ich mir nun eben auch in meinem Blog. Seitdem macht es wieder viel mehr Freude! 🙂

  12. @ Elsa: Wundervolles Zitat!

    Liebe Elsa,

    danke für dieses wundervolle Zitat! Ja, so würde ich es auch sehen!

    Wenn sich sowohl die Naturwissenschaften wie auch die Theologien und Philosophien je ihrer eigenen Reichweiten und auch Grenzen bewusst sind, gibt es m.E. unglaublich viele Möglichkeiten des für beide Seiten fruchtbaren Dialoges, für Angst voreinander besteht dann kein Anlass. Nur wenn jemand meint, unbedingt auch der anderen Seite das Existenzrecht von vornherein absprechen zu wollen, geht es nicht weiter.

    Und jetzt habe ich mit Papst Johannes Paul II. das Zitat einen katholischen und Du mit Prof. Theißen das Zitat eines evangelischen Theologen gelobt! Unser heutiger Beitrag zur Ökumene! 🙂

  13. Ich schätze schon, dass die ET die Religionen in dem Sinne reduziert, dass zur Erklärung von Ablauf und Entwicklung der Welt und des Lebens weniger Gott benötigt wird. Es bleibt aber noch genug über, da Anfang und Ziel noch ausreichend spekulatives Potenzial enthalten.

  14. Hallo Michael,
    danke für die Antwort!

    Der Buddhismus wiederspricht nicht der modernen Forschung, da es kein Dogma gibt ist fast alles möglich; d.h. er stellt sich auf die jeweilige Situation ein und ist so in der Lage, durch Auslegung der alten Regeln zu reagieren, der sich ständig im Wandel befindlichen Welt und ihrer Gesellschaft anzupassen.

    Leider ist dies auch der Pferdefuß dabei, wie keine andere Religion bzw. Weltanschauung wird der Buddhismus heutzutage von Wellness- und Esoterikanhängern vereinnahmt. Sich einen Buddha in den Garten zu stellen oder ein Achtsamkeitsseminar zu besuchen ist groß in Mode. Leider kommt dabei oft nicht mehr heraus, als wenn man z.B. an Horoskope oder Kartenlegen glauben würde.

    Ich habe mich, scheint es, wohl etwas unklar ausgedrückt, natürlich braucht es analytische Reflektion um “in die Natur der Dinge” einzudringen. Ich meinte, man müsse seinen Verstand und seine Erfahrung so virtuos einsetzen, nicht nur einzelne Teilaspekte zu verstehen, sondern das Ding an sich. Den wie sagte Aristoteles:”Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.”

    Gruß Mona

  15. Noch ein Beitrag zur Ökumene

    Diesmal vom Dalai Lama, aus einem Vorwort, das er zum Protokoll einer von ihm veranstalteten Mind-Life-Konferenz schrieb (aus dem Gedächtnis, das Buch war nur geliehen):

    “Jeder Buddhist hat die Pflicht, die Naturwissenschaften zu studieren. Und wenn sich dabei ergibt, daß Buddhismus und Wissenschaft einander widersprechen, dann muß der Buddhismus sich ändern. Denn wir können nicht fortfahren, etwas zu behaupten, das sich als falsch herausgestellt hat.”

  16. @ adenosine: Ja

    Ich schätze schon, dass die ET die Religionen in dem Sinne reduziert, dass zur Erklärung von Ablauf und Entwicklung der Welt und des Lebens weniger Gott benötigt wird.

    Weniger Lückenbüßer-Gott, der nur das erklärt, was die Wissenschaft noch nicht erklären kann. Ich habe dieses Gottesbild auch religionsphilosophisch immer wenig ansprechend gefunden, weil es ja einen Gott “in der Welt” voraussetzt, der verpfuschten Naturgesetzen nachhelfen müsste. Die Gottesvorstellungen von Vertretern des Intelligent Design scheinen mir nicht sehr intelligent zu sein, eher wirkt Gott dort wie ein Klempner, der bei der Schöpfung gepfuscht hat und jetzt immer mit der Kneifzange nachjustieren muss. Die Theologien werden das Absterben solcher Gottesvorstellungen sicher gut überstehen! 🙂

    Es bleibt aber noch genug über, da Anfang und Ziel noch ausreichend spekulatives Potenzial enthalten.

