Rassismus gegen Liberalismus – Solidarität mit Jasmina Kuhnke

Was ich als Wissenschaftler am wenigsten mag: Menschen den Schmerz zufügen, den es bedeutet, althergebrachte Vorstellungen zu korrigieren (die sog. kognitive Dissonanz). Warum ich es dennoch tue: 1. Weil es notwendig ist, wenn wir Menschen noch eine gemeinsame Zukunft auf unserem eher kleinen Planeten haben wollen. 2. Weil ich es mir auch selbst immer wieder zumute. Echte Liebe zur Wahrheit und also auch zur Wissenschaft setzt die Bereitschaft voraus, sich auch immer wieder verwunden zu lassen.

So wuchs ich als beflissenes, gegenüber der Bundesrepublik aufrichtig dankbares, weißes Arbeiterkind mit dem (nichtreligiösen) humanistischen Menschenbild des rationalistischen Liberalismus auf, dem ich bis heute nachtrauere: Der Mensch sei per se vernünftig und gut, Menschenhass wie Extremismus, Rassismus und Frauenfeindlichkeit finde sich “nur” an den historisch zum Scheitern verurteilen, rechten und linken Rändern und allenfalls als “noch nicht aufgeklärte” Vorurteile-Restposten in der Mitte. Diese immer noch weit verbreitete Vorstellung nennt sich die Hufeisen-Theorie.

Ich brauchte (auch nach meiner Taufe als junger Erwachsener) noch lange, oft schmerzhafte Jahre um zu begreifen, dass dieses Menschenbild und die Hufeisen-Theorie nicht stimmen. So begegneten mir auch in liberalen und insbesondere libertären Kreisen Haltungen, die unter Freiheit nur die eigenen Privilegien als weiße, männliche Eigentümer verstanden – und also Rassismus und Antifeminismus nicht nur duldeten, sondern oft aktiv beförderten. Gegenrede wurde zwar hingenommen, aber nicht beachtet – und so beendete ich 2015 buchstäblich ent-täuscht meine (honorarfreien) Beiträge zum zunehmend rechtslibertären Magazin “eigentümlich frei”.

Denn das Abwerten von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, ihrer Religion oder ihres Geschlechtes ist in meinen Augen geradezu das Gegenteil von liberal und freiheitlich. Wer sein (oft nicht einmal selbst erwirtschaftetes, sondern ererbtes) Eigentum nur “verteidigen” kann, indem er oder sie andere diskriminiert, übt geradezu Verrat an der liberalen Uridee, dass alle Menschen gleich an Würde, Rechten und also Freiheiten geboren seien.

Entsprechend unterbrach ich meinen Osterurlaub, um mich für einen Fernsehbeitrag von ARD-Monitor mit Georg Restle & Team an die Seite von Jasmina Kuhnke zu stellen. Denn sie wurde gemeinsam mit ihrer Familie (und vier Kindern) von weißen Rassist:innen nicht nur beschimpft, sondern auch mit Mord bedroht – das im Film in Ausschnitten gezeigte “Ich will Dich massakrieren”-Video bekam ich selbst zu sehen. Es enthält Verschwörungsmythen und neben weiterem Rassismus auch Antiziganismus.

Wer glaubt, dies würde bedeuten, dass ich mich mit allen Positionen oder gar Tweets der Angegriffenen identifizieren müsste, hat genau gar nichts verstanden: Freiheit bedeutet, auch leidenschaftlich unterschiedliche Meinungen vertreten zu können – ohne deswegen rassistisch und sexistisch beleidigt, ja sogar bedroht zu werden! In vielem stimme ich J.K. zu, in manchem aber auch gar nicht. Wenn aber nicht nur Freiheitsrechte, sondern sogar Sicherheit und Leben von Übereinstimmung abhängig gemacht werden, dann erstirbt der demokratische Diskurs. Jasmina Kuhnke hat – zumal als Deutsche – alles Recht, sich öffentlich zu äußern und zivil zu streiten, ohne dafür um ihr Leben oder das ihrer Familie fürchten zu müssen.

Deswegen haben, so meine ich, wir alle – seien wir Liberale, Progressive, Bürgerliche, anständige Konservative, Religiöse oder Nichtreligiöse – die Pflicht, Menschen beizustehen, die rassistisch, antisemitisch, sexistisch bedroht werden. Billiger ist Freiheit in Vielfalt nicht zu haben!

ARD-Monitor-Beitrag zu rassistischen Bedrohungen gegen Jasmina Kuhnke. Twitter-Screenshot von Michael Blume (BlumeEvolution)

Rassismus ist zudem nicht nur illiberal und unchristlich – sondern darüber hinaus auch wissenschaftlich längst widerlegt!

Schon 1998 hatte Jared Diamond zu Recht den Pulitzerpreis für “Guns, Germs and Steel” (in Deutsch als: “Arm und Reich” erschienen) erhalten. Darin hatte er aufgezeigt, dass das Schicksal menschlicher Zivilisationen vor allem durch die Geografie der Kontinente und also die kulturelle Evolution entlang der eurasischen Achse (m.E. besser: eurasischer Gürtel) entlang der heute so genannten Seidenstraße geprägt war. Dass Europa die globale Welt besonders (und nicht nur positiv…) prägte, hat genau nichts mit Hautfarben, aber alles mit der Lage der Kontinente und Klimazonen sowie der Vernetzungswirkung des Mittelmeeres zu tun!

Mir eröffnete das Werk einen ganz neuen Blick auf die sog. Religionsgeografie – und aktuell zum Beispiel auf die Rolle der Alpenregion für die Entwicklung von Demokratien und Wissenschaften wie aber leider auch von Esoterik und Verschwörungsmythen.

In zahlreichen Publikationen – etwa auch zur Bronzezeit, die sich ebenfalls entlang des eurasischen Gürtels entfaltete – konnte ich darauf aufbauen. Und nun auch mit meinem Team einen kurzen 2-Minuten-Videoclip im Rahmen von “Blume erklärt…” dazu produzieren.

Nein, ich bin nicht mehr so naiv zu glauben, dass sich mit Aufklärung und wissenschaftlichen Argumenten Rassist:innen und Verschwörungsgläubige noch erreichen ließen. Einige wenige werden vielleicht in stillen Momenten des Zweifelns ihren Hass noch einmal überdenken können – aber die meisten haben sich längst dafür entschieden, zu hassen. Anstatt sich dem Bösen zu stellen, das wir als Menschen alle in uns tragen (wie es z.B. auch Elie Wiesel (1928 – 2016) so eindrucksvoll erkannte und lehrte) wählen sie den leichteren Weg z.B. des Alpen-Verschwörungsmythologen Friedrich Nietzsche (1844 – 1900): Sich selbst als “höherkastig” zu erklären, als vermeintliches Opfer einer jüdischen, christlichen, demokratischen “Sklavenmoral” – und andere Menschen rassistisch, antifeministisch und antisemitisch anzugreifen.

Der Mensch ist eben nicht einfach vernünftig und gut – sondern er und sie hat die Wahl, jeden Tag aufs Neue, für den einen oder den anderen Aspekt des eigenen Charakters. Und deswegen lohnt sich auch wissenschaftliche Aufklärung selbst dann, wenn sie ganz realistisch die eigenen Grenzen bedenkt. Denn jede Seele zählt.

Screenshot aus Folge 6 von “Blume erklärt…” – Warum Klimazonen mehr als Hautfarben erklären.

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

119 Kommentare

  1. In der verlinkten ARD-Sendung zum hier besprochenen Fall wird aber von Rechtsextremisten als Täter/Belästiger gesprochen und nicht von (Zitat) “ liberalen und insbesondere libertären Kreisen wie hier im Beitrag von Michael Blume, wo liberale und libertäre Kreise explizit nicht ausgenommen werden vom Rassismusvorwurf. (Allerdings gibt es einen Satz in der ARD-Sendung, wo erwähnt wird, dass es auch „Bürgerliche“ unter den Schreibern gebe).

    Nun, ich denke Rassismus ist sicher nicht auf Rechtsextreme oder Leute vom politischen Rand beschränkt. Doch von unterschwelligem Rassismus zu Drohbriefen ist es noch ein weiter Schritt. Wer Drohbriefe schreibt wie im ARD-Beitrag erwähnt, der hat sicher eine rote Linie überschritten, der ist in gewissen Sinne nicht mehr ganz normal. Und solche Leute muss man stoppen. Ohne Zweifel. Denn wer Angst verbreitet und Menschen bedroht, die er nicht einmal persönlich kennt, der ist wirklich nicht mehr ganz richtig im Kopf. So jemand muss aus dem Verkehr gezogen werden.

  2. @Jared Diamond und Klimazonen

    ganze Generationen von Ethnologen haben sich mit dem Problem der evolutionären Stratifikation in Melanesien und Polynesien beschäftigt. Poor Man, Rich Man, Big-Man, Chief. Ausbeutung, Unterdrückung, soziale Ungerechtigkeit, ökologische Zerstörung der eigenen Existenz (Osterinsel). Lange bevor der erste weiße Mann den Strand betrat.

    • Ja, @Egon Mang. Danke. Wenn Sie den Blogpost gelesen oder das Video angeschaut haben, dann werden Sie auch festgestellt haben – weder Jared Diamond noch ich haben behauptet, Weiße wären schlechtere Menschen. Ist der Gedanke, dass es in allen Gut wie auch Böse gibt, denn so schwer zugänglich? 💁‍♂️🌍🌈

  3. „Deswegen haben, so meine ich, wir alle – seien wir Liberale, Progressive, Bürgerliche, anständige Konservative, Religiöse oder Nichtreligiöse – die Pflicht, Menschen beizustehen, die rassistisch, antisemitisch, sexistisch bedroht werden. Billiger ist Freiheit in Vielfalt nicht zu haben!“

    Auch wenn hier alles richtig ist, so trifft es doch nicht ganz den Kern der Sache. Zumal ja auch andere Gruppen ausgegrenzt, gemobbt oder bedroht werden. Man denke beispielsweise nur an ältere Arbeitslose, Niedriglöhner, Hartz-IV-Empfänger sowie Menschen mit Behinderung oder starkem Übergewicht. Vielen Leuten fällt politisch korrektes Verhalten in den sozialen Netzwerken zwar leicht, jedoch verschließen sie sich oft einer weitergehenden Debatte nach mehr sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe – die doch für alle gelten sollte.
    Vor kurzem ist das neue Buch „Die Selbstgerechten“ von Sahra Wagenknecht erschienen, wo sie eine bestimme Gruppe von „Lifestyle-Linken“ aufs Korn nimmt, damit sie ihre Argumente diesbezüglich überdenken können. Hier ein Überblick:
    https://www.focus.de/politik/deutschland/sahra-wagenknecht-die-selbstgerechten-mein-nachbar-der-schweinefleisch-nazi-warum-linksliberale-weder-links-noch-liberal-sind_id_13197820.html

      • Lieber @Michael,

        ich fürchte, Du hast mich falsch verstanden. Es ging nicht darum jemanden im Stich zu lassen, sondern das Spektrum um weitere Benachteiligte zu erweitern. Wie ich bereits schrieb, sollten Gerechtigkeit und Teilhabe für alle gelten. Und ja, natürlich dienen Verschwörungsmythen der Aufrechterhaltung von Ungerechtigkeit, das habe ich keineswegs bestritten.

    • Wichtig ist, wie @Mona meint, dass wir keine benachteiligte Gruppe ausblenden dürfen.
      Mein Herz schlägt ja – dies ist wohl kein Geheimnis mehr – auch links (also letztlich “am rechten Fleck 😉 ), aber angesichts einiger Äußerungen auch Sahra W.`s, bricht es doch zuweilen sehr schmerzhaft.
      Sicherlich hat sie recht, wenn sie ungebremster wirtschaftsliberaler “Marktdynamik” Grenzen setzen und dem “Steuerdumping” großer Konzerne ein Ende bereiten will – natürlich auch, wenn sie sich für Lohngerechtigkeit und einen stärkeren Sozialstaat einsetzt.
      Nur zu gut verstehe ich ihre Aversion gegen “Macht” jedweder Art, insbesondere gegen jene der Finanzwirtschaft. Ihr ist auch unbedingt zuzustimmen, wenn sie gegen Aufrüstung und Militarisierung aufbegehrt und die Ausbeutung und Benachteiligung des globalen Südens verurteilt.
      Nicht unsympathisch ist auch der (von mir noch nicht zu Ende gedachte) Gedanke eines Ordo- (statt ungezügeltem Wirtschaftsliberalismus) i.S. bspw. Walter Euckens, also einer Marktwirtschaft jenseits der Allmacht der Konzerne.
      Wenn sie dann aber “Lifestyle-Linke” verhöhnt, denen Werte wie Disziplin und Anstrengung noch etwas bedeuten (weil sie vielleicht anders gar nicht überleben können – ebenso übrigens wie jene, die auch und gerade in der Corona-Lockdown-Krise zur Sicherung der eigenen festen Bezüge auf entsprechende Steuerleistungen gerne zurückgreifen), sich über einen “intoleranten” (?) Linksliberalismus echauffiert, geht mir das Verständnis verloren – ebenso, wenn man (frau) Feminismus, Klima-und Umweltpolitik und Homosexuellen-Emanzipation als offenbar übertriebenen Schickimicki-Linken-“Lifestyle” der “Selbstgerechten” abwertet.
      Auch ist es doch eher ein “venire contra factum proprium”, wenn einerseits “Gemeinsinn” reklamiert, andererseits einer Entsolidarisierung das Wort geredet wird, indem zwar Flüchtlinge immerhin in Deutschland “großzügig” geduldet sind, aber die Deutschen schließlich zuerst da waren und somit auch bevorzugt behandelt werden sollten – egal, ob (sorry für die Überspitzung) bspw. ihre Adipositas womöglich – ja, das gibt es bei all den mehrheitlich zu Unrecht in (Hartz-4-Not)-Geratenen auch – auf nichts anderem als Faulheit und Selbstgerechtigkeit beruht, oder nicht.
      Und ich möchte – so lange ich mich als links einordne – und ich lasse mich von dort auch nicht so leicht vertreiben – keine Leute “zurückgewinnen”, die mit symbolischen Galgen “demonstrieren”, auf denen die Namen von Demokratinnen und Demokraten stehen, oder mit nachgebildeten Davidsternen, auf denen “Impfgegner” zu lesen ist, die von “Sprachpolizei”, “Genderwahn” und “Fleischverbot” reden, die damit letztlich leidvolle Menschheitsgeschichte und (angesichts der Coronapandemie) auch Menschheitsgegenwart und vor dem Hintergrund der Bedrohungen des Klimawandels überdies Menschheitszukunft ausblenden.

