Pflege in der Evolution des Menschen

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Auch wer heute Evolutionsforschung betreibt spürt noch die dunklen Schatten des Sozialdarwinismus, mit dessen Ausprägungen so viel Leid über Menschen gebracht wurde und mit dem auch heute noch Menschen wie Thilo Sarrazin (SPD) Ressentiments schüren. So wurde – und wird! – beispielsweise Minderheiten, Behinderten, Alten oder unheilbar Kranken suggeriert, sie stellten eine nutzlose Belastung der Gesellschaft dar. Und dieser üble Vorwurf zielt nicht nur auf die Betroffenen, sondern auch auf die vielen Menschen, die sich – oft auch aus religiösen Gründen – für Mitmenschlichkeit und Pflege engagieren. Auch in der DDR wurden entsprechende Einrichtungen gerne den Kirchen überlassen…


NS-Propagandabild zur Rechtfertigung von Eugenik & Euthanasie.
Aus: “Biologie für Oberschule und Gymnasium”, 1940
Foto: J. Graf, Deutsches Ärzteblatt

Kein Mensch ohne Pflege

Mein Einspruch dagegen hat auch, aber nicht nur mit der Bejahung der Menschenwürde zu tun. Auch evolutionswissenschaftlich halte ich den Sozialdarwinismus für schlichtweg falsch. Der Mensch wurde, wie schon Darwin zu Recht erkannte, gerade in seiner Evolution zum “sozialen Tier” und konnte sich nur so – in vertrauensvoller Gemeinschaft – zu einem (einigermaßen) intelligenten Lebewesen mit langer Kindheit und also gegenseitiger Abhängigkeit entwickeln. Ohne mitmenschliche Diakonie (wörtlich: Dienst), ohne Caritas (wörtlich: Nächstenliebe) hätte sich auch kein Homo sapiens sapiens entwickeln können. Und: Gerade auch Pflegebedürftige konnten das Beste aus Menschen zutage fördern und so, allein durch ihr Dasein, menschliche Gemeinschaft befördern.

Und so freute ich mich ungemein, dass binnen weniger Woche nach einer Anfrage von Lehrenden und einer weiteren von Heilenden (Ärztinnen & Ärzten) auch eine Anfrage von Pflegenden zu meinen Arbeiten einging. Gerne steuerte ich (u.a.) zum Band “Geistesgegenwärtig pflegen” des Diakonischen Werkes der EKD ein Kapitel bei, das mitmenschliche Fürsorge und Pflege (auch) aus religiöser Motivation evolutionär beleuchtet. Wenn Sie wollen, hier zum pdf-Download:

Blume, M. (2012): Pflege und Religiosität in der Naturgeschichte des Menschen. In: Stockmeier, J., Giebel, A., Lubatsch, H. (2012): Geistesgegenwärtig pflegen. Band 1: Grundlegungen und Werkstattberichte. Neukirchener Theologie 2012, S. 283 –  293

* Diesen Blogpost widme ich den Pflegenden unseres Landes, deren Engagement derzeit m.E. weder gesellschaftlich noch finanziell ausreichend gewürdigt wird. Ich fürchte, die Auswirkungen unserer gesellschaftlichen Kälte werden wir in unserer im Wohlstand alternden und schrumpfenden Bevölkerung noch deutlicher zu spüren bekommen…

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

24 Kommentare

  1. Optimismus ist Pflicht!

    Och komm: so gesellschaftlich kalt ist es doch gar nicht. Und es wird wärmer, je schlimmer es wird. Schau zu den Verhaltensökonomen – der Mensch ist viel besser als er denkt.

  2. Also wenn ich mir neuere Studien zum Thema Social Interact und Brain so ansehe, kann man dem eh schon zustimmen.

    Bsp:
    Groups are the driving force of human evolution, Edward Wilson says
    http://phys.org/…an-evolution-edward-wilson.html

    Teamwork made Man brainier, say scientists
    http://phys.org/…amwork-brainier-scientists.html

    Babies’ brains benefit from music lessons, researchers find
    http://medicalxpress.com/…fit-music-lessons.html

    Sozialdarwinisten haben weder Darwin, noch die Gesellschaft/Menschen verstanden..
    Menschen sind schon vom Gehirn her, auf Soziale Interktion getrimmt. Wir fühlen uns gut, wenn wir zu einer gruppe gehören, und schlecht, wenn wir uns ausgegrenzt fühlen.