    Und auch dazwischen. Selbst wenn wir z.B. jeden einzelnen Aspekt des Lebens Jesu oder der Offenbarung des Korans historisch aufklären könnten, wäre das m.E. nicht das geringste Argument gegen den Glauben, dass Jesus Gottes gesandter Sohn oder der Koran Sein Wort gewesen sei. Ein Glaubender könnte freudig verkünden: Hosianna, so hat Gott also das gesamte Universum so angelegt, dass sich Seine Wahrheit in diesem Moment in der Ihm genehmen Weise offenbarte.

    Naturwissenschaft kann m.E. wissenschaftliche Hypothesen falsifizieren und Prozesse immer besser beschreiben, nicht aber religiöse Weltdeutungen “reduzieren”. Wir bleiben m.E. immer frei, unsere Liebe, unsere Musik oder unseren Glauben für etwas ganz Besonderes im so großen Spiel des Lebens zu halten.

  17. @ Mona: Ja, danke!

    Liebe Mona,

    ja, da grummeln wir wohl des Öfteren über das Gleiche! Die populäre Buddhismus-Rezeption und ist oft fast noch oberflächlicher wie die Rezeption der Evolutionstheorie… Viel Halbwissen, der jeweiligen Weltanschauung geschmeidig eingepasst. Die Kollegen, die sich auf den Buddhismus spezialisiert haben, erleben da auf Vorträgen so einiges…

    Dass z.B. die meisten Buddhisten weltweit sehr wohl übernatürliche Akteure wie Götter und Boddhisattvas verehren, dass es sehr viele, auch widerstreitende Schulen gibt und dass “der” Buddhismus keine einheitliche Haltung zu “Fortschritt”, Gleichberechtigung der Frau oder Wissenschaft hat, interessiert in der Öffentlichkeit leider bislang nur wenige.

    In Sachen Kultur- und Religionsvergleich sehr schön und empfehlenswert finde ich z.B. Karen Armstrongs “Der große Umbruch” über die Religionen der Achsenzeit. Da kann man schon staunen, welche religiös-philosophische Vielfalt nicht erst diese Welt, sondern schon allein z.B. Indien hervor brachte!

    Danke, dass Du immer wieder Aspekte und Stimmen auch anderer Traditionen in die Blogdiskussionen einfließen lässt und damit zum Blick über den Tellerrand anregst!

  18. @ Jürgen Bolt: Ja, in der Tat!

    Vielen Dank für das Zitat!

    In der Anfangszeit der Hirnforschung zur Religiosität (z.B. Studien zu Auswirkungen und Erfahrungen von Meditationsritualen u.ä.) waren Buddhisten oft führend beteiligt, zumal der Dalai Lama und andere Geistliche den Mönchen ausdrücklich empfahlen, sich an naturwissenschaftlichen Studien zu beteiligen.

    Frühe Bücher wie James Austins “Zen and the Brain” von 1998 haben viele der späteren Studien angestoßen und schon deshalb auch heute noch einen Ehrenplatz bei mir im Bücherschrank. Eine Pioniertat und ein echtes Schwergewicht (über 500 g.!), auch inhaltlich! 😉

  19. Ev.forschung: Realisierung schöpf. Rede

    Danke Herr Dr. Blume für das Mitdenken und die Fragen,

    1. Zur Abgrenzung von empirischem Wissen und Theologie:

    Wer wie ich durch täglich neues Wissen gewisser wird, dass es weder im AT, noch weniger im NT um geistreiche Gründergestalten eines Glaubens an einen geheimnisvollen Akteur geht, sondern ständig darin bestärkt wird, dass die jeweis zeitgemäße Realisierung einer realen kosmisch-geschichtlichen “schöpferischen Rede” (im Fluss zeigemäß verstandenen Werdens)der eigentliche Grund des sog. Glaubens war, der muss logischerweise das empirische Wissen der Theologie voraussetzen.

    Nicht alte Gerüchte, Buchstabengesetze, sondern das empirsche Wissen um kosmische Realitäten, wie sie erst die moderne Evolutionslehre liefert (physikalische Gesetzmäßigkeiten allein waren zu wenig, alter Darwinismus griff zu kurz) kann dann als ganzheitlich/umfassend verstandene biologischen/evolutionäre Sinngebung im Kontext der Glaubenstexte neue Grundlage einer kreativen= “schöpferischen” Bestimmung sein.

