Nahtoderfahrungen – Schlüssel zum Verständnis von Religiosität und Religionen?

Natur des Glaubens

Im Blogpost "Evolutionäre Religionswissenschaft" hatte ich Leser-Fragen gesammelt, die ich nach und nach abarbeiten möchte. Richard Kinseher alias @KRichard wollte Nahtodeserfahrungen (NTEs) behandelt wissen – wozu er Anfang des Jahres bei Books on Demand auch "Lebende Tote? – Ein Wissenschaftsskandal" veröffentlicht und mir ein Exemplar zugesandt hatte. Im Kern vertritt er dabei die Auffassung, dass es sich bei sog. NTEs ausschließlich um erinnernde Rekonstruktionen des Gehirns, etwa an die Zustände im Mutterleib, handele. In der Debatte, ob Religiosität eine Adaption sei, ließ er die Welt dann wissen: "Ich habe mit diesen Beiträgen eines der letzten großen Rätsel um die Entstehung von Spiritualität/Religiosität gelöst – und niemand hat es hier gemerkt." Aber inwiefern sind NTEs ein Schlüssel zum Verständnis von Religiosität und Religionen?

Die Faszination für Nahtodesberichte

Mein Elternhaus war konfessionslos und agnostisch geprägt und ich erinnere mich noch gut an die Überraschung und Faszination, als ich als Teenie im Bücherschrank auf einen Titel stieß, der sich mit den Fragen des Jenseits befasste. Den medizinischen Doktortitel betonend und fern jeder kirchlichen Dogmatik versprach hier Dr. med. Raymond A. Moody buchstäblich Licht ins Dunkel zu bringen – sein Buch "Leben nach dem Tod" wurde weltweit ein Hit und erreichte allein in Deutschland bis 2002 sagen und schreibe 35 (!) Auflagen.

Wie so viele andere verschlang ich das Buch und erinnere mich gerne an die Faszination, die es auslöste. Anderen ging es offenkundig ebenso: Eine ganze Flut von Studien, Filmen und vor allem Büchern zum Thema Nahtoderfahrungen sind seitdem erschienen – zu verheißungsvoll erscheint vielen das Versprechen, an der Schnittstelle von Wissenschaft und Jenseits endlich "Antworten" zu finden. Die Befunde sind dabei so weit interpretierbar, dass sie von einem strikten Materialismus über einen vermeintlichen Gottesbeweis bis zur Beweisführung für ein in der Quantenwelt verwurzeltes, endloses Bewusstsein (so neuerlich mit großem Echo durch Dr. Pim van Lommel) herhalten. Und gerade WEIL sich in Nahtodes-Diskussionen weltanschauliche und wissenschaftliche Annahmen schnell vermischen, sind die Debatten zwischen den "Lagern" oft äußerst erbittert und für Außenstehende befremdend. Theologen wie Hans Küng weisen dagegen seit langem darauf hin, dass Nahtodeserlebnisse eben gerade keine Nach-Todeserlebnisse sind und also weder ein Jenseits noch dessen Gegenteil beweisen können. Andere Theologen wie Christian Hoppe weisen auch Spekulationen über eine immaterielle Seele u.ä. als unhaltbar zurück. Religionen "brauchen" NTEs ganz sicher nicht. Und erlauben Sie mir im Folgenden drei Punkte zu benennen, die aus meiner Sicht generell zur Vorsicht vor überschießenden Spekulationen Anlaß in diesem Bereich geben. 

1. Nathoderfahrungen sind bislang vor allem über Berichte zugänglich – und diese sind immer auch kulturell geformt

Immer wieder ist zu hören, dass vier bis fünf Prozent der deutschen Bevölkerung von Nahtodeserfahrungen berichten. Das klingt viel – solange man es nicht mit anderen, außeralltäglichen Erfahrungen vergleicht. So werden überempirische Wesenheiten – wie z.B. Verstorbene – noch um ein vielfaches öfter gesehen und insbesondere in den jungen Generationen (und unter Männern) sind UFOs und Außerirdische am Aufholen.

Gerade aus der UFO-Forschung kennen wir aber nun auch das Phänomen vorstrukturierter bzw. nachbearbeiteter Erfahrungsberichte. Selbst wer nie bewusst ein UFO-Buch gelesen oder einen UFO-Film sah, "weiß" unbewusst von Filmclips, Buchcovern, Werbeplakaten und Erzählungen, wie ein Alien oder ein UFO auszusehen "hat". So setzten sich die "kleinen Grauen" nach einer Spielberg-Verfilmung durch – und zwar nach und nach in all jenen Ländern, in denen "Unheimliche Begegnung der dritten Art" zugänglich war. Die davor sehr bunte Alienwelt mit z.B. nordischen und jesusähnlichen, grünen und weiteren Varianten wurde kulturell homogenisiert – und wer heute Berichte außerhalb des etablierten Graue-Roswell-Kanons zum Besten gibt, hat also wenig Chancen, Gehör zu finden.

Entsprechende Berichte und Kunstwerke in der Vergangenheit zu finden ist dann auch nicht schwer – verfügen wir doch über abertausende Artefakte, aus denen sich problemlos ähnliche Objekte herausfiltern lassen. Ob landende UFOs im so genannten Paläo-SETI oder lichterfüllte Tunnel – in den Heiligen Schriften (wie der Bibel oder dem Tibetanischen Totenbuch) und Kunstwerken unserer Vorfahren werden wir stets auch Entsprechungen finden – so im berühmten "Der Flug zum Himmel" von Hieronymus Bosch.

2. Aspekte von Nahtodeserfahrungen lassen sich auch neuropsychologisch gut beschreiben

Niemand bestreitet, dass in Gehirnen von Sterbenden bzw. Menschen in gefühlter Lebensgefahr intensive Prozesse ablaufen können, die durchaus auch interkulturell vergleichbare Erfahrungen hervorrufen könnten. Aber gerade diese Erfahrungen sind dann auch der wissenschaftlichen Forschung zugänglich – einschließlich der so genannten außerkörperlichen Erfahrungen (Out-of-Body-Experiences) (vgl. Gehirn und Geist Dezember 2009).

Auch in Gehirn und Geist ist bereits 2004 ein Streitgespräch zum "Licht am Ende des Tunnels" erschienen. Und es sei noch einmal erwähnt: Für die oft geäußerte Behauptung, NTE-Betroffene hätten Objekte wahrgenommen, die sie aus ihrer liegenden Position nicht hätten sehen können, fehlt bislang jeder wissenschaftlich abgesicherte Beleg. Studien dazu sind am Laufen.

3. Nahtodeserfahrungen sind selten

Ein Problem sowohl für jenseits- wie diesseitsorientierte Erklärungen von NTEs stellt der Umstand dar, dass sie so häufig "nicht" auftreten – oder mindestens nicht erinnert werden. So berichteten nur 18 Prozent der von van Lommel befragten Patienten nach der Reanimation von NTEs. Wenn hier aber grundlegende Funktionen "des" Gehirns oder eine Vorausschau auf "das" Jenseits stattfänden – wäre dann nicht zu erwarten, dass (fast) alle solche Erfahrungen durchlaufen würden? Zudem: In früherer Zeit, in denen medizinische Möglichkeiten noch viel eingeschränkter waren, dürfte die Anzahl der NTEs noch deutlich niedriger als heute ausgefallen sein. Tatsächlich spielen sie auch in heutigen Religionen eine verschwindend geringe Rolle im Vergleich etwa zu Gebets-, Meditations-, Trance- oder Flowerfahrungen.

Nahtodeserfahrungen als Basis von Religiosität und Religionen?

Dass Nahtodeserfahrungen auch kaum die Basis für Religiosität und Religionen gebildet haben, wird deutlich, wenn wir uns erinnern: Viele religiöse Systeme kamen lange ohne Jenseits- oder gar Paradieshoffnungen aus. Dies gilt nicht nur für zahlreiche Naturreligionen, sondern auch z.B. für weite Bereiche der altrömischen Kulte (die später v.a. aus Persien und Ägypten Jenseitshoffnungen importierten) und sogar für das frühe Judentum. Noch die den Tempelkult verwaltenden Sadduzäer spotten über den Jenseitsglauben von Mit-Juden wie Jesus von Nazareth:

Luk 20,27. Es kamen aber einige der Sadduzäer herbei, die einwenden, es gebe keine Auferstehung, und fragten ihn 28 und sagten: Lehrer, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt, der eine Frau hat und ist kinderlos, daß sein Bruder die Frau nehme und seinem Bruder Nachkommenschaft erwecke. 29 Es waren nun sieben Brüder. Und der erste nahm eine Frau und starb kinderlos; 30 und der zweite 31 und der dritte nahm sie; ebenso aber auch die sieben, sie hinterließen keine Kinder und starben. 32 Zuletzt aber starb auch die Frau. 33 In der Auferstehung nun, wessen Frau von ihnen wird sie sein? Denn die sieben hatten sie zur Frau. 

Nahtodeserfahrungen als außeralltägliche Erfahrungen

In der religionswissenschaftlichen Gesamtsicht erscheinen Nahtodeserlebnisse als außeralltägliche Erfahrungen – neben anderen. Das bedeutet gerade nicht, dass sie nicht wissenschaftlich und philosophisch spannend und weiterer Studien und Forschungen wert wären! Schon der Umstand, DASS Todesfragen bis tief in die Wissenschaft hinein nichts an ihrer Faszination verlieren, sagt viel über uns Menschen und Hoffnungen aus.

Bis wir mehr über das Phänomen (oder die Phänomene) der NTEs wissen, möchte ich aber eine Faustregel empfehlen: Umso entschiedener jemand behauptet, hierzu alle Fragen beantwortet und darüber allerhand Menschheitsrätsel gelöst zu haben – umso mehr Skepsis ist zu empfehlen.

Nachtrag: Die Beiträge der aktuellen Tagung des Forums Grenzfragen der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart "Das Fenster zum Himmel war offen." – Nahtoderfahrungen und ihre Deutung. sind hier (Klick!) dokumentiert.

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

58 Kommentare

  1. Die Unmöglichkeit der Erinnerung

    “Im Kern vertritt er dabei die Auffassung, dass es sich bei sog. NTEs ausschließlich um erinnernde Rekonstruktionen des Gehirns, etwa an die Zustände im Mutterleib, handele.”

    Wie soll so etwas möglich sein? Forscher nehmen heutzutage an, dass die Ausbildung des Langzeitgedächtnisses eng an die Hirnentwicklung gekoppelt ist. Wie kann sich also ein Mensch an seine Zeit im Mutterleib erinnern, wenn sein Gehirn dazu gar nicht in der Lage war?