      • Die Enge der Kommentarspalten aber auch wieder, die immer zu Verkürzungen und damit Missverständnissen führen kann 😉 .
        Selbstverständlich sehe ich den ordoliberalen Gedanken nicht als endgültige Lösung im Sinne einer gerechten Wirtschaftsdemokratie, sondern erst einmal als einen Fortschritt im Vergleich zum klassischen Laissez-Faire-Liberalismus auch und gerade für die lohnabhängig Beschäftigten auf dem langen Weg einer sozialökonomischen Reformalternative.
        Die ordoliberale Position ist in Zeiten wie diesen m.E. immerhin auch eine gewichtige und ernstzunehmende Kapitalismuskritik. Natürlich hat sie in seiner Verabsolutierung des Privateigentums und dem So-klein-wie-möglich-Halten einer betrieblichen Mitbestimmung auch seine Grenzen.
        Stattdessen bedarf es einer Wirtschaftsdemokratie, die den Gewerkschaften und Belegschaften tatsächliche Einflussnahme auf wichtige unternehmerische Entscheidungen ermöglicht. Historisch erwiesen ist, dass das “staatssozialistische Eigentum” nicht in der Lage war, den Bedürfnissen aller Menschen gerecht zu werden, ökologisch nachhaltig zu wirken und eine hohe Ressourcenproduktivität zu sichern. Aber auch das Kapitaleigentum vermag dies spätestens dort nicht, wo es um die Lösung der großen sozialen und ökologischen Probleme der Menschheit geht. Denn profitorientierte Unternehmen richten ihr Angebot nicht an den Bedürfnissen des Menschen aus, sondern allein an einer möglichst zahlungskräftigen Nachfrage.
        Vielmehr muss es eine solidarische Wirtschaftsordnung geben, in der es verschiedene Eigentumsformen gibt: staatliche und kommunale, gesellschaftliche und genossenschaftliche. Aber natürlich auch Privateigentum in gewissen Grenzen. Es spricht z.B. auch nichts dagegen, ein kommunales Grundstück zur Ansiedlung eines klein-oder mittelständischen Unternehmens zu verkaufen, um vor Ort Steuereinnahmen und Beschäftigung zu sichern.
        Die lebensnotwendige Grundversorgung der Menschen (Leistungen wie Energie, Wasser, Mobilität, Wohnen, v.a. aber Gesundheit) muss dagegen öffentlich garantiert werden. Dort haben Profitinteressen nichts zu suchen.
        Anzustreben ist alles in allem eine sozialökonomische Mischwirtschaft unter demokratischer Kontrolle. Dies bedeutet mehr Mitbestimmung der Belegschaften, mehr Geschlechtergerechtigkeit, die Verwandlung staatlicher Hilfen für Unternehmen in Staatsanteile am Betriebsvermögen, Gesetze, welche die Profitinteressen einschränken, wenn sie destruktiv auf eine gesunde Umwelt und soziale Gerechtigkeit wirken, eine wirksame öffentliche Finanzaufsicht, die Re-Kommunalisierung privatisierter Kommunalunternehmen und, ja, wie in den USA und GB bereits praktiziert, die Verstaatlichung von Großbanken.
        Vergesellschaftung von Eigentum heißt aber wie gesagt auch nicht eine komplette Verteufelung von Privateigentum. Stattdessen lässt sich durch Regularien öffentlicher Kontrolle und Transparenz die Wirtschaftstätigkeit von Unternehmen am Gemeinwohl orientieren, indem betriebswirtschaftliche Effizienz, gute Arbeitsbedingungen, betriebliche Mitbestimmung und Geschlechtergerechtigkeit sowie die Interessen der Kommunen harmonisiert und unter einen Hut gebracht werden.
        So, und jetzt bin ich schreibmüde – es ist halt ein “weites Feld” und Ideen sind gefragt, denn Eigentumspolitik ist kein Dogma.

        • Die lebensnotwendige Grundversorgung der Menschen (Leistungen wie Energie, Wasser, Mobilität, Wohnen, v.a. aber Gesundheit) muss dagegen öffentlich garantiert werden. Dort haben Profitinteressen nichts zu suchen.

          Internet ist unbedingt hinzuzufügen. Ansonsten weitgehend Zustimmung. Bei der Arbeitnehmermitbestimmung bin ich skeptisch. Ein iPhone hätte man damit nicht auf den Markt gebracht.

    • @Mona (Zitat): Zumal ja auch andere Gruppen ausgegrenzt, gemobbt oder bedroht werden.
      Sicher. Es kommt aber auch auf das Ausmass an. Wenn direkt Leb und Leben einer Person samt Familie bedroht werden, dann ist für die Betroffenen kein normales Leben mehr möglich. Sogar Solidarität mit Betroffenen hilft in so einem Fall nur noch beschränkt. Leute, die andere ernsthaft bedrohen, müssen aus dem Verkehr gezogen werden.

  4. @Michael Blume
    letzendlich läuft das auf die alte Erbsündenlehre hinaus, habe ich jedenfalls den Eindruck.
    Die hat Kant sehr schön herausgearbeitet: wenn wir einen freien Willen haben, haben wir auch die Willensfreiheit, das Böse zu wollen.
    Damit stellte sich Kant auf die Seite Augustins (und vermied Augustins Fehler, die Erbsünde als Gendefekt zu betrachten ) und gegen Aristoteles (alle Menschen streben nach dem Guten, Nikomachische Ethik) und Goethe (Kant hat seinen Philosophenmantel beschlabbert)

    • Nun, @j. – schon das Judentum ✡️ konnte den inneren Kampf jedes Menschen zwischen Gut und Böse auch ohne die Erbsündelehre darstellen. Ich denke also nicht, dass diese zwingend wäre.

      • Tut mir leid, aber das halte ich für ganz falsch. Gut und böse ist erst einmal exklusiv Zarathustra. Der griechische Gegensatz ist der von gut und schlecht im Sinne von tauglich und untauglich. Da kann der König der Lügner Odysseus zum Nationalhelden werden – Wenn seine Listen denn gut gemacht sind. Und der jüdische Konflikt ist der von Treue und Untreue zu Gott und seinem Bund. Aller Synkretismus ist viel später.

        • Kein Widerspruch, @Alunehüteter. Da von heutigen Debatten und der (erst christlichen) Erbsündelehre die Rede war, bezog ich mich auf das rabbinische und auch heutige Judentum. DIN die Rucola-Frage (Wer hat‘s erfunden?) ging es mir hier gar nicht.

          • Dann ist alles gut 🙂

            Wobei es mir nicht nur um Urheberrechte geht am Patent des Bösen. Die fatalste Verwechslung ist für mich, Juden, später Christen und Muslime hätten Geschichte geschrieben nach Art der griechisch-römischen Historie, „wie es eigentlich gewesen“. Die außerehelichen Bettgeschichten eines historischen König David interessieren die Bibel nicht, sie ist nicht „wörtlich“ zu lesen. Der sagenhafte, legendäre Reichtum unter König Salomon ist eben das: sagenhaft und legendär. „In Wirklichkeit“ war das ein übrigens polytheistischer Provinzfürst, nach heutigen Maßstäben. Ist Ihnen wie mir natürlich klar.

          • Ja, @Alubehüteter – jeder Text und jeder Mythos sind stets vor dem Hintergrund ihrer Zeit zu lesen und also viel „reicher“ als „nur wörtlich“. Das dürfen Sie hier auf dem Blog voraussetzen. ☺️

      • Es ist der Gedanke der Achsenzeit, es gäbe Wahrheit, die, mit einer alten ostkirchlichen Formel, von allen Menschen an allen Orten zu allen Zeiten vollzogen, sich angeeignet werden kann. Wie in der Bronzezeit Hochreligionen die Volksreligionen aufhoben, so betreten nun Weltreligionen die Bühne.

        Es ist ein Grundirrtum der Griechen, dann sei das prinzipiell auch schon immer geschehen. Ab einer bestimmten Kulturstufe seien Menschen immer wieder zu den selben Gedanken, Einsichten, Wahrheiten gelangt. Wir stehen im Drama von gut und böse; wir gehen selbstverständlich davon aus, daß Menschen das immer schon taten. Zumindest waren sie sich dessen nicht bewußt. Für asiatische Kulturen ist diese zoroastrische Unterscheidung bis heute nicht maßgebend.

      • @Michael Blume
        da lese ich Gen 3 etwas anders als Sie. Ps 51 ist auch ein alttestamentlicher Beleg dafür.
        Sei es drum- die Erbsündenlehre müsste man separat diskutieren- auch weil, wie hier in einem anderen Faden gezeigt wurde, sie missbraucht werden kann. Mir ging es nur darum, damit Stellung gegen den Liberalismus und die Naivität des Aristoteles zu beziehen: der Mensch will ja eigentlich das Gute. Da habe ich Zweifel.
        Den inneren Kampf zwischen Gut und Böse kennt das Judentum ja auch erst seit der babylonischen Gefangenschaft. Da stimme ich @alubehüteter zu.
        Wo ich ihm allerdings nicht zustimme, ist mit seiner Deutung der Davidsgeschichte. Eine ziemlich plausible Deutung ist Heyms König David Bericht- lesenswert!

        • Heyms König David Bericht- lesenswert!

          Unbedingt! 🥰

          Aber auch nur Fiktion, die anschließt an die Fiktion der Bibel. Wäre der Tempel Salomos auch nur grob angenähert so prachtvoll gewesen wie überliefert, die Israelis hätten ihn längst gefunden.

  5. @Überlegenheit der Europäer

    „Dass Europa die globale Welt besonders (und nicht nur positiv…) prägte, hat genau nichts mit Hautfarben, aber alles mit der Lage der Kontinente und Klimazonen sowie der Vernetzungswirkung des Mittelmeeres zu tun!“

    Die Folge der Vernetzung muss dann wohl eine überlegene Kultur geworden sein. Die hat aber auch zwei Seiten: Die Effektivität, die uns selbst immer besser leben lässt, aber die uns auch in die Lage versetzt, andere Weltregionen auszubeuten und zu unterdrücken.

    Das ist unübersehbar Folge der Kultur, und nicht die besondere Biologie. Das sieht man daran, dass andere Ethnien durchaus in der Lage sind, unserem Beispiel zu folgen, indem sie diese europäische Kultur teilweise für sich übernehmen. Japan zum Beispiel.

    Ein gewisser Nationalismus ist auch im wesentlichen sinnvoll, solange die internationalen Beziehungen nicht hinreichend organisiert sind. Selbst die EU ist noch in der Entwicklung, und kann auf vielen Gebieten die nationale Politik nicht ersetzten.

    Aber wichtige Elemente sind eine grundsätzlich kooperative Grundeinstellung auf internationaler Ebene, und auch eine Verantwortung gegenüber der Natur und den kommenden Generationen gegenüber.

    Gerade angesichts des aktuellen Überflusses ist es an der Zeit, sich hier auf diesen Ebenen verantwortungsvoll einzurichten. Lieber ein paar weniger und etwas kleinere Autos, aber dafür elektrisch, und den Strom zum Aufladen dann mit Sonne und Wind. Wir brauchen weniger Rohstoffimporte, wenn wir unsere ökologischen Hausaufgaben machen, und können dann entsprechend auch mit weniger Exporten leben.

    Es gibt keinen Grund mehr, die armen Länder klein zu halten, das gilt für den nahen Osten genauso wie für Afrika. Wenn die ihre Autos selber bauen, und wir mit den Nahrungsmitteln, die hier wachsen, auskommen und nur noch Kaffee und Bananen gegen Weizen tauschen müssen, dann können wir prima koexistieren.

    Wir leben alle auf dem selben Planeten, und haben das selbe Klima, die selben Ressourcen, den selben Coronavirus, die selbe Wissenschaft und im Prinzip auch die selbe Technik zur Verfügung.

    Ob jetzt Demokratie so wesentlich ist, das ist eine schwierige Frage. Eventuell ist die internationale Zusammenarbeit wichtiger. Rechtssicherheit und innerer Friede sind die wichtigsten Elemente, und nicht 1:1 eine automatische Eigenschaft von Demokratie, und können auch in autoritären Regierungsformen halbwegs gegeben sein.

    Soweit die vorhandene Freiheit eine Weiterentwicklung der Kultur erlaubt, ist schon viel gewonnen.

    • Ob jetzt Demokratie so wesentlich ist, das ist eine schwierige Frage.

      Ich bin da desillusioniert im letzten Jahr in einem Ausmaß, wie ich es mir nicht habe vorstellen können. Ich hätte mir niemals ein Politikversagen vorstellen können, eine Wissenschaftsverweigerung, eine Realitätsleugnung, wie sie andauert ohne jede Hoffnung auf Einsicht. – Frau Merkel hatte zu Anfang auch den Nebeneffekt kommuniziert, daß es im Hinblick auf China auch um einen Wettbewerb der Systeme gehe.

      Es ist nicht so, daß China mit den Möglichkeiten des „Durchregierens“ prinzipiell zumindest in Krisen- und Katastrophenfällen überlegen sei. Es gibt Neuseeland und in Europa Portugal als Gegenbeispiele, wo sich Demokratie auch in der Pandemie bewährt. Rechtspopulismus: Trump, Johnson mag man als Unfälle ansehen. Die Bundesrepublik aber war hervorragend aufgestellt. Ich finde hier den Fehler nicht.

      Wie schon gesagt: Das Thema Klimawandel hat sich für mich damit erledigt, brauchen wir nicht mehr diskutieren. Politik hat sich als dermaßen unfähig erwiesen und tut es täglich noch – sehenden Auges rennen wir gerade in die vierte Welle der indischen Variation –, auf die Wissenschaft zu hören, daß sich da niemand mehr Illusionen machen braucht. Klimawandel, und damit Jahrhunderte Katastrophen und Völkerwanderungen, finden statt.

  6. @Blume
    Und noch etwas zu Wahrheit und Seele: Die Diktatur des Geistes der Gott/Vernunft ist, da kann es Liberalismus nicht geben, denn Mensch bedeutet ALLE sollen in zweifelsfrei-eindeutiger ebenbildlicher Vernunftbegabung eine wirklich-wahrhaftige Gemeinschaft zu Gemeinschaftseigentum “wie im Himmel all so auf Erden” gottgefällig gestalten, für eine GANZHEITLICHE Seele eines neuen/weiteren Geistes zur Stärkung der Schöpfung / des Universums.

    Das Judentum, die wie beim Sozialismus/Kommunismus die Begründer des Christentums sind, glaubt u.A. nicht an die Überwindung des Schicksals der Vorsehung, sondern verlässt sich einzig auf die Erfüllung bis zu den “144000 auf dem Berg Zion”, was Dir Heuchler selbstverständlich ganz und gar in “Deinen” dreckigen Plan passt – in der Kategorie gut und böse, gehörst Du absolut zu böse.

    • Danke, @hto. Ihr Schimpf-Kommentar verdeutlicht m.E. so eindrucksvoll die Kombination aus Anti-Liberalismus und Anti-Semitismus, das ich ihn ausnahmsweise freischalte… 💁‍♂️

        • hinzu kommt, dass @hto nicht einmal die griechische Bibel (das Neue Testament) richtig lesen kann. “144000 auf dem Berg Zion”, bezieht sich – selbst wenn man die Offenbarung des Johannes wortwörtlich nimmt (gegen die Intention des Autors übrigens- denn 14400 ist eine symbolische Zahl) nur auf diejenigen die aus dem Volk Israel sind, also “biologische Juden”. Dazu kommen ungezählte Nichtjuden. Ausführlich hier: https://fragen.evangelisch.de/frage/7653/wer-kommt-ins-himmelreich-nur-144000
          Es ist ärgerlich, dass hier gilt: Mk 8, 18 “Ihr habt Augen, und sehet nicht, und habt Ohren, und höret nicht, und denket nicht daran.”

          • @j

            So symbolisch ist die Zahl nun auch wieder nicht, wenn man weiss das es um die 12 Stämme geht😃Mk8,18 hast Du auch nicht annähernd verstanden.🤣

  7. Rassismus ist die Krankheit der Menschheit.
    In den USA und Kanada werden die Indianer ausgegrenzt.
    In China werden die Tibeter assimiliert.
    In Südafrika werden die Weißen angefeindet.
    In Deutschland werden die Farbigen nicht ausreichend respektiert.

    Das Umdenken muss im Herzen jedes Menschen stattfinden. Nächstenliebe kann man nicht per Gesetz verordnen (Helmut Schmitt)

    • Wobei Rassimus nicht nur ein Gift bei den Privilegierten ist. Seit ich in einem Flüchtlingsheim beobachtet habe, wie Roma und Schwarzafrikaner miteinander umgehen, bin ich auch da desillusioniert.

      • @Alubehüteter
        Selbst die Roma pflegen untereinander die Abgrenzung : “wir sind keine Roma- wir sind Zigeuner”, habe ich selbst gehört- wobei man natürlich den sprachlichen Kontext (Rumänisch) berücksichtigten muss.

    • ach @Hto,
      dieses Umherschmeißen mit Bibelzitaten kenne ich zu gut. Und warum soll diese Beobachtung nur dort für den Kontext gelten und nicht für die Johannesoffenbarung?
      Und dann noch die ungeklärten Anspielung auf die Einheitsseele, die aus dem arabischen Kontext kommt. Auslegung der Bibel hast Du jedenfalls nicht gelernt- aber das Unterstellen. „Im Auslegen seid frisch und munter! Legt ihr’s nicht aus, so legt was unter“ (Goethe) Polemik Ende.

      • Ach @j, in den Himmel kommen bedeutet Rückführung in den Geist, sogar die, die am “Jüngsten Gericht” die “Gnade Gottes” / den absoluten Tod, also die Löschung der Festplatten und Arbeitsspeicher / des Bewusstseins “erleiden”.