    Hatte dazu schon einen Text in Google+ geschrieben..
    Stress, Psychologie und austerity – Oder warum die Politik schon am Menschen scheitert..
    https://plus.google.com/111202788977914161570/posts/jTua9DoGCPE

    Alles in allem, danke für deinen Beitrag, gegen den Sozialdarwinismus, der vorallem mittlerweile bei Ökonomen sehr verbreitet scheint..

  3. Wozu ist hier Religion notwendig?

    Nun, vertrauensvolle Gemeinschaften zu einem (einigermaßen) intelligenten Lebewesen mit langer Kindheit und also gegenseitiger Abhängigkeit kennen auch eine ganze Menge Tierarten, Primaten ohnehin. Dienst am, sowie Zuneigung zum Nächsten ist ihnen nicht fremd und ich denke nicht, dass wir ihnen einen religiösen Antrieb unterstellen können. Homo sapiens sapiens hat sich über zehntausende von Jahren entwickelt. Hochorganisierte Religionen spielen verglichen damit erst seit recht kurzer Zeit mit und dies auch bei diesem Thema nicht uneingeschränkt rühmlich. Hermann Muckermann ist da nur ein Beispiel.

  4. Anbieter von Pflegeleistungen

    Pflegeleistungen werden nicht nur von kirchlichen Trägern angeboten. Es gibt auch freigemeinnützige Träger, wie beispielsweise die Arbeiterwohlfahrt (AWO), den Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV) oder das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Ferner gibt es noch öffentliche Träger, die Pflegeangebote im Auftrag einer Gemeinde oder einer Stadt anbieten und Privat-gewerbliche Träger. Letztere werden immer mehr, denn mit Pflege lässt sich viel Geld verdienen. Momentan sind von den ca. 11 000 Pflegeheimen etwa 4500 in der Hand privater Betreiber.

  5. Das christlich geprägte Mittelalter war an sozialer Kälte kaum zu überbieten. Gerade lese ich über die abgefahrene “sozialdarwinistische” Kälte des japanischen Shintoismus.
    Religionen haben von je her das “teuflische” In-Group/Out-Group – Denken befeuert und “sozialen” Zusammenhalt erzwungen und das meist in Feindschaft zur Out-Group.

    Aktuell, während der Hochphase der Globalisierung, sind die “Hohepriester” der sozialen Kälte hauptsächlich unter anglo-amerikanischen Religiösen zu finden.
    Empathie und Mitgefühl sind durch die extrem steilen Hierarchien der meisten Religionen eher bekämpft als gepflegt worden …
    Wenn man, wie ich, häufiger im (sehr atheistischen) Osten unseres Landes unterwegs ist, wird man feststellen, dass die Menschen dort während der DDR-Zeit den sozialen Zusammenhalt am meisten geschätzt haben (nicht den von oben verordneten).
    Empathie und Mitgefühl wird sich sicherlich nicht durch den Glauben an überempirische Akteure gebildet haben.
    Aktuell ist deutlich zu sehen: Je weniger religiös geprägt Gesellschaften sind, desto sozialere Staatssysteme bilden sie aus.

  6. Dieser Artikel

    … wäre auch gut ohne Hinweise auf die NS-Ideologie, auf den real existierenden Sozialismus und auf den angeblichen Sozialdarwinismus eines Thilo Sarrazin ausgekommen.

    In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas.

    MFG
    Dr. Webbaer

  7. Und der Sozialdarwinismus erst, vorzuschlagen dass Religion einen Vorteil bringt weil Reliogioese fleissiger Kinder bekommen, und dass ‘Religionsbasher’ doch mehr Kinder zeugen sollten…

  8. @Arvid & @mathias

    Freut mich, dass dieser Blogpost schon am ersten Tag zu so vielen Reflektionen einlädt! 🙂

    @Arvid
    Im Grundsatz bin ich ja optimistisch – die Menschheit hat immer wieder Wege gefunden und gerade in den letzten Jahrzehnten ist doch vieles besser geworden. Aber ich komme eben auch nicht umhin zu beobachten, dass wir derzeit Umwelt & Rohstoffe ausbeuten, sich Familien und Gemeinschaften auflösen und wir noch dazu einen Berg Schulden hinterlassen – aber Menschen in sozialen Berufen (Pflegende, Erziehende etc.) gesellschaftlich und finanziell eher hintanstellen. Für nachhaltig halte ich das sicher nicht.