    Quelle: http://www.spiegel.de/…sch/0,1518,220484,00.html

  2. Erinnerungen – NTE und Religionen

    Nun ja, @Mona, direkte Erinnerungen sicher nicht zu früh in der kindlichen Enwicklung. Aber könnte es sein, dass Eindrück gewissermaßen unverdaut doch irgendwo abgespeichert sind? Und dann erst in sehr viel späterem Stadium als Erinnerungsbilder hervorgeholt werden? Ich könnte mir so was denken, und es würde den Tunnel und erklären, und wie man schon mal das Licht der Welt erblickt hat. Aber vielleicht ist es auch nur eine zufällige Analogie. Es ist sicher eine diffizile Fachfrage, für die ich mich nicht kompetent erklären will.

    Zur Religion: Religionen *brauchen* tatsächlich keine NTEs, sie gründen sich nicht darauf. Manche kommen ja, wie bei Michael Blume gesagt, ganz ohne Jenseitshoffnung aus bzw. mit einer sehr vagen düsteren Jenseitsvorstellung wie in der griech/römischen Religion und eben auch – zu Recht von ihm genannt – im Alten Testament (außer ein paar wenigen Dingen in den allerjüngsten Schichten, die dann wohl von den Sadduzäern nicht anerkannt wurden). Abraham u.ä. die brauchen schlicht kein Jenseits. Die werden nur “versammelt zu ihren Vätern”. Und das – merkwürdig ! – in geographischer Nähe zu so jenseits-intensiven Religionen wie der ägyptischen.
    Aber NTE, zu denen es ja uralte Berichte gibt (siehe eben das Buch von Moody) wurden natürlich an verschiedensten Stellen der Welt aufmerksam registriert. Und sie wurden natürlich (wie andere außerordentliche Erfahrungen) in unterschiedlichster Weise benützt zur Ausgestaltung von Jenseits-Vorstellungen.
    Insofern prägen nicht nur kulturelle Zusammenhänge die Erinnerung eines Menschen, der was von NTE zu berichten weiß; sondern NTEs können auch zu kulturell vermittelten Bildern werden, Kultur mitprägen. Ich kenne das tibetanische Totenbuch nicht. Aber dort scheint so etwas geschehen zu sein.
    Ich stelle mir auch immer noch vor, dass das über Paulus (u.a. in Apostelgeschichte 9) erzählte Damaskus-Erlebnis so eine Nahtodeserfahrung ist. (Die “falsche” Reihenfolge in dieser Geschichte widerspricht dem nicht; die kann in der literarischen Entwicklung zur Heiligenlegende entstanden sein).

    Ich finde es einerseits spannend, dass solche Erfahrungen, die (hier in Europa) jahrzehntelang nur in religiösen Kleinschriften, Traktätchen… erzählt wurden, damit innerhalb der Religion ein gewisses Asyl bekamen – bis sie seit Moody, Kübler-Ross u.a. einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden und damit dann auch von der Wissenschaft endlich als untersuchungswertes Objekt erkannt wurden.
    Andererseits lege ich natürlich auch allen Wert darauf, dass man diese Erfahrungen nicht rechthaberisch theologisch vereinnahmt – als Bestätigung der jeweils eigenen Jenseitsvorstellungen (umgekehrt wird’s gewesen sein, s.o.), sondern dass man sie in allen Richtungen wissenschaftlichen, ja auch gewissermaßen gerichtsmedizinischen, kriminologischen … Untersuchungen aussetzt. Die bei Moddy und Kübler-Ross u.ä. vielfach noch offenen Deutungen erweisen sich ja immer mehr als gehirnphysiologisch erklärbare Vorgänge.
    Und dass man die früher oft als unwiderleglich behauptete Deutung, es seien von Patienten Dinge gesehen worden, die sie selber nicht sehen konnten UND auch nicht hören (und keiner der in der Situation Beteiligten) – dass man die bisher auch nicht wirklich belegen konnte, das halte ich auf jeden Fall fest.
    Es muss eine Gesellschaft o.ä. – organisiert von einem Heidelberger Arzt? – geben, die wissenschaftliche Untersuchungen dazu machen und diese als Argumente für die traditionellen christlichen Vorstellungen auswerten will. “Irgendwo” müsste ich auch noch ein paar Papiere von dort haben. Suchet, so werdet ihr finden… Mal sehen. Vielleicht weiß jemand anderes (Internet-)Adressen dazu.

  3. Erinnerung, Religiosität

    @Mona: Die bei Nahtod-Erlebnissen(NTEs) erinnerten Erlebnisse stimmen so gut mit dem überein, was ein Mensch in seinem Lebenslauf, ab dem 6.Schwangerschaftsmonat, erleben kann – dass deutlich erkennbar ist, wie das episodische Gedächtnis durchsucht und beim Erinnern neu bewertet wird. D.h. die bisherige Annahme, man könne sich nicht an vorgeburtliche oder frühkindliche Erlebnisse erinnern (infantile Amnesie) – ist daher falsch.
    Außerdem laufen NTEs deutlich schneller ab, als z.B. Messungen per fMRT erfolgen können – d.h. hier hätte man über die NTE-Berichte Zugang zur Beobachtung von Gehirnaktivitäten, welche sonst nicht zugänglich sind. Hier ist eine bisher nicht beachtete Chance, die Arbeitsweise des Gehirns besser zu verstehen. Denn hier wird eine komplexe Gehirnaktivität nur durch einen einzigen Schlüsselreiz ausgelöst.

    @Aichele: NTEs sind keine spirituellen/religiösen Erfahrungen (- allerdings können sie als solche betrachtet werden). Aus diesem Grund habe ich dieses Thema in meinem Buch fast völlig ausgespart – weil ich der Meinung (wie Prof. Dr Küng) bin – dass man noch am Leben sein musste, wenn man von NTEs berichten kann. Außerdem zeigen Ablauf/Inhalt der NDEs eindeutig, dass es sich nur um erinnerte Erlebnisse bzw. eine virtuelle Simulation der aktuellen Situation (außerkörperliche Erfahrung) handelt.
    Aber für das Verständnis von Religiosität sind NTEs trotzdem von Interesse, weil z.B. die Erinnerung von liebevollen Lichtwesen eine (1) Grundlage für den Glauben an übersinnliche Wesen sein können.

    Tipp: mein Buch kann per books.google bzw. Amazon search inside teilweise eingesehen werden.

    @Blume: Mein Erklärungsmodell ist mit Skepsis zu betrachten – das ist gut so. Ich wünsche mir Menschen, welche meine Aussagen prüfen.

  4. Licht im Tunnel @H.Aichele @KRichard

    Rüdiger Vaas schreibt in Bild der Wissenschaft online: “Nahtod-Erfahrungen scheinen mehr über die Wirkungsweise von Gehirn und Bewusstsein als über Jenseits und Unsterblichkeit zu verraten. Die Tunnel- und Lichtvisionen werden vermutlich von der Architektur der Sehrinde bedingt. Biomathematische Modelle machen verständlich, wie ein Tunneleffekt entstehen kann, weil die Nervenzellen in den Zentren der optischen Felder viel dichter sitzen und stärker miteinander verschaltet sind als am Rand und somit zum Zentrum des Sehfelds orientiert sind. Wenn die Zellen mehr oder weniger zufällig feuern, entsteht die Halluzination eines hellen Lichts in der Mitte, das zu den Rändern hin verblasst…”.

    Von hier: http://www.bild-der-wissenschaft.de/…id=30452144

  5. Lichttunnel @Mona

    Ja, Mona, Rüdiger Vaas wird da Recht haben. Oder das ist wohl eine der plausibelsten Erklärungen, vielleicht sogar die schlüssigste. Mit der Erinnerung an Geburtsvorgang wollte ich eine andere Möglichkeit zwar – zugunsten von @KRichard, mit dem ich ja sonst nur sehr selektiv einig gehe – offenhalten. Ich möchte es nicht ganz ausschließen, zumal ich mal was davon gelesen/gehört habe, dass diese „Lebensfilm“-Geschichte, die manchmal auch in NTEs begegnet, auch bis zur Geburt zurückgehe. Aber das beruht wohl auf individuellen (und nachträglich sich vollends zusammengereimten) Erfahrungen; die These von Rüdiger Vaas bzw. was er als Ergebnis anderer Wissenschaftler referiert, erklärt mehr. OK.
    Der Artikel von Rüdiger Vaas brachte für mich wenigstens noch den Vorteil, dass ich wieder auf den Namen des Heidelberger Arztes kam, der für religiöse Deutung der NTEs wirbt: Michael Schröder-Kunhardt. (RVaas erwähnt ihn in anderem Zusammenhang). In meinem vorigen Kommentar kam ich nicht auf ihn – von ihm müsste ich irgendwo Papiere haben.

  6. Eigentlich wollte ich es vergessen, aber hier paßt es sehr gut. Ob wohl jeder irgendwann sein persönliches Damaskuserlebnis hat? Ich weiß es nicht. Die besten Philosophen waren Skeptiker. Egal. Ist auch schon lang her und KRichard bohrte immer wieder nach. In einem Punkte neige ich ihm zu: ob religiöse Vorstellungen in solchen Erfahrungen ihren Anfang nahmen?

    Nun gut: ich war müde und vll. war Nietzsche der Auslöser -vor 15 Jahren. Ich las seinen Zarathustra:
    “»Leib bin ich und Seele« – so redet das Kind. Und warum sollte man nicht wie die Kinder reden?

    Aber der Erwachte, der Wissende sagt: Leib bin ich ganz und gar, und nichts außerdem; und Seele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe.”

    Und so sprach ich also zu meinem Herzen: Vielleicht hat der Mann recht, die “Seele”, “Gott” -vll. hat man mich verarscht?

    Ich legte mich ins Bett. Nach einer Weile, irgendwo zwischen Wachen und Schlafen hörte ich meinen Atem wie einen Halbtonschritt: H->B, H->B usw. Es war mir als drehte es mich um meine eigene Achse, so, als würde man in einer Hängematte liegen und dieser einen Schwung geben. Erst langsam, dann schneller. Dann war ich irgendwie in meinem Zimmer -nur als Kopf, der wie ein Ballon durch das Zimmer schwebte. Ich bekam Angst und flog wieder Richtung Bett. Ich erwachte. Ich hatte mich noch nie so frei gefühlt! Abstieg der Seele in die Leibeswelt? Der Körper als Gefängnis? Erlebte Platon ähnliches?
    Ich versuchte eine Zeit lang durch atmen diesen Zustand wieder zu erleben -vergebens! Heute verblaßt allmählich dieses Erlebnis. Aber ich kann nicht leugnen -es muß mich irgendwie beeindruckt haben.