        Die “144000” sind die Auserwählten für den nächsten Versuch des Projekts Geist-Mensch*-Seele, und das müssen sicher nicht nur Juden sein!

        Wie das genau mit der Energie und dem Bewusstsein im Geist abläuft, daß weiß ich nicht / kann/darf ich mich nicht mehr, bzw. nur sehr schwach erinnern, aber für Mensch* kann ich auch was anderes vorstellen. Und Zeit und Raum (holographischer) sind relativ. 😁

        Für Blume, der höchstwahrscheinlich auch nicht an Reinkarnation/Wiedergeburt glaubt, sehe ich nur die Löschung!🙂

        • Tja, da können Sie mal sehen, @hto: In meinem christlich-liberalen Glauben ist kein Platz für Hass, Rache- und „Löschung“-Fantasien, wie Sie sie hier verteilen. Ich hoffe: Gott sei Liebe.

          Aber ob und wenn ja, wie es „Ihn“ gebe, können wir ja alle nur glauben, fürchten oder eben hoffen. We‘ll see…

          Ihnen trotz Ihres Hasses von Herzen alles Gute, bitte bleiben Sie (auch geistig) gesund. 🙏🖖

          • Da gehen noch einige Ex-Stasi und ihre reichlich gestörten Angehörigen um, ich weiß das nicht nur weil ich diese mit (göttlicher) Vorliebe im Auge behalte! 😉 Gott IST Vernunft 🌻

  8. Nietzsche als Antisemit zu verkaufen ist einfach unsinnig. Hier eines (von vielen) Nietzsche-Zitaten zu diesem Thema: “Ich vertrage nichts Zweideutiges; seitdem Wagner in Deutschland war, condescendirte er Schritt für Schritt zu Allem, was ich verachte — selbst zum Antisemitismus…”

    • Klar, @Tyches Elch – Nietzsches Verschwörungsglauben ging weit über den üblichen Antisemitismus hinaus und bezog unter anderem Frauen (bei Nietzsche gerne „Weiber“), den historischen Zarathustra, jüdische und christliche „Priester“, Philosophen der Aufklärung („Falschmünzer“) und generell „Gute Menschen“ / Gutmenschen ein.

      Wenn Sie die komplexe Verschwörungsmythologie von Nietzsche wirklich verstehen wollen, kommen Sie mit simplen Aussagen wie „(k)ein Antisemit“ nicht wirklich weit…

      Danke für Ihr Interesse, bleiben Sie gerne dran!

      • Eine Überlegung: sollte man nicht Nietzsche, Marx, Althusser und R. Steiner zusammen nehmen in die Gruppe der psychisch kranken Philosophen?
        Als Gegenbild zu Nietzsche schlage ich übrigens den völlig gesunden Emil Cioran vor.

        • Danke, @j. – aber ich halte tatsächlich wenig von psychologischen Ferndiagnosen und Spekulationen über die inneren Zustände früherer Philosoph:innen. Ihre hinterlassenen Werke sprechen m.E. im Guten wie im Schlechten für sich. 💁‍♂️📚

          • @Michael Blume
            in Greifswald wurde das am Beispiel Althusser diskutiert, in Tübingen am Beispiel Hölderlin.
            Ich mache die Erfahrung, dass man gerade mit Hölderlin bei Schülern durchaus Empathie für seelisch Kranke wecken kann. Insofern halte ich diese Überlegungen durchaus für sinnvoll.

        • Was wäre dann damit gewonnen? Wäre die Mehrwerttheorie von Marx auf einmal falsch?

          Solche Zusatzinformationen sind natürlich immer Anhaltspunkt für kritische, verdächtigende Lektüre. Das Mißtrauen aber muß sich letztlich dann doch am Text erweisen lassen: Wo genau, was genau macht der Autor falsch, wo biegt er falsch ab?

          • @Alubehüteter
            Die Lehre von Marx wurde schon von Böhm-Bawerk (1896) widerlegt- lesen Sie mal hier https://archive.org/details/festgabenfurkarl00boen
            Weizsäcker hat das dann noch einmal in einem zweiseitigen Artikel mathematisch begründet.
            E. Voegelin hat dann die Verwandtschaft Marx´zur schwarzen Gnosis (würde man heute vielleicht Verschwörungsmythos nennen) aufgewiesen.
            Marx Lehre scheitert am Grenznutzen, den Sättigungsgrenzen.
            Sie waren im Sachsen des 16. Jahrhunderts schon in rudimentärer Weise (es fehlte noch die Mathematik dazu) bekannt, Luther beispielsweise verwendet sie in seiner Wirtschaftsethik. Marx muss diese Stelle wegerklären.
            Seine Mehrwerttheorie war eigentlich immer falsch und der Grenznutzen widerlegt seine Theorie komplett.

      • Michael Blume
        20.04.2021, 12:21 Uhr

        Nietzsches Verschwörungsglauben ging weit über den üblichen Antisemitismus hinaus

        Ach, Herr Blume … 🤭🙄

        So rum wird ein Schuh draus; Nietzsches Haltung zum „üblichen Antisemitismus“:

        Nietzsche musste sich zwangsläufig aus philosophischer Konsistenz heraus gegen den Antisemitismus stellen. Diese Bewegung wertet er als einen neuen Sklavenaufstand der Moral, als erneute Wiederkehr des Ressentiments bestehend aus Neid, Hass, Gier und Abneigung gegen die Intellektualität. Als Massenbewegung, eine Ansammlung von Herdenmenschen, mit all ihrer Vulgarität und ideologischer Beschränkung, widersprach der Antisemitismus Nietzsches aristokratischem Gefühl von Herrenmenschen, voll von Selbstvertrauen und Stärke. Diese Meinung über den Antisemitismus führte wohl auch entscheidend zu dem Bruch mit Wagner und seiner Schwester, welche den bekennenden Antisemiten Förster heiratete; ebenso entrüstete sich Nietzsche über den Verleger Fritsch, der es wagte, den Zarathustra in seinen Blättern der „Antisemitischen Korrespondenz“ zu verwenden.

        Ein Gedanke, den Heidegger dann (ohne expliziten Bezug auf Nietzsche freilich) in den Schwarzen Heften weiterdrehen wird: Antisemitismus ist ein weiterer Ausfluß der so überaus verachtenswerten jüdischen Sklavenmoral. Alles nicht so einfach, wie es sich auf dem ersten Blick liest.

        Ich entnehme das Zitat diesem schönen, weiterführenden Text. Dessen Schlußfolgerungen ich zwar nicht teile, die ich sogar als verharmlosend ansehe, aber die Betrachtungen führen mal ein darin, sich Nietzsches Verhältnis zu den Juden weitaus differenzierter anzusehen.

        • Ach, lieber @Alubehüteter – dass „die Juden“ am Antisemitismus „selber Schuld“ seien, ist nun wirklich keine „neue“ Erfindung von Nietzsche und Heidegger. Dass Ihnen diese Niedertracht der Schuldumkehr gar nicht mehr aufzufallen scheint, unterstreicht m.E. das gefährliche Gift dieser beiden Verschwörungsgläubigen.

          • Schuldumkehr.

            Aha. Ja nee, is’ klar.

            Als ob „Schuld“ ein Begriff wäre, der im aktiven Wortschatz eines Nietzsche, eines Heidegger vorkäme. Sie kommen nicht einmal in die Nähe des Antisemitismus von denen, der uns so entsetzt.

  9. Zu Alubehüteter
    “Desillusioniert”
    Vielleicht hat das mit dem idealisierten Menschenbild zu tun was in Teilen dieser Gesellschaft incl. Religion propagiert wird. Die DDR hatte z.Bsp. 1989 ca. 17 Millionen Einwohner. Wie viele sind davon auf die Straßen gegangen ? Vielleicht drei oder vier Prozent ? 96 % sind also zu Hause geblieben und haben sich “still” und verhalten . Mein Vater wurde 1953 am 17. Juni auf Grund von Denunzianten verhaftet und verurteilt die in ihrem Untertanengeist sich wahrscheinlich Vorteile davon erhofften. Der Mensch ist für mich zuerst ein Egoist der seine persönlichen Vorteile sieht, auch wenn er aus anderen Ländern kommt . Heiligenscheine (Idealisierungen) werden von oben verordnet um eine entsprechende Politik zu begründen. So ist die DDR wohl zuerst daran gescheitert das sie ihren Heligenschein (die soz. Persönlichkeit) weitab von der Realität ansiedelte, dass sie den Menschen idealisieren wollte. Desillusioniert werden kann man nur wenn man vorher Illusionen hatte. Man sollte hinterfragen wer einem diese eingeredet hat und zu welchem Zweck man da manipuliert wurde : Es gibt keinen idealisierten Menschen , es geht immer nur-um mit Buddha (nicht Marx) zu sprechen , um Anhaftung(Macht , Gier ) bzw. eigene Bedürfnisbefriedigung, auch auf Kosten anderer…

    • In der Tat haben mich DDR-Biografien sehr desillusioniert. Wenn Nationalsozialismus uns gezeigt hat, zu welch Verbrechen ein Volk im Großen imstande ist, so offenbaren uns die StaSi-Akten, wie schäbig, wie mies, wie hinterhältig Mitmenschen im Kleinen, im Alltag sein können. Bis hin zu einer Vera Lengsfeld, deren eigener Ehegatte über sie fröhlich der StaSi reportierte.

      Aber dieses epische Komplettversagen der Politik in der Corona-Krise derzeit auf allen Ebenen, das hat mich völlig kalt erwischt. Komplett überrascht. Das hätte ich letzten Sommer, das hätte ich letzten Herbst noch nicht für möglich gehalten.

      • @Alubehüteter
        Komplettversagen “der” Politik? Wer denn konkret?
        So pauschal kann man das nicht gelten lassen. Wer ist “die” Politik?

        • Wenn Sie mich fragen „wer denn nicht?“, dann fällt mir die Antwort leichter, dann muß ich nicht mehr so viele aufzählen. Der Landrat aus Heinsberg. Der Oberbürgermeister in Solingen.

          • also @Alubehüteter
            wenn Sie über die Schulverwaltung (Zum Verständnis: das sind nicht die Schulleitungen (Rektoren), – sekretatiate, Lehrer; sondern die Kultusbürokratie, die die Schulen überwacht) herziehen, dann bin ich allerdings voll bei Ihnen. Ich kenne allerdings die Verhältnisse in NRW nicht, denke aber, dass sich das nicht besonders von anderen Bundesländern unterscheidet. Dort sitzen oft Juristen, deren einzige pädagogische Qualifikation es meist ist, selbst in der Schule Schüler gewesen zu sein.
            Das ist aber nicht die Politik- sondern die Verwaltung. Deren Schwächen hat die aktuelle Krise gnadenlos aufgedeckt. Aber- das ist die Verwaltung- aber nicht die Politik.

        • Solingen muß ich, glaube ich, erklären, das werden außerhalb unserer Landesgrenzen nicht viele mitbekommen haben.

          Die Stadt Solingen hatte sich letzten Sommer überlegt, was machen wir, wenn im Winter die zweite Welle kommt. Es ist ja noch nie bei einer Pandemie zu keiner zweiten Welle gekommen.

          Eine entscheidende Stellschraube, an der man sehr viel drehen kann, werden Schulen sein.

          Und so haben sie das Internet an den Schulen aufgerüstet und dafür gesorgt, daß jeder Schüler mit einem iPad versorgt ist.

          Erstaunlicherweise – als Wahl-Wuppertaler, der Verwandte in Solingen hatte, kann ich mir das nicht erklären, was da anders gelaufen sein soll – war Solingen dann tatsächlich unter den ersten Städten in NRW, deren Inzidenz die Schallmauer von 200 Infizierten auf 100.000 Einwohner durchbrochen hat. Haben die gesagt: O.k., wir sind vorbereitet. Wir folgen den Ratschlägen des Robert-Koch-Instituts und machen Wechselunterricht. Die Hälfte der Klasse wird in der Schule unterrichtet, die andere Hälfte guckt sich das von zuhause aus an, und nach einer Woche wird gewechselt. Auf diese Weise kann etwa der Mindestabstand in den Klassen gewahrt bleiben, und ohnehin stecken sich im Schadensfall weniger an. Und so behalten wir aber auch unsere Schüler im Blick, erfahren weiterhin, wie es ihnen ergeht in der Pandemie, und wir kriegen die Inzidenz so hoffentlich so gedrückt, daß uns eine komplette Schließung der Schulen erspart bleibt.

          Hat unsere Kultusministerin gesagt: Das macht Ihr nicht. Wo kommen wir da hin, wenn an Schulen vermittelt und gelebt wird, daß es richtig ist, auf die Wissenschaft zu hören.

          Das fand die Stadt Solingen doch sehr befremdlich und hat die Karte „Baurecht“ gezogen. Nicht die Direktoren haben die Schulen geschlossen, sondern der Oberbürgermeister als Träger: Das kann er, wenn z.B. in einer Turnhalle Einsturzgefahr besteht, und da ist das Kultusministerium ausgehebelt.

          Hat nichts genützt. Es ging nicht nur um eine seltsame Kultusministerin. Die ganze Landesregierung, die schon in der ersten Stunde in Heinsberg bewiesen hatte, daß sie Krise, daß sie Pandemie nicht kann, wo ein kleiner Landrat die Entscheidungen treffen mußte, die Düsseldorf zu treffen nicht die Eier hatte, die selbe Landesregierung, die einseitig im Juni die Einheit der Bund-Länder-Ministerpräsidentenkonferenz aufgekündigt und damit und seitdem fortlaufend Merkels wissenschaftsorientierte Pandemiepolitik sabotiert hatte, diese Landesregierung verbot der Stadt Solingen, die Schulen pandemiegemäß zu fahren. Ein Schuldirektor immerhin hat öffentlichswirksam zivilen Ungehorsam geleistet, es hat alles nichts genutzt, er konnte das nur einen Tag durchhalten.

          • Ach so, Nachtrag.

            Wechselunterricht ist übrigens das, was Nordrhein-Westfalen gegenwärtig fährt bei einer Inzidenz von über 100. Ob das was bringen wird, ob das ausreicht, wissen wir nicht. Man hat das Solingen ja nicht ausprobieren lassen 🤗

  10. Wehret den Anfängen!
    Es gilt aus liberaler Sicht generell Gewaltdrohungen und Gewalt entgegenzustehen, denn so etwas ist direkt demokratiegefährdend.


    Die Dame teilt “ganz schön” aus, hat mit der Antifa keine erkennbaren Probleme und mehr fällt mir zur Sache nicht ein.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • @Dr. Webbaer
      Müsste es dann in Ihren Augen so etwas wie ein Gewaltmonopol des Staates in den sozialen Netzwerken geben?

      • Gewaltdrohungen darf es (auch aus liberaler Sicht) in sog. sozialen Netzwerken nicht geben, insofern bejahe ich die Frage, die ich hoffentlich richtig verstanden habe.

        MFG
        Dr. Webbaer

    • Herrn Lauterbach hat man Samstag seinen kleinen Stadtflitzer (Smart) mit Farbe übergossen. Heute twittert er beiläufig, daß er wieder mal 59 Strafanzeigen unterschrieben hat,

      nur das Nötigste … Drohungen, Aufrufe zur Gewalt und Straftaten, menschenverachtende Beleidigungen der letzten Wochen.

      Wobei man, ohne jetzt hufeisentheoretisch zu werden, dazu sagen muß, daß auch das Haus der Frau Steinbach wiederholt mit Graffities verunziert wurde. (Den Haß und das Gift, das Frau Steinbach versprüht, irgendwie auch nur in die Nähe zu rücken zu Herrn Lauterbach, will mir selbstredend gar nicht einfallen. Selbstredend ist mir ihr Walter-Lübcke-Tweet noch sehr präsent. Das rechtfertigt dennoch nichts.)