    2. Zum Verhältnis der Religionen:

    Die Evolutionsforschung realisiert m.E. nicht nur Grundlage der christlichen Religion. (Die so nicht exklusiv, sondnern echt universal wird, für Gesetzestreue und heutige Heiden.) Auch die Thora gründet auf die schöpferische Rede, das in anfänglicher Aufklärung von den Propheten verstandene Wort, das zur Zeitenwende Thema eine neuen Bundes, inhaltlicher Neufüllung (Auf-verstehung) war.

    Und dass der Koran eine Weiterentwicklung dieser Wende im Sinne orientaltischer Aufklärung war, Mohammed kein Hocheitstitel für einen Menschen mit träumerichen Eingaben ist, sondern auch hier eine kosmische Realität zu hinterfragen wäre, kristallisiert sich immer mehr heraus.

    Auch dem Tao liegt, wie wir wissen, eine ,kosmische Realität zugrunde (wenn auch nicht im modernen Sinne empirisch erklärt, außer Capra “Tao der Physik”)

    (Jesus ist dort m.E. weit lebendiger, als in einer Schriftlehre. Auch wenn ihm die echt empirische Realisierung moderner Forschung fehlt.)

    Und auch der Idealismus Hegels, ging von einer universalen Vernunft aus, die damals noch weitgehend metaphysisch bleiben musste. Engels und Marx haben diese durchaus kosmisch begründete Vorstellung (jetzt säkularisiert als reine philosophische Ideologie) versucht umzusetzen. Wie die Geschichte zeigt, untauglich, weil sie die Genossen nicht zur gemeinsamen kreativen Vernunft bewegen konnte.

    Ebenso wenig, wie das, was heute oftmals als rückwärtsgewandte “Religiösität” Kinder-reich gerechnet wird, der Welt keine aufgeklärt-mündige Bestimmung geben kann.

    Die Aufgabe der Religionswissenschaft ist es sicher nicht nach den geschichtliche Glaubenswahrheiten, den theologischen Aussagen der Geschichten zu suchen.

    Ihre Aufgabe wäre es m.E. danach zu fragen, was sich im Sinne der evolutionären Entwicklung rechnet,

    -die Welt evolutionären Entwicklung weiterbringt,

    -was die Menschen auf zeitgemäße Weise für einer gemeinsamen schöpferichen Bestimmung begeistern kann,

    -welche Vorstellung in kreativer Weise an bekannte Bilder des kollektiven Kultes anknüpft und so Wirkung entfaltet,

    -einen “Superorganismus” bildet, der aus Egoisten Gemeinsachtswesen macht, die ökologische und weltökonomische Verantwortung in Lust leben,

    -sich auch persönlich im Sinne einer gesamtheitlich gesehenen Vernünftigkeit verhalten, ernähren, leben, wie es echt “schöpferisch” vernünfig ist.

    Viel Spaß beim Rechnen mit logisch, emprischer Realität.

    Gerhard Mentzel

  20. Problem

    Hallo Herr Blume,

    zuallererst möchte ich Ihnen ein Lob aussprechen. Ich mag Ihren Blog, aber vorallem Ihre Weise, Ihre Arbeit frei von ideologischen Einflüssen zu halten, Neutralität zu bewahren. Ich wünschte Dawkins & Co. könnten sich davon eine Scheibe abschneiden!

    Was diesen Post angeht. Ich WÜNSCHTE ich könnte es ähnlich positiv sehen..!

    Für mich als Gläubigen ergibt sich allerdings ein Dilemma. Wenn ich Ihre Arbeiten lese, dann erscheint mir das meiste (so ich es denn verstehe) als schlüssig und logisch.

    Z.B. wenn Sie vom reproduktiven Vorteil der Religionen sprechen. Da kann ich gar nicht widersprechen! Ein Aha-Effekt sozusagen. (Kenne das sogar vom eigenen Bekanntenkreis: Je religiöser die Leute, umso mehr Kinder.)