  7. @ Michael Blume

    Das Thema Nahtod hat mich schon interessiert und so ging ich verschiedener Literatur nach. Es gab auch immer wieder „religöse Kreuzungen“ verschiedener Art. Selbst ein „Teufelsereignis“ kann man erleben.

    Sie erwähnen einen Film von Spielberg – so ist mir Taken bekannt – wo die kleinen Grauen nicht die Hauptrolle spielen. Er hat lange und gut recherchiert und fand eine Serie von 10 Filmen dem Problem angemessen, Filmankündigung im FS.

    Wenn Sie feststellen: „Umso entschiedener jemand behauptet, hierzu alle Fragen beantwortet und darüber allerhand Menschheitsrätsel gelöst zu haben – umso mehr Skepsis ist zu empfehlen.“ Da kann ich Ihnen beruhigt zustimmen. Es gibt leider zuviel Leute, die die letzten Geheimnisse… zu ihrem auch Buchtitel machen!
    Out-of-Body – ein Erlebnis, dass nicht nur beim Nahtod beschrieben wird. Über ihre selbst gemachten und hervorgerufenen Erfahrungen berichtet Lotte Ingrisch in „Unsterblichkeit“.

    Andreas stand eine Not-OP bevor, er versuchte sich zu konzentrieren. Dann saß er vor einer Brücke, die er nicht überqueren konnte. Da kam ein Engel und sprach ihn mit einem anderen Namen an. Sie forderte ihn auf mit ihr zu gehen – es ging. Dann sah er seine Hülle liegen – sie sagte ihm, dass sie beschädigt wird, aber nicht stirbt.
    Sie wies ihm den Weg in eine früheres Leben. Hier erlebte er unter anderen Umständen gewisse Parallelitäten zur OP und während er im Koma lag. Ein „Unfall“ ließ ihn wieder im Krankenhaus aufwachen. Das Erlebnis schildert Herr Heinisch u.a. im Buch: Gott schickte mir einen Engel.

  8. @Mona, @Aichele

    Die bisherigen Erklärungsversuche (auch von Vaas, Schröter-Kunhardt) gehen immer davon aus, dass es sich bei NTEs um einen Sterbeprozess handeln würde. Mein Erklärungsmodell ist grundsätzlich anders – ich gehe davon aus, dass man zum Zeitpunkt des Erlebens von NTEs bei vollem Bewusstsein ist. Ohne Bewusstsein ist keine Wahrnehmung möglich.

    Als ich durch Zufall erkannte, dass es sich beim Tunnelerlebnis um die Erinnerung an die Entwicklung des Sehsinnes handelt, verglich ich sofort die Entwicklung der Sinne beim Fetus mit den Nahtod-Berichten. Der Gehörsinn arbeitet früher (etwa ab 20-24. Schwangerschaftswoche) – und genau in dieser Reihenfolge wird es in vielen Berichten erzählt: erst ein manchmal unangenehmes Geräusch und dann kommt das Tunnelerlebnis (manchmal begleitet von Geräuschen).

    Das Tunnelerlebnis kann man als Erinnerung eines Geburtsvorganges ausschließen. Susan Blackmore hat sowohl per Kaiserschnitt geholte wie auch natürlich geborene Personen befragt, welche ein NTE hatten: in beiden Gruppen war der Anteil von Tunnelerlebnissen gleich groß. (Nachzulesen z.B.: Susan Blackmore; Near-Death-Experiences In or Out of the Body, 1990).

  9. @Hilsebein

    Das Erleben eines liebevollen Licht-/Geistwesens dürfte sicherlich ein (1) Grund für das Entstehen von Religionen sein. Da es sich dabei um die Mutter (und andere Personen,welche das Baby liebevoll versorgen) handelt, kann man hier eine auf realer Erlebensbasis bezogene Grundlage, für Religiosität/Spiritualität und den liebevollen Umgang miteinander, sehen. In NTEs wird auch berichtet, dass das Lichtwesen gesagt habe, was richtig und falsch sei, hier ist auch eine Grundlage für Moral zu finden.

    Diese Erlebnisse stammen aus dem vorsprachlichen Lebenszeitraum. D.h. hier erlernt der Mensch ein Basiswissen, welches später nicht mehr verändert werden kann.
    Selbstverständlich ist für das Entstehen von Religiosität die geistige Auseinandersetzung unbedingt notwendig. NTEs zeigen aber dass es auch eine biologische Basis gibt.

  10. @Deisting

    Als ich merkte, dass man sich im Rahmen der NTEs auch an vorgeburtliche Erlebnisse erinnert – war mir klar, dass ich ein Menschheitsrätsel gelöst hatte. Die gesamte Fachliteratur muss umgeschrieben werden. Bisher ging man immer davon aus, dass vorgeburtliche und frühkindliche Erlebnisse dem Erinnern nicht zugänglich sind.
    Ich empfehle aber nicht nur Skepsis, sondern auch, meine Argumentation Punkt für Punkt zu prüfen.

    Dann empfehle ich, mit genau der gleichen Skepsis auch einmal das Buch ´Leben nach dem Tod´ durchzulesen. Dr. Moody suggeriert sehr viel, behauptet aber wenig. Allerdings sind die Beispiele hervorragend beobachtet und auch die Struktur der Kernelemente (KE) ist so gut herausgearbeitet, dass ich sie zur Grundlage meines Erklärungsmodells gemacht habe. Damit will ich zeigen, dass man aus der Abfolge der KE schon vor 35 Jahren verstehen hätte können – dass es sich um Erinnerungen aus dem persönlichen Gedächtnis handelt.

    Wenn man die Berichte außerkörperlicher Erfahrung (OBE) liest – hätte man leicht erkennen können, dass es sich um eine vom Gehirn erstellte Simulation handelt. Z.B. Wenn eine Frau ein Bein bewegt, die Temperatur ihrer Füße spürt und sich gleichzeitig von oben beobachtet. Bewegungen und Temperaturgefühl sind bewusste Ereignisse.
    Wenn ein Arzt sich als verfärbten Leichnam liegen sieht, dann ist dieses Bild keine OBE, sondern stammt offenbar aus dem Gedächtnis.

    Lesen Sie oben den Text auf der Titelseite: ´150 Menschen, die einmal im medizinischen Sinne gestorben waren …` => hier wird aus einem klinischen Tod ein real abgeschlossener Vorgang. Und mit dem Titel ´Leben nach dem Tod´ suggeriert er Erlebnisse danach.

  11. @Mona

    Aktuell finden Sie bei brainlogs > braincast > Ernährung 1 den Artikel ´Ungeborene ertasten einander im Mutterleib´.
    Die auf das Ziel zielgerichtet unterschiedliche Geschwindigkeit der Bewegungen deutet darauf hin, dass bereits ein Gedächtnis und die Verarbeitung von Erinnerungen vorhanden sein muss.
    D.h. die in Ihrem 1. Beitrag vom 22.10.2010 aufgeworfene Frage kann eventuell geklärt werden.

  12. Es gibt hier wohl keinen, der NTEs nicht als natürliche Hirnprozesse betrachten würde. Inwieweit da vorgeburtliche Erinnerungen aus dem biographischen Gedächtnis (eher unwahrscheinlich) bewusst werden oder nicht, erscheint mir für die Frage der Bedeutung der NTEs für die prähistorische Entstehung von religiösen Vorstellungen zweitrangig.

    Dass viele religiöse Systeme auch ohne Jenseits- oder gar Paradieshoffnungen auskommen können, geht am Problem vorbei. NTEs sind in eine Reihe zu stellen mit Erfahrungen nach dem Genuss psychoaktiver Substanzen, oder wenn Halluzinationen bzw. Trauminhalte nicht als solche erkannt werden. Dann können die Wahrnehmungen wie ein Blick in eine andere Wirklichkeit erscheinen, wo z.B. die Ahnen noch herumgeistern und Ratschläge erteilen. Zusammen mit den unerklärlichen natürlichen Phänomenen und weiteren Faktoren ergibt sich somit, so meine ich, durchaus die Grundlage für die Entstehung von Vorstellungen von einer weiteren Wirklichkeit hinter bzw. jenseits der wahrnehmbaren Realität.

    Was wären denn die alternativen Thesen, wie die Menschen auf die Idee gekommen sind, es gäbe überempirische Akteure, mit denen man irgendwie in Kontakt treten könne?

  13. Luzider Traum? @Dietmar Hilsebein

    Ich habe über Ihr Erlebnis nachgedacht und könnte mir vorstellen, dass Sie evtl. einen luziden Traum gehabt haben. Solche Klarträume kann man auch trainieren, dazu gibt es im Internet verschiedene Anleitungen. Allerdings treten sie auch unwillkürlich auf.
    Auf Wikipedia wird der Klartraum oder auch luzide Traum beschrieben, siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Klartraum
    Passt die Beschreibung zu ihrem Erlebnis?

  14. @ Mona

    “Passt die Beschreibung zu ihrem Erlebnis?”

    Keine Ahnung. Ist für mich heute auch nicht mehr so wichtig. Ich lege keinen allzu großen Wert auf die Träume. Damals aber verspürte ich beim Aufwachen eine Sehnsucht, dieses Erlebnis von unbeschreiblicher Freiheit wiederholen zu können. Irgendwann verlor ich das Interesse.

  15. @ KRichard

    Wenn spezielle Fälle geschildert werden, ist es für mich ein Grund, das zu akzeptieren, mit „aufzulisten“, um bei Bedarf darauf zurück zu kommen.
    Sich erinnern – wer sind die Auslöser? Ein NTE, eine Hypnose, die alte Erinnerungen wieder wachruft – Fernsehen „wer war ich?“ Jetzt würde mich interessieren, inwieweit Erlebnisse des NTE mit durch Hypnose erlangte Informationen vergleichbar sind. Hat es Sinn, ein NTE unter Hypnose zu hinterfragen?
    Andreas hatte sich nach dem Erwachen aus dem Koma so nach und nach an alles erinnert und es aufgeschrieben. Sie schreiben: „…dass man zum Zeitpunkt des Erlebens von NTEs bei vollem Bewusstsein ist.“ Andreas stand unter Narkose, wochenlanges Koma… hat er denn etwas Anderes erlebt?
    OBE – das was ich bisher darüber gelesen haben (L. Ingrisch) aber auch Andrews, A. und Ritchie, J. beschreiben OBE´s, in denen sie recherchierten – und das sozusagen freiwillig. Da scheint doch noch mehr los zu sein und die Unterschiede deutlich größer, als sich das hier zunächst anlässt.
    Andreas und ich haben den Beitrag „Nahtoderfahrung und Reinkarnation in einem Erlebnis“ veröffentlicht. Im Vorfeld habe ich mich mit dem Thema schon auseinander gesetzt, die „Einleitung“ geschrieben. Dazu bot mir u. a. C. Zaleski mit „Nah-Todeserlebnisse und Jenseitsvisionen“ eine gute Übersicht mit verständlichen Argumenten.