      Ich will jetzt keine zynischen Sprüche ablassen von wegen Hitze und Küche und so. Und auf diesem Blog hier schon mal gar nicht. Das ist Niedertracht und gehört geahndet. Und dennoch sehe ich bei Frau Kuhnke und bei Frau Strobl noch eine andere Qualität: Das sind Amateure. Das sind einfach Bürger, die sich äußern. Die haben insbesondere keinen schützenden Apperat. Niemand fängt ihre Anrufe und ihre E-Mails ab, um sie zu schützen, und stellt ihnen nur den widerlichsten, weil möglicherweise justiziablen Dreck durch. Und sie müssen sich durch diesen Unflat wühlen; kann ja sein, daß wirklich jemand herausbekommen hat, wo sie wohnen, oder wo ihre Kinder zur Schule gehen.

      Frau Kuhnke immerhin macht „irgendwas mit Medien“ und ist vernetzt; immerhin bringen MONITOR und DER SPIEGEL eine Geschichte.

      Ohne irgend etwas zu verharmlosen. Aber hier ist eine weitere Grenze unterschritten worden in der digitalen Verrohung. Deswegen sollten wir das nicht einfach einreihen in die schon bekannten Widerwärtigkeiten, wie sie ja auch auf dieser Seite wieder zu finden sind.

  11. Oh ja, @ Dr. Webbaer, dazu fällt mir glatt auch nichts mehr ein. Mit einem derart substantiierten und schlüssigen Diskussionsbeitrag hat man es doch eher selten zu tun. Da muss man die überwältigende Faktenfülle erst einmal verarbeiten, die da auf einen einstürzt 😉
    Ach, und treffen dann “die Dame” (Jasmina Kuhnke?) Ihrer Meinung nach die Hasskommentare und Morddrohungen nicht ganz unverschuldet?
    Da sie ja “ganz schön austeilt”? Was eigentlich?
    Oder was will uns Ihr vielsagender Vierzeiler eigentlich sagen?
    Haben Sie ein Problem mit Antifaschismus? Mit Frauen, die eben nicht “die Fresse halten”, was Jasmina in einem der gemäßigteren Tweets von freundlichen Rassisten nahegelegt wurde?
    Helfen Sie uns doch in all diesen Fragen weiter!
    Obwohl: Mir haben Sie – wenn auch sicherlich ungewollt – bereits geholfen; hat doch Ihr freundlicher Kommentar mir den letzten Anstoß gegeben, mich auf ein in meiner Stadt ausgeschriebenes Ehrenamt als Vertrauensperson in Sachen (sexualisierte) Gewalt, Antisemitismus und Rassismus zu bewerben. (Ne, sorry, hätte ich selbstverständlich auch ohne Sie gemacht…)

    Und apropos “Wehret den Anfängen (wenn das nur die Anfänge wär`n)”.
    Hier ein nachdenkliches Video von Max Herre, Fatoni, Sugar MMFK zu diesem Thema:

    https://www.bing.com/videos/search?q=max+herre+dunkles+kapitel&docid=608018582937826057&mid=A6FF12516CAFBE87A705A6FF12516CAFBE87A705&view=detail&FORM=VIRE

    • War halt ein Statement (mein Kommentar “Dr. Webbaer
      20.04.2021, 15:17 Uhr”), ich hätte gerne auch explizit meine Solidarität ausgedrückt, kenne die Dame aber zu wenig und das, was ich kenne, deutet auf unzureichende Distanz zur “Antifa” hin.
      Die “Antifa hat ein positives Verhältis zur politischen Gewalt, bestreitet sie auch nicht, oder?
      Ich stelle mich dann nicht auf eine Seite, Solidarität auszudrücken ist für mich keine Kleinigkeit.

      MFG
      Dr. Webbaer

    • Nun dann gibt es hier etwas Nachhilfe über die Denkweise dieser Frau. Es ist wirklich lustig, was sie so verlangt:

      Liebe white woke Polit, Influencer, Personen des öffentl. Lebens – Ally’s, es reicht nicht,wenn ihr gegen das rassistische System und eurer Privilegien bewusste seid! Wenn ihr wirklich Ally’s sein wollt,müsst ihr das System ändern: Verzichtet auf Jobs die rein weiß besetzt sind!

      Also dies ist doch wirklich lustig, was sie von Menschen mit weißer Hautfarbe verlangt. Sowas könnte eine gute Satire von Kurt Kubitscheck sein.

      Oder weiter:

      Es ist okay, wenn ihr kein Bock habt, eure Privilegien herzugeben, aber dann tut doch nicht so, als wäret ihr besser als andere, die das wenigstens offen zugeben!

      Ach so, jemand der einen besser bezahlten Job als diese Frau hat, hat diesen nur wegen seiner Hautfarbe? Dies ist doch für mich einfach zweifelhaft. Auf eine solche “Freundin” kann ich ehrlich gesagt verzichten, weil sie einfach genauso dumm daherredet wie Ekel Alfred. Nur das Feindbild ist anders.

      Gruß
      Rudi Knoth

      • Immer im Hinterkopf behalten:

        Sie ist mit einem Weissen verheiratet, ein Weisser ist Vater ihrer vier Kinder. So viel zu Frau Kuhnkes angeblichen antiweissen Rassismus.

        Ansonsten darf man sie durchaus sehr kritisch sehen, und wird ja auch. Dafür, daß das nur eine Frau ist, die mit Twitter eine Plattform bespielt, wo 1% der Bevölkerung aktiv sind, gibt es sehr viel Wirbel und auch kritischen Gegenwind in den etablierten Medien, und das ist auch gut so. Solange ihr nicht angedroht wird, sie solle eine „Quittung“ erhalten, wie es der Widerling macht, der jetzt bei der WELT ist.

      • @ Rudi Knoth
        21.04.2021, 14:06 Uhr

        Vielen Dank für den Link zu diesem vieldiskutierten, auch wiederum sehr umstrittenen Artikel. So, genau so kann man das machen. Frau Kuhnke durchaus hart kritisieren.

        Was ich chronisch und auch bei Linken nicht verstehe, ist der immer wiederkehrende Vorwurf vom „Geschäftsmodell“. Das ist ja nicht ehrlich bis zu das kann ja gar nicht stimmen, was er/sie sagt, weil das zu sagen ist ja sein/ihr Job, das Geschäftsmodell.

        Was soll daran falsch sein, bestimmte Ansichten professionell zu vertreten? Wenn ich das richtig im Kopf habe, wird einem Martin Sellner, Gesicht der Identitären Bewegung, monatlich 10.000 Euro geschenkt aus verschiedenen Quellen nur für seinen persönlichen Lebensunterhalt. Das sind keine Spenden, daran ist keine Gegenleistung verknüpft. Ich kann das an sich nicht falsch finden. Und ich würde auch nicht sagen, der Sellner sei deswegen gekauft. Von dem eingerichteten Sheros-Fonds bekommt Frau Kuhnke nur Hotel, Umzug, vielleicht bißchen Mobiliar finanziert. Aber selbst wenn sie, wie Erzählmirnix oder Ralph Ruthe, demnächst Merch-Tassen und -Sweatshirts mit ihrem Comic-Konterfei verkauft oder dem Hashtag #HaltdieFresseBILD, und sie kann davon einmal im Monat mit ihrer großen Familie mal schön aus Essen gehen oder sogar sich mit ihrem Mann einen Kurzurlaub gönnen, so what?

    • “Haben Sie ein Problem mit Antifaschismus?”
      Dr. Webbaer hat sich kritisch zur Antifa geäußert. Was hat denn aus Ihrer Sicht die Antifa mit Antifaschismus zu tun? Wo bekämpft die Antifa denn Faschisten?
      Wie lautet denn die wissenschaftliche und neutrale Definition von Faschismus? Können Sie diese Frage beantworten ohne zu googeln, oder ist das bei Ihnen eher so ein Bauchgefühl? Vielleicht eher ein Sammelbegriff für alle politischen Ansichten die Sie nicht teilen?

      “Da sie ja “ganz schön austeilt”? Was eigentlich?”
      Frau Kuhnke äußert sich doch auch eindeutig rassistisch. Die pauschale Form in der Frau Kuhnke gegen (alte) weiße cis Männer austeilt ist genauso rassistisch wie die Menschen die ein Problem mit der Hautfarbe von Frau Kuhnke haben. Und ehrlich, wenn Rassisten sich untereinander vulgär beschimpfen… warum sollte jemand Partei ergreifen? Gewalt oder Gewaltandrohungen sind natürlich indiskutabel und im Zweifel strafbewehrt.

      • Hier sehe ich tatsächlich einen Unterschied, @Martin H., denn Kommunikation ist immer auch Ausdruck von Machtverhältnissen. Wenn mich ein Deutschtürke „Kartoffel“ nennt, dann kann ich darüber mit-lachen, denn als weißer cis-Mann (wie Sie es formulierten) werde ich damit in keiner Weise in meiner Position bedroht. Herablassender Spott gegenüber Menschen, die ohnehin bereits diskriminiert werden und ggf. auch Gewalt erfahren, ist da eine ganz andere Nummer.

        Klar, wir deutschen Männer wollen auch mal gerne Opfer spielen und bemitleidet werden. Und ich gehöre auch nicht zu denen, die bestreiten würden, dass es auch antiweißen Rassismus gibt. Aber es ist m.E. doch ganz klar, dass sich tatsächliche Bedrohungen immer auch in Machtverhältnissen ausdrücken, die Jasmina Kuhnke eben – manchmal überschießend, aber insgesamt zu Recht – anprangert.

        Dass auch heftige Debatten auf Twitter keine Morddrohungen gegen eine Frau und ihre Familie rechtfertigen, setze ich hier als selbstverständlich voraus. Das Doxxing-Video gegen die Familie Kuhnke ist widerlich, gewaltverherrlichend, rassistisch und nach meiner Auffassung auch klar strafbar.

        • Sehr geehrter Herr Blume,

          welche Machtverhältnisse meinen Sie? Welche Macht habe ich konkret über Frau Kuhnke? Wer hindert Frau Kuhnke an Ihrem Weg, den sie in Deutschland geht?

          In meinem beruflichen Umfeld kann ich keine besonderen Privilegien weißer Menschen ausmachen. Im Gegenteil, die einfacheren und schlechter bezahlten Tätigkeiten werden überwiegend von weißen (älteren) Männern verrichtet, während die anspruchsvolleren Berufe von Menschen, überwiegend Frauen, aus der ganzen Welt ausgefüllt werden. Wir haben bei entsprechenden Anlässen auch offen über das Thema Diskriminierung und Rassismus jn der Belegschaft diskutiert. Auch hier weitestgehend Fehlanzeige… ich habe nicht den Eindruck, dass Deutschland ein übermäßig fremdenfeindliches Land ist. Im Gegenteil.

          In meinem privaten Umfeld leben mit mir in einem etwas besseren Viertel unserer Stadt arabischstämmige Deutsche (Abteilungsdirektor o. ä. einer Hamburger Bank), ein deutsch-iranisches Ehepaar (deren finanzielle Mittel ich gerne hätte) und viele Menschen unterschiedlichster Herkunft und Weltanschauung zusammen. Uns alle eint, dass wir uns aus relativ einfachen Lebensumständen hochgearbeitet haben und Erfolg dabei hatten.
          Ich bin der Überzeugung, dass jeder mit ein wenig Integrationswillen, ein wenig Fleiß und einem Minimum an Verstand in Deutschland die Möglichkeit zum Erfolg hat. Und ich kenne sehr viele Beispiele die meine These bestätigen. Selbst Frau Kuhnke gibt mir mit ihrem Lebenslauf recht. Oder können Sie mir begründet widersprechen?

          Das in Parlamenten Menschen mit Migrationshintergrund noch nicht übermäßg vertreten sind, ist wohl der zeitlichen Entwicklung der Zuwanderung geschuldet. Aber das entwickelt sich doch im positiven Sinne. Und ehrlich, wenn mir die politischen Ansichten einer Partei oder eines Politikers zusagen, dann wähle ich ihn. Und da spielt doch weder die Hautfarbe noch die Herkunft eine Rolle.

          Und in einem Punkt muss ich Ihnen leider noch widersprechen. Ich sehe mich nicht als Opfer und auf Mitleid kann ich verzichten. Ich hoffe derartige billige Klischees entsprechen nicht wirklich Ihrer Meinung.
          Übrigens sehe ich Frau Kuhnke grundsätzlich (mit Ausnahme der Bedrohungen gegen ihre Person und ihre Familie) auch nicht als Opfer. Warum auch?
          Und was Sie wohlwollend als “überschießend” bezeichnen, ist objektiv Rassismus und bleibt objektiv Rassismus. Der Zweck heiligt nicht alle Mittel. Und daraus leite ich für mich selbst keine Opferrolle ab, sondern Verachtung und Abscheu für den Rassisten.

          Zu den Drohungen gegen Frau Kuhnke und ihre Familie hatte ich mich bereits geäßert. Hier sind wir absolut einer Meinung, diese rote Linie darf von niemandem überschritten werden. Dies können Sie als selbstverständlich voraussetzen.

          • Sehr geehrter @Martin H.,

            lieben Dank für Ihre Gegenüberstellung subjektiver Erfahrungen gegenüber jenen von Rassismus und Frauenfeindlichkeit Betroffener.

            Auch nach meiner Meinung ist Deutschland nicht massiv frauenfeindlich oder rassistisch (den Begriff „fremdenfeindlich“ mag ich nicht, da z.B. Frau Kuhnke Deutsche und eben keine „Fremde“ ist). Allerdings erleben auch viele Freund:innen in meinem direkten Umfeld durchaus Rassismus und ist etwa die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern (Gender Pay Gap) noch durchaus nicht geschlossen. Dass Barack Hussein Obama ein (m.E. guter) U.S.-Präsident war, hat ja auch den Rassismus in den USA nicht gleich beendet… 💁‍♂️

            Ihnen Dank für die konstruktive Diskussion!

          • Sehr geehrter Herr Blume,

            leider kann ich nicht direkt auf Ihre Beitrag antworten. Vielleicht haben Sie als Administrator die Möglichkeit meine Replik unter Ihren Beitrag zu hängen.

            Wie sie richtigerweise schreiben ist meine Sicht subjektiv. Und ich bedauere es aufrichtig, dass Ihre Freunde oder Bekannte häufiger negative Erfahrungen mit Diskriminierung machten mussten als meine.

            Allerdings gebe ich zu Bedenken, dass meine Blick auf dieses unerfreuliche Phänomen deutlich repräsentativer ist. Wenn laut Umfrage der Antidiskriminierungsstelle aus 2015 91% der Deutschen in den 2 Jahren vor der Umfrage keinerlei Diskriminierungserfahrung auf Grund der jeweiligen Ethnie gemacht haben (unter Menschen mit Migrationshintergrund immerhin 77%), so ist das Phänomen des Rassismus in Deutschland zwar durchaus real, aber auch nicht so präsent wie es einschlägige Aktivisten und Medien darstellen.

            Als Vergleich sei genannt, dass deutlich mehr Menschen Diskriminierung auf Grundlage ihres Alters oder ihrer sozioökonomischen Lage erfahren. Hier wird aber die Situation durch einschlägige Interessengruppen lange nicht so medial gepuscht.
            Und hier sehe ich verschiedene Beiträge von Frau Kuhnke höchst kritisch, da sie zum einen den Vorwurf des Rassismus extrem niedrigschwellig anwendet und dadurch relativiert, es so darstellt als würde sie permanent und überall mit Diskriminierung konfrontiert und zum guter Letzt selbst Menschen nach Ethnie kategorisiert und damit offensichtlich rassistisch denkt und handelt.

