Rechtsmimesis & Widerstand – Ein Foto-Mem zur deutschen Geschichte

Das Foto zeigt eine aufgepeitschte Masse von Männern, die fanatisiert den Hitlergruß zeigen. Doch ein einzelner Mann verweigert sich mit verschränkten Armen der Rechtsmimesis – der rechtsdualistischen Nachahmung von Verhalten und Zielen. Als “Be this Man”-Meme, deutsch: “Sei dieser Mensch!”-Mem, hat sich dieser Moment weltweit über das Internet verbreitet, ist “viral gegangen”.

Ein Mann steht mit verschränkten Armen in einer Menge Heil-Hitler-grüßender Männer. Darüber steht in weißer Schrift "Sei dieser Mensch"-Mem und darunter August Landmesser Wegert.

Das “Be this Man”-Meme soll auf August Landmesser oder Gustav Wegert zurückgehen. Mem-Gestaltung hier: Michael Blume

Die meisten Fachleute vermuten, dass es sich um das zeitweise NS-Mitglied August Landmesser (1910 – 1944) handelt, der später als Mitglied der “Strafdivision 999” auf dem Balkan fiel. Grund für seinen späteren Widerstand gegen den NS und seine Verhaftung war die Verlobung mit der Hamburger Jüdin Irma Eckler (1913 – 1942), die 1942 wahrscheinlich in der sog. “Euthanasie”-Anstalt Bernburg ermordet wurde. Andere halten den Schlosser Gustav Wegert (1890 – 1959) für den Abgebildeten, der sich aus christlicher Überzeugung dem Nationalsozialismus verweigert habe.

Den Begriff der “Memes” bildete der Evolutionsbiologe Richard Dawkins aus dem griechischen “Mimesis” (Nachahmung von Zielen) und “Genes” (Gene). Soziale und mediale Einflüsse bestimmen unser Denken und Verhalten nicht völlig, aber prägen es sehr stark. Der Mut des Mannes mit den verschränkten Armen ist für uns alle sichtbar, weil wir selber die Erfahrung gemacht haben, wie es sich anfühlt, gegen eine mimetisch gerichtete Mehrheit zu stehen. Oder aber: weil wir es nie gewagt haben, in dieses Risiko zu gehen.

Der vom NS hingerichtete, evangelische Märtyrer Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945) nannte diese Verleugnung der Machtverhältnisse “Dummheit” und unterschied diese von der “Bosheit”. Denn ein echter Widerstand gegen feindselig-dualistische Mimesis bedeutet gerade nicht, immer nur “gegen die Mehrheit” zu sein. Sondern es bedeutet den Mut, auch die je eigene Blase zu hinterfragen – und sich nötigenfalls an die Seite der Abgewerteten, Angegriffenen zu stellen.

Bereits im Oktober hatte ich daher gebloggt:

Rechtsmimesis bedeutet, dass die Nachahmung von Feindbild-Erzählungen gegen Migranten und deren Nachkommen, gegen Bildung & Wissenschaften, gegen Feministinnen, Juden, gegen Arme, Kranke, gegen andere Völker und Religionen immer und immer wieder den feindseligen Rechtsdualismus verstärken wird. Rechtspopulistische, rechtsextreme, rechtsdualistische Parteien werden dadurch in den Augen der Öffentlichkeit mimetisch bestätigt und gestärkt, nicht geschwächt. Wer als Demokrat oder Demokratin weiterhin auf Rechtsmimesis setzt, ist entweder ignorant oder hat bereits innerlich die Idee der Menschenwürde aufgegeben.

Rechtsmimesis befeuert Rechtsdualismus. Immer & immer wieder.

Wann beginnt die Rechtsmimesis

In den letzten beiden Tagen besuchte ich mit Mitarbeitenden die jüdische Gemeinde zu Mannheim und den (auch bereits auf Mastodon präsenten) “Euthanasie”-Gedenkort Grafeneck. Und immerhin bestätigte eine Einstellungen-Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), dass wir Fachleute nicht alleine mit den Sorgen sind: Knapp drei Viertel (74 Prozent) der Deutschen ohne familiäre Einwanderungsgeschichte bejahten die Aussage “Der Rechtsextremismus in Deutschland macht mir Angst”. 46 Prozent stimmten ihr “völlig” und 28 Prozent “eher” zu. Bei den Deutschen mit Migrationshintergrund waren es 66 Prozent, bei den in Deutschland lebenden Ausländern 55 Prozent – was für mich ein starker Hinweis darauf ist, dass historische und politische Bildung in deutscher Geschichte eine tatsächliche und auch warnende Wirkung hat.

So hatte ich schon öfter vermutet, dass das ableistische NS-Plakat nicht zufällig einen “arischen” Arbeiter zeigte, der zwei als minderwertig gekennzeichnete Menschen auf seinen Schultern trug. War hier bewusst der jüdische Jesus am Kreuz ersetzt worden?

"Hier trägst Du mit"-Propagandaplakat der deutschen Nationalsozialisten von 1936. Gezeigt wird ein gebeugter, "arischer" Arbeiter, der zwei rassistisch und ableistisch gezeichnete Personen auf einem Kreuzbalken trägt. Unter der Überschrift steht: "Ein Erbkranker kostet bis zur Erreichung des 60. Lebensjahres im Durchschnitt 50.000 RM." (Reichsmark)

“Hier trägst Du mit”-Propagandaplakat der deutschen Nationalsozialisten von 1936 im Dokumentationszentrum der “Euthanasie”-Gedenkstätte Grafeneck. Foto: Michael Blume 

Diese Frage wurde mir nun beantwortet, denn in Grafeneck wird zu dieser Darstellung ein Text aus der SS-Wochenzeitschrift “Das Schwarze Korps” von 1937 zitiert: “Man müsste ein Gesetz schaffen, das der Natur zu ihrem Recht verhilft. Die Natur würde dieses lebensunfähige Geschöpf verhungern lassen. Wir dürfen humaner sein und ihm einen schmerzlosen Gnadentod bereiten…

Aus dem Bibelspruch Matthäus 5 ‘Selig sind die am Geiste Armen’ wird kein vernünftiger Mensch irdische Rechte der Idioten ableiten, die anderen hat niemand bestritten. Ihrer mag das Himmelreich sein.”