  16. @Deistung, 1.

    NTEs und Erinnerungen unter Hypnose würde ich nicht vergleichen.
    Bei NTEs handelt es sich um einen eigenständigen Suchvorgang des Gehirns: Nach einem Schlüsselreiz wird das episodische Gedächtnis zeitlich auf/absteigend bzw. in Stichpunkten durchsucht. Manchmal wird auch noch eine virtuelle Simulation der aktuell empfundenen Situation erstellt. Ein Schlüsselreiz beendet die NTE, bzw. die Person schläft ein oder wird bewusstlos. Das ganze dauert eine oder wenige Sekunden.
    Eine Erinnerung unter Hypnose kann eine oder mehrere Stunden dauern. Außerdem wird die hypnotisierte Person durch den Hypnotiseur ´geführt´. D.h. es sind äußere Einflüsse möglich.

    Bewusstsein: NTEs treten in der Regel nur nach einem Schlüsselreiz auf (die Person hört,wie sie für tot erklärt wird, oder meint selbst, sterben zu müssen). Dies hat Dr. Moody auch als Auslöser ´Das Hören der Todesnachricht´ richtig aufgeschrieben. Wo aber dieser Schlüsselreiz fehlt, treten NTEs nicht auf. Aus diesem Grund haben 70-80% der Menschen, welche einen Herzstillstand mit anschließender Bewusstlosigkeit hatten, kein NTE. D.h. es ist der Schlüsselreiz (und bewusstes Erleben), welcher ursächlich für die folgenden Erlebnisse ist.

    Zu Ihrem Fall ´Andreas´ kann ich nur spekulieren. Narkosen werden so geführt, dass sie den Patienten möglichst wenig schädigen; geschätzt jeder 500-700ste Patient wacht während der Narkose auf (vor 2 oder 3 Wochen war zu diesem Thema ein Bericht im STERN). D.h Andreas kann auch aufgewacht sein und die Situation als lebensbedrohend gefühlt haben – und schon hätte man einen Schlüsselreiz.

  17. @Deistung, 2.

    Lesen Sie meine Beiträge in http://www.wissenslogs.de > Großundklein > Blog ab 25.8.10 Denkanstöße…

    NTEs zeigen so eindeutig einen Suchvorgang im episodischen Gedächtnis, dass Sie sich Ihren Ruf ruinieren, wenn Sie übernatürliche oder Jenseits-Erfahrungen ohne Prüfung dieser Argumentation für möglich halten. (In meinem Buch steht noch etwas mehr und detaillierter).

    Viele OBEs entsprechen nur Allgemeinwissen oder wurden nie nachgeprüft. Einige schöne Beispiele finden sie in http://www.infidels.org > library > keith Augustine > Hallucinatory Near -Death Experiences. Z.B. Maria´s Shoe – DIE Geschichte einer angeblichen Seelenreise, bei der ein Turnschuh auf einem angeblich uneinsehbaren Fenstersims gesehen wurde. Diese Geschichte galt jahrelang als Beweis(!) für eine Seelenreise (- bis sie jemand nachgeprüft hat(.
    Oder gleich am Anfang (im Kapitel ´out-of-Body Discrepances) die Geschichte eines Soldaten, welcher sich in einer Gefahrensituation angeblich von oben betrachtete – dass direkt neben ihm zwei weitere erwachsene Personen lagen, sah er nicht!.

    Den Eindruck, sich außerhalb des eigenen Körpers zu befinden kann man teilweise schon künstlich erzeugen. Hierzu gab es bei Gehirn&Geist Nr.12/2009 einen guten Artikel zum Stand der Forschung: Olaf Blanke, Mein Körper und Ich.

  18. @Balanus

    NTEs sind mit Halluzinationen nicht zu vergleichen. Die Struktur von NTEs ist so klar, dass eindeutig erkennbar ist, dass dabei das episodische Gedächntis durchsucht wird. Hier handelt es sich um einen gezielten Suchvorgang, bei dem gefundene Inhalte bewusst werden. D.h. hier ist ein bisher übersehener Forschungsansatz für die Gehirn-/Gedächtnisforschung.

    Für die Religionsforschung ist mit den bei NTEs erlebten Licht-/Geistwesen ein(1) konkreter Ansatzpunkt zur Erforschung von Religiosität/Spiritualität konkret erklärbar. Allerdings sollte man die Bedeutung auch nicht überschätzen (aus diesem Grund verweise ich in meinem Buch nur am Rande darauf).
    Beispiel: vergleicht man Religiosität mit einem fertig gemalten Bild – dann ist eine einzelne Farbe (z.B. ein NTE) nur ein Bruchteil davon. Es braucht eine Idee (Sinn, Zweck), es braucht Geräte, es braucht Können und Phantasie um dieses Bild zu erstellen. D.h. die Erstellung des Bildes ´Religiosität´ ist ein komplizierter schöpferischer Prozess. Die Aussage des Bildes ist aber für jeden Betrachter wiederum unterschiedlich, da jeder einen anderen Sinn darin sieht.

  19. @ Balanus @ KRichard

    NTE als natürlichen Hirnprozess – ja was soll es denn sonst sein? Als Dr. Moody damit angefangen hatte, erntete er nur Hohn und Spott. Dem Prof. A. Wegener ging es mit seinem Urkontinent nicht anders und als Prof. Nur Schlussfolgerungen zwischen Sonnenfinsternis und Erdbeben zog – war es auch nicht anders! Und weitere Gebiete schließen sich hier an…
    Vorgeburtliche Erinnerungen – da halte ich mich lieber noch zurück. Da frage ich mich: Was habe ich eigentlich noch für Erinnerungen an meine frühe Kindheit? Das Kinder aber reinkarnieren können (ein anderes Thema) – habe ich mehrfach gelesen.
    Ein religiöser Mensch wird auf eine NTE anders reagieren als ein Atheist. Aber alle Menschen haben mehr oder weniger von Gott gehört – und so kann auch ein Atheist durchaus mit einem Engel in Berührung kommen. NTE´s werden eigentlich weltweit nach bisherigen Erkenntnissen festgestellt und beschrieben.
    Die Nutzung von „Drogen“, um mit den Ahnen in Kontakt zu kommen, ist wohl ein Hilfsmittel, um den Kontakt schneller herzustellen. Wenn wir von Reinkarnationen ausgehen können – warum sollen dann einige Ahnen nicht ansprechbar sein? Gibt es eine Wissenschaft, die so etwas schon real betrachtet?

  20. @ KRichard

    „NTEs und Erinnerungen unter Hypnose würde ich nicht vergleichen….“ Danke, es gibt andere Fragen, wo ich sicher bin. Ich kann Ihnen die Schlüsselszene von Andreas auch senden – Adresse?
    Man hat für den Fall der Fälle Dinge, Schriften zurechtgelegt, die ein geistiger Überflieger als Beweis hätte mitbringen müssen – war nicht. Also kein NTE, OBE?
    Meine Frau fragt mich manchmal, hast du Dies oder Jenes gesehen? Oft nein, meine Gedanken waren an anderen Objekten – warum nicht unter OBE auch? Es sieht nicht immer Jeder alles! Müssen wir es ihm zum Vorwurf machen oder damit den ganzen Vorgang ablehnen? Die Schulwissenschaft ist immer schnell dabei Dinge abzulehnen – statt ihnen nachzugehen – nur weil sie noch keine Erklärung dafür hat, haben kann.

  21. Die religiöse Dimension der Nah-Todeserfahrungen:

    Darüber gibt es eine Magisterarbeit von Stefan Högl. Leider stammt sie aus dem Jahr 1996 und konnte deshalb die moderne Hirnforschung nicht berücksichtigen. Auch weiß ich nicht, ob sie einen wirklichen Gewinn für die aktuelle Diskussion hier bringt. Da ansonsten aber nur esoterisches Zeugs existiert werde ich sie für Interessierte hier verlinken: http://www.hoegl.net/nahtod/magister.htm

  22. Verlinkung @Mona and all

    Wenn wir schon am Verlinken sind, hier die Dokumentation einer Tagung (von letzten Freitag) zur NTE in der Kath Akademie Hohenheim:
    http://www.forum-grenzfragen.de/…derfahrung.html .
    Es sind vier Vorträge (drei davon als Hördatei), darunter ein streng naturwissenschaftlicher (“Der Neurowissenschaftler Dr. Lukas Heydrich greift exemplarisch das außerkörperliche Erleben heraus und stellt die naturwissenschaftlichen Erklärungsansätze dar: Es sind Gehirnfunktionen. Dazu ein anderer, der die Möglichkeit anderer Deutungsmöglichkeiten offenhält: “Dr. Joachim Nicolay, Psychologe und Theologe, führt ein in die Nahtoderfahrung als ein charakteristisches, durch bestimmte wiederkehrende Merkmale definiertes Erlebnismuster.” Scheint Richtung Schröter-Kunhardt zu gehen.
    Den schriftlichen Vortrag las ich noch nicht: “Günter Ewald, Mathematiker und Naturwissenschaftler, fordert die Einbeziehung der modernen Physik in die Neurowissenschaften, um den Nahtoderfahrungen gerecht zu werden”.

    *Nur esoterisches Zeugs* ist das sicher nicht ;-).Aber eben vieldeutig dargestellt. Die Patentformel hat noch keiner gefunden
    Die Magisterarbeit Högls ist ja solide aber ziemlich lang und führt auf viele Beispiele (der Religionsgeschichte(n)), von denen ich nicht weiß, ob und wie sie dazu gehören. Da stecke ich auch noch mitten drin…
    Bis dann 😉

    H.Aichele

  23. Tagung zu Nahtoderfahrungen

    Zufällig am gleichen Tag, an dem Michael Blume den Nahtodblog platzierte, haben wir in Hohenheim mit vier einschlägigen Referenten eine bestens besuchte Tagung zum Nahtod durchgeführt. Sie ist hier dokumentiert: http://www.forum-grenzfragen.de/…erfahrung.html. Insgesamt wurde den NTEs mehr Bedeutung zugemessen als im Blume-Blog. Wohlgemerkt NICHT als Beweis für eine jenseitige Wirklichkeit oder ein Weiterleben nach dem Tod (hier stimme ich Blume zu), wohl aber anthropologisch als mystische Erfahrung. Am prägnantesten hat dies Godehard Brüntrup ausgedrückt, dessen Beitrag ich auf 13 Min. zusammen gefasst habe. Hören Sie selbst und geben Sie mir gern Rückmeldung. Herzliche Einladung.