    @mathias
    Vielen Dank für die Ermutigung und die spannenden Links! Habe den Google+-Text gleich gelesen. Ja, ich plane eine ganze Reihe zur Auseinandersetzung mit dem Sozialdarwinismus. Wenn Du magst, lade ich Dich auch gerne einmal zu einem Gastbeitrag zum Thema ein.

  9. @boris blix

    Darauf kann ich gerne direkt antworten: Religiosität ist sehr viel jünger als unsere sozialen und moralischen Veranlagungen und also keinesfalls “notwendig” für diese – da bin ich ganz bei Ihnen! Sie baut vielmehr auf diesen älteren und auch bei Tieren beobachtbaren Veranlagungen auf und kann auf dieser Basis zusätzliche kooperative Potentiale erschließen und damit Gemeinschaftlichkeit verstärken. Ein kostenloser Einführungsartikel dazu findet sich hier:
    http://www.gehirn-und-geist.de/…eligiosus/982255

  10. @Mona & @Detlef Piepke

    Spannend sind ja doch vor allem zwei Beobachtungen:

    1. Auch viele nichtreligiöse Sozialverbände haben (auch) religiöse Wurzeln wie das Deutsche Rote “Kreuz” oder der Arbeiter “Samariter” Bund.

    2. Säkulare Wohlfahrtsverbände entfalten sich dauerhaft fast nur dort, wo sie staatlich (über Steuern oder Umlagen) finanziert werden. Hier kann ich @Monas Beobachtung nur zustimmen: Sie treten dann als Wettbewerber um die öffentlichen Gelder in Erscheinung, wogegen viele religiöse Stiftungen ohne, manchmal gar gegen staatliche Stellen aktiv werden. Der Erfolg z.B. auch islamistischer Parteien geht ja nicht selten gerade auf die Effizienz ihrer Sozialwerke zurück!

    @Detlef Piepke: Klar waren die Zustände im Mittelalter schlechter – und polytheistische Systeme in der Organisation von Sozialwerken oft weniger effizient als monotheistische. Aber könnten Sie ggf. größere, nicht-religiöse Sozialwerke des Mittelalters benennen?

    Sie haben m.E. völlig Recht: In vielen Gesellschaften traten staatliche Sozialsysteme in Konkurrenz zu den religiösen – genau davor fürchten sich auch die US-amerikanischen Evangelikalen, vgl. die Debatte hier:
    http://righteousmind.com/…out-moral-development/

    Persönlich bin ich der Auffassung, dass Gesellschaften auf eine Mischung staatlicher und zivilgesellschaftlicher (und damit oft: religiöser) Sozialwerke bauen sollten.

  11. @Webbär & @Joerg

    Lieber Webbär, gerade erst hatte ich doch auch einen Blogpost zum Thema Salafismus eingestellt – und soll nun aber den historisch wie weiter existierenden Sozialdarwinismus in Deutschland nicht auch erwähnen? Sorry, auch wenn es vielleicht weh tut – aber zum Rassismus von Thilo Sarrazin folgt hier bald sogar eine Buchrezension…

    @Joerg
    Wie meinen? Zu den Grenzen des reproduktiven Fitnessbegriffs bei der Evolutionsforschung des Menschen gab es hier jüngst zwei Artikel, so diesen
    https://scilogs.spektrum.de/…age-an-darwins-geburtstag

    und ganz ausdrücklich im Hinblick auf mögliche Potentiale der Skepsis (“des Unglaubens”) auch diesen
    https://scilogs.spektrum.de/…nglaubens-wer-forscht-mit

    Das ist in der Tat mehr Selbstreflektion und empirische Öffnung, als sie in den meisten Religionsbasher-Kreisen geübt wird. David Sloan Wilson (selbst ein Atheist) hat zum Thema jüngst einen Artikel geschrieben, der in den nächsten Tagen auf ETVOL online gehen sollte. Ich verlinke das dann gerne.