    ABER, genau solche Erkenntnisse werfen “ungemütliche” Fragen und Sichtweisen auf. Es ergibt sich ein Dilemma.

    Gerade z.B. beim sog. evolutionären Vorteil von Religiösität. Diese Erkenntnis widerlegt oder beweist Gott zwar nicht (man könnte eher sagen: Er segnet die, die an ihn glauben bzw. bestraft all jene die nicht an ihn glauben. Siehe Demografieprobleme usw.).
    Aber diese Erkenntnis wirft ein anderes Problem auf:

    Glaube ich, weil ich glauben will? Und zwar aus einer freiwilligen, bewusst gefällten Entscheidung heraus? (Z.B. weil die Hinweise die ich durch Nachdenken gesammelt habe mich zu diesem Schluss führen?)

    Oder glaube ich, weil ich als “Homo religiosus” gar nicht anders kann?

    Dann aber ist man verführt zu sagen, dass die Religion mit der man dieses “Bedürfnis nach Gott” letztendlich stillt, gar nicht weiter relevant ist. Fast so wie es letztendlich egal ist, welche Zigarettenmarke man raucht, weil jede von ihnen Nikotin liefert.

    Wie C.S. Lewis (sinngemäß) erklärte: Gott gibt es, weil der Mensch ein Bedürfnis nach Gott hat. Ihr Ansatz könnte Lewis Lügen strafen, bzw. dies nahelegen. Oder?

    Und ganz allgemein wundert es mich sehr, wie ein Religionswissenschaftler sich überhaupt noch als gläubig fühlen kann.

    Freundliche Grüße,
    Roman

  21. @ Reinhold Walter: Entzauberung?

    Lieber Herr Walter,

    ganz herzlichen Dank für die freundliche und ermutigende Rückmeldung! Denn man fragt sich als Wissenschaftsblogger natürlich doch hin und wieder, ob die Zeit nicht woanders investiert werden sollte. Signale wie das Ihre sind da sehr wichtig, um zu sehen: Doch, das bringt anderen Menschen und der Vermittlung von Wissenschaft etwas.

    Nun gerne zu Ihren Fragen:

    Glaube ich, weil ich glauben will? Und zwar aus einer freiwilligen, bewusst gefällten Entscheidung heraus? (Z.B. weil die Hinweise die ich durch Nachdenken gesammelt habe mich zu diesem Schluss führen?)

    Insoweit das Problem der Prädestination berührt ist (vollziehen wir ein vorgegebenes Schicksal oder sind wir auch frei) ist das natürlich ein Thema, das schon lange im Calvinismus oder Islam intensiv diskutiert wurde – und wird (derzeit z.B. gerne vor dem Hintergrund der Hirnforschung). Wenn man es aber weniger philosophisch, sondern alltagsnah betrachten wollte, würde ich den Vergleich mit der Musik vorschlagen: Auch hier haben wir eine unterschiedlich starke Veranlagung, die wir passiv oder aktiv ausprägen können oder nicht. Das können bewusste Entscheidungen sein oder viele kleine, unbemerkte, manchmal auch Folge einer besonderen Erfahrung.

    Oder glaube ich, weil ich als “Homo religiosus” gar nicht anders kann?

    Eher: Wir Menschen können glauben, weil wir das Potential dazu evolviert haben. Hinzu kommen massiv starke Umwelteinflüsse. Ja, mancher Mensch wird vom Glauben ergriffen sein, wie andere von der Musik – oder der Liebe. Wieder andere bleiben unberührt, hier wie da. Aber schränkt uns das Wissen um unsere natürlichen Veranlagungen wirklich ein oder eröffnet es nicht vielleicht gerade auch neue Wege, verantwortungsvoll mit uns selbst, unseren religiösen Erfahrungen (oder dessen Fehlen etc.) umzugehen? Wunderschön passt dazu Ihr nächstes Beispiel!

    Dann aber ist man verführt zu sagen, dass die Religion mit der man dieses “Bedürfnis nach Gott” letztendlich stillt, gar nicht weiter relevant ist. Fast so wie es letztendlich egal ist, welche Zigarettenmarke man raucht, weil jede von ihnen Nikotin liefert.