  24. @H.Aichele: Rechenfehler im Gehirn

    Danke für den Link! “Der Naturwissenschaftliche Zugang” ,der Schweizer, wurde ja schon mehrfach publiziert. Er fußt auf der Annahme, dass außerkörperliche Erfahrungen eine Art “Rechenfehler” des Gehirns sind. Nahtod-Erfahrungen, sowie “Out of Body”-Erlebnisse werden demnach durch die Aktivität einer bestimmten Gehirnregion hervorgerufen, die in den Schläfenlappen liegt. Außerkörperliche Erfahrungen lassen sich auch durch eine elektrische Stimulation der Hirnrinde auslösen.

    Ich habe hier eine Seite gefunden, wo das bildlich erklärt wird. (Der verlinkte Beitrag stammt ursprünglich aus einem Artikel der Zeitschrift “Nature”.)
    http://www.pce-yoga.com/out_of_body.html

    Sie schrieben: “Die Magisterarbeit Högls ist ja solide aber ziemlich lang und führt auf viele Beispiele (der Religionsgeschichte(n)), von denen ich nicht weiß, ob und wie sie dazu gehören. Da stecke ich auch noch mitten drin…”

    Mit den vielen Beispielen hatte ich auch Probleme, ein Teil davon gehört m.E. gar nicht zum Thema. Auch war ich insgesamt etwas enttäuscht, wie der Autor mit dem Thema umgegangen ist. Aber vielleicht sehen Sie das, als Theologe, ja etwas anders.

  25. @KRichard

    Das Gemeinsame an NTEs und bestimmten Formen von Halluzinationen könnte sein, dass der Betreffende jeweils meint, manche seiner Wahrnehmungen kämen von außen, seien also echte, objektive Sinneseindrücke. Von dort bis zu den “überempirischen Agenten” scheint mir nur ein kleiner Schritt zu sein.

    Denn es ist ja wohl klar, überempirische Agenten sind keine Objekte, die mit den Sinnesorganen wahrgenommen werden können. Da solche Vorstellungen von der Existenz derartiger Agenten wohl kaum aus dem Nichts heraus entstanden sind, liegt es nahe, anzunehmen, dass innere Wahrnehmungen eine wichtige Rolle dabei spielten.

    Ich könnte mir auch vorstellen, dass nur bei einem Teil der Menschheit das Gehirn so verdrahtet ist, dass NTEs und bestimmte Arten von Halluzinationen als reale, also als von außen induzierte Sinneseindrücke wahrgenommen werden. Für andere, denen solche Erfahrungen versagt bleiben, mögen diese wie eine besondere Gabe von außergewöhnlichen Menschen erscheinen.

    Diese Überlegungen setzten natürlich voraus, dass die Frühmenschen NTEs ähnlich erlebt haben wie der moderne Mensch. Angesichts der Tatsache, dass offenbar die jeweilige Kultur bestimmte NTE-Phänomene, bzw. die Berichte davon, beeinflusst, ist hier aber Vorsicht geboten.

    In der von @Mona dankenswerterweise verlinkten Magisterarbeit hat der Verfasser recht ähnliche Überlegungen angestellt (soweit ich das auf die Schnelle feststellen konnte).

    Die Vorträge in Hohenheim (verlinkt von Herrn Aichele und Herrn Peitz) weisen anscheinend in gleiche Richtung.

  26. Alles schräg – techn Korrektur

    Mein Kommentar ist scheints der Anlass, dass in den Folgekommentaren alles schräg =kursiv wurde. Versuche ich es mal wieder (!) zu retten, ohne Michael Blume, der ja gerade unterwegs zu sein scheint. Frei nach einem Kirchengebet aus den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts: “Gott, schütze unseren Landesbischof. Du allein weißt, wo er sich gerade aufhält”. Wenn Du mal wieder da bist, kannst ja diesen Kommentar rauswerfen und das unnötig Kursive zurücksetzen. Danke.

    Gern geschehen! 🙂 Ich lese viel mit, habe aber festgestellt, dass ich aus den Diskussionen auch viel mehr lernen kann, wenn ich sie einfach laufen lasse, anstatt immer einzugreifen. Statt in einem wissenschaftlichen Disput das Eigene zu verteidigen, kann ich so zuhören (bzw. -lesen) und lernen! Liebe Grüße, M.B., 20.21 Uhr

  27. @Mona, @alle

    Ich kenne die lesenswerte Magisterarbeit von Dr.Högl. Sie zeigt, dass NTEs in vielen Kulturen eine(1) Grundlage für religiöse Erkenntnisse sein können. Aber er stellt die Betrachtungsweise (als Sterbeerlebnisse) nicht in Frage – und im Kapitel Schlußbetrachtung meint er sogar, dass es sich dabei um Halluzinationen handeln könne.

    Ich dagegen erkläre diese Erlebnisse ausschließlich als Ergebnis einer durch Schlüsselreiz ausgelösten Gehirnaktivität von Menschen, welche bei Bewusstsein sind.
    Gegen die Ansicht, es könne sich um Halluzinationen handeln, spricht, dass sich die gemeinsamen Ablaufstrukturen aller Erlebnisse gleichen (auch wenn Inhalte unterschiedlich sind).
    Auch eine Sichtweise als Traumerlebnis ist auszuschließen, da manchmal neben dem NTE auch die Umgebung deutlich wahrgenommen wird (im Buch ´Leben nach dem Tod´ im Kapitel ´Das Lichtwesen´ und im Kapitel ´Die Rückschau´(LKW-Fahrer) nachzulesen).
    Dass man sich an etwas erinnern und gleichzeitig die Umgebung betrachten kann – diese Möglichkeit wird in Dr. Moodys Buch nie in Betracht gezogen!

  28. @KRichard

    Träume und Halluzinationen würde ich aber trotzdem nicht vollkommen ausschließen. Ich habe weiter oben ja schon das luzide Träumen erwähnt, in diesem Zusammenhang sei noch die Bewegungsunfähigkeit im Schlaf erwähnt: ” Die Schlafstarre, Schlaflähmung oder Schlafparalyse ist die nahezu vollständige Bewegungsunfähigkeit des Körpers während der Traumphasen. Dieser natürliche Vorgang verhindert, dass im Traum erlebte Muskelbewegungen auch in der Realität ausgeführt werden. Die Schlafstarre wird in der Regel nicht bewusst erlebt, da sie beim Aufwachen ohne Verzögerung beendet wird. Von der Starre ausgenommen sind die Atem- und Augenmuskulatur. Aufgrund der auftretenden Augenbewegungen wird die Schlafphase, in der Träume auftreten, auch als REM-Schlaf (REM = Rapid Eye Movement – Schnelle Augenbewegungen) bezeichnet. Die Schlaflähmung kann durch körperliche Berührung unterbrochen werden. (…) Oft befindet sich der Geist während der Paralyse noch in einem verschlafenen Zustand, so dass er mit geöffneten Augen wieder zu träumen beginnen kann. Das bedeutet, man projiziert Trauminhalte visueller und taktiler Art nahtlos über die tatsächlichen sinnlichen Wahrnehmungen der geöffneten Augen sowie die der schwach ausgeprägten Körperempfindungen”

    Von hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Schlafparalyse

    Dazu passt m.E. auch die sog. Hypnagogie, welche sogar Halluzinationen erklären würde.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hypnagogie

  29. Nahtoderlebnisse durch plötzlichen Schlaf erklärbar? @Balanus

    “Sie schrieben an @KRichard: “Ich könnte mir auch vorstellen, dass nur bei einem Teil der Menschheit das Gehirn so verdrahtet ist, dass NTEs und bestimmte Arten von Halluzinationen als reale, also als von außen induzierte Sinneseindrücke wahrgenommen werden. …”

    Ja, anscheinend gibt es einen Unterschied:
    “Bei Menschen mit so genannten Nahtod-Erlebnissen verschwimmen die Grenzen zwischen Schlafen und Wachen, fanden Wissenschaftler der Universität von Kentucky heraus.”:
    http://www.iands-germany.de/html/aktuell.html#8

  30. @Dr. Peitz

    Lieben Dank für den Hinweis – das ist ja wirklich ein Zufall (uups, wieder ein eigenes Thema 😉 )…

    Den Link zur Tagungsdokumentation habe ich oben in den Blogpost eingesetzt. Ich finde es klasse, dass Sie solche Inhalte auch online zur Verfügung stellen – so können sich Interessierte auch online damit auseinander setzen. Bitte lassen Sie mich bzw. uns einfach wissen, wenn es etwas Themenbezogenes zu verlinken gibt!

  31. Überempirische Akteure @Balanus

    Balanus, Sie schrieben: „Denn es ist ja wohl klar, überempirische Agenten sind keine Objekte, die mit den Sinnesorganen wahrgenommen werden können. Da solche Vorstellungen von der Existenz derartiger Agenten wohl kaum aus dem Nichts heraus entstanden sind, liegt es nahe, anzunehmen, dass innere Wahrnehmungen eine wichtige Rolle dabei spielten.
    Ähnlich vorher:
    “Was wären denn die alternativen Thesen, wie die Menschen auf die Idee gekommen sind, es gäbe überempirische Akteure, mit denen man irgendwie in Kontakt treten könne?“
    Da wartete ich auf/erwartete ich von religionswissenschaftlicher Seite eine Antwort. Versuche ich es einstweilen: Wie solche Akteure in menschliche Köpfe kommen und zu Vorstellungen werden können, dazu gibt es ja verschiedenste Wege. Zum einen kann man an die Suche nach Ursachen für unvermutete Geräusche denken oder nach Ursachen für unerwartete (Natur-)Geschehen, die der Verfügung der Menschen entzogen sind. Zum andern auch an die vielfältigen Möglichkeiten, die in der menschlichen gedanklichen/sprachlichen Interaktion geschehen: Darüber nachdenken, was der andere denkt oder denken müsste oder (auch als Nicht-Anwesender über mich denkt, dass ich über ihn denke…).
    Da denke ich an Pascal Boyers ”Religion: Bound to believe?” bzw. dasselbe auf Deutsch. Daraus Kernsätze: “Menschen neigen grundsätzlich dazu, soziale Kontakte zu solchen nichtphysischen Wesen zu pflegen. Und im Gegensatz zu Tieren können wir Beziehungen zu Artgenossen unterhalten, die nicht körperlich präsent sind. Das ist aber noch nicht alles. Von frühester Kindheit an pflegen Menschen dauerhafte und wichtige Beziehungen zu fiktionalen Charakteren: zu eingebildeten Freunden, Fantasiepartnern, verstorbenen Verwandten und unsichtbaren Helden. Tatsächlich dürfte das ständige Üben mit abwesenden Partnern die außerordentlichen sozialen Fähigkeiten des Menschen sehr verbessert haben.
    Von dieser Fähigkeit, zu nicht Anwesenden eine Beziehung unterhalten zu können, führt nur ein kleiner Schritt zum Entwurf von Geistern und Göttern, die zwar weder sichtbar noch fühlbar sind, im Sozialleben des Menschen aber dennoch eine Rolle spielen.“

    Und wohlgemerkt, P.Boyer argumentiert eben nicht monokausal und beschreibt hier nicht krankhaftes, halluzinatorisches Verhalten o.ä. Sondern etwas, das „die außerordentlichen sozialen Fähigkeiten des Menschen sehr verbessert haben“ dürfte. Für Nahtodeserlebnisse gilt das mit dem Verbessern der sozialen Fähigkeiten übrigens auch öfters.
    Ich würde als Theologe noch etwas von der „Stimme des Gewissens“ dazufügen, die ja auch gelegentlich als überpersönliche, der Verfügung des Einzelnen entzogene, Macht empfunden wird. Die Dinge hängen schon alle irgendwie zusammen, aber lassen sich doch nicht alle über einen Leisten schlagen. Jedenfalls, wenn jemand meinen sollte, er habe da den einen passenden Schlüssel gefunden oder „es ist ja nur“ – da mag ich widersprechen.