  12. Entwicklungen

    Bevor sich Staat und Kirche bei pflegebedürftigen Kindern und dann auch Erwachsenen den Problemen zum Teil annahmen, war doch die „Großfamilie“, die ja oft in 3 Generationen im Haus lebten, für diese Aufgaben verantwortlich. In allen Völkern gab und gibt es aus verschiedenen Gründen Menschen, die nicht allein mit ihrem Leben zurecht kommen können und mehr oder weniger Unterstützung brauchen.
    Siamesische Zwillinge sind weltweit bekannt und in den Medien werden einige Besonderheit immer mal wieder gebracht. Autisten sind oft hoch spezialisiert – aber sie können die Alltagsprobleme allein nicht meistern.
    Mit der weiteren Spezialisierung des Menschen und der Ehe als Keimzelle (nicht mehr die Großfamilie) wurde eine gewisse Zentralisierung der Betreuung bedürftiger Personen notwendig. Dabei ist es im Interesse der zu leistenden Betreuungsarbeit zunächst egal wer sie macht. Aber Kirche und Gesellschaft haben hier teilweise ihre Wege gefunden. Dabei soll ermöglicht werden, dass die Eltern in die Lage versetzt werden, ihre spezielle Arbeit für die Gesellschaft zu leisten.
    In Werkstätten für Menschen mit Behinderungen können sich diese Personen einer Arbeit widmen, die ihnen auch Freude macht.

  13. @Blume: leider keine Beispiele …

    Für den mittelalterlichen Mitteleuropäer war es praktisch unmöglich, Welt ohne Gott überhaupt zu denken. In sofern erübrigt sich die Frage nach nicht-religiösen Sozialwerken. Die hätten sich auch deshalb nicht gründen können, weil die christliche Obrigkeit das niemals zugelassen hätte.

    im antiken Griechenland gab es sehr schöne agnostische Philosophien, die das Zeug für eine soziale, staatstragende Grundlage gehabt hätten. Die konnten sich leider nicht durchsetzen, da Leute wie Kaiser Konstantin und Karl der “Große” das Kreuz mit dem Schwert brachten … und natürlich mit äußerster Brutalität.
    Die ehemals flachen Hierarchien der mitteleuropäischen Völker wurden in extrem steile umgewandelt und die soziale Kälte nahm zu.
    Ach ja, und Calvin darf man da nicht vergessen, der das Wunder vollbrachte, den harten Kapitalismus auf eine christliche Grundlage zu stellen. Die Verheerungen, die das mit sich brachte, sind heute noch weltweit zu bewundern. Besonders eindrucksvoll “natürlich” bei den US-Republikanern.

  14. @ Michael Blume

    Ja, Religion baut auf nicht-religiösen Veranlagungen auf. Wo sehen sie jedoch zusätzliche kooperative Potentiale, die sie dabei erschließen soll? Weshalb sollte sie Gemeinschaftlichkeit verstärken. Auch nach dem Lesen ihres Artikels muss ich dabei bleiben, dass Religion in den untersuchten Fällen nichts zusätzliches bringt. Ein wie auch immer gearteter Mehrwert ist nicht ableitbar. Zudem, neben vereinzelt bestatteten Urmenschen, finden sich zahllose die nicht bestattet wurden. Was ist denn mit denen? Religion als bestimmte Form der Kultur ok, aber evolutionär bedingt? Da erlaube ich mir Zweifel anzumelden.

  15. @blume “Säkulare Wohlfahrtsverbände”

    “Säkulare Wohlfahrtsverbände entfalten sich dauerhaft fast nur dort, wo sie staatlich (über Steuern oder Umlagen) finanziert werden. “

    Zumindest in Deutschland ist das für religiöse Wohlfahrstsverbände nicht anders, bei den vielen 100 Millionen, die die religiösen Organisationen neben der Kirchensteuer erhalten.

  16. Sozialversicherung @Detlef Piepke

    Das Mittelalter ist durchaus noch von der Fürsorge der Kirche geprägt. Aber durch wirtschaftliche Schwierigkeiten und die beginnende Reformation ging diese in der Mitte des 15. Jahrhunderts merklich zurück. Nachdem im 30-jährigen Krieg viele Fürsorgeeinrichtungen der Kirchen und Städte zerstört wurden, traten an ihre Stelle Selbsthilfeeinrichtungen der Handwerksgilden und des Bergbaus, die auch für ihre alten und kranken Mitglieder sorgten. Daraus entwickelte sich später die Sozialversicherung.
    Siehe hier: http://sozialversicherung-kompetent.de/…icherung

  17. @all

    Nochmal danke für die vielen Rückmeldungen, auf die ich gerne noch einmal eingehe.

    @Klaus Deistung

    Ja – und Religionen haben wiederum das Potential, besagte Familienverbände zu schaffen. In nichtreligiösen Populationen gingen bislang auch ausnahmslos die Familiengrößen rapide zurück.