So wurden also die ersten Massenmorde an “Euthanasie”-Opfern – wie psychisch Erkrankter und auch traumatisierter Veteranen des Ersten Weltkrieges – vorbereitet und in der sog. “T4”-Aktion gegen noch geltendes Recht im NS-Reich durchgeführt. Noch gab es vereinzelte Proteste aus den Kirchen, so die mutige Predigt des Münsteraner Bischofs Clemens Graf von Galen (1878 – 1946) gegen jede “Euthanasie”. Wenige Sätze seien daraus hier zitiert:

“Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man den unproduktiven Mitmenschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden! Wenn man die unproduktiven Mitmenschen töten darf, dann wehe den Invaliden, die im Produktionsprozess ihre Kraft, ihre gesunden Knochen eingesetzt, geopfert und eingebüsst haben! Wenn man die unproduktiven Mitmenschen gewaltsam beseitigen darf, dann wehe unseren braven Soldaten, die als schwer Kriegsverletzte, als Krüppel, als Invalide in die Heimat zurückkehren. […]

Dann ist keiner von uns seines Lebens mehr sicher. […]

Christen von Münster! Hat der Sohn Gottes in seiner Allwissenheit damals nur Jerusalem und sein Volk gesehen? Hat er nur über Jerusalem geweint? Ist das Volk Israel das einzige Volk, das Gott mit Vatersorge und Mutterliebe umgeben, beschützt, an sich gezogen hat? Und das nicht gewollt hat? Das Gottes Wahrheit abgelehnt, Gottes Gesetz von sich geworfen und so sich ins Verderben gestürzt hat? Hat Jesus, der allwissende Gott, damals auch unser deutsches Volk geschaut, auch unser Westfalenland, unser Münsterland, den Niederrhein? Und hat er auch über uns geweint? Über Münster geweint? Seit tausend Jahren hat er unsere Vorfahren und uns mit seiner Wahrheit belehrt, mit selbem Gesetz geleitet, mit seiner Gnade genährt, uns gesammelt wie die Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelt. Hat der allwissende Sohn Gottes damals gesehen, dass er in unserer Zeit auch über uns das Urteil sprechen muss: «Du hast nicht gewollt! Seht, euer Haus wird euch verwüstet werden!» Wie furchtbar wäre das!”

Es wurde so furchtbar, auch Münster “verwüstet”. Und doch bekam es eine weitere Chance und durfte neu erblühen, auch mit dem von mir so geschätzten Philosophen Hans Blumenberg (1920 – 1996).

Und heute? Erhebt sich in der digital befeuerten “Enge der Zeit” die zur Faust geballte Hand des feindseligen Dualismus weltweit und wieder auch in Deutschland.

Eine symbolische Darstellung des feindseligen Dualismus als Handfläche, von dem die Finger der Polarisierung, des Antiziganismus, des Sexismus, des Antisemitismus sowie des Rassismus und Ableismus ausgehen.

Der psychologische Hang zum Freund-Feind-Dualismus und damit zur “Hetze” bildet die Grundlage aller Varianten der sog. gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Bild: Michael Blume mit Leonardo.ai 

Ich halte weiterhin daran fest: Geschichte reimt sich, aber wiederholt sich nicht.

Die Bundesrepublik ist nicht die Weimarer Republik, der fossile Faschismus nicht der historische Nationalsozialismus und der rechtslibertäre Sozialdarwinismus nicht die SS. Auch tragen wir Heutigen – völlig unabhängig von unserer Herkunft oder auch Staatsangehörigkeit – keine “Schuld” an den Verbrechen der Nazis. Doch wir haben eine Verantwortung aus der Geschichte zu lernen, der Rechtsmimesis rechtzeitig zu widerstehen.

Es soll Dir nicht egal sein, wenn aus dem heutigen Deutschland eine alleinerziehende Mutter mit ihren zwei Kindern (sieben & elf Jahre) nach sieben Jahren Aufenthalt und Schulbesuch aus Deutschland nach Nigeria abgeschoben wird. Wer dafür verantwortlich ist, hat nach meiner Einschätzung die Botschaft von Weihnachten nicht verstanden.

Es sollte Dich beunruhigen, wenn es selbst der SPD-Bundestagsabgeordnete und Menschenrechtsbeauftragte Lars Castelluci nicht mehr wagt, gegen den deutschen Verrat an afghanischen Verfolgten zu stimmen. Der Artikel 38 unseres Grundgesetzes sollte genau solchen eigentlich mutigen Abgeordneten den Rücken stärken.

Ich bin mir der Konsequenzen auch aufgrund eigener Erfahrungen durchaus bewusst, was es bedeutet, gegen die Rechtsmimesis mitmenschlich zu bleiben.

“Sei ein Mensch!” hatte Marcel Reif in unserem deutschen Bundestag gesagt.

Politik und Medien versagen bereits vielfach, wagen zu wenig Grundgesetz. Es ist also leider wieder Zeit, gegen den fossilistischen und mimetischen Hass für die Menschenwürde einzustehen.

 

Avatar-Foto

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

30 Kommentare

  1. Sie können sich sicher sein – 90 Prozent der AfDler fühlen sich wie dieses eine Trotzköpfchen. Rechtspopulismus ist eine Inflationserscheinung, Quantität verdrängt Qualität, indem sie den Schein verkauft ohne das Sein. Es ist Heldenfälschung, funktioniert wie Geldfälschung oder Produktfälschung: Schauen Sie auf Trump, wenn sich ein Gegner oder Problem nicht von seinem Piepsen einschüchtern lässt, kneift er den Schwanz ein: Er verleugnet das Problem, zahlt dem Gegner Schutzgeld, damit der ihn in Ruhe lässt, saugt sich fiktive Probleme aus den Fingern und erklärt die Schwachen zum Erzfeind, denn ein Problem, das es nicht gibt, ist sehr leicht zu lösen.

    Teddybären verkloppen, um wie der große Bärentöter dar zu stehen. Der Fake-Hero ist der Messias, der Übermensch, der Gott einer Welt, die meint, Brot durch Zirkusspiele ersetzen zu können.

    Wissen Sie, was ich auf diesem ableistischen Plakat sehe? Was für eine Kraft dieser Arbeiter mit solchen Hanteln haben muss. Der Typ braucht Proteinriegel, keine Entlastung, dann trägt er sie irgendwann mit einer Hand und kann mit der anderen den einen oder anderen Berg versetzen.

    Die Grundlage des Überlebens ist die Stärke, die Grundlage der Zivilisation – die Schwäche. Die Zivilisation ist eine Pflegeeinrichtung, all ihre Macht kommt daher, dass der Mensch ein Krüppel ist und es mit Technik, Ethik, Organisation kompensieren muss. Wir gewinnen das evolutionäre Pferderennen im Formel-1-Rollstuhl. Nazis waren gefährlich, weil sie in so vielen Rollstühlen Europa überrollten, und doch waren all diese Rollstühle zu schwach, die Last ihrer Loser-Ideologie zu tragen.