  32. @H. Aichele

    Weder ich noch sonst wer hier redet von “einem” bzw. “dem” Schlüssel zur Erklärung des Phänomens “überempirische Akteure”. Aber es ist, wie ich meine, ein wichtiger Schlüssel. Unerklärliche Naturphänomene hatte ich als weiteren Schlüssel bereits genannt. Und die von Boyer beschriebenen mentalen Fähigkeiten des Menschen sind selbstverständlich die Voraussetzung dafür, dass NTEs bzw. OBEs genau so empfunden und wahrgenommen werden können, dass sie im Menschen die Vorstellung von der Existenz überempirischer Akteure bzw. einer nichtmateriellen Seele befördern und festigen. Es könnte doch sein, dass genau das dieser “kleine Schritt” ist, von dem Boyer spricht, also der von den allgemeinen geistigen Fähigkeiten hin zum Entwurf von Geistern und Göttern. Wobei ein ‘Entwurf’ alleine ja noch nichts bedeutet, entwerfen kann man vieles. Hier geht es um mehr, nämlich um die als real erlebte Existenz von Akteuren aus einer anderen Wirklichkeit.

    Zur “Stimme des Gewissens”: Gefährlich wird’s, wenn diese Stimme tatsächlich gehört und nicht als von innen kommend erkannt wird. Dass wir dualistisch denken und empfinden (Körper/Geist, Leib/Seele), liegt m.E. schlicht an der Arbeitsweise unseres selbst-bewussten Gehirns. Das scheint mir eine notwendige, nicht aber hinreichende Bedingung für die Konstruktion überirdischer Mächte zu sein.

    (Ich will keineswegs die Entstehung von Religionen auf “krankhaftes, halluzinatorisches Verhalten o.ä.” zurückführen. Aber wenn Menschen “entworfene” Geister und Götter als so wirklich und mächtig empfinden, dass sie sogar bereit sind, Menschenopfer zu deren Besänftigung zu bringen, dann kann ich mir das nur durch starke Erlebnisse, sprich “mystische” Erfahrungen erklären, die deren Existenz quasi “beweisen”.)

  33. @Mona: Träume

    Danke für Ihre Hinweise.
    Wenn NTE-ähnliche Erfahrungen auch in anderen Situationen auftreten (auch z.B. nach Einnahme von Drogen), dann zeigt dies, dass meine Überlegungen richtig sind: NTEs sind das Ergebnis bestimmter Funktionsabläufe im Gehirn. Mehr nicht.

  34. @ H.Aichele

    “Gott, schütze unseren Landesbischof. Du allein weißt, wo er sich gerade aufhält”. Das war also vor gut 50 Jahren. Und hier ein Hinweis aus dem alten Ägypten: Gott Amun (auch Re, Marduk) galt als „der Verborgene“ – hier bemühten sich die Priester durch ein Orakel herauszubekommen, wann er denn wieder in Erscheinung tritt.
    Interessant: „… zu nicht Anwesenden eine Beziehung unterhalten zu können…“ Das muss nicht zwangsläufig zu Göttern führen. Dr. M. Morgan erforschte die Oborigines und hier ging es u. a. um eine Kommunikation (Gedankenübertragenung) zwischen Menschen, die durchaus einige km voneinander entfernt sind. Wird das dem Zitat noch gerecht?
    „Richtung Schröter-Kunhardt“ – da gab es ein interessantes Interview: gug 2003/3, S. 54-57, wobei weitere Beiträge im Laufe der Zeit hier gut reinpassen, angrenzen.

  35. Schlaf und Träume

    Sie werden immer wieder erwähnt. Jetzt möchte ich auf die Verfilmung einer wahren Person in der Serie Medium hinweisen. Die Dame, die eine erdnussgroße und normal an der Stelle nicht vorhandene Auffälligkeit im Gehirn hatte, konnte in Träumen aber auch bei Recherchen Dinge, Fakten, Vorgänge sehen, die der Polizei halfen, Verbrechen aufzuklären.
    Nun frage ich mich, wieweit könnten hier Zusammenhänge in der besonderen Aktivität des Gehirns bestehen? Das Sehen der Bilder, aber auch die konkrete Erinnerung daran, ist ja nur die eine Seite – sie fällt aber sofort ins Auge!

  36. Der Schlüssel @Balanus

    Mit Ihnen, Balanus, bin ich wohl einig, dass das auch ein wichtiger Schlüssel zu überempirischen Akteuren ist: alle möglichen und unmöglichen haluzinatorischen, spiritistischen … Erfahrungen einschließlich der NTE. Ja, Sie fragten auch nach “alternativen Thesen”, und man konnte dies schon so verstehen: alternativ zu nicht-wahnhaften oder scheußlich vorwissenschaftlichen. Deshalb versuchte ich, ein paar gewissermaßen gesunde Zusammenhänge aufzuzählen (in denen aber auch einiges krank werden kann – nicht zuletzt bei den von Ihnen angemahnten Zusammenhängen in krankmachenden Gewissensreaktionen).
    Aber so ganz direkt meinte ich nicht Sie mit dem *einen* Schlüssel. Das war etwas wie bei einem Bowling-Spiel gedacht: Schräg anschießen, um dann ein anderes Ziel zu treffen: Jemand, der meint, nur er hätte gegen das sonst ringsum wissenschaftlich Anerkannte erst den Stein der Weisen gefunden – wenn man denn endlich auf ihn hören wollte. Vielleicht hätte ich die Adresse auch nennen sollen – meinte aber, dies vermeiden zu können.
    Schon um einiges direkter meinte ich es an Ihre Adresse mit “es ist ja nur”. Damit ein Klavierkonzert nicht *ja nur* eine beobachtbare mechanische Bearbeitung von in einem Kasten aufgespannten Därmen und Drahtseilen mit gepolsterten Hämmern ist. Ach ja, Luftschwingungen kann man dabei natürlich auch messen.
    Also, die Vorgänge im Gehirn sind eindeutig eine wissenschaftliche Forschungsaufgabe. Aber auch Wissenschaftler wissen nie, ob das, was sie erforschen (können), wirklich alles ist. So hörte ich es vor Kurzem von Prof. Hans Markowitsch in einem Vortrag in einer kirchlichen Einrichtung.

  37. Visualisierung @Balanus

    Sie schrieben: “Ich will keineswegs die Entstehung von Religionen auf “krankhaftes, halluzinatorisches Verhalten o.ä.” zurückführen. Aber wenn Menschen “entworfene” Geister und Götter als so wirklich und mächtig empfinden, dass sie sogar bereit sind, Menschenopfer zu deren Besänftigung zu bringen, dann kann ich mir das nur durch starke Erlebnisse, sprich “mystische” Erfahrungen erklären, die deren Existenz quasi “beweisen”.”

    In diesem Zusammenhang sei vielleicht noch erwähnt, dass es z.B. in schamanistisch geprägten Religionen, wie dem tantrischen Buddhismus oder dem Daoismus, bestimmte Techniken gab um Bilder zu visualisieren oder auch (im Geiste) zu fliegen. “Wiederholt stellen Kenner daoistischer Praktiken die Behauptung auf, bei diesen Reisen handele es sich – zumindest bei einigen Adepten – um außerkörperliche Erfahrungen.”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Daoismus

    Es könnte also durchaus möglich sein, dass diese Techniken auch in anderen Religionen bekannt waren und mancher Schamane hier seine inneren Dämonen visualisierte. Wenn man z.B. das Tibetanischen Totenbuch anschaut, dann könnte das durchaus zutreffen.

  38. @ H.Aichele

    Sie schreiben: „Also, die Vorgänge im Gehirn sind eindeutig eine wissenschaftliche Forschungsaufgabe. Aber auch Wissenschaftler wissen nie, ob das, was sie erforschen (können), wirklich alles ist.“ Der Fortschritt der Forschung bringt auch neue Ergebnisse, Richtungen – das bringt auch schon die Diskussion hier zum Ausdruck. Das folgende Beispiel ist eine Richtung, über die es schon in den letzten Jahren Informationen gab.
    Ich fand die Meldung von 2008: „Southampton/ England – Eine Studie, die von der englischen “Souhampton University” koordiniert wird, will in den kommenden drei Jahren das Rätsel von Nahtoderfahrungen auch experimentell ergründen.“ In Ergänzung dazu will man im kommenden Jahr Ergebnisse veröffentlichen über: „Ärzte an 25 britischen und neun amerikanischen Kliniken wollen insgesamt 1500 Patienten untersuchen, die nach dem Stillstand von Herz oder Hirn, wiederbelebt werden konnten und danach von Nahtod- und außerkörperlichen Erfahrungen berichtet haben…“ An den Studie beteiligt ist u. a. Dr. Sam Parnia von der “State University” in New York.
    Das ist die Geschichte mit den Zeichen auf Schränken…, die nur von oben zu sehen sind. Immerhin, so hat man erfasst, dass alleine in den USA mehr als 15 Millionen Menschen glauben, schon einmal eine Nahtoderfahrung gehabt zu haben. Gibt es eine vergleichbare Zahl von Deutschland?

  39. @Deistung: NTEs in BRD

    Von Dr. Hubert Knoblauch wurde das Forschungsprojekt ´Struktur und Verbreitung von Todesnähe-Erfahrungen in der BRD´ geleitet. Durch Zufallsstichprobe wurden 2044 Menschen (aus ca. 80 Millionen) ausgewählt. Davon hatten 4,3% eine NTE und bei weiteren 1,5 % ist nicht eindeutig erkennbar ob sie ein NTE hatten.
    Ergebnisse der Studie sind nachzulesen im Buch: Hubert Knoblauch, Berichte aus dem Jenseits – Mythos und Realität der Nahtod-Erfahrung, Herder.