    @Detlef Piepke

    Sie haben das m.E. schon selbst beantwortet: Zwischen den atheistischen und agnostischen Lehren der Antike und dem theistisch geprägten Mittelalter lag der Aufstieg des Christentums. Und dieses fiel doch gerade “nicht” vom Himmel, sondern setzte sich in Jahrhunderten GEGEN staatliche Verfolgung und die atheistische, agnostische und polytheistische Konkurrenz durch. Noch Konstantins Vater Diokletian ordnete reichsweite Christenverfolgungen und -hinrichtungen an – sein Sohn schlug sich schließlich auf die Seite der Sieger!

    Und was war der Grund? Die Christen kooperierten erfolgreicher, hatten durchschnittlich größere Familien und sie schufen Sozialwerke, wie es sie zuvor kaum gegeben hatte. Kein Geringerer als Kaiser Julian “Apostata”, der nach Konstantin noch einmal versuchte, das Christentum zu verdrängen, bemerkte: „Die gottlosen Galiläer ernähren außer ihren eigenen Armen auch noch die unsrigen!“

    Wir beide sind uns einig, dass (insbesondere auch monotheistische) Religionen enorme Schattenseiten aufweisen. Hätten sie jedoch nicht auch enorme Potentiale aufzuweisen, hätten sie sich nicht immer wieder durchsetzen können und Judentum, Christentum, Islam etc. wären nicht aus ihren kleinen Anfängen zu Weltreligionen geworden.

    @boris blix
    Auf keinen Fall sollen Sie einfach alles glauben. Der ganze Blog hier, die Homepage mit vielen kostenfreien Artikeln, Büchern und zahlreiche weitere Pages in Deutsch und Englisch stehen Ihnen zur Verfügung, wenn Sie sich zur (empirischen) Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen ein Bild machen wollen.

    @einer
    Ja, und in den USA sind religiöse Gemeinschaften ganz ohne staatliche Fianzierung sogar noch stärker, aber auch fundamentalistischer geprägt. Da gefällt mir das deutsche Kooperationssystem doch um Längen besser…

    @Mona
    Danke für das gute Beispiel! Und, ja, gerade auch im Protestantismus erfolgte der (Wieder-)Aufbau von Sozialwerken häufig von der (religiösen) Basis her, manchmal – etwa bei den frühen Pietisten – sogar gegen den Widerstand der staatskirchlichen Obrigkeiten.

  18. Pflege und Rassismus

    Lieber Webbär, gerade erst hatte ich doch auch einen Blogpost zum Thema Salafismus eingestellt – und soll nun aber den historisch wie weiter existierenden Sozialdarwinismus in Deutschland nicht auch erwähnen? Sorry, auch wenn es vielleicht weh tut – aber zum Rassismus von Thilo Sarrazin folgt hier bald sogar eine Buchrezension…

    Sie können auch einen Artikel über die christliche Nächstenliebe bringen – und dabei auf Sarrazin bzw. dessen angeblichen Rassismus verweisen, no prob, in freien Gesellschaften geht das.

    Es wurde zudem bereits mehrfach angemerkt, dass Sie selbst, beispielsweise wenn Sie die Religion als Evolutionsvorteil sehen, der I.E. biologistisch erklärbar sein könnte, “sozialdarwinistisch” unterwegs sind. – Wenn Sie die Gegnerschaft zum Islam als rassistisch einordnen, zudem selbst auch rassistisch unterwegs sind.

    MFG
    Dr. Webbaer (der sich hier auch einen Artikel zur aktuellen Christenverfolgung vorstellen könnte, sofern es thematisch und konzeptuell passt natürlich nur – es werden zig Millionen Christen verfolgt, hauptsächlich im islamisch geprägten Kulturkreis)

  19. @Webbaer

    Nur um es klarzustellen: Mir geht es bei diesem Blog nicht darum, Sie oder andere zu ärgern oder zu verletzen. Wenn Sie es im Einzelfall zu schmerzhaft finden, sich mit Ihren Ressentiments und Vorurteilen z.B. gegenüber Muslimen, den dunklen Zeiten deutscher Geschichte o.a. auseinander zu setzen, so ist es völlig okay, wenn Sie diese Blogposts auslassen. Ich gehe ohnehin nicht davon aus, dass Menschen feststehende Ansichten durch Auseinandersetzung mit Wissenschaft ändern. Das ist m.E. die seltene Ausnahme.

  20. @ boris blix

    Sie schreiben u. a.: „Homo sapiens sapiens hat sich über zehntausende von Jahren entwickelt.“ Es sind aber schon 300.000 Jahre, wie Prof. Pääbo vom MPI Leipzig bei Knochenuntersuchungen herausfand: http://www.mpg.de/286644/Neandertaler?page=5 . Das deckt sich mit den sumerischen Überlieferungen und der Bibel.