    Wir wissen biologisch recht genau, wofür die erotische und die partnerschaftliche Liebe evolviert sind, können beteiligte Hormone und Gehirnregionen benennen usw. Bedeutet das, dass die Liebe nicht mehr relevant ist – und dass es völlig egal ist, wen wir küssen, mit wem wir das Leben teilen? Oder kann das Mehr an Wissen, die Erkenntnis, Teil eines großen Prozesses zu sein, das einzelne Erleben (“diese” Liebe, “diese” Musik, “diese” religiöse Erfahrung) nicht gerade auch verzaubern, vertiefen?

    Wie C.S. Lewis (sinngemäß) erklärte: Gott gibt es, weil der Mensch ein Bedürfnis nach Gott hat. Ihr Ansatz könnte Lewis Lügen strafen, bzw. dies nahelegen. Oder?

    Nun, die religiöse Erfahrung scheint mehr als “nur” ein Gefühl. Vielleicht wird man sie zukünftig als Sinn beschreiben, wie wir ja auch das Sehen, Hören, Schmecken etc. (in je unterschiedlich starken Veranlagungen) evolviert haben. Ob sich die Wahrnehmung dabei nur auf diesseitige Prozesse oder auch auf eine transzendente Wahrheit bezieht, lässt sich m.E. empirisch nicht klären – da bleibt die Freiheit des Glaubens bestehen.

    Und ganz allgemein wundert es mich sehr, wie ein Religionswissenschaftler sich überhaupt noch als gläubig fühlen kann.

    Es sind ja auch viele Musikwissenschaftler weiterhin begeistert musikalisch, viele Sprach- und Kulturwissenschaftler erfreuen sich der Sprachen und Kulturen etc. Unter Religionswissenschaftlern gibt es Atheisten, Agnostiker und Glaubende verschiedenster Prägung – und gerade das macht unser Fach so lebendig und vielseitig. Ich wusste immer: Wenn ich meinen Doktorvater von etwas überzeugen kann, dann war es unabhängig von Glaubensannahmen zugänglich! 🙂

    Wobei es in den USA ja sogar schon evangelische Pastoren gibt, die Gott für das Evolutionsgeschehen (inkl. der Evolution von Religiosität) euphorisch danken!
    http://www.chronologs.de/…gott-f-r-die-evolution

    Ihnen noch einmal herzlichen Dank, ich würde mich freuen, wenn Sie als Leser und Kommentator in Natur des Glaubens weiter mitwirken! 🙂

  22. Entzauberung

    Lieber Herr Blume,

    seien Sie versichert, Ihr Blog ist die Mühe wert. Ich persönlich denke ein Blog z.B. in dem man versucht, sein erworbenes Wissen in prägnanter (und leicht verständlicher) Form widerzugeben, hilft dabei, eben dieses Wissen noch besser zu verstehen. Und eine Diskussion zu irgendeinem Thema dient letztendlich auch nur dazu, diesen Effekt zu verstärken und (im Idealfall) neue Anregungen zu wecken. Daher, bitte machen Sie weiter und lassen Sie es nicht zu, dass Ihre Arbeiten in die eine oder andere Richtung “entführt” oder “instrumentalisiert” werden!

    Zum (eigentlichen) Thema:
    Sie haben die Musikalität erwähnt und ich glaube, das ist ein gutes Beispiel. Aber gleichzeitig kann man Religiosität mit Musikalität nicht 1:1 austauschen. Ich kann Musik geniessen, egal ob ich selbst musikalisch bin oder nicht, ob ich Musik studiert habe oder nicht. Sie macht mir immer Spaß. (Selbst wenn ich total unmusikalisch bin, versuche ich evt. doch zum Takt zu wippen…)

    Bei der Religiosität ist das anders. Beten z.B. erscheint mir sinnlos, wenn ich der festen Überzeugung bin, dass (Achtung!) Religion NUR ein “Nebenprodukt der Evolution” ist und es ergo Gott nicht geben kann. Dann ist jegliche Form der Religiösität “vergiftet”. Beten weil Gott mich hört, ergibt Sinn. Beten weil ich ein evolviertes Verlangen danach habe, eher weniger…

    Vielleicht ist das “nur” auch der Knackpunkt? Dass Religion einen evolutionären Vorteil bietet, liegt nun auf der Hand. Aber gleichzeitig wussten wir auch schon zuvor, dass Religion auch andere Vorteile hat. Z.B. als Moralquelle (wenn auch nicht die einzige). Trotzdem könnte man nicht behaupten, dass sich damit die Religion “erschöpft”. Ja, gut möglich, dass morgen eine neue, andere Facette der Religion entdeckt wird. Vermutlich würde auch das dieses komplexe Phänomen nicht ganz erklären.