            Das sich die Werte der oben genannten Umfrage heute vermutlich anders darstellen ist mir auch klar. Andererseits ist es von den Befürwortern einer multikulturellen Gesellschaft natürlich naiv anzunehmen, dass eine solche Gesellschaft in sich friedlicher oder harmonischer ist. Eher das Gegenteil dürfte der Fall sein. Länder wie das ehemalige Jugoslawien, die USA, Burma, China, Indien, Frankreich oder die Türkei beweisen, dass mulitkulturelle Gesellschaften erheblich konfliktreicher sind, und im Extremfall sogar in Separationsbewegungen oder einen Bürgerkrieg abgleiten können.
            Da ich meinem Mitmenschen grundsätzlich die Eigenschaft zuspreche das eigene Verhalten zu reflektieren und die Folgen zu überblicken, gehe ich davon aus, dass die Befürworter einer multikulturellen Gesellschaft die Zunahme der Konflikte bewusst mit einkalkulieren. Nur wirkt die Kritik an der Zunahme solcher Konflikte von dieser Seite natürlich ein wenig verlogen…

            Die Berichterstattung und die öffentliche Wahrnehmung von Präsident Obama ist ein Musterbeispiel für Rassismus.
            Nur einige Fakten auf die Schnelle:
            – Präsident Obama hat wöchentlich sogenannte Kill Lists unterschrieben, und den Drohnenkrieg damit zur Staatsdoktrin erhoben. Gleichzeitig wurde er willkürlich auf allerlei verschiedene Länder ausgeweitet. Er selbst sagte mal über sich “Ich bin wohl gut im Töten”
            – Obama ließ so viele Menschen wie kein Präsident vor ihm abschieben
            – Obama scheiterte mit einer Reform der Migrationspolitk die unter anderem im Border Security, Economic Opportunity, and Immigration Modernization Act 46 Milliarden US-Dollar für die Grenzsicherheit vorsah: unter anderem zur Finanzierung eines 700 Meilen langen Zauns (zusätzlich zu den bereits bestehenden Zäunen) entlang der Grenze zu Mexiko, zur Einrichtung eines Systems, das biometrische Daten von Personen erfassen sollte, die die USA verlassen, sowie zur Beschäftigung von 20.000 zusätzlichen Grenzschützern. Außerdem sollten technische Sicherheitsmaßnahmen ausgebaut werden (u.a. Bodensensoren, Video- und mobile Überwachungssysteme).
            (Quelle: Bundezentrale für politische Bildung)
            Bush jun. oder gar Trump wären für solche Maßnahmen sicher mehr oder weniger zurecht kritisiert worden. Präsident Obama hat dafür den Friedensnobelpreis erhalten und wird als Star von der politischen Linken gefeiert. Wenn aber nicht die Taten und Inhalte das Urteil über einen Menschen entscheiden, sondern dessen Hautfarbe, dann ist das was? Rassismus! Und das auch noch im Namen des Antirassimus…

          • Vielen Dank für Ihren ausführlichen Schuldgefühle-Abwehr-Kommentar, @Martin H. Bei allem Respekt: Sie verwenden offensichtlich viel Zeit und enormen, auch intellektuellen Einsatz darauf, Schwarzen die Schuld am Rassismus selbst zuzuschieben.

            Besonders auffällig wird der Widerspruch zum Beispiel in diesem Satz:

            “Und hier sehe ich verschiedene Beiträge von Frau Kuhnke höchst kritisch, da sie zum einen den Vorwurf des Rassismus extrem niedrigschwellig anwendet und dadurch relativiert, es so darstellt als würde sie permanent und überall mit Diskriminierung konfrontiert und zum guter Letzt selbst Menschen nach Ethnie kategorisiert und damit offensichtlich rassistisch denkt und handelt.”

            Hier werfen Sie im ersten Teil Ihres Satzes Jasmina Kuhnke vor, sie würde “den Vorwurf des Rassismus extrem niedrigschwellig” ansetzen – um am Ende des gleichen Satzes (!) genau das selbst zu tun! Da werfen Sie ihr vor, dass sie “selbst Menschen nach Ethnie kategorisiert und damit offensichtlich rassistisch denkt und handelt.”

            Sie bestehen also für sich selbst auf eine “hochschwelligen” Definition von Rassismus, wenden aber eine sehr “niedrigschwellige” gegenüber schwarzen Menschen an.

            Vielleicht wollen Sie diesen heftigen Widerspruch einmal in einer ruhigen Minute für sich bedenken? Auch wenn kognitive Dissonanz – zugegeben – uns alle als Menschen, unabhängig von der Hautfarbe, auch schmerzt? Seien Sie stark und mutig, auch gegenüber sich selbst!

            Ihnen alles Gute!

          • Oh, dieses berufliche Umfeld, in dem Männer schlechter entlohnt würden als Frauen mit derselben Qualifikation (oder hab ich Sie, @Martin H. bzgl. des letztgenannten Aspekts etwa falsch verstanden?) fände ich schon spannend, es deckt sich so gar nicht mit den (wohl nicht nur von mir so wahrgenommenen) Realitäten.
            Sehen Sie sich doch nur einmal die Zusammensetzung der Vorstände z.B. großer börsennotierter Unternehmen an oder jene der Abgeordneten in unseren Parlamenten, ja überhaupt das Geschlechterverhältnis in Führungspositionen von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung! Ich selbst habe nahezu täglich mit Klagen gegen Versicherungen zu tun. Und – ich hatte es schon an anderer Stelle erwähnt – der in vergangenen Jahren zugunsten der einen oder anderen Frauenbesetzung solcher Positionen leicht zuversichtliche Trend ist schon längst wieder rückläufig und es macht mir besonders viel “Freude”, nahezu ausschließlich Männervornamen in die Rubra zu tippen, um ihnen immer wieder gerne jene Macht zuzugestehen, die sie sich schon kraft ihres beeindruckenden Genus 😉 verdienen … .
            Ich will mich nicht wiederholen, mir ist selbst schon oft genug von (vorwiegend alten) weißen Männern der Mund verboten – hier in den Podcast-Diskussionen immerhin von einem sich stets durch selbstverständlich bestens recherchierte und spezialisierte Beiträge auszeichnenden Kommentator immerhin mit der Einschränkung erlaubt worden, ich könne ihn durchaus auch mal aufmachen, wenn ich denn “was Gescheites” zu sagen hätte. In dem Bewusstsein, derart hohen Maßstäben kaum gerecht werden zu können, musste ich erst einmal mit einer Pause in mich gehen, kann aber auf längere Sicht nicht über meinen Schatten springen, wenn der Hals dann doch zu sehr schwillt 😉 ….
            Ich selbst bin weiß und habe gleichwohl genügend Erfahrung mit Alltagsrassismus gegen PoC. So lernte ich eine inzwischen gute Freundin aus Kenia kennen. Ich fuhr seinerzeit durch niederbayrische Dörfer mit dem Bus; an einer Haltestelle stand meine spätere Freundin. Der Busfahrer zu einem schon morgens mit halbgeleerter Bierflasche gutgelaunten Dauerfahrgast: “Wollen wir die Kohle reinlassen?” Beide feixten ob des so wahnsinnig “gelungenen” Gags dämlich herum. Die Tür öffnete sich, die junge Frau stieg ein und versuchte sich auf Englisch mit dem Busfahrer über ihr Ziel und den Fahrpreis zu verständigen. Offensichtlich nicht nur von der Hautfarbe genervt, sondern auch von dem Umstand, dass sie der niederbayrischen Sprache (noch) nicht mächtig war, brüllte der Busfahrer die junge Frau an und versuchte, ihr das Wechselgeld zu unterschlagen, bis ich dann – für meinen Geschmack schon viel zu spät – eingriff mit der Folge, dass mich der Busfahrer nie wieder grüßte. Dieser verkraftbare Verlust wurde kompensiert durch eine herzliche Verbindung mit einer liebenswerten Freundin.
            Und neulich in der S-Bahn: Ich vernahm einen Disput der Kontrolleurin mit einer einheimischen Frau, die keine Fahrkarte hatte, sie habe es – so ihre Schutzbehauptung – nicht mehr geschafft, eine zu lösen. Die Kontrolleurin reagierte recht großzügig und stellte die Frau vor die Wahl, entweder ihre Personalien aufnehmen zu lassen, oder an der nächsten Station auszusteigen. Die Frau reagierte genervt, stieg dann aber – weiter unbehelligt von der Kontrolleurin – aus. Eine sehr kulante Kontrolleurin, dachte ich mir noch und war umso erstaunter, als sich wenige Minuten später folgende Szene abspielte: Ein asiatisch aussehender junger Mann lief aufgeregt, ein geöffnetes Portemonnaie vor sich haltend durch den Gang, eben jener Kontrolleurin folgend, mit der Frage, wieso sie denn so unfreundlich reagiere, er wolle doch bezahlen. Dies wiederholte er mehrfach, die Kontrolleurin reagierte darauf nicht, ließ ihn aber auch nicht an seiner inzwischen erreichten Zielhaltestellte aussteigen. Auf dem Hauptbahnhof meiner Stadt musste auch ich umsteigen und sah dort den Mann wieder – umringt von drei Polizisten und der Kontrolleurin – die Szene erregte das Aufsehen sämtlicher dort wartender Fahrgäste – gerade so, als wäre etwas Unerhörtes (eine Katastrophe, ein Schwerverbrechen) passiert. Ich ging auf die Kontrolleurin zu und konfrontierte sie mit der Frage, warum sie denn so unterschiedlich reagiert, d.h. die deutschsprachige Frau anstands- und sanktions-, ja sogar kostenlos habe aussteigen lassen und den zahlungswilligen, fremdländisch aussehenden Mann so ganz anders behandelte. Daraufhin wurde ich selbst noch von den Polizisten beschimpft, wonach ich mich hier erst einmal gar nicht einzumischen habe. Immerhin habe ich dann noch meine Personalien hinterlassen können und stehe in einem Prozess als Zeugin gerne zur Verfügung.

            Zum an anderer Stelle ebenso heruntergespielten Rassismus in den USA: Es ist erwiesen, dass Polizisten, die übertrieben hart oder gar tödlich agieren, meist unbehelligt davonkommen. Ebenso belegt ist, dass überproportional Schwarze und Minderheiten Opfer solcher Polizeigewalt sind. Und ich war erleichtert, dass der Mörder von Georg Floyd diesmal nicht davongekommen ist, war es doch immerhin das erste Mal in der Geschichte Minnesotas, dass ein weißer Polizist wegen der Ermordung eines Schwarzen verurteilt worden ist – ein mutmachender Anfang – wenn auch das System rassistischer Polizeigewalt noch immer steht.
            Und ich lese sie – soweit mir die Beiträge von Jasmina Kuhnke zugänglich sind – immer sehr gerne. Sie legen pointiert den Finger auf zivilgesellschaftliche Wunden, sie haben Esprit und – soweit es noch Gründe zum Lachen gibt – einen wunderschönen Humor. Und ich freue mich, dass sie den Mut aufbringt, sich trotz Hass- und Gewaltdrohungen – nicht unterkriegen und den Mund verbieten zu lassen. Sie hat meine vollste Bewunderung!

          • Sehr geehrter Herr Blume,

            und wieder versuchen Sie es mit einem provokativen Stöckchen über das ich springen soll. Warum und wem gegenüber sollte ich Schuldgefühle haben? Schuld, Unschuld, Gut und Böse sind doch keine Kategorien um gesellschaftliche Entwicklungen zu kategorisieren. Leider folgen Sie hier der Unsitte unserer Zeit, Sachverhalte oder Personen emotional einzuordnen.

            Leider liegen Sie mit Ihrer Unterstellung, dass ich bspw. afrikanischstämmige Deutsche für erlittene Diskriminierung selbst verantwortlich mache, grundsätzlich falsch. Ich bemühe mich um eine sachliche Beurteilung von Diskriminierung und Rassismus und lehne die Tat unabhängig von der Hautfarbe der beteiligten Personen ab.
            Hier unterscheiden wir uns in unserer Ansicht. Sie relativieren Rassismus der von Minderheiten ausgeht (“überschießend”) mit einem nicht näher erläuterten und vermutlich eher theoretischen Machtgefälle. Und das ist aus meiner Sicht der Denkfehler der vermeintlichen Antirassisten. Feuer kann man in diesem Fall nicht mit Feuer bekämpfen. Es ist einfach unglaubwürdig die Fehler anderer zu kritisieren, um es dann unter umgedrehten Vorzeichen genauso zu machen. Sie wissen schon, die Nummer mit dem Splitter im Auge des Gegenüber usw. …das macht einfach unglaubwürdig.
            Mit der grundsätzlichen Kritik an Diskriminierung, gleich welcher Art, bin ich mit Frau Kuhnke grundsätzlich einer Meinung. Aber hinter jeder naiv-dümmlichen Frage nach der Herkunft sofort Rassismus zu verorten geht mir einfach zu weit und schadet dem eigentlichen Anliegen. Mal so als schnelles Beispiel.
            Wen das Gefrage nervt, kann sich eine schlagfertige Antwort parat legen, und gut ist. Sich an diesem Beispiel als Opfer der ganzen Gesellschaft zu stilisieren ist einfach lächerlich.
            Abfällige Begriffe für einen Menschen auf Grundlage seiner Hautfarbe oder anderer äußeren Merkmale sind für mich jenseits der roten Linie.
            Frau Kuhnke würde gut daran tun, die goldene Regel der praktischen Ethik zu befolgen:
            „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“
            Dann hätte sie mit Ihrem berechtigten Anliegen sicher mehr Zuspruch.

          • Lieber @Martin H.,

            so ein langer Kommentar, um doch nur dem zentralen Widerspruch in Ihrer Aussage zu Frau Kuhnke auszuweichen?

            Wenn Sie es selbst nicht merken (wollen), kann ich Ihnen auch nicht helfen. 💁‍♂️

            Ihnen alles Gute!

        • Mit Machtverhältnissen hat Rassismus nur bedingt zu tun.

          Malcolm X hat das ja in seiner Autobiographie ausführlich aufgearbeitet: Als er noch bei der Nation Of Islam war, da war er ein Rassist. Die Weissen bildeten für ihn eine künstlich geschaffene, minderwertige Rasse. Diese Sekte gibt es heute noch.

          • Ja, @Alubehüteter – wie ich ja schrieb: Klar gibt es auch Rassismus, Antisemitismus etc. unter Schwarzen – die Podcast-Folge über extreme Black Hebrew Israilites finden Sie ja hier (oder kennen Sie schon).

            Das ändert freilich nichts daran, dass jede Kommunikation immer auch in Machträumen stattfindet und nicht nur in den USA antinegrider Rassismus strukturell und auch mörderisch sehr viel tiefer verankert ist. Ich kann nicht empfehlen, davor die Augen zu verschließen…

      • @ Martin H.
        22.04.2021, 10:04 Uhr

        Was hat denn aus Ihrer Sicht die Antifa mit Antifaschismus zu tun? Wo bekämpft die Antifa denn Faschisten?

        Die Antifa ist seit Jahrzehnten bekannt für ihre herausragenden Recherchen. Wenn Sie sich über Nazis und Faschisten in Ihrem Ort oder Ihrem Bundesland informieren wollen, dann sind Sie von der Antifa stets besser informiert als vom Verfassungsschutz oder von Journalisten.

        Mal abgesehen davon, daß es „die“ Antifa nicht gibt. Es gibt keine Antifa e.V., und auch keine terroristische Organisation. Es gibt auch nicht „Punker“ oder „Autonome“.

  12. @Alubehüteter 20.04. 20:03

    „Aber dieses epische Komplettversagen der Politik in der Corona-Krise derzeit auf allen Ebenen, das hat mich völlig kalt erwischt. Komplett überrascht. Das hätte ich letzten Sommer, das hätte ich letzten Herbst noch nicht für möglich gehalten.“

    Was meinen Sie damit? Die Lockdownmaßnahmen waren und sind nicht eindeutig zu beurteilen. Es kommt hier auch auf die eigene Einstellung zu Lebensgefahren allgemein an, ob man die Maßnahmen für zu schwach oder für übertrieben hält. Die Politik hat hier in etwa einen mittleren Weg genommen, gemessen an dem, was die Bürger sich gewünscht haben. Ist ok, finde ich.

    Es wäre auch problematisch, ganz den Empfehlungen der Mediziner zu folgen, die haben zwar die meiste Expertise, aber eben auch ihre Spezialinteressen. Wenn die wie aktuell über Überlastung klagen, denke ich auch daran, wie oft ich es schon erlebt habe, dass mir Ärzte teure aber überflüssige Maßnahmen vorgeschlagen haben. Ich fürchte da gibt es einen großen Anteil an Arbeit im medizinischen System, die man gerne unterlassen kann. Wenn jetzt die Rede davon ist, planbare Operationen zu verschieben, fällt mir gleich ein, auch die überflüssigen Operationen mal vorübergehend auszusetzen. Und schon ist Platz für jede Menge Coronakranke.