    Rassismus hat Europa die Weltherrschaft gekostet: Zu einem erfolgreichen Imperialismus gehört es auch, die unterworfenen Völker zu assimilieren: Rom machte aus allen, die er verschlang, Römer. Doch der Preis war dann, dass am Ende nur eine Minderheit der Römer römischer Abstammung sein konnte, der Rest sprach nur Latein, verehrte aber alle möglichen Götter, und erst aus diesem Multikulti formten sich irgendwann Christentum und Islam.

    Als aber die Briten merkten, dass sie Indien nicht beherrschen konnten, ohne dass irgendwann ein Hindu König von England sein würde, rannten sie lieber heim zu Queen Mami, als zuzulassen, dass sich die Inder emanzipierten und stark veränderten, was es bedeuten würde, Brite zu sein. Und so machten’s auch alle anderen Europäer und heute machen es die Amis auch so. Statt dass aus den Imperien neue Staaten und neue Völker entstanden wären, statt dass das Amerikanische Imperium zum Keim eines neuen Vielvölkerreichs mit Englisch als einigender Sprache und Menschenrechten und Demokratie als memetischem Gencode geworden wäre, kloppen wir alles in die Tonne und rennen schreiend nach Hause zurück, weil wir es nicht ertragen, anderen Menschen, Hautfarben, Kulturen, auf Augenhöhe zu begegnen.

    Lieber Herrenrasse als Kakerlake unterm Kühlschrank, als nur ein König unter Königen. Der Deutsche Orden, die Nazis, Trump, die EU, machten den gleichen Fehler – auch sie bedienten sich Ritter und Kämpfer aus allen Völkern, aber die Kriterien für die Clubmitgliedschaft waren so eng und versnobt, die Clubs so winzig, dass es ziemlich egal war, ob und wie sehr sie ihren Gegnern technologisch überlegen waren – sie sperrten sich mit zu wenigen Ressourcen in ihren Elfenbeintürmen ein, verblödeten durch memetische und oft auch biologische Inzucht, sodass sie am Ende an der reinen zahlenmäßigen Übermacht ihrer Gegner scheiterten, die mehr Völker, mehr Krieger, mehr Arbeiter, mehr Land, mehr Ressourcen für die Club-Kasse mitbrachten.

    Durch Technologie konnten wir uns nur kurz durchsetzen, eine Welt verschlingen, die kaum mehr als Stein und Pfeile gegen Stahl und Schießpulver zu bieten hatte. Doch sobald die ehemaligen Kolonialismus-Opfer diese Technologien von uns gelernt haben und selbstständig weiterentwickeln, ist die Emanzipation die logische Folge. Und der Rassist muss sich mit eingekniffenen Schwanz verziehen, um irgendwo in den Bergen und Wüsten, die sonst keiner haben will, seine Mütter und Töchter zu poppen.

    Dass unsere Populationen implodieren und Adoptivkinder aufsaugen müssen, ist also eine neue Chance für Europa, ein neues Blatt, nachdem es längst aus dem Spiel ausgestiegen war. Denn wenn jetzt ein Schwabe eine Zulu-Frau heiratet, ist das Kind Erbe zweier Kulturen, hat Verwandte in Deutschland und Afrika und muss sich eine neue Identität schaffen, die das genauso zum Normalfall macht, wie es die Einwanderung zum Normalfall machte, dass Amerikaner ihre Wurzeln auf der ganzen Welt sehen.

    Europa reformiert sich grundsätzlich durch Krieg: Weil wir keinen schwächeren Argumenten zugänglich sind als Bomben, scheitert auch alles, was wir versuchen, bis jemand Bomben versucht und alle zwingt, mit Bomben zu antworten. Erst wenn alles kurz und klein geschlagen würde, wenn die alten Strukturen so sehr zermahlen wurden, dass sie nicht wieder zusammen gepuzzelt werden können, wenn die halbe Bevölkerung tot ist und wir völlig neue Beziehungen knüpfen müssen, wenn das pure Überleben wichtiger ist als Snobismus und Ego – können wir das nächste Abendland aufbauen, das eine Weile funktionieren wird, um dann genauso unterzugehen wie es immer untergeht.

    Rassismus ist eine Perversion von Perfektionismus, denn auf diesem Kontinent überlebt nur Qualität. Wir brauchen den steten, schnellen Wandel, die stete, schnelle Anpassung, und dazu müssen wir oft und gründlich Altes zerstören. Nur wissen wir heute, dass Qualität nix mit Rasse zu tun hat, Qualitätsverlust aber sehr viel mit Rassismus. Und wir haben genug Kartoffeln, um das Alte in Rente zu schicken, statt die nutzlosen Fresser abzuschlachten. Und wir haben unsere Unschuld verloren – zwei Weltkriege sind entstanden, weil wir nicht wussten, was wir tun, wir wussten nicht, wie Dinge funktionieren, wir kannten und verstanden uns selbst nicht. Qualität bedeutet heute, den Rassismus zu überwinden und weniger hanebüchene Techniken von Qualitätssicherung und schnellem Fortschritt zu entwickeln. Ethik und Eigennutz gehen Hand in Hand.

    Wir sind vielleicht die erste Generation der Menschheit, die keine Ausreden mehr hat. Die erste, wirklich Schuld trägt an ihren Taten, die nicht behaupten kann, sie hätte nicht gewusst, was hinten herauskommen würde. Die erste, die es voll und ganz verdient hat, in der Hölle zu brennen. Aber noch nie war es so einfach wie heute, unser Schicksal selbst zu bestimmen.

  2. Hoffentlich finde ich den Mut, mich stets vor die marginalisierten Menschen zu stellen. Damit sollte nicht gewartet werden, wenn die Gewalt schon eskaliert und die ICE oder irgendeine andere Faschistenmiliz bereits die Menschen von der Straße und aus den Häusern holt. Es gilt, auf ausgestoßene Menschen zuzugehen, mit ihnen zu reden und offen zu interagieren. Das ist positive Mimesis, das normalisiert diese Menschen und macht die Gesellschaft drumherum resilienter gegen rechtsextremen Populismus.

    Und als aufgeklärte Menschen sollten wir nicht nur aus Verantwortung gegen Extremismus und Hass aufstehen, sondern auch aus purem Egoismus und Selbsterhaltungstrieb. Ohne Friede und Freiheit bleibt nur Leben in Angst.