    In einer Stellungnahme von John Polkinghorne zu dieser Frage, erwähnt er z.B. das Paradox, dass gerade die Menschen, die fest daran glauben, dass die Evolution die treibende Kraft hinter allem Leben ist, evolutionstechnisch “versagen”. Und diejenigen die als treibende Kraft etwas anderes als die Evolution sehen, gewinnen.

    (Aus christlicher Sicht: Ganz so als ob Gott eine Art Überheblichkeit/Hochmut strafen will…)

    Interessant, aber etwas off-topic und gänzlich irrelevant ist auch die Unterscheidung vieler Christen zwischen “Religion” und “Glaube”. Ich weiß allerdings nicht, inwieweit das aus Ihrer Sicht Sinn macht…

    Was Ihre rethorische Frage angeht, ob es egal ist wen man küsst. Nein, natürlich nicht. Aber selbst diese Frage hängt zu einem großen Teil von der zugrundeliegenden Lebensphilosphie ab. Für einen Gläubigen stellt sich die Frage nicht, aber jemand der wirklich alle Bestandteile des Lebens auf neurochemische Prozesse reduziert, wird m.E. ein Problem haben zu erklären, warum genau es eigentlich “nicht egal” ist. Aus dieser reduktionistischen Sicht man es nämlich keinen Sinn. (Ich persönlich denke, es ist ein Fehler außer der Wissenschaft auch das Leben aus dieser Perspektive zu sehen. Aber manchmal fällt die bewusste Unterscheidung, bzw. der Wechsel von einer Perspektive in die andere nicht leicht.)

    OK, das ist nun wirklich off-topic. Für mich dennoch ‘ne Überlegung wert. Bisher erforschen Sie ja (meines Wissens) nur den Zusammenhang zwischen Evolution und Religion. Aber könnte es nicht auch einen Zusammenhang zwischen Philosophie und Evolution geben? Allein schon die Frage, warum es der Evolution überhaupt dienen sollte, dass der Mensch sich über mehr den Kopf zerbricht, als nur über die Lösung seiner jeweiligen [b]praktischen[/b] Probleme ist für mich interessant.Aber ich schweife ab…

  23. @ R. Walter: Genau!

    Lieber Herr Walter,

    ja, Sie haben m.E. den Knackpunkt bereits korrekt gefunden!

    Beten z.B. erscheint mir sinnlos, wenn ich der festen Überzeugung bin, dass (Achtung!) Religion NUR ein “Nebenprodukt der Evolution” ist und es ergo Gott nicht geben kann. Dann ist jegliche Form der Religiösität “vergiftet”. Beten weil Gott mich hört, ergibt Sinn. Beten weil ich ein evolviertes Verlangen danach habe, eher weniger…

    Vielleicht ist das “nur” auch der Knackpunkt?

    Denn diese Tendenz einiger Deuter, alle Phänomene reduzieren zu wollen, ist weder philosophisch zwingend noch empirisch haltbar. Ist z.B.

    – der Gehirn “nur” eine Funktion von Materie?
    – ein deutsches Buch (z.B. die Lutherbibel) “nur” eine Kombination aus 24 Buchstaben und 10 Ziffern?
    – ein Gemälde von Van Gogh “nur” eine Ansammlung chemisch vermischter Farbstoffe?

    Die evolutionäre (im Kern: funktionalistische) Betrachtung von Phänomenen beschreibt m.E. stets nur den Mindeststandard. Liebe ist “mindestens” ein Weg der Genreproduktion – und womöglich viel mehr. Musik ist “mindestens” ein Weg der Kommunikation – und womöglich viel mehr. Religion ist “mindestens” biologisch erfolgreich – und womöglich viel mehr (z.B. ein Erkenntnisweg).