    Was die Expertenempfehlungen in der Klimafrage angeht, so kann ich hier einen Interessenkonflikt wie den im Medizinischem Bereich nicht erkennen. Aber auch hier wäre ich damit halbwegs einverstanden, dass die Politik beim Klimaschutz in etwa das macht, was sich die Menschen konkret an Maßnahmen wünschen.

    Dass man sich bei der Bestellung der Impfstoffe für Deutschland von den Pharmafirmen hat täuschen lassen, ist schon mal ärgerlich. Was ich allerdings als eventuell ganz fatal finde, ist dass man nicht schon im September 2020 den Patentschutz für die Impfstoffe aufgehoben hat, und jede Menge Produktionskapazitäten aufgebaut hat, um für uns selbst und vor allem die armen Länder dieser Welt noch 5 mal mehr Impfstoffe zu produzieren. Wenn das weltweit gesehen noch zu gefährlicheren Varianten führt, die noch weitere Lockdowns und Nachimpfungen erfordern werden, dann geht das auf das Konto dieses Versäumnisses.

    • @Thomas Jeckenburger,
      nur der Patentschutz ist es nicht. Die Produktion dieser Impfstoffe erfordert viel knowhow. Das lässt sich durch eine freigabe der Patente nicht aus der Luft erschaffen.

      • @Tobias Jeckenburger
        21.04.2021, 01:09 Uhr

        Die Lockdownmaßnahmen waren und sind nicht eindeutig zu beurteilen. Es kommt hier auch auf die eigene Einstellung zu Lebensgefahren allgemein an, ob man die Maßnahmen für zu schwach oder für übertrieben hält.

        . B E I S P I E L P O R T U G A L
        In Portugal hat man anders als bei uns frühzeitig damit gerechnet, daß es im Winter eine zweite Welle geben könnte. Und als diese sich abzeichnete, haben sie entsprechend früh reagiert und ihr Volk darauf eingeschworen: Wir fahren jetzt vieles herunter, wir halten zusammen, und wenn Ihr kooperiert, dann sollten wir mit dem Gröbsten durch sein bis Weihnachten und können wenigstens unbeschwert Weihnachten feiern. Dachnach müssen wir mal gucken, müssen wir vielleicht nachjustieren und noch mal in einen Shutdown, aber grob, ungefähr so, bis dahin erst mal. Die Bevölkerung zeigte sich einsichtig, und so geschah es.

        In Großbritannien verlief es ähnlich, aber Boris Johnson mußte irgendwann seinen Leuten reinen Wein einschenken: Wir können unser Versprechen nicht halten, weil wir haben hier eine neue Mutation, und die sieht sehr gefährlich aus. Unsere Virologen damals in Deutschland verhielten sich vorsichtig-abwartend, und ich hatte das ehrlich gesagt für eine Ausrede gehalten, und die in meinem SocialMedia, die das ähnlich intensiv beobachten wie ich, auch. Also wurde Weihnachten. Und die Portugiesen feierten, guten Gewissens, unbeschwert.

        Mitsamt ihren Verwandten, den „Gastarbeitern“ im UK, die einen Teil ihres Jahresurlaubs in ihrem Heimat- oder zumindest Herkunftsland verbrachten. Wir alle erinnern uns, was passierte.

        Diese „Gastarbeiter“ verschleppten die verdammte britische Mutante B 1.1.7 nach Portugal, die als um ein Drittel infektiöser gilt als der Ursprungsvirus.

        Und die Inzidenz in Portugal knallte hoch auf 800 Infizierte je 100.000 Einwohner. ACHTHUNDERT! Wem die Zahlen nicht so präsent sind, im Vergleich: Wir dümpeln bundesweit so im Durchschnitt gegenwärtig bei 165. Daß das portugiesische Gesundheitssystem als nicht so robust gilt, wie das unsere, dürfte sich von selber verstehen. Also totale Katastrophe. Die Bundesrepublik schickte Soldaten und Beatmungsgeräte nach Portugal, die mehr symbolische Wirkung hatten, aber alles hilft.

        Jeder sah das ein. Niemand gab der Regierung die Schuld. Sicher. Man hätte die aus dem UK Eingereisten auffordern können, einen frischen negativen PCR-Test mitzubringen oder zumindest schnell noch am Flughafen in Portugal machen zu lassen. Aber man anerkannte doch den guten Willen der Regierung und, daß sie doch einigermaßen sachangemessen reagiert hatte bis dahin.

        Und sie reagierte jetzt mit drastischsten Maßnahmen. Wie auch anders. Brachialer Lockdown. Bis hin zu so Dingern: Die Strände abzufliegen mit Polizeihelikoptern. Epidemologisch, physikalisch völlig Banane. Totale Überreaktion. Mitte Januar! Als ob sich da hunderttausende käsebleiche Touristen am Atlantikstrand Handtuch an Handtuch von der Sonne rot brutzeln liessen. Paar Wattwanderer werden sie aufgescheucht habe. Aber psychologisch war diese martialische Botschaft wichtig: Es ist ernst. Bitte nehmen Sie es ernst.

        Innerhalb von sechs brachialen Wochen drückten sie die Inzidenz runter auf 30/100.000. DREISSIG!

        Und jetzt, lieber Herr Jeckenburger, vergleichen Sie das mit unserem elenden, ellenlangen, nicht enden wollenden, von Woche zu Wocheverlängerten, halbherzigen aber-die-Küchenbauer!-, diese Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass-Shutdowns, die ja den Namen Lockdown (Einschluss) nicht verdienen. Mit dem Schulen-auf-Schulen-wieder-zu-Schulen-im-Wechselunterricht- und den wir-wissen-es-auch-noch-nicht-und-sagen-euch-Freitagnachmittag-Bescheid-wenn-niemand-mehr-erreichbar-und-nichts-mehr-organisierbar-ist-Jojo-Schulschließungen. Nach Monaten haben sie bei uns in Nordrhein-Westfalen die Schulen unbedingt wieder aufmachen wollen zwei Wochen vor den Osterferien. Über Ostern hat unser Ministerpräsident dann nachgedacht und ist auf die Idee eines Brückenlockdowns gekommen. Nach den Osterferien blieben die Schulen wieder zu. Ich konnte mir das rational zwar nicht erklären, hatte aber doch auf Einsicht gehofft. Falsch gefehlt, sie waren nur mal wieder nicht in der Lage, die versprochenen Schnelltests zu organisieren, die eben mal im örtlichen ALDI einzukaufen fiel ihnen nicht ein. Inzwischen sind die Schulen wieder auf, im Wechselunterricht. In Wuppertal allerdings nicht, bei uns liegt die Inzidenz >200.

        Her Jeckenburger, es ist ein Elend.

    • Nachtrag: Hier ein Artikel zu Portugal.

      Und jetzt sehen wir uns dieses Elend hierzulande einmal genauer an. Vom vorläufigen Ende her.

      Wobei sich das parteipolitisch lesen mag, wahlkampfmäßig. Nichts liegt mir ferner als das. Aber ich lebe nun mal in Nordrhein-Westfalen, aufgewachsen am linken Niederrhein: Meine 80jährige Mutter lebt keine 50km von Heinsberg entfernt. Da verfolgt man sehr genau, was da los ist. Ein Steinwurf weiter ist Aachen, die Heimatstadt Achim Laschets, und übrigens auch die Wahlheimatstadt von Rezo. Ich höre mir tagtäglich das Elend nun mal vornehmlich von hier im WDR-Rundfunk an. Und übrigens, die Vorläuferregierung, mit der grünen Gesundheitsministerin: Die Verbots- und Gesundheitsfaschistin Barbara Steffens war damals kein ausschlaggebender, aber ein mit hinreichender Grund, die SPD-Vorgängerregierung Kraft abzuwählen. Tatsächlich. Ich habe den Laschet in dieses Amt gewählt. Und schließlich entstammt derselben bei uns tiefkatholisch verwurzelten CDU eben nicht nur ein Herr Laschet, sondern auch Stefan Pusch, den ich feiere, dem ich, wäre ich Dichter, endlos Liederkränze widmen würde, mein Pandemie-Heros 2020. Es geht nicht um Parteien. Um Wahlkampf. Können wir sehr gerne auch noch machen, ich habe gerade einen guten Lauf. Warum die CDU sich sehenden Auges in Rezos Messer stürzt.

      Wie die jeweiligen Länder durch die Pandemie kamen, das hat teilweise auch zu tun mit mehr oder minder verdientem Glück. Die Italiener vergangenes Jahr hatten leider keine Chance. Daß bei ihnen etwas nicht stimmt, das begannen sie erst zu merken, als die Intensivstationen begannen, sich zu füllen. Infizierte landen erst nach drei bis vier Wochen auf der Intensivstation. Heißt, die die in drei Wochen in der Intensiv unweigerlich landen werden, die sind jetzt schon infiziert. Beginnt man, jetzt zu handeln, fährt der Zug ungebremst vier Wochen weiter.

      Deutschland hatte das Glück, relativ gut übersäät zu sein mit Laboren, die PCR-Tests können. Bei allen Schwierigkeiten in der Meldeinfrastruktur mit Verzug und allem konnten wir anders als die Italiener frühzeitig sehen, nämlich testen, was auch auf uns zuzurollen drohte, und rechtzeitig die Notbremse ziehen.

      Nur in Großbritannien wiederum, das ist deren Stärke, sind sie gut aufgestellt in Gen-Sequenzierung. Wäre die Mutation nicht in GB, sondern in Deutschland entstanden, wir hätten ein Inferno gehabt, bevor wir überhaupt gemerkt hätten, was hier los ist.

      So aber waren wir aus dem UK früh informiert. Für dieses Forum hatte ich mir diese schönen Graphen hervorgegoogelt: Sie sind entstanden zu der Zeit Ende Januar, als in Folge des viel zu späten Weihnachtslockdown unsere Inzidenzzahlen weiter sanken. Und sie zeigten, daß sie das weiter noch eine Weile würden: Daß die Maßnahmen entgegen übrigens meiner laienhaften schwarzseherischen Erwartungen doch ausreichen würden, den ursprünglichen Virus, den „Wildtypus“ erfolgreich auszutrocknen. Sie zeigten aber auch, daß im Schatten dieses Geschehens sich B 1.1.7 vermehrt ausbreiten würde, und zwar exponentiell, bis die Gesamtinfiziertenzahlen eine Weile bei 50 stagnieren und dann exponentiell wieder nach oben gehen würden. Ich hatte damals in meinem SocialMedia andere, nicht so anschauliche Graphen verlinkt, die aber zu ähnlichen Ergebnissen kamen. Alle Modellierungen sahen damals gleich aus. Alle sagten präzise vorher, was geschah, und was weiter geschehen würde, wenn man die Maßnahmen nicht frühzeitig auf portugiesisches Niveau anziehen würde. Jeder interessierte Laie konnte das wissen.

      Nur unser Karnevalsprinz mal wieder, der wußte das nicht. Wie er später auch gestand, wofür man ihm wohl sogar danken muß, weil so wie er wohl alle Verantwortungsträger dachten: Nur er fand die Ehrlichkeit, das treuherzig-offen (um das Wort treudoof-naiven) in einer vielbestaunten Äußerung auch offen auszusprechen. Das ging wirklich damals durch alle Talkshows. Namentlich alle Virologen und andere mit Expertisen waren überrascht. „Wir“ gingen davon aus mit den Erfahrungen vom vergangenen Jahr, daß mit dem Frühjahr – wer soll, außer Laschet, dieses „wir“ gewesen sein? NIEMAND ging davon aus! Wirklich niemand, der Ahnung hatte! Ach – … doch … doch, da war was, da war tatsächlich ein namhafter Wissenschaftler, ich komme jetzt nicht auf den Namen, der war aber wirklich der Einzige damals. Stimmt. Ich komme nicht drauf. Aber das war dieser rasputineske Quacksalber-Haus- und Hofvirologe mit seiner gefälschten Heinsbergstudie ausgerechnet, den Laschet sich hielt.
      Den Christian Drosten inzwischen, auch ohne den Namen zu nennen, aber eindeutig markierend mit dem Slogan „Mit dem Virus leben“, in einem seiner auch für die Fans dieser Seiten spannenden Podcasts unter die „Wissenschaftsleugner“ rechnete. (Link zum Link zum Podcast – Wenn keinen anderen, den sollte man gehört haben.)

      Wobei ich unsere Politiker nicht zu den Wissenschaftsleugnern rechne. Da eigne ich mir von Mai Thi Ngyen-Kim den Begriff an der Wissenschaftsverweigerer. Hartnäckig lernresistente Wissenschaftsverweigerer. Sehenden Auges rasen wir ungebremst mit voller Geschwindigkeit gegen die Wand. Mein Gesundheitsminister erzählt uns allen Ernstes – und ich will gar nicht erst wissen, was unser Wirtschaftsminister sagt dazu, den haben wir nämlich auch noch –: Angesichts einer neuen Mutation müssten wir uns wohl an höhere Inzidenzen gewöhnen.

      Man stelle sich vor, das hätte der Gesundheitsminister von Portugal gesagt. Die sind von 900 auf 30 runter. Und hier sollen wir nicht von lächerlichen 170 herunter kommen können auf sagen wir 15?

      Es ist desillusionierend. Es ist absolut desillusionierend. Und das Schlimmste ist, daß die Pandemieproblematik im Vergleich zur Klimaproblematik so unterkomplex ist, daß sie auch ein Nicht-Wissenschaftler, ein interessierter Laie intellektuell zu durchdringen in der Lage ist, um dann ohne große wissenschaftliche Beratung einfach mit Mut, Beherztheit und mit gesunden Menschenverstand die richtigen, wegweisenden Entscheidungen zu treffen, die zum Modell für ganz Deutschland werden können. Armin Laschet zwar nicht, aber Stefan Pusch hat das bewiesen.

      Die Editier-/Vorschaufunktion auf dieser Seite funktioniert mal wieder nicht. Rechtschreib- und Satzfehler dürft Ihr also behalten.

      • Meine Idee ist ganz schlicht und einfach, nämlich folgende: Wenn die Portugiesen es geschafft haben, mit konsequenten, harten Maßnahmen und einer gemeinsamen, kollektiven Kraftanstrengung innerhalb von 6 Wochen die Zahl der Infizierten je 100.000 Einwohner von 900(!) auf DREISSIG zu drücken, dann sollten wir genau das selbe einfach auch mal machen. Das hier genau so durchziehen. Das sollte uns in zwei, vielleicht drei Wochen höchstens gelingen, von 170 runter. Mit einer Inzidenz von 30, vielleicht 20 wären wir in einer ganz anderen Situation. Könnten wir ganz anders wieder nachdenken über das Öffnen von Schulen, über wenigstens wieder Außengastronomie. Über Einkaufen auch wieder bei C&A bei vielleicht begrenzter und freigetesteter Käuferzahl. Über Jazzkonzerte und Freilichttheater wenigstens auf öffentlichen Plätzen mit Abstandhaltern. Und wenn Portugal das volkswirtschaftlich mit blauem Auge überstanden hat, dann sollten wir das erst Recht verkraften. Noch anders fragt sich, ob wir uns überhaupt leisten können, wenn angefangen mit der Gastronomie über Kunst&Kultur jegliche Nicht-Exportwirtschaft hierzulande vor die Hunde geht.

        Und warum haben wir das nicht schon längst gemacht?

        Der R-Wert (Reproduktionswert) pendelt hier seit Wochen um so 1,02 bis so 1,15. Heißt, für die, die sich damit nicht aus kennen, 100 Infizierte stecken 102 bis 115 weitere an, das bedeutet, leicht steigende, auf gar keinen Fall sinkende Zahlen. Jede noch so leise Öffnung ist ein Hochrisikospiel, kann uns sofort um die Ohren fliegen. Wie lange soll dieses Gewürge denn noch angehen?