    • Ganz herzlichen Dank, @Hui Haunebuh

      Und obwohl wir uns – soweit ich weiß – noch nie im RL begegnet sind, kann ich doch schon sagen, dass Du im Fediversum auch als Solarpunk eine wichtige und andere (auch mich) bestärkende Rolle eingenommen hast. Wenn wir es schaffen, die durch antisoziale Konzernmedien befeuerte Rechtsmimesis wieder zu stoppen, dann auch durch Menschen wie Dich.

      Danke für Dein konstruktives Interesse und Deine dialogischen Posts und Kommentare! 🙏🙌🌞

      • Danke, Michael, für Deine überaus netten Worte. Im Netz sehe ich meine Aufgabe als Verstärker von Stimmen, die mir wichtig erscheinen. Dass Du so viel Feedback gibst, ehrt Dich.

        Im RL sind wir uns nicht begegnet. Falls das passieren sollte, werde ich mich vorstellen; klarer Fall. 😀

    • Guten Morgen @Hui Haunebuh,

      eine wunderbare Formulierung, die ich mir merken werde!

      „Es gilt, auf ausgestoßene Menschen zuzugehen, mit ihnen zu reden und offen zu interagieren. Das ist positive Mimesis, das normalisiert diese Menschen und macht die Gesellschaft drumherum resilienter gegen rechtsextremen Populismus.“

      Ich denke, genauso wie wir positive Mimesis brauchen, so sehr brauchen wir auch positive Erzählungen – wie sie hier auf dem Blog ja schon sehr oft geteilt wurden, z.B. Stichwort: Solarpunk. Und, Sie haben recht, man muss nicht warten, bis ein menschenverachtender Zustand für alle sichtbar bereits eingetreten ist. Es fängt, wie man so schön sagt, „im Kleinen“ an. Menschen bilden auf einmal einen größer werdenden Kreis um jemanden, der oder die sich auf der Straße irgendwie ungewöhnlich verhält oder Hilfe benötigt. So fängt ja auch Mobbing an, und daraus entwickelt sich dann graduell Schlimmeres.

      Wunderbar hat das Marina Weisband in ihrer Rede zum 80. Befreiungstag des KZ Buchenwald zum Ausdruck gebracht:

      „Wir sagen kämpfen – aber was ist dieses Kämpfen eigentlich? Und wann beginnt es? Faschismus wird nicht erkannt, weil wir insgeheim damit rechnen, dass sich am Ende der Demokratie irgendwie die Filmmusik verändert. Der Himmel sich bedrohlich grau zuzieht. Dass Banner ausgerollt werden. Aber das passiert nicht. Wenn der Faschismus kommt, scheint noch immer die Sonne. Die Vögel singen. Sie gehen zur Arbeit. Alles ist normal. Nur trans Menschen verlieren ihre Rechte. Und Asylsuchende. Und Immigranten. Und Behinderte. Und Muslime. Und Juden. Und linke Journalisten. Und dann andere Journalisten. Und ich. Und Sie. Und niemandem ist mehr klar, wann es eigentlich zu spät wurde.“

  3. @Paul S 10.12. 22:11

    „Aber noch nie war es so einfach wie heute, unser Schicksal selbst zu bestimmen.“

    So kommt es mir auch vor. Einfach die Möglichkeiten, sich zu informieren und wirklich gute Quellen zu finden, macht wirklich viel aus.

    Was die Religionsdemografie betrifft: Wie denn Religion überhaupt fördern? Die Leute glauben was sie wollen, und bleiben auch eher dabei. Wir brauchen Kinder, deswegen bitte rennt wieder in die Kirchen? Das muss anders gehen, meine ich.

    Was die Kostenrechnung mit Kindern betrifft, so denke ich, dass die schon eine Rolle spielt, nur macht das noch keine Regierung konsequent. Es müsste sich finanziell wirklich lohnen, statt nur ein wenig weniger verlustreich zu sein.

    Derzeit scheint es einfach den Regierungen zu teuer zu sein, zumal der wirtschaftliche Effekt eben auf 75 Jahre verteilt wird, solange wie ein Kinderleben eben dauert.

    Anderseits punkten die kindereffektiven Religionsgemeinschaften ja auch mit konkreter Unterstützung, dass könnten wir auch, wir müssen es nur wollen.

    Wieder eine andere Frage ist vielleicht auch nicht egal: Ist es wirklich sinnvoll, jetzt schon mehr Menschen in die Welt zu setzen? Angesichts von Mitweltschäden und durch die Klima- und Wasserkrise möglicherweise bald nicht mehr ausreichender landwirtschaftlicher Erträge.

    Nur wenn diese Frage mit Ja beantwortet werden kann, kommt ein wirklich vor dem Kosmos verantwortlicher Mensch zu der klaren Einschätzung, am besten selber gleich 3 oder 4 Kinder zu bekommen, wenn sich die Gelegenheit bietet, solange die Geburtenraten so niedrig sind.

    Wenn man die Säkularität auch als Glaubensgemeinschaft nimmt, dann gilt hier wohl weltliche Vernunft durchaus als beachtliches Argument. Deswegen denke ich, dass da doch mehr geht. Und auch die Säkularen mitmachen könnten.

    Wenn jetzt noch immer mehr Spiritualität dazu kommt, dann wird weltliche Vernunft vielleicht sogar als eigenen Pflicht wahrgenommen? Auch ich bin nullgarnicht kirchlich organisiert, nehme aber ganz gerne offensichtliche weltliche Verantwortung durchaus erst. Da reicht mir die Vermutung von allgemeinen kosmischen Geisteswelten, personalisiert müssen die dafür nicht sein. Und verbindlich kirchlich organisiert schon gar nicht.

    Die wichtigste Motivation ist mir aber dieser wunderbare Planet mitsamt meistens ziemlich wunderbaren Menschen, die es aber gar nicht immer leicht haben. Und da dran öfter mehr oder weniger scheitern.

  4. Ich weiß genau, was Sie beschreiben. Das erinnert mich an eine Situation in einer Frühstücksrunde in einem Bistro in Leipzig mit einem Handwerker- und Gewerbetreibendenpublikum so 2016. Ich saß dort, weil an einem der raren Ladepunkte gegenüber das Mobilchen stand.
    Man zog über Flüchtlinge und Migranten her. Es fiel das Wort “Viehzeuch”. Ich weiß noch, wie schwer es mir fiel, da als Einziger von vielleicht 10 wenigstens so dagegenzuhalten: “Man kann ja verschiedener Meinung sein, aber das sind doch Menschen!”