  21. @ Detlef Piepke

    Das mit dem sozialen Zusammenhalt zu DDR-Zeiten haben Sie recht gut dargestellt. Als die Leute im Westen angekommen waren gab es eine Zahl der Statistik, die schnelle in die Höhe stieg: Die Kriminalität.

    Am 14.05.12 las der Hamburger Publizist und Autor Otto Köhler aus seinem Buch „Die große Enteignung“. Es ging auch darum, wie man aus fast 0% Arbeitslosigkeit schnell auf das in der BRD übliche Maß kam und Betriebe mit Chancen im Osten platt gemacht wurden. Die Folgen waren z. B., dass die Geburtenrate teilweise auf bis 20% gegenüber den DDR-Zahlen sanken.
    Während in den 90-er Jahren noch an mehrere Wochenenden Jugendweihe-Veranstaltungen stattfanden – Konfirmationen gab es auch – schafft man das heute alles an einem Wochenende in der gleichen Sporthalle.

    Auch wenn die Religiosität im Osten etwas zugenommen hat – zu DDR-Zeiten gab es deutlich mehr Kinder! Es ist nicht nur eine Sache der Religion!

  22. Feedback

    Nur um es klarzustellen: Mir geht es bei diesem Blog nicht darum, Sie oder andere zu ärgern oder zu verletzen.

    Es ärgert halt schon ein wenig, wenn Sie ohne Begründung und en passant jemanden zum Rassisten erklären. – Bedenken Sie vielleicht auch diese Erklärung Sarrazins, die mit der Einstellung des SPD-Parteiauschlussverfahrens einherging. Es scheint völlig klar, dass die SPD davon ausgeht, dass Sarrazin keine rassistischen Positionen vertritt.

    Wenn Sie es im Einzelfall zu schmerzhaft finden, sich mit Ihren Ressentiments und Vorurteilen z.B. gegenüber Muslimen, den dunklen Zeiten deutscher Geschichte o.a. auseinander zu setzen, so ist es völlig okay, wenn Sie diese Blogposts auslassen.

    Der Webbaer schätzt Ihre Arbeit, begleitet aber gerade auch ungefällige Artikel bzw. besser: einzelne ungefällige Aussagen kritisch, wie bspw. diese Projektion. Kleiner Tipp: Sie sind dabei sich ein falsches Bild zu machen und jene Geschichte war nicht seine Geschichte, die Vorfahren waren auf der richtigen Seite.

    MFG
    Dr. Webbaer

  23. Konzert verboten!

    Eine kurze Mitteilung für weltweite Aufmerksamkeit: Die radikalislamische Organisation “Verteidigerfront des Islam” (FPI) macht gegen eine weltbekannte Künstlerin mobil. Die FPI wird als eine Vereinigung halbkriminelle Gangs, die unter dem Vorwand, Moral und Anstand hochzuhalten dargestellt:
    – immer wieder Bars angreifen
    – Popkonzerte stören
    – Schutzgelder erpressen
    http://www.stern.de/…y-gaga-konzert-1827587.html .
    Die muslimischen Aktivisten haben auch den Bau von christlichen Gotteshäusern verhindert – nicht nur hier ein Problem.

    Dass sich Lady Gaga für Homosexuelle einsetzt, können diese Leute auch nicht verstehen. Teilweise wird heute noch im Islam die Todesstrafe für Homosexuelle gefordert. Was vielleicht weniger Menschen bei uns wissen, auch die Bibel fordert das in 3.Mo 20,13: „Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.“ Mir ist aber kein Fall bekannt, wo das offiziell praktiziert oder in unserer Zeit gefordert wurde.
    Homosexualität gibt es in allen Völkern, Bevölkerungsschichten und Religionen; mir war mal die Zahl 4% bekannt. Im „Normalfall“ bleiben sie unter sich – und das ist auch gut so. Keine Medizin, Gesetze und Regelungen können das verhindern. Es gehört ganz einfach zur Gesellschaft. Selbst in den USA werden schon die ersten Homo-Ehen geschlossen.

  24. Cro-Magnon = perfekte kognitive Intelligenz (Höhlenmalerei, Musik, Astronomie, Schamanismus).
    Homo sapiens sapiens = kleines hypersozial-hypersexuelles Arschloch… (Chaldäer, Juden, Christen, Muslime, etc. etc. etc. etc. etc. …)

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