        Am heutigen Tag geht #allesdichtmachen viral, eine gemeinsame Videoaktion von teils hervorragenden, teils auch vielverdienenden Schauspielern, die in vielen Fällen sehr intelligent, sehr reflektiert sind, medial versiert sowieso. Mir wird auch daran klar, daß ich wohl in einer ziemlichen Blase bin, für die das von mir hier Vorgetragene lauter Selbstverständlichkeiten sind. Sehr, sehr vielen scheint das völlig neu zu sein, obwohl das seit Wochen schon bei Lanz etwa diskutiert wird. Und ja, ich kenne den Einwand, der kommt immer, wenn man „Aber Neuseeland!“ in eine Diskussion wirft: Deutschland ist keine Insel. Wir sind umgeben von Nachbarn. Muß mir keiner erzählen, ich komme aus einer Grenzregion. Deutsche wohnen in Deutschland, studieren und arbeiten und pendeln täglich dafür in den Niederlanden. Dann soll der Heimathorst und Innenseehofer endlich mal zeigen, was er kann, in Richtung Grenzsicherung, das wollte er doch schon immer! Testzelte und -containerdörfer einrichten. Jedenfalls sind das Probleme, die ich endlich einmal gerne hätte.

  13. Oh, das fällt mir ja erst jetzt auf 🤨😑

    Friedrich Nietzsche (1844 – 1900): Sich selbst als “höherkastig” zu erklären, als vermeintliches Opfer einer jüdischen, christlichen, demokratischen “Sklavenmoral”

    Das hätte ich dann doch einmal gerne genauer erläutert, dieses „vermeintlich“. Diese Mutter, diese Schwester – Selbstverständlich ist dieser Mann als Kind Opfer geworden eines der übelsten Spielarten protestantischen Christentums, was denn sonst?

    Ob das irgendetwas entschuldigt, das ist dann noch eine ganz andere Diskussion. (Nebenbei, „höherkastig“ ist absolut selbsterläuternd, weiß man um das Bildungssystem dieser Zeit und dem schon in seiner Schule legendären Ruf Nietzsches.)

    • Nö, @Alubehüteter – zwar mag sich Nietzsche später gerne als Opfer geriert haben, aber von der Versorgung durch die christliche Mutter über das Schul-Stipendium bis hin zur Berufung als Professor nach Basel und der lebenslangen Treue des evangelischen Theologen Franz Overbeck hätte er auch jede Menge Grund zur Dankbarkeit gehabt. Ob seine Krankheit – die ihn seiner Schwester auslieferte – auf seinen Besuch bei Prostituierten zurückgeht, lasse ich mal dahingestellt.

      Klar fühle ich als Mensch mit ihm. Aber es stößt mir schon unangenehm auf, wie viele Intellektuelle den selbsternannten Verkünder der „Härte“ und purer Menschenverachtung nachträglich romantisieren. Das hat er – auch nach seinem Selbstanspruch – nicht verdient.

      • Im Nachbarthread hatte ich verlinkt, daß für die Katholische Kirche etwa Masturbation heute noch eine beichtpflichtige Sünde ist. Sogar ich kenne noch mehrere Altersgenossen, die das noch so eingeimpft bekommen haben. Alles, was irgendwie mit Sex zu tun hat, ist schmutzig, schuldbeladen, sündig. Sie können sich anscheinend nicht vorstellen, wie das Menschen kaputt machen kann. Ja. Nietzsche ist Opfer. Kein „vermeintlich“. Das, was Nietzsche kritisiert unter dem Ettikett „Sklavenmoral“, das gibt es wirklich. Und er hat es erlitten.

      • Klar fühle ich als Mensch mit ihm.

        Es geht ja nicht um Mitgefühl, davon hat der Herr Nietzsche jetzt auch nichts mehr. Bzw. es geht doch um Mitgefühl, aber bei uns: Empathie als notwendiger Bestandteil unseres Erkenntnis- und Verstehensprozesses. Gibt es dieses Christentum, das Nietzsche so fanatisch und exterminatorisch bekämpft, auch in der Wirklichkeit, macht Nietzsche da reale Erfahrungen, oder ist das nur ein imaginiertes Hirngespinst, in das er sich hineinsteigert, wie andere in den Mythos einer zionistischen Weltverschwörung?

        Was noch nicht bedeutet, daß es das Christentum ist, das Nietzsche da erfährt, das eigentliche, innere Wesen des Christentums, als das er es diagnostiziert, aber die Frage ist, ob es das Christentum in dieser Ausprägung, als Machtausübung der vermeintlich Ohnmächtigen, tatsächlich überhaupt gibt.

        Zur Sexualität der Nietzsches folgende Anekdote: Lou Andreas Salome hat der Elisabeth Förster-Nietzsche einmal anvertraut, was Friedrich mit ihr und Paul Ree projektierte: eine (aussereheliche selbstredend) Dreiecksbeziehung, eine ménage à trois. Rückfrage: auch sexuell?, Antwort: Auch sexuell. Die reine Vorstellung, ihr Bruder schläft mit einer Frau, die regelmäßig auch mit einem anderen Freund ins Bett geht, hat das Lama körperlich so angewidert, daß sie sich übergeben mußte. Die mußte auf Toilette, kotzen.

        So kaputt sind die.

        Wenn Nietzsche, wenn ich mich richtig erinnere, auf ärztliches Anraten hin zu Prostituierten ging, dann kann man das deuten als für ihn ein Befreiungsschlag, eine wichtige emanzipatorisch-therapeutische Handlung.

  14. Es ist schade, daß libertäre und liberale Ideen nur noch als chauvinistische und rassistische Fratze wahrgenommen werden.

    Ich war, wie Sie, auch Autor jener Zeitschrift. Allerdings nur in den Anfangsjahren.
    Danach habe ich mich, aus ziemlich ähnlichen Gründen wie den von Ihnen genannten, aus diesem Dunstkreis verabschiedet.

    Nicht von den Ideen, aber von deren Verunstaltung durch rechtskonsverative und reaktionäre Vorstellungen.

    Es ist erfrischend, daß endlich mal wieder jemand über “Guns, Germs and Steel” schreibt. Es ist in der Tat eines der besten Bücher gegen Rassismus und weißen Überlegenheitsdünkel.

    Und – ist es auch eines der besten Bücher über den Zusammenhang von Pan/Epidemien und dem Auf- und Abstieg von Kulturen. Insofern bietet es gerade jetzt auch eine großartige Lektüre.

    Ich hatte das große Glück Jared Diamond vor nunmehr anderthalb Jahren in Heidelberg bei einem Vortrag zu erleben. Es gibt nicht viele Menschen, die man als Gelehrte bezeichnen kann, aber bei Jared Diamond ist es angebracht.

    Er ist, im besten Sinne, ein Aufklärer. Letztendlich ist es egal, ob die Menschen gut oder schlecht sind: Aufklärung bleibt alleine schon deshalb des Mittel der Wahl, weil alles andere zu noch schlechteren Ergebnissen führt.

    • Vielen Dank für diesen interessanten und konstruktiven Kommentar, lieber @Michael Kastner! Hoffentlich lernen wir uns auch einmal im RL kennen – uns würde im Abgleich unserer Erfahrungen sicher nicht langweilig!

      Mit Dank und herzlichen Grüßen

      • Hallo Herr Blume,

        das würde mich auch sehr freuen. Die Möglichkeiten für einen nicht-virtuellen Austausch werden wohl Corona-bedingt noch eine Weile nur sehr begrenzt gegeben sein.

        Wenn Sie möchten, können Sie mir an die hinterlegte E-Mail-Adresse eine kurze Nachricht schicken. Dann schicke ich Ihnen meine brick-and-mortar-Kontaktdaten zu.

        Das wär’ dann ja schon einmal ein Anfang.

        Ebenfalls mit bestem Dank und ebenso herzlichen Grüßen

        Michael Kastner

    • @Michael Kastner
      Ich vermute, dass “libertäre und liberale Ideen nur noch als chauvinistische und rassistische Fratze wahrgenommen werden”, weil Freiheit mit der Verteidigung von Privilegien verwechselt wird.
      So war es übrigens auch im Heiligen römischen Reich deutscher Nation: die Reichsritter verteidigten ihre “Freiheit”, vor allem das Fehderecht, die Reichsstädte ihre “Libertät” und meinten ihre Privilegien.
      „Freiheit! ruft die Vernunft, Freiheit! die wilde Begierde.“
      ―Friedrich Schiller
      https://gutezitate.com/zitat/256543

      • In der Regel ist es recht offensichlich, wenn die Freiheit nur als Zweckargument oder als Rechtfertigung dienen soll.

        Die Magna Carta und die amerikanische Revolution sind, neben den “Reichsrittern”, weitere Beispiele.

        Wobei es interessant ist, daß alle diese Ereignisse letztendlich auch wiederum dazu geführt haben, daß der Freiheitsgedanke auch bei jenen an Attraktivität gewonnen hat, für die er ursprünglich gar nicht gedacht war.

        Die Freiheit im Sinne des Liberalismus ist ein Wert an sich. Freiheit ist im Liberalismus eben kein Mittel, um irgendeinen Zweck, irgendwelche Wertvorstellungen oder Privilegien, durchzusetzen.

        Ich weiß nicht mehr, wer das gesagt hat: “Freiheit ist die einzige Sache, die man nicht haben kann, ohne sie auch anderen zuzugestehen”.

        Das macht den Liberalismus letztendlich im politischen Geschehen auch so unattraktiv, weil er niemandem Vorteile versprechen kann.

        Immer wenn irgendeine liberale oder freiheitliche – ich verwende beide Wörter synonym für den gleichen Begriff – “Bewegung” oder Partei eine politische Bedeutung erlangt, kann man ziemlich sicher sein, daß sie entweder einen Bindestrich erhalten hat oder von einer anderen Bewegung übernommen wurde.

        In den seltensten Fällen möchte sich jemand für eine Idee einsetzen, die womöglich einer Vielzahl von anderen eine Verbesserung einbringt und einem selbst vielleicht eine Verschlechterung.

        Alles andere ist attraktiver als der Liberalismus bzw. die Freiheit.

  15. Sehr geehrter Herr Blume,

    Sie sprechen mir aus der Seele. Insbesondere die nachfolgende Passage entsprach zeitweilig auch meiner Wahrnehmung:
    “So wuchs ich als beflissenes, gegenüber der Bundesrepublik aufrichtig dankbares, weißes Arbeiterkind mit dem (nichtreligiösen) humanistischen Menschenbild des rationalistischen Liberalismus auf, dem ich bis heute nachtrauere: Der Mensch sei per se vernünftig und gut, Menschenhass wie Extremismus, Rassismus und Frauenfeindlichkeit finde sich “nur” an den historisch zum Scheitern verurteilen, rechten und linken Rändern und allenfalls als “noch nicht aufgeklärte” Vorurteile-Restposten in der Mitte.”

    Auch ich hatte Zweifel ob dieses Verständnis von den Menschen noch so richtig ist, und sich der Haß und die Ungerechtigkeit zunehmend marginalisieren. Heute bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass unser beider Weltsicht von früher mehr denn je richtig ist. Ich bin sicher, die Mißstände sind lange nicht so groß, wie sie befürchten. Für diese Überzeugung gibt es genug Belege (bspw. https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/projektehandout_umfrage_diskriminierung_in_dtschl_2015.html;jsessionid=0E58C2BCA9C96C5A372FEA26A8B33811.1_cid369?nn=6574030;).

    Die weit überwiegende Mehrheit der Menschen erlebt eben keine tägliche Benachteiligung auf Grund des Geschlechts, der Herkunft, des Glaubens oder Ähnlichem. Jeder einzelne Fall ist unstrittig zu verurteilen, aber die öffentliche Darstellung scheint der Quantität des Problems nicht wirklich gerecht zu werden. Warum aber passt unsere öffentliche Wahrnehmung nicht zur Realität?
    Ich meine, dass Rutger Bregmann in seinem Buch “Im Grunde gut” hierfür plausible Antworten liefert. Ich kann Ihnen dieses Buch, obwohl Sie es vermutlich schon gelesen haben, nur ans Herz legen.
    Auch belegt Hans Rosling in seinem Buch “Factfulness” eindrucksvoll, wie sehr die Welt in den letzten 20 Jahren für praktisch alle Menschen ein besserer Ort geworden ist. Wir müssen nur genau hinsehen, und die oft interessengeleitete Meinungsmache verschiedener Gruppen kritisch hinterfragen.

    Womit wir zur Politik kommen. Ich teile Ihre Ansicht, dass die Darstellung des politischen Spektrums in der Hufeisentheorie nicht richtig ist. Das politische Spektrum schließt sich aber aus meiner Sicht am demokratischen wie am extremen Ende nahtlos und geht fließend als Kreis ineinander über. Egal ob radikale Muslime Lehrer köpfen oder feiernde “Ungläubige” abschlachten, Rechtsradikale Menschen auf Grund Ihrer Herkunft ermorden, Linksradikale Brandanschläge und Attentate unter Inkaufnahme von Toten und Verletzten begehen oder mit Stahlkugeln auf Einsatzkräfte schießen, sie alle eint die Überzeugung auf der moralisch richtigen Seite zu stehen und darüber hinaus ein menschenverachtendes Weltbild.
    Alle diese radikalen Gruppierungen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) entmenschlichen Ihre “Gegner” und streben die Vernichtung eben dieser “Gegner” an. Dieses einende Weltbild gehört aus meiner Sicht gesellschaftlich geächtet und mit allen rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft. Das Urteil über eine Meinung sollte nicht davon abhängig sein, wer etwas sagt, sondern was gesagt wird.

    Leider ist diese Haltung in der Politik und der Zivilgesellschaft nicht mehr selbstverständlich. Aber ich bin trotzdem positiv gestimmt, und hoffe das die Tolerierung der Gewalt und des Hasses durch das jeweils eigene Lager irgendwann auch wieder konsequenter geächtet wird und wir zu einem kultivierteren Meinungsaustausch zurückkehren können.

    “…Abwerten von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, ihrer Religion oder ihres Geschlechtes ist in meinen Augen geradezu das Gegenteil von liberal und freiheitlich.”
    Sie haben ja so Recht.

    Ich habe in der Vergangenheit mit der Überzeugung gelebt, dass dies universell für alle Menschen gilt und diese These auch so von der politischen Linken vertreten wird. Seitdem aber die elende Identitätspolitik aus den USA nach Europa geschwappt ist, ist die politische Linke aus meiner Sicht auf einem Irrweg und hat mich als Mitstreiter verloren. Es geht nicht mehr darum die Gemeinsamkeiten der Menschen zu betonen und Gräben zuzuschütten (ich denke dabei an die berühmten Worte von Dr. Martin Luther King), sondern Hass und Abgrenzung zu forcieren in dem Menschen pauschal auf Grund ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts o.ä. entweder moralisch überhöht als bedauernswerte und über jeden Zweifel erhabene Opfer, oder alternativ als diabolische Täter mit dem Kainsmal der ethnischen, sexuellen und kulturellen Erbsünde zu etikettiert werden. Auch das sollte als das bezeichnet werden was es ist. Rassismus.

    Da dürfen fachlich qualifizierte Menschen ein Gedichtband nicht übersetzen (Stichwort: Amanda Gormann), weil sie nicht die richtige Hautfarbe haben… mal ehrlich. Wer glaubt denn mit dieser Haltung zu einem besseren Miteinander beizutragen? Ich werde das Buch einer Rassistin sicher nicht lesen. Und wer in der Geschichte leidlich bewandert ist, sollte wissen, dass die Europäer sehr wohl auch als Opfer Erfahrungen mit der Sklaverei gemacht haben. Leider scheint sich die Allgemeinbildung diametral zur “richtigen” Haltung zu entwicklen.

    Was die Befindlichkeiten von Frau Kuhne betrifft, so ist Gewalt oder deren Androhung zu verurteilen und wenn möglich strafrechtlich zu verfolgen. Und ich mag mir nicht ausmalen wie es ist, wenn die eigenen Kinder bedroht werden. Insofern hat Frau Kuhnke mein Mitgefühl.
    Aber wer sich in die kommunikative Kloake begibt (=Twitter) fördert vielleicht die eigene mediale Aufmerksamkeit und zeitweise das eigene Ego, sollte aber nicht erwarten sauber nach Hause zu kommen. Politische Arbeit wird nicht bei Twitter geleistet.