  5. Jetzt erinnere ich mich noch, dass in der regelmäßigen Runde auch der Besitzer des Bistro dabei saß.
    Er war auch so rechts, hat aber wegen des finanziellen Vorteils (der Strom war damals noch kostenlos) ganz schnell für seine Frau einen E-Golf gekauft und später massiv PV installiert und einen E-SUV beschafft.
    Wenigstens weniger Absatz an Fossilzeug….

    • Herzlichen Dank, @Eckehard Erben – Sie haben erfasst, worum es mir geht! 🙏🙌

      Die Rechtsmimesis kombiniert eine brutale Ökonomisierung von allem Leben (das zitierte “Viehzeuch“ wertet ja sowohl menschliches wie tierisches Leben auf seinen Wirtschaftsnutzen ab) mit der Angst vor dem eigenen Abstieg. Denn umso mehr Zugewanderte, Frauen, Kinder, Arme, Kranke, Drogenabhängige, beruflich Gescheiterte, auch religiöse und ethnische Minderheiten abgewertet werden, umso größer wird die Gefahr auch für diejenigen, die sich jetzt noch erhaben wähnen.

      Ich hatte in Grafeneck den Militärpass eines ehemaligen, deutschen Frontsoldaten in der Hand, der sogar mit einem Ehrenkreuz ausgezeichnet – und dann doch im zynischen Namen der sog. „Euthanasie“ ermordet worden war. Auch Kardinal von Galen nahm bei seiner Predigt ja genau solche Fälle im Blick.

      Unvergessen ist mir auch die Unruhe bei den Betroffenen, als ich am 9.11.2023 im Landtag von Baden-Württemberg daran erinnerte, dass bereits ein prominenter AfD-Politiker vom „Ausschwitzen“ auch in der Partei geraunt hatte.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/im-landtag-bw-gegen-antisemitismus-meine-rede-zum-9-11-2023/

      Mir wurde da deutlich, dass Führerkulte (Fachbegriff “Tyrannophilie“ immer auch mit der Sehn-Sucht arbeiten, der mimetisch nachgeahmte Anführer möge einen selbst dann für „treue Dienste“ beschützen. Was immer wieder ent-täuscht wird. So hat Donald Trump auch „seine“ Anhänger nicht vor Preissteigerungen und Kürzungen geschützt, gerade auch „seine“ Farmer ins Zollchaos gestürzt.

      Die christliche und humanistische Mimesis, die Sie vertreten haben, stärkt dagegen Solidarität, Wert und Würde zwischen den Menschen und auch unserer Mitwelt. Da der Fossilismus ja gerade zerfällt, wird religiöse, spirituelle, philosophische und künstlerische Vielfalt für das Bestehen von Solarpunk-Arche-Regionen entscheidend wichtig.

      Vielen Dank für Ihren Einsatz damals & heute! 🙌

  6. “Sei dieser Mensch.”

    Drei Worte, die bei mir Betroffenheit auslösen. Denn bisher schien mir der Zeitpunkt noch nicht gekommen, mich mit der Frage nach dem Widerstand zu befassen.

    Woran liegt es, dass die demokratische Mehrheit in unserem Land sich von der undemokratischen Minderheit einreden lässt, sie wäre die Mehrheit?

    Weil diese Minderheit lauter daherkommt als die Mehrheit.

    Weil sie offenbar besser vernetzt ist – zum Beispiel bei manchen Medien. Ein Medienhaus, das mit einem der reichsten Männer der Welt offen Wahlkampf macht für eine Partei, die die Mehrheit eben gerade nicht an der Macht sehen will, müsste vom aufgeklärten, mündigen Bürger eigentlich ignoriert werden!

    Wo sind die Medien, die dagegenhalten müssten, wenn Aussagen einer Bundesministerin als “links-extremistisch” bezeichnet werden?

    Die demokratischen Parteien wissen sehr gut über die deutsche Geschichte zwischen 1919 bis 1945 Bescheid.

    Eigentlich muss man die SPD nicht an das Schicksal eines württembergischen Landtagsabgeordneten und Mitglied des Reichstags erinnern, der am 21.11.1944 an den Folgen der Misshandlungen durch die Gestapo im Keller eines Stuttgarter Krankenhauses verstarb.

    Eigentlich sollte auch die CDU keine Erinnerung an manche ihrer Gründungsmitglieder brauchen, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus waren und nur knapp überlebt haben.

    In ein paar Tagen ist Weihnachten. Die Gottesdienste an den Festtagen werden auch von Politikern besucht. Die Geschichte von Jesu Geburt ist auch eine Fluchtgeschichte. Es gäbe heute kein Weihnachtsfest hätte Ägypten die Heilige Familie in einer Nacht- und Nebelaktion abgeschoben. Vielleicht bedarf es eines mutigen Geistlichen, dies dem für Abschiebungen zuständigen Minister ins Stammbuch zu schreiben.

    Etwas mehr Sinn für die Realität wünsche ich denen, die uns regieren.

    Nicht nur Lippenbekenntnisse zu Europa.

    Zu akzeptieren, dass wir es bei der amerikanischen Regierung mit der Tatsache zu tun haben, dass kein Interesse an Zusammenarbeit auf Augenhöhe besteht. Sondern die EU ein willfähriger Befehlsempfänger sein soll.

    Im Vorfeld der kommenden Wahlen fordere ich Ehrlichkeit von den Kandidaten. Welche Handlungen sind denn konkret gemeint, wenn man ankündigt, die Probleme lösen zu wollen, die einen Teil der Wähler dazu veranlassen, auf dem Stimmzettel die A.. anzukreuzen? Abschiebungen wie die von alleinerziehenden Müttern und kleinen Kindern?

    In ganz besonderer Weise bewegt mich Ihr Bericht über den Besuch in Grafeneck. Wie abgestumpft muss man sein, um solche Taten zu begehen? Wir wissen, dass es im Laufe der 30er Jahre immer wieder kleinere Tabubrüche waren, die den Handelnden den Mord an Kranken etc. noch als “Erlösung” für diese ansehen ließ.

    Stärken wir unsere Gedenkstätten. Wir brauchen dort keine Besuche von Politikern, die von “Nie wieder” faseln, aber nichts aus der Geschichte gelernt haben.

    Es braucht Mut, Politiker, die in Wahlkämpfen mit dreisten Lügen über andere demokratische Parteien auffallen, zu stellen. Dass Lügen vor allem über X erfolgreich gestreut wurden, mag mit einer der Gründe sein, warum manche Politiker von dort nur schwer loskommen.