    Alerdings leidet die Studie an einem grundsätzlichen Fehler. Es wurde nie in Erwägung gezogen, dass es sich bei NTEs um einen bewussten Denkvorgang handeln könne.
    Den gleichen Fehler findet man auch bei der ´The AWARE Study´ von Dr. Sam Parnia.

    Und noch eine Neuigkeit: Mit meinem NTE-Modell und Regelmechanismen des Schwarmverhaltens kann man eventuell erklären, wie Denkvorgänge ablaufen. Es scheint, dass Denkprozesse einfacher ablaufen als bisher gedacht – und dass Denken kein emergentes Phänomen ist.
    Diese Idee hatte ich gestern – mal sehen, was daraus wird.

  40. Die Magisterarbeit von Högl @Mona

    Ich habe mir es angetan, die Magisterarbeit von Högl ganz durchzulesen. OK, sie ist bereits 14 Jahre alt, also nicht so ganz aktuell. Das wäre nicht schlimm.
    Aber sonst wenigstens so viel:
    Diese Arbeit führt unheimlich vielerlei vor. Er hat unheimlich viel dazu gelesen, stellt es aber oft sehr unvermittelt nebeneinander, ohne dass man eine klare Linie seiner Bewertung erkennt. Auf langen Strecken dachte ich: Jetzt komm endlich zu Potte.
    Die theologischen Dinge sind – jedenfalls dort, wo ich mich auskenne, bei den biblischen Beispielen – mit Gewalt auf das Thema zugetrimmt. Vielleicht hat Högl bei Prokrustes gelernt… 🙁 Dabei hat er erkennbar mythologische Erzählungen auf sein Thema überinterpretiert: durch Psychologisierung der darin geschilderten Person (Mose, Jesus…) – anstatt nach der Psychologie der Erzähler zu fragen.
    Schließlich landet er (nach allem, was er entsprechend dem Stand von 1996 Wissenschaftliches referiert) dann doch bei inhaltlichen Bewertungen. Dankenswerter Weise bescheinigt er den Theologen, dass viele von ihnen sehr zurückhaltend seien gegenüber einer theologischen Vereinnahmung der NTEs. Ich halte das für ein Kompliment.
    Er serviert auch manche naturwissenschaftlichen Deutungsversuche ziemlich unvermittelt ab – siehe z.B. : “Eine Explikation von NTEs im Rahmen der Neurobiologie, wie sie von naturwissenschaftlicher Seite schon früh angestrebt wurde, hat sich als nicht schlüssig erwiesen“. Dieser Schluss ist nicht so schlüssig.
    Eines seiner wichtigen Argumente ist, dass sich die Erfahrungen in verschiedenen Kulturen so gleichen; und deshalb müsse doch objektiv was dran sein. Gerade die von ihm so flugs abservierte Neurobiologie kann doch zumindest zum Tunnel-Bild einiges erklären. Und warum manche schöne Landschaften und gerade ihre Verwandten sehen, dürfte ja auch nicht so schwierig sein zu erklären.
    Aber genug dazu.

  41. Die für mich alles entscheidende Frage ist die Frage, ob sich das Hirn des Menschen bedient oder umgekehrt. Ich neige zum Letzteren und daher muß ich mir die kant’sche Frage stellen: Was ist der Mensch? Wer oder was bedient sich des Hirns? Dies ist eine philosophische Frage, denn jeder Hirnforscher muß sich immer fragen: neige ich zum Naturalismus, der eine edlere Form des Materialismus ist oder bin ich Idealist. Es wird wohl auf eine Wechselwirkung hinauslaufen. Meine Fragen haben Einfluß auf mein Hirn und mein Hirn stellt mir die Fragen. Denn manchmal, so scheint es mir, stelle ich keine Fragen, sondern die Fragen kommen zu mir. Ich gebe mir auch keine Antworten, sondern die Antworten kommen zu mir. Was mir am Ende bleibt, ist die Urteilskraft. Ich muß mich entscheiden, ob die Fragen für mich relevant sind und ob die Antworten mich be-fried-igen. Aber daraus ergibt sich die Frage: Wer urteilt hier? Und damit bin ich wieder “so klug als wie zuvor”!

  42. @Aichele: Theologie, Landschaften

    Dr. Högl hat die ablehnende Haltung der Theologie gegenüber NTEs gut beschrieben.
    Als in den 1960/70er Jahren die Esoterikbewegung(*) aufkam, hat man erst mal den Drogenkonsum und seine Wirkungen als Bewusstseinserweiterung gesehen. Und seit 1975 (Moody´s Buch) sah man mit den NTEs den Beweis, für eine geistige Höherentwicklung des Menschen; mit übersinnlichen Wahrnehmungen. Seitdem wird die Religiosität missbraucht, um esoterische Ansichten zu verbreiten.
    (* = Hintergedanke ist die astrologische Idee, dass mit aufeinander folgenden Weltzeitaltern eine Weiter-/Höherentwicklung des Menschen erfolgt. Hier speziell würde das christliche Fischzeitalter vom Wassermannzeitalter abgelöst. Diese Idee ist im Musical ´Hair´ verarbeitet worden, welches gleich mit dem Song ´Aquarius´= Wassermann beginnt.
    Die Idee der Weltzeitalter ist bereits Grundlage des Mithras-Kultes: Das zentrale Motiv ´Mithras tötet den Stier´ bedeutet: Mithras tötet(= beendet) das Stier-Zeitalter – und ermöglicht damit das Kommen des nächsten Weltzeitalters)

    Das Sehen von Landschaften mit sehr hellen Farben und schillernden bzw. irrealen Farben – sind Erinnerungen aus der Kindheit.
    Zunächst sind Augenlinsen/-flüssigkeit völlig klar. Im Laufe des Lebens trübt unsere Augenlinse ein und wird gelblicher. Wenn man sich im Rahmen von NTEs an frühe Kindheitserlebnisse erinnert, scheinen diese besonders leuchtend (im Vergleich zum aktuellen Erleben).
    Frau Prof. Vanessa Simmering (USA Wisconsin) untersucht die Wahrnehmung von Kindern. Sie fand heraus, dass Kinder bis zum Alter von fünf Jahren Fehler bei der Objekt-Farbe-Zuordnung(Verknüpfung) machen, wenn sie Objekte im Gedächtnis abspeichern. Werden solche Erlebnisse erinnert, dann wird auch der Falschfarben-Fehler erinnert. Unter Titeln z.B ´Warum Kinder blaue Pferde malen´ wurde in einer dpa-Meldung letztes Jahr über diese Arbeit berichtet.

  43. NTE Problematik entspricht Wunder Problematik

    Soweit ich als Agnostiker verstanden habe, bildet der (Aber)Glaube an Wunder eine wichtige Säule im religösen Fundament. Interessant ist, dass sich an vielen Stellen der Argumentation zur Vorsicht (vor NTE) der Begriff NTE nahtlos durch (religöses) Wunder austauschen lässt. So gelesen bekommt der Beitrag eine neue Qualität.

  44. @ KRichard

    Dank für die Zahlen – auch wenn sie nicht direkt vergleichbar sind, zeigt doch das Bemühen um eine größere Breite in jedem Fall, dass sie zu einer besseren Systematisierung zu führen.
    Regelmechanismen des Schwarmverhaltens (ein praktisch gut bewehrtes Muster) – warum eigentlich nicht. Im Endergebnis ist es das Einfache, was schwer zu machen, zu schlussfolgern… ist. Die Natur hat sich ja auch so entwickelt, dass sie mit möglichst wenig Aufwand die anstehenden Aufgaben lösen kann.
    N. Bohr… hatte nach längeren Studien die Idee zum Atomaufbau – und so wird es immer wieder zu „spontanen“ Erkenntnissen nach Schaffensperioden kommen (müssen).

    Wie weit gibt es schon auswertbare NTE-Gehirnstrommuster? Das Aufnehmen ist die eine und einfachere Seite. Dazu müssen sie an „mehreren“ Personen als gesichert gelten, um sie für eine weitere Auswertung heranziehen zu können. Weiter benötigt man die Aussagen der Personen, um bestimmten Schwingungsbildern bestimmte Ereignisse etwa zu zuordnen. Gibt es hier schon Erfolge?

  45. Tagungsdoku ergänzt

    Die Dokumentation unserer Tagung zur Nahtoderfahrung habe ich soeben ergänzt. Vor allem die 14 Thesen von Alois Serwaty, Vorsitzender des Netzwerks Nahtoderfahrung, laden zum Nachdenken ein. Unter http://www.forum-grenzfragen.de/…sen-zur-nte.php können Sie dies – auch gern kontrovers – kommentieren (falls Sie hier noch nicht genug diskutiert haben ;-).

  46. Linksammlung:

    http://www.myvideo.de/…29775/Nahtoderfahrung_1_5

    http://www.myvideo.de/…29885/Nahtoderfahrung_2_5

    http://www.myvideo.de/…30000/Nahtoderfahrung_3_5

    http://www.myvideo.de/…30111/Nahtoderfahrung_4_5

    http://www.myvideo.de/…30183/Nahtoderfahrung_5_5

    http://www.myvideo.de/…Leben_nach_dem_Tod_Teil_1

    http://www.myvideo.de/…Leben_nach_dem_Tod_Teil_2

    http://www.myvideo.de/…Leben_nach_dem_Tod_Teil_3

    http://www.myvideo.de/…Leben_nach_dem_Tod_Teil_4

    Ich halte mich an den Kommentar, den ich mal gelesen habe: “Wer sich an etwas erinnern kann, war nicht richtig tot.”

    Es gab noch eine Reportage auf myvideo.de, doch die ist leider zur Zeit nicht verfügbar. In der ist eine ganz wichtige Erklärung einer Neurologin, das weisse Licht, das viele beim sterben sehen, sei ein Knotenpunkt zwischen Auge und Gehirn, ich kann es leider nicht mehr 1 zu 1 wiedergeben. 🙁
    Wenn es wieder online ist oder ich eine andere Quelle finde, werde ich es hier posten. Mein Großvater erzählte auch davon, er habe ein weißes Licht gesehen.

    Eine Nahtodeserfahrung beweist und widerlegt gar nichts.