    Ich habe Twitter als nutzloses und konsensfeindliches Instrument wieder gelöscht, und lebe seitdem in der realen Welt deutlich besser, und dass ohne auf politische und gesellschaftliche Teilhabe verzichten zu müssen.

    Mit freundlichem Gruß
    Martin H.

    • Howdy,

      andere sind mit kollektivistischer Gefahr aufgewachsen, die auch in der BRD in Form der RAF und reichhaltiger Unterstützerszene vorrätig war, auch mit anderem Extremismus, PLO und so, auch München 1972 meinend, und sind insofern mit der Allgemeinentwicklung nicht unzufrieden, auch mit einem Franco-Regime oder dem Obristen-Regime in G und mit der idT “real existierenden” Gefahr auch aus dem Osten, den Marxismus-Leninismus meinend, was heutzutage jeweils fast vergessen scheint.

      Es könnte Sinn machen Kollektivismus, denn dies ist das Antonym zum Liberalismus, generell beachten bleibend zu bearbeiten.
      Zur “Antifa” soll nichts mehr geschrieben werden, versprochen!

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

      • Wegen der kollektivistischen Logik, die einen Menschen nach der Zugehörigkeit zu einem Kollektiv (Weiß, Schwarz, Mann, Frau) lehne ich die Identitätspolitik, die auch die Frau Kuhnke vertritt ab.

        Gruß
        Rudi Knoth

        • Das sei Ihnen unbenommen, @Rudi Knoth. Es ist völlig okay, sogar notwendig, unterschiedliche Meinungen zu haben. Genau auch deswegen sind Doxxing- und Droh-Videos ohne Wenn und Aber zu verurteilen und juristisch zu verfolgen.

          • Dennoch @ Michael Blume: ich möchte die Aussage eines dreizehnjährigen Schülers im Fernunterricht nicht unterschlagen:
            “Endlich habe habe ich eine Morddrohung bekommen.”, und war ganz stolz darauf. Er hatte einen sehr bekannten Politiker in einem Video sehr kritisch bewertet, das er ins Netz eingestellt hatte.
            Auch eine Art, mit solchen Dingen umzugehen. Darüber kann man diskutieren.

        • Kollektivismus funktioniert ja anders als der Liberalismus so, dass nicht individuen-zentriert politisch vorgegangen wird, sondern eben in Kollektiven denkend, wobei dann auch in der Regel Kollektive, Kollektive denen sich nicht zugerechnet wird, verdammt werden, so dass man diese weghaben möchte, dann auch Individuen, die so eingeordnet worden sind, eben kollektivistischerweise.

          Nun redet man heutzutage nicht mehr gerne von Kollektiven, sondern von Identitäten, die womöglich schlecht sein sollen, wenn bspw. Deutsche identitär werden, die womöglich gut sein sollen, wenn dies andere tun, der Begriff ‘Identitätspolitik’ (vs. ‘Identitarismus’) wird dann “auf einmal” positiv konnotiert und so bearbeitet.

          Ich habe nichts gegen Identitarismus, auch nicht, wenn er von Deutschen oder von Juden oder von Arabern oder Türken stammt, es soll nur im identitären Sinne so nie gegen andere gehen.
          Meine Einschätzung!

          Mit freundlichen Grüßen
          Dr. Webbaer

          • Lieber @Webbaer,

            nur haben Sie gerade auch selbst wieder – hoffentlich unbeabsichtigt – Juden als Nicht-Deutsche sprachlich ausgebürgert. Warum? Jüdinnen und Juden konnen ganz ebenso wie Christ:innen, Muslim:innen, Humanist:innen – und übrigens auch Sorben, Friesinnen, Dänen, Roma und Sinti etc. – selbstverständlich auch Deutsche sein. Menschliche Identitäten waren und sind mehrdimensional.

            Die dualistische Gegenüberstellung von Individualismus und Kollektivismus halte ich für grundfalsch. Auch der Individualismus setzt eine soziale Ordnung voraus und nicht nur der steuerfinanzierte Staat an sich, sondern zum Beispiel auch Verkehrsregeln, Lärm- und Rauchschutz sowie Waffengesetze sind Beispiele für “kollektive” Regelungen, die individuelle Freiheiten verteidigen. Ein schrankenloser Individualismus ergibt keine Ordnung der Freiheit, sondern das Recht der Waffenbesitzer plus Sozialdarwinismus.

            Ihnen alles Gute!

          • Juden haben ihre Identität über bis zu 100 Generationen in der Diaspora aufrecht erhalten können, wenn es diesbezüglich Zeifel gibt, bittet Dr. Webbaer diese an dieser Stelle anzumelden.
            Auch : Identitarismus meinend.
            Dr. Webbaer mag Juden, hatte viel mit ihnen zu tun, sein idR vertrauenserweckender Erst-Gag bestand fast immer darin, dass er sich als besser, haha, bezeichnete, was immer dies auch bedeuten mag.

            Dr. Webbaer will Ihnen, lieber Herr Dr. Michael Blume, natürlich nicht (allzu sehr) zur Last fallen.
            (Wäre vor einigen Jahren auch noch fast Großvater von Juden geworden, ohne Eigeninitiative selbstverständlich, sondern das jüdische Abstammungsprizip meinend.)

            Fragen Sie mal einen Juden, wer er “völkisch” ist, die Antwort ist nicht immer klar.

            Mit freundlichen Grüßen
            Dr. Webbaer (der selbstverständlich nichts dagegen hat, wenn Sie diesen Kommentar i.p. Veröffentlichung aussparen, Sie haben’s wohl schwer, weiterhin wünscht Ihnen Dr. Webbaer viel Erfolg in Ihrem Amt)

          • Klar, @Webbaer, gibt es auch Jüdinnen und Juden, die sich selbst “völkisch” definieren. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass (nur) diese für das Judentum insgesamt sprechen würden, oder dass wir deswegen das Judentum als “nichtdeutsch” ausgrenzen dürften. Ganz davon abgesehen, dass das Judentum überwiegend als Religionsgemeinschaft verstanden wird, zu dem Menschen auch beitreten: Dass z.B. Dänemark ein eigener Staat ist und es auch dänische Nationalist:innen gibt, bedeutet ja auch nicht, dass deutsche Däninnen und Dänen keine Deutschen wären – im Gegenteil.

            Auch hier auf dem Blog hatte ich lange Debatten mit antisemitischen und rassistischen Positionen, die etwa Jüdinnen und Juden afrikanischer Herkunft die volle Zugehörigkeit zum Judentum absprachen. Ethnonationalismus stellt keine Überwindung des Antisemitismus dar, sondern eine Variante desselben.

          • Diese Einordnung als “völkisch”, die meint, dass Personen ihrer Ethnie und derartiger Kultur folgen, das so gemeinte Volk nicht in der Staatsangehörigkeit widergespiegelt sehen. gibt es überall, noch vor nicht vielen Jahren haben bspw. Willy Brandt oder Helmut Schmidt oder Helmut Kohl einen derart “völkischen” Staatszugehörigkeitsbegriff gepflegt, wie promoviert.

            Juden sind insofern aus diesseitiger Sicht Juden, was denn sonst, fragen Sie Josef Schuster und andere.
            Es ist halt so, dass in der BRD derart gelebt wird, jüdisch.

            Einen A-Tritt würde Dr. Webbaer den so Gemeinten nicht verpassen wollen, abär doch die Anregung sich i.p. Gastgeberschaft und Aufnahme zumindest gelegentlich günstiger zu gestalten, auch i.p. Output.

            Mit freundlichen Grüßen
            Dr. Webbaer (der sich zumindest gelegentlich beömmelt, zum Wiehern reicht es noch nicht, wie arrivierende “spezielle” Kundschaft so aufgenommen und gegen die sog. Mehrheitsgesellschaft verteidigt wird, obwohl generell, dezent formuliert, nicht unantisemitisch; womöglich weiß Josef Schuster mehr)

          • Nein, lieber @Webbaer – ich kenne auch Josef Schuster gut und kann Ihnen versichern, dass er Juden keineswegs als “Gäste” und Gegensatz zu Deutschen definiert. Das Judentum hatte und hat immer auch eine ethnische Komponente, aber eben gerade nicht im “völkischen” oder gar “rassistischen” Sinne. Schon das biblische Buch Rut weist eine Vorfahrin Davids (und für Christ:innen: Jesus) ausdrücklich als Konvertitin aus.
            https://de.wikipedia.org/wiki/Buch_Rut

            Der Versuch, über eine Umdefinition des Judentums einen Ethnonationalismus wieder zu rehabilitieren, wird bei mir – und uns – immer auf Widerstand stoßen.

          • Dann gerne Herrn Dr. Josef Schuster ausrichten, dass Dr. Webbaer es für identitaristisch in großen Umfang hält, wie Juden (unbestimmter Artikel, eine Pauschalaussage liegt nicht vor) in der Diaspora, in der Verstreuung, ihre Kultur und Identität gewahrt haben, über bis zu 100 Generationen.
            Und insofern auch ein wenig mitgefühliger werden könnte, wenn andere sich ähnlich auf ihre Geschichte, Herkunft und Kultur berufen.
            Auch Eigeninteresse wahrend, wenn Identität nicht negativ gesehen wird.

            Mit freundlichen Grüßen
            Dr. Webbaer

          • Ach, geschätzter @Webbaer,

            ob es wohl irgendwann gelingt, dass Sie jüdische Deutsche ebensowenig als “Andere” betrachten wie evangelische, katholische, humanistische Deutsche? Wer würde diesen die Zugehörigkeit bestreiten, wer den deutschen Dänen, Friesen, Sorben, Roma und Sinti, wer auch den Deutschen ausländischer Herkunft?

            Von meinem Amt her haben wir einen Film “Jung und Jüdisch” zu Baden-Württemberg finanziert, der nächste Woche der Öffentlichkeit vorgestellt werden wird. Hier finden Sie den Trailer:
            https://stm.baden-wuerttemberg.de/de/themen/beauftragter-gegen-antisemitismus/1700-jahre-juedisches-leben-in-deutschland/

            Vielleicht erreicht es ja Ihr Herz. 🙂

            Freundliche Grüße, alles Gute!

  16. @Michael Blume
    zu Nietzsches fehlender Dankbarkeit sagt das Sprichwort: “Je mehr er hat, je mehr er will – nie schweigen seine Klagen still.”

  17. Zum Kommentar von “j” weit,weit oben:

    “…….Marx Lehre scheitert am Grenznutzen, den Sättigungsgrenzen.
    Sie waren im Sachsen des 16. Jahrhunderts schon in rudimentärer Weise (es fehlte noch die Mathematik dazu) bekannt, Luther beispielsweise verwendet sie in seiner Wirtschaftsethik. Marx muss diese Stelle wegerklären.
    Seine Mehrwerttheorie war eigentlich immer falsch und der Grenznutzen widerlegt seine Theorie komplett…….” (Zitatende)

    Nun scheint sich aber die (dominierende) auf Marx folgende bzw mit ihm konkurrierende Volks-(!) “Wirtschaftswissenschaft” (in Form des sog. Neoliberalismus usw.) auch nicht gerade auf gesichertem wissenschaftlichem Boden zu befinden.
    Siehe dazu zum Beispiel einen aktuellen Artikel von Walter Flassbeck bei den “Nachdenkseiten”:

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=71805

    • @little louis
      Vielen Dank für Ihren Einwand. Natürlich darf man von den Wirtschaftswissenschaften nie letzte Wahrheiten erwarten. Das werfe ich übrigens Hayek und den “Neoliberalen ” tendenziell vor: sie meinen, sie würden ewige Wahrheiten verkünden. An Marx übe ich genau diese Kritik: er meinte, er würde ewige Wahrheiten vertreten (viele andere auch, und diese Kritik gilt für jede Wissenschaft. Alle Aussagen müssen falsizifizierbar sein, sonst ist es keine Wissenschaft.)
      Zu dem von Ihnen angegebenen Artikel von Flassbeck, ganz kurz: für mich läuft das auf die Physiokraten des Barocks hinaus, im allerschlimmsten Fall (den ich Flassbeck nicht unterstelle, der aber möglich ist) auf den Slogan “Sozial geht nur national”.
      Also ganz kurz: nur durch Irrtum und Korrektur kommt es zu wissenschaftlicher Erkenntnis.
      Hätte ich Zeit (was ich nicht habe) würde ich mich einmal daran machen, die volkswirtschaftlichen Schriften von Wilhelm Roscher in ein modernes Deutsch zu übertragen. Marx und Keynes haben aus sehr egoistischen Gründen auf diesen Wissenschaftler eingeprügelt.

  18. Zum Folgenden:

    “…..So wuchs ich als beflissenes, gegenüber der Bundesrepublik aufrichtig dankbares, weißes Arbeiterkind mit dem (nichtreligiösen) humanistischen Menschenbild des rationalistischen Liberalismus auf, dem ich bis heute nachtrauere: ” (Zitatende)

    Wie kann jemand, der sich hier in diesem Blog und auch sonst(öffentlich) “religiös” gibt, gleichzeitig einem NICHTreligiösen Menschenbild nachtrauern?
    (Entweder Widerspruch – oder die Semantik ist beim Autor dieser Zeilen eine andere als bei mir. Das – oder beides – wäre schon lustig.)

    • Ganz einfach, @louis: Wäre der Mensch tatsächlich „rational“, würden Verschwörungsmythen etwa des Antisemitismus oder der sog. Querdenker einfach durch Aufklärung wegschmelzen. Ein realistischeres Menschenbild – wie das christliche, aber auch z.B. das jüdische und ein humanistisch aufgeklärtes – muss sich dem Umstand stellen, dass es immer auch Menschen geben wird, die gar nicht wissenschaftlich wissen „wollen“, die sich emotional gegen Wahrheit entscheiden. Sie wissen ja genau, wovon hier die Rede ist – und sollten nicht wieder durch Trolling einen Rausschmiss riskieren. ☺️📚🖖

  19. Es mag ja an mir liegen, aber den “Trolling”- Vorwurf und die Andeutungen sollten Sie mir etwas besser erklären – ich kapier das einfach nicht. Obwohl ich mal Dorfschullehrer war. Oder gerade deswegen.

    MfG
    L.L.

    • Sie haben es gerade wieder getan, @little louis: Durch möglichst destruktive Sticheleien und weinerlichen Verschwörungsglauben („alle gegen mich, bin soooo klein“) um Aufmerksamkeit betteln.

      Hier auch ein eigener Blogpost zum Trolling, mit Song: ☺️
      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/trollkunde-sockenpuppen-cranks-und-hater/

      Und das wirklich Tragische an der Sache ist ja, dass ich Ihnen viel mehr Konstruktives zutrauen würde als Sie sich selbst. 💁‍♂️☺️📚💟

      • Da scheint mir ein Mißverständnis vorzuliegen? Sie trauern einem Menschenbild nach, das den Menschen als im Grunde gut ansah; nebenher war dieses Menschenbild nichtreligiös. LL setzt den Schwerpunkt auf „nichtreligiös“. Da fragt er, ob Sie nicht froh sein müßten, nun Halt in Christus zu finden, und auf die alte, nichtreligiöse Irrnis eher mitleidig, jedenfalls nicht trauernd zurück zu blicken.

        • Klar, @Alubehüteter – @little louis kann mit Ambiguitäten schwer umgehen, erwartet klare Über- und Unterordnungen. 💁‍♂️ Die Realität ist aber natürlich viel komplexer und die Grundlagen der religiösen und weltanschaulichen Menschenbildern sind selbst den meisten Anhänger:innen nicht mehr bekannt, verbinden und vermischen sich im Alltag, in Filmen, Musik, Büchern, Erzählungen. Für mich fühlte sich der Übergang ins Christentum daher auch nicht wie ein Abbruch an, sondern wie ein Zugewinn: An meinen wissenschaftlichen Überzeugungen etwa zur Evolutionstheorie änderte sich gar nichts, anderes wurde klarer (z.B. Menschenwürde) und wieder anderes (wie z.B. das Menschenbild) veränderte sich langsam, auch getrieben durch die Wissenschaft. Und klar gehen die Prozesse ein Leben lang weiter, weder Religionen noch Weltanschauungen liegen wie Steine in der Tasche. ☺️

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