    Politiker in hohen Staatsämtern haben dort nichts verloren. Wer weiterhin auf X postet, beschädigt die Würde des Amtes.

    Der Bundespräsident ist unser Staatsoberhaupt mit hauptsächlich repräsentativen Aufgaben. Aber er hat – wie es schon der erste Bundespräsident erkannte – die Macht der Rede. Er muss sie nur nutzen, trotz der engen Grenzen, die ihm gesetzt sind.

    • Herzlichen Dank, @Marie H. – und ich kann Ihnen inhaltlich nur zustimmen!

      Dass die Rechtsmimesis derzeit gerade nicht nur aus der Politik, sondern auch aus der (fossilen) Wirtschaft und professionellen Medienhäusern kommt, beschrieb ich bewusst als Schwerpunkt in Medien & Mimesis bei der Herder-Korrespondenz:

      “Angesichts dieser langen und breiten Erfahrungen war auch ich als Verfechter des deutschen, gemischten Mediensystems im Vorfeld der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 negativ überrascht vom Zusammenbruch der Medienethik bis in den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk (ÖRR) hinein. Da die Wahl wegen des Zerfalls der Ampel-Koalition vorgezogen werden musste, waren die Emotionalisierung und die Angst vor einem Staatsversagen ohnehin bereits verstärkt. Nicht zuletzt hatte die „Welt am Sonntag“ am 28. Dezember 2024 einen Wahlaufruf des US-Rechtslibertären und „X“-Besitzers Elon Musk zugunsten der rechtsdualistischen AfD abgedruckt. Die Leiterin des Ressorts „Meinung“ der Zeitung, Eva Marie Kogel, hatte daraufhin – medienethisch völlig zu Recht – ihre Kündigung eingereicht.”

      https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2025/10-2025/medien-und-mimesis-journalismus-in-zeiten-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/

      Die Erwähnung von Eva Marie Kogel war mir dabei auch deshalb wichtig, weil ich durch sie einen vorbildlichen und damit mimetischen Widerstand gegen den fortschreitenden Rechtsdrall auch in Medienredaktionen sehe.

      In diesem Kontext würdige ich auch immer wieder Anne Brorhilker, die ihre Verbeamtung aufgab, um für eine endlich wieder glaubwürdige Verfolgung von CumEx-Steuerhinterziehung einzustehen.

      Auch die hier von @Peter Gutsche genannte Marina Weisband schätze ich nicht nur aufgrund der von ihr vertretenen Inhalte, sondern auch wegen ihres offenen Umgangs mit der Erkrankung MEC/FS, deren Erforschung und Behandlung ja leider ebenfalls kaum die notwendigen Mittel erhält.

      Als wichtige, christliche Tradition humanistischer Mimesis benenne ich beispielsweise auch die Martinstag-Umzüge zum Namenstag des 11. November, in denen sich Rabbi Jesus (hebr. Jehoschua, arab. Isa) als armer und hilfsbedürftiger Mensch offenbart. Der Mensch, der selber für andere durch das Leid geht, ist das exakte Gegenbild zur obigen Euthanasie-Entsolidarisierung-Abbildung!

      https://www.youtube.com/shorts/B0CSD4BFkvo

      Sehr gefreut habe ich mich über die in Mastodon aufgetauchte Formulierung eines “lesenden Widerstandes” gegen die Entsolidarisierung und Rechtsmimesis durch antisoziale Konzernmedien. Und im Sinne einer Solarpunk-Mimesis versuche ich schließlich auch den Einsatz post-fossiler Technologien wie von Elektroautos, Solaranlagen oder auch den Genuss von Pflanzenkost mimetisch vorzuleben, ohne durch Belehrungen oder gar Verbote Reaktanz auszulösen. Zu meinen Solarpunk-Leitsätzen gehört: “Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern.” – was m.E. im Kern auf die mimetische Wirksamkeit auch schon kleinerer Veränderungsschritte verweist.

      Ihnen herzlichen Dank für Ihre positive, demokratische, landesgeschichtliche und dialogische Mimesis, @Marie H.! 🙏🙌

      • Herzlichen Dank. Ich schätze Frau Weisband und vor allem ihren offenen Umgang mit ihrer MEC/FS Erkrankung.

        Eines will ich gerne noch hinzufügen und zwar eine Frage an Hendrik Wüst und Lars Klingbeil.

        Warum geht man zu der vom Axel Springer Verlag veranstalteten Spenden-Gala “Ein Herz für Kinder”?

        Elon Musk war zwar vor der Bundestagswahl in der “WELT” und die Gala ist eine Veranstaltung der “BILD”, aber beide Presse-Erzeugnisse erscheinen im Axel Springer Verlag.

        Für Politiker, die an Veranstaltungen dieses Hauses teilnehmen, habe ich als Demokratin kein Verständnis!

  7. @Michael 11.12. 09:12

    „Und im Sinne einer Solarpunk-Mimesis versuche ich schließlich auch den Einsatz post-fossiler Technologien wie von Elektroautos, Solaranlagen oder auch den Genuss von Pflanzenkost mimetisch vorzuleben,…“

    Da bin ich ganz bei Dir. Allerdings kann ich mir auch eine moderate Schrumpfung der Gesamtbevölkerung ganz gut vorstellen. Eher niedrige Mieten und Immobilienwerte machen das Leben doch auch leichter. Und weniger Neubautätigkeit macht Ressourcen frei für die Installation von Grüner Technik.

    Alles in Maßen, ja. Zu schnelle Schrumpfung fördert dann irgendwann Verfall, dass will ich auch nicht.

    Ich fände es auch wesentlich sinnvoller, lieber weniger neue Zuwanderer einzuladen als inzwischen gut Integrierte abzuschieben.

    Und wenn es dann doch noch gelingt, die eigenen Geburtenraten zu steigern, dann braucht man auch weniger weitere Zuwanderer. Zumal ich vermute, dass es zunehmend schwieriger wird, noch mehr Zuzug aus dem EU-Ausland zu realisieren. Wer hier arbeiten will, der ist wohl längst hier, und so Mancher kehrt nach Hause zurück, weil sich dort die Berufschancen auch verbessern.

    Was ja nun auch zu begrüßen wäre. Den Verfall in vielen Regionen Europas zu entschärfen wäre ja nun auch sinnvoll.