    Mit freundlichen Grüssen

  47. @Deistung

    Herr Deistung – ich habe Ihren Beitrag erst jetzt gelesen. Sorry

    Gehirnstommuster:
    Die meisten NTEs laufen so schnell ab, dass sie einer Messung nicht zugänglich sind. Entweder weil die betroffene Person nicht in einem Meßgerät liegt bzw. verkabelt ist – oder aber, weil die Meßgeräte zu langsam sind.
    Z.B. bei einer fMRT-Messung kann der geänderte Sauerstoffgehalt des Blutes erst nach ca. 6 Sekunden messtechnisch erfasst werden. In diesem Zeitraum sind viele NTEs schon längst vorbei. (z.B.: ein älterer Herr erzählte mir von seinem NTE: Zum Ende des Krieges war er auf der Flucht, als die Landstraße auf der er sich befand,von einem US-Tiefflieger angegriffen wurde. Durch das Hochspritzen der Erde sah er die Einschläge der Geschosse direkt auf sich zu kommen. Er dachte ´jetzt muss ich sterben´ und hatte ein NTE bei dem er seine Erinnerungen vom aktuellen Alter bis zurück zum 5-6. Lebensjahr neu durchlebte. Er wurde zum Glück nicht getroffen.
    Hier sind zwei Punkte von Interesse: 1) er konnte zeitgleich zum NTE die Umgebung beobachten > d.h. er war voll bei Bewusstsein. 2) Die Geschwindigkeit eines Flugzeuges zeigt, wie kurzzeitig das Ereignis andauerte.

    Daher sind die NTEs aber für die Forschung von Interesse: weil sie strukturiert ablaufen, kann man Muster erkennen und analysieren – und: weil sie deutlich schneller als eine fMRT sind, kann ein bisher unzugänglicher Aktionszeitraum des Gehirnes erforscht werden.

    NTEs werden durch einen Schlüsselreiz ausgelöst (z.B. ´ich bin tot`), der mit der aktuellen Situation nicht übereinstimmt (lebende Person). Dieser Schlüsselreiz darf aber aus ethischen Gründen in der Forschung nicht gezielt verwendet werden. Hier wäre es von Interesse, ob es ähnliche Schlüsselreize gibt, welche komplexe Gehirnaktivität auslösen.
    Ein weiteres Problem: wenn man einmal die Erfahrung machte´, z.B. ´ich bin tot´, dann wird dies als Erlebnis im Gedächtnis abgespeichert. D.h. kommt diese Erfahrung noch einmal, dann braucht nicht mehr das ganze episodische Gedächtnis danach durchsucht werden. (Aus diesem Grund haben die meisten Menschen nur ein einziges NTE).

  48. @Peitz

    Herr Peitz: Pfuscherei werfe ich dem Netzwerk Nahtod-Erfahrung (www.iands-germany.de), in aller gebotenen Höflichkeit, vor.

    Denn IANDS behauptet zwar, zum Thema NTE zu forschen, aber es werden nur Beiträge veröffentlicht, welche einseitig eine mystische Auslegung zulassen oder suggerieren. Andersartige Denkmodelle oder störende Details werden ignoriert – solche Vorgehensweise hat nichts mit Wissenschaft zu tun.

    Um die Urheberrechte an meinem Erklärungsmodell für NTEs zu sichern, habe ich dieses bereits 2006 in Buchform veröffentlicht. Da ich meine Theorie mittlerweile deutlich besser erklären und beschreiben kann habe ich diese nochmals 2008 – und verbessert jetzt 2020 mit meinem neuen Buch ´Lebende Tote? – ein Wissenschafts-Skandal´ veröffentlicht. Ich habe also mein Modell Schritt für Schritt weiterentwickelt, mehr Details erklärt und dies jeweils dokumentiert. Im letzten Buch habe ich auch grundlegende Fehler in Dr. Moodys Buch ´Leben nach dem Tod´ aufgezeigt – auf dem die bisherige NTE-´Forschung´ aufbaut.
    (Diese Dukumentationsform habe ich gewählt, da mir von Anfang an klar war, dass mein Modell die NTEs komplett erklären kann.)

    In jedem Falle habe ich aber IANDS-Germany informiert. Die Reaktion war gleich Null. Offenbar ist man an einer wissenschaftlichen Erklärung nicht interessiert – mein Modell wurde nicht einmal zur Diskussion gestellt. Offenbar ist man bei IANDS nur daran interessiert, Märchen zu erzählen. Zumindest ist dies mein subjektiver Eindruck.

  49. FOCUS Bericht v. 16.12.2010

    Vorgeburtliches Wissen wird immer öfter nachgewiesen. Dies kann man auch als Hinweis dafür sehen, dass mein NTE-Erklärungsmodell immer besser beweisbar wird: Ich behaupte, dass/wie man sich an Erlebnisse ab dem 6. Schwangerschaftsmonat erinnert.

    Aktuell erschien in FOCUS-online der Bericht: ´Mama ist die beste Sprachschule´. Darin wird gezeigt, dass Babys bereits in den ersten 24 Stunden nach der Geburt die Mutter und andere spechende Personen unterscheiden können. Beim Hören der Mutter reagieren andere Bereiche im Gehirn (Spracherwerb, motorische Fähigkeiten) als bei anderen Personen (Spracherkennung).
    D.h. es müssen vorgeburtlich erlernte Fähigkeiten/Wissen vorhanden sein.

    Und:
    Unter Google > ´Ungeborene ertasten einander im Mutterleib´ wird eine Studie von Prof. Castiello + team vorgestellt. Danach passen 14-18 Wochen alte Zwilligsfoeten die Geschwindigkeit von Bewegungen dem Ziel an. Dies zeigt, dass es sich dabei nicht um ungeordnete Reflexe handelt – außerdem deutet dies darauf hin, dass ein Gedächtnis und planendes Denken entwickelt ist.

  50. @KRichard

    Ich finde die Aussagen des Foxus wenig überraschend.
    Es ist ja nicht so, dass das Gehirn erst bei der Geburt gestartet würde.
    Natürlich nehmen die Babies auch im Mutterleib schon Reize auf … auch Töne usw.

  51. @Bohnenkamp

    Die zentrale Behauptung meines Erklärungsmodells für Nahtod-Erlebnisse (NTEs)lautet; dass dies eine selbstbeobachtbare Gehirnaktivität ist. Bei welcher man z.B. die strukturierte Ausführung einer Suche im episodischen Gedächtnis bewusst erleben kann. Dabei werden Erlebnisse ab dem 6. Schwangerschaftsmonat nachvollziehbar erkennbar.

    Dies wurde in den letzten 35 Jahren von der Gehirn-/Gedächtnisforschung nicht beachtet. D.h. bei unserem wichtigsten Organ haben wir eine Forschungslücke von 3,5 Jahrzehnten. Die Frage ist, wie lange wir uns einen solchen Fehler noch leisten wollen?

    Bisher kann man z.B. experimentuell belegen, dass Feten im 7. Monat die Sprache der Mutter bzw. bestimmte Laute wieder erkennen => d.h. ein Gedächtnis und Unterscheidungsvermögen ist vorhanden.
    Experimentuelle Ergebnisse wie im FOCUS geschildert, oder von Castiello, erhärten immer besser die Existenz eines Gedächtnisses und von bewussten Denkprozessen beim Fetus.

    Mein Erklärungsmodell für NTEs geht über diese Forschungsergebnisse deutlich hinaus! Denn ich zeige damit – nachprüfbar – einen Zugang zu Erinnerungen bzw. dem Gehirn, welcher bisher nicht erforscht wird.

  52. @KRichard – Wie genau erklären Sie Außerkörperliche Erfahrungen? Dass diese Phänomene mit Hirnreizungen erklärbar sein sollen, wie hier erwähnt wurde, ist natürlich so nicht richtig. Diese Reizungen erzeugen lediglich Pseudo-OBEs und sind in Ihrer Qualität nicht zu vergleichen mit der Erfahrung während einer “richtigen” OBE. Das gibt sogar der Wissenschaftler der erwähnten Studie zu. Mich würde interessieren, was Sie zu den Fällen von Pam Reynolds und Stefan Jankovich sagen. Das Video zur Nahtoderfahrung von Pam Reynolds finden Sie unter http://www.der-familienstammbaum.de/mementomori/nahtoderfahrung-pam-reynolds/ , den Bericht zu Stefan Jankovich’s Nahtoderfahrung hier: http://www.der-familienstammbaum.de/mementomori/nahtoderfahrung-jankovich/
    In beiden Fällen wurden überprüfbare Angaben gemacht.

  53. Bzgl NTEs kann man ja allerlei Physiologisches oder Psychologisches mutmaßen. Die Fragen nach Gehirn und Geist finden dabei selten erhellende Antworten, eher neue Fragen. Spannend wird die Sache andersherum als “Terminale Geistesklarheit”. Dazu empfehle ich

    Es beschreibt die Erfahrung mit Menschen, die jahre- oder jahrzehntelang im Koma lagen oder unter nahezu vollständiger, irreparabler Gehirnschädigung litten, bis sich kurz vor ihrem Tod etwas Unglaubliches ereignet. Plötzlich, nach schier endloser geistiger Umnachtung, setzen sich diese Menschen auf, sind geistig völlig klar, gewinnen ihre alten harmonischen Gesichtszüge zurück und richten an die völlig verblüfften Verwandten oder Familienmitglieder eine letzte Botschaft mit wichtigen persönlichen Nachrichten. Dann legen sie sich entspannt und offenbar ganz mit sich im Reinen zurück – und verlassen ihre physische Hülle.

    In einem Interview sagte der Autor “Produziert das Gehirn das menschliche Geistesleben aus seiner Chemie heraus, oder fungiert das Gehirn vielmehr als eine Art Filter oder Scanner, der die Eindrücke unserer Umwelt einer unabhängig existierenden Seele ordnet und für die Alltagswelt verwertbar macht? Ich denke, es spricht Vieles für die letztere Variante.” Einem befreundeten Arzt, der Ansprechpartner im hiesigen Hospiz ist, erzählte ich von dem Buch. Er fand den Begriff “Terminale Geistesklarheit” sehr treffend und das, was ich so in Kürze aus dem Buch berichten konnte, recht selbstverständlich – “aber da redet man nicht drüber, das ist den Leuten zu esoterisch” meinte er zum Schluß.

    Fällt mir Novalis ein:
    Dieser entsetzlichen Furcht vor dem Geist,
    ihr Guten, entschlagt euch.
    Kommt ihm näher,
    er ist lieblich und ohne Gefahr

  54. Meine Buchempfehlung hatte ich in spitze Klammern gesetzt – das war wohl für das Programm irreführend. Nochmal ohne Klammern:
    Michael Nahm; “Wenn die Dunkelheit ein Ende findet. Terminale Geistesklarheit und andere Phänomene in Todesnähe”; 2012; ISBN-10:3-86191-024-1

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