    Über die “Ironie”, die Polkinghorne beobachtete, habe ich bisweilen auch schon sinniert. Hätten Sie mir da die Quelle seiner Aussagen? Das würde mich sehr interessieren!

    Und wenn ich mich nun auch auf die Evolutionsforschung religiösen Verhaltens spezialisiert habe, so sitze ich doch gerade auch an einer Skizze zur Evolution von religiös-philosophischer Skepsis. Sobald diese erscheint, gebe ich gerne Bescheid!

    Herzliche Grüße – und danke für Ihre Fragen und Anregungen!

  24. Erkenntnisweg

    Lieber Herr Blume,

    entschuldigen Sie die verspätete Antwort.

    Diese Idee von John Polkinghorne (den ich sehr respektiere) stammt aus seinem Buch “Questions of Truth” (bisher nur auf Englisch erhältlich). Vieles aus diesem Buch ist aber auch schon auf seinen Blog enthalten. Meistens als (apologetische) Antwort auf Anfragen anderer.

    [quote]
    Religion ist “mindestens” biologisch erfolgreich – und womöglich viel mehr (z.B. ein Erkenntnisweg).[/quote]

    Nun, ihr “womöglich” klingt in meinen Ohren doch ein wenig skeptisch… Was diese Fragen bzw. dieses Thema angeht, erinnere ich mich gerne an Kants Kritik der reinen Vernunft. Ich denke, sein Ansatz ist bis heute richtig und wird nur zu gerne von vielen Anti- und Atheisten übersehen.

    Was “Erkenntnisweg” und “Reduktionismus” angeht, denke ich sind wir in Europa bisher gut gefahren, mit der Kombination aus griechischer und jüdischer Denkweise. Vereinfachend gesagt: Athen will ein Auto in seiner Einzelteile zerlegen um es zu verstehen, Jerusalem will aber lieber wissen, wohin das Auto eigentlich fährt.

    Ich würde es schade finden, wenn man diesen Weg aufgeben würde und zurückkehren würde zur rein griechischen Denkart und somit auch meiner Meinung nach zur griechischen Hybris. Vielleicht war es ja genau diese Kombination die westliche Wissenschaft so weit gebracht hat?

    (Zu diesem Thema empfehle ich auch das Buch “What’s so great about Christianity?” von Dinesh D’Souza. Es ist leider nicht ganz frei von Polemik, aber verständlich, da es vor es vor allem eine Antwort auf Dawkins & Co. darstellt. Dennoch enthält es viele interessante Richtigstellungen. Z.B. die Behauptung, das Christentum hätte das “dunkle Mittelalter” ausgelöst/bewirkt.)

    Auf jeden Fall bin ich gespannt auf Ihr nächstes Werk. Ihr Buch habe ich mir neulich gekauft. Ich finde es sehr interessant, zumindestens Ihre Anteile. Leider – und ich will ehrlich sein – ist nicht das ganze Buch neutral geschrieben. Für mein Empfinden sind Teile (die vermutl. nicht von Ihnen sind) davon aber eindeutig anti-religiös gefärbt. M.E. unterstützt der Autor die (lapidar gesagt) “Gott als Hirn-Gespinst”-These. Nicht ausdrücklich, aber zumindestens durch die Semantik.

    Off-topic:
    Ich habe hier ein interessantes Zitat von Kaiser Augustus zum Thema Demografie gefunden. Leider auf einem politischen Blog, aber interessant trotzdem. Erstaunlich, wie es die heutige Lage widerspiegelt.

    http://fact-fiction.net/?p=1950

  25. @ Reinholt Walter

    Danke für Ihr Interesse & Feedback! Rüdiger und ich fanden es entscheidend wichtig, zu jedem Thema die Pros und Contras darzustellen, damit sich die Leser unbefangen selbst eine Meinung bilden können.

    Neurotheologie “pur Blume” kann ich bieten – in wenigen Tagen sollte die erweitere Neuausgabe meiner Promotion im Handel erhältlich sein! 🙂
    http://www.amazon.de/…;qid=1247261757&sr=8-4

    Danke auch für den wundervollen Augustus-Zitate-Fund! Das habe ich noch nicht gekannt!

    Es würde mich freuen, wenn Sie auch in Zukunft hin und wieder zu “Natur des Glaubens” beitragen!

    Herzliche Grüße!

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