    • Danke, @Tobias

      Im Solarpunk-Ziel sind wir beieinander, doch so einfach wird es mit der Bevölkerungsschrumpfung leider nicht werden. So verfallen schon jetzt die Immobilienpreise in immer mehr Abwanderungsregionen, wogegen sie in vielen Städten weiter durch die Decke gehen. Gerade also dort, wohin es die jungen Menschen zu Bildung und Beruf zieht, steigen die Mieten und machen eine sogar kinderreiche Familie kaum denkbar. Andernorts fühlen sich Ältere buchstäblich zurückgelassen und können auch ihre als Alterssicherung gedachten Immobilien kaum mehr verkaufen.

      Eine kluge Politik würde hier vorausschauend eingreifen und interessante Medien würden vorausschauend berichten. Stattdessen musste ich heute zu einem SPIEGEL-Artikel – passend zum obigen, blauen Video – posten:

      Warum genau haben wir einen #Bundestag gewählt, wenn doch ein im #Grundgesetz gar nicht vorgesehener Parteien – #Koalitionsausschuss die #Gesetze beschließt?

      „Nach stundenlangen Beratungen haben die Koalitionsspitzen ihre Ergebnisse vorgestellt. Kanzler Merz: »Das Heizungsgesetz wird abgeschafft, es wird künftig Gebäudemodernisierungsgesetz heißen.«“ #Deutschland #Parteienherrschaft statt #Parlament #Konsensdemokratie

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115700656277231458

      Dass der Wahlkreis Tübingen im aktuellen Bundestag gar nicht vertreten ist, setzt dem Ganzen die Krone auf…

      Habe zum beklagenswerten Zustand unserer parlamentarischen Konsensdemokratie ein Erklärvideo gemacht.

      https://m.youtube.com/watch?v=BeGhV302gR4

      Es ist auch oben im Blogpost eingebunden.

  8. @Michael 11.12. 16:31

    „…steigen die Mieten und machen eine sogar kinderreiche Familie kaum denkbar. Andernorts fühlen sich Ältere buchstäblich zurückgelassen und können auch ihre als Alterssicherung gedachten Immobilien kaum mehr verkaufen.“

    Hier könnte auch ein Sammeltaxisystem auf Basis von selbstfahrenden E-Autos sehr helfen. Dann werden längere Arbeitswege deutlich billiger und wegen weniger Staus auch schneller. Und auch kommen Kinder dann sehr gut zur Schule, und ältere Menschen ohne Führerschein auch kostengünstig überall hin.

    Das könnte das Problem mit diesen Ungleichgewichten auf dem Wohnungsmarkt maßgeblich entschärfen.

  9. @Michael 11.12. 22:28

    „Auch im Bereich der Demografie greift die Mimesis – bis zur Wiederherstellung kinderreicher Familien wäre es ein sehr weiter Weg.“

    Umso mehr wäre es jetzt sinnvoll, sich auf den Weg zu machen.

    Und mehr Anerkennung und Belohnung für die, die sich längst dennoch für Kinder entscheiden haben, wäre finde ich überhaupt nicht ungerecht. Während sich Andere Immobilien erarbeiten konnten, müssen gerade die, die die Zukunft der Rente sichern geholfen haben, selber mit weniger Rente leben.

    Weil ja nun gerade mehrere Kinder dann doch messbaren Verdienstausfall verursacht haben.

    Praktischerweise wären jetzt gerade Vermögens- und Erbschaftsteuern sinnvoll, die wohl größtenteils ältere Mitbürger zu tragen hätten, die auch selbst im Rentenalter sind und ganz gut aus dem Vollem schöpfen können. Mit diesen Einnahmen könnte man wohl ganz gut auch die Renten von Nichtvermögenden stützen.

    Um gleichzeitig nicht auch noch junge Familien noch mehr zu belasten.

    • Lieben Dank, @Tobias

      Mehr auch finanzielle Anerkennung für jene, die Kinder ins Leben gebracht haben, begrüße ich als Familienvater von drei Kindern selbstverständlich. So verstehe ich u.a. auch die Erhöhung der Mütterrente.

      Gleichwohl sehe ich da weiterhin zwei Widersprüche:

      1. Auch Bayern muss inzwischen Leistungen für jetzige Familien einsparen. Wie glaubwürdig ist es aber, es den jetzigen, ohnehin bereits schrumpfenden Generationen junger Menschen immer schwerer zu machen? Diese sehen sich doch ohnehin schon mit einer eskalierenden Klima- als Wasserkrise sowie mit riesigen Schuldenbergen konfrontiert! Ich kann das verzweifelte Aufbegehren der Jungen Gruppe im Bundestag daher sehr nachvollziehen, zumal es ein Zeichen gegen die fortwährende Gleichschaltung, Entmachtung und Demütigung unseres Parlamentes ist.

      2. Wenn Kinder wirklich wichtig wären, dann würden nicht rechtstreue Familien mit Schulkindern ins Ausland abgeschoben. Auch als Christ finde ich es schlichtweg unerträglich, Kinder etwa in den Irak oder nach Nigeria abzuschieben – und dann an Weihnachten wieder süßlich daran zu erinnern, dass die aus Ägypten heimkehrenden Eltern von Jesus in Bethlehem keine Herberge fanden.

      Die ehrliche Achtung von Kindern würde nicht an deren Herkunft, Hautfarbe und Staatsangehörigkeit enden. Hier hadere ich auch mit der rechtslibertären Engführung meiner eigenen Partei, deren „C“ für Nächstenliebe und die Achtung der Menschenwürde stehen sollte.

  10. @Michael 12.12. 07:08

    „Die ehrliche Achtung von Kindern würde nicht an deren Herkunft, Hautfarbe und Staatsangehörigkeit enden.“

    Auch diese Kinder können wir in der Tat gut brauchen. Lieber teils Integrierte konsequent weiter integrieren wäre m.E. wesentlich sinnvoller als immer noch mehr neue Einwanderer einzuladen. Und wir hätten mit der Integration der 2. Generation Einwanderer noch reichlich zu tun.

    Insbesondere weil die in den Brennpunktstadtteilen in den Schulen ziemlich unter sich sind. Zumindest in Dortmund ist das wohl unselige Realität. Die entwickeln hier anscheinend ihre eigene Jugendkultur, und auch die Bildungsergebnisse sind öfter nicht so gut.

    Immerhin 2/3 der Langzeitarbeitslosen hat Migrationshintergrund. Da wäre vermutlich eigentlich mehr Potential.

    • Lieben Dank, @Tobias – aber ich denke, hier verstehen wir uns noch nicht ganz.

      Du schreibst:

      “Auch diese Kinder können wir in der Tat gut brauchen.”

      Das Argument verstehe ich – doch es läuft in letzter Konsequenz auf genau den menschenverachtenden Sozialdarwinismus hinaus, den Du auch im o.g. Euthanasie-Plakat im Dokumentationszentrum Grafeneck sehen kannst.

      Ich bin ein riesiger Fan von Leistung und habe mich, gemeinsam mit meiner Frau Zehra, als Arbeiterkinder ohne Erbe weit emporgearbeitet. Aber: Menschenwürde muss nicht verdient werden. Sie gilt auch für ein Kind, dass wir “nicht brauchen” würden, zum Beispiel aufgrund einer Behinderung oder Erkrankung. Wenn wir den Wert von Menschen unter den Vorbehalt der “Brauchbarkeit” stellen, dann schlittern wir in die feurigen Abgründe des Fossilismus und der Rechtsmimesis.

      Heute postete ich dazu:

      Nach einer neuen Umfrage erreicht die #AfD in #Thüringen mit 39 % inzwischen mehr Stimmen als #CDU , #SPD & #BSW zusammen (!).

      Habe es gesagt & werde es immer wieder sagen: #Rechtsmimesis funktioniert nicht.

      Umso weiter die demokratischen Parteien nach Rechts rücken & die #Menschenwürde aufgeben, umso stärker wird der #Rechtsdualismus in seinen #Medienblasen. So war es & so wird es immer sein.

      #Demokratie #Politikwissenschaft #Psychologie #Faschismus

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115705605259122985

      Hier habe ich auch einen YouTube-Vlogpost dazu gemacht:

      https://www.youtube.com/shorts/OgD4UVfsmhw

      Ich werde gerne versuchen, das evolutionspsychologische Konzept der Mimesis in Zukunft besser zu erklären.

  11. @Michael 12.12. 07:08

    „Wenn wir den Wert von Menschen unter den Vorbehalt der “Brauchbarkeit” stellen, dann schlittern wir in die feurigen Abgründe des Fossilismus und der Rechtsmimesis.“

    Ich will hier nicht unbrauchbare Zuwanderer abschieben, sondern deren Potenziale nutzen und verbessern. Insbesondere der 2. Generation, die sowieso überwiegend deutsche Staatsbürger sind.

    Wenn das klappt, brauchen wir weniger neue Einwanderer. Bei neuen Einwanderern würde ich dann aber in der Tat schon gerne auch auf die Brauchbarkeit achten. Aus Egoismus, nicht aus Verachtung.

    Wen und vor allem wie viele man vor allem einläd, weil sie an Leib und Leben bedroht sind, ist keine so einfache Frage. Letztlich gibt es Milliarden Menschen, die kein wirklich menschenwürdiges Leben leben müssen.

    Und neben der Option, die Menschen nach Europa zu holen, kann man auch zu den Verhältnissen vor Ort positive Beiträge liefern. Insbesondere eine allgemeinfreie öffentliche Software auf fast die ganze IT wäre ein Projekt, dass man zusammen mit den armen Länder realisieren kann, ohne das die Leute hier einwandern müssen. Zumindest wenn dort auch die Energiewende voran kommt, und zu einer verlässlichen Stromversorgung führt.

    • Ja, @Tobias – das kann ich durchaus nachvollziehen. Ich trat ja auch deswegen für eine a) Sicherung der EU-Außengrenzen und b) Durchführung humanitärer Aufnahmekontingente ein, weil keine Gesellschaft unbegrenzte Zuwanderung verkraften kann und eine dauerhafte “Auswahl” durch die Balkanroute auch nicht humanitär ist.

      Hier ging es aber konkret um zwei Schulkinder, die bereits seit Jahren in Deutschland leben und die Schule besuchten. Diese mit ihrer alleinerziehenden Mutter nach Nigeria abzuschieben verletzt m.E. klar jedes Bekenntnis zu Menschenwürde und “Lebensschutz”. Und auch zur Botschaft von Weihnachten.

  12. @Michael 12.12. 17:46

    „Diese mit ihrer alleinerziehenden Mutter nach Nigeria abzuschieben verletzt m.E. klar jedes Bekenntnis zu Menschenwürde und “Lebensschutz”.“

    Einmal das. Aber man verschwendet mit solchen Abschiebungen auch eine angefangene Integration.

    Unerwünschte Personen schon an den EU-Außengrenzen wirksam abzuweisen verschwendet dann auch keine angefangene Integrationsleistungen, und spart den Betroffenen selbst auch noch die Kosten für Schlepper.

  13. Das Plakat ‘Hier trägst Du mit’ dürfte demnächst eine Neuauflage erleben. Dann aber mit Rentnern auf der Stange.

    • Ja, @schorsch – wenn die digitale Zerblasung, Entsolidarisierung und Rechtsmimesis weiter voranschreitet, wird sich sicher auch der demografische Graben vertiefen.

      Was schlagen Sie vor, um der immer weitergehenden Polarisierung entgegen zu wirken?

      • Vielleicht mal wieder Krieg oder Katastrophe? Sowas wirkt sich immer positiv auf die Solidarität aus – siehe z. B. aktueller World Happiness Report:
        “[…] donating, volunteering, and helping strangers: […] even in 2024, four years after the onset of COVID, all three benevolent acts were still more than 10% above their pre-pandemic levels in 2017–2019. “

      • Eine Alternative wäre, die Rentner endlich mal korrekt zu gendern: Rentierende.

        Und schon wäre _dieses_ Problem aus der Welt.

        Gendern – DIE deutsche Tugend des 21. Jahrhunderts!

  14. Another essential reason to modify to solar power may be the financial savings it offers. Solar panels are designed for generating electricity for businesses, reducing or eliminating the necessity for traditional resources of energy. This may lead to significant savings on energy bills, particularly in areas with a high energy costs. Furthermore, there are many different government incentives and tax credits open to companies that adopt solar power, rendering it much more cost-effective and affordable.

    The technology behind solar technology is simple and easy, yet highly effective. Solar panel systems are made of photovoltaic (PV) cells, which convert sunlight into electricity. This electricity are able to be stored in batteries or fed straight into the electrical grid, according to the specific system design. To be able to maximize the advantages of solar technology, you will need to design a custom system that is tailored to your unique energy needs and requirements. This may make sure that you have the best components set up, like the appropriate amount of solar panel systems while the right sort of batteries, to optimize your time efficiency and value savings.

    • Thanks a lot, @Aaronzew 🙏

      As a dedicated Solarpunk for many years, I have already had very positive experiences with the economic use of solar energy and therefore also call it energy of prosperity. Additionally, I emphasize the political value of moving away from fossil fuel energy and thus refer to it as renewable peace energy.

Schreibe einen Kommentar